Sie sind auf Seite 1von 16

Weg

Die Zeitschrift für Deutschlernende

Der
Ausgabe Nr. 31 3-2000

Nürnberg - die alte Reichsstadt ➁/➂➂


Die zweitgrößte Im sogenannten Drit-
Stadt des deutschen ten Reich erhielt
Bundeslandes Bay- Nürnberg traurige
ern und Metropole Berühmtheit. Die
des Frankenlandes Nationalsozialisten
feiert in diesem machten die Stadt
Jahr ihren 950. Ge- zum Ort ihrer
burtstag. Im Jahre Reichsparteitage 4
1050 wurde sie zum und zur Verkündi-
ersten Mal in einer gung der schlimmen
Urkunde erwähnt. R a s s e n g e s e t z e 5.
Diese berichtet da- Nach dem Zweiten
von, daß die vor- Weltkrieg fanden
mals leibeigene 1 hier die Prozesse ge-
junge Frau Sigena gen die größten deut-
in die Freiheit ent- schen Kriegsverbre-
lassen wurde. Mit cher statt, die „Nürn-
Blick auf die Nürnberger Burg
diesem denkwürdi- berger Prozesse“.
gen2 Ereignis trat Nôrenberc, das spätere Nürn-
berg, in das Licht der Geschichte. Aus einer klei- Romantische Altstadt -
nen Siedlung an den Ufern des Flüßchens Pegnitz aus Trümmern erstanden
wurde schon im Mittelalter eine „Großstadt“ mit
ca. 50 000 Einwohnern. 1219 wurde sie durch Nach diesen Zeiten wurde es relativ still um das
den ,großen Freiheitsbrief‘ Kaiser Friedrich II. frühere Zentrum des Deutschen Reiches. Heute
(1194 - 1250) zur Freien Reichsstadt. ist Nürnberg ,nur noch’ eine kreisfreie Stadt mit
ca. 500 000 Einwohnern und zugleich Kreisstadt
Eine Stadt, die Geschichte schrieb im bayerischen Regierungsbezirk6 Mittelfranken
(Hauptstadt Ansbach). Dabei ist die Altstadt, die
In Nürnberg ist deutsche Geschichte geschrie- im Zweiten Weltkrieg weitgehend den Bomben-
ben worden, besonders auf der Burg, die sich angriffen der Alliierten7 zu Opfer gefallen war,
auf einem Sandsteinfelsen über der Stadt erhebt. nach ihrem Wiederaufbau heute wieder so etwas
Seit ihrem Entstehen in der Mitte des 12. Jahr- wie des „Deutschen Reiches Schatzkästlein“.
hunderts - als ihr Bauherr gilt Kaiser Friedrich
I. Barbarossa (= Rotbart; ca. 1123 - 1190) - In anderen europäischen Großstädten wurden be-
haben auf der Nürnberger Burg 32 Kaiser und reits im 19. Jahrhundert die überflüssig geworde-
Könige residiert3, Herren des Heiligen Römi- nen Stadtmauern geschleift8, oder sie wurden nach
schen Reiches Deutscher Nation. Zerstörungen nicht wieder aufgebaut. Auch als
1
Nürnberg nach dem Zweiten Weltkrieg so zer-
Aus der Redaktion
stört war, wollte der Rat sogar zuerst die Stadt an
Liebe Leserinnen und Leser, anderer Stelle wieder aufbauen. Aber es kam an-
seien Sie aus Deutschland ders, und aus dem Bombenschutt9 wurde das mit-
ganz herzlich gegrüßt! Ich telalterliche Stadtbild einschließlich seiner umge-
hoffe, Sie hatten eine schö- benden Mauer und ihren Türmen und Toren weit-
ne Sommer- und Ferienzeit
gehend wieder hergestellt.
und gehen mit neuer Kraft
an die vor Ihnen liegenden Von der Kaiserburg aus, dem Nürnberger Wahr-
Aufgaben. Ich wünsche Ih-
zeichen, hat man einen wunderschönen Blick auf
nen dafür Gottes reichen
Segen! das historische Zentrum. Deutlich erkennbar ist

Auch vor uns liegen neue Herausforderungen und Pla-


nungen. Da Deutsch in den Ländern Osteuropas und
der GUS immer mehr als zweite oder dritte Fremd-
sprache unterrichtet wird, möchten wir darauf hinar-
beiten, den „Weg“ auch für weniger Fortgeschrittene
wieder leichter lesbar zu machen. Wir werden die Län-
ge der jeweiligen Artikel teilweise kürzen und sie noch
mehr vereinfachen, aber auch die Inhalte erweitern. Ab
2002 wird dann voraussichtlich der „kleine Weg“ nicht
mehr erscheinen.
Wir freuen uns auch immer sehr über Ihre ermutigen-
den und hilfreichen Briefe. Vielen Dank! Wenn Sie Mei-
nungen zu Themen oder Inhalten des „Weges“ haben,
machen Sie dies als „Leserpost“ kenntlich. Wir erwä- Blick auf die Nürnberger Stadtmauer
gen, in Zukunft auch eine Seite mit „Leserpost“ im
„Weg“ zu veröffentlichen. die Sebaldus- und die Lorenzkirche, die aus ei-
Durch die zunehmende Nutzung des Internet verän-
nem Meer steiler Dächer herausragen. Eins die-
dert sich auch unsere Arbeit. Immer mehr Zeit brau- ser Dächer gehört dem nach dem Krieg original-
chen wir neben der Herstellung der gedruckten Aus- getreu wiederhergestellten Albrecht-Dürer-Haus.
gaben für die Angebote unserer „Website“ (die „Weg“-
Seiten im Internet). Dort finden Sie unter anderem Ein Zentrum von Kunst und Kultur
fast alle bisher erschienen Artikel der 31 „Weg“-Hef-
te, oft mit farbigen Bildern. Von unserer „Website“ kön- In Nürnberg ist nicht nur deutsche Geschichte ge-
nen Sie auch die „Weg“-Ausgaben der letzten beiden schrieben worden, sondern hier war auch ein Zen-
Jahre auf Ihren Computer herunterladen und ausdruk- trum deutschen Kunst- und Kulturschaffens. Drei
ken. Und seit der letzten Ausgabe gibt es den „Weg“ Namen sollen stellvertretend für viele andere ge-
auch als „E-Mail“, jedoch ohne die Bilder. In Arbeit ist
die Übersetzung eines Teils der Internetseiten ins Rus-
nannt werden: Da gab es den Bildhauer, Kupfer-
sische, ergänzt durch neue Inhalte. Wir beabsichtigen stecher10 und Maler Veit Stoß (ca. 1445 - 1533),
auch, dort interessante Artikel und Ausarbeitungen dessen berühmte Schnitzwerke „Englischer
von Deutschlehrern und Studenten zu veröffentlichen. Gruß“11 in der Lorenzkirche und „Kreuzigung“
Wie Sie sehen, bieten sich mit den neuen Medien Mög-
in der Sebalduskirche zu bewundern sind. Da war
lichkeiten, die über die einer gedruckten Zeitschrift Albrecht Dürer (1471 - 1528), der fast zwei Jahr-
weit hinausgehen. Und doch wird wohl niemand so zehnte in Nürnberg wohnte und zu Recht als der
schnell auf eine Zeitschrift in gedruckter Form ver- größte deutsche Zeichner, Maler und Kupferste-
zichten wollen. So hoffen wir, daß Ihnen der „Weg“ auch cher gepriesen12 wird. Sein Werk umfaßt etwa 70
in den kommenden Jahren ein guter und treuer Be- Gemälde, 100 Kupferstiche, 350 Holzschnitte13
gleiter bleiben wird.
und 900 Handzeichnungen. Dürers „Betende Hän-
Viel Freude beim Lesen! de“ hängen in beinahe jedem frommen Haus. Und
Ihr da war Hans Sachs (1494 - 1576), der hervorra-
gend dichtende Schuhmacher, von dem ca. 1700
Volker Schmidt Schwänke14, 200 Bühnenspiele und 4000 Meister-
lieder erhalten sind.
2
Noch heute besitzt Nürnberg mit dem 1852 ge- Wirtschaftszentrum für Produkte der Elektroin-
gründeten Germanischen Nationalmuseum die dustrie (z.B. Siemens), des Fahrzeug- und Büro-
größte Sammlung von Zeugnissen aus der Ge- maschinenbaus (z.B. MAN), der Herstellung al-
schichte der deutschen Kunst und Kultur. Tage- ler möglichen Schreibartikel (z.B. Faber-Castell,
lang kann man durch die weitläufigen Ausstel- Staedtler, Schwan) usw.
Übrigens: Wer Nürnberg besucht - und das nicht
unbedingt nur zur Vorweihnachtszeit, wenn Tau-
sende aus der ganzen Republik den traditionellen
Christkindlesmarkt überfluten -, sollte es nicht
versäumen20, die berühmten Bratwürste zu pro-
bieren, deren Duft einem überall in der Stadt in
die Nase steigt, und dazu eins der Nürnberger
Biere kosten21. Er sollte auch nicht vergessen, für
die Heimreise als Proviant22 eine Dose der ebenso
berühmten Lebkuchen23 mitzunehmen. Sie sind
schon lange eine schmackhafte Visitenkarte der
Jubiläumsstadt.
Romantisches Nürnberg an der Pegnitz
Lothar von Seltmann
lungsräume gehen, und man sieht sich dennoch 1
leibeigen: jemand ist nicht sein eigener Herr, sondern er gehört
niemals satt an den zahllosen Gemälden, Möbeln,
mit Leib und Leben einem anderen 2 denkwürdig: so wichtig,
Musikinstrumenten und Skulpturen15. Übrigens
daß man es nicht vergessen sollte 3 residieren: seinen Wohn-
besitzt die Stadt noch andere wichtige Museen. sitz haben (als Fürst oder Regierender) 4 der Parteitag: Haupt-
Kinder und jüngere Leute bekommen leuchtende versammlung der Mitglieder einer politischen Partei 5 Die Nürn-
Augen, wenn sie das Spielzeugmuseum besuchen, berger (Rassen)Gesetze unterdrückten alles, was nicht deutsches
und Technikfreunde werden sich im Verkehrs- Blut hatte und verboten die Vermischung deutschen Blutes mit
museum oder dem „Centrum Industriekultur“ fremdem. 6 Kreise und Regierungsbezirke sind kommunale
begeistert den Ausstellungsstücken hingeben. Verwaltungseinheiten in den deutschen Bundesländern 7 alli-
iert: verbündet; die Alliierten = die im Krieg gegen Deutschland
verbündeten Staaten 8 schleifen: hier: zerstören, abbrechen,
Nürnberger Tand dem Erdboden gleich machen 9 der Schutt: Steine, Reste von
Noch ein kleines Stadtkapitel. Schon im Mittelal- Mauern usw., die man nicht mehr braucht 10 der Kupferstich:
Verfahren, bei dem eine Zeichnung seitenverkehrt in eine Kupfer-
ter liefen in Nürnberg zwölf Handels- und Fern-
platte eingeritzt wird. Der Abdruck ergibt dann das positive Bild.
straßen zusammen. Der ,Nürnberger Witz’, d.h. 11
„Englischer Gruß“: hat nichts mit England zu tun, sondern mit
der Erfindergeist, hatte in ganz Europa Rang16 und Engeln = himmlische Wesen, die (sich) grüßen 12 preisen: lo-
Namen. So wurde 1390 an der Pegnitz die erste ben 13 der Holzschnitt: Verfahren ähnlich wie beim Kupferstich;
Papiermühle nördlich der Alpen errichtet, hier hier wird das Bild negativ in einen Holzblock eingeschnitzt. Beim
wurde der Globus17 erfunden und Peter Henleins Ausdruck ergeben die stehengebliebenen Stege das positive Bild.
14
berühmtes „Nürnberger Ei“, die erste Taschen- der Schwank: eine Komödie, ein Lustspiel 15 die Skulptur:
uhr. Zwischen Nürnberg und der Nachbarstadt eine Figur (aus Bronze, Gips etc.), die ein Künstler gemacht hat
16
Fürth fuhr 1835 die erste Eisenbahn auf dem eu- Rang und Namen haben: sehr bekannt sein 17 der Globus:
eine Kugel, auf die die Landkarte der Erde o.ä. gemalt ist und
ropäischen Kontinent. „Nürnberger Tand18 geht
die man um ihre eigene Achse drehen kann 18 der Tand: alter
durch alle Land“. Noch heute zeugt dies Sprich- Begriff für Handelswaren; wird heute geringschätzend verwen-
wort davon, daß Nürnberger Waren und Erzeug- det 19 die Reformation: im 16. Jahrh. durch Luther, Zwingli,
nisse auf allen bedeutenden Märkten Europas an- Calvin u.a. angestoßene Bewegung zur Erneuerung der Kirche
geboten wurden. 20
versäumen: etwas nicht tun; verpassen 21 kosten: eine kleine
Menge von etwas essen oder trinken um zu prüfen, wie etwas
Industriestadt mit „Geschmack“ schmeckt; probieren 22 der Proviant: das Essen, das man auf
einen Ausflug oder eine Reise mitnimmt 23 der Lebkuchen: ein
Das moderne Nürnberg, seit der Reformation19 Gebäck in runder oder viereckiger Form, das süß und würzig
eine überwiegend evangelische Stadt, ist heute ein schmeckt und besonders zu Weihnachten gegessen wird

3
„Ost trifft West“ ➁/➂➂
BERLIN. „Ossi1 meets2 Wessi” - unter diesem Lane: Meine
Namen lief an zwei Schulen in Berlin bis vor zwei Schwester hat mir da
Jahren ein Projekt mit Schüleraustausch und ge- viel erzählt. Wo sie
meinsamen Veranstaltungen. Im Jahre zehn nach wohnte, konnte man
der Wende lud die Rheinische Post jeweils zwei vom Balkon aus die
Schüler zu einem gemeinsamen Gespräch in die Mauer sehen. Da
Erich-Maria-Remarque-Oberschule in Berlin- durften die West-
Hellersdorf ein, im östlichsten aller Berliner Be- deutschen an die
zirke. Es trafen sich vier Schüler, die das Projekt Mauer ran, die Ost-
selbst nicht mehr miterlebt haben: Marc (12 Jah- deutschen nicht, die
re) und Thomas (16) aus Hellersdorf, mit Lane wurden schon vor-
(12) und Bodil (16) von der Karl-von-Ossietzky- her gestoppt. Und
Oberschule in Kreuzberg (West-Berlin). richtig reisen durften die im Osten auch nicht.
Seid Ihr schon mal in Kreuzberg gewesen? Nur in den Ostblock3 und so.
Thomas: Meine Schwester wohnt dort in der Thomas: Wir waren oft in Ungarn. Im Trabi4 ein-
Nähe, da fahr’ ich manchmal hin zu Besuch. Dann tausend Kilometer, das war echt lustig. Heute fah-
gewöhnt man sich auch daran, dass es ganz schön ren wir immer noch dorthin, aber mit einem rich-
weit ist dorthin. tigen Auto. (Lane und Bodil lachen) Jetzt können
wir von da sogar ans Mittelmeer runterfahren.
Marc: Ja, ich war vor
drei Tagen noch in Was war in Lichtenberg, wo du zwischendurch
Kreuzberg, da hatten gewohnt hast, eigentlich anders als in Kreuzberg?
wir dort so ein Semi- Lane: Die Kinder waren dort anders eingestellt
nar. Die Schule war in als im Westen. Im Osten waren sie ein bißchen
den alten Häusern, ein kindlicher (Marc grinst und lacht), im Westen
bißchen versteckt. Es waren sie reifer. Es gab viele dumme Sprüche
war richtig interessant über Wessis dort. Dass die Kinder dort viel ver-
zu sehen, wie die dort wöhnt wurden, mit High-Tech5-Spielzeug spielen
Unterricht machen. durften, im Osten gab’s mehr einfache Sachen.
Denn es wohnen ja Und im Osten mußte man sich oft Ausdrücke wie
sehr viele Ausländer dort. „Scheiß6-Türke” anhören - in Kreuzberg sagt man
Hast Du gemerkt, dass es West-Berlin ist? einfach „Dummkopf” oder „Blöde7 Kuh”.
Marc: Das war mir eigentlich egal - das gehört Könntest Du dir vorstellen, in Hellersdorf zu woh-
doch noch zu Berlin. Es ist ja ein Berlin. Ich kenn’ nen und hier zur Schule zu gehen?
es ja nur als ein Berlin. Lane: Schwer. Ich glaube, mir gefällt es bei uns
Thomas: Für mich ist das auch nicht so wichtig. in Kreuzberg schon besser, als wenn ich hier auf
Ich habe immer in Berlin gelebt, ob Ost oder West, die Schule ginge...
ist nicht wichtig. Marc: ... vielleicht für euch. Ich find’ das hier
Wie hast Du mitbekommen, daß sich nach der ein bisschen besser. Das ist nicht so mitten in der
Wende etwas geändert hat? Stadt. Hier wohnen wir weiter draußen. Es ist
nicht so laut.
Thomas: Na klar hat man das damals gemerkt,
als nach der Wende bei uns im Viertel die Leute Lane: Aber hier würdest Du doch nie so gerne
nach und nach neue Autos bekamen. Wir ja auch. abends allein rausgehen?
Bodil: Meine Mutter ist gebürtige Ost-Berline- Marc: Ja, das stimmt schon, aber es gibt auch
rin. Wir sind kurz vor der Wende zusammen nach Ecken, da kann man abends toll hingehen.
dem Westen geflohen.
4
Bodil: Du sagst, hier ist es so schön ruhig drau- Bodil: Ich weiß noch
ßen. Tut mir leid, aber hier sieht alles so gleich nicht, ob ich nach dem
aus, die ganzen Betonbauten und so ekelhafte8 Abitur studieren
Kästen... möchte. Mal sehen,
Thomas: ...irgendwie kann ich mir nicht vorstel- Journalistin oder Leh-
len... rerin.
Marc: ...in Kreuzberg zu wohnen. Thomas: Im nächsten
Sommer werde ich auf
Lane: Hier bei euch im Osten bauen sie doch in-
die Fachoberschule
zwischen auch viele große Einkaufscenter9 hin.
wechseln und danach
Bei euch wird es bald auch so aussehen wie im
Wirtschaftsinformatik
Westen.
studieren.
Thomas: Und durch die großen Center gehen viele
Glaubt ihr, dass ihr später einmal leicht einen
kleine Läden kaputt.
Job11 findet?
Merkt ihr noch, wann ihr von West nach Ost kommt
Thomas: Ich hoffe. Mein Bruder zum Beispiel
und wo die Mauer einmal stand?
mußte jetzt 40 Bewerbungen schreiben, um etwas
Lane: Ich bin nicht sicher. Am Potsdamer Platz zu finden. Obwohl er ein gutes Abitur hat.
gibt es glaub’ ich eine Stelle, wo Striche auf dem
Was wünschen sich Nachwuchs-Berliner wie ihr
Boden sind.
für die Zukunft?
Thomas: Steht dort
Thomas: Man sollte versuchen, die Vorurteile
nicht irgendwo noch
untereinander abzubauen und mehr aufeinander
ein Stück Mauer?
zugehen.
Ist es noch etwas Be-
Lane: Ich wünsche mir, dass ich später eine gute
sonderes für einen
Arbeit finde.
Westberliner, in den
Osten zu fahren? Bodil: Ich glaube, es gibt bei vielen immer noch
eine Mauer in den Köpfen. Wir sollten versuchen,
Lane: Wenn ich mal
dass das anders wird. Aber wir müssen akzeptie-
nach Mitte oder zum
ren, dass Ost und West verschieden bleiben wer-
Alex fahre, ist es
den.
noch in Ordnung.
Wenn ich aber erzäh- Marc: Vielleicht sollten viele einfach mal ver-
le, ich fahre weiter raus, zum Beispiel nach gessen, woher sie kommen und was sie für Leute
Marzahn, dann kommen die ersten Sprüche. „Wie sind. Dass wir einfach mal so zusammenleben und
kannst du denn da hinfahren” und so. uns nicht bekriegen12. Jeder soll sein Leben leben
können - ohne schlimme Sachen anzustellen.
Bodil: Oder wenn man nach Pankow oder Treptow
fährt. (Pause) Ist Treptow denn überhaupt im Elmar Kramer aus Rheinischer Post v. 15.01.2000
Osten? (Marc und Thomas nicken). [in Auszügen]
Fühlt Ihr euch von den Politikern ernst genommen?
1
Marc: Ich glaube nicht, dass die uns ernst neh- Ossi - Wessi: (abwertende) Bezeichnung für Menschen aus
men. Die denken doch immer nur an die nächsten Ost- bzw. Westdeutschland 2 [mi:ts‘] (engl.) trifft 3 der Ost-
Wahlen. (Thomas und Lane nicken.) Wenn die block: ehem. Bezeichnung für die kommunistischen Staaten
erst mal wieder gewählt wurden, machen die vier Osteuropas 4 der Trabi: Trabant; bekannteste Automarke der
Jahre, was sie wollen. ehemaligen DDR 5 [haj: täk‘] (engl.) sehr moderne technische
Geräte etc. (mit Computern etc.) betrieben 6 Scheiß-: ver-
Bodil: Genau, es geht um Wählerstimmen.
wendet, um auszudrücken, daß man sich über jndn./etw. sehr
Habt Ihr schon Ideen, was ihr nach der Schule ärgert oder etw. sehr schlecht findet 7
blöd: dumm
machen wollt? 8
ekelhaft: sehr unangenehm oder lästig 9 das Center [senter]:
Lane: Ich mache erst mein Abi10 und möchte dann (engl.) Zentrum 10 Abitur 11
der Job: (engl.) Arbeitsstelle
studieren. Vielleicht Lehrerin oder Ärztin. 12
bekriegen: Krieg gegen jmdn. führen (hier bildlich gebraucht)
5
Den Tod vor Augen ➀/➁➁
Es war der 20. April 1999. Zwei Schüler gingen Cassie schaute ihn an. Sie zögerte9. „Ja“, ant-
zu ihrer Schule, dem Columbine1-Gymnasium in wortete sie dann. „Warum?“, fragt er und schoß
den U.S.A. Dies sollte kein normaler Schultag sie in den Kopf. Sie starb sofort. Zwölf Schüler
für sie werden - sie hatten Gewehre2 und Bom- und ein Lehrer wurden an diesem Tag erschossen.
ben bei sich. Viele andere wurden durch Kugeln verwundet.
Was folgte,
war schreck-
Die große Last war weg
lich. Sie er- Einige Jahre vor diesem traurigen Tag war Cassie
schossen zwölf Gott sehr böse gewesen. Sie wollte nichts von
Schüler, einen ihm wissen. Sie hatte schlechte Freunde, die sich
Lehrer und mit bösen und teuflischen10 Sachen beschäftig-
dann sich sel- ten. So wie die Jungen, die sie später umbrach-
ber. Aber die ten11. Sie versuchte Drogen und Alkohol. Sie
Geschichte von haßte ihre Eltern und wollte sie sogar töten.
einem dieser
Mädchen, die Aber dann lud eine Freundin sie auf eine christ-
starben, ist um liche Freizeit ein. Und das Unerwartete geschah.
die ganze Welt Gott sprach zu ihrem Herzen. Sie fing an zu
gegangen. Die weinen, und sagte Gott all die bösen Dinge, die
Geschichte von Cassie3 Bernall. sie gedacht und getan hatte. Sie bat ihn um Ver-
gebung. Später sagte Cassie: „Ich weiß nicht was
Sie hatten Gewehre passiert ist, aber ich war verändert. Ich fühlte,
wie eine große Last von mir fiel.“
Es war kurz nach elf Uhr morgens. Cassie muß-
te für Englisch eine Ausarbeitung machen. Sie Sie sagte „ja“
ging in die Bibliothek. Es waren gerade einige
Minuten vergangen, als ein Lehrer in die Biblio- Cassie starb, weil sie wußte, daß Jesus ihr Le-
thek gerannt kam. Er schrie: „Da sind Kinder ben verändert hatte. Er hatte ihre Schuld bezahlt.
mit Gewehren in der Halle!“ Zuerst dachten alle, Sie war Gott böse gewesen, aber nun liebte sie
es sei nur ein Witz. Dann aber hörten sie Schüs- ihn mehr als ihr eigenes Leben. An dem Abend,
se. Sie kamen näher. Dann kam ein Kind in die bevor sie starb, schrieb sie folgenden Satz auf
Bibliothek und stürzte zu Boden. Seine ganze einen Zettel: „Ehrlich, ich möchte ganz für Gott
Schulter war voller Blut. Alle Schüler in der Bi- leben. Es ist hart und macht mir etwas Angst,
bliothek versteckten sich unter den Bänken. Sie aber es lohnt sich total12.“
hatten riesige4 Angst. Cassie hätte „nein“ sagen können, aber sie sagte
Plötzlich stürmten5 zwei Jungen, mit Gewehren „ja“. Auch wenn es ihr Leben kostete. Und sie
und Bomben bewaffnet, in den Raum. Sie schos- starb, weil sie Jesus lieb hatte.
sen wild6 um sich. „Darauf haben wir unser Le- 1
[kolambein:] 2 das Gewehr: eine relativ lange Schußwaffe, die
ben lang gewartet!“, riefen sie. Und nach jedem man mit beiden Händen hält 3 [kä‘s:i:] 4 riesig: sehr groß
5
Schuß jubelten7 sie. Sie waren voller Haß8. Ganz stürmen: schnell irgendwohin laufen (und sich nicht aufhalten
besonders haßten sie Christen und Leute, die im lassen) 6 wild: unkontrolliert; wütend 7 jubeln: seine Freude
über etwas laut und lebhaft zeigen 8 der Haß: eine sehr starke
Sport gut waren. Cassie war unter ihrem Tisch Abneigung gegen jmd./etw. - Gegenteil: Liebe 9 zögern: etwas
und betete. (noch) nicht tun, weil man Angst hat oder weil man nicht weiß, ob
10
es richtig ist teuflische Sachen: Dinge, die mit dem Teufel
Dann kamen sie auch zu ihr. „Glaubst du an (Satan) zu tun haben [z.B.: Tischerücken, Pendeln, Wahrsagen,
Gott?“, fragte einer der Jungen und hielt ein rituelle Tötungen, Teufelsanbetung etc.] 11 umbringen: töten
Gewehr an Cassies Kopf. Die siebzehnjährige 12
total: ganz, völlig, ausnahmslos
6
Graf Zinzendorf - ein seltsamer Mann ➀/➁➁
Welche Wünsche haben wir im Leben? Die meisten sie dort unter der „Hut“, dem Schutz des „Herrn“,
Menschen möchten nur, daß es ihnen selber gut geht. also Gottes, standen). Die neue Gemeinde dort
Aber ist es nicht auch gut und richtig mitzuhelfen, nannte sich deshalb „Herrnhuter Brüdergemein(d)e“
daß es anderen Menschen besser geht? Ist es nicht (weil sie alle wie Brüder, wie Geschwister, in einer
auch schön, anderen Freude zu machen? großen Familie zusammenleben wollten). Ihr Leiter
war Graf Zinzendorf.
Was tust du für mich?
Für andere leben
Vor 300 Jahren, im Jahre
1700, wurde ein Mann Die Flüchtlinge wollten Jesus genau so wie Zinzen-
geboren, der nicht nur für dorf für seine Liebe danken. In den nächsten
sich selber gelebt hat. Er Jahrzehnten gingen deshalb aus dem kleinen
hieß Nikolaus Ludwig Graf Herrnhut hunderte von ihnen als Missionare in alle
von Zinzendorf. Er hat nicht Welt, um die Menschen mit Jesus und seiner Liebe
nur vielen anderen bekannt zu machen. Sie gingen zu den Eskimos3,
Menschen geholfen. Er zu den Schwarzen in Afrika, zu den Sklaven4 in
wollte sogar jemandem Westindien, nach Tibet, zu den Indianern im Urwald
Freude machen, den er gar Südamerikas. Überall in der Welt entstanden unter
nicht sehen konnte: Jesus Heiden 5 christliche Gemeinden. Tausende von
Christus, dem Sohn Gottes, der vor 2000 Jahren als Menschen lernten Jesus, den Sohn Gottes, und seine
Mensch auf diese Erde kam. Liebe kennen. Vielen wurde in ihren Lebensnöten
geholfen und im Glauben an Jesus fanden sie echte
Im Jahre 1721 steht der junge Graf Zinzendorf vor
Freude.
einem Bild. Auf ihm sieht er einen leidenden Mann
mit einer Dornenkrone. Es ist Jesus, der für die 1760 starb Zinzendorf. Er hätte als vornehmer6 Graf
schlechten Taten von uns Menschen am Kreuz starb, in Reichtum und Luxus leben können. Aber er wollte
um uns zu Gott zurückzuholen. Er schenkte und anderen Menschen helfen. Und er wollte Jesus für
schenkt uns neu Gottes Liebe und Hilfe. seine große Liebe danken. Darum wurde er selber
arm.
Unter dem Bild steht das, was Jesus jeden Betrachter
des Bildes fragt: „Das tat ich für dich. Was tust du Trotzdem war Zinzendorf ein froher Mensch. Jesus
für mich?“ versorgte ihn und die Brüdergemeinde mit allem,
was sie brauchten, oft auf wunderbare Weise.
Der junge Graf sieht das Bild. Er liest die Frage
Zinzendorf wußte sich in der Liebe von Jesus
darunter. Und er antwortet: „Ja, Herr Jesus, ich
geborgen.
will mit meinem Leben etwas für dich tun. Du hast
aus Liebe zu mir dein göttliches Leben geopfert. Reichtum und äußerer Besitz machen letzten Endes
Deshalb will auch ich mein Geld, meinen Besitz nicht glücklich. Viele reiche Menschen sind nicht
und meine Vergnügungen für dich hergeben. Und glücklich. Aber anderen Menschen zu helfen schenkt
auch meine Gesundheit und mein Leben, wenn es uns selber Freude. Und sich von Gott, von Jesus
sein muß.“ versorgt und geliebt zu wissen macht uns froh. Diese
innere Freude kann uns kein Unglück und nicht
Eine neue Heimat einmal der Tod nehmen.
Hans Misdorf
Wie hat Zinzendorf das gemacht? Jesus hatte gesagt:
1
„Liebe deine Mitmenschen.“ Deshalb hat Zinzen- der Asylant: jmd., der um politisches Asyl (= Aufenthalt, den ein
Staat einem Ausländer gewährt, um ihn vor Verfolgung zu schützen)
dorf vielen Menschen eine neue Heimat geschenkt. bittet oder es (gewährt) bekommt 2
das Landgut: ein größeres
Das waren Asylanten1 aus Böhmen, einem Gebiet Stück Land mit einem großen Haus, Ställen etc., wo vor allen Dingen
3
des heutigen Tschechien. Sie wurden dort von der reiche Leute wohn(t)en der Eskimo: ein Angehöriger eines
Volkers, das weit im Norden, bes. in Kanada und Alaska lebt 4 der
katholischen Kirche verfolgt, weil sie evangelisch Sklave: jmd., der nicht frei ist, sondern einer Person gehört, für die
waren. Zinzendorf erlaubte ihnen, sich auf seinem er arbeitet 5
der Heide: Bezeichnung für jmd., der keiner der
Landgut2 in Sachsen anzusiedeln. So entstand das großen Religionen angehört 6 vornehm: (hier) so, daß sie zur
Dorf „Herrnhut“ (weil die Flüchtlinge glaubten, daß Oberschicht gehört

7
Moderne Deutsche Geschichte
Deutschland von 1970 bis 1980:
Ostversöhnung, Reformen, Wirtschaftsflaute ➁/➂➂
Sozialliberale Koalition unter Willy Brandt einen Nichtangriffspakt, den „Moskauer Vertrag“.
Darin versprachen beide Regierungen, gegen den
Die Bundestagswahlen 1969 führten in der Bun- anderen Staat keine Gewalt (Krieg) anzuwenden.
desrepublik zu einem Machtwechsel. Die CDU, Außerdem verpflichteten sie sich, alle bestehen-
die seit Kriegsende 20 Jahre lang regiert hatte, den Grenzen (also auch die Oder-Neiße-Grenze)
wurde von der SPD abgelöst. Der neue SPD-Bun- als unverletzlich zu respektieren.
deskanzler Willy Brandt bildete mit der liberalen Einen ähnlichen Vertrag schloß die Bundes-
FDP eine „Kleine Koalition“. republik kurz darauf mit Polen ab. Bei der Unter-
Wie kam es zu diesem Machtwechsel? Zum zeichnung des Vertrags in Warschau kniete Bun-
einen sicher dadurch, daß die Wähler nach 20 Jah- deskanzler Brandt für eine Minute des Gedenkens
ren CDU-Herrschaft eine andere Partei mit neu- vor dem Mahnmal der Opfer des Gettoaufstands2
en Ideen an der Spitze des Staates haben wollten. von 1944 nieder. Dieses Bild löste in der ganzen
Außerdem hatte sich die Einstellung der Deut- Welt positive Reaktionen aus.
schen in den 60er Jahren von der konservativen
Grundhaltung der Wiederaufbaujahre nach dem
Krieg immer mehr nach „links“ verschoben. Das
hatte sich in den Studentenunruhen 1968/69 ge-
zeigt, aber auch 1969 in der Wahl von Gustav
Heinemann zum ersten SPD-Bundespräsidenten
(der Bundespräsident hat in Deutschland reprä-
sentative Aufgaben).
Auch die FDP, die bisher immer mit der CDU
zusammen regiert hatte, war linken Gedanken
gegenüber offener geworden. Deshalb war sie jetzt
bereit, mit der SPD zusammen eine Koalition zu
bilden.

Die Ostverträge
Die neue Regierung weckte große Hoffnungen.
Sie wollte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Reformen durchführen. Alles sollte sozial gerech-
ter, besser, wirkungsvoller gestaltet werden. Willy Brandts Kniefall am 7. Dezember vor dem Mahnnmal für die Opfer
Zuerst bemühte sich die neue Regierung, zu des Nationalsozialismus im Warschauer Getto
den Staaten Osteuropas gute Beziehungen herzu- Da Westberlin auf dem Gebiet der DDR lag,
stellen. Die CDU unter Adenauer hatte die Bun- hatten die Russen bisher mehrmals versucht, die
desrepublik fest an den Westen gebunden. Zu den Verbindungen Westberlins mit Westdeutschland
Staaten Osteuropas bestanden dagegen kaum Kon- zu blockieren und es kommunistisch zu machen.
takte, eher eine Haltung der Ablehnung und Feind- Nun aber erreichte die Bundesregierung in einem
seligkeit. Das lag einerseits daran, daß alle osteu- Abkommen, daß die Sowjetunion ungehinderten
ropäischen Staaten kommunistisch waren. Außer- Auto- und Bahnverkehr zwischen Westdeutsch-
dem verlangten diese Staaten, daß Deutschland land und Westberlin versprach.
auf seine Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie1 Am schwierigsten war der Vertrag mit der
verzichten sollte. ostdeutschen DDR. Walter Ulbricht, der hier alle
So schloß die neue Regierung nach raschen Macht in der Hand hatte, sträubte3 sich gegen eine
Verhandlungen 1970 zuerst mit der Sowjetunion Vereinbarung mit der Bundesrepublik. Die DDR
8
hielt seit dem Mauerbau ihre Grenzen nach West- schen verhungert, im Krieg getötet oder ermor-
deutschland und Westberlin hin streng verschlos- det worden. Viele Deutsche aus den Ostgebieten
sen. Erst als Ulbricht 1971 auf Druck Moskaus dachten voll Trauer an ihre verlorene Heimat und
durch Erich Honecker abgelöst war, kam man zu den Verlust ihrer Angehörigen.
einer Einigung.
So wurde 1972 der Vertrag über die Grundla-
gen der Beziehung zwischen der Bundesrepublik
und der DDR geschlossen, der „Grundlagen-
vertrag“. Darin erkannte die Bundesrepublik die
DDR als selbständigen Staat an. Dafür versprach
die DDR, mehr menschliche Kontakte zwischen
ihr und Westdeutschland zu erlauben (Besuchs-
reisen, Telefongespräche u.a.).
Die Bundesrepublik sagte jedoch in dem Ver-
trag: „Die DDR ist für uns nicht Ausland wie
jeder andere fremde Staat“ (das hatte die DDR
gewünscht), „sondern wir Deutschen in West- und
Ankunft von deutschstämmigen Aussiedlern aus Polen
Ostdeutschland sind weiterhin eine Nation, ein im Grenzdurchgangslager Friedland
Volk. Wir arbeiten deshalb weiterhin daran, ein-
mal wieder vereinigt zu werden“. Aber auch die CDU wollte Frieden mit den
1973 wurde auch noch mit der Tschechoslo- osteuropäischen Staaten. Deshalb stimmten die
wakei ein Vertrag geschlossen. meisten CDU-Abgeordneten im Bundestag schließ-
Mit diesen Verträgen haben Willy Brandt und lich zwar nicht für, aber auch nicht gegen die
die SPD sich das historische Verdienst erworben, Verträge. Sie enthielten sich der Stimme.
Frieden zwischen (West-)Deutschland und seinen Man kann verstehen, daß Deutschland für
ehemaligen Kriegsgegnern in Osteuropa geschlos- Hitlers große Verbrechen - besonders an den
sen zu haben. Dafür wurde Willy Brandt 1971 Menschen in Polen und Rußland - büßen muß.
der Friedensnobelpreis4 verliehen. Mit den Ostgebieten verlor Deutschland ein Vier-
tel seines Staatsgebiets.
Widerstand gegen die Ostverträge
Soziale und gesellschaftliche Reformen
Für die sozialliberale Koalition war es nicht leicht,
die Ostverträge vom Bundestag beschließen zu Aber auch in Deutschland selber führte die sozi-
lassen. Hier leistete die konservative CDU in der alliberale Koalition zahlreiche Reformen und Ver-
Opposition erbitterten5 Widerstand. änderungen durch. Die Arbeiter in den Fabriken
Denn die CDU meinte, die SPD sei dem Osten bekamen mehr Macht gegenüber den Fabrikbesit-
zu weit entgegengekommen. Durch die Anerken- zern. Rentner, kinderreiche Familien, Studenten
nung der DDR sei die kommunistische Herrschaft und Arbeitslose erhielten mehr Geld vom Staat.
in Ostdeutschland anerkannt worden, eine Wie- Die Löhne der Arbeiter stiegen. Um für die Stu-
dervereinigung sei deshalb unmöglich geworden. denten bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen,
Auch sträubten sich viele Deutsche gegen die wurden zahlreiche neue Universitäten gegründet.
Preisgabe der deutschen Gebiete östlich der Oder- Auch im Ehe- und Familienleben bekamen die
Neiße-Linie an Polen. Diese Gebiete waren seit Menschen mehr Freiheit. Ehescheidungen und
Jahrhunderten deutsch gewesen. Zahlreiche be- Abtreibungen wurden erleichtert. Pornographie
rühmte Deutsche stammten aus ihnen, z.B. der und Homosexualität wurde erlaubt. Die Frauen
Philosoph Kant und der Dichter Eichendorff. sollten im Beruf die gleichen Rechte bekommen
wie die Männer.
Die Bevölkerung dieser Gebiete - 12 Millio-
nen Deutsche - war zum größten Teil 1945 vor
den heranrückenden russischen Truppen in den
Wirtschaftlicher Rückgang
Westen geflohen oder später dorthin umgesiedelt Die Regierung plante noch weitere Reformen.
worden. Dabei waren etwa 2,5 Millionen Men- Doch wegen Geldmangels konnte sie ihre Refor-
9
men nicht oder nicht so durchführen, wie sie es Linksterrorismus
wollte.
Denn gerade jetzt wurde das Geld für den Staat Aus den Studentenunruhen von 1968/69 war eine
knapp. Bis dahin war es der Wirtschaft fast immer kleine radikale Gruppe hervorgegangen, die den
gut gegangen. Der Wohlstand der Deutschen war Staat mit Gewalt bekämpfte. Diese jungen Leute
ständig gewachsen, Arbeitslose gab es fast keine. wollten den Reichen ihren Besitz (Industrien, Ban-
Da erhöhten die ölproduzierenden Länder 1974 ken) wegnehmen und dem Volk übertragen. Nicht
(und noch einmal 1979) kräftig den Ölpreis. Da- mehr die Reichen und Mächtigen sollten regie-
durch wurde die Produktion der Waren teurer, ren, sondern das
die Preise stiegen. Deshalb wurde jetzt weniger Volk. Nach ihren
produziert und gekauft als bisher. Der Staat nahm beiden Anführern
dadurch weniger Steuern ein, die Zahl der Arbeits- Andreas Baader
losen stieg. So fehlte oft das Geld für Reformen. und Ulrike
Durch die Ölkrisen, durch die zunehmende Meinhoff wurde
Automatisierung (Ersetzung der Menschen durch dieser kleine Kreis
Maschinen) und aus anderen Gründen wuchs seit- die „Baader-Mein-
dem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hoff-Gruppe“ ge-
immer mehr an. nannt.
Diese Studen-
Kanzler Schmidt als Krisenmanager ten warfen in den
70er Jahren Bom-
1974 trat Willy Brandt als Kanzler zurück. Zu ben in Kaufhäuser.
den tieferen Gründen dafür gehörten sicher die Sie ermordeten
beginnenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten. zahlreiche Perso-
Brandt konnte gut in die Zukunft weisende Pläne, nen, die ihrer Mei-
Visionen, entwerfen. Aber er hatte nicht die Fä- nung nach zu der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer
higkeit, Schwierigkeiten in mühsamer Kleinarbeit reichen und herr- wurde von der „Rote Armee Franktion“ (RAF)
entführt und später tot aufgefunden.
zu beseitigen. Auch schenden Ober-
hatte er die für ihn schicht gehörten, z.B. Politiker, Industrielle und
wichtigste Aufgabe, auch den Bundes-Staatsanwalt7. Dadurch hofften
die Ostverträge, zum sie, das Volk zu einem gewaltsamen Aufstand,
Abschluß gebracht. einer Revolution, gegen die Reichen bewegen zu
Brandts Nachfol- können.
ger als Kanzler wur- Aber die Deutschen wollten keine Revoluti-
de Helmut Schmidt. on. So resignierte8 die Baader-Meinhoff-Gruppe
Er war das Gegenteil schließlich. Ihre Mitglieder kamen bei Kämpfen
Bundeskanzler Schmidt besucht am von Brandt. Er war mit der Polizei ums Leben oder töteten sich sel-
11.12.1981 Erich Honecker in der DDR. ein guter Praktiker. ber. Andere wurden gefangen und zu hohen Ge-
Die Bundesregierung gab jetzt der Wirtschaft fängnisstrafen verurteilt.
Geld für neue Investitionen. Dadurch sollte die
Wirtschaft ihre Produktion steigern. Als Folge Ende der SPD-Regierung
sollte die Arbeitslosenzahl sinken. So wurde die
Wirtschaft neu angekurbelt6. Die Regierung Schmidt bemühte sich weiterhin
Die Regierung mußte sich jedoch das Geld für um ein freundliches Verhältnis zur DDR und zu
die Wirtschaft von den Banken als sogenannte Osteuropa sowie um Entspannung zwischen der
„Kredite“ leihen. Dadurch stiegen die Schulden NATO und dem Warschauer Pakt.
des Staates immer mehr. Heute muß die Bundes- Die Sowjetunion brachte jedoch immer mehr
regierung schon jede vierte Mark an Steuerein- Raketen nach Osteuropa, die Atombomben tra-
nahmen zur Zahlung von Zinsen für Kredite ver- gen und damit ganz Westeuropa vernichten konn-
wenden. Die „goldenen“ 50er und 60er Jahre für ten. Deshalb beschloß die NATO, ebenfalls sol-
die Wirtschaft kehrten nicht wieder. che Raketen in Westeuropa zu lagern, falls die
10
Sowjetunion nicht einen Teil ihrer Raketen ent- deren Genuß früher abgelehnt wurde, wurden jetzt
fernen würde. Dazu war die Sowjetunion jedoch von vielen konsumiert.
nicht bereit. Aber wir Menschen brauchen Anordnungen
Bundeskanzler Schmidt bejahte diesen Be- und Grenzen. Sie schützen und erhalten unser
schluß zur „Nach-Rüstung“ der NATO. Dafür Leben. Deshalb hat Gott uns seine 10 Gebote ge-
wurde er in seiner eigenen Partei, der SPD, von geben: „Ehre deine Eltern; Du sollst nicht ehe-
deren linkem Flügel heftig angegriffen. Schon brechen; usw.“. Wer keine Grenzen mehr ein-
vorher hatten in der SPD viele kritisiert, daß die hält, geht früher oder später zugrunde.
Regierung nicht noch mehr Reformen durchführte. Ohne gesunde Ehen und Familien, ohne zur
Durch diese Auseinandersetzungen zerbrach Pflichterfüllung und zum Arbeiten erzogene Kin-
schließlich 1982 die Koalition zwischen SPD und der, ohne Achtung vor der Autorität des Staats
FDP. Bundeskanzler Schmidt, der gute Arbeit zerstört ein Volk langsam sich selber.
geleistet hatte, mußte abtreten. Nur in der Bindung an Gott und seine Anord-
nungen kann unser Leben gelingen. Nur im Glau-
Wir Menschen brauchen Ordnungen ben an Gott, festgehalten von ihm, können wir in
Zwar waren die Terroristen in den 70er Jahren in allen Nöten und Krisen bestehen.
Deutschland nur eine kleine Gruppe. Aber wie Hans Misdorf
sie lehnten sich viele jüngere Menschen gegen den 1
die Oder-Neiße-Linie: Westgrenze der laut Potsdamer Abkom-
Staat und die ältere Generation auf, gegen Regie- men vom 2.8.45 Oktober Polen zur Verwaltung übergebenen deut-
rung, Polizei, Schule, Militärdienst, Elternhaus. schen Gebiete. Sie verläuft westlich von Swinemünde und Stettin
Man wollte möglichst frei von allen Verpflich- über untere Oder und westl. Neiße zur tschechischen Grenze
2
das G(h)etto: (hist.) der abgeschlossenen Teil einer Stadt, in
tungen und Anordnungen sein. dem die jüdische Bevölkerung leben mußte [hier: Warschauer
Die lebenslange Bindung in der Ehe wurde Getto] 3 sich sträuben: etwas nicht wollen, sich dagegen wehren
abgelehnt. Viele fingen an, auch ohne Eheschlie- 4
[-nobel‘-] 5 erbittert: sehr heftig, sehr intensiv 6 ankurbeln:
ßung mit einem Partner des anderen Geschlechts durch spezielle Maßnahmen die Leistung und Produktivität einer
Sache erhöhen 7 der Staatsanwalt: jmd., der im Auftrag des Staa-
zusammenzuleben. Die Zahl der Abtreibungen tes Verbrechen untersucht und vor Gericht die Anklage vertritt
stieg. Die Kinder sollten „anti-autoritär“, ohne 8
resignieren: in bezug auf eine bestimmte Sache die Hoffnung
Anordnungen und Regeln, aufwachsen. Drogen, aufgeben

Vater und Sohn:


Vater hat geholfen
aus: „e.o. plauen, Vater und Sohn“
© 1962 Südverlag, Konstanz

11
Abtreibung1 - Mord im Mutterleib ➁
Hier sind die erfundenen und doch wahren Worte In Deutschland werden jährlich etwa 300.000 Kin-
eines werdenden Kindes im Mutterleib: der im Mutterleib getötet, weltweit etwa 50 Millio-
nen. Einige Zahlen aus Russland machen das Pro-
1. Mai: „Aus Liebe füreinander haben meine Eltern blem noch deutlicher:
mir heute das Leben geschenkt.“
• 1997 wurden dort 2,5 Millionen Abtreibungen
15. Mai: „Meine ersten Adern2 entstehen, und mein vollzogen; sieben von zehn Schwangerschaften
Körper formt sich sehr schnell.“ wurden abgebrochen. Auf 100 Geburten kom-
8. Juni: „Aus meinen Händen wachsen kleine Fin- men heute 200 Abtreibungen.
ger. Bald werde ich damit greifen können.“ • Jeder zehnte Abbruch betrifft Frauen unter 19
24. Juni: „Alle meine Körperteile sind jetzt vorhan- Jahren, jedes Jahr gibt es sogar mehr als 2000
den. Ich kann schon Schmerzen empfinden.“ Abtreibungen bei Mädchen unter 14 Jahren.
9. Juli: „Ich habe jetzt Haare und Augen. Bald kann • Ein Drittel aller russischen Frauen stirbt an den
ich damit die schöne Welt sehen.“ Folgen einer Abtreibung, und zwei von drei
20. Juli: „Heute hat meine mich Mutter umgebracht3.“ Frauen haben nach einem Schwangerschaftsab-
bruch gesundheitliche Probleme.
„Umgebracht“
Der Wert eines Menschen
„Umgebracht“ - dieses Wort hört sich schlimm an.
Aber wie sonst soll man es bezeichnen, wenn Men- Immer weniger Frauen wünschen sich Kinder. Kin-
schen, und seien sie auch noch so jung, getötet wer- der stehen ihnen in der Erfüllung der eigenen Pläne
„im Wege“. Viele Frauen, die abtreiben, sind auch
arm. Oder sie sind jung und verdienen noch kein
Geld. Wie sollen sie ein Kind durchbringen? Die
Frage ist nicht leicht zu beantworten. Aber darf man
einen Menschen töten, nur weil man wenig Geld hat?
Ist ein Mensch nicht viel mehr wert als noch so viel
Geld? Oft wird sogar öffentlich für Abtreibungen ge-
worben; und es gibt Einrichtungen die damit viel Geld
verdienen. Doch wer ist am Ende der Gewinner?
Viele Frauen leiden körperlich und seelisch, weil sie
abgetrieben haben, auch wenn sie das nicht zugeben.
Viele denken ihr Leben lang an ihr getötetes Kind:
Wie alt wäre es jetzt, wie sähe es jetzt wohl aus? Sie
haben Schuldgefühle wegen ihrer Abtreibung, und
viele werden seelisch krank

Wege zum Leben


Das werdende Kind in der 18. Woche der Schwangerschaft:
Abtreibung ist schrecklich - für die Mutter und für
Es ist 20 cm lang und hat Gestalt angenommen.
das Kind. Und sie ist in den meisten Fällen ver-
den? Ein werdendes Kind im Mutterleib ist bereits meidbar. Wenn eine Frau kein Kind haben möchte,
ein richtiger kleiner Mensch. Deshalb empfindet es müssen der Mann oder die Frau beim Geschlechts-
auch Schmerzen, sicher große Schmerzen, wenn es verkehr ein Verhütungsmittel4 benutzen. Aber es gibt
bei der Abtreibung in Stücke geschnitten oder in klei- auch andere gute Methoden der Familienplanung,
ne Fetzen zerrissen wird. über die man sich beraten lassen kann.
Die meisten Frauen, die abtreiben, wissen das nicht. Und wenn doch ein Kind entsteht, sollte die Mutter
Denn die Regierungen verheimlichen diese Dinge es auf jeden Fall am Leben lassen. Es gibt Eheleute,
bewußt. Trotzdem haben viele Frauen kein gutes die selber keine Kinder bekommen können und sehr
Gefühl, wenn sie ihr Kind abtreiben. gern ein Kind adoptieren5 möchten.
12
Und wenn jemand schon abgetrieben hat? Gott hat können wir wieder inneren Frieden finden und wer-
uns klar gesagt, daß wir nicht morden sollen (2. Mose den von allen Vorwürfen6 und Anklagen frei. /H.M./
20,13) Aber wenn wir erkennen, daß wir durch eine 1
die Abtreibung: eine Schwangerschaft abbrechen (lassen) durch Tö-
Abtreibung Schuld auf uns geladen haben, dann ist tung des Kindes im Mutterleib 2 die Ader: eine Art Rohr oder Leitung
es wichtig, die Schuld nicht zu verdrängen. Gott hat im Körper von Menschen und Tieren, in der das Blut fließt 3 umbringen:
durch Jesus Christus am Kreuz für diese große Schuld töten 4 das Verhütungsmittel: ein Mittel (z. B. Kondome oder die Anti-
bezahlt. Auch für die Schuld der Abtreibung ist Je- Baby-Pille), das man verwendet, um zu verhindern, das eine Frau
schwanger wird 5 adoptieren: ein Kind, dessen Vater/Mutter man selbst
sus am Kreuz gestorben. Wir dürfen Gott unsere nicht ist, als eigenes Kind annehmen 6 der Vorwurf: eine Äußerung, mit
Schuld bekennen und ihn um Vergebung bitten. Dann der man jmdm. deutlich sagt, welche Fehler er gemacht hat

Wir erinnern uns ➂


August - Oktober 2000 hat in so entscheidender Weise das Denken des 20.
Jahrhunderts geprägt wie er. Er war Psychologe,
Deutsche Fest- und Feiertage: Kulturkritiker, Dichter und Moralist, der die Ge-
3.10. Tag der deutschen Einheit; 31.10. schichte des europäischen
Reformationstag (Erinnerung an den Anschlag der Geistes, d. h. die Philo-
95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg von sophie der Griechen und
Martin Luther am 31.10.1517) zweitausend Jahre Chri-
stentum, radikal und
Gedenktage: grundsätzlich in Frage
Vor 10 Jahren (1990): 3.10. Die DDR tritt der stellte. Er kämpfte gegen
Bundesrepublik Deutschland bei. 45 Jahre nach Ende die überlieferte Philoso-
des zweiten Weltkriegs gibt es wieder ein geeintes phie, Moral und Religi-
Deutschland. on mit geistreichen, tref-
fenden, kritischen, ironi-
Vor 50 Jahren (1950): 13.9.: Erste Volkszählung schen oder spöttischen
seit Gründung der BRD. 47 295 191 Menschen le- Worten.
ben in Westdeutschland, 2 146 285 in West-Berlin.
2,17 Millionen Menschen haben wegen der Kriegs- Sein Leben lang war Nietzsche, der 1844 geboren
schäden noch kein richtiges Zuhause und leben noch wurde, nirgendwo wirklich heimisch. Eine zeitlang
in Notwohnungen. war er Professor für klassische Philologie, später
widmete er sich mehr dem Schreiben und Dichten.
Vor 100 Jahren (1900): 7.8. Todestag von Wil- Die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte Nietz-
helm Liebknecht, in Charlottenburg (heute Stadt- sche in geistiger Umnachtung.
bezirk von Berlin). Geboren wurde er am 29. 3. 1826
in Gießen. Neben August Bebel war er Gründer Vor 125 Jahren (1875): 3.9. Geburtstag des
(1869) und Führer der Sozialdemokratischen (spä- Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche in
ter: Sozialistischen) Arbeiterpartei. Ab 1874 war er Maffersdorf (Österreich). 1899 erfand er s e i n
Mitglied des Reichstages und beeinflußte die deut- erstes Fahrzeug. Er fuhr erfolg-
sche Arbeiterbewegung nachhaltig (u. a. als Redak- reich Rennen und entwarf
teur der Zeitschrift „Vorwärts“). verschiedene Moto-
ren für Luftschiffe,
Sozialdemokratie ist die Bezeichnung für die Partei- Flugzeuge und
en der Arbeiterbewegung, die auf marxistischer Schiffe. Er konstru-
Grundlage gegründet wurden. Ihr Ziel war eine ierte Maschinen für
Porsche 356 B (1959)
Perso-
Umgestaltung der wirtschaftlichen, sozialen und po- nen- und Rennwagen. 1935 entwarf er den „Volks-
litischen Verhältnisse mit demokratischen Mitteln wagen“. Er plante und gestaltete die VW -Werke in
unter Verzicht auf revolutionäre Methoden (demo- Wolfsburg und wurde deren erster Direktor. 1949
kratischer Sozialismus). entstand aus der Entwicklung eines Sportwagens die
25.8. Todestag des Philosophen Friedrich Wilhelm Porsche AG, die kleinste deutsche Automobilfabrik
Nietzsche in Weimar. Kaum ein anderer Philosoph und Deutschlands größter Sportwagenhersteller.
13
Die bunte Seite
Waagerecht 83 Weltraum
84 Laubbaum
10 Stacheltier
12 Mann von Eva
39 Bitte oder Dank an Gott
41 Fahrzeug, Verkehrsmittel
1 fertig gekocht 87 erster Bundespräsident der BRD 13 zweifelsfrei, gewiß 42 Lebensbund
6 deutscher Autor; schrieb „Der gute 88 Märchen der Brüder Grimm, in dem 14 getrocknetes Gras 43 Hühnerprodukt
Mensch von Sezuan“ ein Spiegel spricht 16 Stück vom Ganzen 45 nicht schlecht
7 Wintersportgerät 93 darin 18 kleines Gewässer 46 Festung im Mittelalter
8 Hast 94 Metall 20 kleine Vertiefung in der Mitte des 47 Zeitabschnitt
11 umsonst 95 Eingang Bauches 49 europäische Währung
14 nicht her 1 2 96 Abk. 21 Roman von 50 Regierungssitz in Deutschland
15 Zorn Ostdeutsch- Goethe (Die 51 nicht weit
17 Monatsname 3 4 5
lands vor Leiden 54 Mann, der Israel aus
19 nicht außen Ägypten führte
6 7
24 Wehlaut 55 feierliches Gedicht
25 ungefähr, 8 56 fleißiges Insekt
annähernd 58
27 Märchen- 9 10 11 12 13 14 15 16
Märchenwesen
gestalt, die
17 18 19 20 21 22 59 in
Betten der
schüttelt 23 24 25 26

27 28 29 30 31 32 33

34 35

36 37 38 39 40 41 42 43 44 45

46 47 48 49 50

51 52 53 54 55

56 57 58 59

60 61 62

63 64 65 66 67 68 69

70 71 72 73 74 75 76

77 78 79 80 81
Nähe
82 83 84 85
von
damit es (Prä-
schneit 86 87
position)
30 Mutter 88 89 90 91 92 62 gefrorenes
(Kosename) Wasser
32 deutsche Anrede 93
63 Sinnesorgan
33 Farbe 64 Feingebäck
94
34 (heißes) Getränk 66 Vorname Eulenspiegels
36 Himmelsrichtung 95 67 unversehrt, unverletzt
40 schönes Mädchen auf einem 68 schwarzer Vogel
hohen Felsen am Ufer der Rheins 96 97
71 Lebewohl
44 Gegenteil von satt
98 74 Stadt, in der der “Weg” hergestellt
46 Geburtsort von Jesu wird
48 Einfall der
99 76 Wort des Widerspruchs
52 deutsche Anrede Wieder-
vereinigung des 78 Monatsname
53 bloß, lediglich 100
98 Ausflug zu jungen ...) 80 ungebraucht
55 deutscher König/Kaiser im 10. Jh. 81 besitzanzeigendes Fürwort
(Heiliges Römisches Reich Deutscher Pferde 22 bekannte
99 erfand das erste deutsche 83 Alphabet
Nation) 101
„Auto“ der Welt Automarke 85 Dichter; schrieb “Deutschland, ein
57 Zweckverband, Klub
100 Der gestiefelte ... 23 bekannte deutsche Wintermärchen”
60 deutsche Hafenstadt
101 Schluß Automarke 86 Bindewort (Konjunktion)
61 größter See Deutschlands
26 anhänglich 89 freundlich
65 deutscher Reformator
90 Fluß, der durch Hamburg fließt
69 Hühnerprodukt Senkrecht 28 nicht selten
91 alte deutsche Münze
29 Nichtfachmann
70 neues Bundesland 2 leise, still
31 gemeinsam, zusammen 92 deutscher Märchendichter
72 persönliches Fürwort 3 Abk. für Bundesrepublik
32 österreichischer Komponist des 18 93 Fluß, der durch München fließt
73 Sinnesorgan Deutschland
Jh. (Freund Mozarts) 94 diebischer Vogel
75 alte Erzählung 4 Abels Bruder
33 Hauptstadt der Schweiz 97 neblige Luft
77 Abk. für Samstag 5 kleines Lasttier
35 schmal, begrenzt 98 Farbe
78 Teil eines Baumes 8 unbestimmter Artikel
37 Komponist des Wiener Walzers
79 nett, freundlich 9 bekannter Organist und Komponist
38 Abk. für Technische Hochschule
82 bestimmter Artikel (m) des 18. Jh.

14
Leser schreiben Lesern
Liebe Leser, hier ist wieder unsere Briefkontaktecke mit einem Teil der uns vorliegenden Adressen. Wir würden uns sehr freuen,
wenn noch viele unserer Leser dadurch einen neuen Brieffreund oder eine neue Brieffreundin finden. Viel Spaß beim Schreiben!
Olga Timofejewa LT-4100 Sirvinty raionas Vitalij Piskorskij 346663 Jushny, Martynowski
Bulwar Salawata Sulaewa Litauen ul. Kirowa 67 / 38 Rostowskaja obl., Russland
453200 Salawat, Baschkortostan 17 J.; H: Musik, Briefe schreiben, Deutsch 332319 Melitopol Lehrer; Fremdsprachen, Musik und Reisen;
Russland Ukraine auch seine Schüler suchen Brieffreunde
Dmitrij Lewtschenko
19 J.; Sprachen, Musik, Disco, 14 J.; H: Fuß- u. Basketball, Tennis
ul. Uljanowskaja 22 - 75 Sergey Oborin
Oxana Walitowa 610037 Kirow Ludmila Spelnikowa ul. Bor 12 - 17
ul. Lenina 52 - 19 Russland Pensenskaja obl., Pensenskij r-n 187515 Techwin, St. Petersburg Region
453200 Salawat, Baschkortostan 27 J.; Briefwechsel mit Eisenbahnern 442192 selo Engels Russland
Russland Russland 26 J.; Reisen, Sport, Fremdspr., Foto, Musik
Tihana Loncar
18 J.; Sprache, Musik, Disco, Gitarre 41 J.; Deutsch, Briefe schreiben, Stricken, Sport
Kneza Viseslava 7 Lakshmi Murugava
sucht Brieffreunde ab 40 J.
Natascha Gawrilowa 31220 Visnjevac Chokrni 105
ul. Maschinostroitelei 4 - 226 Kroatien Sergey Kontorowitsch Kovil Patti, 628502
453 200 Salawat, Baschkortostan 24 J.; Sprachen, Lesen, Reisen Krestjanskaja 15 / 17 Tamil Naou, India
Russland 246050 Gomel 14 J.; H: Musik, Reisen, Sport, Comp., Sprachen
Alicja Klimaszewska
18 J.; Sprache, Lesen, Musik, Disco Belarus - GUS
Wojskawice 105 g Eliza Chodkowska
16 J.; H: Computer, Journal., Programmierung
Swetlana Minaewa 98-220 Zdunska Wola ul. Powstancòw Slanskich 28
Bulwar Kosmonawtow 18 - 106 Polen Kristika Vosteriene 20-806 Lublin
453200 Salawat, Baschkortostan 18 J.; H: Deutsch, Musik, Reisen Lailunu km Polen
Russland LT-4853 Martinoniu, rokiskio Raj. 22 J.; H: Reisen, Briefe schreiben, Lesen
Regina Vosteryte
18 J.; Sprachen, Disco, Musik, Lesen Litauen
LT-4853 Martinoniu, Rokiskio Raj., Ljuba Jukowlewa
39 J.; H: Kochen, Backen, Reisen, Briefe schr.
Alsu Nurmuchametowa Litauen ul. Geroew Tankograda 48 “a” - 13
Mikrorayon 31 , 4 - 432 15 J.; H: Malen, Singen, Tanzen, Deutsch Wladislaw Solomonjuk 454081 Tscheljabinsk
453310 Meleus, Baschkortostan ul. Songatschna 13 Russland
Edith Kluge
Russland 290901 Lwiw-Brychowytschi
Colegio Suizo Americano 8 Mariana Radu
18 J.; Sprachen, Lesen, Musik, Disco Ukraine
Calle 2 - 32 Z. 10 Mixco Str. M. Kogalniceanu Nr. 45
16 J.; H: Musik, Sport und andere
Olga Chudjakowa Diagonal 6 , 11 - 97 Z. 10 3175 Blaj Alba
ul. Oktjabrskaja 14 - 188 Guatemala Ciudad Kristina Juknaite Rumänien
453310 Meleus, Baschkortostan Guatemala Janonio 36 - 5 35 J.; H: Wandern, Reisen, Musik
Russland LT-5840 Gargzdai
Aleksander Meos Alexandra Golomasova
18 J.; Sprachen, Gitarre, Musik, Disco Lirtauen
a/k 98 ul. Seredina 130 “a”
19 J.; H: Kunst, Deutsch, Psychologie
Roman Kuschnir EE-45109 Tapa 397140 Borissoglebsk, Woronesher obl.
ul. Syhniwka 7 / 67 Estland Agne Kupryte Russland
79040 Lwiw 24 J.; H: Lesen, Musik, Sport, Reisen ... Zemaitijos 65 - 40 14 J.; H: Reisen, Musik, Sport
Ukraine LT-5500 Mazeikiai
Ljuda Chan Marina Padure
12 J.; H: Briefmarken, Sport, Deutsch, Englisch Litauen
ul. B. Margiloni 6 / 43 ul. Konev 17 / 9
15 J.; H: Musik, Freunde, Sprachen, Modellieren
Roman Hriziv 713703 Margilan 3100 Balti
ul. Korsunska 18 b Usbekistan Gitana Zablionskyte Moldau - Moldova
290022 Lwiw 19 J.; H: Sprachen, Musik, Tanzen, Reisen .... Gedimino 22 19 J.; H: Bibel, Tanzen, Sport, Wandern, Musik
Ukraine LT-4430 Jurbarkas
Cristian Lazar Oksana Jeweschenko
12 J.; H: Literatur, Musik, Sport, Briefm. Litauen
Str. Trei Scaume Nr. 2, Sect.2 ul. Wolodymyrska 97 / 79
17 J.; H: Brieffreunde, Musik, Tanzen, Sprachen
Natalja Rybakowa Bukarest Kowel, Volynier obl.
pr. Pobjedy 2 - 40 Rumänien Galina Zarik Ukraine
440019 Sarjetschny, Pensaer Gebiet 18 J.; klass.Musik, Sprachen, Literatur, Reisen ul. 50-let BSSR 1 - 21 15 J.; H: Tanzen, Computer, Musik, Deutsch
Russland 222120 Borissow
Iwanka Tymotschko Wolodimir Motil
18 J.; Deutsch, Kino, Mode, Lesen Belarus - GUS
Iw.-Frankiwsker Gebiet. ul. Protasewija 4 - 237
14 J.; H: Briefe schr., Musik, Kunst, Bibel, Singen
Swetlana Sytnik 285632 Kalna, Dolyna Rayon. 282013 Ternopil
pr. Mira 3 / 40 Ukraine Pawel Wolkow Ukraine
245780 Konotop 16 J.; H: Bücher, Natur, Handarbeit, Deutsch ul. Wernadskogo 7 20 J.; H: Deutsch, Englisch, Norwegisch, Sport
Ukiraine 117415 Moskau
Marie Heiduk Zsòfia Kilyen
23 J.; H: Lesen, Kunst, Aerobic, Musik, Reisen Russland
Lwiwer Gebiet, Stryjer Rayon Libertatii 105 - 65
17 J.; Geschichte, Deutsch, Literatur, Reisen
Grazina Caikauskaite 293503 Lysjatytschi 4300 Tg. Mures
Vileikiskiy kaimas Ukraine Alexandr Rshewski Rumänien
Musninky pastas 13 J.; H: Briefmarken ul. Wolgodonskaja 27 15 J.; Deutsch, Musik, Reisen

Auch Ihnen senden wir gerne kostenlos ein Exemplar des „Weges“ zu!
Bitte schreiben Sie uns einen Brief, eine E-Mail (bestellung@derweg.org), oder schneiden Sie diesen Gutschein aus.
Bitte senden Sie Ihre Bestellung an: „Der Weg“, Andoverstr. 77, 47574 Goch, Deutschland
Ja, ich möchte gerne den „Weg zum Ziel“ regelmäßig bekommen. Bitte senden Sie mir die nächsten
sechs Ausgaben kostenlos zu. Bitte in Druckbuchstaben ausfüllen!

Name: ..........................................................................................................................................................................

Anschrift: .....................................................................................................................................................................

Land: .......................................................................................... Leser Nr. : (falls bekannt) ....................... - ........

q Ich möchte auch gerne mehr über ein verändertes Leben durch Jesus Christus erfahren. Bitte senden Sie
mir den ersten Teil Ihres vierteiligen Bibelkurses durch einen Bibelkurslehrer zu. (falls gewünscht, bitte ankreuzen)

15
Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst
von ihnen behandelt werden wollt.
Jesus Christus

Der alte Großvater und der Enkel ➀/➁➁


Es war einmal ein sehr alter Mann. Er konnte Als sie so dasaßen, kam der kleine Enkel3 ange-
nicht mehr richtig sehen und hören. Und seine laufen. Er war vier Jahre alt. Er brachte einige
Knie zitterten ihm. Wenn er am Tisch saß, konn- kleine Bretter und legte sie zusammen. „Was
te er kaum seinen Löffel halten. Immer wieder machst du da?“ fragte der Vater. „Ich mache ei-
schüttete1 er Suppe auf das Tischtuch. Und et- nen kleinen Trog4“, antwortete das Kind. „Dar-
was floß ihm auch wieder aus dem Mund. aus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich
groß bin.“
Sein Sohn und des-
sen Frau fanden Da sahen sich der Mann
dies schlimm. Sie und die Frau eine
wollten sich dies Weile an. Dann
nicht länger anse- fingen sie an zu
hen. Deswegen weinen. Sie hol-
mußte der Großva- ten sofort den
ter nun hinter dem Großvater an
Ofen in einer Ecke den Tisch. Von
Lana Jefimova sitzen. Dort gaben nun an ließen
Lana Jefimova
sie ihm das Essen sie ihn immer
in einer Schüssel aus Ton2. Auch bekam er nicht mitessen. Sie sagten auch nichts, wenn er ein
genug zu essen. Da sah er ganz traurig nach wenig verschüttete.
dem Tisch, und seine Augen wurden naß.
nach den Gebrüder Grimm
Einmal konnte er seine Schüssel nicht festhal- 1
schütten: etwas so neigen, daß es herauskommt -/fließt 2
ten. Da fiel sie auf die Erde und zerbrach. Die
der Ton: (hier) eine schwere Erde, aus der man z.B. einen
junge Frau wurde sehr böse. Der Großvater aber Krug oder einen Teller machen kann 3
der Enkel: das
sagte nichts. Da kauften sie ihm eine Schüssel Kind vom Sohn oder der Tochter 4 der Trog: ein großes,
aus Holz. Die war ganz billig. Daraus mußte er längliches Gefäß, in das man das Futter oder Wasser z. B.
nun essen. für Schweine oder Pferde gibt

Der W
Weeg - Die Zeitschrift für Deutsc
Zeitschrift hlernende
Deutschlernende
Ausgabe Nr. 31 (August - Oktober 2000) ISSN 1615-7745
Redaktion: Volker Schmidt Der „Weg“ erscheint vierteljährlich kostenlos
Wir freuen uns sehr auf Ihre Post. Leider können wir nicht alle Briefe beantworten, aber wir lesen alles
aufmerksam durch. Bestellungen von Schulen und Universitäten nehmen wir gerne entgegen. Diese sollten
jedoch 15, und bei besonderen Bedarf 30 Hefte nicht übersteigen. Für Anfänger geben wir halbjährlich die
Zeitschrift „Der kleine Weg“ heraus, die Sie auch gerne kostenlos bei uns bestellen können. Um den „Weg“
ohne Unterbrechung zu bekommen, sollten Sie uns mindestens alle eineinhalb Jahre schreiben.

„Der Weg“, Andoverstraße 77, 47574 Goch, Deutschland


E-Mail: weg@derweg.org ü Der Weg - online: www.der-weg-online.de
Postfachadresse in Russland (bitte nur in Deutsch schreiben!): Der Weg, а/я 34, 125047 Москва, Россия
16