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Zuvor haben die Physiker Einstein und Newton sich als Geheimagenten offenbart, da das

Sanatorium kurz zuvor von Pflegern übernommen wurde. Beide Geheimagenten wollen die
Weltformel von Möbius stehlen und haben sich in die Irrenanstalt eingewiesen. Die Physiker
Newton und Einstein sind anschließend davon überzeugt, dass sie alle im Sanatorium bleiben,
um die gefährlichen Erkenntnisse nicht an deren Geheimdienste weiterzuleiten. Da das Gespräch
von Zahnd abgehört wird, weiß sie nun, dass Newton und Einstein Geheimagenten sind, sodass
sie alle Physiker eingesperrt lässt und selbst die Weltformel nutzt.

Die Passage beginnt, indem Newton Möbius mit Ruhm und Aufmerksamkeit aus der Irrenanstalt
locken möchte. Möbius ist nicht begeistert und weigert sich, da seine Erkenntnisse viele
ungeklärte Theorien der Physik offenbart. Er fürchtet nämlich den Missbrauch seiner Ergebnisse.
Während Newton und Einstein versuchen, ihn zu überzeugen, thematisiert Möbius die Folgen
seiner Erkenntnisse. Anschließend sprechen Einstein und Newton darüber, dass die
Wissenschaftler nicht die Verantwortung übernehmen müssten und der Meinung sind, sie
müssten um Möbius kämpfen. Sie wollen sich einen fairen Kamp bieten, doch Möbius´
Offenbarung, er habe die Manuskripte verbrannt, schockiert die beiden. Sie stecken die Revolver
weg. Anschließend wird die Frage, wer die Verantwortung übernehmen müsse, gestellt. Beide
geben ihre Positionen wieder, doch Möbius ist nicht überzeugt. Er erklärt seinen Plan, der in
seinen Augen die beste Lösung ist und weist erneut auf die Gefahren der Wissenschaft zu.

Newton ist der Auffassung, dass die Wissenschaftler keine Verantwortung übernehmen müssen.
(vgl. S.72). Einstein ist der Meinung, dass die Verantwortung bei der Politik zu sehen ist (vgl.
S.72). Möbius hingegen will, dass die Wissenschaftler die Verantwortung übernehmen (vgl.
S.72f.).

Die Gemeinsamkeit zwischen Newton und Einstein ist, dass der Wissenschaftler keine
Verantwortung übernehmen muss (vgl. S.72). Doch Einstein gibt dem Staat die Schuld für
Missbräuche der Wissenschaft, Newton der Allgemeinheit. Möbius gibt den Wissenschaftlern die
Verantwortung, da es deren Erkenntnisse sind (vgl. S.73).

Möbius erwartet von der Wissenschaft, dass jeder Wissenschaftler Freiheiten besitzt, doch
Newton und Einstein können ihn diese nicht bieten. Bei Einstein ist der Physiker an den Staat
gebunden, er ist nicht frei (vgl. S.73). Er kann somit keine Garantie für die Verwendung der
wissenschaftlichen Ergebnisse geben, da durch die Parteien diese Kenntnisse genutzt werden
können, so wie der Physiker es nicht gewollt hat (vgl. S.73).

Newton hingegen kann auf keine Freiheit setzen, da die Wissenschaftler zum Lösen der
wissenschaftlichen Probleme dienen (vgl. S.72).
In Möbius´ Augen sind diese Theorien merkwürdig, denn keiner kann Freiheiten des
Wissenschaftlers bieten (vgl. S.73). Seiner Meinung nach muss die Wissenschaft unabhängig von
den Staat und der Politik sein (vgl. S.73).

Die Position von Newton bezüglich der Verantwortung ist gravierend. Wenn die Wissenschaftler
keine Verantwortung übernehmen würden, könnte jeder Mensch die Atomphysik zu seinen
Vorteil nutzen und somit alle Menschen auslöschen. Seine Ansicht zur Freiheit ist beschränkt, da
die Erkenntnisse optimale Bedingungen voraussetzen und das ohne Übernahme der
Verantwortung

Einstein ist der Meinung, der Staat müsse die Verantwortung übernehmen, doch Einstein kann
nicht garantieren, dass die Parteien die Kenntnisse nach den Vorstellungen des Wissenschaftlers
nutzen. Ein Leben nach dieser Ansicht setzt ein politisches Machtspiel voraus, da nationale
Probleme mit zerstörenden Mittel „gelöst“ werden. Bezüglich der Freiheit kann Einstein nur ein
Leben präsentieren, welches durch absolut Abhängigkeit der Politik gesteuert ist. Er fordert
Freiheiten, um keinen Druck auf die eigenen Kenntnisse aufzubauen, zudem Unabhängigkeit, wo
keine Gesetze der Politik oder anderen Wissenschaftlern stehen, die die Mittel zum Zerstören der
Menschheit nutzen.

Im Folgenden lässt sich die kritische Betrachtung von Dürrenmatt mittels Möbius´ Einstellung
erläutern, da die Figur Möbius die persönliche Meinung des Autors widerspiegelt.

Dürrenmatt fordert Übernahme der Verantwortung von der Wissenschaft, da sonst jede Erfindung
gegen andere Nationen oder Menschengruppen benutzt werden kann. Sein Werk kritisiert den
leichtsinnigen Umgang mit der Macht der Wissenschaft, die durch machtgierige und zynische
Politiker gefährdend ist. Zudem soll seine Intention auf die Gegenwart und die Zukunft wirken.
Doch auch seine 21 Punkten zu „den Physikern“ deutet auf eine interne Lösung bei
Wissenschaftlern hin, wobei die Auswirkungen alle Menschen betreffen und es somit auch eine
Lösung in der Menschheit selbst geben muss (Punkt 15-17). Er fordert Zusammenhalt, um
Probleme zu lösen, da die Menschen ihre Einstellung ändern müssen, und sich die Gefahr
ernsthaft vor Augen führen müssen (Punkt 18). Somit thematisiert er eine kritische Betrachtung
der Wissenschaft als Kritik an einer Gesellschaft, die sich vor Verantwortung drückt, um die
Leser/das Publikum auf die falschen Vorgehensweisen zu machen.
Die Verantwortung der Wissenschaft liegt meiner Meinung nach im ersten Sinn bei den
Wissenschaftlern, da die Auswirkungen der Erkenntnisse nur von denen studiert werden können.
Deren Beurteilung darüber, ob es auch dem negativen Nutzen dient, ist ihre Einschätzung. Bei
Veröffentlichung solcher physikalischer Kenntnisse müssen die Risiken angesprochen werden.
Was die Menschheit – und besonders die Politik – aus solchen Ergebnisse schließt, ist
anschließend die Einschätzung der Politiker. Menschen, die nicht politische Macht besitzen und
nicht in direkte Verhandlungen eingeschlossen sind, können mit Demonstrationen Widerstand
leisten. Somit bin ich der Meinung, dass alle Menschen verantwortlich sind, doch es sich
etappenweise aufbaut. Je näher die Bindung zwischen Mensch und Wissenschaft ist, desto höher
die Verantwortung, das bedeutet, dass in meiner Auffassung zuerst der Wissenschaftler, dann die
Politiker und anschließend erst die Bürger die Verantwortung übernehmen müssen.

Wenn Wissenschaft und Politik sich jedoch einig sind und dennoch die Unzufriedenheit steigt, so
liegt die Verantwortung bei den Bürgern, um weiterhin auf einer gesunden und bewohnbaren
Welt zu leben und glücklich zu sein.

Wie oben erwähnt sieht sich Möbius der Menschheit verpflichtet, handelt mit Vernunft und
übernimmt die volle Verantwortung für seine wissenschaftlichen Entdeckungen. Als seinen
schlimmsten Fehler sieht er an, die Entdeckung u.a. der Weltformel nicht verschwiegen zu ha-
ben (S.49), denn durch seine Entdeckungen wird die Existenz der gesamten Menschheit be-
droht (S.74). Mit dem Rückzug ins Irrenhaus macht Möbius den Versuch, sein Wissen zurück-
zunehmen (S.74), denn der Untergang der Menschheit sei seiner Meinung nach ein Risiko, dass
er nicht eingehen dürfe (S.73). Er spricht der Menschheit die Fähigkeit ab, verantwor- tungsvoll
mit seinen Erkenntnissen umzugehen und leitet daraus für sich die Konsequenz ab, sich
zurückzuziehen und sein Wissen geheimzuhalten (S.73f). Er bringt persönliche Opfer, un- ter
denen er leidet (S.39ff, S.50: „Salomo [...] hat mich mißbraucht, mein Leben zerstört“): er
verleugnet nicht nur sein Wissen (S.75: „[...] daß es heute die Pflicht eines Genies ist, verkannt
zu bleiben.“), er verlässt auch seine Familie und weist die Liebe Schwester Monikas zurück
(S.46), obwohl er diese erwidert (S.47), und tötet sie schließlich. Möbius wird selbst zum Mör-
der, um schlimmeres Morden zu verhindern (S.75). Er ist der Überzeugung, es sei die Pflicht der
Physiker, die Konsequenzen ihrer Forschungen zu bedenken (S.69), aber auch die Gren- zen der
Macht der Physiker zu erkennen (S.74: „Wir wissen einige genau erfassbare Gesetze, [...] der
gewaltige Rest bleibt Geheimnis, dem Verstande unzugänglich.“). Er zieht den Verbleib im
Irrenhaus dem in der Öffentlichkeit vor und empfindet ihn als Sicherheit vor Ausbeutung (S.73)
und als Freiheit, zu denken (S.75). Er hält sich und die zwei Agenten für wilde Tiere, die auf die
Menschheit nicht losgelassen werden dürfen (S.76). Möbius erkennt also die Macht und Gefahr
der Wissenschaft an und beugt sich der Verantwortung, die er empfindet, und der Vernunft:
„Dieser Einsicht habe ich mein Handeln untergeordnet. [...] Die Verantwortung zwang mir einen
anderen Weg auf. [...] Die Vernunft forderte diesen Schritt.“ (S.73f)

Einstein, der sich im Laufe des Stückes als Joseph Eisler, Erfinder des Eisler-Effektes, outet,
arbeitet für einen sowjetischen Geheimdienst, und möchte Möbius dazu bewegen, seine Ent-
deckungen seinem Staat zur Verfügung zu stellen (S.66). Er erkennt zwar die Macht und
Konsequenzen der Veröffentlichung von wissenschaftlichen und damit auch Möbius‘ Entdeck-
ungen (S.70: „Wir liefern den Menschen gewaltige Machtmittel.“), ordnet sich aber komplett den
Politikern seines Landes unter (S.70) und gibt dadurch seine persönliche Macht (sozusagen die
Freiheit der Physik bzw. Physiker), einhergehend damit auch seine persönliche Verantwortung,
an sie ab (S.73). Dass er selbst und Physiker allgemein so keinen Einfluss auf die Verwendung
der Ergebnisse haben, empfindet er als Risiko, dass es einzugehen gilt (S.73).

Newton, der sich seinerseits im Laufe des Stückes als Alec Jasper Kilton, Begründer der Ent-
sprechungslehre, zu erkennen gibt, arbeitet für einen amerikanischen Geheimdienst und auch er
möchte Möbius‘ Forschungen seinem Geheimdienst zugänglich machen (S.64). Er ist der
Meinung, Wissenschaftler leiteten den Fortschritt ein (S.70: „Pionierarbeit“) und ihre Erkennt-
nisse müssten der breiten Masse zugänglich gemacht werden (S.68), unabhängig davon, ob diese
damit umzugehen versteht oder nicht (S.70). Für ihn bedeutet dies die „Freiheit der
Wissenschaft“ (S.70), gleichzeitig weist er damit aber entschieden die Verantwortung für die
Folgen dieser Zugänglichkeit von sich (S. 22f, S.70).

Nicht nur die zwei Physiker/Agenten sind hinter den wissenschaftlichen Entdeckungen Möbius‘
her, sondern auch Frl. Dr. Mathilde von Zahnd, die in ihnen das Mittel zum Erlangen und Be-
friedigen ihres persönlichen Interesses an Macht und Reichtum sieht (S.85: „Nun werde ich
mächtiger sein als meine Väter.“) Ihrer Meinung nach ist grenzenloses Wissen der Weg zur Be-
herrschung der Welt (S.82: „Was Salomo gefunden hatte, [..] Mittel zu seiner heiligen Weltherr-
schaft“). Sie ist der Meinung, sie handele im Auftrag des König Salomos, der sie dafür auserko-
ren hat, in seinem Namen auf der Erde zu herrschen (S.82: „Der goldene König hat mir den Be-
fehl gegeben, [...] an seiner Stelle zu herrschen“). Ihre Machtposition plant sie durch die Aus-
wertung und Nutzung des Systems aller möglichen Erfindungen und ohne verantwortungsvolle
Rücksichtnahme auf die Welt und Menschheit zu untermauern (S.83-85).