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Abitur 2016
Faust 1
Johann Wolfgang von Goethe

Einleitungssatz

Faust – Der Tragödie erster Teil (Faust I) ist ein Drama von Johann Wolfgang von Goethe aus dem
Jahr 1808. Die Tragödie spielt in Deutschland um das Jahr 1500 und handelt von einem Universal-
gelehrten namens Faust, der feststellt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, von denen er in
seiner Jugend geschwärmt hat, keine ausreichende Angaben beinhalten, wie die Welt oder das
Leben wirklich ist. Aus diesem Grund schließt er einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und
verspricht diesem seine Seele.

Inhaltsangabe

Dr. Heinrich Faust ist ein angesehener Wissenschaftler und Akademiker, der trotz seiner wissen-
schaftlichen Studien und einer guten Bildung seinen Wissensdurst nicht stillen kann. Eines Nachts
sitzt er in seinem Studierzimmer und grübelt über den Sinn des Lebens nach, findet jedoch keine
Antworten.

Daraufhin wendet er sich der Geisterwelt zu. Er beschwört einen Erdgeist, versucht sich den Geis-
tern gleich zu stellen, was ihm jedoch nicht gelingt. Von Ohnmacht getrieben will er sich das
Leben nehmen. Sein Selbstmordversuch wird jedoch von Glockenläuten zum Ostertag und seinen
Kindheitserinnerungen gestört.

Am nächsten Tag begibt er sich mit seinem Assistenten Wagner auf einen Spaziergang, um ein
wenig Ablenkung zu bekommen. Er kehrt in Begleitung eines schwarzen Pudels zurück. Der Pudel
entpuppt sich als der Teufel Mephistopheles, mit dem Faust einen Pakt eingeht. Mephistopheles
erklärt sich bereit, Faust zu dienen und ihm alle seine Wünsche zu erfüllen. Im Gegenzug verspricht
Faust dem Teufel seine Seele, wenn dieser es schafft ihm Lebensglück zu bescheren.

Zuerst bringt Mephisto Faust zu einem Trinkgelage in »Auerbachs Keller«. Er will Faust zeigen, wie
leicht es ist, zu leben und sein Leben zu genießen. Beide setzen sich zu Studenten an einen Tisch
und Mephistopheles zaubert verschiedene Weinsorten auf den Tisch. Je mehr die Gesellschaft
trinkt, desto mehr erinnert das Verhalten der Studenten an das von Tieren, die das Leben, die
Menschen, die Kirche und die Liebe verspotten.

Doch der Wein verzaubert sich plötzlich in Feuer und die Betrunkenen gehen wütend mit Messern
auf Mephisto los. Durch Zauberkraft gelingt es diesem, zusammen mit Faust aus Auerbachs Keller
zu fliehen.

Mephisto bringt Faust anschließend in die Hexenküche. Dort nimmt Faust (angetrieben durch Me-
phisto) einen Zaubertrank zu sich, der ihn verjüngt und für Frauen sehr begehrenswert macht.

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Faust 1
Johann Wolfgang von Goethe

...Inhaltsangabe

Zurück in der Stadt begegnet Faust dem jungen Gretchen. Er ist von dem Mädchen verzückt.
Faust verlangt von Mephisto, ihm Gretchen als Geliebte zu beschaffen, andernfalls wird er den
vereinbarten Pakt brechen. Mephisto macht Faust deutlich, dass er mit List und Tücke Gretchen
bekommen wird und bringt diesen, in Abwesenheit des Mädchens, in ihr Zimmer. Dort versteckt er
Schmuck in ihrem Schrank, das Gretchen bei ihrer Rückkehr findet.

Um sein Ziel zu erreichen, bittet Faust Mephisto, sich Gretchens Nachbarin Marthe anzunähern.
Diese findet Gefallen an Mephisto, möchte jedoch die Gewissheit haben, dass ihr verschollener
Mann nicht mehr lebt. Faust und Mephisto betrügen die Frau, indem sie ihr versichern, dass Mart-
hes Mann tot sei.

Die List scheint aufgegangen zu sein und so kommt es zu einem Treffen der beiden Pärchen im
Garten von Marthe. Faust und Gretchen kommen sich bei dem Treffen endlich näher und in ei-
nem Gartenhäuschen kommt es zum ersten Kuss zwischen den beiden.

Faust zieht sich danach zurück und sucht Ruhe und Meditation in der Natur, wo er sich immer
mehr der Abhängigkeit von Mephisto klar wird. Dieser nutzt erneut die Gelegenheit und stachelt
Fausts Begierde zu Gretchen immer mehr an. Auch Gretchen sehnt sich nach den Küssen von
Faust. Als beide sich wieder treffen, sprechen sie über Gretchens Religiosität und Fausts gegen-
sätzliche Vorstellungen.

Faust lässt sich mehr und mehr von seiner Lust treiben und steckt Gretchen ein Schlafmittel zu.
Diese angeblich harmlose Medizin soll sie ihrer Mutter verabreichen, damit beide eine ungestörte
Nacht miteinander verbringen können. Gretchens Mutter stirbt jedoch an dem Schlafmittel.

Gretchen, von Selbstvorwürfen geplagt, trifft sich mit ihrem Bruder, dem Soldaten Valentin. Dieser
merkt sofort, dass Gretchen ihre Unschuld verloren hat, und will sich an Faust rächen. Er wartet vor
dem Haus auf Faust und Mephisto. Es kommt zu einem Duell zwischen Valentin und Faust. Doch
plötzlich erlahmt Valentins Arm. Der von Mephisto angestachelte Faust ersticht Gretchens Bruder.

Faust und Mephistopheles fliehen aus der Stadt. Gretchen bleibt mit ihrem sterbenden Bruder
zurück, der seine letzten Worte nutzt, um Gretchen vor versammelter Menschenmenge der Hurerei
zu bezichtigen. Nach dem Tod ihres Bruders sucht Gretchen Zuflucht in der Kirche. Dort erscheint
ihr ein böser Geist, der sie in ihrem Verdacht bestätigt, schwanger zu sein.

Währenddessen nimmt Mephisto Faust zum Hexentanz der Walpurgisnacht auf dem Brocken mit.
Dort amüsieren sich die beiden mit lüsternen Hexen und anzüglichen Theaterstücken.

An einem trüben Tag erfährt Faust, dass das allein gelassene Gretchen in ihrer Verzweiflung das
neugeborene Kind getötet hat und nun zum Tode verurteilt ist. Faust macht Mephisto für das
Unglück verantwortlich. Dieser weist jedoch jegliche Schuld von sich. Schließlich war es Faust, der
Gretchen begehrt und geschwängert hat.

Trotzt der Gefahr, in die Stadt zurückzukehren, will Faust Gretchen aus dem Kerker befreien und
bittet Mephisto um Hilfe.


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...Inhaltsangabe

Dieser sagt, er kann zwar Pferde besorgen und den Wächter einschläfern, doch retten muss Faust
Gretchen selbst. Faust dringt in den Kerker ein, versucht Gretchen zu überzeugen, mit ihm zu flie-
hen. Doch aus Angst, immer mehr in die Verderblichkeit gezogen zu werden, verneint Gretchen
Fausts Hilfe und wendet sich Gott zu. Sie wird von ihren Sünden erlöst und Faust flieht zusammen
mit Mephisto.

Hauptpersonen 1

Mephistopheles
• verkörpert den Teufel, jedoch auch den Schalk, der viel zu dem Amüsanten und Ironischen
beiträgt (339)
• Teil des göttlichen Werkes (342)
• kritisiert Gottes Werk
• er sieht nur, wie sich die Menschen plagen (251), er bezeichnet sie als Tiere (258), da Gott
ihnen die Vernunft gegeben hat -> „Fehler Gottes“
• möchte Faust vom rechten Weg abbringen
• versteht das Streben von Faust nicht, da er nur die Triebhaftigkeit und nicht das Streben
nach einem höheren Ziel der Menschen kennt -> glaubt, Faust sei leicht zu verführen
• will niemals aufbauen, sondern nur zerstören
• sieht sich selbst als Herr der Hexen, kann aber keine Tränke brauen
• scheint auch nicht viel über Hexerei zu wissen, denn er fragt viel nach

Marthe
• Gretchens Nachbarin (2858)
• idealtypische Kontrastfigur zur frommen, integren und schlichten Margarete dar
• gierig, religiös, moralisch ungebunden, bestimmend, hängt am Materiellen
• durch den Verlust ihres Mannes erhofft sie sich ein materielles Erbe, bekommt aber keins
• denkt pragmatisch und am realistisch Machbaren orientiert
• empfänglich für Mephisto, in dessen Plan sie gut passt

Faust + Mephisto →
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...Hauptpersonen 2

Dr. Faust
• hat sein Leben lang geforscht und studiert (Philosophie, Jura, Medizin, Theologie)
• lebt ohne Glauben und traditionelle Werte, ohne soziale Anerkennung und
Lebensfreude
• beruflich anerkannter & erfolgreicher Professor Universalgelehrter seiner Zeit
• fühlt sich in seinem Studierzimmer eingesperrt, abgeschnitten von der Außenwelt
• ist an einem Punkt angelangt, von dem er glaubt nicht mehr weiter zu kommen
• sieht plötzlich keinen Sinn mehr in seinem Leben
• unersättliche Sehnsucht nach höherer Erkenntnis
will wissen was die Welt im Innersten zusammen hält
• will die Welt wie Gott sehen (Hybris)
• typischer Mensch, aber mit übermenschlichem Drang
• wird von Emotionen/Drang geleitet → nicht von rationalem Denken
• kann Grenzen menschlichen Wissens nicht überschreiten
- versucht es durch Magie - will in höhere Sphären
→ 1. Beschwerung des Makrokosmos, 2. Beschwörung des Erdgeistes,
3. Selbstmordversuch als Fluchtversuch
→ alle 3 Versuche scheitern - Gefühl der geistigen Enge und Verzweiflung
• geht einen Pakt mit dem Teufel ein, um seiner Misere zu entkommen
• Naiv: denkt, er sei Mephisto überlegen → wird von ihm hinters Licht geführt
• hat kein Interesse an weltlichen Genüssen, was sich in der ,,Hexenküche“ durch seine
Verjüngung ändert. Für ihn sind nun auch Liebe und Begehren, sozusagen weltliche
Genüsse, wichtig
•erlebt aufrichtige und wahre Liebe, doch trägt er keine Verantwortung dafür
• Rücksichtslos: bringt Gretchens Mutter und Bruder um, lässt sie alleine → lässt sie ihr Kind
umbringen
• typischer Mensch der Sturm und Drang Zeit → erfüllt deren Ideale: Natur, Gefühl, Genie
und Freiheit.
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...Hauptpersonen 3

Gretchen (Margarete)
• Alter: 14 (heiratsfähiges Alter)
• entstammt kleinbürgerlichen Verhältnissen/ärmlichen Verhältnissen
• wird als wohlerzogen, schüchtern und hübsch dargestellt (2607 – 2618)
• ist reinen Herzens und die personifizierte Unschuld
• kritisiert sich oftmals selbst und sieht sich in einem negativen Licht
• Faust sieht in ihr das Idealbild einer Frau und begehrt sie vom ganzen Herzen
• anfangs ist es eine reine sexuelle Begierde, die später zur wahren, echten Liebe heranreift
• stark gläubig und lebt streng nach den Regeln der Kirche (2625)
• Gegenstück zu den Charakteren von Faust und Mephisto
• in der Szene „Abend“ wird deutlich, dass Gretchen an Faust interessiert ist
• in der Szene Garten/Gartenhäuschen wird sich Gretchen ihrer Gefühle zu Faust bewusst
• wird wegen Geldmangel noch nachdenklicher (2851) und verunsichert zu nehmend mehr
• empfindet Mephisto tiefe Abneigung gegenüber (3472)
• Mephisto gelingt es aufgrund ihrer Art nicht, sie zu beeinflussen
• lädt durch sexuellen Kontakt zu Faust Schuld auf sich, weil sie gegen die Regeln der
Kirche und der Moralbedingungen der Gesellschaft handelt
• ihretwegen stirbt ihre Mutter (Schlaftrunk)
• wird von ihrem sterbenden Bruder Valentin vor einer Menge der Hurerei beschuldigt
• fällt in Ohnmacht, als sie beichten will und ihr ein böser Geist ihre Schuld einredet (Szene„Dom“).
Dieser Geist wird auch als das jüngste Gericht bezeichnet
• wird schwanger und tötet ihr Neugeborenes aus Scham (3977)
• nimmt die Schuld auf sich, weil sie ihre Seele nicht dem Teufel verschreiben will
• stirbt daraufhin selbst, ihre Seele wird aber gerettet

→ Bezug zur „Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt“


Fall interessierte Goethe
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Der historische Faust

* 1480
† 1540 (bei Alchemistischen Experiment → Teufels Bund)

• viele Anfeindungen, aber auch verehrungen im Volk (selbstbewusst, selbstdarsteller)


• autodaktische Bildung ohne Akaden. Abschluss auf medizinischem, philosophischem und
naturistischem Gebiet.
•Wanderleben mit Auftritten als Alchemist, Wahrsager, Wanderdoktor, Astrologe,...
Geisterbeschwörungen
→ Namensänderung
• Existenz von Johann Georg Faust mit 9 Dokumenten belegt ua. Brief des Abtes Trithemius

Was macht Faust für die literarische Legendenbildung interessant?

• Emmentaler Biografie - „Lückenhafter Lebenslauf“


• berühmt und unbekannt zugleich
• Held und Anti-Held zugleich
• Fausts Tod (und dessen fabulös umsetzbaren Begleitumstände)

• Goethe will Faust die Chance auf eine Geschichte geben, die er verdient hat
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Zueignung

• autobiografische Bezüge, entstand 1797, als Goethe nach mehr als 20 Jahren die Arbeit am
Faust fortsetzte

→ spiegelt Goethes visionäres Verhältnis zum Werk wieder


→ Eckstrophen: lyrisches Ich und das Verhältnis zum Stoff
→ Innenstrophen: Verhältnis zu den Mitmenschen (Freundschaft. Trauer, Vereinsammung)
→ Stanze: feierlich verkündend (abababcc; 5 hebiger Jambus)

Prolog im Himmel

Menschenbild - „Mephistopheles“ & „der Herr“

Mephistopheles Der Herr


Erdenleben „herzlich schlecht“ (v. 281) Der Mensch ist in seinem Streben stets in Schuld
und Irrtum verstrickt, ist sich des rechten wegs
Menschenleben nur sinnloser Kreislauf (v. 281) aber instinktiv bewusst. (v. 317, 328)

Menschen sind undankbar und gierig (v. 303) Pflanzenmetaphorik = Wachstum und Reife
(v. 308-311)
Erdenleben für Menschen eine Plage (v. 280),
Jammertal (v. 297) Mensch im polaren Wechsel von Tätigkeit und
Erschlaffung. (v. 340) aber dennoch strebend
Vernunft nur Maskerade (v. 283-286) und wachsend.

Tiermetaphorik = Reduktion auf das Physische Schöpfung ist schön und wertvoll (v. 345)
(v. 285)

Niedere Instinkte (v. 288)

?
zum Guten bestimmt Faust ein vernunftbegabtes Tier

→ keine eigentliche Wette zwischen Gott und Mephisto


Polarität: Das Böse gehört als andere Seite des Guten notwendig zum Ganzen dazu!
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„Nacht“ - Fausts Existenzkrise

• Studierte die 4 Hauptfakultäten der Renaissance


• ist Magister und Doktor
• zweifelt an der Erkenntnisfähigkeit des Menschen
• lebt ohne Glauben
• stellt sich selbst über die Menschheit
• keine traditionellen Werte und ohne soziale Anerkennung und Lebensfreude

→ ist unzufriden, will mehr wissen und


„möchte erkennen, was die Welt im innersten zusammenhält“ (v. 383)
→ seinen Weg zur Erkenntniss will er mit Hilfe der Magie erlangen
→ strebt ach transzendenter Erleuchtung

Ziel: zur göttlichen Vollkommenheit gelangen und selbst Gott werden, dazu 3 Wege:
1. Bei Betrachtung der Ordnung des Weltalls wird ihm klar, dass er nur Zuschauer bleibt
und kein Weg aus dieser Enge hinausführt (454)
2. Bei der Beschwörung des Erdgeistes muss er erfahren, dass sich der lebendige
Zusammenhang der Natur vor ihm verschließt (490)
3. Als Faust mit seinem Assistenten Wagner spricht, wird ihm erneut die Enge des
durchschnittlichen Menschenlebens bewusst. Daher möchte er durch Suizid „zu neuen
Ufern“ (701) gelangen, jedoch unterbrechen die Gesänge der mitternächtlichen
Ostermesse den Versuch und holen ihn ins Leben zurück.

Fausts "zwei Seelen" (1112)

Die eine Seele Die andere Seele


• Stofftrieb/Lebenstrieb (Schiller) • Formtrieb (Schiller)
• bestimmt durch Sinnlichkeit, Erotik, • bestimmt durch Vernunft & Verstand
Sexualiät und Emotionalität • dem Transzendentalen
• der Welt und der Natur zugewandt (Makrokosmos etc.) zugewandt
• der Stofftrieb setzt die Grenzen der • der Formtrieb hat die Überwindung
Gegenwart und lenkt den Blick aufs der Grenzen der Erkenntnis als Ziel
Konkrete und lenkt den Blick aufs Abstrakte
• muss durch die Persönlichkeit in • muss durch Emotionalität und Natur
Schranken gehalten werden in Schranken gehalten werden
• „tierischer Trieb“ • „menschlicher Trieb“
• vgl. Freud: Es • vgl. Freud: Über-Ich

→ sowohl ein göttlicher, als auch ein mephistophelischer Seelenanteil


(wird in Mephistos gegenwart unzumutbar, handelt nach seinem Willen)
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Wagner: Faust:
konventioneller, steriler Typ zweifelnder Mensch
will die Welt rational begreifen will die Welt irrational erfassen
kein „vollblut“ Wissenschaftler
ist Gelehrter um in der Gesellschaft hoch ange-
sehen zu sein

Vor dem Tor

Wie wird Faust dargestellt?


• Faust wirkt sympatischer in der Natur, unter Menschen.
• In der Natur ↔ gegensatz zu Nacht
• Die Dorfbeohner feiern ihn, Wagner bewundert ihn.
• Nacht = Tod, Vor dem Tor = Neuanfang
→ „Im Tale grünet Hoffnungsglück“ (v. 905)

Studierzimmer - Faust und Mephisto

Was sucht Faust, was bietet Mephisto?


unzufriedenheit ablegen kein Maß & Ziel gesetzt
unersättlichen Wissensdurst stillen (alles was er wil)
Leidenschaft, Sinnlichkeit Verlieben
fühlt sich unvollkommen Lebensfreude
Vollkommenheit nicht möglich

Hexenküche

Warum wird Faust in die Zauberwelt eingeführt?

• schon im Studierzimmer hat Faust sich für Magie interessiert


• Mephisto (plant) die Verjüngung → selbstbewusstsein
• vielleicht führt er ih bewusst zum Zauberspiegel, damit er wieder Lust aufs verlieben
bekommt (triebe, sexuelle Begierde wird geweckt)
• Mephisto zeigt ihm seine Welt
• Mephisto verjüngt Faust und hat dadurch bessere Chancen ihm „das Leben zu zeigen“

→ beginn der Gretchentragödie

Studierzimmer → Kontrolle (Raum der Vernunft,...)


Hexenküche → keine Kontrolle (verwirrend, magisch, mystisch,...)
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Straße

Erste Begegnung zwischen Faust und Gretchen.

Faust: direkt, plump, besitzergreifend, Sprache entspricht nicht der Situation


→ Nachwirkung der Hexenküche

Gretchen: antwortet knapp, weist Anrede als „Fräulein“ (Adelige) zurück, abweisend
→ zurükhaltend, erkennt den Standesunterschied

Garten

Parallelszene zu Jeny Treibel - Spaziergang - Gespräche über Liebe

Was verstehen die 4 von Liebe?


Mephisto: leugnet die Liebe, weicht Marthes Fragen aus, sieht Liebe mehr als Hindernis,
Zeitvertereib, nimmt es mit der Liebe nicht ernst
Marthe: objektiv, erwachsener, erfahrener, „will spiel und spaß“, rebellischer, materielle Werte,
hat schlechtes Bild von Ehe

Faust: Margarete/Gretchen gegenüber „Väterlich“, schleimig


Gretchen: verspielt, kindlich, bieder, konservativ, lässt ihren Gefühlen freien lauf, naiv,
musste schon früh verantwortung übernehmen, romantisch,
zeigt interesse - ist sich aber och nicht sicher
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„Die Gretchen Frage“ (v. 3415) (Marthens Garten)

Gretchen Frage = Frage von der Alles abhängt


→ „Nun sag, wie hast du´s mit der Religion“

Gretchen:
• unhinterfrage Sicherheit im Glauben (v. 3421)
• Sakramenten- und Kirchenfrömmigkeit (v. 3423, 3425)
→ ein zunächst dogmatischer Kirchenglaube, der aber zunehmend an Tiefe gewinnt

Faust:
• Erkenntniszweifel (v. 3428, 3459)
• Religion als Gefühls- und Herzensbegriff (v. 3448, 3451)
kein Dogmatismus
→ eine eine tolerante, den eigenen Unglauben mit vielen Gegenfragen kaschierende Position
(freie Rythmen v. 3431)

dramatische Funktion der Szene:


• Schlaftrunk → Mutter stirbt → das Drama nimmt seinen lauf

Gesellschaftiche Veränderung durch Gretchentragödie:

vom frommen, braven, --------------------------------------► zur „Sündnerin“ („und bin nun


katholischen, selbst der Sünde bloß“)
„reinen“ Mädchen von der Liebe gertieben
→ sie selbst sieht sich nicht
mehr als rein, fromm an

• wenn sie um Hilfe bittet • ist nun selbst an Bärbelchens


müsste sie auch Hilfe Stelle
bekommen • kann sie jetzt erst verstehen
→ macht alles richtig • kommt mit sich selbst ins
• hat über Mädchen wie reine (geschah aus Liebe
Bärbelchen gelästert → keine Sünde)
• steht zu ihren Taten
• scheitert an Gesellschaft /
an den Normen der
Gesellschaft (mord)
• kommt vom rechten Weg
ab, findet aber dorthin
zurück

→ vermeitliches Idyll zu beginn der Gretchentragödie erweist sich als ein System von Normen,
an dem Gretchen letztendlich scheitert (Dom).
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Kerker

Gemüts- & Seelenzustand Gretchens:

• geistige Verwirrung → erkennt Faust nicht mehr


• anfängliche Furcht vor Schande und Tod, nun religiös motiviertes Einverständnis mit der Situation
• Weg zu sich selbst
• im Glauben bestätigt und schließlich gerettet (J.v.O.)

→ steigert und entwickelt ihre Persönlichkeit, überschreitet die Grenze bis zur Selbstaufgabe
→ redet mehr als Faust, dieser verstummt

Funktion der Szene für das Dramenganze:

• tragischste Szene in Faust 1


• Gretchentragödie nur eine Episode auf dem Weg zu Fausts Erkenntnis
→ lässt ihn sich schuldig fühlen
• Gretchen gewinnt an menschlicher Größe
• Rückbezug auf Welttheater = Gretchen Wahrnehmung des Himmels
• Bruch der Bindung zwischen Faust und Gretchen!

Schuldfrage

3 Todesfälle, an denen Gretchen indirekt Schuld ist?


Zuerst ist Gretchen indirekt am Tod ihrer Mutter Schuld, da Faust Gretchen einen Schlaftrunk gibt,
den sie ihrer Mutter verabreichen soll, weshalb diese später daran stirbt. In der Liebesnacht zwi-
schen Faust und Gretchen wird sie schwanger. Da sie nicht verheiratet ist und die ein uneheliches
Kind wäre, tötet sie es, um kein schlechtes Bild zu werfen. Später stirbt auch noch ihr Bruder Valen-
tin an einer ihrer „Taten“.

Faust Schuld an Todesfällen?


Faust ist in gewisser Weise Schuld an Todesfällen, da er Gretchen durch ihre Liebe zu ihm sie dazu
geleitet hat. Beispiel hierfür ist der Schlaftrunk an ihrer Mutter.

schuldig unschuldig
- geht Pakt mit Mephisto ein - Mephisto manipuliert Faust
- gibt Gretchen Schlaftrunk für ihre Mutter - macht es unbewusst → naiv
→ Tod
- Streit mit Gretchens Bruder Valentin → Tod
- schwängert Gretchen und haut ab
→ in dem Bewusstsein, dass sie daran
zugrunde gehen soll
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Vergleich mit Schillers „Jungfrau von Orleans“

Die Jungfrau von Orleans Faust 1

Gewissenskonflikte wegen der Liebe zu Lionel Gretchens Liebe zu Faust (be-


und Gelöbnis als (körperliche) züglich Tugend/Moral/Religi-
Jungfrau zu Siegen on/gesellschaftlicher Stand

Religiöse Aspekte Engelerscheinungen bei völli- Ertönen einer Stimme aus der
ger Hingabe zu Gott Höhe (Gott); Gretchen gibt
sich dem Gericht Gottes hin,
damit dieser sein Urteil übers
sie sprechen kann

→ Protagonist wird durch → Protagonist wird durch


höhere Macht beeinflusst höhere Macht beeinflusst

Jungfrau und Faust werden nicht nur von Gott angesprochen, sondern sie sind eher ein „Spielball“
von dunklen Einflüssen (z.B. Mephisto).

• beide wachsen behütet auf


• beide weisen zu Beginn einen Mann ab (Faust, Raimond)
• Johanna → viel Zeit mit Natur
Gretchen → viel Zeit mit Gott