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Musikunterricht Konkret: Exemplarische Sammlung progressiver musikdidaktischer Materialien für den

Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen (Sek I und Sek II)

Musikdidaktischer Methodenpool
Einzelne methodische Impulse für einen kreativ orientierten Musikunterricht:
Transformation: Musik wird zu....
a) einer Szenerie. „Audioscape“.
Um subjektive Höreindrücke didaktisch zu erfassen, bietet sich die Methode der Audioscape
nach Ismaiel-Wendt an. Dabei geht es um das Beschreiben einer Szenerie, die durch die
Musik im Bereich der subjektiven Phantasie in Gang gesetzt wird. Mittels verschiedener
Impulsfragen kann die Phantasie während des Hörprozesses angeregt werden: An welchem
Ort befindest Du dich? Wie ist dieser Ort zu beschreiben? Auch hierbei handelt es sich um
einen unmittelbaren Zugang zur Musik, der die subjektive Stimmung und Atmosphäre, die
durch die Musik beim Hörer oder der Hörerin ausgelöst werden, einzufangen versucht.

Literatur: Ismaiel-Wendt, Johannes (2011): tracks’n’treks. Populäre


Musik und Postkoloniale Analyse. Münster: Unrast.

b) einer Assoziationssammlung. "AwaduK".

Das AWADUK-Spiel nach Norbert Linke nimmt das subjektive Hörerleben zum Ausgangs- und
Ankerpunkt musikdidaktischen Arbeitens. Mit der ersten Anweisung des Spiels sind die SuS gefordert zu
einer unbekannten Aufnahme alles aufzuschreiben, was ihnen durch den Kopf geht. Das spontane
Assoziieren wird dabei betont. Der so entstandene Begriffspool wird in einem nächsten Schritt klassifiziert,
die Einzel- werden Oberbegriffen zugeordnet und nach (1) Bildern/Assoziationen, (2) Werturteilen, (3)
beschreibenden Begriffen, (4) Ablenkungen unterschieden. Die Begriffe werden weiterhin auf Karten erfasst
und dann von Klassen- bzw. Kursmitgliedern geclustert. Das so entstandene Begriffsbild bildet den basalen
Impuls eines Sprechens über Musik. Das AWADUK-Spiel kann eine Erkundung des subjektiven
Hörverhaltens ebenso wie eine gruppenspezifische Klischee-Analyse ermöglichen. In beiden Fällen wird das
Zusammenspiel von Rezeption und Reflexion innerhalb des subjektiven Hörerlebens evident und kann mit
Hilfe theoretischer Texte erfasst, diskutiert und beurteilt werden.

Das AWADUK-Spiel kann als methodisches Ritual bereits in der Erprobungsphase (Klasse 5/6) eingesetzt
und dann im Sinne kumulativen Lernens fortlaufend in altersadäquater Differenzierung bis in die Oberstufe
hinein eingesetzt werden. In unterschiedlichen methodischen Variantenbildungen können dabei entweder
individuelle Assoziationen der SuS oder Objektmerkmale der jeweiligen Musik und das entsprechende
Reproduktionsverhalten SuS fokussiert werden. Die unten dargestellten Materialien sind insbesondere für die
Sekundarstufe II geeignet.

Die Ergebnisse des AWADUK-Spiels können Grundlage kreativer Prozesse oder Ankerpunkte analytischer
Verfahren bilden.

Zielgruppe: jahrgangsübergreifend
c) einem Bild. „Bebilderung“

Eine Möglichkeit methodischer Annäherung an den Ausdrucksgehalt von Musik stellt die Bebilderung
von Musik dar. Hierbei malen die Hörenden nach einmaligen Hörvorgang ein Bild, das die Stimmung und Atmosphäre der
Musik versucht wiederzugeben. Auch hier geht es um ein Einfangen der Flüchtigkeit des musikalischen Gegenstands
durch die Fixierung des damit verbundenen Sinneseindrucks im Bild.

d) einer Bewegung. „Bewegungsimprovisation“.

Ein vierter, subjektorientierter Ansatz zum Erfassen von Musik ist die nicht geplante, simultan zur Musik
laufende Bewegung. Es geht um das spontane, impulsive Einfangen der Stimmung und Atmosphäre in der Musik. Im
Vordergrund steht hier die unmittelbare körperliche Reaktion auf den Hörgegenstand. Aufgrund der besonderen
performativen Anforderungen dieser Methode bedarf es vorher einer genauen Erklärung.

e) einem Phantasiewesen. „Hörwesen“

Die Vorstellung eines Hörwesens, das den inneren Raum des hörenden Subjekts betritt, definiert eine weitere
Methode, das subjektive Hörerleben beschreibend zu erfassen. Bevor die Musik erklingt, sollte jeder Hörer und jede
Hörerin ihren Raum beobachten und damit den Blick nach innen richten. Sodann erklingt die Musik, die im Sinne eines
Hörwesens diesen Raum betritt. Die Hörenden beschreiben diese Szene mithilfe ihrer subjektiven Sprache. In der
spezifischen Sprachkompetenz, die für diese Methode von Bedeutung ist, liegt sogleich ihre besondere Herausforderung.
Entsprechend bedarf es zu Beginn einer genauen Erklärung mithilfe eines gegebenen Beispiels. Die Idee des Hörwesens
geht zurück auf Wilfried Gruhn.

d) einer Spielszene. „Szenisches Spiel“

Eine erste intuitive, subjektorientierte Auseinandersetzung mit Ausdrucksgehalt und Struktur von Musik
ermöglichen Methoden aus dem Bereich des Szenischen Spiels. Es geht in diesem Bereich um das körperliche Erfassen
des musikalischen Gegenstands. Im Unterschied zur Musik, die im Fluss der Zeit verläuft, kann man mittels dieser
Methode die Stimmung und Atmosphäre der Musik für einen Moment einfangen und zeitlich greifbar machen. Geeignet
sind beispielsweise Standbilder, die nach einem einmaligen Hörvorgang gebaut werden. Zur Dokumentation der
Ergebnisse bedarf der sprachlichen Reflexion.

Live-Painting
Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, ein - bspw. ein aus drei Vorschlägen des Lehrers ausgewähltes -
Musikstück zu deuten, indem sie ein struktur- sowie ausdrucksanaloges Bild gestalten. Die Gestaltung des Bildes soll
sukzessiv-parallel, also LIVE zur Musik erfolgen und muss im Vorfeld genau geplant und ggf. geübt werden. Als
Grundlage küntlerischer Überlegungen dient eine parametergeleitete Untersuchung des zu interpretierenden
Musikstücks.