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Filmmusik

Filmmusik im Überblick
Geschichtliches

Stummfilm: Rund um 1900 entstanden die ersten kurzen Filme, die zwar keinen Filmton hatten,
jedoch von einem Pianisten live begleitet bzw. untermalt wurden. Die Gründe dafür sind vielfältig:
• Völlige Stille wurde vom Publikum als sehr irritierend empfunden.
• Filmprojektoren waren zu dieser Zeit extrem laut und zudem sehr schlecht in der Bildqualität.
Die Vorführräume mussten deswegen vollkommen abgedunkelt werden. Die unheimliche
Stimmung sollte durch die Musik vertrieben werden, außerdem sollte das Rattern der lauten
Projektoren übertönt werden.
• Das Publikum war an Schauspielmusik (z.B. aus der Oper) gewöhnt.
• Die Musik konnte die Stimmungen im Film auditiv unterstützen und erzählerisch wirken.

Als Begleitmusik wurden zunächst bekannte Hits


aus Oper und Operette verwendet. Nur
gelegentlich wurde eine eigene Musik für einen
Film komponiert. Begleitet hat meist nur ein
Pianist, Geiger oder Flötist, gelegentlich kamen
auch Kinoorgeln zum Einsatz, welche auch
Geräusche wie Wind oder Pferdegalopp
erzeugen konnten. Erst rund um den ersten
Weltkrieg wurden bis zu 80mann große
Kinoorchester zur Live-Begleitung der Filme
eingesetzt.

Der erste Tonfilm entstand 1927 unter der Fernsehgesellschaft Warner Bros: Der Jazzsänger. Die
Ausführung der Musik zu den Filmen verlagerte sich somit von den Kinos in die Studios, wodurch
die Musik gezielter und einheitlicher für die Filme eingesetzt werden konnte.

Mitte der 50er Jahre gewann Rock-, Pop- und Jazzmusik immer mehr an Bedeutung. Dies wurde
auch in der Filmindustrie genutzt, und es entstanden so genannte „Theme Songs“, Titelmelodien
zu den Filmen. Dadurch stieg die Popularität der Filme und damit auch die Einnahmen der
Produzenten. Oft sangen große Popstars die Melodien zu den
Titelsongs.

Erst ab den 70er Jahren mit Regisseuren wie Steven Spielberg


und George Lucas fand die Filmmusik zu ihrem heutigen Gewand,
der großen orchestralen, sinfonischen Darbietung von Musik, die
dem Zuseher Gefühle vermittelt, ihm Informationen zur Handlung
liefert, oder die Handlung musikalisch unterstreicht. Berühmtester
Filmmusik-Komponist: John Williams mit Kompositionen für z.B.
Der weiße Hai oder Star-Wars.
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Filmmusik

Techniken

Die drei, in der heutigen Zeit, populärsten Kompositionstechniken für Filmmusik sind:

Leitmotiv-Technik: Diese Technik ist aus der Oper (vor allem der Musikdramen von Richard
Wagner) bekannt. Dabei werden wichtigen Charakteren, Handlungsgegenständen oder
Erzählsträngen eigene Motive (Leitmotive) zugeordnet. Diese werden in die Musik eingebaut, um
eben genanntes zu Repräsentierten. Damit können Vorahnungen, Situationsveränderungen oder
Rückverweise vermittelt werden (Bsp.: Darth Vader, Leitmotiv „Imperial Marsch“, tritt in
Verschiedenen Variationen immer dann auf wenn er anwesend ist, von ihm gesprochen wird, oder
er demnächst in Erscheinung treten wird).
Underscoring: Gefühle, Geschehnisse und Handlungsverläufe werden von der Musik annähernd
synchron mitvollzogen, sie untermalt, unterstützt und verstärkt optische Eindrücke. Underscoring
wird heutzutage hauptsächlich in Cartoons, Animationen und Komödien verwendet. Die
Extremform dieser Technik heißt Mickey-Mousing: dabei akzentuiert der Filmkomponist einzelne
Bewegungen der Akteure im Film, etwa einzeln gesetzte Schritte, Augenzwinkern, Sprung und
Landung, usw., durch eine musikalisches Verdoppelung.
Mood-Technik: Diese Technik „färbt filmische Szenen musikalisch ein“, im Gegensatz zur
Underscoring-Technik, die Szenen musikalisch „verdoppelt“. Die Mood-Technik verleiht den
filmischen Sequenzen expressiven Stimmungsgehalt; sie erzeugt also musikalische
Stimmungsbilder, die mit dem visuellen Material in Korrelation stehen.

Formen nach Hansjörg Pauli

Die vom Schweizer Musikwissenschaftler Hansjörg Pauli im Jahre 1976 veröffentlichen


Untersuchen zur Filmmusik wurden zwar bereits als unzureichend eingestuft (zu Gunsten der oben
genanten Techniken), und dennoch zeigen sie sehr gut verschiedene Charaktereigenschaften der
Filmmusik. Man unterscheidet drei Formen:
• Paraphrasierung: Die Musik leitet sich direkt aus den Bildern ab, indem sie sie verdoppelt oder
nachvollzieht. (Vergleiche: Underscoring).
• Polarisierung: Inhaltlich neutrale Bilder werden durch den Ausdruck der Musik in ihrem Sinn-
oder Stimmungsgehalt in eine gewisse Richtung verschoben (Bsp.: düstere Musik verleiht einer
neutralen Landschaft eine unheilvolle Stimmung).
• Kontrapunktierung: Die Musik vermittelt den entgegengesetzten Sinn- und Stimmungsgehalt
des Leinwandgeschehens (Ironisierung des Geschehens) (Bsp.: Kriegsbilder zu „What a
wonderful World“).

Funktionen

Filmmusik ist funktional; sie wird genutzt um Visuelles klanglich zu unterstützen, zu verdeutlichen,
sowie die Wahrnehmung und Emotionen der Zuschauer zu beeinflussen.
• Syntaktische Funktion: ermöglich leichtes strukturelles Verstehen durch Übergänge zwischen
Sequenzen, Handlungssträngen oder Protagonisten.
• Expressive Funktion: verstärkt und intensiviert unsere Wahrnehmung des Geschehens.
• Dramaturgische Funktion: charakterisiert Personen und stellt ihre Gefühle dar.

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