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Universität Heidelberg wählte erstmals

im Fach Jura ihre Anfänger selbst aus


1600 Bewerbungen auf 200 Studienplätze
– Rektor Prof. Hommelhoff, Dekan Prof.
Müller-Graff und Prodekan Prof. von Hoy-
ningen-Huene ziehen eine sehr positive
Bilanz – „Vorreiter für Deutschland“

Die Universität Heidelberg wählte erst- note vergeben, 10 Prozent nach sozialen
mals im Fach Jura ihre Studienanfänger Kriterien und 40 Prozent durch das nun
selbst aus. „Wir begrüßen es, dass die erstmals durchgeführte „Eignungsfest-
Zuteilung der Studienplätze in der stellungsverfahren“. Nebenbei bemerkt:
Rechtswissenschaft nicht mehr über die Bei den 100 Plätzen aufgrund der Abitur-
Zentralstelle für die Vergabe von Stu- note reichte ein Durchschnitt von 1,2
dienplätzen in Dortmund erfolgt, weil wir nicht aus, um einen Studienplatz in Hei-
nun mehr Leistungselemente gezielt in delberg zu erhalten.
die Vergabe einfließen lassen können“,
sagt Rektor Prof. Dr. Peter Hommelhoff. 700 Bewerber für den Test
Motiviertere und leistungsbereitere Stu-
dierende stellten erhöhte Anforderungen Etwa 700 Interessenten bewarben sich
an die Professoren und Dozenten und für den Auswahltest. Die Universitätsver-
„tragen wesentlich dazu bei, ein intellek- waltung erstellte daraufhin eine neue
tuelles Klima zu schaffen, in dem die Rangliste, bei der die Fächer Mathema-
Juristische Fakultät der Universität Hei- tik, Deutsch und eine fortgeführte Fremd-
delberg weiterhin ihre Spitzenposition in sprache besonders gewichtet wurden.
den nationalen Ranglisten behauptet“. „Wir misstrauen der Abiturnote“, sagen
Hommelhoff erneuert sein grundsätzli- Dekan und Prodekan unisono. „Auf die
ches Plädoyer für ein erweitertes Aus- Abiturnote ist nur zum Teil Verlass, aber
wahlrecht der Universitäten bei der zu einem signifikanten Teil eben nicht“,
Zulassung ihrer Studierenden. Das neue stellt Dekan Prof. Müller-Graff heraus. So
Heidelberger Jura-Verfahren bewertet gewichtet, wurden die 300 besten
der Rektor ebenso wie Dekan Prof. Dr. Bewerber zu dem Test nach Heidelberg
Peter-Christian Müller-Graff und Prode- geladen. „Großes Lob verdienen unsere
kan Prof. Dr. Gerrick von Hoyningen- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stu-
Huene als sehr positiv und als „Vorreiter dentensekretariat und in der EDV-Abtei-
für Deutschland“. lung“, fügt die Dezernentin für Studium
und Lehre, Dr. Gerlinde Schlicker, hinzu.
Rund 1600 Bewerbungen für die 200 Hier sei hervorragende Arbeit unter gro-
Jura-Studienplätze des kommenden ßem Zeitdruck geleistet worden. Von den
Wintersemesters waren fristgerecht bei 300 Bewerbern traten 144 tatsächlich
der Universität Heidelberg eingegangen. zum Test an.
Wie das Hochschulzulassungsgesetz
vorschreibt, wurden 50 Prozent der vor- „Wir haben hier etwas Zukunftsweisen-
handenen Plätze allein nach der Abitur- des entwickelt“, steht für Prodekan von

http://www.uni-heidelberg.de/presse/news/2209jura.html 18. September 2002 1


Hoyningen-Huene fest. Die Fakultät Intelligenztest“, sagt der Prodekan, der
habe von Beginn an ein objektives Ver- es sich nicht nehmen ließ, den Test, den
fahren durchführen wollen, sagt der er vor 12 Jahren schon einmal bestan-
Arbeitsrechtler, der sich wissenschaftlich den hatte, erneut mitzuschreiben. Er
mit Personalauswahl beschäftigt und habe selbst oft Mitarbeiter mit Hilfe die-
unter anderem das Buch „Der psycholo- ses Tests ausgewählt. Gerrick von Hoy-
gische Test im Betrieb“ vorgelegt hat. ningen-Huene über das Ergebnis: „Ich
Aus diesem Grund zog die Fakultät ein wäre genommen worden.“
ausgewiesenes Unternehmen aus Mün-
chen hinzu, das seit 35 Jahren Kriterien Die Bilanz sieht der Prodekan sehr posi-
für die Personalauswahl in der Privatwirt- tiv: das Verfahren sei sehr effektiv. „Es ist
schaft entwickelt und verfeinert. Rat hol- sehr rational, nachprüfbar, gerichtsfest
ten sich die Juristen zudem bei Prof. Dr. und hat den Vorteil, dass es sehr rasch
Manfred Amelang aus dem Psychologi- geht und die Ergebnisse bereits am
schen Institut der Universität Heidelberg. Nachmittag feststehen.“ Ein Computer-
„Mit diesen Experten definierten wir vor programm erstellte die Reihung aller
dem Test, wie wir uns den idealen Hei- Kandidaten, von denen 92 am Ende
delberger Jurastudenten vorstellen“, zugelassen wurden.
beschreibt von Hoyningen-Huene.
„Letztendlich ist das schon eine
Das Profil: überdurchschnittlich Wende..., fast eine kopernikanische
intelligent, flexibel und belast- Wende“, bilanziert Dekan Prof. Müller-
Graff. Das bisherige Zulassungssystem
bar
habe nicht funktioniert. „Wir erhoffen uns,
Das Anforderungsprofil stand bald fest. dass die Zahl derer, die nicht reüssieren
Überdurchschnittlich intelligent, flexibel und deshalb ausscheiden, sinkt.“ Eine
und belastbar muss ein Jurastudent sein. sehr begrüßenswerte und „von uns seit
Sechs unterschiedlich gewichtete Krite- langem geforderte“ Entwicklung sei ein-
rien konnte die Fakultät durch den Test geleitet. Die Fakultät werde nun über ein
erkennen: Intelligenzanpassung, Intelli- paar Jahre hinweg Begleitstudien anstell-
genzorganisation, Stress-Stabilität, len, ob die nach dem neuen Verfahren
Regeltreue, Leistungsbereitschaft und ausgewählten Studierenden tatsächlich
Hartnäckigkeit. Den ersten beiden Krite- auch bessere Abschlüsse schafften. Mit
rien maß die Fakultät überdurchschnittli- ihr wird die Universität beraten, ob und
che Bedeutung zu, den anderen weniger. wie das Auswahlverfahren ausgebaut
werden sollte.
Unter den Augen von 16
Psychologen
Kontakt
Am Tag der Entscheidung, dem 26.
August, reisten 16 Psychologen des Dr. Michael Schwarz
Münchner Unternehmens „Intelligenz Pressesprecher der Universität Heidel-
System Transfer“ nach Heidelberg an. In berg
Hörsälen der Neuen Universität und der Tel. 06221 542310, Fax 542317
Heuscheuer testeten sie die Bewerber in michael.schwarz@rektorat.uni-heidel-
mehreren Gruppen und werteten das berg.de
Ergebnis sofort aus. Abiturstoff und juris-
tisches Fachwissen durften nicht abge- Prof. Dr. Gerrick von Hoyningen-Huene
fragt werden. „Es war ein klassischer Tel. 06221 547451

http://www.uni-heidelberg.de/presse/news/2209jura.html 18. September 2002 2

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