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WALLIS Walliser Bote

Samstag, 29. Januar 2011 7


Politik | Bundesgerichtsentscheide liefern Argumente für Initiative «Jede Stimme zählt»

Neues Wahlsystem fürs


Wallis gefordert
WALLIS | Ein neues Wahl- «Pukelsheim ist
system soll dem Wallis zu
einem «echten Proporz» zu kompliziert»
verhelfen. Oberwalliser C- WALLIS | Würde man die Wahl-
Parteien sind skeptisch. resultate der Grossratswahlen
Der Ball liegt bei der Re- 2009 nach dem System Pu-
gierung. kelsheim berechnen, wie in der
Initiative «Jede Stimme zählt»
ARMIN BREGY gefordert, würden die C-Partei-
Die Walliser Minderheitspartei- en 4 Sitze verlieren (von 68 Sit-
en spannen zusammen, um das zen auf 64 Sitze). Sie würden
Walliser Wahlsystem zu refor- demnach im 130-köpfigen Par-
mieren: Die kantonale Volksini- lament nicht mehr die absolu-
tiative «Jede Stimme zählt» plä- te Mehrheit haben. Die Präsi-
diert für die Einführung der denten der beiden Oberwalli-
doppelten Proporzwahl für die ser C-Parteien äussern sich
130 Mitglieder des Grossen Ra- denn auch ablehnend bis skep-
tes. Die Initiative kam mit tisch gegenüber dem Anliegen
knapp 6700 Unterschriften zu- der Minderheitsparteien. «Wir
stande, wie die Staatskanzlei ge- sind gegen die Initiative, sie ist
genüber den Medien bestätigte. zu komplex und kompliziert»,
Lanciert wurde das Begehren sagt Anton Andenmatten, Par-
von der Walliser Linken, der teipräsident CVPO. «Würde ein
SVP und der FDPO. neues Wahlsystem nach der
Pukelsheim-Methode einge-
«Für den Papierkorb» führt, wüsste der Bürger nicht
«Beim aktuellen Wahlsystem mehr, wo seine Stimme genau
für die Grossratswahlen bilden hingeht – was sicher nicht vor-
die Bezirke die Wahlkreise. Das teilhaft für eine möglichst
führt insbesondere in kleinen transparente Demokratie ist.»
Bezirken zu Ungerechtigkeiten Vereint. Jean-Luc Addor (rechts, SVP) und German Eyer (links, SPO) plädieren für die Einführung der doppelten Proporzwahl für die Es sei indes nicht so, dass die
und Benachteiligungen der 130 Mitglieder des Grossen Rates. FOtO WB CVPO gegen Reformen sei,
Minderheitsparteien», sagte aber diese müsse man in grös-
German Eyer, Co-Präsident des seren Zusammenhang stellen,
Initiativkomitees, gestern in Sit- Die Volksinitiative «Jede Stim- Kurswechsel «Mit diesem Kurswechsel aus diesbezüglich schon verschie- so Andenmatten. Der Partei-
ten vor den Medien. Die Initian- me zählt» lässt die heutigen Be- Dass die Anliegen der Walliser Lausanne bekommt die Initiative dentlich notwendige Strukturre- präsident der CVPO verweist
ten führen auf ihrer Website zirke unangetastet. Trotz dem Minderheitsparteien nicht aus «Jede Stimme zählt» zusätzliches formen in Aussicht gestellt. Jetzt diesbezüglich auf die Motion
verschiedene Beispiele auf: garantierten Besitzstand für die der Luft gegriffen sind, zeigen ak- Gewicht», sagte SVP-Politiker stellt sich ganz konkret die Fra- der Freisinnig-Liberalen, wel-
2009 erreichte die SVPO-Liste Bezirke ändert sich mit der Ini- tuelle Entscheide des Bundesge- Jean-Luc Addor, Co-Präsident des ge: Entwickelt sich Tornay tat- che nicht nur eine Reform des
im Bezirk Goms 16 Prozent der tiative etwas Entscheidendes: richts. Dieses akzeptiert nicht Initiativkomitees. sächlich zu einem echten Refor- heutigen Wahlsystems, son-
Stimmen. «Aufgrund der Tatsa- Alle Stimmen kommen pro Ver- mehr, dass für einen Sitzgewinn Nun müsse die Walliser mer? Oder steht er weiterhin auf dern eine Neuordnung der Be-
che, dass das Goms nur zwei fassungsregion (Oberwallis, bis zu 33 Prozent der Stimmen Regierung handeln, fordern die der Bremse?», so die Initianten. zirke vorschlägt (siehe Kon-
Grossratssitze hat und damit Mittelwallis und Unterwallis) in notwendig sind. Eine solche Pra- Initianten. «Der zuständige Tornay war gestern für eine Stel- text-Box). Ähnlich argumen-
ein hohes faktisches Quorum einen Topf – die Oberwalliser xis entspreche nicht dem Wahl- Staatsrat Maurice Tornay hat lungnahme nicht erreichbar. tiert Valentin Cina, Präsident
für die Erlangung eines Sitzes Stimmen also in den Oberwalli- system nach einem echten Pro- der CSPO. Grundsätzlich seien
notwendig ist, zählen diese 16 ser Topf. Aufgrund sämtlicher porz. «Die Proporzwahl muss den auch die Oberwalliser Christ-
Prozent Wählerstimmen ein- Stimmen wird gemäss dem Pro- politischen Parteien über das ge- Bezirke abschaffen? lichsozialen der Meinung, dass
fach nichts», wird festgehalten. porzwahlsystem errechnet, wie samte Wahlgebiet betrachtet ei- Reformen angebracht seien.
Ähnlich präsentiert sich das viele Sitze jede der beteiligten ne Vertretung sichern, die weit- Im September 2010 wurde eine Motion der Freisinnig-Liberalen «Aber ‹Pflästerlipolitik› ist der
an den Staatsrat überwiesen. Anders als die Verfassungsinitia-
Bild, analysiert man die Wahl- Parteien oder Listen zugute hat. gehend ihrem Wähleranteil ent- falsche Ansatz. Man muss
tive der SVP und Walliser Linken verlangt die Motion nicht nur
ergebnisse der SPO in den klei- In einem zweiten Schritt wer- spricht», argumentiert das Bun- eine Reform des heutigen Wahlsystems und damit eine bessere sämtliche Vorschläge, die der-
nen Bezirken. Im Goms müsse den die entsprechenden Sitzge- desgericht. Das sei einerseits in Berücksichtigung aller abgegebenen Stimmen, sondern auch zeit gemacht werden, um den
man über 33 Prozent der Stim- winne nach einem ausge- ganz kleinen Wahlkreisen nicht eine Neuordnung der Bezirke. German Eyer dazu: «Sollen die Parlaments- und Regierungs-
men erhalten, wolle man einen klügelten Berechnungsproze- gewährleistet, aber anderseits Bezirke abgeschafft werden, führt dies zu unnötigen Diskussio- betrieb zu reformieren, in ei-
Grossratssitz ergattern. «Das dere, dem «Doppelten Pukels- auch dann nicht, wenn aufgrund nen und Opposition. Wir wollen die Reformen zügig vorantrei- nen Zusammenhang stellen.
heisst», so Eyer, «dass wer im heimer», wieder auf die Bezirke unterschiedlich grosser Wahl- ben. Daher halten wir an den Bezirken fest.» Ansonsten sind die Konse-
Goms, in Östlich oder Westlich zugeteilt. Die Effekte dieses Ver- kreise nicht jeder Wählerstimme Dass die CVP seinerzeit auf die Motion eingeschwenkt ist, wird quenzen für die verschiedenen
Raron bei den letzten Wahlen fahrens können verschiedenar- das gleiche politische Gewicht zu- von den Minderheitsparteien skeptisch beurteilt. Sie vermuten, Regionen nicht absehbar.» Ins-
dass die CVP taktisch agierte. Es gehe der Mehrheitspartei nicht
SP, Grün oder SVP wählte, hätte tig ausfallen: «Eine SP-Stimme komme. In solchen Fällen be- besondere müsse man darauf
darum, eine umfassende Reform zu unterstützen. Vielmehr wer-
geradeso gut zu Hause bleiben, in Östlich Raron könnte etwa steht das Bundesgericht auf einer de sie den Vorstoss entweder auf der Ebene der Regierung oder achten, dass durch die Reform-
sich der Stimme enthalten und der SP in Westlich Raron oder Korrektur des Wahlverfahrens, bei der Behandlung im Parlament auf die lange Bank schieben. bestrebungen nicht plötzlich
das Stimmmaterial in den Pa- Leuk zu einem Sitzgewinn ver- auch wenn die Wahlkreise histo- Die Annahme der Motion werde zum gegebenen Zeitpunkt als das Oberwallis auf der Verlie-
pierkorb werfen können.» helfen», so Eyer. risch gewachsene Einheiten sind. Argument gegen ihr Volksbegehren gebraucht. rerseite stehe. bra

WORT UND ANTWORT Gästecenter Obergoms

Arm sein vor Gott Neuer Leiter


Selig, die arm melreich. Selig, die arm sind vor Gott, Selig, die arm sind vor Gott, OBERGOMS | An der Spitze Der Vorstand des Gästecenters
sind vor Gott, Gott ist nicht gegen unsere Ver- denn ihnen gehört das Him- denn ihnen gehört das Him- des Gästecenters Ober- Obergoms ernennt Mathias
denn ihnen nunft, er hat sie uns Menschen melreich. melreich. goms gibt es einen Wech- Fleischmann per 1. März 2011
gehört das ja geschenkt. Gott ist nicht wi- Arm sein vor Gott, oder selig Ein Armer vor Gott war Bruder sel. Neuer Leiter wird Ma- zum neuen Geschäftsführer. Mit
Himmelreich dervernünftig, er ist jedoch tie- die Armen im Geiste, heisst Klaus. In allem suchte er den thias Fleischmann. der Berücksichtigung dieser in-
(Mt 5,3). fer, weiter und vollendeter als nicht, dumm oder blöd zu sein, Willen Gottes, sein Herzensge- ternen Kandidatur unterstrei-
Tiefes Denken alle Gedanken, Bilder, Vorstel- im Gegenteil! Arm sein vor bet kennen wir: «Mein Herr und Sibylle Bitterli verlässt per Ende che der Vorstand des Gästecen-
und Betrach- lungen und Erfahrungen, die Gott heisst, sich einzugeste- mein Gott, nimm alles von mir, Februar 2011 als Leiterin des ters Obergoms das Ziel, die bis-
ten führt zum Glauben. Gott ist ich von ihm machen kann. Es hen: Ja, ich bin ein Mensch, ich was mich hindert zu dir. Mein Gästecenters Obergoms die Tou- herige Strategie fortzuführen
immer grösser als alles, was wir gibt Menschen, die ihre eigene bin begrenzt. Alles, was ich bin Herr und mein Gott, gib alles rismusregion Obergoms. Sie hat und auf Kontinuität in der tou-
uns vorstellen können. Wenn Vernunft dermassen hoch ein- und habe, habe ich nicht von mir, was mich führet zu dir. das Gästecenter erfolgreich neu ristischen Entwicklung des
wir Gott in unsere Gedanken schätzen, dass sie zum glorrei- mir aus; ich bin einst gewor- Mein Herr und mein Gott, ausgerichtet. Sie nimmt per Obergoms zu setzen. Als Touris-
einschliessen könnten, wenn chen Schluss kommen, dass es den, ich habe mich und diese nimm mich mir und gib mich März 2011 eine neue Herausfor- musfachmann und Betriebsöko-
wir ihn mit unserer begrenzten keinen Gott gäbe. Bravo! Weil Welt nicht selbst erschaffen, ganz zu eigen dir.» Eindringli- derung im Hotellerie-Marketing nom bringt Mathias Fleisch-
menschlichen Vernunft ganz ich halt nun mal so intelligent zum Glück nicht. Und auch che Worte, die aus dem tiefen in ihrem Heimatkanton Aargau mann das erforderliche Fachwis-
umfassen könnten, wäre er bin, habe ich festgestellt: Es gibt mein letztes Ziel liegt nicht in Seelengrund des Einsiedlers an. Bitterli habe in der Verant- sen und Erfahrung im Bereich
nicht Gott. Gott ist immer voll- keinen Gott! Somit vergötze ich mir selber. «Arm und nackt aufsteigen. Bruder Klaus: ein be- wortung für die Leitung des Gäs- Tourismus mit. Der 26-jährige
kommener, gütiger, grösser meine eigene Vernunft, ich er- kam ich hervor aus dem Schoss tender und glaubender Mensch, tecenters Obergoms viel Bewe- Fleischmann ist in Uster aufge-
und barmherziger als alles, was hebe meine begrenzte Vernunft meiner Mutter, nackt kehre ich der sich bewusst ist: Nicht Gott gung in die Strukturen und Pro- wachsen und ist seit dem 1. Mai
wir uns vorstellen können. zum Mass aller Dinge und be- dahin zurück. Der Herr hat ge- braucht mich, sondern ich gramme des Obergommer Tou- 2010 als Produkt-Manager Win-
trachte die glaubenden Men- geben, der Herr hat genom- brauche Gott, um mein Glück rismus gebracht, hält das ter und stellvertretender Ge-
Selig, die arm sind vor Gott, schen als unvernünftig oder gar men; gelobt sei der Name des zu finden. Pfarrer Edi Arnold Gästecenter in einer Mitteilung schäftsführer für das Gästecen-
denn ihnen gehört das Him- beschränkt. Herrn» (Ijob 1,22). Unterbäch/Bürchen fest. ter Obergoms tätig. | wb