Sie sind auf Seite 1von 306

Prof. Dr. G.

Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN


DER SOZIALEN ARBEIT

Organisationen, Träger
und Institutionen der
Sozialen Arbeit
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Übersicht über die Lehrveranstaltung
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Übersicht über die Lehrveranstaltung

I. „Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten


Begriffe des Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit
1. Institutionen
2. Organisationen
3. Träger
a) Träger als Leistungserbringer
b) Träger als Kostenträger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Übersicht über die Lehrveranstaltung

II. Die Trägerstruktur bei der Erbringung der


Sozialen Arbeit
1. Die öffentlichen Träger
a) Problematik öffentlicher Träger als
Leistungserbringer und Kostenträger
b) Die öffentlichen Träger als Leistungserbringer
c) Behörden und Ämter – Aufbau- und
Ablauforganisation
• Jugendamt
• Sozialamt
• Gesundheitsamt
• Allgemeiner Sozialdienst (ASD)
• Die Jobcenter
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Übersicht über die Lehrveranstaltung

2. Freie Träger
a) Frei-gemeinnützige Träger
• Wohlfahrtsverbände
• Jugendverbände
• Kirchen
• Selbsthilfevereinigungen
• Stiftungen
b) Privat-gewerbliche Träger
• Möglichkeiten der Selbständigkeit im sozialen
Bereich
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“


– Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer
Arbeit
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Soziale Arbeit findet statt


im Gesundheitsamt

beim Sozialamt
beim
Im ASD

in Einrichtungen der
Wohlfahrtsverbände

In den
in Selbsthilfeinitiativen Jobcentern

in Privatfirmen
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Soziale Arbeit findet statt


im Gesundheitsamt

beim Sozialamt
beim
Im ASD

in Einrichtungen der
Wohlfahrtsverbände

In den
in Selbsthilfeinitiativen Jobcentern

in Privatfirmen
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Insgesamt scheint das Erbringungsgefüge der Sozialen Arbeit


ein sehr undurchsichtiges und schwer einordenbares zu sein.

Sichtbar ist:

Es gibt Stellen, an bzw. in denen man Angebote der Sozialen


Arbeit erhalten kann.

Z.B. Suchtberatungsstellen,
Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen,
Jugendzentren,
Sozialpädagogische Familienhilfe ….
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Diese Stellen gehören jemanden, sie werden von jemanden


angeboten.

Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes, der Stadt XY,


beim Gesundheitsamt XY, des Vereins „Drug Stop“ etc.;

die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle beim


Gesundheitsamt XY, von Donum Vitae, von Pro Familia
….;

das Jugendzentrum der Stadt XY, der Pfarrei XY, des


Vereins „Don Bosco“ …..;

die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) der Stadt


XY, der Katholischen Jugendfürsorge, der Firma
„Familie im Mittelpunkt“ GmbH …..
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Die Stellen bieten systematisch Angebote für bestimmte


Problemstellungen.

Alkoholismus und Drogenabhängigkeit, Essstörungen,


Spielsucht usw. werden in den Suchtberatungsstellen
bearbeitet,

Probleme mit ungewollter und verunsichernder


Schwangerschaft in den
Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen;

Jugendzentren bieten betreute Freizeit,

die SPFH niederschwellige Hilfen bei vielfältigen


Familienschwierigkeiten.
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
„Wie Soziale Arbeit gemacht wird“ – Die wichtigsten Begriffe des
Erbringungsszenarios Sozialer Arbeit

Die Finanzierung der in den Stellen zu erhaltenden


Angebote tangiert die Betroffenen meistens nicht direkt.

Die Angebote der Sozialen Arbeit sind für alle frei und in
der gleichen Art und Weise zugänglich.

Die Betroffenen müssen sich kaum Gedanken über die


Bezahlung der Leistungen machen.

Ausnahmen sind wenige Anbieter von Sozialer Arbeit in


Privatfirmen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe

Klärung der grundlegenden


Begriffe
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe

Drei grundlegende Begriffe sind zunächst zu bearbeiten:

Die Angebote der Sozialen Arbeit werden in bestimmten Stellen


erbracht, die aber nicht beliebig variiert werden können: Soziale
Arbeit wird institutionalisiert erbracht, also in
Institutionen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe

Drei grundlegende Begriffe sind zunächst zu bearbeiten:

Die Institutionalisierung hängt eng mit dem zweiten Begriff


zusammen, der Organisation.
Institutionen der Sozialen Arbeit sind eingebettet in
Organisationen. Nicht jede Form der Organisation ist berechtigt,
Soziale Arbeit in institutionalisierter Form zu erbringen.

Die Organisation innerhalb derer Soziale Arbeit erbracht wird


bedingt die Institution.

Organisation und Institution bedingen sich auch gegenseitig.


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe

Drei grundlegende Begriffe sind zunächst zu bearbeiten:

Organisationen sind oft auch die Träger von Sozialer


Arbeit.

Träger zu sein bedeutet, dass entschieden wird über die Art und
Weise der Erbringung des Angebots und auch über die Gestaltung
der Finanzierung.

In finanzieller Hinsicht sind Träger häufig eher Zwischenstation,


d.h., sie finanzieren nicht selber, sondern sie organisieren Mittel
zur Finanzierung.

Der Trägerbegriff ist nur schwer einzuordnen und bedarf weiterer


Klärung. Er ist teilweise identisch mit dem, was unter
Organisation gemeint ist.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

Der Begriff der Institution

„Eine Institution ist eine relativ dauerhafte Struktur und


besteht aus sozialen Verhaltensmustern, Rollen und
Beziehungen, welche die Menschen zur Befriedigung sozialer
Grundbedürfnisse jeweils in festgesetzter, sanktionierter und
einheitlicher Weise verwirklichen“ (Fichter 1970).

geht also im soziologischen Sinne über den häufig


alltagssprachlich verkürzten Gebrauch hinaus

Institution meint zunächst nicht nur die eher


räumlich-physikalische Fassung im Sinne einer
„Stelle“, die man irgendwo aufsuchen kann, sondern
die sich verfestigende Art und Weise des Umgangs
mit z.B. einer Problemstellung.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

„Jede Typisierung, die auf diese Weise vorgenommen wird,


ist eine Institution“
(Berger/ Luckmann 2001).

Es geht bei der Institution also mehr um „das Wie“


etwas getan wird. Institution meint also „eine
Sinneinheit von habitualisierten Formen des Handelns
und der sozialen Interaktion, deren Sinn und
Rechtfertigung der jeweiligen Kultur entstammen und
deren dauerhafte Beachtung die umgebende
Gesellschaft sichert“
(Gurkenbiehl 2003).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

Im Praxiskontext von Sozialer Arbeit macht dieser


Institutionsbegriff nur Sinn im Zusammenhang mit
Überlegungen zu Struktur und zu Organisation.

Organisationen zweckgerichtete soziale Systeme

Struktur eines sozialen Systems der mehr oder weniger


verharrende Rahmen, in dem soziale Prozesse ablaufen

Institution Bezug auf die für die Aktivitäten sozialer


Systeme bezeichnenden und feststehenden Formen oder
Bedingungen des Verfahrens in verschiedenen
Zusammenhängen
(Maclver, zit.n. König 1979)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

Die wesentlichen Merkmale von Institutionen können wie folgt


zusammengefasst werden:

„Institutionen sind zweckgerichtet, d.h. das Ziel jeder


Institution ist die Befriedigung sozialer Bedürfnisse.
Institutionen sind Verhaltensweisen, mit deren Hilfe
vergesellschaftete Menschen bestimmte für sie wichtige
Angelegenheiten regeln.

Die Institutionen sind inhaltlich verhältnismäßig beständig.


Die Verhaltensmuster, Rollen und Beziehungen der
Menschen im Rahmen einer bestimmten Kultur werden zu
Traditionen und ständigen Einrichtungen. …..
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

Die wesentlichen Merkmale von Institutionen können wie folgt


zusammengefasst werden:

Die Institution ist strukturiert. Ihre Bestandteile haben die


Tendenz, sich miteinander zu verflechten und einander zu
verstärken. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass die
sozialen Rollen und Beziehungen ihrerseits wieder
strukturelle Kombinationen von Verhaltensmustern sind.

Jede Institution ist eine in sich geschlossene Struktur und


funktioniert als Einheit. Zwar kann man keine Institution von
den anderen Institutionen völlig trennen, aber jede von ihnen
funktioniert doch als erkennbar eigenständige Reihe
menschlicher Verhaltensweisen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution

Die wesentlichen Merkmale von Institutionen können wie folgt


zusammengefasst werden:

Die Institution ist immer und mit Notwendigkeit werthaltig,


insofern die in ihrem Rahmen immer wieder verwirklichten
Gleichförmigkeiten des Verhaltens zu Verhaltensregeln
werden; manche von diesen sind in Vorschriften und
Gesetzen schriftlich niedergelegt, die meisten üben aber
einen unbewußten sozialen Druck aus“ (Fichter 1970f).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Institution
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Organisation

nicht eindeutig von Institutionen


abzugrenzen

Sie ist der mehr oder weniger


verfestigte Rahmen innerhalb dessen
die Institutionen zum Tragen kommen.

Organisationen drücken in diesem Verhältnis


eher den rationalen Aspekt aus  „rationale
Zweckgebilde der Moderne“ (Gurkenbiehl 2003).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Begiffsverwandtschaft zwischen Organisieren, welches


der Entstehung der Organisation vorausgeht, und
Institutionalisierung:

„Die Gestaltung der Organisation, das


‚Organisieren’ ist das Schaffen der Regeln und
Zusammenhänge, die die Organisation
kennzeichnen.“  Ersetzen von
Einzelfallregelungen durch generelle Regelungen,
z.B. indem die Bearbeitung bestimmter Fälle
einem bestimmten Mitarbeiter bzw. Stelle
zugeordnet wird oder indem bestimmte
Vorgehensweisen in bestimmten Fällen festgelegt
werden statt darüber in Einzelentscheidungen zu
befinden (Gutenberg, zit. n. Bödege-Wolf/
Schellberg 2005).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Am „Ende“ dieses Prozesses stellt


dann die Organisation allgemein
„eine besondere, geplante,
rationalisierte, meist juristisch
definierte und abgesicherte Form
zur Ordnung menschlichen
Verhaltens“ dar (Schoeck 1975).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Beispiele für Organisationen:

Banken, Kaufhäuser, Gemeindeverwaltungen,


Gewerkschaften, Schulen, Krankenhäuser,
Sportclubs, Wohlfahrsverbände,
Jugendverbände etc. (vergl. Gurkenbiehl
2003).

zeigen Spuren des


zweckrationalen Denken und
Handelns und werden deshalb als
Organisationen bezeichnet.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Trotz aller Unterschiede, zumindest folgende


gemeinsame Definitionsmerkmale:

Sie sind bewusst und meist auch


planvoll zur dauerhaften Erreichung
eines bestimmten Ziels oder eines
bestimmten Zwecks gebildet worden;

sie besitzen eine gedanklich


geschaffene und allgemein verbindlich
festgelegte Ordnung oder Struktur;

mit ihrer Hilfe sollen die Aktivitäten


der Mitglieder und die verfügbaren
Mittel so koordiniert werden, dass die
Erreichung eines Ziels auf Dauer
gewährleistet wird“ (Gurkenbiehl, S. 152).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Bödege-Wolf/ Schellberg (2005):

Vier Begründungsstränge für das Entstehen von Organisationen:

1. Gesellschaftliche Arbeitsteilung

Auch Hilfe für in Not geratene Menschen wurde und


wird zum Gegenstand gesellschaftlicher Arbeitsteilung.
Dadurch wurde eine Zuordnung zu Organisationen
notwendig, die für Hilfe zuständig sind.

2. Koordinierte Hilfesysteme

Organisationen ermöglichen effektives Handeln, da


jedem Mitglied seine Aufgabe zugewiesen wird. So
entsteht zwar eine gewisse Starrheit, die damit
verbundene Reduktion von Komplexität stellt aber auch
einen Vorteil bei erforderlichem Handeln dar.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Bödege-Wolf/ Schellberg (2005):

Vier Begründungsstränge für das Entstehen von


Organisationen:

3. Zuverlässigkeit und Stabilität

Dadurch wird eine über ein Zeitkontinuum hinaus


verfügbare Hilfe möglich, die Menschen wissen auch, wo
sie Hilfe erhalten. Willkürlichkeit und Zufälligkeit
werden weitgehend ausgeschlossen.

4. Rechtliche Präzision und demokratische Kontrolle

Umsetzung von rechtlichen und bürokratischen Regeln


erzeugt Gerechtigkeit und schließt Willkür weitgehend
aus.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Organisation

Die Begriffe Institution und Organisation verweisen auf die im Sozialwesen


gebräuchliche Bezeichnung

bezeichnen die Ebene, auf der Fachkräfte Leistungen erbringen


mit dem Ziel soziale Problemstellungen von Einzelpersonen,
Familien, Gruppen oder Gemeinwesen zu bearbeiten.

Hier wird im Grunde die Betriebsebene der Erbringung sozialer Arbeit


angesprochen.

Gemeint sind die Beratungsstellen, Heime, Jugendzentren, Kontakt-


und Informationsstellen etc., in denen die Leistungen, die sich als
soziale Arbeit herauskristallisiert haben, erbracht und angeboten
werden. In anderen ökonomischen Bereichen würde man hier von
Läden, Geschäften, Werkstätten, Büros, Praxen etc. sprechen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Öffentlich und freie Träger setzen die sozialen


Dienste in unterschiedlichen Organisations und
Verwaltungsformen zur Aufgabenerfüllung in
Sozial-, Jugend- und Gesundheitshilfe ein“
(Weyrich 2007).

Die Träger der Sozialen Arbeit sind damit so etwas wie die
Firmen, die Soziale Dienste, also institutionalisierte und
organisierte Formen der Hilfe anbieten.

?
Assoziation, dass die Träger auch die Geldgeber sind,
also die Investoren in soziale Projekte.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die Finanzierung der Erbringung sozialer Dienste ist eine


eigenwillige!

In der Regel sind die „Inhaber“ oder „Anbieter“ sozialer Dienste, also
die Träger Sozialer Arbeit nicht eindeutig zu identifizieren mit dem
Bereitsteller der finanziellen Mittel.

Wichtige Differenzierung des Trägerbegriffs:

Träger sozialer Dienste (manchmal auch


Leistungserbringer der sozialen Arbeit genannt) (vergl. Bieritz-
Harder 2007)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die Finanzierung der Erbringung sozialer Dienste ist eine


eigenwillige!

In der Regel sind die „Inhaber“ oder „Anbieter“ sozialer Dienste, also
die Träger Sozialer Arbeit nicht eindeutig zu identifizieren mit dem
Bereitsteller der finanziellen Mittel. Achtung:

Wichtige Differenzierung des Trägerbegriffs: In der


Alltagssprache
Träger sozialer Dienste (manchmal auch wird in diesem
Zusammenhang
Leistungserbringer der sozialen Arbeit genannt) (vergl. Bieritz-
Harder 2007) häufig einfach von
Träger
gesprochen!
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die Finanzierung der Erbringung sozialer Dienste ist eine


eigenwillige!

In der Regel sind die „Inhaber“ oder „Anbieter“ sozialer Dienste, also
die Träger Sozialer Arbeit nicht eindeutig zu identifizieren mit dem
Bereitsteller der finanziellen Mittel.

Wichtige Differenzierung des Trägerbegriffs:

Träger sozialer Dienste (manchmal auch


Leistungserbringer der sozialen Arbeit genannt) (vergl. Bieritz-
Harder 2007)

Sozialleistungsträger
„Mit dem Begriff Sozialleistungsträger werden die für die
Sozialleistungen zuständigen Körperschaften, Anstalten und
Behörden (Leistungsträger) bezeichnet, §12 Sozialgesetzbuch –
Allgemeiner Teil – (SGBI)“ (Fahlbusch
2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die Finanzierung der Erbringung sozialer Dienste ist eine


eigenwillige!

In der Regel sind die „Inhaber“ oder „Anbieter“ sozialer Dienste, also
die Träger Sozialer Arbeit nicht eindeutig zu identifizieren mit dem
Bereitsteller der finanziellen Mittel.

Wichtige Differenzierung des Trägerbegriffs:

Achtung:
Träger sozialer Dienste (manchmal auch
Leistungserbringer der sozialen Arbeit genannt) (vergl. Bieritz-
In der Alltagssprache
Harder 2007) wird in diesem
Zusammenhang
Sozialleistungsträger häufig von
„Mit dem Begriff Sozialleistungsträger werden die für die
Kostenträger
Sozialleistungen zuständigen Körperschaften, Anstalten und
gesprochen!
Behörden (Leistungsträger) bezeichnet, §12 Sozialgesetzbuch –
Allgemeiner Teil – (SGBI)“ (Fahlbusch
2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Wichtige Differenzierung des Trägerbegriffs:

Sozialleistungsträger
„Mit dem Begriff
Träger sozialer Dienste
Sozialleistungsträger werden die (manchmal auch
für die Sozialleistungen Leistungserbringer der sozialen
zuständigen Körperschaften,
Arbeit genannt) (vergl. Bieritz-
Anstalten und Behörden
(Leistungsträger) bezeichnet, Harder 2007)
§12 Sozialgesetzbuch –
Allgemeiner Teil – (SGBI)“
(Fahlbusch 2007)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Der Begriff Träger ist also doppeldeutig:

(SOZIAL-)LEISTUNGSTRÄGER TRÄGER
= Kostenträger =Leistungserbringer

Bund, Länder, Kommunen, Öffentliche und freie


Sozialversicherungs- Träger erbringen die
träger, Krankenkassen Leistung und werden
kommen für die Kosten von den Kostenträgern
auf finanziert.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Bei den im SGB I in den §§18 bis 29 genannten


Leistungsträgern (= Kostenträger)
handelt es sich um:

die Ämter und Landesämter für Ausbildungsförderung,

die Agenturen für Arbeit und die sonstigen Dienststellen der


Bundesagentur für Arbeit für die Leistungen der Arbeitsförderung,

die Agenturen für Arbeit und die sonstigen Dienststellen der Bundesagentur
für Arbeit, sowie die kreisfreien Städte und Kreise für Leistungen der
Grundsicherung für Arbeitssuchende
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

de Orts-, Betriebs- und Innungskrankenkassen, die landwirtschaftlichen


Krankenkassen, die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
und die Ersatzkassen für die Leistungen der gesetzlichen
Krankenversicherung und die Leistungen bei
Schwangerschaftsabbrüchen (Schwangerschaftskonfliktberatung),
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

die bei den Krankenkassen errichteten Pflegekassen für die


Leistungen der Pflegeversicherung

die Berufsgenossenschaften und entsprechende Stellen für


die Leistungen der Unfallversicherung,

die Deutsche Rentenversicherung (Regionalträger in der


allgemeinen Rentenversicherung; Deutsche
Rentenversicherung Bund; Deutsche Rentenversicherung
Knappschaft-Bahn-See; landwirtschaftliche Alterskassen) für
die Altersrenten und Rehabiltationsmaßnahmen,
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die Versorgungsämter, die Landesversorgungsämter und die


orthopädischen Versorgungsstellen für die
Versorgungsleistungen bei Gesundheitsschäden; für die
besonderen Hilfen im Einzelfall die Kreise und kreisfreien Städte
sowie die Hauptfürsorgestellen,

die Familienkassen und andere Einrichtungen für das


Kindergeld und das Erziehungsgeld,

die nach Landesrecht bestimmten Leistungsträger für


das Wohngeld (Wohnungspolitik),

die Landkreise und kreisfreien Städte und die


kreisangehörigen Gemeinden, welche durch Landesrecht
dazu berechtigt wurden, für die Leistungen der Kinder-
und Jugendhilfe,
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

die Landkreise und kreisfreien Städte, die nach


Landesrecht bestimmten überörtlichen Träger der
Sozialhilfe sowie die Gesundheitsämter für Leistungen
der Sozialhilfe und

die Arbeitsagenturen, die Bundesagentur für Arbeit, die


Integrationsämter, die Jugendämter, die Sozialämter und
andere Stellen für die Leistungen zur Rehabilitation und
Teilhabe behinderter Menschen.

www.gesetze-im-
internet.de/bundesrecht/sgb_1/gesamt.
pdf
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Besonderheit bei der Finanzierung sozialer Dienste und Dienstleistungen:

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis

Kostenträger

Leistungsempfänger

Leistungserbringer
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Soziale Einrichtungen und Dienste erbringen


Leistungen und werden deshalb als Leistungserbringer
bezeichnet.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Besonderheit bei der Finanzierung sozialer Dienste und Dienstleistungen:

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis

Leistungserbringer
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Soziale Einrichtungen und Dienste erbringen


Leistungen und werden deshalb als Leistungsträger
bezeichnet.
Da diese Leistungen von den Leistungsempfängern
nur in Ausnahmefällen … bezahlt werden können, sind
soziale Leistungen selten marktfähig. Die Kosten
müssen deshalb von öffentlichen Trägern übernommen
werden (Kostenträger).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Besonderheit bei der Finanzierung sozialer Dienste und Dienstleistungen:

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis

Kostenträger

Leistungserbringer
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Soziale Einrichtungen und Dienste erbringen


Leistungen und werden deshalb als Leistungsträger
bezeichnet.
Da diese Leistungen von den Leistungsempfängern
nur in Ausnahmefällen … bezahlt werden können, sind
soziale Leistungen selten marktfähig. Die Kosten
müssen deshalb von öffentlichen Trägern übernommen
werden (Kostenträger).
Das sind entweder Sozialversicherungsträger oder
aber Landkreise oder Städte, vertreten durch die
jeweils sachlich zuständigen Ämter bzw. Fachbereiche
(z.B. im Bereich der Jugendarbeit die Jugendämter).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Doch die Kosten werden nur in seltenen Fällen


direkt von den Kostenträgern erstattet (direkte
Bezuschussung), denn aufgrund sozialrechtlicher
Bestimmungen sind in der Regel nicht die Träger,
sondern die Leistungsempfänger
anspruchsberechtigt (indirekte Vollfinanzierung).

Es entsteht in diesem Fall ein Dreiecksverhältnis


zwischen Leistungserbringer (Träger),
Leistungsempfänger (Heimbewohner, Empfänger
einer ambulanten sozialen Dienstleistung) und
Kostenträger (z.B. Träger der Sozialhilfe)“

(Kohlhoff 2002 – Absatzbildung GG)


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Besonderheit bei der Finanzierung sozialer Dienste und Dienstleistungen:

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis

Kostenträger

Leistungsempfänger

Leistungserbringer
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Beispiel:
Der Landkreis Regensburg ist im Rahmen der
gesetzlichen Vorgaben (SGB VIII) verpflichtet, die
sog. Hilfe zur Erziehung „Sozialpädagogische
Familienhilfe“ zu finanzieren = LEISTUNGSTRÄGER
(KOSTENTRÄGER)

Die Katholische Jugendfürsorge für die Diözese Regensburg


bietet diese Leistung an = LEISTUNGSERBRINGER /Träger)
Im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips ist der LK Rgb.
verpflichtet, den Dienst zu finanzieren, auch wenn er ihn
selber anbieten könnte
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Beispiel:
Der Landkreis Regensburg ist im Rahmen der
gesetzlichen Vorgaben (SGB VIII) verpflichtet, die
sog. Hilfe zur Erziehung „Sozialpädagogische
Familienhilfe“ zu finanzieren = LEISTUNGSTRÄGER
(KOSTENTRÄGER)

Der LK Rgb. bietet innerhalb seines Jugendamts


Sozialpädagogische Familienhilfe an.
Der LK ist Kostenträger und über sein Jugendamt auch
LEISTUNGSERBRINGER
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Träger sozialer Dienste


(Leistungserbringer)

Privat-gewerbliche
Öffentliche
Träger
Träger

Frei-gemeinnützige
Träger
Freie Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Kurzübersicht

Öffentliche Träger/ Leistungserbringer


interessant vor allem die im kommunalen Bereich:
Landkreise und kreisfreie Städte, repräsentiert
durch die von ihnen eingerichteten

Gesundheitsämter
Jugendämter
Sozialämter
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Frei-gemeinnützige Träger / Leistungserbringer

Wohlfahrtsverbände
Stiftungen

Selbsthilfeorganisationen
Kirchen

Übersicht über
die Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Wohlfahrtsverbände

Deutscher Caritasverband
Diakonisches Werk
Arbeiterwohlfahrt
Deutsches Rotes Kreuz
Der Paritätische
Wohlfahrtsverband
Zentralwohlfahrtsstelle der
Übersicht über
Juden in Deutschlanddie Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Kirchen

Kirchen als Träger von sozialen Dienstleistungen sind


nicht zu verwechseln mit den kirchlich orientierten
Wohlfahrtsverbänden Caritasverband und
Diakonisches Werk
Kirchen (neben Katholischer Kirche und den
Evangelischen Freikirchen ist hier auch die
Heilsarmee zu erwähnen ) unterhalten eigenständig
eine Reihe von Diensten und Einrichtungen
Heime, Pflegedienste, Ehrenamtliche
Dienste etc. Übersicht über
die Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Selbsthilfeorganisationen

Traditionelle SH-Organisationen Alternative/ innovative SHO

Lebenshilfe für Lokale Frauenhausinitiative in XY


Geistigbehinderte Ehrenamtlicher Helferkreis für
Anonyme Alkoholiker bestimmtes Problem

VDK Initiativen, wie sie von lokalen


Selbsthilfekoordinationsstellen
Deutscher Blindenbund zusammengefasst werden
etc. Übersicht über
die Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Stiftungen

Stiftungen auf lokaler und überregionaler Ebene, die


teilweise eigene Dienste als Träger unterhalten, aber
auch Mittel zur Finanzierung sozialer Zwecke zur
Verfügung stellen,
z.B.

Übersicht über
die Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Grundüberlegungen zum Begriff des Trägers

Der Begriff des Trägers stellt ein Spezifikum des deutschen


Wohlfahrts- und Sozialwesens dar.

Einengung der Möglichkeiten des Anbietens


und Verantwortens entsprechender
Leistungen auf einige wenige
Gesellschaftsgruppierungen

nur zu verstehen vor dem Hintergrund


wesentlicher gesellschaftlicher Entwicklungen
und Auseinandersetzungen des späten 19. und
des 20. Jahrhunderts.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Bedeutsame Punkte:

„(d)er Konflikt zwischen dem protestantisch geprägten


Preußen und der katholischen Kirche, der seinen promi-
nenten Ausdruck im ‚Kulturkampf’ in der Ära Bismarck
fand ….“

http://www.planet-
wissen.de/politik_geschichte/preussen/otto_von_bismarck/img/tempx1_bismarck_schach_
g.jpg
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Bedeutsame Punkte:

„(d)er Konflikt zwischen dem protestantisch geprägten


Preußen und der katholischen Kirche, der seinen promi-
nenten Ausdruck im ‚Kulturkampf’ in der Ära Bismarck
fand ….“

„… Verfestigung eines katholischen Sozialmilieus und ...


entsprechenden katholischen Verbands- und Organisations-
bildungen …, die einer konfessionell geprägten Wohl-
fahrtspflege und später einer Institutionalisierung dieses
Konflikts zwischen Staat und Kirche in einer geregelten
Form der Zusammenarbeit zwischen Staat und konfessio-
neller Wohlfahrtspflege Vorschub leistete“ (Olk 2001);
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

die ausgeprägte Vereinskultur des kaiserlichen


Deutschlands und des Deutschlands der Weimarer
Republik

( 1848 „Entstehen der Inneren Mission der


evangelischen Kirche in Deutschland“, 1897 des
„Caritasverbandes für das katholische Deutschland“;
DRK 1921, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in
Deutschland 1917, Arbeiterwohlfahrt 1919) (Olk 2001);
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen


zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum am
Ende des 19. Jahrhunderts,

bei denen es auch darum ging, „den


herrschaftsgefährdenden Einfluss einer
wachsenden, sich sozialdemokratisch
organisierenden Arbeiterschaft zu begrenzen
bzw. zu neutralisieren“ (Boeßenecker 2005).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

die einschneidenden geschichtlichen


Erfahrungen wie das „Dritte Reich“ und die
„DDR“, die als Gewaltregimes das Misstrauen
in staatliches Regulieren sozialer
Angelegenheiten ganz besonders befördert
haben
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Eingebettet in diese sozio-historischen Gegebenheiten


muss als Besonderheit der deutschen
Sozialstaatsentwicklung das

erwähnt werden!
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Das Subsidiaritätsprinzip geht von einer sozialen


Struktur der Gesellschaft aus, die durch eine
aufsteigende Linie von kleineren zu größeren Einheiten
gekennzeichnet ist – d.h. vom Individuum über die
Familie, weiter über gesellschaftliche Organisationen als
intermediäre Instanzen bis zur staatlichen Organisation.
… Entscheidend ist dabei, dass größere Einheiten die
Funktionen kleinerer Einheiten nur soweit übernehmen
sollen, wie es um eine Kompensation von Mängeln der
Funktionsausübung geht und damit die Funktion der
kleineren Einheit nicht aufgehoben wird …“
(Bettmer 2002).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Subsidiaritätsprinzip hat damit im wesentlichen zwei Bedeutungen

das Verhältnis der


öffentlichen,
„das Verhältnis zwischen
behördlichen Träger und
Hilfsbedürftigem und
der freien Träger sozialer
Helfendem“
Hilfsangebote
zueinander“

(Merchel 2003, S. 19).


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Das traditionelle Verständnis


des Subsidiaritätsprinzips
betont vor allem das Verhältnis
von öffentlichen und freien
Trägern.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„In seiner Konkretisierung in den


verschiedenen Sozialgesetzen bedeutet dies,
dass die freien Träger (korrekt:
freigemeinnützigen!! – G.G.) über eine
spezifische Auslegung des
Subsidiaritätsprinzips seit Jahrzehnten im
Wettbewerb der Erbringung sozialer
Dienstleistungen einen Vorrang gegenüber
privat-gewerblichen und öffentlichen
Trägern genießen“ (Schubert 2003).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„Das von der katholischen Soziallehre


geprägte Subsidiaritätsprinzip hat zum Kern,
dass kleineren Institutionen, Gruppen oder
Verbänden die Zuständigkeit für Probleme,
die sie aus eigener Kraft bewältigen können,
nicht durch eine jeweils übergeordnete
Instanz oder dem Staat entzogen werden
darf“
(Schubert 2003).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Der subsidiäre Vorrang besteht aus zwei Komponenten

Förderverpflichtung der
öffentlichen Leistungsträger
gegenüber den freien
Trägern

(Schubert 2003).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Lange Zeit eher Verkürzung


des Subsidiaritätsprinzips
auf Durchsetzung von
Verbandsinteressen

Der wichtigere Sinn des Subsidiaritätsprinzips,


das Verhältnis von Hilfsbedürftigen und Helfenden,
das sich besonders zeigt im Akzeptieren der
Betroffenenbedürfnisse (vergl. Merchel 2003)
ist erst wieder in den Vordergrund gerückt durch die ab
den 1970er und 1980er Jahren stattfindenden kritischen
Auseinandersetzungen mit dem etablierten Hilfesystem.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Einige wichtige Punkte:

Entwicklung einer „Szene von kleinen, solidarisch


organisierten Projekten, Initiativen und Selbsthilfegruppen,
die sich insbesondere dadurch auszeichneten, dass sie in
hoher Unabhängigkeit hinsichtlich Form und Inhalt ihrer
Arbeit handeln, intern wenig hierarchisch strukturiert sind
und oft einen traditionelle Arbeitsfelder übergreifenden,
lebensweltbezogenen Arbeitsansatz verfolgen.“
(Olk 2001; vergl. Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Selbsthilfeszene der späten


1980er Jahre
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Trägerbegriff des 1990 verabschiedeten Kinder- und


Jugendhilfegesetzes (SGB VIII/ KJHG) wurde dadurch
nachhaltig beeinflusst
(Olk 2001; vergl. Merchel 2003)

„Kern dieses erneuerten Subsidiaritätsverständnisses


ist nicht die Betonung eines formalen Vorrang-
Nachrangverhältnisses zwischen freien und öffentlichen
Trägern, sondern ein inhaltlich-fachliches
Subsidiaritätsverständnis, dass denjenigen Trägern
Vorrang gewährt, die den Nutzern bzw. Adressaten ihrer
Angebote ein hohes Maß an Einflussmöglichkeiten
einräumen und die insgesamt einen
lebensweltorientierten Ansatz verfolgen“ (Olk 2001)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Die gesamtgesellschaftlichen Ökonomisierungstendenzen ab


den 1990er Jahren haben ebenfalls dazu beigetragen, den
herkömmlichen Subsidiaritätsbegriff aufzuweichen.

wirtschaftliche Überlegungen  zunehmende


Akzeptanz des günstigeren Angebots bei gleicher
Qualität;
eingebettet in eine Reihe von Reformbestrebungen
(„Neue Steuerung“) und auch gesetzliche
Neuregelungen (insbesondere
Pflegeversicherungsgesetz von 1994  kennt nur
noch Leistungserbringer, keine freien Träger )
(vergl. Olk 2001). Ähnliche Tendenzen sind in
Neufassungen des früheren BSHG erkennbar.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

1993 Aufhebung der Privilegierung der Wohlfahrtsverbände,

indem „… das bisher praktizierte


Selbstkostendeckungsprinzip durch ein System
leistungsbezogener Entgelte ersetzt (wurde), das
auf vorauskalkulierten Pflegesätzen mit einer
festgelegten Laufzeit basiert und einen
nachträglichen Defizitausgleich weitgehend
ausschließt“ (Olk 2001).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

„An den Pflegesatzverhandlungen sind


seitdem alle Träger, die Hilfe in
Einrichtungen nach dem (früheren -
G.G.) Bundessozialhilfegesetz
gewähren, gleichberechtigt beteiligt,
unabhängig davon, ob es sich um
verbandliche, privat-gewerbliche oder
öffentliche Träger handelt“ (Olk 2001).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Wohlfahrtsverbände und privat-gewerbliche


Leistungsträger wurden damit in eine direkte
Leistungsbeziehung gesetzt.

Dies geschah in der Erwartung, dass die in


der Regel kostengünstiger wirtschaftenden
privat-gewerblichen Träger die freien Träger
unter einen Rationalisierungsdruck setzen.
Die politisch beabsichtigte ‚Inszenierung’
dieser Trägerkonkurrenz wurde vor allem
mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen wie,
Kostendeckelung und –senkung,
begründet“ (Olk 2001).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Träger

Deutlich formuliert wird dies im SGB XII, in dem das BSHG


2005 aufgegangen ist:

„ (2) Zur Erfüllung der Aufgaben der Sozialhilfe sollen die Träger der
Sozialhilfe eigene Einrichtungen nicht neu schaffen, soweit geeignete
Einrichtungen anderer Träger vorhanden sind, ausgebaut oder geschaffen
werden können. Vereinbarungen nach Absatz 3 sind nur mit Trägern von
Einrichtungen abzuschließen, die insbesondere unter Berücksichtigung
ihrer Leistungsfähigkeit und der Sicherstellung der Grundsätze des § 9
Abs. 1 zur Erbringung der Leistungen geeignet sind. Sind
Einrichtungen vorhanden, die in gleichem Maße geeignet
sind, hat der Träger der Sozialhilfe Vereinbarungen
vorrangig mit Trägern abzuschließen, deren Vergütung bei
vergleichbarem Inhalt, Umfang und Qualität der Leistung
nicht höher ist als die anderer Träger.“ (§ 75 SGB XII)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Öffentliche Träger/
Leistungserbringer
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Öffentliche Träger

Hier ist die Differenzierung Leistungs-/ Kostenträger


– Leistungserbringer zu beachten.

Bei den Leistungserbringern erhält man die


sozialen Dienstleistungen.

Die Kostenträger finanzieren sie.


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Öffentliche Träger/ Leistungserbringer


interessant vor allem die im kommunalen Bereich:
Landkreise und kreisfreie Städte, repräsentiert
durch die von ihnen eingerichteten

Gesundheitsämter
Jugendämter
Sozialämter
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Wohlfahrtspflege ist ein Kernbereich der

(dazu gehören alle Angelegenheiten der örtlichen bzw.


überörtlichen Gemeinschaft)
Zu diesen Angelegenheiten gehören insbesondere

Jugendhilfe
Sozialhilfe
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN


ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

3 Ebenen der kommunalen Selbstverwaltung

Kreisangehörige
Gemeinden
Höhere
Landkreise und Kommunalverbände
kreisfreie Städte

dazwischen Sonderformen:

Stadtbezirke
Große Kreisstädte
Verwaltungsgemeinschaften
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Öffentliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe


sowie der Sozialhilfe unterteilen sich in

Überörtliche Örtliche Träger


Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Überörtliche Träger der Sozialhilfe

§ 96 SGB XII sieht überörtlichen Träger der Sozialhilfe vor:


„Dieser überörtliche Träger ist zuständig für einzelne Bereiche der
Sozialhilfe, insbesondere stationäre Leistungen und
Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen;
Leistungen der Hilfe zur Pflege;
Leistungen der Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer
Schwierigkeiten (z.B. Suchthilfe)
Leistungen der Blindenhilfe“
(Bödege-Wolf/ Schellberg 2005)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Überörtliche Träger der Sozialhilfe:


z.B.
in Bayern  Bezirke
in NRW  Landschaftsverbände
in Baden-Württemberg/ Sachsen/ Hessen 
Landeswohlfahrtsverbände
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer

Überörtliche Träger der Jugendhilfe

„Das SGB VIII sieht die Einrichtung eines

Landesjugendamtes
und Landesjugendhilfeausschusses vor,
die auch überörtlicher Träger der
Jugendhilfe sind.. …“
„… wenig direkte Aufgaben am Kunden“
(Bödege-Wolf/ Schellberg 2005)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Das Jugendamt
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Das Jugendamt

Jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt ist verpflichtet


nach § 69 Abs. 3 SGB VIII (KJHG) ein Jugendamt
einzurichten.
Es kann geregelt nach Landesrecht unter bestimmten Umständen
auch eine kreisangehörige Gemeinde ein eigenes Jugendamt
schaffen.

„Das Jugendamt hat die Aufgabe, alle im KJHG


festgelegten Funktionen und Anforderungen für die in
seinem Zuständigkeitsbereich liegende Region zu
erfüllen.“ (Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Aufgaben des Jugendamtes

Sorge für ausreichende Angebote der Jugendhilfe


 Sicherstellungsauftrag
Gesamtverantwortung für den Ablauf der Einzelfälle
 Hilfeplanung/ Fallverantwortung
Anbieten eigener Leistungen bei Bedarf
(vergl. Bödege-Wolf/ Schellberg 2005)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Aufgaben des Jugendamtes


„Die Verwaltung des Jugendamts gliedert sich
üblicherweise in folgende Abteilungen:
-Verwaltung (eine kleine Verwaltungsabteilung des
Jugendamtes) (!!!);
-Beistands- und Amtsvormundschaften,
-Wirtschaftliche Hilfen und Ausbildungshilfen,
-Erzieherische Hilfen und Krisenintervention,
Pflegekinderdienst und Adoptionsvermittlung,
-Kinder und Jugendarbeit und
-Kommunale Einrichtungen (städtische
Kindertagesstätten etc.“
(Bödege-Wolf/ Schellberg 2005)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Der Jugendhilfeausschuss
Besonderheit des
Jugendamtes ist seine
Zweigliedrigkeit
Verwaltung des Jugendamtes
Jugendhilfeausschuss

ist so in keinem anderen Bereich der


Kommunalverwaltung zu finden
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

SGB VIII

§ 70 Organisation des Jugendamts und des


Landesjugendamts

(1) Die Aufgaben des Jugendamts werden durch den


Jugendhilfeausschuss und durch die
Verwaltung des Jugendamts wahrgenommen.

(2) Die Geschäfte der laufenden Verwaltung im


Bereich der öffentlichen Jugendhilfe werden vom
Leiter der Verwaltung der Gebietskörperschaft oder
in seinem Auftrag vom Leiter der Verwaltung des
Jugendamts im Rahmen der Satzung und der
Beschlüsse der Vertretungskörperschaft und des
Jugendhilfeausschusses geführt.
…..
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

SGB VIII

§ 71 Jugendhilfeausschuss/
Landesjugendhilfeausschuss

(2) Der Jugendhilfeausschuss befasst sich mit allen


Angelegenheiten der Jugendhilfe, insbesondere mit

1. der Erörterung aktueller Problemlagen junger


Menschen und ihrer Familien sowie mit Anregungen
und Vorschlägen für die Weiterentwicklung der
Jugendhilfe,

2. der Jugendhilfeplanung und

3. der Förderung der freien Jugendhilfe.


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Zusammensetzung des
Jugendhilfeausschusses
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

SGB VIII

§ 71 Jugendhilfeausschuss, Landesjugendhilfeausschuss

(1) Dem Jugendhilfeausschuss gehören als stimmberechtigte


Mitglieder an

1. mit drei Fünfteln des Anteils der Stimmen Mitglieder der


Vertretungskörperschaft des Trägers der öffentlichen
Jugendhilfe oder von ihr gewählte Frauen und Männer, die in
der Jugendhilfe erfahren sind,

2. mit zwei Fünfteln des Anteils der Stimmen Frauen und


Männer, die auf Vorschlag der im Bereich des öffentlichen
Trägers wirkenden und anerkannten Träger der freien
Jugendhilfe von der Vertretungskörperschaft gewählt werden;
Vorschläge der Jugendverbände und der Wohlfahrtsverbände
sind angemessen zu berücksichtigen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Der Jugendhilfeausschuss unterscheidet sich deutlich


von Ausschüssen des Stadtrats oder Kreistags. Er
bereitet nicht nur Beschlüsse vor, sondern hat eigene
Rechte.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Besonderheiten, die sich aus der Zweigliedrigkeit des


Jugendamtes ergeben

„Der Leiter der Verwaltung des Jugendamtes (meist – aber


eigentlich verkürzt – ‚Jugendamtsleiter‘ genannt) ist nicht
allein seinen Vorgesetzten in der Verwaltungshierarchie
untergeordnet, sondern gleichermaßen unmittelbar an die
Beschlüsse des Jugendhilfeausschusses gebunden. …..
(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Besonderheiten, die sich aus der Zweigliedrigkeit des


Jugendamtes ergeben

In keinem anderen Ausschuss als dem


Jugendhilfeausschuss (JHA) wirken Vertreter
gesellschaftlicher Gruppierungen stimmberechtigt an den
Entscheidungen mit. …..
(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Besonderheiten, die sich aus der Zweigliedrigkeit des


Jugendamtes ergeben

Anders als die anderen Ausschüsse des Rates oder des


Kreistages hat der JHA ein – allerdings durch die
Rahmenbeschlüsse der Vertretungskörperschaft begrenztes
– eigenständiges Beschlussrecht sowie ein eigenes
Antragsrecht gegenüber der Vertretungskörperschaft“. Dazu
kommt das Anhörungsrecht vor jeder Beschlussfassung der
Vertretungskörperschaft in Sachen Jugendhilfe
(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Idealtypische Rollenverteilung zwischen Verwaltung und


Jugendhilfeausschuss im Jugendamt

Jugendhilfeausschuss hat
strategische Rolle
Verwaltung hat operative Rolle

Übergeordnete Instanz
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Jugendamt

Rollenaufteilung nur begrenzt tragfähig, „weil


Die Trennung zwischen strategischen und operativen
Fragestellungen nicht immer eindeutig ist,
durch viele Einzelentscheidungen in der Verwaltung
strategische Linien vorgeprägt oder faktisch konstituiert
werden und damit der Jugendhilfeausschuss in seinem
Spielraum für strategische Entscheidungen eingegrenzt wird,
sich die Verwaltung durch Informationen,
Handlungskompetenzen und Handlungsressourcen faktisch in
eine gestaltende Funktion setzt, der die Ausschussmitglieder –
zumindest diejenigen, die als ehrenamtliche Politiker und nicht
als fachlich versierte Funktionäre im Jugendhilfeausschuss
mitwirken – vielfach nur an marginalen Stellen etwas
entgegenzusetzen vermögen“
(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Das Sozialamt
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Das Sozialamt
Landkreise und kreisfreie Städte sind als örtliche Träger
zuständig für die Aufgaben der Sozialhilfe, die sich aus dem
SGB XII ergeben  örtliche Zuständigkeit SGB XII § 97 (1).
Sie müssen die Aufgaben der Sozialhilfe erfüllen, aber nicht
unbedingt ein eigenes Amt schaffen  „Form der Strukturierung und
Erledigung der Aufgaben unterliegt der kommunalen
Organisationshoheit („Kommunale Selbstverwaltung“ (Merchel 2003)

Das was landläufig als Sozialamt bezeichnet wird, ist häufig nur eine
Abteilung Sozialhilfeverwaltung!  Kein Sonderstatus wie beim
Jugendamt in der gängigen Ämterhierarchie
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Das Sozialamt

Die meisten Landkreise und kreisfreien Städte haben jedoch


die Aufgaben nach dem SGB XII als Sozialamt oder
Sozialhilfeverwaltung organisiert.
Aber auch Bezeichnungen wie
Amt für Soziale Sicherung (München)
Amt für Existenzsicherung und Soziale
Integration -
Sozialamt (Nürnberg)
Grundsicherungs- und Sozialabteilung (-amt)
(einige Bezirksämter Hamburgs)
Amt für Soziales und Senioren (Köln)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Sozialämter sind in der Regel nach den sich aus dem SGB
XII ergebenden Aufgaben gegliedert:
Hilfe zum Lebensunterhalt
Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung
Hilfen zur Gesundheit
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen
Hilfen zur Überwindung von besonderen sozialen
Schwierigkeiten
Hilfen in anderen Lebenslagen (z.B. Altenhilfe,
Blindenhilfe …)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Dazu haben die Sozialämter häufig noch „artverwandte“


Aufgaben wie

Aufgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz,


Aufgaben nach dem Pflegeversicherungsgesetz,
Aufgaben nach dem Schwerbehindertengesetz,
Aufgaben nach dem Unterhaltssicherungsgesetz,
Aufgaben nach dem Heimgesetz,
Aufgaben nach dem Betreuungsgesetz,
Maßnahmen zur Betreuung ausländischer Einwohner

(vergl. Merchel 2003; vergl. Kuhlbach 2001)


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

„Geprägt ist das Sozialamt klassischerweise von der Hilfe zum


Lebensunterhalt, einer Geldleistung, die eine entsprechende
rechtliche und verwaltungstechnische Organisation einer
Leistungsabteilung fordert“ (Bödege-Wolf/ Schellberg 2005)
„Die für die Jugendhilfe typische Doppelfunktion des
Jugendamtes als Träger von Einrichtungen/ Diensten
und als Gewährleistungsinstanz für die Infrastruktur
sowie das damit einhergehende Spannungsfeld
bilden sich beim Sozialamt nicht in einer
nachdrücklichen Weise aus.“ (Merchel 2005)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Sozialamt tritt kaum als Träger von Einrichtungen


und Diensten in Erscheinung (Ausnahmen:
Notwohneinrichtungen für Menschen in
besonderen sozialen Schwierigkeiten, Heime für
Asylbewerber, Fachberatungsstellen für alte und
behinderte Menschen sowie für Wohnungslose)
Die neuerdings forcierten Beschäftigungs- und
Fortbildungsmaßnahmen finden eher bei den
ARGEs statt
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Aufgabenstruktur der Sozialämter ist primär auf die Prüfung von


individuellen Ansprüchen und auf die Gewährung von
individuellen Einkommens- und Sachleistungen ausgerichtet
(Merchel 2005; vergl. Kuhlbach 2001)

Ablauf im Sozialamt unterliegt einem


Konditionalprogramm
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Differenzierung von Hilfeleistungen

Konditionalprogramm Zweckprogramm
•Genaue rechtliche • Vorgegeben sind
Festlegung der lediglich die zu
Gewährung von Hilfe erreichenden Ziele
•Entscheidungsparameter •Keine „Wenn-dann-
für die Sachbearbeiter Handlungsschemata“
weitgehend vorgeprägt 
„wenn-dann-Schemata“ •Orientierung am Fall
selber
•Aufgabenerledigung
innerhalb festgelegter (Merchel 2005)
Handlungsroutinen
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Ein guter Teil der Kritik an den Sozialämtern lässt sich an der
Konditionalprogrammierung seiner Abläufe festmachen

Sozialämter sind klassische an Rechtsvorschriften


und bürokratisch orientierte Verwaltungen
Die Stellen in den Sozialämtern sind hauptsächlich
von Verwaltungsfachkräften besetzt

Es arbeiten dort wenige bis keine


SozialarbeiterInnen
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Die klassische Kritik an der „Behörde Sozialamt „ ist damit immer


noch gültig:

Sozialhilfe nach dem SGB XII setzt einen Standard für Armut und
Nichtarmut  Regelsätze zur Zeit bei ca. 340 Euro
Sozialhilfe bezieht sich immer noch als „Ausfallbürge“ auf die
Arbeitskraft des Hilfeempfängers  nur die bekommen Sozialhilfe,
die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen können  alle
anderen müssen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen 
Leistungen nach SGB II (sog. Hartz IV)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Die klassische Kritik an der „Behörde Sozialamt „ ist damit immer


noch gültig:

Höhe der Hilfe entspricht in der Regel nicht dem hohen Anspruch
des Gesetzes: „menschenwürdiges Leben“  trotzdem
Unterstellung, dass Menschen mit dem geringen Betrag zurecht
kommen müssen;
Probleme werden nicht, wie es der Anspruch des
Sozialgesetzbuches ist, individualisiert behandelt. KlientInnen
werden gemäß einzelner Hilfearten kategorisiert und nach
universalistischen Grundsätzen zu Handlungsprogrammen
subsumiert  Konditionalprogrammierung der Handlungsabläufe
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Die klassische Kritik an der „Behörde Sozialamt „ ist damit immer


noch gültig:

Persönliche Hilfe tritt in den Hintergrund. Verhältnis Sozialamt –


Hilfeempfänger ist durch einen verdinglichten Umgang mit dem
Publikum gekennzeichnet.
Die Gestaltung geschieht so, dass sie als Notlösung erscheint
und wenig begehrenswert ist.
Sozialhilfeempfänger werden trotzdem häufig diskriminiert
(Missbrauchsdebatte)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Sozialamt

Die klassische Kritik an der „Behörde Sozialamt „ ist damit immer


noch gültig:

Kontaktschwellen auch durch Organisation des Sozialamtes:


Passive Ausrichtung der Sozialhilfeverwaltung; Hilfe nur bei
Antrag
Kontaktzwang mit „Instanz für Marktversager“ schreckt ab;
Personelle und räumliche Ausstattung der Sozialämter
schreckt immer noch ab.

(vergl. Leibfried 1984; Merchel 2005; Kuhlmann 2001)


Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Die Gemeinsamen Einrichtungen bei der Grundsicherung


für Arbeitsuchende

Das Jobcenter
(früher ARGE)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Peter Hartz

Von Hartz I zu Hartz IV


Die Gesetze für moderne Dienstleistungen
am Arbeitsmarkt
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Hartz I: (Das Gesetz ist am 1.1.2003 in Kraft


getreten)

- die Erleichterung von neuen Formen der Arbeit


- die Förderung der beruflichen Weiterbildung
durch die Arbeitsagentur,
Peter Hartz
- Zahlung von Unterhaltsgeld durch die
Arbeitsagentur
- die weitgehende Zulässigkeit der Zeitarbeit

http://www.hartz-iv-iii-ii-i.de/hartz-iii.html
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Hartz II: (Das Gesetz ist am 1.1.2003 in Kraft


getreten)

- die Regelung der Beschäftigungsarten Minijob


und Midijob
- die Ich-AG
Peter Hartz - Maßnahmen zur Verhinderung der
Schattenwirtschaft
- die Einrichtung von Job-Centern.

http://www.hartz-iv-iii-ii-i.de/hartz-iii.html
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE)
bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende

Hartz III: (Das Dritte Gesetz für moderne Dienstleistungen am


Arbeitsmarkt ist in wesentlichen Teilen am 1. Januar 2004 in Kraft
getreten)

„Restrukturierung und Umbau der Bundesanstalt für Arbeit


(Arbeitsamt) in die Bundesagentur für Arbeit (Agentur für Arbeit). Die
BA wird zur dreigliedrigen Bundesagentur für Arbeit (Zentrale,
Regionaldirektionen, örtliche Agenturen für Arbeit).
Peter Hartz …. Ein Aspekt ist die Einführung von sog. Job-Centern. Sie sind
zentrale Anlaufstellen für Arbeitslose und sie sollen das
Zuständigkeitsdurcheinander von Sozialamt und Arbeitsamt
entwirren.
In den Jobcentern kümmern sich Fallmanager um
Langzeitarbeitslose. Sie sind statt wie früher für ca. 350 jetzt für
lediglich ca. 75 Arbeitslose zuständig. Besonders intensiv soll auf
Arbeitslose über 50 Jahre eingegangen werden.“
http://www.hartz-iv-iii-ii-i.de/hartz-iii.html
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Im Jahr 2005 wurden Arbeitslosenhilfe und


Sozialhilfe für Erwerbsfähige zwischen 15
und unter 65 Jahren zusammengelegt.
Die Anspruchsberechtigten erhalten als
finanzielle Leistung nun Arbeitslosengeld II

(Das Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt


ist in wesentlichen Teilen am 1. Januar 2005 in Kraft getreten.)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Im Jahr 2005 wurden Arbeitslosenhilfe und


Sozialhilfe für Erwerbsfähige zwischen 15
und unter 65 Jahren zusammengelegt.
Die Anspruchsberechtigten erhalten als
finanzielle Leistung nun Arbeitslosengeld II

Grundsicherung
Eingebettet in

für Arbeitsuchende –
SGB II
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Grundidee:
Zusammenführung der Leistungen und
Möglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit und
der Sozialhilfeträger um erwerbsfähige
Menschen möglichst rasch in Arbeit zu bringen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Grundidee:
Zusammenführung der Leistungen und
Möglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit und
der Sozialhilfeträger um erwerbsfähige
Menschen möglichst rasch in Arbeit zu bringen.

Zu diesem Zweck arbeiten die beiden


Träger Bundesagentur für Arbeit und
Landkreise bzw. kreisfreie Städte als
kommunale Träger zusammen und bilden
Arbeitsgemeinschaften,

die ARGEs
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

„DasBundesverfassungs-
gericht hat mit Urteil vom 20.
Dezember 2007 …
(Bild: DPA)
entschieden, dass die
Arbeitsgemeinschaften
(ARGEn) dem Grundsatz
eigenverantwortlicher
Aufgabenwahrnehmung
(Lohmann,
Wissenschaftliche Dienste
widersprechen.“
Deutscher Bundestag
http://www.bundestag.de/do
kumente/analysen/2010/jobc
enterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

„Die vom Gesetzgeber in § 44b Zweites Buch


Sozialgesetzbuch (SGB II) vorgesehene
Bildung von ARGEn als
Gemeinschaftseinrichtung der
Bundesagentur für Arbeit und kommunaler
(Bild: DPA) Träger sei mit der Selbstverwaltungsgarantie
des Art 28 Abs. 2 S. 1 und 2 Grundgesetz
(GG) in Verbindung mit Art 83 GG
unvereinbar:
die einheitliche Aufgabenwahrnehmung der
beiden Träger der Grundsicherung für
Arbeitsuchende würde die Kommunen in
ihrem Recht auf eigenverantwortliche
(Lohmann, Aufgabenerledigung verletzen und gegen die
Wissenschaftliche Dienste Kompetenzordnung des GG verstoßen.“
Deutscher Bundestag
http://www.bundestag.de/do
kumente/analysen/2010/jobc
enterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Zwei gesetzliche Neuregelungen als Reaktion auf das


Verfassungsgerichtsurteil:

1. Änderung des Grundgesetzes (neu: Art 91e GG)


„Das am 27. Juli 2010 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des
Grundgesetzes (GG) hat die notwendige verfassungsrechtliche
Grundlage entsprechend den Absprachen einer interfraktionellen
Bund-Länder-Arbeitsgruppe geschaffen. Nach dem neu eingefügten
Art 91e GG wirken nun bei der Ausführung von Bundesgesetzen auf
dem Gebiet der Grundsicherung für Arbeitsuchende Bund und
Länder oder die nach Landesrecht zuständigen Gemeinden und
Gemeindeverbände in der Regel in gemeinsamen Einrichtungen
zusammen (Absatz 1).“
(Lohmann, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag
http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/jobcenterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Zwei gesetzliche Neuregelungen als Reaktion auf das


Verfassungsgerichtsurteil:

1. Änderung des Grundgesetzes (neu: Art 91e GG)

„Ferner kann der Bund zulassen, dass eine begrenzte Anzahl von
Gemeinden und Gemeindeverbänden auf ihren Antrag und mit
Zustimmung der obersten Landesbehörde die Aufgaben nach Absatz
1 allein wahrnimmt. Die notwendigen Ausgaben einschließlich der
Verwaltungsausgaben trägt der Bund, soweit die Aufgaben bei einer
Ausführung von Gesetzen nach Absatz 1 vom Bund wahrzunehmen
sind (Art 91e Absatz 2).“

(Lohmann, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag


http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/jobcenterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Zwei gesetzliche Neuregelungen als Reaktion auf das


Verfassungsgerichtsurteil:

2. Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisation


der Grundsicherung für Arbeitsuchende

„Das Gesetz tritt am 1. Januar 2011 in Kraft (einige Regelungen sind


bereits seit dem 11. August 2010 in Kraft). Die gemeinsamen
Einrichtungen nach § 44b SGB II und die zugelassenen kommunalen
Träger nach § 6a SGB II führen nun einheitlich die Bezeichnung
„Jobcenter“ (neu: § 6d SGB II).“

(Lohmann, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag


http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/jobcenterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Zwei gesetzliche Neuregelungen als Reaktion auf das


Verfassungsgerichtsurteil:

2. Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisation


der Grundsicherung für Arbeitsuchende

„Die bereits bestehenden kommunalen Träger erhalten die


Möglichkeit, ihre Aufgaben unbefristet wahrzunehmen. Auf Antrag
kann eine begrenzte Zahl weiterer kommunaler Träger vom BMAS
durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates
zugelassen werden, wenn sie die unter § 6a SGB II genannten
Bedingungen erfüllen.“

(Lohmann, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag


http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/jobcenterreform.pdf)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

SGB II - Grundsicherung für Arbeitsuchende


- Kapitel 1 Fördern und Fordern - Fassung 2011

§ 6 Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende

(1) Träger der Leistungen nach diesem Buch sind:

1.die Bundesagentur für Arbeit (Bundesagentur), soweit


Nummer 2 nichts Anderes bestimmt,

2.die kreisfreien Städte und Kreise für die Leistungen nach §


16a, das Arbeitslosengeld II und das Sozialgeld, soweit
Arbeitslosengeld II und Sozialgeld für den Bedarf für
Unterkunft und Heizung geleistet wird, die Leistungen
nach § 24 Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 und 2, § 27 Absatz 3
sowie für die Leistungen nach § 28, soweit durch
Landesrecht nicht andere Träger bestimmt sind
(kommunale Träger).
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Konkret sind zuständig:

die kommunalen Träger (Landkreise und


kreisfreie Städte) für
die Leistungen für Unterkunft und Heizung,
die Kinderbetreuungsleistungen,
die Schuldner- und Suchtberatung,
die psychosoziale Betreuung und
die Übernahme von besonderem, einmaligem Bedarf (etwa
die Erstausstattung für Bekleidung und Wohnung oder
Leistungen für mehrtägige Klassenfahrten
Die Leistungen für Bildung und Teilhabe
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-
Sammlung/SGB-II-Merkblatt-Alg-II.pdf (abger. Januar 2012)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Konkret sind zuständig:

die Agenturen für Arbeit für


Geldleistungen (Arbeitslosengeld II für erwerbsfähige
Hilfebedürftige) und Sozialgeld für nicht erwerbsfähige
Personen in der Bedarfsgemeinschaft
Dienstleistungen  Information, Beratung, Vermittlung,
Förderung von Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung,
berufliche Weiterbildung, Anbieten von Arbeitsgelegenheiten
Sozialversicherung  die Zahlung von Beiträgen zur
gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung und
die Unfallversicherung in bestimmten Fällen.
Sachleistungen  z.B. Gutscheine
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-
Sammlung/SGB-II-Merkblatt-Alg-II.pdf (abger. Januar 2012)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

„In den meisten Gebieten haben sich die


Agenturen für Arbeit und die
kommunalen Träger zur gemeinsamen
Aufgabenerledigung
zusammengeschlossen und
gemeinsame Einrichtungen gebildet,“
(die früheren ARGEs – G.G.)
„Seit 01.01.2011 tragen sowohl die
gemeinsamen Einrichtungen als auch
die zugelassenen kommunalen Träger
die Bezeichnung “

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-
Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-Sammlung/SGB-II-
Merkblatt-Alg-II.pdf (abger. Januar 2012)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

Optionskommunen:
„Von derzeit (ab 1.1.12 – G.G.) 108 sogenannten
zugelassenen kommunalen Trägern werden alle
Aufgaben allein wahrgenommen, auch die der
Agentur für Arbeit. Zusätzlich zu ihren eigenen
Aufgaben zahlen diese dann das Arbeitslosengeld
II aus und sind für die Integration der
Leistungsbezieher in das Erwerbsleben
verantwortlich.“
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Merkblatt-
Sammlung/SGB-II-Merkblatt-Alg-II.pdf (abger. Jan. 2012)

„In 21 Kommunen ist … allein die Agentur für Arbeit für


die Auszahlung von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld
sowie für die Arbeitsvermittlung zuständig, die
Kommune für die Kosten der Unterkunft.“
http://www.jobcenter-ge.de/lang_de/nn_297580/DE/Service/Jobcenter-WasIstDas/Jobcenter-WasIstDas-
Knoten.html__nnn=true (abger. Jan. 12)
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

§ 44b SGB II Gemeinsame Einrichtung


(1)Zur einheitlichen Durchführung der
Grundsicherung für Arbeitsuchende bilden die
Träger im Gebiet jedes kommunalen Trägers
nach § 6 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 eine
gemeinsame Einrichtung. Die gemeinsame Einrichtung
nimmt die Aufgaben der Träger nach diesem Buch wahr; die
Trägerschaft nach § 6 sowie nach den §§ 6a und 6b bleibt
unberührt. Die gemeinsame Einrichtung ist befugt,
Verwaltungsakte und Widerspruchsbescheide zu erlassen. Die
Aufgaben werden von Beamtinnen und Beamten sowie
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wahrgenommen, denen
entsprechende Tätigkeiten zugewiesen worden sind.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

§ 44b SGB II Gemeinsame Einrichtung


(2) Die Träger bestimmen den Standort sowie die
nähere Ausgestaltung und Organisation der
gemeinsamen Einrichtung durch Vereinbarung.
Die Ausgestaltung und Organisation der
gemeinsamen Einrichtung sollen die
Besonderheiten der beteiligten Träger, des
regionalen Arbeitsmarktes und der regionalen
Wirtschaftsstruktur berücksichtigen. Die Träger
können die Zusammenlegung mehrerer
gemeinsamer Einrichtungen zu einer
gemeinsamen Einrichtung vereinbaren.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die JOBCENTER (früher ARGE) bei der
Grundsicherung für Arbeitsuchende

ARGEs (JOBCÈNTER) sind


teilweise auch Ausdruck der
Verwaltungsmodernisierung
 wollen sich vom Anspruch her
absetzen von traditioneller Arbeits-
bzw. Sozialhilfeverwaltung
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Zur Gestaltung des Arbeitsablaufes der ARGEn

z.B. von der ARGE Kiel formulierte Anforderungen:

„Nutzung der bestehenden Infrastruktur


Sozialraum- und Stadtteilorientierung
Sozialzentrumseinbindung
Bürgernahe Unterstützung
Hilfeleistung „aus einer Hand“
Gemeinsame Steuerung der Hilfeentscheidung
‚Mitarbeiterperspektive‘“
http://www.kiel.de/Dezernate_und_Bueros/Dezernat_IV/hearings/he
aring0504/SGB-II-GrundsicherungArbeitssuchende.pdf abger. Nov.
2007
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

Wichtige organisatorische Grundlagen


•Sozialraum- und Stadtteilorientierung  Einbindung in
bestehende Sozialzentren (Stadt Kiel) oder Sozialbürgerhäuser
(Landeshauptstadt München)

„Die Aufgaben der ARGE werden


dezentral in den Sozialregionen der
Stadt München erbracht. Standorte
sind die Sozialbürgerhäuser.“
(Vertrag zur Gründung der ARGE in
München)
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

• „Hilfeleistung aus einer Hand“ (Stadt Kiel)

„Die ARGE wird durch eine


integrierte Fallbearbeitung (ein
Ansprechpartner, ein
Leistungsbescheid aus einer Hand)
die erforderlichen Leistungen
bürgernah, schnittstellenarm und
unbürokratisch erbringen ….“
(Vertrag zur Gründung der ARGE in München)
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

•Einheit von wirtschaftlicher und psycho-sozialer


Hilfeleistung

Wird nicht überall so


gesehen!
„Die wirtschaftliche
Leistungsgewährung erfolgt in
einer zentralen
Leistungsabteilung“ (ARGE
Kiel);
„ein Ansprechpartner, ein
Leistungsbescheid aus einer
Hand“ (ARGE München)
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

•Gemeinsame Steuerung der Hilfeentscheidung

Die Steuerung der Abläufe in der ARGE


erfolgt durch beide Partner
gleichberechtigt  „Die
Vertragspartner vereinbaren
gemeinsame Qualitätsstandards,
welche für die Aufgabenwahrnehmung
in der ARGE verbindlich sind“ (Vertrag
ARGE München)“
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

.
•Mitarbeiterfreundliche Ausgestaltung der ARGEn

•„1 Persönlicher Ansprechpartner


einschließlich
Leistungssachbearbeitung für 85
(angestrebt 75 – G.G.)
Bedarfsgemeinschaften
•1 Arbeitsvermittler für 225
Bedarfsgemeinschaften“
(Vertrag ARGE München)
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

•Nutzung der bestehenden Infrastruktur

„Die ARGE verfügt über keine eigene


Infrastruktur (z.B. Räume,
Sachmittel); diese wird vielmehr von
den Vertragspartnern zur Verfügung
gestellt. Dabei soll soweit wie
möglich auf vorhandene Infrastruktur
zurückgegriffen werden.“
(Vertrag ARGE München)

 Arge Kiel
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

•Für besonders schwierige Fälle gibt es Fallmanagement

Das Fallmanagement soll durch qualifiziertes und


spezialisiertes Personal erfolgen
Kiel: Personal im Sozialzentrum
München: „Das Fallmanagement einschließlich des
Abschlusses der Eingliederungsvereinbarung wird im
Regelfall vom persönlichen Ansprechpartner …
wahrgenommen. Bei Vorliegen mehrerer und komplexer
Vermittlungshemmnisse wird die Bezirkssozialarbeit der
LHM gegen Kostenersatz mit dem Fallmanagement
beauftragt.“ (ARGE-Vertrag München)
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
Klärung der grundlegenden Begriffe
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Die ARGE bei der Grundsicherung für
Arbeitsuchende

•Für besonders schwierige Fälle gibt es Fallmanagement

Das Fallmanagement soll durch qualifiziertes und


spezialisiertes Personal erfolgen
Kiel: Personal im Sozialzentrum
München: „Das Fallmanagement einschließlich des
Abschlusses der Eingliederungsvereinbarung wird im
Regelfall vom persönlichen Ansprechpartner …
wahrgenommen. Bei Vorliegen mehrerer und komplexer
Vermittlungshemmnisse wird die Bezirkssozialarbeit der
LHM gegen Kostenersatz mit dem Fallmanagement
beauftragt.“ (ARGE-Vertrag München)
Eigene Stellen für Fallmanagement für besondere
Zielgruppen (z.B. für Jugendliche in Kiel)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Öffentliches Gesundheitswesen ist Angelegenheit der


Länder

Jedoch bundesweit relativ gleichartig (


Gesetz über die Vereinheitlichung des
Gesundheitswesens von 1934)

Mehrere Bundesländer, darunter


Bayern haben die Gesundheitsämter
den Kommunalverwaltungen
zugeordnet
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Jedoch verwirrende Rechtslage:


„In der Mehrheit der Bundesländer wird der
öffentliche Gesundheitsdienst, für den das
Gesundheitsamt das organisatorische Zentrum
bildet, als kommunale Aufgabe wahrgenommen,
während in einigen anderen Bundesländern (Bayern,
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland) das
Gesundheitsamt als staatliche Sonderbehörde
konzipiert ist, die zwar im kommunalen Raum wirkt,
jedoch außerhalb der kommunalen
Verwaltungsstruktur steht“ (Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Einige rechtliche Grundlagen:

•Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst


(Schleswig-Holstein)

•Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGDG)


Nordrhein-Westfalen

•Bayerisches Gesundheitsdienst- und


Verbraucherschutzgesetz (GDVG)

•Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst in


Hamburg
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Traditionelle Zweiteilung bei den Aufgaben


der Gesundheitsämter

Gesundheitsschutz
Gesundheitsfürsorge/
 Aufgaben, die den Gesundheitsförderung
staatlichen
Kontrollfunktionen
entstammen

(Vergl. Merchel 2003; Trojan


1999)
Aktuell dominierender
Bereich
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:


•„Medizinalaufsicht über Berufe und Einrichtungen des
Gesundheitswesens: z.B. Beteiligung an der Aufsicht über
Krankenhäuser sowie stationäre Einrichtungen der Alten-,
Behinderten- und Jugendhilfe …;
•Allgemeine Hygiene und Seuchenbekämpfung: insbes.
Erfüllung von Aufgaben nach dem Bundesseuchengesetz;
•Gutachterwesen: z.B. amtsärztliche Gutachten bei
Einstellungen, bei der Feststellung von Behinderungen im
Kontext von Zuordnungen zu Sonderschulen oder
Sonderkindergärten bzw. zur Feststellung
integrationsfördernder Hilfeansprüche, im
Zusammenhang mit Rentenverfahren, bei der
Zwangsunterbringung psychisch Kranker u.a.m.;
(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:


•Gesundheitsschutz, Vorsorge, Gesundheitshilfen: z.B.
schulärztlicher Dienst, Suchtkrankenhilfe, AIDS-
Prävention, gesundheitliche Aufklärung und
Öffentlichkeitsarbeit etc.;
•Epidemiologie und Gesundheitsplanung: kommunale
Gesundheitsberichterstattung, Förderung von Selbsthilfe
und Selbsthilfegruppen und anderen infrastrukturellen
Ansätzen der Gesundheitsförderung,
Verträglichkeitsprüfungen im Zusammenhang mit
umweltbezogenen Gesundheitsgefahren

(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:

•… im Sinne des Subsidiaritätsgrundsatzes Übernahme


von Aufgaben, die nicht oder in nicht ausreichendem
Umfang von anderen Leistungserbringern (z.B.
niedergelassenen Ärzten) erfüllt werden: z.B. ärztlicher
Dienst für Obdachlose, ärztliche Versorgung von
Drogenkonsumenten. Solche sozialkompensatorischen
Aufgaben werden bisher aber nur von wenigen
Gesundheitsämtern ausgeführt.“

(Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:

•Teilweise auch Übernahme des Bezirksozialdienstes bzw.


Allgemeinen Sozialdienstes auf kommunaler Ebene für die
anderen kommunalen Ämter Jugendamt und Sozialamt
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:

z.B. Gesundheitsamt

„Das Gesundheitsamt ist der erste unserer drei


Fachbereiche des Amtesfür Gesundheit,
Veterinär- und Lebensmittelaufsicht und
Betreuungsstelle. Wir bieten Ihnen Untersuchung,
Beratung und Hilfestellung rund um die Gesundheit für
Kinder, Jugendliche und Erwachsene.“

http://www.berlin.de/ba-mitte/org/gesundheitsamt/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:

z.B. Gesundheitsamt

"Hier geht es zu den Angeboten der Dienststellen des


Gesundheitsamtes:

Amts- und Vertrauensärztlicher Dienst


Beratungsstelle für behinderte und krebskranke
Menschen
Beratungsstelle für Risikokinder
Beratungsstelle für Sehbehinderte
Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten
sowie AIDS
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Das Gesundheitsamt

Konkrete Aufgaben des Gesundheitsamtes:

z.B. Gesundheitsamt

Hygiene- und Umweltmedizin


Impfstelle für Auslandsreisen, WHO-Gelbfieberimpfstelle
Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst
Kontakt- und Begegnungsstätte Laufmasche
Lebensmittelpersonalberatung
Patientenaktenarchiv
Sozialmedizinischer Dienst
http://www.berlin.de/ba-
Sozialpsychiatrischer Dienst mitte/org/gesundheitsamt/
Tuberkulosefürsorgestelle
Zahnärztlicher Dienst“
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Der Allgemeine Sozialdienst


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

bezeichnet heute das, was traditionellerweise

die war.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Der Begriff der Familienfürsorge ist ein traditioneller, der schon 1912 eingeführt wurde
(vergl. Schubert/ Schubert-Scheulen).

Kern des Familienfürsorgegedankens nach Marie Baum:

"..... die in einem bestimmten geographischen Bereich in der Form der Einheits-
und nach der Methode der Familienfürsorge durchgeführte Wohlfahrtspflege, die
je nach Lage des Einzelfalles zur Maßnahme der Wirtschafts-, Gesundheits- oder
Erziehungsfürsorge greifen, offene oder geschlossene Fürsorge vermitteln, vor-
beugenden, heilenden oder rettenden Charakter annehmen kann und die in all ih-
ren Schritten bewußt auf die Stärkung der in der Familie liegenden Pflege- und
Erziehungskräfte abzielt" (zit. nach Linke 1980).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Die in dieser Definition enthaltenen Prinzipien

 Konzentration auf einen bestimmten geographischen Bereich (Bezirk),

 Befassung möglichst einer SozialarbeiterIn mit dem Fall (Ganzheitlichkeit),

 Vermittlung zwischen und Koordination von verschiedenartigen Hilfen


(z.B. materielle und persönliche)

sind heute gültige Grundlagen der Sozialen Arbeit mit Familien, wobei bei öffentlichen Trä-
gern

 hoheitliche Aufgaben im Zusammenhang mit gesetzlichen Grundlagen

hinzukommen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Allgemeiner Sozialdienst
Bezeichnung einer Institution, in der die auf die Familien bezogenen Aufgaben
der Kommunen (Kreise und kreisfreie Städte) im Bereich der Sozialhilfe, Jugendhilfe, Ge-
sundheitshilfe und Behindertenhilfe wie im SGB II, XII und VIII definiert, geleistet werden.

Es handelt sich hier um die Erfüllung kommuna-


ler Pflichtaufgaben.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

Jugendamt Gesund-
Sozialamt
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
ASD
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

ASD als eigenes


Jugendamt Gesund- Amt
Sozialamt
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

ASD im Jugend- Jugendamt Gesund-


amt Sozialamt
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

Jugendamt Gesund-
Sozialamt
heitsamt
ASD im Gesund-
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

Jugendamt
ASD im SozialamtGesund-
Sozialamt
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Gesetzeslage (SGB II, XII, VIII


u. a.)

Sich daraus ergebende Pflichtaufgaben für


Landkreise und kreisfreie Städte

Jugendamt
ASD in verschiede- Gesund-
nen Ämtern
Sozialamt
heitsamt

Sozialarbeiteri-
sche Aufgaben
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Allzuständigkeit
Der ASD ist die Basis der Sozialarbeit, die für alle und alles zuständig ist
und sein muss.

Es kann keine Problematik und kein Hilfesuchender abgelehnt werden. Der


ASD kann weitervermitteln, ist aber auch dann noch zuständig, wenn
Klienten sich nicht weitervermitteln lassen wollen oder andere (Fach-)Be-
ratungsstellen sich nicht (oder noch nicht oder nicht mehr) zuständig füh-
len.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

"Somit ist der ASD ein allzuständiger, zielgruppen-, generati-


onen- und gesetzesübergreifender Basisdienst, der zentrale
soziale Dienst einer Kommune.

Er sichert die psychosoziale Grundversorgung im Landkreis


bzw. in der kreisfreien Stadt. Als einziger Dienst, der keinen
Hilfesuchenden abweisen kann, bildet er letztlich 'ein Netz
unter dem sozialen Netz'.

So ist er auch das Auffangbecken für unmotivierte Klienten,


Personen ohne Krankheitseinsicht und solche, bei denen die
Spezialdienste versagt haben ('hoffnungslose Fälle')" (Textor
1994).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Ganzheitlichkeit
Die Idealvorstellungen bezüglich des Allgemeinen Sozialdienstes gehen vom Postulat der
Ganzheitlichkeit aus.

"Aufgrund der Allzuständigkeit des ASD haben alle Klienten


(zunächst) nur einen Ansprechpartner, der auf die Gesamtheit ih-
rer Probleme ganzheitlich reagiert.

Mehrfachzuständigkeiten, Zuständigkeitskonflikte und Dop-


peltätigkeit, zusätzliche Verwaltungsarbeiten, verzögerte Bera-
tungsabläufe und Personalmehrbedarf oder die Segmentierung
von Lebensbereichen, wie sie bei der Problembearbeitung durch
mehrere Sozialdienste entstehen können, werden damit ausge-
schlossen" (Textor 1994).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Generalistentum
Der ASD ist ein Basisdienst, man könnte ihn auch den "All-
gemeinarzt der Sozialarbeit" nennen.
Dorthin kommen die Menschen zunächst einmal mit ihren Pro-
blemen und Schwierigkeiten und dann wird entschieden, inwie-
weit Fachberatungsstellen oder anderweitige Hilfe in Anspruch
genommen werden sollte.

Im Idealfall bleibt der ASD mit der betroffenen Familie auch


während anderweitiger Hilfsangebote verbunden und ist bereit,
bei der Integration der fachlich spezialisierten Hilfe in den Alltag
zu helfen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Generalistentum
Der ASD ist ein Basisdienst, man könnte ihn auch den "All-
gemeinarzt der Sozialarbeit" nennen.
Dorthin kommen die Menschen zunächst einmal mit ihren Pro-
blemen und Schwierigkeiten und dann wird entschieden, inwie-
weit Fachberatungsstellen oder anderweitige Hilfe in Anspruch
genommen werden sollte.

Im Idealfall bleibt der ASD mit der betroffenen Familie auch


während anderweitiger Hilfsangebote verbunden und ist bereit,
bei der Integration der fachlich spezialisierten Hilfe in den Alltag
zu helfen.

Die MitarbeiterInnen des ASD müssen also ihre Praxis als Gene-
ralistInnen organisieren in Abgrenzung zu den SpezialistInnen
der Fachberatungsstellen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Klientel der Allgemeinen Sozialdienste ist eine


umfassende.

Textor:

"Die Klientel des ASD umfaßt ..... Männer und Frauen, Kinder,
Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen, Alleinstehende,
Ehepaare, Familien und Alleinerziehende, Deutsche, Ausländer und
Asylanten sowie Randgruppenangehörige."
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

"Ihre Probleme liegen im

- persönlichen Bereich: Einsamkeit, psychische Auffälligkeiten, Ver-


haltensstörungen, kriminelle Delikte, Tablettenmißbrauch, Drogenab-
hängigkeit, Alkoholismus, Diskriminierung usw.;

- gesundheitlichen Bereich: körperliche oder psychische Krankheit,


psychosomatische Leiden, Behinderung, Pflegebedürftigkeit usw.;

- beruflichen Bereich: Probleme am Arbeits- oder Ausbildungsplatz,


(Jugend)Arbeitslosigkeit usw.;
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

"Ihre Probleme liegen im

- familiären Bereich: Eheprobleme, Trennung, Scheidung, Überlastung,


Kinderreichtum, fehlende Kinderbetreuung usw.;

- Erziehungsbereich: Erziehungsschwierigkeiten, Vernachlässigung,


Kindesmißhandlung, sexueller Mißbrauch, Schulprobleme (Schul-
versagen, Leistungsverweigerung, Schulschwänzen), Ablösungs-
problematik usw.;

- materiellen Bereich: unzureichendes Einkommen, Verschuldung


usw.;
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

"Ihre Probleme liegen im

- Bereich des Wohnens: Mietrückstände, Wohnungssuche, Obdachlo-


sigkeit, problematisches Mietverhalten usw. sowie
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

"Ihre Probleme liegen im

- Bereich des Wohnens: Mietrückstände, Wohnungssuche, Obdachlo-


sigkeit, problematisches Mietverhalten usw. sowie

- Wohngebiet: Bevölkerungssruktur (z.B. hoher Ausländeranteil), weit-


verbreitete soziale Probleme (z.B. Armut, Bandenbildung, Treffs von
Drogenabhängigen), schlechte Lebensqualität, hohes Ver-
kehrsaufkommen, Umweltverschmutzung, zuwenig Kinderbetreuung-
sangebote, Mängel in der psychosozialen Infrastruktur usw." (Textor
1994).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Das Aufgabengebiet der generalistisch handeln müssenden SozialarbeiterIn-


nen umfasst damit

"- Beratung und Unterstützung in allgemeinen


Lebensfragen

- funktionale Erziehungsberatung

- Hilfen für Familien in besonderen Situationen

- Beratung und Unterstützung von alleinerzie-


henden Elternteilen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Das Aufgabengebiet der generalistisch handeln müssenden SozialarbeiterIn-


nen umfasst damit

- Mitwirkung bei der Adoptionsberatung/ -ver-


mittlung

- Mitwirkung im Pflegekinderwesen

- Mitwirkung in allen Bereichen der 'Hilfe zur


Erziehung' einschließlich der Hilfe in Einrich-
tungen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Das Aufgabengebiet der generalistisch handeln müssenden SozialarbeiterIn-


nen umfasst damit

- Familiengerichtshilfe

- Vormundschaftsgerichtshilfe

- Jugendgerichtshilfe

- Hilfe für Suchtgefährdete und Suchtkranke

- Hilfe zum Lebensunterhalt


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Das Aufgabengebiet der generalistisch handeln müssenden SozialarbeiterIn-


nen umfasst damit

- Eingliederungshilfe für Behinderte und Hilfe


für psychisch Kranke

- Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer


Schwierigkeiten

- Altenhilfe

- sonstige Hilfen in besonderen Lebenslagen


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Das Aufgabengebiet der generalistisch handeln müssenden SozialarbeiterIn-


nen umfasst damit

- Mitwirkung bei der Sozialplanung

- Kooperation mit freien Trägern, Initiativen


sowie sonstigen Diensten und Institutionen

- Hinweise auf Einrichtungen, Dienste und Ver-


anstaltungen

- Kontaktvermittlung" (Humpe-Wassmuth
1993)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Organisationsform

Da das Aufgabenspektrum gesetzesübergreifend


ist (KJHG – SGB VIII, Sozialhilfegesetzgebung
SGB II/ SGB XII, JGG etc.) und sowohl Jugend-,
Sozial- als auch Gesundheitshilfe streift bzw. mi-
teinbezieht, ist es bis heute zu keiner einheitlichen
organisatorischen Zuordnung gekommen und auch
die Aufgabenzuteilung nicht genau festgelegt.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Organisationsform
in der Region Nürnberg:

Stadt Nürnberg: Allgemeiner Sozialdienst als


Abteilung beim Jugendamt (dezentralisiert)/ Be-
zirkssozialdienst beim Amt für Existenzsiche-
rung und soziale Integration - Sozialamt
Landkreis Nürnberg: Abt. beim Jugendamt
Stadt Fürth: Abt. bei Jugendamt und Sozialamt
Landkreis Fürth: Abt. beim Gesundheitsamt
Stadt Erlangen: Abt. beim Jugendamt
Landkreis Erlangen: Abt. beim Jugendamt
Stadt Schwabach: Abt. beim Jugendamt
Landkreis Roth: Abt. beim Jugendamt
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Die überwiegende Zahl der Allgemeinen Sozialdienste


(93 %) ist beim Jugendamt organisiert
(vergl. Mamier, zit. nach Merchel 2003)

Problem:
Allgemeine Sozialdienste sind nicht nur die zentralen Abteilungen
der Jugendhilfe, sondern die der Familienhilfe, die darüber hinaus
auch noch die für eine ganze Reihe anderer Lebenslagen zuständig
sind.

Statistik des Essener ASD für das Jahr 1991: "So waren von 9751
Haushalten, in denen der ASD tätig war, 4582 (47 %) ohne Kinder
und von den 28930 Problemanzeigen hatte nur etwa die Hälfte et-
was mit Kindern zu tun" (Greese 1994).

 Statistik München
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Kritik am Allgemeinen Sozialdienst


kann zu einem guten Teil abgeleitet werden aus der
uneinheitlichen Organisationsform

Uneinheitlichkeit der Bezeichnung führt dazu,


dass KlientInnen nicht wissen, was der ASD ist;

Uneinheitlichkeit der Organisationsform


macht den ASD für die NutzerInnen schwer
auffindbar;
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Öffentliche Träger/ Leistungserbringer: Der Allgemeine Sozialdienst

Kritik am Allgemeinen Sozialdienst

Die Bedeutung des ASD als psychosoziale


Grundversorgung wird ob der verwirrenden
Darstellungsweise nicht deutlich;

Deshalb bleibt auch die dem ASD eigentlich zu-


stehende Unterstützung aus;

Eine Imageverbesserung und damit verbesserte


Inanspruchnahme kann so nicht zustande
kommen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Frei-gemeinnützige Träger / Leistungserbringer

Wohlfahrtsverbände
Stiftungen

Selbsthilfeorganisationen
Kirchen

Übersicht über
die Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger

ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN ARBEIT


Klärung der grundlegenden Begriffe
- Frei-gemeinnützige Träger/ Kurzübersicht

Wohlfahrtsverbände

Deutscher Caritasverband
Diakonisches Werk
Arbeiterwohlfahrt
Deutsches Rotes Kreuz
Der Paritätische
Wohlfahrtsverband
Zentralwohlfahrtsstelle der
Übersicht über
Juden in Deutschlanddie Träger
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Der Deutsche
Caritasverband
DCV
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1890

Gründung des „Volksvereins für das katholische Deutschland“

http://www.caritas.de/6135.html, abgerufen Oktober 2007


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas


Lorenz Werthmann

 Der am 01.10.1858 geborene und in Rom


promovierte Theologe und Priester Lorenz
Werthmann gründete am 9. November 1897
den Deutschen Caritasverband.

„23 Jahre lang leitete Lorenz Werthmann den


‚Charitasverband für das katholische
Deutschland‘, wie der Verband ursprünglich hieß.
Am 10.04.1921 starb Werthmann in Freiburg. In
der dortigen Zentrale des Deutschen
Caritasverbandes sind die Gebäude nach ihm http://www.caritas.de/4100
benannt.“ 4.html, abgerufen Oktober
2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

Wichtigster sozialpolitischer Bezug bei der


„Charitas“ – Gründung:

Enzyklika „Rerum Novarum“ von Papst


Leo XIII

Papst Leo XIII.


Amtszeit 1878-1903.
http://www.caritas.de/4100
4.html, abgerufen Oktober
2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1909

Caritas statt Charitas


 Ableitung des Namens nicht vom griechischen „Charis“
(Ausdruck bloßer Spiritualität) sondern vom griechischen
„Agape“ (Verweis auf die Realität der Liebe, die im
Frühchristentum die Kirche selbst war).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

„1916

Die Deutsche Bischofskonferenz erkennt den Caritasverband


als "die legitime Zusammenfassung der Diözesanverbände zu
einer einheitlichen Organisation" an.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1921

Nach dem Tod von Werthmann wird Benedict Kreutz neuer


Präsident des "Deutschen Caritasverbandes" (DCV), wie er nun
heißt.

1922

Alle deutschen Diözesen haben einen Diözesan-


Caritasverband.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1925

Die katholisch-caritative Fürsorge unterhält in Deutschland


bereits über 10.000 Einrichtungen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1931

1931 Orientierung an der Sozialenzyklika „Quadrogesima


anno“ von Papst Pius XI

 Subsidiaritätsprinzip
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1933-1945

„Eingeengt, bedroht, unter Einbußen an Mitteln und Gebäuden,


unter Opfern auch an Freiheit und Leben von Mitarbeitern
übersteht der DCV arbeitsfähig die Jahre der
nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft. “

http://www.caritas.de/6135.html, abgerufen Oktober 2007


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

1933-1945

Caritasverband hatte in der Zeit des Nationalsozialismus wie die


Katholische Kirche eine ambivalente Haltung:

Kein Verbot

Weiter Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege;

Jedoch viele Mitarbeiter in KZs


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

„1945

In den ersten Nachkriegsjahren betätigt sich der Caritasverband


vorrangig in der Vermittlung "ausländischer Liebesgaben" für
die notleidende deutsche Bevölkerung, in der Sorge für
Flüchtlinge und Heimatlose, in der Zusammenführung
versprengter Familien. Er beginnt mit dem Wiederaufbau
früherer und dem Aufbau neuer sozialer Dienste und
Einrichtungen.“

http://www.caritas.de/6135.html, abgerufen Oktober 2007


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

„Um 1960

Der DCV verstärkt, neben dem Eintreten für Benachteiligte im


eigenen Land, die Auslandshilfe bei Natur- und
Kriegskatastrophen.

1990

Mit der deutschen Einigung endet auch für die Caritas in


Deutschland eine über vierzig Jahre dauernde erzwungene
Teilung. Die Caritasverbände in der damaligen DDR geben ihre
Neu- oder Wiedergründung als eingetragene Vereine bekannt
und bekennen sich in ihren Satzungen als Teil des Deutschen
Caritasverbandes.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas


1991
Über fast eine Generation hinweg verbindet sich die
Entwicklung der Caritas in Deutschland mit der
Präsidentschaft von Prälat Dr. Georg Hüssler,
der sein Amt nach 22 Jahren als Siebzigjähriger abgibt.

1991-2003 Quelle: http://www.wir-bauen-


mit.de/bilder/bilder/unter_huessler.jpg

Mit Prälat Hellmut Puschmann, einem gebürtigen Dresdener,


wird eine Persönlichkeit aus der Caritas der östlichen
Bundesländer an die Spitze des katholischen
Wohlfahrtsverbandes berufen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Wichtige Momente in der Geschichte der deutschen Caritas

Mai 1991

Der Zentralrat beschließt und verabschiedet erstmals ein


Leitbild für den Deutschen Caritasverband. Es formuliert
Aufgaben und Ziele, Herausforderungen und Perspektiven.
Zusätzlich verweist es auf theologische Grundlagen und trifft
Aussagen zum Organisations- und Leistungsprofil.

1997

Am 9. November feiert der DCV in Köln sein 100-jähriges


Bestehen.“
http://www.caritas.de/6135.html, abgerufen Oktober 2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes

Satzung des Deutschen Caritasverbandes e.V. vom 16.Oktober


2003 in der Fassung vom 18. Oktober 2005:

„Präambel
Der Dienst der Caritas gehört wie der Gottesdienst und die
Verkündigung zum Lebensvollzug der Kirche. … All sein
Handeln dient dem Ziel, Menschen in ihrer Würde zu schützen,
das solidarische Zusammenleben in einer pluralen Welt zu
fördern und sich weltweit für ein Leben in Freiheit,
Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes

Dieser Dienst der Liebe wird erfüllt durch die Werke


einzelner Personen, christlichen Gemeinschaften und
Gemeinden sowie durch die verbandliche Caritas.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes

Dieser Dienst der Liebe wird erfüllt durch die Werke


einzelner Personen, christlichen Gemeinschaften und
Gemeinden sowie durch die verbandliche Caritas.
Caritas ist
Sie trägt damit auch zum Aufbau und zur eindeutig
Weiterentwicklung kirchlicher Strukturen und zur ein an der
Verlebendigung von Gemeinden bei. Als Kath. Kirche
Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche wirkt der orientierter
Deutsche Caritasverband mit an der Gestaltung der Verband
Kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. Durch
sein Wirken trägt er zur Glaubwürdigkeit der
kirchlichen Verkündigung in der Öffentlichkeit bei“
http://www.caritas.de/8833.html, abgerufen
Oktober 2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes

Satzung
㤠2 Kirchenrechtliche Stellung
(1) Der Deutsche Caritasverband ist die von den deutschen
Bischöfen anerkannte institutionelle Zusammenfassung und
Vertretung der katholischen Caritas in Deutschland.
(2) Er ist ein privater Verein von Gläubigen im Sinne der Canones
299, 321 – 326 des Codex luris Canonici (Codex des kanonischen
Rechts).
(3) Der Verband steht unter der nach dem Codex luris Canonici sich
bestimmenden Aufsicht der Deutschen Bischofskonferenz

http://www.caritas.de/8833.html, abgerufen
Oktober 2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes – das Leitbild

„Präambel

Caritas ist konkrete Hilfe für Menschen in Not. Richtschnur ihrer


Arbeit sind Weisung und Beispiel Jesu Christi.

Die Hinwendung zu den Hilfebedürftigen und die Solidarität mit


ihnen ist praktizierte Nächstenliebe.

Sie ist Aufgabe und Verpflichtung eines jeden Christen.


Sie ist zugleich Grundauftrag der Kirche.

Aus christlicher Verantwortung leistet Caritas vielfältige Hilfe


mit und für Menschen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes – das Leitbild

Als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche wirkt der


Deutsche Caritasverband an der Gestaltung des kirchlichen und
gesellschaftlichen Lebens mit.

Maßgebend für seine Tätigkeit sind der Anspruch des


Evangeliums und der Glaube der Kirche.

Durch sein Wirken trägt er zur öffentlichen Beglaubigung der


kirchlichen Verkündigung bei.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Das Selbstverständnis des Deutschen Caritasverbandes – das Leitbild

Als Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege steht der


Deutsche Caritasverband in der Mitverantwortung für die
sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland.

Er läßt sich vom Bild einer solidarischen und gerechten


Gesellschaft leiten, in der auch Arme und Schwache einen Platz
mit Lebensperspektiven finden können.“
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Aufbau und Struktur des Deutschen Caritasverbandes

„Der Deutsche Caritasverband e. V. mit Sitz in


Freiburg i. Br. umfasst 27 Diözesan-Caritasverbände und
innerhalb dieser Dekanats-, Bezirks-, Kreis- bzw. Orts-
Caritasverbände.

Dem Deutschen Caritasverband sind die anerkannten zentralen


katholischen caritativen Fachverbände angeschlossen.

Für das Bundesland Bayern bilden die sieben bayerischen


Diözesen den Landes-Caritasverband Bayern mit seinem Sitz in
München.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Der DCV gliedert sich in die


27 Diözesanverbände und
die Landesverbände (nicht
in allen Bundesländern).
Die Zentrale befindet sich in
Freiburg.
Hauptvertretungen gibt es in
Berlin und München.

http://www.caritas.de/2227.html, abger.
Oktober 2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Aufbau und Struktur des Deutschen Caritasverbandes

Die Diözesan-Caritasverbände gliedern sich in Kreis-


Caritasverbände, die ihrerseits Kreis-Caritassekretariate
unterhalten  diese sind rechtlich selbstständige Vereine, die
als juristische Personen Träger von Einrichtungen und Diensten
sind.

Dem Diözesan-Caritasverband sind zentrale katholische


caritative Fachverbände und Vereinigungen angeschlossen.

Ein jeder dieser Verbände hat - wie der Diözesan-Caritasverband


- einen Vorstand, einen Geschäftsführer (beim Diözesan-
Caritasverband ist dies der Diözesan-Caritasdirektor) und einen
Caritasausschuss (beim Diözesan-Caritasverband als Caritasrat
bezeichnet).
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Beispiel:
Der Diözesan-Caritasverband Regensburg

Kreis-Caritasverband Amberg-Sulzbach
Kreis-Caritasverband Cham
Kreis-Caritasverband Deggendorf
Kreis-Caritasverband Dingolfing-Landau Kreis-
Kreis-Caritasverband Kelheim Caritas-
Kreis-Caritasverband Landshut
Verbände/
Kreis-Caritasverband Schwandorf
Kreis-Caritasverband Straubing-Bogen Sekretariate
Kreis-Caritasverband Tirschenreuth
Kreis-Caritasverband Weiden-Neustadt
Kreis-Caritassekretariat Eggenfelden
Kreis-Caritassekretariat Kösching
Kreis-Caritassekretariat Viechtach
Kreis-Caritassekretariat Wunsiedel
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Beispiel:
Der Diözesan-Caritasverband Regensburg

Kath. Jugendfürsorge

Malteser Hilfsdienst

Sozialdienst Katholischer Frauen Fach-


verbände
Kreuzbund

Raphaels-Werk

IN VIA Verband Kath. Mädchensozialarbeit

Verband Kath. Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Mitglieds- und Fachverbände der Caritas


insgesamt:
Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der
Erziehungshilfen e.V. (BVkE)

Bundesverband Katholischer Vorsorge- und


Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche e.V.

Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V.

Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V.

Gemeinschaft der Vinzenz-Konferenzen Deutschlands e.V.


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Mitglieds- und Fachverbände der Caritas


insgesamt:
IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und
Frauensozialarbeit – Deutschland e.V.

Katholische Jugendfürsorge - Landesverband Bayern e.V.

Katholischer Arbeitskreis für Familien-Erholung

Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V.

Kreuzbund e.V. - Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für


Suchtkranke und deren Angehörige
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Mitglieds- und Fachverbände der Caritas


insgesamt:
Malteser Hilfsdienst e.V.

Raphaels-Werk - Dienst am Menschen unterwegs e.V.

SKM - Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland


e.V.

Sozialdienst katholischer Frauen - Zentrale e.V.

Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. - VKAD

Verband katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) -


Bundesverband e.V.
Caritasverband der Erzdiözese
München und Freising e.V.

Organigramm des Caritasverbands


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Deutscher Caritasverband - Statistik

Alle zwei Jahre erhebt die Zentrale des Deutschen


Caritasverbandes in Zusammenarbeit mit den Diözesan-
Caritasverbänden die Zentralstatistik.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

Gesamtentwicklung der Einrichtungen und Dienste

Gemäß denErgebnissen der Einrichtungsstatistiken der letzten


Jahre des Deutschen Caritasverbandes sind der Caritas in
Deutschland insgesamt ca. 25.000 Einrichtungen und
Dienste angeschlossen.

ca. 490.000 Menschen sind hauptamtlich in den


Einrichtungen und Diensten tätig,

die Zahl der Ehrenamtlichen/Freiwilligen ist in etwa ebenso


hoch.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Der Deutsche Caritasverband

„Rund 430 000 hauptamtliche


Mitarbeiter stehen heute auf der
Der DCV
Caritas-Gehaltsliste. Mehr Leute
Ist damit
als bei Daimler, mehr Leute als
Ein
bei Siemens und mehr Leute als
Wohl-
bei Daimler und Siemens in
fahrts-
Deutschland zusammen.“
Konzern
http://www.zeit.de/1996/01/Der_barmherzig
e_Konzern?page=1, abgerufen Okt. 2007
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiter-
wohlfahrt
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

13. 12. 1919

Die Arbeiterwohlfahrt wird von Marie Juchacz als „Hauptausschuss


für Arbeiterwohlfahrt“ in der SPD ins Leben gerufen.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt


„Die Sozialdemokratin

Marie Juchacz,
• Frauensekretärin beim Parteivorstand der SPD,

• Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht in


Deutschland,

• Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, M. Juchacz 1879 - 1956

• erste parlamentarische Rednerin in diesem


ersten frei gewählten deutschen Parlament …“ http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Friedrich Ebert, der erste


deutsche Reichspräsident, gibt
dem jungen Wohlfahrtsverband
bei seiner Gründung das Motto:
„Arbeiterwohlfahrt ist
die Selbsthilfe der
Arbeiterschaft.“

www.awo-
ku.de/cms/upload/img/so_f
Foto: ingen_wir_an.jpg
www.fes.de/archiv/_stichwort/img/ebert
.jpg
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

13. 12. 1919

Arbeiterwohlfahrt ist zunächst kein eigenständiger


Wohlfahrtsverband, sondern „ein Ausschuss innerhalb der SPD, der
sich von anderen politischen Ausschüssen dadurch unterschied, dass
er nicht von gewählten Mitgliedern, sondern von ehrenamtlichen
Mitarbeitern gebildet wurde“ (Merchel 2003)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Enge organisatorische Bindung an die SPD

(vergl. Merchel 2003)


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Organisatorische Unabhängigkeit von der SPD erst


mit der Wiedergründung 1946 nach der Zeit des
Nationalsozialismus

(vergl. Merchel 2003)


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Besonderheit der Arbeiterwohlfahrt als von Anfang an der


SPD nahestehende politische Organisation hängt eng damit
zusammen, dass das sozialpolitische Spektrum sich von
bürgerlicher Wohlfahrtspflege, die als diskriminierend
empfunden wurde, sich hat abgrenzen wollen.

Widersprüchliche Entwicklung, da die


Sozialdemokratie Wohlfahrtspflege eigentlich in den
staatlich-kommunalen Bereich verlagern wollte, nun
aber doch, um dieses Feld nicht ganz dem
bürgerlichen Lager überlassen zu müssen, eine
Organisation zur Wohlfahrtspflege gründen musste.

Vergl. Boeßenecker 2005; vergl. Merchel 2003)


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

1920er Jahre

„In den Notzeiten der 20-er Jahre entstand eine Vielzahl von Diensten
und Einrichtungen der AWO: Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten,
Beratungsstellen. Viele sozialdemokratische Frauen und Männer
wurden für einen sozialen Beruf ausgebildet.

Ziel der AWO war es, diese Not zu lindern, ihr


vorzubeugen, Wohlfahrtsleistungen zu verbessern
und moderne sozialpädagogische Methoden
anzuwenden.“
http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

1920er Jahre

Meilensteine auf dem Weg Richtung staatlich-kommunaler


Fürsorge waren das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 und
die Fürsorgepflichtverordnung von 1924.

„Die AWO forderte (nun – G.G.) soziale


Rechtsansprüche ein. Ihre Mitglieder hatten die
verheerenden Notstände als Betroffene selbst zu
bewältigen. Vorrangig galt es deshalb, der
Massenverelendung mit praktischer Selbsthilfe zu
begegnen.“
http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Seit 1925 wurden von der AWO eine eigene Lotterie veranstaltet und
Arbeiter-Wohlfahrtsmarken verkauft, um die entstandenen und
entstehenden sozialen Dienste zu finanzieren.

1926 wurde die AWO als Reichsspitzenverband der freien


Wohlfahrtspflege anerkannt.

Ab 1928 unterhielt die AWO eine eigene Wohlfahrtsschule in


Berlin..“

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

„1931

waren 135.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der AWO in der


Kindererholung und im Kinderschutz, in der Altenbetreuung und
Jugendhilfe, in Notstandsküchen und Werkstätten für Behinderte und
Erwerbslose sowie in Selbsthilfenähstuben tätig.“

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

„Am 30. Januar 1933 kam Adolf Hitler an die Macht. Nur wenige
Wochen später wurde die AWO von den Nationalsozialisten verboten
und zwangsweise aufgelöst.

Am 15. Juli 1933 erscheint die Ausgabe der Zeitschrift


‚Arbeiterwohlfahrt‘ mit dem Hakenkreuz.

Der Beauftragte der Deutschen Arbeitsfront gibt ein Rundschreiben


mit Anweisungen für die Umorganisation der AWO heraus. Darin hieß
es, dass die Arbeiterwohlfahrt ‚so auszubauen ist, daß sie später als
Vorbild dient für alle Wohlfahrtseinrichtungen‘.“
http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Es gelang den Nationalsozialisten nicht, die AWO gleichzuschalten.

„Vermögen, Heime und Einrichtungen wurden deshalb für die


nationalsozialistische Volkswohlfahrt beschlagnahmt.

Führende Frauen und Männer der AWO wurden verfolgt. Solange es


die Mittel zuließen, wurde die Hilfe für Notleidende und Verfolgte des
Naziregimes in der Illegalität fortgesetzt.

Marie Juchacz und viele andere mussten Deutschland verlassen.

Die Arbeiterwohlfahrt hatte aufgehört als Organisation zu


existieren.“
http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

1945
„Neugründung der
Arbeiterwohlfahrt in Deutschland.
Mühsamer Wiederaufbau
(fehlende Mittel, geringes
Beitragsaufkommen durch
Arbeitslosigkeit; Verlust vieler
Menschen, die Träger des
Gedankenguts waren)“
Quelle:
www.awo-
ku.de/cms/upload/img/so_fingen_wi http://www.awo.org/pub/aw
r_an.jpg o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

1946
AWO wurde 1946 in Hannover als parteipolitisch und
konfessionell unabhängige und selbständige Organisation wieder
ins Leben gerufen

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

1946
„… Ohne die Nähe zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung
zu verlieren, gründete und organisierte sie sich als selbständiger
Verband, der sich 1947 auf der Reichskonferenz in Kassel neue
Richtlinien gab.

1953 erklärte Lotte Lemke, damalige stellv. AWO-


Vorsitzende, auf der Berliner AWO-Reichskonferenz:
‚Heute ist aus der Arbeiterwohlfahrt der Weimarer Zeit
eine Wohlfahrtsorganisation geworden, deren
Aktionsradius weit über den Kreis der zur
Arbeiterschaft rechnenden Bevölkerung
hinausgreift‘".
http://www.awo.org/pub/aw
Quelle:www.fes.de/archiv/_stichwort/Fa007415.jpg o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

„1959

hatte die AWO

300.000 Mitglieder,
5.000 Ortsvereine,
53 Heime,
250 Kindergärten,
4.000 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter und über 70.000 Helferinnen und Helfer.“

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/index.html/view
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

„1987

Verabschiedung des Grundsatzprogramms der Arbeiterwohlfahrt


unter dem Titel ‚Humanitäres Handeln aus politischer
Verantwortung‘“.

www.awo-
ku.de/cms/upload/img/so_f
ingen_wir_an.jpg
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Zur Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

„1990

Nach dem Fall der Mauer ist Deutschland am 3. Oktober


wiedervereinigt. Es beginnt ein dynamischer Aufbauprozess der
AWO in den 5 Bundesländern. Am 10. November 1990 schließen
sich die Landes- und Bezirksverbände auf einem Bundestreffen in
Berlin zusammen. Nach 57 Jahren Trennung ist die AWO
wiedervereint und flächendeckend in allen Bundesländern
vertreten.

Die erste gesamtdeutsche Bundeskonferenz findet am 20. und 21.


April 1991 in Nürnberg statt.“

www.awo-
ku.de/cms/upload/img/so_f
ingen_wir_an.jpg
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Das Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt –


Leitsätze in der Fassung von 2005

„Die Arbeiterwohlfahrt kämpft mit ehrenamtlichem Engagement


und professionellen Dienstleistungen für eine sozial gerechte
Gesellschaft.

Wir bestimmen - vor unserem geschichtlichen Hintergrund als Teil


der Arbeiterbewegung - unser Handeln durch die Werte des
freiheitlich-demokratischen Sozialismus: Solidarität, Toleranz,
Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Wir sind ein Mitgliederverband, der für eine sozial gerechte


Gesellschaft kämpft und politisch Einfluß nimmt. Dieses Ziel
verfolgen wir mit ehrenamtlichem Engagement und
professionellen Dienstleistungen.“ http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/leits_b/view#leitbil
d
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Das Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt –


Leitsätze in der Fassung von 2005

„Wir fördern demokratisches und soziales Denken und Handeln.


Wir haben gesellschaftliche Visionen.

Wir unterstützen Menschen, ihr Leben eigenständig und


verantwortlich zu gestalten und fördern alternative
Lebenskonzepte.

Wir praktizieren Solidarität und stärken die Verantwortung der


Menschen für die Gemeinschaft.

Wir bieten soziale Dienstleistungen mit hoher Qualität für alle an.

…“. http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/leits_b/view#leitbil
d
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Das Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt –


Leitbild in der Fassung von 2005

„Wir bestimmen - vor unserem geschichtlichen Hintergrund als


Teil der Arbeiterbewegung - unser Handeln durch die

Werte des freiheitlich-demokratischen Sozialismus:


Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und
Gerechtigkeit.

Der freiheitlich-demokratische Sozialismus ist wichtige


Orientierung der Arbeiterwohlfahrt seit ihrer Gründung.“

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/leits_b/view#leitbil
d
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Das Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt –


Leitbild in der Fassung von 2005
„…
Solidarität bedeutet, über Rechtsverpflichtungen hinaus durch
praktisches Handeln füreinander einzustehen. …

Toleranz bedeutet nicht nur, andere Denk- und Verhaltensweisen


zu dulden, sondern sich dafür einzusetzen, daß jedermann und
besonders Minderheiten sich frei äußern können, in ihrer Religion
und Weltanschauung nicht eingeschränkt werden und so leben
können, wie sie es für angemessen halten. …

Freiheit ist die Freiheit eines jeden, auch des Andersdenkenden.


Freiheit bedeutet, frei zu sein von entwürdigenden
Abhängigkeiten, von Not und Furcht. ….“
http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/leits_b/view#leitbil
d
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Das Selbstverständnis der Arbeiterwohlfahrt –


Leitbild in der Fassung von 2005

„Gleichheit gründet in der gleichen Würde aller Menschen. Sie


verlangt gleiche Rechte vor dem Gesetz, gleiche Chancen, am
politischen und sozialen Geschehen teilzunehmen, das Recht auf
soziale Sicherung und die gesellschaftliche Gleichstellung von
Frau und Mann.

Gerechtigkeit fordert einen Ausgleich in der Verteilung von


Arbeit und Einkommen, Eigentum und Macht, aber auch im
Zugang zu Bildung, Ausbildung und Kultur.“

http://www.awo.org/pub/aw
o_bv/bv/leits_b/view#leitbil
vergl. Verbandsstatut von 2007 d
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt


Höhere
Verbände
und Ebene faßt
Organisation 29 Landes- und niedrigere
en, die der Bezirksverbände in ihrer
AWO
nahestehen,
36 Unterbezirke Eigenschaft
können als
korporative als
Mitglieder
Stadtverbände juristische
aufge-
nommen
65 Personen
werden. zusammen
450 Kreisverbände

Natürliche Personen
3818 Ortsvereine
als Mitglieder 
AWO ist
Boeßenecker 2005 Mitgliederverband
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt

Bundesvorstand Fachausschüsse
beraten/ unterstützen
bestellt

wählt
Geschäftsführung Bundesausschuss

Bundeskonferenz wählt

bilden Boeßenecker 2005

Landes- und Bezirksverbände

bilden
bilden Ortsvereine
Kreisverbände
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt
Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt – Beispiel
Kreisverband Nürnberg

„Der AWO Kreisverband Nürnberg e.V. ist in der förderalen


Struktur der Arbeiterwohlfahrt unterhalb des Bezirksverband
Ober- und Mittelfranken…angesiedelt.

Danach folgen:
Landesverband Bayern …
Bundesverband …

Die Arbeiterwohlfahrt ist ein Mitgliederverband und ein soziales


Dienstleistungsunternehmen, das mit hauptamtlich
Beschäftigten arbeitet.“

http://www.awo-nuernberg.de/startseite/wir-ueber-
uns/organisation/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt
Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt – Beispiel
Kreisverband Nürnberg

„ 3.500 Mitglieder gliedern sich in 30 Ortsvereinen. Diese sind


nahezu identisch mit den gewachsenen Stadtteilstrukturen und
reichen von A wie Almoshof bis Z wie Ziegelstein.

Die Mitglieder wählen in den Jahreshauptversammlungen die


ehrenamtlich tätigen Vorstände. Diese Wahlen finden alle zwei
Jahre statt.“

http://www.awo-nuernberg.de/startseite/wir-ueber-
uns/organisation/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt
Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt – Beispiel
Kreisverband Nürnberg

„Alle vier Jahre kommt die Kreiskonferenz zusammen. Sie nimmt


die Berichte des Vorsitzenden, des Schatzmeisters, des
Geschäftsführers, der Revisoren, sowie Anträge entgegen, berät
diese und wählt den Kreisvorstand neu. Der Vorstand des
Kreisverbandes ist ehrenamtlich tätig und ist verantwortlich für
die Belange der Arbeiterwohlfahrt in Nürnberg“

http://www.awo-nuernberg.de/startseite/wir-ueber-
uns/organisation/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt
Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt – Beispiel
Kreisverband Nürnberg

„ Die Führung der laufenden Geschäfte erfolgt durch einen


Geschäftsführer.

Das Dienstleistungsunternehmen ist in folgende Referate,


Sachbereiche und Einrichtungen strukturiert:

Referate:

Kinder, Jugend und Familie


Berufliche Bildung & Qualifizierung
Migration und Integration
Senioren, pflegebedürftige und behinderte Menschen

http://www.awo-nuernberg.de/startseite/wir-ueber-
uns/organisation/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt
Die Organisation der Arbeiterwohlfahrt – Beispiel
Kreisverband Nürnberg

„ Sachbereiche:

Personal- und Rechnungswesen


Beratungszentrum für seelische Gesundheit
Organisation

Einrichtungen:

Betreuungsverein
Jugendreisen

http://www.awo-nuernberg.de/startseite/wir-ueber-
uns/organisation/
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt in Zahlen (01.01.2005)


- Hochrechnung - (Eine Dienstleistungsdatenbank befindet sich im Aufbau)

Die Arbeiterwohlfahrt gliedert sich


bundesweit in:
29 Bezirks- und Landesverbände
480 Kreisverbände
3.800 Ortsvereine
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt in Zahlen

Die Arbeiterwohlfahrt wird bundesweit


getragen von ca.:
430.000 Mitgliedern
100.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen
(Helfer/-innen)
146.000 hauptamtlichen Mitarbeiter/-innen
4.500 Zivildienstleistenden/ jetzt BuFDie
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt in Zahlen (01.01.2005)


- Hochrechnung - (Eine Dienstleistungsdatenbank befindet sich im Aufbau)

Die Arbeiterwohlfahrt unterhält in allen Bundesländern:

über 14.000 Einrichtungen und Dienste/ -leistungen


mit insgesamt über 330.000 Betten/Plätzen, darunter:

2.100 Heime inkl. Wohngemeinschaften

4.000 Tagesstätten, z.B. 2.136 für Kinder und


Jugendliche und 1.870 für alte Menschen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

2.305 Auskunfts- und Beratungsstellen, z.B. für


Ausländer, Arbeitslose, Familien, Schwangere, Alte,
Behinderte, Jugendliche

1.800 ambulante Dienste insgesamt, darunter 798


sozialpflegerische Dienste

2.000 Beratungsstellen unterschiedlichster Art,


einschl. Geschäftsstellen

400 Tages- und Werkstätten für Arbeitslose,


Werkstätten aller Art
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt in Zahlen (01.01.2005)


- Hochrechnung - (Eine Dienstleistungsdatenbank befindet sich im Aufbau)

Außerdem sind im Rahmen der AWO


3.490 Selbsthilfe-, Helfer- und andere Gruppen
bürgerschaftlichen Engagements tätig, darunter:

über 800 Altenclubs, Seniorengruppen


über 600 in der Jugendhilfe/Jugendarbeit
über 400 für chronisch Kranke und Behinderte
230 gesundheitliche Selbsthilfe- und Kontaktgruppen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Die Spitzenverbände der freien
Wohlfahrtspflege – Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt in Zahlen (01.01.2005)


- Hochrechnung - (Eine Dienstleistungsdatenbank befindet sich im Aufbau)

Außerdem sind im Rahmen der AWO


3.490 Selbsthilfe-, Helfer- und andere Gruppen
bürgerschaftlichen Engagements tätig, darunter:

15 Freiwilligenagenturen/ -Büros
205 Helfergruppen für Menschen in besonderen
Notlagen (z.B. Arbeitslosen-Selbsthilfe, Frauen-
Selbsthilfe)
150 in der Familienhilfe
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfeorganisationen als
Träger der Wohlfahrtspflege
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfe ist ein zentraler Begriff der Wohlfahrtspflege,


insbesondere der Sozialen Arbeit

scheint ein gesellschaftlicher Leitwert zu sein:

Selbsthilfe vor Fremdhilfe

SGB XII § 1 Aufgabe der Sozialhilfe:

Aufgabe der Sozialhilfe ist es, den Leistungsberechtigten die


Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der Würde des
Menschen entspricht. Die Leistung soll sie so weit wie
möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben;
darauf haben auch die Leistungsberechtigten nach
ihren Kräften hinzuarbeiten. …..
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfeorganisationen entspringen dem


Gedanken der Selbsthilfe und der
Eigenverantwortung

durchwegs
Frage
positiver Begriff?
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Einige Überlegungen zum Begriff der


Selbsthilfe

Ausgangspunkt:

Gegensatz: „selbst“ – „nicht selbst“

 Gegensatz: „Selbsthilfe“ –
„Fremdhilfe“
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Begriff der Hilfe (nach Luhmann):

„Beitrag zur Befriedigung der


Bedürfnisse eines anderen Menschen“

Selbsthilfe:
Der Betroffene übernimmt etwas, was
normalerweise von einer anderen
Instanz getan wird.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Hauptdefinitionsmerkmal von
Selbsthilfe:

eigener Beitrag zur


Befriedigung eines
eigenen Bedürfnisses
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfe ist nicht


identisch mit „eigenem
Tun“
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfe ist nicht identisch mit


„eigenem Tun“

„Selbsthilfe“ als Begriff erst dann,


wenn eigenes Handeln nicht
möglich war und Hilfe verweigert
wurde!
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbshilfeorganisationen als Träger der Wohlfahrtspflege


sind meist „traditionelle“ Selbsthilfeorganisationen (SHO)
„SHO der 1. Generation“: z.B.:

Lebenshilfe für geistig Behinderte


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbshilfeorganisationen als Träger der Wohlfahrtspflege


sind meist „traditionelle“ Selbsthilfeorganisationen (SHO)
„SHO der 1. Generation“: z.B.:

Deutscher Gehörlosenbund

VdK (Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und


Sozialrentner Deutschlands)
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbshilfeorganisationen als Träger der Wohlfahrtspflege


sind meist „traditionelle“ Selbsthilfeorganisationen (SHO)
„SHO der 1. Generation“: z.B.:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband

usw….
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

große Organisationen
mit wenig Selbsthilfe-
und viel
Fremdhilfecharakter
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

Beispiel: Die
Lebenshilfe für geistig
Behinderte e.V.
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

Lebens- „Die Geschichte der Lebenshilfe läßt sich darstellen als die
hilfe Geschichte einer bundesweit tätigen Bürgerinitiative,
sicherlich eine der ersten, die es im Nachkriegsdeutschland
Selbst- gab.
darstel-
lung Im Jahr 1958 wurde im hessischen Städtchen Marburg
die (Bundesvereinigung) Lebenshilfe gegründet.
Einige Zeit später wurde in Marburg auch die
Geschäftsstelle der Bundesvereinigung Lebenshilfe eröffnet.

Ungewöhnlich für eine Verbandsgründung ist die Tatsache,


daß die Mitgliedsorganisationen der Bundesvereinigung
Lebenshilfe erst im Laufe der nachfolgenden Jahre
gegründet wurden.“

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/geschichte-der-
lebenshilfe/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

„Die Jahre des Aufbaus erforderten von den in der Regel


ehrenamtlich Engagierten (Eltern & Angehörige und
Fachleute) einen hohen Einsatz. In den 60er Jahren wurden
die meisten örtlichen Lebenshilfen gegründet.“

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/geschichte-der-
lebenshilfe/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

16 Landesverbände

2006 529 Orts- und


Kreisvereinigungen

137 628 Mitglieder

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/aufgaben-und-ziel/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

Aufgaben und Ziele der Lebenshilfe

"Ziel der Lebenshilfe ist das Wohl geistig


behinderter Menschen und ihrer Familien. Sie
setzt sich dafür ein, dass jeder geistig
behinderte Mensch so selbstständig wie
möglich leben kann und dass ihm so viel
Schutz und Hilfe zuteil werden, wie er für sich
braucht.

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/aufgaben-und-ziel/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

Aufgaben und Ziele der Lebenshilfe

Maßgebend sind die individuellen Bedürfnisse,


die sich aus Art und Schwere der Behinderung
ergeben. Menschen mit schweren geistigen
Behinderungen stehen unter dem besonderen
Schutz der Lebenshilfe."

(aus dem Grundsatzprogramm der Lebenshilfe


von 1990)

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/aufgaben-und-ziel/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

„Die Lebenshilfe engagiert sich dafür, dass geistig


behinderte Menschen ihre Persönlichkeit und ihre
Fähigkeiten entfalten und in größtmöglicher Gemeinsamkeit
mit allen Menschen leben können. So ist es ihr ein
wesentliches Anliegen, behinderten Menschen die
Selbstverwirklichung in sozialer Integration zu
ermöglichen.“

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/aufgaben-und-ziel/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege - Lebenshilfe

„Menschen mit geistiger Behinderung unterscheiden sich in


ihren intellektuellen Fähigkeiten von nichtbehinderten
Menschen. Aber nicht in ihren sämtlichen Wesenszügen. …

Die Lebenshilfe setzt sich dafür ein, dass Behinderung nicht


als Krankheit angesehen wird. Eine Behinderung ist nur
eine unter vielen möglichen Daseinsformen eines
Menschen. Und das Wesen eines Menschen wird nicht allein
durch die Behinderung geprägt.

Auch fast 50 Jahre nach ihrer Gründung sieht sich die


Lebenshilfe gefordert, als Sprachrohr für Menschen mit
geistiger Behinderung und ihre Familien in diesem Sinne
aufzutreten.“

http://www.lebenshilfe.de/wDeutsch/ueber_uns/aufgaben-und-ziel/index.php
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege
Selbsthilfezusammenschlüsse -
Bestimmungsmerkmale

Selbstbeteiligung der Betroffenen

Selbst- und Gleichbetroffenheit der Mitglieder von


Selbsthilfezusammenschlüssen

Problemdruck einzelner und Persönlichkeit der Betroffenen


als Arbeitsgrundlage

Gleichberechtigung der Gruppenmitglieder


Selbstverantwortung

Aprofessionalität

Keine Gewinnorientierung
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege
Selbsthilfezusammenschlüsse -
Bestimmungsmerkmale

Selbstbeteiligung der Betroffenen

Selbst- und Gleichbetroffenheit der Mitglieder von


Selbsthilfezusammenschlüssen

Problemdruck einzelner und Persönlichkeit der Betroffenen


als Arbeitsgrundlage

Gleichberechtigung der Gruppenmitglieder


Selbstverantwortung

Aprofessionalität

Keine Gewinnorientierung
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Von der Selbsthilfe zur Selbsthilfeorganisation


Gründung einer Gruppe zur Selbsthilfe

Selbsthilfe entspringt bei Betroffenen einer Unzufriedenheit


mit der Hilfe durch das professionelle Hilfesystem

qualitative Aspekte
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Von der Selbsthilfe zur Selbsthilfeorganisation


Gründung einer Gruppe zur Selbsthilfe
Ausweitung und Anwerbung Professioneller
abnehmende Partizipation

zunehmende Fremdhilfe

Anbindung an staatliche (öffentliche) finanzielle


Förderung und damit entsprechende
Qualifikationsanforderungen
Sukzessiver und zumindest partieller Ausschluss
der Betroffenen
Erweiterung der organisatorischen und personellen
Kapazität
Erreichung eines hohen Grades der Organisation
und Bürokratisierung
Selbsthilfeorganisationen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfeorganisationen
im Unterschied zu Selbsthilfegruppen

Freiwillige Zusammenschlüsse von Selbsthilfegruppen oder


Zusammenschlüsse von Betroffenen mit in der Sache der
Betroffenheit engagierten Personen
Keine kontinuierliche Gruppenarbeit
Mehr nach außen gerichtete Interessenvertretung
Weniger solidarische, persönliche und flexible
Problembehandlung auf der Basis gegenseitiger Hilfe
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfegruppen
•geringe kollektive Organisation
•sehr hohe Beteiligung der Betroffenen
•Definitionsmacht bei den Betroffenen

Selbsthilfeorganisationen (traditionell)
•ausgeprägte kollektive Organisation
•geringe Beteiligung der Betroffenen
•geringe Definitionsmacht der Betroffenen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfeorganisationen (alternativ)
•ausgeprägte kollektive Organisation
•mittlere Beteiligung der Betroffenen
•ausgeprägte Definitionsmacht der Betroffenen

Wohlfahrtsverbände
•sehr stark ausgeprägte kollektive Organisation
•kaum Beteiligung der Betroffenen
•keine Definitionsmacht bei den Betroffenen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfe zwischen individueller Selbsthilfe und


staatlicher Fremdhilfe

Informeller Hilfesektor Freiwilliger Hilfesektor Formeller Hilfesektor

Individuelle Kollektive Professionelles Staat


Selbsthilfe Selbsthilfe Hilfesystem
Selbsthilfe Fremdhilfe Fremdhilfe Fremdhilfe
Selbsthilfe
Individuelle
Selbsthilfe Staatliche Fremdhilfe
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfeorganisationen
Wohlfahrtsverbände
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Einordnung von
Selbsthilfe im
System der Hilfe

Trojan/ Halves 1984


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Selbsthilfebewegung
(umfaßt das Spektrum der praktischen Ausformungen von Selbsthilfe)

Verschiedene Ausformungen in den


Selbsthilfezusammenschlüssen, die als solche etikettiert sind

Unterschiedliches Ausmaß der Kollektivierung


Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege
Abnehmende Beteiligung der Betroffenen

Unterschiedliches Ausmaß der Kollektivierung


Definitionsmacht der Betroffenen nimmt ab

Selbsthilfegruppen
(kleinste Form und „reinstes Modell“ von
Selbsthilfezusammenschlüssen)

Zwischentypus zwischen Gruppe und


Organisation
(z.B. lokale Gruppen von überregionalen Organisationen)

Selbsthilfeorganisationen
•Alternative SHO
•Traditionelle SHO
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Öffentliche Mittel für Selbsthilfezusammenschlüsse

Selbsthilfe entspringt bei Betroffenen einer Unzufriedenheit


mit der Hilfe durch das professionelle Hilfesystem

qualitative Aspekte

muss nicht zwangsläufig billiger


sein als Fremdhilfe
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Öffentliche Finanzierung von


Selbsthilfezusammenschlüssen

wird in der Regel aber eingebunden in ein


Konzept von Subsidiarität, das davon
ausgeht, dass Selbsthilfe im Vergleich zu
professioneller Fremdhilfe
gleichwertige oder bessere und
zugleich billigere Hilfe ist
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Häufig unterschiedliche Begründung der Förderung


von Selbsthilfezusammenschlüssen:

Staat:
 Subsidiaritätsprinzip
(lediglich sog. positive Seite des
Subsidiaritätsprinzips:
Recht der kleinen Lebenskreise, Angelegenheiten
selbst zu regeln; Vernachlässigung des
Solidaritätsprinzips)

 Reduzierung sozialstaatlicher
Maßnahmen
Prof. Dr. G. Gerhardinger
ORGANISATIONEN, TRÄGER UND INSTITUTIONEN DER SOZIALEN
ARBEIT
- Freie Träger/ Leistungserbringer: Selbsthilfeorganisationen als Träger der
Wohlfahrtspflege

Häufig unterschiedliche Begründung der Förderung


von Selbsthilfezusammenschlüssen:

Projekte:
Bewußtsein, gesellschaftlich sinnvolle Arbeit zu leisten

 Umbau des Sozialstaats