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S 01 Titel.korr 1 19.02.

2001 11:19 Uhr Seite 1

JUMA
D A S J U G E N D M A G A Z I N

Festival-Sommer
Musik
Make-up: Lieber wenig
Aussehen
Zerstörtes sichtbar machen
Geschichte

www.juma.de

2/2001
DM 1,50
S 02-03 Editorial.korr 1 19.02.2001 11:21 Uhr Seite 2

Inhalt
Moment mal! 4–7
Make-up: Lieber weniger als zu viel
Wie schminken sich Mädchen? 8–11
Jahrmarkt der Puppenspieler 12–13
Das Zerstörte sichbar machen
Virtuelle Bilder von Synagogen 14–17
Wer ist der
Köln – Leipzig und zurück Schnellste?
Leseprobe 18–19 Jugendliche des
Slowcar-Clubs
Nippon am Rhein Mettmann
fahren ein
Junge Japaner in Düsseldorf 20–22 Trainingsrennen
gegeneinander.
Mick 23

Vollgas i
Festival-Sommer
Deutschlands mobile Musikbühnen 24–27
Zeige mir deine Schlüssel ... 28–33
Deutsch entdecken 34–35
Szene 36–37
Brieffreundschaften 38
Leserbriefe 39

Impressum
Redaktion JUMA: Frankfurter Str. 40, 51065 Köln, Telefon:
+221/96 25 13-0; Telefax: +221/96 25 13 – 4 oder – 14
JUMA im Internet: http://www.juma.de
E-mail: redaktion@juma.de
Florian macht der
Redaktion: Christian Vogeler (verantwortlicher Redakteur),
Umgang mit den
Dr. Jörg-Manfred Unger, Kerstin Harnisch
Slotcars mehr
Pädagogische Beratung: Diethelm Kaminski, Bundes-
Spaß als Auto-
verwaltungsamt – Zentralstelle für das Auslandsschulwesen – Köln
rennen am
Layout: Helmut Hagen
Computer. Seine
Wissenschaftlicher Beirat: Dietrich Becker, Auswärtiges Amt;
Autos repariert er
Prof. Dr. Peter Conrady, Universität Dortmund; Prof. Dr. Inge
selbst.
Schwerdtfeger, Universität Bochum; korrespond. Mitglied:
Kristina Pavlovic, Goethe-Institut München
Litho: R&S/Mönchengladbach
Druck und Verlag: TSB Tiefdruck Schwann-Bagel GmbH & Co KG,
Mönchengladbach; Copyright by TSB 2001. ISSN 0940-4961.
Namentlich gezeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung
der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und
Bilder keine Gewähr. Der Verlag behält sich vor, Leserbriefe gekürzt
abzudrucken.Texte für Unterrichts- und Lehrzwecke zur Veröffent-
lichung frei.

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S 02-03 Editorial.korr 1 19.02.2001 11:21 Uhr Seite 3

Einige Slotcar-Modelle erreichen


Spitzengeschwindigkeiten von
120 km/h.

Text: Petra Kroll; Fotos: Dieter Klein


Siegertreppchen. Bei den Deutschen Meister-

s im Keller schaften im Slotcar-Rennen belegte er einen


ersten Platz. Zuhause trainiert der Azubi täg-
lich. Seine eigene Bahn ist 24 Meter lang und
Es ist wie bei einem richtigen Autorennen: Mo- passt längst nicht mehr in sein Zimmer. „Ich
toren heulen auf und Autos überholen mit ho- konnte mich nicht mehr bewegen, nur noch ins
hem Tempo. Die Zuschauer starren gebannt Bett gehen und an den Schreibtisch“, erzählt
auf die Rennbahn. Das tun auch die Piloten. Florian, der bei seinen Eltern wohnt. Jetzt hat
Doch sie sitzen nicht am Steuer. Dazu sind die er einen extra Raum im Keller.
Autos im Maßstab 1:24 – „Slotcars“ genannt – Für ein Rennen braucht man ein sehr gutes
viel zu klein. Die Jugendlichen des Slowcar- Reaktionsvermögen und technisches Ge-
Clubs Mettmann steuern ihre Fahrzeuge mit schick. Vor dem Rennen geht es nämlich erst
Der Ziel jedes
Handreglern. einmal in die Werkstatt. Hier bereiten die jun- Rennfahrers:
Die 44 Meter lange Rennbahn des Clubs steht gen Fahrer ihre Rennwagen vor: Sie wählen die Der Pokal für
den Sieg. Die
im Keller eines Gymnasiums. Slotcars heißen passenden Reifen für die Bahn, kontrollieren
Mitglieder des
die Autos, weil die Fahrzeuge durch einen Motoren und Filter oder reparieren Schäden. Mettmanner
Schlitz (englisch: slot) geführt werden. Warum Und der Höhepunkt dieser Sportart? „Das sind Clubs waren
schon öfter
aber der Name Slowcar-Club? „Nur ein Wort- die 24-Stunden-Mannschaftswettbewerbe“,
erfolgreich.
spiel“, verrät Joachim Schwab, der Jugend- erzählt Florian. „Wir starten in 3-er-Teams. Je-
wart des Clubs. Langsam (englisch: slow) sind der fährt eine Stunde am Stück. Es kann aber
die Autos nämlich keineswegs. Immerhin er- auch mehr werden. Ich bin schon mal drei
reichen einige Modelle Spitzengeschwindig- Stunden am Stück gefahren.“ An Schlaf ist
keiten von 120 km/h! kaum zu denken. Man setzt sich in der Pause
Die Jugendlichen des Clubs treffen sich einmal einfach irgendwo in die Ecke. Klar, dass man
in der Woche zu Training und Rennen. Sechs irgendwann an seine körperlichen Grenzen
Fahrzeuge können gleichzeitig starten. Die stößt. Aber das gehört beim Motorsport doch
Regeln sind einfach: Ein Rennen besteht aus dazu, oder?
sechs Läufen. Jedes Fahrzeug startet einmal
in jeder Spur. Ein Lauf dauert zwei Minuten.
Wer die meisten Runden schafft, gewinnt. Wer
aus der Bahn fliegt, verliert wertvolle Zeit. Hel-
fer setzen die Autos wieder in die Spur zurück.
Die Autos sind kleine Nachbauten berühmter
Originale. Mika Häkkinens McLaren-Merce-
des ist dabei und natürlich auch Michael Schu-
machers Ferrari. Slotcar-Fahrer Florian,17, ist
Schumi-Fan. Auch er stand schon mal auf dem
S 04-07 magazin.korr 1 19.02.2001 11:26 Uhr Seite 4

Moment mal !

Foto: RTL
Sehen ...
... kann man zur Zeit im deutschen Fernsehen, wie Menschen 100 Tage zusammen in einem Containerhaus wohnen. Ka-
meras beobachten die Bewohner in allen Räumen rund um die Uhr. Jede Woche muss einer das Haus verlassen – aus-
gewählt von Mitbewohnern und Fernsehzuschauern. „Big Brother“ heißt die Show, die vor allem bei Jugendlichen beliebt
ist. „Big Brother“ stand übrigens in dem Roman „1984“ von George Orwell für die totale Überwachung der Menschen in
einem totalitären Staat. Doch das nimmt man im Jahr 2000 offenbar nicht mehr ganz so ernst.

Gesehen werden ...


... kann man nicht, wenn man sich hinter
diesem Pappkarton namens „Eye Control“
versteckt. Mindener Schüler haben den
Karton erfunden, der bei Klassenarbeiten
das Abschreiben verhindern soll. Die Idee
vermarkten sie in einem eigenen Unter-
Foto: Dieter Klein

nehmen. Die Schüler, die den Mogel-


schutz für JUMA testeten, fanden ihn gar
nicht lustig: „Wie kann man nur so einen
Blödsinn erfinden?“

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S 04-07 magazin.korr 1 19.02.2001 11:26 Uhr Seite 5

Disko nach
der Arbeit
Sie nennen sich „After-
Work-Parties“, und sie
sind für junge Leute, die
am nächsten Morgen
wieder fit sein müssen:
Tanzabende, die schon
um 18 oder 19 Uhr begin-
nen. Wie hier in der Berli-
ner Disko „90°“ haben ju-
gendliche Partygänger

Foto: © dpa
überall in Deutschland
Spaß an diesem neuen
Partytrend.

Früher fuhren die Men-


schen zum Wintersport in
die Berge. Jetzt kommen
die Berge zu den Men-
schen: Die Halle auf Stel-
zen steht bei Düsseldorf,
eine weitere eröffnet
demnächst im Ruhrge-

Foto: © dpa
biet. Auf Kunstschnee
kann man darin ein paar
hundert Meter abfahren
und anschließend mit dem Lift wieder hoch. 1 000 zahlende Gäste er-
warten die Betreiber jeden Tag. Nur dann lohnt sich der Betrieb. Ob
die allerdings kommen, weiß man nicht. Sicher ist nur eins seit der Er-
findung dieser Bauwerke: Nicht alle Berge sind schön. Im Gegenteil!
Foto: © dpa

Erfolg mit Büchern


Kim Wende (16) ist eine erfolgreiche
Horror in Hamburg
Jungautorin. Mit 11 Jahren schrieb sie ihr Zum Fürchten: im
erstes Buch, den Kinderkrimi „Das Ge- Hamburger Horror-
heimnis der alten Scheune“. Sie erfand Themenpark steht
die Geschichte, weil in ihrem Heimatort in dieser Soldat aus
der Nähe von Erlangen „nichts, aber Wachs in einer fins-
auch gar nichts passierte“. Die Fortset- teren Schlachtsze-
Foto: © dpa

zung kann man jetzt ebenfalls in einem ne. Die Besucher er-
Buch nachlesen. Weitere Projekte liegen leben mehrere sol-
bereits in der Schublade. Darin geht es cher Horrorszenen
um eine Zukunftsvision des Planeten Er- mit Gerüchen, Hitze, Geräuschen und anderen Spezial-
de. Nebenbei erfindet die junge Schrei- effekten. Die Idee zu diesem unheimlichen Ort haben die
berin Geschichten für ihre jüngeren Cou- Macher aus London importiert. Dort ist ein ähnliches Spek-
sinen. takel seit 25 Jahren erfolgreich. Grauenhaft!

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S 04-07 magazin.korr 1 19.02.2001 11:26 Uhr Seite 6

Moment mal !

Foto: © dpa

Schutz für deutsche Esel


Carola,19 Jahre, geht regelmäßig mit einem deutschen Landesel spazieren, und das auch noch in Berlin. Schließlich gibt
es im Stadtteil Marzahn nicht nur Plattenbauten, sondern auch einen Tierhof. Dieser Zuchtbetrieb arbeitet für das „Eu-
ropäische Programm zum Erhalt gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Haustierrassen“. Eine dieser Rassen ist die
der deutschen Landesel. Carola, die auf dem Hof ein „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ macht, hat aber auch noch ande-
re Aufgaben als das Ausführen von Tieren. Sie hilft bei der Organisation von Seminaren, Projektwochen und Lehrgängen
auf dem Hof. Darin geht es um Themen aus Biologie, Geographie, Agrarwissenschaften, Ökologie und Umweltschutz.

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S 04-07 magazin.korr 1 19.02.2001 11:26 Uhr Seite 7

Gemeinsam forschen
Robert, Schüler aus Frankfurt/Oder, und Mar-
ta, Schülerin aus dem polnischen Slubice,
untersuchen gemeinsam die Kleintierwelt ei-
nes Naturschutzgebietes in Ostdeutschland.
Karl-Heinz Krüger, Vorsitzender des Na-
turschutzvereins Adonisröschen Lebus, hilft
mit Tipps. Im Rahmen des Projektes erfor-
schen 14 Frankfurter und 32 polnische

Foto: © dpa
Schüler gemeinsam Geologie, Flora und Fau-
na der sogenannten Adonishänge. In den
Frühjahrsmonaten kommen viele Touristen
hierher, weil an den Hängen seltene Pflanzen
blühen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wollen die Bett in Berlin
Schüler in einer Broschüre veröffentlichen. „Mittagsruhe in Berlin“ steht an einem Haus mitten in Deutsch-
lands Hauptstadt. Verwundert reibt man sich die Augen. Denn
Ruhe hat man wegen des Straßenlärms hier kaum. Doch hin-
ter den Mauern finden fußlahme Touristen und müde Büro-
angestellte eine Oase. 24 weiß bezogene Betten stehen in ei-
nem dunklen Raum. Ein Schlafmeister sorgt dafür, dass neue
Gäste ruhig sind. Einige Betten sind schon belegt. Gut erholt
kann sich der Gast nach der Pause wieder in den Trubel der
Großstadt stürzen. Die Idee hat der Initiator Holger Friedrich
von seinen Reisen mitgebracht. Der Regisseur entdeckte die
Schlafräume in Japan und den USA.
Foto: © dpa

Fußball
für Toleranz
„Wen man vom Fußball kennt, den
verprügelt man nicht“ – unter die-
sem Motto steht das Projekt
„Straßenfußball für Toleranz“. Das
Projekt ist für junge Leute gedacht,
die nicht in Vereinen organisiert
sind. Es soll deutsche und auslän-
dische Jugendliche zusammen-
bringen, und es soll helfen kulturel-
le Grenzen zu überwinden. In
Foto: © dpa

Brandenburg, wo unser Bild ent-


stand, haben sich bisher 300 Ju-
gendliche an dem Projekt beteiligt.

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S 08-11 Make up.korr 1 19.02.2001 11:29 Uhr Seite 8

M a k e - u p: Lieber weniger als zuviel !

Viele Mädchen benutzen


regelmäßig und selbstver-
ständlich Make-up. Die
meisten wissen genau, was
ihnen steht. Schminkfehler,
wie zu dick aufgetragene,
grelle Farben, finden sie
peinlich. Sie wollen gut aus-
sehen und haben Spaß am
Schminken.

8 JUMA 2/2001
S 08-11 Make up.korr 1 19.02.2001 11:29 Uhr Seite 9

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S 08-11 Make up.korr 1 19.02.2001 11:29 Uhr Seite 10

Vicky, 15: Vicky hat sich zum ersten Mal geschminkt, als die anderen Mädchen in ihrer Klasse damit an-
fingen. Zuerst war es nur Wimperntusche. Dann wurde es immer mehr. Heute trägt Vicky Kajal, Wim-
perntusche und ein bisschen Lidschatten auf, wenn sie zur Schule geht. Sie bevorzugt
dunkle Farben – ihrem Hauttyp entsprechend. Abends kommen Gelglitzer
i c k y f ü h lt sich
V e-up
ohne Mak
und Lipgloss hinzu. Lippenstift, findet sie, schmeckt ekelhaft und sieht nicht
besonders gut aus. „Heute merke ich den Unterschied, wenn ich einmal
ckt
richtig na
nicht geschminkt bin, Ich kann es nicht beschreiben. Ich fühle mich ohne
Make-up einfach ein bisschen nackt im Gesicht“, verrät sie. Manchmal hat
sie auch Lust, sich anders zu schminken. „Meistens sieht das Ergebnis aber
nicht gut aus“, stellt sie dann fest. „Vieles, was man in der Zeitung sieht,
lässt sich einfach nicht so perfekt nachmachen!“ Schminkfehler findet sie
„oberpeinlich“.

e t s c h w a rze
ind
Caroline finfach schön
e
Wimpern
Caroline, 15: „Es gibt Hannah, 16: „Es gibt Tage, da mag ich überhaupt
Menschen, die sind so kein Make-up an mir leiden. Zum Beispiel, wenn
schön, die brauchen ich gut gelaunt bin und mich gesund fühle. Dann
kein Make-up!“ Für finde ich es schön, wenn ich gar nichts im Gesicht
Caro zählt vor allem habe.“ – Hannah, blond, blauäugig, sportlich, hält
die Ausstrahlung. sich eher für den natürlichen Typ. Und das ist es
„Wer kein Selbstbe- auch, was sie an anderen Menschen schätzt:
wusstsein hat, kann Natürlichkeit und ein dementsprechend natürli-
sich schminken, wie er will. Wahre ches Aussehen. Zur Schule geht sie schon mal
Schönheit kommt von innen“, findet sie. ungeschminkt oder benutzt ganz wenig Make-up.
Zum ersten Mal geschminkt hat sie sich Abends sieht es anders aus. „Wenn ich abends
mit Sieben. „Ich hab’ es aber nur vor weggehe, macht es mir manchmal richtig Spaß,
dem Spiegel ausprobiert. Meine Mutter eine halbe Stunde vor dem Spiegel zu stehen und
hatte nichts dagegen“, erinnert sie sich. etwas auszuprobieren.“ Das Ergebnis fällt direkt
Erst mit 12 Jahren begann sie Wimpern- auf. „Oh, Hannah, du bist ja geschminkt“, ahmt sie
tusche und Puder vor der Schule aufzu- die Reaktion der anderen nach. Ob man mit
tragen. „Schwarze Wimpern finde ich Schminken den Typ verändern kann? „Auf jeden
einfach schön. Aber eigentlich brauche Fall!“, meint Hannah. „Manchmal sieht es aber
ich das auch nicht. Es ist zur Routine auch schlechter aus.“ Die Frage „Make-up – ja
geworden“, begründet sie ihre Gewohn- oder nein?“ entscheidet
heiten. Fünf Minuten braucht sie zum Hannah jeweils nach Stim-
Schminken. Mehr Zeit hat sie auch gar mung und Situation. Diktie-
nicht! Denn extra früher aufstehen ren lässt sie sich nichts.
kommt für sie nicht in Frage. – Wie gefal-
len ihr Jungs mit Make-up? „Gut!“ ant-
wortet sie spontan. „Ich hab’ nichts
a h l ä s s t sich
dagegen, wenn sich Jungs die Augen Hann ichts diktieren
schminken und die Fingernägel lackie- n
ren. Die haben ihren eigenen Stil und es
ist ihnen egal, was die anderen sagen“,
begründet sie ihre Meinung. Bei sich
selbst achtet sie darauf, dass das Make-
up zu ihr passt, nicht übertrieben wirkt
und – ganz wichtig – dass sie sich damit
wohl fühlt.

10 JUMA 2/2001
S 08-11 Make up.korr 1 19.02.2001 11:29 Uhr Seite 11

Marie-Sophie, 15: Marie-Sophie möch-


bei
Lena wirdchwach
te vor allem natürlich aussehen. Für die
Schule schminkt sie sich selten.
s
Nagellack
Abends, wenn sie ausgeht, beschränkt
p sich ihr Make-up auf Wimperntusche,
Lidschatten und Lipgloss. Angemalte,
grelle Lippen mag sie nicht; das sieht zu
maskenhaft aus, findet sie. Ihren Typ Lena, 17: Lena benutzt Make-up
versucht sie mehr durch Kleidung und wie viele andere Mädchen:
Schmuck zu betonen. „Ich habe eine Tagsüber mag sie es lieber
Freundin, die hat ganz große blaue dezent, abends darf es ruhig
Augen; wenn sie die dunkel schminkt, etwas mehr sein. Ganz ohne
kommen sie gut zum Vorschein. Nur ich Make-up geht Lena selten aus
kann das nicht tragen, weil ich kleine dem Haus. „Ich gefalle mir damit
Augen habe. Bei Make-up kommt es einfach besser“, verkündet sie.
immer auf den Typ an“, erklärt sie. Be- Warum also darauf verzichten?
sonders gut findet sie helle und pastell- Jeden Morgen, bevor es zur Schule geht, nimmt
farbene Töne, sie sich eine halbe Stunde Zeit zum Schminken.
denn die stehen ihr Sie benutzt eine getönte Tagescreme und betont
am besten. ihre Lippen und Augen dezent. Meistens benutzt
Ihre Lieblingsfar- sie Brauntöne. Grelle Farben, wie rot oder pink,
be? Das ist ein lehnt sie ab. „In der Schule gibt es kein Mädchen,
zartes Rosa. So, das sich auffällig schminkt“, erklärt sie. Die Lehrer
wie es gerade auf haben nichts gegen Make-up. Auch wenn Lena
ihren Finger- und viel Wert auf Schminke legt und wohl einmal in der
Fußnägeln Woche in die Drogerie geht, um sich etwas Neues
schimmert. zu kaufen: Viel Geld gibt sie für Kosmetik nicht aus.
Sie bevorzugt preiswerte Produkte. Schwach wird
phie
Marie-So te vor allem
sie bei Nagellack. Sie besitzt ihn in vielen, auch
ungewöhnlichen Farben. „Besonders die Füße
möch hen sehen damit gepflegter aus. Und mit buntem Lack

a t ü r l i c h ausse auch irgendwie lustiger“, findet sie. Schminken


n macht eben auch Spaß!

ebt
Sandra lischatten
id
dunkle L
Interviews: Petra Kroll; Fotos: Dieter Klein

Sandra, 20: Wer Sandra in die Augen schaut, weiß, wie schön ihre dunkel-
braunen Augen sind! Kein Wunder, dass sie diese abends gern mit dunklem
Lidschatten betont. „So kommen sie noch besser heraus“, findet sie. Für
Sandra gehört Schminken zum Beruf. Sie wird Friseurin. Das Geschäft, in
dem sie arbeitet, hat eine große Kosmetikabteilung. Dort schminkt sie viele
ihrer Kundinnen. Bei der Wahl des Make-up achtet sie sorgsam auf den An-
lass, die Kleidung, den Typ und die Frisur der Kundin. „Bei Make-up kann
man mit wenigen Mitteln viel erreichen. Es kann aber auch schnell übertrie-
ben werden. Beispielsweise, wenn ich die Haare hoch toupiere und auch
noch die Augen hervorhebe“, glaubt sie. Sandra möchte einmal Maskenbild-
nerin werden. Sie experimentiert gern mit Schminke, wie im Karneval. Dort war sie zuletzt als
„Regenbogen“ und „Vampir“ verkleidet. „Ich könnte auch eine Zeitlang ohne Make-up
leben“, überlegt sie. „Aber bei gewissen Anlässen würde ich immer wieder darauf zurück-
greifen.“ Sie ist überzeugt, dass sie ohne Schminke ihren Beruf an den Nagel hängen kann.

JUMA 2/2001 11
S 12-13 Puppenspieler.korr 1 19.02.2001 11:33 Uhr Seite 12

Auf dem Weltfestival


der Puppenspieler in
Magdeburg zeigten
Künstlerinnen und
Künstler aus aller Welt
ihr Figurentheater.

Jahrmarkt der
Puppenspieler
Jahrmarktstimmung auf dem „Welt- von Masken, Installationen, Gegen-
festival“ des Puppentheaters in Mag- ständen und Materialien in modernen
deburg: Stelzenläufer aus Ungarn und Theaterinszenierungen: Puppenspiel
Österreich, Pantomimen aus Spanien, ist heute mehr als Kasperletheater!
Marionettentheater aus Afrika, alte Hinter dem Begriff „Figurentheater“
Drehorgeln und Orchester, Schat- verbergen sich immer neue Spielarten
tentheater und traditioneller Tempel- und Techniken. Die engen Grenzen
tanz aus Indonesien, eine Bilderbox des traditionellen Puppenspiels sind
aus Brasilien, ein lebendes Riesen- längst vorbei.
Stehaufmännchen und Guckkasten- Für 12 Schülerinnen und Schüler der
bühnen … ! 10. Klasse des Magdeburger Imma-
Die internationale Puppenspiel-Ver- nuel-Kant-Gymnasium war das Festi-
einigung UNIMA („Union Internatio- val ein besonderes Ereignis: Sie
nale de la Marionette“) hatte zu ihrem führten Theaterkünstler aus Togo,
18. Weltfestival und Kongress in die Thailand, Mali, Indonesien und ande-
Text: Jörg-Manfred Unger; Fotos: Michael Kämpf

Landeshauptstadt von Sachsen- ren Ländern zu den Veranstaltungs-


Anhalt eingeladen. Es kamen 67 orten und durch die Stadt. Sebastian,
Theatertruppen, Solisten und Aktions- 16, trug einen der „Guide“-Anstecker
künstler von allen Kontinenten. und kümmerte sich um Gäste aus
Sie boten neun Tage lang Puppenspiel Togo. Seine Mutter, Sansanee Frei-
vom frühen Morgen bis in die Nacht frau von Enzberg, war die Initiatorin
– 158 Vorstellungen auf allen Bühnen der Aktion. Sie sagte: „So können sich
der Stadt, am Hafen, in Kirchen und die jungen Leute nützlich machen und
Museen … gleichzeitig ihre Fremdsprachen-
Eine von 16 Ausstellungen zum Thema Kenntnisse in Englisch, Französisch
„Puppenspiel“ zeigte die Bedeutung und Russisch unter Beweis stellen!“
S 12-13 Puppenspieler.korr 1 19.02.2001 11:33 Uhr Seite 13

JUMA 2/2001 13
S 14-17 Synagogen.korr 1 19.02.2001 11:44 Uhr Seite 14

Wie geht man mit der Vergangenheit um? Diese Frage ist in Deutschland stets aktu-
ell. Denkmäler und in den Boden eingelassene Umrisse von ehemaligen Synagogen


„Im Frühjahr 1994 baten mich acht Architek-
erinnern an den nationalsozialistischen Vernich- turstudenten der Technischen Universität
Darmstadt, ein Seminar unter dem Titel
tungsfeldzug gegen Juden, ihre Kultur und die ,Visualisierung des Zerstörten‘ durchzu-
führen. Es ist eine Zeit, in der die Ausgren-
zung von Minderheiten und Andersdenken-
Zeugnisse ihrer jüdischen Bau- und Religions- den spürbar ist, einhergehend mit rechtem
Gedankengut, das wieder öfter zutage tritt.
geschichte. Doch reicht das allein? Studenten aus Es ist das Jahr 1994, in welchem auf die
Synagoge in Lübeck ein Brandanschlag
verübt wird. Mit der virtuellen Rekonstrukti-
Darmstadt gingen einen neuen Weg ... on der in der Reichsprogromnacht von den
Nationalsozialisten zerstörten Synagogen
wollen sie ein Zeichen des Mahnens und

Das Erinnerns, aber auch ein Bekenntnis ihres


Denkens und Handelns ablegen. Gleichzei-
tig wollen sie die bauhistorische Bedeutung
dieser Bauwerke in Erinnerung rufen, präg-

Zerstörte ten doch die Synagogen des 19. und frühen


20. Jahrhunderts das Erscheinungsbild
vieler Städte ...

sichtbar
Architektur ist Stein gewordene Gesell-
schaftsordnung. Sie gibt Auskunft über das
Denken und Handeln der Menschen in ihrer
Zeit. Gleiches gilt auch für Architektur, die

machen von Menschenhand zerstört wird. Die syste-


matische Zerstörung der Synagogen und
Bethäuser, über 1 400 an der Zahl, wurde
zur unheilvollen Ankündigung dessen, was
dann geschah. Der Vernichtung des sicht-
baren Teils einer blühenden Kultur folgt die
Ermordung von etwa sechs Millionen eu-
Bei ihren Re- ropäischer Juden ...
cherchen vor Nur wenige Fragmente sind geblieben, nur
Ort war es für wenige Spuren helfen uns heute, uns von
die Studenten
überraschend, den zerstörten Synagogen ein Bild zu ma-
mit welch chen. Wir mussten feststellen, wie unsensi-
offenen Armen bel und mit welcher Ignoranz mit diesen
sie in Archiven,
jüdischen Fragmenten und den Standorten der Syna-
Gemeinden gogen bis in die jüngste Zeit umgegangen
und von Zeit- wurde ...“
zeugen emp-
fangen wurden.
Plan-, Bild- und Zitat (gekürzt) aus: Manfred Koob, Visualisierung des
Textdokumente Zerstörten, in: Synagogen in Deutschland – eine
wurden zusam- virtuelle Rekonstruktion, Publikation zur Ausstellung;
men mit Äm- (c) 2000 Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesre-
tern und publik Deutschland GmbH
jüdischen
Gemeinden
gesichtet und
gewertet.

14 JUMA 2/2001
S 14-17 Synagogen.korr 1 19.02.2001 11:44 Uhr Seite 15

Mit dem
sogenannten
Schnurgerüst
kann man die
Planung des
Bauwerks
nachvollzie-
hen. Das 3D-
Volumenmo-
dell wird aus
einzelnen
Bauelemen-
ten zusam-
mengesetzt.
Durch die
konsequente
Bearbeitung
jedes einzel-
nen Elements
in der dritten
Dimension
wird die Seele
der Architek-
tur sichtbar.
Unser Bei-
spiel zeigt die
Münchener
Hauptsyna-
goge.

JUMA 2/2001 15
S 14-17 Synagogen.korr 1 19.02.2001 11:44 Uhr Seite 16


„ ... die 3D-CAD-Simulation, eine Technolo-
gie, die erst seit etwa zehn Jahren angewen-
det wird, (hat) neue Formen der Darstellung
nicht mehr vorhandener Bauwerke ermög-
licht ...
Die 3D-CAD-Simulationen ermöglichen, in
einem dreidimensionalen Computermodell
von einem Moment zum nächsten jeden
denkbaren Blickwinkel einzunehmen und
Raumeindrücke eins zu eins aus der Per-
spektive des Betrachters zu gewinnen. Die
Die Synagoge 3D-CAD-Simulation kann so einen hohen
von Plauen
(Bilder rechts
Grad an räumlicher Vorstellungskraft erzeu-
und unten) gen. Virtuelle Rundgänge innerhalb und
wurde 1930 im außerhalb des Gebäudes verstärken diese
Stil der Neuen
Sachlichkeit
Wirkung nochmals.
errichtet. Die Faszination dieser neuen Technologie
sowie das Interesse an Architektur und NS-
Zeit führten bei mir, ausgelöst durch den
Brandanschlag auf die Synagoge in Lübeck
im Jahre 1994, zu der Idee, Synagogen, die
in der NS-Zeit zerstört wurden, mittels Com-
puter zu rekonstruieren. Die so gewonnenen
räumlichen Eindrücke - sicher nur eine
Annäherung an das zerstörte – stehen nun
durch das Internet weltweit zur Verfügung ...
Die Generationen des 21. Jahrhunderts
werden das weltweite Netz mit großer
Selbstverständlichkeit benutzen und Infor-
mationen und Anregungen darüber bezie-
hen. Erinnerungskultur, will sie die Menschen
erreichen, wird sich zwangsläufig früher oder
später dem nicht entziehen können. Dadurch
wird das Erinnern an den authentischen
Orten aber keineswegs überflüssig. Zeit-
gemäßes Erinnern und Mahnen bedeutet für
mich Parallelität des Ortes: historische Au-
thentizität an den materiellen Orten einer-
seits und immaterieller Erinnerungsort im
Die Synagoge in Netz andererseits ...
Nürnberg (das
Bild rechts zeigt
ein Detail) Zitat (gekürzt) aus: Marc Grellert, Chancen neuer
wurde wegen Medien in der Gedenkkultur, in: Synagogen in
einer Nazikund- Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion, Publikati-
gebung bereits on zur Ausstellung; (c) 2000 Kunst- und Ausstellungs-
vor dem 9. No- halle der Bundesrepublik Deutschland
vember 1938
abgebrochen.
An die Synago-
ge in Hannover
(BIld ganz
rechts) erinnert
heute eine
Gedenktafel.

16 JUMA 2/2001
S 14-17 Synagogen.korr 1 19.02.2001 11:44 Uhr Seite 17

Die Kölner
Synagoge (links
der Blick in die
Kuppel) war im Die Münchener
neo-islami- Synagoge (Bild
schen Stil unten) war mit
errichtet wor- 1000 Männer-
den. Der Innen- und 800 Frau-
raum beein- ensitzen einer
druckte durch der bedeutend-
seine Farbig- sten jüdischen
keit. Sakralbauten in
Deutschland.

Computergenerierte Abbildungen: Technische Univer-


sität Darmstadt/Fachgebiet CAD in der Architektur
Innenansicht
der Synagoge in
Hannover
(links)

JUMA 2/2001 17
S 18-19 Literatur.korr 1 19.02.2001 11:49 Uhr Seite 18

Hallo Tina!

Danke, dass du so schnell geantwortet hast. Ich habe mich riesig gefreut! Hing
gerade ziemlich durch (1), wegen – naja Familie eben. Und dann dein Brief! Mir
wurde gleich leichter. Der Frust flog zum Fenster raus.

Was du aber auch für Einfälle hast! Ich musste so lachen über das Gewittertier-
chen namens Tante Kati. Ehe ich dich daran erinnere, nenn mich lieber Kai. Kati
wurde ich schon im Kindergarten genannt. Ich war immer die Jüngste in der
Familie. Das ändert sich natürlich nie, aber die kleine Kati bin ich länger nicht
mehr. Kai hat was, obwohl ich mich erst daran gewöhnen muss. Kai Runge aus
Leipzig, bin ich das?

In ein paar Tagen fängt bei uns das neue Schuljahr an. Auch daran muss ich mich
erst gewöhnen. Hoffentlich haben wir bis dahin neue Stühle und Tische in der
Klasse. Die alten quietschen, einige sind schief, sodass man immer auf eine Seite
rutscht, wenn man darauf sitzt. Bei den ganz alten muss man aufpassen, dass
man sich keinen Splitter reinzieht, weil sie so schartig (2) sind. Unsere Schule ist
ein Plattenbau (3). Sie wird nicht mehr renoviert, weil sie abgerissen werden soll.
Aber das ist noch gar nicht sicher. Es hat nämlich Proteste gegeben. Einige Eltern
und Lehrer wollen die Plattenbauten erhalten. Meine Mutter sagt, das ist unser
DDR-Erbe. Das muss nicht alles weg. Sie ist auch in so eine Schule gegangen und
dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Mir ist das egal. Ich will nur einen
ordentlichen Tisch und einen bequemen Stuhl haben, der nicht wackelt und nicht
Zehn Jahre sind seit der
knarrt.
deutschen Wiedervereinigung
An die DDR kann ich mich ohnehin nicht erinnern. Ich lag noch im Kinderwagen,
vergangen. Es ist das Jahr als die Wende kam. Aber meine Eltern reden dauernd über die Zeit davor und
danach. „Weeste (4) noch, damals ...“ Sie vergleichen immer.
2000. Kai aus Leipzig und
Alle, die noch in der DDR groß geworden sind, machen das, weil damals vieles
Tina aus Köln beginnen eine anders war als heute. Ich rede lieber mit dir über die Backstreet Boys und freue
mich, dass du Nick genauso süß findest wie ich. Sein kleiner Bruder Aaron singt
Brieffreundschaft. Gibt es auch schon. Bei denen Zuhause dreht sich alles um Musik. Ist das nicht irre? Und
wie die durch die Welt gondeln! Die Fans jubeln ihnen zu, sind süchtig nach ihren
noch Unterschiede zwischen
Auftritten! Ich auch. Für ein Live-Konzert hat mein Taschengeld noch nie gereicht,
dem Westen und dem Osten aber wenn Nick käme, würde ich eine Bank überfallen. Einmal in seiner Nähe sein!
Ich würde schreien, klatschen, tanzen, bis ich in Ohnmacht falle. Das wäre spitze!
Deutschlands? Darum, aber
Mein Herz rast, wenn ich nur daran denke. Aber ich muss mich losreißen, sonst
auch um die ganz alltäglichen überwältigt es mich. Meine Mutter hat schon zweimal gerufen. Sie drängelt. Wir
wollen zusammen zu meiner Oma fahren. Die wohnt in Gnandstein. Das ist ein
Probleme zweier junger Dorf, nicht weit von hier, ganz gemütlich. Ich bin total gern dort. Meine Oma hat
einen großen Garten und wir helfen ihnen beim Ernten und Einkochen. Allein
Mädchen geht es in Nina schafft sie das nicht mehr. Hast du auch eine Oma mit Garten? (Oma und Opa?)
Rauprichs Buch
Manchmal denke ich, in Westdeutschland ist alles anders, weil es da nie die DDR
„Köln – Leipzig und zurück“. gab und das, worüber hier die Leute reden. Aber dann sage ich mir, das ist doch
nur was für die Geschichtsbücher. Ich kenne Tina aus Köln. Die ist so wie ich. Was
Eine Leseprobe. soll denn bei ihr anders sein?

Ich werfe den Brief noch schnell in den Kasten. Dann hast du ihn vielleicht schon
morgen. Schreib mir bald wieder!

Herzlichst deine Katja

18 JUMA 2/2001
S 18-19 Literatur.korr 1 19.02.2001 11:49 Uhr Seite 19

Hey Kai,

jetzt bin ich aber froh, dass ich bei dir angerufen habe. Mulmig war mir schon,
weil ich nicht wusste, ob du mir ratz-fatz (5) was um die Ohren knallst (6) und dann
auflegst. Aber du hast nicht aufgelegt. So konnten wir die Missverständnisse
wegputzen (7). Langsam fange ich an zu begreifen, dass deine Familie und all die
anderen bei euch eine große Umstellung durchgemacht haben. Wenn man das
nicht selbst miterlebt hat, sollte man darüber besser nicht urteilen. Das sage ich
morgen auch der Walli. Darauf kannst du dich verlassen. Textauszüge und Illustration aus:
Nina Rauprich, Köln – Leipzig und
zurück, Verlag Heinrich Ellermann,
Die Sache mit Walli muss ich dir noch erklären. Das habe ich am Telefon verges- Hamburg 2000
sen. Weißt du, die hat sich richtig aufgedrängt. Sie will gern meine Freundin sein.
Meine Freundin ist aber die Sabine. Wir sind schon seit der Grundschule unzer-
trennlich. Sabine ist so was wie mein Zwilling von mir. Seit den großen Ferien geht 1 durchhängen – ugs. für: müde,
die Sabine nun mit einem vom Gymnasium. Der ist schon 16. Es ist die große abgespannt sein
2 schartig – schadhaft
Liebe bei beiden. Sie haben sich im Freibad kennen gelernt und es hat sofort
3 Plattenbau – Hochhaus aus
gefunkt (8). In der Klasse haben alle mitgekriegt, was los ist. Die Walli hat gleich Fertigteilen (Platten)
geschnallt (9), dass die Sabine nicht mehr soviel in der Freizeit mit mir unternimmt. 4 weeste – ugs. für: weißt du ...
Da fing sie gleich an: „Kommst du mit in die Disco? Ich gebe eine Cola aus. Willst 5 ratz-fatz – ugs. für: schnell
du mal meine CD-Sammlung sehen? Ich kann dir was auf Kassette überspielen. 6 jmdm. etwas um die Ohren
knallen – ugs. für: jmdm. die
Lass uns zusammen ins Kino gehen...“ Dauernd war sie hinter mir her. Als ich so
Meinung sagen
nebenbei erzählt habe, dass ich eine Brieffreundin in Leipzig habe, hat sie sich 7 Missverständnisse wegputzen -
gleich als Ossi-Expertin aufgespielt. Sie wollte mir einreden, dass in Leipzig die ugs. für: Missv. beseitigen
Menschen anders sind als in Köln. Sie hat gesagt, im Osten gibt es jede Menge 8 es hat gefunkt – ugs. für: man
Nazigruppen und Radikale. Sie weiß das aus dem Fernsehen und von ihren Ver- hat sich verliebt
9 etwas schnallen – ugs. für:
wandten.
etwas verstehen
10 ein Thema aufwärmen – ein
Aber solche Gruppen gibt es genauso in Westdeutschland und in vielen anderen altes Thema neu ansprechen
Ländern. Wir haben erst vor ein paar Tagen in der Schule darüber geredet. Ich will
das Thema jetzt nicht noch mal aufwärmen (10). Es hat nichts mit unserer Freund-
schaft zu tun. Die Walli soll gefälligst ihre Meinung für sich behalten. Das sage ich
ihr auch.

Gestern war Sabine seit längerem wieder einen Abend bei mir. Sie hat von sich
und Holger erzählt. In der Schule, wenn alle mithören, sagt sie nicht viel. Aber wir
zwei haben noch nie Geheimnisse voreinander gehabt. Mir ist beim Zuhören
ganz heiß und kalt geworden. Sabine sagte, was Liebe ist, kann man nicht er-
klären, das packt dich wie ein Hurrikan. Du kannst nichts dagegen tun. Sie meinte,
das Knutschen auf den Partys könnte man überhaupt nicht mit echten Gefühlen
vergleichen.

Ich denke gerade darüber nach, dass du es vielleicht doof findest, was ich dir über
Sabine schreibe, über Walli, meinen Bruder und die anderen hier. Du kennst die
Leute nicht. Aber mir spukt da was im Kopf herum. Bald ist Weihnachten. Be-
kanntlich gibt’s dann auch Weihnachtsferien. Besuch mich doch. Ich frage meine
Mutter, ob sie erlaubt, dass du kommst. Platz zum Schlafen ist genug in meinem
Zimmer. Du, Kai, das wäre super! Mir fällt schon jetzt ganz viel ein, was wir zusam-
men unternehmen könnten! Dann lernst du auch die blöde Walli kennen, Sabine
und ihren Freund... Du siehst wie die Leute im Westen leben, hörst wie sie reden
und denken. Doofe gibt’s überall, aber nette auch. Das ganze Ossi-Wessi-Ge-
quatsche ödet mich an.

Bitte, sei mir nicht böse und schreib bald wieder.

Deine Tina

JUMA 2/2001 19
S 20-22 Japaner.korr 1 19.02.2001 11:53 Uhr Seite 20

NIPPON am Rhein
Über 5 500 Japaner und 420 japanische Firmen sind in Düsseldorf zu Hause. Mai und
Yuuki, zwei japanische Jugendliche, leben mit ihren Eltern hier. JUMA stellt sie vor.

ai, 17, und Yuuki, 18, sind in Ja- Schule. Der Wechsel kam ihm sehr ge-
M pan geboren und aufgewach-
sen. Ihre Väter kamen vor einigen Jah-
legen. „Der Leistungsdruck an einer
japanischen Schule ist viel größer als
ren nach Deutschland. Sie arbeiten in hier“, berichtet er. Mai bestätigt das.
der Niederlassung ihrer japanischen Heute besuchen beide die „Internatio-
Firma in Düsseldorf. Die Familien folg- nal School of Düsseldorf“. Die Unter-
ten. „Nippons Hauptstadt am Rhein“ – richtssprache ist Englisch. Außerdem
so nennt man die nordrhein-westfäli- lernt man Deutsch und Japanisch in
sche Landeshauptstadt auch. Japani- einer rein japanischen Klasse.
sche Geschäfte und Restaurants, aber In der Kantine der Schule gibt es deut-
auch einen Tempel und einen japani- sches Essen. Daran haben sich beide
schen Garten kann man hier finden. erst einmal gewöhnen müssen. Zu
Ein Hauch von Fernost, und das mitten Hause kommen japanische Gerichte,
in Deutschland! viel Reis, Gemüse und Fisch auf den
Wie erlebten Yuuki und Tisch; traditionell essen beide Famili-
Mai ihren Umzug nach Eu- en mit Stäbchen. Ansonsten ist ihr Le-
ropa? Yuuki zögert nicht bensstil aber sehr westlich orientiert,
lange mit seiner Antwort. sagt Mais Vater in fließendem
Mai liebt
Spaziergänge Er hat sich sehr darüber Deutsch. Von ihm hat Mai sehr viel
im Grünen. gefreut, erklärt er. In Ja- über Deutschland erfahren – er hat das
Ein weiteres pan stand er kurz vor einer Land schon als Student bereist und
Hobby der
jungen Japa- wichtigen und schwieri- kennen gelernt. Mai schätzt vor allem
nerin ist das gen Prüfung an seiner die Natur an Deutschland. „Hier kann
Klarinetten-
spiel.

20 JUMA 2/2001
S 20-22 Japaner.korr 1 19.02.2001 11:53 Uhr Seite 21

Yuuki mit
seinen Eltern in
ihrer Düsseldor- man sehr gut spazieren gehen. In der
fer Wohnung.
Der japanische
Nähe unseres Wohnhauses gibt es ei-
Schüler be- nen Wald“, erzählt sie. Ganz anders
schäftigt sich in dagegen sei es in Japan! „Die Famili-
seiner Freizeit
mit dem Kampf-
en machen dort selten Spaziergänge
sport Kendo. in der Natur“, meint sie. Anders als in
Deutschland sind die Geschäfte in Ja-
pan rund um die Uhr geöffnet. Viele
nutzen das Wochenende, um einkau-
fen zu gehen.
Yuuki hat ein neues Hobby in Deutsch-
land gefunden. Er spielt in seiner Frei-
zeit besonders gern Billard. „In Japan
ist das Spiel nicht so stark verbreitet“,
erklärt er. Die meisten Jugendlichen
finden dort Computerspiele viel span-
nender. Ob er Karate kann? Yuuki rea-
giert höflich auf die stereotype Frage
und antwortet mit einem klaren „Nein“.
Dann fügt er lächelnd hinzu: „Aber ich
mache Kendo – zusammen mit deut-
schen Jugendlichen in einem Sport-
club.“
Wer ihn zu Hause besucht, lernt vor
dem Betreten der Wohnung eine japa-
nische Sitte kennen: An der Woh-
nungstür bittet der Gastgeber, dass
man die Straßenschuhe auszieht. In
seinem Zimmer sitzt Yuuki oft an sei-
nem Computer. Über das Internet hält
E
JUMA 2/2001 21
S 20-22 Japaner.korr 1 19.02.2001 11:53 Uhr Seite 22

er Kontakt mit seinen japanischen


Freunden in der Heimat. Im Internet
hat er auch eine eigene Homepage
eingerichtet. Auf diesen Seiten kann
man sich auf Japanisch oder Englisch
über Deutschland informieren. Bei-
spielsweise über die unübersichtli-
chen Tarife in den Düsseldorfer
Straßen- und U-Bahnen, wie es sie in
Japan nicht gibt. Dagegen ist das Rei-
sen in den Düsseldorfer Bahnen viel
bequemer als in den überfüllten japa-
nischen Zügen, meint Yuuki. Rund
16 000-mal wurden seine Seiten bis-
lang aufgerufen. Yuuki ist erstaunt
über diesen Erfolg.
In zwei Jahren endet der Deutschland-
aufenthalt der Väter. Die beiden jun-
gen Japaner haben dann ihren Schul-
Spuren asiati-
scher Kultur abschluss in der Tasche. Es ist also
kann man in möglich, dass sie andere Wege gehen
Düsseldorf an als ihre Eltern. Was sie heute dazu
vielen Stellen
entdecken, meinen? Mai freut sich schon darauf
zum Beispiel wieder nach Japan zu kommen. Yuuki
im Japani- dagegen kann sich sehr gut vorstellen,
schen Garten.
Hier steht ein irgendwo anders zu studieren und zu
buddhistischer leben.
Tempel.

Text: Petra Kroll; Fotos: Hacky Hagemeyer

In japanischen Zeitungen informiert sich


Mai über das Leben in ihrer alten Heimat.
Sie freut sich schon auf die Rückkehr.

22 JUMA 2/2001
S 23 Mick 19.02.2001 11:56 Uhr Seite 23

„Abgetaucht“ Von Bernhard Ofczarek

Also abgemacht:
Wer am längsten
unter Wasser bleibt,
gewinnt!

Aber ohne
Schummeln!

Na klar!
Auf die Plätze ...
fertig ...

... los!
Hihi, taucht nur!
Gegen Mick mit
seinem Strohhalm-
Trick habt ihr
sowieso keine Chance!
Ist zwar nicht
ganz fair,
aber clever!

64, 65, 66!


Das dürfte reichen.
Ich bin eben
unschlagbar!

® Ofczarek! D-Köln

JUMA 2/2001 23
S 24-27 Festivals.korr 1 19.02.2001 12:03 Uhr Seite 24

Festival-
Winter dauern in Deutschland
viel zu lange. Sobald die
Sonnenstrahlen wieder wär-
S ommer

DIE GROSSEN BIZARRE

men, treibt es Jung und Alt Eine der traditionsreichsten Veran-


aus den Wohnungen. Es LOVEPARADE BERLIN staltungen ist das Bizarre. In seinen
Anfängen an New Wave und Gothic
könnte einem ja die Decke Ein Ereignis, das weltweite Aufmerk- orientiert, präsentierte man düstere
auf den Kopf fallen! Die Zeit samkeit erregt. Wenn hunderttausen- Musik, die als alternativ galt – ein
de junger Menschen durch die gewagtes Unternehmen, damals im
ist reif für Festivals: Musik Straßen im Herzen Berlins tanzen, Jahre 1987. Doch schnell hat sich
und Tanz,wummernde Laut- bekommt Veranstalter Dr. Motte Bizarre zu einem der bestbesuchten
leuchtende Augen und erzählt seinen Festivals – wenn auch anfangs nur für
sprechertürme und Picknick Traum vom Weltfrieden. Es ist das einen Tag – gemausert3. Mit der
mit Freunden. Oder gigantischste Spektakel, das unter Größe kam auch die musikalische
freiem Himmel stattfindet. Die Tech- Öffnung. Noch dominieren die rocki-
Schlammschlacht und durch- no-Klänge kommen von Lkws, die gen Bands, die jung und erfolgreich
nässte Zelte. Denn einige zwischen der tanzenden Menge sind. Aber schon tönen auch Hip-
fahren. Aber die Loveparade hat nicht Hop-Klänge aus den Lautsprechern.
Festivals erwischt der Regen- nur Freunde: House- und Drum’n Das Bizarre ist mehrmals umgezogen.
guss wirklich heftig. Harald Bass-Fans veranstalten zur gleichen Von der Loreley nach Köln beispiels-
Zeit eine Alternativ-Veranstaltung weise, wo es während der Musikmes-
Fette hat sich für JUMA in der meist in den Vierteln des Berliner se Popkomm der wichtigsten Kon-
Republik umgeschaut und die Stadtteils Kreuzberg. zerttag für weite Teile des Landes.
Das Fernsehen zeigte in seiner legen-
wichtigsten und traditions- HURRICANE/SOUTHSIDE dären Sendung „Rockpalast“ Konzer-
reichsten Musikfeste ausfin- tausschnitte. Im Jahre 2000 ist das
In Scheeßel, einem kleinen Örtchen Bizarre, das um die 40 000 Besucher
dig gemacht. zwischen Hamburg und Bremen, zählt, nach Weeze an der holländi-
steigt1 seit einigen Jahren das zwei- schen Grenze – in der Nähe des Ruhr-
tägige Hurricane-Festival. Rund gebiets – ausgewichen und dauert
45 000 Fans treffen sich, um die inzwischen 3 Tage. Das Gelände in
aktuellen Top-Acts zu hören. Blur und Köln wurde einfach zu klein.
Massive Attack, HIM und Moby oder
Chumbawamba sind zu ihrer besten ROCK AM RING
Zeit dort aufgetreten. Das musikali-
sche Spektrum ist breit gefächert2. Nicht nur für Autorennen der Formel 1
Auf einer kleineren Bühne im Zirkus- sind die riesigen Tribünen und stabi-
zelt finden zusätzlich Konzerte mit len Fahrbahnen gebaut. Auch Rock-
Newcomern und Independent-Bands festivals kann man am Nürburgring in
statt. der Eifel vorzüglich auf die Beine
Am gleichen Wochenende wie in stellen4. Rock am Ring ist ein Festival
Scheeßel ist dieselbe Besetzung auch der Superlative. Um die 70 000 Besu-
bei einem Festival im Süden zu sehen: cher bevölkern das Gelände. Auf der
dem Southside-Festival. Zuerst in Bühne stehen die Künstler des Rock
Foto: dpa

München, dann im Südwesten des und Pop, manchmal auch des Hip-
Landes bei Tuttlingen, sucht South- hop, die in den internationalen Hitpa-
side noch seinen Platz im süddeut- raden ganz oben stehen. Pearl Jam,
In Würzburg gibt es viel Musik, aber schen Raum. Santana, Sting, Eurythmics, Bush,
auch artistische Darbietungen
afrikanischer Künstler. Jungle Brothers, die Toten Hosen,
Reamonn, Rage against the Machine,

24 JUMA 2/2001
S 24-27 Festivals.korr 1 19.02.2001 12:03 Uhr Seite 25

Auf den Festi-


vals kann man
jede Menge
Stars sehen –
wie hier
während der
Musikmesse
Popkomm in
Köln.

Foto: dpa
um nur eine kleine Auswahl des RHEINKULTUR – Jugendliche mit XXL-T-Shirts,
dreitägigen Programms zu nennen. schlabbrigen Hosen und viel guter
Newcomer finden in der Mittagszeit Es ist der Initiative Bonner Musiker Laune. Den Anwohnern ist das
die Möglichkeiten eines Auftritts. Der und Musikenthusiasten zu verdanken, Festival recht, sie sind aus früheren
Nürburgring, zwischen Köln und Trier dass alljährlich am Ufer des Rheins Zeiten ganz andere Dinge gewohnt:
gelegen, bekommt also auch noch ein beispielloses Musikfest stattfin- Einst war hier die Raketenbasis der
etwas anderes zu sehen als Michael det. Auf mehreren Bühnen sind es vor US-amerikanischen Armee mit
Schumacher und Mika Häkkinen. allem lokale und unbekannte Bands, Cruise Missiles, atomaren Raketen,
die der Verein Bonner Rockmusiker angesiedelt. Im Frühjahr 1990 wurde
SPLASH! für einen Tag in die ehemalige deut- das Gelände frei, und seit acht
sche Hauptstadt holt. Das Großartige Jahren kommen auf dem Gelände
In nur kurzer Zeit hat sich Splash!, das an dieser Veranstaltung: der Eintritt ist an einem Wochenende im Jahr um
Festival mit dem Ausrufezeichen, zu kostenlos. Kein Wunder, dass sich die 50 000 Raver.
Europas wichtigstem Hiphop-Event 150 000 bis 200 000 Besucher in den
entwickelt. Am Stausee in der Nähe Rheinauen drängen. Selbst bei Ge-
von Chemnitz gehört jedes Jahr ein witter und strömendem Regen waren DIE ETABLIERTEN
Wochenende der Musik von Bands 1999 immerhin 120 000 Besucher
wie Freundeskreis, Dynamite Deluxe, dabei. Neben den Newcomern sind
Die Firma und einer beträchtlichen immer auch Auftritte absoluter Top MTV HARD POP DAYS
Anzahl an DJs. Das Chemnitzer Label Acts dabei, etwa von Therapy. Zu-
Phlatine ist Veranstalter und hat die sätzlich sieht und hört man Drum’n Es begann in Bremen, das Festival
Besucherzahl auf über 20 000 Köpfe Bass oder Techno-DJ-s. mit aktueller Hiphop- und Rock-
gesteigert. Schon Monate vor der Musik. Dank der Unterstützung des
Veranstaltung nehmen die Fans im NATURE ONE Musiksenders kam es in kürzester
Internet Kontakt zueinander auf und Zeit unter die Spitzenreiter (5). Dabei
organisieren Mitfahrbörsen und Kastellaun und Hasselbach sind zwei ist die musikalische Mischung des
Shuttlebusse. kleine Dörfer auf dem Hunsrück in der
Nähe von Koblenz. Seit acht Jahren
treffen sich dort jedes Jahr die Raver

JUMA 2/2001 25
S 24-27 Festivals.korr 1 19.02.2001 12:03 Uhr Seite 26

Manchmal
dauern die
Festivals
mehrere Tage.
Da braucht man
auch mal die
Zeit, um sich
auszuruhen.

Foto: dpa
Programms immer kontrastreich: RINGFEST/POPKOMM, KÖLN berühmt. Was in Zukunft dort passie-
Grunge-Rocker stehen hier neben ren wird, ist ungewiss. Fest steht,
Hiphop-Fans. Im Jahre 2000 entstand Die Popkomm ist die größte Musik- dass die Loreley eines der schönsten
aus dem Bremer Festival eine Tour messe der Welt. Hier trifft sich, was in Festivalgelände überhaupt ist.
durch sechs Städte: Hannover, Halle, der Musikbranche Rang und Namen
Mannheim, Koblenz, Landsberg und hat. Abends sind in den Clubs und ROCK AM SEE
Lichtenfels waren Stationen für die Veranstaltungssälen Kölns zahllose
tägliche Show mit acht Musikgrup- Bands zu hören. Da muss sich der Um die 25 000 Besucher kommen
pen. Mal sehen, was den Veranstal- Musikfan schon entscheiden, wo er jährlich im Spätsommer an den Bo-
tern der MTV Hard Pop Days in Zu- am liebsten hin möchte. Am Samstag densee. Ob sie wegen des schönen
kunft einfällt. des Messewochenendes ist aber Wetters zum Baden kommen und das
auch in der Kölner Innenstadt mächtig Festival da nur nettes Beiwerk ist?
SUMMER JAM was los. Wo sonst Autos und Busse Das bleibt die Frage. Musikalisch
fahren, stehen große Bühnen, auf der spannt Rock am See im Stadion des
Im Norden Kölns, am Fühlinger See, jede Menge Bands auftreten - der örtlichen Fußballvereins den Bogen
zelten jeden Sommer zehntausende Eintritt ist frei. Ein Straßenfest mit weit6. Mal waren Marius Müller We-
junger Menschen, die in ihrer Klei- bester Musik aller Stilrichtungen. sternhagen oder Bap die Zugpferde,
dung auffallend oft die Farben Rot, mal der Barde Leonard Cohen, mal
Gelb und Grün tragen. Reggae und LORELEY Cure oder Neill Young. Rockmusik
Dub dominieren den Klang von der jedenfalls, gelegentlich auch der
Bühne, aber auch Musik aus Afrika Warum ist es am Rhein so schön? Auf härteren Gangart.
und Ska gehören mit ins Programm – einer Anhöhe hinter dem berühmten
Thomas Mapfumo, Femi Kuti oder Loreley-Felsen befindet sich eine MOERS JAZZ FESTIVAL
Afrika Bambaataa beispielsweise. Natur-Arena, die wegen ihrer wunder-
Alle Größen des Reggae oder Ska schönen Lage seit Jahrzehnten Mu- Jazz ist eine Minderheitenmusik? Im
sind hier in den letzten fünf Jahren sikfestivals anlockt. Die Bizarre- Prinzip ja. Doch 50 000 Fans, die ein
aufgetreten. Festivals haben hier statt gefunden, Wochenende lang die Stadt im Ruhr-
bevor das Areal wegen steigender gebiet belagern, sind keine Minder-
Besucherzahlen zu klein wurde. Die
Loreley ist auch für Reggae-Festivals

26 JUMA 2/2001
S 24-27 Festivals.korr 1 19.02.2001 12:03 Uhr Seite 27

heit mehr. Es gibt keinen zeitgenössi- FLASH stäbchen und Modeschmuck die
schen Jazzmusiker, der nicht schon ursprüngliche Atmosphäre. Doch der
mal in Moers aufgetreten wäre. Hier Eines der jüngsten Festivals findet im Trubel und die Menschenmassen in
sind an vier Abenden um die 500 Fußballstadion des Hamburger Klubs den engen Gängen zwischen Zelten
Musiker zu sehen und zu hören. St. Pauli statt. Flash gehört den Fans und Verkaufsständen erinnern an U-
Moers hat sich immer als Festival des von Hiphop und Rap. Hier gibt sich Bahnen zur Rush-Hour. Der Musikstil:
neuen Jazz verstanden. Man setzt die deutsche Szene ein Stelldichein7. die Mischung ist noch immer bunt,
also weniger auf die Altgrößen des Fettes Brot, Fünf Sterne Deluxe, aber aufregend Neues gibt es kaum
Musikstils und kümmert sich nicht so Absolute Beginner und Ferris MC mehr zu entdecken.
sehr um volle Kassen. Ein interessan- haben in St. Pauli ein Heimspiel8.
tes, avantgardistisches Programm ist Welcher Standort sich für die Hiphop- UMSONST & DRAUßEN VLOTHO
das Ziel. Im Jahre 2001 feiert das per langfristig durchsetzen wird, steht
Festival 30-jähriges Jubiläum. noch in den Sternen9. In Stuttgart Hier stehen keine Security-Kräfte mit
beispielsweise hat mit dem „Hip Hop Schäferhunden ums Gelände und
AFRICA FESTIVAL Open“ ein ebenso renommiertes passen auf, dass sich niemand ein-
Festival im Süden des Landes begon- schleicht. Denn in Vlotho spielen seit
Das Festival im fränkischen Würzburg nen. Hier treten dieselben Bands wie über 25 Jahren nicht die Stars, son-
hat es zu erstaunlichem Erfolg ge- in Hamburg auf. Vielleicht ist ja auch dern Newcomer und regionale Bands.
bracht. Das Kulturprogramm mit für beide Festivals Platz. Spaß und gute Laune stehen über
ausschließlich afrikanischer Musik dem Kommerz: Der Eintritt ist frei.
kann nicht ohne Sponsoren auskom-
men. Unterstützung erhält die Veran- DIE AUSSENSEITER INTERNATIONALES ZELT-
staltung durch die Europäische Uni- UND MUSIKFESTIVAL FREIBURG
on, das Auswärtige Amt, das
Bayerische Kultusministerium, die TOLLWOOD MÜNCHEN Um die 150 000 Menschen besuchen
Botschaft Südafrikas und Sponsoren jährlich das Festival im äußersten
aus der Wirtschaft. Immerhin lockt Die Veranstaltung zeichnet sich Südwesten der Republik. Seit vielen
das Festival um die 120 000 Besucher dadurch aus, dass einem andere Jahren steht das Zirkuszelt immer im
in die Stadt. Es beginnt jedes Jahr mit Festivalteilnehmer auf den Füßen Sommer an seinem Platz. Das Frei-
einem sogenannten Street Day, herumtrampeln. Ehemals als Forum burger Zeltfest bietet nahezu drei
einem Umzug durch die Stadt, der an für Kleinkunst, Kabarett, junge Musik- Wochen lang Musik und Kabarett. Die
Karneval erinnert. Danach findet man gruppen und Klängen aus aller Welt Musikauswahl ist breit gefächert.
auf der Mainwiese neben Konzerten gedacht, ist Tollwood enorm gewach- Neben Größen und Newcomern des
auch Filmvorführungen, Handwerker- sen. In der Nähe des Münchener Rock treten auch frische Hiphop-
und Kunstbasar, Workshops und Olympia-Geländes angesiedelt, Bands auf. Das Profil des Zeltfests
Kinderprogramm. verbreiten zwar immer noch Räucher- wird aber auch von ethnischen Klän-
gen aus aller Welt geprägt. Ob Afrika
oder Asien, Arabien oder Ozeanien -
die Folklore der Welt ist aus Freiburg
Partystimmung nicht wegzudenken.
gehört dazu:
Szene während
eines Festivals 1 Ein Festival steigt – es findet statt
2 Das Spektrum ist breit gefächert – das
Angebot ist vielseitig
3 Es hat sich gemausert – es hat sich positiv
entwickelt
4 Ein Festival auf die Beine stellen –
es veranstalten
5 Spitzenreiter – jemand/etwas in einer
Führungsposition
6 Den Bogen weit spannen – ein breites
Angebot bieten
7 Man gibt sich ein Stelldichein –
man trifft sich
8 Sie haben ein Heimspiel – sie (eigentlich die
Foto: dpa

Fußballer) sind willkommen, weil sie hier zu


Hause sind
9 Es steht in den Sternen – es ist ungewiss

JUMA 2/2001 27
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 28

Zeige mir deine S


Katrin, Marco und Svenja haben uns in die

K atrin, 18 Jahre, macht


eine Ausbildung zur gestaltungs-
technischen Assistentin. Die
Katrins Schlüssel-Erlebnis

Markus, ein Junge aus der Nach-


Düsseldorferin geht drei Jahre zu barschaft, hat öfter seinen Schlüs-
einer Berufsfachschule und sel verloren. Er wohnte bei uns
macht zwischendurch sechs
Wochen Praktika. Später möchte gegenüber. Seine Eltern gingen
sie einmal Grafikdesign studie- damals beide arbeiten. Darum
ren. Katrin wohnt bei ihren Eltern haben wir oft zusammen bei uns
und jobbt manchmal in einer
Werbeagentur. gespielt. Manchmal hat er den Schlüssel
vergessen. Mein Bruder und ich fanden
das immer witzig. Markus konnte auch
darüber lachen. Wir waren ja noch klein.
Ich selbst habe noch nie meine Schlüs-
sel vergessen oder verloren. Ich habe
meinen Schlüsselbund immer in der
Hose oder der Jacke. Zuhause
kommen die Schlüssel auf die
Kommode im Flur neben das
Telefon.
Die Glocke. Ich
habe sie in einem
Spielzeugladen
entdeckt. Das
Geräusch der
Glocke gefällt mir.
Ich finde die
Glocke süß. Und
erst die Farbe!

Der Schlüssel vom Auto


meines Vaters. Tagsüber
braucht mein Vater das Auto.
Abends und am Wochenen-
de darf ich damit fahren.

28 JUMA 2/2001
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 29

e Schlüssel...
n die Geheimnisse ihrer Schlüsselbunde eingeweiht und einige besondere Schlüssel vorgestellt.

Der Kofferschlüssel Der Kassettenschlüssel

Ich habe vor drei Jah- Meine Geldkassette steht in meinem


ren einen alten Koffer Fenster auf der Fensterbank. Ich habe
Der alte Autoschlüssel von der Tante meines sie mir mit 12 Jahren vom Geburts-
Vaters geerbt. Sie hatte ihn zu Hause tagsgeld gekauft. Die Farbe Rot finde
Der Schlüssel gehört zu einem VW- auf dem Schrank. Ich wollte den ich toll. Im Moment ist nicht sehr viel
Käfer. Den haben meine Eltern früher Koffer unbedingt haben. Er gefiel mir, Geld in der Kassette. Andere Spar-
gefahren. Das Auto gibt es schon weil er so schön alt ist. Jetzt steht der dosen wie Sparschweine finde ich
lange nicht mehr. Den Schlüssel fand Koffer in meinem Zimmer. Ich lege kitschig. Ich schließe die Kassette
ich immer schon ganz toll. Früher Krimskrams hinein, zum Beispiel alte immer ab. Eigentlich ist
habe ich damit gespielt. Ich wollte Fotos. Auf Reisen nehme ich den das gar nicht nötig. Aber
auch immer einen Käfer haben, aber Koffer nicht mit. Dazu ist er viel zu man macht es halt aus
daraus ist nichts geworden. schade. Ich möchte nicht, dass er Gewohnheit.
kaputt geht.

Der Koffer-
schlüssel. Ich
finde die Form
lustig.
Der Schlüssel
zur Geldkassette.

Der Haustürschlüs-
sel. Den habe ich seit
ungefähr 3 Jahren.
Wenn ich abends
später nach Hause
komme, brauche ich
nicht zu klingeln.

Der Schlüssel vom


Auto meines
Der Büroschlüssel.
Bruders. Von dem
Ich arbeite nebenbei
leihe ich mir das
in einem Büro für
Auto auch manch-
Gestaltung.
mal.

Der Schlüssel zum Hoftor.


Mein Büro liegt in einem
Der alte Autoschüssel. Ich mag ihn Hinterhof. Morgens und
wegen seiner Form. abends wird vorne abge-
schlossen.

JUMA 2/2001 29
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 30

... und ich sage d


Marcos Schlüssel-Erlebnis Der Fahrradschlüssel Der Zimmerschlüssel

Ich habe schon öfter meinen Früher hatte ich ein schönes Fahrrad. In meinem Zimmer habe
Schlüsselbund verlegt. Ein- Das wurde mir geklaut. Darum habe ich meine Schlafklamotten
mal habe ich ihn stundenlang ich mir jetzt ein gebrauchtes Fahrrad und meine Sachen für die
gesucht. Ich dachte, er ist mit Schloss gekauft – ein älteres Schule. Ich mache den
irgendwo in der Wohnung. Damenrad. Das Fahrrad ist wichtig für Raum selbst sauber. Meis-
Freunde haben mir beim mich. Ich fahre jeden Morgen einen tens schließe ich mein
Suchen geholfen. Wir haben das Kilometer zur Bushaltestelle. Von dort Zimmer ab, wenn ich keine Zeit habe
ganze Zimmer auf den Kopf gestellt geht es mit dem Bus zur Schule. aufzuräumen. Da liegen vielleicht
(1). Ich wurde nervös, denn bei mir Abends geht es auf Sachen von mir und meiner Freundin
muss immer alles perfekt sein. Die die gleiche Weise rum, die keinen was angehen.
Suche hat zwei Stunden gedauert. wieder zurück. Zu Manchmal zeigt meine Mutter ihren
Schließlich kam ich auf die Idee in die meiner Freundin fahre Bekannten die Wohnung. Die brau-
Hosentasche zu gucken. Da war er! ich sechs Kilometer. chen mein Zimmer nicht zu sehen.
Meine Freunde waren stinkig ( 2), weil Auch meine Freunde Wenn ich Besuch von Freunden habe,
sie geholfen hatten zu suchen. wohnen weiter weg. gehen wir in den Gemeinschaftsraum.

1 das Zimmer auf den Kopf stellen – bei der


Der Hausschlüssel. Suche nach etwas alle Dinge im Zimmer
Wir wohnen in umdrehen, bewegen, verstellen
einem Drei- 2 stinkig sein – verärgert sein
Familien-Haus.

Der Kellerschlüssel. In
unserem Keller stehen
der Wäschetrockner,
eingemachtes Gemüse,
Obst und alte Sachen.

Der Wohnungsschlüssel meines Bru-


ders. Ich habe ihn an einer anderen
Stelle am Schlüsselbund, damit ich ihn
nicht mit dem Wohnungsschlüssel
verwechsle.

Der Fahrradschlüssel. Ich


muss das Fahrrad ziemlich
oft abschließen.

Der Haustürschlüssel
meines Bruders. Er
hat seit 1,5 Jahren
eine eigene Wohnung.
Den Schlüssel habe
Der Schlüssel zu ich zur Sicherheit –
meinem Zimmer. falls er mal seinen
verliert.

Der Auto-Anhänger. Den habe ich von meiner Freundin Christiane


geschenkt gekriegt. Er passt ganz gut zu mir, weil ich Autofan bin.

30 JUMA 2/2001
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 31

e dir, ...
M arco, 17 Jahre, ist
Schüler. Er besucht ein Gymna-
sium in Emmerich. In zwei
Jahren will Marco Abitur ma-
chen. Die Wohnung, in der er
lebt, liegt in einem Vorort. Sein
älterer Bruder wohnt in der
Stadt. Marco besucht ihn
manchmal. Er darf dort auch
schlafen.

Der Wohnungs-
schlüssel.
Ich lebe mit
meiner Mutter
und ihrem
Freund zusam-
men.

Der Schlüssel
zum Gemein-
schaftsraum.
Den Raum
benutze ich als
Wohnzimmer.

JUMA 2/2001 31
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 32

...wer du bist!
Svenjas Schlüssel-Erlebnis Der Tagebuchschlüssel Der Garagenschlüssel

Wir sind aus der Diskothek Seit ich 12 bin, schreibe ich regel- Ich bin die Erste, die mor-
gekommen. Weil es noch früh mäßig Tagebuch, jeden zweiten Tag gens aufsteht. Zuerst hole
war, sind wir zu meiner auf jeden Fall. Die alten Tagebücher ich mein Fahrrad aus der
Freundin Steffi gegangen. Ich liegen in einer großen Kiste auf dem Garage. Ich fahre jeden
habe meine Schlüssel auf Dachboden. Zehn, elf liegen dort Morgen um halb sechs zur
den Tisch gelegt und sie ihre auch. bestimmt schon. Ich schreibe alles Arbeit. In ein paar Minuten
Als ich nach Hause gegangen bin, auf, was ich am Tag gemacht habe. bin ich da. In der Garage
habe ich mir einen Schlüsselbund Das ist eine ganze Menge. Mein Tag steht unheimlich viel Zeug: Sommer-
gegriffen. Zu Hause merkte ich, dass könnte 24 Stunden stühle, Waschmaschine, Kühltruhe,
es der falsche war. Ich habe ihr eine haben, nonstop. Ich ein alter Kaninchenstall und die
Nachricht mit dem Handy geschickt: bin immer unterwegs Fahrräder. Für das Auto ist kein Platz
Bist du noch wach? Ich hatte Glück. und komme nur zum mehr da.
Sie meldete sich direkt. Ich bin wieder Essen und zum
zu ihr gefahren und wir haben die Schlafen nach Hause. Der Haustürschlüssel
von meiner besten
Schlüsselbunde getauscht. Freundin. Steffi vergisst
ihren Schlüssel öfter.
Der Garagenschlüssel. Darum hat sie einen
In der Garage Ersatzschlüssel bei mir
steht mein deponiert.
Der Zimmerschlüssel. Ich Fahrrad.
schließe wegen meiner
neugierigen Schwester ab.
Sie bedient sich gerne an
meinem Kleiderschrank.
Und wenn sie Besuch hat,
holen sich die Kiddies (2)
meine CDs.

Der Haustürschlüssel. Wir leben in einem Zwei-Familien-


Haus. Den Schlüssel habe ich, seitdem meine Mutter wieder
arbeitet. Ich war richtig stolz, als ich ihn bekam.

Der Spindschlüssel. Im Spind


sind meine Krankenhaussa-
chen: weiße Hosen, Oberteile
und Kleider und blaue Schuhe.
Stethoskop (1), Butterbrotdose Die kleine Diddlmaus.
und Dienstplan. Die hat mir meine
Schwester geschenkt,
als ich die Ausbildungs-
Der Schlüssel
stelle gekriegt habe.
zum Fahrradkel-
ler des Kranken-
hauses.
Die Stoffente. Die war
Der Schlüssel früher an einem extra
für den Umklei- Bund. Ich hatte die
deraum im Krankenhausschlüssel
Krankenhaus. extra. Doch das fand ich
Dort steht mein irgendwann doof. Ich
Spind. finde die Ente süß.

32 JUMA 2/2001
S 28-33 Schlüssel.korr 1 19.02.2001 12:06 Uhr Seite 33

1 das Stethoskop – ärztliches Instrument


zum Abhören
2 Kiddies – ugs. für: jüngere Kinder
3 Die Diddlmaus – bei Kindern
und Jugendlichen beliebte Figur eines
deutschen Zeichners

Interviews: Christian Vogeler; Fotos: Martin Egbert

S venja, 19, macht eine


Ausbildung zur Kranken-
schwester. Sie war als
Schülerin zwei Wochen
lang als Praktikantin in
einem Krankenhaus. Das
hat ihr gut gefallen. Darum
ging sie nach dem Schulab-
schluss dorthin zu einem 1-
Jahres-Praktikum. Seit ein
paar Wochen ist sie nun in
der Ausbildung. Svenja
wohnt in Emmerich bei
ihren Eltern. Ihre Schwe-
ster heißt Maike und ist 13
Jahre alt.

Die große Diddl-


maus (3). Die habe
ich, damit ich das
Schlüsselbund
schneller finde.

JUMA 2/2001 33
S 34-35 Sprachausstellung.kor 1 19.02.2001 12:15 Uhr Seite 34

In einer Ausstellung über die deutsche Sprache

Deutsch entdecken
falt Europas würdigen und das Erler- „Deutsch verstehen“ beschäftigt sich
nen von Fremdsprachen fördern. Im- mit dem 1x1 der Sprache, mit Stan-
merhin gibt es im Moment allein elf dardsprache, der Sprachgeschichte,
Amtssprachen in der Europäischen Sprachverwandtschaften und Sprach-
Union. Dazu kommen die Sprachen kultur. Im roten Haus „Deutsch fühlen“
weiterer Mitgliedsstaaten, Regional- geht es um die Schönheit der Sprache,
„Deutsch ist interessant!“ und Minderheitensprachen. um Gefühle, Humor und Sprache ohne
Worte. Das gelbe Haus „Deutsch be-
Wer sagt das? Die Ausstellung „Herz- Deutsch entdecken greifen“ zeigt, dass Deutsch verbindet
liche Grüße“ des Goethe-Institutes, und lebt. In weiteren Bereichen erfährt
die sich mit der deutschen Sprache Was will die Ausstellung? Informativ, man etwas über Land, Leute und Ge-
beschäftigt. Die Wanderausstellung spannend, unterhaltend, erlebnisreich schichte, kann hören, lesen und spielen.
reist im Moment um die Welt. Das Eu- und auch humorvoll will man für
ropäische Jahr der Sprachen 2001 Deutsch werben. Drei „Häuser“ in un- Deutsch für alle
war der Anlass für das Projekt. In die- terschiedlichen Farben laden zu einer
sem Jahr will man die sprachliche Viel- Entdeckungsreise ein. Das blaue Haus Wer wird angesprochen? Neugierige,
Sprachinteressierte, Sprachspieler,
Deutschland-
Sprachexperten: Sie alle kommen in
bilder sind in dieser Ausstellung auf ihre Kosten. Al-
der Ausstel- le sind eingeladen, sich aktiv mit der
lung Bilder von
Land und
deutschen Sprache zu beschäftigen.
Leuten. Viele Besucher sind sicher schon ein-
mal mit der deutschen Sprache in
Berührung gekommen. Aber auch für
die Neulinge gibt es viel zu entdecken.

Kostproben

Wie wird die deutsche Sprache prä-


sentiert? Der Ausstellungsprospekt
Wortbilder und verrät einige Inhalte: „Gedichte, Sze-
Spiele helfen im
Blauen Haus, nen aus Filmen und Theater, Karikatu-
die deutsche
Sprache zu
verstehen.

34 JUMA 2/2001
S 34-35 Sprachausstellung.kor 1 19.02.2001 12:15 Uhr Seite 35

Wie äußert
man Gefühle?
Im Roten Haus
kann man es
erfahren.

ren, Schimpfwörter und Kosenamen,


Konzertausschnitte, deutsche Maler
und ihre Bilder, schöne Wörter, böse
Wörter, Kunstwerke, Unworte des
Jahres, Prominentenfotos, Begrüßun-
gen und Verabschiedungen, Musikvi-
deos, Internationalismen, Faksimiles
von Briefen, Comics, Ausschnitte aus
deutschen Fernsehsendungen, Wör-
terbücher, Satzbildung, Verben in
Wort und Bild, Sprachspiele, Alpha-
bet, Alltagsgeräusche, Dialekte, Leb-
kuchenherzen, Deutschlandpuzzle,
Zahlen und Fakten, Glückskekse.“

Welches ist
ein deut-
sches Wort?
Die Touch-
screens
laden zum
Raten ein.

Vorbild Gehör-
schnecke: In
der Spirale
kann man
deutsche
Sprache hören.

Das Herz und das Schema mit den farbigen


Häusern werben für die Ausstellung des
Goethe-Institutes.

JUMA 2/2001 35
S 36-37 Szene 19.02.2001 12:19 Uhr Seite 36

szene
Alles und sofort
Mächtige Gitarrengewitter zerschneiden die Luft.
Das Berliner Trio „Surrogat“ spielt harten Rock
und Punk. Sie schreien ihre Texte heraus: „Haus
rocken, Wand durchbrechen, Leute gucken, Welt
verändern – wir haben viel vor.“ Sänger und Kom-
ponist Patrick Wagner will gehört werden – was
ihm gelingt. Die Musik von Surrogat wirkt wie ein

Foto: Magnus winter/MOTOR


viel zu lauter Wecker in den frühen Morgenstun-
den, und die Texte stehen für Kompromisslosig-
keit. Ihre Platte haben sie selber finanziert, Die ei-
gene Miete konnten sie darum nicht bezahlen.
„Ich war kurz vor der Kündigung, Mai-Linh ist
tatsächlich rausgeflogen“, erinnert sich Bassist
Tilo Schierz. Inzwischen sind sie erfolgreich, ha-
ben einen Plattenvertrag und die Schulden abbezahlt. Und doch – Patrick Wag-
ner stellt klar: „Wir wollen unsere Freiheiten bewahren. Nur wenn die Band so
bleibt wie sie ist und sich dann Erfolg einstellt, haben wir etwas erreicht.“

Gesetz der Elektrizität


„lotte ohm“ ist keine Dame mit Lockenwicklern, sondern ein
Mann, der 1997 seine erste Platte herausgebracht hat. Dar-
auf folgten weitere. Zuletzt hat sich der Musiker in seine Mu-
sikwerkstatt ins bay-
erische Regensburg
Krimi im Comic zurückgezogen und
mit Samples und Ins-
Schon in den zwanziger Jahren trieb Dr. Ma- trumenten eine vielbe-
buse sein Unwesen. In Romanen und Filmen achtete CD einge-
hat der skrupellose Verbrecher für Gänsehaut spielt. Musikalisch
gesorgt. Drei herausragende deutsche Co- vielseitig, immer auf
mic-Künstler – Isabel Kreitz, Eckart Breit- tanzbare Rhythmen
schuh und Stefan Donten – haben sich neue bedacht, ist die Musik
Foto: Sven _Schwalm/WEA

Geschichten für Dr. Mabuse ausgedacht, die von „lotte ohm“ ein
in der heutigen Zeit spielen. In sechs Bänden Produkt der Moderne,
erscheint neben den Comics um Atomkraft- das die letzten Jahr-
werks-GAU und Zugunglück auch eine Doku- zehnte zeitgenössi-
mentation der Romane und Filme über den scher Musik spüren
mysteriösen, gespenstischen Mabuse. lässt.

36 JUMA 2/2001
S 36-37 Szene 19.02.2001 12:19 Uhr Seite 37

Foto: Kerstin Anders


Nicht so aufgekratzt
„Contriva“ aus Berlin ist ein Quartett, das ruhige
und zumeist instrumentale Musik spielt. Die vier
Musikerinnen und Musiker kennen sich schon von
der Schule. Inzwischen studiert Max Chemie, Rike
ist an der Schauspielschule, Masha studiert Spra-
chen und Hannes überlegt noch, welchen Weg er
gehen soll. Die Band Contriva ist ihr gemeinsames
Projekt, das die ganze Freizeit in Anspruch nimmt.
Anarchistischer Mix JUMA: Eure Musik klingt melancholisch. Könnt ihr dem
Acht Musiker von „Kap Wlodek“ greifen zu ihren In- zustimmen?
strumenten und spielen drauflos: Polka, Ska, Pop, Contriva: Ja, wir sind ein bisschen melancholisch. Wir
Walzer, Easy Listening, Tango, Blasmusik, Folk, La- sind eher ruhigere Leute, in der Hinsicht verstehen wir
gerfeuerblues. Nicht alles auf einmal, aber alles ir- uns gut, machen auch deswegen gern Musik zusam-
men. Wir sind nicht ganz so aufgekratzt, keine Party-
gendwann einmal. Und noch mehr – die virtuosen Mu-
band.
siker singen zwar keine Lieder, die Musik bleibt
JUMA: Habt ihr eure Platte in der hektischen Haupt-
instrumental, aber mit irrsinnigem Witz und Spielfreu- stadt Berlin aufgenommen?
de schaffen sie anarchistischen Trash. Davon zeugen Contriva: Die haben wir in mehreren Etappen aufge-
auch die einfallsreichen Songtitel wie „Freiheit, Reich- nommen. Wir haben uns ein Ferienhaus in der Slowa-
tum, Schönheit, Glück“ oder „Warum sagt der Dicke: kei gemietet und unser Equipment mitgenommen. Wir
Das habe ich schon vorher gewusst?“ wollten irgendwie in den Osten, weil es da landschaft-
lich ganz schön ist. Außerdem wollten wir aus Berlin
raus, um ungestört zu sein. In Berlin haben wir die

R oey Marquis II. sorgt für den Hip-Hop der ande-


ren Art: Keine vorhersehbaren Sprechgesänge, sondern
„Musik aus dem Bauch“, wie er selbst den Sound be-
Musik später abgemischt.
JUMA: Begreift ihr euch als Teil der Berliner Musik-
Szene?
Contriva: Wir sehen uns nicht in irgendeiner Bewe-
gung. Wir sind von anglo-amerikanischer Gitarren-
schreibt. Zugrunde liegt ein Groove, der ins Rücken- musik beeinflusst, von Songwritern.
mark geht. Roey komponiert und mixt die Songs. Zahl-
reiche Freunde aus der deutschen Hip-Hop-Szene
(beispielsweise Creutzfeld + Jakob) kommen dann ins
Studio und singen, rap-
pen, oder reimen zu den
Songs von Roey. Die
Stücke werden nicht bis
ins Detail arrangiert. Der
Einfallsreichtum und das
aFoto: Thorsten Klapsch

Können der Musiker im


Studio sind wichtiger. Das
Ergebnis: Musik, deren
Spontaneität schnell auf
den Zuhörer überspringt.

JUMA 2/2001 37
S 38-39 Briefe.korr 1 19.02.2001 11:40 Uhr Seite 38

K l a s s e n - B r i e f f r e u n d s c h a f t e n
JUMA vermittelt Brief- Wir sind 16 Schüler im Alter
zwischen 16 und 17 Jahren. Wir
freundschaften zwischen lernen seit 4 Jahren Deutsch. Wir
ausländischen Klassen ab interessieren uns sehr für Ökolo-
gie. Wir möchten mit Schülern
dem 3. Lernjahr Deutsch. aus der ganzen Welt in Briefkon-
Ihr solltet 13–18 Jahre alt takt stehen.
Instituto Carlos Culmey
sein und euch auf Deutsch Helga Günter
schreiben wollen. Notiert Av. Libertador 3066
3384 Montecarlo - Misiones/
die Zahl der Schüler, das Argentinien
Alter, eure Deutschkennt- Wir sind 6 Mädchen und 1 Junge
nisse und den Namen im Alter zwischen 17 und 18
Wir sind 3 Jungen und 6 Mädchen im Alter von 14 - 15 Jahren. Wir lernen seit 5 Jahren
eures Lehrers. Leider Jahren und besuchen die 9. Klasse einer Schule in Russ- Deutsch und suchen Brieffreun-
land. Wir lernen seit 4 Jahren Deutsch und suchen Brief-
können wir nur eine Aus- freunde im Ausland. Unsere Hobbys sind Sport, Disko,
de aus dem Ausland. Unsere
Hobbys sind Diskos, Freunde
wahl veröffentlichen. Reisen, Computer, Musik und Fremdsprachen. treffen und Briefe schreiben.
Schule No. 6, Klasse 9B Klasse 11 a
Stroitelej 12, 187110 Leningrader Gebiet, Kirischi/Russland M.K.Ciurliouis Kunstgymnasium
Kosciuskos 11
Vilnius/Litauen
lernen seit 7 Jahren Deutsch.
Unsere Hobbys sind Musik, Wir sind 2 Klassen mit 25 Jungen
Sport, Ausflüge machen und und 34 Mädchen im Alter zwi-
Parties. schen 16 und 17 Jahren. Wir
Klasse 9C lernen seit 6 Jahren Deutsch. Wir
Lehrerin Beata Dorka würden gerne von euch erfahren,
Str. Vasile Goldis Nr. 6 wie ihr Deutsch lernt, ob ihr
3900 Satu Mare/Rumänien Computerunterricht bekommt
und wie oft ihr Fahrradausflüge
Wir sind 10 Mädchen und 12 macht. Wir freuen uns schon auf
Jungen im Alter zwischen 15 und eure Post.
16 Jahren und besuchen eine Klasse II d und II b
Mittelschule. Wir lernen seit 6 Deutschlehrerin Eva Hadam
Jahren Deutsch. Unsere Hobbys LO Dynow
sind Sport treiben und Musik Ul. 1 Maja 17
hören. Wir suchen Brieffreunde 36-065 Dynow/Polen
Wir sind 11 Mädchen und 5 Jungen im Alter zwischen 16 und 17 aus der ganzen Welt.
Jahren. Wir interessieren uns für Musik, Sport, reisen, Partys und Eure Briefe werden garantiert Wir sind 29 Schüler im Alter
Fremdsprachen. Wir suchen Brieffreunde aus der ganzen Welt. Wir beantwortet. zwischen 15 und 16 Jahren. Wir
beantworten jeden Brief. Kalandarow Feruz lernen seit 5 Jahren Deutsch.
Klasse 11B X. Porsostraße 24 Unsere Hobbys sind Partys,
Ringi Str. 64, 74112 Maardu/Estland 705000 Buchara/Usbekistan Sport und Musik. Wir möchten

Wir sind eine kleine Gruppe der 1. etwas über Paraguay und uns
Klasse des Gymnasiums Velenje. erfahren wollt, schreibt uns.
Wir sind 16 Jahre alt und lernen Conny Unger
seit 5 Jahren Deutsch. Wir haben Klasse 8a, Colegio Neuland
viele Hobbys: Sport, Musik, Neu- Halbstadt,
Computer und Bücher lesen. Col. Neuland
Wir sind freundlich, lustig und c.d.c. 1153 Asunción/Paraguay
gesellig. Wir suchen Freunde aus
der ganzen Welt. Wir sind 10 Schülerinnen und
Gimnazija Velenje, Schüler im Alter zwischen 13 und
Klasse Prof. Plesnik 14 Jahren. Wir gehen aufs
Trg mladosti 3 Gymnasium und lernen seit 6
3320 Velenje/Slowenien Jahren Deutsch. Wir interessie-
ren uns für Sport, Musik und
Wir sind 5 Schülerinnen und Deutsch. Wir suchen Brieffreun-
2 Schüler im Alter von 14 und 15 de aus der ganzen Welt.
Jahren und besuchen die Gymnasium, Pionerskaja Str. 4
8. Klasse. Wir lernen seit 7 Jahren 182100 Welikie Luki, Pskow-
Deutsch und haben 5 Stunden gebiet/Russland Wir sind eine Schulklasse aus Dänemark und lernen seit 3 Jahren
Unterricht in der Woche. Unsere Deutsch. Wir sind 6 Jungen und 12 Mädchen im Alter von 15 Jahren.
Hobbys sind Briefe lesen und Wir sind eine lustige Schulklasse Unsere Hobbys sind: Handball, Fussball, tanzen, Musik hören und
schreiben, Musik hören, Brief- aus Rumänien. Wir sind 14 Partys feiern. Wir freuen uns schon auf eure Briefe.
marken sammeln, reisen, tanzen Mädchen und 5 Jungen im Alter Klasse 9 a, Sct. Jacobi Skole,
und Blödsinn machen. Wenn ihr zwischen 15 und 16 Jahren. Wir Kirkepladsen 1, 6800 Varde / Dänemark

38 JUMA 2/2001
S 38-39 Briefe.korr 1 19.02.2001 11:40 Uhr Seite 39

uns mit Jugendlichen aus der


ganzen Welt schreiben. Also
B Kölle Alaaf! (JUMA 1/01) die Leute dort Diät, oder sie sind
geizig. Ein Teller Gulasch wäre
nehmt einen Füller zur Hand und
schreibt uns. Wir freuen uns R Schülerinnen und Schüler aus
Athen haben sich über den
besser!
Anna: Die Gruppe „Bushaltestel-
schon jetzt auf eure Briefe.
Sexta I Karnevalsartikel und über Karne-
val in Griechenland unterhalten.
len“ wäre auch in Athen aktuell.
Nikos: Das wichtigste ist, dass
Gymnazium P.O.H.
Hviezdoslavova 20 E Ihr Gespräch haben sie als
Leserbrief an die Redaktion
die Karnevalsvorbereitungen die
Schüler von Stress und Prü-
06001 Kezmarok/Slowakei

Wir sind 4 Jungen und 9


F geschickt. Eine gute Idee, fanden
wir! Hier ist ihr Text:
fungsangst ablenken.
Anna: In Nordgriechenland gibt
es Dörfer, wo an einem bestimm-
Mädchen im Alter zwischen 13 Nikos: Leider macht nicht jedes ten Tag im Karneval die Frauen
und 14 Jahren. Wir besuchen die
8. Klasse und lernen seit 8 Jahren
Deutsch. Unsere Hobbys sind
E Gymnasium solche Veranstaltun-
gen wie das Kölner Heinrich-
Mann-Gymnasium, obwohl so
an die Macht kommen. Die
Männer dürfen überhaupt nicht
aus den Häusern. Sie sollen
Musik hören, lesen, tanzen, etwas gut für die Seele ist. Hier in kochen, waschen, bügeln, Babys
reiten und Sport treiben. Wir sind Griechenland, wo die Schüler betreuen und alle Hausarbeiten
lustig und humorvoll. Wir suchen sehr überfordert sind und drin- erledigen. Die Frauen dagegen
Brieffreunde aus der ganzen Liebe Freunde gend Entspannung brauchen, trinken ein Gläschen und treffen
Welt. Bitte schreibt uns bald. von JUMA, finden solche lustigen Veranstal- wichtige Entscheidungen.
Steiner Schule, Klasse 8 tungen kaum statt. Abends gibt es Essen und Tanz
Honkaharjuntie 6 Irini: Wir Schüler möchten, dass bis spät in die Nacht.
40600 Jyväskylä/Finnland JUMA ist, wie ihr vielleicht auch unsere Lehrer maskiert an
wisst, ein Magazin, dass Karnevalsveranstaltungen
Wir sind 22 Schüler eines Gym- teilnehmen. Lehrer sollten auch
nasiums in Polen. Wir sind
eure Lehrerin oder euer lustig sein!
zwischen 15 und 16 Jahre alt. Wir Lehrer kostenlos von uns Bettina: Manche Lehrer tragen
lernen seit 4 Jahren Deutsch und bekommt. Allerdings doch täglich eine Maske, aller-
möchten gern Schüler aus dings nicht immer die beste.
anderen Ländern kennen lernen.
überprüfen wir immer Langweilige Lehrer wollen wir
Wir lieben es, aktiv die Freizeit zu wieder einmal die Adres- nicht. Bei uns ist die Religions-
verbringen. Natur und Berge sen. Darum haben wir dem lehrerin die lustigste.
stehen uns besonders nah. Giannis: Von unserem Mathema-
Gimnazjum w Juszczynie
Heft 4/2000 einen Bestell- tiklehrer kann man nicht sehr viel
Iwona Dudon schein beigelegt. Nur wer erwarten. Mathematiklehrer
34-231 Juszczyn diesen Schein zurück- besitzen meistens keinen Humor.
woj. Malopolskie Marina: Die Kölner essen
Polen
schickt, bekommt JUMA Linsensuppe. Entweder halten
weiter. Natürlich kostenlos
Wir sind eine Gruppe von Schüle- wie immer! Fragt doch mal
rinnen und Schülern aus Polen.
Unsere Gruppe besteht aus
euren Lehrer, ob er den
17 Personen. Wir sind zwischen Bestellschein schon
12 und 16 Jahre alt. Unsere zurückgeschickt hat!
Hobbys sind: Deutsch, Musik,
Sport und Computer. Wir gehen
Bisher haben nämlich erst
gern in die Disko. Wir möchten die Hälfte aller JUMA- Beim Karneval auf
Freunde auf der ganzen Welt Abonnenten reagiert! Es der griechischen
haben. Schreibt uns bitte, wir Insel Skyros gibt
beantworten jeden Brief.
wäre doch schade, wenn es den Koudouna-
Mlodziezowy Dom Kultury ihr das Heft in Zukunft tos, den Glocken-
Ul. 3- Maja 29 nicht mehr bekommt, mann. Seine
98-300 Wielun/Polen Maske ist aus
oder? Falls der Bestell- Ziegenbockleder.
In unserem Sprachinstitut lernen schein weg ist, findet man Darum nannte
Jugendliche aller Altersgruppen einen Ersatzbestellschein man ihn früher
Deutsch. Wir möchten mit Ju- Tragos – Ziegen-
gendlichen aus aller Welt über
im Lehrerheft TIPP 4/2000. bock. Die Ode von
Themen wie Schule, Hobbys, Manche Schüler fragen Tragos ist die
Sitten und Gebräuche und auch, ob sie das JUMA Tragou-Ode.
Wohnort und Land schreiben. Daraus entstand
Wir wohnen in einem Vorort von
selbst bestellen können. das Wort Tragö-
Athen. Bei uns werden im Jahr Das geht leider nicht. Ihr die.
2004 die nächsten Olympischen habt aber die Möglichkeit,
Spiele stattfinden. Wir würden
uns freuen, wenn ihr uns
euch die Hefte im Internet
schreibt. anzusehen. Die Adresse:
Deutsches Sprachinstitut www.juma.de.
Jimmy P. Spinos,
Kurse G3A, G3B, G4
Viel Spaß beim Lesen
Sikyonos Str. 33 wünscht euch
12135 Ag. Lerotheos, Athen/
Griechenland Christian Vogeler

JUMA 2/2001 39
S 40 rückseite 19.02.2001 12:23 Uhr Seite 48

Bernd Lunghard

Gedichtbehandlung
Heut haben wir ein Gedicht durchgenommen.
Zuerst hat’s der Lehrer vorgelesen,
da ist es noch schön gewesen.

Dann sind fünf Schüler drangekommen,


die mussten es auch alle lesen;
das war recht langweilig gewesen.

Dann mussten drei Schüler es nacherzählen –


Für eine Note; sie hatten noch keine,
da verlor das Gedicht schon Arme und Beine.

Dann wurde es ganz auseinander genommen,


und jeder Vers wurde einzeln besprochen.
Das hat dem Gedicht das Genick gebrochen.

„Warum tat der Dichter dies Wort wohl wählen?


Warum benutzte er jenes nicht?“
Und schließlich: „Was lehrt uns dieses Gedicht?“

Dann mussten wir in unsre Hefte eintragen:


Das Gedicht ist ab Montag aufzusagen.
Die ersten Fünf kommen Montag dran.
Mach mit!

Welche Erfahrungen
Mich hat das zwar nicht weiter gestört;
hast du mit Gedichten im
ich hab das Gedicht so oft heut gehört,
Unterricht gemacht?
dass ich es jetzt schon auswendig kann.
Schreib uns!

Aber viele machten lange Gesichter


Redaktion JUMA
und schimpften auf das Gedicht und den Dichter.
Gedicht
Dabei war das Gedicht zunächst doch sehr schön.
Frankfurter Str. 40
51065 Köln
So haben wir oft schon Gedichte behandelt.
Deutschland
So haben wir oft schon Gedichte verschandelt.
So sollen wir lernen, sie zu verstehn.
Unter allen Einsendern
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus: verlosen wir 10-mal das Buch,
Hans Joachim Gelberg (Hrsg.), Großer Ozean – Gedichte für alle, aus dem das Gedicht stammt.
Beltz&Gelberg © 2000 Beltz Verlag, Weinheim und Basel Einsendeschluss ist der
31.11.2001. Der Rechtsweg
ist ausgeschlossen