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B3

BAU März 18
115 . J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin

ME ISTER
Wege aus der Wohnungsbau in
Deutschland
Krise?!

19,90 €
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STADT-SPEZIAL


STÄDTE FÜR 3 Ausgaben zur nachhaltigen
MORGEN Stadtplanung + 1 Ausgabe Topos

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no 101
2017

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MÄR Z 2018 M A G A ZIN FÜR LA NDS CH A FTS A R CHI T EKT U R

GARTEN + GRATIS
LANDSCHAFT 28 MAKIN

FOR LIFE
– How biophil
change the way w
act with urban ani
TOPOS 101
34 TIMBER TALK

– Social network:
Communicating trees
leave humans spee hless

72 ANIMAL

Creatures
ARCHITECTS
– Under construction:
Architectural design
made by nature

I H R E VO R T E I L E AU F E I N EN BLI C K
1. 3 Ausgaben GARTEN+LANDSCHAFT mit den
Themen: Sicherheit, Zuwachs und Klimaschutz
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GLSP2018

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Editorial

E
s ist nicht zu leugnen – Deutschland hat ein Wohnproblem. Seit
Jahren entstehen in unseren Städten weniger Wohnungen als
gebraucht werden. Weil wir alle in der Stadt leben wollen, weil
unsere Metropolen zu Menschenmagneten geworden sind. Zu-
mindest jene Metropolen, die hohe Wohnqualität mit attraktiven
Arbeitsmärkten kombinieren. Die Folge: Die Mieten steigen rasant
– und Menschen mit geringeren Einkommen werden in Randbe-
zirke gedrängt. Das ist schlecht für die Kultur unserer Städte.
Letztere Argumentation zeigt auch gleich, warum ich überhaupt
über neue Wege für den Wohnungsbau in Deutschland nach-
denken möchte. Denn ich neige eigentlich nicht zum schnellen Es kriselt in den deut-
Fordern von „mehr Staat“. Anders als manche Akteure im deut- schen Städten, der be-
zahlbare Wohnraum
schen Architektur- und Städtebau-Diskurs verstehe ich mich
wird immer knapper.
grundlegend als liberal. Es gibt kein Recht darauf, in bestimmten Gegenüber Einfamili-
Dass die Privatwirt- Stadtteilen zu wohnen. Und Marktprozesse sind auch nicht von enhaussiedlungen an
schaft durchaus der Peripherie sind ur-
nicht der Feind der vornherein zu verteufeln. bane Zentren aber
urbanen Kultur sein
Aber: Eine gewisse Mischung, ethnisch, sozial, (sub-)kulturell, nach wie vor das deut-
muss, zeigt ein Blick
lich bessere Modell.
nach Detroit. Die macht das Leben in Städten attraktiv und die urbanen Zentren Ob das auf dem Cover
kriselnde US-Metro-
pole erlebt gerade
als solche reizvoll. Dies gilt es zu erhalten. Das heißt: Auch aus abgebildete Paar,
das emsig an den ei-
ein erfreuliches Revi- liberaler Sicht darf der Staat grundsätzlich im Bereich des Woh-
val. Und bei diesem genen vier Wänden
spielt ein Hypothe- nungswesens aktiv werden. So wie er auch Theater finanzieren werkelt, auch gerade
kenfinanzierer eine
darf. Denn Stadtkultur ist auch Kultur. Gleichzeitig gilt es aber eine Krise durchlebt,
zentrale Rolle. Das sei dahingestellt.
Unternehmen hat sein auch, alle anderen Akteure in die Pflicht zu nehmen. Lebendige
Hauptquartier in die
Innenstadt gebracht,
Stadt geht nur, wenn alle Beteiligten am städtischen Bauprozess
Dutzende Gebäude zusammenarbeiten und das einbringen, was sie am besten
gekauft und renoviert.
können. Und „alle“ meint auch „alle“: Stadtplaner, Architekten,
die öffentliche Hand – aber eben auch die Real-Estate-Seite. Auch
diese ist in der Pflicht. Und auch diese kann zu lebenswerten
und bezahlbaren Städten beitragen. Die Pauschalverteufelung
von Investoren halte ich für kontraproduktiv.
Klar ist: Es sind kreative Lösungen gefordert. Und die gibt es auch AB SEITE
54
bereits, unter anderem in diesem Heft. Ob das nun ein Baugrup-
AB SEITE penprojekt in Berlin oder die Nachverdichtung durch ein Wohn-
38
haus auf Betonstützen in München ist. Reicht das? Sicher nicht.
Aber Projekte wie diese sind es, die zeigen: Es geht noch etwas in
COVE RFOTO: INA SCHOE NE NBURG

unseren Städten. Es lohnt sich, über Wohnungsbau zu diskutieren.


In diesem Sinne – viel Freude beim Lesen und Debattieren.

Alexander Gutzmer
Chefredakteur
a.gutzmer@baumeister.de
4

B3 Köpfe Ideen
Wohnungsbau
ist eines
der zentralen
Themen in
Deutschland.
Wir zeigen
architektoni-
sche Lösungs-
ansätze.

Die unterstri-
chenen Bei-
träge rechts 10 76
befassen Mögen es „roh“: Robertneun aus Berlin Saniertes Wohnhochhaus in Pforzheim

sich mit dem


Titelthema.
10 Robertneun 20 Axis
Innovativer Wohnungsbau aus Neues Tor für Frankfurts
der Hauptstadt Europaviertel

14 die „wagnis“ 30 Friends


Eine Baugenossenschaft, die Wohnturm der Zukunft?
bezahlbaren Wohnraum schafft

38 Dantebad
Wohnen auf Stelzen

46 Braystraße
Entdeckung der Münchner
Dichte

54 Ausbauhaus
Flexibles Berliner Wohnregal

BAU
MEISTER. 62 R50
Soziale Experimente in
DE Kreuzberg

70 Philosophicum
Kontroverser Umbau in
Frankfurt am Main
Anfang März findet in München
die 22. Internationale Passiv-
haustagung statt, bei der wir 76 Güterstraße
Medienpartner sind. Dort wird
Wohnhochhaus als sozialer
es auch um das Thema „Woh-
Katalysator
nen“ gehen. Mehr dazu finden
Sie auf unserer Homepage.
5

Fragen Lösungen

Gast-Arbeiter

Rainer Schulze hat Philosophie


und Germanistik in Bonn, Mainz
und Dumfries studiert. Seit 2008
berichtet er als Redakteur der
88 103
Rhein-Main-Zeitung der F.A.Z.
Astronaut in der „Kosmischen Bibliothek“ Außenleuchte „Sito“ von Occhio
über Stadtplanung und Archi-
tektur in Frankfurt am Main.

8 4 Was sind 94 Schalter


die neuen Wohn- und Gebäude-
standards? automation

8 6 Was soll 98 Qualitäts-


Barragán in einem schmiede
Das USM Haller erstrahlt in neuem Licht.
Ring?
100 Licht
8 8 Gibt es
die „Kosmische 106 Referenz
Bibliothek“? Der Solarlux Campus in Melle

RUBRIKEN Eva Maria Herrmann hat Archi-


tektur studiert und arbeitet als
06 freie Journalistin und Kuratorin.
EIN BILD 2005 gründete sie das „Büro
36 für Architekturkommunikation“
KLEINE WERKE mit einem Schwerpunkt auf der
52 Vermittlung von Baukultur.
UNTERWEGS
98
QUALITÄTSSCHMIE DE
106
REFERENZ
10 8
PORTFOLIO:
FENSTER, TÜREN, TORE
11 3
IMPRE SSUM + VORSCHAU
11 4
KOLUMNE
Robin Hood Gardens London 6
Ein Bild
7
Als 2008 die
Debatten um den
Abriss der von
den Smithsons
entworfenen
Robin Hood
Gardens in Lon-
don begannen,
sprachen sich
viele renommier-
te Architekten für
deren Erhalt aus.
Damit ging auch
der Streit um
brutalistische
Architektur in die
nächste Runde:
Für Architekten ist
das Ensemble ein
Meisterwerk der
1970er-Jahre, die
Stadt und viele
Bürger wollten
einen Abriss. Der
Ärger über Star-
architekten, die
in Altbau-Luxus-
wohnungen in
Kensington oder
Chelsea sitzen
und sich für den
Erhalt von in Be-
ton gegossenen
Sozialwohnungen
engagieren, ist
nachvollziehbar.
Man darf aller-
dings nicht der
Architektur die
Schuld für bau-
FOTO: W W W.DE ZE E N.COM/ VIDEO-MOVIE-FOOTAGE-DE MOLITION-ROBIN-HOOD -GARDE NS-BRUTALIST-SM ITHSONS

liche Missstände
geben: Ist ein
jahrzehntelanger
Sanierungsstau
wirklich begrün-
det, weil ein
Architekturstil
von manchen als
„hässlich“ emp-
funden wird?
Wohl eher nicht.
Trotzdem werden
die Robin Hood
Gardens durch
kleinere Wohn-
gebäude ersetzt.
Und das ist der
eigentliche Skan-
dal: Die Hälfte
der neuen Woh-
nungen kosten
durchschnittlich
700.000 britische
Pfund. Die soziale
Utopie ist –
50 Jahre später –
damit vorbei.

Text Leonardo Lella


Nils Buschmann und Tom Friedrich
von Robertneun
9

3
Köpfe:
SEITE
10

Robertneun

TOM FRIEDRICH
NILS BUSCHMANN UND
SEITE
14

die
„wagnis“
FOTO: ANNE T TE KISLING
10

Häuser, die alle TITELTHEMA


WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

hässlich finden

Robertneun gehören
zu den Berliner
Architekten, die sich
gegen das Gestal-
tungsdiktat von Hans
Stimmann aufgelehnt
haben. Mit dem Lok-
depot zeigen sie,
wie eine Gegenthese
dazu aussehen kann.
Kritik:
Dina Dorothea Falbe
Köpfe 1 und 2 11
Die beiden Büroinhaber in ihren Prägnantes Rot: die Wohnunganlage
Räumlichkeiten am Lokdepot von Robertneun
FOTOS: ANNE T TE KISLING; RECHTS OBE N: WE RNE R HUTHM ACHE R

Puristische Rohbauästhetik für Die Farbgebung der Wohnanlage


das Lokdepot setzt sich auch im Innern fort.
12 Köpfe 1 und 2
Robertneun – was heißt das eigentlich? Berlin-Schöneberg von der Fachpresse nommen wurden, ließen sich die Woh-
Die Erklärung ist ganz einfach: „Wir woll- gefeiert. Mittlerweile, erzählt Nils Busch- nungstypologien am Lokdepot erfolg-
ten unsere Namen nicht aneinanderrei- mann, hätten auch viele Berliner Woh- reich vermarkten. Deshalb übernahm
hen und wie ein Altherrenbüro klingen“, nungsbaugesellschaften die Anlage be- man die wesentlichen gestalterischen
sagen Nils Buschmann und Tom Friedrich, sichtigt. und räumlichen Merkmale der Robert-
die Gründer des gleichnamigen Architek- neun-Gebäude auch für die Häuser, die
turbüros über ihre Namenswahl. Im Jahr Das Lokdepot nicht vom Büro geplant worden waren.
2000 nach dem Studium an der TU Berlin Im Eckhaus an der Monumentenstraße
gemeinsam mit Thomas Baecker gegrün- 2006 waren Robertneun mit einer Studie wurden drei Ladengeschäfte eingerich-
det, hat das Büro mit Sitz in Berlin mittler- beauftragt worden, auf dem Grundstück tet, die für eine Nutzungsmischung sor-
weile ein interessantes Portfolio vor allem nahe der S-Bahn-Trasse einen Gewerbe- gen, das Café ist den ganzen Tag über
im Bereich Wohnungsbau vorzuweisen. pa rk zu planen. De r aufgestände r te eine Anlaufstelle für die Anwohner.
Aber zurück zur Namenswahl: Da spielte Supermarkt am südlichen Ende stand in Nach Meinung der Architekten tragen
sicher auch der Wunsch nach Abgrenzung keiner räumlichen Beziehung zu den alltägliche Treffpunkte wie aufgeweitete
eine Rolle – eine Abgrenzung gegenüber denkmalgeschützten Lokschuppen, die Eingänge und Außentreppen besser zur
jenen Architekten, die in den 1990er-Jah- heute saniert und Teil des Technikmuse- Gemeinschaftsbildung eines Haus bei, als
ren die Berliner Baupolitik bestimmten. ums sind. Robertneun Architekten entwi- speziell ausgewiesene Räume. Hier wer-
Das Spannungsfeld „zwischen Stimmann ckelten deshalb eine andere Vision für den Fahrräder repariert und Spielzeuge
und der alltäglichen Aneignung jeglicher das Areal und schlugen verschiedene verliehen. Selbst kritische Nachbarn dürf-
Räume“ präge bis heute ihre Haltung, sagt Wohnbau-Szenarien vor. Immer noch im ten mittlerweile mit dem Projekt versöhnt
Nils Buschmann dazu. Mit seinen engen Sinne des Planwerks Innenstadt wurde die sein: Im Innenhof können die Kinder unge-
gestalterischen Vorgaben und der damit Schließung der Blockrandstruktur in einen stört spielen.
verbundenen Vorstellung eines homoge- neuen, vorhabenbezogenen Bebauungs-
nen Stadtbilds widersprach das 1999 be- plan über führ t. Da mehrgeschossiger Neuer Wohnungsbau
schlossene „Planwerk Innenstadt“ vielem, Wohnungsbau mehr Rendite versprach
was die spezifische Berliner Lebensquali- als flache Gewerbebauten, ließen sich die Robertneun versuchen, immer wieder
tät für junge Künstler und Architekten Investoren auf den Vorschlag ein. neue Konzepte vorzuschlagen, die den
damals ausmachte: eine baukulturelle In der weiteren Planung für das Areal ent- Standard im Wohnungsbau heben. In
Vielfalt, die auch vielfältige Nutzungen warfen die Architekten sieben von 16 Häu- mehreren Wettbewerbsentwürfen schlu-
ermöglichte. Robertneun wählten für ihre sern. Die ersten drei wurden 2014 fertig- gen sie zum Beispiel Kleinstwohnungen an
Bürostandor te deshalb immer wieder gestellt, weitere folgten im Jahr 2016. Die breiten Laubengängen vor oder doppel-
„Häuser, die alle hässlich finden“. Bisher letzten beiden Häuser befinden sich gera- geschossige Studios in einem urbanen
waren das Bauten im Stil der DDR-Moder- de im Bau. Die städtebauliche Qualität Sockel, die eine lebendige Nutzungsviel-
ne, wie das Haus des Lehrers am Alexan- des Areals ist aber heute schon erfahrbar: falt ermöglichen. Mittlerweile hat das
derplatz, das zunächst abgerissen wer- Aufgrund eines Grundstückstauschs gab Büro drei erste Preise für das neue Quartier
den sollte, mittlerweile aber unter Denk- es die Möglichkeit einer direkten Anbin- Europacity gewonnen, was allerdings
malschutz steht. dung an den Park am Gleisdreieck. Von nicht zu einer Beauftragung führte, da die
den historischen Lokschuppen kann man „Rohbauästhetik“ der Entwürfe Bedenken
Wichtige Referenzen jetzt zu Fuß oder mit dem Fahrrad direkt bei der Vermarktung hervorrief. Deshalb
durch den Park zum Hauptgebäude des ist es gut, dass der Wohnungsbau in Berlin
Um ihre Vorstellung von Architektur ver- Technikmuseums gelangen. mittlerweile nicht mehr nur quantitativ,
mitteln zu können, braucht es laut Nils sondern auch qualitativ diskutiert wird,
Buschmann vor allem Referenzen. Die jet- Nachbarschaft planen meint Nils Buschmann. In den Anfangs-
zigen Büroräume im ehemaligen Gemein- zeiten des Lokdepots stand das Thema
dezentrum St. Agnes (B8/15) eignen sich Die Neubauten sind keine Fremdkörper. überhaupt noch nicht auf der politischen
dafür besonders gut: Ein großer heller Sie fügen sich in das Quartier ein und set- Tagesordnung.
Raum mit einer Galerie unter einer unver- zen gleichzeitig neue Akzente. Das gilt Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: So-
kleideten Betondecke mit Ausblick auf nicht nur für den Städtebau, sondern auch wohl am Lokdepot als auch in der Europa-
den grauen Spritzputz der Fassade. 2015 für die Wohnungen selbst. Drei verschie- city entstehen hauptsächlich Wohnungen
haben Brandlhuber+ Emde, Burlon und dene Hauskonzepte mit den Bezeichnun- in gehobener Preisklasse. Dabei sollte die
Riegler Riewe Architekten die ehemalige gen S, M und L haben die Architekten ent- Stadt gerade das günstige Wohnen in zen-
Kirche in Berlin-Kreuzberg in ein Kunst- wickelt. Das Stahlbetongerüst von Haus L traler Lage fördern, zum Beispiel indem sie
und Kulturzentrum verwandelt. Ursprüng- mit einem Stützenraster von 3,50 Metern Grundstücke nicht verkauft, sondern sie in
lich wurde das Gebäudeensemble in e rmögl icht g roße Freihei ten bei de r Erbpacht an Genossenschaften vergibt,
den 1960er-Jahren von Werner Düttmann, Grundrissgestaltung, Haus M bietet eine findet Nils Buschmann. München sei da
einem der wichtigsten Architekten West- loftartige Wohnung pro Etage. In der An- schon einen Schritt weiter, sagt er und ver-
berlins, gestaltet. Neben St. Agnes plante eignung durch die Nutzer sind hier ganz weist auf die dortige Vergabepraxis, die
Düttmann auch das Studiogebäude der unterschiedliche Wohnformen möglich. es auch jungen Genossenschaften wie
Akademie der Künste und die Großsied- Rein optisch ist das verbindende, kräftige der „Kooperative Großstadt“ ermöglicht,
lung Märkisches Viertel. Und wie in den Rot wohl der auffälligste Akzent der Wohn- alternative urbane Wohnmodelle günstig
1960er-Jahren heißt die Herausforderung anlage. Nicht nur die Balkone und Trep- umzusetzen.
für die Berliner Stadtentwicklung auch pen sind rot, auch der Beton ist eingefärbt.
heute wieder Wohnungsbau. Robertneun Der durchgehend mit recycelten Ziegeln
haben dafür eine wichtige Referenz ge- verkleidete Sockel spiegelt die Materiali-
schaffen: Seit 2014 wird eine von ihnen tät der Lokschuppen wider. Obwohl die
entworfene Wohnungbebauung auf dem Wohnungsbauten von den Investoren zu-
Gelände eines ehemaligen Lokdepots in nächst nur als Nischenprodukt wahrge-
Brillux Softfeel

Weil gute Gestaltung


auch etwas mit
Gefühl zu tun hat.

Fühlbar matt und sichtbar edel.


Mit Brillux Softfeel lassen sich größere Flächen oder raffinierte Akzente besonders
in Szene setzen. Eine neue, hohe Wertigkeit entsteht und bietet eine besondere
haptische Erfahrung für viele Anwendungen. So eröffnet Brillux Softfeel jedem
feinfühligen Gestalter ganz neue Möglichkeiten.
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14

Die Summe
aller Aktivitäten

Die Baugenossen-
schaft die „wagnis“
schafft es, bezahl-
baren Wohnraum in
München anzubieten.
Für die Wohnanlage
„wagnisArt“ haben
sie jetzt den DAM-
Preis 2018 erhalten.

Kritik:
Mark Kammerbauer
Köpfe 3 15
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND
FOTO: M ICHAE L NAGY

Partizipative Gestaltung: ein


Wohnungsbau von wagnis
16 Köpfe 3
Offenbar macht die wagnis etwas richtig erfassen möchte, stellt man durchaus ur-
– und es heißt tatsächlich die wagnis, ein bane Qualitäten fest: Die Beteiligten kom-
Name der passender nicht sein könnte, men nicht auf der Grundlage von traditio-
denn die in München tätige Genossen- nellen Familienbanden oder dörflichem
schaft geht mit jedem Projekt ein Wagnis Bezug zusammen. Es sind vielmehr Bürger
ein, um ihren Mitgliedern bezahlbaren der Stadt, die nicht zuletzt aufgrund der
Wohnraum zu bieten. Sie zählt zu den etwa mittlerweile kaum noch zu stemmenden
2000 Wohnungsbaugenossenschaften in Mietpreise in deutschen Großstädten zu-
Deutschland, die zusammengenommen sammengefunden haben. Angesichts der
über 2 Millionen Wohnungen verfügen. neoliberalen Ökonomie des städtischen
Gegründet im Jahr 2000 unter anderem Wohnungsmarktes gibt es einen hohen
von Elisabeth Hollerbach, besitzt die wag- Bedarf an Lösungen, die Menschen mit
nis gegenwärtig über 400 Wohnungen und niedrigem oder mittlerem Einkommen be-
hat rund 2000 Mitglieder. Ihre jeweiligen zahlbaren Wohnraum in der Stadt bieten.
Projekte sind Gemeinschaftseigentum, Zur „Rettung“ aus der großstädtischen
und die Bewohner sind „Mieter im eigenen Misere trägt die Art und Weise, wie die
Haus“. Sie können auf ein lebenslanges Genossenschaft einer höchst diversen
Wohnrecht zählen, bei dauerhaft günsti- Bewohnerschaft finanziell erschwingli-
gen Mieten. Geplant, gebaut und ge- chen Wohnraum ermöglicht, bei.
wohnt wird gemeinsam, sozial und ökolo- Hierzu zählt die bereits erwähnte Idee der
gisch, um ein nachbarschaftliches und Mitbestimmung, die bereits von Anfang
selbstbestimmtes Wohnen und Arbeiten an Wünsche nach einer Nachbarschaft
zu ermöglichen. erfüllt, denn sie ist Grundlage der Koope-
ration zwischen den beteiligten Akteuren.
Innovatives Wohnen Durch die „wagnis-Methode“ wird eine
spezifische Balance zwischen privaten,
In München gibt es fünf wagnis-Projekte: semi-privaten, semi-öffentlichen und öf-
wagnis 1, wagnis 2 und wagnis 4 am fentlichen Räumen erzielt, die zum guten
Ackermannbogen, wagnis 3 in Riem und Zusammenleben beiträgt. Diese Balance
wagnisART im Domagkpark. Anteilig gibt ist aber nicht vorgegeben, sie muss erar-
es hier Wohnraum, der für Mieter nach beitet werden. Die genossenschaftliche
staatlicher, einkommensorientierter För- Mitbestimmung und Selbstorganisation
derung (EOF) verfügbar ist, Wohnungen, verweisen daher weniger auf ein traditio-
die nach dem München-Modell gefördert nell-dörfliches Miteinander und stattdes-
werden, oder frei finanzierte Wohnungen. sen auf eine durchaus moderne Interpre-
Aus dem genossenschaftlichen Zusam- tation des städtischen Prinzips der Synoi-
menwirken ergibt sich auch eine geteilte kie oder Selbst ver waltung mit einem
Verantwortung im unmittelbaren Lebens- Fokus aufs Wohnen.
umfeld: Man räumt sich gegenseitig Platz
ein und legt auch Hand an, wenn es dar- Die Summe aller Aktivitäten
um geht, gemeinschaftliche Flächen zu
gestalten. Das äußert sich in einem Mix Die Phrase „housing as a verb“ funktioniert
aus privaten Wohnräumen und gemeinsa- im Englischen als Sprachfigur in diesem
men Bereichen, für den die Cluster-Wohn- Zusammenhang hervorragend, weil dort
form typisch ist. Unterschiedliche Planer „housing“ sowohl ein Substantiv als auch
waren und sind an den jeweiligen Projek- ein Verb ist. Auf Deutsch übertragen be-
ten beteiligt, darunter A2Freising und Göt- deutet sie, dass man Wohnbauten nicht
ze Hadlich Architekten und Stadtplaner. nur als Objekt denkt, sondern als die Sum-

FOTOS: WOHNBAUGE NOSSE NSCHAF T WAGNIS EG; LINKS UNTE N: M ICHAE L HE INRICH
Für das aktuellste Projekt, wagnisART im me der Aktivitäten und Räume, die zum
Bei den Projekten Projekte: drei am Domagkpark im Norden Schwabings, er- Komplex Wohnen gehören. Diese Vorstel-
der wagnis handelt Ackermannbogen, hielten die Genossenschaft sowie die be- lung drückt die Bedeutung sozialer Praxis
es sich um Gemein- eines in Riem und teiligten Planer – bogevischs buero, SHAG für das Gelingen von Wohnprojekten ins-
schaftseigentum. das wagnisART im Schindler Hable Architekten, das Ingeni- besondere in kritischen Situationen aus.
Die Bewohner sind Domagkpark. An- eurbüro EST, Auböck/Káráz und Bauch- Der Begriff, der sich für diese Sichtweise
„Mieter im eigenen teilig gibt es dort plan – den DAM-Preis 2018. Für den Inno- durchgesetzt hat und gleichzeitig auf an-
Haus“ und können geförderten und frei vationscharakter und den beispielhaften dere Felder der Raumproduktion – etwa
auf ein lebenslan- finanzierten Wohn- Umgang mit zeitgemäßen Wohn- und Le- öffentliche Bauvorhaben – anwendbar ist,
ges Wohnrecht zäh- raum. Ergänzt wird bensformen wurde dem Projekt auch der heißt „Par tizipation“. Die wagnis lebt
len, bei dauerhaft das Wohnangebot Deutsche Städtebaupreis 2016 verliehen, diesen Begriff buchstäblich, und jedes
günstigen Mieten. durch halbprivate ebenso wie der Deutsche Landschaftsar- Projekt stellt einen Schritt entlang einer
Das genossen- und öffentlich zu- chitektur-Preis 2017 in der Kategorie „Par- Entwicklung dar, die als sozial-räumliches
schaftliche Zusam- gängliche Nutzun- tizipations- und Planungsprozess“. Labor zur Optimierung und Innovation
menleben trägt gen. Für die Projekte der wagnis wird oft das städtischen Wohnens verstanden werden
zur Gestaltung des Bild des Dorfs heraufbeschworen. Wenn kann – ein Wagnis, das sich definitiv lohnt.
Lebensumfelds bei. man aber das Thema der Wohnungsbau-
In München gibt genossenschaften allgemein und insbe-
es mehrere wagnis- sondere die wagnis etwas analytischer
LED-Systempollerleuchten, Schutzart IP 65. Modular aufgebaute
Leuchten, die mit Zusatzkomponenten wie zum Beispiel
Scheinwerfern, Licht- und Bewegungssensoren, Notlicht batterien
oder zertifiziertem Durchfahrschutz ergänzt werden können.
Systempollerleuchten sind in unterschiedlichen lichttechnischen
Ausführungen lieferbar. Mehr auf www.bega.de

'DVJXWH/LFKW
Für den schöneren Empfang.
Die expressive Balkon-
landschaft des Axis
19

4
Typen
1 Wohntürme
A ) S. 20 Axis
B ) S. 30 Friends
2 Nachverdichtung
A ) S. 38 Dantebad
B ) S. 46 Braystraße
3 Baugruppen
A ) S. 54 Ausbauhaus
B ) S. 62 R50
4 Umbau
A ) S. 70 Philosophicum
B ) S. 76 Güterstraße
FOTO: ME IXNE R SCHLÜTE R WE NDT
20

1. Wohntürme

Hochhäuser gelten
als Patentlösung für
die Wohnungsfrage –
aber sind sie das
A)
wirklich? Mit Axis
in Frankfurt am Main
B)
und Friends in
München porträtieren
wir zwei Ideen.
Wohntürme 1A und 1B 21

A
Das Europaviertel ist mit seinen 145 Hektar grund seiner Höhe hervor. Das Büro Meix-
1 Fläche eine der größten städtebaulichen ner Schlüter Wendt hat am Ende des Bou-
E n t w i ck l u n g s m a ß n a h m e n d e r St a d t levards einen komplexen und skulptura-
Frankfurt in jüngerer Zeit und resultiert aus len Bau geschaffen, der sowohl durch sei-
der Konversion des früheren Güter- und ne spezielle Kubatur als auch durch seine
Rangierbahnhofs. 1996 war das Areal Teil vielschichtige Fassadenstruktur besticht.
des gescheiterten Bahnprojekts Frankfurt Die private Wohnungsbaugesellschaft
21. Danach wurde es im Hochhausent- Wilma, gegründet 1939 in den Niederlan-
wicklungsplan der Stadt fortentwickelt. den, plant in Deutschland seit 1977 Rei-
1999 projektierte die Deutsche Bank die henhäuser und kleinere Wohnsiedlungen.
sogenannte Messestadt, die auf einen Mit dem Axis hat sich das Unternehmen
Entwurf von Helmut Jahn zurückging. Die- 2011 in Frankfurt erstmals einem größeren
ser sah neben einem Einkaufszentrum, ei- Projekt zugewendet und in einem koope-
nem Fußballstadion und einer Konzerthal- rativen Wettbewerbsverfahren mit sechs
le auch Büroflächen und Wohnungen für Architekturbüros ein Wohnhochhaus ent-
10.000 Bewohner vor. Die Begeisterung wickelt.
Ein neues Tor für der Stadtverwaltung hielt sich allerdings Da der Standort ursprünglich für ein Büro-
in Grenzen. Am Entwurf wurde kritisiert, gebäude vorgesehen war, ging die Aus-
Frankfurt dass er zu wenig Erweiterungsflächen für schreibung von einem mittig auf dem
die benachbarte Messe bot. Vor allem Grundstück gelegenen Punkthochhaus
aber wollte die Stadt ihre Planungshoheit aus. Während des Entwurfsprozesses, in
Der Westen von Frank- gegenüber der Deutschen Bank deutlich dem eine Vielzahl von Holzmodellen mit
machen. unterschiedlichsten Typologien entwi-
furt am Main hat einen In enger Absprache mit den städtischen ckelt wurde, fanden Meixner Schlüter
neuen Stadtteil, das Behörden beauftragte die EIM (Eisenbahn
Immobilien Management; heute: CA
Wendt zu einem ausgefallenen Baukörper
auf einem rechtwinkligen Trapezgrundriss
so genannte Europa- Immo Deutschland) das Büro Albert Speer und konnten mit diesem den Wettbewerb
und Partner damit, einen städtebaulichen für sich entscheiden.
viertel, das durch Gegenentwurf – das Europaviertel – zu er- Ihr Entwurfsteam analysierte dafür das

eine zentrale Achse – stellen. Speers Plan sah mehr Fläche für
die Messe sowie ein größeren Anteil für
räumliche Umfeld des 6500 Quadratmeter
großen Grundstücks und fügte anschlie-
die Europa-Allee – Wohnen und Grünanlagen vor, außerdem ßend einzelne Bauvolumina, die jeweils
wurde auf den Stadionneubau verzichtet. für sich auf die umliegende Stadtstruktur
erschlossen wird. Diese Nachdem die Stadt um 2001 kurzeitig – reagieren, zu einem großen Ganzen zu-
aber erfolglos – von Olympia 2012 auf sammen: eine Hochhausscheibe gegen-
beginnt im Osten an dem Areal geträumt hatte, begannen über dem Westside Tower zur Allee hin
einem Einkaufszentrum 2006 die Bauarbeiten am neuen Stadt- ausgerichtet, seitlich jeweils abgeknickt
quartier. zwei Gebäudeflügel in Blockrandbebau-
der ECE und endet ung, die zur weiteren Bebauung des neu-
Ein Stadtviertel vom Reißbrett en Viertels vermitteln, sowie acht Reihen-
nach zwei Kilometern häuser auf dem südlichen Teil des Grund-
mit einem Tor aus zwei Der frühere Leiter des Stadtplanungsam- stücks, welche die gewachsene Baustruk-
tes Dieter von Lüpke projektierte drei tur des benachbarten Stadtteils Gallus
60 Meter hohen Wohn- Hochhauspaare für die städtebaulich widerspiegeln sollen. Während des Wett-
wichtigen Punkte der Straßenachse, die bewerbs erweiterte die Stadt den bebau-
türmen. Einer davon ist der Europa-Allee mit ihren monotonen baren Bereich des Grundstücks so, dass
das Axis von Meixner Blockrändern den Beinamen Stalinallee die Reihenhäuser im Süden gebaut wer-
gaben. Ursprünglich sollten vor allem Bü- den konnten.
Schlüter Wendt. rotürme entstehen, doch die Finanzkrise
2008/09 stoppte die Nachfrage nach Bü- Unterschiedliche Wohntypologien
roflächen abrupt, so dass die Stadtverwal-
tung reagieren musste und stattdessen Aus den differenzierten Baukörpern ergab
Bauten für hochwertigen Wohnraum vor- sich ein Spektrum an Möglichkeiten für
sah. unterschiedliche Wohntypologien und
Insgesamt werden in naher Zukunft etwa Preissegmente. Insgesamt sind etwa 160
12.000 Menschen im Europaviertel leben. Wohneinheiten entstanden. Während im
ARCHITEKTEN: Vier der sechs geplanten Hochhäuser im Sockelbereich der Hochhausscheibe und
MEIXNER SCHLÜTER WENDT westlichen Teil des Quartiers sind nun in den Seitenflügeln kleinere, bis 80 Quad-
ARCHITEKTEN Wohntürme, drei davon sind bereits fertig- ratmeter große Eigentumswohnungen für
gestellt: das Praedium, der Westside einen Preis um 3500 Euro pro Quadratme-
KRITIK: Tower und das Axis. Für ein weiteres Wohn- ter untergebracht sind, befinden sich ab
PHILIPP STURM hochhaus – den Porsche Design Tower – dem sechsten Stockwerk die größeren
und die beiden Bürotürme gibt es Wettbe- und höherpreisigen Wohnungen mit indi-
werbsentscheidungen, der Baubeginn viduell geschnittenen Balkonen. Die groß-
steht noch aus. An der angesichts ihrer zügigeren Grundrisse ermöglichen hier
Tristesse häufig kritisierten Europa-Allee ein „hochwertiges Durchwohnen“, erklärt
ragt der Wohnturm Axis nicht allein auf- Florian Schlüter die freie Aussicht in drei

WEITER
22

Das Gebäude setzt sich aus verschiedenen


Typologien zusammen.

FOTO: ME IXNE R SCHLÜTE R WE NDT


Wohntürme 1A und 1B 23
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND
24
Himmelsrichtungen. Die Erschließung die- gen Eigentumswohnungen des Axis da- tel. Die schlichten Fassaden der umge-
ser Grundrisse erfolgt über zwei Kerne, so gegen sind das Resultat einer Niedrigzins- benden Bebauung sowie die benachbar-
dass zum einen lange und dunkle Gänge politik und dem daraus folgenden hohen ten Hochhäuser aus trivial aufeinander-
vermieden werden und zum anderen eine Anlagedruck unserer Zeit. gestapelten, hochpreisigen Miet- und Ei-
Vielzahl von Wohnungen in die Hochhaus- gentumswohnungen werten den Turm von
scheibe eingeschoben werden konnten. Die Fassade Meixner Schlüter Wendt zusätzlich auf.
Die Bewohner des Axis werden in einer Insgesamt bleibt dem Quartier zu wün-
zweigeschossigen Lobby mit Concierge- Das Axis kann als eines der gelungensten schen, dass mit seiner Fertigstellung und
Service empfangen. Diese mit hellem Holz Gebäude im Europaviertel angesehen der Inbetriebnahme der U-Bahn die noch
vertäfelte, zentrale Eingangshalle bietet werden. Während der Architekturkritiker vorhandene Tristesse schwindet und urba-
Platz für Begegnungen und führt zu den Niklas Maak das Fassadenspiel des neuen nes Leben einkehrt.
Aufzügen sowie über eine großzügige Viertels mit einer Ausstellung für überdi- Am Ende bleibt der Hinweis, dass die Woh-
Treppe auf den begrünten Innenhof und zu mensionierte Abluftgitter verglich, kann nungsfrage in den wachsenden Städten
den dort gelegenen Reihenhäusern. diese Boshaftigkeit die Architekten des Deutschlands mit Wohntürmen nicht zu
Axis kalt lassen: Meixner Schlüter Wendt beantworten ist. Die überproportionale
Frankfurts Wohnungsmarkt überzeugen hier mit einem intelligenten Zunahme der Baukosten ab dem siebten
Fassadenraster, das nicht plump auf Ef- Geschoss führt dazu, dass Hochhäuser im
Der angespannte Frankfurter Wohnungs- fekte setzt, sondern vieles im Ungefähren Schnitt 20 Prozent teurer als Mehrpartei-
markt trug dazu bei, dass die Wohnungen lässt – ein Spiel, das vom Büro meisterhaft enhäuser sind. Den Preis für vertikales
bis zum mittleren Preisniveau schnell ver- beherrscht wird. Wohnen können nur wenige zahlen, und
kauft waren. Im Luxussegment in den dieser Markt wird in Kürze an seine Gren-

D
obersten Etagen des Hochhauses und den zen stoßen.
Wohnungen mit Dachterrassen auf den
Blockrandriegeln können die Einheiten
bis zu 280 Quadratmeter Wohnfläche er-
reichen. Hier gestaltet sich der Verkauf
schwieriger. Zweigeschossige Wohnun-
gen wurden gar nicht erst angeboten.
Dies ist vermutlich der Lage geschuldet, ie nördliche Fassade, eine differenzierte
denn trotz grandiosem Blick auf die Sky- Struktur aus horizontalen und vertikalen
line sowie zu den Bergen des Taunus und Elementen, die mit weißem kroatischem
Odenwalds steht das Axis in einer noch Marmor verkleidet ist, erschließt sich dem
unbestimmten Randlage. Das fer tige Betrachter nicht auf den ersten Blick. Eine
Hochhaus befindet sich in einem Bereich klare Ablesbarkeit der Geschosse vermei-
des Europaviertels, der noch im Entstehen den die Architekten und lassen die Maß-
und Wachsen begriffen ist. stäbe durcheinander geraten. Ist das Ras-
ter entschlüsselt, teilt es sich horizontal in

Z
drei Blöcke auf, die jeweils drei Doppelge-
schosse übereinander stapeln. Zwei Ein-
zelgeschosse sind jeweils über visuell
durchlaufende Fensterelemente mitein-
ander verbunden. Vertikal ist die Fassade
in drei Segmente aufgeteilt, sichtbar
durch zwei Fassadenabschnitte, hinter
um einen muss auf die städtische Infra- denen sich die Aufzüge und Treppenhäu-
strukturmaßnahme U-Bahn bis 2022 ge- ser befinden. Die Südfassade des Gebäu-
wartet werden, zum anderen müssen die des ist dagegen klassischer gestaltet: Hier
Neubauten städtebaulich und sozial mit betonen großzügige Balkonbänder die
der benachbarten Hellerhofsiedlung von Horizontale. Die individuell geschnittenen
Mart Stam (1929–32) zusammenwachsen Balkongrundrisse sorgen für eine reliefar-
– kein leichtes Unterfangen, wenn man an tige Struktur. In der Farbgebung sorgen
die vollkommen unterschiedlichen Bedin- weißer Marmor, roher Sichtbeton und Bal-
gungen denkt, mit denen sich Mart Stam konbrüstungen aus Glas für Abwechslung.
und Meixner Schlüter Wendt in ihrer jewei- Schlüter hat für das raffinierte Fassaden-
ligen Epoche auseinandersetzen muss- spiel sogar eigene Begriffe erfunden: Das
ten: Stam wurde in der Ära des Neuen Raster an der urbanen Nordseite lässt er
Frankfurt von Planungsdezernent Ernst „flimmern“ und die nach Süden ausge-
May beauftragt, eine Wohnsiedlung von richteten Balkone „flattern“.
1904 um 1200 Kleinstwohnungen zu erwei-
tern. Ziel der Planungspolitik war, die Woh- Keine Lösung für die Wohnungsfrage
nungsnot in den Griff zu bekommen. Die
Mittel dafür: konsequentes Verkleinern Das Axis am Ende der Europa-Allee bildet
und Standardisieren der Wohnungsgrund- dank seiner besonderen skulpturalen
risse. Insgesamt entstanden in Frankfurt in Qualität und seiner intelligenten und
dieser Zeit etwa 12.000 Wohnungen in gleichzeitig spielerischen Fassade einen
acht Siedlungen, die sich trabantenartig gelungenen städtebaulichen Abschluss
um die Stadt gruppierten. Die hochpreisi- der Konversionsmaßnahme Europavier- Pläne ab Seite 28
Wohntürme 1A und 1B 25
FOTO: CHRISTOPH KR ANE BURG

Das Europaviertel mit der Europa-Allee


und dem Axis rechts vorne
26 Wohntürme 1A und 1B

FOTO: CHRISTOPH KR ANE BURG

An der Nordfassade sind die Geschosse


nicht klar ablesbar.
27
Der Eingangsbereich des Axis hat eine
großzügige Lobby.
FOTOS: NORBE RT M IGULE T Z

Die Wohnungen oben haben große


Fensteröffnungen und Balkone.
28 Wohntürme 1A und 1B
Die Balkone weisen eine relief-
artige Struktur auf. Die Lage

Frankfurts Europa-
viertel nimmt
gerade Gestalt an.
Zentrales Element
ist die Europa-Allee,
an deren Ende sich
das Axis als eines
von zwei Hochhäu-
sern befindet.

BAUHERR:
Axis Stadtentwicklungs-
gesellschaft mbH

ARCHITEKTEN:
Meixner Schlüter Wendt
Architekten

MITARBE ITE R:
Mario Grote,
Joost Rebske,
Elisabeth Klein,
Stefan Mayer-Twiehaus,
Friederike Sartor,
Tim Waidelich,
Michael Hennings

TR AGWERKSPL ANER:
Bollinger + Grohmann
Ingenieure
FOTOS: CHRISTOPH KR ANE BURG

FERTIGSTELLUNG:
2016

STANDORT:
Der Außenraum zwischen den Europa-Allee 165,
einzelnen Gebäudeteilen Frankfurt am Main
29
1A – Axis

16. Obergeschoss

Querschnitt

14. Obergeschoss

9. Obergeschoss
M 1:1 0 0 0

5. Obergeschoss

1. Obergeschoss Erdgeschoss
30

B
Weithin sichtbar an der Bahnachse, kurz für globale Geldanleger entwickelt, zu-
1 vor dem Münchener Hauptbahnhof ge- sätzlich war der Wohnungsbedarf gestie-
legen, geben die Wohntürme „Friends“ gen. Der daraus resultierende starke
neben den anderen Neubauten entlang Anstieg der Immobilienpreise führte zur
der Entwicklungsfläche zwischen Haupt- Notwendigkeit, Grundrisse vermehrt ren-
bahnhof und dem Stadtteil Pasing Zeugnis diteoptimiert zu planen und dafür ent-
davon ab, was in den vergangenen Jah- sprechende Gestaltungskonzepte zu ent-
ren in München baulich realisiert wurde. wickeln. Im Fall der Wohntürme entschie-
Die Gruppe von Baukörpern an der Ostsei- den sich die Planer für ein an das Prinzip
te des neuen Quartiers am Hirschgarten der Sharing Economy angelehntes Wohn-
wirkt auf den ersten Blick homogen in ihrer konzept, mit der Idee, flächeneffiziente,
st rengen Kubatur und monoch romen flexible private Wohneinheiten mit ge-
Erscheinung. Auf den zweiten Blick offen- meinsam genutzten Räumen und Dienst-
bart sich ein Spiel mit den im Bebauungs- leistungen zu kombinieren. So sind alle
plan vorgegebenen Regeln hinsichtlich Wohnungen in einem offenen Grundriss
Form, Material und Farbgebung. Aus ei- um einen Versorgungkern, den Küche und
Haus der Zukunft nem Wettbewerb gemeinsam mit dem an- Sanitärbereich umfassenden „Cube“, an-
grenzenden Büro- und Einzelhandelskom- geordnet. Geteilt werden eine Gemein-
plex hervorgegangen, sind die Wohntür- schaftsküche, die Dachterrassen und ein
München ist traditi- me Friends, das Hotel und ein weiterer
Bürobau heute Hochpunkt und urbanes
„Doorman“. Wie die Bewohner der neuen
Gemeinschaft miteinander leben wollen,
onsgemäß skeptisch Zentrum des neuen Stadtquartiers am hatten die Projektentwickler im Vorfeld
Hirschgarten. Bei den dort in den letzten über Nutzerbefragungen ermittelt. Dieses
gegenüber hohen Jahren entstandenen Wohnbauten zwi- Narrativ sollte als Blaupause für die archi-
Häusern und urbaner schen Hirschgarten und Bahnfläche wur-
de zwar laut Bebauungsplan alles richtig
tektonische Transformation der Gebäude
zu Wohntürmen dienen.
Dichte, gleichzeitig ist gemacht, dennoch wirkt das Viertel heute
eher suburban als urban. Mit den Wohn- Spiel mit der Ordnung
die Stadt der teuerste türmen will man mehr wagen: eine neue

Immobilienstandort Wohnform, aber auch eine urbane Identi-


tät. Friends: das ist die Nachbarschaft,
Ihr Entwurfskonzept im Wettbewerb hatten
Allmann Sattler Wappner Architekten als
Deutschlands. Die aber auch die Welt. Reaktion auf feste Bauplanvorgaben ver-
standen: Ein alle Baukörper umfassendes
Wohntürme Friends Markt als Kontext Fassadenraster fungiert zunächst als Ord-
nungssystem, welches im Spiel mit Vari-
von Allmann Sattler Ursprünglich als Bürogebäude von All- anten gebrochen wird. Wechselnde Para-
Wappner Architekten mann Sattler Wappner Architekten 2008 meter an den einzelnen Gebäuden, wie
geplant, sollten die beiden Türme das Fassadenöffnungsgrade und Materialität,
im Münchner Westen neue Stadtquartier mit einer urbanen Inf- spielen dabei bewusst mit dem Bruch des
rastruktur ergänzen. Nicht zuletzt wegen Rasters und mit der alle Baukörper verbin-
bieten ein Wohnkon- des lagebedingten Lärm- und Emissions- denden Ordnung. Die Wohntürme verkör-
zept, das die Bedürf- schutzes war Wohnen im Bebauungsplan pern mit der maximalen Fassadenöffnung
dort nicht vorgesehen. Gleichzeitig war auch die maximale Öffnung des Rasters.
nisse des Marktes und die Projektplanung auf einen Münchener Der Bruch der Ordnung ist hier die Extrusi-
Immobilienmarkt ausgerichtet, der zum on des Rasters in Form von Erkern, die sich
der Bewohner be- damaligen Zeitpunkt vor allem Bürobau über die gesamte Fassade verteilen. Das
dienen will. präferierte. Mit der Finanzkrise änderten Entwurfsprinzip von Offenheit bei gleich-
sich die Rahmenbedingungen schlagar- zeitiger Stabilität lässt sich zurückführen
tig. Während das erste der beiden Grund- auf die bei Friends offerier ten Wohn-
stücke aus dem Wettbewerb noch plan- und Lebensentwürfe. Versteht man Offen-
mäßig bebaut wurde, führten die durch heit als eine die kontingente Zukunft be-
die Krise veränder te Büromarkt- und schreibende Eigenschaft, so scheint die
Finanzmarktlage sowie die gleichzeitig Solidität der Doppeltürme und die Ord-
zunehmende Wohnungsnachfrage zum nung des Rasters die Basis zu sein, von der
Umdenken hinsichtlich der an der Bahn aus das Wagnis Zukunft erst eingegangen
ARCHITEKTEN: gelegenen Grundstücksfläche. werden kann. Und so beschreibt das Nar-
ALL M ANN SAT TLE R WAPPNE R Architekturbüro, Projektentwickler und rativ der Wohntürme ein Bild der größt-
ARCHITEKTEN Planungsbehörden sahen sich in der fol- möglichen Flexibilität: Alles ist möglich.
genden Studie mit den Fragen konfron- Die Bewohner leben gleichzeitig global
KRITIK: tiert, wie gutes Wohnen an einem dafür und lokal, gemeinsam und allein, offen
PHILIPP STURM zunächst nicht vorgesehenen Ort ausse- und privat.
hen könnte, was Wohnen gebäudetypo-
FOTOS: logisch im Vergleich zum Bürobau aus- Die Zukunft entwerfen
BRIGIDA GONZÁLEZ macht, und wie Wohnqualität auf kleinem
Raum geschaffen werden kann. München Friends zeigt, wie Wohnen an einem dafür
hatte sich aufgrund der Finanzkrise inzwi- zunächst nicht vorstellbaren Ort über eine
schen zum attraktiven Immobilienmarkt glaubwürdige Geschichte vorstellbar und

WEITER
Wohntürme 1A und 1B 31
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

Bruch mit der Ordnung: die Fassade


des Friends in München
32

Offenheit und Stabilität als Konzept


für die Wohnungen und die Fassade
Wohntürme 1A und 1B 33
Das städtebauliche Ensemble mit
Wohntürmen, Büros und Hotel

Offene Grundrisse: Die Wohnungen


sind um einen Kern angeordnet.
34
real werden kann. Schon einmal war es
Allmann Sattler Wappner Architekten ge-
lungen, über ein Narrativ eine konkrete
Architektur zu realisieren. Beim Ideen-
wettwerb zum Entwurf für das „Haus der

M 1: 8 0 0
Gegenwart“ 2001 hatten sich die Archi-
tekten mit einer fiktiven Geschichte unter-
schiedlicher Nutzungsszenarien bewor-
ben. Die Frage, wie sich die Vielfalt an
Lebensentwürfen in Nutzungsoffenheit
abbilden kann, wurde bereits dort ver-
handelt. Privaträume sortierten sich um
gemeinsame offene Wohnflächen, wobei
die Grenzen zwischen dem Individuellen
und dem Gemeinschaftlichen, zwischen
innen und außen, flexibel waren: Es gibt
nicht den einen Lebensentwurf, sondern
viele.

E
ine bemerkenswerte Rahmenbedingung
des vom SZ Magazin ausgelobten Ideen-
Längsschnitt

wettbewerbs war die Kostenvorgabe: Das


Haus sollte einer Familie mit mittlerem
Einkommen entsprechen. Ging es beim
Haus der Gegenwart um die Frage: „Wie
lebt eine Familie heute?“, so bieten die
Wohntürme Friends mögliche Wohnfor-
men für eine noch offene Zukunft. Diese
Flexibilität dient dem Markt, aber auch
den Bewohnern. Bleibt zu wünschen, dass
derartig innovative Wohnkonzepte wei-
tergedacht werden – für eine soziale Viel-
falt in der Stadt.

BAUHERR:
LBBW Immobilien
Capital GmbH, Stuttgart
M 1:4 0 0 0

ARCHITEKTEN:
Allmann Sattler Wappner
Architekten

FASSADE NBAU:
Heidersberger
Fassadenbau GmbH,
Feldhaus
Fenster + Fassaden
GmbH & Co.KG

TR AGWERKSPL ANER:
Bwp burggraf + Reiminger
Beratende Ingenieure
GmbH

FERTIGSTELLUNG:
2016

STANDORT:
Birketweg, München Lageplan
Wohntürme 1A und 1B 35
1B – Friends

M 1:5 0 0
12. Obergeschoss 14. Obergeschoss

5. Obergeschoss 4. Obergeschoss
36 kleine Werke ( 93 )

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Fujimoto trifft Vitruv


FOTO: K AWAHAR A KR AUSE ARCHITEC TS

Die Urhütte ist bei Architekten schon immer ein beliebtes Konzept chetypische Hausform mit Satteldach und quadratischem Grund-
gewesen: Von Vitruv über Marc-Antoine Laugier bis Aldo Rossi und riss wird durch eine Gitterstruktur aus Acryl-Röhren gebildet und
O.M. Ungers – in der Architekturgeschichte gab es unzählige Pro- füllt damit den Raum zwischen den hohen Büschen des Gartens.
tagonisten, die sich im Laufe der Jahrhunderte mit dem Thema be- Der Kontrast zwischen gefasstem Raum und schwebend leichter
schäftigt haben. Für einen Garten bei Stuttgart hat das deutsch- Struktur macht dabei den Reiz des kleinen Projekts aus. Wie eine
japanische Büro Kawahara Krause aus Hamburg diese uralte sanft schwebende Wolke dient der Pavillon als Sitzplatz und Refe-
Typologie mit japanischem Raumgefühl neu interpretiert. Die ar- renzpunkt im Garten. Fujimoto trifft Vitruv.

Text Leonardo Lella


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38

2. Nachverdichtung

Wo kein Baugrund
ist, kann man nicht
bauen – oder? Zwei
Beispiele aus Mün-
chen, ein Wohnhaus
A)
am Dantebad und
eine Wohnanla e
B)
in der Braystraße ,
zeigen durch Nach-
verdichtung, dass
es trotzdem geht.
Nachverdichtung 2A und 2B 39

A
Wohnraum in Städten ist knapp, was vor rhythmisch aufweiten. An den Schmalsei-
2 allem an den hohen Grundstückspreisen ten befinden sich Gemeinschafts- und
liegt. Um städtische Flächen effizienter Abstellräume, auf dem Dach dann ein
nutzen zu können, ist daher Einfallsreich- Freibereich mit Pergola, Spielplatz und
tum gefragt. Eine konkrete Frage könnte Dachgarten. Es gibt insgesamt einhundert
lauten: Wie kann man auf Flächen wie Wohnungen, alle bereits belegt und nach
Parkplätzen eine Mehrfachnutzung durch zwei Typen unterscheidbar: Apartments
einen aufgeständerten Bau erzielen und mit zweieinhalb Zimmern für Familien mit
damit Wohnraum gewinnen? Diese Frage Kindern sowie Einzimmer-Apartments mit
haben Florian Nagler Architekten mit einer kleinen Küche, Bad und Individual-
einem fünfgeschossigen Zeilenbau am raum. Das Wohnungsangebot richtet sich
Münchner Dantebad beantwortet. zur Hälfte an anerkannte Geflüchtete und
Zurück geht das Projekt auf eine Studie. andere Wohnungslose mit Berechtigungs-
Deren Auftraggeber, der Geschäftsführer schein. Die andere Hälfte ist für Sozialwoh-
des späteren Generalübernehmers des nungen reserviert.
Projekts „Parkplatzüberbauung am Dan- Das aufgeständerte Wohnvolumen be-
Das hölzerne tebad“, traf sich dafür mit dem Münchener steht aus modular gefügten Brettsperr-
Oberbürgermeister, um mit ihm über die holztafeln, die Nasszellen sind vorgefer-
Raumschiff grundlegende Idee und ein mögliches tigte Einheiten. In den Wohnungen selbst
Grundstück zu sprechen. Man einigte sich gibt es sichtbare Holzdecken, weiß gestri-
auf eine Fläche im Nordwesten von Mün- chene Gipskartonwände und einen Lino-
Wie ein hölzernes chen, ein beiderseits von Baumreihen ge- leumboden. Entlang der Fassade bieten
säumter Parkplatz zwischen dem Dante- Fenstertüren mit Dreifachverglasung mit
Raumschiff steht es bad und einem Fußballplatz. Dafür gab einer außenliegenden Brüstung Tages-
da, das Wohnhaus es allerdings Vorgaben: Das Gebäude
musste mit geringem Kostenauf wand
licht und Frischluft. Die Treppenläufe und
Teile des Laubengangs bestehen aus
am Münchner und innerhalb eines Jahres fertiggestellt Stahlbeton-Fertigteilen. Das ist sympto-
werden. matisch für den Wohnungsbau am Dante-
Dantebad mit seinen Als erster Schritt wurde eine Bauvoranfra- bad: Mehr als die Hälfte des Gebäudes

Landestützen aus ge erarbeitet und mit der Lokalbaukom-


mission abgestimmt, in der man die Set-
wurde vorgefertigt. Die Brettschichtholz-
tafeln der Wände und Decken wurden
Beton. Das Gebäude zung eines fünfgeschossigen, aufgestän- ebenso wie die Nasszellen per Kran auf
derten Baus mit Laubengang auf dem den Ortbetonsockel gehoben und dort
ist ein gelungenes Grundstück festlegte. Auf dieser Grundla- geschossweise montiert. Für die Außen-
ge fand anschließend eine Ausschrei- wände wurden Tafeln mit fertigen Fassa-
Beispiel, wie sich bung statt. Die Konstellation aus General- denelementen eingesetzt.
dringend benötigter übernehmer B&O und Florian Nagler
Architekten erhielt mit dem günstigsten Subtile Fassadenspiele
Wohnraum in kurzer Angebot schließlich den Zuschlag für das
Projekt. Das führte dazu, dass der Pla- Während die Fassade der Obergeschosse
Zeit schaffen lässt. nungsablauf zeitlich und organisatorisch mit den Kernen im Sockelbereich an sei-
verkürzt werden konnte. Die beteiligten ner Längsseite zum Dantebad bündig
Firmen standen fest, auf separate Ausfüh- abschließt, schert das holzverkleidete
rungsplanung, Ausschreibung von Leis- Volumen an der gebogenen Schmalseite
tungen und das Einholen von Angeboten aus und bildet einen Überhang entlang
konnte verzichtet werden. Grundlage für des Fußballplatzes. Beide Stirnseiten be-
die Zusammenarbeit war die Bereitschaft sitzen abgerundete Kanten, nach Süden
zur engen und vertrauensvollen Koordina- konischer ausgeführt. Verkleidet ist das
ARCHITEKTEN: tion – man konnte sich auf die reibungs- Gebäude mit einer vertikalen Bretter-
FLORIAN NAGLER lose Kommunikation zwischen Architek- schalung aus Lärchenholz sowie Faserze-
ARCHITEKTEN turbüro und städtischen Institutionen mentplatten im Bereich der Laubengän-
ebenso verlassen wie auf das Wort der ge. Entlang der Straßenfassade hebt ein
KRITIK: ausführenden Firmen und Handwerker. breiteres Lattenformat die Wohnungen
MARK KAMMERBAUER und Treppenhäuser hervor. Die modulare
Einfacher sozialer Wohnungsbau Raumverteilung wird durch hölzerne Rah-
FOTOS: men angezeigt und hervorgehoben. Ab-
STE FAN Konstruktiv unterteilt sich das Gebäude in wechselnd werden ein oder drei Module
MÜLLER-NAUMANN einen „Tisch“ aus Ortbeton und das dar- geschossweise umfasst. Es entsteht ein
aufliegende, eigentliche Wohnhaus. Stüt- Bild geschichteter Wohnsequenzen, die
zen auf Punktfundamenten heben es vom eingefacht wirken.
Grundstück ab und bieten so Raum für den Die Farbgebung ist blaugrau mit roten Ak-
darunterliegenden Parkplatz. Die Haus- zenten, die Holzrahmen der Fenster sind
eingänge werden durch die Auskragung dunkel gehalten. Rote Rollokästen wie
der Laubengänge vor der Witterung ge- auch die Brüstungsgeländer wurden zwei
schützt, Treppenhäuser führen zu Lauben- Handbreit über die Holzverschalung hin-
gängen, wo halbprivate Nischen die ausgeführt, und fast scheint es, als be-
E rschließung entlang der Wohnungen wege sich das Gebäude. Die einzelnen

WEITER
40

TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

Ein hölzernes Raumschiff ist am


Münchner Dantebad gelandet.
Nachverdichtung 2A und 2B 41
42
Farbgebung und Rhythmus der
Fassade betonen die Modularität.

Die Laubengänge über dem


aufgeständerten Erdgeschoss
Nachverdichtung 2A und 2B 43
Das Dach bietet Raum für Terrasse,
Spielplatz und Pergola.

Ein Wohnraum mit Holzdecke,


Linoleumbelag und Fenstertür
44 Nachverdichtung 2A und 2B
Geschosse haben die Architekten mittels
schmaler, durchlaufender Streifen aus Detailschnitt
Stahlblech und einem Blechgesims als
Dachabschluss unterteilt, wodurch die
Horizontalität unterstrichen wird.

Schnell bauen

Die schnelle und unorthodoxe Arbeitswei-


se bei der Planung und Ausführung des
Projekts beinhaltete auch einige Schwie-
rigkeiten. Vor allem die Planungsämter
waren über das „Highspeed-Projekt“ we-
nig begeistert, da die zu erbringenden
Leistungen schneller als sonst abverlangt
wurden. Ästheten würden sich sicher auch
wünschen, dass die Kantbleche der Ge-
simse am gerundeten Bug einen etwas
kontinuierlicheren Kurvenverlauf entlang
der Fassade verfolgen würden.
Trotz allem ist es ein robustes, pragmati-
sches Gebäude, das die qualitativen In-
tentionen der Architekten widerspiegelt.
Außerdem kann es mit Wohnqualität
punkten – den Nutzern ist auf dem Dach-
garten sogar ein Alpenblick vergönnt.
M 1:1 0 0

Und was vielleicht am wichtigsten ist: Das


Gebäude zeigt beispielhaft, dass es in
einem Jahr möglich ist, eine städtische
Nachverdichtung auszuführen und da-
durch dringend benötigten Wohnraum zu
schaffen. Das funktioniert aber nur, wenn
alle Akteure an einem Strang ziehen. Es ist
jedenfalls mehr als wünschenswert, dass
weitere hölzerne Raumschiffe in unseren
Städten landen.

Das Gebäude ist


modular aufgebaut
und hat eine Lau-
bengangerschlie-
ßung. Die vorgefer-
tigten Brettschicht-
holztafeln für Wände
und Decken wurden
per Kran geschoss-
weise montiert.
Die Wohnungen
besitzen sichtbare
Holzdecken, weiß
gestrichene Gips-
kartonwände und
Linoleumböden.
Die Fassaden sind
mit einer Bretter-
schalung aus Lär-
chenholz und im
Bereich der Lauben-
gänge mit Faser-
zementplatten ver-
kleidet.
45
2A – Dantebad Das System

M 1:4 0 0 0
Das Gebäude hat
einen klaren Auf-
bau: Vier Kerne und
ein Stützenraster
heben einen „Tisch“
aus Stahlbeton im
Erdgeschoss empor.
Darauf werden mo-
dular aufgebaute
Wohnungen aus
Lageplan Brettschichtholzta-
feln mit vorgefertig-
ten Nasszellen und
ebenso vorgefertig-
ten Fassadenele-
menten gestapelt.

M 1:1 0 0 0

BAUHERR:
Gewofag Projekt GmbH,
3. Obergeschoss München

ARCHITEKTEN:
Florian Nagler Architekten

MITARBE ITE R:
Tobias Pretscher, Patrick
Fromme, Benedikt Rauh,
1. Obergeschoss Laura Kwanka

TR AGWERKSPL ANER
HOLZBAU:
Ingenieurbüro für Baustatik,
Waldkraiburg

TR AGWERKSPL ANER
BETON:
r.plan GmbH, Chemnitz

FERTIGSTELLUNG:
2016

STANDORT:
Erdgeschoss Homerstraße, München
46

B
„In den Großstädten wird es eng“, titelt die angestammten Bewohner müssen des-
2 Studie des Instituts der deutschen Wirt- halb gehört und diskutiert werden. Gentri-
schaft (IW) zur Bevölkerungsprognose der fizierung ist ein Schlagwort, das in diesem
kommenden 20 Jahre. Während vielen Zusammenhang oft fällt.
ländlichen Regionen die Ödnis droht,
platzen die Städte aus allen Nähten. Die Fallbeispiel Braystraße
Gründe sind vielfältig: attraktive Arbeits-
plätze, Kultureinrichtungen und Freizeit- Dass Nachverdichtung aber auch eine
angebote, eine gute Versorgungslage Chance zu mehr Qualität sein kann, zeigt
und eine funktionierende technische und sich am Beispiel der Wohnbebauung in der
soziale Infrastruktur sind nur einige mess- Braystraße im Münchner Stadtteil Haid-
bare Größen. hausen. Das Quartier ist Teil einer groß-
Auch München sieht sich mit den Heraus- flächigen Stadterweiterung der 1920er-
forderungen konf rontier t, den steten und 30er-Jahre, die Theodor Fischers Staf-
Anstieg der Bevölkerung zu stemmen. So felbauordnung entsprach. Auch heute
hat sich die Landeshauptstadt mit dem noch ist die Umgebung geprägt durch
Mehr Dichte wagen kommunalen Wohnungsbauprogramm eine intakte Blockrandbebauung und
„Wohnen in München VI“ das ehrgeizige weite Straßenräume.
Ziel gesetzt, künftig jährlich 8.500 neue Selbst für die damalige Zeit ist der ge-
München gilt schon Wohnungen mit Fokus auf bezahlbarem
Wohnraum zu errichten. Doch die Stadt ist
schlossene Wohnblock in der Braystraße
ungewöhnlich groß. Das kommt daher,
lange als deutscher schon flächig bebaut, freie Flächen sind dass die U-förmige Blockrandbebauung
rar auf dem Immobilienmarkt. Woher soll zur Prinzregentenstraße durch den über-
Spitzenreiter in also der Baugrund kommen, wenn man ragenden Baukörper der katholischen
Sachen Wohnungsnot, nicht die Fehler der 1970er-Jahre mit ihren
ghettoartigen Großsiedlungen am Speck-
Pfarrkirche St. Gabriel abgeschlossen
wird. Geschützt durch die untypische
was auch nicht weiter gürtel der Stadt und den flächenfressen- Lage des Ki rchenschi f fs ent lang der
den Neubausiedlungen auf der Grünen Straße, entstand ein großer Innenhof mit
verwundert: Immer Wiese wiederholen will? einem über die Jah re gewachsenen

mehr Menschen zie- Nachverdichtung in München


wertvollen alten Baumbestand. Für die
Versicherungskammer Bayern, die im
hen in die bayerische Stadtviertel einen großen Mietwohnungs-
Mit der Novelle des Baugesetzbuches bestand hält, bot die geringe bauliche
Metropole, in der es 2013 wurde der Grundsatz des Vorrangs Dichte das geeignete Potenzial zur Nach-
von „Innenentwicklung vor Außenent- verdichtung im Sinne einer flächen- und
kaum noch innerstäd- wicklung“ formuliert. Neben Umstrukturie- ressourcensparenden Innenentwicklung.
tische Grundstücke rung und Neuentwicklung sich wandeln- Da auch die neuen Wohnungen im Be-
der Quartiere bietet die Nachverdichtung stand bleiben sollten, wurde vom Bauherr
gibt, um zusätzlichen große Potenziale für ein Wachstum inner- deshalb bereits im Wettbewerb der An-
halb der Stadtgrenzen, und gerade in spruch formuliert, „eine städtebaulich,
Wohnraum zu schaf- München verfügen noch viele Grundstü- gestalterisch, funktional, ökologisch und
fen. Nachverdichtung cke über ungenutzte Baurechtsreserven. wirtschaftlich optimale Lösung zu finden
Die Idee ist nicht neu: Schon in seiner Zeit und das politische Ziel ‚Mietwohnungsbau
gilt deshalb als Mittel als Leiter des Stadterweiterungsbüros in für München‘ zu unterstützen“.
München hat Theodor Fischer mit seiner
der Wahl. Eine Wohn- Staffelbauordnung (1904 – 1979) als frühe Mut zur individuellen Lösung
anlage von Palais Form der Bauleitplanung den Grundstein
für die städtebauliche Entwicklung der Den 2012 ausgelobten Wettbewerb konnte
Mai Architekten zeigt, Stadt gelegt. Die mit ihr realisierten Ge- das im Wohnungsbau damals noch relativ
bäude sollten den Maßstab für eine nach- unerfahrene Münchner Architekturbüro
wie das gelingen träglich geschaffene Bebauung schaffen, Palais Mai wegen ihrer unkonventionellen
kann. nach dem Grundprinzip, die Baudichte Art, die geforderte Wohnfläche sinnvoll
von der Innenstadt bis in die Peripherie unterzubringen und so viel stadträumliche
abnehmen zu lassen. Qualität wie möglich zu erhalten, für sich
Rechtlich ist dies heute nicht mehr bin- entscheiden. Ziel des Enwurfs war es, den
dend, aber faktisch immer noch ein gutes Innenhof trotz der höheren Dichte zu stär-
Mittel, um in einem gesunden Maß nach- ken und den Charakter des Or tes zu
zuverdichten. bewahren. Was auf dem Schwarzplan eine
Was aber zunächst wie ein Segen klingt, etwas seltsam anmutende städtebauli-
ARCHITEKTEN: kann auch ganz schnell zum Fluch werden: che Anordnung hat, erweist sich beim Be-
PA L A I S M A I Dichte allein macht noch keine lebens- such vor Ort allerdings als kluger Schach-
werte Stadt aus. Die Gewinnmaximierung zug. Denn die Neubauten – zwei freiste-
KRITIK: durch schnelle gesichtslose Flächenge- hende Wohngebäude und ein Kinderhaus
E VA M A R I A H E R R M A N N nerierung steht dem Wunsch nach einer an der Brandwand zum Nachbargebäude
Steige rung de r räum l ichen Qual i tä t, – passen sich räumlich mit viel architekto-
sozialer Durchmischung und nutzbaren nischem Feingefühl an die Bedingungen
Freiräumen entgegen. Auch die Nöte der des Orts an.

WEITER
Nachverdichtung 2A und 2B 47
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND
FOTO: PK ODE SSA

Die Wohnanlage von Palais Mai


in der Münchner Braystraße
48
Durch die polygonale Form entstehen
vielschichtige Freiräume.

FOTO OBE N: PK ODE SSA; UNTE N: M ICHAE L HE INRICH

Insgesamt gibt es 38 Wohnungs-


typen, verteilt auf drei Gebäude.
Nachverdichtung 2A und 2B 49
FOTO: PK ODE SSA

Eines der Treppenhäuser in der Bray-


straße
50
Dabei hätte man es bei der aktuellen Gabriel, zollt dem Kirchenbau aber durch
Wohnraumsituation in München auch viel die Reduzierung der Farbgebung den Die Lage
leichter haben können: zwei Riegel, Stan- nötigen Respekt. Zwei unterschiedliche
dardgrundrisse und der Wohnungsmarkt Fensterformate und Brüstungstiefen rhyth-
hätte sein Übriges getan. Stattdessen misieren das Spiel der Fassade, werden
besetzen nun zwei fünfgeschossige poly- aber durch die umlaufenden horizontalen
gonale Bauten, organisiert als Drei- und Bänder und die ausgeklügelte Setzung
Vierspänner, selbstbewusst den Freiraum. der Steine im wilden Verband zusammen-
Die neue Architektur tritt dabei in ihrer gehalten.
Form und Gestalt in einen Dialog mit dem

A
Bestand. Dabei ergeben sich neue aus-
differenzierte Räume, die den Hof als
Ganzes erfahrbar machen und zugleich
die Masse der Bauvolumen – immerhin 66
neue Wohneinheiten – viel kleiner er-
scheinen lassen als auf dem Papier.

Präzise Positionierung ls Ergänzung zum Bestand decken die Der große Wohn-
neuen Gebäude einen größeren Mix an block in der Bray-
Der belebte Hof an der Ostseite dient dem Wohnungsgrößen ab. Das neue Wohn- straße im Münchner
Zugang zu den Häusern und zur obligato- raumangebot bietet daher die Chance, Stadtteil Haidhau-
rischen Tiefgarage, der ruhigere Garten- eine andere Bewohnergruppe im Quartier sen wird im Norden
hof mit seinen unbefestigten Flächen anzusiedeln, die nicht in Konkurrenz zu durch die katholi-
bietet einen privaten Rückzugsraum. Die den bestehenden Mietern steht. Dass auf sche Pfarrkirche
Tiefe der Baukörper wird durch die ge- dem Grundstück immer noch eine Bau- St. Gabriel abge-
schickte Anordnung von Erschließungs- stelleneinrichtung zu finden ist, liegt am schlossen. Der gro-
flächen, Einschnitten und Aufweitungen zweiten Bauabschnitt, bei dem die Archi- ße Innenhof wurde
aufgebrochen, Rücksprünge im Dachge- tekten als Folgeauftrag die bestehende durch zwei fünfge-
schoss schaffen zusätzliche Außenräume Blockrandbebauung aufstocken und die schossige polygo-
in Form von Dachterrassen. Durch die Kni- Dachgeschosse ausbauen. Die weiterhin nale Bauten neu
cke in der Kubatur der einzelnen Gebäu- hohe Aufenthaltsqualität der Freiräume organisiert. Dabei
de und die Positionierung ihrer Öffnungen verträgt diese neue Nachverdichtung ergeben sich aus-
entstehen gezielte Blickbezüge und inti- spielend. differenzierte Räu-
me Schutzräume. Dadurch konnten die me, die den Hof als
Architekten ein konfrontatives Gegen- Ganzes erfahrbar
über vermeiden. Innerhalb des Hofes ord- machen.
net eine Hierarchisierung der Freiräume
die Struktur. Das Spiel mit Enge und Weite,
mit öffentlichen und halböffentlichen
Räumen steht im spannungsreichen Kon-
trast zu den übrigen Hofräumen.

D
ie Suche nach der optimalen Aufenthalts-
qualität des Freiraums hat aber auch ihren
Preis: aus der polygonalen Form der Ge-
bäude ergeben sich insgesamt 38 Woh-
nungstypen bei nur 66 Wohnungen! Das
dürfte den Architekten bei der Ausarbei-
tung durchgehend qualitätsvoller Grund-
M 1: 2 0 0 0

risse sicherlich einige Kopfschmerzen


bereitet haben.

Mehr Durchmischung

Die Erscheinung der Baukörper ist unge-


wöhnlich zurückhaltend: Die helle Klin- Lageplan
kerfassade führt ihre Farbigkeit auf die
umliegende Bebauung zurück und nimmt
in ihrer Materialität und Profilierung direkt
Bezug auf die rote Klinkerfassade von St.
Nachverdichtung 2A und 2B 51
2B – Braystraße

Längsschnitt
M 1:1 0 0 0

Regelgeschoss

Erdgeschoss

BAUHERR: TR AGWERKSPL ANER:


Bayerische Landes- BPR Dr. Schäpertöns + Partner
brandversicherung AG
FERTIGSTELLUNG:
ARCHITEKTEN: 2016
Palais Mai
STANDORT:
MITARBE ITE R: Braystraße 13b/c,
Ruth Auffarth, Christina Versailler Straße 18b/c/d,
Nachbauer, Dominik Lang, München
Roman Leonhartsberger,
Charlotte Meyer, Stephen
Bushell, Louisa Wagner,
Dorian Cani Dachgeschoss
52

Oben:
Neu im Hotel – die Widder Bar & Kitchen. Ein massiver zentraler
Tisch dient als Ruhepol, Essplatz und Schänke in einem.

Links:
Die Showküche in der Bar.
Wie im ganzen Hotel ist verhaltene Opulenz auch hier in
den neuen Räumen allgegenwärtig.

Unten:
Die mittelalterliche Enge ist verschwunden,
dezent-barockes Dekor eingezogen. Das Doppelzimmer zieren
schwere Stoffe, Ledersitze und Trompe-l’œil.

FOTOS: WIDDE R-HOTE L


Unterwegs im 53

Widder-Hotel
Zürich

Vor drei Jahrzehnten begann die Architektin Tilla Theus


in ihrer unverwechselbaren Handschrift das
Widder-Hotel in eine der beliebtesten Hoteladressen in
Zürich zu verwandeln. Nun erweiterte sie mit ihrem
Team das Haus um eine Essbar. Tilla Theus feiert dieses
Jahr ihren 75. Geburtstag.
Katholisch oder evangelisch, das ist in der Architektur gemeinhin nicht die Frage.
Auch in Zürich nicht: Laut letzter Erhebung des Präsidialdepartements der Stadt
betrug der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung 28,7 Prozent und jener
der evangelisch-reformierten 22,4 Prozent. Will man nicht heiliger sein als der
PREISE
Papst, könnte man sagen: Das Verhältnis ist ausgeglichen. Der Schweizer Archi-
tekt und Publizist Benedikt Loderer allerdings kommt zu einem anderen Ergebnis:
„Die Architekten, jedenfalls hierzulande, haben einen Hang zum Protestantis- ab
mus. Sie lieben das Scharfkantige, Eindeutige, Einfache. Je weniger Mittel sie
einsetzen, desto überzeugter sind sie von ihren Werken. Less is more. Barocke
Architekten gibt es zur Zeit in der Schweiz wenige, die ernst zu nehmen wären. Zu
470 CHF
ihnen gehört die Architektin Tilla Theus, die für den Widder verantwortlich ist. Sie
und ihresgleichen haben mit Venturi herausgefunden: Less is a bore.“
inkl.
Zu lesen ist seine Begeisterung für das Hotel Widder, jenes „katholische Konglo-
merat“, in der Schweizer Zeitschrift „Hochparterre“ (4/1995). Tilla Theus hatte da- Frühstück
mals gerade die zehn Jahre währende Verwandlung von acht mittelalterlichen
Stadthäusern, die Metzgermeister Niedermann an die Schweizerische Bankge-
sellschaft verkauft hatte, in das noble Fünfsternehotel mitten in der Zürcher Alt-
stadt abgeschlossen. Nur für den zentralen Aufzug aus Glas und Chrom und das
umschließende Treppenhaus hatte die Architektin einen Innenraum entkernt;
aus dem Rest entwickelte Theus auf fünf Untergeschossen, dem Erdgeschoss und
sechs Obergeschossen ein Raumgefüge, das wirkt, als hätten die unterschiedli-
chen Häuser jahrhundertelang unter ihrer Trennung gelitten. 49 Zimmer wurden
eingerichtet in den gassen- und hofseitigen Räumen, Bäder und Flure fanden
Platz in Bereichen, in denen früher Alkoven, Gänge und Küchen waren. So ent-
stand eines der ersten Designhotels: jeder Raum ein Unikat voller Geschichte und
Geschichten, möbliert mit Klassikern von Le Corbusier, Eames, Eileen Gray, die
umgeben sind von Holz, Leder und schweren Stoffen sowie Kunst von Robert Rau-
ADRESSE schenberg, Max Bill oder Andy Warhol.
2012 und 2013 wurden sämtliche Zimmer aufgefrischt, 2014 eröffnete das Restau-
Widder-Hotel rant „AuGust“, dessen schicker Charme mit der Historie des Hauses als Metzgerei
Rennweg 7 spielt – hier sind schon zum Frühstück hungrige Zürcher und Hotelgäste an langen
Zürich Tischen vereint. Und vor einigen Monaten gestaltete das Büro um Tilla Theus die
www. „Widder Bar & Kitchen“ neu: Seither führt eine Wand aus gefaltetem Aluminium
widderhotel voller Nachrichten und Kritzeleien von der Bar in einen großzügigen Raum mit
.com Showküche, Esstheke und dem sogenannten Center-Table, einer Kombination
aus Stammtisch und Bierzapfanlage. Essen lässt sich hier ganz ausgezeichnet,
während die angrenzenden Turm- und Erkerstübli allein schon wegen der bemal-
ten Holztapeten einen Besuch wert sind. Und einsam bleibt auch keiner: Neben
dem Zugang vom Hotel verdanken die Zürcher dem Umbau einen separaten Ein-
gang in die Bar von der Widder-Gasse 6 aus. Keine Frage also: Der Widder ist
noch immer streng katholisch und alles andere als langweilig. Ein Hochamt, kein
Wortgottesdienst. Obwohl es um nichts anderes geht als um Geschichten, seit 23
Jahren, immer wieder neu.

Text Katharina Matzig


54

3. Baugruppen

„Selber machen“
lautet die Devise von
Baugruppen – ein
interessanter Ansatz,
der aber nur funk-
tioniert, wenn es
kostengünstige
Grundstücke gibt.
Das zeigen das
A)
Ausbauhaus und
B)
das R50 in Berlin
exemplarisch.
Baugruppen 3A und 3B 55

A
Wohnungsbau in Berlin hinkt dem Bedarf cken, deren Platten die Wohnungsbreite
3 hof fnungslos hinterher. Beim sozialen von 10,50 Meter überspannen. Das ergab
Wohnungsbau mit lediglich 1,5 % der Neu- 24 etwa gleich große stützenfreie Wohn-
bauwohnungen versagt der Senat ohne- flächen mit jeweils etwa 120 Quadratme-
hin auf ganzer Linie. „Bezahlbare Wohnun- tern und einer großzügigen Deckenhöhe
gen“, inzwischen ein Fachbegriff, entste- von 3, im Erdgeschoss sogar 3,50 Metern.
hen viel zu wenig. Deshalb betrachtet der
Senat die Entwicklung im Bereich der Bau- Zwischen WDVS und Brutalismus
herrengruppen, die sich die bezahlbaren
vier Wände selbst organisieren, mit Wohl- Die Errichtung des Rohbaus dauerte pro
wollen, wenngleich damit der unteren Geschoss etwa eine Woche, was große fi-
Hälfte der Wohnungssuchenden nicht ge- nanzielle Einsparungen ermöglichte. Ge-
holfen ist. spart wurde auch an den Loggien der Süd-
Doch auch die Wohngruppenszene trock- seite – allerdings nicht in Bezug auf deren
net langsam aus, denn die Grundstücks- Größe. Sie sind üppige zwei Meter tief und
preise haben sich in den letzten zehn Jah- nehmen die ganze Breite der Wohnungen
Wohnen im Regal ren verfünffacht, was allenfalls durch eine ein. Da sie aber quer gespannt auf Schott-
extreme Baukostendisziplin zu kompen- wänden auflagern, konnte auf teure Krag-
sieren ist. Selbst im nicht gerade privile- plattenanschlüsse verzichtet werden. Die
Ein Haus wie ein gierten Berliner Stadtteil Neukölln mit sei-
nem hohen Anteil türkischstämmiger Be-
Kosteneinsparungen an der Fassade sind
leider weniger einfallsreich: Hier kam ein
Wohnregal: Das wohner sind seit Kurzem die Bodenpreise Wärmedämmverbundsystem zum Einsatz.
eskaliert. Auch hier ist die Gentrifizierung In den Treppenhäusern mit ihren unver-
Ausbauhaus in Neu- kaum noch aufzuhalten. putzten Wänden, Aufputzleitungen und
kölln von Praeger Planen mit dem Rotstift
verzinkten, ungestrichenen Geländern
fühlt man sich dann ein bisschen an die
Richter Architekten Smithsons erinnert (Seite 6), als man so et-
Das Grundstück am Südrand von Neu- was noch Brutalismus nannte. An den
ist ein Paradebeispiel köllns Braunschweiger Straße war vor die- Fenstern wurde allerdings nicht gespart.

für kostengünstiges sem Boom lange im Angebot und konnte


daher noch günstig erworben werden. Die
Sie sind aus Holz, allerdings kostengünstig
innen wie außen gleich beschichtet.
und nachhaltiges Architekten Henri Praeger und Jana Rich- Das Haus ist trotz aller Einsparungen ein
ter, seit 2004 in Berlin hauptsächlich im Be- Hingucker, zumindest an der Südseite,
Planen und bezieht reich Wohnungsbau tätig, machten das was an der konsequenten Monochromie
Vorhaben in den einschlägigen Foren pu- der äußeren Erscheinung – das gemeinsa-
die Nutzer auf intelli- blik. So fanden sich 24 Bauwillige zusam- me Grau der Fassaden, der Fenster und
gente Weise in men, die typische Mischung des unteren der einheitlichen Vorhänge an den Loggi-
Mittelstandes mit einem großen Anteil an en – liegt. Letztere fanden sich preiswert
seinen Entstehungs- Akademikern, für die der E r werb von im Sortiment des Gewächshausbaus und
Wohneigentum auf dem normalen Woh- erlauben mit geringstem Aufwand die
prozess mit ein. nungsmarkt schwierig, wenn nicht unfi- Verschattung der Loggien.
nanzierbar geworden ist.
Das Grundstück schließt östlich an einen Selber machen
viergeschossigen Wohnblock der Siebzi-
gerjahre an und hat an der Westseite ein Individuell wird es erst im Inneren, denn
etwas höheres Quartier aus der Jahrhun- die Wohnflächen konnten von den Bau-
dertwende zum Nachbarn. Aus diesen herren in Eigenregie gestaltet werden – als
ARCHITEKTEN: Höhenquoten und Baulinien ergaben sich Mehrzimmerwohnung, ungeteiltes Loft
PRAEGER RICHTER die Position und Kubatur des Neubaus fast oder etwas dazwischen. Und auch hier
ARCHITEKTEN von selbst. Der vorherrschende Planungs- war es möglich, die Kosten zu minimieren.
parameter war der Rotstift, das Engage- Die Architekten boten drei Ausbaupakete
KRITIK: ment der Architekten bestand folglich da- mit vom Bau unabhängigen Verträgen zur
FALK JAEGE R rin, diesem Rotstift so viel Wohnqualität Auswahl an. Vier Bauherren wählten die
wie möglich abzuringen – mit erstaunli- Rohbauvariante zum Selbstausbau, vier
FOTOS: chem Erfolg. Zunächst war ein baugrup- die Minimalversion „Loft“ mit Einraum,
ANDREAS FRIEDEL penspezifisches Problem zu lösen, denn Nasszelle mit einfacher Ausstattung, Est-
individuelle Wünsche bremsen den Pla- richboden und Leitungen auf Putz. Der
nungsprozess und kosten deshalb zusätz- Standard „Wohnung“ beinhaltete dann
lich Geld. Wer einsteigen wollte, musste eine Zimmerauf teilung, gespachtelte
deshalb beim Rohbau auf Mitbestimmung Oberflächen, Unterputzmontage der Lei-
weitgehend verzichten. Die monatliche tungen und Holzparkett. Die meisten Woh-
Eigentümerversammlung hatte kaum Ein- nungen wurden in Eigenregie inklusive
fluss auf die Grundstruktur und wenig auf Haftung und oft mit viel Eigenleistung aus-
die Gestaltung des Hauses. Deshalb konn- gebaut. So entstanden die unterschied-
te ein simples Rohbausystem gewählt lichsten Wohngrundrisse, Ausbaustan-
werden: ein Haus wie ein Wohnregal, mit dards und Ausgestaltungen – je nach Ein-
halbfertigen Wänden und Spannbetonde- satz und finanziellen Möglichkeiten.

WEITER
56

Die Südseite des Ausbauhauses mit


großzügigen Loggien
Baugruppen 3A und 3B 57
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND
58 Baugruppen 3A und 3B

Die Nordseite mit Spielmöglich-


keiten und Freisitzen
59
Variable Ausbaumöglichkeiten:
hier die Version „Rohbau“...

...und hier die etwas gehobenere


Ausbauvariante
60 Baugruppen 3A und 3B
Die meisten Wohnungen wurden Selber machen war auch bei den Freiflä-
in Eigenregie ausgebaut. chen angesagt, deren Gestaltung die Ei-
gentümerversammlung selbst entschied.
An der Nordseite ergab sich eine drei-
eckige Freifläche, die durch eine straßen-
seitige Mauer mit gedeckten Fahrrad-
ständern, Zaun und Hecken zu einem klei-
nen Hof mit Spielmöglichkeiten und Frei-
sitzen eingefriedet wurde. Die Freifläche
vor der Südseite ist in vier den Wohnungen
vorgelagerte Areale unterteilt, die jedoch
nicht als individuelle Gärten abgezäunt
sind, sondern in den südlichen Grund-
stücksstreifen übergehen, der ohnehin als
Feuerwehrvorfahrt offen gehalten werden
muss und gemeinsam genutzt wird. Die
Freiflächen wurden in gemeinsamer Ei-
genarbeit gestaltet und bepflanzt.

Ein nachhaltiges Modell?

Ein maximal nach ökologischen Kriterien


errichteter Bau ist das Ausbauhaus nicht.
Vielleicht ist aber das Konzept der langle-
bigen Betonstruktur, der Fassaden mit
mittlerer Lebensdauer und des ökologi-
schen Innenausbaus sowie der unkompli-
zierten Haustechnik langfristig das sinn-
vollere, nachhaltigere Konzept.

D
ie Kosten von 2.000 Euro pro Quadratme-
ter für den Standard „Wohnung“ sind heu-
te schon nicht mehr zu erreichen. Ein spä-
teres, vergleichbares „Ausbauhaus“ der
Architekten in Berlin-Lichtenberg mit 37
Wohneinheiten kam auf 2.400 Euro, ein
aktuelles mit 18 Wohneinheiten in Pankow
auf 3.400 Euro. So sind derlei Projekte mit
Kosten unterhalb des derzeit geförderten
sozialen Wohnungsbaus ein Weg, der viel
stärker von den Behörden unterstützt wer-
den sollte. Was Berlin betrifft, ist Neukölln,
verglichen mit anderen Berliner Bezirken,
ein Glücksfall. Die einschlägigen admi-
nistrativen, organisatorischen und bau-
technischen Erfahrungen dieses konse-
quent kostenminimierten Ausbauhauses
könnten daher ein Vorbild sein.

Die Loftvariante mit einer


Nasszelle als Kern
61
3A – Ausbauhaus

Das System

M 1:4 0 0 0
Lageplan

Wie ein Wohnregal: große stützenfreie


Das Ausbauhaus Wohnflächen mit
hat halbfertige jeweils etwa
Wände und Spann- 120 Quadratmetern
betondecken, und großzügigen
deren Platten die Deckenhöhen.
Wohnungsbreite von
10,50 Meter über-
spannen. Das ergibt
24 etwa gleich

Dachgeschoss
M 1:4 0 0

Grundriss Grundriss 1. Obergeschoss


Variante A Variante B

BAUHERR: TR AGWERKSPL ANER:


Ausbauhaus Neukölln GbR Enrico Kluge,
Baugruppe Projektbau Kluge &
Dipl.-Ing. Steffen Janitz
ARCHITEKTEN:
Praeger Richter Architekten FERTIGSTELLUNG:
2014
MITARBE ITE R:
Jan Kertscher, STANDORT:
Karoline Hietzscholdt, Braunschweiger Str. 41,
Jorge Andujar Berlin Erdgeschoss
62

B
Von einer merkwürdigen Weitläufigkeit konnte individuell unterteilt werden. Die
3 und Unentschiedenheit ist dieses Areal an eigens entwickelte, modulare Holzfassa-
der Ritterst raße in Kreuzberg, das ur- de mit raumhohen Fensterelementen liegt
sprünglich als Verkehrsfläche ausgewie- zurückgesetzt in einem durch die vorgela-
sen war, nämlich als Auffahrt für eine gerte Raumschicht der Umgänge wetter-
Querspange der Stadtautobahn, die nie geschützten Bereich. Die umlaufenden
realisiert wurde. Viel Grün, einige schräg Laubengänge sind als vorgehängte Stahl-
in der Gegend stehende Wohnbauten der konstruktion mit Maschendrahtbrüstun-
Otto-Suhr-Siedlung samt einer Schule aus gen ausgeführt und prägen das Bild des
den 1960er-Jahren und rechts daneben Gebäudes wesentlich. Sie sind vom Trep-
ein Quartier der IBA 1984/87 bilden die penhaus aus zugänglich, funktionieren als
Nachbarschaft – nicht gerade die Umge- zweite Erschließung, als Fluchtweg, aber
bung, an die man sich beim Entwurf eines auch als Kommunikationszone und Bal-
Neubaus bautypologisch gebunden fühlt. konersatz.
Deshalb planten die Architekten einen
autonomen Solitär, der sich dennoch an Radikales Zusammensein
Soziales aus der die Baulinie gebunden fühlt und den logi-
schen Abschluss der Otto-Suhr-Siedlung Ein besonderes Merkmal des Gebäudes
Hauptstadt bildet. ist seine Verbindung von Privatheit und
Gemeinschaft. Das konsequenteste Bei-
Schwere Vergabe spiel dafür sind die Laubengänge, die auf
Berliner Experimen- Beschluss der Bewohner versammlung
Der Bauplatz konnte im Zuge eines Pro- nicht in private Freibereiche abgeteilt und
tierfreude: ein Bau- gramms zur konzeptgebundenen Verga- den Wohnungen zugewiesen wurden,
gruppenprojekt be von Grundstücken des Senats an Bau-
gruppen vom Liegenschaftsfond Berlin
sondern vielmehr einen halbprivaten
Raum bilden, der die informelle Kommuni-
in Kreuzberg erprobt erworben werden. Die Voraussetzungen kation erleichtern soll. Dieser Raum, der
dafür waren allerdings alles andere als sich unmittelbar vor den Wohnräumen be-
neue Formen des bauherrenfreundlich: So musste im Vor- findet, aber allen Bewohnern gehört und

Zusammenwohnens feld ein konkreter Entwurf samt Kalkulati-


on und Terminplanung sowie eine Bieter-
damit auch von allen Bewohnern genutzt
werden kann, ist ungewöhnlich. Die Archi-
und lotet dabei gruppe mit Finanzierungsnachweis vorge- tekten bezeichnen ihn als ein „radikales
wiesen werden – und das ohne Erfolgsga- Bekenntnis zur Gemeinschaft“. Der Pro-
die Grenzen von rantie! Ein problematisches Verfahren, zess wurde durch die Tatsache erleichtert,
das jenen Bewerbern, die nicht zum Zug dass es sich um eine homogene Eigentü-
öffentlich und privat kommen, richtig wehtut und so manchem mergruppe handelt, dass sich Familien
aus. Bauwilligen das Engagement verleiden der Architekten und Freunde zusammen-
dürfte. Ein Verfahren, das aber auch für fanden, die auch der gleichen Altersgrup-
die Architekten, in diesem Fall das Büro pe angehören, viele mit kleinen Kindern,
Heide & von Beckerath, die sich mit ifau und infolgedessen ähnliche Bedürfnisse
und Jesco Fezer zusammentaten, mit Risi- haben. Gleichwohl ist das Haus so ange-
ko behaftet ist, denn Architekten müssen legt, dass es sich an alle Generationen
erheblich in Vorleistung gehen und vorab wendet.
Planungsleistung erbringen, die im Grun- Die Idee der anfangs geplanten Etagen-
ARCHITEKTEN: de genommen der Baubehörde obliegt. gemeinschaftsräume wurde nach intensi-
IFAU UND JE SKO FE ZE R Ein Vorzug des Verfahrens wiederum ist, ver Diskussion zugunsten eines 130 Quad-
HE IDE & VON BECKER ATH dass der Verkaufspreis feststeht und das ra t m e t e r g ro ße n, z we i g esch os s i g e n
Projekt vor der Bewerbung solide kalku- Mehrzweckraums im Souterrain aufgege-
KRITIK: liert werden kann. ben. Er soll gemeinsame Aktivitäten er-
FALK JAEGE R Für die Ritterstraße 50 konnte sich die Bau- möglichen und offen sein für das ganze
gruppe mit Plänen für ein Hochhaus mit Quartier. Das erfüllt auch die Vorgabe des
FOTOS: Souterrain, insgesamt 19 Wohneinheiten, konzeptgebundenen Grundstücksver-
ANDREW ALBERTS einem Studio, sechs als Dreispänner orga- kaufsverfahrens, den Gemeinschaftsraum
nisie r ten Vol lgeschossen und einem regelmäßig für externe, quartierbezoge-
Dachgeschoss durchsetzen. Schon der ne Nutzungen zur Verfügung zu stellen.
kompakte Baukörper mit seinen im Ras- Falls eine gemeinschaftliche Nutzung
tertakt gleichförmig umlaufenden Lau- nicht mehr gegeben ist, könnte er mit ei-
bengängen aus verzinktem Stahl signali- ner Kindertagesstätte oder einem Laden
siert, dass hier eine ökonomische Bauwei- bespielt werden. Zu den Gemeinschafts-
se kompromisslos verwirklicht wurde: Das einrichtungen gehören auch eine Wasch-
Tragwerk besteht aus einer kostengünsti- küche, eine Werkstatt, ein überdachter
gen Betonkonstruktion mit Wandscheiben Fahrradabstellbereich und ein großer
und Stützen in der Außenwand sowie ei- Dachgarten mit Sommerküche. Der Gar-
nem Erschließungs- und zwei Installati- ten des immerhin 2.037 Quadratmeter
onskernen in der Mittelachse des Bau- umfassenden Grundstücks rings um das
werks. Durch diese Anordnung blieben Haus, mit übernommenem Baumbestand
die Grundrisse stützenfrei – jede Wohnung und schlicht eingesät, wird von allen

WEITER
Baugruppen 3A und 3B 63
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

Das Wohnhaus „R50“ in Berlin mit den


umlaufenden Laubengängen
64 Baugruppen 3A und 3B

Die Laubengänge dienen als


kommunikative Räume.
65
Parteien in Anspruch genommen. Er geht reiht, mal hat das großzügige Bad einen
Die Lage ohne Einzäunung in die Grünbereiche der Außenbezug. Immer liegen die Wohnzim-
Nachbarsiedlung über. mer der drei oder vier Wohneinheiten pro
Geschoss in den Gebäudeecken. Hier
Gemeinschaft generieren und da verlaufen Wände auch schräg.
Das Ergebnis ist keine gefällige Architek-
Anders als bei ähnlichen Baugruppenpro- tur mit disziplinierten regelhaften Grund-
jekten, bei denen die Arbeit der Architek- rissen, dafür aber ein individuell maßge-
ten meist an der Wohnungstür und damit schneiderter und zugleich kollektiver Le-
beim Rohbau aufhört, durchlief das Pro- bensraum.
jekt in der Ritterstraße einen intensiven
Prozess an Befragungen und Diskussio- Soziale Nachhaltigkeit
nen, der von den Architekten moderiert
wurde. Die gemeinsame Entscheidungs- Nachhaltig dürfte die Baukonstruktion
findung diente auch dazu, die Bewohner sein, die primäre und sekundäre Elemente
zu einer homogenen Hausgemeinschaft separiert und die bedarfs- und lebenszyk-
zusammenzuführen. lusgerechte Erneuerungen erleichtert. In
die dauerhafte Tragstruktur sind leichte

D
Trennwände und Ausbauten problemlos
einzufügen. Fassaden lassen sich von den
Umgängen aus leicht warten, reparieren
oder auswechseln. Zukunftsträchtig und
sozial nachhaltig ist das Konzept allemal,
denn die robuste Substanz ermöglicht die
flexible Gestaltung von Wohnraum auch
er Wunsch der Bewohner, gemeinsam, bei Eigentümerwechsel oder veränderten
Das Areal an der aber auch möglichst kostengünstig zu Familienverhältnissen. Da es sich nicht um
Ritterstraße in bauen, führte bei unterschiedlicher Größe eine Genossenschaft, sondern um Wohn-
Kreuzberg war und Raumaufteilung der Wohnungen trotz eigentum handelt, werden Besitzerwech-
ursprünglich als allem zu einer weitestgehenden Überein- sel nicht ausbleiben. Die Gemeinschaft
Verkehrsfläche aus- kunft, was Ausbaustandard, unverkleidete versucht gegenwärtig, sich auf Regeln
gewiesen. Jetzt Installationen, robuste Materialien und dafür zu verständigen. Ein „Manifest“ wird
prägen viel Grün, die teilweise roh belassenen Oberflächen erarbeitet, eine Art Kodex für den Veräu-
einige Wohnbauten betraf. „Normaler Wohnungsbau“ funktio- ßerungsfall, das soziale Kontinuität und
der Otto-Suhr- niert genau umgekehrt: Standardisierte Dinge wie die Nutzung der Gemein-
Siedlung samt einer Grundrisse werden individuell und je nach schaftsräume und den freien Umgang um
Schule aus den Geldbeutel wunschgemäß ausgestattet. die Wohnungen sichern soll. Es wird inter-
1960er-Jahren und Man kann erahnen, welch Geschick und essant zu beobachten sein, wie dieses
ein Quartier der Feingefühl die Architekten aufbringen rechtlich kaum fixierbare Instrument im
IBA 1984/87 die Ge- mussten, um den Prozess, bei dem es ei- Anwendungsfall funktioniert.
gend. Die Architek- nerseits um persönliche Geschmacksfra- Die „konzeptgebundene Vergabe“ des
ten planten dort ein gen und andererseits um das Budget jedes Grundstücks durch den Senat hat ihr Ziel
Hochhaus mit Sou- einzelnen Bauherren ging, weitestgehend erreicht, kostengünstiges und gleichzeitig
terrain, insgesamt konfliktfrei über die Bühne zu bringen. hochwertiges, individuelles Wohneigen-
19 Wohneinheiten, tum hervorzubringen. Welch qualitativer
einem Studio, sechs Partizipatives Werkzeug Unterschied, den diese Stadtarchitektur
Vollgeschossen mit ihren 2.150 Euro pro Quadratmeter ein-
und einem Dach- Um die einzelnen Wohnungen zu konzi- schließlich Gemeinschaftsflächen zu der
geschoss. pieren, arbeiteten die Architekten zu- gängigen, mindestens doppelt so teuren
nächst an Funktionsschemata, die sie zu- und sozial unverträglichen Investorenar-
sammen mit den Bewohnern entwickelten chitektur von der Stange bildet! Man
– also grafischen Darstellungen, wie sie wünscht sich mehr davon – nicht nur in
traditionell zu den Grundlagen des Ent- Berlin!
werfens gehören. Diese an Atommodelle
im Chemieunterricht erinnernden Zeich-
nungen wurden dann zu Grundrissanord-
nungen konkretisiert. So entstanden kon-
ventionelle Vierzimmerwohnungen, aber
auch ungewöhnliche Einraumlofts, Enfila-
den, Durchgangsküchen und andere ex-
perimentelle Konfigurationen. Mal gibt es
den großen zentralen Wohnraum mit Die-
le, Küche und minimierten Schlafkam-
mern, mal die Reihe von kleinen Zimmern,
die entlang der Fassade durch Türen ver-
bunden sind. Mal sind winzige Nasszellen
entlang der Wohnungstrennwand aufge- Pläne ab Seite 68
66
Der 130 Quadratmeter große Mehr-
zweckraum im Souterrain

Die Wohnzimmer liegen in den


Gebäudeecken.
Baugruppen 3A und 3B 67

Rohbauästhetik gibt es auch im


Treppenhaus des R50.
68

Detail Fassade

Estrich / Bodenheizung
Dämmebene / Elektroleitungen
Filigrandecke
M 1:1 0 . 0 0 0

3-Schicht-Furnierplatte
Installationsebene
OSB-Platte
Dampfsperre
Dämmung
Lageplan OSB-Platte
Dämmumg
Hinterlüftung / Vertikallattung

M 1:5 0
3-Schicht-Furnierplatte
Dreifachbeschichtung

Die Struktur

Das Tragwerk des


R50 besteht aus
einer Betonkons-
truktion mit Wand-
scheiben und Stüt-
zen in der Außen-
wand sowie einem
Erschließungs- und
zwei Installations-
kernen. Durch diese
Anordnung bleiben
die Grundrisse
stützenfrei. Dadurch
kann jede Wohnung
individuell unterteilt
werden. Die Holz-
fassade liegt
zurückgesetzt, die
umlaufenden Lau-
bengänge sind als
vorgehängte Stahl-
konstruktion aus-
geführt.
Baugruppen 3A und 3B 69
3B – R50

Querschnitt Längsschnitt

M 1:4 0 0
Dachgeschoss 1. Obergeschoss

BAUHERR:
Ritterstraße 50 GbR

ARCHITEKTEN:
ifau und Jesko Fezer
Heide & Von Beckerath

MITARBE ITE R:
Christoph Heinemann, Susanne Heiß, Christoph Schmidt,
Jesko Fezer, Verena von Beckerath, Tim Heide,
Vladimir Fialka, Adrian Heints, Tobias Luppold,
Noa Marom, Wolfgang Rehn, Verena Schmidt

TR AGWERKSPL ANER:
StudioC Nicole Zahner

FERTIGSTELLUNG:
2013

STANDORT:
Ritterstraße 50, Berlin Erdgeschoss
70

4. Umbau

Die Sanierung des


Wohnbestands ist
eine der größten
Aufgaben für Archi-
tekten in Deutsch-
land. Dass dies
innovativ geschehen
kann, zeigen das
A)
Philosophicum in
Frankfurt am Main
B)
und ein Hochhaus
in Pforzheim.
Umbau 4A und 4B 71

A
Der Hochdruckreiniger hat ganze Arbeit heftig umstritten. Manche litten unter der
4 geleistet. Der Abdruck, den der dunkle Architektur der Kramerschen Universi-
Farbbeutel auf dem Anbau hinterlassen tä t sbauten of fenba r fast kö rpe r l ich.
hat, ist verblasst. Inzwischen hat der Fleck Der Schriftsteller Martin Mosebach etwa
den graubraunen Farbton der Fassade sprach von „technischer Kälte“ der Ge-
angenommen. Das Philosophicum ist im- bäude und eine r „ Agg ression“ ih res
mer wieder das Ziel solcher Attacken: Schöpfers gegen das überlieferte Bauen.
Farbbeutel fliegen, Scheiben gehen zu Im Philosophicum wehe ihn „der pure Nihi-
Bruch. Während des Umbaus zu einem lismus“ an.
Appartementhaus wurde das Seminarge- Dass die Institutsgebäude in Bockenheim
bäude geschützt wie ein Gefängnis. Eine auf manche Studenten abstoßend wirk-
Rolle Nato-Draht auf dem Bauzaun sollte ten, hat aber sicherlich auch mit ihrem
eine linksradikale Gruppe abschrecken, schlechten Zustand zu tun. Das Land Hes-
die schon an verschiedenen Gebäuden sen ließ die Gebäude jahrzehntelang ver-
in Frankfurt ihre Spuren hinterlassen und fallen. Die Goethe-Universität, der alte
im Internet dazu aufgerufen hat, soge- Hausherr des Philosophicums, ist schon
Schwieriges Erbe nannte Luxusimmobilien mit Schriftzügen vor Jahren ausgezogen. Mit dem Bau ihres
zu „markieren“. Dass ausgerechnet das neuen Campus im Frankfurter Westend
nüchterne Philosophicum, dem alles wurde das alte Uni-Gelände in Bocken-
Das 1960 errichtete Repräsentative fremd ist und das einst den
Geist der Kritischen Theorie verkörperte,
heim für die Hochschule obsolet. Bis 2022
will sie den gesamten Campus räumen,
Philosophicum in zu einem Feindbild wurde, ist das Ergebnis erste Gebäude wie das Philosophicum
eines bizarren Streits um die neue Nutzung wurden schon zwanzig Jahre zuvor aufge-
Frankfurt am Main gilt des Gebäudes. Um den Konflikt zu verste- geben.
als das Hauptwerk hen, lohnt es sich, etwas tiefer in die Bau-
geschichte einzutauchen. Schwierige Umnutzung
Ferdinand Kramers.
Ungeliebte Architektur An Ideen für das Seminarhaus hat es seit-
Jetzt wurde das her nicht gemangelt. Die städtische ABG-

nüchterne Seminar- Das 1960 errichtete Philosophicum galt


einst als eines der besten Gebäude seiner
Holding hat das Universitätsgelände von
der Landesregierung übernommen. Sie
gebäude zu einem Zeit. Es war Teil jener Universitätsstadt, die wollte das unter Denkmalschutz stehende
der Architekt Ferdinand Kramer (1898 bis Gebäude am liebsten abreißen, um an
privaten Apartment- 1985) fast im Alleingang schuf. Der Rektor seiner Stelle Wohnhäuser mit Mietwoh-
Max Horkheimer hatte ihn nach dem Krieg nungen zu errichten. Tatsächlich schien
haus für Studenten aus dem Exil als Baudirektor der Universi- das Seminarhaus städtebaulich den Plä-
umgebaut und um tät zurück nach Frankfurt geholt. Auf dem nen für einen Kulturcampus im Weg zu
Universitätscampus im Stadtteil Bocken- stehen, der nach dem Umzug der Universi-
einen Anbau erwei- heim zog damals ein neuer, frischer Wind tät auf dem Campus wachsen soll. Eine
ein, und Kramer konnte auf dem nach Umnutzung erwies sich als schwierig, aber
tert. Das Ergebnis dem Krieg neu angelegten Gelände frei nicht als unmöglich, und eine Bürgeriniti-
überzeugt – trotzdem wirken und gestalten. ative trommelte erfolgreich für den Erhalt
Die Gebäude prägten auch das geistige des Baudenkmals. Ihr Plan, den Stahlske-
fliegen die Farbbeutel. Klima der Stadt, die vor einem demokrati- lettbau selbst als günstiges Mietshaus und
schen Neubeginn stand. Repräsentative Sozialprojekt zu nutzen, scheiterte jedoch
Architektur war Kramer verdächtig. Zur am fehlenden Geld. Nach langem Hin und
Vollendung brachte er diese Überzeu- Her fand sich mit der RMW Wohnungsge-
gung bei seinem Philosophicum: Alles an sellschaft Frankfurt II GmbH ein Entwick-
diesem Haus ist bescheiden, ohne große ler, der das Seminargebäude 2014 erwarb
Geste und auf die reine Funktion reduziert. und von Stefan Forster Architekten zum
Die Konstruktion beruht auf einem unver- privaten Apartmenthaus für Studenten
ARCHITEKTEN: kleideten Stahlskelett, ohne tragende umbauen und erweitern ließ.
STE FAN FORSTE R Wände und Stützen im Inneren – für die
ARCHITEKTEN damalige Zeit eine Sensation. Das fast 80 Behutsamer Umbau
Meter lange, neungeschossige Haus ist
KRITIK: keine elf Meter tief. Die schmale Hoch- Vor die Treppentürme an der Gräfstraße
RAINER SCHULZE hausscheibe wurde durch zwei Treppen- setzten die Architekten einen fünfge-
türme aus Sichtbeton erschlossen, die un- schossigen Anbau, der die Traufhöhe der
FOTOS: vermittelt an der Gräfstraße standen. Ein Nachbarhäuser aufgreift, den Blockrand
LISA FARK AS Foyer fehlt. Zweiflügelige Chicagofenster schließt und dem Gebäude eine klare
reihen sich im Wechsel mit weißen Brüs- Adresse gibt. Der Städtebau der Fünfziger-
tungsplatten zu langen Fensterbändern, jahre geht so zwar verloren, dass der
die nur von schwarzen Stahlträgern durch- Anbau den Stadtraum an dieser Stelle
brochen werden. Das strenge Raster ver- schließt, fand aber auch die Zustimmung
leiht dem spröden Gebäude eine beste- der Denkmalpfleger. Mit seinen dezent
chende Klarheit und Eleganz. Unter seinen kolorierten Klinker- und Putzelementen
Nutzern war das Philosophicum dennoch orientiert sich die Fassade des Anbaus an

WEITER
72 Umbau 4A und 4B
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

Der Anbau orientiert sich farblich


am Bestandsgebäude.
73
Annäherung an den Ursprungs-
zustand bei der Sanierung

Ein Innenraum im Philosophicum


nach der Sanierung
74 Umbau 4A und 4B
der Rückseite des Philosophicums. Dessen
Schauseite weist zum Campus. In dem Alt und Neu
alten Seminargebäude wurden die alten
Fensterelemente ausgetauscht und durch
baugleiche, gedämmte Elemente ersetzt,
die von außen den alten zum Verwechseln
ähnlich sind. Die großen Scheiben geben
das Achsmaß der rund 23 Quadratmeter Vor die Treppentür-
großen Zimmer vor, zu denen auch Bäder me an der Gräfstra-
gehören. Innen wurde das Gebäude trotz ße haben Stefan
des Umbaus dem Ursprungszustand ange- Forster Architekten
nähert, mit schwarzem Linoleum auf dem einen fünfgeschos-
Boden, blauen Türen und originalgetreu- sigen Anbau ge-
en Türklinken. setzt. Er nimmt die
Das Projekt wurde 2017 fertiggestellt. In Traufhöhe der Nach-
das Erdgeschoss des Anbaus sind eine barhäuser auf
Kindertagesstätte und ein Café eingezo- und schließt so den
gen. 32 der 238 Zimmer werden zu einem Blockrand. Mit sei-
reduzierten Mietpreis vergeben, aber das nen dezent kolorier-
Gros der Appartements liegt auf einem ten Klinker- und
Preisniveau, das sich nur wenige Studen- Putzelementen ori-
ten leisten können. Das günstigste Zimmer entiert sich die Fas-
misst 26 Quadratmeter und kostet 590 sade des Anbaus
Euro, zuzüglich Nebenkosten. Ein Quad- an der Rückseite
ratmeterpreis von 23 Euro ist selbst für des Philosophicums.
Frank fur ter Verhältnisse ziemlich viel
Geld. Dass die Architekten pfleglich mit
de r Bausubstanz umgegangen si nd,
konnte die Kritiker trotz allem nicht be-
sänftigen. Sie reiben sich an der neuen
Nutzung des Philosophicums. In ihren
Augen hat ein Investor der Mieterinitiative
das Gebäude abgejagt und vermietet die
Zimmer nun zu überteuerten Preisen. Wer
so argumentiert, verkennt allerdings die
hohen Umbaukosten, die solche Projekte
nur schwer rentierlich machen. Zumal, Ungeliebtes Objekt
wenn es sich um ein Baudenkmal handelt. in schlechtem Zu-
Die behutsame Sanierung des Altbaus stand: Das Land
und die stimmige Gestaltung des Anbaus Hessen ließ das Ge-
sind vor allem ein Verdienst der Architek- bäude jahrzehnte-
ten. Der Bauherr stand kurz davor, den An- lang verfallen. Die
bau des Philosophicums mit einer schwar- Goethe-Universität,
zen Blechhaut zu verkleiden. Aus Angst der alte Hausherr
vor Graffiti. des Philosophicums,
war schon vor Jah-
ren ausgezogen.
Mit dem Bau ihres
neuen Campus im
Frankfurter Westend
wurde das alte Uni-
Gelände in Bocken-
heim für die Hoch-
schule obsolet.
75
4A – Philosophicum

M 1: 8 0 0
M 1:5 0 0 0
Querschnitt

Lageplan

Horizontalschnitt Fassade 5. Obergeschoss


M 1: 8 0 0

1. Obergeschoss
M 1:1 0

Das alte Paneel der


Bestandsfassade
hatte eine Stärke
von fünf Zentime- Erdgeschoss
tern. Um bauphysi-
kalischen Anforde-
rungen gerecht zu
werden und trotz-
dem die filigrane
Anmutung der Cur- BAUHERR: Anna Reeg, Wiebke Nolte,
tain-Wall-Fassade RMW Wohnungsgesellschaft Sandra Klepsch
zu erhalten, wurden Frankfurt II
die neuen Profile in TR AGWERKSPL ANER:
den Ansichtsbreiten ARCHITEKTEN: Bollinger + Grohmann Ingenieure
an die Maße der ur- Stefan Forster Architekten
sprünglichen Fassa- (Sanierung und Neubau 2017) FERTIGSTELLUNG:
de angeglichen. Ferdinand Kramer (Bestand) 2017

MITARBE ITE R: STANDORT:


Nina Bölinger, Jelena Duchrow, Gräfstraße 74,
Ildikó Návay, Nora Vitale, Frankfurt am Main
76

B
Pforzheim hat nicht gerade den besten gieeffizientes Gebäude umgewandelt.
4 Ruf. Das ehemals von Jugendstil und Art Das liegt zum einen an der neuen hochge-
déco geprägte Stadtbild zeichnet sich dämmten und hinterlüfteten Gebäude-
heutzutage durch eine von vielen als hülle im Passivhaus-Standard, zum ande-
hässlich empfundene Nachkriegsarchi- ren an der Haustechnik, die grundlegend
tektur aus, die ihre Ursache in einem Luft- erneuert wurde – inklusive der Integration
angriff kurz vor Ende des Zweiten Welt- regenerativer Energien. Die zuvor verwen-
kriegs hat. Am 23. Februar 1945 wurde die deten Elektronachtspeicherheizungen
Stadt durch britische Bomber fast vollstän- und Warmwasserboiler wurden durch ei-
dig zerstört. Dabei hat die sogenannte nen in die Fassade integrierten und nicht
„Goldstadt“, eine Bezeichnung, die auf sichtbaren Kapillar-Solarabsorber ersetzt,
die seit dem 18. Jahrhundert dort ansässi- der die Heizwärme und die Brauchwasser-
ge Uhren- und Schmuckindustrie zurück- erwärmung übernimmt. Dazu kamen eine
geht, durchaus einige kleine Schmuckstü- Wärmepumpe und ein Eisspeicher, der
cke vorzuweisen. Dazu gehören zum Bei- sich unter den angrenzenden Parkplätzen
spiel der original erhaltene Hauptbahnhof befindet, und als saisonaler Wärme- oder
Zurück zur Goldstadt von Helmuth Conradi und die Matthäus- Kältezwischenspeicher für die gewonne-
kirche von Egon Eiermann, beide aus den ne Energie dient. Für die Stromversorgung
1950er-Jahren. verwendeten die Architekten Photovolta-
Pforzheim hat es nicht Architektonisch und städtebaulich hat
sich in den letzten Jahren auch einiges
ikmodule und eine Kleinwindkraftanlage
auf dem Dach, die ein wenig an eine kine-
leicht: Der soziale getan, wie der neue Busbahnhof von Me- tische Skulptur erinnert.
taraum Architekten, direkt neben dem Aufgrund der energetischen Maßnahmen
Ruf ist nicht der beste, Hauptbahnhof, beweist. Gegenüber, auf wurde das Gebäude auf „Nahe Null-
und architektonisch der anderen Seite der Gleise, befindet
sich ein Gebäude, das sich in diesen ar-
energie“-Standard gebracht, die neue
Gebäudehülle und die technische Aufrüs-
wird die sogenannte chitektonischen Gestaltungsanspruch tung führten aber auch zu einer Verbesse-
einreiht, gleichzeitig aber auch eine mög- rung des Wohnkomforts. Durch die neue
Goldstadt auch liche Antwort auf die Frage bietet, was Fassade wurde zum Beispiel der Sonnen-

nicht gerade als man mit einem sanierungsbedürftigen


Wohnhaus, das in einem Problemviertel
schutz verbessert, ebenso wie der Schall-
schutz – ein aufgrund der Lage des Ge-
Schmuckstück wahr- einer Stadt mit eher mäßigem Ruf liegt, bäudes nicht unerheblicher Faktor.
anfangen kann. Die Antwort lautet: Vieles!
genommen. Die Ein neuer städtischer Baustein
Pforzheims neue Architektur
Sanierung eines Das Gebäude hat aber auch eine stadt-
Wohnhochhauses aus Dort ist Folgendes passiert: Freivogel May- räumliche Bedeutung, indem es eine Ge-
er Architekten haben ein unscheinbares gend aufwertet, die trotz ihrer zentralen
den 1970er-Jahren Wohnhochhaus aus den 1970er-Jahren Lage als wenig attraktiv gilt: Im Süden be-
saniert und aufgestockt, weshalb das Ge- finden sich Gleise, im Norden schließt die
könnte jetzt eine neue bäude in seinem Erscheinungsbild jetzt gleichnamige Nordstadt an, die als Prob-
städtebauliche ein wenig an Giuseppe Terragnis „Casa lemviertel gilt. Und damit ist man bei ei-
del Fascio“ erinnert. Die Transformation nem weiteren Grund für Pforzheims eher
Richtung vorgeben. könnte eindrücklicher nicht sein: Die mäßigen Ruf – sie ist auch eine Stadt der
Lochfassade blieb in ihrer Geometrie zwar Gegensätze. Auf der einen Seite gibt es
erhalten, die vorgehängten Balkone und hier die drit thöchste Millionärsdichte
die Verkleidung aus Asbest-Zement-Plat- Deutschlands, auf der anderen Seite viele
ten wurden von den Architekten aber sozial Schwache. In der Nordstadt ist der
durch Loggien und Beton-Fertigteile er- Anteil an Sozialhilfeempfängern beson-
setzt. Neu dazu kamen zwei Dachterras- ders hoch. Insofern kann das Wohnhoch-
sen im aufgestockten zehnten Geschoss, haus auch als neuer Baustein betrachtet
ARCHITEKTEN: wo sich zwei Penthouse-Wohnungen be- werden, der für eine stärkere soziale
F R E I VO G E L M AY E R A R C H I - finden, die mit einem 180-Grad-Blick über Durchmischung des Viertels sorgen könn-
TEKTEN die Stadt und auf den Nordschwarzwald te – oder als „neues Tor zur Nordstadt“, wie
punkten können. Jochen Freivogel, einer der beiden Archi-
KRITIK: Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine tekten des Gebäudes, es ausdrückt.
ALEXANDER RUSS tektonische Fassade, die nichts mehr mit Das wäre auch von überregionalem Inter-
dem generischen Erscheinungsbild des esse, wenn man die Wohnungssituation im
FOTOS: Bestands zu tun hat. Fast könnte man mei- nahegelegen Stuttgart betrachtet. Dort
DIETMAR STRAUSS nen, die Architekten hätten hier einen sind die Mieten mittlerweile fast so teuer
Neubau geschaffen, und das, obwohl die wie in München. Eine Stadt wie Pforzheim,
Grundrisse der Wohnungen nicht ange- die mit ihren circa 120.000 Einwohnern
tastet wurden – der Umbau fand im laufen- gerade so die für die Bezeichnung „Groß-
den Betrieb statt. stadt“ notwendige 100.000 Einwohner-
Die gestalterische Aufwertung ist natür- Marke knackt, könnte als „Pendlerstadt“
lich nur ein Teilaspekt des Projekts: Das von dieser Situation profitieren, indem sie
Wohnhochhaus wurde auch in ein ener- hochwertigen, aber trotzdem bezahlbaren

WEITER
Umbau 4A und 4B 77
TITELTHEMA
WOHNUNGSBAU IN
DEUTSCHLAND

Das sanierte Wohnhochhaus in der


Pforzheimer Nordstadt
78 Umbau 4A und 4B

Tektonische Fassade: Die Balkone wurden


durch Loggien ersetzt.
79
Eine der Penthouse-Wohnungen mit
Dachterrasse und Blick über Pforzheim

Durch die Aufstockung gibt es zusätzlich


zwei Penthouse-Wohnungen.
80 Umbau 4A und 4B

Alt und Neu

Das unscheinbare durch Loggien und


Wohnhochhaus aus Beton-Fertigteile
den 1970er-Jahren ersetzt. Neu dazu
wurde nicht nur kamen zwei Pent-
energetisch saniert, house-Wohnungen
sondern auch mit großen Dach-
aufgestockt und terrassen im auf-
gestalterisch auf- gestockten zehnten
gewertet. Die Loch- Geschoss. Der Um-
fassade blieb in bau fand im laufen-
ihrer Geometrie den Betrieb statt.
zwar erhalten, die
vorgehängten
Balkone und die
Verkleidung aus
Asbest-Zement-
Platten wurden aber
81
Wohnraum anbietet und dadurch die mitt-
leren Einkommensklassen zu sich lockt – Fassadenschnitt
ein Szenario, das die soziale Spaltung der
Stadt abschwächen würde. Gleichzeitig
ist das Wohnhochhaus auch ein städti-
sches Alternativmodell zu den vielen Neu-
baugebieten, die sich am Rand der klei-
neren Gemeinden im Umland ausbreiten.

Die goldene Stadt

Dass die Aufwertung eines Gebäudes nicht


unbedingt mit einer Gentrifizierung ein-
hergeht, zeigt das Wohnhochaus eben-
falls: Die Mieten wurden nach der Sanie-
rung zwar erhöht, allerdings nur moderat
und unter Berücksichtigung der zukünftig
geringeren Energiekosten der Mieter. Das
liegt auch daran, dass der Bauherr des
Projekts, die Pforzheimer Bau & Grund
GmbH, kein privater Investor ist.

D
as 1919 als Baugenossenschaft gegründe-
te Unternehmen, das in seiner fast 100-jäh-
rigen Geschichte vor allem Wohnraum für
Mieter mit niedrigen und mittleren Ein-
kommen schuf, ist zwar mittlerweile eine
GmbH, der soziale Ansatz ist aber nach
wie vor vorhanden. Das macht den Unter-
schied zu einem Investor aus: Der Rendite-
Druck ist nicht so hoch, der Gewinn gene-
riert sich langfristig aus den Mieten. Des-
halb ist es auch ein Anliegen der Firma, in
den Bestand zu investieren, um so einen
nachhaltigen Gewinn zu erwirtschaften.
Es bleibt zu hoffen, dass andere Projekte
mit gleichem Ansatz folgen. Das könnte
viele städtebauliche Probleme lösen –
und Pforzheim dabei helfen, noch golde-
ner zu glänzen.

AUSSE NWAND NE U / DACHAUFBAU TERRASSENAUFBAU:


BE STAND SANIE RT: EXTENSIV BEGRÜNTES
DACH MIT 10 CM 1 Betonsteine 4 cm
1 Faserzement- AUFBAUHÖHE: 2 Kiesschüttung 4 cm
platte 1 cm 3 Dichtungsbahn
2 Luftraum / UK 1 Begrünung 4 Dämmung 16 cm
(Fassade) 9 cm 2 Vegetationstrag- 5 Dampfsperre
3 Dämmung 30 cm schicht 8 cm 6 Betondecke
4 Betonwand 24 cm 3 Schutz-, Drän-, Bestand 16 cm
5 Innenputz / Tapete Filterschicht 2 cm 7 Innenputz 40 cm
64 cm 4 Dichtungsbahn
5 Dämmung 35 cm
6 Dampfsperre
7 Betondecke 20 cm
82 Umbau 4A und 4B

Die Lage

M 1:4 0 0
M 1:1 0 . 0 0 0

Querschnitt

Das Wohnhochhaus
liegt zentral zwi-
schen der Pforz-
heimer Nordstadt
und den Gleisen.
Gegenüber, auf der
anderen Seite der
Gleise, befinden 9. Obergeschoss
sich der Hauptbahn-
hof und die Innen-
stadt.

M 1:4 0 0

BAUHERR: FERTIGSTELLUNG:
Pforzheimer Bau und Grund 2015
GmbH 1. Obergeschoss
STANDORT:
ARCHITE K T: Güterstraße 30,
Freivogel Mayer Architekten Pforzheim

MITARBE ITE R:
Max Gangler, Teresa May

TR AGWERKSPL ANER:
Ingenieurbüro für Tragwerks-
planung Joachim Sommer

E NE RGIE KONZE PT:


Transsolar Erdgeschoss
83

3
Fragen:
SEITE
84
Was sind
die neuen
Wohnstandards?
SEITE
86
Was soll
Barragán in
einem Ring?
SEITE
88
Gibt es
die „Kosmische
Bibliothek“?
84 Fragen 1
„Rot rot tot“ – in den Siebzi- spricht sich Matthias Rott-
Was sind die neuen gerjahren war das eine le- mann von DeZwarteHond ge-
gendäre „Tatort“-Folge mit gen das unreflektierte Wie-
Wohnstandards Curd Jürgens. Und leicht ab- derholen des seriellen Woh-
gewandelt, könnte „rot rot nungsbaus nach wirtschaftli-
rot“ das Markenzeichen der chen Optimierungskriterien
Ausstellung „Neue Standards. aus und zeigt, wie Kleinserien
? Zehn Thesen zum Wohnen“
sein, die vom BDA initiiert
eine hohe Wohnqualität zu
bezahlbaren Mietpreisen er-
und von Ausstellungsgestal- reichen. Zusätzlich zur spiele-
ter Alex Valder in ein kräfti- rischen Visualisierung der
ges Rot getaucht wurde. Thesen durch die Exponate
Wie sieht das Woh- Zehn Thesen? Die Kuratoren gibt es auch eine Publikation
Matthias Böttger und Olaf im Jovis-Verlag.
nen der Zukunft aus? Bahner hatten zehn Architek-
tinnen und Architekten auf- Die Bodenfrage stellen
Und wie können wir gefordert, sich neue Stan-
dards für den Wohnungsbau Mit der Ausstellung ist natür-

bezahlbaren und zu überlegen. Als Standards


wurden dabei die Normen
lich auch der Wunsch nach
Erkenntnisgewinn verbunden,

gleichzeitig quali- und Regeln verstanden,


nach denen gebaut wird.
den sich der BDA als Initiator
und das Bundesbauministe-
Dabei war allen Beteiligten rium als Fördergeber von
tätsvollen Wohnraum klar, dass es nicht nur darum den Veranstaltungen im Rah-
gehen kann, an den Wärme- menprogramm an den ein-
schaffen? Der BDA dämmwerten der EnEV zu zelnen Ausstellungs-Standor-
schrauben oder die Stell- ten erhoffte: In Berlin, Kassel,
setzt sich in der platzverordnung mehr oder
weniger abzuschaffen. Statt-
Nürnberg, Köln, Dresden, Linz
und München fanden gut

Wanderausstellung dessen wollte man „Neue


Standards“ definieren, um ein
besuchte Diskussionen statt,
bei denen die Protagonisten
bezahlbares und zeitgemä- der Ausstellung mit örtlichen
„Neue Standards. ßes Wohnen zu ermöglichen. Akteuren aus Kommunalpoli-
tik und Wohnungswirtschaft
Zehn Thesen zum Zehn Standards zusammentrafen. Ausgangs-
punkt der daraus resultieren-
Wohnen“ damit aus- Die Ausstellung plädiert für den Debatten war immer die
einen Perspektivenwechsel Frage nach den Standards,
einander und sucht im Wohnungsbau, um so den
Anschluss an eine sich wan-
die Ende des 19. Jahrhunderts
aufkamen, um die Bewohn-

nach neuen Lösun- delnde Gesellschaft herzu-


stellen. Deshalb bekamen
barkeit und Dauerhaftigkeit
von Wohngebäuden zu
die Kuratoren zehn Thesen sichern. Einigkeit herrschte,
gen. von den Architekten zurück- dass jeder dieser Standards
gespielt – von soziologisch ein für sich plausibles Anlie-
bis spekulativ, von spiele- gen verfolgt, sie zusammen
risch bis spektakulär: Matthew genommen aber das Ziel
Text: Griffin von Deadline will
„Stadt verhandeln“ (Standard I)
des „bezahlbaren Wohnens“
schwächen.

Benedikt Hotze und zeigt ein neues Gesell-


schaftsspiel, an dem Bürger,
Als Preistreiber Nummer
eins wurde die Bodenfrage
Architekten, Politiker bis hin identifiziert. Denn die Kosten
zu Investoren und Obdach- für das Wohnen sind – mathe-
losen mitspielen können. matisch gesprochen – eine
„Wohnraum individuell aus- Funktion des Bodenpreises.
bauen“ (Standard III) schla- Diese Erkenntnis ist nicht neu,
gen Henri Praeger und Jana sie wurde schon 1972 vom
Richter vor (Seite 54) und damaligen Bundesbauminis-
entwickeln ein System für ter Hans-Jochen Vogel for-
den kostengünstigen Selbst- muliert. Seine Schlussfolge-
ausbau eines weitestgehend rung mutet heute radikal an:
vorgefertigten Rohbaus. Die Da Boden nicht vermehrbar
Besucher können dort ihre ist, sei der marktwirtschaftli-
Wunschgrundrisse in eine che Mechanismus von An-
vorgegebene Rasterstruktur gebot und Nachfrage dafür
einzeichnen. Mit „Monotonie schon „im Ansatz fehlerhaft“.
ist Qualität“ (Standard IV) Ist es demnach antikapitalis-
tisch, die Bodenfrage zu stel- doren!“ (Standard VIII) ist plus Kostenmanagement
len? Der Architekt Reinhard der Appell von Sabine Pollak,
Angelis verneint: „Der Boden ungeliebte Erschließungsflä-
gehört der Stadt. Da muss chen zu Orten des Wohnens
ORCA WEBINARE
es intelligentere Systeme und Lebens für die Gemein- 11.04.2018 • 9.00 Uhr • 20 Minuten
geben, als ihn bloß zu ver- schaft und im Sinne eines re-
orca-software.com/webinar
kaufen!“ Und schon ist man duzierten Flächenverbrauchs
mittendrin in der Diskussion umzugestalten.
um Gemeinwohl versus
Eigennutz. Es zeichnen sich Keine üblichen
auch Lösungen dazu ab: Standardwohnungen
„Konzeptvergabe“ statt
Verkauf zum Höchstpreis, Die Architekten der Ausstel-
„Erbbaurecht“ statt Immo- lung zeigten in den Rahmen-
bilienspekulation und „Bau- veranstaltungen auch eigene
genossenschaften“ statt Projekte: So berichtete
gewerblicher Investoren. Matthew Griffin von einem Am Studienort Kaiserslautern der Hochschule Kaiserslautern
Zusammen scheinen sie genossenschaftlichen Projekt sind 3 Voll- bzw. Teilzeitstellen befristet zu besetzen:
ein Rezept für die Schaffung in Berlin, das in einem partizi-
von nachhaltig bezahlba- pativen „behutsamen Ver-
wiss. Assistent/in im Studiengang Architektur
rem Wohnraum zu sein. Der gabeverfahren“ entwickelt Konstruktion | Holzbau | Entwurf |
gute Wille, dies umzusetzen, wurde. Tim Heide stellte bei Technischer Ausbau | kooperative Promotion
ist mancherorts bereits vor- der Diskussion in Nürnberg Fachbereich Bauen und Gestalten
handen, wobei der Teufel ein Baugruppenprojekt im Nähere Informationen unter www.hs-kl.de/bewerbung
oft im Detail steckt: So erläu- benachbarten Fürth vor, das
terte Rainer Hofmann von eine Dichte „wie in der alten
bogevischs buero, dass Stadt“ realisiert, und Rainer

Smart!
die in München praktizierte Hofmann präsentierte ein
Variante des Erbbaurechts, genossenschaftliches Wohn-
die „kapitalisierte Erbpacht“, projekt auf dem Gelände
dieses Instrument in der der Münchener Funkkaserne,
Praxis für Bauherren uninter-
essant macht.
dessen Grundstück von den
Baugenossen auf dem Wege
einer Konzeptvergabe erwor-
Einfach!
Wer teilt, hat mehr ben werden konnte. Allen
drei Beispielen ist eines ge-
Wohnen ist Gemeinschaft – meinsam: Sie sprengen die
die Konzeption neuer Wohn- Logik der herkömmlichen
formen muss deshalb neue Immobilienentwicklung, weil Wie heizen und kühlen
gesellschaftliche Entwicklun- sie keine der üblichen Stan- 2018 Do, 5. bis Sa, 7. April 2018 wir in Zukunft ohne Öl,
gen mitdenken, Angebote dardwohnungen für klassi- Festspielhaus
Gas und Atomstrom?
Bregenz|Vorarlberg
für gemeinsame Nutzungen sche Familien anbieten. am Bodensee Ein gemeinsames Erkunden
machen und im Gegenzug Nürnbergs Baureferent Daniel www.tri-info.com anhand gebauter Beispiele
die pro Kopf genutzte indivi- Ulrich fand die Projekte „inte-
duelle Wohnfläche reduzie- ressant, aber auch sehr spezi-
ren. „Wer teilt, hat mehr“ ell“, und Vertreter der kom-
(Standard VII) ist für Anne munalen Wohnungsbauge-
Kaestle der Zugang zu neuen sellschaften in Berlin reagier-
STUDENTENABO
Wohnformen. In der Ausstel-
lung porträtiert eine Art
ten reserviert auf die neuen
Wohnformen, für die sie keine 12 AUSGABEN BAUMEISTER
Ahnengalerie einige präg- Nachfrage sehen. FÜR NUR € 95,- (ANSTATT € 192,-)
nante Beispiele kollektiver Bis sich die „Neuen Stan-
Wohnformen – von den An- dards“ im Wohnen etablieren,
fängen in den 1950er-Jahren
bis hin zu Zukunftsvisionen in
muss sich noch einiges bewe-
gen – auch in den Köpfen. Die
B2
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Das Architektur-
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den. So werden die Cluster-
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wohnungen von Alvar Aalto tur Zentrum DAZ erstmals ge- Baustoff für
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86 Fragen 2
„Jill Magid faszinierte die Ring einsetzen und Fehlbaum vor allem die Fragilität von
Text: ganze Geschichte einfach“, und Zanco anbieten, im vermeintlich heiligen Orten
Eva María sagt die Präsidentin der Tausch für das Archiv. Wäh- der mexikanischen Kultur,
Fundación de Arquitectura rend der Exhumierung drehte wie eben der Rotonda de los
Camacho Tapatía Luis Barragán (FATLB), sie ein Video, in dem der Hombres Ilustres. Sie zeigt
Arabella González Huezo. Ring zur Realität wurde. „So aber auch die „mitunter will-
FATLB ist eine mexikanische etwas hätten wir nicht für kürlichen Entscheidungen
Stiftung, die sich ebenfalls möglich gehalten”, sagte mexikanischer Kulturinstituti-
dem Gedenken an den Ar- Arabella Gonzalez Huezo onen“. Diese redeten sich mit
chitekten verschrieben hat. 2016 in einem Interview dazu. der Unklarheit der Gesetze
Offenbar traf sich Magid raus, verstünden aber nicht,
dafür zuerst mit Familienmit- Vergebliche Mühen was Kultur als symbolisches
Es ist eine exzentrische Akti- gliedern, vor allem mit Hugo Gut bedeutet. Sie sieht
on. Sicher auch ein Ausdruck Barragán Hermosillo, einem Aber – die Archive wanderten Camacho in der Kritik, nicht
künstlerischer Kreativität – Neffen Barragáns. Hugo Bar- trotzdem nicht zurück nach so sehr Magid. „Man kann
irgendwie jedenfalls. Oder ragán hörte zunächst mal zu. Mexiko. Fehlbaum und Zanco Konzeptkunst mögen oder
doch auch ein Stück ästheti- Die Pläne waren sagten Nein. Ob nicht. Fest steht aber: Jill
scher Transzendenz? Fest kompli- sie diese Magid ist keine Künstlerdar-
steht: Die Überreste von Mexi- ziert, stellerin. Sie hat am MIT und
kos bekanntestem Architek-
ten Luis Barragán wurden
Was soll der Cornell University stu-
diert. Und sie forscht an der
in einen Diamanten verwan-
delt. Und der wurde Teil
Barragán in einem Graduate School of Design
in Harvard.” Auf Magids
eines Rings.
Verantwortlich für diese Ring Website heißt es, ihre
Arbeit namens „The
eigentümliche Trans- Barragán Files“ drehte
formation ist die sich um Eigentums-
US-amerikanische und Urheberrechte.
Künstlerin Jill Magid ? Letzten Endes ist
(geboren 1973 in der deklarierte Pro-
Connecticut). Mexiko-Aktivismus
Sie erklärte eines aber gar nicht der
Tages medien-
stark, sie wolle das
Die Geschichte ist ziemlich absurd: Kern des ganzen
multimedialen
Barragán-Archiv Projekts. Dieses
nach Mexiko zu- Eine US-Künstlerin verarbeitet die thematisiert – auf
rückholen. Vor sicher kritisierbare
20 Jahren wurde Asche des mexikanischen Architekten Weise – das Verhält-
dieses von Rolf Fehl- nis von Architekt/
baum, dem Chef des
bekannten Möbelun-
Luis Barragán zu einem Ring. Künstler, Korporeali-
tät, Status des Kreati-
ternehmens Vitra, ge-
kauft. Fehlbaum machte
Ist das nun Kunst – oder ven als Celebrity und
den Einfluss, den diese
das Archiv seiner damali-
gen Verlobten und späteren
ein aufmerksamkeitssüchtiger Faktoren auf das kollektive
Gedächtnis von Nationen
Ehefrau Federica Zanco zum haben. Folgt man Arturo
Geschenk – Zanco ist eine PR-Gag? Camacho (übrigens nicht
Verehrerin und Kennerin von verwandt mit der Autorin die-
Barragáns Leben und Werk. ses Textes), dann ist Magids
Das Archiv selbst beinhaltet denn Option konzeptueller Ansatz jeden-
Pläne, Zeichnungen und Barragans Überreste zumindest ernsthaft falls nicht das Kernproblem,
Notizen sowie Briefe, die lagen neben denen vieler erwogen hatten? Wer weiß. sondern das Laissez-faire,
alle zuvor den Erbverwaltern anderer Prominenter in der Für ein Interview zu dieser mit der die Autoritäten sie
Barragáns gehörten. Drei Rotonda de los Hombres Ilust- Recherche standen sie nicht gewähren ließen. Camacho:
Millionen Dollar zahlte Fehl- res in Guadalajara (Bundes- zur Verfügung. Ob das Jill „Die Behörden haben die
baum dafür und gründete staat Jalisco). Der Plan klang Magid überraschte, ob es Transformation der Architek-
gemeinsam mit seiner Frau absurd, doch Magid ließ für sie überhaupt von Belang tenasche einfach tatenlos
die “Barragán Foundation”, nicht locker. In 2014 machte war – auch das ist letztlich zugelassen. Erzeugt werden
die Federica Zanco leitet. sie ihr Projekt im Museo de offen. Als Künstlerin, die die sollte ein Tauschgut, um die
Arte de Zapopan in Jalisco Öffentlichkeit sucht, hatte Barragán-Files zurückzube-
Magids Zähigkeit siegt öffentlich und organisierte sie jedenfalls Erfolg. Der Ring kommen.
ein Dinner, um die Familie wurde in der Schweiz und Haben die Autoritäten das
Doch dann kam Magid mit zu überzeugen. Und offenbar später in San Francisco aus- wirklich geglaubt? Oder woll-
ihrer großen Geste. Mit dem war sie überzeugend. Jeden- gestellt. Arturo Camacho, ten sie einfach nur zum
Ring wolle sie schlicht das falls bekam sie das Go: Sie mexikanischer Experte für nächsten Cocktail-Empfang
Archiv eintauschen und es wollte einen Diamanten pro- Architekturgeschichte, meint am San Francisco Art Institute
zurück nach Mexiko holen. duzieren, diesen in einen dazu: Die Geschichte zeigt eingeladen werden?”Der
Fall wirft zumindest ein inter-
essantes Licht auf den Um- Event
gang mexikanischer Städte
mit ihren symbolisch aufgela-
denen Orten. Die Rotonda
de los Jaliscienses Ilustres in
Guadalajara, der zweitgröß-
ten Stadt Mexicos, ist definitiv
ABGEFAHREN
ein solcher Ort. Jede Touris-
ten-Führung betont die Be- Ein
deutung der Rotonda für die
Geschichte der Stadt und die
Relevanz der dort Begrabe-
Symposium
nen. Camacho: „Seit der vier-
ten Klasse lernen wir Mexika-
ner, wie wichtig der Totenkult
zur
in unserer Kultur ist. Dass nun
jemand 500 Gramm Asche
eines bekannten Mexikaners
Mobilität
einfach so aus der Rotonda
rausnehmen kann, spiegelt Mobilität auf dem Land, urbane Mobilität und die Zukunft
für mich die klassische Kolo- der Mobilität werden in drei Themenrunden diskutiert.
nialgeschichte wieder: Wert- Interdisziplinäre Podiumsdiskussionen, Vorträge und
lose Spiegel werden gegen Workshops setzen sich mit den Auswirkungen von postfos-
Gold eingetauscht.” siler Mobilität, selbstfahrenden Autos, Carsharing und
Die auf die Kunstfreiheit ab- alternativen Mobilitätskonzepten auf die Stadtplanung
hebenden Argumente der auseinander. Was sind die Vorgaben für Architekten
Behörden hält er für vorge- und Stadtplaner durch sich ändernde Mobilitätsmuster?
schoben. Dem stimmt auch Werden Tools, wie „design scripting“ wichtiger? Wie
Carlos Lara zu, ein Experte gestalten wir das städtische und ländliche Umfeld unter
für Kulturpolitik: „Hier zeigt den teils konkurrierenden technischen, gesellschaftli-
sich, wie gedankenlos unsere chen und ökonomischen Kräften?
kulturellen Institutionen alle
kruden Wege zeitgenössi- ZE IT: MIT
scher Kunst mitgehen. Ideen Do, 8. März 2018 Emma Costa Argemi
des Kulturerbes und die kultu- von 12.00 – 20.30 Uhr Bayern Innovativ GmbH
rellen Interessen der Bürger Alexander Erath
werden vernachlässigt.” Für ORT: Future Cities Laboratory,
den mexikanischen Schrift- Showroom im Autohaus ETH Zürich
steller Juan Villoro gibt es nur am Goetheplatz, Carolin Herdtle
ein Wort, mit dem sich das Lindwurmstraße 20 – 24, Soziologin, ISME,
Ganze beschreiben lässt: 80337 München Stuttgart
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88 Fragen 3

DER ANDERE ORT


2/3 In einer dreiteiligen
Serie geht
Mark Kammerbauer
Fantastischer Film – der Rolle der
Architektur Architektur in der
des Postfaktischen heutigen Filmkultur
nach. Dieses
? Mal geht es um
Christopher Nolans
„Interstellar“.

ILLUSTR ATION: ANNE-GAË LLE A M IOT

Der Astronaut nimmt Verbindung mit der Kosmischen Bibliothek auf.


89
soll gelingen, indem der deutet, wo es zunächst eine gerettet werden. Ursache
Gibt es raumfahrende Protagonist massive Stahlbetonkonstruk- und Wirkung sind jedoch zeit-
die „Kosmische samt Kollegenschaft mit tion zu sein scheint. Durch die lich vertauscht. Als Prinzip
einem elegant-funktional Bezwingung der Schwerkraft dahinter meint der Protago-
Bibliothek“ gestalteten Raumschiff ein soll es von der Erde abheben nist, die Kraft der Liebe zu
Wurmloch – eine Art hyper- und zur Rettung der Mensch- erkennen. So interpretiert er
? dimensionale Infrastruktur – heit beitragen. Das Problem zumindest die Situation. Es
in der Höhe der Saturnbahn ist nur, dass der irdische Chef- handelt sich dabei nicht um
nutzt, um in einer weit ent- wissenschaftler von Anfang eine Zeitreise im konventio-
fernten Region des Kosmos an nicht an kritische Daten nellen Sinn. Der Raum hinter
eine neue Erde zu finden. zur Vervollständigung seines dem schwarzen Loch ist viel-
Was sie finden, sind die Über- Antigravitationsalgorithmus mehr als ein atemporaler
bleibsel vorheriger, geschei- herankommen kann, da die- Ort zu verstehen. Die Techno-
terter Expeditionen, auf se nur im Inneren eines Black logie, die hier dargestellt
verrückten Welten zerschellt, Holes zu ermitteln sind. Hier wird, ist so weit fortgeschrit-
die um ein Black Hole kreisen. kommt der Plot zum Tragen, ten, dass sie uns wie Magie
Black Holes sind tatsächlich als der Raumfahrer dank der erscheint.
Orte, wo die bekannten Na- Unterstützung seines roboti- Der Raumfahrer muss diesen
Bereits in seinem Film „Incep- turgesetze verrückt spielen. schen Begleiters ebendiese postfaktischen Weg durch
tion“ faltet Christopher Nolan Sterne und Sonnen können Daten über die kosmische das Black Hole und die kos-
urbane Environments auf un- am Ende ihres kosmischen Bibliothek seiner Tocher „in mische Bibliothek gehen,
mögliche Weise zusammen Lebenszyklus zu sogenannten der Vergangenheit“ zukom- denn ohne ihn kann die kos-
und schafft atmosphärische schwarzen Löchern kollabie- men lässt. mische Bibliothek in der
Wunderkammern, um die ren. Hier wird Materie durch Die kosmische Bibliothek Zukunft nicht gebaut werden.
Zuschauer zu verblüffen. Sein die Macht der Schwerkraft stellt ein n-dimensionales Die Wahrscheinlichkeit ist
Science-Fiction-Epos „Inter- beinahe unendlich dicht Panoptikum dar, in dem hoch, dass sie von zukünfti-
stellar“ geht einen Schritt komprimiert. Die Gravitation Matthew McConnaghey als gen Bewohnern des Black-
weiter und komprimiert eine ist so hoch, dass die Singu- astraler Jeremy Bentham Hole-Systems errichtet wurde.
gesamte Familienbiografie larität des Black Hole hinter die Biografie seiner Tocher in Daher ist es nicht überra-
zu einem n-dimensionalen einer Raumkrümmung ver- ihrem Zimmer verfolgen schend, dass der Raumfahrer
Backstage-Bereich hinter der schwindet. Aus diesem kann. Zuerst erkennt man auf sich am Ende des Films wie-
Scheinrealität der Filmhand- Schwerkraftgefängnis kann der Leinwand Spuren oder der auf den Weg durch das
lung. Knapp unterhalb des kein Lichtstrahl entkommen. Rillen wie die einer Schall- Wurmloch macht, zu einer
Ereignishorizonts eines Black Ein schwarzes Loch ist ein platte, im jenseitigen Irrlicht einsamen, gestrandeten
Hole gelegen, befindet sich Sternengrab, das sein kosmi- des Ereignishorizonts glo- Kollegin auf einem der Satel-
dieser Raum jenseits des sches Umfeld und damit send. Dann vergegenständli- liten des schwarzen Lochs.
Raums, der die Zeit in phy- andere Sterne und ihre Plane- chen sich diese zu gespann- Vermutlich werden sie sich
sisch zugängliche Dimensio- ten und Monde gleich einem ten Fäden eines kosmischen dort an die Gründung einer
nen parzelliert und in einen Weltraumungeheuer ver- Webstuhls, die sich zu einem neuen menschlichen Zivilisa-
stilistisch erhabenen, kosmi- schlingt. Bei Interstellar ge- labyrinthischen Tesserakt tion machen, die später die
schen Bibliotheksraum ver- lingt dem Raumfahrer der entfalten und verräumlichen. kosmische Bibliothek baut.
wandelt. Ist dieser tote Stern Flug durch das Black Hole, Diese Struktur grenzt überall In der Science Fiction sind
ein postfaktischer Ort? samt Zwischenhalt in der an die Rückwand des Bücher- solche „Zeitschleifen“ wohl-
„kosmischen Bibliothek“ regals im Zimmer der Raum- bekannt. Sie sind Schicksals-
Reise durchs Wurmloch hinter der Raumkrümmung. fahrertochter an, zu jedem gefängnisse, wo die individu-
denkbaren Zeitpunkt. Gleich elle Handlungsfreiheit auf
Bei Interstellar hat zumindest Die kosmische Bibliothek einer springenden Nadel auf einen ausschließlichen,
die postfaktische Politik be- einer temporalen Schallplatte singulären Pfad zusammen-
reits früh ihren Auftritt: In der Den raumfahrenden Haupt- rast der Raumfahrer von schmilzt: So wird die Entste-
Schule werden die Mondlan- darsteller führt die Reise Augenblick zu Augenblick. hung der Erbauer der kosmi-
dungen der NASA geleugnet, durch das schwarze Loch Hier kann er bestimmte Ereig- schen Bibliothek garantiert –
um den postapokalyptischen zurück ins heimatliche Son- nisse in der relativen Vergan- ein temporal-kausaler
Schülern keine Flausen in nensystem. Währenddessen genheit herbeiführen – etwa Tauschhandel, der die Be-
den Kopf zu setzen – sie sollen ist für ihn weniger Zeit vergan- herunterfallende Bücher oder dingung für die Flucht aus
Bauern werden, keine Ge- gen als im „normalen“ Welt- den Zeiger auf dem Ziffern- der Gravitationsfalle des
nies. Die Probleme der Welt raum – ein Phänomen, das blatt einer Armbanduhr im Black Hole ist. In der kosmi-
werden auf der Scholle und auch als „Zeitdilatation“ be- Morsecode wandern lassen. schen Bibliothek wird Ge-
nicht auf dem Reißbrett ge- kannt ist. Er landet in einem schichte nicht nur rezipiert,
löst. Doch im Film sieht sich Weltraumhabitat, das mit Wirkung vor Ursache sondern auch postfaktisch
unser Heimatplanet mit seinem zylindrischen Inneren geschrieben.
unlösbaren Problemen kon- stark an Studien der NASA So kommuniziert er mittels
frontiert. Die Umwelt spielt erinnert, die in den 1960er- akausaler Phänomene mit
verrückt, und Katastrophen und 1970er-Jahren bildmäch- seiner Tochter. Sie nutzt die
machen den Menschen das tig eine kosmische Zukunft gewonnenen Informationen,
Leben schwer. Nur die Flucht der Menschheit einforderten. um die Formel des Chefwis-
von der Erde kann die Ret- Das Weltraumhabitat wird senschaftlers zu vervollstän-
tung bringen. Diese Rettung tatsächlich früh im Film ange- digen. Die Menschheit kann

von Mark Kammerbauer


90 Live

Baumeister Academy

Zum sechsten Mal schickt der Baumeister in Zusammenar-


beit mit Graphisoft und der BAU2019 vier herausragende
Architekturstudenten in drei renommierte und international
tätige Architekturbüros. Für die Chance auf ein Praktikum
bei léonwohlhage, MVRDV oder Querkraft mussten die
Bewerber jedoch erst eine anspruchsvolle Aufgabe bear-
beiten.

In Berlin sind aktuell rund Academy, schon jetzt mit eines Wertstoffkreislaufs, 4 – Visibubble
17.000 Menschen offiziell einem Highlight schmücken: der den Sperrmüll Berlins zu
wohnungslos, in München MVRDV holte sie im Februar unauffälligen kleinen, mobi- Für Theresa Wunder geht es
hat sich die Zahl der Obdach- zu sich nach Rotterdam. In len Häusern umfunktioniert. nach Wien. Die Architekten
losen in den letzten zehn Jah- ihrem Entwurf greift sie eine Die recycelten Elemente die- von Querkraft haben die jun-
ren verdreifacht, und in Wien Situation auf, die jeder kennt: nen Obdachlosen kurzfristig ge Oberfränkin eingeladen,
stehen gerade mal für die Ein S- oder U-Bahnhof im oder langfristig als Schutz- sechs Monate Großstadtluft
Hälfte der geschätzt 8.000 Winter, in dem obdachlose und Schlafräume und können zu schnuppern. Obwohl das
Obdachlosen Wohn- und Menschen nach Wärme durch sie selbst gesammelt für Theresa eigentlich nichts
Schlafplätze zur Verfügung. suchen – wohlwissend, dass werden. Der Effekt: mehr Neues ist: Ihren Bachelor
Deswegen lautete die Aufga- sie hier nicht lange bleiben Obdach und ein sauberes absolvierte sie in Frankfurt,
be der sechsten Baumeister dürfen. In Vivianes Idee wird Berlin. derzeit setzt sie ihr Studium
Academy: Entwickle ein mo- niemand fortgeschickt: Ein in Regensburg fort. Ihren Ent-
biles Obdachlosenheim in Straßenbahnwaggon – aus- 3 – Sleeping Cart wurf ging die junge Architek-
deiner Stadt. In einem Steg- gestattet mit Schlafkabinen, tin gesellschaftskritisch an.
reifentwurf untersuchten Stu- Sanitäranlagen und Gemein- Berlin als Dorf? Das wäre neu! Das Ziel: Menschen, die von
dierende aus Deutschland, schaftsbereich – nimmt die Wir sind gespannt, was Aca- der Gesellschaft übersehen
Österreich und der Schweiz, Menschen auf und ist zu- demy-Gewinnerin Cosku werden, wieder sichtbar zu
was ein Mensch ohne festen gleich Begegnungsstätte Özdemirci – gebürtige Istan- machen. Wie? Durch Visi-
Wohnsitz braucht und in wel- wie auch Anlaufstelle für ihre bulerin – von ihrem Praktikum bubble – eine Behausung,
chen Formen und Materialien Belange. bei léonwohlhage und der die leicht auf dem Rücken
sich das widerspiegeln kann Hauptstadt berichten wird. zu tragen, schnell aufgebaut
– individuell übertragbar, auf 2 – Innova(c)tive Space for Das Ziel von Coskus Entwurf: und aufgefaltet und aufge-
die eigene Stadt. Das Resul- Homeless eine neue Wohnkultur für pumpt zu einer leuchtenden
tat: engagierte Entwürfe und Obdachlose. Dazu dient das Schlafkugel für Menschen
Ideen in Collagen, Rende- Auch Ayman Omeirat hat sogenannte Sleeping Cart, ohne Dach über dem Kopf
rings, Comics oder Skizzen. die Talentscouts von MVRDV ein leichtes Vehikel, das auf wird.
Vier davon stachen heraus. für sich begeistert. Der junge minimalem Raum Schlafplatz
Libanese wird zum Winter- bietet und das die eigenen
1 – Heimfahrt semester 2018 zum internatio- sieben Sachen transportiert. -Sie möchten wissen, wie
nalen Intern-Team der Nie- Eingesetzte Materialien: es bei den jungen Talenten
Viviane Vu studiert an der derländer zählen. Aktuell OSB-Platten mit 20 Millimeter weitergeht? Alle Berichte
Universität Stuttgart im Ba- noch im Master an der RWTH dicker Wärmedämmung, der Baumeister-Academy-
chelor Architektur. Obwohl Aachen, ist der Schauplatz ein weicher Teppich und eine Gewinner und -Absolventen
sie mit ihren 21 Jahren die seines Stegreifentwurfs Berlin, wasserdichte und atmungs- finden Sie unter:
jüngste der diesjährigen wo Ayman seinen Bachelor aktive Hülle, die nicht nur fri- baumeister.de/academy
Academy-Gewinner ist, kann absolvierte. Der Kern seines sche Luft, sondern auch Licht oder auf Instagram unter
sie ihr Portfolio, dank der Vorschlags: Die Entwicklung hereinlässt. #baumeister_academy

Text Theresa Ramisch


91

1 2

3 4
Ungeahnte Planungsfreiheit: Die Leuchten von Delta Light werden dank
magnetischer Ausrüstung werk zeugfrei kombiniert und umpositioniert.
93

11
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94

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Gebäude-
automation
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10 0

Licht
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QUALITÄTSSCHMIE DE:
USM

SEITE
98

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REFERENZ:
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SOLARLUX

SEITE
106
94 Lösungen
Zur Light + Building
2018

Vernetzte Lösungen,
zukunftsweisende
Technologien und
Designtrends stehen
im Mittelpunkt der
Light + Building 2018
in Frankfurt. Unter
dem Motto „Vernetzt –
Sicher – Komfortabel“
rückt die Weltleit-
messe für Licht,
Gebäude- und Elek-
trotechnik vom 18. bis
23. März Lösungen
in den Fokus, die die
Wirtschaftlichkeit
der Gebäude erhöhen
W W W. S O M F Y. D E

und den Komfort so-

1
wie das Sicherheits-
bedürfnis der Nutzer ST
AND: HA

steigern. Daneben
LLE
9

9.
0, C0
gibt es natürlich auch
viele dekorative Clever nachrüsten kommuniziert über

Leuchten. Ein neuer auf Funk einen integrierten


Funkempfänger
Schwerpunkt der Schutz vor Hitze und direkt mit den An-
Kälte, intelligente trieben, ohne dass
Messe ist die Sicher- Anwesenheitssimu- zusätzliche Installa-

heitstechnik. Dazu lationen zur Abwehr tionsarbeiten nötig


von Einbrechern, sind. Das steckbare,
gibt es die Sonder- sinkende Energie- 50 x 50 mm große
kosten – viele Grün- Modul passt in alle
schau „Secure! de sprechen für die gängigen Schalter-

Connected Security zeit- und sensor- programme und


basierte Steuerung auch die Einbindung
in Buildings“. von Rollläden und in umfassende
Jalousien. Von die- Smart-Home-Lösun-
sen Vorteilen kön- gen wie „Somfy

von nen ab sofort auch


Besitzer kabelge-
Connexoon“ oder
„Somfy TaHoma
Anja Koller bundener Antriebe Premium“ gelingt
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profitieren. Ein ein- ohne Probleme.


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Qi-kompatible Mobilgeräte, wie zum Beispiel das iPhone der Der EVOline Square80 lässt sich ohne großen Aufwand einbauen,
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Farben bringen zu-
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tungsvielfalt und
ergänzen die De-
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gierendes Kupfer,
edles Messing, mar-
kantes Titan und
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sorgen für Neuinter-
pretationen der
Edelstahloberflä-
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dünne PVD-Schicht
betont die Struktur
und Verarbeitungs-
güte des gebürste-
ten Edelstahls. Das
Ergebnis ist eine
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metallisch schim-
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die den Lichtver-


hältnissen entspre-
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Mit dem „Wiser Tas- programmierten


ter-Modul“ und der Wiser-Einstellungen
„Wiser Room App“ wie Timer- und
von Merten, einem Memoryfunktion,
Unternehmen des Dimmen oder Son-
Konzerns Schneider nenschutz lassen
Electric, werden sich auf weitere
Smartphone und Schalter im Haus
Tablet zur Fernbe- übertragen. Eine
dienung für Licht- Demontage des
technik und Jalousi- Taster-Moduls ist
en im ganzen Haus. bei Änderungen in
Konfiguriert werden den Einstellungen
die Schaltereinsätze nicht nötig.
für die Schalterpro- Der Sentido Schalter ist völlig
gramme „System touch-empfindlich wodurch Leuchten,
Design“ und „Sys- Sonnenschutz und sogar Musik mit der
tem M“ von Merten
leichtesten Berührung gesteuert
über die, für iOS-
werden können.
und Android-Geräte
verfügbare, Wiser
Room App. Das Wählen Sie eine der sechzehn
User-Interface auf hochwertigen Oberflächen, die sich
dem Endgerät perfekt in Ihren Wohnraum einfügen.
macht Einstellung Sentido ist für KNX Smart Home Systeme
und Programmie-
entwickelt und handgefertigt in Belgien.
rung sehr einfach:
Die Daten werden
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das Taster-Modul
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Eigentlich muss man ein Unternehmen wie


USM nicht mehr vorstellen. Das seit über
vier Jahrzehnten produzierte Möbelbau-
system USM Haller gehört zu den großen
Designklassikern des 20. Jahrhunderts
und hat schon längst die Aura der Zeitlo-
sigkeit. Deshalb ist es mittlerweile auch
ein Werk der angewandten Kunst und hat
einen festen Platz in der Sammlung des USM entwickelt seine
Museum of Modern Art in New York. Produkte ständig weiter.
Deshalb hat das USM
Zu Beginn: Zeitlosigkeit Haller jetzt eine neue
Komponente erhalten,
Aber zurück zum Unternehmen. USM steht ein integriertes Beleuch-
für „Ulrich Schärer Münsingen“ und dort – tungssystem, das sich
in Münsingen, nahe bei Bern – befindet „USM Haller E“ nennt.
sich auch das Hauptquartier, wo alles an- Der Clou dabei: Licht
gefangen hat. Zunächst spielten Design und Energie sind direkt
und Möbelbau keine Rolle: USM wird 1885 in das Möbel integriert –
als Eisenwarenhandlungs- und Schlosse- und das ohne Kabel.
reiunternehmen gegründet und entwi- Die Struktur selbst leitet
ckelt sich in den 1920er-Jahren zu einer den Strom durch speziell
auf Fensterbeschläge spezial isier ten dieser Adaptierbarkeit liegt aber nicht beschichtete Rohre,
Kleinfabrik. Nach dem Zweiten Weltkrieg nur in der Flexibilität des Systems, sondern Kugeln und sogenannte
wird die Produktion auf Metallbau und vor allem in der anfangs erwähnten Zeit- Connectoren. Das Möbel
Blechbearbeitung ausgebaut. Anfang der losigkeit, die auch durch die qualitäts- wird über eine externe
1960er Jahre ändert sich das grundle- volle Ausführung gewährleistet wird. Um Steckdose mit Strom ver-
gend: Ein neues Firmengebäude entsteht, diese zu erreichen, unternimmt das Unter- sorgt. Durch dimmbare
eine funktionale Stahlbausystem-Archi- nehmen einiges: zum Beispiel die Investi- Lichtelemente können
tektur, die vollkommen richtungsneutral tion in eine neue unterirdische Pulverbe- jetzt Regale, Vitrinen
konzipiert ist und sich nach Belieben aus- schichtungsanlage in Münsingen. Vier oder Schubladen ausge-
bauen lässt. Der Architekt heißt Fritz Haller vollautomatische Farbstraßen beschich- leuchtet werden. Aber
(Foto rechts oben). ten dort pro Tag 5.600 Quadratmeter Me- nicht nur das: Auch mobi-
Und damit nimmt eine Neuausrichtung tallelemente in 14 Farben. Die neue Pulver- le Geräte wie Smartphone
der Firma ihren Anfang. Was als flexibles beschichtungsanlage ist ein Bekenntnis oder Tablet lassen sich
Möbelsystem von Paul Schärer junior und zum Produktionsstandort Schweiz, obwohl direkt an der Struktur
Fritz Haller für die neue Firmenzentrale das Unternehmen auch Tochtergesell- aufladen. Das System
entworfen wird, entwickelt schnell ein schaften in Deutschland, Frankreich, den stellt für USM den Anfang
Eigenleben: USM Haller eignet sich ideal USA und Japan mit rund 450 Mitarbeitern einer neuen Entwicklung
fü r Bü ro räume, die st ruk tu ral ist ische unterhält. dar, in der zukünftig
Anmutung bildet den architektonischen Neben der Technik gibt es einen zusätzli- Themen wie die Steue-
Zeitgeist der 1970er perfekt ab. Gleichzei- chen Faktor, der für die hochwertige Aus- rung per Mobile-App,
tig fügt sich das Möbelsystem aufgrund führung der USM-Möbel entscheidend ist: touch-sensitive Möbel-
seiner Multifunktionalität optimal in ver- der Mensch. Die einzelnen Teile des Sys- oberflächen und pro-
schiedene Bürolandschaften ein und ver- tems werden zwar maschinell gefertigt, grammierbare Lichtsze-
leiht ihnen trotz seines generischen Ras- aber individuell von erfahrenen Mitarbei- narien eine Rolle spielen
ters auch eine subtile Individualität. Es tern zusammengebaut – die Betriebszu- werden.
bleibt aber nicht beim Bürobau. Architek- gehörigkeit bei USM liegt im Schnitt bei 15
ten und Designer erkennen das gestalteri- Jahren. Und damit wird auch eine weitere
sche Potenzial des Systems und setzen es Zutat der Erfolgsgeschichte offenbar – die
zunehmend auch im privaten Bereich ein. Nachhaltigkeit der Produkte. Dazu zählt
vor allem deren Werterhaltung: Ein Side-
Am Ende: Nachhaltigkeit board von USM ist kein Wegwerfprodukt,
an dem man sich nach ein paar Jahren
Heute ist USM Haller ein Designklassiker, satt gesehen hat oder das ganz einfach
der sowohl in einem Loft, einem alten Bau- den Dienst quittiert. Im Gegenteil: Es über-
ernhaus oder in einer hochmodernen Fir- dauert die Generationen – und ist damit
menzentrale zu finden ist. Das Geheimnis von zeitloser Nachhaltigkeit.
100 Lösungen

5
Leuchten mit
Anziehungskraft

Für Räume, in denen


lichttechnisch
größtmögliche
Flexibilität und Inte-
gration in die Archi-
tektur gefordert
sind, hat Delta Light
jetzt ein besonderes
Profil im Portfolio:
Es nimmt nicht nur
unterschiedliche
Leuchten mit ver-
schiedenen Optiken
gleichzeitig und
an jeder beliebigen
Position auf; das
48V-System erlaubt
auch jederzeit ei-
nen schnellen
Wechsel. Denn dank
magnetischer Aus-
rüstung können
„Splitline M20/M52“
sowie „Shiftline
M26“ mit zahlrei-
chen Strahlern,
W W W.DE LTALIGHT.DE

Lichtlinien oder Pen-


delleuchten werk-
zeugfrei kombiniert
werden. Splitline
ist ein elegantes
schwarzes Einbau-
profil zur Generie-
rung nahtloser grafi-
scher Lichtlinien.
In Kombination mit
dem Downlight
„Tweeter“ können
verschiedene Ab-
strahlwinkel erzielt
werden, während
die Pendelleuchte
Gibbo, die im ver-
gangenen Jahr eine
IF-Auszeichnung
erhielt, für einen
gestalterischen
Ak zent sorgt. Das
Aufbauprofil Shift-
STAND
line M26 kommt ins
:
HALLE

Spiel, wenn Decken-


oder Wandkonstruk-
60

3 .1, B
tion keine Einbau-
möglichkeit für Pro-
file ermöglicht.
Foto: Christine Bauer

DER AWARD
Design und Planung von Wohnräumen, in denen tatsächlich „gelebt“ werden kann, sind Ihre
großen Leidenschaften? Dann ist eine Veröffentlichung im Wohnbuch des Jahres das i-Tüpfel-
chen Ihrer Arbeit. Harmonisch, wohnlich, zeitgemäß und persönlich – so stellt sich unsere Jury
die besten privaten Einrichtungsprojekte vor, die im Buch „Best of Interior“ versammelt werden.

DIE PREISE
Die ausgewählten Projekte werden im September 2018 in einer hochwertigen Buchhandels-
ausgabe präsentiert. Die Sieger werden außerdem auf der „Best of Interior“-Gala zur Preisver-
leihung geehrt und mit breitem Medienecho belohnt. Der 1. Platz erhält eine Strecke in der
SCHÖNER WOHNEN Ausgabe Oktober 2018.

DIE TEILNAHME
Teilnahmeberechtigt sind Innenarchitekten und Interior Designer aus dem deutschsprachigen
Foto: Annette Kisling

Raum, die Urheber privater Einrichtungs- und Umbauprojekte sind. Die Projekte sollen nach
dem 1. Januar 2015 fertig gestellt und noch nicht in einer Buchpublikation veröffentlicht
worden sein. Die Teilnahmegebühr beträgt 290,- Euro pro Einreichung.

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EINSEN SS
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01 8
30.03.2
102 Lösungen

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6 STAND:
7
H
AL
1, C 95

LE 1. 2,
3. G
E
L 10
+ HAL

Die Leuchte mit und Präsenzmelder


dem Knick ausgestattet. Außer-
WWW.LOUISPOUL SEN.COM

dem erlauben
Ihren Namen hat die verschiedene Modi
Leuchte „Winglet“ eine individuelle
von der angewin- Einstellung. Die Runde Leuchten für durch einen kleinen
kelten äußeren Spit- Leuchten funktio- moderne Räume Schattenspalt op-
ze moderner Flug- nieren nach dem tisch vom Gehäuse
zeugtragflächen, Schwarm-Prinzip: „LP Slim Round“ getrennt. Bei der
die der Strömungs- Wird eine Winglet von Louis Poulsen Pendelleuchte er-
effizienz beim Flie- aktiviert, tauschen ist eine neue Serie zeugt das vom Diffu-
gen dient. Durch sich alle innerhalb runder Leuchten, sor reflektierte Licht
den Knick erzeugt der Gruppe befind- deren schlankes eine indirekte Be-
die Winglet ein lichen Leuchten Design eine einheit- leuchtung oberhalb
direkt und indirekt drahtlos aus, schal- liche visuelle Identi- der Leuchte. Zudem
abstrahlendes, ten sich gleichzeitig tät über verschiede- ist eine mikropris-
atmosphärisches ein oder dimmen ne Größen und matische Ausfüh-
Licht. Nimbus hat auf identisches Montagevarianten rung erhältlich.
STAN
Winglet als akkube- Niveau. Die Leuchte ermöglicht. Sie eig-
D:

triebene, kabellose wird über die selbst- net sich vor allem
0

HA
D3

Wandleuchte für klebende oder für Büroräume, Emp-


L

LE
eine stimmungsvol- geschraubte, mag- fangsbereiche und 1. 2,

le Raum- und Ambi- netische Halterung Gebäudeeingänge.


entebeleuchtung an der Wand befes- Die LEDs mittlerer
entwickelt. Dank tigt. Aufgeladen Leistungsstärke
des integrierten wird sie im „Basket strahlen diffuses
Akkus lässt sie sich Charger“. Licht über einen
FOTO: NIMBUS/FR ANK OCKE RT

überall einsetzen; Acryl-Diffusor ab.


vorwiegend jedoch Die Vorderseite
bodennah in Wohn- leuchtet gleichmä-
räumen, Fluren und ßig hell, dadurch
Treppenaufgängen. sind die einzelnen
Die Winglet ist mit LEDs nicht zu sehen.
einem Tageslicht- Der Diffusor wird
Licht 103

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AND
ST

:
HALLE
30
1. 2 , G
Für draußen

Occhio stellt zur Light + Building „Sito“ vor, eine LED-Leuchtenfami- schiedlichen Linsen: Sito S mit sphärischem Glas und Sito R mit
lie für den Außenraum. Die Sito-Serie umfasst eine Wandleuchte klarem „Cut“. Die Lichtleistung beträgt 18 Watt, etwa 900 Lumen,
mit einem Durchmesser von 130 mm und eine Stehleuchte, die und die Lichtfarbe ist mit 3.000 Kelvin warmweiß. Die Leuchte wird
„Sito Palo“, mit einer Höhe von 665 mm. Die Gehäuse sind in direkt an das 230-Volt-Netz angeschlossen, ein Vorschaltgerät ist
Schwarz oder Weiß jeweils in Glanz oder matt lackiert erhältlich. nicht notwendig.
Außerdem gibt es Sito ein- oder beidseitig strahlend und mit unter-

Puk LED ~ ~

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104 Lösungen

9 1

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ST

HA
LLE
0
6.
0, A5

0
W W W.WALDM ANN.COM

Schwebende lässt sich auch Ultraleichtes Panel Anschlussbox ist


Deckenleuchte Idoo.fit mit dem schnell an Wand
Lichtmanagement- Müller-Licht stellt oder Decke mon-
Die von Burkhard system „Pulse VTL“ auf der Light + Build- tiert. Das ultraleich-
Schlee für Wald- für eine biodynami- ing sein neues „LED- te Panel kann dann
mann entworfene sche Beleuchtung Panel“ vor, das in ei- einfach in die Box
Anbauleuchte – als Human Centric ner runden und in „eingeklickt“ wer-
„Idoo.fit“ vermittelt Lighting bekannt – einer eckigen den. Zur Auswahl
den Eindruck, als kombinieren. Die Variante angeboten stehen die Montage
schwebe sie unter Leuchte ist zudem wird und sich für an der Decke oder
der Decke. Diese tauglich für den die direkte und indi- Wand sowie eine
Annahme entsteht, Arbeitsplatz mit rekte Beleuchtung frei hängende Vari-
weil Decke und Bildschirm und eig- eignet. Außerdem ante.
Wände über eine net sich für klassi- kann per haushalts-
spezielle Optik hori- sche Deckenraster- üblichem Licht-
zontal mit weichem elemente. schalter die Farb-
Indirektlicht aufge- temperatur in drei
hellt werden. Der Stufen reguliert
versetzte Einbau AND: werden. Das LED-
ST
HA

des optischen Sys- Panel, das sich für


LLE

tems erzeugt ein die unterschied-


1

3.
angenehmes hinter- 1, B 3 lichsten Wohnräume
leuchtetes Decken- eignet, ist leicht und
element. Die Korona komfortabel anzu-
verbindet Leuchte bringen: Die sepa-
und Licht mit der rate und handliche
sie umgebenden
Architektur. Wie alle
Idoo-Raumleuchten
Licht

1
W W W.BEGA .DE
1 Pollerleuchten mit
System

Bega-LED-System-
pollerleuchten
ermöglichen als
modulares System
die Kombination
von Leuchtenköpfen
und Leuchtenrohren
mit verschiedenen
Zusatzfunktionen.
Zur Planung der
Beleuchtungsanla-
ge kann der Poller-
leuchtenkopf mit
der gewünschten
Lichtverteilung aus-
gewählt werden.
Zusätzliche Funktio-
nen bieten die un-
terschiedlich aus-
gestatteten Poller-
leuchtenrohre.
Während der Mon-
tage werden beide
Module einfach
und schnell mitein-
ander verbunden.
Eine effektive Ant-
wort auf ein erhöh-
tes Gefährdungs-
potenzial bieten
zum Beispiel die
zertifizierten LED-
AND:
ST Systempollerleuch-
HA

tenrohre für Durch-


LLE

fahrschutz: Fahrzeu-
1

3.
0, C9
ge mit 7,5 t Gesamt-
gewicht können
diese selbst bei ei-
ner Geschwindig-
keit von 50 km/h
nicht durchbrechen.
Neuralgische Berei- Stahlzargen
che in Innenstädten,
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Gebäuden und auf
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Fahrzeugen abge-
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schirmt werden.

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Zum Unternehmen
WWW.SOLARLUX.DE

GRÜNDUNG:
1983

BAUZEIT
SOLARLUX CAMPUS:
Dezember 2014
bis Mai 2016

ARCHITEKTUR UND
GENERALPLANER:
DIA179, Berlin,
zusammen mit
Wolfgang Herich/
Solarlux

LANDSCHAFTS-
ARCHITEKTEN:
Lützow 7, Berlin

ORT:
Melle,
Niedersachsen

Arbeits- MITARBE ITE R:


ca. 700

plätze mit
SCHWERPUNKTE:
Glas-Faltwände,
Schiebefenster,
Balkonverglasungen,
Glasanbauten

Licht
und Luft
FOTOS: SOL ARLUX GMBH; LUF TFOTO RECHTS: DIA179

DER SOLARLUX CAMPUS IN MELLE


Referenz 107

Alle Bereiche auf dem Solarlux Campus, seien es die Produktionshallen (oben links),
Foyer (rechts unten) oder Kantine (rechts oben) profitieren von den eigenen Produkten und öffnen
sich zur sorgfältig gestalteten Umgebung.

Der Fenster- und Fassadenhersteller war Umgebung, um sich den Neuzugang an- um innen und außen miteinander soweit
schnell gewachsen und hatte wegen ver- zusehen. Sehenswert ist er allemal: Das wie möglich zu verbinden. Vor allem die
schiedener Standorte schließlich jahre- dreigeschossige, multifunktionale Emp- Glas-Faltwand: Von ihr profitieren die Ar-
lang einen aufwendigen Lkw-Kreislauf in fangsgebäude wirkt mit seinem großzügi- beiter in den Produktionshallen, denn die
Betrieb, der zwischen den drei Werken gen Atrium weitläufig und hell, große 5,20 Meter hohen Glaselemente lassen
hin- und herfuhr. So konnte es nicht mehr Glasflächen und ein Folienkissendach sich einfach bei Bedarf von Hand auffal-
weitergehen, ein Ort für die gesamte Pro- sorgen für Tageslicht im Überfluss für Aus- ten. Ebenso kommt es etwa den Planern in
duktion wurde gesucht. Gefunden wurde stellungs-„Inseln“ und Büroarbeitsplätze der Objektabteilung, die eng mit den je-
er nahe Osnabrück, direkt an der A30, in im Inneren. Eine „Promenade“, eine Art weiligen Architekten zusammenarbeitet,
einer sanft welligen Gegend – fast zu interner O rientierungs- und E rschlie- zugute: Auch hier lassen sich die Glas-
schön, um dort zu bauen. Daher standen ßungspfad, verbindet gut erkennbar die- wände vollständig öffnen, so dass man
Architektur und Landschaft im Mittelpunkt ses „Foyer“ mit den anderen Funktionen hier „arbeitet wie auf dem Balkon“. Hei-
bei der Planung des 13 Hektar großen Ge- im Haus. zung und Kühlung übernimmt ein Geo-
ländes, das auch noch Flächen zur Erwei- Das besondere an den Produktionshallen thermiefeld mit sage und schreibe 75 Son-
terung bereit halten musste. Der Firmen- für Alu- und Holzverarbeitung ist ihre Kon- den; zudem liefert ein BHKW den Strom.
gründer Herbert Holtgreife und sein Sohn struktion – natürlich belüftet, ohne Klima- Dass all die Umsicht der Geschäftsleitung
Stefan, inzwischen Geschäftsführer, lie- anlage, mit Fußbodenheizung und einer und die flache Hierarchie der Atmosphäre
ßen sich von der Bedeutung von Corpo- fünf Mete r b reiten Pe rimete r-Dämm- im Haus guttut, wird selbst für Besucher
rate Architecture und intelligentem Indus- schicht unter dem Hallenrand, so dass die schnell spürbar – man sollte nicht über-
triebau begeistern und stellten eine inter- Wärme, die sich als Linse in der Mitte unter rascht sein, wenn einen jeder gleich duzt.
ne Bauabteilung zusammen, die mit den dem Boden bildet, zurückstrahlen kann, Hier leistet die Architektur und Land-
Architekten eng kooperierte. aber über die Ränder nicht entweicht. Au- schaftsarchitektur einen nicht ganz unwe-
2016 war es dann soweit, das Werk mit ßerdem sind die Hallen 5,50 Meter tief ge- sentlichen Beitrag zum Erfolg des relativ
Empfangsgebäude, zwei Produktionshal- senkt, um weniger Kubatur im Außenraum jungen Unternehmens, das 1983 gegrün-
len, Hochregallager und Logistik war zu erzeugen. Selbstverständlich wurden det wurde und dieses Jahr sein 35. Firmen-
fertig; 60.000 Besucher kamen aus der auch die Produkte des Hauses verbaut, jubiläum feiert.

von Sabine Schneider


B 3

Portfolio
2018

Fenster, Türen,
Tore

Fenster und Türen schaffen eine Verbindung von innen nach außen – und
auch umgekehrt. Sie weiten den Innenraum, indem sie den Außenraum
einbeziehen, sie ermöglichen den freien Blick und öffnen das Haus für
Bewohner und Gäste. Zugleich können sie aber auch Schutz bieten: vor
zu neugierigen Blicken, vor zu viel Hitze oder Kälte und vor unliebsamen
Besuchern – je nach Bauart und Ausstattung.
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1 2

3: Die Produktlinie 1/2: Bei der verglei-


Deco Combi bietet chenden Ansicht
zahlreiche Holzarten wird deutlich, wie
für die Gestaltung das passende Fens-
von Fensterelemen- terholz einen Raum
ten und -bänken an. perfektioniert.

4: Die Startseite des


Fensterkonfigurators
Deco Combi gibt
dem Benutzer
die Möglichkeit,
3
zwischen „Privat“,
„Gastro/Hotel“
und „Office“ auszu-
4 wählen.

Mit der neuen Produktlinie „Deco Combi“ Eiche astig ergänzt. Durch diese individu-
Fensteroptik bringt Holz Schiller, Lieferant von astfreien ellen Kombinationsmöglichkeiten ent-
Halbfertigfabrikaten und Leimhölzern für steht mit dem Fenster als Teil der Innenar-
nach Wunsch Fenster, Türen und Fassaden, das Thema
der Individualisierung in den Fensterbau.
chitektur eine abgestimmte Wohnharmo-
nie und damit ein Stück Lebensqualität.
Denn heutzutage werden Fenster ver- Zur Unterstützung der neuen Produktlinie
stärkt als Gestaltungselemente gesehen hat Holz Schiller einen Fensterkonfigura-
www.deco-combi.de und nicht nur als technische Bauteile. tor entwickelt, der die vielen Möglichkei-
Deco Combi eröffnet dem Architekten ten bei der Holzauswahl veranschaulicht:
neue Gestaltungsmöglichkeiten für den Zuerst wird in dem Konfigurator eines
privaten Hausbau wie auch für den der verschiedenen Wohnmilieus – Privat,
Gastronomie-, Hotel- und Bürobereich. Gastro/Hotel oder Office – gewählt. Dann
Aufgrund der flexiblen Produktion von können die gewünschten Holzarten aus-
Holz Schiller können Fensterelemente gewählt werden. In der vergleichenden
und Fensterbänke mit Deco Combi indivi- Ansicht ist sofort zu erkennen, wie sich die
duell für die Inneneinrichtung ausgewählt Gesamtoptik eines Raums mit der pas-
werden. Somit wird beispielsweise der senden Fensterholzart positiv verändert.
Nussbaumboden im Wohnzimmer mit Holz Schiller bietet zum einen Holzarten
Fenstern in Nussbaum an der Innenseite für Holz-Alu-Fenster an und zum anderen
abgerundet, oder die Küche in rustikaler Holzarten, die sowohl für Holz-Alu- als
Eiche wird mit passenden Fenstern in auch für Holz-Fenster einsetzbar sind.
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Links: Die Fassade Die fünfflügelige


des Holzhauses Glaswand von
zeigt große faltbare Solarlux lässt sich
Fensterflächen und vollständig öffnen
kleine ak zentuierte und ermöglicht
Ausgucklöcher. eine freie Sicht.

Das Holzhaus am Auerbach des Münchner Hälfte der Stirnseite ermöglicht ein riesi-
Freie Sicht Architekten Markus Eck und der Innen- ges Fenster einen Panoramablick in Rich-
architektin Christine Arnhard zeugt von tung der Alpen.
zwischen Berg einer äußerst kunstvollen Interpretation
der Umgebung. Die Dreiecksform des
Den wohl wichtigsten Beitrag zum Licht-
fluss leisten die beiden Glasfaltwände

und Tal Grundstücks war der Freibrief für die


unkonventionellen Ideen der Architek-
in der im Erdgeschoss gelegenen Wohn-
küche. Sie leiten die Helligkeit über die
ten, die gleichermaßen als Bauherren Längsseite in den Innenraum, und zwar
agierten. So überrascht der Neubau nicht mit einer Breite von je 3,80 Meter und ei-
www.solarlux.de nur mit einem außergewöhnlichen Aus-
blick auf die Bayerischen und Tiroler Al-
ner Höhe von 2,70 Meter. Außerdem er-
möglichen sie die Öffnung des geschlos-
pen, sondern auch mit einem Raumkon- senen Wohnraums nach draußen. Die
zept, das sich in der Höhe und nicht etwa fünfflügeligen Glas-Faltwände von Solar-
wie gewohnt in der Weite definiert. lux lassen sich vollständig öffnen. Die im
Die eigenwillig kompakte und offene Ziehharmonika-Prinzip nach außen gefal-
Architektur verlangt nach einem indivi- teten Elemente werden an der rechten
duellen Lichtkonzept, das sich auf die Seite verstaut. Rechtwinklig abstehende
besonderen Landmarken der Umgebung und schwebende Terrassen führen auf
ausrichtet. Verhältnismäßig kleine Fens- beiden Seiten nach draußen.
ter setzen Akzente, mal im Treppenhaus,
mal im Wohnbereich. Auf der oberen
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Links: Das Verschat-


tungskonzept für
das Wohn- und Bü-
rohochhaus „Helve-
tia Tower“ in Pratteln
in der Schweiz ist
optimal auf die An-
forderungen der Die neue Fenster-
Nutzer abgestimmt. markise von Warema
Zum Einsatz kamen kombiniert hohe
2.150 Fenstermarki- Windstabilität und
sen mit ZIP-Führung präventiven Brand-
von Warema. schutz.

Wer mit der Sonne wohnen, leben und ße, windexponierte Flächen lassen sich
Doppelt sichere arbeiten möchte, kann mit Fenstermar- dank der hohen Windstabilität funktional
kisen die perfekte Raumatmosphäre und ohne seitlichen Lichtspalt verschat-
Fenstermarkisen schaffen. Warema bietet dafür jetzt eine
doppelt sichere Lösung mit hoher Wind-
ten. Ein weiterer Vorteil der neuen Fens-
termarkisen ist ihre Flexibilität. Je nach
stabilität und aus nicht brennbarem Blende können sie selbst bei Baugrößen
Material: die neuen Fenstermarkisen mit mit einer maximalen Breite von 3,50 Me-
www.warema.de ZIP-Führung und SecuTex-Gewebe A2. tern und einer Höhe von 4,20 Metern ein-
Das nach DIN 4102-1 als nicht brennbar gesetzt werden. Dabei wird der Behang
zertifizierte SecuTex-Gewebe A2 wird über die gesamte Höhe flächig geführt.
aus Glasfasern gefertigt und ist mit Silikon Zudem schützt ein Antrieb mit reagibler
beschichtet. Im Gegensatz zu anderen Hinderniserkennung die Verschattung zu-
schwer entflammbaren Stoffen entwickelt verlässig vor Schäden. Die neuen Fenster-
sich im Falle eines Brands deutlich markisen von Warema eignen sich opti-
weniger Rauch, und es entstehen keine mal für den privaten Bereich sowie für die
toxischen Gase. Ausstattung von Hochhäusern und öffent-
Sicherheit selbst bei starken Winden ist lichen Bauten. Die umfangreiche Farbpa-
durch die ZIP-Technologie gegeben: Der lette mit 17 Farbtönen bietet auch bei der
Stoff des Behangs läuft nahtlos und ruhig Fassadengestaltung von Schulen und
über einen seitlich angebrachten Reiß- Kindertagesstätten einen großen Spiel-
verschluss in einer Führungsschiene. Gro- raum.
Impressum 113
Baumeister — Das Architektur-Magazin — 115. Jahrgang
Eine Marke von

S T 884

REDAKTION
Anschrift wie Verlag
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7

B4
info@baumeister.de, www.baumeister.de

CHEFREDAKTION
Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8
(verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)

REDAKTION
Sabine Schneider Tel – 146
Alexander Russ Tel – 172

Vorschau
Leonardo Lella Tel – 144

GE STALTUNG
Stephanie Ising und Tom Ising (Artdirection)
Daniel Ober, Hans Findling für Herburg Weiland, München

ALLE ILLUSTRATIONEN
Clemens Habicht, Paris

ABONNEMENTSERVICE
Leserservice Baumeister, D-65341 Eltville
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Bestellung: Abonnements können direkt beim Verlag oder bei jeder Buchhandlung
bestellt werden. Abonnementgebühren sind im Voraus zu begleichen. Das Abonne-
men t g i l t zunächs t fü r e i n Jah r und ka n n da nach jede r ze i t gekünd ig t we rden .
Die Belieferung erfolgt auf Gefahr des Bestellers. Ersatzlieferungen sind nur möglich,
Der Freistaat Bayern
wenn sofort nach Erscheinen reklamiert wird.
Widerrufsrecht: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen
feiert seinen 100. Geburts-
formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausga-
be erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderun-
gen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das
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rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu wider-
rufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen.
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Der Widerruf ist zu richten an: Leserser vice Baumeister, D-65341 E lt ville, Tel +49 (0)
6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244, leserservice@baumeister.de Gelegenheit für uns
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den. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen
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line- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine
Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab.
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Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse
Architekten und Bauingenieure.
ISSN 0005-674X B1547
114 Kolumne

MetroPolis:
Donald Trump,
das
stabile
(Künstler-)Genie?
Alexander Gutzmer

Was ist eigentlich mit Trumps Mauer? Es scheint ruhig


geworden um das große Wahlversprechen des Laut-
sprechers, der jetzt das Weiße Haus, die USA und die
Welt terrorisiert. Das mag daran liegen, dass die vielen
anderen Baustellen des Donald für so viel Aufruhr sor-
gen, dass das Mauerprojekt nicht mehr durchdringt.
Aber vielleicht gibt es auch grad nicht viel zu berich-
ten. Wirklich gebaut wird die Mauer jedenfalls noch
nicht.
Wobei – so ganz stimmt das ja nicht. Eine Reihe Proto-
typen hat man nämlich schon fertigen lassen. Die ste-
hen an der Grenze südlich von San Diego, kurz vor
dem Grenzübergang nach Tijuana. Ob man die acht
kruden Objekte bautechnisch wirklich gebraucht
von

hätte, erscheint mir eher fraglich. Es dürfte eher ein


Symbol sein, ein Zeichen an die Bevölkerung, dass
man (irgendwie) doch ernst macht mit dem Mauer-
projekt – allen Zweifeln zum Trotz. Eine Art bausymbo-
lisches Pfeifen im Walde.
Etwas ganz anderes sieht der Schweizer Künstler Chris-
toph Büchel in dem 3,3 Millionen Dollar teuren Projekt
– bildende Kunst nämlich. Er hat eine Petition gestar- Die gedankliche Transformation der Mauer-Prototy-
tet, derzufolge die Objekte als „nationale Monumen- pen selbst macht definitiv für die Nachwelt Sinn. Was
te“ zu betrachten seien. Eine „kollektive Skulptur“ nämlich soll das Symbol dieser (einzigen – davon ge-
stellten sie dar, und Trump sei eigentlich ein vom Volk hen wir jetzt doch mal aus) Amtszeit Donald Trumps
gewählter Künstler, so zitiert die New York Times Bü- sein? Die Mauer dürfte, selbst wenn sie begonnen
chel, der es offenbar vermied, ob seines subtilen wird, noch nicht fertig sein. Über das angekündigte
Scherzes in Gelächter auszubrechen. Infrastruktur-Großprogramm sind bisher nicht viele
Trump als Künstler – dass ich da nicht selbst drauf ge- Details bekannt. Vielleicht wird sich die Nachwelt also
kommen bin! Diese Perspektive erlaubt es jedenfalls, beim Denken an das Regnum Donaldum vor allem
seine eigentümlichen Aktivitäten in einem ganz neu- diese Prototypen vor Augen führen, die wie Zahnstum-
en Licht zu sehen. Die unfreiwillige Komik, die vielen pen alter Männer in die kalifornische Landschaft
seiner Aktivitäten anhaftet, bekommt so plötzlich eine ragen. Schön? Nope. Nutzbar? Ebenfalls nicht.
andere Note. Lächerlich? Natürlich. Aber in ihrer Lä- Aber künstlerische Ready-Mades, auf absurde Weise
cherlichkeit auch ein Symbol – für die Tragik des schillernd und die kollektive Fantasie anregend?
menschlichen Daseins etwa, für das nimmer versie- Irgendwie schon. Er ist eben, wie er ja auch schon
gende und doch so vergebliche Streben des Irdi- selbst proklamierte, ein wahrhaft stabiles Genie, die-
schen... oder so ähnlich. ser Donald T.

An dieser Stelle schreibt Baumeister-Chefredakteur Alexander Gutzmer im Wechsel mit


der Architektin Anne-Julchen Bernhardt und
dem Architekturtheoretiker Friedrich von Borries.
Das Licht.

18. 3. – 23. 3. 2018 | Frankfurt


Hall 2.0, Booth A30/B30, B31

Messehallen 9 – 12, Dornbirn | AT


Marte.Marte Architects

Lichtlösung: TECTON balanced white, PANOS infinity

zumtobel.com
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D i e L e i c h t i g k e i t
DES
WOHNENS
Als sich der Bauingenieur
an die Planung seines
Wohnhauses in Leonding, OÖ
machte, schwebte ihm
ein Bau von heller Luftigkeit
und außergewöhnlicher
Atmosphäre vor. Das Haus,
das er heute bewohnt, hat alle
seine Erwartungen übertroffen.

TEXT: NIKOLAUS PROKOP


FOTOS: GERHARD WASSERBAUER,
ANDREAS HOFER

A ls Mann vom Fach weiß der


Bauherr, worauf‘s beim Bauen
extrem schlanken Rahmendesign
kamen diesem Wunsch optimal
ankommt: Doch macht dieses entgegen, vor allem auch durch
umfassende Fachwissen das Leben ihre harmonische Kombinierbar-
auch dann leichter, wenn es um den keit mit den puristischen, bündigen
Bau des eigenen Hauses geht? „Ja Holz/Alu-Fenstern Platin 82
und Nein“, lacht der Bauherr, „na- von Josko.
türlich hat man den Ehrgeiz, alles
selbst zu machen, wenn man mit Für die gewünschte schlichte
der Materie sozusagen mit Leib und Einheitlichkeit der Gesamtoptik
Seele verheiratet ist wie ich. bewährte sich zusätzlich das Josko
Smart Mix-Konzept. Weitere Infor-
So, wie das Haus heute dasteht mationen unter: www.josko.at

Tipp
und in Hinblick darauf, welches
Wohngefühl es uns bietet, war es
den Schritt absolut wert, bei der
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Blue mit seinem betont modernen,