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November 2015 / Nummer 46 L’OSSERVATORE ROMANO Wochenausgabe in deutscher Sprache

Aus dem Vatikan und der Weltkirche 3

Grußworte von Papst Franziskus nach dem Angelusgebet am Sonntag, 8. November Die Bedeutung der
Tischgemeinschaft
Diebstahl vertraulicher Dokumente ist eine Straftat
Vatikanstadt. Papst Franziskus widmete
Liebe Brüder und Schwestern, stehe dankbar der Welt der Landwirtschaft nahe seine Katechese in der Generalaudienz vom Mitt-
und ermutige dazu, die Erde so zu bebauen, dass woch, 11. November, erneut dem Thema der Fa-
ich weiß, dass viele von euch durch die Nach- ihre Fruchtbarkeit bewahrt werde, damit sie milie. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Ab-
richten irritiert sind, die in den vergangenen Ta- Nahrung für alle hervorbringt, heute und für die teilung des Staatssekretariats trug folgende
gen zu vertraulichen Dokumenten des Heiligen künftigen Generationen. In diesem Kontext fin- Zusammenfassung vor:
Stuhls im Umlauf waren, die entwendet und ver- det in Rom auf Bistumsebene der »Tag zur Be-
öffentlicht wurden. wahrung der Schöpfung« statt, der dieses Jahr Liebe Brüder und Schwestern,
Deshalb möchte ich euch zunächst sagen, durch den »Marsch für die Erde« bereichert wird. in der heutigen Katechese wollen wir über die
dass der Diebstahl solcher Dokumente eine Morgen wird in Florenz der V. Nationale Kir- Bedeutung der Tischgemeinschaft im Leben der
Straftat ist. Es ist ein beklagenswerter Akt, der chentag in Anwesenheit der Bischöfe und der De- Familie sprechen. Tischgemeinschaft zu halten
nicht hilfreich ist. Ich selbst habe veranlasst, jene legierten aller italienischen Bistümer beginnen. und in Freude die Gaben des Lebens zu teilen ist
Untersuchungen durchzuführen, und mir und Es handelt sich um ein wichtiges Ereignis der Ge- eine wertvolle Tugend. Die Familie, die um den
meinen Mitarbeitern waren diese Dokumente meinschaft und des Nachdenkens, an dem auch gemeinsamen Tisch zusammenkommt, ist gleich-
bereits gut bekannt, und es wurden Maßnahmen ich nach einem kurzen Besuch in Prato die sam die Ikone der Tischgemeinschaft. Sie ist ein
ergriffen, die bereits erste – auch einige sicht- Freude haben werde, am kommenden Dienstag Symbol des Austauschs und der Anteilnahme ei-
bare – Früchte zeitigen. teilzunehmen. nes jeden Familienmitglieds an den Gütern, den
Daher möchte ich euch versichern, dass mich Ich grüße euch alle voll Zuneigung, die Römer Freuden und Leiden der anderen. Im Leben Jesu
diese traurige Tatsache gewiss nicht von der Ar- und die Pilger. Besonders die französischen hat die Tischgemeinschaft auch eine besondere
beit an der Reform abbringt, die wir zusammen Schüler aus der Region Paris, die Gläubigen aus Ja- Bedeutung: Jesus versammelt sich immer wieder
mit meinen Mitarbeitern sowie mit der Unter- pan und Polen wie auch jene aus Scandicci. Ich mit den Menschen um den Tisch, vergleicht das
stützung von euch allen voranbringen. Ja, mit der grüße die Vertreter des Predigerordens – der Do- Reich Gottes mit einem Gastmahl und schenkt
Unterstützung der ganzen Kirche, weil die Kirche Heute wird in Italien das Erntedankfest be- minikaner –, der gestern das 800. Jahr seiner uns im Opfer der Liebe seinen Leib und sein Blut,
durch das Gebet und die tägliche Heiligkeit eines gangen, das dieses Jahr unter dem Thema steht: Gründung eröffnet hat. Der Herr segne euch sehr das als Speise und Trank des Heils die wahre
jeden Getauften erneuert wird. »Der Boden, ein gemeinsames Gut.« Ich schließe zu diesem Anlass. Und vielen Dank für das, was Liebe nährt. Die Familie ist bei der Messe daher
Ich danke euch also und ich bitte euch, weiter mich den Bischöfen in ihrer Hoffnung an, dass ihr in der und für die Kirche tut! sozusagen »zu Hause«. Sie bringt ihre Liebesge-
für den Papst und die Kirche zu beten, ohne euch alle als verantwortliche Verwalter eines kostba- Und allen wünsche ich einen schönen Sonn- meinschaft in der Feier der Eucharistie mit ein
irritieren zu lassen, sondern indem ihr voll Ver- ren gemeinsamen Guts handeln, der Erde, deren tag. Und vergesst nicht, für mich zu beten! Ge- und wird so selbst geheiligt, gestärkt und für die
trauen und Hoffnung vorangeht. Früchte eine universale Bestimmung haben. Ich segnete Mahlzeit und auf Wiedersehen. mitmenschliche Liebe geweitet. Die Feier des
Messopfers hilft uns, Selbstbezogenheit und Ver-
schlossenheit zu überwinden und in der fami-
Vollversammlung der Katholischer Medienpreis vergeben liären Zuneigung zu wachsen. Die Selbsthingabe
österreichischen Bischöfe Christi in der Eucharistie ist uns ein Vorbild für
München. In München ist der Katholische In der Kategorie »Elektronische Medien« sieg- unsere Tischgemeinschaft mit den Armen und
Wien. Die Österreichische Bischofskonfe- Medienpreis an die Autorin des »Zeit«-Magazins, ten Amiri und Trapp mit ihrem im Dezember in Bedürftigen über die Grenzen der Familie und
renz ist in den vergangenen Tagen zu ihrer Voll- Nataly Bleuel, und die Fernsehjournalistinnen der ARD ausgestrahlten Beitrag »Tod vor Lampe- unsrer Länder hinaus. So weitet sich der Horizont
versammlung im Salzburger Stift Michaelbeuern Natalie Amiri und Ellen Trapp verliehen wor- dusa. Europas Sündenfall«. Die Jury würdigte ihn der Familie hin zum Horizont der Mutter Kirche,
zusammengetroffen. Unter dem Vorsitz von Kar- den. als »Plädoyer für ein Überdenken der europäi- der Mutter aller Menschen und Völker.
dinal Christoph Schönborn wurde unter ande- Bleuel erhielt die Auszeichnung in der Kate- schen Flüchtlingspolitik« und als Appell, Flücht-
rem über die Familiensynode und die Umwelt- gorie »Printmedien« für ihren Beitrag »Herzens- linge als Menschen zu behandeln. Der Film Der Heilige Vater grüßte die deutschsprachi-
Enzyklika »Laudato si’« gesprochen. sache« im »Zeit-Magazin«. Darin erzählt sie die schreie nach Verständnis für die Situation von gen Pilger auf Italienisch. Anschließend wurde
Auch die Flüchtlingskrise war ein Thema der Geschichte eines Elternpaares, deren 14-jährige Flüchtlingen, ohne dabei selber laut zu sein. folgende deutsche Übersetzung der Grüße vorge-
Vollversammlung. Laut Bischofskonferenz konn- Tochter nach einem Verkehrsunfall einen Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskon- lesen:
ten rund 6000 Asylwerber in einem Grundver- Hirntod erleidet. Für die Eltern beginnt ein ferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx,
sorgungsquartier der kirchlichen Caritas unterge- Schnelldurchlauf durch die ethischen Fragen des würdigte die Arbeiten der Journalistinnen. Sie Einen herzlichen Gruß richte ich an alle Pilger
bracht sowie weitere 15.000 von dieser mobil Lebensendes. Die Autorin erweise der Debatte hätten dazu beigetragen, dass darin Menschlich- deutscher Sprache. Besonders grüße ich die Schü-
betreut werden. Somit werde jeder dritte Asyl- um die Organtransplantation einen guten Dienst, keit in der ganzen Tiefe ihrer Wirklichkeit auf- lerinnen der Mädchenrealschule St. Ursula aus
werber von der Caritas betreut. erklärte die Jury. scheinen könne. Donauwörth. Im Monat November gedenken
wir besonders der Armen Seelen und begleiten
sie mit unserem Gebet. Der Herr segne euch
alle.
Mehrere Tagungen erinnern an den vor 50 Jahren unterzeichneten römischen »Katakombenpakt«

Erinnerung an das »geheime« Kurz notiert


Vermächtnis des Zweiten Vatikanischen Konzils Köln. Der Kölner Dom wird bald voll-
ständig dreidimensional abbildbar sein.
Rom. Vor 50 Jahren unterzeichneten 40 ein für allemal darauf, als Reiche zu erscheinen der des Lateinamerikanischen Bischofsrates Scanarbeiten, die die Kölner Hochschule
Bischöfe in Rom am Rande des Zweiten Vatikani- wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in CELAM. Zu den Erstunterzeichnern gehörten Fresenius seit Mai im Innenraum und
schen Konzils ein Dokument, das als »Katakom- unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende der spätere Kardinal Aloísio Lorscheider als Bi- an der Außenfassade der Kathedrale
benpakt« in die Kirchengeschichte eingegangen Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht schof von Santo Ângelo/Brasilien, Bischof Leo- durchführt, finden in Kürze ihren Ab-
ist und in dem sie sich zu einem bescheidenen aus kostbarem Metall – weder Gold noch Silber – nidas Proaño von Riobamba/Ecuador, Bolognas schluss, sagte die Sprecherin der Hoch-
Lebensstil und zum vorrangigen Dienst an den gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und Kardinal Giacomo Lercaro und sein Weihbischof schule, Melanie Behrendt, in Köln auf
Armen verpflichteten. Mit Papst Franziskus und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen.« Luigi Bettazzi sowie der Essener Weihbischof Nachfrage. Mit Videokameras ausgestat-
seiner Vision einer »armen Kirche für die Armen« Für den »apostolisch-pastoralen Dienst an den Julius Angerhausen. tete Kletterer hätten sich am Südturm
hat dieses Dokument neue Aktualität gewonnen. wirtschaftlich Bedrängten, Benachteiligten oder Eine internationale Tagung in Rom vom 11. bis von einer der bekanntesten Sehens-
Eine internationale Tagung in Rom (11. bis 17. No- Unterentwickelten« wollen die Bischöfe »alles 17. November erinnert an den Pakt. Zugleich sol- würdigkeiten abgeseilt, um letzte Aufnah-
vember), an der u. a. auch Amazonas-Bischof zur Verfügung stellen, was notwendig ist an Zeit, len die Anliegen des Paktes erneuert und aktuali- men zu machen. Ziel des wissenschaftli-
Erwin Kräutler teilnimmt, beschäftigt sich einge- Gedanken und Überlegungen, Mitempfinden siert werden, wie es von Seiten der Veranstalter chen Vermessungsprojekts ist die digitale
hend mit den Ereignissen von vor 50 Jahren und oder materiellen Mitteln, ohne dadurch anderen heißt. Eine weitere Initiative in Rom, die an die Erhaltung und Erfassung des Doms als be-
deren Aktualität für heute. Menschen und Gruppen in der Diözese zu scha- prophetische Tradition des Katakombenpaktes deutende Kulturstätte.
Am 16. November 1965, drei Wochen vor den«. Zugleich halten die Bischöfe fest: »Wir wer- erinnert und anknüpft, ist ein Studientag der *******
dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, den in unserem Verhalten und in unseren gesell- Ordenskommission Iusticia et Pax (14. Novem-
Bonn. Die deutschen Bischöfe arbei-
trafen sich 40 Bischöfe in den Domitilla-Kata- schaftlichen Beziehungen jeden Eindruck ber)
ten nach den Worten von Kardinal Rein-
komben außerhalb Roms, um einen 13 Punkte vermeiden, der den Anschein erwecken könnte, Als prominenter Teilnehmer wird der öster-
hard Marx an einem Hirtenwort zu Ehe
umfassenden Pakt zu unterzeichnen. Mit diesem wir würden Reiche und Mächtige privilegiert, reichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler
und Familie. Allerdings wollen sie dafür
Pakt wollten die Unterzeichner damals dem Wort vorrangig oder bevorzugt behandeln (z. B. bei erwartet, der u. a. einen Vortrag halten wird. Ge-
die Zusammenfassung der Ergebnisse des
von der »Kirche der Armen« von Papst Johan- Gottesdiensten und bei gesellschaftlichen Zu- meinsamer Höhepunkt der Erinnerung an den
Weltbischofstreffens zu dem Thema durch
nes XXIII. Rechnung tragen. In dem Text wird sammenkünften, als Gäste oder Gastgeber).« Katakombenpakt wird eine Messe am 16. No-
Papst Franziskus abwarten, sagte der Vor-
unter anderem ein Verzicht auf jeglichen Reich- Nach der Unterzeichnung waren die 40 vember am historischen Ort seiner Unterzeich-
sitzende der Deutschen Bischofskonfe-
tum bekundet und das Bekenntnis abgelegt, alles Bischöfe mit dem Text durch die Konzilsaula ge- nung in der Domitilla-Katakombe sowie ein Fest-
renz in München. Wann der Papst seine
Nötige für den apostolisch-pastoralen Dienst an gangen und überzeugten 500 weitere Bischöfe akt sein.
Zusammenfassung zur Synode vorlege, sei
den Armen zu leisten. davon, den Text zu unterzeichnen. Zum Trägerkreis der Versammlung »Katakom-
offen, sagte Kardinal Marx. Er könne sich
Wörtlich heißt es in dem Pakt: »Wir werden Treibende Kräfte dieses Paktes waren u. a. benpakt erinnern und erneuern« zählen zahlrei-
jedoch vorstellen, dass dies möglicher-
uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen Helder Camara (1909-1999), damals frisch er- che Orden, Theologische Einrichtungen, weitere
weise zum »Jubiläum der Barmherzigkeit«
um uns herum üblicherweise leben, im Hinblick nannter Erzbischof von Olinda und Recife in Bra- Organisationen und Initiativen; u. a. die Deut-
geschehe, das am 8. Dezember beginnt.
auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und alles, silien, und Bischof Manuel Larrain von Tal- sche Franziskanerprovinz, Pax Christi Öster-
was sich daraus ergibt.« Oder: »Wir verzichten ca/Chile (1900-1966), zu dieser Zeit Vorsitzen- reich, die Jesuitenmission Deutschland.