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Gui

Akupunkturpunkte

als mythologischer Aspekt


der
Traditionellen Chinesischen Medizin
im Vergleich
mit der Abendländischen Medizin

Eine abschließende Diplomarbeit


zur Ausbildung in TCM
von Anja Kretzschmar
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Die Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin erfolgte an der Paracelsusschule


Leipzig nach einem Konzept und unter der Leitung von Herrn Franz Thews.

Diese Diplomarbeit wurde geschrieben von: HPA Anja Kretzschmar


Leipziger Strasse 77
04442 Zwenkau,

mit Unterstützung aus dem Internet durch: florian.then@web.de (Florian Then).


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Dämonen – ein wichtiger Bestandteil in der Mythologie aller Kulturen

Begriffserklärung

Dämonen anderer Kulturen

Über Wert und Sinn von Dämonen

Die Traditionelle Chinesische Medizin mit ihren mythologischen Anteilen

Akupunkturpunkte als Spiegel des Inneren der Menschen und ihrer Umwelt

Ein Versuch zur Erklärung, wie Akupunktur eigentlich „funktioniert“

Die Abendländische Medizin mit ihren mythologischen Anteilen

Die Entstehung und Entwicklung der abendländischen Medizin

Die Rolle der Pflanzen in der abendländischen Medizin

Ein Pflanzenportrait: Das Johanniskraut

Der direkte Vergleich (soweit überhaupt möglich) zwischen TCM und Abendländischer
Medizin

Ein allgemeiner Vergleich beider Kulturen

Ein Vergleich über den mythologischen Anteil in den beiden Kulturen

Die Medizin beider Kulturen im Vergleich

Moxa oder der Atem des Drachen – ein Spiel mit dem Feuer

Quellenverzeichnis
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Vorwort

Es ist eine Eigenschaft jedes Individuums, sich mit seiner Umwelt auseinander zusetzen und
über Zusammenhänge zu spekulieren. Seit Menschengedenken beschäftigen wir uns mit
uns Selbst, unserem Körper, unseren Mitbewohnern, dem Himmel, der Erde und machen
uns Gedanken über Ursprung, Weg und Ziel. So sind im Laufe der Jahrhunderte durch
verschiedenartige Einflüsse verschiedene Theorien über das Sein und Werden des
Menschen entstanden. Es existieren seit Generationen, unbeeindruckt von staatlich und
kirchlich aufdiktierten Kulturreformen, beispielsweise indianischer Schamanismus, keltischen
Druidentum und chinesischer Dämonenglaube.

All diese Glaubensformen, seien sie inhaltlich noch so verschieden, haben mindestens eines
gemeinsam: den fest verwurzelten Ursprung im tiefen Glauben eines mit sich und seiner
Umwelt in Harmonie und Achtung lebenden Naturvolkes.

Man mag als zivilisierter Mitteleuropäer die Augen verdrehen und die Nase rümpfen
angesichts solch einer Ladung geballten Aberglaubens, aber bei näherer, offener
Betrachtungsweise drängt sich zumindest die Frage auf, warum sich diese Ansichten über
Generationen so hartnäckig im Volk gehalten haben. Waren Generationen unserer
Vorfahren einfach nur dumm? Hat ihnen die naturwissenschaftliche Aufklärung gefehlt?
Wieso konnten dann aber so mächtige Reiche mit erstaunlich hoher Kultur in allen Regionen
der Erde entstehen? Denken wir nur an die Mayas oder an das chinesische Reich, an
ägyptische Pyramiden oder an keltische Sonnenkalender.

Kann man eine Jahrtausendalte Weltgeschichte einfach mit einem spöttischen Lächeln
betrachten, nur weil man naturwissenschaftlich angeblich aufgeklärt ist?

Und ist der momentane Boom an spirituellen und esoterische Aktivitäten wirklich nur als
Modeerscheinung abzutun? Spinnen reihenweise Physiker, wenn sie in die Tiefen des
Meeres abtauchen, um dort kleinste Teilchen aus dem All aufzufangen und zu untersuchen?
Oder steht die Weltbevölkerung vielleicht nach Atomwaffen und Umweltkatastrophen doch
zumindest an den Anfängen einer Rückbesinnung zu ihren Ursprüngen und Wurzeln
gegenüber?

Nachdem Medizin und Naturwissenschaft weitestgehend beginnen, nicht sichtbare und


erklärbare Einflüsse wie Elektrosmog und psychogene Krankheitsursachen zumindest zu
akzeptieren, sollte vielleicht auch jeder für sich seine Weltanschauung nochmals
überdenken. Muss man wirklich immer alles erklären können oder ist es möglich, einfach
mal eine Tatsache als gegeben hinzunehmen?

Ist es nicht vollkommen ausreichend, wenn einer kranken Person geholfen werden kann mit
einer Methode, wie zum Beispiel der Akupunktur, die es seit Hunderten von Jahren gibt,
ohne dass es jemand naturwissenschaftlich darlegen kann wie das 1x1?

Können wir nicht endlich wieder anfangen, den Menschen und seine Umwelt als Ganzes
wahrzunehmen wie es die Schamanen, Druiden, weisen Kräuterfrauen und chinesische
Mediziner unserer Vorfahren getan haben, ohne alles in seine Einzelteile zu zerstückeln?

„Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die
Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance!“

(Victor Hugo)
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Dämonen – ein wichtiger Bestandteil in der Mythologie aller Kulturen

Begriffserklärung

Griech.: Verteiler des Schicksals

Altgriech.: Gottgleich

Frühzeitlich: Naturkräfte, Geister von Vorfahren

Alte Kulturen in Asien: Krankheitsverursachende Erscheinungen

Katholisch:
Unüberschaubare Zufälle, weder göttlich, noch natürlich, werden durch Exorzismus
abgewehrt

Bibel:
Gefallene Engel, übermenschliche, aber nicht göttliche, meist böswillig gesinnte Wesen

Lexikon der Götter und Dämonen:


Bei den Griechen zunächst die das Schicksal zuteilende Gottheit.

Bei Homer heißen die olympischen Götter Daimones; seit Hesiod versteht man unter ihnen
eine Zwischenstufe zwischen Göttern und Heroen, die im guten und im bösen Sinne auf die
menschlichen Geschicke einwirken.

Der volkstümliche Glaube erblickte in ihnen persönliche Schutzgeister. In der griechischen


Philosophie wurde das Daimonion zur Bezeichnung des göttlichen Teil im Menschen; bei
dem Dichter Aischylos ist Daimon der poetische Ausdruck für die fortzeugende Macht der
ersten Schuld; nach Menander wird jeder Mensch von Geburt an von einem Daimon
begleitet. Platon kennt neben der dämonischen Kraft im Menschen die teils sichtbaren, teils
unsichtbaren in allen Elementen lebenden Daimones. Unter orientalischen, römischen und
frühchristlichen Einflüssen wurden die Dämonen zu unheimlichen, bösen Geistern.

Dämonen anderer Kulturen

Abbadon:
- Dämon aus der Bibel, wird in der Apokalypse zum höllischen Herrn der dämonischen
Heuschrecken (Offenbarung 9, 7-11)
- Hebräisch „Untergang“
Griechisch „Verderber“

Ah uoh puc:
- Dämon der Zerstörung bei den Maya
- dargestellt als Skelett, begleitet von einem Hund und einem Vogel

Aitvaras:
- litauischer Hausgeist, der den Bewohnern die Seele abkauft
- dargestellt als schwarzer Hahn oder schwarze Katze

Ake’phalos:
- Dämon/kopfloses Wesen aus der Antike
- gelten als Spukgeister und Helfer für die Magie
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Alpen:
- auch Alben, später Elben und Elfen
- aus der germanischen Mythologie
- in der Nibelungensage als Zwergenkönig Alberich mit Tarnkappe und Kraftgürtel
- wurden für Fruchtbarkeitsriten und Schutzmagie angebetet, später als
krankheitsverursachende Wesen dämonisiert und gefürchtet (Alptraum)
- in der Edda wird unterschieden zwischen Licht- und Dunkelheitsalben
- vergleichbar mit Druiden und Elfen
- zahlreiche Ableitungen für Namen: Elbe, Alpen

Alu:
- altmesopotamischer Winddämon
- wirft Menschen als körperloser Geist eine Krankheit (Kopfschmerzen) über

Ammit:
- ägyptischer weiblicher Dämon im Jenseits
- wartet auf die Entscheidung, ob die Toten in den Himmel oder die Hölle kommen und
verschlingt die Sünder
- wird mit Krokodilkopf, Raubkatzenkörper und Nilpferdhinterteil dargestellt

Andvari: fischgewordener Zwerg der nordischen Mythologie

Baba Jaga:
- erst Waldgeist, dann Anführerin eines großen Geisterzuges (nimmt damit dämonische
Züge an)
- osteuropäischer und weißrussischer Herkunft
- im Märchen im Wald in einem sich auf einem Hahnenfuß drehenden Haus wohnend

Bardha:
- in Albanien unter der Erde wohnende Nebelgestalten
- wurden mit Süßigkeiten gnädig gestimmt

Bercht:
- auch Perchta, zu vergleichen mit der Holle/Frau Holle
- Gestalt aus vorchristlicher Zeit unserer Breiten
- Ursprünglich als Spinnfrau und Gabenbringerin in der Mittwinterzeit/Rauhnächte, später
als Kinderschreck
- Erhalten blieb in Alpengegenden der Brauch der Perchten (mit Masken verkleidet und
Höllenlärm machend ziehen die Leute durchs Dorf vertreiben den Winter und begrüßen
den Frühling mit Gaben)

Bhutadamara:
- Herr der Dämonen im Buddhismus
- dargestellt als einköpfig, vierarmig und rotäugig
- steht in Konkurrenz mit Gott
- seine untergebenen Dämonen treten in verschiedenen Tiergestalten auf und bringen
Krankheiten

Bilwis:
- Mittelhochdeutscher Naturgeist, der Krankheiten überbringt und mit Sicheln an den
Füßen die Ernte vernichtend durch Kornfelder zieht
- ab Ende des Mittelalters Gleichsetzung durch die Inquisition mit Hexen
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Daevas:
- ursprünglich Begriff für die alten Götter, später gefallene Engel und Feinde der Religion
- manchmal als Pflanzenseele/Pflanzengeist bezeichnet

Dimme: sumerische Dämonin des Kindbettfiebers und von Säuglingskrankheiten

Elel:
- böse gesinnte Wesen der argentinischen Pampasindianer
- Geist, der Stürme, Krankheit und Tod bringt

Gui-Xian:
- In China bezeichnete dämonische Wesen
- Werfen keinen Schatten und werden als krankmachender Lufthauch wahrgenommen

Guta: ungarischer Dämon, der seine Opfer „erschlägt“ sprich einen Schlaganfall verursacht

Inguma: dämonischer Geist im Baskenland, der Schlafenden die Kehle zudrückt

Iya:
- bei den Sioux-Indianern die Verkörperung des Bösen
- bringt mit seinem üblen Atem Krankheiten über Mensch und Tier und wir damit Stürmen
assoziiert

Die kleine Auswahl Dämonen aller Kulturkreise zeigt die Zuordnung von Lebensumständen
deutlich auf. So wurden Dämonen fast überall für Krankheiten verantwortlich gemacht. Auch
gnädig stimmende Opfergaben waren weitverbreitet Brauch. Die Zuordnung zu einem
Planeten oder zu Pflanzen war ebenfalls eine gängige Methode. Die zugeordnete Pflanze
wurde gleichzeitig zur Heilung der angehexten Krankheit benutzt, wobei erstaunliche,
wissenschaftlich belegbare Übereinstimmungen bestehen. Noch heute sind viele
Krankheiten mit den selben Pflanzen heilbar, auch wenn uns der Glaube an die dämonische
Herkunft der Krankheit genommen wurde. Die in der TCM als Krankheitsursache
verwendeten Muster sind ebenfalls teilweise über den Dämonenglaube zu erklären und
stimmen mit heutzutage bekannten physiologischen Vorgängen durchaus überein. Dazu
mehr im Text über die TCM in historischer Sicht.

Über Wert und Sinn von Dämonen

In allen Religionen dieser Welt gibt es Dämonen, Götter und andere Wesen. Sie sind das
Fühlen und Denken der Menschen und das Erleben von Natur und Umwelt. Sie sind das
Sichtbare und das Verstehen von Naturereignissen in Abhängigkeit von Kultur und
Wissenschaft der jeweiligen Bevölkerung.

Aber auch das eigene, innere Erleben und Fühlen, je nachdem, ob es positiv oder negativ
gewertet wird, wurde zu göttlichen oder dämonischen Bildern.

Je nach kultureller und sozialer Situation erhält das Wesen seine Charakterzüge und
Merkmale. Sie sind sozusagen eine Selbstprojektion der Menschen.

Jede Religion hat ihre Wesen durch zahlreiche Symbole und Riten verschlüsselt und
Ungläubigen und Außenstehenden schwer zugänglich gemacht, um Dämonen und Götter
für sich arbeiten zu lassen. Verfeindete Völker fürchteten so gegenseitig ihre Götter und
deren Zorn.
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Hinzu kommt außerdem, dass jedes Wesen, egal ob Gott oder Dämon in untersc hiedlichen
Kulturen unterschiedliche Wertigkeiten besaß.

Betrachtet man Geschichten der Völker, jedoch rückblickend und einigermaßen objektiv, so
stellt man fest, dass jede Kultur zu noch so unterschiedlichen Zeiten ähnliche Götter und
Dämonen besaß.

Alle Völker waren dankbar und brachten ihren Göttern Opfer, wenn zum Beispiel die Ernte
gut war. Verdarb im Gegensatz dazu eine Naturgewalt die Ernte, bedeutete dies Hunger und
Not und es wurde überall ein Dämon oder ungnädiger Gott dafür verantwortlich gemacht.

Je nach Lebensumständen opferte man aus Dankbarkeit oder versuchte, zu besänftigen.

So gab es für jeden Zweck einen passenden Gott, z.B. für das Wetter, die Fruchtbarkeit und
somit dem Fortbestand der Sippe usw. Außerdem standen wichtige Daten, Jahreszeiten
oder Pflanzen und Orte mit den Göttern in Verbindung und wurden dementsprechend
geehrt.

Auf diesem Wege waren die Götter nichts theoretisches, sondern standen im täglichen
Leben mit den Naturvölkern in Verbindung.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass auch Krankheiten, sei es von Mensch
oder Tier, mit den Göttern und Geistern in Verbindung gebracht wurden und nur mit ihrer
Hilfe geheilt werden konnten.

So verstand sich der Heiler einer Gemeinschaft auch oft als Priester und Schamane, was
wiederum die enge Verknüpfung aller Seinsebenen im Leben er Naturvölker verdeutlicht.

Die Traditionelle Chinesische Medizin mit ihren mythologischen Anteilen

Bis ins dritte Jahrhundert vor Christus hinein herrschte in China und im gesamten
asiatischen Raum eine von Geistern, Dämonen und Ahnen geprägte Weltanschauung.

Die enge Naturverbundenheit und die damit verbundene ausgiebige Beobachtung führten im
Laufe dieser Zeit jedoch dazu, dass den Menschen immer mehr Gesetzmäßigkeiten
zugänglich wurden.

Zahlreiche Denker und Philosophen beschäftigten sich mit diesen Erkenntnissen und
veränderten mit ihren Theorien die Weltsicht der Asiaten.

Die Macht der Geister und Dämonen, die in das menschliche Leben eingreifen konnten, ging
zwar nie verloren, büßte aber erheblich an Einfluss auf das alltägliche Leben ein. Daraus
lässt sich schlussfolgern, dass die Erkenntnisse, die aus den Naturgesetzmäßigkeiten
gezogen wurden, konsequenter im Alltag verankert wurden als zur gleichen Zeit in Europa.

Magische und dämonische Einflüsse auf das Leben der Menschen hielten sich zwar über die
Jahrhunderte in der Bevölkerung, wurden aber in erstaunlicher Weise mit anspruchsvollem
medizinischem und naturwissenschaftlichem Wissen verknüpft.

Früh, d.h. im ersten Jahrhundert nach Christus, begann man mit der Ursachenforschung
angeblich dämonischer Phänomene. So erkannte man beispielsweise schon zu dieser Zeit
einen Zusammenhang zwischen Mondumfang und Ebbe und Flut.

Viele noch heute angewendete Gesetzmäßigkeiten finden hier ihren Ursprung.


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Wohl am bekanntesten ist wohl die momentan sehr modern gewordene Yin- und Yang-
Theorie. Sie beruht auf der Erkenntnis, dass alle Dinge und Erscheinungen ein Gegenteil
haben und untrennbar mit diesem eine Einheit bilden. Diese Theorie ist auf alle Bereiche
des Lebens anwendbar und bis in die heutige Zeit gültig.

Eine weitere Gesetzmäßigkeit, welche die Naturverbundenheit deutlich aufzeigt, ist die
„Fünf-Phasen-Theorie“. Diese Lehre bezieht sich auf die fünf Elemente, die auch
ansatzweise in der Abendländische Medizin und in der Astrologie zu finden sind und ihre
Beziehungen und Einflüsse untereinander und aufeinander zeigen. In der traditionellen
Medizin wurden so z.B. die einzelnen Organe den Elementen zugeordnet und damit ein
eigenes kleines Teilsystem als Theorie entwickelt.

Auch eine charakterliche Zuordnung und Typologie beinhalten diese Lehre. Dies könnte
man entsprechend zu unserer Astrologie und unseren Horoskopen sehen.

Die chinesischen Verflechtungen der Fünf Phasen sind teilweise jedoch viel komplizierter
und abstrakter.

Andeutungsweise soll an dieser Stelle an einem Beispiel die Beziehungen eines Elementes
mit Organ, Astrologie, Charakterzug und Farben dargestellt werden. Auch die Beziehung zu
Farben ist in unserer Medizin bekannt und wird momentan boomend in der Farbtheorie
angewendet.

Von den Elementen Wasser, Erde, Holz, Feuer und Metall möchte ich anhand des Feuers
den Versuch eines Beispiels ansatzweise erklären.

Alle Elemente stehen direkt miteinander in Verbindung: Feuer kann von Wasser gelöscht
werden, d.h. medizinisch befällt Feuer ein Organ, kann man behandeln, indem man
entweder den Körper stärkt, damit er das Feuer selbst löscht oder man kühlt mit
vorgesehenen therapeutischen Mitteln, bezeichnend ist aber auch, dass ein dem Wasser
zugeordnetes Organ einem dem Feuer zugeordneten Organ schaden kann.

Schulmedizinisch würde das zum Beispiel eine Niereninsuffizienz bedeuten, bei der massiv
der Kaliumhaushalt entgleist und zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führt. Die
Niere ist dem Wasser und das Herz dem Feuer zugeordnet.

Viele historische Schriften befassen sich seitenlang mit diesen komplizierten


Zusammenhängen, auf denen die gesamte TCM aufbaut. Und da laut einem weiteren
Gesetz chinesischer Philosophen im Makrokosmos und im Mikrokosmos, d.h. im Innen und
im Außen gleiche Vorgänge ablaufen, lassen sich sämtliche Erscheinungen jeweils überall
projizieren. Diese Theorie begründet in unseren Breiten die magische Weltanschauung und
findet damit auch im Abendland ihre Akzeptanz.

Ebenso wie die Umwelt intensiv betrachtet wurde, begannen die Menschen damit, sich
selbst und die Vorgänge in ihren Körpern genauestens zu erforschen.

Es konnte nachgewiesen werden, dass die Chinesen schon zu dieser Zeit ein
umfangreiches anatomisches Wissen besaßen.

Dennoch wird gerade in der Medizin der sich fest verankerte Dämonenglaube deutlich.

Krankheitsursachen wurden Jahrtausende lang, trotz naturkundlichen Wissens, dem


Eindringen eines Dämons zugeschrieben. Zahlreiche Krankheitsnamen verweisen darauf.
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Demzufolge agierten auch im asiatischen Raum zahlreiche Schamanen, um mit magischen


Mitteln zu heilen.

Im Laufe der Zeit fanden jedoch immer mehr äußere Einflüsse als krankmachende Faktoren
Zugang in die chinesische Medizin. Diese pathogenen Faktoren, wie Wind oder Kälte, sind
auch in der heutigen Diagnosestellung wichtige Elemente. Jedoch ist hier anzumerken, dass
auch diese Umweltfaktoren im Glauben des einfachen Volkes letztendlich ein Produkt von
Dämonen sind. Damit wird klar, wie eng die Verstrickung von Glauben und
Naturwissenschaft in der chinesischen Medizin war und trotz versuchter Manipulation und
Ausrottung abergläubiger Einflüsse noch heute ist.

Eine Art Inquisition gab es leider auch im asiatischen Raum immer wieder.

Zuletzt während der Kulturrevolution in den 50iger Jahren des 20sten Jahrhunderts. Im Zuge
dieser Reform sollten alle magischen und abergläubigen Ansichten zugunsten eines
realistischen und angeblich modernen Weltbildes mit aller Macht ausgemerzt werden.

Opfer dieses Feldzuges waren nicht nur Jahrtausende alte Kultur, sondern auch Religion,
traditionelle Medizin und nicht zuletzt die Seele dieses Volkes.

Im Gegensatz zu Europa scheinen die Asiaten schneller einen Kompromiss zwischen ihren
Wurzeln und der modernen Wissenschaft zu finden.

Heute vertrauen Tausende von Chinesen wieder auf die traditionelle Heilkunst in Verbindung
mit moderner westlicher Schulmedizin. Ein Schulterschluss, den man sich gern auch für
Europa wünscht. Ganz selbstverständlich gehen die Chinesen ihrem Tai Chi nach, einer
uralten Heilgymnastik zur Harmonisierung des Energieflusses. Ohne Vorurteile
diagnostizieren chinesische Mediziner eine Energieschwäche oder -blockade als
Krankheitsursache und behandeln erfolgreich mit traditionellen und schulmedizinischen
Therapien.

Akupunkturpunkte als Spiegel des Inneren der Menschen und ihrer Umwelt

Die Akupunkturpunkte sind ein wichtiger Teil der TCM. Mutmaßlich sind sie aufgrund der
intensiven Körperbeobachtungen und der daraus resultierenden anatomischen Erkenntnisse
entstanden. Moderne Testmethoden belegen eine sehr ernstzunehmende Glaubwürdigkeit.
So lassen sich Energieströme durch verschiedene bildgebende Verfahren sichtbar machen.
Diese Testergebnisse ermöglichen erstaunliche Übereinstimmungen mit den einzelnen
Akupunkturpunkten, aber auch mit den Energiebahnen, den sogenannten Meridianen. Dazu
sei auf nachfolgende Abbildungen verwiesen, die neben den Meridianverläufen auch einen
Test dieser Art dokumentiert.

Die chinesische Medizin sieht den Menschen in Einheit mit sich selbst und seiner Umwelt.
Dieser Theorie folgend, spiegelt der Mensch also seine Umwelt und sein Inneres wieder. Als
solche Spiegel könnte man die Akupunktur sehen, mit denen man Ereignisse, die ein
Produkt von äußeren und inneren Faktoren sind, manipulieren kann. Vorausgesetzt, man
erkennt die Gesetzmäßigkeiten und verhält sich nach ihnen. Diese äußerst komplizierten
Beziehungen sind das Ergebnis einer langen Forschung und können im Rahmen dieser
Arbeit nur ansatzweise beleuchtet werden.

Wie auch in der abendländischen Medizin spiegeln sich in der TCM Einflüsse der Umwelt
wieder, die in der jeweiligen Zeit für den Alltag der Menschen von Bedeutung waren.
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Dass magische und dämonische Einflüsse lange Zeit auch in Sachen Akupunkturpunkte
prägend waren, erkennt man oft an der Namensgebung der Punkte.

So heißt Lunge 5, ein Akupunkturpunkt in der Ellenbeuge, zusätzlich zu seinem offiziellen


Namen Chi Ze = Sumpf der Ellenbeuge, Gui Shou = Dämonen ertragen oder Gui Tang =
Dämonenhalle. Letzterer Name weist zusätzlich zu seiner dämonischen Beziehung auf seine
anatomische Lage in der Ellenbeuge, die man mit einiger Phantasie durchaus als Halle
betrachten kann. Gui Shou – Dämonen ertragen, weist auf seine Wirkung hin, nämlich das
vom Dämon hervorgerufenes Symptom zu lindern. Die offizielle Namensgebung deutet auf
den Energiesammelpunkt des Meridians an dieser Stelle hin.

Prinzipiell bedeuten von Dämonen hervorgerufene Symptome, Krankheiten auf psychischer


Ebene, Krankheiten im menschlichen Geist. Beachtenswert ist hier die Wortwahl, da ja
umgangssprachlich zwischen Geist und Dämon durchaus ein Zusammenhang besteht.

Gui ist im Chinesischen der Dämon. Unklare, nicht einzuordnende, schemenhafte Gestalten,
die sich in dunklen Ecken aufhalten. Auch da lassen sich wieder Parallelen zur
Abendländischen Medizin herstellen. Unsere Ahnen ließen sich ebenfalls von solchen
Gestalten schrecken und war einer geistig verwirrt, war er besessen von ihnen. Dämonen
verursachten vielerorts also Krankheiten, die sich die Menschen nicht erklären konnten, die
von ihren Seelen Besitz ergriffen, vor denen sie sich fürchteten. Aber auch hier gilt die
Theorie, dass diese Symptome ein Spiegel waren, Spiegel für innere und äußere
Missstände. Folglich fürchteten die Menschen sich nur vor sich selbst, vor ihren eigenen
inneren und äußeren Schatten, projiziert auf gruselige Wesen.

Dämonen als von Menschengeist geschaffene Wesen, können jedoch nur aktiv werden,
wenn, und nun folgt die Yin und Yang -Theorie, ihr Gegenpol geschwächt ist. In Einheit und
Harmonie bilden sie den Lebensgeist – Gui als Dämon und böser Geist sowie Shen als
guter Geist, der laut chinesischer Theorie vom Himmel kommt und Shen ist der Geist in uns,
unser Verstand und Gefühl, unser Intellekt, kurz, das, was wir umgangssprachlich als
geistvoll bezeichnen.

Auf die charakterlichen Züge des Menschen projiziert, bedeutet Gui die Triebhaftigkeit in uns
und Shen unsere soziale Umgänglichkeit, unsere Persönlichkeit. Nur in Harmonie sind wir
ausgewogene gesunde Menschen. Überwiegt ein Anteil, werden wir krank, psychisch und
physisch, verursacht durch unseren inneren Dämon, den wir im Außen suchen.

Sehen wir uns moderne Zivilisationskrankheiten an, können wir durchaus


Übereinstimmungen feststellen. Unsere Triebhaftigkeit spornt uns zu immer größerer
Leistung an und für unsere eigene Persönlichkeit bleibt kaum mehr Platz. Die Folge sind
Stresserscheinungen wie Schlaflosigkeit, Burn-Out und andere Symptome. Nach TCM
ermächtigt sich also ein Dämon, unser eigener innerer und der kulturell bedingt äußere,
unserer Gesundheit und verursacht eine Krankheit.

Behandelt werden können diese Symptome neben der Ursachenbekämpfung mit 13


besonderen Akupunkturpunkten, welche in einem klassischen chinesischen Medizinlehrbuch
bezeichnet sind. Diese Punkte werden laut Sun Si Miao, eben diesem klassischen Werk, seit
Alters her verwendet, um plötzlich und schlagartig auftretende Wesensveränderungen und
seelische Störungen zu behandeln. Nun ist eine Schlafstörung, die durch Stress
hervorgerufen wird, ja nicht gleich eine Wesensveränderung, aber jeder kennt die
Veränderungen an sich selbst, wenn der Schafentzug längere Zeit andauert.

Die Gui-Akupunkturpunkte sind, neben dem schon ausführlich beschriebenen


Akupunkturpunkt Lunge 5:
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Gui Gong:
= Mitte des Menschen, auch Re Zhong (Lenkergefäß 26)
= Wiederbelebungspunkt bei Bewusstlosigkeit
- Anatomische Lage etwa zwischen Nase und Oberlippe

Gui Xin:
= Geringeres Metall, auch Shaoshang (Lunge 11)
= Dieser Punkt kann hilfreich zum Wiedererlangen des Bewusstseins (z.B. nach einer
Ohnmacht) eingesetzt werden, weil er die Körperöffnungen befreit, ein Synonym für die
Atmung, die ja über eine Körperöffnung funktioniert
- Anatomische Lokalisation an der vorderen Axillarfalte

Gui Lei:
= Verborgenes Weiß, auch Yin Bai (Milz-Pankreas 1)
= stoppt Blutungen
- Anatomische Lage am äußeren Nagelfalz es Großzeh

Gui Xin:
= Dämonenherz (Kreislauf-Sexus 7)
= Sehr effektiver psychischer Punkt, der versteckte Gefühle aufwühlen kann und daher
emotional stark wirkt
- Anatomische Lage am Innenarm, Nähe Handgelenk

Gui Lu:
= auch Shen Mai – Neunte Leitbahn (Blase 62)
= Wird in Kombination bei Schlaflosigkeit verwendet, aber beseitigt auch aus dem Inneren
kommende Ursache (inneren Wind) bei Epilepsie
- Lokalisation am inneren Fußknöchel

Gui Zhen:
= auch Feng Fu - Windpalast (Lenkergefäß 16). Hier gibt der Name schon einen Hinweis
auf die Funktion: Wind, vor allem innerer Wind, kann Krankheiten hervorrufen, die im
alten China als von Geistern verursacht galten. Dabei ist beispielsweise Schlaganfall
oder Epilepsie zu nennen.
- Lokalisation in der Mitte des Nackens in unmittelbarer Nähe am Beginn des
Schädelknochens

Gui Chuang:
= Kieferkutsche (Magen 6)
= einsetzbar bei psychisch bedingten Sprachstörungen
- Lokalisation an der Wange auf der härtesten Stelle der zusammengebissenen Kiefer

Gui Shi:
= Chengjiang - Speichelaufnahme (Konzeptionsgefäß 24). Beseitigt Windeinflüsse im
Bereich des Gesichts, die zu Lähmungen und Sprachstörungen führen können.
- Lokalisation in der Mitte der Kinnfalte

Gui Ying:
= JianShi – Vermittler (Kreislauf-Sexus 5). Dieser Punkt kann Schleim auflösen. Schleim
spielt in der allgemeinen Mythologie schon immer eine große Rolle. Schleim ist negativ
belastet, gilt als eklig. Nach chinesischer Auffassung kann der pathogene Faktor Schleim
schlimme Symptome hervorrufen. Da der Ursprung von Schleim früher nicht erklärt
werden konnte, wurden auch hier Geister verantwortlich gemacht. Ist Schleim nun in
einem Organ, etwa den Nerven vorzufinden, was schulmedizinisch etwa einer Lähmung
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entspricht, und wird dies nicht behandelt, kann es dazu führen, dass der Geist die
Energie des Patienten so massiv blockiert, dass er sich nicht mehr bewegen kann.
- Lokalisation an der Arminnenseite etwa eine Handbreit über dem Handgelenk

Gui Tang:
= ShangXi – Oberer Stern (Lenkergefäß 23). Dieser Punkt löst ebenfalls Schleim auf,
allerdings nur lokal in der Nase. Er hilft sinnbildlich betrachtet in negativen Situationen,
wenn man also die Nase sprichwörtlich voll hat.
- Die Lage des Punktes ist auf einer Linie mit dem Nasenrücken ca. zwei Handbreit über
den Augenbrauen.

Gui Cang:
= HuiYin – Treffpunkt des Yin (Konzeptionsgefäß 1). Dieser Punkt ist aufgrund der
anatomischen Lage im Genitalbereich nur theoretisch zu diskutieren. Allerdings werden
ihm lebensrettende Eigenschaften bei Ertrinkungsunfällen zugeschrieben. Auch in der
abendländischen Mythologie galt das Ertrinken in einem Gewässer lange Zeit als ein
Opferakt der Götter des Wassers. Wasser ist wie auch Feuer auf der einen Seite
lebensnotwendig, auf der anderen Seite aber auch lebensgefährlich. Betrachtet man nun
die Einheit der Bevölkerung mit der Natur, erscheint es nur logisch eine Verbindung mit
Wassergeistern herzustellen.

Gui Chen:
= QuChi – gewundener Teich (Dickdarm 11). Dieser Punkt hat eine breitgefächerte
Wirkung. Vor allem aber kühlt er das Blut, welches neben anderen Ursachen auch von
Dämonen „zum Kochen“ gebracht werden kann. Im Mittelalter ließ man die Patienten bei
so einer Diagnose zur Ader. Heißes Blut kann u.a. mit Hauterkrankungen in Verbindung
gebracht werden und auch hier ist der Punkt wirksam. Bezüglich der Hauterkrankungen
kann man auch in der abendländischen Medizingeschichte Parallelen ziehen. Denken
wir nur an Syphilis, die als Zorn der Venus angesehen wurde und mit übelriechenden
Hautausschlägen einherging.
- Die anatomische Lage des Punktes befindet sich auf der Außenseite der Ellenbeuge,
genau in der sich dort bildenden Hautfalte.

Gui Feng:
= HaiQuan – ein Extrapunkt, über den in der gängigen Literatur leider keine Details zu
finden sind.

Die angegebenen Lokalisationen der Punkte sollen dem interessierten Laien nur einen
ungefähren Überblick geben und sind nicht als anatomisch korrekte Punkteangaben
gedacht. Vielleicht regen die Angaben zur Suche am eigenen Körper an, von
Selbstexperimenten sei aber dringend abgeraten.

Zum bildhaften Verständnis folgt auf der nächsten Seite eine Anatomiekarte.

Ein Versuch zur Erklärung wie Akupunktur eigentlich „funktioniert“

Um das Prinzip der Akupunktur verstehen zu können, sind einige Grundvoraussetzungen


nötig, die an dieser Stelle kurz umrissen werden sollen. Dies soll keine wissenschaftlich
fundierte Erklärung sein, sondern lediglich das Verständlich-Machen einer fremden Kultur.

Dazu ist es wichtig, das Weltbild der alten Chinesen zu verstehen. Mensch und Kosmos
gehörten wie in allen Naturreligionen als Einheit zusammen. Neben dem Schöpfergott gab
es noch zahlreiche untergeordnete Naturgötter und Geister, die das tägliche Leben
beeinflussen konnten. Diese Naturgötter wurden durch allerlei Opfer, darunter auch
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Menschenopfer, gnädig gestimmt. Auffällige Orte wurden besonders mit den Geistern in
Verbindung gebracht und verehrt.

In China beispielsweise der heilige Berg Taishan. Hier war man dem Himmel als Sitz der
Götter besonders nah. Überall auf der Welt wurden von Naturvölkern Berge als Heiligtum
betrachtet. So sehen die Aboriginies noch heute im Ayers Rock ein Heiligtum.

Mit den Göttern und Geistern wurde durch Darreichung von Opfern über den Verlauf des
Schicksals verhandelt. Da Krankheiten untrennbar mit dem Schicksal verbunden sind und es
den Menschen bald nicht mehr reichte, auf das Kommende gottergeben zu warten,
kristallisierte sich allmählich das Verlangen heraus, in die Zukunft schauen zu wollen In
China geschah das mit Hilfe der Götter und Schildkrötenpanzern. In Rom beispielsweise aus
dem Verlauf eines Vogelflugs oder aus den Innereien von Opfertieren.

Allerdings vollzog sich in China sehr früh eine Wende. Die einfache Naturreligion wurde
durch Philosophie über die Beobachtung der Natur bereichert. Im Unterschied zur
abendländischen Religion, die ja bekannterweise die Naturreligion durch die aufgezwungene
kirchliche Religion ersetzt, gehen im asiatischen Raum Mythologie und Philosophie eine
Einheit ein.

Auf diese Weise entwickeln sich verschiedene Denkschulen, geführt von großen Denkern.
Am bekanntesten ist sicherlich Konfuzius. Er entwickelt „Gesetze“ über das Verhalten der
Menschen in bezug auf Familie und soziales Umfeld mit dem Ziel, eine harmonische Einheit
zwischen Mensch und Natur zu schaffen. Im Vergleich zur abendländischen Entwicklung,
die erst sehr viel später begann und das Ziel hatte, die Natur zu unterdrücken und
auszubeuten, ein sehr viel weiserer, besser durchdachter Schritt. Allerdings gab es auch in
der abendländischen Geschichte Weise und Gelehrte, die versuchten, die Menschen zur
Einheit mit der Natur zu bekehren. Allerdings taten sie es unter Einsatz ihres Lebens, da das
von der kirchlichen Macht geschaffene Weltbild durch ihre Erkenntnisse ins Wanken geriet.
Man denke hier nur an fortschrittliche Männer wie Nostradamus, Gallileo, da Vinci, die ihre
Wissenschaften überwiegend im Verborgenen betreiben mussten.

Im asiatischen Raum wurden unterdessen die Lehren von Yin und Yang weiter präzisiert
und durch genaue Beobachtungen auch auf den Menschen und dessen Gesundheit
projiziert.

Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der intensiven Beobachtungen die heutigen
Meridiane mit ihren jeweiligen Akupunkturpunkten entstanden. Meridiane sind Bahnen, die
über den gesamten Körper ziehen und Energie transportieren. Diese Energien werden in Yin
und Yang unterteilt und sollten in Harmonie den gesamten Körper versorgen. Tritt nun ein
Ungleichgewicht dieser Energien auf, hervorgerufen durch die unterschiedlichsten inneren
und äußeren Einflüsse, beginnt der Körper, Symptome zu entwickeln. Diese Symptome sind
anfangs unbedeutend und weisen auf eine gestörte Harmonie hin. Durch die gezielte
Behandlung der jeweiligen Akupunkturpunkte kann das Gleichgewicht wieder hergestellt
werden. Erfolgt keine Behandlung, kommt es zur Überlagerung von Symptommustern und
es entstehen Krankheiten. Diese wiederum können durch gezielte Aufarbeitung der
Symptomkomplexe über die Behandlung der Punkte geheilt werden.

Ein Symptom zieht jedoch unbehandelt, da Alles mit Jedem in Verbindung steht, ein
nächstes Symptom nach sich, was den kaskadenartigen Verlauf einer Krankheit erklärt.

Die Wissenschaft tat sich lange schwer mit einer exakten Erklärung. Erst jetzt beginnen
langsam Versuche mit den Energiebahnen des Körpers. Mittels Computertomographie
wurden jetzt erste Erklärungen gefunden. Das Ergebnis finden sie auf der nächsten
Abbildung, ein Ausschnitt aus einem Beitrag über die TCM der Zeitschrift GEO.
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Die Abendländische Medizin mit ihren mythologischen Anteilen

Die Entstehung und Entwicklung der abendländischen Medizin

Wie jede Medizin hat auch die abendländische Medizin ihren Ursprung im einfachen Volk,
welches sein Überleben durch Beobachten der Natur sichern musste. Dieser Umgang in
Achtung und Respekt mit der Natur führte automatisch zu einer ganzheitlichen Betrachtung
der Gesundheit und Krankheit. Das Volk lebte mit Göttern und Naturdämonen in alltäglicher
Eintracht. Waren die Lebensumstände gut, dankte man den Göttern, waren sie schlecht,
stimmte man sie durch Opfergaben gnädig. Jeder war mit seiner Umwelt als lebenswichtiger
Faktor verbunden und benahm sich entsprechend respektvoll.

So war für diese naturverbundenen Völker die Einheit von Körper, Geist und Umwelt nahezu
eine Selbstverständlichkeit. Ein Wesenszug, der im Laufe der Entwicklung manchen
selbsternannten Herrscher störte, in verschiedenen Reformen (Christianisierung,
Sozialismus) verzweifelt unterdrückt werden sollte und sich über die Jahrhunderte
hartnäckig hielt, um als Aberglaube abgestempelt und letztendlich heutzutage
wiederentdeckt zu werden.

Unseren Ahnen begegneten täglich allerlei Pflanzengeister, die ihnen bei ihren alltäglichen
Verrichtungen hilfreich zur Hand gingen.

Nun ist diese Vorstellungsweise nicht einfach nur mit Dummheit oder Unwissenheit zu
erklären. Ganz im Gegenteil, beschäftigt man sich intensiver mit dem uralten Wissen
unserer Ahnen, erfährt man erstaunlicherweise sehr viele Wahrheiten, die durchaus auch
den bis ins kleinste Detail erklärenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen
standhalten.

Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte von Wolf Dieter Storl, einem Ethnobotaniker,
zitieren:

Da sagte eine Engelwurz zu dem Wissenschaftler: „Hältst Du es für möglich, einen


Menschen vollständig zu zerlegen, ihn auf seine chemikalischen Grundbestandteile zu
reduzieren, das Ergebnis in eine messende analysierende Maschine zu speisen, und dann
daraus zu schließen, ob er ein begabter Maler oder ein kreativer Musiker ist? Nein? Warum
glaubst Du dann, dass Du etwas über mich weißt, wenn Du das mit meinem physischen
Körper getan hast?“ – „Ja, aber wie soll ich sonst etwas über die Heilkräfte einer Pflanze
erfahren?“ fragte der verunsicherte Wissenschaftler. „Frage die Alten, frage die Weisen, sie
werden es dir sagen“, antwortete die Engelwurz. „Aber wir haben keine alten Weisen mehr
und kaum Überlieferungen!“ seufzte der Wissenschaftler. „Dann werde selber ein Weiser!
Dann nimm mich als Lehrer. Komm setz dich zu mir. Ich werde dir die Rituale und
Zauberworte schenken, mit denen Du meine Geschwister rufen kannst.“

Es kommt also nicht auf das wissenschaftliche Analysieren an, sondern darauf, ein Gespür
für die Heilmittel und die Natur zu entwickeln, sie kennenzulernen. Dieses Gespräch
zwischen einer Pflanze und einem Wissenschaftler ist kennzeichnend für die Geschichte der
abendländischen Medizin. Die, die sich auf ihre Umwelt einlassen, versuchen sie mit allen
Sinnen zu erfassen, werden sie verstehen. Den anderen ist diese Ansicht suspekt und
damit, weil sie sie nicht verstehen, gefährlich. Also versuchen sie ihre Ansicht durchzusetzen
und um ihre Macht zu sichern, die andere Meinung auszumerzen.

Diese traurige Wahrheit fand leider gleich mehrfach in unserer Geschichte statt.
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Beginnend mit der Christianisierung der sogenannten Heiden und der Verstümmelung
heidnischer Sitten und Bräuche. Im Rahmen dieser Arbeit kann nur begrenzt mit einem
Beispiel auf diesen, sehr interessanten Teil unserer Geschichte eingegangen werden.

Als Beispiel soll hier ein Brauch aufgenommen werden, der sich in letzter Zeit wieder großer
Beliebtheit erfreut, ohne dass allerdings Hintergrundwissen zu diesem Fest besteht.
Heutzutage wird dieses Fest anscheinend nur begangen, weil man einen Grund zum Feiern
braucht. Die Rede ist von der Mitsonnenwende.

Ein Ereignis, welches früher einen wahren Festrausch auslöste und, wie sollte es anders sei,
zu Ehren der Götter und zum Vertreiben von Dämonen gefeiert wurden.

Die Sonne und mit ihr der Sommer haben sozusagen ihren Höhepunkt erreicht. Aus der
Sicht der tiefgläubigen, naturverbundenen Völker unserer Halbkugel bedeutet das, der
Sonnengott und die Große Göttin, anderswo als Baldur und Artemis (Frau Holle) bekannt,
begleitet vom Donnergott Donar und ganzen Heerscharen von Elfen, kommen zur Erde
herab, um die Ernte und die Menschen zu segnen oder aber, sollten sie aus irgendeinem
Grund erzürnt werden, Schaden über die Erde zu bringen. Zu Ehren der Sonnengottheiten
wurden überall Feuer angezündet.

An dieser Stelle soll nun die Bedeutung des Feuers für die Naturvölker einmal näher
betrachtet werden:

- Feuer bedeutet Wärme in einer teils unwirtlichen Umgebung (nördliche Erdhalbkugel)

- Feuer ist Licht in der Dunkelheit des Winters und assoziiert somit die lichtbringenden
Frühjahrs- und Sonnengöttern, somit ist Feuer auch ein Heiligtum

- Feuer bedeutet Nahrungszubereitung und am Feuer kann man seine Kleidung trocknen

- Feuer bedeutet Heilung (jede Holzart hat eine eigene Qualität, ist oft einem Gestirn und
damit einem Gott zugeordnet und setzt während der Verbrennung seine Heilkraft frei)

- Und Feuer ist in vielen Kulturen die Verbindung zu den Ahnen (aufsteigender Rauch
gaukelt an den nur durch Kerzen/Feuer erhellten Raumwänden allerlei Figuren/Geister
vor, die, oft durch psychedelisch wirkende Pflanzen benebelt, gedeutet wurden).

Wer sich einmal dem Genuss eines Feuers in der Abgeschiedenheit der Natur hingegeben
hat, kennt die Faszination, die von den Flammen ausgeht und kann sich vielleicht in die
Bedeutung des Feuers für vergangene Generationen ohne den Luxus einer Heizung,
isolierter fester Wohnungen und elektrischen Lichts hineindenken.

Feuer und Rauch spielen bei allen Völkern eine große Rolle. Darauf soll später in einem
extra Artikel eingegangen werden.

Wahrscheinlich, um den Göttern eine Gestalt zu geben, sie greifbar zu machen, wurden
jeder Gottheit eine Pflanze zugeordnet. Diese Einteilung der Pflanzen erfolgte nach den
Eigenschaften, die dem Gott zugeordnet wurden, und setzte ein großes Maß an Wissen
über die Naturgesetze voraus. Denn erstaunlicherweise kann man, betrachtet man die
Zuordnung mit den Augen des Unbewussten, diese Einteilung durchaus nachvollziehen. Ein
deutlich gegliedertes Pflanzenportrait soll an späterer Stelle stehen und wird dies dem
aufmerksamen unbefangenen Leser klarmachen können.

Zur Mittsommerwende gesammelte Pflanzen wurden allerlei magische Kräfte


zugeschrieben. Am bekanntesten dürfte hier wohl das Johanniskraut sein. Zu dieser Zeit
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gepflückt, sorgt es für magischen Schutz von Mensch und Tier gegen allerlei Verhexungen
übers Jahr. Zur nächsten Sommersonnenwende wird es dann mit allen darin verfangenen
Dämonen in den reinigenden Flammen des Sonnwendfeuers verbrannt.

Dass diese heidnische Tradition mit all diesen magischen Kräften den Obersten der Kirche
ein Dorn im Auge war, ist fast klar. Und nachdem der Versuch misslang, diesen Brauch dem
Volke auszutreiben, wurde er einfach umgedeutet. So entstand unser bis heute bekannter
Johannistag, benannt nach einem Jünger von Jesus. Mit großem Eifer wurde jeder noch so
kleine Brauch mit viel Phantasie zu Gunsten der kirchlichen Tradition umgedeutet. Schaut
man jedoch hinter die Fassade kirchlicher Deutung, erkennt man den archaischen Ursprung
all dieser Sitten.

Durch dieses Beispiel soll deutlich gemacht werden, dass unsere Ahnen ihre tiefe
naturverbundene Religion immer in Verbindung mit einer noch heute als heilkräftig
anzusehenden Pflanze zelebrierten und ohne wissenschaftliche Kenntnisse erstaunlich
richtig lange, was die Heilkraft der Pflanzen betrifft.

Auf diese Weise könnte jeder uns bekannter Feiertag betrachtet werden und es würde jedes
Mal ein archaischer Hintergrund hinter der Fassade auftauchen.

Nicht nur die Tradition der Naturvölker wurde verboten und bestraft, auch die Diffamierung
kräuterkundiger Frauen und Männer, deren großer Einfluss auf das einfache Volk sie zum
Rivalen der Kirche im Kampf um die Herrschaft über die Seelen machte, gehörte zur
Christianisierung. So wurde die Natur der Bevölkerung immer fremder und schließlich zum
lebensfeindlichen Unbekannten, das man ausbeuten musste, um zu überleben. Wohin
dieser Trugschluss führte, sehen wir an unseren Stadtkindern, die oft noch nie in ihrem
Leben eine Kuh auf der Weide gesehen haben und denen in der Schule mühevoll
biologische Prozesse in der Theorie beigebracht werden müssen, die unseren Vorfahren in
der Praxis selbstverständlich waren. Von Themen wie Hyperaktivität und Psychodrogen bei
Kindern ganz zu schweigen. Die Presse ist täglich voll davon, also erspare ich mir an dieser
Stelle weitere Ausführungen.

Schlimme Krankheitsepidemien und deren Auslegung vor dem Volk, wie z.B. Pest und
eingeschleppte Syphilis machten den Aberglauben zur Sünde, der von Gott mit Krankheit
bestraft wurde. Ergebnis ist hier wiederum unser jahrelang gepflegter und auch heute noch
gängiger Charakterzug mit dem Umgang von Krankheit und Tod als Feind, der mit allen
Mitteln der Macht bekämpft werden muss, ohne einen Moment an das WARUM und
WESHALB zu verschwenden. Der Sinn der Krankheit als ein Bestandteil der Natur und ein
Zeichen unseres Körpers ist abhanden gekommen.

Wer sich weiterführend für dieses Thema interessiert, dem seien die Bücher „Die geweihten
Nächte“ aus dem Arun-Verlag von Björn Ulbrich und Holger Gerwin sowie „Hexenmedizin“
aus dem AT-Verlag von Claudia Müller-Eberling, Christian Rätsch und Wolf Dieter Storl
empfohlen.

Im Auftrag der Kirche sollten viele Jahre später unter grausamen unmenschlichen
Bedingungen weitere Reformen durchgeführt werden. Die Hexenprozesse zur Beseitigung
des Aberglaubens, sprich des wertvollen Wissens der Heilkundigen sind diesbezüglich wohl
das beste Beispiel für Machterhaltungsmaßnahmen einer herrschenden Schicht. „Sicher soll
an dieser Stelle nicht unbedacht bleiben, dass es wohl überall schwarze Schafe gibt und
gab, so bestimmt auch bei den Hexen. Aber rechtfertigt das solche flächendeckende
Maßnahmen mit ungezählten Toten, Folterungen und Vernichtung wertvollen Wissens?

Schließend wurde das wenige erhaltene Wissen durch den Fortschritt der Naturwissenschaft
als Scharlatanerie und Humbug denunziert und übrig blieb eine undurchschaubare, den
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Menschen als Objekt von seiner Umwelt isoliert betrachtete, unbezahlbare Apparatemedizin,
die unbestritten auch gute Dienste leistet, aber eben nur Teil eines Ganzen sein sollte.

Dieser Abschnitt unserer Medizingeschichte begann mit dem Beginn der experimentellen
Neuen Wissenschaft:

Francis Bacon (1561 – 1626), ein Staatsanwalt der Inquisition und Naturwissenschaftler,
stellte folgende Erkenntnis auf: „Die Natur ist eine Hexe, die man auf die Folterbank
spannen müsse, um ihr ihre Geheimnisse auszuquetschen.“ Er war der Meinung, der
Mensch soll die Natur mittels mechanischer Manipulation versklaven und sie zum Wohle der
Menschheit ausbeuten. Zum Wohle der Menschheit wird heutzutage Gift in Meere
geschüttet, werden Wälder abgeholzt und Tiere ausgerottet.

Rene Descartes (1596 - 1650), ein Priester der Kirche, setzte noch eines obendrauf. Er
vertrat die Meinung, dass die Natur eine Maschine ohne Bewusstsein und ohne Gefühl sei,
bewohnt von mechanischen Objekten, genannt Pflanzen und Tiere.

Newton schließlich machte aus den von Göttern bewohnten Planeten leblose Trabanten im
leeren Raum und demythologisierte die Natur komplett.

Alle Naturforscher entseelten so die Natur, gaben der Menschheit allerdings kein
Ersatzweltbild. Zurück in den Herzen (oder wie man es sonst nennen will) blieb eine tote
Seelenlandschaft, entzauberte, entleerte Natur, ohne Duft, Farbe, freudlos und leer. Es gab
nichts, an was man noch glauben konnte, was einem Halt gab und Sinn. Kein in sich selbst
ruhender Rhythmus, sondern ein krankmachender, aufgezwungener Lebensstil.

Die Naturhellsichtigkeit, die jeder unserer Ahnen besaß, ging verloren. Der Mensch
erblindete seelisch und versucht nun, sein Leben mit Hilfe der neuen Wissenschaft als
Blindenstock zu erklären.

Im Dritten Reich werden nochmals Versuche unternommen, die Naturheilkunde zu


integrieren und zu fördern. Damals wurden unter erheblichen logistischen und
organisatorischen Problemen viele Ärzte in Dresden geschult und weitergebildet, um die
Volksgesundheit, ein wichtiges Kriegsgut, zu garantieren. Leider hafteten die Verbrechen
der Nazis dann auch an der Naturheilkunde und so war der Gang zum Naturheilkundler über
lange Zeit vielerorts verpönt.

Die Funktionäre der DDR machten es sich diesbezüglich ganz einfach und schwiegen die
Existenz der Naturheilkunde einfach tot. Dennoch überlebte auch hier in einer unbeachteten
Ecke ein kleiner Zweig der Naturheilkunde.

Auch verschiedene Medikamente hatten ihre stillschweigende Daseinsberechtigung. So


besaß zweifellos jede Großmutter ihr Hausmittelchen, ein Trend, der jetzt wieder stark im
Kommen ist.

Das Fazit aus der Entwicklung der abendländischen Medizin: Jede regierende Macht hat
ihren Teil in der Entwicklung beigetragen, aber den fest im Volk verankerten Dämonen- und
Götterglauben konnte kein Herrscher komplett ausmerzen. Abgesehen von dem
momentanen Trend zur Naturheilkunde hat diese nie ihre Daseinsberechtigung verloren.
Natur und damit all ihre Geister und Dämonen nahmen immer Einfluss auf die Geschicke
der Menschheit, ob wir es nun verleugnen oder ernst nehmen. Letzteres scheint mit
persönlich der vernünftigere Weg, aber das ist eine Entscheidung, die jeder selbst treffen
muss.
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Die Rolle der Pflanzen in der abendländischen Medizin

Wie auch die Asiaten waren unsere Vorfahren gezwungen, sich mit der Natur
auseinanderzusetzen. Wie auch im asiatischen Raum entdeckten sie in ihrer unmittelbaren
Umgebung Pflanzen, die ihnen nützten, sie heilten oder ihnen schadeten.

Wie zuvor beschrieben, lebten sie in enger Verbindung mit der Natur und versuchten, sie
sich durch Geister und Dämonen zu erklären. Die Menschen nahmen die Natur in ihrer
Einzigartigkeit und Vielfalt wahr und huldigten ihrer Gaben, die für die Bevölkerung
lebensnotwendig war.

Für diese Menschen kam die Nahrung nicht aus dem Supermarkt und die Medizin aus der
Apotheke, sondern sie waren gezwungen, sich selbst um ihre Nahrung zu kümmern, Vorräte
anzulegen, sich Kenntnisse anzueignen, um zu überleben. Sie waren gezwungen, sich mit
ihrer Umwelt auseinander zu setzen. Das Ergebnis war ein riesiger Schatz an Kenntnissen
und Erfahrungen über Tiere, Religion, Magie, das Wechselspiel der Natur und natürlich über
Pflanzen.

Wie auch in der Chinesischen Medizin verfügten unsere Ahnen über einen bedeutenden
Wissensschatz und medizinische Kenntnisse. Frühe religiöse Schriften, wie etwa die Edda,
verweisen auf diese Kenntnisse. Als Beispiel, welches sehr gut die religiösen und
medizinischen Verstrickungen aufzeigt, möchte ich folgendes Zitat aus dem
angelsächsischen Kräutersegen, geschrieben im 11. Jahrhundert, anführen. In diesem alten
Kräutersegen heilt der germanische Gott Odin (entspricht auch Wotan) mit neunerlei
Kräutern (neun als magische Zahl):

„Nun haben diese KRÄUTER Macht


gegen neun böse GEISTER
gegen neun ansteckende Krankheiten
gegen das stinkende Gift ...“

Diese neun Kräuter, es handelt sich dabei um sogenannte Unkräuter wie Beifuß, Wegerich
und Brennnesseln, wurden bis ins Mittelalter verwendet. Die Zusammensetzung variierte je
nach Jahreszeit und Gegend. Immer aber waren es neun verschiedene Arten, die, zu
besonderen Tagen gepflückt, Heil bringen sollten.

Besonders erwähnenswert ist anhand dieses Beispiels noch die Verbindung zu bestimmten
Tagen. So gab es neunerlei Kräuter an Gründonnerstag als Suppe und zu Johanni als
Schutzstrauß. An den übrigen Tagen im Jahr räucherte man mit ihnen die Räume aus; ein
Brauch, den wir als Moxa auch aus dem Chinesischen kennen und auf den noch gesondert
eingegangen werden soll, oder man braute Salben und Tränke aus ihnen.

Fazit ist die Verbindung, wie auch in der TCM, zwischen Pflanzen, Geistern, den
menschlichen Geschicken und dem Rhythmus der Natur.

Warum in der abendländischen Medizin der Bezug zum menschlichen Körper in Form von
Meridianen und Punkten fehlt, kann an dieser Stelle nur vermutet werden. Wahrscheinlich
ließ die religiöse Kultur dieses Selbstverständnis dem eigenen Körper gegenüber nicht zu,
so dass sich die Menschen mehr mit dem Außen statt in Harmonie auch mit dem Inneren
beschäftigen mussten. Im Mittelalter gab es sogar Zeiten, in denen ein Körperkult regelrecht
verpönt war. Diese Vermutung bleibt jedoch unbestätigt.

Fakt ist nur, dass meine Großmutter während meiner Kinderzeit, allerdings auf unser
Nachfragen hin ohne eine Begründung, noch den Ausspruch der Überraschung: „Ach Du
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grüne Neune“ benutzte. Im Verlauf der Recherche zu dieser Arbeit wurde der Hintergrund,
dass damit die neunerlei Kräuter gemeint sind, klar.

Ein Pflanzenportrait: Das Johanniskraut

Johanniskraut – griechisch Hypericum perforatum l. als Echtes Johanniskraut, gehört einer


Familie mit über 600 Arten an. Die Pflanze besitzt gelbe Blütenblätter und einen harzigen
Geruch. Die Blüten und Blätter enthalten einen roten Saft, der wie ein Blutstropfen austritt,
wenn man sie zerreibt.

Diese Tatsache ist der Grund für einige Mythen. So soll diese Pflanze einst ohne diesen
roten Saft gewachsen sein. Laut Legende traf ein Jäger, als er einen Hirsch erlegte,
versehentlich eine Elfe und verletzte sie. Beim Davonfliegen tropfte ihr Blut auf das
Johanniskraut und so kam die Pflanze zu ihrem roten Saft.

Ihren Namen verdankt die Pflanze allerdings Johannis dem Täufer. Der rote Saft gilt als das
Blut des Märtyrers, der für seinen König Herodes Antipas und dessen Tochter Salome,
geköpft wurde.

Zwei schöne Beispiele, die noch einmal die enge Verbindung zwischen Mythologie und
Natur verdeutlichen. Auch in den schon erwähnten neunerlei Kräutern findet das
Johanniskraut seinen Platz. Zur Sommersonnenwende (21. Juni) wird es für besonderen
Schutz in einen Strauß gebunden und durch den Rauch des Sonnenwendfeuers gezogen.
Hier haben wir wieder die Verbindung zum Feuer und zum Rhythmus der Natur, denn am
21. Juni ist die Sonne auf dem höchsten Stand während ihrer Umlaufbahn um die Erde.

Als Metapher für Licht und Heil wird die Pflanze selbst in der christlichen Tradition verehrt.
Der griechische Name Hypericum bedeutet soviel wie „über dem Bild“. Die Griechen und
später die Römer hängten das Kraut über ihren Götterstatuen auf, mit dem Ziel, böse
Geister zu vertreiben. Es fehlt dem Johanniskraut also nicht an mythologischem
Hintergrund.

Auch magische Kräfte werden der Pflanze nachgesagt. Zu bestimmten Mondzeiten oder
bestimmten Tagen gepflückt, soll es u.a. unsichtbar machen, die Zukunft vorhersagen, als
Schutz gegen Feuer und negative Energien dienen und unter dem Kopfkissen
hellseherische Träume bringen. Es wird mit der Pflanze geräuchert, Tee und Salben gekocht
und Amulette zubereitet.

Die Kirche verwendete Johanniskraut während eines ihrer dunkelsten Kapitel, dem
Exorzismus. Mit einer Rezeptur aus verschiedenen Zutaten und eben Johanniskraut
bereiteten die Priester ein Gemisch zur Teufelsaustreibung. Zur Seelenreinigung für durch
den Tod auf dem Scheiterhaufen Verurteilte, gab es ebenfalls einen Trunk, der
Johanniskraut enthielt.

Eine sehr schöne Zusammenfassung aller Eigenschaften findet sich in einem Spruch aus
dem 17. Jahrhundert:

„Johanniskraut zaubert alle Hexen fort


wird es im vollen Mond um Mitternacht
am Tag des Heiligen eingebracht.
Teufel und Hexen können nicht plagen
Wenn das Kraut auf der Brust gegen böse Mächte getragen.
Tür und Fenster und Pfosten mit rotem Safte eingerieben
Haben Donner und Sturm und die bösen Mächte vertrieben.“
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Astrologisch wird die Pflanze der Sonne und dem Sternzeichen Löwe zugeordnet. Alle
Sonnenpflanzen haben vitalisierende, erwärmende und trocknende Eigenschaften. Den
Verweis über diese Eigenschaften möchte ich hier direkt mit den pathogenen Faktoren der
TCM in Verbindung bringen. Interessant wäre hier eine Studie über die Phytotherapie der
TCM, die vielleicht an späterer Stelle einmal erscheinen wird.

All diese Zuordnungen weisen schon auf eine der bedeutendsten Wirkungen hin. Schon
Hippokrates (460-377 v. Chr.) und Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) kannten die
stimmungsaufhellenden Eigenschaften. Als Pflanze der Sonne und des Feuers vermag sie
auch Schäden durch diese Elemente zu heilen. Eine Salbe aus Johanniskraut hilft bei
Verbrennungen. Allerdings führt sie auch durch phototoxische Reaktionen Verbrennungen
zu.

Paracelsus (1493-1541) verwendete das Kraut als Mittel gegen Phantastereien und böse
Geister. (Schon wieder ein Zusammenhang!)

Auch als harntreibendes Mittel und zur Abtreibung wurde die Pflanze im Laufe der
Jahrhunderte genutzt.

Heute hat es vor allem Bedeutung bei Depressionen und Schädigungen des
Nervensystems. Aber auch als Pflegeöl auf Olivenölbasis hat es in allerletzter Minute schon
manchen Sonnenbrand verhindert. Das ist auf die Wirkung des Krautes als Wundheilmittel
zurückzuführen.

Der Wirkstoff der Pflanze ist vor allem das Hypericin. Hypericin macht den roten Farbstoff
der Pflanze aus, ist aber nicht als isolierter Stoff für die Heilwirkung zu betrachten. Vielmehr
konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen deutlich gemacht werden, dass nur die ganze
Pflanze mit ihrer Gesamtheit an Inhaltsstoffen wirksam ist. Bei diesem wissenschaftlichen
Untersuchungsergebnis möchte ich den Leser nochmals an den Anfang der Arbeit und an
die Geschichte über den Engelwurz verweisen.

Wissenschaftlich betrachtet besteht das Hypericin, der aus den punktförmig scheinenden
Drüsen an Stengel und Blättern austretende Saft u.a. aus Gerbstoffen, Farbstoffen und
ätherischen Ölen.

Hypericin bewirkt biochemisch gesehen, dass weniger Dopamin zu Noradrenalin


umgewandelt wird. Beides sind Botenstoffe des menschlichen Körpers, die dafür sorgen,
dass wir dem täglichen Stress gewachsen sind. Bleibt also durch die Einwirkung von
Hypericin mehr Dopamin im Blut, können wir den Alltagsbelastungen gelassener
gegenübertreten. Demzufolge wird die Noradrenalinsynthese gehemmt, aus dem dann
durch weitere biochemische Prozesse Adrenalin entsteht – unser Stresshormon also. Durch
die photosynthetische Wirkung des Stoffes (Kühe, die zuviel Johanniskraut fressen,
bekommen auf ihr weißen, unpigmentierten Flecken eine Art Sonnenallergie) wird der
positive Einfluss des Lichts (Zuordnung der Pflanze zur Sonne!!!) auf die Psyche verstärkt.
In der dunklen Jahreszeit und nachts werden im Gehirn Hormone ausgeschieden, die für
den Schlaf zuständig sind. Was nachts für uns hilfreich ist, macht sich im Winter als
belastende „Herbst- und Winterdepression“ bemerkbar. Die Menschen sind müde und
reagieren gereizt. Hypericin wirkt diesbezüglich auf die Zirbeldrüse im Gehirn ein, so dass
die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin wieder dem geordneten Tag- und
Nachtrhythmus angepasst werden kann. Das erklärt die aufhellende Wirkung der Pflanze.

Weitere wissenschaftliche Untersuchungen konnten eine antibakterielle und antivirale


Wirkung der Pflanze nachweisen. In den USA laufen zur Zeit Studien mit Krebs- und
Aidspatienten. Bleibt abzuwarten, ob das Hexenkraut unserer Ahnen auch bei modernen
Dämonen wirksam ist.
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Der direkte Vergleich (soweit überhaupt möglich) zwischen TCM und


Abendländischer Medizin

Ein allgemeiner Vergleich beider Kulturen

Es scheint auf den ersten Blick keine gemeinsame Struktur zwischen beide Kulturen zu
geben. Und dennoch ist die Entwicklung und die Geschichte aus einem gemeinsamen
Ursprung entstanden: dem Wunsch nach Leben und dem Instinkt, das Leben zu erhalten.

Das Ziel ist dasselbe, der Weg war verschieden.

Die Bevölkerung beider Erdteile musste sich im Laufe ihrer Entwicklung mit den jeweiligen
Umweltbedingungen arrangieren. Erstaunlicherweise, aber vielleicht liegt das ja in der Natur
des Menschen, taten sie es auf ähnliche Art und Weise. Die zeitliche Abfolge ist
geschichtlich nachgewiesen, eine andere. Während unsere Ahnen noch primitiv im tiefsten
Mittelalter lebten, hatten die Chinesen schon eine Hochkultur mit Luxusartikeln, wie
Porzellan, Papier, Seide und nicht zuletzt einem ausgereiften Medizinsystem entwickelt.

Der Ahnenkult und damit verbunden ein Dämonenkult, wurde von beiden Volksgruppen
ausgeübt. Nur schienen unsere asiatischen Nachbarn intellektuell und vor allem
philosophisch weiterentwickelt. Zahlreiche Schriften zeigen diesen Fortschritt durch noch
heute gültige Lehrsätze über die Vorgänge und Rhythmen der Erde. Außerdem scheint es in
der früheren Geschichte der Asiaten nicht solch einen konsequenten kirchlichen
Dogmatismus gegeben zu haben. Mir scheint die Entwicklung dadurch freier. Dies beweisen
meiner Meinung nach die umfangreichen Kenntnisse über die Vorgänge in der Natur.
Beispielsweise waren den Chinesen Phänomene wie Flut und Ebbe sehr zeitig als Ursache
der Mondwirkung bekannt.

Blicken wir diesbezüglich auf unsere Geschichte und den unerbittlichen Kampf von
fortschrittlichen Gelehrten über die These, dass die Erde rund ist, wird der Druck der Kirche
den Fortschritt aufzuhalten, deutlich. Ungeklärt ist, wie viele modern denkende Menschen im
Verlauf unserer Entwicklung Opfer ihrer Erkenntnisse wurden.

Erst in unserem Jahrhundert wurden die Chinesen von diesem Phänomen buchstäblich in
Form einer Kulturrevolution überrollt. Leider wurde sehr gründlich gearbeitet, um alles
Mystische und Unerklärliche gegen die Rationalität und Erklärbarkeit des Sozialismus
einzutauschen. Deshalb ist auch sehr wenig Material über die ursprüngliche unverfälschte
TCM zu finden, was im Gegensatz zur abendländischen Entwicklung meine Ausführungen
dementsprechend kurz hält.

Ein Vergleich über den mythologischen Anteil in den beiden Kulturen

Religion, ob in reiner Naturform oder in strukturierter Glaubensrichtung, spielt bei allen


Völkern dieser Erde eine große Rolle. Zu jeder Zeit sinnierten die Menschen über ihr
Schicksal und den eigentlichen Grund ihres Daseins. Überall auf der Welt wurden die
Menschen von Schicksalsschlägen gebeutelt und haderten darüber mit sich und ihrer
Umwelt.

Folglich entwickelten sich unterschiedliche Denkmodelle und Theorien. Am Anfang jeder


Kultur steht wahrscheinlich ein Ahnenkult. Die Seelen der Toten wurden in verschiedenen
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Interpretationen verehrt. Daraus könnte sich der Dämonen- und Geisterglauben entwickelt
haben.

Trotz unterschiedlicher Rituale ähneln sich die Religionen der Naturvölker in ihrem Inhalt.
Vergleicht man z.B. Zeichnungen in den ägyptischen Pyramiden und die in den Tempeln der
Mayas, findet man, obwohl geographisch sehr weit entfernt, übereinstimmende Inhalte.

Auffallend oft wurde die Sonne in Form verschiedener Götter verehrt. Dieser Aspekt gilt
ebenfalls für die chinesische und abendländische Kultur.

In China wird die Sonne mit dem Yin/Yang -Prinzip assoziiert und denken wir an Steinkreise
in Schottland, die wahrscheinlich als eine Art Sonnenkalender fungierten, spielte der
Himmelskörper auch in unseren Breiten eine Rolle.

Auf diese Weise lassen sich noch viele andere Gemeinsamkeiten finden.

In den abendländischen Mythologie fand im Laufe der Entwicklung eine Wende statt, weg
von der Natur und hin zum Realismus. Die Natur wurde zum Feindbild der Menschen und
alles Unerklärliche von der Kirche dem Teufel zugeschrieben. Dies führte, wie ausführlich im
Artikel: „Entstehung und Entwicklung der abendländischen Medizin“ beschrieben, zu unserer
sich selbst fremden Einstellung gegenüber der Natur.

Anders verlief die geschichtliche Entwicklung im asiatischen Raum.

Hier gab es keine biblisch bestimmende Sünde, keinen Gott als über alles stehende
Struktur.

Die Menschen mussten nicht in Furcht vor einem Gott oder Natur leben, sondern konnten ihr
Leben im Einklang mit der Umwelt arrangieren.

Sie versuchten, ihre Lebensenergien durch verschiedene Methoden mit den Energien ihrer
Umwelt in Gleichklang und Harmonie zu bringen, den einzigen Weg um Gesundheit an Geist
und Körper zu erlangen und, ganz wichtig, zu erhalten.

Dieses alte religiöse Konzept wurde von praktischen Erfolgen der TCM erfolgreich
untermauert und macht die Medizin als Teil der Religion in der Gesamtheit untrennbar.

Die Medizin beider Kulturen im Vergleich

Der heutige Stand unserer modernen Medizin kann mit Sicherheit als sehr fortschrittlich
bezeichnet werden. Kaum eine Operation, die nicht möglich ist. Ob am offenen Herzen oder
noch im Mutterleib, nahezu alles ist operativ zu behandeln. Mit Impfungen rücken wir
schwersten Infektionskrankheiten zu Leibe, rotten sie teilweise sogar nahezu weltweit aus.
Dennoch stellen uns Krankheiten wie Aids oder Krebs vor schier unlösbare Rätsel. Millionen
werden in die Forschung investiert und unsere größte Hoffnung stellt momentan die
Gentechnik dar. Die pharmazeutischen und biotechnischen Märkte boomen. Alles im
Dienste des Menschen. Aber leider auch ohne das einzelne Individuum zu beachten. Oft
schadet uns diese Art Medizin, die uns eigentlich Gesundheit bringen soll, mit ihren
Nebenwirkungen, mehr als sie hilft. Mit aller Macht wird die Krankheit bekämpft, ohne darauf
zu achten, wie es dem Menschen dabei ergeht. Zudem ist diese Art von Gesundheit dann
auch noch so teuer, dass sich ohne staatliche Subventionen keiner mehr eine Behandlung
leisten könnte.

Präventionsmaßnahmen gibt es kaum oder wenn, nicht ausreichend.


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Hier setzt zwar langsam die ganzheitliche Medizin ein, aber mit so einer Ablehnung, dass es
noch sehr lange dauern wird, bis der Mensch mit seiner Umwelt wieder in Einklang sein wird
und das Ausmaß der teilweise zerstörerischen, menschenfeindlichen Medizin erkannt hat.

Das die moderne Medizin sehr wohl Menschenleben retten und verlängern kann, soll hiermit
natürlich nicht in Abrede gestellt werde, nur sollte der Mensch, um den es ja im Vordergrund
gehen sollte, im Mittelpunkt stehen, nicht der unbesiegbare Erfolg von modernen
Medizinapparaten.

Die TCM behält trotz Einzug von modernen Methoden, den eigentlichen Sinn bei. Zwar
muss auch gesagt werden, dass viele Chinesen sich von ihren Traditionen abwenden und
nur amerikanische und europäische Methoden als fortschrittlich ansehen, jedoch ist die
Anwendung der TCM immer noch sehr erfolgreich.

Ebenso wie bei der Vorbeugung durch Tai Chi und anderen Meditationsübungen, steht bei
der Behandlung mit TCM-Methoden der Mensch mit seinen energetischen Schwingungen im
Mittelpunkt. Therapeutisches Ziel ist ein energetischer Ausgleich mit dem Kosmos.

In der Medizin wird viel über Ethik und Moral diskutiert, ich meine, eine völlig überflüssige
Diskussion, würde man das eigentliche Ziel, den Menschen und seine Gesundheit, nicht aus
den Augen verlieren. Das chinesische Modell in seiner ganzheitlichen Sicht in Verbindung
mit moderner Medizin ist zumindest ein Lösungsansatz, bei dem Therapie mit weniger
finanziellen Aufwand erfolgreich und zugunsten der Menschen angewandt wird.

Moxa oder der Atem des Drachen – ein Spiel mit dem Feuer

Auf die Rolle von Feuer in der Mythologie wurde schon an früherer Stelle (Die Entstehung
und Entwicklung der abendländischen Medizin) kurz eingegangen. In der abendländischen
Kultur und Medizin wie auch in der TCM finden wir Rituale und Strukturen, die mit Feuer und
Rauch assoziiert sind.

Bei uns hat sich bis heute der Brauch der Räucherkerzen zu Weihnachten gehalten. Dieses
Ritual ist ein Überbleibsel von mächtigen Zauberriten der Vergangenheit.

Schon in spätantiken Schriften wurden mit Hilfe von Räucherungen Beschwörungen und
Magie durchgeführt. Meist handelt es sich hierbei um Liebeszauber, aber auch Wahrsagung,
Schadenszauber und Heilung konnten erhofft werden. Die Heilung mit Rauch ist besonders
von den Indianern bekannt.

Überlieferte Räucherstoffe sind verschiedene Kräuter, wobei Weihrauch aufgrund der


biblischen Verbindung wohl am bekanntesten ist.

Weitere Pflanzen für Räucherrituale waren:

Beifuß – Schutzräucherungen
Eibe – Ahnen- und Reinkarnationszauber
Gewürznelke – Reinigungsräucherung
Wacholder – Reinigungsräucherung

Tatsächlich ist bei den Pflanzen für Reinigungsräucherungen eine antiseptische Wirkung
nachweisbar. Neben Pflanzen wurden auch sehr skurrile Utensilien geräuchert. Tiere, Blut
und Leichenteile. Ein Beweis für die dünne Grenze zwischen Aberglaube, Schwarzer Magie
und Medizin der Natur. Mit Sicherheit wurde im Laufe der Geschichte auch sehr viel
Abschreckendes in solche Rituale hineininterpretiert.
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Räucherungen eröffneten Beschwörungsriten. Sie waren sozusagen Lockmittel und


Opfergaben für Götter und Gottheiten aller Kulturen. Mit diesen Gaben machte man sich
einen Gott oder Hilfsgeist (Dämon) dienstbar. Betrachten wir diesen Fakt unter der
Überschrift dieser Arbeit, können wir einen weiteren Zusammenhang zwischen Mythologie
und Medizin feststellen.

Die TCM geht sogar noch weiter und widmet der Räucherung von Pflanzen, hier allerdings
nur einer Beifußart, einen ganzen Therapiezweig: das Moxa. Diese Therapie wird z.B. bei
Einfluss des pathogene Faktors Kälte erfolgreich eingesetzt. Gemoxt, d.h. abgebrannt, wird
in einem kleinen Holzkästchen oder einer kleinen Pfeife, auf dem indizierten
Akupunkturpunkt. Hierbei kann zusätzlich eine Nadel gesetzt werden.

Als Räuchermaterial wird ein Beifußkegelchen oder eine Zigarre aus diesem Kraut genutzt.
Die asiatische Art des Beifusses hat dabei eindeutig die beste Wirkung.

Die Besonderheit der asiatischen Form des Räucherns ist die genaue Lokalisation auf den
betreffenden Akupunkturpunkten. In indianischen und abendländischen Therapieformen
waren zwar auch Räucherungen direkt am Körper bekannt, aber nicht ausschließlich
gebräuchlich.

Neuzeitlichere Moxamethoden verwenden als Material z.B. auch Knoblauch oder Ingwer,
jedoch immer in Verbindung mit Beifußkegelchen.

Das Verbrennen von Kräutern in Verbindung mit Heilung und Schutz von Krankheiten zeigt
in besonderer Weise einen Zusammenhang zwischen Mythologie und Medizin, zwischen
göttlichen und dämonischen Einflüssen auf das Schicksal der Menschen auf.

Es soll an dieser Stelle, als Fazit sozusagen, dennoch dem Leser überlassen bleiben, ob er
den Inhalt dieser Arbeit als abergläubisches Geschwätz abtut oder ob er daran glaubt.

„Heilige Göttin Erde, Gebärerin aller Naturwesen,


die Du alles erzeugst und täglich fortpflanzt,
Du allein gewährst den Völkern Schutz,
Du Herrscherin über Himmel und Meer und alle Dinge ...
Zu Recht wirst Du die große Mutter der Götter genannt,
weil Du die göttlichen Wesen mit zärtlicher Liebe besiegst ...
Die Pflanzen, die Deine Majestät erzeugt,
schenke allen Völkern Rettung um ihretwillen;
überlasse mir diese Deine Medizin.
Sie gelange zu mir mit all Deiner Heilsmacht.
Was ich immer daraus herstelle,
es möge gut anschlagen.
Wem ich diese Medizin gebe,
wer sie auch von mir empfängt,
lasse sie alle gesund werden ...“

Medicina Antiqua
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Quellenverzeichnis

Literaturangaben:

Manfred Lurker: „Lexikon der Götter und Dämonen“, Kröner Verlag


Kubiena, Petricek, Meng: „Handbuch der Akupunktur“, Orbis Verlag
Paul U. Unschuld: „Chinesische Medizin“, Becksche Reihe
S. Fischer – Rizzi: „Medizin der Erde“, Heyne Verlag
„MagisterB Botanicus“, Sanduhr Verlag
Eberling, Rätsch, Storl: „Hexenmedizin“, AT-Verlag
Ulbrich, Gerwin: „Die geweihten Nächte“, Weltbild Verlag
Frohn: „Hadbuch der psychoaktiven Pflanzen“, Weltbild Verlag
Maciocia: „Die Grundlagen der chinesischen Medizin“, Wühr Verlag
GEO – Bild der Erde, Ausgabe 6/2001, Gruner und Jahr Verlag
Wolf – Dieter – Storl: „Heilkräuter und Zauberpflanzen zwischen Haustür und Gartentor, AT
Verlag
Christiane M. Schröder: „Gesund und fit mit Johanniskraut“, Seehammer Verlag
Kuschinsky, Lüllmann, Mohr: „Kleines Handbuch der Pharmakologie und Toxikologie“,
Thieme
Roth, Daunderer, Kormann: „Giftpflanzen – Pflanzengifte“, Nikol Verlagsgesellschaft
Bierbach: „Naturheilpraxis – heute“, Urban & Fischer
„2000 Jahre Eine Chronik“, Naumann & Göbel
Arbeitsskripte aus dem TCM Kurs 2001 / Paracelsusschule Leipzig

Internetquellen:

http://www.diegeister.com/daemon/volksgl.html
http://www.geocities.com/prokura/daemon.html
http://www.bwcg.de/report32/cr32_1.html
http://www.storl.de.htm
http://home.t-online.de/home/dr.hugnagel/natur/natur.htm
http://members.surfeu.de/hochkulture/chi/chi_reli.html
http://www.naturheilkunde-online.de/Ostasien/fach-01-012.htm
florian.then@web.de
http://www.natuerlich-thews.de/Moxatherapieaufsatz.htm