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Juden und Nichtjuden im antiken

Alexandria
Die Person des Flaccus in Philos In Flaccus
Inhaltsverzeichnis

Seite
1. Einleitung 3
1.1 Allgemeine Einleitung 3
1.2 Geschichte der Juden im antiken Alexandria 3
2. Philos In Flaccus 6
2.1 Aufbau 6
2.2 Darstellung des Pogroms 7
2.3 Die Person des Flaccus 8
2.4 Flaccus‘ Darstellung bei Philo 9
3. Fazit 11
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung

1.1 Allgemeine Einleitung

In der folgenden Hausarbeit wird das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden
im antiken Alexandria unter der Herrschaft der römischen Kaiser thematisiert.
Nach einem verkürtzten Überblick über die Geschichte der Juden in Alexandria,
wird näher auf das Pogrom gegen die Juden durch den römischen Statthalter
Flaccus im Jahre 38 eingegangen. Hierzu werden die Ereignisse kurz dargstellt
und in den Kontext des Werkes In Flaccus des antiken alexandrinischen Autors
Philo gestellt, der als jüdischer Hellene darüber berichtet. Im Anschluss desssen
werden die Aussagen des Philo bewertet (kommentiert) und die Bedeutung des
Werkes geklärt. Zum Abschluss wird ein Fazit gezogen und die verwendete
Sekundärliteratur und Quellen aufgelistet.

1.2 Geschichte der Juden im antiken Alexandria

Nach den Griechen und Ägyptern stellten die Juden die größte
Bevölkerungsgruppe des antiken Alexandrias dar.1 Die Gemeinschaft der Juden in
antiken Alexadria war heterogen und bestand aus verschiedenen sozialen und
religiösen Gruppen. Nach Philo seien die Juden auf jedem sozialen Niveau der
Bevölkerung Alexandrias anzutreffen. In der wohlhabenden jüdischen Gemeinde
trafen Handwerker, Kaufleute und einfache Arbeiter in der Synagoge zusammen,
die somit nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch eine Versammlungsstätte war.
Innerhalb der religiösen Strömungen bildeten sich zwei Gegensätze heraus. Es
gab diejenigen Juden, welche die hellenistische Kultur annahmen und teilweise
nach ihr lebten und jenige, die diese ablehnten und verachteten.2
In der frühen Kaiserzeit bewohnten die Juden vornehmlich zwei Stadtteile
Alexandrias, wobei sie auch in den übrigen drei Stadtteilen siedelten. In den
Stadtteilen hatten sie im Laufe der Zeit einige Synagogen errichtet.3
Während die Juden bereits den Pharonen dienten, nach diesen den Persern und

1
Clauss, Manfred: Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2003, Seite 155
2
Clauss: Alexandria S. 150f.
3
Clauss: Alexandria S. 155
dann den Ptolemäern, übertrug sich der Hass der Ägypter auf die Fremdherrschaft
von den Persern auf die Juden, da diese im Herr der Perser und Ptolemäer
dienten.4 Durch die Übersetzung ins grieschiche wurde die Heilige Schrift der
Juden (Tanach) als Septuaginta auch den Griechen und Ägypter zugänglich,
wodurch diese ihre Ablehnung gegenüber den Juden verstärkten.5 Weiterhin
wurde die Ablehnung in römischer Zeit durch die Tatsache verstärkt, dass die
Juden den Römern halfen, wodurch diese noch verhasster in unter den Griechen
und Ägyptern wurden.6
Unter den Ptolemäern konnte man Juden in allen Positionen antreffen, während
sie unter der römischen Herrschaft auf allen wichtigen Positionen durch Griechen
ersetzt wurden und sich auf wirtschaftliches Engagement beschränkten, wodurch
sie zu einer wirtschaftlichen Elite Alexandrias, laut Philo zum Geldadel, wurden.7
Nach dem Besuch des jüdischen Königs Agrippa I in Alexandria und der Reaktion
der nichtjüdischen Alexandriner, erließ der Statthalter Flaccus ein Edikt, in dem er
die Juden als Fremde bezeichnet und ihnen somit das Bürgerrecht Alexandrias
verweigert, welches die Juden beanspruchten. Die Alexandriner ihrerseits fassten
den Plan die Juden in einem einzigen Stadtteil an zusiedeln, wodurch die Idee des
Ghettos geboren wurde.8
Laut Philo schließt sich nun ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung an. Die
Häuser der Juden werden zerstört, die Bewohner vertrieben und ihr Besitz
gestohlen. Die Gegner der Juden werden immer härter in ihren Methoden und
verbrennen oder schleppen Juden gefesselt durch die Stadt ohne, dass es
Reaktionen auf Seiten der Behörden gab, wodurch sich die Attacken und
Gewalttaten gegen die Juden nur noch verstärken. Die Synagogen in allen
Stadtteilen werden verbrannt oder entweiht in dem man Statuen des römischen
Kaisers in ihnen aufstellt. Der Statthalter Flaccus ließ 38 Mitglieder des
Ältestenrates öffentlich auspeitschen, wobei er sie somit auf eine Stufe mit den
Sklaven stellte, da nach einem Privileg der Alexandriner diese mit Stöcken statt
Peitschen bestraft wurden. Damit machte er nocheinmal klar, das die Juden kein
Bürgerrecht Alexandrias besaßen. Das Pogrom fand seinen Höhepunkt am 31.
August des Jahres 38 anlässlich des Geburtstages des Kaiserss Caligula. Im
alexandrinischen Theater wurden Juden zusammengetrieben und sie mussten
4
Clauss: Alexandria S. 155
5
Clauss: Alexandira S. 155
6
Clauss: Alexandria S. 155f.
7
Clauss: Alexandria S. 156
8
Clauss: Alexandria S. 156
unter Androhung von Folter Schweinefleisch essen, wodurch diese zutiefst
gedemütigt wurden. Kurz darauf wurde Flaccus verhaftet und nach Rom gebracht,
woduch sich die Situation für die Juden etwas entspannte.9
Als Reaktion des Pogromes zogen zwei Delegationen nach Rom. Einmal die
Delegation der Juden unter Führung Philos, welche wohl eine Verbesserung der
Gesamtsituation erreichen wollte und sich für das Bürgerrecht, sowie die
Wiederöffnung der Synagogen einsetzen wollte. Die zweite Delegation unter
Apion, welches als Judenhasser bekannt war, wollte das Gegenteil erreichen.
Jedoch verlief die Audienz bei Caligula nicht erfolgreich und keiner der beiden
Delegationen erreichte ihre Ziele.10
Unterdessen wollte Caligula, nachdem es in einer kleinere Stadt im heutigen
Nahen Osten zu einem Abriss einer des Kaisers geweihten Anlage kam, die Juden
in ihrer Gesamtheit demütigen. Hierzu wollte er eine Statue seinerselbst, die ihn
als Zeus darstellt im Tempel in Jerusalem austellen lassen. Dieses fürhrte zu
großen Unruhen führen sollte, welche sich durch die Ermordung Caligulas im
Jahre 41 entluden, aber durch die römische Legion sofort im Keim erstickt
wurde.11
Durch das Edikt des Claudius bekamen die Alexandriner ihre erwartete Antwort,
welche jedoch eher die Griechen begrüßt haben werden. Der Kaiser ermahnt
beide Seiten, Juden und Nicht-Juden, zu einem friedlichen Zusammenleben,
wobei den Juden das Bürgerrecht nicht zuerkannt wird, ihnen die Möglichkeit
einer eigenen Gesandschaft abgesprochen wird, einige Privilegien zuerkennt und
ein Zuwanderungsverbot verhängt.12
Nach Flavius Josephus kam es im Jahre 66 wieder zu einem Aufstand der Juden in
Alexandria, da sie laut Josephus durch Alexander den Großen, die gleichen
Rechte wie die Nicht-Juden bekommen hatten, also das Bürgerrecht
eingeschlossen. Der eigentliche Anlass war wohl die Teilnahme einiger Juden an
einer Versammlung, die nach Rom zu Kaiser Nero geschickt werden sollte. Jedoch
durften Juden nicht an Versammlungen teilnehmen, wonach diese nun verhaftet
wurden und drei von ihnen auf der Stelle verbrannt werden sollten. Diese
Maßnahme rief die Juden erneut zu den Waffen. Dieser Aufstand wurde jedoch
schnell heftiger als die üblichen Reibereien zwischen Juden und Nicht-Juden in

9
Clauss: Alexandria S. 156f.
10
Clauss: Alexandria S. 157
11
Clauss: Alexandria S. 157f.
12
Clauss: Alexandria S. 159f.
Alexandria und der Präfekt musste zwei Legionen einsetzen und das jüdische
Viertel besetzen lassen. Nun kam es zu blutigen Straßenschlachten und vielen
Verlusten auf römischer und jüdischer Seite und zu einem Massaker an den
Juden.13
Nach der Niederschlagung der großen Aufstanden im Jahre 73 nach Christus
flohen die Sikarier, eine extremistische Bewegung der Juden, nach Alexandria und
versuchten dort weiter Unruhe zu stiften, sie wurden allerdings vom Ältestenrat
unter Hausarrest gestellt und die übrigen flohen nach Oberägypten.14
Ein wichtiger Aspekt der weiter bestehenden Feindlichkeit der Juden war die,
wegen des Aufstanden eingeführte Judensteuer,fiscus Iudaicus, wodurch in
Alexandria deutlich wurde, das die Juden nicht zur Bevölkerung mit Bürgerrecht
gehörten.15
Ebenfalls die Verbreitung und Entfremdung vom Christentum trug zur
Verschlechterung der Situation der Juden bei.16
Während des großen Aufstandes des Jahres 115, hatte Traian weite Teile des
Soldaten im Osten des Reiches abgezogen und an die Front verlegt, wodurch die
zahlreichen kleinerern lokalen Unruhen zu einem Flächenbrand entwickeln
konnten.17
In diesem entluden sich die angestaute Wut der Juden gegenüber den Römern. Die
Zerstörung des Tempels, die Einführung der Judensteuer, die Lange Verachtung
der Juden trugen dazu bei.18
Auch in Alexandria schlug sich der Aufstand nieder in einem nie gekannten
Ausmaß, die Juden zerstörten viele der kleineren Heiligtümer und machten auch
nicht vor den großen Heiligtümern der Nemesis oder dem Sarapeion halt. Es war
die lange von den Juden aufgestaute Rache, doch die Reaktion der Römer blieb
nicht aus. Das gesamte alexandrinische Ghetto wurde zerstört, samt der für ihren
Reichtumg weit über Alexandrias hinaus bekannten Synagoge. Laut dem antiken
Autor Appian ließ "Traian das jüdische Volk in Ägypten ausrotte[n]".19
Durch diese Niederschlagung, Ausrottung, der jüdischen Gemeinde, verschwinden
die Juden für fast zwei Jahrhunderte aus der Geschichte Alexandrias, obgleich sie

13
Clauss: Alexandria S. 160f.
14
Clauss: Alexandria S. 161
15
Clauss: Alexandria S. 161
16
Clauss: Alexandira S. 161
17
Clauss: Alexandria S. 162
18
Clauss: Alexandria S. 162
19
Clauss: Alexandria S. 162ff.
vormals die wichtigste Bevölkerungsgruppe gestellt hatten.20

2. Philos In Flaccus

Im Folgendem Teil der Hausarbeit soll näher auf Philos Werk In Flaccus
eingegangen werden und dessen Darstellung des Ereignisse in Alexandria.
Desweiteren werden dazu Bezüge zu Flavius Josephus und dem
Antwortschreibens Kaisers Claudius` gegeben. Zunächst folgt eine kurze
Zusammenfassung der Ereignisse um den Statthalter Flaccus und dessen Umgang
mit der jüdischen Bevölkerung Alexandriens wie sie von Philo geschildert
werden.

2.1 Aufbau

Die Schrift In Flaccus von Philon von Alexandria gehört zu den wenigen
Zeugnissen über das Verhältnis der Nichtjuden und Juden im antiken Alexandria,
welche auch in einem größeren Zusammenhang auf das gesamte römische Gebiet
übertragbar sind. Mit den beiden Schriften In Flaccus und Legatio ad Gaium,
welche inhaltlich zusammengehören bzw, eine Verbindung aufweisen/aufeinander
aufbauen liegen uns die einzigen nicht religiösen Schriften des Philo vor.
Philo von Alexandrias In Flaccus lässt sich in zwei Hauptabschnitte und mehrere
kleinere inhaltliche Einheiten unterteilen.21 Der erste Hauptabschnitt (Abschnitt 1
bis 96) thematisiert die Verfolgung der Juden durch den Statthalter Flaccus und
seine judenfeindliche Politik. Der zweite Hauptabschnitt (97 bis 191) thematisiert
die Festnahme des Flaccus und sein weiteres Leben in der Verbannung.

2.2 Darstellung des Pogroms

Flaccus wurde von Kaiser Tiberius zum Statthalter der Provinz Ägypten bestimmt
und zeigte in den ersten fünf Amtjahren sein Geschick im Umgang mit den
Regierungsgeschäften.22 Dieses änderte sich jedoch als Caligula Kaiser wurde im
Jahre 37 nach Christus. Dadurch, dass er den Gegenkanidaten Caligulas
20
Clauss: Alexandria S. 164
21
Van der Horst, S. 6
22
Philo In Flaccus In: Philo of Alexandria Commentary Series: Volume 2 Philo´s Flaccus. The
First Pogrom. Introduction,Translation and Commentary by Pieter W. Van der Horst, S. 54f. (1
bis 7)
unterstützt hatte und auch den Prozess gegen Caligulas Mutter mit getragen hatte,
fürchtete er den neuen Kaiser und suchte Wege diesen sanft zu stimmen.23 Zu
dieser Zeit nutzen antijüdische Gruppen ihren Einfluss und brachten Flaccus dazu,
dass er sich einer Politik gegen die Juden anschloss, welche auch von Caligula
betrieben wurde. Zunächst wurden Juden in Gerichtsurteilen benachteiligt.24 Als
jedoch der jüdische König Herod Agrippa, der Enkel Herdodes des Großen,
Alexandria besuchte, nutzten die judenfeindlichen Gruppen der Stadt diesen
Besuch dazu eine Art Karneval zuvernanstalten währdendessen sie sich über
Herodes Agrippa und die Juden lustig machten, ohne das ihnen Konsequenzen
durch Flaccus drohten.25 Durch dieses Vorgehen Flaccus' beflügelt, stellten die
antijüdischen Unruhestifter Statuen des Kaisers in den Synagogen auf, wodurch
dieses nach jüdischem Empfinden entweiht wurden.26 Nach diesem Ereignis
erließ Flaccus ein Dekret, wodurch die Juden zu Fremden innerhalb Alexandrias
wurden und somit faktisch das Bürgerrecht entzogen wurde, welches sie für sich
wie bereits in der Einleitung erwähnt beanspruchten. Dieses Dekret war der
Ursprung für eine größere Welle der Gewalt gegenüber den alexandrinischen
Juden, ihre Häuser wurden geplündert und in Brand gesteckt und im Laufe der
Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet Alexandrias auf Synagogen entweiht und
geplündert.27 Dieses Pogrom gipfelte darin, dass an Caligulas Geburtstag einige
Juden ins Theater von Alexandria getrieben wurden und Schweinefleisch essen
mussten und bei der Weigerung ermordet wurden.28 Bereits im Vorfeld wurden
Juden außerhalb des Ghettos verhaftet und mussten Misshandlungen und andere
Strafen über sich ergehen lassen. Nach diesem Vorfall wurde Flaccus wenige
Wochen später verhaftet und seinem Amt entbunden.29 Er wurde auf die Insel
Andros im agäischen Meer verbannt und dort später auf Befehl Caligulas
ermordet.30

2.3 Die Person des Flaccus

Nach dieser Betrachtung der Ereignisse, ist es notwendig sich kurz mit der Person

23
Philo, S. 55ff. (8 bis 20)
24
Philo, S. 58 (21 bis 24)
25
Philo, S. 58ff. (25 bis 40)
26
Philo, S. 61f. (41 bis 44)
27
Philo, S. 62ff. (45 bis 52)
28
Philo, S. 64ff. (53 bis 96)
29
Philo, S. 83f. (104 bis 118)
30
Philo, S. 86f.(180b bis 190)
des Flaccus selbst zu beschäftigen, um ein besseres Bild der gesamten Situation
zu bekommen.
Zur Person des Aulus Avillius Flaccus erfahren wir außerhalb der Werke des
Philos fast gar nichts. Lediglich seine Werke In Flaccus und Legatio ad Gaium
geben uns Auskünfte über die Person des Flaccus.31 Dadurch erhalten wir ein
einseitiges und stark von Philo geprägtes Bild des Flaccus.
Flaccus wurde wahrscheinlich um das Jahr 15 vor Christus in Rom geboren und
stammte aus einer wohlhabenden Famile der römischen Oberschicht, welche gute
Verbindungen hatte.32 Ebenfalls wissen wir, dass Flaccus mit einigen
Familienmitgliedern der kaiserlichen Familie aufwuchs, wodurch erneut die guten
Beziehungen der Familie des Flaccus deutlich werden.33 Desweiteren kannte er
den Kommandant der Prätorianergarde und war befreundet mit Aemilius Lepidus,
dem Ehemann Drusillas, der Schwester des Gaius.34 Somit kann festgstellt
werden, dass Flaccus mit Sicherheit aus einer einflussreichen und angesehenen
Familie der römischen Oberschicht entstammt. Bis zur seiner Ernennung zum
Statthalter Ägptens ist nichts weiteres über Flaccus bekannt außer, dass er eine
aktive Rolle in der Verfolgung der Agrippina, der Mutter des Gaius (Caligula)
gespielt hat, wodurch sich die Angst des Flaccus erklären lässt, nachdem Gaius
zum Kaiser wurde. Dieses könnte auch ein Grund für die aufkommende
Judenfeindlichkeit sein, die in seiner vorherigen Poltik nicht spürbar war.35 Von
den sechs Jahren in denen er Präfekt Ägyptens war zeugen nur zwei Inschriften
und zwei Papyri erwähnt, die aber keine weiteren nützlichen Auskünfte als seinen
Namen geben.36 Der Rest der über Flaccus bekannt ist, wird in Philos In Flaccus
beschrieben und wurde hier bereits dargelegt.

2.4 Flaccus‘ Darstellung bei Philo

Nach der Darstellung der Sichtweise Philos und der Erkenntnisse über die Person
des Flaccus muss noch geklärt werden, welche Schlüsse über die Person des
Flaccus gezogen werden können und wieweit Philos Darstellung in Frage gestellt
werden muss oder nicht. Hierbei wird allerdings nur die Zeit von Antritt bis zum
Exil des Flaccus berücksichtigt, und somit der zweite Teil von In Flaccus nicht

31
Van der Horst, S. 34
32
Van der Horst, S. 34
33
Van der Horst, S. 34
34
Van der Horst, S. 35
35
Van der Horst, S. 35
36
Van der Horst, S. 35f.
berücksichtigt.

Die anfängliche Darstellung des Flaccus ist zunächst positiv. Philo lobt ihn als
guten Nachfolger des vorherigen Präfekten, der diesen sogar übertraf.37 Dieses
Lob auf Flaccus38 soll aber nicht dazu dienen die Person des Flaccus als guten
Präfekten darzustellen, sondern seinen Wandel hin zum judenfeindlichen und
damit schlechten Präfekten zu verdeutlichen.39 Dieses legt Philo selbst in seinem
Werk dar40, wodurch der Leser lernen soll, dass Flaccus positiven Fähigkeiten als
Präfekt, die er in seinen ersten Jahren bewiesen hatte, verantwortlich machten für
die Geschehnisse während des Pogroms.41 Durch Philo erfahren wir ebenfalls,
dass Flaccus kein Befürworter des Gaius‘ (Kaiser Caligulas) war, sondern sich
gegen den Adoptivsohn aussprach und die leiblichen Nachfahren unterstützte.
Dieses ist aber nicht, nach der Ansicht von Pieter W. van der Horst nicht
schlüssig, da Philo behauptet, dass Flaccus eine aktive Rolle in der Unterstützung
des Gegenkandidaten gespielt hat, da Flaccus in Ägypten war und somit zu weit
entfernt von Rom um aktiv einzugreifen.42 Des Weiteren erfahren wir, dass
Flaccus an der Exilschickung von Caligulas Mutter aktiv beteiligt war, wodurch er
den Amtsantritt Caligulas fürchtete.43 Allerdings ist es nicht nur Furcht, welche
Flaccus zum Umdenken in seiner Politik bewegte, sondern auch der Tod des
Tiberius, welcher wie bereits im Teil der Hausarbeit über die Person des Flaccus
berichtet, ein Freund dessen war. 44
Die Politik Flaccus, beim Besuch des Agrippa in Alexandria, die Vorgehensweise
gegen die Juden und den von Caligula ernannten König nicht zu beanstanden,
wird von Philo vehement angeprangert.45 Ebenfalls hätte Flaccus dieses wie auch
den folgenden „Karneval“ gegen Agrippa und die alexandrinischen Juden
verurteilen müssen und gegen die antijüdischen Aktionen vorgehen müssen. Nun
wird deutlich, dass Flaccus nach Meinung des Philos völlig versagt hat als
Präfekt.46 Dadurch, dass Flaccus das Pogrom gegen die Juden geschehen lässt,
schöpfen die Gegner neue Kraft für weitere Aktionen gegen die Juden, welche

37
Van der Horst, S. 89
38
Philo 8
39
Van der Horst, S.89
40
Van der Horst, S.89, Philo 7
41
Van der Horst, S.89
42
Van der Horst, S. 101
43
Van der Horst, S. 101
44
Van der Horst, S. 101
45
Van der Horst, S. 114ff.
46
Van der Horst, S. 131
sich im Pogrom entluden. Dieses ist laut van der Horst das schlimmste in den
Augen Philos.47 Die Aufstellung der Statuen Caligulas in den Synagogen
Alexandrias, verurteilt Philo stark, da sie nichts anderes als eine direkte Attacke
gegen die Juden und ihre Religion war.48
Die endgültige Aberkennung des Bürgerrechts Alexandrias für Juden durch
Flaccus ließ den Zorn gegenüber den Juden völlig außer Kontrolle raten, da sie
nicht mehr auf einer Stufe mit den Griechen und Römern standen, sondern von
nun Fremde in der eigenen Stadt waren. Die Beweggründe Flaccus‘ für den Erlass
des Ediktes gegen die Juden liegen im Unklaren, da Philo nur den Inhalt
wiedergibt, da er die Juden dort als Fremde bezeichnet.49

3. Fazit

Im Fazit sollen nun die Erkenntnisse über Flaccus gesammelt und noch einmal
dargestellt werden.
Wie bereits erwähnt gibt es nur wenige Quellen, welche uns Auskunft zur Person
des Flaccus‘ geben. Die Hauptquelle über das Leben und Wirken des Flaccus ist
Philos In Flaccus. Daraus ergibt sich die Problematik, dass es keine objektive
Sicht auf die Politik und die Beweggründe des Flaccus gibt, da sie aus der Sicht
Philos, der Partei für die Juden Alexandrias einnimmt, dargestellt werden. Zwar
ist es verständlich, dass Philo als Jude und Bürger Alexandrias, sich auf die Seite
der Juden stellt, aber wie damit wird es schwierig zu unterscheiden, welche
Aussagen überspitzt dargestellt werden und welche nicht. Außerdem ist In Flaccus
eine Schrift gegen die Person und Politik des Flaccus, womit die einzigen
Angaben zu ihm, durch eine Schrift gegen ihn gesammelt werden können.
Was kann nun über die Person des Flaccus angenommen werden? Die
Verbindungen des Flaccus zu den höheren Kreisen der römischen Gesellschaft
kann sicher angenommen werden, da diese mehrmals erwähnt werden. Ebenfalls
die Unterstützung des Gegenkandidaten des Gaius, kann sicher angenommen
werden, obwohl sie nicht wie von Philo beschrieben aktiver Natur gewesen sein
kann, da er wie im vorherigen Teil der Hausarbeit beschrieben durch die
Entfernung Alexandrias von Rom dieses nicht möglich war. Die Frucht des
Flaccus‘ vor dem nun neuen Kaiser Gaius (bzw. Caligula) ist auch anzunehmen,

47
Van der Horst, S. 132
48
Van der Horst, S. 134f.
49
Van der Horst, S. 155f.
da er diesen nicht unterstütze und auch nicht zu seinen Freunden zählte, aber die
wichtige Position des Präfekten von Alexandria und Ägypten inne hatte. Diese
wird dadurch, dass Flaccus an der Aktion gegen die Mutter des Gaius
teilgenommen hat bestärkt. Das Urteil über die Politik des Flaccus‘ kann nur aus
den Werken des Philo entnommen werden, wobei hier In Flaccus und Legatio ad
Gaium gemeint sind. Zwar werden auch von anderen antiken Autoren die
Ereignisse in Alexandria aufgegriffen, aber es ist nicht sicher, ob diese nicht auf In
Flaccus beruhen.
Insgesamt ist festzustellen, dass den generellen Daten über Flaccus in In Flaccus
geglaubt werden kann, aber die beurteilenden und verurteilenden Anmerkungen
und Darstellungen des Philos gedeutet und kommentiert werden müssen und nicht
einfach hingenommen werden dürfen.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis:

Philo In Flaccus In: Philo of Alexandria Commentary Series: Volume 2 Philo´s


Flaccus. The First Pogrom. Introduction, Translation and Commentary by Pieter
W. Van der Horst

Literaturverzeichnis:

Clauss, Manfred: Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2003

Philo In Flaccus In: Philo of Alexandria Commentary Series: Volume 2 Philo´s


Flaccus. The First Pogrom. Introduction, Translation and Commentary by Pieter
W. Van der Horst, Boston 2003

Schimanowski, Gottfried: Juden und Nichtjuden in Alexandrien. Koexistenz und


Konflikte bis zum Pogrom unter Trajan (117 n. Chr.), Berlin/Münster 2006