Sie sind auf Seite 1von 126

Hingen

Die Grundschule des Ringkampfes


in Griechisch-Römisch und Freistil mit 152 Abbildungen

Von
JEAN FÖLDEAK
Bundessportwart des Deutschen Athleten-Bundes
und
Olympiatrainer der Deutschen Ringer

<MHV, £U*u 41.4Z. ^Y

Herausgegeben vom Bayerischen Landes - Sportverband e. V. München


Alle Reditc. auch die der Übersetzung und der auszugsweisen Veröffentlichung, vor-
behalten. Zeichnungen: Alfred Schöpfe. Herstellung und Druck: Graph. Werbe- und
Verlagshaus H. Maseinann, Dachau 2, Schließfach 26
Wer Meister und Geselle werden will,
Muß erst ein Lehrling sein!

EINEM LEHRBUCH ZUM GELEIT!


Die Schwerathleten sind selten Meister der Feder. Die Hände, die die Griffe
fassen und an die Hantel greifen, sind hart. Nun hat aber doch einer von
uns ein Buch geschrieben. Ein Lehrbuch für das Ringen. Und wenn auf
demUmschlageinJeanFöldeak alsVerfasser steht, ist das wohl für das Buch
und für unsere Sache die beste Empfehlung. Da braucht es wohl kaum noch
vieler Worte, um zu sagen, wie wertvoll es ist, daß ein Mann wie Földeak
dieses Buch geschrieben hat, das uns schon so lange fehlt. Es ist das
Werk eines echten Sportsmannes, den man auf allen Matten der Welt
und aus den olympischen Wettkämpfen kennt. Es ist nicht nur eine jahr-
zehntelange Erfahrung, die hier aus vielen Kapiteln zu uns spricht,
sondern auch der hohe Idealismus und die Liebe zu unserem Sport.
Manche haben es schon vor Jean Földeak versucht, ein Lehrbuch heraus-
zubringen. Nun liegt es endlich vor uns. Es war keine leichte Arbeit.
Földeak sagt ja in seinem Buche selbst, daß er lieber stundenlang auf
der Matte kämpft, als zu schreiben. Aber wir haben nicht mehr locker
gelassen, und im Verein mit seiner Frau, die dem Verfasser treu bei
seiner Arbeit zur Seite stand, ist es nun doch geschafft worden. Jean
Földeak hat sicher nur zum hohen Nutzen für unseren Sport die Matte
mit dem Federhalter vertauscht.
Der Verfasser hat sein Lehrbuch mit der richtigen Einstellung
geschrieben. Er weiß, daß unser schöner Ringkampfsport eine Propa-
ganda in die Tiefe und in die Breite braucht, um wieder zu seiner alten
Blüte zu kommen. Es ist ein Buch, das ein jeder von uns brauchen kann.
Der Anfänger und der Meister, der Übungsleiter, der Kampfrichter und
der Funktionär.
Ich wünsche der Ringerschule von Jean Földeak einen guten Weg zu
allen wahren Schwerathleten und bin überzeugt, daß sie überall einen
großen Anklang finden wird. Mit der Schaffung dieses Buches hat Jean
Földeak bewiesen, daß der Titel „Ringkampfprofessor" an den richtigen
Mann verliehen wurde. Ich danke ihm recht herzlich für seine Arbeit
und wünsche dem Buch und seinem Verfasser, daß es recht viele neue
Freunde zu uns führen wird. Auch aus jenen Schichten, die bisher
die falsche Vorstellung hatten, daß zum Ringen nur die rohe Kraft und
nicht auch der rechte Geist und eine hohe sportliche Gesinnung gehören.
München, im Olympiajahr 1952
Josef H er gl
Bundesvorsitzender des Deutschen
Athleten-Bundes
VORWORT!
Mit der Herausgabe dieses Lehrbuches hoffe ich, eine fühlbare Lücke
auf dem Gebiet der Schulung des Ringkampfes zu schließen, die seit
langem als unhaltbar empfunden wurde und die sich hemmend auf seine
Entwicklung ausgewirkt hat.
Es war ein unmöglicher Zustand, daß eine so vielseitige Sportart, wie
der Ringkampf, bisher über kein Lehrbuch verfügte, das mit der Ent-
wicklung der letzten Jahrzehnte schrittgehalten hatte. Alle Versuche, im
Ringen eine systematische Schulung aufzubauen, konnten nicht voll er-
füllt werden, weil die Arbeit (in unzähligen Lehrgängen) nicht durch die
Theorie unterbaut wurde.
Weshalb der Ringkampf, trotz hervorragender Könner, bis jetzt kein
Lehrbuch besaß, hat verschiedene Gründe. Abgesehen davon, daß die
meisten „schweren Männer" nur ungern zur leichten Feder greifen (ich
selbst mache lieber einen harten Kampf, als einen Aufsatz darüber zu
schreiben) ist der Ringkampf wegen seiner Vielseitigkeit und Kompli-
ziertheit schwer zu beschreiben und zu illustrieren. Es ist gerade 'durch
seine Vielgestaltigkeit nicht leicht, allgemein gültige Normen aufzustellen,
da die Entwicklung heute noch keinesfalls für abgeschlossen betrachtet
werden kann.
Schließlich ist das finanzielle Wagnis, das trotz der dringenden Be-
dürfnisse für ein Lehrbuch besteht, nicht zu unterschätzen. Gerade aus
diesem Grunde gebührt dem Bayerischen Schwerathletikvenband ein be-
sonderer Dank, der 'durch die Übernahme der Patenschaft erst die Her-
ausgabe dieses Buches ermöglichte.
Möge dieses Buch — als Grundschule des Ringkampfs — ein treuer
Begleiter eines jeden Ringers, Übungsleiters und Funktionärs sein und
so in hervorragendem Maße zur Aufwärtsentwicklung dieses herrlichen
Zweikampfes beitragen.
Neben den Spezialisten wurden in diesem Buch aber auch die Freunde
des Ringkampfs berücksichtigt. Ein großer Abschnitt zeigt die Möglich-
keit, wie der Ringkampf in seiner einfachsten Form ohne Matten als
„ S c h u l s p o r t " und auch als E r g ä n z u n g s - und A u s g l e i c h s -
Sport für andere Sportarten betrieben werden kann.
•Vor allem möge dieses Buch mithelfen, eine neue Ringergeneration
heranzuziehen, die durch solides Können und durch vorbildliche sport-
liche Gesinnung dem Ringkampfsport die ihm gebührende Stellung in
der Gemeinschaft der Leibesübungen und dem deutschen Namen in der
Welt wieder einen guten Ruf verschafft.
München, im Olympiajahr 1952.
Jean Földeak
INHALTSVERZEICHNIS
I. Geschichtlicher Rückblick
Der Ringkampf im Altertum 7
Das Mittelalter 9
Entwicklung des modernen Ringkampfes 9
Die Geschichte der Europa- und Weltmeisterschaften 10
Die Verbreitung des Freistils 12
Die Situation nach dem zweiten Weltkrieg 13
Nationale Eigenarten im Ringen 14
Amateurringen und Berufsringen 16

II. Der Ringkampf als Schul- und Ergänzungssport


Der Standkampf ohne Matte 19
Der Standkampf in der praktischen Ringstunde 20
Wettkämpfe und Wettkampfbestimmungen für den Standkampf 24

III. Allgemeine Übungslehre


Wer eignet sich zum Ringer? : . . . . 25
Die ringerische Ausbildung der Jugend 26
Zeiteinteilung der Übungsstunde 27
Vorübung für die Einleitung der Übungsstunde 29
Brückengymnastik 29
Riegenarbeit 32
Übungsregeln 33
Theoretische Betrachtungen 34
Kampftaktik 38

IV. Das Training des Wettkämpfers


Vorbedingungen für den Leistungssport 40
Training muß Aufbau sein 40
Ergäinzungssport für den Ringer 41
Das Training auf Höchstleistung 42
Der Wettkampf 43
Grundlagen der guten Tagesform 43
Abtrainieren, aber mit Vernunft 46

V . Der Ringer und seine Gesundheit


Sportliche Lebensweise 48
Ringen, ein Kraftquell für den Lebenskampf 50
Verletzungsgefahren und ihre Vermeidung 51
VI. Die Griffschule des Ringkampfes
A. G R I E C H I S C H - R Ö M I S C H 53
1. S t a n d k a m p f 53
Die Schwünge 54
Die Würfe 61
Die Wendegriffe 65
2. B o d e n k a m p f - O b e r l a g e 67
Hebelgriffe 67
Schwunggriffe 77
3. B o d e n k a m p f - U n t e r l a g e 80
4. M e i s t e r u n g d e r B r ü c k e n l a g e 84
B. F R E I S T I L 87
Grundsätzliches über Freistil 87
1. S t a n d k a m p f 88
Die Kampfstellung 88
Die Schwünge 88
Die B e i n g r i f f e 89
Die Wendegriffe 93
2. B o d e n k a m p f - O b e r l a g e 94
3. B o d e n k a m p f - U n t e r l a g e 103

VII. Entwicklungsmöglichkeiten des deutschen Ringkampfsportes


Bildung eines Ausbildungsstabes 105
Vorbildliche Übungsstätten 106
Reform des Wettkampfbetriebes 106
Richtlinien für die Durchführung von Veranstaltungen . . 108
Funktionäre und Ringer im Licht der Öffentlichkeit 110
I. G E S C H I C H T L I C H E R RÜCKBLICK
Zweifellos ist der Ringkampf eine der ältesten Leibesübungen, denn
die Beherrschung einiger Griffe und Kniffe gehörte sicherlich schon in
Urzeiten als Waffe im Kampf ums Dasein zu den Lebensnotwendigkeiten.
Heute noch treffen wir den Ringkampf an bei allen gesunden Menschen
in den verschiedensten Abstufungen, angefangen vom harmlosen „Balgen"
und „Rangeln" bis zur ernsten Auseinandersetzung im „Raufen". Beson-
ders die Jugend wetteiferte zu allen Zeiten, um in ihren Reihen den
Gewandtesten zu ermitteln; aus diesem Wetteifer haben sich die un-
zähligen Griffe und auch bestimmte Regeln entwickelt, die sich zum Teil
bis auf den heutigen Tag erhalten haben.

Der Ringkampf im Altertum

Die ältesten uns bekannten Spuren von Ringkämpfen reichen fast


4000 Jahre in die Zeit des a l t e n Ä g y p t e n zurück. In den Fürsten-
gräbern von Beni Hassan fand man an die 400 gut erhaltene Wand-

7
Zeichnungen. Von den darauf abgebüdeten Griffen und Würfen finden
noch viele im modernen Ringkampf Anwendung.
Die dargestellten Griffe entsprechen dem heutigen amerikanischen
Freistilringen, bei dem auch schmerzhafte Griffe gestattet sind. Der
Gegner galt als besiegt, wenn er in eine Lage gezwungen wurde, in der
er sich wehrlos ergeben mußte.
Wie auf vielen anderen Gebieten, so werden die Ägypter auch im
Ringen die Lehrmeister der G r i e c h e n gewesen sein. Jedenfalls besaß
der Ringkampf im alten Hellas eine überragende Bedeutung, denn das

Ringen bildete nicht nur die Grundschule der Leibeserziehung, sondern


war auch bei den Olympischen Spielen die Hauptübung des Fünfkampfes.
Es ist sehr bedauerlich, daß mit der Erneuerung der Spiele der antike
Fünfkampf bis jetzt nicht in das olympische Programm aufgenommen
wurde.
Als die Blütezeit der griechischen Kultur vorüber war, entartete das
Ringen zu immer roheren Formen. Vor allem bei den R ö m e r n legten
die Ringer metallbeschlagene Bandagen an und kämpften in den von
Schaulustigen überfüllten Arenen auf Leben und Tod. (Pankration.) Da
diese Ringer meist Sklaven waren oder den niederen Volkskreisen ent-
stammten und das Ringen -berufsmäßig ausübten, verlor der Ringkampf
immer mehr an Ruf und Ansehen.

H
Das Mittelalter
Nach dem Niedergang des römischen Weltreiches verlor der Ringkampf
auf lange Zeit seine Bedeutung im Kulturleben Europas. Erst im M i 11 e 1-
a l t e r erfuhr das Ringen in Verbindung mit dem Fechten zur krie--
gerischen Ausbildung an den Höfen der Ritter wieder Pflege und gewann
erneut eine größere Volkstümlichkeit. Kein Gefingerer als unser großer
Künstler Albrecht Dürer überliefert uns durch etwa 130 Abbildungen
eine lebendige Anschauung von dem damaligen hohen Stand des Ring-
kampfes.
Welche große Rolle der Ringkampf bei u n s e r e n V o r f a h r e n
gespielt haben muß, zeigt der häufige Gebrauch des Wortes „ringen" als
bildlich-anschaulicher Ausdruck in unserer Sprache, z. B. etwas „erringen",
mit dem Tode „ringen", jemanden „niederringen", um Anerkennung
„ringen", sich „durchringen" usw.
Mit der Erfindung der Schußwaffen hat der Kampf Mann gegen Mann
bei kriegerischen Auseinandersetzungen an Bedeutung verloren. Das
Ringen konnte zunächst nur noch bei Volksvergnügungen und Schau-
stellungen ein kärgliches Weiterleben fristen.

Entwicklung des modernen Ringkampfes


Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und zur Z e i t der B e f r e i u n g s -
k r i e g e forderten Männer, wie Muths, Basedow, Vieth und Jahn, daß
der bisher so sehr vernachlässigten körperlichen Erziehung der Jugend
wieder eine aufmerksamere Pflege zuteil werden müsse; diese Männer
haben auch die Vorzüge des Ringkampfes erkannt und gepriesen. Das
Ringen konnte jedoch keine größere Verbreitung gewinnen. Das Turnen
trat gegenüber dem Ringen in den Vordergrund, weil man mit dem
Turnen viel größere Zahlen von Übenden erfassen konnte und damals
dem Turnen wohl die größere Bedeutung für die soldatische Erziehung
zusprach.
So blieb es dem Berufsringkampf vorbehalten, den modernen Ring-
kampf zu verbreiten. Französische Ringer waren es, die in Deutschland
auf Schaustellungen und im Zirkus Ringkämpfe zeigten und die starke
Jugend zum Zweikampf forderten. Mit wechselndem Erfolg beteiligten
sich Deutsche an solchen Kämpfen, bis in den siebziger Jahren Karl Abs,
ein Hamburger, als neuer Stern am Ringerhimmel aufging. Abs, in
Mecklenburg geboren, von Beruf Zimmermann, besaß außergewöhnliche
Körperkräfte und warf in kurzer Zeit alle namhaften Ringer. Ein wahres
Ringerfieber erfaßte die Jugend überall, wo Abs auftrat. Aus dieser
Begeisterung heraus erfolgten G r ü n d u n g e n von R i n g e r - und
A t h l e t e n v e r e i n e n — diese wiederum schlossen sich zu zahlreichen
V e r b ä n d e n zusammen — die bald einen regen Wettkampfbetrieb
entwickelten.
Bei Beginn des ersten Weltkrieges bestanden in Deutschland nicht
weniger als 31 Verbände; der 1891 gegründete „Deutsche Athleten-
verband", später umbenannt in „Deutscher Athletik-Sportverband von

9
1891" (D.A.S.V. 1891), entwickelte sich als stärkster dieser Verbände und
ihm schlossen sich nach und nach die übrigen Verbände an.
Angeregt durch die Kämpfe der Berufsringer, die ganz Europa
bereisten, versuchten die Mitglieder der bis dahin gegründeten vielen
Vereine, internationale Verbindungen aufzunehmen, vorerst meist auf
eigene Faust.
Als eine der ersten internationalen Begegnungen im Ringen verzeich-
net die Chronik den Kampf zwischen Meisinger (Bayern) und Jean
Dubois (Frankreich) im Königlichen Hoftheater in München im Jahre 1841.
Den Kampf gewann der Bayer unter großer Anteilnahme und großem
Jubel seiner Landsleute.
Die erste internationale Konkurrenz der Amateurringer dürfte das
olympische Turnier 1896 in Athen gewesen sein, die der deutsche Turner
Schumann aus Berlin vor dem Griechen Tsita gewann.

Die Geschichte der Europa- und Weltmeisterschaften


Zwei Jahre später, 1898, veranstaltete man in Wien die ersten Europa-
meisterschaften im Griechisch-Römischen Stil. Der für die russischen
Farben startende Este Georg Hackenschmidt eroberte den ersten Titel
vor Michael Hitzler (Bayern) des nur in einer Gewichtsklasse aus-
geschriebenen Turniers. Anscheinend ermunterte diese erste Meisterschaft
die Veranstalter nicht besonders, da man die nächste Europameisterschaft
erst 1902 in Haag, Holland, durchführte. Auch bei der 2. Olympiade 1900
in Paris war unerklärlicherweise das Ringen nicht vertreten. Erst von 1902
ab wurden jedes Jahr bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges Europa-
meisterschaften, ab 1904 auch Weltmeisterschaften, ausgetragen, mit-
unter sogar zweimal im Jahr, auch wenn Olympische Spiele stattfanden.
Da zu dieser Zeit noch keine internationale Organisation existierte,
konnte jedermann Europa- und Weltmeisterschaften ausschreiben, die
aber mitunter keine oder nur spärliche internationale Beteiligung auf-
wiesen. Der erste Versuch, anläßlich der Stadionweihe 1912 in Berlin
einen internationalen Ringerverband ins Leben zu rufen, hätte wohl
Erfolg gehabt, wenn nicht der Krieg 1914—1918 die angeknüpften Ver-
bindungen zerstört hätte.
Bei den ersten Weltmeisterschaften, die nach dem ersten Weltkrieg 1920
in Wien stattfanden, blieb die Beteiligung auf die Länder der Mittelmeer-
mächte beschränkt. Diese Meisterschaften waren eine Protest- und Gegen-
maßnahme, weil man die Mittelmeermächte als ehemalige Feinde nicht
zu den Olympischen Spielen in Antwerpen zugelassen hatte.
Indessen beschlossen die bei den Olympischen Spielen vertretenen
Nationen, im Herbst desselben Jahres in Lausanne zu einem Gründungs-
kongreß zusammenzukommen. Der neu gegründete „ I n t e r n a t i o n a l e
R i n g e r v e r b a n d " („International Amateur Wrestling Fédération"
oder kurz I A W F) beauftragte für das J a h r 1921 Finnland und für 1922
Schweden mit der Durchführung der Weltmeisterschaften. Die Beteiligung
entsprach jedoch nicht den Erwartungen, da der Zuspruch aus außer-

10
europäischen Ländern völlig ausblieb. Deshalb wurde auf dem Kongreß
anläßlich der Olympischen Spiele 1924 in Paris beschlossen, künftig nur
noch Europameisterschaften auszutragen.
Die erste in Regie des Internationalen Amateur-Ringerverbandes
durchgeführte Europameisterschaft fand 1925 in Mailand statt und war
in jeder Beziehung ein voller Erfolg. Acht Nationen kämpften um die
Führung in Europa, wobei Deutschland mit 7 Punkten hinter Ungarn
(13 P.) und Schweden (7 P.) Dritter wurde.
Seit den Europameisterschaften in Maüand nahmen diese Veran-
staltungen sowohl an Umfang wie an Bedeutung ständig zu. In Riga 1926
beteiligten sich an den Europameisterschaften 7, 1927 in Budapest 15,
1929 in Dortmund bereits 16 Nationen.
Von Mailand bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurden
12 Europameisterschaften durchgeführt. Deutschland nahm an fast allen
Meisterschaften mit einer vollen Staffel teil. Die beste Gesamtleistung
vollbrachte Schweden. Schweden errang sechsmal den Preis der Nationen;
in die übrigen sechs Preise teüten sich Finnland, Deutschland und Ungarn
mit je zwei Siegen. Die eindeutige Überlegenheit der Schweden drückt
sich auch klar in den Einzelsiegen aus. Von den bis dahin vergebenen
80 Titeln hat
Schweden 28 Ungarn 7
Finnland 21 Estland 5
Deutschland 14
Dänemark, Italien, Tschechoslowakei, Norwegen und Lettland je einen
errungen. In der Gesamtpunktzahl führt
Schweden mit 135 Punkten
vor Finnland mit 91 Punkten
Deutschland mit 90 Punkten
Ungarn mit 43 Punkten.
Von den Einzelkämpfern waren Kusta Pihlajamaeki (Finnland) sie-
benmal, Ivar Johannsson (Schweden) sechsmal, Herrmann Tuvesson
(Schweden) viermal Europameister. Die erfolgreichsten Deutschen waren
Eduard Sperling, Fritz Schäfer und Kurt Hornflscher; jedem gelang es
dreimal, den Titel zu'erobern. Bei drei Olympischen Spielen, an denen
sich Deutschland zwischen beiden Weltkriegen beteiligte, gewann Deutsch-
land .in Amsterdam mit 8 Punkten vor Finnland (7) und Schweden (5).
In Los Angeles übernahm Schweden mit 13 Punkten vor Deutschland (9)
die Führung und erhöhte sie in Berlin auf 14 Punkte.
Der Aufstieg Schwedens zur Ringergroßmacht ist besonders ein Ver-
dienst von Major Raberg, des früheren schwedischen Verhandsvorsitzen-
den. Raberg hat in unermüdlicher Arbeit, besonders durch die Veranstal-
tung von Großturnieren und durch die Anstellung des finnischen Trainers
Oksa, die Grundlage für die großen Erfolge geschaffen. Die häufigen
Einladungen deutscher Ringer nach Schweden wirkten sich damals auch
auf den deutschen Leistungsstand günstig aus.

11
Die Verbreitung des Freistils
Während der Ringkampf im Griechisch-Römischen Stil ganz Europa
eroberte, gewann die Stuart der Antike unter dem Namen ? ,Freistü" in
der übrigen Welt, besonders in den englisch sprechenden und in den
unter englischem Einfluß stehenden Ländern an Boden. Vor allem waren
die Amerikaner führend in dieser Stuart. Die aus Europa kommenden
Ringer unterlagen ausnahmslos der Gewandtheit und Vielseitigkeit der
Amerikaner.
Nur zögernd fand das Freistilringen auf dem europäischen Festland
Verbreitung, und so waren die olympischen Ringerturniere von 1904 und
1908 eine ausschließliche Angelegenheit der Angelsachsen.
Erst bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen nahmen die nor-
dischen Ringer mit Erfolg den Kampf gegen die Amerikaner und Briten
auf und beteiligten sich mit wechselndem Erfolg bei den Europameister-
schaften, die ab 1929 regelmäßig zum Austrag kamen. Trotz der Betei-
ligung an den Freistilmeisterschaften spezialisierten sich die Nordländer
bis auf den heutigen Tag nicht auf Freistil und sind durchweg die
Spitzenkönner des Griechisch-Römischen Ringkampfes, die so nebenher
auch im Freistil kämpfen.
Mit ausgesprochenem Freistil kamen die Belgier, Franzosen und
Schweizer zu Erfolgen. Besonders den Schweizern machte es keine große
Mühe, sich vom Schwingen auf Freistil umzustellen. Hätte man damals
unsere bayerischen Rangler für die Teilnahme an diesen internationalen
Meisterschaften interessiert, so hätten Deutschland und auch Österreich
so manchen Titel erobern können. Jedenfalls hätte die Teilnahme einen
großen Aufschwung des Freistils in diesen Ländern gebracht. Von 1929
bis 1937 fanden sieben Europameisterschaften im Freistil statt. Schweden
und Ungarn gewannen je zweimal, Belgien, Deutschland, Schweiz je ein-
mal den Preis der Nationen. Von den vergebenen 49 Titeln errangen
Schweden 12 Belgien 4
Ungarn 11 Finnland 3
Deutschland 8 Frankreich 2
Schweiz 8 Italien 1
der Gesamtpunktzahl führte
Schweden mit 62 Punkten
vor Ungarn „ 54
Schweiz „ 44
Deutschland » 39
Belgien „ 35
Von den Einzelkämpfern errangen Pihlajamaeki, Finnland, Johannsson.
Schweden, und Földeak, Deutschland, je dreimal den Titel.
In Deutschland wurde die erste Freistilmeisterschaft bei den Deut-
schen Kampf spielen 1934 in Nürnberg durchgeführt. Nachdem der
Verfasser sich mit Erfolg an den Freistil-Europameisterschaften betei-

12
ligte, erhielt er 1934 den Auftrag, im Zuge der Vorbereitung zu den
Olympischen Spielen den Freistil in Deutschland einzuführen.
Wie schnell sich unsere Ringer in diese neue Stilart einfügten,
beweist die Tatsache, daß es uns gelang, schon bei dem ersten offiziellen
Start bei den Europameisterschaften 1934 in Stockholm knapp hinter
Schweden den zweiten Platz zu belegen. Bereits 1937 in München war
Deutschland in dieser Stilart führend und gewann den Preis der
Nationen.
Trotz dieser Erfolge blieb Freistil bei uns nur ein Sport der Spitzen-
könner und war auch nur auf einzelne Gelegenheiten beschränkt.
Eine allgemeine Einführung scheiterte an der Gleichgültigkeit der Ver-
bandsführung und an der ablehnenden Haltung der Vereine. Erst in
jüngster Zeit fanden sich die verantwortlichen Männer des Ringkampfes
bereit, dem Freistil die gleiche Entwicklungsmöglichkeit zu geben wie
dem Griechisch-Römischen StiK
Die Situation nach dem zweiten Weltkrieg
Durch den letzten Krieg hat der Ringkampfsport bei allen Nationen
— außer den Türken — eine empfindliche Unterbrechung erfahren. In
der Zeit, in der die Ringer der meisten Nationen durch den unsinnigen
Krieg ihren Sport nicht ausüben konnten, hat sich die Türkei in aller
Stille zu einer Ringergroßmacht entwickelt. Vor dem Krieg lagen sie
bei den Europameisterschaften 1939 in Oslo mit 4 Punkten an fünfter
Stelle. Bei den Europameisterschaften im Freistil 1946 in Stockholm
haben die Türken eindeutig gezeigt, mit welchem Ernst sie an sich
gearbeitet haben. Mit drei Titeln und dem Preis der Nationen gaben
sie den überraschten Schweden das Nachsehen. Daß ihr dortiger Erfolg
kein Zufall war, bewiesen sie bei den weiteren Freistilwettbewerben.
1948 in London entthronten sie die USA; ein J a h r später stellten sie
mit 7 Titelträgern und 23 errungenen Punkten im Wettstreit um den Preis
der Nationen einen neuen Rekord auf. Diese Stellung konnten sie auch
gegen schärfsten Wettbewerb bei den Weltmeisterschaften 1951 in
Helsinki halten. In Länderkämpfen wurden alle Nationen vernichtend
geschlagen, so Amerika und Deutschland mit 8:0, Schweden mit 7:1.
Aber auch im Griechisch-Römischen Stil sind die Türken im scharfen
Wettbewerb mit den Schweden um die Führung; die Zeit wird beweisen,
ob sie ihre errungene Stellung, die sie durch die enorme Unterstützung
von Seiten des Staates erreichen, halten oder gar erweitern können.
Eine weitere Ringergroßmacht ist nach dem Krieg ' wieder auf der
Matte aufgetreten: die Sowjetunion (UdSSR). Das einstige Rußland war
ein Dorado des Ringkampfes, hatte aber seit 1912 (Olympiade in Stock-
holm) nicht mehr an internationalen Meisterschaften teilgenommen. Lei-
der blieb die Beteiligung nur auf den Start bei den Europameisterschaf-
ten im Griechisch-Römischen Stil 1937 in Prag beschränkt; jedenfalls
gelang es den Schweden nur mit Mühe und Not, die Führung gegen die
Sowjetunion zu behaupten.

13
Welche Rolle werden die deutschen Ringer bei den künftigen
Meisterschaften spielen? Wird es uns gelingen, die vor dem Krieg
innegehabte Position wieder zu erkämpfen? Wir müssen uns. damit
abfinden, daß wir den Anschluß an den internationalen Leistungs-
stand nicht von heute auf morgen erreichen können. Von unserer alten
Garde kann man, wie die letzten Länderkämpfe gegen die Türken
und Schweden zeigten, nicht mehr viel erhoffen. Wir müssen mit einer
ganz neuen Ringergeneration von vorne anfangen. Den Vorsprung der
anderen Nationen können wir aber nur einholen, wenn es uns gelingt,
mit einer planvollen Schulung bis in den letzten Verein durchzudringen
und die Reorganisation des Wettkampfbetriebes (die Mannschaftskämpfe
zugunsten von Turnieren und Wettstreiten zu kürzen) durchzuführen.
Nationale Eigenarten im Ringen
Wie schon angedeutet, führt die als Griechisch-Römisch bezeichnete
Stuart ihren Namen zu Unrecht, da die Griechen und Römer tatsächlich
eine andere Ringweise pflegten. Nach den Abbildungen und Skulpturen
der Antike ist einwandfrei festzustellen, daß man damals in einer dem
heutigen Freistil ähnlichen Weise gerungen hat. Wie der als Griechisch-
Römisch bezeichnete Kampfstil zu diesem Namen gekommen ist, kann
heute nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Wahrscheinlich
wollten die damaligen Veranstalter von Berufsringkämpfen die seiner-
zeit in Griechenland durchgeführten Ausgrabungen der Kult- und
Kampfstätten der Olympiaden, für die sich die ganze zivilisierte Welt
interessierte, zu ihren Gunsten ausnützen, indem sie ihre Kämpfe
— ohne historische Berechtigung — als „Griechisch-Römisch" bezeichneten.
Es könnte auch sein, daß der patriotische Sinn der Deutschen nach
1871 die Bezeichnung „Französischer Stil", wie man damals und heute
noch in verschiedenen Ländern die Griechisch-Römische Stilart nennt, nicht
zugelassen hat. Man glaubte, so einen gefälligeren Namen gefunden
zu haben. Man hat inzwischen versucht, den Griech.-Römischen in
„Klassischen Stil" umzubenennen; da dies ebenfalls nicht den Tatsachen
entspricht, bürgerte sich auch dieser Name nicht ein.
Neben den beiden „olympischen Stilarten" gibt es noch viele andere
Ringkampfarten, denn fast jedes Volk hat seinen eigenen Ringkampfstil.
Eine immer größere Ausdehnung gewinnen die aus Japan stam-
menden Kampfarten Jiu-Jitsu und Judo. Unter Jiu-Jitsu versteht man in
Fachkreisen die waffenlose Selbstverteidigung, bei welcher der Vertei-
diger die Kraft und den Schwung des Angreifers zu seinem Vorteil
derart ausnützt, daß er diesen dann mit schmerzhaften Hebeln oder
Brüchen einzelner Glieder überwinden kann. Jiu-Jitsu ist Notwehr und
in Lebensgefahr gewiß ein gutes Verteidigungsmittel, eignet sich aber
kaum zur wettkampfmäßigen Leibesübung. Deshalb hat man in Japan
aus Würfen, Hebeln, Halte- und Würgegriffen den Judokampfsport
entwickelt, der besonders durch die japanischen Studenten in Europa
Verbreitung fand.
Noch eine Ringkampfart ist in Japan beheimatet, der „Sumo". Nach
einer einleitenden religiösen Zeremonie versuchen die Gegner, sich aus

14
einem auf dem Boden markierten Kreis hinauszuschieben oder hinaus-
zutragen. Die Ringer, „Sumo-Tori", bilden dort eine eigene Kaste und
werden von Jugend auf für ihren Beruf erzogen und durch besondere
Ernährung zu großen schweren „Brocken" förmlich gezüchtet. Zweimal
im Jahr werden große Sumo-Ringkämpfe veranstaltet, die nicht selten
an die 30 000 Zuschauer in ihren Bann ziehen und ganz Japan in fieber-
hafte Erregung versetzen.
Bei den Türken ist Ringen Nationalsport. Die Kämpfer reiben sich
mit ö l ein und führen dann einen dem Freistil ähnlichen Kampf durch.
Die Erfolge der Türken bei Olympiaden, Europa- und Weltmeister-
schaften haben bei der türkischen Jugend in Städten und Dörfern eine
Riesenbegeisterung für den Ringkampf ausgelöst.
Auch in der Schweiz ist Ringen, oder wie man es dort nennt,
„ S c h w i n g e n " ein Volkssport. Die Schwinger fassen sich am ganzen
Körper, auch an ihren Lederhosen, und suchen einander auf den Rücken
zu werfen. Der Kampf wird ohne Matten auf dem Rasen ausgetragen.
Alljährlich werden bei großen Volksfesten die besten Schwinger
ermittelt. Wie bereits erwähnt, haben die Schweizer große Erfolge auf
internationalen Matten aufzuweisen, sie sind aber in letzter Zeit stark
zurückgefallen durch die Uneinigkeit im eigenen Lande (drei Verbände
bewerben sich um die internationale Anerkennung) und dadurch, daß
sie in ihrem Kampfstil konservativ sind, bedingt durch das Schwingen.
Ähnlich unserem Freistil betreibt man in den südbayerischen und
österreichischen Alpentälern das „ R a n g e l n " . Schon mehrere unserer
Spitzenkönner, die an solchen Rangler-Wettstreiten teilgenommen
haben, mußten die Überlegenheit der Rangler anerkennen (da der
Rangler auch die Kleidung fassen darf).
Auf dem B a l k a n und auch in Island pflegt man eine Art Gürtel-
ringkampf. Eine Gruppe isländischer „G 1 i m a - Kämpfer", wie man
sie in Island nennt, hat in den dreißiger Jahren Europa bereist und ihre
Kunst gezeigt. Sie haben die Absicht, sich auf die olympischen Ring-
kampfarten umzustellen, um sich in den internationalen Wettkampf-
betrieb einschalten zu können.
Vor Einführung des Griechisch-Römischen Ringkampfes in Deutsch-
land wurde allgemein das „ F r e i r i n g e n " betrieben. Bei dieser
Kampfart ist derjenige besiegt, der mit dem Körper zwischen Knie
und Schulter den Boden berührt. Diese Stilart wurde von den Turnern
bis 1934 eifrig gepflegt und auch den Jugendorganisationen im sog. Drit-
ten Reich als Pflichtsport aufgetragen. Das Freiringen konnte sich aber
nicht durchsetzen, da hierfür die Voraussetzungen fehlten (Trainer,
Matten). Seitdem ist das Freiringen so gut wie ausgestorben.
Großer Beliebtheit erfreut sich der Ringkampf in N o r d a m e r i k a .
Besonders die Hochschulen sind Pflegestätten eines Freistils, der etwas
freier als unser olympischer Freistil ist. Neben dem Hochschulsport
steht der B e r u f s - Ringkampf in all seinen Variationen ( C a t c h a s
c a t c h c a n , Schlammringen usw.) in hoher Blüte. Wie in der ganzen

15
Welt, so reisen auch hier die Berufsringer, meist truppweise, von Stadt
zu Stadt und verdienen, da sie über das ganze J a h r hindurch ringen
können, im Durchschnitt mehr als ihre Kollegen beim Boxen. Aus
diesem Grunde sehen sich viele ausgediente Boxer veranlaßt, sich auf
das Ringen umzustellen. Diese Umstellung bereitet keine besonderen
Schwierigkeiten, da neben einigen Griffen und Kniffen kein ringe-
risches Können, sondern nur schaustellerische Fähigkeiten verlangt
werden, insbesondere Roheit, wie Strangulieren, Schlagen, Treten, aus
dem Ring werfen usw., ganz nach dem Geschmack und dem geistigen
Niveau der Zuschauer. Die Hauptsache ist, daß die von primitivsten
Instinkten getragene Sensationslust der Masse befriedigt wird.

„Amateurringen und Berufsringen"


Es ist bedauerlich, daß dieser „Wild-West-Stil" in den letzten Jahren
auch bei uns immer mehr Anklang findet, und so das Verständnis der
breiten Masse für die ehrlichen Leistungen unserer Amateure noch mehr
als bisher untergraben wird.
In dem Bestreben, den Zuschauern aufregende Kämpfe zu bieten,
haben die Berufsringer von jeher Schaukämpfe gezeigt und fügen so
dem Ringkampfsport einen großen Schaden zu.
Man ist in Laienkreisen allgemein der Ansicht — die bei einigen
anderen Sportarten vielleicht zutreffen mag —, daß der Amateur noch
ein Lehrling ist, der fleißig lernen und üben muß und dann erst Profes-
sional werden kann. Diese Annahme könnte unter Umständen zutreffen,
da ein Amateur seinen Sport gewöhnlich nur in seiner freien Zeit aus-
übt, wogegen der Berufssportler — um in seinem Beruf Außerordent-
liches leisten zu können — Tag für Tag üben kann. Demnach müßte er
dem Amateur in jeder Beziehung überlegen und Vorbüd sein, was jedoch
beim Ringsport nicht der Fall ist.
Abgesehen davon, daß im Ringen ein Amateur in den seltensten
Fällen auf der Höhe seiner Laufbahn in das Profi-Lager hinüberwechselt,
könnte ein Professionalringer unter den heutigen Umständen durch ein-
wandfreie, seriöse Kämpfe kaum in der Lage sein, seinen Unterhalt zu
verdienen.
Die Erklärung zu dieser Behauptung ist folgende: Jeder Profi, der
Geld verdienen will, läßt sich von einem Veranstalter verpflichten. Der
Veranstalter als Geldgeber muß darauf sehen, daß er bei seinem Unter-
nehmen nicht draufzahlt, also muß er dem sensationslustigen Geschmack
des Publikums Rechnung tragen.
Dies kann aber nicht dem Zufall überlassen werden. Eine geschickte
Regie sorgt dafür, daß die Zuschauer 4—6 Wochen in Spannung gehalten
werden. Diese Forderung zu erfüllen, liegt auch im Interesse eines
jeden Ringers, und so ist es selbstverständlich, daß jeder bemüht ist, die
Anweisungen seines Geldgebers einzuhalten und zugleich seine „Arbeits-
leistung" dem Zuschauer so gut als möglich zu verkaufen. Mit sport-
lichen Leistungen allein könnte der gewünschte Erfolg nie erzielt werden.

16
und so ist jeder der Akteure bemüht, nach besten Kräften und persön-
licher Veranlagung eine Rolle zu spielen, welche die Zuschauer „mitreißt".
Wir finden hier die Berufsringer in allen möglichen Rollen. So den
jugendlichen Helden, den Draufgänger (als Liebling der Frauen); den
älteren seriösen Herrn mit den grauen Schläfen oder mit der Glatze,
dem es mehr um den guten Eindruck als um die Leistung geht; den
körperlich schwachen, aber technisch guten Ringer, der vorzüglich ver-
steht, die Sympathien der Zuschauer zu gewinnen, insbesondere wenn
es ihm gelingt, sich bei körperlich stärkeren Gegnern aus den unmög-
lichsten Lagen herauszuwinden oder sogar noch zu siegen. Recht
beliebt sind die Komiker und Clowns; sie sind in jeder Truppe in
mehreren Auflagen und Schattierungen zu finden. Einige von ihnen
begnügen sich mit harmlosen Spaßen, sie sorgen für lustige Zwischen-
fälle. Andere markieren die „wilden Männer", sind robust, ja brutal in
höchstem Grad und respektieren weder die Bestimmungen noch den
Schiedsrichter. Nicht selten treiben sie ihr Spiel so weit, daß man sie
vor dem Zorn der Zuschauer durch die Polizei schützen muß.
Wie wenig Talent ehemalige Amateurringer zur Schauspielkunst
besitzen, zeigt die Praxis; es fehlen ihnen die „effektvollen Griffe", und
so findet die Ansicht des Publikums nur zu leicht ihre Bestätigung: „Die
Amateure sind Anfänger."
Würde einem der Ringer einfallen, sich gegen die Weisungen des
Veranstalters aufzulehnen und womöglich ernste Kämpfe auszutragen,
so wäre dieser Schritt gleichbedeutend mit der Aufgabe der Berufs-
ringer-Laufbahn. Kein Veranstalter würde diesen „Außenseiter" mehr
verpflichten, kein Berufsringer würde mit ihm, dem „Berufsschädling",
kämpfen.
Wie zähe die Zuschauer und Anhänger des Berufsringkampfes an dem
Zirkustheater festhalten — die ja hauptsächlich die Schuld an den
heutigen Zuständen haben —, zeigt der vor Jahren unternommene Ver-
such, die Berufsringer durch Einsetzen von Amateurkampfrichtern wirk-
lich zum Ringen zu zwingen. Der Versuch scheiterte kläglich am Ver-
halten des Publikums. Die Ringer, durch das ewige Theatermachen dem
wirklichen Ringen entwöhnt, haben noch weniger gezeigt als die
Amateure in ihrer dunkelsten Punktsystemzeit. Die Zuschauer waren
über die gezeigten Leistungen erbost und man hörte Zwischenrufe, wie
„Schiebung!", „Wir wollen Kämpfe sehen!" usw. Die Zuschauer wollen
also für ihr gutes Geld weiterhin betrogen werden. Durch die „Attrak-
tionen" der Berufsringer erhalten die Zuschauer vom eigentlichen Ring-
kampf eine falsche Vorstellung und finden so an den Kämpfen der
Amateure keinen Gefallen mehr, weshalb die Amateurveranstaltungen
nicht den Zuspruch finden wie die der Berufsringer. Daß unter diesen
Umständen die Amateure den Berufsringkampf nicht nur ablehnen,
sondern sogar bekämpfen, ist sehr verständlich.
Diesem Treiben Einhalt zu gebieten, ist ein fast hoffnungsloses
Unterfangen, weil gegen das Geld der Berufsringer — mit dem sie viel-
2 17
fach auch eine gewisse Presse „kaufen" — die ehrliche Aufklärungsarbeit
der Amateure unzulänglich ist. Die Gewinnung der Behörden für die
Sache der Amateure ist ebenfalls aussichtlos; denn man kann nicht er-
warten, daß gegen einen der besten Steuerzahler eingeschritten wird. In
diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, daß im Osten
Deutschlands keine Profiveranstaltungen stattfinden können.
Trotz alledem werden wir Amateure nicht müde, unsere Aufklärungs-
arbeit fortzuführen und uns für unsere gerechte Sache einzusetzen. Bis
auf weiteres gilt die einstimmige Resolution der Delegierten des DAB:
„Der Berufsringkampf in seiner heutigen Form hat mit Sport nichts
zu tun und wird von den Amateuren abgelehnt." Wenn auch durch den
Berufsringkampf ein großer Prozentsatz der Jugend für den Ringkampf
begeistert wurde und den Weg in die Vereine fand, so versagen wir
dem Berufsringkampf unsere Anerkennung als Sport, solange er nicht
in jeder Beziehung Vorbild für den Ringkampfsport sein kann.

II. DER R I N G K A M P F
ALS SCHUL- UND E R G Ä N Z U N G S S P O R T
Das heutige Zeitalter ist, sportlich gesehen, das Zeitalter der sport-
lichen Rekorde und der Rekordzahlen von Zuschauern, die, durch die
Sensationen gewisser Sportarten in Massen angezogen, regelmäßig die
Tribünen der Kampfstätten überfüllen. Große Summen von Eintritts-
geldern fließen in die Kassen und finanzieren das heutige öffentliche
Sportleben; die städtischen und staatlichen Behörden haben Interesse
daran, daß diese Einnahmequellen ergiebig bleiben. Weniger nach ihrem
Wert für eine vielseitige harmonische Leibeserziehung schätzt man die
Sportarten ein, sondern nach dem Grad ihrer Sensationen und ihrer
Anziehungskraft auf die Schaulust der breiten Masse. Diese Einstellung
hat zur Folge, daß auch die Jugend über den Wert einer Sportart ein
falsches Bild erhält und sich hauptsächlich zu den Modesportarten
drängt, um auch einmal als Held gefeiert zu werden und womöglich
so viel Geld zu verdienen wie dieser. Es ist natürlich Sache des einzelnen,
was er sich anschaut und für welche Sportart er sich interessiert.
Solange es sich um den privaten Geschmack handelt, ist auch nichts
dagegen einzuwenden. Sobald es sich aber um die E r z i e h u n g d e r
J u g e n d handelt, darf es uns nicht gleichgültig sein, was dieser Jugend
gelehrt wird und welche Sportarten mit dieser Jugend getrieben werden.
Demzufolge kann uns auch nicht gleichgültig sein, in welchen Fächern
der Leibesübung die künftigen Turn- und Sportlehrer auf den Hoch-
schulen geschult und geprüft werden.
Es steht hier nicht zu erörtern, welche Sportarten für würdig
befunden werden, als „Grundschule der Leibeserziehung" zu gelten.
Eines ist jedoch sicher, daß der Ringkampf mit seinem allgemein

18
anerkannten erzieherischen und körperbildenden Wert dabei nicht fehlen
darf.
Gewiß hat es gerade durch die allgemeine Wertschätzung an Ver-
suchen nicht gefehlt, den Ringkampf an Schulen und an allen möglichen
Institutionen der Leibeserziehung einzuführen; auch die Turner gaben
sich die größte Mühe, Ringkampf zu betreiben, aber alle diese Ver-
suche scheiterten bisher leider aus verschiedenen Gründen.
Die Ausübung des Ringkampfes ist an weiche Unterlagen, an Ringer-
matten gebunden. Dies hat den Nachteil, daß das Ringen nur in Hallen
geübt werden kann; hierdurch scheiden die Sommermonate meist für
das Training im Ringen von vorneherein aus.
Aber selbst dann, wenn die Matten ins Freie gelegt werden könnten,
ist die Anzahl der auf der Matte Beschäftigten wegen der kleinen
Fläche so gering, daß es sich nicht lohnt, eine Ringermatte anzu-
schaffen. So werden viele Institute der Leibeserziehung von der Ein-
führung des Ringkampfes abgehalten, da trotz der verhältnismäßig
hohen Kosten der Matte nur einem kleinen Kreis Ubungsmöglichkeit
geboten werden kann.
Ein weiteres Hindernis für die Verbreitung des Ringkampfes bildet
noch seine Vielseitigkeit und Kompliziertheit. Durch die unerschöpf-
lichen Griffmöglichkeiten und Griffkombinationen gehört der Ringkampf
zu den schwierigsten Sportarten, die vom Lehrer ein umfassendes
. Wissen und Erfahrung, vom Schüler einen ausdauernden Lerneifer
verlangen.
Jedenfalls sind bis heute alle Versuche gescheitert, den Ringkampf
außerhalb der Spezialvereine einzuführen. Es ist zu hoffen, daß der
jetzige Versuch der Sporthochschule Köln und der Sportakademie in
München, Ringen als Lehrfach in ihren Lehrplan aufzunehmen, den
gewünschten Erfolg hat und diesem Beispiel noch andere Institute der
Leibeserziehung folgen werden.

Der Standkampf ohne Matte


Soll der Ringkampf außerhalb der Spezialvereine eine allgemeine
Verbreitung finden, so muß er in seiner heutigen Form eine Änderung
und Vereinfachung erfahren. Diese Vereinfachung ist bei dem im
modernen Trainingsbetrieb gebräuchlichen „Stand-Kampf" gegeben, wie
er in den SpezialVereinen ohne Matte und somit ohne Niederwurf
geübt wird. Dieser Standkampf bezweckt, eine große Anzahl Übender
zu beschäftigen und sie im Nahkampf sowie in ihrer Standfestigkeit zu
bilden. Demnach sind bei der Anwendung des Standkampfes ohne Matte
alle obengenannten Nachteile für die Ausübung des Ringkampfes als
„Massensport", besonders außerhalb der Spezialvereine, behoben und —
das Entscheidende — der Ringkampf verliert nichts von seinem Wert.
Der lebendige Kampf, die Überwältigung des Gegners durch List oder
Gewalt, bleibt hier wie im regulären Kampf erhalten. Der Gegner wird
2* 19
auch hier durch einen Griff gepackt, ausgehoben, und damit ist der
Kampf auch schon entschieden, denn die gestellte Aufgabe beim Stand-
kampf ist mit dem Abheben des Gegners vom Boden erfüllt. Um den
ausgehobenen Gegner zu Boden zu werfen, wird keine besondere
Schulung nötig sein und die Umstellung auf den regulären Ringkampf
keine Schwierigkeiten bereiten. Als Vorschule für den Ringkampf hat
der Standkampf ohne Matte außerdem noch den Vorteil, daß Ver-
letzungen durch rohes Niederwerfen oder ungeschicktes Fallen aus-
geschlossen sind.
Der Ringkampf in dieser einfachsten Form als „Standkampf ohne
Matte" kann somit überall geübt werden, wo Leibeserziehung betrieben
wird; insbesondere in Schulen (im Rahmen des Schulsportes) und in
allen leibesübungtreibenden Vereinen als Ergänzungs- und Ausgleichs-
sport.
Aber auch für die Spezialvereine kann die Anwendung des Stand-
kampfes nicht genug empfohlen werden. Abgesehen von der Möglichkeit
der Beschäftigung einer großen Anzahl Ringer in der Übungsstunde,
müssen unsere Vereine darangehen, ihre Ubungsstunden in den Som-
mermonaten ins Freie, auf Sport- und Badeplätze zu verlegen, um so
eine wirkungsvollere Werbung für unseren Sport durchführen zu
können. Auf diese Weise können viele für den Ringkampf begeistert
und für immer gewonnen werden.

Der Standkampf in der praktischen Ringstunde


Wegen der Anfangsschwierigkeiten für die Durchführung einer
„Ringerstunde" in Schulen und Vereinen, die Ringen nur als Ausgleichs-
sport betreiben möchten, sollen hier genaue Angaben folgen, wie man
einen „Betrieb" im Ringen aufziehen kann.
Da jeder schon bei irgendeiner Gelegenheit gerungen, harmlos ge-
balgt, gerangelt oder gerauft haben dürfte, so wird die Aufforderung
hierzu bestimmt freudig begrüßt. Trotz aller Begeisterung muß aber
vom ersten Augenblick an auf die Einhaltung der Bestimmungen und
Regeln geachtet werden.
Schon bei der Durchführung einer solchen Probe wird der Leiter
der Stunde und jeder Schüler feststellen, daß man zur Überwindung des
Gegners bestimmte Fertigkeiten besitzen muß. Um einen Griff richtig
erlernen zu können, darf der Partner beim schulmäßigen Üben keinen
Widerstand leisten, im Gegenteil, er soll den Ausübenden sogar auf
etwaige Fehler aufmerksam machen.
Um eine bessere Übersicht über die Übenden zu gewinnen, ist es
vorteilhaft, wenn sie paarweise in Reih und Glied Aufstellung nehmen
und die Griffe alle gemeinsam in Tempis unterteilt üben. Da jeder
möglichst schon zum Üben einen gleich schweren Partner haben soll,
treten die Übenden „in Linie zu zwei" oder in „vier Gliedern der
Schwere nach" an. Von der Mitte aus „paarweise nach rechts, nach links

20
und rückwärts mit zwei Schritt Zwischenraum öffnen", lautet die nächste
Anweisung. Mit „Front zum Partner" kann die Erklärung der Griffe
beginnen. Die Schüler, die mit Front zum Lehrer und jeder zu seinem
Partner stehen, beginnen mit der Übung:
„Ausgangsstellung" ist für beide Partner die Seitgrätschstellung. Die
zu lernenden Griffe sind 'in vier Zeiten unterteilt.
1. S c h u l t e r s c h w u n g
Tempo 1: Trete mit deinem rechten Fuß neben den rechten Fuß (Innen-
seite) deines Partners, erfasse mit deiner linken Hand seinen
rechten Oberarm und klammere dabei sein Handgelenk unter
deine linke Achselhöhle (Abb. 3).
Tempo 2: Fasse mit deiner rechten Hand seinen rechten Oberarm dicht
unter der Achselhöhle, drehe ihm den Rücken zu, setze dabei
die rechte Schulter unter seine rechte Achselhöhle und trete
mit deinem linken Fuß neben seinen linken Fuß (Innenseite),
beuge dabei stark deine Knie (Abb. 4).

Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5

Tempo 3: Strecke deine beiden Beine und beuge deinen Oberkörper,


hebe den Partner vom Boden weg (Abb. 5).
Tempo 4: Zurück in die Ausgangsstellung.
Da Tempo 2 die schwierigste Stelle der Übung ist, so kann diese
einige Male wiederholt werden, indem der Lehrer nach Tempo 2
„zurück" kommandiert.

21
Um den Schülern die geistige Verarbeitung der einzelnen Griffphasen
zu ermöglichen, muß der Übungsleiter die Tempis anfangs recht gedehnt
sprechen und auch zwischen den Tempis etwas Zeit lassen. Nachdem
die erste Gruppe (mit Front zum Lehrer) den Griff einigermaßen
beherrscht, wechselt der Lehrer seinen Stand, so daß nun die Gruppe
zwei mit Front zu ihm steht, worauf sich der Vorgang wiederholt. Nach-
dem beide Gruppen den Griff wiederholten, kann das Üben der weiteren
Griffe nach derselben Methode fortgesetzt werden, wobei die Griffe
natürlich auch nach der Gegenseite, d. h. rechts mit links vertauscht, aus-
geführt werden sollen.
2. H ü f t s c h w u n g
Tempo 1: Aus der Ausgangs-(Seitgrätsch-)Stellung: Trete mit deinem
rechten Fuß neben des Partners rechten Fuß (Innenseite)
und fasse mit deiner linken Hand seinen rechten Oberarm
(Abb. 3).
Tempo 2: Drehe dich auf der Stelle nach links mit dem Rücken zum
Partner, umklammere gleichzeitig mit deinem rechten Arm
seinen Hals und stelle den linken Fuß neben seinen linken
Fuß (Abb. 6). Ohne im Bewegungsablauf eine Pause eintreten
zu lassen, schiebe dein Gesäß vor des Partners Körper vorbei,
bis er gänzlich vor deiner linken Hüftseite steht und stark
nach vorn gebückt auf deinem Rücken hängt (Abb. 7).
Tempo 3: Strecke deine Beine und deinen Oberkörper und hebe den
Partner vom Boden.
Tempo 4: Zurück in die Ausgangsstellung.
3. U n t e r g r i f f
Tempo 1: Ausgangsstellung: Trete mit dem linken Fuß zwischen des
Partners Füße und umklammere mit deinem Unken Arm seine
rechte Hüfte.

Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8


22
Tempo 2: Trete mit deinem rechten Fuß ebenfalls zwischen des Partners
Füße, umklammere mit dem rechten Arm seine linke Hüfte
und fasse deine beiden Hände zusammen.
Tempo 3: Strecke die Beine, hebe den Partner vom Boden.
Tempo 4: Zurück in die Ausgangsstellung.

Abb. 9 Abb. 10

4. R u m r e i ß e r
Tempo 1: Beide Partner stehen in der Seitgrätschstellung. Fasse mit
der linken Hand des Partners rechtes Handgelenk.
Tempo 2: Fasse mit der rechten Hand (die Finger zusammengepreßt
haltend) den rechten Oberarm des Partners von unten her,
drücke des Partners gefesseltes Handgelenk nach deiner rech-
ten Seite und reiße ihn durch den Griff am Oberarm kräftig
an dich heran (Abb. 8). Löse den Griff am Handgelenk und
klammere den Partner von hinten um seine linke Hüfte
(Abb. 9).
Tempo 3: Strecke die Beine und hebe den Partner vom Boden (Abb. 10).
Tempo 4: Zurück in die Ausgangsstellung.
Nach dem Muster dieser Unterteilung können alle Standgriffe der
Griffschule in das Übungsprogramm aufgenommen werden. Wenn auch
die Beherrschung der Griffe äußerst wichtig ist, so darf die Griffschule,
wie überhaupt die ganze Ringstunde, besonders am Anfang nicht länger
als 30 Minuten ausgedehnt werden.
Jede Ringstunde soll zur Hälfte aus der Griffschule und zur Hälfte
aus der Kampfschule bestehen. In der Kampfschule versuchen die Teil-
nehmer, die gelernten Griffe in Ubungskämpfen anzuwenden.

23
Wettkämpfe und Wettkampfbestimmungen für den „Standkampf"
Um die Übungsstunde interessant zu machen, können auch W e t t -
k ä m p f e ausgetragen werden, und zwar in Form von Staffel- oder
Mannschaftskämpfen sowie in Turnierkämpfen. Es können auch ebenso
Kämpfe gegen andere Gemeinschaften oder Klassen durchgeführt wer-
den; in jedem Falle muß jedoch jeder mit einem gleich schweren Partner
kämpfen und die Teilnehmer müssen in Gewichtsklassen eingeteilt
werden.
Gewichtsklasseneinteilung für Schüler und Jugend:
Schüler bis 14 Jahre: Jugend bis 18 Jahre:
Fliegengewicht bis 25 kg bis 40 kg
Bantamgewicht bis 27'A> kg bis 45 kg
Federgewicht bis 30 kg bis 50 kg
Leichtgewicht bis 35 kg bis 55 kg
Weltergewicht bis 40 kg bis 60 kg
Mittelgewicht bis 45 kg bis 65 kg
Halbschwergewicht bis 50 kg bis 70 kg
Schwergewicht über 50 kg über 70 kg

Bei der Austragung von Wettkämpfen soll möglichst ein unparteüscher


Kampfleiter fungieren, der die Kämpfe nach folgenden Regeln leiten soll:
Sieger beim Standkampf ist derjenige, dem es gelingt, seinen Gegner'
mit beiden Beinen zugleich vom Boden wegzuheben, wobei der Gegner
mindestens eine Sekunde (in der Luft) fixiert werden muß.
V e r b o t e n sind alle Griffe, die schmerzen oder gar eine Verletzung
verursachen können. Demzufolge sind verboten: Das Gesicht zwischen
Augenbrauen und Mundlinie zu berühren; den Kopf alleine fassen, den
Kopf drehen oder als Hebel zu benützen, Finger fassen; Arm verdrehen;
den Gegner zu Boden werfen usw. Der unfair kämpfende Ringer muß
vom Kampfrichter verwarnt, bei absichtlichem Regelverstoß (z. B. zu
Boden werfen) für besiegt erklärt werden. Wer sich zweimal niederkniet,
um einen Angriff zu verhindern, wird als besiegt erklärt.
Die K a m p f z e i t , die vor Beginn des Wettbewerbs festgelegt werden
muß, beträgt 3, 6 oder 9 Minuten, je nach dem Können und dem Alter
der Teilnehmer unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Anzahl der
Kämpfe.
Die P a a r u n g der Konkurrenten wird nach dem gezogenen Los vor-
genommen, wobei die niedrigste mit der nächst höheren Losnummer zu
kämpfen hat. Z. B. in der ersten Runde: 1—2, 3—4 usw., in der zweiten
Runde 1—3, 2—4 usw. Ist die Anzahl der Teilnehmer eine ungerade, so
kommt die höchste Nummer kampflos in die nächste Runde, wird an
die Spitze der Liste gesetzt und als niedrigste Nummer behandelt, bis
die nächste auf gleiche Weise nach vorne gekommene Nummer ihn ablöst.

24
Das A u s s c h e i d e n aus der Konkurrenz erfolgt nach zwei Nieder-
lagen oder drei Unentschieden. Ist die Anzahl der Teilnehmer groß, so
kann vor Beginn der Wettkämpfe vereinbart werden, daß ein Teünehmer
mit einer Niederlage oder zwei Unentschieden ausscheidet.
S i e g e r seiner Gewichtsklasse ist, wer bis zuletzt übrigbleibt. Die
Reihenfolge der Preisträger wird nach der Reihenfolge des Ausscheidens
ermittelt. Bei Staffelkämpfen zählt jeder Sieg zwei Punkte, bei Unent-
schieden werden die Punkte geteilt. Haben beide Staffeln die gleiche
Anzahl Punkte, so ist die Staffel mit der kürzeren Kampfzeit Sieger.
Nehmen mehrere Klassen, Schulen oder Vereine an einem Wettkampf
teil, so sind für die Gesamtwertung die drei ersten Placierungen zu
werten mit drei, zwei und einem Punkt.
Mit diesen Hinweisen und Bestimmungen können überall die Anfangs-
schwierigkeiten überwunden werden. Übersteigt der Sportbetrieb den
hier gesteckten Rahmen oder wird sonst ein Rat benötigt, so stehen
unsere Vereine und auch unsere Verbände gerne zur Verfügung, die
Schwierigkeit mit überwinden zu helfen. Es liegt jetzt nur an den
Schulen und Sportlehrern, die hier gegebenen Anregungen zu benützen,
der Beifall der Jugend ist ihnen sicher. Jedenfalls wurden die bisherigen
Versuche und Vorführungen im Ringen in Form des Standkampfes über-
eil mit Beifall aufgenommen. Die Aufnahme in das Programm der
Leibeserziehung wird sicher eine große Bereicherung bedeuten.

III. A L L G E M E I N E ÜBUNGSLEHRE
Wer eignet sich zum Ringer?
Jugendliche und Anfänger, die zum Ringkampf kommen, haben meist
den Ehrgeiz, einmal auch Spitzenkönner zu werden. Bei verschiedenen
Sportarten ist von entscheidender Bedeutung, daß der Anfänger be-
stimmte körperliche Eigenschaften mitbringt. So wird man fragen müssen,
welche Eigenschaften der künftige Ringer besitzen muß, oder: welcher
ist der R i n g e r t y p ?
Man hört oft sogar von Leuten vom Fach, daß sie einem körperlich
starken Jugendlichen eine erfolgreiche Ringerlaufbahn prophezeien. Diese
Ansicht stammt noch aus der Zeit, in der man zum Ringen keine beson-
dere Technik brauchte, sondern hauptsächlich stark sein mußte, so daß
ein guter Heber oft zugleich der beste Ringer war. Außerdem läßt man
sich dadurch beirren, daß ein Ringer im Verhältnis zu anderen Sportarten
körperlich kräftig ist, und man nimmt an, daß dies auch für den An-
fänger Voraussetzung sei.
Die Praxis zeigt aber das Gegenteil. Jeder Anfänger ist bestrebt, beim
Ringen seine Vorzüge einzusetzen, und so ist es verständlich, daß der
von Natur aus Starke durch die Anwendung seiner Kräfte versucht, zum

25
Erfolg zu kommen, während der Schwache gezwungen ist, sich der
T e c h n i k zu bedienen, um sich durchsetzen zu können. Da sich im
Laufe der Zeit in der Trainingsmethode der beiden Typen so gut wie
nichts ändert, so wird eines Tages der Techniker durch fleißiges Üben,
an Kräften bedeutend zugenommen und durch seine Technik, zu der sich
die Kraft gesellt, den Starken eingeholt haben. Da der Techniker auch
weiterhin trotz seiner Kraft aus Gewohnheit technisch ringt, wird der
Starke in den meisten Fällen einseitig bleiben und so ins Hintertreffen
geraten.
Mit dieser Feststellung soll natürlich nicht gesagt sein, daß ein körper-
lich Starker zum Ringen ungeeignet sei. Es soll nur das alte Vorurteil
richtiggestellt werden, daß sich zum Ringen nur Starke eignen. Es ist
Aufgabe des Übungsleiters, auf diese Tatsache zu achten und durch ent-
sprechende Maßnahmen und Trainingsvorschriften einen Ausgleich her-
beizuführen.
Da im Ringen durch die Gewichtsklasseneinteilung der Leichte genau
so erfolgreich sein kann wie der Schwere, spielt das Gewicht oder die
Größe keine Rolle. Ebenso ist der Charakter und das Temperament des
einzelnen von untergeordneter Bedeutung, da jede Eigenschaft genau so
ihre Vorteile wie Nachteile haben kann. Was der künftige W e l t -
m e i s t e r aber mitbringen muß, ist ein nicht zu überbietender Lern-
und Kampfeifer sowie ein eiserner Wille. Sind diese Eigenschaften vor-
handen, dann ist auch die Frage nach der Eignung sogleich beantwortet.
In w e l c h e m A l t e r s o l l m a n m i t d e m R i n g e n b e -
g i n n e n ? Da Ringen eine naturgegebene Übung ist, die von unseren
Kleinsten bereits getätigt wird, kann sie, solange sie in demselben unge-
zwungenen spielerischen Rahmen gehalten wird, niemals schädlich sein.
Dies setzt voraus, daß das Ringen nur in der Form des Standkampfes
oder mit den einfachsten Griffen des Freistils durchgeführt wird, und
daß jeder nur mit seinem Altersgenossen oder gleich schwerem Partner
übt. Da Ringen den Körper gleichmäßig ermüdet, sind Überanstrengungen
so gut wie ausgeschlossen. Eine auf Leistung ausgerichtete Schulung oder
Betätigung soll meines Erachtens nicht vor dem 14.—16. Lebensjahr vor-
genommen werden.

Die ringerische Ausbildung der Jugend,


ihre fachgemäße Vorbereitung für eine wettkampfmäßige Betätigung
geschieht in den Übungsstunden unserer Vereine.
Die Ü b u n g s s t u n d e ist das pulsierende Herz des Vereins. Der
kraftvolle Übungsbetrieb mit seinem planvollen, harmonischen Verlauf
soll immer wieder ein Erlebnis für alle Teilnehmer sein. Die Übungs-
stunde ist die Visitenkarte des Vereins und vermittelt dem fremden
Besucher durch die dort gesehene Ordnung, Sauberkeit und Disziplin
Rückschlüsse auf den Geist, der die Führung und die Mitglieder des Ver-
eins beherrscht.

26
Besonders die der Jugenderziehung gewidmeten Ubungsstunden müssen
diesen Anforderungen genügen. Die Vereinsleitung muß darum besorgt
sein, daß die Übungsstunden den rechten Geist atmen.
D e r Ü b u n g s l e i t e r ist mit die wichtigste Person im Verein, denn
er hat den größten Einfluß auf die Jugend und die Aktiven, er ist die
Seele der Übungsstunde. Von seiner Geschicklichkeit und erzieherischen
Begabung hängt in hohem Maße die Leistungsfähigkeit, aber auch die
sportliche Haltung der Mitglieder ab. Er muß nicht der beste, aber der
vorbildlichste Sportler seines Vereins sein. Er muß als Erzieher seines
Vereins auch außerhalb der Übungsstunde als Vorbild auf die Jugend
wirken. Der Übungsleiter muß unermüdlich bestrebt sein, die Ubungs-
stunden lehrreich, interessant und abwechslungsreich zu gestalten.
Obwohl das Programm der Übungsstunde mit der Einteilung
1. Vorübung 3. Spezialtraining
2. Zweckgymnastik 4. Ergänzungssport oder Spiele
in großen Zügen feststeht, muß der Übungsleiter doch stets für Ab-
wechslung sorgen. Es wird daher eine gewisse Konzentration und Vor-
bereitung auf die jeweilige Übungsstunde unerläßlich sein, soll diese
den gestellten Anforderungen in jeder Weise genügen. In seinem Streben,
dem Verein sein Bestes zu geben, muß er ständig bemüht sein, die
eigenen Kenntnisse durch Lehrgänge und einschlägige Literatur zu er-
weitern.

Zeiteinteilung der Übungsstunde


Um die Übungsstunde planvoll durchzuführen, um alle Teilnehmer voll
zu beschäftigen und die vorhandenen Geräte auszunützen, ist eine Z e i t -
e i n t e i l u n g für die Übungsstunde unerläßlich. Die Zeiteinteilung und
die Aufstellung eines Ü b u n g s p l a n e s hängen von verschiedenen
Umständen ab. So von der Anzahl der Teilnehmer, der Zahl der vor-
handenen Ringermatten, von der Größe des Übungslokals, von der zur
Verfügung stehenden Zeit usw. Angenommen, dem Verein steht eine
Turnhalle mit e i n e r Ringermatte 2Va Stunden zur Verfügung, so
rechnen wir für das An- und Auskleiden eine halbe Stunde; die ver-
bleibenden zwei Stunden werden wie folgt eingeteilt:
10 Minuten Auf- und Abbau der Geräte
5 Minuten Vorübung
15 Minuten Spiele (als Abschluß der Übungsstunde) und die
verbleibenden 90 Minuten
werden unter den Übenden in Mattenarbeit aufgeteilt. Wären nur 9 Paare
in der Übungsstunde, so könnte jedes Paar 10 Minuten auf der Matte
arbeiten.
Aber der Verein hat sicherlich wesentlich mehr Teilnehmer, und diese
möchten länger als 10 Minuten ringen. So ist eine sinnvolle Ausnützung
der vorhandenen Matte und der zur Verfügung stehenden Zeit unerläß-

27
lieh. Da die Griffschule und auch die Kampfschule für den Standkampf
zum überwiegenden Ted ohne Matte ausgeübt werden können, kommen die
einzelnen Paare mit 5 Minuten Standkampf auf der Matte aus. Benötigt
für den Standkampf jedes Paar die ganze Matte, so können beim Boden-
kampf bei entsprechender Rücksichtnahme zugleich 4 Paare ringen, die
mit 10 Minuten Kampfzeit auskommen. Demnach ist es am günstigsten,
wenn die Teilnehmer in Riegen zu je 4 Paaren aufgeteilt werden; diese
kommen dann mit insgesamt 30 Minuten Mattenarbeit aus. Auf diese
Weise können in den zur Verfügung stehenden 90 Minuten 12 Paare
(24 Ringer) auf der Matte beschäftigt werden. Hat der Verein mehr
Ringer, so muß hier durch eine zusätzliche Matte oder durch Ausdehnung
der Übungsstunde Abhilfe geschafften werden. In solchen Fällen empfiehlt
es sich, für die Jugend, für die Anfänger und für die Fortgeschrittenen
gesonderte Ubungsstunden anzusetzen. Da die Anfänger, Schüler und
Jugendlichen per Riege mit insgesamt 20 Minuten Mattenarbeit aus-
kommen, können in den 90 Minuten bis zu 18 Paare, also 36 Teilnehmer,
beschäftigt werden.
Der Stundenplan würde in diesem Falle folgendermaßen aussehen:'
17.00—18.30 Uhr Schüler und Jugend (ca. 36 Teilnehmer)
18.30—20.00 Uhr Junioren und Anfänger (ca. 36 Teilnehmer)
20.00—22.00 Uhr Senioren und Fortgeschrittene (ca. 32 Teilnehmer).
Auf diese Weise könnten an einem Übungsabend über 100 Teilnehmer
auf einer Matte durchtrainiert werden.
Mit dieser Einteilung kann demnach der Übungsleiter stündlich höch-
stens 8 Paare auf einer Matte beschäftigen. Hinzu kommt die Zeit für
Aus- und Ankleiden, Vorübung. Zweckgymnastik, Spiele und Ergänzungs-
sport. Hat der Verein diese Zahlenstärke erreicht, so muß unbedingt eine
zweite Matte angeschafft weiden, um eine weitere Einschränkung der
Mattenarbeit zu verhindern. Wird diese Forderung von der Vereins-
leitung nicht berücksichtigt, so werden die Jugendlichen und Anfänger,
da sie nicht ausreichend beschäftigt werden, dem Verein und auch unse-
rem Sport den Rücken kehren. In dieser Beziehung wurde in der Ver-
gangenheit viel gesündigt; der Ringkampf verlor viele begeisterte
Jugendliche, nur weil sie in unseren Vereinen nicht entsprechend betreut
wurden.
Nur durch eine gute Zeiteinteilung können alle Teünehmer intensiv
beschäftigt und die Übungsstunde pünktlich und programmgemäß ab-
gewickelt werden.

28
Vorübung für die Einleitung der Übungsstunde
Die Übungsstunde wird mit der Vorübung eingeleitet. Sie hat den
Zweck, die Übenden für das eigentliche Training vorzubereiten. Durch
eine kurze Übung werden sowohl die Muskeln als auch die Organe in
Kampf- oder Übungsbereitschaft versetzt.
Am schnellsten und gründlichsten wird dies durch einen Lauf erzielt,
der, wenn irgend möglich, stets im Freien durchgeführt werden soll.
Der Lauf beginnt in mäßigem Tempo, und von Zeit zu Zeit werden zur
Abwechslung und intensiven Durcharbeitung des Körpers verschiedene
Übungen eingeschaltet, z. B. während des Laufens Knie hochreißen, Hoch-
sprung, schneller Start, rückwärts laufen, mit beiden Füßen zugleich
springen, schattenboxen, hochspringen usw. Nach 3—4 Minuten Lauf
langsam weitergehen und dabei Atemübungen ausführen; den Oberkörper
und die Arme nach oben aufrichten und strecken, dabei einatmen, Ober-
körper und Arme senken und dabei ausatmen.
Nach Abschluß der Vorübung erfolgt Auflegen der Matten. Wenn die
Platzverhältnisse es gestatten, wird die nun folgende Brückengymna-
stik gemeinsam durchgeführt, sonst wird diese von jeder Riege gesondert
geübt.
Brückengymnastik
Jede Sportart hat Übungen, die zur Stärkung bestimmter Muskel-
gruppen oder zur Erlangung bestimmter Fertigkeiten dienen, die man als
Zweckgymnastik bezeichnet. Die Zweckgymnastik des Ringers ist die
Brücke. Bekanntlich ist ein Ringer besiegt, wenn er mit beiden -Schul-
tern zugleich die Matte berührt. Um eine Schulterniederlage zu verhin-
dern, begibt sich der Ringer in die Brücke und verhindert auf diese Weise,
daß die Schultern mit der Matte in Berührung kommen.
Die Anwendung der Brücke ist eine Errungenschaft des modernen
Ringkampfes. Jedenfalls finden wir keine Spur von Brückenstellungen
auf den zahlreichen Abbildungen der Antike oder aus der Zeit Albrecht
Dürers. Unzweifelhaft ist der Ringkampf durch die Anwendung der
Brücke für den Laien komplizierter und für den Anfänger im Erlernen
schwieriger, aber dafür auch bestimmt interessanter geworden.
Die Beherrschung der Brücke in den verschiedenen Kampflagen und
die zahlreichen Fesselungsmöglichkeiten erfordern eine vielseitige und
ausdauernde Übung. Erst wenn ein Ringer die Brückenlage als ungefähr-
lich empfindet, ist eine Beständigkeit in der Leistung überhaupt möglich.
Ein Spitzenkönner ohne eine sichere Brücke ist unmöglich und undenkbar.

29
Um Sicherheit in der Brücke zu erlangen, müssen in der Übungsstunde
durch die Brückengymnastik die Genickmuskeln nach und nach an die
Brückenlage gewöhnt werden, und zwar durch folgende Übungen:
Aus dem Stand nach rückwärts in die Brücke gehen,
Aufstehen aus der Brücke,
Überschlag aus der Brücke,
Kreisen in der Brücke und die
umgekehrte Brücke.
Aus dem Stand in die Brücke gehen kann jeder Anfänger, ohne Hilfe-
stellung in Anspruch zu nehmen. Mit dem Beugen des Körpers nach
rückwärts muß von oben begonnen werden, und zwar wird zuerst das
Genick (den Kopf weit zwischen den Schultern), dann der Rücken und
zuletzt die Knie gebeugt (Abb. 11). Ist ein Anfänger in den ersten
Übungsstunden zu zaghaft, gleich aus dem Stand in die Brücke zu gehen,

Abb. 11 Abb. 12

so läßt er sich, nachdem Genick und Rücken gebeugt sind, auf die Knie
fallen und kann von dieser Stellung aus in die Brücke gehen.
In der Brückenlage werden die Hände vor dem Gesicht zusammen-
gefaßt und die Genickmuskeln an alle erdenklichen Lagen gewöhnt. So
wird die Brücke hochgedrückt bis zur Stirne oder Nase und wieder
zurückgesenkt auf den Hinterkopf. Bei dieser „Auf- und Abbewegung"
wird der Kopf abwechslungsweise auch nach rechts und links gedreht.
Aus dieser Auf- und Abbewegung entsteht die nächste Übung:
Das Aufstehen aus der Brücke.
In der hohen Brückenlage werden die Füße etwas mehr in Richtung
des Kopfes gebracht. Durch plötzliches Senken der Brücke, durch Nieder-
gehen auf die Knie mit gleichzeitigem Schlagen der zusammengefaßten
Hände in Richtung der Beine wird nach einigen Versuchen das Aufstehen
gelingen (Abb. 12).

30
Abb. 13 Abb. 14

D e r Ü b e r s c h l a g aus der B r ü c k e
ist schon etwas schwieriger. Zur Erlernung dieser Übung hält man sich
am Mattenrand, an einer Hantel oder an dem Fuß seines Partners fest
und versucht bei gleichzeitigem Abstoßen beider Füße von der Matte
den Überschlag (Abb. 13). Soll der Überschlag ohne Hilfe gelingen, so
muß man bestrebt sein, die Übung nicht auf den ersten Anhieb aus-
zuführen, sondern versuchen, die Beine immer höher von der Matte
abzustoßen, bis der Überschlag gelingt (Abb. 14).
Das Kreisen in d e r Brücke
macht die Hüften beweglich und kommt häufig im Kampf zur Anwen-
dung. Aus der hohen Brücke (Abb. 15) drehen wir uns nach links; dabei
wird die Drehung auf dem Kopf und dem linken Fuß ausgeführt (Abb. 16)
und der rechte Fuß nach der Drehung in die umgekehrte Brücke auf-
gesetzt. Von hier aus erfolgt eine Drehung nach links in die Brücke

Abb. 15

Abb. II
(Abb. 17), dabei wechselt jetzt der linke Fuß den Stand. Die Übung ist
schwieriger, aber auch wertvoller, wenn der Übende nach der Drehung
seine Fußstellung nicht ändert.
Die u m g e k e h r t e Brücke
beginnt aus der weiten Seitgrätschstellung. Die Hände fassen die Unter-
schenkel und der Übende fällt, wenn möglich, ohne die Knie zu beugen,
auf die Stirn. In dieser Lage werden die Schultern der Matte zugeneigt
und die Brücke bis zum Hinterkopf gerollt, um dann wieder in die
Ausgangsstellung zurückzugehen (Abb. 18). Dieselbe Übung wird auch
nach rechts und nach links ausgeführt, so auch das Kreisen.

Abb. 17 Abb. 18

Diese Übungen der Brückengymnastik können für Fortgeschrittene


schwieriger gestaltet werden, indem die Arme vor der Brust oder gar
auf dem Rücken verschränkt werden.
Es gibt noch viele Übungen zur Stärkung der Genickmuskeln und auch
der Beine (da auch diese bei der Brücke beansprucht werden). Die beste
Übung aber kann die Meisterung der Brückenlagen, wie sie bei Kämpfen
vorkommen, nicht ersetzen. Diese Lagen erfordern ausgiebiges Üben und
sind nachfolgend unter „Meisterung der Brückenlage" behandelt.
Riegenarbeit
Je nach der Anzahl der Übenden werden die Teilnehmer in Riegen
aufgeteilt, wobei möglichst Ringer der gleichen Leistungsklasse berück-
sichtigt werden sollen.
Mit der Arbeit auf der Matte beginnt Riege I und übt nur das, was
ohne Matte undurchführbar ist: Brückengymnastik, Standgriffe mit
Niederwurf, Bodenkampf, das Üben der einzelnen Kampf- und Brücken-
lagen. Nach 30 Minuten wird Riege I von der nächsten Riege abgelöst
und leistet die ihr vom Übungsleiter zugewiesene Arbeit. Auf diese
Weise erhält jeder Ringer die Möglichkeit, 15 Minuten auf der Matte

32
zu arbeiten. Für die restliche Zeit der Übungsstunde können die Riegen
gemeinsam oder auch getrennt, allenfalls unter Leitung eines Riegen-
führers, verschiedene Übungen ohne Matte 'durchführen, wie Standgriffe
ohne Niederwurf (Griff schule), Kampf schule, Ausheber am Boden, Er-
gänzungssport (Gewichtheben, Bodengymnastik, Seilspringen, Wurfübun-
gen usw.), Spiele. Der Übungsleiter kann hier seiner Phantasie freien
Lauf lassen, nur muß er die „Ergänzungsübungen" im richtigen Verhält-
nis zu der Griff- und Kampf schule dosieren; das Ringen darf unter
keinen Umständen dabei ins Hintertreffen geraten.

Ubungsregeln
Für das Üben der Griffe sind bestimmte Übungsregeln zu befolgen, um
spätere Rückschläge und langwierige Umstellung zu vermeiden. Das
Üben der Griffe muß von Anfang an genau nach der Beschreibung
erfolgen. Die Beschreibung ist nur auf das Notwendigste beschränkt und
kann nicht oft genug durchgelesen und geübt werden; denn oft wird ein
Griff in seiner Wirkung und Ausführung selbst den Spitzenkönnern erst
nach einigen Übungsstunden klar und verständlich. So müssen die ein-
zelnen Griffe so lange nach der Beschreibung im Zeitlupentempo geübt
werden, bis der Vorgang völlig klar ist. Erst wenn ein Griff in seinem
Ablauf v e r s t a n d e n und beherrscht wird, kann man mit der Steige-
rung der Schnelligkeit beginnen.
Es ist sehr wichtig, daß der Partner die Ausführung der Griffe unter-
stützt und auf etwaige Fehler aufmerksam macht. Um eine Einseitigkeit
zu vermeiden, sollen die Griffe, nachdem sie nach der rechten Seite
beherrscht werden, auch nach der linken Seite hin geübt werden.
Damit die geistige Mitarbeit gefördert wird, empfiehlt sich, daß die
Lernenden die Griffe beim Üben selbst erklären.
In diesem Buch werden die Abwehrmöglichkeiten mit Absicht nicht
angegeben und lediglich Gegengriffe erwähnt, um den Anfänger von
vornherein zum Angriff zu erziehen mit dem Losungswort: D e r
A n g r i f f ist die beste V e r t e i d i g u n g . Der Ringkampf kann nur
dann als männlich bezeichnet werden und bei den Zuschauern Gefallen
finden, wenn er einen o f f e n s i v e n Charakter hat. Beim Kampf muß
Griff auf Griff folgen und statt Abwehr müssen Gegenangriffe ange-
wendet werden.
Wird ein Griff schulmäßig bis ins klemste beherrscht, so kann stufen-
weise mit der kampfmäßigen Anwendung begonnen werden. Die Stand-
griffe müssen vorerst aus der Bewegung angesetzt werden, ohne daß
jedoch der Partner einen Widerstand entgegensetzt.
Beide Partner nehmen die in der Griffschule angegebene Ausfall-
stellung ein und bewegen sich durch Wechselschritt vor- oder rückwärts
(wie Boxer und Fechter), ohne die Ausfallstellung zu verändern. Anfangs
soll nach jedem dritten Schritt die Ausführung des zu übenden Griffes
erfolgen. Üben zugleich mehrere Paare, so kann, um eine bessere Uber-
3 33
sieht zu erhalten, der Griff auf Kommando ausgeführt werden. Der zu
übende Griff wird dann angekündigt, z. B. „Schulterschwung, eins, zwei,
drei", und die Übenden führen nach zwei Wechselschritten auf „drei"
den genannten Griff aus. Die Griffe können — außer einigen Freistil-
griffen, bei denen der Partner zu Fall gebracht wird — ohne Matte
durchgeführt werden, wodurch eine größere Anzahl Übender zugleich
beschäftigt werden kann.
Nach der Griffschule ohne Matte folgt die Ausführung der Griffe auf
der Matte mit Niederwurf.
Der freie Kampf kann ebenfalls mit oder ohne Matte als Standkampf
durchgeführt werden, je nach dem Können der Übenden und den vor-
handenen Platzverhältnissen.
Bei den Bodengriffen kann nach der schulmäßigen Beherrschung sofort
der freie Kampf angesetzt werden, nur soll der Übende mit einem gleich-
wertigen, aber keinesfalls mit einem besseren Gegner gepaart werden;
dies gilt für den Anfang auch für den Standkampf.
Beim Üben der Griffe und bei den Trainingskämpfen müssen die Fehler
vom Übungsleiter sofort festgestellt und berichtigt werden, bevor sie zur
Gewohnheit ausarten.
Mit der langsamen Überleitung von der Griffschule zur Kampfschule
kann die Leistung durch Verlängerung der Kampfzeit und durch die
Paarung mit einem besseren Partner gesteigert werden. Im Interesse der
Lernenden, auch wenn es sich um Spitzenkönner handelt, soll niemand
ohne Aufsicht trainieren. -
Fesselungen jeder Art werden nur mit der Hand ausgeführt. Das
Klammern mit den Armen wird nur zusätzlich angewendet. Überall, wo
geklammert wird, soll, wenn irgend möglich, zusätzlich noch die Hand
benützt werden, z. B. beim Hüftschwung klammert der Angreifer des
Gegners Kopf und faßt zusätzlich mit der eigenen Hand in dessen
Achselhöhle.
Faßt man die eigenen Hände zusammen, so müssen diese von den
Fingerspitzen her ineinandergerollt und die Hand so gesetzt oder gedreht
werden, daß sie mit dem Handrücken auf des Gegners Körper zu liegen
kommt.
Besteht die Notwendigkeit, beim Umklammern des Gegners statt der
eigenen Hände sein Handgelenk zu fassen, so wird stets d a s Hand-
gelenk gefaßt, auf dem der Gegner liegt.

Theoretische Betrachtungen
Um beim Ringen jede Lage meistern zu können, genügt das auto-
matische Einüben der Griffe allein nicht; es muß damit eine erhöhte
g e i s t i g e M i t a r b e i t verbunden werden. Erst diese ermöglicht eine
planmäßige Kampfführung, das Haushalten mit der Kraft und der
Energie, wodurch die Ausübung des Ringkampfes erst zur rechten Freude
wird.

34
Für eine solche geistige Erfassung ist die Erkenntnis und Beobachtung
gewisser (physikalischer) Gesetzmäßigkeiten von allergrößter Bedeutung,
vor allem das Wissen um die Wirkung des S c h w e r p u n k t e s und des
G l e i c h g e w i c h t s . Alle Griffe des Ringkampfes zielen darauf hin,
den Gegner aus seinem Gleichgewicht zu bringen, um ihn werfen oder
zumindest in eine nachteilige Lage bringen zu können.
Die Beobachtung der Beine beim Standkampf wie auch der vier Kör-
perstützen (Arme und Beine) beim Bodenkampf ist unerläßlich und ent-
scheidend wichtig.
Der S c h w e r p u n k t eines Körpers ist sein Massenmittelpunkt, in
dem man sich sein Gesamtgewicht vereinigt denken kann. Der Schwer-
punkt liegt beim menschlichen Körper innen, in dessen Mitte in der
Hüftgegend. Da der Schwerpunkt wegen der Anziehungskraft der Erde
stets das Bestreben hat, senkrecht nach unten zu fallen, muß der Mensch,
um aufrecht stehen und gehen zu können, mit den Füßen eine S t a n d -
f l ä c h e bilden und mit dieser stets unter seinem Schwerpunkt bleiben
(Abb. 19). Die S t a n d l i n i e ist die Verbindungslinie der beiden Fuß-
sohlen oder der beiden S t a n d p u n k t e (Abb. 20).

-•

Abb. 19
<3 Abb. 20

J e genauer die vom Schwerpunkt nach unten gedachte Linie die Mitte
der Standfläche trifft, um so fester ist der Stand, um so sicherer steht
man im Gleichgewicht. Trifft die Schwerpunkt-Senkrechte außerhalb der
Standfläche den Boden, so muß man umfallen, wenn man nicht in der
Richtung des drohenden Hinfallens einen Schritt ausführt oder irgendwo
Halt findet, z. B. am Gegner (Abb. 21). Durch den Schritt in der Fall-
richtung wird der Schwerpunkt wieder über die neugewonnene Stand-
fläche gebracht und das Gleichgewicht wiederhergestellt.

3* 35
Um einen Gegner zu Fall zu bringen, muß ich seinen Schwerpunkt aus
seiner Standfläche herausheben, herausreißen (schleudern) oder heraus-
schieben, und zwar so, daß ihm der Schritt in der Fallrichtung unmöglich
ist, durch den er sein Gleichgewicht wiedererlangen könnte.
Beim Freistil sind durch Angriffe auf die Füße des Gegners besondere
Möglichkeiten der „ B r e c h u n g d e s G l e i c h g e w i c h t s " gegeben.
Halte ich z. B. mit meiner Hand einen Fuß des Gegners fest oder
blockiere ihn mit meinem eigenen Fuß und ziehe, reiße oder schiebe
seinen Körper und damit seinen Schwerpunkt aus seiner Standfläche
heraus, so kann er den Schritt nicht ausführen, der zur Erhaltung seines
Gleichgewichts notwendig ist und wird zu Fall kommen (Beinschleuder,
Beinsteller, Schwünge verbunden mit Beinstellen usw.).
Die gleiche Wirkung kann erzielt werden, wenn sein Fuß in d e m
Augenblick weggeschlagen oder weggezogen wird, in dem er gerade
seinen Schwerpunkt darauf verlegen will (Fußstich, amerikanischer Bein-
griff usw.).
Will ich meinen Gegner vom Boden wegheben, so muß ich mich in
dessen Standlinie stellen; je weiter ich mich von seiner Standlinie mit
einem Fuß oder gar mit beiden Füßen entferne, desto schwieriger wird
es für mich, den Gegner vom Boden wegzuheben. Wenn ich durch
Griffe im Standkampf den Gegner heben will, so muß ich deshalb
bestrebt sein, schon bei der Vorbereitung des Griffes soweit als möglich
an des Gegners Schwerpunkt heranzugehen, um bei der Ausführung rasch
in seine Standfläche zu kommen. Beim griechisch-römischen Standkampf
besteht die Möglichkeit, daß sich der Angreifer stets mit einem Fuß in
des Gegners Standlinie stellt und, sobald die Situation es gestattet oder
erfordert, den zweiten Fuß schnellstens nachholen kann.
Bei der kampfmäßigen Anwendung der Griffe muß ich als Angreifer
stets bedenken, daß bei Griffen, bei denen ich mich mit meinem Schwer-
punkt in des Gegners Standfläche begebe, um ihn auszuheben, er die
gleiche Möglichkeit hat, und z. B. beim Untergriff, Zwiegriff usw. mich
ausheben oder Gegengriffe anwenden kann. Deshalb soll sich der
Angreifer nur dann mit seinem Schwerpunkt in des Gegners Standfläche
begeben, wenn die Anwendung des Griffes sicher und ohne Risiko
erscheint.
Im übrigen soll der Angreifer bestrebt sein, von folgenden zwei
M ö g l i c h k e i t e n Gebrauch zu machen:
Als Angreifer achte ich scharf darauf, ob und wann der Gegner
seinen Schwerpunkt außerhalb seiner Standfläche verlegt und so sein
Gleichgewicht gefährdet. Dies ist immer dann der Fall, wenn er einen
Druck auf mich ausübt, z. B. wenn er stürmisch angreift oder wenn er
durch meinen auf ihn ausgeübten Druck zu einem Gegendruck ver-
leitet wird. Je größer sein Druck oder Gegendruck ist, um so weiter ent-
fernt sich sein Schwerpunkt von seiner Standfläche und um so leichter
kann er bei plötzlichem Nachlassen meines Druckes zu Fall gebracht

36
werden (Abb. 21). Jedenfalls ist der geringste Druck oder Gegendruck
des Gegners ein Zeichen dafür, daß sein Schwerpunkt sich außerhalb
seiner Standfläche befindet und daß sich mir Gelegenheit bietet, nun
einen passenden Griff anzuwenden.
Die zweite Möglichkeit ist folgende: Ich muß als Angreifer darnach
trachten, beim Griffansatz vorerst mit meinem eigenen Schwerpunkt
von des Gegners Standlinie weit wegzubleiben, ohne dabei mit einem
Fuß die Standfläche des Gegners zu verlassen. Dies erreiche ich durch
meine weite Ausfallstellung und indem ich darauf achte, daß ich vor
Ausführung meines Griffes meinen Schwerpunkt nicht im geringsten
in die Richtung zum Gegner bringe. Ich muß vor der Ausführung
meines Griffes mit meinem Körper in schräger Haltung bleiben, die
durch mein in der Schrittstellung vorne stehendes Bein und meinen
Oberkörper gebildet wird. Im Augenblick der Ausführung meines
Griffes bringe ich mein in der Schrittstellung zurückstehendes Bein
in die Standlinie des Gegners. Bei der Ausführung der Schwünge
erfolgt das Eindrehen in der „schrägen Achse" (Abb. 22).

Abb. 21 Abb. 22

Des Gegners Kraft, Druck, Bewegungsrichtung und Schwung, die er


zur Ausführung eines Griffes aufwendet, haben immer auch Verlagerungen
seines Schwerpunktes zur Folge, die ich zum eigenen Vorteil ausnützen
kann. Dies ist z. B. beim Standkampf möglich, wenn ich das Bein nach
d e r Seite, nach welcher der Gegner den Angriff einleitet, völlig entlaste
(und so meinen Schwerpunkt völlig nach der anderen Seite verlege),
oder meinen Fuß in der Schrittstellung nach hinten setze. Durch diese
Vorbereitung habe ich die Möglichkeit zum Abfangen oder zur Ausfüh-
rung eines Gegengriffes (siehe Gegenschleuder). Sobald der Gegner die
Durchführung eines Standgriffes einleitet, wird mein entlasteter oder in

37
der Schrittstellung zurückgestellter Fuß hochgerissen, um in der Wurf-
richtung einen weiten Schritt ausführen zu können. Wenn mein Bein
nach dem ausgeführten Sprung Fuß gefaßt hat, und der ausgeführte
Schritt weit genug war, ist des Gegners Griff abgefangen. Durch meine
Drehung in der vom Gegner eingeleiteten Drehrichtung kann ich dann
mit einem vorher gefaßten Griffansatz eine Schleuder.ausführen.
Umgekehrt jedoch: greife ich an, so suche ich das gegnerische Abfan-
gen (oder Kontern) meines Griffes zu verhindern, und muß stets darauf
achten, daß ich meine Griffe in dem Augenblick ziehe, wenn des
Gegners Fuß in der Schrittstellung vorne steht und als Standbein
benützt wird.
Bei der Ausführung der Standgriffe muß ich danach trachten, den
Niederwurf nach der Breitseite, der Standfläche, genauer gesagt, in die
„ W u r f l i n i e " auszuführen, da der Gegner in dieser Richtung den
geringsten Widerstand entgegenzusetzen in der Lage ist (Abb. 20).

Kampftaktik
Als Kampftaktik bezeichnen wir beim Ringen die Art und Weise
zu kämpfen. Sie besteht darin, daß man sich auf den Gegner einstellt
und mit Überlegung die zu treffenden Maßnahmen berechnet, um so die
eigenen Fähigkeiten gegen die Stärken (oder auch die Schwächen) des
Gegners zur Geltung zu bringen. Die zu unternehmenden Handlungen
richten sich nach der jeweiligen Kampfsituation, nach dem Temperament,
der Intelligenz und dem Können der Ringer und äußern sich in Drauf-
gängertum, in geschlossener Kampfesweise, in Bevorzugung bestimmter
Kampflagen (Stand- oder Bodenkampf), Scheinkampf, Zermürbung usw.
Trotz der Verschiedenartigkeit der Handlungen kann man beim
Griechisch-Römisch-Ringeji zwei Grundformen der Kampftaktik fest-
stellen: den Nahkampf im Stand mit Hebelarbeit am Boden und den
Kampf auf Distanz mit überraschend geführten Angriffen sowohl beim
Stand- wie auch beim Bodenkampf. •.
Die ursprüngliche Form der Kampfführung ist die Überraschungs-
taktik; sie wird aus der sicheren Deckung und Entfernung geführt
Diese Taktik ist heute noch bei allen Nationen vorherrschend, außer
den nordischen Ländern, wo sich nach dem ersten Weltkrieg eine eigene
Ringweise — der Nahkampf — entwickelte. Beim Nahkampf klebt der
Ringer an seinem Gegner und versucht ihn aus bereits gefaßten Griffen
und Griffansätzen zu werfen. Beim Kampf in der Bodenlage werden
besonders Hebelgriffe an den Armen bevorzugt. Die zügige, fast lang-
same Kampfführung erfordert neben Standfestigkeit und Muskelkraft
die Beherrschung der zur Durchführung kommenden Griffe.
Die Kampfesweise der Nordländer ist bedingt durch ihre kleinen
und niedrigen Trainingsräume, in denen es so warm ist, daß die Ringer
schon durch die einfachste Übung in Schweiß geraten. Aus diesem

38
Grund sind sie von dem ersten Augenblick ihres Trainings an ge-
zwungen, mit einem schweißnassen Gegner zu kämpfen, bei dem nur
Griffe im Nahkampf angesetzt werden können.
Welche Taktik die erfolgreichere ist, zeigt die Praxis. Die Finnen
und Schweden errangen von 1925 bis 1939 mehr Titel als die übrigen
Nationen zusammen. Einbrüche in die nordische Front gelangen nur
dort, wo außerordentliches Können, gepaart mit reicher Kampferfahrung,
ins Treffen geführt werden konnte.
Trotz der scheinbaren Nachteile dürfen wir die von uns bevorzugte
Überraschungstaktik nicht aufgeben. Für die Zukunft muß unsere Auf-
gabe lauten: Aufzwingen der eigenen Kampftaktik! Dies ist aber nur
dann möglich, wenn durch intensives Training eine große technische
Reife, Härte und durch entsprechende internationale Kampfgelegen-
heiten Kampferfahrung erlangt werden.
Diese Ansicht bestätigte sich bei den letzten Auslandskämpfen unserer
Nachwuchsringer, die — nicht gewöhnt an die nordische Nahkampf-
taktik — diese lästig empfanden und durch dauerndes Ausweichen den
Eindruck einer passiven Ringweise erweckten, was sich besonders auf
die Bewertung der Kämpfe entscheidend auswirkte.
Auch im Freistü kann trotz drohender Beingriffe eine Art Nahkampf
angewendet werden. Die Schweizer sind vom „Schwingen" her gewöhnt,
„an den Mann zu gehen", wobei sie die Beingriffe des Gegners zu ihrem
eigenen Vorteil auszunutzen verstehen.
Die Amerikaner kämpfen auf „Distanz" und attackieren überraschend
durch gut eingeübte Tricks, die oft ans Akrobatische grenzen.
Die Kampfesweise der Türken richtet sich nach dem jeweiligen
Gegner. Ist dieser gleichwertig, so kämpfen sie auf Distanz, während
sie sich bei griechisch-römischen Gegnern auf den Nahkampf einlassen.
Ihre Stärke ist die unerhörte Härte und die Sicherheit in allen Kampf-
lagen, was sie der gleich guten Beherrschung beider Stilarten verdanken.
Eine weitere wichtige Rolle spielt beim Ringen die „Finte". Sie ver-
folgt den Zweck, den Gegner über unsere Absichten zu täuschen, ihn zu
verwirren und zu überraschen. Ein Griff wird dann am besten gelingen,
wenn der Gegner durch einen Scheingriff in eine Lage gelockt wird,
die für den beabsichtigten Griff am günstigsten ist. Solche Täuschungs-
manöver sind u. a. möglich, wenn der Angreifer den Griff nach der einen
Seite täuscht und nach der anderen ausführt. Beim Freistil kann noch
außer dem Griff am Oberkörper ein Scheingriff auf die Beine voran-
gehen oder umgekehrt.
Eine früher häufig angewendete Taktik war die Zermürfoung des
Gegners durch lästige Angriffsweise und durch Hineinzwingen des
Gegners in nachteilige Kampflagen (Brücke, Unterlage), wodurch dieser
in seiner Kampfkraft herabgemindert wird.

39
Oft kommen die Ringer beim Kampf in eine Situation, in der die
Weiterführung der Handlung an der Ausgeglichenheit der Kräfte
scheitert. Bei der entstehenden Kampfpause beobachte man des Gegners
Atmung und setze den Angriff plötzlich in dem Augenblick fort, in dem
der Gegner mit dem Ausatmen beginnt, weil von ihm in diesem Augen-
blick der geringste Widerstand entgegengesetzt wird.

IV. D A S T R A I N I N G D E S W E T T K Ä M P F E R S
Nicht jeder, der eine Sportart betreibt, hat die Absicht oder den
Ehrgeiz, auch oft nicht die Veranlagung und das Talent, Spitzenkönner
zu werden. So gibt es viele, die, ringen, die jedoch keine Meisterschaften
erringen wollen. Für sie scheint es erstrebenswerter, einen gut ent-
wickelten Körper mit leistungsfähigen Organen zu besitzen; sie wollen
kräftig und wendig sein und bleiben. Zu dieser Kategorie gehören auch
die Sportler, die ihre Laufbahn hinter sich haben. Das Training dieser
Sportler ist wohl vielseitig, doch leicht und fast spielerisch, ohne einen
Gedanken an Höchstleistung (was auch für den Beginn der sportlichen
Laufbahn der Jugendlichen und Schüler als Grundsatz dienen sollte).

Vorbedingungen für den Leistungssport


Im Gegensatz hierzu stehen die Sportler, die nach Höchstleistung
streben, die jede nur erdenkliche Möglichkeit benützen, ihr Können zu
erweitern und ihre Leistung auf den höchstmöglichen Stand zu bringen.
Sportler, die sich für den Leistungssport entschließen, müssen sich neben
der Begeisterung (die dauerhaft sein muß) davon überzeugen, ob sie
völlig gesund sind, insbesondere, ob die Organe den Anforderungen
gewachsen sind. Hiernach kann das Training beginnen, das bei allem
Eifer und aller Härte nicht in Überanstrengung und Raubbau am
Körper ausarten darf. So schön auch Spitzenleistungen sind, so hüte
man sich vor krankhaftem Ehrgeiz, sich durch Überanstrengung Erfolge
erkaufen zu wollen.

Das Training muß Aufbau sein


Man bedenke stets: Training muß Aufbau sein und mit jeder Übung
muß diese Forderung erfüllt werden. Der Beginn des Trainings im
Ringen kann mit der Fundamentierung eines Hauses verglichen werden.
Die Höhe des Hauses hängt vom angelegten Fundament ab. Wird das
Fundament mit Umsicht und Sorgfalt gelegt, so kann das zu errichtende
Haus um so höher gebaut werden. Wollte man aber umgekehrt, nachdem
das Haus fertig ist, das Fundament erneuern oder ändern, so würde
dies, wenn überhaupt möglich, viel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb
soll der künftige Meister nicht nach schnellen Erfolgen trachten, denn
dies geht meistens auf Kosten einer vielseitigen Grundausbildung. Und

40
Freunde, eines merkt euch: Von nichts kommt nichts! Eine beständige
Leistung kommt nicht von ungefähr, sie muß zäh und hart erarbeitet
werden. Nur wer bereit ist, jede Möglichkeit für die Steigerung seiner
Leistung auszunützen, selbst wenn dabei Unbilden und Entbehrungen in
Kauf genommen werden müssen, nur der kann mit Erfolg rechnen.

Ergänzungssport für den Ringer


Das Training auf einer breiten Grundlage schließt neben dem
Spezialtraining auch Ergänzungsübungen und Sportarten ein, die alle
zur vielseitigen Büdung der Organe, der Muskeln und auch der Nerven
beitragen. Auch wenn der Ringkampf zu den vielseitigsten Leibes-
übungen zählt — man könnte sagen, gerade deshalb —' kann der Ringer
ohne Ergänzungssport nicht auskommen. Der künftige Meisiter des
Ringkampfes muß besonders solche Übungen auswählen, die seine Schnell-
kraft, Ausdauer und Wendigkeit fördern.
Schnellkraft wird besonders durch die technischen Übungen im
Gewichtheben, wie Reißen und Stoßen, gefördert. Um die gewünschte
Wirkung zu erzielen, muß das Gewichtheben regelmäßig geübt werden,
wobei die Übungen ausgesprochen technisch sein und nur mit leichtem
Gewicht ausgeführt werden sollen. Nur selten soll auf Höchstleistung
trainiert werden. Zur Entwicklung der Schnellkraft dienen ferner die
Wurf-, Sprung- und Startübungen. Reine Muskelkräfte, erlangt durch
Dauerübungen oder auch durch schwere körperliche Berufsarbeit, nützen
dem Ringer wenig, wenn sie nicht mit Schnellkraft gepaart sind und
wenn sie nicht der Kampftechnik dienstbar gemacht werden können.
Ausdauer fördernde Übungen und Sportarten sind: Laufen, Schwim-
men, Sküauf, Geräteboxen usw., die aber nur dann den gewünschten
Zweck erfüllen, wenn das Hauptgewicht auf Tempo und nicht auf die
Länge der Übung gelegt wird. Da der Lauf am einfachsten und überall
auszuüben ist, sollte sich jeder in der Nähe seiner Wohnung eine Strecke
aussuchen, auf welcher er seinen Leistungslauf zweimal in der Woche
üben kann. Diese zwei Läufe unterscheiden sich in der Art, dienen aber
derselben Zielsetzung.
Der eine Lauf weist eine feststehende Strecke von zirka 2000 m auf,
die von Mal zu Mal in einer kürzeren Zeit zurückgelegt werden soll.
Beim anderen Lauf ist das Tempo von Anfang an so schnell wie
möglich, dafür aber die Strecke nur 50 m. Nach dem Spurt weiden diese
50 m im Schritt, ausgefüllt mit Atemübungen, zur Startstelle zurück-
gelegt und der Lauf wiederholt. Nach anfänglich 4—5 Läufen über 50 m
wird die Anzahl der Läufe auf 10—15 erhöht und später auf 100 m ver-
längert. Doch sollen 10X100 m nur überschritten werden, wenn hierzu
eine Notwendigkeit besteht.
Schnelligkeit, Beweglichkeit und Wendigkeit werden insbesondere
auch durch Ballspiele (Handball, Korbball), Geräteboxen und leichte
Boxgänge, bei denen die Schläge und Treffer nur angedeutet werden,
gefördert.
41
Das Training auf Höchstleistung
So wichtig und leistungsfördernd die Ergänzungsübungen auch sein
mögen, so können sie niemals das Training und den Kampf im Ringen
selbst ersetzen. Unaufhörlich muß ein Ringer bestrebt sein, die durch
Ergänzungssport erworbenen Eigenschaften auf sein Spezialgebiet, auf
das Ringen, zu übertragen, indem er sich hier genau dieselben Aufgaben
stellt und sie zu erfüllen sucht.
Eine vorzügliche Kraftübung ist der Ausheber am Boden. Der Griff
wird anfangs mit einem leichten Partner geübt; dieser hat die Aufgabe,
sich • gegen den Ausheber zu wehren. Die Leistung wird dadurch ge-
steigert, daß ein immer schwererer und technisch besserer Partner ge-
nommen wird.
Für die Übung der Wendigkeit ist im Ringen reichlich Gelegenheit
vorhanden. Insbesondere sind es im Standkampf die Schwünge und der
Durchschlüpfer, aus der Unterlage die amerikanische Wende usw., die
erhöhte Wendigkeit und plötzliches Handeln erfordern.
Ausdauer und Härte erlangt man, wenn man im Training nicht die
Kampfzeit ausdehnt, sondern das Tempo verschärft. Das Training unter
diesen Umständen braucht nie länger als zwanzig Minuten ziu dauern. Die
Steigerung des Tempos wird durch Wechseln der Partner erzielt. Genügt
für den Anfang ein Partner, so kann besonders vor Wettkämpfen für
jede Kampflage ein frischer Partner genommen werden, wobei man in
den Stellungen, in denen man schwächer ist, längere Zeit verweilt,
außer in der Bodenkampf-Oberlage und in den „letzten drei Minuten",
in denen man versuchen muß, einen vermeintlichen Rückstand durch
Wertungen unbedingt einzuholen. Wichtig ist dabei, daß der auf Aus-
dauer trainierende Ringer versucht, den Kampf zu führen und das
Tempo zu diktieren.
Die Ausdauer im Ringen ist im hohen Maße von der technischen
Beherrschung der Griffe abhängig; je besser die Griffe eingeübt sind,
um so weniger Kraft wird für ihre Anwendung benötigt. Dies aber
setzt voraus, daß • man in den Übungsstunden neben dem Aussuchen
der sogenannten nachteiligen Lagen (Unterlage und Brücke) die ange-
setzten Griffe des Gegners immer wieder zum eigenen Vorteil auszu-
nützen versucht; denn nur dann erfüllt die Übungsstunde ihren Zweck,
wenn mehr geübt als gekämpft wird.
Des weiteren ist auch wichtig, daß man sich daran gewöhnt, mit
lockeren Muskeln zu kämpfen und sie nur in dem Augenblick anzu-
spannen, wenn die Situation es erfordert. Dauernd angespannte Muskeln
können nur schlecht durchbluten, wodurch sie frühzeitig ermüden und
hart werden. Dasselbe gilt auch für die Defensive. Wenn des Gegners
Griffen und Griffansätzen nicht durch entsprechende Gegengriffe
begegnet werden kann, müssen diese durch geeignete Arm-, Bein- oder
Körperbewegungen wirkungslos gemacht werden.

42
Um bei der Vielseitigkeit des Ringkampf es und den dabei notwendigen
Ergänzungsübungen Planlosigkeit, Überanstrengung und zwecklose Zeit-
und Kraftvergeudung zu vermeiden, wird die Aufstellung eines
U b u n g s p l a n e s empfohlen. Im Zusammenwirken mit dem Übungs-
leiter werden Übungen und Sportarten ausgesucht, die zur Förderung der
fehlenden Eigenschaften (Ausdauer, Härte, Schnellkraft usw.) dienen
und ein Übungsplan schriftlich aufgestellt. Um ein Abweichen von den
niedergelegten Vorsätzen zu vermeiden, sucht sich der Ringer, der nach
höheren Leistungen strebt, einen Betreuer aus, der selbst kein hervor-
ragender Könner zu sein braucht, der aber die Durchsetzung des Ubungs-
planes überwacht.
Das festzulegende Arbeitspensum muß ganz individuell sein: vor
einem Zuviel ist auf alle Fälle zu warnen, denn nur zu leicht kann ein
Übertraining eintreten. Die Anzeichen dafür sind: Schnelle Ermüdung,
Unlust zum Training, Schlaflosigkeit, mangelhafter Appetit usw. Man
hat also der Körper- und Kraftsubstanz mehr entnommen, als man zu-
geführt hat. In solchen Fällen ist das Training nur auf leichte Spiele,
ausgedehnte Spaziergänge usw. zu beschränken, dazu leichte Speisen
und viel Schlaf.

Der Wettkampf
Der Wettkampf ist der Prüfstein für das Können, der Sieg die Be-
lohnung für die Mühe und für die Leistung. Erfolge braucht der Sportler.
Sie geben den Auftrieb für die Fortsetzung der harten Trainingsarbeit.
Grundsätzlich soll man nur dann an Wettkämpfen teilnehmen, wenn
man dafür genügend vorbereitet ist. Ungenügende Vorbereitung führt
zu Mißerfolgen. Mißerfolge machen aber auf die Dauer den besten
Sportler mutlos und rauben das Selbstvertrauen zu seiner Arbeit. Vor
Wettkämpfen ist das Training mindestens 8—10 Tage vorher einzu-
stellen, dagegen nicht die gewohnte Beschäftigung im Beruf; der Ringer
muß die förmliche Begierde eines „Ausgehungerten" haben, wieder auf
der Matte zu kämpfen. Die bisherige harte Trainingsarbeit wird auf
leichte Spiele, Wanderungen, Gymnastik, Atmungslauf, Wurfübungen
usw. übergeleitet, um die erlangte Form zu halten; sie wirken auf den
Organismus „aufladend".

Grundlagen der guten Tagesform


Für die Leistungsfähigkeit des Ringers ist wichtig, daß er vor Wett-
kämpfen, auch in fremder Umgebung, seine gewohnte Lebensweise bei-
behält, denn sein Wohlbefinden ist im höchsten Grade entscheidend für
seine Tagesform.
Zum Wohlbefinden gehört der gewohnte Schlaf. Um einen guten
Schlaf zu haben, gehe man vor dem Kampftag eher etwas später als zu
früh ins Bett. Am Wettkampftage stehe man zur gewohnten Zeit auf und
suche sich eine Beschäftigung, um der Langeweile zu entgehen. Man

43
soll 3—4 Stunden vor dem Kampf nicht mehr schlafen, denn der Körper
braucht, um auf Hochtouren zu kommen (wie eine Maschine), eine
gewisse Anlaufzeit. Dagegen ist die Einschaltung einer kleinen Er-
holungspause vor und auch zwischen den Kämpfen bestens zu empfehlen.
Bei diesem „Viertelstündchen Ruhe" sollen alle Muskeln entspannt, alle
Gedanken ausgeschaltet sein, damit das Herz durch den Blutkreislauf
den letzten Winkel des Körpers mit frischer Nahrung versorgen kann.
Man achte darauf, daß der Körper und die Muskeln dabei, wie auch
sonst, nie abkühlen, denn es ist bekannt, daß kalte Muskeln nicht
richtig durchbluten und somit schlecht arbeiten. Durch kalte Muskeln
kann auch ein schmerzhafter Muskelriß entstehen, was eine längere
Pause für jede sportliche Tätigkeit nach sich ziehen kann. Der Sportler
muß, um leistungsfähig zu sein, stets weiche, lockere, gut durchblutete
Muskeln haben und diese vor dem Kampf noch durch Gymnastik und
Lauf (auf der Stelle) vorwärmen, um so im Kampf gleich auf Hochtouren
laufen zu können.
Dieses Vorwärmen kann auch durch M a s s a g e (Reiben und Schüt-
teln) unterstützt werden, insbesondere dann, wenn der Ringer schon
gekämpft und noch weitere Kämpfe zu bestehen hat.
Überhaupt wird die Massage beim Ringen noch viel zu wenig an-
gewendet. Zugegeben, daß das Ringen durch das Fassen der Griffe schon
eine Massage ist, so kann doch durch Massage, insbesondere nach den
Kämpfen und nach schwerem Training, bei regelmäßiger Anwendung
die Leistung gesteigert werden. Für den Ringer eignet sich erfahrungs-
gemäß am besten die durchgreifende finnische Massage, als „Ent-
müdungsmassage", die trocken oder nur mit wenig ö l oder Puder zur
Anwendung kommt.
In Ermangelung eines Masseurs kann auch die Selbstmassage mit
Erfolg angewendet werden. Beim Fehlen von anatomischen Kenntnissen
soll sich die Selbstmassage nur auf Streichmassage beschränken, und
zwar muß die Streichbewegung stets nach dem Herzen zu ausgeführt
werden. Eine gute Wirkung hat die Selbstmassage als Abschluß einer
Frühgymnastik oder auch ohne diese; sie bringt den Körper in Bereit-
schaft für die zu leistende Tagesarbeit. Mit bestem Erfolg wandte ich
nach hartem Training die Tretmassage an. Sie besteht darin, daß ein
wesentlich leichterer Partner sich auf dem Rücken mit kleinen
Schritten bewegt.
Die Massage kann bei individueller Anwendung auch als vorberei-
tende Maßnahme angewendet werden. Je nach dem Temperament des zu
massierenden Kämpfers und dem Zweck, den man erreichen will, kann
die; Massage erfolgen; z. B. muß der Phlegmatiker durch Reiben, Schüt-
teln und Klopfen (manchmal auch durch Worte) aufgeputscht, der Fein-
nervige durch leichtes Streichen (Streichmassage) beruhigt werden.
Im letzteren Fall kann auch dem Startfieber entgegengewirkt werden,
das an und für sich nicht schädlich ist, weil es den Körper in natürliche

44
Kampfbereitschaft versetzt; aber mitunter steigert es sich bei empfind-
lichen Naturen ins Unerträgliche und muß herabgemindert werden.
Im übrigen ist das Startfieber mit der Berührung des Gegners völlig
verschwunden. Schlimmer als Startfieber sind die zwar wohlgemeinten,
aber für die seelische Einstellung (auf den Kampf) schädlichen Rat-
schläge an den Kämpfer. Meist wird da der Ringer auf die Stärken des
Gegners aufmerksam gemacht und allerlei Ratschlag für Gegenmaß-
nahmen erteilt. Auf diese Weise wird dem Kämpfer eine schwere Ver-
antwortung aufgebürdet, unter deren Last pflichtbewußte Naturen schier
zusammenbrechen. Es kommt vor, daß solche Ringer vor lauter Auf-
passen, wann die angekündigten Griffe des Gegners kommen, vergessen,
die eigenen anzuwenden.
Es ist auch nicht gut, wenn Kämpfer sich zuviel mit der eigenen
Person beschäftigen und dabei von Außenstehenden gar noch Unter-
stützung finden, denn solche Sportler werden meist zu überempfind-
lichen und überzüchteten Naturen, die von uns abgelehnt werden. Der
Sporttyp, den wir brauchen, ist der harte, natürliche Sportler mit
starken Nerven, der unbekümmert auch unter den widrigsten Um-
ständen zu kämpfen bereit ist.
Zu guter Kampflaune gehört ein guter Magen. Darum muß die
letzte Mahlzeit mindestens vier Stunden vor dem Wettkampf (und auch
sonst vor der Übungsstunde) liegen. Dies gilt auch für Getränke. Am
meisten wird in dieser Beziehung von Sportlern gesündigt, die ihr
Gewicht halten oder gar abtrainieren mußten und nach dem Abwiegen
wieder essen und trinken dürfen. Jeder denke daran, daß Flüssigkeit
und Speisen, die bis zum Kampf vom Magen nicht verarbeitet wurden,
für den Körper nur einen unnützen Ballast bedeuten und den Kämpfer
an der Entfaltung seiner Leistungsfähigkeit hindern.
Aber auch Leute, die nicht abtrainieren, sündigen mitunter, ins-
besondere, wenn sie unterwegs sind und im Hotel freie Verpflegung
erhalten. Nur wenige sind es, die angesichts der vollen Tafel sich
beherrschen können und nur das Nötigste und das Gewohnte zu sich
nehmen. Wenn z. B. jemand zu Hause jahraus jahrein zum Frühstück
Butterbrot mit Marmelade ißt und dazu eine Tasse Milch, Kaffee oder
Tee trinkt, so werden ihm unmöglich Ei und Schinken sowie die sonstige
Kraftnahrung bekommen. Der Magen antwortet auf diese wohlgemeinten
„Stärkungsmittel" meist mit Trägheit und Unlust und dies wirkt sich
ungünstig auf die Leistungen aus. Es hat sich bewährt, vor Wett-
kämpfen an die Ringer Verpflegungsgelder auszuzahlen, weil nun jeder
bestrebt sein wird, in die eigene Tasche zu sparen und nur das Nötigste
und Gewohnte zu essen und zu trinken.
Vor Wettkämpfen wird vielen Ringern das Gewichtmachen und das
Gewichthalten Schwierigkeiten bereiten, da sie ihr Körpergewicht zu
vermindern suchen, um in die leichtere Gewichtsklasse eingereiht zu

45
werden. In diesem Bestreben werden von ihnen leider oft Maßnahmen
ergriffen, die nicht nur die Leistung, sondern auch die Gesundheit
gefährden. Schärfstens zu verurteilen ist insbesondere, wenn Jugend-
liche sich solchen „Roßkuren" unterziehen und hierin obendrein unter-
stützt und gar dazu angehalten werden. Gerade im Stadium des Wachs-
tums braucht der Körper die Aufbaustoffe. Werden diese häufig und
mit Gewalt dem Körper entzogen, so können sich nur zu leicht blei-
bende Schäden einstellen. Aber auch Erwachsene können sich durch das
übermäßige „Abkochen" ruinieren; schließlich bedenke jeder, daß durch
das übermäßige Abtrainieren auch die Leistungsfähigkeit herabgesetzt
wird.
Nur eine mit Maß herbeigeführte Gewichtsverminderung kann
leistungssteigernd wirken, da der Körper von dem überflüssigen Wasser-
ballast befreit und „ausgetrocknet" wird. Oft haben wir beobachtet, daß
unsere nordischen Sportfreunde sogar kurz vor den Kämpfen ins Schwitz-
bad gingen, selbst wenn sie Untergewicht hatten, um sich um 2—3 Pfund
Flüssigkeit zu erleichtern. Diese Art der Verminderung des Wasser-
gehalts im Körper kann aber nur für diejenigen zuträglich sein, die diese
Prozedur gewöhnt sind; jede ungewöhnliche Maßnahme könnte das
Gegenteil bewirken.

Abtrainieren, aber mit Vernunft!


Jeder Ringer, der regelmäßig trainiert und sportlich lebt, bat sein nor-
males Körpergewicht. Da kein überflüssiges Fett vorhanden ist, kann
ein Abtrainieren am einfachsten durch Verminderung des Wassergehaltes
im Körper vorgenommen werden.
Jeder Ringer wird bei etwas ernsthafter Trainingsarbeit zwei bis vier
Pfund an Gewicht bzw. Wasser verlieren. Der Organismus antwortet
auf diesen Wasserverlust mit Durstgefühl. Geben wir diesem Verlangen
nach und stillen unseren Durst, so ist das Körpergewicht wieder auf den
normalen Stand gebracht. Für den Sportler ist dies nach dem Aus-
schwitzen der Giftstoffe die denkbar beste Möglichkeit, dem Körper
durch hochwertige Flüssigkeiten (Nährstoffe) neue Kraft und Energie
zuzuführen.
Soll das Körpergewicht vermindert werden, so muß man versuchen,
die verlorene Flüssigkeit nur zum Teil zu ersetzen und das Durstgefühl
durch Gurgeln und durch schluckweises Trinken von ungesüßtem, heißem
Zitronenwasser, Tee oder Kaffee zu bezwingen. Gute Dienste gegen
Durst leisten Kaugummi, oder das Kauen von Flaschengummi und der
Kerne von Dörrpflaumen.
Aber nicht nur Getränke, sondern auch Speisen sind bei dieser
„Austrocknungskur" mit Sorgfalt zu wählen. Es sind Speisen zu ver-
meiden, die viel Wassergehalt haben (Suppe, Gemüse, Kartoffeln) oder
stark gewürzt sind, weil diese noch mehr Durst verursachen. Am besten

46
sind einfache, unkomplizierte Speisen, wie weichgekochte Eier, Fleisch
am Rost oder in Butter gebraten, ohne Saucen, dafür grüner Salat oder
frisches Obst. Bei allem geht Qualität vor Quantität; so sind Schoko-
lade, Eigelb mit Zucker, Dörrobst, Nüsse usw. wegen ihres geringen
Gewichts und ihres hohen Nährwertes gegenüber anderen Speisen vor-
zuziehen.
Eine Norm, wieviel Pfund — ohne Schaden zu erleiden — abtrainiert
werden können, ist nicht aufzustellen; es hängt vom Alter, der Körper-
substanz und der Methode ab. Manchem werden zwei Pfund unter seinem
normalen Gewicht mehr Schwierigkeiten bereiten als einem anderen
sechs Pfund. Bei Verminderung des Körpergewichtes muß auch jeder
selbst ausprobiert haben, was für ihn bekömmlicher ist: das Gewicht
kurzfristig oder nach und nach durch Schwitzen oder Diät herabzu-
mindern.
Soll das Gewicht kurzfristig gebracht werden, so darf die schwitzende
Tätigkeit nur kurz bemessen sein, um Energie und Nervenkraft zu
sparen. Es empfiehlt sich in diesem Fall, sich recht warm anzuziehen
und durch Laufen oder Seilspringen in Schweiß zu bringen. Eine ein-
gelegte Zwischenpause kann mit einem heißen Fußbad ausgefüllt werden.
Der Schwitzende wird nun in Decken gehüllt, damit er eine Weile im
„eigenen Saft" schmoren kann. Bei dieser Prozedur kann in einer Stunde
bis zu zwei Pfund Gewichtsverlust erreicht werden.
Der Schweiß kann aber auch mit heißen Bädern „angetrieben" werden.
Es soll betont werden, daß die Bäder nur zum „Antreiben" des Schweißes
dienen sollen (ca. 15—20 Minuten), worauf das „Nachschwitzen" in einem
gut temperierten Raum oder in Wolldecken gewickelt fortgeführt werden
soll. Auf keinen Fall darf die volle Zeit im Bade verbracht werden.
Jeder muß für sich selbst erproben, welche Bäder für ihn am zuträg-
lichsten sind. Dem einen wird ein Wannen- oder Dampfbad mit 45 Grad
Celsius mehr zusagen als ein Feuchtluftbad mit 60 Grad Celsius oder ein
Trockenluft- oder Sauna-Bad mit 60—100 Grad Celsius.
Neben schweißtreibender Betätigung, den Schwitzbädern und der
Diät kann das Gewicht auch durch Entleerung des Darminhalts vermin-
dert werden. Abführmittel, wenn sie nur einmal angewendet werden und
in der Wirkung mild sind, sind unschädlich. Jedenfalls ist eine Ver-
stopfung weit schädlicher als ein Durchfall, weshalb der Sportler auch
ständig um einen regelmäßigen Stuhlgang besorgt sein sollte. Auch hier
richtet sich die Auswahl und Menge der angewendeten Mittel nach der
persönlichen Veranlagung. Als Abführmittel sind gebräuchlich: Einige
Schluck warmes Wasser, rohe Milch, Karlsbader Salz, Kaffee, bestimmte
Teesorten, dazu die verschiedenen Präparate (Darmol, Leopillen usw.)
Stuhlzäpfchen (Seife). Die Abführmittel sind so zu nehmen, daß sie sich
bis zum gewünschten Zeitpunkt voll ausgewirkt haben.

47
Jeder Ringer, der sein Gewicht reduziert, muß auch wissen, daß man
über Nacht im Schlaf schon ein bis eineinhalb Pfund verlieren kann.
Für Sportler, die Gewicht halten müssen, ist es gut, wenn sie vor den
Kampftagen (aber nicht vor dem Kampf selbst) das Frühstück oder eine
Hauptmahlzeit einfach verschlafen.

V. D E R R I N G E R U N D S E I N E GESUNDHEIT
Sportliche Lebensweise
Über die Lebensweise des Ringers ist zu sagen: sie sei immer gleich-
bleibend sportlich, ob er sich vor einem Kampf befindet oder nicht. Das
oberste Gebot lautet: In allen Dingen und in allen Lebenslagen Maß
halten! Wer als Sportler dieses Lebensgesetz nicht beachtet, dem bleiben
neben sportlichen Rückschlägen meist auch gesundheitliche Schäden nicht
erspart, weil sich Übertreibungen immer rächen.
Die E r n ä h r u n g des Sportlers darf zu keinem Problem gemacht
werden. Er soll essen und trinken, was ihm schmeckt, genauer gesagt,
was auf den Tisch kommt. Wenn er auf den Küchenzettel Einfluß neh-
men kann, so wird eine abwechslungsreiche gemischte Kost empfohlen.
Wie schon betont, ist die gewohnte Mahlzeit, und sei sie noch so einfach,
besser als ungewohnte Kraftnahrung, die Magenverstimmung und da-
durch die Verminderung der Leistung verursachen kann.
Die A r b e i t , der B e r u f , der den Menschen befriedigt und ihn
interessiert, ist das beste Mittel für die Erhaltung des seelischen Gleich-
gewichts. Ein Sportler ohne Arbeit und ohne berufliche Inanspruchnahme
läßt erfahrungsgemäß in seinen Leistungen nach. Es ist ihm schlecht
gedient, wenn ihm zu sog. „Protektionsstellungen" verholfen wird, wo-
bei er nur zum Abholen seines Gehaltes angestellt ist. Wenn schon
Protektion, so nur bei der Anstellung, für die eine vorbildliche Leistung
zu fordern ist. Vereine und Sportinteressenten, die nicht nach diesem
Grundsatz handeln, begehen einen schweren Erziehungsfehler und
machen den Sportler für sein späteres Leben unglücklich. Wenn Sport-
begeisterte einen Ringer wirklich fördern wollen, so sollen sie ihn in
seinem Beruf fördern durch Ermöglichung von Studien, Prüfungen,
Kursen zur Erlangung besserer Positionen, die sich später als Vorteil
für den Sport selbst auswirken, z. B. durch eine einflußreiche Stellung
bei Stadt, Staat oder Wirtschaft.
Die E r h o l u n g und Ruhe sind der Gegenpol der Arbeit. Die gründliche
Erholung ist der Schlaf. Jeder Sportler sollte selbst ausprobieren, wann
und unter welchen Bedingungen er am besten schläft. Der Schlaf vor
Mitternacht soll der gesündeste sein. Mit 8—9 Stunden Schlaf dürfte
man im allgemeinen auskommen. Mittagsschlaf meide man, denn er geht
meistens auf Kosten der Nachtruhe. Wenn man müde ist, sollte man
statt schlafen lieber ruhen oder Abwechslung in der Beschäftigung

48
suchen. Das Bett für die Nachtruhe soll so beschaffen sein, daß man
sich darin wohlfühlt und gründlich ausruht. Sportler meiden weiche
Unterlagen. Der Schlafraum soll gut gelüftet, das Fenster über Nacht
zumindest einen kleinen Spalt geöffnet sein. Dabei ist ein Durchzug zu
vermeiden, ebenso soll die in den Raum strömende Luft den Schlafenden
nicht treffen; sie könnte Rheuma und Ischias verursachen. Wenn das Bett
nicht von Fensternähe abgerückt werden kann, so lege man sich mit den
Füßen zum Fenster. Die letzte Mahlzeit vor dem Schlafengehen soll man
mindestens 2 —3 Stunden vorher einnehmen.
E r h o l u n g , V e r g n ü g e n ist die Würze des Lebens. Jeder, der
die Woche über seiner Arbeit nachgeht, soll am Wochenende seine Erho-
lung haben. Unter Erholung versiehe ich einen Ausflug; er kann mit
einem anderen Sport verbunden sein, z. B. Schilaufen, Wandern, Segeln,
Ballspielen usw. Erholung bedeutet jede Betätigung, die einem F r e u d e
macht. Selbstverständlich ist die Einschaltung eines Tages, an dem man
nur faulenzt, auch kein Fehler. Den Jahresurlaub soll man, wenn mög-
lich, an der See oder im Gebirge, jedenfalls in einer fremden Umgebung
verleben. Im Gebirge, bei Schisport, Märzsonne und Höhenluft sind alle
Voraussetzungen für eine gute Erholung gegeben.
Zur Erholung gehört auch das Vergnügen. Hierzu zählt der Besuch
von Kino, Theater, Lokalitäten, auch Tanzen usw. Ein Sportler soll kein
Stubenhocker sein, er soll sich überall frei und sicher bewegen. Nur muß
er stets die Grenzen kennen, wie weit ein Vergnügen dem Körper und
der Leistung zuträglich ist.
Mit dem Vergnügen in Verbindung stehen die Genußmittel: A l k o h o l
und N i k o t i n . Ein Sportler muß den Stolz haben, Nichttrinker und
Nichtraucher zu sein. Nur wer sich selbst bezwingt, kann andere besie-
gen. Also soll das Rauchen und Trinken kein Verbot, sondern ein frei-
williges Unterlassen sein. Es soll hier weniger erörtert werden, ob der
Alkohol, mit Maß genossen, wenig oder nicht schaden kann. Die meisten
Trunkenbolde und Kettenraucher fingen mit wenig an. Eine völlige Ent-
haltsamkeit hat noch nie geschadet. Ein Ringer, der seinen Sport ernst
nimmt, wird nie rauchen und trinken.
Für den G e s c h l e c h t s t r i e b ist der Sport ein gutes Mittel zur
Ablenkung. Jungens. die den Sport ernsthaft betreiben, finden keine
Gelegenheit zur Tändelei und vernachlässigen ihren Sport nicht. Durch
die sportliche Betätigung laufen sie auch nicht Gefahr, wie so viele
Jugendliche, auf Abwege zu geraten.
Die Ansicht, daß der Sportler, solange er nach Höchstleistungen strebt,
i.icht heiraten soll, ist irrig. Allerdings muß die Frau den Sport ihres
Mannes bejahen und den Mann in seinem Vorhaben unterstützen; nur
dann kann dem Sportler eine lange, erfolgreiche Laufbahn bevorstehen.
Erfahrungsgemäß sind Sportler treue und sorgende Ehemänner. Eine
kluge Frau wird ihren Mann von seinem Sport nicht abhalten, weil der
Zeitvertreib durch den Sport bestimmt die angenehmere „Vergnügungs-
i 49
sucht" des Mannes ist, im Gegensatz zum Besuch von Wirtshäusern oder
anderen zweifelhaften Vergnügungen.
K ö r p e r p f l e g e gehört zum Sport. Das Waschen oder Baden nach
jeder sportlichen Betätigung ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn kein
Bad vorhanden ist, genügt ein Eimer voll warmem Wasser. Sich kalt
abwaschen oder duschen kommt nur dann in Frage, wenn überhaupt
kein warmes Wasser zur Verfügung steht. Ist nur kaltes Wasser vor-
handen, so muß sofort nach dem Kampf, solange der Körper überhitzt
ist, gebadet werden und nur kurz, wobei nur die Haut abkühlen darf.
Ein Auskühlen des Körpers unter der Dusche muß unter allen Umstän-
den vermieden werden. Bei vielen wird eine solche „Kaltwasserkur" viel-
leicht Kopfschütteln hervorrufen;die Erklärung für ihre Unschädlichkeit ist
aber damit erbracht, daß man sich auch nach der Sauna oder nach einem
heißen Bad kalt abduscht. Im übrigen ist die Unschädlichkeit dieser
Methode tausendfach erprobt.
Zur Körperpflege gehört auch ein sportlicher Haarschnitt. Ein Ringer
trägt einen betont kurzen Haarschnitt, damit die Haare bei der Brük-
kenarbeit nicht hinderlich sind.
Die Zähne in Ordnung zu halten muß des Sportlers größte Sorge sein.
Tägliches Zähneputzen, besonders vor dem Schlafengehen, gehört zur
Grundpflege des Körpers. Schlechte, schadhafte Zähne sind der Ursprung
vieler Krankheiten, weshalb man von Zeit zu Zeit den Zahnarzt auf-
suchen soll, auch wenn man dazu keine Veranlassung zu haben glaubt.
Die Pflege der Fingernägel ist für den Ringer eine Notwendigkeit.
Sie müssen kurz und sauber sein, damit beim Ringen der Partner nicht
gekratzt und durch das Kratzen nicht infiziert werden kann.
Zur täglichen Körperpflege gehört auch die Pflege der Füße, zumal,
wenn sie zum Schweißfuß neigen. Tägliche Waschung, besonders im
Sommer, und Wechseln der Strümpfe ist hier das beste Mittel, entgegen-
zuwirken.
Ringen, ein Kraftquell für den Lebenskampf
Wird bei allem Tun und Handeln im Training, im Kampf und im
Vergnügen die goldene Mitte gehalten, dann wird auch der Wunsch eines
jeden Sportlers in Erfüllung gehen, l a n g e l e i s t u n g s f ä h i g zu
b l e i b e n . Grundbedingung ist hierfür allerdings, daß ein vielseitiges
Training und die Wettkampftätigkeit solange als möglich beibehalten
werden. Spitzenleistungen bis in die vierziger Jahre setzen allerdings die
technische Beherrschung der Griffe und die Meisterung aller Kampf-
lagen voraus. Wenn zwei Ringer mit unterschiedlichem Alter, aber mit
gleicher körperlicher Kondition kämpfen, so wird wahrscheinlich der
Ringer mit der größeren Kampferfahrung, mit der besseren Technik den
Sieg erringen und dies wird wohl immer der ältere Ringer sein. Gerade
die Nachkriegs jähre haben auf allen Gebieten des Sportes (auch inter-
national) bewiesen, daß die „Alten" es können, wenn sie nur ernstlich
wollen.

50
Warum gibt ein Ringer seine sportliche Laufbahn auf? Meist doch nur
deshalb, weil er sich nicht mehr die Zeit zum Üben nimmt und so durch
die schlechte körperliche Verfassung gegen die Jüngeren ins Hinter-
treffen kommt. Abgesehen davon, daß jeder Kampf eine gründliche Vor-
bereitung erfordert, sollte man das Training weiter betreiben, selbst
dann, wenn man schon seine aktive Laufbahn aufgegeben hat. Ein
untrainierter Körper verliert nur zu bald die Widerstandsfähigkeit,
altert schneller und wird viel leichter von Krankheiten befallen. Schon
der Stoffwechsel, herbeigeführt durch das regelmäßige Schwitzen im
Training, ist durch keine Medizin zu ersetzen. Die Ausrede, daß man mit
zunehmendem Alter das harte Training mit den Aktiven nicht mehr
durchhalten könne, könnte schon ihre Berechtigung haben; da man sich
im Ringen jedoch selbst die Partner und auch die Übung oder Kampflage
aussuchen kann, liegt es an jedem selbst, das passende Arbeitspensum
auszuwählen. Wenn jemand das Training wegen Zeitmangel aufgibt, so
sei ihm nur gesagt, daß ihn für die Erhaltung seiner Gesundheit und
Leistungsfähigkeit keine Zeit und kein Geld reuen sollten.

Verletzungsgefahren und ihre Vermeidung


Das Ringen regelmäßig und im Rahmen der eigenen Leistungsfähigkeit
ausgeübt, erhält den Körper und den Geist bis ins hohe Alter gesund,
beweglich und widerstandsfähig. Daneben birgt das Ringen, ebenso wie
andere Sportarten, auch gewisse Gefahren in sich. Diese Gefahren gilt
es zu erkennen und zu vermeiden. Sie bestehen — wie schon in einigen
Abschnitten gestreift wurde — in dem R a u b b a u am eigenen Körper.
Erzeugt wird er durch einen krankhaften Ehrgeiz, trotz unvollkommener
Vorbereitung und mangelhafter technischer Ausbildung Leistungen
erzielen zu wollen, die das eigene Leistungsvermögen übersteigen; ferner
durch das unvernünftige und unsachgemäße Gewichtmachen.
Neben diesen Schäden, die ihren Ursprung in der eigenen Unvollkom-
menheit haben, können solche noch durch die u n f a i r e Haltung gewis-
ser Sportler eintreten, denen „der Sieg um jeden Preis" die Hauptsache,
die Gesundheit und die heilen Glieder ihres „Sportfreundes" aber neben-
sächlich sind.
Es ist die Aufgabe der Übungsleiter, auf ihre Zöglinge entsprechend
einzuwirken und sie zu fairen und ritterlichen Sportlern zu erziehen.
Bei unfairem Verhalten im Kampf müssen die Kampfrichter die ver-
säumte Erziehungsarbeit durch rücksichtsloses Einschreiten nachholen,
wozu die Straf bestimmungen der Kampfregeln die nötige Handhabe geben.
Der Ringer ist auch dann zu bestrafen, wenn die begangene Regelwid-
rigkeit nicht mit Absicht erfolgt ist. Solche verbotenen Kampfhandlun-
gen sind: Der Wurf außerhalb der Matte, der Niederwurf, ohne vorher
mit dem Knie niederzugehen, den Unterarm des Gegners beim Hammer-
lock oder Schulterdrehgriff als Hebel zu benützen oder seinen Unterarm
in Richtung des Kopfes zu drücken oder zu ziehen. Besonders gefährlich
sind Griffe, bei denen das Rückgrat auf Spannung gesetzt wird, wie dies
beim Doppelnelson, Doppelhammerlock, dem Uberroller und ähnlichen
4* : 51
Griffen der Fall ist, wenn sie nach vorne anstatt nach der Seite aus-
geführt werden.
War die Ausbildung und Erziehung des Ringers gewissenhaft, so sind
auch Verletzungen auf ein Mindestmaß beschränkt. Kommen trotz-
dem Verletzungen vor. so muß in allen Fällen ärztlicher Rat oder Hilfe
in Anspruch genommen werden. Ist ein Arzt oder Sanitäter nicht anwe-
send, so vermeide man, bei Brüchen und Ausrenkungen durch wohlge-
meinte aber unsachgemäße erste Hilfe den Schaden noch zu vergrößern.
Die einzigste Hilfe kann höchstens noch darin bestehen, daß man das
verrenkte oder gebrochene Glied an den Körper oder auf eine gepolsterte
Schiene bandagiert und bis zum Eintreffen des Arztes den Verletzten
betreut.
Verletzungen können auch durch Mißgeschick eintreten, wofür nie-
mand verantwortlich gemacht werden kann. Die M e n i s k u s - Verlet-
zung zum Beispie) wird meist durch Hängenbleiben am Mattenbezug
oder Drehen auf einem Bein verursacht, insbesondere dann, wenn das
Kniegelenk gebeugt wird. Der Meniskus ist ein Knorpelstück an der
Innen- und Außenseite des Kniegelenks, wovon fast immer nur das an
der Innenseite Schaden erleidet. Leichte Fälle können mit Erfolg durch
Schonung und durch Gipsverband ausgeheilt werden, bei schwererer
Verletzung hilft nur ein operativer Eingriff. Die Operation, vom erfah-
renen Chirurgen ausgeführt, ermöglicht schon nach 6—8 Wochen wieder
die Aufnahme der sportlichen Betätigung.
Eine weitere Verletzungsmöglichkeit, die weniger der Gesundheit als
der Schönheit schadet, ist das Brechen des O h r e n k n o r p e l s . Durch
das Brechen entsteht in der Ohrmuschel ein Bluterguß, der sich, wenn
er nicht abgezapft wird, verhärtet, wodurch sich ein „Ringerohr" bildet.
Recht unangenehm wird von vielen Sportlern der M u s k e l k a t e r
empfunden. Er entsteht durch eine ungewohnte oder über das gewohnte
Maß hinausgehende Tätigkeit, wobei die Ermüdungsstoffe in den Mus-
keln zurückgeblieben sind. Die Bekämpfung des Muskelkaters soll mög-
lichst durch die gleiche Übung erfolgen, durch die man ihn erhalten hat;
nur soll die Übung wesentlich leichter sein. Auf keinen Fall setze man
mit dem Training aus. Weitere Linderung kann durch Vollbad und durch
leichte Massage herbeigeführt werden. Werden Bad und Massage unmit-
telbar nach der Anstrengung angewendet, so kann dadurch der Muskel-
kater eine wesentliche Abschwächung erfahren. -

VI. D I E G R I F F S C H U L E D E S RINGKAMPFES
Das Ringen besteht aus „Schwüngen", „Zügen", „Würfen", „Paraden"
usw., die in der Ringersprache einfach mit „Griffen" und „Gegengriffen"
bezeichnet werden. Demnach versteht man unter „Griff" nicht das Hal-
ten oder Fassen, sondern eine vollführte Handlung oder einen Trick.

52
Die Namen der Griffe waren früher vielfach unter ihren französischen
Bezeichnungen bekannt. Nach und nach erhielten sie alle einen deutschen
Namen, unter dem sie auch in diesem Buch geführt werden. Einige
Griffe, die noch keinen Namen hatten, besonders im Freistil, erhielten
entsprechend der Handlung oder Herkunft im Lehrgang der Spitzen-
könner ihre passende Bezeichnung.
Die in diesem Buch beschriebenen Griffe sind die wichtigsten des
modernen Ringkampfes und werden in der Form beschrieben, in der sie
von den Meistern der Matte angewendet werden. Diese Griffe bilden
also die Grundschule des Ringkampfes und werden den Jüngern des
Ringkampfes hiermit in einer angenehmen Form dargeboten und ihnen
das Lernen recht bequem gemacht. Fleiß, Ausdauer und Beharrlichkeit
sind trotzdem nicht minder wichtig als bisher, um zum Erfolg zu gelangen.

A) GRIECHISCH-RÖMISCH
1. Standkampf
Beim Ringen im Griechisch-Römischen Stil sind nur Griffe vom
„Scheitel bis zur Hüfte" gestattet. Das Fassen der Beine oder Beinstellen
ist verboten. Bei der Ausführung der Griffe aus dem Stand muß der
Angreifer vor dem Niederwerfen seines Gegners mindestens auf ein
Knie niedergehen, um so die Wirkung des Wurfes zu mildern. Bei Grif-
fen, bei deren Ausführung der Angreifer selbst mitfällt, ist dies nicht
erforderlich, z. B. bei Würfen.
Um über die Vielfalt der Griffe eine Übersicht zu gewinnen und das
-Lernen zu erleichtern, werden die in der Ausführung gleichartigen
Standgriffe in drei Gruppen, die S c h w ü n g e , die W ü r f e und die
W e n d e g r i f f e , zusammengefaßt.
Die in den einzelnen Gruppen angeführten Griffe sind in der Art der
Ausführung verwandt, wobei insbesondere die Stellung und die zu
leistende Arbeit der Beine beachtet werden muß.
Eigenartiger Weise galt bisher das Hauptaugenmerk den Fesselungen
an den Armen und am Oberkörper; der Stellung der Beine bei der
Durchführung der Griffe wurde nur wenig Beachtung geschenkt. In
Wirklichkeit ist es aber so, daß die beste Fesselung am Oberkörper zum
Scheitern verurteilt ist, wenn die Beine nicht richtig stehen. Bei richtiger
Beinstellung jedoch gelingt ein Griff auch dann, wenn die Fesselung am
Oberkörper nicht sorgfältig angesetzt wurde.
Diese Erkenntnis macht es notwendig, daß die Beine (auch die des
Gegners) genauestens beobachtet und so gestellt werden, wie es die
Durchführung der einzelnen Griffe erfordert. Beim Griech.-Röm. Ring-
kampf stehen sich die Ringer in der Schrittstellung gegenüber, und je
nachdem, ob der rechte oder linke Fuß vorn steht, bezeichnen wir sie
als „Rechts- oder Linksausfall". Stehen sich die Gegner in derselben
Ausfallstellung gegenüber, so spricht man von „gleichem Ausfall"
(Abb. 23) im Gegensatz zum „ungleichen Ausfall" (Abb. 24).

53
Abb. 23 Abb. 24

Beim Üben nehmen die Partner die vorgeschriebene Schrittstellung ein,


beim Kampf wird der Gegner durch Schieben oder Ziehen in d i e Schritt-
stellung gebracht, die für die Ausführung des Griffes am günstigsten ist.

Die Schwünge
Die S c h w ü n g e umfassen alle Griffe, die durch die Hebelwirkung
des Körpers (Hüfte oder Schulter) ausgeführt werden. Zur Anwendung
dieser Griffe muß notwendigerweise der Angreifer seinem Gegner den
Rücken zukehren. Er muß aus der anfänglichen Ausfallstellung heraus
eine halbe Wendung ausführen (Rücken zum Gegner) und dabei auf die
verschiedenen S c h r i t t m ö g l i c h k e i t e n , Rück-, Paß-, Wechsel-
und Kreuzschritt achten.
Der R ü c k s c h r i t t (Abb. 25) wird angewendet, wenn die Ringer in
der gleichen Ausfallstellung stehen. In diesem Falle bringe ich meinen
in der Schrittstellung hinten stehenden Fuß durch einfaches Abwenden
vom Gegner in dessen Standlinie. Die Drehung erfolgt auf dem Ballen

Abb. 25 Abb. 26
54
meines vorne stehenden Fußes. Der Rückschritt ist von allen Schrittarten
am schnellsten ausführbar, da der Fuß hier den kürzesten Weg zurück-
zulegen hat.
Wird die Wendung statt vom Gegner zum Gegner ausgeführt und
mein hinten stehendes Bein zwischen den vorn stehenden Beinen der
Ringer in des Gegners Standlinie gebracht, so wird dieser Schritt als
P a ß s c h r i t t (Bild 26) bezeichnet. Der Paßschritt kommt insbesondere
dann zur Anwendung, wenn ein Griff nach der entgegengesetzten Seite
getäuscht wurde.
Der W e c h s e l s c h r i t t (Abb. 27) wird ausgeführt, wenn die Ringer
in ungleichem Ausfall stehen, wobei ich den vorn stehenden Fuß in des
Gegners Standlinie stellen muß. Ich setze meinen in der Schrittstellung
hinten stehenden Fuß neben meinen anderen Fuß (soweit als möglich
in des Gegners Standlinie) und wechsle den Stand (mich vom Gegner
abwendend) zu des Gegners zweitem Fuß.

Abb. 27 Abb. 28

Der K r e u z s c h r i t t (Abb. 28) gleicht in der Ausführung dem Paß-


schritt, nur ist die Ausgangsstellung dazu eine andere. Die Partner stehen
entweder in ungleichem Ausfall oder in einem Abstand voneinander.
Als Angreifer beginne ich den Schritt auf der Seite, nach welcher der
Griff ausgeführt werden soll. Ich trete schräg hinüber neben des Gegners
Fuß (Innenseite) in dessen Standlinie. Mein anderer Fuß wird mit der
Wendung zum Gegner (wie beim Paßschritt) zwischen den nebeneinander
stehenden Beinen in dessen Standlinie gesetzt.
Ich muß immer wieder darauf achten, daß ich nach der vollführten
Drehung so weit als möglich in des Gegners Standlinie komme und den
Wurf in die Wurflinie ausführe.

55
Sind Griffe, Schritte usw. nur nach einer Seite (z. B. nach l i n k s )
beschrieben, so müssen sie entsprechend auch nach der anderen Seite
(nach r e c h t s ) geübt werden. Dies ist selbstverständlich und daher nicht
jedesmal eigens erwähnt.
Das Üben der Schwünge kann aus des Angreifers Griffansatz (offen-
siv) beginnen (Abb. 29), wobei des Gegners Oberarm oder Handgelenk
gefaßt wird, oder aus des Gegners Griffansatz (defensiv) Genick- oder
Körpergriff (Abb. 30). In diesem Fall wird des Gegners Arm gefesselt
und an meine Brust oder meinen Körper gepreßt.

SCHULTERSCHWUNG
Beide Ringer stehen in Rechtsausfall. Ich fasse mit meiner linken Hand
den rechten Oberarm des Partners, drehe mich mit Rückschritt vor den
Gegner, fasse während der Drehung mit meiner rechten Hand unter seine
rechte Achselhöhle, unter welche ich zugleich noch meine rechte Schulter

Abb. 29 Abb. 30

schiebe (Abb. 31). Ich gehe auf meine beiden Knie nieder und beuge
meinen Oberkörper nach vorn (Abb. 32), dadurch wird der Gegner seit-
lich rechts niedergeworfen. Noch während des Fallens löse ich meine
Fesselung durch meine rechte Hand und greife mit meinem rechten
Arm über des Gegners Hüfte, um ihn so in der Brückenlage besser
fesseln zu können (Abb. 33). Hernach strecke ich mein Bein auf das
Gegners Seite aus und stecke mein Kinn oder gar meine Stirne in dessen
Achselhöhle.
Bin ich gezwungen, aus irgendeinem Grund bei der Ausführung des
Schulterschwungs mich auf die Seite zu legen und ist es mir nicht mehr

56
Abb. 31

möglich, den Arm über des Gegners Hüfte zu legen, so kann ich plötz-
lich mit der linken Hand zu des Gegners Hinterkopf fassen (Abb. 34)
und mich in die Bauchlage wenden.

HÜFTSCHWUNG (K'opfhüftschwung)
Nach dem Eindrehen aus der Ausgangsstellung (Rechtsausfall und
Fesselung am rechten Oberarm) fasse ich mit meiner rechten Hand über
des Gegners Genick hinweg (von oben her) in seine. rechte Achselhöhle,
schiebe mein Gesäß am Gegner vorbei, bis er vollständig vor meiner
linken Hüftseite steht (Abb. 35). Ich beuge meinen Oberkörper bis zur
waagerechten Haltung und hebe den Gegner vom Boden weg.
Indem ich auf mein rechtes Knie niedergehe, wird der Gegner auf
die Schultern geworfen. Der Niederwurf muß so erfolgen, daß der Geg-
ner zur Ausführung einer Hechtrolle gezwungen wird, wobei sein Kopf
die Matte nicht berühren darf, damit die ganze Wucht seine beiden
Schultern trifft.

57
FINNISCHER HÜFTSCHWUNG
Wenn ich beim* Eindrehen meinen rechten Arm um die linke Körper-
seite (Hüfte) des Gegners lege und den Wurf in derselben Weise wie
den Hüftschwung durchführe, so wird dieser Griff als „ f i n n i s c h e r
H ü f t s c h w u n g " (Abb. 36) bezeichnet.
Gelingt es dem Gegner, in die Brücke zu kommen, so wird die Fesse-
lung beibehalten. Beim Hüftschwung bleibe ich in der Sitzlage und
spreize meine Beine (Abb. 37); beim finnischen Hüftschwung drehe ich
mich in die Bauchlage und fessele die Brücke in der Seite.

Abb. 37
58
Abb. 38 Abb. 39

ARMFALLSCHWUNG
Der Armfallschwung kann mit Absicht gefaßt werden. Aber meist
ergibt sich die Gelegenheit, diesen Griff anzuwenden, dann, wenn des
Gegners Kopf bei dem Ansetzen des Hüftschwunges aus der Fesselung
rutscht. So wird der beabsichtigte Hüftschwung in der Ausführung nicht
unterbrochen; meine abgerutschte Hand faßt des Gegners bereits
gefesselten Oberarm (Abb. 38) und der Griff kommt wie der Hüft-
schwung zur Ausführung.
Beabsichtige ich aber, einen Armfallschwung auszuführen, so schwinge
ich meinen Arm während des Eindrehens über des Gegners Körper hin-
weg und fasse seinen Oberarm. Nach Ausführung des Wurfes bleibe ich
in der Sitzlage, fasse mit meiner rechten Hand des Gegners rechtes
Handgelenk, mein linker Arm wird angewinkelt, auf des Gegners
Körper gelegt und dadurch verhindert, daß er sich überschlägt. Weitere
wirkungsvolle Fesselungsmöglichkeiten sind unter „Armzug" (Boden-
kampf) zu ersehen.

LANGER ARMFALLSCHWUNG
Ich fasse mit meinen beiden Händen des Gegners rechtes Handgelenk
(durch Zwiegriff), drehe mich in seinen Arm ein (Abb. 39) und ziehe
den Gegner durch den gefesselten Arm über meine Hüfte in die Brücke;
beim Fallen auf das rechte Knie niedergehend.

59
VERKEHRTER LANGER ARMFALLSCHWUNG
Ich fasse mit meinen bei-
den Händen (Zwiegriff) bei
beiderseitigem Rechtsaus-
fall des Gegners rechtes
Handgelenk (seine Faust
zeigt nach oben) und ich
drehe mich durch Paß-
schritt vor den Gegner
(Abb. 40; bei anderer Bein-
stellung wird die passende
Schrittart gewählt). Dor
Gegner steht nun vor mei-
ner rechten Hüftseite, ich
gehe auf mein linkes Knie
nieder, ziehe den Gegner
ü b e r m e i n e n K o p f in
mit der linken Hand fest,mit
meinem rechten Arm ver-
Abb. 40 suche ich des Gegners linken
Arm einzufangen (Abb. 41).

Abb. 41

Ist das nicht möglich, so fasse ich mit der rechten Hand vor meiner
Brust vorbei des Gegners rechten Oberarm, wende mich in die Bauchlage
und fessele den Gegner in der Brücke vom Kopfende her.

VERKEHRTER A R M F A L L S C H W U N G ODER
KREUZWURF
Bei beiderseitigem Rechtsausfall fasse ich mit dem rechten Arm um des
Gegners linke Körperseite, drehe mich durch Rückschritt mit dem
Rücken zum Gegner, drücke mit dem rechten Arm des Gegners linken
Oberarm nach oben und klemme ihn an meinen Hinterkopf (Abb. 42).
Nach Beugen des Oberkörpers hebe ich den Gegner vom Boden ab
(Abb. 43), gehe auf mein rechtes Knie nieder und ziehe den Gegner über
meinen Kopf in die Brücke.
Die Fesselung »des Gegners in der Brücke wird wie beim „Verkehrten
langen Armfallschwung" vorgenommen.

60
Die Würfe
W ü r f e sind alle jene Griffe, bei denen der Gegner Brust an Brust
durch Ausheben oder durch Schleudern geworfen wird. Sie beginnen
aus der ungleichen Ausfallstellung, bei welcher der Angreifer seinen
Fuß stets auf der Seite in der Schrittstellung vorstellen muß, nach
welcher er den Griff auszuführen beabsichtigt (Abb. 44—47).

Abb. 44 Abb. 45

Aus dieser Ausgangsstellung weiden die verschiedenen Griffansätze


an Armen oder am Körper gefaßt. Bei der Ausführung der Griffe wird
das in der Schrittstellung zurückstehende Bein des Angreifers so vor-
gebracht, daß beide Füße im Augenblick des Wurfes zwischen des
Gegners Füßen in dessen Standlinie stehen.
61
UNTERGRIFF
Im Linksausfall stehend, umklammere ich mit meinem linken Arm des
Gegners rechte Körperseite (Abb. 49), trete mit meinem rechten Fuß
zwischen seine Füße und umklammere ihn um seine Hüfte, mein Hand-
gelenk hinter seinem Rücken fassend (Abb. 45). Ich hebe den Gegner
vom Boden ab, falle rückwärts und drehe ihn in halber Fallhöhe unter
mich. Die Drehung in der Luft muß so erfolgen, daß der Gegner keine
Gelegenheit findet, meinen Griff durch Aufstützen seiner Hände abzu-
fangen. Konzentriert sich der Gegner auf das Abfangen meines Unter-
griffes, so kann ich meinen Griff plötzlich nach vorne ausführen. Zur
Fesselung der Brückenlage behalte ich den Griffansatz bei, wenn möglich
fessele ich des Gegners Arm auf der Seite, iauf der ich mich befinde.

ÜBERWURF
Im Linksausfall stehend, fasse ich einen Zwiegriff um den Körper
des Gegners (mein linker Arm liegt über seinem rechten Arm und mein
rechter Arm unter seinem linken Arm). Meine beiden Hände fassen
sich so, daß mein rechter Handrücken auf des Gegners Rücken zu liegen
kommt. Statt daß sich meine Hände fassen, kann ich auch mit meinem
linken Arm des Gegners rechten Oberarm klammern und meinen rechten
Arm um seine linke Körperseite legen. Aus dieser Ausgangsstellung
trete ich mit dem rechten Fuß zwischen des Gegners Beine, rutsche mit
meiner Brust unter seine Brust und hebe ihn vom Boden. Um ein Ab-
fangen des Wurfes zu verhindern, laufe ich einige Schritte rückwärts,
reiße den Gegner auf mich und drehe kurz vor dem Aufprall auf der
Matte den Gegner unter mich (Abb. 46).

62
Die Fesselung wird nach dem Wurf beibehalten, ich strecke nur mein
Bein auf des Gegners Seite.
SCHLEUDER
Im Linksausfall stehend, klammere ich mit meinem linken Arm den
rechten Oberarm des Gegners und schiebe ihn vor mir her, um ihn zu
einem Gegendruck zu verleiten (Abb. 47). Der geringste Gegendruck des
Gegners ist das Zeichen, daß er aus seinem Gleichgewicht ist, und ich
kann nun meinen rechten Fuß zwischen des Gegners Füße setzen und
ihn nach links auf die Matte schleudern.
ARMDREHWURF
Im Linksausfall stehend, fasse ich mit der linken Hand des im Rechts-
ausfall stehenden Gegners rechten Oberarm. Meinen linken Fuß, der in
des Gegners Standfläche steht, setze ich zirka lU m weit weg von der
Außenseite von des Gegners rechten Fuß, so daß mein Fuß mit des
Gegners Füßen eine Linie bildet.
Bei dem geringsten Druck oder Gegendruck, den der Gegner auf mich
ausübt, setze ich meinen rechten Fuß zwischen meinen linken und des
. Gegners rechten Fuß, nehme des Gegners bereits gefesselten Oberarm
in meine rechte Armbeuge und reiße des Gegners Arm rückwärtsfallend
auf mich. Während des Falles drehe ich mich um des Gegners gefesselten
Arm, so daß mein Rücken vor dessen Brust liegt, und ziehe den Gegner
über mich, ohne daß mein Oberkörper mit der Matte in Berührung
kommt.
Die Fesselung des Gegners in der Brücke erfolgt in der Weise, daß
die Fesselung mit der linken Hand an des Gegners rechtem Oberarm
beibehalten wird; mit dem rechten Arm fasse ich über des Gegners
Hüfte. Ich kann auch mit dem rechten Arm des Gegners rechten Arm
klammern und mit der linken Hand seinen Kopf fassen.

Abb. 48 Abb. 49
63
GEGENSCHLEUDER
Faßt der Gegner ebenso wie ich am Körper Zwiegriff (sein rechter
Arm unter, sein linker Arm über meinem Arm) und führt aus diesem
Griffansatz eine Schleuder aus (nach links), so reiße ich das entlastete
(oder zurückgestellte) rechte Bein hoch (Abb. 48) und führe mit diesem
einen weiten Sprung in der Richtung des Wurfes aus, um den Griff
abzufangen (Abb. 49).
Sobald mein Fuß den Boden berührt, drehe ich mich weiter in der
vom Gegner eingeleiteten Drehrichtung (nach links) und schleudere ihn
in die Rückenlage.
Auf diese Weise können außer Schleuder auch Überwurf, Schulter-
schwung und Hüftschwung mit Gegenschleuder gekontert werden, wenn
die Grundlage dazu — der lange Schritt — beherrscht wird.
STÜTZSCHLEUDER
Ich klammere, im Linksausfall stehend, mit meinem linken Arm des
Gegners rechten Oberarm und fasse mit meiner linken Hand das eigene
rechte Handgelenk. Meine rechte Handfläche stemme ich in des Gegners
Magengegend und bilde dadurch einen wirksamen Hebel (Abb. 50).
Aus dieser Ausgangsstellung trete ich mit meinem rechten Fuß vor und
hebe den Gegner vom Boden weg, reiße ihn auf mich und drehe ihn auf
halber Höhe unter mich. Nach dem Niederwurf umklammere ich mit
meinem rechten Arm seine Hüfte und halte ihn in der Brücke.

D O P P E L A R M I G E R Ü B E R W U R F (Selbstfaller)
Dieser Griff wird meist als Gegengriff auf des Gegners Untergriff
ausgeführt. Er ist nur möglich, wenn meine Füße in der Ausfallstellung
zwischen des Gegners Füßen stehen. Aus dieser Ausgangsstellung kann
der Griff nach zwei Arten ausgeführt werden:

Abb. 50 Abb. 51 Abb. 52


64
Abb. 53 Abb. 54

1. Des Gegners beide Oberarme einklammern, den Gegner durch Rück-


wärtsbeugen des eigenen Körpers vom Boden abheben und ihn seitlich
(Abb. 51) niederwerfen.
2. Ich trete mit meinem zurückstehenden Fuß ebenfalls zwischen die
Füße des Gegners, klammere seine beiden Oberarme, rutsche bis zu
meiner Hüfte zwischen des Gegners Beine (Abb. 52) und drehe den
Gegner seitlich ab. Auf der Seite, auf welcher er in die Brücke fällt,
behalte ich meinen Griff an seinem Oberarm bei. mit meinem anderen
Arm umklammere ich des Gegners Genick.

Ü B E R W U R F VON H I N T E N ( S O U B L E S S E )
Ausgangsstellung für diesen Griff ist der von hinten um seine Hüfte
umklammerte Gegner. Die Ausführung erfolgt durch einfaches Ausheben
und Niedergehen rückwärts (Abb. 53) in die Brücke. Während des Wurfes
muß ich den Gegner auf meine Brust heben, damit dieser höher hinaus-
ragt und so die Wucht des Wurfes auffängt. Liegt der Gegner beim Aus-
heben quer, so wird der Wurf nach der Seite ausgeführt, nach welchen
des Gegners Schultern zeigen.

Die W e n d e g r i f f e
Zu den Wendegriffen gehören alle Griffarten, durch die der G e g n e r
v o n h i n t e n g e f a ß t und von hier durch einen Griff-geworfen oder
in die Unterlage gebracht werden kann. Die Anwendung dieser Griffe
bringt für den Angreifer kein Risiko, aber große Vorteile.

DER R U M R E I S S E R
Zur Ausführung des Rumreißers müssen beide Partner im gleichen
Ausfallschritt stehen. Ich fasse mit meiner linken Hand des Gegners
rechtes Handgelenk; mit der rechten Hand ergreife ich dicht vor seiner
Achselhöhle seinen gefesselten Oberarm (Abb. 54). Sein gefesseltes Hand-
gelenk führe ich nach rechts herüber und reiße den Gegner mit der

5 65
Fesselung am Oberarm herum. Des Gegners Handgelenk wird, sobald e>
angerissen wurde, losgelassen und er dafür von hinten um die Hüfte
umklammert. Schon während dieser Ausführung gehe ich in die tiefe
Kniebeuge, um von hier aus den Gegner auszuheben oder zu Boden zu
reißen.
Der Gegner kann mit dem Rumreißer in etwas abgeänderter Form
weit mehr überrascht werden, wenn ich, statt sein Handgelenk zu fassen,
mein eigenes linkes Handgelenk vom Gegner fassen lasse (Abb. 55). In
diesem Falle führe ich mein vom Gegner gefesseltes Handgelenk kurz
nach rechts herüber, und zwar so, daß er gezwungen ist, die Fesselung
zu lösen. Gleichzeitig mit dem Herüberführen meines Armes wird der
Gegner mit meiner rechten Hand an seinem Oberarm gefaßt und herum-
gerissen. Meine befreite linke Hand faßt um seine Hüfte und er wird
zu Boden gebracht oder ausgehoben.
Mein Handgelenk darf ich dem Gegner jedoch nur dann zum Fassen
hinreichen, wenn mein eigenes Bein auf der Griffseite in der Schritt-
stellung hinten steht. Wollte der Gegner in diesem Falle selbst zum
Angriff übergehen, so kann ich diesen Angriff durch einen Schritt hinter
des Gegners Bein abwehren.

DURCHSCHLÜPFER
Der Durchschlüpfer wird, wenn ich unter des Gegners Genickfesselung
stehe, durchgeführt. Sobald der Gegner, in Rechtsausfall stehend, seine
rechte Hand an mein Genick legt, fasse ich mit meiner linken Hand
von unten her seinen rechten Oberarm dicht oberhalb seines Ellenbogens
(mein Daumen ist auf der Innenseite). Meine rechte Hand faßt seine
Schulter, seinen Oberarm oder seine Hüfte, ich gehe plötzlich in die
tiefe Hocke (Abb. 56), reiße zugleich den Gegner über mich hinweg,
schlüpfe unter seinem gefesselten rechten Arm durch, zugleich mit

Abb. 55 Abb. 56
66
meinem linken Fuß hinter den Geg-
n e r t r e t e n d , u n d fasse i h n von
hinten.
D e n Durchschlüpfer, k a n n ich auch
noch a u s f ü h r e n , w e n n ich m i t m e i -
n e r r e c h t e n H a n d des G e g n e r s G e -
nick fasse u n d w e i t nach seiner l i n -
k e n Seite gehe, u m ihn fest a n mich
zu reißen. D u r c h d a s k r ä f t i g e A n r e i -
ß e n fliegt m i r m e i s t des G e g n e r s
rechter A r m in h a l b e r H ö h e e n t g e -
gen, ich b r a u c h e n u r in die tiefe
Hocke zu g e h e n u n d d e m A r m a u s -
weichen, u m h i n t e r den G e g n e r zu
Abb. 57
kommen.

ARMWENDE
Mit m e i n e r l i n k e n H a n d fasse ich d e s G e g n e r s rechtes H a n d g e l e n k u n d
presse es fest an m e i n e l i n k e Hüftseite. Mit d e m r e c h t e n A r m greife ich
ü b e r des G e g n e r s gefesselten rechten O b e r a r m u n t e r dessen K ö r p e r , so
d a ß d i e Handfläche nach oben zeigt (Abb. 57). Auf diese Weise e n t s t e h t
ein w i r k s a m e r Hebel, d e r d e n G e g n e r z u m N a c h g e b e n zwingt. Nach Lösen
d e r F e s s e l u n g a m H a n d g e l e n k t r e t e ich m i t d e m l i n k e n F u ß h i n t e r d e n
G e g n e r u n d u m k l a m m e r e ihn v o n h i n t e n .

2. B o d e n k a m p f = Oberlage
Die O b e r l a g e b e i m B o d e n k a m p f gilt m i t Recht als die v o r t e i l h a f -
t e s t e K a m p f l a g e des R i n g k a m p f e s , da d e r G e g n e r einerseits in d e r
U n t e r l a g e n u r eine b e s c h r ä n k t e B e w e g u n g s f r e i h e i t h a t u n d a n d e r e r s e i t s
d e m A n g r e i f e r in d e r O b e r l a g e u n z ä h l i g e Griffe u n d G r i f f k o m b i n a t i o n e n
z u r V e r f ü g u n g stehen. Die Griffe aus d e r O b e r l a g e w e r d e n in H e b e l -
und S c h w u n g - G r i f f e eingeteilt.
Bei d e n S c h w u n g g r i f f e n wird der Gegner überraschend ange-
griffen; m a n f ü h r t m i t i h m „ Ü b e r s t ü r z e r " , „Rück- u n d A u f r e i ß e r " sowie
„ Ü b e r w ü r f e " durch. Da zur A u s f ü h r u n g d e r Schwunggriffe des G e g n e r s
volle K ö r p e r l a s t g e h o b e n w e r d e n m u ß , v e r l a n g e n diese Griffe v o m A n -
greifer n e b e n d e r S c h n e l l k r a f t ein großes S t e h v e r m ö g e n , u n b e -
k ü m m e r t e s D r a u f g ä n g e r t u m u n d jugendlichen Elan. Es g e h t also bei
vollem E i n s a t z d e r K ä m p f e r bewegt, zu, w a s v o r allen Dingen d e n Z u -
s c h a u e r n a m m e i s t e n i m p o n i e r t . Die Schwunggriffe sind i m K a m p f mit
S p i t z e n k ö n n e r n jedoch w e n i g e r erfolgreich; sie sind z u m P u n k t e s a m m e l n
m e h r geeignet als z u m g e w ü n s c h t e n Schultersieg.
A n d e r s jedoch die H e b e l g r i f f e . Da die H e b e l w i r k u n g an den
A r m e n u n d a m Kopf a u s g e n ü t z t wird, w o b e i A n w e n d u n g e i n e r großen
Griffestigkeit u n d b e s o n d e r s kräftige ( U n t e r - ) A r m e erforderlich sind, ist
sie geeignet, d e n G e g n e r in seiner W i d e r s t a n d s k r a f t h e r a b z u s e t z e n , zu
z e r m ü r b e n u n d zu besiegen. Allerdings g e h ö r e n diese Griffe nicht zu
5
* 67
* 3 - > ^

Abb. 58
den effektvollen Griffen, sie stellen
mehr ein Zweckringen dar. Weil
zur Anwendung der Hebelgriffe (im Abb. 59
Gegensatz zu den Schwunggriffen)
keine Schnellkraft, sondern mehr eine z ü g i g e Kraft benötigt wird,
bleiben „Hebelspezialisten" länger auf ihrer Leistungshöhe als die mit
den „Schwunggriffen".
Zu den H e b e l g r i f f e n zählen :
ARMSCHLÜSSEL
Rechts vom Gegner kniend, lege ich meinen rechten Unterarm so auf
des Gegn ers Kopf, daß meine Handfläche auf seiner linken Gesichishälfte
ruht: ich kann aber auch sein Kinn fassen. Mit meiner linken Hand greife
ich unter des Gegners
rechte Achselhöhle von
Abb. 60 hinten her durch zu
meinem rechten Unterarm
(Abbildung 58). Durch den
so gebildeten Hebel ziehe
ich des Gegners Kopf an
meine Brust heran und
überstürze ihn nach vorne.
Setzt der Gegner diesem
Griff durch Herausstellen
seines linken Beines ener-
gische Abwehr entgegen,
so löse ich plötzlich meinen
Griff, lege meinen rechten
Arm an des Gegners Kinn,
klammere mit meinem lin-
ken Arm seinen rechten
Arm an meinen Körper
(Abb. 59) und schleudere
ihn rückwärts in die Brücke.

KOPFDURCHZUG
Links vom Gegner kniend, lege ich meine linke Hand mit dem Hand-
rücken auf des Gegners Hinterkopf, mit meiner rechten Hand greife ich
68
unter seinem Körper durch an seiner rechten Kopfseite vorbei zu meiner
linken Hand (Abb. 60). Mein Bein auf des Gegners Seite strecke ich, um
mit meiner rechten Schulter weit unter seinen Körper zu kommen.
Meine zusammengefaßten Hände ziehe ich weit nach meiner Seite, damit
nur noch mein rechter Arm über seinem Kopf liegt und so der Hebel
wirkungsvoller wird. Des Gegners linken Arm und seinen Kopf presse
ich zusammen, ziehe mein gestrecktes Bein wieder an und überstürze
den Gegner nach links vorne.
KOPFGRIFF
Habe ich den Kopfdurchzug angesetzt und fühle, daß der Gegner mir
erheblichen Widerstand entgegensetzt, so kann ich mein ausgestreckte?
Bein, anstatt es anzuziehen, zwischen seine Beine setzen. Ich ziehe den
Gegner mit mir nach hinten rechts in die Sitzlage, presse meinen Kopt
an des Gegners Rücken (Abb. 61) und gehe in die hohe Brücke, den
Gegner mit mir reißend. Ich drehe mich nach links in die Bauchlage
und fessele den Gegner von vorne in die Brücke.

G E N I C K H E B E L MIT HALBNELSON
Ich fasse, rechts vom Gegner kniend, mit der rechten Hand unter
seiner rechten Achselhöhle durch zu meiner linken Hand, die ich mit
dem Handrücken auf seinen Kopf setze. Durch den so gebildeten Gen ick -

Abb. 62

hebel drücke ich seinen Kopf nach unten (Abb. 62), rutsche mit meiner
rechten Hand nach und bilde so einen Halbnelson. Von Anfang an
liegt meine volle Körperlast auf dem Gegner, damit er in seiner Be-
wegungsfreiheit gehemmt wird. Meine Knie sollen dabei die Matte nicht
berühren. Sobald meine rechte Hand den Halbnelson, allein halten kann,
f a ß t meine linke Hand von oben her des Gegners linken Oberarm,
um so zu verhindern, daß dieser mit seinem Arm durch weiteres Aus-
stützen die Ausführung meines Griffes vereitelt. Der Gegner wird durch
den Halbnelson nach links über seine Schulter in die Brücke oder auf die
Schultern gezwungen. Seine eventuelle Brücke wird vom Kopfende her
gefesselt.
Wirkungsvoll ist der Genickhebel mit Halbnelson, wenn der Gegner
sich in der Bauchlage befindet.

69
ARMAUFREISSER
Der Gegner liegt in der Bauchlage und ich mit meiner vollen Körper-
last auf ihm. Ich fasse mit meiner rechten Hand (unter seiner Achsel-
höhle durch) sein rechtes Handgelenk; ebenso mit meiner linken Hand
zu seinem linken Handgelenk (Abb. 63). Der Gegner wird durch die

Abb. 63
Hebelwirkung meiner Arme nach vorne auf seine eigenen Arme ge-
schoben. Sind des Gegners Arme so weit ausgestreckt oder seine Hände
zusammengefaßt, daß ich seine Handgelenke nicht fassen kann, so wird
des Gegners Arm durch „Doppelfesselung" eingeholt oder „aufgerollt".
Zur Durchführung der Doppelfesselung lege ich mich mit meiner vollen
Körperlast auf den in der Bauchlage liegenden Gegner. Ich fasse mit
meiner Unken Hand von links, an seinem Gesicht vorbei, sein rechtes
Handgelenk von oben her, mit meiner rechten Hand unter seiner rechten
Achselhöhle zu meinem linken Handgelenk. Durch diesen wirksamen
Hebel wird des Gegners Körper nach vorne geschoben (Abb. 64). Sobald

Abb. 64
sein rechter Arm eingeknickt ist, fasse ich mit meiner rechten Hand
sein rechtes Handgelenk und schiebe den Gegner auf seinen eigenen Arm.
Ich belaste weiterhin mit meiner Brust des Gegners Rücken, gehe in
kreisartiger Bewegung nach rechts an sein Kopfende, knie mich mit
meinem rechten Knie vor des Gegners linke Schulter und fasse mit
meiner linken Hand von unten her mit Zwiegriff sein bereits gefesseltes
Handgelenk (Abb. 65). Ich stelle mein linkes Bein aus und führe die
weitere Griffolge in zwei Tempis durch. Auf Tempo eins reiße ich des

70
Gegners gefesselten Arm hoch, auf zwei werfe ich mich mit der Brust
auf seine Brust, strecke meinen Körper (mein linkes Bein anwinkelnd)
und fasse mit der linken Hand an seinen Hinterkopf (Fesselung von
vorne). Gibt er aus irgendeinem Grund seinen gefesselten Arm unter
seinem Körper heraus, so wird ein Schulterdrehgriff angewendet.

SCHULTERDREHGRIFF
Dieser kann wirkungsvoller ausgeführt werden, wenn der Gegner in
der Bauchlage liegt. Ich knie am Kopfende des Gegners, hake von vorne
mit meinem linken Arm unter seine rechte Achselhöhle, so daß sein
rechter Oberarm in meinem linken Ellenbogen liegt. Mein Unterarm bildet
auf des Gegners Rücken einen Hebel (Abb. 66), mit dem der Gegner
durch Unterstützung meines rechten Armes über seine linke Seite in die
Brücke gedreht wird.
Seine Brücke kann ich evtl. verhindern, wenn ich, sobald der Gegner
mit seiner rechten Brustseite von der Matte gehoben ist, meine Brust

Abb. 65
gegen die des Gegners setze und meinen linken Arm (im Hebel) weit
über seinen Rücken strecke. Gleichzeitig wird mit meinem rechten Arm
sein Kopf von unten nach oben umklammert, an meine Brust gepreßt
und der Gegner so in die Rückenlage gedreht.

HAMMERLOCK
Der Hammerlock, ein besonders von den Nordländern gern angewen-
deter Hebelgriff, wird am gegnerischen Arm überraschend oder auch
zügig durch Ausnützung der Hebelwirkung gefaßt. Die Möglichkeiten
zum Fassen des Hammerlocks sind sehr vielseitig.

Abb. 66
71
HAMMERLOCK DURCH ARMHEBEL
Links vom Gegner kniend, klammere ich mit meinem linken Arm
seinen linken Unterarm und hebe diesen an. Beim Anheben des Armes
bleibe ich mit meinem linken Knie mit des Gegners Arm in Berührung,
um so zu verhindern, daß der Gegner seinen Arm auf die Matte zurück-
bringt (Abb. 67). Mein rechtes Bein muß bei gefaßtem Hammerlock stets
ausgestellt sein, um des Gegners Zug zu verhindern.

HAMMERLOCK DURCH SCHULTER - ODER ARM-


HEBEL
Links vom Gegner kniend, klammere ich mit meinem linken Arm
seinen Unken Oberarm und greife mit meiner Hand durch zu meiner
rechten Schulter oder zu meinem auf des Gegners Rücken liegenden Arm.
Sein Arm wird nun durch Einsatz meines ganzen Körpers (Ausstemmen
meines linken Beines) angehoben und der Hammerlock gefaßt (Abb. 68).

Abb. 67 Abb. 68

HAMMERLOCK DURCH DOPPELARMHEBEL


Ich umklammere mit beiden Händen des Gegners linken Arm (ich fasse
mit meiner rechten Hand das eigene linke Handgelenk), so daß mein
rechter Unterarm unter des Gegners Oberarm, mein linker Unterarm
über dessen Unterarm
liegt (Abb. 69). Ich reiße
den Gegner halblinks
nach vorne und winkele
durch meinen linken
Unterarm seinen linken
Unterarm nach hinten
ab. Es ist vorteilhafter,
wenn es gelingt, den
Gegner in die Bauchlage
zu bringen, andernfalls
wird nur der Hammer-
lock genommen.
Abb. 69

72
HAMMERLOCK DURCH ANREISSEN
Überraschend kann ein Hammerlock genommen werden, wenn ich, halb-
links hinter dem Gegner stehend, ihn an seinen Schultern fasse, nach
hinten anreiße (Abb. 70) und mit meinem linken Arm des Gegners linken
Arm in Hammerlock nehme (Abb. 71). Der Hammerlock gelingt in den
meisten Fällen, da beim Anreißen des Gegners Arme entspannt sind.

HAMMERLOCK DURCH SCHULTERHEBEL


Links vom Gegner kniend lege ich von außen her meine linke Hand
auf des Gegners linken Handrücken, mit meiner rechten Hand fasse
ich von innen her das eigene Handgelenk und setze meine rechte Schultei
unter des Gegners linke Achselhöhle (Abb. 72).
Seinen Arm ziehe ich nach hinten weg und zwinge den Gegner durch
meinen Schulterdruck in die Bauchlage. Sobald die Situation es gestattet,
faßt mein linker Arm den Hammerlock.

H A M M E R L O C K NACH N O R D I S C H E R ART
Ich knie halblinks hinter dem Gegner, umklammere ihn mit meinem
rechten Arm um seine Hüfte und bin bestrebt, ihn seitlich rück-
wärts in die Sitzlage zu ziehen, was der Gegner durch Ausstützen

73
Abb. 73

des linken Armes zu verhindern sucht. Sobald er den Arm ausstützt


(die ganze Vorarbeit diente nur dazu), erfasse ich mit meiner linken Hand
sein Handgelenk, setze meinen Kopf in seine Achselhöhle (Abb. 73)
und ziehe seinen Arm nach hinten weg.
Der Gegner wird seitlich vorn in die Bauchlage gezwungen, wobei
meine volle Körperlast mit Kopfdruck auf des Gegners Oberarm bei-
behalten wird, bis ich mit meinem linken Arm in den Hammerlock rutsche,
das rechte Bein nach vorne schwinge und so die Sitzlage erlange.
Für die Fortführung der Griffe aus dem gefaßten Hammerlock ist ent-
scheidend, ob sich der Gegner in kniender Lage oder in der Bauchlage
befindet. Wenn er kniet, können folgende Griffe zur Anwendung kommen:

HAMMERLOCK MIT RÜCKREISSER


Hatte ich auf der linken Seite Hammerlock gefaßt (Abb. 74), so wechsle
ich mit dieser Fesselung mit meinen beiden Knien nach der rechten Seite,
wobei ich den Hammerlock vom Ober- auf den Unterarm verlege. Auf
der rechten Seite angelangt, fasse ich mit meiner rechten Hand in die
rechte Armbeuge des Gegners,
damit sich dieser nicht noch
weiter ausstützen kann. Ich
ziehe den Gegner nun rechts
seitlich nach vorne (Abb. 75)
auf seine rechte Schulter und
anschließend weiter in die
Brücke. Um den Gegner in
der Brücke besser fesseln zu
können, behalte ich den Ham-
merlock und fessele ihn vom
Kopfende her.

74
HAMMERLOCK MIT HALBNELSON
Scheitert der Rückreißer, weil der Gegner seinen rechten Arm zu weit,
ausstützt oder sein Gleichgewicht weit nach links verlegt, so fasse ich
mit meiner rechten Hand unter seine Achselhöhle durch zu seinem
Genick und drehe den Gegner durch den Genickhebel (Halbnelson) nach
links auf die Schultern (Abb. 76).

DOPPELTER HAMMERLOCK
Sind meine Arme zu kurz für einen Halbnelson, so fasse ich mit
meinem rechten Arm an des Gegners rechten Arm, ebenfalls Hammerlock
(Abb. 77), und der Griff kann nun nach beiden Seiten ausgeführt werden.
(Nur das Überrollen nach vorne kopfüber ist verboten!)

75
HAMMERLOCK MIT SCHULTERDREHGRIFF
Liegt der Gegner mit dem gefaßten Hammerlock in der Bauchlage,
so hole ich seinen noch ausgestützten rechten Arm ein. Ich lege die
rechte Hand auf des Gegners rechten Oberarm (Abb. 78) und schiebe
seinen Körper durch den gefaßten Hammerlock auf seinen rechten
Arm. Nachdem dem Gegner die Stütze genommen ist, drehe ich ihn, um
seinen Kopf herumgehend, in die Brücke. Der Gegner wird von vorne
in der Brückenlage gefesselt. (Abb. 79).

Abb. 79

SPEZIALHEBEL
Ich fasse links vorne, in Kopfhöhe kniend, mit meiner linken Hand
sein rechtes Handgelenk (von oben her), fasse mit meiner rechten Hand
von hinten unter seiner Achselhöhle durch zu meinem linken Hand-
gelenk (Abb. 80). Inzwischen rutsche ich auf den Knien nach des Gegners
rechter Seite, drücke seinen gefesselten Arm in seine rechte Hüftseite
und lege mich auf die rechte Seite parallel zum Gegner (Abb. 81); dabei
bin ich bestrebt, weit unter seinen Körper zu kommen oder den Gegner
durch die Fesselung auf die Brust zu ziehen.

Abb. 81
76
Tritt der Gegner mit
seinem rechten Bein
über mich, in der Ab-
sicht, mich in der
Brückenlage abzu-
fangen, so schnelle
ich in die hohe
Brücke, ohne dabei
des Gegners gefessel-
ten Arm von seinem
Körper wegzuheben
(was eine Verletzung Abb. 82
verursachen kann)
and überrolle ihn
nach vorne. Gelingt
es mir nicht, den
Gegner auf meinen
Körper zu ziehen
oder den Gegner zu
verleiten, meinen
Körper zu überstei-
gen, so richte ich mich
auf (Bild 82) und Abb. 83
überrolle den Gegner
durch den Hebel und
durch Körperdruck
links seitlich.

Abb. 84

Schwun££r iff v
SEITLICHER AUFREISSER
Von den zahlreichen Aufreißein wird am häufigsten der folgende
angewendet:
Ich knie halbrechts hinter dem Gegner, fasse mit meinem rechten
Arm um seine rechte Hüftseite, wechsle auf halblinks hinüber (Abb. 83)
und ziehe den Gegner nach links mit. Der Gegner stützt als Abwehr

77
seinen linken Arm aus, den ich mit meinem linken Arm umklammere,
wobei ich, wenn möglich, meine beiden Hände unter des Gegners Körper
zusammenfasse, worauf ich den Gegner, nach links in die Brücke gehend,
auf mich reiße (Abb. 84).
Durch meine plötzliche hohe Brücke wird der Gegner in die Brücke
geworfen, ich kehre nach rechts in die Bauchlage zurück und ziehe seinen
linken Arm unter meinen Körper. Die Brücke wird vom Kopfende her
gefesselt, wobei mein rechter Arm seinen Kopf oder über seine Hüfte
faßt.
ARMDURCHZUG
Dieser kann am einfachsten angesetzt werden, wenn ich, links vom
Gegner kniend, mit beiden Händen unter seinem Körper zu seinem
rechten Arm durchfasse und den Gegner nach rechts überrolle. Auf solche
einfache Art wird der Griff aber nur bei Anfängern gelingen. Im Kampf
gegen gute Ringer müssen diese über die wahren Absichten getäuscht
oder der Griff muß mit Gewalt erzwungen werden.
Durch Täuschung kann ich den Griff ausführen, wenn ich, links vom
Gegner kniend, mit meinem linken Arm seinen linken Arm von oben
her umklammere (Hammerlock), mit meinem rechten Arm weit unter
seinen Körper greife und einen Überstürzer vortäusche (Abb. 85).
Um den Überstürzer zu verhindern, wird der Gegner sich nach vorne
stemmen, wodurch sein rechter Arm in meine Reichweite gelangt; ich
ergreife ihn mit meiner rechten Hand und überrolle den Gegner nach
rechts. Den Armdurchzug kann ich erzwingen, wenn ich von der rechten
Seite her den Gegner belaste und durch eine Hebelbildung meiner
Hände sein Kinn mit dem Handrücken meiner rechten Hand an seine

78
linke Schulter presse. Meine rechte Hand hakt weit über des Gegners
linken Oberarm, meine linke Hand unterstützt eine Weile dieses Bestre-
ben durch Festhalten seines linken Armes (Abb. 86) und ich fasse,
sobald sich die Fesselung mit meiner rechten Hand als genügend erweist,
mit meiner linken Hand unter des Gegners Körper durch zu seinem
linken Oberarm, worauf der Gegner nach links vorne überrollt wird.
Besonders wirkungsvoll kann der Armdurchzug an dem in 'der Bauch-
lage befindlichen Gegner angesetzt werden, wenn dieser die Arme nach
vorne ausstreckt.
Verhindert der Gegner die Durchführung des Armdurchzuges durch
Ausstemmen seines linken Beines, so fasse ich mit meiner linken Hand
zu seinem rechten Oberarm und schleudere den Gegner rückwärts in
die Brücke.
A U S H E B E R MIT Ü B E R W U R F UND ÜBERSTÜRZER
Ich umklammere mit meinem rechten Arm, rechts vom Gegner kniend,
seine rechte Hüfte so weit, daß ich auf seiner linken Hüftseite meine
linke Hand fassen kann. Durch plötzlichen Seitenwechsel reiße ich den
Gegner nach links und knie mich mit meinem rechten Knie vor sein
linkes Knie (ohne ihn in die Ausgangsstellung nach rechts zurückzulassen).
Ich presse den Gegner an meine rechte Hüftseite, hebe ihn an und stelle
zugleich mein rechtes Bein hoch, um zu verhindern, daß sich der Gegner
zur Abwehr in die Bauchlage wirft. Gelingt es mir, mein rechtes Bein
hochzustellen, so kann der Griff bereits als gelungen bezeichnet werden
(Abb. 87).
SEITLICHER ÜBERSTÜRZER
Ich kann nun mit dem ausgehobenen Gegner rückwärts niedergehen,
einen Überwurf ausführen oder einen „seitlichen Uberstürzer" ansetzen.
Beim seitlichen Uberstürzer richte ich mich mit dem quer über meine
Hüfte liegenden Gegner auf und fasse mit meiner linken Hand seinen
linken Oberarm (Abb. 88). Beim Niedergehen auf mein linkes Knie
wird der Gegner in einem spitzen Winkel zur Matte geworfen. Um seine

Abb. 87 Abb. 88
79
Abwehr durch die Brücke zu verhindern, muß ich den Niederwurf mit
einer Ziehbewegung in Richtung auf seine Schultern ausführen. Ein
senkrechtes oder rohes Niederwerfen ist wegen der Verletzungsgefahr
seines Rückgrates verboten.

VERKEHRTER AUSHEBER
Rechts vom Gegner kniend, stecke ich das linke Knie unter seinen
Körper und umklammere mit meinen Armen seine Hüfte so, daß ich
mit meinem rechten Arm von oben, mit meinem linken Arm von unten,
meine Hände oder mein Handgelenk fassen kann.
Der Gegner wird auf meinen rechten Oberschenkel gezogen und mein
Bein unter seinen Körper gestellt. Ich richte mich auf, den Gegner in der
waagerechten Lage behaltend (Abb. 89) und werfe ihn durch eine Halb-
kreisbewegung, selbst mitfallend, in die Rückenlage.
Wird der Gegner senkrecht (Kopf nach unten) ausgehoben, so muß
er ausgependelt und im spitzen Winkel zur Matte geworfen weiden.
Während des Niederwurfes gehe ich auf die Knie.

3. B O D E N K A M P F — UNTERLAGE
Wenn ich mich in der Unterlage befinde, so gilt dies allgemein als
eine n a c h t e i l i g e Lage, die von den meisten Ringern selbst im
Training gemieden wird. Zugegeben, daß der Ringer in der Oberlage
weit mehr Griffmöglicheiten hat; aber dies ist um so mehr ein Grund,
daß er die Unterlage im Training häufig aufsucht, um darin eine gewisse
Sicherheit zu erlangen.
Ringer, die sich in der Unterlage s i c h e r fühlen, können den angrei-
fenden Gegner einschüchtern und ihn an der Entfaltung seines Könnens
hindern. Die richtige Beinstellung ist auch hier von größter Wichtigkeit.
Der Körper muß möglichst tief gelagert werden, so daß die Knie weit
zur Seite, die Fersen aber eng zusammengebracht werden müssen, so
daß das Gesäß auf den Fersen ruht. Noch tiefer kann der Körper gesenkt
werden, wenn die Füße auf beiden Außenristen liegen.
Die Arme sind schräg nach vorne ausgestützt und dürfen nicht weni-
ger als eine Spanne von den Knien entfernt sein. Diese ausge-
sprochene Verteidigungsstellung darf erst dann geändert werden, wenn
der Gegner als Obermann durch Berührung das Zeichen zum Angriff
gegeben hat. Das Niedergehen in die Bauchlage, das auf die Zuschauer
einen schlechten Eindruck macht, ist nicht nur unschön, es nimmt dem
Untermann auch die Bewegungsfreiheit, weil er in dieser Lage weder den
Angriffen des Gegners ausweichen noch Gegenangriffe ausführen kann.
SPEZIALHEBEL AUS DER UNTERLAGE
Greift der Gegner als Obermann mit seinem rechten Arm um meine
rechte Hüftseite, so fasse ich mit meiner linken Hand sein rechtes Hand-
gelenk. Den rechten Arm lege ich über seinen rechten Oberarm, fasse
mein eigenes linkes Handgelenk, lege mich auf die linke Seite und achte

80
darauf, daß der Gegner meinen Körper nicht übersteigt (Abb. 90), wes-
halb ich das rechte Bein hochhebe. Bei günstiger Gelegenheit drehe ich
mich über die Brücke auf die rechte Seite und drücke des Gegners
Unterarm in seine rechte Hüfte. Die weitere Ausführung erfolgt wie
unter Spezialhebel beschrieben.

Abb. 89 Abb. 90

ARMZUG
Faßt der Obermann, links von mir kniend, mich um meine rechte Hüfte,
so schiebe ich mein linkes Knie an des Gegners Knie und ergreife mit
meiner rechten Hand sein rechtes Handgelenk. Nach einer Viertel-Links-
wendung zum Gegner, so daß dieser sich im Winkel zu mir befindet
(Abb. 91), schiebe ich mein rechtes Knie so weit wie möglich nach links,
setze mich rechts seitlich auf die Matte und ziehe den Gegner, mich auf
meinen rechten Ellenbogen stützend, über mich in die Brücke. Meine
linke freie Hand unterstützt diese Ausführung.
Die Fesselung in dieser Lage ist nicht günstig, weshalb ich mich auf-
setzen muß, was nur möglich ist, wenn ich den rechten Fuß nach hinten
anwinkele und des Gegners Handgelenk zwischen meine Beine drücke

Abb. 91 Abb. 92
81
(Abb. 92). Ist das Aufsitzen nicht möglich, so kann ich mich zum Gegner
drehen, ihn übersteigen und hierauf die Fesselung nach Bedarf wech-
seln, des Gegners Körper belastend.

KOPFZUG
Ich richte plötzlich meinen Oberkörper senkrecht auf und umklammere
mit meinem Arm des Gegners Genick; mit meiner anderen Hand fasse
ich des Gegners Oberarm und ziehe ihn seitlich zur Matte (Abb. 93).
Besser ist es, nach einer Seite zu täuschen, um den Griff dann plötz-
lich nach der anderen Seite mit um so größerer Wucht durchzuführen
Die Fesselung der Brücke ist die gleiche wie beim Hüftschwung.

SCHULTERZUG
Legt der Gegner, der Oberlage hat, seinen Unterarm auf mein
Genick, so erfasse ich mit der rechten oder linken Hand sein Arm-
gelenk (Abb. 94) und ziehe ihn ruckartig nach vorne auf die Matte.
Erfolgt der Zug mit meiner Hand auf der Seite seines aufgelegten
Armes, so fesselt mein Unterarm den in die Brücke fallenden Gegner
mit meiner freien Hand an seinem Kopf. (Fesselung von vorne.) Erfolgt
der Zug mit meiner Hand von der entgegengesetzten Seite, so fasse ich
mit meiner freien Hand über die Hüfte des Gegners (wie beim Schulter-
schwung).

HAMMERLOCKWENDE ODER WECHSLER


Hat der Obermann die Absicht, an meinem linken Arm Hammerlock zu
fassen, so verlege ich als Untermann mein Körpergewicht nach links
(entferne mich mit meinen Knien vom Gegner), stelle mein rechtes Bein
aus und strecke gleichzeitig meinen linken Arm nach vorne, so daß
dieser mit meinem Körper eine Linie bildet (Voraussetzung für das
Gelingen des Griffes ist, daß der Gegner mit seinem rechten Knie nicht
zwischen den Beinen des Untermannes ist). Plötzlich gebe ich als Unter-
mann meinen Widerstand in der vom Gegner ausgeübten Zugrichtung

82
auf, winkele meinen linken
Arm an (Abb. 95) und reiße
den Gegner in die Unter-
lage, wobei ich die Stellung
meiner Knie wechsle. (Das
aufgestellte Knie wird her-
untergesetzt und das kniende
Bein ausgestellt.)

A M E R I K A N I S C H E W E N D E (Bodenwende)
Faßt der Obermann, links von mir (als Untermann) kniend, mit seinem
rechten Arm um meine rechte Hüfte, so lege ich meinen rechten Arm
auf meinen eigenen Rücken, wodurch ich des Gegners rechten Oberarm
klammere. Ich (als Untermann) stütze mich, wenn möglich, auf meine

linke Hand, bringe mein linkes Bein nach vorne, so daß ich in die seit-
liche Sitzlage gelange (Abb. 96). Hiernach strecke ich auch mein rechtes
Bein nach vorne, hebe mein Gesäß von der Matte, so daß meine Körper-
last auf meinen Füßen und auf des Gegners Körper ruht. Der Gegner
wird nach vorne in die Bauchlage gerissen (Abb. 97) und ich drehe mich
um seinen gefesselten rechten Arm in die Oberlage.

i>" 83
4. D I E M E I S T E R U N G D E R « R Ü C K E N L A G E
Durch fleißige Brückengymnastik und verschiedene Widerstands- und
Kräftigungsübungen kann man die G e n i c k m u s k e l n derart stärken,
daß man dem angreifenden Gegner in der Brückenlage einen erfolg-
reichen Widerstand entgegensetzen kann. Eine standhafte Brücke allein
reicht aber zur Meisterung der Brückenlage nicht aus, auch wenn sie
noch so hoch ist. Ein stures In-der-Brücke-Stehenbleiben oder gar ein
Hin- und Herzappeln beschleunigt nur den Kräfteverbrauch. Selbst wenn
es gelingt, sich aus des Gegners Fesselung zu befreien, so soll doch
zugleich das höchste Bestreben sein, den Gegner selbst in die nachteilige
Brückenlage zu bringen. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn
man sich in allen Brückensituationen, die durch die verschiedenen Fes-
selungen entstehen, genau auskennt.
Oberster Grundsatz ist, die Brücke so n i e d r i g als möglich zu halten
(außer wenn die Situation es nicht zuläßt), weil durch die niedrige
Brücke Kräfte gespart werden und andererseits der Gegner durch mein
plötzliches Hochschnellen aus seinem Gleichgewicht gebracht wird und
seine Verwirrung zu meinen eigenen Gunsten ausgenützt werden kann.
Auch muß ich in der Brückenlage stets dem Gegner zugewandt liegen,
damit ich ihn besser angreifen kann.
Um jeden Augenblick in die hohe Brücke schnellen zu können, müssen
die Beine und besonders der Kopf stets weit angewinkelt werden. Ist
eine gewisse Sicherheit in der Brückenlage erlangt, so kann mit dem
kampfmäßigen Üben der verschiedenen Brückensituationen (dem das
schulmäßige Üben vorausgegangen ist) begonnen werden.
Beim kampfmäßigen Üben muß die Fesselung stets von einem leichte-
ren Partner vorgenommen werden, um sich so die noch fehlende Fertig-
keit leichter anzueignen und das Selbstvertrauen zu der eigenen Brük-
kenarbeit zu gewinnen.
. . . bei Fesselung vom Kopfende her.
Wird meine Fesselung in der Brückenlage durch den Gegner vom
Kopfende her vorgenommen, wobei der Gegner mit seiner linken Hand
meinen linken Arm und mit seiner rechten Hand meinen Kopf fesselt,
so lege ich meine rechte Hand auf seine rechte Gesichtshälfte (meine
Handwurzel auf seiner Kinn-
spitze) und meine linke Hand
faßt über des Gegners Schul-
ter mein eigenes rechtes
Handgelenk. Durch diese Kne-
belbewegung wird des Geg-
ners Schulter an meine Brust
gepreßt und sein Kinn weg-
gedrückt (Abb. 98). Für den
Gegner ist nun eine unbe-
queme Lage entstanden und
diese wird ihn zur Locke-

84
rang der Fesselung veranlassen. In diesem Augenblick kann er über-
raschend nach links gerissen werden oder ich kann aus der Fesselung
herausgleiten und mich, ohne den Gegner zu ziehen, in die Bauchlage
drehen.
Ist das Zusammenfassen meiner Hände zu einer Hebelbüdung nicht
möglich, so muß ich versuchen, durch plötzliches Hochschnellen in der
Brücke den Gegner durch einen Zug nach rechts zu täuschen. In dem-
selben Augenblick, in dem er sich dagegenstemmt, wird er nach links
gezogen. Eine weitere Möglichkeit, mich aus der Fesselung von vorne
zu befreien, besteht darin, daß ich meine beiden Hände zusammenfasse
und den Gegner in seiner Bauchgegend von mir wegdrücke. Im geeig-
neten Augenblick wende ich mich nach rechts oder links aus der Brük-
kenlage, nachdem ich ihn vorher nach der entgegengesetzten Seite
getäuscht habe.
. . . bei seitlicher Fesselung durch Aufsitzen.
Fesselt mich der in der S i t z l a g e befindliche Gegner auf meiner
rechten Seite an meinem rechten Arm und hat er dabei ein oder beide

Abb. 99

Beine nach vorne gestreckt, so kann ich mich aus der Brückenlage auf-
setzen, wenn es mir gelingt, den Gegner durch vorgetäuschtes Ziehen
zum Gegenzug zu verleiten. Ich erwecke dabei den Anschein, als wenn
ich in der Richtung meines Kopfes von der Matte rutschen wolle, was
er durch Gegenzug zu verhindern trachtet (Abb. 99). Beim geringsten
Gegenzug des Gegners setze ich mich hoch, wobei mein Bein auf seiner
Seite gestreckt und mein anderes weit nach hinten angewinkelt wird,
damit ich nach dem erfolgten Aufsitzen gleich eine Stütze habe.
Befindet sich der Gegner bei der seitlichen Fesselung in der B a u c h -
l a g e , so kann ich ihn täuschen, wenn ich ihn durch energisches Heraus-
rutschen aus der Matte zum Hinüberwechseln in die Sitzlage verleite.
Sobald ein Gegenzug einsetzt, erfolgt mein Aufsitzen, wie vorher
beschrieben.
. . . bei Fesselung durch erfolgten Armzug.
Werde ich durch Armzug, an meinem rechten Arm gefesselt, in die
Brücke gezogen, so achte ich darauf, daß ich in der halben Brücke mit

85
meiner Brust mit des Gegners Rücken in Kontakt bleibe. Aus dieser
Lage umklammere ich mit meinem linken Arm (Hammerlock) des Geg-
ners linken Unterarm und rutsche so weit nach unten, daß ich vom Geg-
ner um Kopflänge überragt werde. Aus dieser niedrigen Brückenlage
schieße ich plötzlich zwischen des Gegners Arm und Körper in die hohe
Brücke, dränge ihn aus seinem Gleichgewicht und übersteige ihn mit
dem rechten Bein, so daß er unter meinem Körper völlig eingeschlossen
liegt (Abb. 100). Die Brücke halte ich, -auf des Gegners Körper liegend,
niedrig, meine Beine soweit wie möglich angezogen, wobei ich meine
rechte Ferse in des Gegners rechte Hüftgegend ziehe.
Nach erneutem Hochschnellen in der Brücke drehe ich mich nach rechts
in die Bauchlage und fessele den Gegner vom Kopfende her.

. . . bei Kopfzug und Hüftschwung.


Werde ich vom Gegner von rechts her in die Brücke um mein Genick
und an meinem rechten Arm gefesselt, so dränge ich mich mit meinen
Knien in seine Kniekehle und fasse mit meiner rechten Hand nach

86
Möglichkeit meinen eigenen linken Oberarm. Ich schiebe den Gegner
vor mir her, um ihn sowohl aus dem Gleichgewicht zu bringen, als auch
zu einem energischen Gegendruck zu verleiten. Erzeugt er einen Gegen-
druck, so schnelle ich in der Brücke hoch, den Gegner mit mir hochwer-
fend, und drehe mich, den Gegner mitnehmend, nach links in die Bauch-
lage.
. . . bei seitlicher Fesselung (durch Körperdrehung).
Hält der Gegner mich von der rechten Seite her in der Brückenlage,
so lege ich meine freie linke Hand mit dem Handrücken auf des Gegners
rechte Kinnseite und fasse beide Hände zusammen. Durch das Heran-
ziehen von des Gegners linker Schulter und durch Wegdrücken von des
Gegners Kinnspitze entsteht für ihn eine unbequeme Lage und er lockert
seine Fesselung (Abb. 101). Hierauf schnelle ich in die hohe Brücke,
werfe die zusammengefaßten Hände auf die Matte (Abb. 102) und drehe
mich nach links aus der Brücke, den Gegner vor meiner Brust in die
Brücke ziehend.

B. F r e i s t i l
Grundsätzliches über Freistil
Im Freistil sind, wie beim Griech.-Röm. Stil, Griffe „vom Scheitel bis
zur Hüfte" gestattet, aber außerdem sind auch Griffe an den B e i n e n
und das B e i n s t e l l e n erlaubt.
Der Freistilringkampf ist wegen seiner unerschöpflichen Griffmög-
lichkeiten und seines Situationsreichtums wohl die vielseitigste aller
Sportarten und setzt eine große Wendigkeit, gepaart mit Schnelligkeit
und Ausdauer, voraus. Durch die Tatsache, daß im Griech.-Röm. Stil und
im Freien Stil Weltmeisterschaften durchgeführt werden und beide Stil-
arten im Programm der Olympischen Spiele verankert sind, erwächst
für uns die Verpflichtung, alle sich bietenden Erfolgsmöglichkeiten auch
im Freistil wahrzunehmen. Wenn wir uns auch seit einiger Zeit an Frei-
stilmeisterschaften beteiligten, so geschah dies doch nur so nebenbei,
weil in den Vereinen Freistil fast nicht trainiert wurde. Die Zeiten, in
denen der griech.-röm. Ringer nur so nebenbei auch im Freistil Erfolge
an sich bringen konnte, sind vorbei. Wir müssen unserer Jugend schon
früh Gelegenheit geben, sich in beiden Stilarten zu betätigen und, je
nach Eignung des einzelnen, sich auf Griech.-Röm. oder Freistil zu
spezialisieren.
Die Bedenken jedoch, daß ein Ringer nicht beide Stilarten gleichzeitig
pflegen kann, sind unbegründet und in den Lehrgängen praktisch wider-
legt. Es steht jedem Ringer frei, seine Siege im Freistil, in welchem
ja sämtliche Griffe des Griech.-Röm. Stils angewendet werden, durch
Griech.-Röm.-Griffe zu erringen, weil ja Freistil alle Griffe des Ring-
kampfes umfaßt und der Sieg mit oder ohne Beingriffe gleich wertvoll ist.

87
1. D E R STANDKAMPF
Die Kampfstellung
Die Kampfstellung wird je nach Beherrschung der selber beabsich-
tigten und der vom Gegner drohenden Griffe und je nach der Haltung
oder Stellung des gegenüberstehenden Gegners eingenommen. Die Ringer
aus der griech.-röm. Grundschule nehmen im Freistil eine weit nach
vorne gebeugte Haltung ein, um ihre Beine vor überraschenden Griffen
zu schützen (Abb. 103); die Türken und Schweizer stehen mehr aufrecht,
da sie gegen Beingriffe wirkungsvolle Paraden haben.

Die Schwünge
Wenn auch durch die tiefe Kampfstellung und die größere Entfernung
vom Gegner die S c h w ü n g e im Freistil nicht so häufig vorkommen
wie im Griech.-Röm. Stil, so sind sie doch nicht so selten, wie es den
Anschein hat. Für die Anwendung der Schwünge wird mit dem Gegner
Kontakt gesucht und durch Fesselung mindestens eines Armes die Gefahr
für einen überraschenden Beingriff vermindert. Nun kann der Angreifer
sich mehr aufrichten und mit seinen Füßen mehr an den Gegner heran-
gehen, worauf dieser seinem Beispiel folgt und dann kann der Angreifer,
je nach sich bietender Gelegenheit, einen der Schwünge ansetzen (Hüft-
schwung, Schulterschwung).
Das E i n d r e h e n erfolgt nach den bereits unter Griechisch-Römisch
beschriebenen Schrittarten (Rück-, Wechsel-, Kreuz- und Paßschritt),
aber mit der Erweiterung, daß beide Ringer b e i n s t e l l e n dürfen.
Der Gegner braucht beim Hüftschwung, Armfallschwung usw. nicht über
die Hüfte gezogen werden, es genügt vielmehr, wenn er über das Gesäß
zu liegen kommt. Durch die Entfernung vom
Gegner sind im Freistil meist zwei Schritte
nötig, sich in den Griff einzudrehen. Am ^ ^fl$*
vorteilhaftesten ist die Anwendung des Kreuz-
schrittes (Abb. 104) und des Paßschrittes,
da so der Angreifer nach dem Eindrehen am
besten beinsteilen oder des Gegners Bein weg-
heben kann (Abb. 105). Bei Einsatz des Beines
fällt der Angreifer nicht auf ein oder beide

Abb. 103

Abb. 104
88
Knie, sondern mit dem geworfenen Gegner zugleich zu Boden. In einer
von der griech.-röm. abweichenden Art wird der Hüftschwung mit Bein-
strecker ausgeführt und deshalb hier besonders beschrieben.
Hüftschwung mit Beinstrecker
Ich fasse mit meiner linken Hand des Gegners rechten Oberarm, trete
mit meinem rechten Fuß in des Gegners Standlinie, setze meinen linken
Fuß nach (Wechselschritt) und strecke mein rechtes Bein zwischen des
Gegners Beine. Während des Eindrehens fasse ich mit meiner rechten
Hand von oben her entweder in des Gegners rechte oder linke Achsel-
höhle. Durch mein weiteres Vorbeugen und Mitziehen des Gegners
(Abb. 106) wird dieser zu Fall gebracht.

Beingriffe
Beinsteller
Ich trete mit meinem rechten Fuß vor des Gegners linken Fuß, um-
klammere mit meinem rechten Arm des Gegners linken Fuß in der
Kniekehle (Abb. 107) und reiße das gefesselte Bein hoch bis zu meiner
Hüfte. Mit dem lin-
ken Fuß trete ich hin-
Abb. 109 ter des Gegners rech-
tes Bein und bringe
ihn so aus dem Gleich-
gewicht (Abb. 108).
Ich gehe auf mein
linkes Knie, bringe
den Gegner zu Fall
und drücke sein ge-
fesseltes Bein auf seine
Brust.
Hechtsprung
Ich springe plötz-
lich an die Beine des
Gegners, fasse fest
mit den Händen von
außen her seine Fer-
sen, drücke mit mei-
ner Schulter (rechts
oder links) unterhalb
seiner Kniescheibe gegen des Gegners Bein und bringe ihn so zu Fall
(Abb. 109). Um :'ihn vollends zu bezwingen, fasse ich ein Bein in der
Kniekehle und schiebe es hoch auf seine Brust.
Geht der Gegner — während ich mich am Fußende befinde — in die
Brücke, so setze ich des Gegners Beine auf meine gespreizten Beine
(Oberschenkel), beuge mich weit vor und fasse die Schultern des Gegners
(Abb. 110).
Es ist verboten die Brücke in Richtung des Kopfes einzudrücken, wes-
halb ich meine Beine nach hinten ausstrecke; ohne daß des Gegners
Beine herunterrutschen können. Mit meiner Brust belaste ich des Geg-
ners Körper und lege mich in die Bauchlage. Sollte der Gegner noch
auf dem Gesäß und seinem Hinterkopf eine Brücke halten, so fasse ich
mit einem Arm unter des Gegners Genick durch und drücke, die Hände
vor des Gegners Brust zusammenfassend, die Brücke ein.
Beinstützgriff
Ich fasse mit meinen beiden Händen (mit der rechten von außen, mit
der linken von innen her) des Gegners linkes Handgelenk (Abb. 111),
reiße ihn an, falle auf meine beiden Knie, stecke meinen Kopf unter
seine Achselhöhle und fasse mit meiner linken Hand seine rechte Ferse
von innen her (Abb. 112). Dann wälze ich mich auf des Gegners gefes-
seltes Bein, bringe ihn zu Fall und rolle ihn — seinen gefesselten Arm
und sein Bein auf meine Brust ziehend — auf seine Schultern.
Armstützgriff
Ich fasse mit meinen beiden Händen von innen her des Gegners
linkes Handgelenk (Abb. 113), reiße ihn an und gehe zugleich auf meine
beiden Knie. Ich klammere des Gegners linken Arm unter meinen

90
rechten Arm und fessele sein rechtes Bein an der Ferse von außen her,
so daß sein Bein auf meine Schulter gezogen wird (Abb. 114). Ich lege
mich nun auf die rechte Seite, den Gegner an seinem gefesselten Arm
in die Rückenlage ziehend, wobei ich sein gefesseltes Bein und seinen
Arm auf meine Brust ziehe.
Fußstich
Ich fasse mit meiner linken Hand den rechten Oberarm des Gegners,
mache einen Schritt nach rechts und reiße den Gegner mit, so daß dieser
gezwungen ist, mit seinem rechten Fuß vorzutreten. In diesem Augen-
blick strecke ich den linken Fuß (Fußsohle) vor des Gegners Fuß, mit
dem dieser gerade den Schritt ausführen wollte, blockiere so seinen Fuß
(Abb. 115) und bringe ihn durch die Fesselung am rechten Arm und
mit Unterstützung meiner rechten Hand schleuderartig zu Fall.
Eine andere Möglichkeit, einen Fußstich anzuwenden, besteht darin,
daß ich mit meinem linken Arm des Gegners rechten Oberarm klammere
und ihn rückwärts schiebe. Sobald der Gegner den geringsten Wider-
stand entgegensetzt und sich mit dem linken Bein dagegenstemmt, ist
sein rechtes Bein etwas entlastet; ich schlage mit meiner linken Fuß-
sohle des Gegners rechtes Bein von außen nach innen weg und bringe
den Gegner zu Fall.

91
,

Achselwurf
Ich fasse mit meiner rechten Hand des Gegners linkes Handgelenk,
unterlaufe ihn plötzlich und umklammere mit meinem linken Arm des
Gegners linken Oberschenkel (von vorn zwischen die Beine fassend),
stecke meinen Kopf unter seiner linken Achselhöhle durch (Abb. 116)
und hebe den Gegner sofort vom Boden. Dann gehe ich auf mein rechtes
Knie nieder, worauf ich den Gegner nach vorne über meinen Kopf
niederwerfe.

Amerikanischer Beingriff
Ich fasse mit meiner linken Hand um des Gegners Genick, trete einen
Schritt nach rechts und falle auf meine beiden Knie, dabei den Gegner
mitreißend (Abb. 117). Der Gegner wird auf diese Weise gezwungen,
mit seinem rechten Bein in der Richtung zu mir einen Schritt auszu-
führen. Bevor er jedoch seinen rechten Fuß wieder auf die Matte setzt,
fasse ich mit meiner rechten Hand von innen her seine rechte Ferse,
ziehe sein Bein weg (Abb. 118) und bringe den Gegner mit der Fesselung
an seinem Genick zu Fall.

92
Abb. 119

Die Wendegriffe
werden wie im Griech.-Röm. Stil ausgeführt, mit dem möglichen Unter-
schied, daß die Griffe evtl. auch aus der tiefen Kampfstellung aus-
geführt und mit Beinstellen verbunden werden können (Abb. 119 und
120).
Auch muß der Angreifer, der seinen Gegner von hinten faßt, in
Betracht ziehen, daß dieser bei seinen Gegengriffen auch am Bein fassen
kann (Abb. 121 und 122).

Abb. 121 Abb. 122 Abb. 123

Um dies zu verhindern, muß der Gegner entweder zu Boden gerissen


oder durch Spaltgriff rückwärts überstürzt werden. Ich umklammere,
hinter dem Gegner kniend, mit meinem linken Arm des Gegners linken
Oberschenkel. Mit der rechten Hand fessele ich des Gegners rechten
Oberarm und überstürze ihn rückwärts über mein ausgestelltes Bein
(Abb. 123).

93
Beinschere
Ich fasse mit meiner
rechten Hand des Geg-
ners linken Oberarm von
unten her (die Hand-
fläche zeigt zum Geg-
ner), mache einen Satz
zum Gegner hin und
setze mich so auf des
Gegners linken Fuß, daß
dieser zwischen meinen

^ / ^
Abb. 125 s S Beinen eingeklemmt ist.
Ich reiße den Gegner an
seinem gefesselten Arm
an, bringe ihn durch
einen Beinschlag in seine
Kniekehle (Scherenbewe-
gung, Abb. 124) in die
Bauchlage.

2. BODENKAMPF-OBERLAGE
Dem Ringer in der Oberlage stehen im Freistil weit wirkungsvollere
Griffe zur Verfügung als im Griech.-Röm. Stü. Durch Fesselung an
den Beinen und durch die Arbeit mit den Beinen werden Griffe und
Griffkombinationen ermöglicht, bei denen eine Brücke des Gegners so
gut wie ausgeschlossen ist. Allerdings erfordern diese Beingriffe ein
ausgiebiges Üben, um eine unbedingte Präzision zu erlangen.
Für den umgeschulten Griech.-Röm.-Ringer sind insbesondere die
Gegengriffe wichtig, die er auszuführen hat, wenn der Gegner ihn aus
der Unterlage angreift.
Es gibt eine Anzahl Griffe von der Oberlage aus, die insbesondere
dann wirkungsvoll durchgeführt werden können, wenn der Untermann

94
einen Griff am Bein anzuwenden versucht. Je nachdem, wie der Unter-
mann eines oder beide Beine angreift, muß der Obermann den geeigneten
Gegengriff anwenden.
Bauchwende
(Parade auf Doppelbeinzug)
Greift der Gegner als Untermann von vorne an, indem er mit seinen
beiden Armen meine Oberschenkel umklammert (sein Kopf ist zwischen

Abb. 127

meinen Beinen), so beuge ich mich als Obermann weit über den Gegner,
halte mich an seinem Fuß am Knöchel fest und stemme mich mit aller
Gewalt gegen seinen. Griff (Abb. 125). Wenn des Gegners Druck den
Höhepunkt erreicht, löse ich meinen Griff an seinem Fuß, gehe in die
vom Gegner angestrebte Zugrichtung, wobei ich mich aber kraftvoll
in die Bauchlage (Abb. 126) drehe, mit meinem Oberschenkel den Gegner
in die Rückenlage zwingend. Sobald er in die Rückenlage kommt, drücke
ich mit meinem Gesäß gegen seinen Kopf und verhindere so die Brücke
(Abb. 127).

Spaltwende

Umklammert der Untermann von vorne mir nur ein Bein, mit seinem
Kopf seitlich bleibend, so beuge ich mich als Obermann weit über den
Gegner, lege meine Hand auf der Seite, auf welcher er angreift, aus-
gedreht auf sein Gesäß und fasse mit meiner anderen Hand von unten
her, zwischen seinen Beinen durch, meine Hände zusammen. Mein freies

95
Bein wird ausgestützt,
ich setze mich (Abb. 128)
und überstürze den Geg-
ner, indem ich nach hin-
ten falle. Ich drehe mich
in die Bauchlage, klam-
mere (Schere) des Geg-
Abb. 129 ners Arm, behalte meine
Hand zwischen des Geg-
ners Beinen und ver-
hindere, daß er sich aus
der Brücke herausdrehen
kann.

Armschere
mit Halbnelson
Dieser Griff ist sowohl
als P a r a d e , wie auch
als A n g r i f f anwend-
bar. Als P a r a d e , wenn
der Untermann mir als
Abb. 130 Obermann zwischen
meine Beine greift und
entweder mein rechtes
oder mein linkes Bein
umklammert; oder als
A n g r i f f , wenn ich als
Obermann, links vom
Gegner kniend, mit mei-
nem linken Bein seinen
linken Arm weghake und
meine Beine kreuze, wo-
Abb. 131 durch des Gegners Arm
festgeklammert wird.
Zugleich drücke ich als
Obermann mit .meiner linken Hand des Gegners Kopf herunter, fasse
mit meiner rechten Hand unter seiner Achselhöhle durch zu meiner lin-
ken Hand und drücke durch diesen Genickhebel des Gegners Kopf nach
unten (Abb. 129), wobei ich mit meiner rechten Hand in Halbnelson
rutsche. Ich als Obermann stütze mich auf meine linke Hand (lege
mich aber unter keinen Umständen in die Bauchlage) und zwinge den
Gegner zu einem Überschlag. Durch die Hebelwirkung (Halbnelson)
einerseits und durch meinen Gegendruck mit meiner Hüfte anderer-
seits wird der Gegner auf die Schultern gezwungen.

96
Aufreißer mit Doppelbeinzug
Umklammert der Untermann mit seinem linken Arm von innen her
meinen rechten Oberschenkel, während ich links von ihm knie, so
übersteige ich mit meinem freien linken Bein des Gegners Körper (um-
gekehrter Reitsitz), strecke mein Bein unter des Gegners rechte Achsel-
höhle und fasse mit meiner rechten Hand des Gegners linkes Bein an
den Fesseln, liege also zum Gegner in umgekehrter Richtung. Ohne eine
Pause entstehen zu lassen, werfe ich mich nach der rechten Seite des
Gegners, reiße ihn mit meinem angewinkelten rechten Bein energisch
mit nach rechts, indem ich mich auf meinen linken Ellenbogen aus-
stütze, reiße mit meiner rechten Hand des Gegners linkes Bein hoch
(Abb. 130) in Richtung seines Kopfes und bringe ihn so auf die Schultern
oder zumindest in die Brücke. Um die Wucht des Falles zu erhöhen,
muß ich mein rechtes Bein kurz vor dem Aufschlag auf der Matte
strecken.
Parade auf Doppelbeinzug
Klammert der Untermann mich, wenn ich mich über ihm im Reitsitz
befinde, mit seinem Arm oder mit beiden Armen und zieht mich seitlich
oder nach hinten, so muß ich mich stets auf meine Ellenbogen stützen;
ich darf nicht in die Brückenlage gehen. Hält der Untermann mit seinem
Angriff einen Augenblick inne, so setze ich den linken Oberarm an des
Gegners rechte Schläfe und drücke ihn nach der linken Seite (Abb. 131),
greife mit meinem rechten Arm unter des Gegners rechten Arm und
ziehe diesen mit Zuhilfenahme meines linken Armes auf meine Brust.
Mit meinem rechten von des Gegners Fesselung nun befreitem Bein
hake ich unter seinen linken Oberschenkel (Abb. 132), mit meiner rechten
Hand greife ich unter des Gegners rechten Oberarm Halbnelson. Die

weitere Handlung hängt von des Gegners Verhalten ab. Löst er die
Fesselung an seinem linken Oberschenkel, so wird sein Körper von
meinem Bein abgeschüttelt, oder durch die Fußhakelung mit meinem
rechten Bein abgehoben und ich vervollständige die Fesselung aus
der Bauchlage. Hält der Gegner die Fesselung an meinem linken Bein
? 97
aufrecht, so gebe ich die Ha-
kelung am Bein auf, mit
Hilfe meines rechten Beines
rolle ich den Gegner nach
links in die Bauchlage und
drücke ihn durch den Halb-
nelson auf die Schultern.
Auch kann ich des Gegners
rechten Arm strecken und
mich drauflegen. Die Brücke Abb. 133

wird verhindert, wenn


ich des Gegners Kopf an
meine Brust zieh.
Abb. 134
Kanadanelson
Ich steige (aus dem Reitsitz) erst mit dem linken Bein von vorne her
weit zwischen die Beine des Gegners, hiernach mit meinem rechten Bein
ebenfalls so weit wie möglich und bringe ihn durch Streckung meiner
Beine und Hochziehen seiner Arme in die Bauchlage (Abb. 133).
Durch Strecken meines rechten Beines schüttle ich des Gegners rechtes
Bein ab und hake mit meinem linken Fuß seinen rechten Oberschenkel.
Zugleich fasse ich mit meiner rechten Hand unter des Gegners Ober-
arm durch zu meiner linken Hand, die ich mit der Handfläche nach oben
auf des Gegners Kopf liegen habe und rutsche in den Halbnelson
(Abb. 134). Auf diese Weise setze ich zwei Hebel an, die in entgegen-
gesetzter Richtung wirken. Um den Griff nicht schmerzhaft zu ge-
stalten, löse ich die Fesselung an seinem Bein und drehe den Gegner
mittels Halbnelson (zwischen meinen Beinen) in die Rückenlage (Abb. 135).
Sollte er in Brücke
gehen, so fessele ich __
ihn mit meinen Füßen *^r—— i •-^^*CL~ V
an seinem Knöchel. x > w vi-.
Durch Streckung mei-
ner Beine und Hoch-

Abb. 135

ziehen seines Kopfes


drücke ich des Gegners
Brücke ein (Abb. 136).

Abb. 136
96
Antiknelson
Links vom Gegner
steige ich mit meinem
linken Fuß zwischen des
Gegners Beine und
hake sein linkes Bein
an den linken Knöchel.
Mein rechtes Bein bleibt
als Stütze auf der Seite,
auf der ich mich be-
finde. Ich lege mich
über des Gegners Rük-
ken nach seiner rech-
ten Seite, hake mit
meinem linken Arm
von unten her seinen
rechten Arm in der
Armbeuge und reiße
den Gegner nach der
linken Seite (Abb. 137).
Des Gegners gefessel-
ter Arm wird mit Hilfe
meiner rechten Hand
hinter meinen Kopf ge-
schoben, so daß ich
darauf zu liegen komme
(Abb. 138). Die Fesse-
lung an seinem Fuß
behalte ich bei und —
um eine Brücke zu ver-
hindern — ziehe seinen Kopf mit mei-
nen beiden Händen an meine Brust.
Zieht der Gegner, nachdem ich mit
meinem linken Arm des Gegners
rechten Arm eingehakt habe, so stütze
ich die rechte Hand in die Zug-
richtung aus, um in die Sitzlage zu
kommen. Hiernach wende ich mich
— die Hakelung am Arm beibehal-
tend — nach der linken Seite und
erreichedadurch die gewünschteLage.
Gelingt es mir nicht, mit meinem
Arm des Gegners rechten Arm von
unten her einzuhaken, so löse ich die
Fesselung mit dem linken Fuß an
des Gegners Knöchel und hake da-
für das eigene Bein im Kniegelenk.

7*
Mit dieser Fesselung, die wir
als „türkische Beinschere"
bezeichnen, werfe ich mich
mit dem ganzen Körper nach
des Gegners rechter Seite
und bringe ihn dadurch in
die seitliche Sitzlage.
Durch Fassen eines Ham-

^nd^L^J- merlocks an des Gegners


linkem Arm oder durch
einen Genickhebel von seiner
linken Seite her wird der
Gegner in die Brücke oder
Abb. 140 auf die Schulter gebracht.

Schiebkarrengriff
Zwischen des Gegners Beinen kniend, umklammere ich seine beiden
Oberschenkel und stehe auf (Abb. 139). Nach ein bis zwei Schritten vor-
wärts falle ich plötzlich nach hinten auf eine Seite. Dadurch wird der
Gegner in die Bauchlage gezogen. Ich übersteige seinen Körper mit
einem Bein, wende dabei den Gegner, setze mich auf seine Brust und
ziehe seine Beine in Richtung seines Kopfes.
Der Griff kann auch aus der knienden Lage ausgeführt werden, nur
muß der Gegner in der Bauchlage liegen, wenn ich seinen Körper über-
steige (Abb. 140).
Die Zange
Links vom Gegner kniend, umklammere ich mit meinem rechten Arm
sein linkes Bein im Kniegelenk, ziehe sein umklammertes Bein in Rich-
tung seines Kopfes und gehe dabei nach links in die Sitzlage. Des
Gegners Kopf wird unter meine linke Achselhöhle genommen und meine
rechte Hand faßt mein linkes Hand-
gelenk vor des Gegners Brust. Er
wird nach vorne überstürzt (über-
rollt) und wenn möglich sein rechtes

Abb. 142

100
Bein von meinem
rechten Bein gehakt,
um eine evtl. Brücke
zu verhindern (Ab-
büdung 141).
Die Zange kann
auch bei tief angrei-
fendem Gegner an-
gesetzt oder als Ab-
wehr gegen Beingriff
angewandt werden
(Abb. 142).
Kopfdurchzug
Ich lege, links vom
Gegner kniend, meine
linke Hand mit nach
oben gerichteter
Handfläche auf des
Gegners Hinterkopf,
greife mit meiner
rechten Hand unter
des Gegners Körper
durch und fasse meine
beiden Hände zusam-
men (Abb. 143). Mein
Bein auf des Gegners
Seite strecke ich aus
und verlege, wenn
möglich, die Fesse-
lung nach seiner lin-
ken Gesichtshälfte, so
daß mein rechter Arm
weit über seinem Kopf liegt. Ich ziehe mein ausgestrecktes Bein an und
setze es zwischen die Beine des Gegners, worauf ich sein linkes Bein
in Richtung seines Kopfes und seinen Kopf in Richtung seines linken
Knies ziehe, bis der Gegner vornüber auf die Schulter gerollt ist.

Spaltgriff
Ich fasse, links vom Gegner kniend, mit meiner linken Hand von vorne
her zwischen des Gegners Beinen durch zu dessen rechtem Bein.Zugleich fasse
ich auch mit der rechten Hand von hinten her des Gegners rechtes Bein
(Abb. 144) und bringe ihn durch Körperdruck nach rechts in 'die Sitzlage.
Hierauf fasse ich mit der rechten Hand von vorne zwischen des
Gegners Beinen weit bis zu dessen Rücken durch (Abb. 145). Die weitere
Ausführung des Griffes hängt vom Verhalten des Gegners ab, da ich
nun mit der linken Hand Hammerlock. Armdurchzug, Halbnelson fassen
und den Gegner seitlich überrollen oder überstürzen kann.

101
Beinschraube
Links vom Gegner kniend, der in der Bauchlage liegt, fasse ich mit
meiner rechten Hand unter des Gegners linkem Bein durch zu seinem
rechten Bein, schiebe sie übereinander und kreuze sie (Abb. 146). Die

erzielte Kreuzung halte ich mit meiner linken Hand fest, lege des
Gegners gestrecktes rechtes Bein in meine rechte Armbeuge und fasse
mit meiner rechten Hand seine linke Ferse. Nun fasse ich Hammerlock,
Halbnelson oder einfach seinen Kopf und rutsche mit meinen Knien unter
den Gegner (Abb. 147) und überstürze ihn (mit meinem rechten Bein
nachhelfend) nach vorne links.

102
3. BODENKAMPF-UNTERLAGE
Griffe aus der Unterlage im Freistil
Wenn auch beim Freistil die Griffe des Gegners aus der Oberlage
gefährlicher sind als im Griech.-Röm. Stil, so ist dies ein Grund mehr,
die Griffe aus der Unterlage zu beherrschen, um des Gegners Griffen
eine erhöhte Aktivität entgegenzusetzen. Neben den hier beschriebenen
Griffen können alle beim Griech.-Röm. Stil angeführten Griffe mit
Erfolg angewendet werden. Beim Einnehmen der Unterlage im FreistU
ist es gut, wenn der Untermann auf dem Fußrist sitzt, um dem Angreifer
möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
Armzug mit Beinheben und mit Beinhaken
Beim Freistil kann der Armzug mit Unterstützung der Beine aus-
geführt werden. Gelingt es mir, mit dem linken Fuß zwischen des
Gegners Beine zu kommen, so fasse ich mit meiner rechten Hand des
Gegners rechtes Handgelenk und ziehe einen Armzug, hebe mit dem Rist
meines linken Fußes des Gegners linkes Bein und bringe ihn in die
Brücke (Abb. 148).
Statt daß ich des Gegners linkes Bein hebe, kann ich sein rechtes
Bein haken und ihn in die Brücke ziehen (Abb. 149). Gelingt es mir,
sein gehaktes Bein hochzureißen und mit meiner freien Hand zu fassen,
so ziehe ich es in Richtung seines Kopfes.
Armstützgriff aus der Unterlage
Greift mich der Obermann von meinem Kopfende her an, so täusche
ich als Untermann einen Angriff auf seine Beine vor. In Sorge um seine
Beine, streckt sie der Obermann aus und achtet deshalb zu wenig auf
seine Arme. Sobald sein Arm oder seine beiden Arme von mir
geklammert werden können (Abb. 150), führe ich den Armstützgriff aus.
Parade auf Beingriff (Ausheber)
Umklammert der Angreifer aus der Oberlage, links von mir kniend,
mit seinem rechten Arm meinen linken Oberschenkel und steht mit

103
Abb. 151 Abb. 152

dieser Fesselung auf, um einen Überstürzer oder dergleichen an Hin-


auszuführen, so fasse ich mit meiner rechten Hand des Angreifers linke
Ferse und bringe ihn so zu Fall (Abb. 151).

Durch Beingriff in die Oberlage (Beinwende)


Gelingt es mir, als Untermann mit meiner Hand überraschend von
außen her des Gegners Bein an den Fersen zu ergreifen, so kann ich
durch Hochreißen des Beines den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen
und mich in die Oberlage wenden (Abb. 152).

VII. E N T W I C K L U N G S M Ö G L I C H K E I T E N
DES D E U T S C H E N R I N G K A M P F S P O R T E S
Der deutsche Ringkampfsport ist durch den zweiten Krieg, durch die
darauffolgende Not und nicht zuletzt durch die F e h l e r der Vergangen-
heit auf dem tiefsten Punkt seiner Entwicklung angelangt. Krieg und
Not abzuwenden, stand leider nicht in unserer Macht, aber die Fehler
hätten bei etwas Weitblick unserer Führung bestimmt vermieden
werden können. Die größte Schuld der verantwortlichen Männer in der
Vergangenheit war, daß zu keiner Zeit ernsthafte Versuche unter-
nommen wurden, unseren Sport der modernen Entwicklung anzupassen.
So wurden niemals ernstliche Ansätze zu einer planmäßigen Erziehung
und ringerischen Schulung unserer Jugend unternommen. Die Tätigkeit
der Funktionäre, angefangen vom Verein bis hinauf zum Verband,
erschöpfte sich in der „Organisation", in der „Verwaltung", in der
Erledigung der laufenden Geschäfte und oft im Kampf u m die Behaup-
tung der eigenen Position. Dementsprechend wurden auch die ein-

104
Übersichtstabelle der weitbesten Ringer vom Jahre 1 8 9 6 — 1 9 2 0

Mittelgewicht A Mittelgewicht B
Jahr Stadt Art Stil Fliegengewicht Bantamgewicht Federgewicht Leichtgewicht Weltergewicht Schwergewicht
Mittelgewicht Halbschwergew.

1896 Athen Oly. Griech./Röm. Schumann D.


1898 Wien E. M. Griech./Röm. Hackenschmidt R.
1902 Haag E. M. Griech./Röm. - H. Egeberg Dk.
1903 Rotterdam E. M. Griech./Röm. G. Fristensky A.
1904 St. Louis Oly. Freistil Curry — U S . N. Mehnert US. Niflot — U S . Bratshaw US. Roehm US. Erickson US.' Hansen US.
1904 ' Wien W. M. Griech./Röm. Ahlquist Dk. R. Arnold A.
1904 Amsterdam E. M. Griech./Röm. I. Ploeger de
Reyp NL.
1905 Duisburg W.M. Griech./Röm. Th. Eckert D. W. Diefiner D. W. Weckmann D.
1905 Amsterdam E. M. Griech./Röm. F. Blonner D.
1905 Berlin W.M. Griech./Röm. Th. Schibilsky D. j A. Hein D. S. M. Jensen Dk.
1906 Athen Oly. Griech./Röm. R. Watzl A. W. Weckmann SF. S. M. Jensen Dk.
1906 Haag E. M. Griech./Röm. . W. van Veen NL. F. Togni NL. H. Rondi D.
1907 Frankfurt/M. W. M. Griech./Röm. U. Volkert D. H. Christensen Dk. H. Egeberg Dk.
1907 Kopenhagen E. M. Griech./Röm. G. Malmström S. S. M. Jensen Dk.
1907 Wien E. M. Griech./Röm. A. Schmitz A.
1908 London Oly. Freistil N. Mehnert US. S. Dole — US. G. de Relwyskow Y. Bacon E. C. O'Kelly E.
GB
1908 London Oly. Griech./Röm. E. Porro I. F. Mortenson S. W. Weckmann Fl. R. Weiss U.
1908 Wien W.M. Griech./Röm. R. Diry A. H. Egeberg Dk.
1909 Wien W.M. Griech./Röm. A. Toduscheek A. A. Schmitz A.
1909 Malmö E. M. Griech./Röm. G. Malmström S. F. Mortenson S. H. Christensen Dk. H. Egeberg Dk:
1909 Dresden E. M. Griech./Röm. E. Hegewald D. Th. Schibilsky D. , E. Hartl D. "- H. Egeberg Dk.
1910 Düsseldorf W.M. Griech./Röm. - K. Wemecke D Altroggen D. Buchholz D. G. Sperling D.
1910 Budapest E. M. Griech./Röm. M. Beskow D. [. W. Westeroop H. Egeberg Dk.
NL.
1911 Stuttgart W.M. Griech./Röm. . H. Lachnit D. J. Höger D. W. Wied D. J. Neser D.
1911 Berlin W.M. Griech./Röm. E. Kokol D. A. Frank S. K. Paulini D. A. Järvinen SF.
1911 Dresden W.M. Griech./Röm. Walter D. G. Heigert D. H. Christensen Dk. H. Gäfiler D.
1911 Wien W.M. Griech./Röm. H. Raufi A. K. Kokotowitsih A. H. Christensen Dk. T. Fischer U.
1911 Budapest E. M. Griech./Röm. Ruzieska U. H. Christensen Dk. S. M. Jensen Dk.
1912 Stockholm Oly. Griech./Röm. K. Koskelo SF. E. Väre SF. C. Johansson S. 2. A. Ahlgreen* S. T. Saarela SF.
2. J. Boehling* SF.
1912 Wien E. M. Griech./RÖm. J. Müller PI. O. Kaplur R. Trestler A. K. Bauernfeind A
1912 Budapest E. M. Griech./Röm. Pollak U. Ö. Radväny U. E. Väre SF. B. Targa U. T. Fischer U.
1913 Breslau W.M. Griech./Röm. E. Hegewald D. G. Baumann R. E. E. NilssoB S. A. Ahlgreen S.
1913 Budapest E. M. Griech./Röm. A. Szoszky U. Ö. Radväny U. C. Johansson S. B. Varga U. A. Ahlgreen S.
1914 Wien E. M. Griech./Röm. | N. Breznotics U U. Wickström SF. Ruziczka U. J. Boehling SF. Brosch A.
1920 Antwerpen Oly. Freistil E. Ackerley US. K. Anttila SF. E. Leino SF. A. Larson S. R. Roth SU.
1920 Antwerpen Oly. Griech./Röm. O. Friman SF. E. Tare SF. C. Westergren S. C. Johansson S. A. Lindfors SF. .

kein Olympiasieg
A. =- Austria (Österreich), B. = Belgien, C S . = Tschechoslowakei, D. = Deutschland, Dk. Dänemark, Est. = Estland, ET. = Ägypten, F. = Frankreich, GB. = Grofi-
britannien, I. = Italien, Le. = Lettland, NL. = Niederlande, R. Rußland, S."=~ Schweden, SF. = Finnland,
Pimnlsn/l SU.
SIT = Schweiz,
Si^wni? TR.
TR = T
Türkei,
ürkei,'U
IT.. = Ungarn,
llntrarn. US.
IIS. = Vereinigte
Staaten von Amerika.
Übersichtstabelle der weitbesten Ringer vom Jahre 1920 — 1 9 5 1

Mittelgewicht A Mittelgewicht B
Jahr Stadt Art Stil Fliegengewicht Bantamgewicht Federgewicht Leichtgewicht Weltergewicht Schwergewicht
Mittelgewicht Halbschwergew.

- .
1920 Wien W.M. Giiech./Rom. F. Reitmeier D. ! Ö. Radväny U. U. Fischer A. Heini A. H. Bock D.
1921 Helsinki W.M. Griech./Röm. U.Ikonen SF. K. Anttila SF. ; O. Friman SF. . T. Tamminen SF. E. Rosenqvist SF. J. Salila SF.
1921 Offenbach E.M. Griech./Röm. I. Andersen D. F. Eichblatt D. H. Ketzer D. W. Knöpfle D. K. Doppel D.
1922' Stockholm W.M. Griech./Röm. Svensson S. K. Anttila SF. E. Westerland SF. K. Westergren S. W. Rosenqvist SF. E. Nilsoon S.
1924 Paris Oly. Freistil jK. Pihlajamäki Reed US. ; Vis US. E. Gehri SU. Haggmann SU. Spellman US. Steele US.
SF.
5924 Paris Oly. Griech./Röm. j E. Pütsepp Est. K. Anttila SF. O. Friman SF. E.Westerlund SF. K. Westergren S. J. Deglane F.
1924 Neunkirche a E.M. Griech./Röm. K. Gerstacker ! W. Huck D. K. Völklein D. H. Baruch D. F. Bräun D. E. Bräuer D. F. Mu£ D.
U. ]
1925 Mailand E. M. Griech./Röm. | J A. Magyar U. Németh U. \ L. Keresztes U. F. Bräun D. C. Westergren S. R. Svensson S.
1926 Riga • E. M. Griech./Röm. S.Hansson S. V. Väli Est. • H. Petersson S. ' J. Jakobsen S. R. Rupp D. G. Gehring D.
1927 Budapest E. M. Griech./Röm. i G. Gozzi I. V. Väli Est. E. Sperling D. L. Papp U. N. Szabo C S . R. Bado U.
1928 Amsterdam . Oly. Freistil ; K. Mäkinen SF. A. Morrison US. O. Kapp Est. A. Haavisto SF. E. Kyburz SU. T. Sjöstedt S. J. Richthoff S.
1928 Amsterdam Oly. Griech,/Röm. K. Leucht D. V. Väli Est. L." Keresztes U. V.'Kokkinen SF. I. Mustafa ET. R. Svensson S.
1929 Paris E. M. Freistil • Mollin B. Rottenfluc B. E. Malmberg S. H. Roosen B. Söderquist S. Aeschlimann SU. J. Richthoff S.
1929 Dortmund E. M. Griech./Röm. j SL Marti nsenN. F. Hernström S. E. Sperling D. J. Tunyoghi U. O. Pellinen SF. G. Gehring D.
1930 Brüssel E. M. Freistil Mollin B. Tasnädy U. U. Karpäty U. H. Roosen B. Gehri SU. Söderquist S. J. Richthoff S.
1930 Stockholm E. M. .Griech./Röm. ! H. Tuvesson S. K. Pihlajamäki SF. E. Malmberg S. M. Nordling SF. V. Kokkinen SF. C. Wiestergren &'. J. Richthoff S.
1951 Budapest E. M. Freistil ö . Zombory U. K Pihlajamäki SF. Minden SU. J. Földeak D. E. Kyburz SU. Tunyoghy U- Bürki SU.
1931 Prag • E. M. Griech./Röm. i H. Tuv.esson S. K. Pihlajamäki SF. E. Sperling D. M. Nordling SF. J. Johansson S. O. Pellinen SF. C Westergren S.
1932 Los Angeles Oly. . Freistil ! E. Pearce US. K. Pihlajamäki SF. C. Pacome- F. J. van Bebber US. J. Johansson S. J. Mehringer US. J. Richthoff S.
1932 Los Angeles Oly. Griech./Röm. -'. 1 J. Brendel D. Gozzi I. E. Malmberg S. J. Johansson S. V. Kokkinen SF. R. Svensson S. K. Westergren S.
1933 Paris E.M. Freistil 1 Ü. Zombory U. F. Toth U. Perret SU. J. Földeak D. Jourlin F. L. Papp U. Bürki SU.
1933 Helsinki ' E. M. Griech./Röm. Ö. Zombory U. K. Pihlajamäki SF. A. Reini SF. M. Nordling SF. A. Cadier S. R. Svensson S. K. Hornfischer D.
1954 Stockholm E.M. Freistil M.,Lörincz U. K. Pihlajamäki SF. W: Ehrl D. J. Földeak D. J. Johansson S. Fridell S. Sjöstedi S.
1934 Rom E. M. * Griech./Röm. ! H. Tuvesson S. K. Pihlajamäki SF. A. Reini SF. G. Glans S. J. Johansson S. E. Bietags Le. K. Hornfischer D.
1935 Brüssel E.M. Freistil i Nizzola I. K. Pihlajamäki SF. K. Karpäiy U. Andersson S. J. Johansson S. E. Viräg U. Haeggeli SU.
1935 Kopenhagen E.M. Griech./Röm. H. Tuvesson S. S. Hering D. L. Koskela SF. R. Svedberg S. J. Johansson S. A. Cadier S- K. Hornfischer D.
1956 Berlin Oly. Freistil ö . Zombory U. K Pihlajamäki SF. K. Karpäty U. F. Lewis- US. Poilue F. Fridell S. K. Palusalu Est.
1936 Berlin Oly. Griech./Röm. M. Lörincz U. -Y. Erkan TR. L. Koskela SF. R. Svedberg S. J. Johansson S. A. Cadier S. K. Palusalu Est.
1937 München E.M. Freistil J. Brendel D. F. Toth U. H. Nettesheim D. F. Schäfer D. J. Johansson S. A. Cadier S- K. Hornfischer D.
1937 ' Paris - E.M. Griech./Röm. Perttunen SF. K. Pihlajamäki SF. L. Koskela SF. F. Schäfer D. J. Johansson S. N.'Akerlindh S. K. Palusalu Est.
1938 Tallinn. E.M. Griech./Röm. Perttunen SF. K. Pihlajamäki SF. L. Koskela SF. F. Schäfer D. J. Johansson S. A. Cadier S- J. Kotkas Est.
1939 •• Oslo E.M. Griech./Röm. K. Kiisseli SF. K. Pihlajamäki SF. j G. Andersson S. F. Schäfer D. J. Johansson S. N. Akerlindh S. J. Kotkas Est.
1946 Stockholm E.M. Freistil L. Viitala SF. L. Biringer U. G. Bilge TR. \ C. Atik TR. Y. Dogu TR. E. Virtanen SF. B. Fahlquist S. B. Antonsson S.
1947 Prag E. M. Griech./Röm. B. Sundin S; M. Hassan ET. O. Anderberg S. j G. Frändfors S. Y. Dogu TR. N. Bjelov R. Koberidze R. J. Kotkas R.
1948 London Oly. Freistil L. Viitala SF. N. Akar TR. G. Bilge TR. C. Atik TR. Y. Dogu TR. G. Brand US. H. Wittenberg US. G. Bobrs U.
1948 London Oly, Griech./Röm. P. Lombardi I. K.Petersen S. M. Oktav TR. ; G. Frej S. G. Andersson S'. R. Grönberg S. K. Nilsson S. A. Kirecci TR.
1949' Istanbul E. M. Freistil A. Yücel TR. N. Akar TR. N. Zafer TR. S. Meric TR. C. Atik TR. Y. Dogu TR. A. Candemir TR. B. Antonsson S.
' 1950 Stockholm W.M. Griech./Röm. B. Johanssons. M. Hassan ET. O. Anderberg S. j J. Gal U. M. Samanainen SF. A. Grönberg S. M. Candas TR. B. Antonsson S.
1951 Helsinki W.M. Griech./Röm. A. Yücel TR. N. Akar TR. N. Zafer TR. O. Anderberg S. C. Atik TR. H. Zafer TR. Y. Dogu TR. B. Antonsson S.
genommenen Gelder für Sitzungen, Aufwandsentschädigungen und für
Geschäftsführung verbraucht; für Lehrgänge und Trainer hatte man so
gut wie nichts übrig.
Dieses betrübliche Bild änderte sich auch im „Dritten Reich" nicht.
Wenn auch für das Ringen gleich zwei Trainer angestellt wurden, so
dienten die durchgeführten Lehrgänge doch nur zur Förderung der Spit-
zenleistungen. Eine planmäßige Ausbildung der Übungsleiter für Gaue
und Vereine wurde nicht mit dem nötigen Nachdruck in Angriff genom-
men, obwohl gerade damals dazu Gelegenheit gewesen wäre.
Durch das Fehlen von geschulten Übungsleitern und Trainern ist
unserem Sport eine nie wiederkehrende Gelegenheit, Volkssport zu
werden, verlorengegangen. Als man den Ringkampf zum Pflichtsport
der Jugendorganisationen erklärte, konnten wir für die Durchführung
dieses Programms keine Übungsleiter zur Verfügung stellen. Durch
diesen unverzeihlichen Fehler ist der Zugang an Nachwuchs stark ge-
drosselt worden, was seinerzeit weniger ins Gewicht fiel, sich jedoch
auf unsere heutige Stärke sowohl zahlenmäßig, " wie auch qualitativ
verhängnisvoll auswirkt. Die Folge dieser Entwicklung war eine über-
altete Spitzenschicht nach dem zweiten Weltkrieg; es war die denkbar
schlechteste Ausgangsstellung für unsere internationalen Starts.
Aber auch den nun zaghaft heranwachsenden Jahrgängen fehlt die
Grundlage dafür, den Vorsprung der anderen Nationen in absehbarer
Zeit einzuholen. Man kann im Zeitalter der modernen Sportwissenschaft
die Jugend nicht mit v e r a l t e t e n M e t h o d e n heranziehen und von
ihr dann Leistungen erwarten, die sie unmöglich erfüllen kann. Selbst
wenn wir nicht die Absicht hätten, an unsere früheren internationalen
Erfolge anzuknüpfen, so muß der deutsche Ringkampfsport doch einer
Reorganisation unterworfen und modernen Gesichtspunkten angepaßt
werden, wenn die Arbeit der zahllosen Idealisten einen sichtbaren Erfolg
zeitigen und der Ringkampf nicht zu den bedeutungslosesten Sportarten
herabsinken soll.

Die Bildung eines Ausbildungsstabes


Der erste Schritt auf dem Wege zu einer neuen Entwicklung ist die
Bildung eines A u s b i l d u n g s s t a b e s aus den L a n d e s t r a i n e r n
der Länder. Jedes Land verpflichtet zwei bis drei talentierte Übungs-
leiter als Landestrainer, die in regelmäßig stattfindenden Zentrallehr-
gängen eine gründliche Ausbildung erhalten.
Die Landesverbände sorgen dafür, daß die ausgebildeten Landes-
trainer den Vereinen recht ausgiebig zur Verfügung stehen. Die Vereine
ihrerseits müssen in ihrem eigensten Interesse dafür sorgen, daß sie
einen Übungsleiter ausfindig machen, der die Fähigkeit hat, sein erwor-
benes Wissen und Können der Vereinsjugend weiterzugeben. Für die
Erfüllung dieser wichtigen Aufgabe müssen die Vereine ein kleines
Opfer in Form einer „Aufwandsentschädigung" für ihren Übungsleiter

105
bringen. Wenn andere Sportarten einen Sportlehrer mit Gehalt ver-
pflichten können, dann muß auch bei uns zum mindesten diese Aufwands-
entschädigung für die fachgemäße Schulung und Betreuung der Vereins-
jugend aufgebracht werden.

Vorbildliche Ubungsstä-tten
Mit der Planmäßigkeit der Übungsstunde muß auch die entsprechende
Gestaltung des Ü b u n g s l o k a l s oder der Übungshalle Schritt halten.
Umkleideraum, Ubungslokal und die M a t t e n d e c k e müssen peinlichst
sauber und vor allem staubfrei sein. Vor allen Dingen muß die Matten-
decke von Zeit zu Zeit gereinigt werden, um so die Übertragung von
Hautkrankheiten zu vermeiden. Genau so dringend wie eine Matte, ist
die Errichtung einer Bade- oder Waschgelegenheit, um die sich der
Verein unbedingt bemühen muß, damit er seinen Mitgliedern diese
Annehmlichkeit bieten kann. Wie wollen wir neben den einfacheren
Volksschichten auch die besser situierten Kreise mehr als bisher für
unseren Sport interessieren, wenn wir keine dem modernen Sport wür-
dige Übungsstätte schaffen? Nur eine vorbildlich geleitete Übungsstunde
in einem in jeder Weise einwandfreien Ubungslokal kann werbend und
anziehend auf die Jugend wirken und die Eltern davon überzeugen, daß
ihre Kinder bei uns gut aufgehoben sind. Gelingt es uns, die Jugend der
heute dem Ringkampf fernstehenden Kreise zu gewinnen, so kann u n -
ser Sport später viel davon profitieren, wenn diese Jugend einmal ein-
flußreiche Stellungen bezieht.

Reform des Wettkampfbetriebes


Die nächste Forderung lautet: Jeder Ringer muß mindestens jeden
Monat K a m p f g e l e g e n h e i t erhalten. Es ist eine alte Tatsache, daß
durch die gestellte Aufgabe, zu bestimmten Zeitpunkten in Kämpfen
bestehen zu müssen, die Leistungen erhöht und die Ringer zu sportlicher
Auffassung erzogen werden.
Wie aber sind die Aussichten für die Erfüllung dieser wichtigen
Forderung? Solange die M a n n s c h a f t s k ä m p f e in ihrem heutigen
Umfang keine Einschränkung erfahren, kann für die Mehrzahl der
Ringer keine Kampfgelegenheit geschaffen werden, wie auch so manche
Mißstände keine Änderung erfahren können.
Es ist zutiefst bedauerlich, daß gerade die Wettkampfform der Mann-
schaftskämpfe, die sich bei uns in den letzten Jahrzehnten so fest ein-
gebürgert hat, Schuld an der rückläufigen Entwicklung des Ringkampf-
sportes hat. Die Nachteile, die uns die Mannschaftskämpfe gebracht
haben, sind so groß, daß wir uns ernstlich überlegen müssen, ob wir sie
in ihrer heutigen Form beibehalten dürfen. Wir müssen so mutig sein,
wenn wir eine Sache für unseren Sport als nachteilig feststellen, sie
auch zu beseitigen.

106
Der größte Nachteil, den uns die Mannschaftskämpfe gebracht haben,
ist die beschränkte Kampfmöglichkeit für die Mehrzahl unserer Ringer.
Dadurch, daß in den Serienkämpfen von jedem Verein immer nur acht
Mann jahraus jahrein beschäftigt werden können, ist den Vereinen auch
eine zahlenmäßige Entwicklungsmöglichkeit genommen. Was nützt dem
Verein eine zahlenmäßig starke Jugendabteilung und ein zahlreicher
Nachwuchs, wenn doch nur ein geringer Prozentsatz benötigt wird und
Beschäftigung findet?

Die Eigenart der Mannschaftskämpfe läßt auch nicht die Entwicklung


von mehreren guten Ringern in einer Gewichtsklasse zu; sie müssen,
um Kampfmöglichkeit zu erhalten, in andere Vereine abwandern, oder
was noch schlimmer ist, sie kehren unserem Sport den Rücken. Hinzu
kommt noch, daß bei der Aufstellung der Mannschaft nur zu oft aus-
gediente Ringer den strebsamen Nachwuchskräften vorgezogen werden.
Der Ringkampf verliert dadurch viel von seiner Lebhaftigkeit; abgesehen
davon, daß sich die Ringer in der Mannschaft von vornherein auf
„Zweckstil" oder aufs „Punktesammeln" einstellen müssen.

Ein weiterer Nachteil der Mannschaftskämpfe ist, daß sie unseren


Ringern nicht die kämpferischen Eigenschaften geben, die sie für die
Bestreitung internationaler Kämpfe benötigen. Für die Durchstehung
eines Mannschaftskampfes benötigt der Ringer keine gewissenhafte Vor-
bereitung im Training und in der sportlichen Lebensführung und wird
auch deshalb nie zur Härte und Ausdauer erzogen.

Mit der Einführung der Mannschaftskämpfe ist eine grundlegende


Wandlung in der Beurteilung der Leistung auf der Matte eingetreten.
Galt bis dahin der schöne Kampf als erstrebenswert, so ist bei den
Mannschaftskärnpfen das Gesamtergebnis der Mannschaft in der Punkt-
zahl für die Zuschauer und Kämpfer das Wichtigere. Für den Sieg der
eigenen Mannschaft ist man bereit, die größte Unsportlichkeit zu
begehen, wie dies zahllose Beispiele beweisen; bei Einzelkämpfen würde
der Ringer niemals wagen, sich derart unfair zu verhalten. Die Vor-
kommnisse auf diesem Gebiet gehören zu den unrühmlichsten Ab-
schnitten des Ringsports; einige von diesen sind: Tätlichkeiten gegen
Kampfrichter; Machenschaften bei der Aufstellung der Mannschaften und
beim Auswiegen: mangelhafte Gastfreundschaft usw. Durch all diese Vor-
kommnisse werden die Gegensätze unter den Vereinen geschürt und
dauernd vertieft, worunter dann die so nötige Zusammenarbeit leidet.

Warum behaupten die Mannschaftskämpfe trotz dieser Nachteüe ein


derartiges Übergewicht im Ringsport-Frogramm? Weil sie so bequem
gehandhabt werden können! Die Funktionäre haben im Jahr nur einmal
Arbeit mit der Planung und die Vereine sind für das ganze J a h r ver-
sorgt. Aber gerade diese bequeme Handhabung des Sportprogramms
bringt in unsere „Feste" eine gewisse Verflachung, denn sie tötet die

107
eigene Initiative für die Planung und Durchführung propagandistisch
wirkungsvoller Veranstaltungen.
Sollen unsere Ringer in ihrer Gesamtheit die gewünschte kämpferische
Betätigung erhalten, so ist dies nur durch die D r o s s e l u n g oder gar
A b s c h a f f u n g der M a n n s c h a f t s k ä m p f e möglich. Mit dieser
Maßnahme werden sich unter dem Druck der Lage ganz von selbst
andere und bessere Kampfgelegenheiten ergeben und die Vereins- und
Verbandsfunktionäre werden sich Mühe geben müssen, neben wir-
kungsvollen Turnieren und Wettstreiten auch in den übrigen Leistungs-
klassen für Kampfgelegenheiten zu sorgen. Schon die Tatsache,
daß dem Nachwuchs alle Wege zur Entwicklung offenstehen, wird
dem Ringkampfsport in jeder Beziehung einen Aufschwung bringen.
Wenn bei Turnieren und Wettstreiten die Beteiligung heute noch gering
ist und die Zuschauer noch nicht so recht auf den Geschmack gekommen
sind, so ist dies bei der heutigen verfahrenen Lage und der mangel-
haften Organisation verständlich und kann nicht anders erwartet werden.
K a m p f g e l e g e n h e i t e n können allen Leistungsklassen geboten
werden, angefangen von der Klubmeisterschaft über Turniere und Wett-
streite bis zu den Kämpfen um die Meisterschaften. Von allen Kämpfen
sind für die Leistungssteigerung eines Ringers diejenigen die nütz-
lichsten, bei denen zwei, drei oder vier Kämpfe in kürzerem. Zeitabstand
gefordert werden und ihn, zur Hergabe seines ganzen Könnens zwingen.
In dieser Beziehung sind Turniere am wertvollsten und zugleich am
billigsten, da mit einigen Gästen zwei und drei Abendprogramme
bestritten werden können.
Eines soll hier aber auf alle Fälle festgehalten werden: Schweden ist
durch Turniere Ringergroßmacht geworden. Gerade bei schwedischen
Turnieren haben auch Nachwuchsringer die Möglichkeit, gegen inter-
nationale Gäste zu kämpfen, wodurch sie zugleich für internationale
Meisterschaften vorbereitet werden. Anders ist es bei uns. Hat sich ein
Nachwuchsringer für die Ländermannschaft qualifiziert, so dauert es
eine ganze Weile, bis er die nötige internationale Erfahrung gesammelt
hat und sich durchzusetzen vermag.

Richtlinien für die Durchführung von Veranstaltungen


Mit der kämpferischen Betätigung der Jugend und der Aktiven wird
den Vereinen die Pflicht auferlegt, mit allen Veranstaltungen, mit denen
wir vor die Öffentlichkeit treten, die Besucher für den Ringkampfsport
zu begeistern. Dies bedenke jeder Veranstalter und überlege, ob er alles
getan hat, um das für uns wertvolle Bild in einem würdigen Rahmen
zu zeigen, denn eine Veranstaltung ist nicht nur eine Leistungsschau,
sondern auch unsere Visitenkarte; sie soll eine willkommene Gelegenheit
sein, unseren Sport der Öffentlichkeit im günstigsten Licht zu zeigen.
Mit dem einfachen Hinlegen der Matte allein ist noch nichts getan,

108
es müssen schon sorgfältigste Vorbereitungen getroffen werden, um
unsere „Feste" zu einem vollen Erfolg werden zu lassen.
Jede Veranstaltung soll von einem Festausschuß oder einer Ver-
anstaltungsgemeinschaft vorbereitet werden, um die anfallenden Vor-
arbeiten gründlichst treffen zu können. Hierzu ist notwendig, daß die
Verantwortung für die bevorstehenden Arbeiten und Aufgaben unter
den Mitgliedern dieses Ausschusses aufgeteüt werden. Es wird im
Interesse des guten Gelingens unerläßlich sein, daß sich der Ausschuß
durch häufige Zusammenkünfte über den Stand der Arbeiten orientiert
und die zu ergreifenden Maßnahmen bespricht.
Die für die Durchführung einer öffentlichen Ringkampfveranstaltung
nötigen Maßnahmen kann man in drei Abschnitte teilen:
1. die Vorbereitung,
2. die Werbung,
3. die Abwicklung.
Die V o r b e r e i t u n g umfaßt alle Arbeiten, die zur reibungslosen
Abwicklung des Festes notwendig sind, 'wie Aufstellung des Pro-
gramms, Verpflichtung und Sicherung der Teilnehmer, Bestimmung von
Termin und Lokal, Anmeldung der Veranstaltung bei den zuständigen
Instanzen und Behörden, Unterbringung und Betreuung der Teilnehmer,
Herrichtung des Veranstaltungslokals (Schmückung, Geräte, Formulare,
Listen, Lautsprecher, Beleuchtung usw.). Einladung des für die Abwick-
lung notwendigen Personals (Kampfgericht, Sprecher, Ordner, Arzt,
Sanitäter), Eröffnung des Vorverkaufs durch Geschäfte oder Mitglieder,
Druck von Plakaten, Eintrittskarten, Teilnehmerkarten, Ehren- und
Pressekarten, Programmhefte usw.
Unter W e r b u n g fällt jede Tätigkeit, die den finanziellen Erfolg
sicherzustellen sucht, also insbesondere die Gewinnung der Zuschauer.
Die Mobilisierung der Presse und des Rundfunks, wenn möglich im
Rahmen einer Pressebesprechung, Aushang von Plakaten und Verteilung
von Handzetteln, Rundfahrten mit Werbewagen, Ausstellung der Ehren-
preise und der Fotos von den Teilnehmern, Aufspannung von Trans-
parenten, Kinoreklame und andere Werbemöglichkeiten müssen die
Öffentlichkeit auf das Ereignis hinweisen. Weitere Maßnahmen, wie
z. B. die Einladung von Persönlichkeiten von Stadt, Staat, Sport, In-
dustrie und Handel können der Veranstaltung ein höheres Niveau
schaffen. Der finanzielle Erfolg wird in hohem Maß von dem Karten-
vorverkauf durch Geschäfte und durch Vereinsmitglieder, auch durch
Betriebe, Schulen und Organisationen abhängen.
Wenn Vorbereitung und Werbung gründlich waren, so bedarf die
glatte reibungslose A b w i c k l u n g der V e r a n s t a l t u n g nur der
Aufsicht, damit alles so vonstatten geht, wie im Programm angekündigt
Rechtzeitige Kassen- und Saalöffnung, Unterhaltung der Zuschauer durch

109
Musik oder entsprechendes Vorprogramm sind sehr wichtig. Im Interesse
der Sportler liegt eine strenge Durchführung des Rauchverbotes. Wichtige
Punkte sind noch Empfang, Vorstellung und Begrüßung der Ehrengäste,
der Presse, der Kämpfer und Zuschauer, laufende Unterrichtung der Zu-
schauer durch den Sprecher, reservierte und entsprechend gekennzeich-
nete Plätze für die Ehrengäste, Kämpfer, Funktionäre und Presse,
ständige Information der Presse, evtl. durch schriftliche Unterlagen.
Die Ruhe und Ordnung sind durch Ordner aus den Mitgliedern des ver-
anstaltenden Vereins zu gewährleisten, wobei insbesondere dem Urteil
des Kampfgerichtes unter allen Umständen Respekt zu verschaffen ist.
Mit einer würdigen Siegerehrung und Preisverteilung und einigen
Schlußworten soll jede Veranstaltung schließen.

Funktionäre und Ringer im Licht der Öffentlichkeit


Das Gelingen einer Veranstaltung hängt in hohem Maße von der Tüch-
tigkeit der Funktionäre und der Kampfrichter ab. Für alle Sportfunk-
tionäre ist Unparteilichkeit und die Beherrschung der Satzungen
oberstes Gesetz. Nur dies ermöglicht ein sicheres Auftreten und ver-
schafft so die nötige Autorität. Etwa auftretende Meinungsverschieden-
heiten dürfen niemals von Außenstehenden wahrgenommen oder sogar
vor diesen behandelt werden.
Sachliche Auseinandersetzungen und ehrliche Kritik gehören stets
in die dafür bestimmten Sitzungen. Die beste Schule für Funktionäre
sind die Sitzungen der Kampfrichtervereinigungen. Jeder Kreis, ja sogar
jeder Verein, sollte solche Kampfrichtergemeinschaften haben, wo die
Interessenten in regelmäßigen Abständen zusammentreffen und sich
über Vorkommnisse oder über die verschiedensten Punkte der Wett-
kampfbestimmungen aussprechen können. Wie ein Ringer ohne Training
keine Höchstleistung erzielen kann, muß auch ein Kampfrichter „trai-
nieren", wenn er in „Form" sein will. Daß auch die Kampfrichter von
Zeit zu Zeit zu Zerutrallehrgängen einberufen werden müssen, ist
selbstverständlich.
Die würdige Durchführung von Veranstaltungen und Festen, die
Erhöhung des Leistungsniveaus der Ringer, der Kampfrichter und Funk-
tionäre, die Schaffung vorbildlicher Übungsstätten in den Vereinen ver-
mitteln dem Außenstehenden ein eindrucksvolles Bild von der Stärke
und von der Leistungsfähigkeit unseres Sportes. Dieses Bild kann
aber nur vollkommen sein, wenn zu diesem Gesamteindruck j e d e r
e i n z e l n e A n g e h ö r i g e unseres Sportes durch sein einwandfreies,
ja vorbildliches Verhalten in der Öffentlichkeit beiträgt. Denn die
Beurteüung einer Sportart wird nur zu oft durch das1 Verhalten seiner
Anhänger und Repräsentanten in der Öffentlichkeit bestimmt.
Es muß daher angestrebt werden, schon im sportlichen Alltag die
geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Sportes zu achten
und die Jugend in diesem Sinne zu erziehen, damit ihre Befolgung

110
jedem Sportler in jeder Lage eine Selbstverständlichkeit ist. Was über
das Verhalten und die sportliche Einstellung des Sportlers in großen
Zügen zu sagen wäre, fassen die nachstehenden „ z e h n G e b o t e "
zusammen :
1. Er renommiert nicht,
2. er gibt nicht auf,
3. er sucht keine Ausreden bei Mißerfolg,
4. er ist ruhig als Verlierer,
5. er bleibt gelassen als Gewinner,
6. er kämpft fair und so gut, -wie er kann,
7. er beachtet die Regeln und achtet den Schiedsrichter,
8. er genießt das Vergnügen des Risikos,
9. er läßt seinem Gegner im Zweifelsfall den Vorteü,
10. er schätzt den Kampf höher ein als das Ergebnis.

111
Von Vrkdenbeim bw Hewinkj
Ein Dokumentarwerk
des Deutschen Athleten-Bundes

Wie bisher die Schwerathleten von den Olympischen


Spielen 1932 und 1936 ein zusammengefaßtes Werk heraus-
brachten, so soll auch von den Olympischen Spielen 1952
in Helsinki eine zusammengefaßte Schilderung erscheinen.
Darüber hinaus werden in der Schrift alle wichtigen Be-
gebenheiten seit der Gründung des DAB aufgezeigt und
lebendig geschildert werden. So unter anderem Betrach-
tungen von den Konferenzen der IAWF in Stockholm und
Helsinki, von den Konferenzen der FIHC in Mailand, der
internationalen Starts der deutschen Ringer in Schweden,
in der Türkei und Finnland, der Gewichtheber in Mailand
und Wien und nicht zuletzt eine ausführliche Schilderung
in Wort und Bild von den Kämpfen der deutschen Schwer-
athleten bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki.
Achtzig bis einhundert Seiten und zirka dreißig Bilder
wird dieses erste Dokumentarwerk des DAB umfassen.
Zu den eigenen Beiträgen liefern solche die bewährten
Mitarbeiter Hermann David und Friedel Gr a eb-
ner. Da nicht zu erwarten ist, daß in den allgemeinen
Olympiabüchern die Kämpfe der Schwerathleten eine Son-
derstellung einnehmen werden, zum anderen auch die Be-
schaffung eines alle Sportarten umfassenden Buches auf
Grund der vorliegenden Angebote immerhin mit Unkosten
in Höhe von DM 30.— bis DM 45.— verbunden ist, bringen
wir unsere Schrift zum Preis von DM 2.70 heraus.
Es braucht wohl nicht besonders betont zu werden, daß
dieser vorgenannte Preis nur durch die uneigennützige
Mitarbeit aller Beteiligten möglich ist. Das Werk eignet
sich vorzüglich als Ehren- oder Erinnerungsgabe', es ist
auch ein schönes Weihnachtsgeschenk an die Mitglieder.
Jeder, der sich mit unserem Sport verbunden fühlt, be-
schafft sich das Dokumentarwerk des DAB!
Warum
„Patent-Ringermatten" von Földeak?
Weil sie alle Vorzüge besitzen, die man an eine sport-
gerechte Ringermatte stellt!

Sie sind unbegrenzt haltbar,


da sie aus mehreren Teilen bestehen und die Teile beim
Auflegen jedesmal einen anderen Platz erhalten; dadurch
werden sie gleichmäßig beansprucht und die Lebens-
dauer der Matte wesentlich erhöht.

Praktisch in der Handhabung,


weil die Matte sogar von zwei Schülern auf- und ab-
gebaut bzw. zum oder vom Veranstaltungslokal trans-
portiert werden kann.
Die Teile sind genormt und können so bei entsprechender
Anzahl in allen üblichen Mattenmaßen (5X5, 6X6 und
8X8) aufgelegt werden.
Durch das Überspannen der Mattendecke werden nicht
nur die Mattenteile unverrückbar zusammengehalten,
sondern auch die Decke stets glatt gespannt.

Billig in der Anschaffung,


weil die Mattenteile auch von Mitgliedern des Vereins
gefüllt werden können (durch die eingearbeiteten Füll-
kanäle). Die Füllkanäle verhindern ein Verrutschen des
Füllmaterials, wodurch ein Füllen mit kurzfaserigem Ma-
terial (Spreu, Häcksel, Korkmehl usw.) möglich ist. Die
Teile können bei Bedarf leicht nachgefüllt werden; es
besteht auch die Möglichkeit des Neufüllens der Matte,
da die Einzelteile mit einer vernähbaren Klappe versehen
sind.

Verlangt Prospekt oder Musterteil kostenlos und unverbindlich.

J E A N F Ö L D E A K , München 25, Am Harras 8


CARLPOELLATHK.G.
vorm. Gg. Greiner's Wwe.

SCHROBENHAUSEN/OBB.
Gegründet 1778

j : ' v_

Alteste deutsche Prägeanstalt liefert :

Vereinszeichen
in Email und Reliefprägung

Sportmedaillen - Plaketten

Siegerpreise - Pokale

S r

ZWEIGSTELLE MÜNCHEN 15
Landwehrstraße 12 Telefon 5 6 8 6 2
l^ringaimattati
^uèomattan
(^utitmattan
hervorragend in Qualität und Haltbarkeit'

BERG Weltrekord-Scheibenhanteln
weltberühmt!

BERG Nürnberg
Kaspar O L- I V V 7
Spezialfabrik für Sportgeräte

Lieferant der Olympiaden


Amsterdam 1928, Los Angeles 1932, Berlin 1936 u. Helsinki 1952
Gejjr f J p M r j n J 18*>9

BAYERISCHE V E R E I N S B A N K
KREDIT-UND HYPOTHEKEN-BANK
AUSSENHANDELSBANK

München Nürnberg
Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns

über 80 fahre im Dienste der heimischen Wirtschaft

Rasche, zuverlässige Erledigung aller Bankgeschäfte

fefajp'flMcl Smenpt!
Stärken und erfrischen auch Sie sich mit
den bekannten Traubenzuckertäfelchen im
Beruf, beim Sport und im täglichen Leben.
BAYERISCHE
HYPOTHEKENU.
WECHSEL-
BANK

Außenhandelsbank

HAUPTSITZ M Ü N C H E N
Theatinerstraße 11 . Kardinal-Faulhaber-Straße 10
200 Niederlassungen in Bayern und der Pfalz

Besorgung von Devisen für Auslandsreisen

Einlösung von Reisezahlungsmitteln


Reiseschecks (Traveler Chakes), Sorten und Devisen

Führung von K o n t o - K o r r e n t - und S c h e c k - K o n t e n

Eröffnung von S p a r - K o n t e n
gegen Ausgabe von Sparbüchern

Kulante und sorgfältige Bedienung


^/tLitil^a TURN- o. SPORTGERATE
für Turnen, Leicht- und Schwerathletik, Boxen, Basenspiele, Schwimmen

Ringermatten Scheibenhanteln
Jiu-Jitsu, Judomatten Rundgewichte
Überplanen Wurfgewichte
in vorschriftsmäfi g e r , s p o r t g e r e c h t e r Ausführung

^•peziaêflabùk. £üt \Lutn- und J^poitgetäte

GEORG STÖHR, SCHWABACH /BAY.


Deutschlands Schwerathleten
tragen

N-ERZEUGNISSE
Schutahn-Sportbekleidung!
FUR DIE
KRAFTSPORTLER

In der Produktion laufen täglich:


„Elastik" Ringer- und Gewichtheber-Wolltrikot
Woll-Badehosen mit Gummisportbund und RV.
Woll-Schwimmanzüge für Damen
Gewichtheber-Hosen in Wolle!
„SUSPOR" Suspensorium Der sattsitzende Tiefschutz für
jeden Sportler!
„Mirabella" Damentrainingsanzug in modernster Ausführung
„OPTIMA" Trainings-Wollanzug mit Perlon für den modernen
Sportler!
„Mervellino" Trainings-Wollanzug mit durchgehendem Reiß-
verschluß. Ein Spitzenerzeugnis!
„FAVORIT" Windschutz-Trainingsanzug, zweifarbig und uni liefer-
bar. Warm und mollig. Die große Überraschung!
Farbenskala: marineblau, braun, weinrot, kornblau, schwarz, weiß,
lila und jägergrün etc.
„Olympia" Ringer- und Gewichtheber-Schuhe mit Kreppsohlen
Freistil-Ringer-Hosen!
Knie-Schoner und Knöchelschützer!

Verlangen Sie bitte Bildkatalog 507 vom Hersteller

Qeorq Schwann, Süssen bei QöppingcnlWürtt.


Postfach 22
Mech. Strickerei und Wirkerei / Moderne Sportbekleidung
Als Vertragsgesellschaft des Bayer. Landes-Sportverbandes e . V .
empfiehlt sich die

•gffcrfduulor

Ucrlichcrüticicn.

Eigenhilfe Sachversicherung
• • m i i i H M H M O T m
H A M B U R G 1 • S T E I N 5 T R 2 7 - RUF-'321013

Direktionsgeschäftsstelle München
München, Dachauer Straße 2 3
;