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246a1-248a3: Gigantomachie: Riesenkampf zwischen denen, die nur Körper (Materialisten),

und denen, die nur Ideen (Idealisten) als wahrhaft seiend anerkennen

Handout zum Textreferat von Paul Moersener

Nach der Erörterung der Frage nach der Quantität des Seins (Eins oder Vieles?) erörtert Platon
die Frage: „Was ist das Sein?“
In dieser Frage stehen die Materialisten den Idealisten gegenüber. Dieser Streit wird in
Anlehnung an den griechischen Mythos des Hesiod als „Gigantomachie“ bezeichnet.

Pergamonaltar: Zeus bekämpft Poryphion


(https://de.wikipedia.org/wiki/Gigantomachie#/media/Datei:Zeus_contra_Poryphion_Pergamonaltar.JPG)

Materialisten:
Körper = Sein
Nur körperliches und empirisch wahrnehmbares kann als seiend angenommen werden. Sie
„ziehen alles aus dem Himmel und dem Unsichtbaren auf die Erde herab, mit ihren Händen
buchstäblich Felsen und Eichen umklammernd“ (246a).
Idealisten:
Ideen = Sein
Nur „gewisse denkbare und unkörperliche Ideen“ (246a) können als seiend angenommen
werden. Die Körper und das, was dem Werden unterliegt, machen sie klein.
Problem bei der Auseinandersetzung mit den Materialisten:
Zugang zu den Dingen geschieht nur über Wahrnehmung, sodass für eine logisch aufgebaute
Rechenschaft kein Raum bleibt. Platon nimmt also hypothetisch an, dass die Materialisten
imstande sind, logisch und rational zu antworten, wodurch sie im Gespräch besser und
„rechtlicher“ (246d) gemacht werden, als sie eigentlich sind.
Gibt es eine Seele?
A. Es gibt sterbliches Leben.
B. Sterbliches Leben ist ein beseelter Leib.
 Seele ist/ muss unter das Seiende gesetzt werden.
Gibt es Gerechtigkeit?
A. Eine Seele kann vernünftig oder unvernünftig sein.
B. Vernunft ist die Anwesenheit und Unvernunft die Abwesenheit von Gerechtigkeit.
C. An- und Abwesenheit muss unter das Seiende gesetzt werden.
 Gerechtigkeit ist/ muss unter das Seiende gesetzt werden.
Ist Gerechtigkeit körperlich?
„Wenn also Gerechtigkeit und Vernünftigkeit und die übrige Tugend und das Entgegengesetzte, und
so auch die Seele, in welcher dies alles einwohnt, ist; behaupten sie dann etwa, daß irgend von dem
allen etwas sichtbar sei und greiflich oder alles unsichtbar?“ (247b)

A. Es gibt eine Seele.


B. Seele ist unkörperlich.
 Es gibt unkörperliche Dinge, die unter das Seiende zu setzen sind.
Der Fremde führt die fiktiven Materialisten hier in einen Widerspruch: Von der Seele könnten
sie noch behaupten, dass sie leiblich sei, jedoch nicht von der Gerechtigkeit, die eindeutig dem
Reich der Ideen zuzuordnen ist. Er räumt jedoch ein, dass die „echten Ausgesäten und
Erdgeborenen“ (247c) dies niemals zugeben würden, sondern darauf beharren, dass alles, „was
sie nicht imstande sind in den Händen zu zerdrücken, auch ganz und gar nichts ist“ (Ebd.).
Körperlichkeit kann somit kein Kriterium für Sein darstellen. Da das Sein von Körper und Seele
bereits zugegeben wurde, bedarf es eines Merkmals, welches beiden zugehörig ist. Der Fremde
identifiziert dieses Merkmal im Vermögen zu tun und zu leiden:
„Ich setze nämlich als Erklärung fest, um das Seiende zu bestimmen, daß es nichts anderes ist,
als Vermögen und Kraft.“ (247e)
Dieses Kriterium dient als Hypothese der weiteren Untersuchung und als Übereinkunft
zwischen Materialisten und dem Fremden aus Elea.