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Barbara Wiacek, Lehrprobe am 18.06.

2015
Lisa, 23 Jahre, Querflöte

Prüfungslehrprobe im Rahmen des Studiengangs Master KPA IGP Querflöte

1. Unterrichtsvoraussetzungen
Die Lehrprobe wird im Rahmen einer Abschlussprüfung im Fach Metho-
dik/Fachdidaktik der Querflöte organisiert und findet in der Räumlichkeiten der Hochschule
für Künste Bremen statt. Sie soll ein Beispiel einer instrumentalpädagogischen Arbeit mit
einem/einer fortgeschrittenen Schüler_In im Einzelunterricht darstellen. Der Zeitrahmen
beträgt 30 Minuten. Der Unterricht wird von der Prüfungskommission beobachtet, was das
Verhalten der Schülerin und Lehrerin beeinflussen könnte. Der Raum bietet optimale Ver-
hältnisse für den Querflötenunterricht, allerdings finden am Gebäude Renovationsarbeiten
statt, was ggf. das akustische Wohlbefinden etwas beeinträchtigen kann.
Die Schülerin ist 23 Jahre alt und studiert im 6 Bachelorsemester Fach Schulmusik an
der Universität Bremen. Die hat sich freundlicherweise für die Lehrprobe am 18.06.2015,
sowie auch für die drei vorbereitende Lehrversuche, die im Methodikseminar im Mai statt-
gefunden haben, zur Verfügung gestellt. Die Schülerin, die selbst ein schulisches Fach stu-
diert, hat auch in den oben genannten Lehrversuchen an den Nachbesprechungen teilge-
nommen und ihre Bemerkungen zu dem Unterricht gegeben, was sich positiv auf die Schü-
ler-Lehrer Beziehung ausgewirkt hat und in der kurzen Zeit ermöglicht hat, ein besseres Ver-
ständnis über ihre Bedürfnisse und Eindrucke zu erwerben. Die Schülerin beschreibt, dass sie
erst seit dem Oktober 2014 wenn sie den Hauptfachlehrer gewechselt hat, wieder motiviert
ist, Querflöte zu spielen. Ihre Persönlichkeit ist als kommunikationsfreundlich zu beschreiben,
allerdings lässt sich in ihrem Spiel eine gewisse Unsicherheit beobachten. Dadurch führt sie
die Anweisungen eher vorsichtig aus und traut sich nicht immer sofort zu, unbekanntes frei
auszuprobieren. Auch ihre Körperhaltung ist nicht immer Optimal, mit Tendenz dazu, krumm
zu Stehen und Schulter hochzuziehen. Gute Kommunikation im Unterricht, das hohe Spielni-
veau der Schülerin und ihre Motivation lassen aber trotzdem eine fruchtbare Arbeit zu.
Obwohl die Lehrerin mit der Schülerin nicht regelmäßig arbeitet, wurden in den drei
Unterrichtseinheiten im Rahmen des Methodikseminars schon einige Inhalte wie Atem-
wahrnehmung, Artikulation, Atemstütze sowie drei Stücke und eine Etüde behandelt. Bei
der letzten Stunde wurde die Schülerin darauf hingewiesen, die Tonübungen („Zwerchfell-
impulse“ und Obertöne) weiter zu machen. Da sie noch nicht die geforderte Körperwahr-

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nehmung und Sensibilität für den Ton entwickelt hat, braucht sie bei den Übungen weiterhin
die Lehrerhilfe. Bei der letzten Stunde wurde auch das Divertimento op. 68 no. 2 von Kuhlau
erarbeitet. Die Schwierigkeit des Stückes besteht für die Schülerin in Darstellung des Charak-
ters, großen Sprüngen und schnellen Passagen über drei Oktaven.

2. Unterrichtsziele
Mein Leitziel in der Arbeit mit der Schülerin ist vor allem die Entwicklung eines freien
Tones. Der wichtigste Schritt hier ist das Lösen von psychologischen Hemmungen. Da dies
eine Dauerarbeit ist, steht für mich immer die positive Atmosphäre im Unterricht und das
Spiel ohne Zwang, im Einklang mit eigenem Körper und Psyche im Vordergrund.
Das Grobziel ist Arbeit an der Atemstütze, oder besser definiert: das Vermeiden einer
übermäßigten Bauchanspannung und zu hohen Atmung. Um das zu erreichen, musst die
Schülerin ihren eigenen Körper besser wahrnehmen können und darauf aufmerksam werden,
die Verspannungen zu erkennen und das „Zuhalten“ des Rumpfes durch ungünstige Körper-
haltung vermeiden.
Die Feinziele sind im Hinblick auf das zu vorbereitende Stück: besserer Klang in den
Intervallsprüngen, Verbesserung der Fingertechnik in Terzpassagen und Arbeit an der Phra-
sierung und Interpretation.

3. Didaktische Analyse
Da die Schülerin eher zu hoch atmet und die Bauchmuskeln zu straff anspannt, fehlt
ihrem Ton die tiefe Resonanz. Dieses Problem zeigt sich auch durch Schwierigkeiten im Aus-
führen von Passagen nach unten und bei großen Intervallsprüngen, wo die tiefen Töne nicht
laut genug erklingen. Deswegen wird ein großer Teil der Arbeit im Unterricht diesem techni-
schen Problem gewidmet. Aus vier verschiedenen Stücken und Etüden an denen während
der früheren Lehrversuchen gearbeitet wurde, hat sich die Lehrerin für die Lehrprobe für das
Divertimento op. 68 no. 2 von Kuhlau entschieden, welches vielfältige Arbeit am musikali-
schen Charakter und der Technik ermöglicht.

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4. Unterrichtsverlauf in tabellarischer Form

Zeit Phase Inhalte („Was?”) Methoden („Wie?“) Ziele („Warum?“)


1 Minute Begrüßendes Gespräch, Fra- - Auflockern und ein freundliches Schüler-Lehrer
Dialog-Methode
Eröffnungspha- gen nach dem Flötenspiel in Verhältnis aufbauen
(„wie geht’s dir?“ „Was hast du seit dem
se, Begrüßung der Zeit seit dem letzten Un- - Auskunft über das Übeverhalten der Schül oerin
letzten Unterricht geübt?“, etc.)
terricht erwerben
2 Minuten Entdeckenlassendes Verfahren
Aufwärme- Muskelverspannungen lösen, Das Beheben von Muskelverspannungen und kör-
Körperübungen
übung für den den ganzen Körper zum Spiel perliche Wohlbefinden ist eine Voraussetzung für
kurze Übungen im Stehen, Dehnen, Stre-
Körper vorbereiten gutes Flötenspiel
cken, Schulter kreisen lassen
5 Minuten Durch die Ausübung der „Wellen“ nach unten, stellt
sich die Atemmuskulatur in guter „Stützposition“.
Aufgebendes Verfahren Die Muskulatur wird elastischer und aufgewärmt.
Vibrato mit langsamen „Luft- Vibrato beginnt mit einer „Welle“ nach Die Übung schult zusätzlich die Wahrnehmung von
wellen“, gespielt von g2 nach unten. Es soll mit einer Vorstellung ausge- der Atemmuskulatur.
oben, dann wieder von g2 führt werden, dass die Luft im Körperin- Hohe Lage verlangt größere Bewegungen, deswe-
Einspielen und nach unten nerem elastisch ist, wie ein Basketball der gen wird sie zuerst geübt, tiefe Lage braucht feine-
Arbeit an dem auf den Boden geworfen wird. re Bewegungen, ist daher schwieriger. Das Beenden
Ton der Übung in tiefen Oktave führt gleichzeitig zur
nächsten Übung.
3 Minuten Aufgebendes Verfahren Das ist eine Übung der richtigen Atemstütze. Der
Vorstellung nach unten und nach oben Ton wird nicht „ausgepresst“ sondern in beiden
Obertöne auf den Basistönen (zum Stirn). Bauchmuskeln „öffnen“ und Richtungen (zum Bauchboden und nach oben) ge-
vom c bis e1 gleichzeitig mit schneller Luft blasen. Der stützt. Resonanzräume im Rumpf und im Kopf wer-
Klang sollte sowohl eine Basis, sowie auch den genutzt. Der Klang wird breiter und mit mehr
höhere Resonanztöne haben. Resonanz.
2 Minuten Überprüfung der Sicherheit, musikalisches Entwick-
Kuhlau Divertimento op. 68
Vorspielen Die erste Seite Vorspielen lassen lungsstandes und Erkennen von technischen Prob-
no. 2
lemen
2 Minuten Psychologische Darstellendes Verfahren, Modell- Entwicklung einer größeren Sicherheit und besse-
„Stolze“ Körperhaltung
Arbeit Methode ren Körperhaltung

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Für eine kurze Zeit Aufnehmen einer Wissenschaftliche Erklärung gibt der Schülerin die
„Stolzen“ Haltung : mit wissenschaftli- Zuversicht, dass die Übung wirkungsvoll ist
chen Erklärung, warum das Hilft
14 Minuten - Arbeit an der Interpretation:
Modell-Methode, Darstellendes Verfah-
Phrasierung, musikalischer
ren
Charakter
Aufgebendes Verfahren, erarbeitendes Reifung der musikalischen Interpretation und Be-
Arbeit am Stück - Übungen für die technische Verfahren heben von technischen Schwierigkeiten die in dem
Schwierigkeiten: Anknüpfend an die letzte Stunde: Stück auftreten
Sprünge, Passagen und ande- - Terzenübung im E-dur, D-dur und H-dur
re, die spontan auffallen - bei Sprüngen: Einstellung auf die tiefen
Töne
1 Minute - Kurze Zusammenfassung von Die Zusammenfassung dient einer besseren Nach-
Unterrichtsinhalten haltigkeit und der Verdeutlichung, welche Aspekte
Schlussphase Aufgebendes Verfahren, Dialog-Methode
- Fragen der Schülerin noch geübt werden müssen (und wie). Weitere
- Hausaufgabe Fragen der Schülerin werden geantwortet

5. Anhang
Notenmaterial: Kuhlau – Divertimento op. 68 no. 2

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