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Messung

Allgemein kann jeder Vorgang, der sich als zeitlicher Verlauf einer elektrischen Spannung abbilden
lässt, mit dem Oszilloskop durch einen stetigen oder unstetigen Kurvenzug dargestellt werden.
Dazu hat es eine rechteckige Anzeigefläche. Vorzugsweise werden periodische Verläufe betrachtet,
deren charakteristische Einzelheiten ihrer „Form“ erfasst werden sollen. Dabei dient die x-
Ablenkung der Zeitdarstellung.
Die Eingangsspannungen werden meistens über BNC-Buchsen auf der Frontseite direkt oder unter
Verwendung eines Tastkopfes angeschlossen. Die Buchsen sind bei Laborgeräten über Schutzleiter
einseitig mit Masse (Gehäuse, Schutzkontakt) verbunden. Entsprechend muss jede zu messende
Spannung einseitig in gleicher Weise geerdet oder potentialfrei sein. Vorzugsweise sind 2 oder 4
Eingangskanäle vorhanden für die Beeinflussung der y-Ablenkung von 2 oder 4
Eingangsspannungen.
Bei den meisten Oszilloskopen ist ein Eingang für die x-Ablenkung verwendbar, wodurch nicht nur
zeitabhängige Funktionen dargestellt werden können (t-y-Darstellung), sondern auch x-y-
Darstellungen (wie etwa Lissajous-Figuren oder Kennlinien). Gelegentlich gibt es einen z-Eingang,
über den die Intensität des Kurvenzugs beeinflusst werden kann.
Viele physikalische Größen können über Messumformer durch Spannungssignale dargestellt
werden. Dann können am Oszilloskop auch deren Einzelheiten wie Spitze-Tal-Wert, Gleichanteil
bzw. Periodendauer, Zeitspanne, Phasenverschiebung gemessen werden.
Je nach Ausstattung ist eine Summen- oder Differenzbildung zwischen zwei Kanälen möglich oder
die Darstellung anderer als zeitlicher Zusammenhänge, beispielsweise in Form von
• Kennlinien elektronischer Bauelemente (mit einer Zusatzschaltung über die x-Ablenkung)
• Frequenzgängen elektronischer Schaltungen (mit einem Wobbelgenerator).

Aufbau und Einstellmöglichkeiten

Blockschaltbild eines Oszilloskops


Einen Überblick über den Aufbau eines Oszilloskops gibt das gezeigte Blockschaltbild.
Die Einstellmöglichkeiten sind je nach Fabrikat vielfältig: Die hier genannten Möglichkeiten sind
repräsentativ und keineswegs vollständig bzw. keineswegs auf jedem Gerät vorhanden.

Vertikalbaugruppe

Typischer Aufbau einer Eingangsstufe


Wesentliche Bestandteile hierzu sind für jeden Kanal
• ein hochwertiger Verstärker von Gleichspannung bis zu Wechselspannung mit hoher
Frequenz (typisch 100…500 MHz)
• ein Wahlschalter für den Spannungs-Messbereich
• ein Einsteller für die Höhe der Nulllinie (y-Position)
• ein Eingangswahlschalter mit den Möglichkeiten der Aufnahme
• des Wechselspannungsanteils der angelegten Spannung (Stellung AC)
• der gesamten Spannung einschließlich Gleichanteil (Stellung DC)
• der Nulllinie (Stellung GND).

Wie jedes Messgerät soll ein Oszilloskop die zu untersuchende Schaltung möglichst wenig
beeinflussen und das anliegende Signal möglichst wenig verfälschen. Damit soll die
Eingangsimpedanz möglichst hoch sein, zugleich sollen möglichst keine Reflexionen auf der
Messleitung auftreten. Diese Forderungen können nicht miteinander vereint werden.
• Ein Universal-Oszilloskop hat in der Regel einen Eingangswiderstand von 1 MΩ und eine
Eingangskapazität von 20 bis 50 pF. Mit einem Tastkopf können der Widerstand erhöht und
die Kapazität vermindert werden, meistens aber unter Verzicht auf die untersten
Messbereiche für kleine Spannungen.
• Bei Spezial-Oszilloskopen für reflexionsarme Hochfrequenz-Anwendungen kann der
Eingangswiderstand 50 Ω betragen.
Eine Besonderheit beim Oszilloskop: Der Spannungsnullpunkt liegt weder fest an einem Bildrand
noch fest auf der Mittellinie, sondern stets da, wo er zur optimalen Bildschirmausnutzung
individuell hingelegt wird.

Triggerbaugruppe

Zur Triggerung:
Dünne Linie: eine fortlaufend am Eingang vorhandene Sägezahn-Spannung.
Dicke Linie: Teil der Eingangsspannung, der bei gegebenem Maßstab auf dem Bildschirm sichtbar
ist (bei Triggerung auf positiven Anstieg).
Ein anliegendes Signal wird fortlaufend gemessen und vom linken Rand der Anzeigefläche bis zum
rechten immer wieder neu gezeichnet. Um bei den periodischen Signalen ein stehendes Bild zu
erhalten, ist es nötig, den Bildschirm-Durchlauf so lange aufzuhalten, bis das darzustellende Signal
einen festgelegten Anfangszustand erreicht. Erst dann wird eine neue Darstellung ausgelöst. Die
Durchläufe sind somit identisch und frischen das Bild immer wieder auf.
Üblicherweise werden dazu eingestellt
• das Triggerniveau (LEVEL, stufenlos einstellbare Spannung)
• den Triggeranstieg, mit dem das Signal das Triggerniveau überquert
(SLOPE, + oder −)
• die Triggerbetriebsart (MODE, normal oder automatisch).
Wenn die eingestellte Triggerbedingung durch das ausgewählte Triggersignal nicht erfüllt wird,
bleibt die Zeitablenkung bei Normalbetrieb in Warteposition; im Automatikbetrieb entsteht dann
eine, allerdings freilaufende, Darstellung. Beispielsweise kann Gleichspannung nicht triggern; auch
für das Suchen des Signalverlaufs bis zur korrekten Einstellung der Vertikalbaugruppe ist der
Freilauf hilfreich.
Als Triggerquelle, von deren Spannungsverlauf ausgelöst werden soll, kommt infrage
• jeder der Kanäle (CH1, CH2, …)
• ein externer Triggereingang (EXT)
• das Versorgungsnetz (50 Hz; LINE), da häufig netzsynchrone Ereignisse zu erfassen sind.
Je nach Ausstattung des Oszilloskops gibt es noch spezielle Triggerschaltungen, die z. B. TV-
Signale oder den I2C-Buszyklus erkennen und zur Auslösung verwenden.

Horizontalbaugruppe
Für den horizontalen Durchlauf des Bildes sorgt eine Zeitbasis, die ebenfalls hohen Anforderungen
genügen muss. Sie hat Einstellmöglichkeiten für
• den Zeit-Messbereich
• die horizontale Position des Bildanfangs.
Bei einem Analogoszilloskop erzeugt sie eine ab dem Triggerzeitpunkt mit der Zeit streng linear
ansteigende Spannung („Sägezahnspannung“), die für die Horizontalablenkung verwendet wird.
Bei einem Digitaloszilloskop wird der Verlauf abgetastet, und die Daten der Messpunkte werden in
einem Datenspeicher abgelegt, der ringförmig immer wieder überschrieben wird. Hier sorgt die
Zeitbasis für den zeitlichen Abstand, in dem Messdaten gewonnen und in den Speicher geschrieben
werden. Diese werden dann – ab einem festgelegten Abstand zum Triggerzeitpunkt – zum
Bildaufbau verwendet. Der Datenspeicher übernimmt Daten für eine längere Zeitspanne als die
Zeitspanne, die auf dem Bildschirm angezeigt wird. Dadurch kann bereits die Vorgeschichte des
Trigger-Ereignisses („pre trigger“) zur Anzeige gebracht werden.
Bei digitalen Oszilloskopen gibt es auch die bequeme Möglichkeit, einmalige Ereignisse
darzustellen („single“). Ab Triggerereignis wird der Datenspeicher nur noch mit einer festgelegten
Anzahl von Messpunkten beschrieben, aber nicht mehr ständig überschrieben. Dadurch lässt sich
ein transientes Signal aufnehmen und beliebig lange anzeigen.
Komfortable Oszilloskope verfügen über zwei Zeitbasen. Neben der Hauptzeitbasis gibt es eine
zweite Zeitbasis, mit der bei schnellerem Durchlauf Ausschnittvergrößerungen erzeugt werden
können. Diese startet nach einer einstellbaren Verzögerungszeit nach Triggerung der Hauptzeitbasis;
oder sie wird nach der eingestellten Verzögerungszeit triggerbar aufgrund eines zweiten
Triggerereignisses. Auf diese Weise ist ein Ereignis viel feiner auflösbar, als das mit der
Hauptzeitbasis möglich ist, wenn das Ereignis in einem größeren Abstand nach dem Triggerereignis
auftritt. Die zweite Zeitbasis kann entfallen, wenn Daten von vornherein ganz wesentlich dichter
erfasst und in den Speicher geschrieben werden, als sie zum Bildaufbau verwendbar sind. Zur
besseren Auflösung des Ereignisses wird ein Ausschnitt der Daten gespreizt dargestellt.

Messbereiche
Um Messwerte ablesen zu können, enthält der Bildschirm ein Raster. Bevorzugt wird es mit 10
Teilungen (Divisions, kurz „div“) waagerecht und 8 div senkrecht ausgestattet. Ein Messbereich
wird hier – anders als in der Messtechnik bevorzugt – nicht durch einen Nullpunkt und einen
Messbereichsendwert, sondern durch einen Maßstab („scale“) oder Ablenkkoeffizienten
gekennzeichnet.
Zur quantitativen Beschreibung der Zeit auf dem Bildschirm dient die Angabe
Δ t Δ x = 1 Horizontalgeschwindigkeit = Horizontal-Maßstab {\displaystyle {\frac {\Delta t}
{\Delta x}}={\frac {1}{\text{Horizontalgeschwindigkeit}}}={\text{Horizontal-Maßstab}}}
Typisch einstellbare Maßstäbe sind 10 ns/div … 1 s/div mit drei Einstellungen pro Zehnerpotenz in
den Faktoren 1, 2 und 5.
Aber auch 20 ps/div[1] oder 10 ks/div[2] werden angeboten.
Die Einstellmöglichkeiten reichen also typisch über die große Spanne von rund acht
Zehnerpotenzen, fallweise noch einige mehr.
Zur quantitativen Beschreibung der Spannung auf dem Bildschirm dient die Angabe
Δ U Δ y = 1 Empfindlichkeit = Vertikal-Maßstab {\displaystyle {\frac {\Delta U}{\Delta

y}}={\frac {1}{\text{Empfindlichkeit}}}={\text{Vertikal-Maßstab}}}

Typisch einstellbare Maßstäbe sind 2 mV/div … 5 V/div in derselben Stufung wie für die Zeit.

Arten
Digitales Oszilloskop

Mit einem digitalen Oszilloskop aufgenommenes Oszillogramm

Überblick

Digitales Speicheroszilloskop
Kompaktes DSO

Anschlüsse eines DSO, hier für RS-232, Drucker und GPIB


Heute werden überwiegend digitale Oszilloskope (DSO, englisch: Digital Storage Oscilloscopes)
verwendet. Sie setzen für jeden Kanal nach einer analogtechnischen Verstärkung die
Spannungswerte zu diskreten Zeitpunkten um in Digitalsignale und legen die Daten in einem
Datenspeicher ab. Diese werden dann für den Bildaufbau verwendet, können aber auch nach der
Messung auf einem externen Speicher abgelegt oder auf einen PC übertragen werden.
Es gibt verschiedene Ausstattungsstufen sowie Mischformen zwischen Analog- und
Digitaloszilloskopen. Zusätzlich zu den oben genannten Mess-Möglichkeiten enthalten
Digitaloszilloskope weitere Funktionen, beispielsweise:
• Pre-Triggerung zur Betrachtung der Vorgeschichte eines Ereignisses, das die Triggerung
auslöst, zum Beispiel wenn die Ursache einer Spannungsspitze gesucht wird
• Mittelwertbildung über viele Bilddurchläufe zur Störunterdrückung bei periodischen
Signalen
• Berechnung von Anstiegszeit, Impulsbreite, Amplitude, Frequenz usw.
• Berechnung von Frequenzspektren / FFT, Histogrammen und Statistiken
• automatische Einstellung auf ein unbekanntes Signal.
Die Eingangsspannung wird mit einem Analog-Digital-Umsetzer (ADU) mit einer Auflösung von 8
bis mehr als 12 Bit digitalisiert. Zum Einsatz kommen meist Flash-Umsetzer. Bei hohen
Geschwindigkeitsanforderungen werden die für 2 bis 4 Kanäle vorhandenen Umsetzer parallel
betrieben, die dann zeitversetzt (interleaved) für 1 Kanal arbeiten. Ein 8-bit-ADU kann in 256
Schritte auflösen; über einen Messbereich von 10,24 div[3] ergibt sich eine relative Auflösung von
25 Schritt/div, was in Vertikalrichtung für die Betrachtung ausreicht.
Neben der Auflösung in y-Richtung (Spannung) ist auch die zeitliche Auflösung eine wichtige
Kenngröße: Sie wird zum einen durch die Bandbreite des analogen Eingangsverstärkers bestimmt,
zum anderen durch die Abtastrate, mit der das Signal abgetastet wird. Da Digitaloszilloskope eine
Anwendung der zeitdiskreten Signalverarbeitung darstellen, spielen die Abtastrate und das Nyquist-
Shannon-Abtasttheorem eine zentrale Rolle. Die Abtastrate wird zumeist in „Megasamples per
second“ (MS/s oder Msps) oder „Gigasamples per second“ (GS/s oder Gsps) angegeben, also
Anzahl der Abtastungen pro Sekunde. Anfang 2009 liegen selbst im unteren Preissegment (800 bis
2000 €) der DSO die Abtastraten im Bereich von 1 GS/s bei Bandbreiten (−3 dB) zwischen 60 und
200 MHz.
Beispiel: Wird auf dem Bildschirm für einen nicht simplen Kurvenverlauf eine Punktdichte von
50 S/Periode für wünschenswert angesehen, so ist dieses bei einer Abtastrate von 1 GS/s bis zu
einer Signalfrequenz von 20 MHz möglich. Die nachfolgend beschriebene Unterabtastung setzt
dann etwa bei der 25. Oberschwingung ein.
Ein weiterer Parameter ist die Speichertiefe, unter der beim Oszilloskop die Anzahl der
speicherbaren Messpunkte verstanden wird. Sie wird als Gesamtanzahl oder pro Kanal angegeben.
Wenn es nur auf die Betrachtung des Bildes ankommt, reicht horizontal eine Punktdichte von 50
S/div aus, bei 10 div Bildbreite also eine Speichertiefe von 500 Punkten, für Pre-Trigger mit dem
Triggerereignis am rechten Bildrand weitere 500 Punkte. Wenn jedoch die Ursache von Timing-
Anomalien in einem komplizierten digitalen Datenstrom isoliert werden sollen, sind u. U. Millionen
Punkte als Speichertiefe erforderlich.[4]
DSOs werden oft auf FPGAs-Basis realisiert, da die geringen Stückzahlen und die zu verarbeitende
und speichernde Datenflut nicht immer mit einem DSP erreicht werden kann. Über einer Abtastrate
von ca. 1 GS/s verwenden DSOs oft mehrere AD-Umsetzer pro Kanal parallel (interleaved mode),
welche phasenverschoben das Signal abtasten.[5] Dabei gilt bei sehr hohen Frequenzen der geringe
Takt-Jitter als das stärkste Qualitätskriterium.[6]
Die Entwicklung zu immer kleineren Geräten hat es ermöglicht, dass nicht nur recht kompakte DSO
für den Einsatz im Labor entstanden sind, sondern auch robuste, tragbare „Handheld“-Oszilloskope
für den Einsatz z. B. auf Montage und zur Wartung. Diese sind massefrei, teilweise in allen
Eingangskanälen potentialfrei und oft mit Multimeter-Funktionen ausgestattet.

Unterabtastung

Wird die anliegende Spannung (dünne Linie) zu selten abgetastet, so werden die Messpunkte zu
einem entstellenden Bild zusammengesetzt (dicke Linie). In diesem einfachen Fall ist offensichtlich
die Frequenz falsch (zu niedrig).
→ Hauptartikel: Unterabtastung
Zu immer höheren Frequenzen der Eingangsspannung hin kann die Abtastung dem Vorgang nicht
mehr folgen. Bei weniger als 2 Punkten pro Periode kommt es zu Unterabtastung, und es entstehen
durch den Alias-Effekt Bilder, die mit dem ursprünglichen Verlauf nichts mehr gemein haben.
Periodische Signale können jedoch durch Abtastwerte aus vielen Durchläufen wieder korrekt
zusammengesetzt werden. Voraussetzung ist eine sehr schnelle Abtast-Halte-Schaltung, die in
besonders kurzer Zeit das Eingangssignal erfassen kann. Zwei bewährte periodische Abtast-
Techniken sind:[7]
Sequenzielles Abtasten: Pro Trigger gibt es nur eine Abtastung. Beim ersten Durchlauf liegt der
Abtastzeitpunkt um eine kleine Verzögerungszeit hinter dem Triggerpunkt. Zum zweiten Durchlauf
wird die Verzögerungszeit verdoppelt, zum dritten verdreifacht – bis das Zeitfenster gefüllt ist. Die
Bildpunkte werden in der Reihenfolge der Abtastung angeordnet, untereinander im Abstand der
kleinen Verzögerungszeit.

Willkürliche Abtastung eines Signals in mehreren Zyklen


Willkürliches (von der Triggerung unabhängiges) Abtasten (random sampling): Hier wird jeder
Messpunkt im Rahmen der möglichen Arbeitsgeschwindigkeit aufgenommen, und zusätzlich wird
sein zeitlicher Abstand zum Triggerpunkt gemessen. Die Bildpunkte werden in der Reihenfolge
dieses zeitlichen Abstands angeordnet. Bei hinreichend langer Erfassungszeit liegen die Bildpunkte
so dicht, dass ein geschlossener Kurvenzug erscheint.
Bei diesen Techniken dürfen allerdings keine niederfrequenten Signalanteile vorhanden sein, da
diese sich als eine Unschärfe in der konstruierten Kurve zeigen würden.
Spitzen-Erkennung (Störimpuls-Erkennung)
Bei digitalen Speicheroszilloskopen besteht die Gefahr, dass sehr kurze Ereignisse durch den Alias-
Effekt falsch oder zwischen zwei Abtastpunkten gar nicht erfasst werden, besonders bei
langsameren Zeitbasis-Einstellungen. Damit Spannungsspitzen (englisch: Glitches) in jedem Falle
erkannt werden, verfügen manche Geräte über ständig verfügbare (also analogtechnisch arbeitende)
Hardware-Spitzendetektoren, deren positive bzw. negative Spitzenwerte kurzfristig gespeichert,
getrennt digitalisiert und in das Bild eingefügt werden.[8]

Unterschiede gegenüber dem analogen Oszilloskop


• Die Anzeige kann größer und farbig sein, dadurch lassen sich die einzelnen Kanäle leichter
unterscheiden.
• Häufige Abtastung und Mittelung über aufeinander folgende Durchläufe ergeben eine
bessere Auflösung bis unter den mV/div-Bereich sowie Störunterdrückung.
• Kurzzeitige Ereignisse können zwischen Abtastungen verloren gehen, außer bei
Spitzenerkennung.
• Durch Pre-Trigger kann der Signalverlauf vor dem Triggerzeitpunkt betrachtet werden.
• Komplizierte Trigger-Funktionen wie beispielsweise Pulsweitentrigger oder im Rahmen von
seriellen Schnittstellen liefern die Triggerung auf eine Abfolge von seriellen Bitmustern.
• Autoset und Autorange bewirken eine automatische, in vielen Fällen optimale Einstellung
auf das Eingangssignal. Diese Funktion haben aber auch analoge Oszilloskope neuerer
Bauart.
• Scrollen und Vergrößern über mehrere gespeicherte Graphen erweitern die
Anzeigemöglichkeiten.
• Auch langsame Vorgänge, z. B. ein Temperaturverlauf über einen Tag, können
aufgenommen werden.
• Der Speicher des Oszilloskops kann anstatt einer eindimensionalen Liste auch ein
mehrdimensionales Array der vorangegangenen Abtastintervalle enthalten, um einen
Phosphor-Schirm zu simulieren. Die vorangegangenen Perioden werden farblich
unterschiedlich dargestellt und damit unterscheidbar (z. B. farbige Augendiagramme).
• Automation und Fernsteuerung sind möglich über standardisierte Schnittstellen wie z. B.
serielle Schnittstelle, USB-Port oder GPIB.
• Daten- oder Bilddateien können gespeichert und in anderen Anwendungen eingebunden
werden. Dies kann über Schnittstellen zum Anschluss von handelsüblichen USB-
Massenspeichern erfolgen.
• Numerische Berechnungen wie Effektivwert oder Frequenz vom angezeigten Signalverlauf
können durchgeführt und im Bild eingeblendet werden.
• Cursor-Funktionen ermöglichen das Ausmessen von horizontalen und vertikalen Abständen
in der Darstellung. Diese Funktionen haben aber auch analoge Oszilloskope neuerer Bauart.
• Es sind abgeleitete Kanäle möglich; auch die Bezeichnung als „Mathematik-Kanal“ kommt
vor. Beispielsweise kann damit das Spektrum eines Signals mittels Fourier-Transformation
in Echtzeit gebildet und angezeigt werden.
• Bestimmte Geräteeinstellungen (setups) können gespeichert und später wieder abgerufen
werden. Diese Funktion haben aber auch analoge Oszilloskope neuerer Bauart.
• Die Fülle von Funktionen erfordert die Handhabung durch Einstellung einer Vielzahl von
Bedienelementen. Bei Digitaloszilloskopen sind diese nur zu einem geringen Teil auf der
Frontseite, teilweise als Softkeys, sonst durch Aufruf von Menüs zugänglich.
• Falsche Darstellungen aufgrund des Alias-Effektes sind nicht auf Anhieb erkennbar.
Hochwertige Oszilloskope verwenden Taktdithering, um Alias-Frequenzen zu unterdrücken,
sodass dem Benutzer anhand der Anzeige sofort auffällt, dass Aliasing stattfindet.
Analoges Oszilloskop

Analoges Oszilloskop

Überblick

Funktionsschema eines Elektronenstrahloszilloskops


Bei analogen Oszilloskopen wird die zu messende Spannung über einen umschaltbaren Verstärker
auf den Bildschirm einer Kathodenstrahlröhre mittels eines Elektronenstrahls „projiziert“. Genauer
gesagt wird der auf einen Punkt fokussierte Elektronenstrahl durch die Eingangsspannung in y-
Richtung abgelenkt. Bei zeitabhängiger Darstellung muss zeitgleich für die x-Ablenkung eine
Kippschwingung erzeugt werden, welche, durch die Triggerung ausgelöst, gleichmäßig mit
umschaltbarer Steilheit ansteigt und dann schnell wieder abfällt. Die Anstiegsdauer dieser
sägezahnförmigen Kippschwingung ergibt die Dauer des angezeigten Signalabschnitts. Sie ist
zumeist in einem sehr weiten Bereich einstellbar. Der Elektronenstrahl bewegt sich dadurch von
links nach rechts (während dieser Zeit entsteht das Bild, das nach kurzer Nachleuchtdauer wieder
verschwindet) und kehrt anschließend sofort zum Ausgangspunkt zurück. Dabei wird der Strahl
dunkel getastet, damit der Rücklauf des Leuchtflecks nicht zu sehen ist.
Die Ablenkung des Elektronenstrahls erfolgt bei analogen Oszilloskopen im Gegensatz zu anderen
Bildschirmen praktisch immer kapazitiv durch elektrische Felder. Diese Ablenkungsart ist
wesentlich einfacher über große Frequenzbereiche zu beherrschen; die Vorteile überwiegen die
Nachteile (Leuchtfleckverformungen mit zunehmender Ablenkung, große Einbautiefe der
zugehörigen Bildröhre) im angestrebten Einsatzbereich bei weitem.
Analoge Oszilloskope haben heute aus technischen Gründen, praktischen Nachteilen (wie der
Größe der Kathodenstrahlröhre) und wirtschaftlichen Überlegungen (wie die Preisgünstigkeit des
DSO), im praktischen Laboreinsatz nur noch eine untergeordnete Bedeutung.

Mehrkanalbetrieb
Meist ist es notwendig, zwei oder mehr Signale auf dem Schirm gleichzeitig darzustellen, um
Zusammenhänge erkennen zu können. Dazu gibt es verschiedene Verfahren.
• Zweistrahloszilloskop: Hier befinden sich in der Röhre zwei Elektronenkanonen,
Fokussierungen und y-Ablenksysteme, jedoch ein gemeinsames x-Ablenksystem. Auf diese
Weise lassen sich Kurvenverläufe zeitgleich unabhängig darstellen. Allerdings werden
derartige Geräte seit Jahrzehnten nicht mehr hergestellt. Zweistrahlröhren können auch mit
den folgenden Techniken kombiniert werden, um mehr als zwei Signale darstellen zu
können.
• Mehrkanaloszilloskop im Chopper-Betrieb: Es wird schnell zwischen den Eingängen
umgeschaltet, und die Teilstücke der Verläufe werden auf dem Bildschirm dargestellt, zur
besseren optischen Trennung auf verschiedenen Höhen. Die Darstellung besteht für jeden
Kanal aus einer gestrichelten (zerhackten) Linie, deren Segmente aber bei hoher
Umschaltfrequenz (im Verhältnis zur Ablenkfrequenz) so nahe zusammenrücken, dass das
Auge einen geschlossenen Kurvenzug sieht. Wenn ein Signal triggert, laufen die anderen
zeitgleich mit. Diese Betriebsart wird meist bei geringen Ablenkfrequenzen benutzt, zum
Beispiel bei der Darstellung langsamer Signalverläufe unter 100 Hz.
• Mehrkanaloszilloskop im alternierenden Betrieb: Das Signal eines Kanals wird einmal über
die volle Breite auf dem Bildschirm dargestellt, dann wird auf den nächsten Kanal
umgeschaltet und dessen Kurvenzug in anderer Höhe ganz dargestellt – in fortlaufendem
Wechsel. Bei genügend hoher Signalfrequenz sieht das Auge die Kurvenzüge flackerfrei
gleichzeitig, daher wird diese Betriebsart gewöhnlich bei der Darstellung schneller
Signalverläufe gewählt. Üblicherweise wird die Darstellung jedes Kurvenzugs vom gleichen
Signal getriggert. Dadurch bleibt der zeitliche Zusammenhang der Signale erkennbar, sofern
es sich um periodische Vorgänge handelt. Manche Oszilloskoptypen können auch so
eingestellt werden, dass jedes Eingangssignal seinen eigenen Durchlauf triggert. In dieser
Betriebsart geht allerdings der zeitliche Zusammenhang zwischen den Signalen in der
Darstellung verloren.
Ein Mehrkanaloszilloskop bedarf eines größeren Aufwands, da für jeden Kanal eine eigene
Vertikalbaugruppe notwendig ist.

CCD-Oszilloskop
Das Oszilloskop besitzt eine kleine Elektronenstrahlröhre, deren Elektronenstrahl das Oszillogramm
auf einem in der Röhre befindlichen CCD-Sensor erzeugt. Weil die Röhre sehr klein ist, kann sie im
GHz-Bereich arbeiten. Das Oszilloskop hat keine Abtastlücke. Ein LCD-Monitor zeigt das Bild an.
Durch Abschalten des Elektronenstrahls kann ein einziges Sample eingefangen werden. Der Preis
für ein modernes Gerät liegt bei etwa USD 20.000.

Mixed-Signal-Oszilloskop
Als Mixed-Signal-Oszilloskop werden digitale Oszilloskope bezeichnet, die nicht nur über einen
oder mehrere analoge Eingänge, sondern auch über zusätzliche digitale Eingänge verfügen: Die
digitalen Kanäle können meist auf eine bestimmte Logik-Familie eingestellt werden (TTL, CMOS
usw.) und unterscheiden dann nur die Zustände HIGH, LOW und undefiniert.

DSO als Computerzubehör


Digitale Speicheroszilloskope werden auch als Computerzubehör angeboten. Sie sind dann
entweder eine Steckkarte oder ein separates, über eine Schnittstelle gekoppeltes Gerät. Sie können
auch nur aus Software bestehen und ein Signal einer ADU-Karte oder (bei eingeschränkten
Genauigkeitsanforderungen etwa im Bereich zwischen 10 Hz und 10 kHz) des Audioeinganges
nutzen. Alle diese Lösungen erreichen jedoch nicht die Parameter autonomer DSOs, sind dafür aber
meist wesentlich kostengünstiger. Auch kann ihre graphische Ausgabe über die Anzeige eines PC
erfolgen und daher besonders für Lehrzwecke hilfreich sein.

Waveformmonitor
Der Waveformmonitor (WFM) ist ein spezielles Oszilloskop, das in der professionellen
Videotechnik zum Messen von analogen Videosignalen benutzt wird.