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© F. Enke Verlag Stuttgart Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S.

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Geschlecht und Kontext


De-Institutionalisierungsprozesse und geschlechtliche Differenzierung
Bettina Heintz
Institut für Soziologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Colonel-Kleinmann-Weg 2, D-55099 Mainz

Eva Nadai
Institut für Soziologie, Universität Bern, Lerchenweg 36, CH-3000 Bern 9

Zusammenfassung: Im Zuge der zunehmenden Inklusion der Frauen ist es in den letzten Jahrzehnten zu einer De-
Institutionalisierung des Geschlechterverhältnisses gekommen. Während die Geschlechterdifferenz lange Zeit institu-
tionell abgesichert war, muß sie heute vermehrt über Handeln erzeugt und symbolisch markiert werden. Dies führt zu
einer „Kontextualisierung" der Geschlechterdifferenz, das heißt, die Aufrechterhaltung geschlechtsspezifischer Un-
gleichheitsverhältnisse wird zu einem voraussetzungsvollen Prozeß, der an spezifische Konstellationen gebunden ist.
Am Beispiel einer Untersuchung, die auf vergleichenden Fallstudien in drei Berufsfeldern mit unterschiedlicher Ge-
schlechterzusammensetzung beruht (Informatik, Krankenpflege, Sachbearbeitung), geht der Aufsatz den Bedingungen
nach, die zu einer Aufrechterhaltung oder Abschwächung der Geschlechterdifferenz führen. Der Aufsatz diskutiert am
Rande auch die Konsequenzen, die sich aus der Annahme einer „kontextuellen Kontingenz" der Geschlechterdifferenz
für die Geschlechterforschung ergeben.

Soziale Ordnung wird über Grenzziehungen her- Obschon von der allgemeinen Soziologie kaum zur
gestellt. Ordnung entsteht, indem Personen, Dinge Kenntnis genommen, ist die Geschlechterdifferenz
und Handlungen separiert und auf spezialisierte ein besonders instruktives Beispiel, um über die
soziale Räume verwiesen werden. ,,Symbolic Mechanismen und Verlaufsformen sozialer Diffe-
boundaries", so Michele Lamont in ihrer einschlä- renzierung nachzudenken. Während die frühen
gigen Studie zum boundary work der amerikani- Soziologen, insbesondere Emile Durkheim und
schen und französischen oberen Mittelschicht, Georg Simmel, die Verbindung zwischen gesell-
,,are conceptual distinctions that we make to cate- schaftlicher und geschlechtlicher Differenzierung
gorize objects, people, practices, and even time durchaus noch thematisiert haben, ist dieser Zu-
and space" (Lamont 1992: 9). Grenzen existieren sammenhang in der modernen Differenzierungs-
aber nicht nur in Form kognitiver Klassifikations- theorie weitgehend verloren gegangen. Ausge-
muster in den Köpfen der Handelnden, sie werden bend von den differenzierungstheoretischen Argu-
stabilisiert durch praktisches Handeln und sind menten Emile Durkheims und Georg Simmels
verfestigt in sozialen Strukturen. Der Blick auf die werden in einem ersten Abschnitt theoretische
Dimension der Grenzziehung ergänzt die klassi- Überlegungen zum Wandel der Reproduktionsbe-
sche Differenzierungstheorie, indem die kulturel- dingungen der Geschlechterdifferenz präsentiert
len Prozesse in den Mittelpunkt gerückt werden, (1.). Diese Reproduktionsbedingungen lassen sich
die die sozialen Differenzierungen hervorbringen am Beispiel des Arbeitsmarktes besonders gut auf-
und reproduzieren. Das Phänomen sozialer Ord- zeigen (2.). In einem dritten Abschnitt werden ei-
nung aus der Perspektive der Grenzziehung zu be- nige Ergebnisse aus einer qualitativen Untersu-
trachten, zwingt mit anderen Worten zu einem chung zur geschlechtsspezifischen Segregation des
Theoriemodell, das wissenssoziologische (Grenze Arbeitsmarktes in der Schweiz vorgestellt. Die
als mentales Konstrukt), kommunikationstheore- Untersuchung beruht auf einem Vergleich von drei
tische (Grenze als Ergebnis von Interaktion) und Berufen, die sich hinsichtlich ihrer Geschlechter-
strukturtheoretische Ansätze (Grenze als Element zusammensetzung unterscheiden. Im Mittelpunkt
der Struktur) umfaßt. Es erfordert eine Doppel- steht die Frage, an welche Bedingungen die Auf-
perspektive, die beidem Rechnung trägt - der Tat- rechterhaltung der Geschlechterdifferenz gebun-
sache, daß Grenzen durch praktisches Handeln den ist und auf welcher Ebene sie sich manifestiert
permanent reproduziert werden müssen und (3.). In einem vierten und letzten Abschnitt wer-
gleichzeitig in Strukturen verfestigt sind, die das den die Überlegungen und Ergebnisse noch ein-
Handeln mediatisieren und kanalisieren. mal _kurz zusammengefaßt (4.).
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1. Soziale und geschlechtliche tragen so zur Ausbildung von Individualität bei.


Differenzierung Von diesem Differenzierungs- und Individualisie-
rungsprozeß sind Frauen und Männer allerdings
Emile Durkheim hat seine Überlegungen zum Dif- ungleich betroffen. Während Männer ihre Mit-
ferenzierungs- und Integrationsmodus moderner gliedschaften multiplizieren, verbleiben Frauen im
Gesellschaften am Beispiel der geschlechtlichen . ,,kleinen Kreis" der Familie. Ihnen fehlt damit die
Differenz entwickelt. Während Integration in ein- strukturelle Grundlage, Individualität zu entwik-
fachen Gesellschaften auf gemeinsamen Wert- keln.3 Daraus leitet Simmel seine berühmte Ge-
überzeugungen beruht (dem „Kollektivbewußt- schlechterthese ab, die er zum ersten Mal in sei-
sein"), verläuft sie in funktional differenzierten nem 1890 erschienenen Aufsatz „Zur Psychologie
Gesellschaften über den Zwang zur Kooperation. der Frauen" formulierte (Simmel [1890)) und in
Der Differenzierungsprozeß schafft sich mithin seinen beiden bekannteren Arbeiten zur Differenz
seine Lösung selbst: Arbeitsteilung führt zu Spe- der Geschlechter lebensphilosophisch grundierte
zialisierung und erfordert insofern Kooperation. (Simmel [1902]; [1911)): Frauen sind das einheitli-
Diese für die Differenzierungstheorie zentrale, che und unspezialisierte Geschlecht, Männer das
wenn auch keineswegs unumstrittene These ent- spezialisierte und individualisierte. 4 Dies ändert
wickelt Durkheim am Beispiel der Ehe, die er als sich, sobald Frauen vermehrt am außerfamiliären
paradigmatischen Fall einer Gemeinschaft be- Bereich teilnehmen. Berufstätigkeit, Bildungs-
trachtet, deren Integration auf Differenz beruht chancen und der Erwerb politischer Rechte führen
(Durkheim [1893]: 102ff.).1 In der Ehe vollzieht zu Rollendifferenzierung und ermöglichen damit,
sich, was er als typisch für den modernen Integra- ähnlich wie bei den Männern, die Ausbildung von
tionsmechanismus betrachtete: die sexuelle Ar- Individualität. Während sich die Lebenslagen von
beitsteilung bringt die beiden Geschlechter in ein Männern und Frauen partiell annähern, nehmen
Verhältnis der gegenseitigen Abhängigkeit und die Unterschiede zwischen den Frauen zu. Die
zwingt damit zu Kooperation und „Solidarität" .2 Differenz zwischen den Geschlechtern ist nun
nicht mehr ausschließlich strukturell vorgegeben,
Ähnlich wie Durkheim sah auch Simmel in der so-
sondern muß aktiv hergestellt werden. An die Stel-
zialen Differenzierung das Hauptmoment des Mo-
le der funktionalen Differenz zum Mann tritt eine
dernisierungsprozesses. Für die Individuen bedeu-
über die Frauenbewegung vermittelte „parteimä-
tet gesellschaftliche Differenzierung eine Vermeh-
ßige Differenz" (Simmel [1908]: 500). Mit seiner
rung der Funktionsbereiche, an denen sie teilneh-
letztlich soziologischen Begründung der „Polari-
men. Simmel hat in diesem Zusammenhang von
sierung der Geschlechtscharaktere" (Hausen
einer „Kreuzung sozialer Kreise" gesprochen (u.a.
1976) hat Simmel eine erste Grundlage geliefert,
Simmel [1908]: 456ff.). Diese multiplen Mitglied-
um der Beziehung zwischen geschlechtlicher und
schaften erfordern von den Individuen zunehmen-
gesellschaftlicher Differenzierung vertiefend
de Koordinierungsleistungen, erweitern aber
nachzugehen.
gleichzeitig den individuellen Handlungsraum und
Die Überlegungen von Simmel und Durkheim
zum Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher
1 Im Gegensatz zu anderen Autoren seiner Zeit, die den und geschlechtlicher Differenzierung markieren
Begriff der Arbeitsteilung primär ökonomisch faßten, hat
er für Durkheim die abstraktere Bedeutung einer komple-
mentär angelegten „Andersheit" bzw. ,,Differenz", vgl. 3 Zum Zusammenhang zwischen Simmels Differenzie-
dazu ausführlicher Luhmann 1988 sowie G. Wagner 1993. rungstheorie und seiner Behandlung der Geschlechterfra-
2 Durkheim sieht die geschlechtsspezifische Arbeitstei- ge vgl. Wobbe 1997, insbes. Kap, 1.
lung als Ergebnis eines historischen Prozesses. In einfa- 4 Durkheim und Simmel gehen beide von einer intellek-
chen Gesellschaften, so Durkheim, sind die beiden Ge- tuellen Unterlegenheit der Frauen aus. Während Durk-
schlechter kßrperlich und sozial kaum differenziert. Erst heim diese Unterlegenheit jedoch letztlich physiologisch
im Zuge der gesellschaftlichen Evolution entwickeln sie begründet, führt sie Simmel auf die differenten Lebens-
sich physisch und sozial auseinander. Ausgestattet mit un- umstände von Männern und Frauen zurück und entwik-
terschiedlichen Körpern - Durkheim macht diese körper- kelt damit eine stärker soziologisch ausgerichtete Per-
liche. Differenz, ganz im Geiste seiner.Zeit, vor allem am spektive. Die Beschränkung des Lebensraumes der
Gehirn fest - übernehmen die beiden Geschlechter unter- Frauen auf den sozial nur gering differenzierten Bereich
schiedliche Aufgaben und schaffen damit die Vorausset- der Familie erklärt, so Simmel, die typischen „ Wesens-
zung f11r die Entstehung der Ehe als einer auf Differenz merkmale" der Frauen - Verhaftung am Konkreten,
beruhenden Solidargemeinschaft. Zu Durkheims Ge- Emotionalität, politisc!Jes Desinteresse, Orientierung an
schlechtertheorie vgl. auch Lehmann 1991. der Sitte anstatt an abstrakten Rechtsprinzipien etc.
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einen Anfang. Sie wurden aber weder von der mo- Leerstelle der Differenzierungstheorie wird im
dernen Differenzierungstheorie noch von der Ge- Falle des Geschlechterverhältnisses zu einem be-
schlechterforschung systematisch aufgegriffen. 5 sonderen Problem und ist vermutlich der Haupt-
(1) Die Differenzierungstheorie geht von der An- grund dafür, weshalb sie von der Geschlechterso-
nahme aus, daß moderne Gesellschaften primär ziologie kaum aufgegriffen wurde (als Ausnahme
durch funktionale Differenzierung charakterisiert vgl. Pasero 1995). Damit verschenkt sich die Ge-
sind und frühere Differenzierungsformen - die schlechtersoziologie jedoch eine interessante theo-
segmentäre und stratifikatorische Differenzierung retische Perspektive, während sich die Differen-
- an Gewicht verlieren (vgl. als Überblick Schi- zierungstheorie den Zugang zu einer zentralen ge-
mank 1996 sowie Luhmann 1997: Kap. 4). 6 Mit sellschaftstheoretischen Frage verbaut. Anstatt die
dem Übergang zur funktionalen Differenzierung Geschlechtsblindheit der Differenzierungstheorie
verlieren zugeschriebene Kriterien sukzessive an zu beklagen bzw. soziale Ungleichheit weiterhin
Bedeutung. Es kommt m.a.W. zur Durchsetzung als Marginalproblem zu behandeln, wäre auch der
des Prinzips einer Inklusion aller Menschen in alle Differenzierungstheorie mehr damit gedient,
Funktionsbereiche, d. h. jedem Menschen ist es im wenn die Dimension der Ungleichheit - und nicht
Prinzip erlaubt, einen Beruf auszüben, politische zuletzt: der geschlechtsspezifischen Ungleichheit-
Ämter zu übernehmen, die Grundschule zu besu- systematischer in die Theorie einbezogen würde.
chen, zu heiraten etc. (Luhmann 1993: 31).7 Ob- Im folgenden schließen wir zwar an differenzie-
schon Inklusion und Differenzierung in einer rungstheoretische Überlegungen an, erweitern sie
wechselseitigen Beziehung stehen, ist zwischen aber um die Dimension der Ungleichheit.
beiden Ebenen zu unterscheiden. Der Begriff der Die Annahmen der Differenzierungstheorie legen
Differenzierung bezieht sich auf die Systemebene, den Schluß nahe, daß das Geschlecht als Ord-
das Begriffspaar Exklusion/Inklusion auf die Teil- nungsfaktor zunehmend irrelevant wird. Damit
nahmemöglichkeiten von Personen. Für das Ge- nimmt die Differenzierungstheorie eine deutliche
schlechterverhältnis sind beide Ebenen relevant: Gegenposition zur Geschlechterforschung ein, die
Phänomene der Arbeitsteilung, d. h. der Separie- die durchgehende Relevanz der Geschlechterdif-
rung von Zuständigkeitsbereichen lassen sich in ferenz in der Regel als Prämisse setzt. Beide Per-
Termini sozialer Differenzierung, die differentiel- spektiven tragen jedoch den Ambivalenzen und
len Zugangschancen in Termini von Inklusion und Ungleichzeitigkeiten des Modernisierungsprozes-
Exklusion beschreiben. Wenn wir im folgenden ses zu wenig Rechnung. Augenscheinlich hat die
von „Geschlechterdifferenz" sprechen, sind damit Geschlechterdifferenz nicht mehr die gleiche Ord-
immer beide Aspekte gemeint. nungsfunktion wie noch im 19. Jahrhundert,
In der Differenzierungstheorie wird zwar die Be- gleichzeitig weist sie jedoch in vielen Bereichen
deutung von Ungleichheit in funktional differen- eine verblüffende Persistenz auf, die über moder-
zierten Gesellschaften nicht negiert (vgl. u.a. Luh- nisierungstheoretische Argumente nicht zu erklä-
mann 1995: 249ff), die Dimension der Ungleich- ren ist. Anstatt von vornherein von einer ubiquitä-
heit hat aber in der Theorie keinen systematischen ren Relevanz bzw. von einem säkularen Bedeu-
Platz (vgl. dazu auch Nassehi 1997: 140f.). Diese tungsverlust der Geschlechterdifferenz auszuge-
hen, sollte vermehrt danach gefragt werden, unter
welchen Bedingungen - in welchen Kontexten -
5 Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Hartmann Tyrell Geschlecht ein relevanter Faktor ist und wo sich
(1986; 1989).
die Unterschiede und Ungleichheiten zwischen
6 Wir beziehen uns hier vor allem auf die systemtheoreti-
sche Variante der Differenzierungstheorie, die gerade in den Geschlechtern verringern.
der deutschsprachigen Soziologie besondere Resonanz Die Kontextualität der Geschlechterdifferenz ist
gefunden hat. dabei selbst ein historisches Produkt. In den letz-
7 Die Inklusionsthese ist geschlechtsspezifisch zu diffe-
ten drei Jahrzehnten ist es zu einer zunehmenden
renzieren. Während Männern, in freilich schichtspezifisch De-Institutionalisierung des Geschlechterverhält-
unterschiedlichem Tempo, das Recht auf Partizipation in nisses gekommen.8 Im Anschluß an Birgitta
allen Funktionsbereichen zugebilligt wurde - und damit
für sie zur Realität wurde, was Simmel als „Kreuzung so-
zialer Kreise" bezeichnete -, waren Frauen bis teilweise 8 Wir orientieren uns an dem relativ breiten lnstitutio-
weit ins 20. Jahrhundert hinein offiziell vom Prinzip der nenbegriff des soziologischen „Neo-Institutionalismus".
universellen Inklusion ausgeschlossen und blieben in ih- Unter „Institution" verstehen wir standardisierte und re-
ren Partizipationsmöglichkeiten mehrheitlich auf ein lative stabile Verhaltensmuster, die so heterogene soziale
Funktionssystem - die Familie - beschränkt. Phäl!omene wie die Ehe, das Parteiensystem, Begrü-
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Nedelmann verstehen wir im folgenden unter Da ihr der Blick und das theoretische Instrumen-
„De-Institutionalisierung" eine Umstellung der tarium für eine Analyse informeller Reproduk-
Reproduktionsmechanismen von routineartigem tionsmechanismen fehlen, hat die Differenzie-
Vollzug zu bewußtem und gezieltem Handeln. Da- rungstheorie aus der Durchsetzung des Prinzips
mit verbunden ist eine wachsende Begründungs- der universellen Inklusion auf eine zunehmende
pflicht für das eigene Handeln, instrumentelle statt Bedeutungslosigkeit der Geschlechterdifferenz
intrinsische Handlungsmotivation und die Über- geschlossen. De-Institutionalisierung bedeutet
tragung der Entscheidungskompetenz (bzw. des aber nicht zwangsläufig, daß die Geschlechterdif-
Entscheidungszwangs) auf das Individuum. ferenz faktisch an Relevanz verliert, sondern ver-
Gleichzeitig verlieren die Institutionen ihren über- weist zunächst nur auf eine Verschiebung ihrer Re-
individuellen Faktizitätscharakter, so daß ihr Fort- produktionsmechanismen. Das hat Implikationen
bestand in zunehmendem Maße von ihrer Mobili- für die Theoriewahl. D.h. sobald die geschlechtli-
sierungsfähigkeit abhängig wird (vgl. ausführlicher che Differenzierung nicht mehr direkt institutio-
Nedelmann 1995 und 1997). nell abgesichert ist, sondern über gezieltes Han-
In unserem Zusammenhang ist zwischen Institu- deln läuft, wird der „mangelnde Akteurbezug"
tionen zu unterscheiden, die einen direkten Ein- (Schimank 1985) der Differenzierungstheorie, d. h.
fluß auf die Geschlechterdifferenz haben (z.B. for- ihre fehlende handlungstheoretische Fundierung,
male Exklusion), und solchen, deren Effekt indi- zu einem theoretischen Handicap. Statt dessen
rekt ist (z.B. Arbeitszeitregelungen, siehe Ab- bieten sich hier Theorien an - Joas nennt sie „Kon-
schnitt 2). Beide verstoßen gegen das Gleichheits- stitutionstheorien" (Joas 1992: 336 ff.)-, die sozia-
gebot und sind entsprechend zunehmend illegitim. le Differenzierung als einen kontingenten Prozeß
Im einen Fall ist die Verletzung des Gleichheits- der Grenzziehung begreifen und soziale Struktu-
prinzips offensichtlich, im anderen Fall muß sie ren explizit an menschliches Handeln zurückbin-
erst als solche erkannt werden, um Gegenstand den. 9
von Auseinandersetzungen zu werden. Entspre- (2) Die Geschlechterforschung hat sich über die
chend vollziehen sich De-lnstitutionalisierungs- Setzung der Geschlechterdifferenz als Leitdiffe-
prozesse zeitlich gestaffelt und u.U. auch in wider- renz konstituiert und darüber ihre Legitimation
sprüchlicher Form. Während die geschlechtliche bezogen. Diese theoretische Entscheidung hat zur
'Irennung früher zu einem großen Teil über forma- Folge, daß die Geschlechterdifferenz als omnirele-
le Zulassungskriterien geregelt wurde - Ausschluß vantes Phänomen behandelt und die soziale Hete-
der Frauen aus der höheren Bildung, Aberken- rogenität der Frauen nicht systematisch zur Kennt-
nung von politischen Rechten (in der Schweiz nis genommen wird. Faktisch gibt es jedoch zwei
noch bis 1971), keine allgemeine Rechts- und Ge- Konstellationen, die für eine „kontextuelle Kon-
schäftsfähigkeit, Berufsverbote und Sonderschutz- tingenz" der Geschlechterdifferenz sprechen. Zum
gesetzgebungen (z.B. das in der Schweiz heute einen wird die Bedeutung der Geschlechtszugehö-
noch gültige Nachtarbeitsverbot für Frauen in der
Industrie) - und die Exklusion entsprechend eine
direkte institutionelle Basis hatte, muß sie heute 9 Um Mißverständnissen vorzubeugen: auch im Falle ho-
vermehrt von den Handelnden aktiv hergestellt her Institutionalisierung werden Institutionen über Han-
und symbolisch bekräftigt bzw. indirekt reguliert deln reproduziert, die Routinehaftigkeit und die damit
werden. Damit wird die Geschlechterdifferenz zu- verbundene geringere Kontingenz des Handelns-erlauben
es jedoch, soziale Tatsachen ohne Rekurs auf die Hand-
nehmend abhängig von spezifischen Kontextbe-
lungsebene zu analysieren. Genau dies ist im Falle von
dingungen und verliert gleichzeitig an Stabilität. De-lnstitutionalisierungsprozessen nicht mehr möglich
(vgl. dazu auch P. Wagner 1993). Unter der Annahme, daß
sich nicht nur im Geschlechterverhältnis De-lnstitutiona-
ßunprituale, Lehrpläne oder Abstimmungsprozeduren lisierungsprozesse abzeichnen, ist es deshalb kein Zufall,
umfassen (vgl. als Überblick DiMaggio/Powell 1991). In- daß in den letzten zwei Jahrzehnten Theorien an Bedeu-
dem die neue lnstitutionentheorie den Akzent auf die' Re- tung gewonnen haben, die eine mikrosoziologische Fun-
produktionsmechanismen von Institutionen legt (vgl. u.a. dierung von Makrophänomenen fordern. Der soziologi-
Jepperson 1991), bindet sie lnstitutionentheorie an Hand- sche Neo-Institutionalismus ist dafür ein exzellentes Bei-
lungstheorie zurilck und differenziert gleichzeitig zwi- spiel. Auf theoretischer Ebene sind Anthony Giddens und
lldten verschiedenen Formen des Handelnt - habituali- Pierre Bourdieu die prominentesten Vertreter einer sol-
siertea Handeln (.,enacting") im Falle hoher Institutionali- chen Doppelperspektive, die Struktur und Handeln,
sierung, gmeltes Handeln (,,acting") bei geringer Institu- Mikro und Makro nicht als Gegensätze sieht, sondern sie
tionalitietung. in ein gegenseitiges Konstitutionsverhältnis stellt.
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rigkeit durch andere soziale Zugehörigkeiten kaum thematisiert. 11 Dies hat seinen Grund nicht
(Klasse, Ethnie etc.) gebrochen. Anders als im an- zuletzt darin, daß die Entdeckung mikrosoziologi-
gelsächsischen Raum, wo die Interferenz von scher Ansätze in der deutschsprachigen Ge-
Klasse, Geschlecht und Ethnie seit Jahren ein schlechterforschung zu einer scharenweisen „Kon-
breit untersuchtes Thema ist (vgl. u.a. Higgin- version" geführt hat und das Interesse an makro-
botham/Romero 1997; Chow et al. 1996; West/ strukturellen Zusammenhängen parallel dazu
Fenstermaker 1995), bewegt sich die Diskussion deutlich abnahm. 12 Ausstehend ist eine Diskussi-
im deutschsprachigen Raum noch in den Anfän- on, die zum einen aus den Veränderungen im Ge-
gen (vgl. z.B. Lenz 1996). Zum anderen haben schlechterverhältnis die theoretischen und pro-
sich im Zuge des gesellschaftlichen Modernisie- grammatischen Konsequenzen zieht und zum an-
rungsprozesses die Lebenswege und Lebenslagen deren die mikrosoziologische Perspektive syste-
von Frauen pluralisiert und teilweise denen der matisch mit makrosoziologischen Analysen ver-
Männer angeglichen. Dies alles hat zur Folge, daß bindet und den gesellschaftlichen Rahmenbedin-
die Erklärungskraft der Geschlechterdifferenz je gungen geschlechtlicher Differenzierung wieder
nach Kontext variiert. Insofern ist die Geschlech- vermehrt Rechnung trägt (vgl. zu einer ähnlichen
terforschung mit ähnlichen Problemen konfron- Kritik Gottschall 1997).
tiert, wie sie in der Ungleichheitsforschung seit Die Geschlechterdifferenz wird auf zwei Ebenen
geraumer Zeit unter dem Stichwort der „Diffe- hergestellt, die faktisch miteinander verbunden,
renzierung sozialer Ungleichheit" (Berger 1987) analytisch aber auseinanderzuhalten sind. Ge-
diskutiert werden. 10 schlechtliche Differenzierung bezeichnet zunächst
Die zunehmende soziale Heterogenität der Frauen einmal einen Sortierungsvorgang, bei dem Men-
wird von der Geschlechterforschung zwar empi- schen in zwei Geschlechter geschieden werden.
risch konstatiert (vgl. u.a. Geissler/Oechsle 1994; Wie Hartmann Tyrell (1986) hervorhebt, ist die
Ostner 1991; Tölke 1989), sie ist aber auf der pro- Unterscheidung in Männer und Frauen ein kultu-
grammatischen Ebene bislang folgenlos geblieben rell höchst voraussetzungsvoller Klassifikations-
und wird auf der Theorieebene nur wenig reflek- prozeß. Obschon Zweigeschlechtlichkeit ein prak-
tiert. Wissenssoziologisch läßt sich die konstrukti- tisch universelles Phänomen ist, sind die Kriterien,
vistische sexlgender-Debatte zwar als Reflex auf die dazu benutzt werden, kulturell variabel. Nicht
die zunehmende Heterogenität der Frauen inter- in allen Gesellschaften rekurriert die geschlechtli-
pretieren, diese Beziehung wird von ihr selbst aber che Unterscheidung auf körperliche Differenzen,
und auch wo dies der Fall ist, sind es nicht überall
dieselben Merkmale, die als Geschlechtsindikato-
ren verwendet werden. Die Verschmelzung von
10 Während schon die Interferenz von Klasse und Ge- körperlichen, psychischen und sozialen Unter-
schlecht ein theoretisch ungelöstes (und empirisch weitge- schieden zu einem geschlossenen ideologischen
hend unbearbeitetes) Problem ist, gilt dies erst Recht für System ist eine Entwicklung, die im europäischen
das Verhältnis von Geschlecht und „Lebenslage" bzw. Raum erst mit Beginn der Modeme perfektioniert
„Milieu". Im Zuge der lndividualisierungsdiskussion ist es
in der Ungleichheitsforschung zu einer Relativierung des
Klassen- und Schichtmodells und zu einer gleichzeitigen 11 Vgl. exemplarisch Hawkesworth (1997), die zwar davor

Entdeckung „neuer" sozialer Ungleichheiten gekommen, warnt, die Geschlechterdifferenz unbesehen als Expla-
zu denen auch die Geschlechterungleichheit gehört. Das nans zu verwenden, aber diese Kritik nicht kontextuali-
hat zur paradoxen Situation geführt, daß das Geschlecht siert, d. h. nicht in Beziehung setzt zu den faktischen Ver-
just in dem Moment als Ungleichheitsdimension entdeckt änderungen im Geschlechterverhältnis. Ein anregender
wurde, als die Kategorie der Klasse bzw. Schicht in der Vorsahlag, wie sich die Annahme einer kontextuellen
Ungleichheitsforschung an Bedeutung verlor. Die Kon- Kontingenz der Geschlechterdifferenz empirisch umset-
zepte der „sozialen Lage" und des „Milieus" (vgl. Hradil zen ließe, stammt von Pringle (1997).
1987) haben den klassischen Schichtbegriff weitgehend 12 Die von Gildemeister/Wetterer (1992) beklagte „Re-
verdrängt mit der Folge, daß sich die Aufmerksamkeit zeptionssperre" gegenüber der konstruktivistischen Ge-
von der vertikalen Ungleichheit auf die „horizontale" schlechterthese ist heute in ihr Gegenteil umgeschlagen;
Vielfalt von Lebenslagen verschoben hat. Obschon es An- makrosoziologische und quantitative Analysen wurden an
sätze gibt, Ungleichheits- und Geschlechterforschung stär- den Rand gedrängt bzw. sind abgewandert in die Sozial-
ker miteinander zu verbinden (vgl. u.a. Cyba 1993; Fre- strukturanalyse, wo die Frage der geschlechtsspezifischen
richs 1997; Kreckel 1992; Krüger 1995a), steht eine „gen- Ungleichheit auf der Basis anderer Theorieansätze - und
dersensible Ungleichheitsforschung" (Krüger 1997) nach meistens ohne ersichtliche Verbindung zur Geschlechter-
wie vor aus. theori!" - bearbeitet wird.
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wurde (vgl. Honegger 1991; Laqueur 1992). Wie ins- Eine entscheidende Veränderung besteht vor allem
besondere ethnomethodologische Studien gezeigt darin, daß Frauen mit Kindern verstärkt berufstätig
haben, ist dieser Sortierungsvorgang ein komplexer sind bzw. bleiben. MargaretMaruani (1997) spricht in
sozialer Prozeß. Am Beispiel des „Krisenexperi- diesem Zusammenhang von einer „Feminisierung"
ments" Transsexualität läßt sich anschaulich de- des Arbeitsmarktes. Trotz dieser zunehmenden In-
monstrieren, daß Geschlecht keine vorgegebene klusion ist der Arbeitsmarkt nach wie vor ge-
Kategorie ist, sondern ein emergentes Produkt so- schlechtsspezifisch hoch differenziert. Dies gilt ins-
zialer Interaktion darstellt, das auf einem kontinu- besondere für die Berufsstruktur. Die Aufteilung des
ierlichen Wechselspiel von Geschlechtsdarstellung Arbeitsmarktes in Frauen- und Männerberufe ist ein
und Geschlechtszuweisung beruht. 13 Candace West außerordentlich stabiles Merkmal industrialisierter
und Don Zimmerman (1991) sprechen in diesem Länder (Jacobs 1989a; Charles 1995). Sie hält die bei-
Zusammenhang von doing gender. den Geschlechter physisch und sozial auseinander
Die Sortierung in Männer und Frauen ist ein „An- und übersetzt Differenz in Ungleichheit: Frauenbe-
gebot", das zur weiteren sozialen Differenzierung rufe sind konjunkturell ungeschütztere Berufe, sie
genutzt werden kann, aber nicht genutzt werden bieten weniger Aufstiegsmöglichkeiten und sind
muß. Die geschlechtliche Differenzierung macht praktisch durchgehend schlechter bezahlt als ver-
aus dem Unterschied eine sozial signifikante Un- gleichbare Männerberufe (Diekmann/Engelhardt
terscheidung und übersetzt sie in vielen Fällen in 1996; Blossfeld 1984; Jacobs/Steinberg 1990; Schö-
Ungleichheit. Die Transformation der körperli- mann et al. 1991).
chen Differenz in eine sozial wirksame Unter- Der schweizerische Arbeitsmarkt, der den Hinter-
scheidung läßt sich an verschiedenen Beispielenil- grund unserer empirischen Untersuchung bildet
lustrieren. 14 Das beste Beispiel aber, um zu unter- (vgl. Abschnitt 3), ist im internationalen Vergleich
suchen, wie der Unterschied in eine augenfällige besonders ausgeprägt nach Geschlecht segregiert.
Unterscheidung und diese wiederum in Ungleich- Von den von Maria Charles untersuchten 25 indu-
heit transformiert wird, ist die Aufteilung des Ar- strialisierten Ländern weist die Schweiz neben
beitsmarktes in Männer- und Frauenberufe. Holland und Luxemburg die zweithöchste Segre-
gationsrate auf; Deutschland liegt im Mittelfeld
(Charles 1992). 1960 hätten 64% der Frauen bzw.
2. Männer- und Frauenberufe: Ursachen Männer den Beruf wechseln müssen, um eine pro-
und Verlaufsformen der geschlechtsspezi- zentual gleichmäßige Verteilung über die Berufe
fischen Segregation des Arbeitsmarktes zu erreichen; 1990 waren es immer noch 61 %
(Charles 1995). Das Muster ist jedoch im wesentli-
Am Beispiel des Arbeitsmarktes läßt sich die Gleich- chen dasselbe wie in anderen Ländern: Frauen
zeitigkeit von Inklusion und Separation exempla- sind auf weniger Berufe (vor allem im Dienstlei-
risch aufzeigen. In den letzten Jahrzehnten hat sich stungssektor) konzentriert als Männer (Charles
das Ausbildungs- und Erwerbsverhalten von Frauen 1987); sie gehören weniger oft zur Stammbeleg-
und Männern zunehmend angeglichen (Hradil 1997: schaft von Betrieben und arbeiten häufiger in un-
488; Müller et al.1997: 213ff.; Pfau-Effinger 1996). 15 geschützten Beschäftigungsverhältnissen (Levy et
al. 1997). Im Vergleich zu anderen Ländern ist die
13 Den Beginn der ethnomethodologischen Transsexuel- weibliche Erwerbsquote in der Schweiz mit 57%
lenforschung machte Harold Garfinkel ((1967]) mit seiner zwar vergleichsweise hoch (Bundesamt für Stati-
berühmten Agnes-Studie. In Deutschland wurden die eth- stik 1997), ein wesentlicher Grund dafür liegt aber
nomethodologische Geschlechterforschung erst sehr viel im hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten: über 50
später rezipiert (vgl. Hagemann-White 1988). Stefan Hir- Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten Teil-
schauer (1989) hat mit seiner empirischen Studie zur zeit. Davon sind viele nur geringfügig beschäftigt,
Transsexualität zu dieser Rezeptfon wesentlich beigetra- so daß letztlich nur ein Drittel der bezahlten Ar-
gen. beitsstunden durch Frauen erbracht wird (Diek-
14 Mit welcher Akribie und Raffinesse der Unterschied
mann/Engelhardt 1996). Ähnlich wie in Deutsch-
akzentuiert und die Geschlechter sozial separat gehalten
land und in Österreich hat die Berufslehre im Aus-
werden, hat Erving Goffman ((1976); 1977) in seinen mi-
krosozialen Untersuchungen der „Darstellung der Ge- bildungssystem einen hohen Stellenwert. Das hat
schlechter" im Detail beschrieben. zur Folge, daß die Beziehung zwischen Ausbil-
15 Die Annäherung im Bildungsniveau wird allerdings dung und Beruf sehr viel enger ist als in Ländern,
konterkariert durch eine markante Segregation der Aus- in denen die Berufsausbildung häufig „on the job"
bildungswege und -inbalte. erfolgt (z.B. USA, Großbritannien). Aus diesem
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Grund ist die zwischenberufliche Mobilität in der an Simmels formalsoziologische Überlegungen


Schweiz um einiges geringer als in den angelsächsi- zum Zusammenhang von Gruppengröße und Ver-
schen Ländern. Das gilt erst recht für den Wechsel gesellschaftungsform (Simmel [1908): 63ff.) iden-
zwischen Berufen mit unterschiedlichem Ge- tifizierte sie drei grundlegende Konstellationen,
schlechtslabel (Charles/Buchmann 1994; Jacobs die für die Probleme und Handlungsparadoxien
1989b). verantwortlich sind, mit denen „berufsdeviante"
Die geschlechtsspezifische Segregation des Ar- Frauen - und Minderheiten generell - konfrontiert
beitsmarktes ist Ausdruck eines geschlechtlichen sind, und bündelte sie unter dem Begriff des token-
Differenzierungsprozesses. Entsprechend stellt ism:
sich die Frage, welche Faktoren dafür verantwort- • Visibilität: Als zahlenmäßige Minderheit sind
lich sind und wie die Grenzen gezogen werden. Frauen im Männerberuf hochgradig sichtbar und
Die empirische Literatur zur Segregation des Ar- dadurch permanenter Aufmerksamkeit ausge-
beitsmarktes läßt sich in zwei Hauptrichtungen un- setzt: alles, was sie tun, wird registriert und kom-
terteilen.16 International vergleichende Untersu- mentiert. Das führt einerseits zu Leistungsdruck
chungen haben eine Reihe von - zum Teil gegen- und -streben, andererseits zum Versuch, sich un-
läufigen - makrosozialen Faktoren benannt, die auffällig zu verhalten und die eigene Leistung und
die Entwicklung der beruflichen Segregation be- Präsenz zu verbergen.
einflussen. Während wirtschaftliche Modernisie- • Polarisierung: Als Reaktion auf die Außensei-
rung (gemessen über Tertiarisierung, Rückgang terinnen schließt die dominante männliche Mehr-
der Selbständigen und Bruttosozialprodukt pro heit ihre Reihen, indem sie mit symbolischen Mit-
Einwohner) die Segregation im Prinzip verstärkt, teln die Homogenität der eigenen Gruppe betont
wirken ein Mangel an Arbeitskräften und eine und gleichzeitig die Unterschiede zur Minderheit
starke Frauenbewegung als Gegenkräfte. Weibli- hervorhebt.
che Erwerbstätigkeit und Angleichung der Bil-
• Assimilation: Die tokens werden nicht als Indi-
dungschancen beeinflussen die Segregationsquote
viduen mit persönlichen Eigenheiten und Leistun-
dagegen kaum (Charles 1992; Jacobs/Um 1995;
gen wahrgenommen und beurteilt, sondern in er-
Wright et al. 1995).
ster Linie als Repräsentantinnen ihrer Gruppe.
Daneben gibt es ein breites Spektrum von eher mi- Alles, was Frauen im Männerberuf tun, wird als
krosoziologisch ausgerichteten Studien, die im Ausdruck ihrer Geschlechtszugehörigkeit gewer-
konkreten Fall untersuchen, wie die Grenzen ge- tet: Geschlecht wird zum „master status" (Laws
zogen und reproduziert werden. Grenzziehungs- 1975), der in allen Interaktionen und Wertungen
prozesse verlaufen meistens über eine prononcier- mitschwingt.
te Geschlechtsdarstellung. Hier sind vor allem
Kanter hat ihr tokenism-Konzept zwar anhand der
zwei Konstellationen zu unterscheiden. Die ge-
Situation von Frauen in einer Männerdomäne ent-
schlechtliche Unterscheidung wird zum einen dort
wickelt, ihre Analyse beansprucht jedoch Gültig-
inszeniert, wo die Differenz nicht mehr von vorn-
keit für alle Minderheiten. Aus der Sicht Kanters
herein gewährleistet ist, d. h. in Bereichen, wo sich
ist nicht das Geschlecht der entscheidende Faktor,
die ehemals homosozialen Welten zu überschnei-
sondern das numerische Verhältnis von Minder-
den beginnen und die formalen Grenzen brüchig
heit und Mehrheit. 17 Inzwischen hat jedoch eine
werden (vgl. Abschnitt 1.). Anstelle der formalen
Vielzahl von Nachfolgeuntersuchungen gezeigt,
Barrieren, die Frauen von Männerberufen abge-
daß erstens ein höherer Minderheitenanteil nicht
halten haben, werden informelle Mauern aufgezo-
automatisch zu größerer Akzeptanz, sondern im
gen, die jedoch nicht weniger wirksam sind (All-
Gegenteil zu verstärkter Abwehr führt (Allmen-
mendinger/Hackman 1993; Gerson/Peiss 1985;
dinger/Hackman 1993; South et al.1982; Wharton/
Wetterer 1992; Wharton/Baron 1987). Als eine der
Baron 1987), und zweitens das Geschlecht sehr
ersten hat die Organisationssoziologin Rosabeth
Moss Kanter am Beispiel von Frauen in einem
Männerberuf (Management) gezeigt, unter wel-
17 Nur beiläufig verweist Kanter auf das Beispiel von
Krankenpflegern, deren männlicher „master status" hö-
chen Bedingungen und mit welchen Folgen Ge-
her als ihr beruflicher Status ist und bei denen folglich ein
schlechtergrenzen im Beruf aufgebaut werden „status levelling" nach oben stattfinde: Sie würden oft für
(Kanter 1977; vgl. auch Laws 1975). Im Anschluß Ärzte gehalten (Kanter 1977: 232). Sie interpretiert diesen
Befund jedoch dahingehend, daß die Männer scheinbar
16 Vgl. als Überblick über die Forschungsliteratur Heintz eine höhere Position erhielten, nichtsdestotrotz aber in ih-
et al. 1997: Kap.1. rer t?ken-Rolle gefangen blieben (ebd.: 241).
82 Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S. 75-93

wohl ein relevanter Faktor ist: männliche tokens konzentriert und mögliche gegenläufige Prozesse
machen keineswegs die gleichen Erfahrungen wie vernachlässigt. Die Geschlechtlichkeit von Perso-
weibliche (Floge/Merrill 1986; Williams 1989; nen mag zwar als Hintergrunderwartung immer
Yoder 1991). Wie verschiedene empirische Studien präsent sein, aber nicht in jedem Kontext wird das
belegen, gehen geschlechtliche Grenzziehungen Geschlecht zu einer sozialen Ordnungskategorie.
vor allem von Männern aus (vgl. etwa Acker 1991; Es gibt Situationen, in denen die Geschlechtszu-
Cockburn 1988; Collinson et al. 1990; Padavic gehörigkeit durch andere soziale Merkmale über-
1991; Reskin 1988). Während gegen außen die deckt oder auch gezielt neutralisiert wird (Hir-
Differenz akzentuiert wird, besteht gegen innen schauer 1994: 676ff.). Die Verwendung einer Un-
eine Tendenz zur Homogenisierung. Gudrun- terscheidung impliziert m.a.W. nicht zwangsläufig,
Axeli Knapp (1995) spricht in diesem Zusammen- daß der Unterschied explizit festgestellt und sozial
hang von einem „Differenztabu", das Abweichun- signifikant wird. Empirische Studien, die ihre
gen vom Maskulinitätsideal scharf sanktioniert Aufmerksamkeit nicht der Aktivierung, sondern
(vgl. ähnlich auch Connell 1987). Die Abgrenzung der Neutralisierung der Geschlechterdifferenz
kann dabei verschiedene Formen annehmen und schenken, sind allerdings an einer Hand abzuzäh-
von räumlicher Segregation bis zu sozialen Grenz- len (vgl. Heintz et al. 1997; Thorne 1993; Will-
markierungen reichen (vgl. für ein besonders ein- hardt 1996). Die konstruktivistische Geschlechter-
drucksvolles Beispiel Maruani/Nicole-Drancourt theorie geht in der Regel von der Annahme aus,
1989). Kleidervorschriften, informelle Arbeitstei- daß Geschlecht in allen Interaktionen präsent und
lung, der Aufbau von geschlechtshomogenen Zir- relevant ist (West/Zimmerman 1991). Jede Hand-
keln und die Ausbildung einer Geschlechterkultur, lung, jede Entscheidung wird immer auf ihre ge-
die durch eine spezifische Sprache, eigene Rituale schlechtliche Angemessenheit hin befragt und
und Verhaltensweisen nach außen sichtbar ge- ausgerichtet. Genau besehen widerspricht diese
macht wird, sind Beispiele solcher Grenzsetzun- Omnirelevanzannahme den Grundannahmen der
gen. Sexuellen Symbolen und Markierungen ethnomethodologischen Geschlechtertheorie.
kommt hier besondere Bedeutung zu (vgl. u.a. Denn wenn Geschlechtszugehörigkeit tatsächlich
Gutek/Cohen 1992). ein „achievement" (Garfinkel [1967]: 116ff.) ist,
Die Inszenierung der Unterscheidung kann aber dann ist ein undoing gender (Hirschauer 1994) zu-
auch - und das ist eine zweite Bedingungskonstel- mindest theoretisch denkbar. Undoing gender ist
lation - Teil des beruflichen Handelns sein: ,,doing dabei eine ebenso komplexe Darstellungsleistung
gender while doing the job" (Leidner 1991). Vor- wie die Inszenierung von Geschlecht, und ebenso
stellungen über angemessenes weibliches bzw. wie diese keineswegs geschlechtsneutral. Wäh-
männliches Verhalten können entweder als infor- rend die Verschränkung von Männlichkeit und
melle Voraussetzung in die Arbeit eingebaut sein Professionalität den Männern gewissermaßen au-
(Bsp. Krankenpflege) oder bis zu einem gewissen tomatisch geschlechtliche Neutralität garantiert,
Grad formalisiert sein und in Form von mehr oder erfordert die Anerkennung von Professionalität
minder detaillierten Vorschriften, was Mimik, Ge- auf seiten der Frauen ein heikles Ausbalancieren
stik, Kleidung und Sprache betrifft, vorliegen. 18 von doing und undoing gender. Um als „normale"
Diese Verklammerung von beruflichem und ge- Berufstätige akzeptiert zu werden - gewisserma-
schlechtlichem Handeln stellt für das „fremde" ßen „ohne Ansehen des Geschlechts" - sind
Geschlecht eine nicht zu unterschätzende Hürde Frauen vor die Aufgabe gestellt, die Geschlechter-
dar. Arbeit in einem Beruf, in dem das doing gen- differenz herunterzuspielen, ohne sie ganz ver-
der zum Pflichtprogramm gehört, verlangt vom an- schwinden zu lassen. Nimmt man die Kontextuali-
deren Geschlecht Verhaltensformen, die u.U. der tätsannahme ernst, so stellt sich: folglich die Frage,
eigenen G~schlechtsidentität zuwiderlaufen. unter welchen Bedingungen es zu einer Aktuali-
sierung bzw. Neutralisierung der Geschlechterdif-
Die Geschlechterforschung hat sich bislang auf
ferenz kommt.
das Phänomen der Herstellung von Differenz
Geschlechtergrenzen werden aber nicht nur sym-
bolisch und interaktiv gezogen, sondern kommen
18 Vgl. für eine solche Professionaiisierung der Ge-
schlechtsdarstellung die von Hochschild (1983) untersuch- auch über institutionelle Regelungen zustande, die
ten „flight attendants". Krankenpflege und Hausarbeit zwar keine explizite Geschlechterpolitik verfol-
sind dagegen Beispiele fOr Tätigkeitsfelder, in denen das gen, indirekt aber durchaus geschlechtsdifferen-
gender-skript nicht ausformuliert vorliegt, sondern als im- zierend wirken können (vgl. Abschnitt 1). Auf die
pliziter Subtext in die Arbeit eingebaut ist. „Geschlechtlichkeit" organisationeller Strukturen
Bettina Heintz, Eva Nadai: Geschlecht und Kontext 83

hat in letzter Zeit vor allem Joan Acker hingewie- Untersuchung, deren Hauptergebnisse im folgen-
sen (Acker 1991). Während die traditionelle Orga- den kurz präsentiert werden sollen (vgl. ausführli-
nisationssoziologie vom Idealbild der formalen cher Heintz/Nadai/Fischer/Ummel 1997). 19
Organisation ausgeht, die von den individuellen (1) Während die Geschlechterdifferenz lange Zeit
Merkmalen ihrer Mitglieder nicht affiziert ist, zei- institutionell abgesichert war, muß sie heute ver-
gen neuere Studien, daß auch Organisationsstruk- mehrt über gezieltes Handeln erzeugt und symbo-
turen ein „Geschlecht" haben (vgl. als Überblick lisch markiert werden. Wir haben in diesem Zu-
Mills/Tancred 1992; Müller 1993). Die geschlechts- sammenhang von einer „De-Institutionalisierung"
spezifische berufliche Segregation kommt nicht des Geschlechterverhältnisses gesprochen.
nur durch diskriminatorische Praktiken oder un-
(2) Diese De-Institutionalisierung führt zu einer
gleiche Voraussetzungen und Präferenzen der Ar-
,,Kontextualisierung" der Geschlechterdifferenz,
beitnehmer und Arbeitnehmerinnen zustande,
d. h. die Aufrechterhaltung der Differenz wird zu
sondern ebensosehr durch Organisationsstruktu-
einem zunehmend voraussetzungsvollen Prozeß,
ren, die einen „disembodied worker doing the ab-
der an spezifische Konstellationen gebunden ist.
stract job" (Acker 1991: 170) voraussetzen, prak-
Entsprechend stellt sich die Frage, unter welchen
tisch jedoch auf die männliche Arbeitskraft zuge-
Bedingungen die Geschlechterdifferenz ein zen-
schnitten sind. Strukturelle Regelungen wie z. B.
trales Ordnungsmuster ist und wo sich die Unter-
Anciennitätsregeln, die ununterbrochene Berufs-
schiede zwischen den Geschlechtern verringern.
laufbahnen als Norm setzen, oder Arbeitszeitnor-
men, die von einer vollumfänglichen Verfügbar- (3) Als Ordnungsfaktor wirkt die Geschlechter·
keit der Arbeitskräfte ausgehen, sind zwar schein- differenz auf verschiedenen Ebenen: als Struktur-
bar geschlechtsneutral, tragen aber in ihrer Wir- element von sozialen Gebilden, als Deutungskate-
kung zur geschlechtlichen Differenzierung bei. gorie mit, enorm komplexitätsreduzierender Wir-
Anders als die beschriebenen Grenzziehungen im kung und/oder als kulturelle Praxis der Unter-
interaktiven Bereich sind sie jedoch nicht direkt scheidung. Diese drei Ebenen müssen nicht not-
gegen ein Geschlecht gerichtet, sondern eher ge- wendigerweise zusammenfallen. So sind z.B. Be-
gen bestimmte biographische Konstellationen: ge- rufe denkbar, in denen die Geschlechterdifferenz
gen Personen, deren berufliche Partizipation zwar ein wesentliches strukturelles Merkmal ist,
durch private Reproduktionsaufgaben begrenzt aber auf der Deutungs- und Handlungsebene eine
wird. Soziologisch gesehen müßte man in bezug nur geringe Rolle spielt.
auf die Relevanz vergeschlechtlichter Strukturen Die These einer Kontextualität der Geschlechter-
folglich weniger zwischen zwei Geschlechtskate- differenz erfordert ein Untersuchungsdesign, in
gorien als vielmehr zwischen verschiedenen fami- dem Berufskontexte systematisch variiert werden.
lialen Konstellationen unterscheiden. Angesichts Eine zentrale Vergleichsdimension ist das zahlen-
der vorherrschenden familialen Arbeitsteilung mäßige Verhältnis zwischen den Geschlechtern. In
sind es faktisch jedoch vor allem Frauen, die durch unserer Studie haben wir entsprechend drei Be-
die Normen des Berufssystems (und die Verfüg- rufsfelder untersucht, die sich nach ihrer Ge-
barkeitsanforderungen staatlicher Institutionen schlechterzusammensetzung unterscheiden: (1)
wie z.B. Schulen) benachteiligt werden. Während Informatik als Tätigkeitsfeld, in dem vorwiegend
die Familie für Männer eine parallel zum Beruf Männer arbeiten, (2) Krankenpflege als Beruf, in
verlaufende „Support-Institution" darstellt, er- dem vorwiegend Frauen tätig sind, (3) qualifizierte
schwert sie Frauen als quer zur Institution Arbeits- Sachbearbeitung in einer Versicherung als Tätig-
markt stehende „strukturlose Strukturierung" keitsfeld mit einer relativ gleichmäßigen Vertei-
(Krüger 1995b: 201) ihres Lebenslaufes ein in sich lung der Geschlechter. 20 Um Varianzen zu verrin-
konsistentes Partizipationsmuster in beiden Berei-
chen. 19 Die Studie wurde in der Schweiz durchgeführt und vom
Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Nationa-
len Forschungsprogrammes 35 „Frauen in Recht und Ge-
3. Ungleich unter Gleichen: Empirische sellschaft - Wege zur Gleichstellung" finanziert.
Ergebnisse 20 In der Informatik (Programmierer/Analytiker) bzw.
Krankenpflege liegt der Frauen- bzw. Männeranteil bei
Die oben dargestellten Überlegungen lassen sich rund 10% (Bundesamt für Statistik 1993). Informatik und
in drei Argumenten zusammenfassen, die die theo- Sachbearbeitung sind keine Ausbildungsberufe mit klar
retische Grundlage abgaben für die empirische umrissenen Grenzen, sondern relativ heterogene Tätig-
keits~elder. Die Wahl dieser Berufe erlaubt es, den berufs-
84 Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S. 75-93

gern, wurden Berufe ausgewählt, die hinsichtlich Situation in den Hintergrund treten lassen (Hir-
anderer Dimensionen vergleichbar sind: alle drei schauer 1994: 678). Geschlecht wird zwar als ko-
Berufe sind im Dienstleistungssektor und im mitt- gnitiver Ausgangspunkt einer Interaktion gesetzt -
leren Qualifikationsbereich angesiedelt. 21 als kulturelles „Superschema" (Ridgeway 1997:
Methodisch beruht die Untersuchung auf (teilneh- 220), das der schnellen und einfachen Klassifika-
mender) Beobachtung in drei Großbetrieben so- tion eines Gegenübers dient -, inwiefern es als
wie auf 44 berufsbiographischen Leitfaden-Inter- Orientierungsmuster konkrete Interaktionen
views.22 In jedem Berufsfeld fanden zwei Beobach- strukturiert, muß aber im Einzelfall durch die Re-
tungsphasen von je zwei bis vier Wochen in ver- konstruktion der Deutungen und Handlungen der
schiedenen Abteilungen - ausgewählt nach Ge- Teilnehmenden erschlossen werden.
schlechtszusammensetzung sowie Aufgabenberei-
chen - der jeweiligen Betriebe statt. Die offene 3.1 Gender management im
Beobachtung nach einem groben Leitfaden kon- gegengeschlechtlichen Beruf
zentrierte sich auf Interaktionen am Arbeitsplatz
und in den Pausen, auf die Arbeitsabläufe, dann Wie in Abschnitt 2 dargelegt, besteht das hand-
aber auch auf Symbolisierungen wie Kleidung,
lungspraktische Problem von Außenseiterinnen
Raumgestaltung u. ä. Sie bildete die Grundlage für und Außenseitern in einem atypischen Beruf in ei-
die Auswahl der Interviewpartner, die nach dem
nem heiklen Ausbalancieren von doing und un-
Prinzip des theoretical sampling von Barney Glaser doing gender. Die Geschlechtszugehörigkeit muß
und Anselm Strauss erfolgte (Strauss 1994). Beob-
je nach Situation und Kontext einer Interaktion
achtungsprotokolle und Interviewtranskripte wur- betont oder abgeschwächt, ohne je ganz zum Ver-
den entsprechend nach dem Konzept-Indikator- schwinden gebracht zu werden. Wir bezeichnen
Modell ausgewertet. Ausgewählte Interviewpassa-
diesen flexiblen Umgang mit der Geschlechtszuge-
gen wurden zusätzlich sequenzanalytisch interpre- hörigkeit in Anlehnung an Erving Goffman als
tiert. Die Forschungsfrage nach den Bedingungen
gender management. 23 Als interaktiver Prozeß, der
der Aufrechterhaltung der Geschlechterdifferenz für sein Gelingen auf die Unterstützung durch das
führt allerdings in einen unhintergehbaren Zirkel: soziale Umfeld angewiesen ist, stellt gender
um die Manifestationen und Wirkungsweisen der management andere Anforderungen an Frauen als
Geschlechterdifferenz zu untersuchen, müssen die
Geschlechter bereits unterschieden sein. Insofern
23 Wir knüpfen damit einerseits an sein Konzept des im-
es keine theorie- bzw. kulturfreie Beobachtung
pression managements an (Goffman 1959), andererseits an
gibt, entgeht auch die Forscherin der „dichotomen
seine Ausführungen zum Umgang mit einem Stigma
Optik" (Hagemann-White 1988: 229) der Alltags- (Goffman 1963). Goffman wurde oft vorgeworfen, seine
theorie der Zweigeschlechtlichkeit nicht. Die Auf- dramaturgische Perspektive zeichne Akteure nur als zyni-
merksamkeit richtet sich dann darauf, ob und wie sche Manipulatoren ihres sozialen Umfeldes ohne authen-
die Teilnehmerinnen die anfängliche Geschlechts- tisches Selbst hinter der äußeren Maske. Wie Hitzler
zuschreibung im Verlauf einer Interaktion aufgrei- (1992: 453) zeigt, steht der „Goffmensch" jedoch grund-
fen oder als „seen but unnoticed feature" der sätzlich vor der Aufgabe, ,,sich die Welt verständlich und
sich der Welt verstehbar (zu) machen" und muß deshalb
permanent Konstruktions- und Inszenierungsarbeit lei-
internen geschlechtsspezifischen Differenzierungen nach- sten. Die Anforderungen an die Selbstinszenierung sind
zugehen, die in makrosoziologischen Untersuchungen sicherlich kontextspezifisch, je nachdem, ob sich jemand
verdeckt bleiben. auf der „front stage" oder „back stage" einer sozialen Si-
21 Abgesehen von ihrem Geschlechterverhältnis unter- tuation befindet. Die Arbeiten von Kanter und anderen
scheiden sich die ausgewählten Berufsfelder noch nach ei- Autorinnen machen deutlich, daß sich geschlechtliche
ner Reihe weiterer Merkmale, z.B. hinsichtlich Arbeitsor- Außenseiterinnen und Außenseiter in atypischen Berufen
ganisation (teamförmig vs. indiV1äüalisiert), Professionali- quasi permanent auf der „front stage" bewegen und daher
sierungsgrad und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In zu einem oft durchaus bewußten und strategischen Um-
einer qualitativen Untersuchung ist es jedoch nicht mög- gang mit dem Stigma ihrer falschen Geschlechtszugehö-
lich, den Einfluß dieser Faktoren genau auseinanderzu- rigkeit gezwungen sind. In diesem Sinn halten wir Garfin-
halten. · kels Kritik, Goffman vernachlässige die emotionale Ver-
22 Zudtzlich wurden Experteninterviews mit Vertreterin- strickung der Akteure in ihre Inszenierung, und Ge-
nen und Vertretern von Berufsverbänden, Personalver- schlechtsdarstellung lasse sich nicht auf eine Reihe von
antwortlidten und Vorgesetzten durchgeführt sowie eine voneinander unabhängigen strategischen Episoden redu-
breite Palette von beruk· und betriebsspezifischen Doku- zieren (Garfinkel [1967]: 165ff.), nur bedingt für zutref-
n,enten ausgewertet. fend.
Bettina Heintz, Eva Nadai: Geschlecht und Kontext 85

an Männer, und es hat andere Effekte. Unsere Un- weiblichen Umfeld wie z.B. die Rauchpause oder
tersuchung zeigt, daß Männer, wenn sie beruflich den Stammtisch unter Männern. Männer sind zu-
in der Minderheit sind, in erster Linie vor der Auf- dem in gewissen Spezialgebieten, etwa in Anästhe-
gabe des doing gender stehen - sie müssen den Be- sie- und Operationspflege, deutlich übervertreten
weis erbringen, trotz falschem Beruf „richtige" (vgl. auch Williams 1989). 26
Männer zu sein-, während Frauen in der gleichen Für die Informatikerinnen gestaltet sich die Min-
Situation ein komplexes Wechselspiel zwischen derheitenposition vertrackter. Da Weiblichkeit
doing und undoing gender zu bewältigen haben. 24 und Beruflichkeit nach wie vor als Gegensätze
Obschon sie als berufliche Minderheit in gleichem wahrgenommen werden, insbesondere in einem
Maße sichtbar sind, stellt sich die damit verbunde- männerdominierten Beruf, sehen sie sich häufiger
ne Wahrnehmungsproblematik für Pfleger und In- und zwingender als männliche tokens der diffusen
formatikerinnen grundsätzlich anders dar. Von Anforderung gegenüber, das Stigma ihrer Ge-
den Pflegern wird die Geschlechterdifferenz ak- schlechtszugehörigkeit zu verbergen, wenn sie als
zentuiert und mit Unterstützung der Kranken- kompetente Berufsangehörige anerkannt werden
schwestern zu ihrem Vorteil gewendet. 25 Die Ab- wollen. Eine durchgängige Form des undoing gen-
grenzungsstrategie der Krankenpfleger hat zwei der ist die Neutralisierung des Aussehens: die In-
Stoßrichtungen: Idealisierung von Männlichkeit formatikerinnen - wie auch die Sachbearbeiterin-
und gleichzeitig Abwertung von Weiblichkeit, die nen - pflegen mit ihrer Kleidung und Aufmachung
für die negativen und zu überwindenden Seiten eine gewissermaßen gedämpfte Weiblichkeit (we-
des Berufs steht. Dies zeigt sich exemplarisch an nig Make Up und Schmuck, keine körperbetonte
dem von Pflegern und Schwestern gleichermaßen Kleidung wie z.B. enge, kurze Röcke). 27 Außer-
gepflegten Komplex männlicher Coolness, der für dem meiden viele Informatikerinnen (insbesonde-
ein neues Modell pflegerischer Professionalität re die weniger qualifizierten) den Kontakt zu Kol-
steht und Ausdruck einer aktiven und erfolgrei- leginnen, was weiter dazu beiträgt, die Zugehörig-
chen „Maskulinisierungspolitik" der Männer ist. keit zur Geschlechtskategorie „Frau" vergessen zu
Der moderne Modellkrankenpfleger hat sich vom machen. Für die Krankenpfleger wird dagegen die
weiblichen Tugendkatalog befreit und zeigt nun- Geschlechtszugehörigkeit nur gelegentlich zu ei-
mehr ein „männliches" Profil: er ist ruhig, sachlich, nem Problem - in Situationen, in denen intime
überlegt, behält in schwierigen Situationen die Körperbereiche zum „Arbeitsgegenstand" wer-
Übersicht, kann im Umgang mit Ärzten „von den. So sieht sich der männliche Pfleger beim Ka-
Mann zu Mann" (d. h. eben: von gleich zu gleich) theterisieren einer weiblichen Patientin genötigt,
verhandeln, bringt mit männlicher Autorität ver- sein „falsches" Geschlecht zu rechtfertigen:
wirrte oder aufsässige Patienten zur Räson und „Dann sage ich meistens, ich bin Krankenpfleger
dient dank seiner Körperkraft als „Abteilungs- wie eine Krankenschwester auch, männliche Kran-
kran" für schwere He bearbeiten. Gleichzeitig
schaffen sich die Pfleger „Männernischen" im 26 Innerhalb der Abteilungen gibt es jedoch keine Ar-
beitsteilung nach Geschlecht.
27 Da die Geschlechterforschung vor allem die Aktuali-
24 Da mit der Geschlechterdifferenz im Regelfall Un- sierung der Geschlechterdifferenz im Auge hat, wurde das
gleichheit verbunden ist, hat die Aufrechterhaltung bzw. doing gender sehr viel häufiger untersucht als die Neutra-
Abschwächung der Differenz für Frauen und Männer eine lisierung der Geschlechtszugehörigkeit: der Zwang zur
unterschiedliche Bedeutung. ,,Gender status beliefs" Betonung von Weiblichkeit mittels Kleidung und Make
(Ridgeway 1997) privilegieren die Männer, denen qua Ge- Up, dem Frauen in vielen (Frauen-)Berufen unterworfen
schlecht höhere berufliche Kompetenz zugeschrieben sind (z.B. Dellinger/Williams 1997; Williams 1989). Klei-
wird. Sie bestimmen zudem mit, nach welchen Referenz- der- und Schminkregelungen sind aber kontextgebunden:
standards Frauen und Männer urteilen und welche Grati- Frauen müssen bzw. dürfen nicht an jedem Arbeitsplatz
fikationen (z.B. Prestige, Lohn etc.) ihnen zustehen, wo- gängigen Idealen attraktiver Weiblichkeit entsprechen,
bei sich Frauen an anderen Frauen, Männer an Männern sondern müssen ihr Äußeres einerseits der berufsspezifi-
orientieren. Dies trägt ebenfalls zur Reproduktion von schen, auch für Männer geltenden Kleiderordnung, ande-
Ungleichheit bei. rerseits ihrer spezifischen Position im beruflichen und ge-
25 Dies scheint ein generelles Phänomen zu sein. Wäh- schlechtlichen Hierarchiegefüge anpassen. So haben wir
rend Frauen in Männerdomänen rasch an eine „glass ceil- z.B. beobachtet, daß ältere Sachbearbeiterinnen und
ing" stoßen, werden Männer in Frauenberufen nicht sel- Frauen in frauendominierten Abteilungen mit wenig Pre-
ten auf einem „glass escalator" (Williams 1992) nach oben stige - d. h. Frauen ohne Aufstiegsambitionen bzw. -chan-
befördert (vgl. auch Floge/Merrill 1986; WilliamsNille- cen - sich eine offensichtlichere Betonung von Weiblich-
mez 1993). keit leisten können.
86 Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S. 75-93

kenschwester so ein wenig, um zu zeigen, daß ich ge- den Zuschreibungen übernehmen. 29 Die höher
nau die gleiche Arbeit mache und daß das für mich qualüizierten Frauen, die in der Regel eine bessere
nichts Außergewöhnliches ist." In dieser Formulie- Ausbildung aufweisen als ihre männlichen Kolle-
rung - ,,Krankenpfleger wie eine Krankenschwe- gen, lassen sich nicht mehr so leicht in den Wider-
ster auch" -verbirgt sich die Vorstellung vom fal- spruch von Weiblichkeit und Beruflichkeit verwik-
schen Geschlecht: Das normale und damit zugleich keln. Anstatt sich den herrschenden Wertungen
das professionellere Geschlecht ist das weibliche. anzupassen, wird das Geschlechterproblem von ih-
Der Pfleger muß sich dezidiert auf die Berufsrolle nen explizit aufgegriffen und über den Aufbau von
berufen, um mögliche eigene oder fremde Zweifel Frauennetzwerken bzw. die Hinterfragung von Be-
an seinem Tun zu zerstreuen. Er muß seine Ge- rufsmythen30 in einen politischen Kontext gestellt.
schlechtszugehörigkeit punktuell negieren, um die Da ihre Professionalität über ihre Ausbildung ge- ·
professionelle Identität aufrechtzuerhalten. 28 sichert ist, können sie sich ein offensiveres weibli-
Bei den Informatikerinnen dagegen zeitigt diesel- ches Rollenverständnis leisten.
be Strategie - die pointierte Betonung der Ge-
schlechterdifferenz - negative Folgen. Der Rück- 3.2 „Wir sind doch rechte Neutren hier'' -
griff auf Geschlechterstereotypen als Mittel, sich Geschlechtsneutralität und ihre Grenzen
im atypischen Beruf eine Nische zu erobern oder
das Berufsbild umzudefinieren, führt die Informa- Während die Geschlechterdifferenz in den beiden
tikerinnen in berufliche Sackgassen mit wenig Pre-
geschlechtstypisierten Berufen ein zentrales Ord-
stige und Aufstiegschancen. Die besonderen, ge- nungsprinzip ist, ist sie im geschlechtsneutralen
schlechtsgebundenen Fähigkeiten, die sie für sich Feld kein relevantes Deutungs- und Handlungs-
selbst beanspruchen bzw. die ihnen zugeschrieben muster. Im Vergleich zur Krankenpflege und Infor-
werden (sprachliche Begabung und Geschick im matik ist die Sachbearbeitung geschlechtlich unbe-
Umgang mit Menschen) haben geringes Prestige
stimmt. Die ideale Arbeitskraft in diesem Berufs-
im Vergleich zu Technikverständnis, Logik und feld vereint in den Augen der Sachbearbeiterinnen
Abstraktionsvermögen, die männlich codiert sind. und Sachbearbeiter männlich konnotierte Ratio-
Zwar wird den Frauen nicht pauschal die Eignung nalität mit weiblichen kommunikativen Kompe-
für die Informatik abgesprochen, aber sie werden
tenzen und geschlechtsneutralen bürokratischen
mittels der „10%-Klausel" (Cockburn 1-988) an Tugenden: die Tätigkeit verlangt logisches Denk-
den Rand gedrängt: Frauen können durchaus
vermögen, gesunden Menschenverstand, ein gutes
kompetent in einem Männerberuf sein; es fehlt ih- Vorstellungsvermögen, Einfühlsamkeit, Freude
nen aber immer das entscheidende Quentchen zur
am Umgang mit Menschen, taktisches Vorgehen,
wirklich erfolgreichen Berufsausübung. ,, Ein guter gutes Ausdrucksvermögen sowie selbständiges,
Informatiker hat ein sehr gutes Abstraktionsvermö-
termingerechtes und exaktes Arbeiten. Entspre-
gen, der kann ein Problem vollkommen abstrahie-
chend wird der Beruf weder von Frauen noch von
ren", skizziert einer der befragten Männer das An-
Männern als ihrem Geschlecht besonders entspre-
forderungsprofil eines kompetenten Informati- chend reklamiert. 31 Geschlechtsneutralität ist als
kers. ,,Nach meiner Erfahrung abstrahieren die
Frauen anders als Mltnner. Einfach weil sie viel um-
fassender, viel globaler denken, und bei diesem 29 Diese unbewußte Komplizenschaft bei der Aufrechter-
Denken können sie vielleicht weniger etwas ganz haltung der Geschlechterhierarchie ist ein gutes Beispiel
Banales einfach abstrahieren. " für Bourdieus Konzept der symbolischen Gewalt. Zur
Anwendung dieses Konzepts auf das Geschlechterver-
Es sind vor allem die weniger qualifizierten Infor- hältnis vgl. Bourdieu 1997 sowie Krais 1993.
matikerinnen, die derartige geschlechtstypisieren- 30 Indem z.B. die Unterscheidung zwischen Software als
,,weichem", für Frauen geeignetem Arbeitsfeld und Hard-
ware als „harter", techniknäherer Männerarbeit als unzu-
28 Zwar ist die vergleichbare Situation für die Kranken- treffend entlarvt wird.
schwester ebenfalls potentiell krisenhaft. Die Schwester 31 Auf subtile Weise ist die Geschlechtsneutralität aller-
muß aber die Beruflichkeit ihres Handelns nicht jedesmal dings auch hier androzentrisch gefärbt. Dokumente wie
selbst herstellen. Dies wird durch das berufshistorisch ab- Standardbriefe, Verträge etc. sind durchgängig in männli-
gestützte Kontextwissen der Beteiligten geleistet: Man cher Form gehalten; auch die Frauen zeichnen mit „der
weiß, daß die Person, die an diesem Ort (dem Kranken- Sachbearbeiter". Mit diesen männlichen Formulierungen
haus) dielen Alr.t durchführt, ,,immer" eine Frau ist, und wird die Sachbearbeitung trotz entkörperlichter Kommu-
gleidlzeitig zeigt ihre Uniform an, daß sie dazu beruflich nikationsformen (Briefe, Computermemos) symbolisch
legitimiert ist. maskulinisiert.
Bettina Heintz, Eva Nadai: Geschlecht und Kontext 87

Deutungsmuster so stark verankert, daß die beob- leicht rückholbar. Zudem findet eine Auslagerung
achtbare horizontale und vertikale Segregation ins Privatleben statt. Sehr viel prononcierter als
des Büros nicht wahrgenommen oder gar geleug- die Beschäftigten in der Krankenpflege und der
net wird. In der untersuchten Versicherung arbei- Informatik vertreten die Sachbearbeiterinnen und
tet nur gut ein Viertel des fachtechnischen Perso- Sachbearbeiter ein traditionelles Familienbild, das
nals in zahlenmäßig geschlechtsintegrierten Abtei- dem Mann die Berufssphäre zuweist, der Frau die
lungen; die ·ungleiche Verteilung wird aber von Familie. 32
dem meisten als Zufallsergebnis betrachtet. ,, Wir • Temporalisierung: Die Neutralität der Sachbe-
sind doch rechte Neutren hier", faßt ein Sachbear- arbeitung kann drittens deshalb bestehen, weil die-
beiter die gängige Sicht zusammen. Welche Fakto- ses Feld für die Männer (mindestens subjektiv)
ren ermöglichen diese vordergründige Neutrali- nur eine Durchgangsstation in ihrer beruflichen
tät? Laufbahn ist, während es für Frauen oft eine End-
• Kulturelle Offenheit: Ein wesentlicher Grund station bedeutet. Die vordergründige geschlechtli-
liegt darin, daß das Tätigkeitsfeld emotional kaum che Unbestimmtheit beruht m.a.W. auf einer ho-
besetzt ist. Sachbearbeitung ist ein Beruf ohne Ei- hen individuellen Mobilität der Männer. Sachbear-
genschaften oder besser, eigentlich gar kein Beruf, beitung wird von ihnen als Etappe auf dem Weg in
sondern nur ein betriebsspezifisch ausdifferenzier- den höher dotierten und prestigehaltigeren Au-
tes Feld im kaufmännisch-administrativen Be- ßendienst oder eine Führungsposition betrachtet,
reich. Das Feld ist primär negativ definiert durch während sie für Frauen im Vergleich zum Sekreta-
all das, was eindeutig nicht Sachbearbeitung ist: riat oder unqualifizierter Routinearbeit bereits ei-
nicht Sekretariat, nicht eine Führungsposition, nen kleinen Aufstieg bedeutet. Die männlichen
nicht dem Außendienst zugehörig. Dieses Undefi- Sachbearbeiter haben keine Interessen zu verteidi-
nierte, Offene zeigt sich auch bei der Berufswahl, gen - im Gegenteil: die relativ günstigen Mobili-
die meist im Ausschlußverfahren verläuft: man tätschancen im kaufmännischen Bereich gingen hi-
wird kaufmännische/r Angestellte/r, weil man sich storisch und gehen auch heute noch darauf zurück,
sonst zu keiner Tätigkeit besonders „berufen" daß ein Reservoir an Frauen vorhanden ist, das
fühlt. Das impliziert auch, daß es für diesen Beruf von vornherein außer Konkurrenz steht (vgl.
keine spezifischen Eignungen und Interessen Baethge/Oberbeck 1986; Crompton/Jones 1984).
braucht (wie z.B. für Krankenpflege oder Infor- Diese Temporalisierung der Geschlechtsneutrali-
matik) - die Tätigkeit setzt kein spezifisches Ar- tät trägt zusammen mit der Verlagerung der Ge-
beitsvermögen voraus und kann gerade deshalb schlechterdifferenz dazu bei, das Problem der be-
geschlechtlich offen bleiben. drohten männlichen Geschlechtsidentität zu ent-
• Verlagerung: Die Neutralisierung der Sachbear- schärfen, das sich für die Männer in der Kranken-
beitung wird zweitens durch eine Verlagerung er- pflege sehr viel stärker stellt (vgl. auch Williams
möglicht. Während die Geschlechterdifferenz in 1989). Der eindeutig männliche Außendienstler
der Sachbearbeitung selbst in den Hintergrund oder Chef steht dem männlichen Sachbearbeiter
tritt, wird sie an den Grenzen zu benachbarten Fel- als eigene Zukunft vor Augen. Dies erlaubt ihm,
dern um so mehr reaktiviert. Dies betrifft einer- seine gegenwärtige berufliche Position als notwen-
seits das Sekretariat, das eindeutig weiblich kon- dige Karrierephase zu betrachten - deshalb ist er
notiert ist, andererseits Außendienst und Füh- nicht unmännlich, obwohl er dieselbe Arbeit lei-
rungspositionen, die als männliche Domänen gel- stet wie Frauen.
ten. Im Außendienst tummeln sich „ Versiche- • Strukturelle Kanalisierung: Eine aktive Markie-
rungshengste" ,,an der Front", die in aggressivem rung der Differenz muß in der Sachbearbeitung
Kräftemessen mit potentiellen Kunden bestehen schließlich deshalb nicht stattfinden, weil die Ge-
müssen (vgl. ähnlich bei Collinson et al. 1990; schlechter bereits durch eine unsichtbare Grenzli-
Leidner 1991). Diese Aggressivität und Härte wird
Frauen qua Geschlechtsnatur abgesprochen. Bei
32 Wharton/Baron (1987) haben in einer vergleichenden
Führungspositionen ist das Rechtfertigungsmuster
Studie zur Arbeitszufriedenheit von Frauen und Männern
ein anderes: Führungskräfte müssen geographisch
in unterschiedlich segregierten Berufsfeldern festgestellt,
mobil und zeitlich sehr flexibel sein, und dazu daß die Unzufriedenheit bei Männern, die in einem inte-
braucht es ein langfristiges, ununterbrochenes En- grierten Beruf arbeiten und mit einer berufstätigen Frau
gagement über den Normalarbeitstag hinaus. D.h. verheiratet sind, am größten war, d. h. bei Männern, die
die Differenz wird in der Sachbearbeitung zwar gleichzeitig von einer Erodierung der Differenz im Beruf
verschoben, bleibt abec in der Nähe und damit wie im Privatleben betroffen sind.
88 Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S. 75-93

nie getrennt sind. Strukturelle Barrieren setzen ei- vielen Fällen situationsspezifisch gebrochen und
nen schleichenden Segregationsprozeß in Gang, durch Kontextfaktoren mediatisiert. Für die These
bis die ursprünglich am gleichen Ausgangspunkt einer „kontextuellen Kontingenz" der Geschlech-
(d. h. mit der gleichen Ausbildung) gestarteten terdifferenz sprechen vor allem zwei Gründe. (1)
Frauen und Männer sich in getrennten Feldern Im Zuge der zunehmenden Inklusion der Frauen
wiederfinden. Es sind vor allem drei Hürden auf ist es zu einer De-Institutionalisierung des Ge-
dem Weg nach oben, die für viele Frauen schwer schlechterverhältnisses gekommen. De-Institutio-
zu überspringen sind: (1) die Norm der kontinuier- nalisierung bedeutet nicht Irrelevanz der Ge-
lichen Vollzeitarbeit, die durch den Zwang zu zeit- schlechterdifferenz, sondern verweist zunächst nur
intensiven Weiterbildungen verschärft wird, (2) auf eine Verschiebung ihrer Reproduktionsmecha-.
der Ausschluß aus informellen Netzwerken und nismen (vgl. Abschnitt 1). Anstatt die Geschlech-
Förderbeziehungen, und (3) die im Außendienst ter über formale Zulassungskriterien voneinander
unabdingbare geographische Mobilität und zeitli- zu separieren, muß die geschlechtliche Differen-
che Flexibilität. Diese androzentrischen Struktu- zierung heute vermehrt aktiv hergestellt und sym-
ren werden jedoch nicht als solche wahrgenom- bolisch bekräftigt bzw. über indirekte und auf den
men. Die vertikale Segregation wird vielmehr dar- ersten Blick geschlechtsneutrale Regelungen her-
auf zurückgeführt, daß „Frauen nicht Karriere ma- gestellt werden. Damit wird die Aufrechterhaltung
chen wollen", und dies wiederum wird mit ihrer der Geschlechterdifferenz in zunehmendem Maße
,,Familienorientierung" begründet. 33 Die „Fami- von kontextspezifischen Bedingungen abhängig.
lienorientierung" erscheint als außerberufliche (2) Im Zuge des gesellschaftlichen Individualisie-
Größe, die vom Betrieb zwar zur Kenntnisgenom- rungsprozesses haben sich die möglichen Lebens-
men, aber nicht beeinflußt werden kann. Faktisch wege und Lebenslagen von Frauen vervielfältigt
sind bestehende oder antizipierte Familienpflich- und teilweise denen der Männer angeglichen. Dies
ten jedoch der Angelpunkt für die Kanalisierung hat zur Folge, daß die Bedeutung der Geschlech-
der Angestellten in Aufstiegspfade oder Sackgas- terdifferenz je nach Lebensphase und Lebenslage
sen. Die Geschlechterdifferenz, die auf der Deu- variiert. Technisch gesprochen: Sobald Variablen
tungs- und Handlungsebene in den Hintergrund wie Bildung, Alter, Erwerbstätigkeit etc. kontrol-
tritt, wird so gewissermaßen „hinter dem Rücken liert werden, erweist sich die Geschlechtszugehö-
der Beteiligten" und scheinbar aufgrund berufsex- rigkeit nicht in jedem Fall mehr als erklärungsrele-
terner Faktoren wiederhergestellt. 34 vant. Entsprechend stellt sich die Frage, unter wel-
chen Bedingungen - in welchen Kontexten - Ge-
schlecht nach wie vor ein relevanter Faktor ist und
4. Geschlechterdifferenz und Kontext wo sich die Unterschiede abbauen. Die Geschlech-
terdifferenz kann sich dabei auf verschiedenen
Den Klassikern der Soziologie präsentierte sich Ebenen manifestieren, die nicht notwendigerweise
die Geschlechterdifferenz noch als ein relativ ein- zusammenfallen müssen. Es ist durchaus möglich,
faches Ordnungsprinzip. In der Zwischenzeit hat daß das Geschlecht ein wichtiges Strukturelement
sich die Situation kompliziert. Heute ist die Ge- ist, aber auf symbolischer Ebene eine nur geringe
schlechterdifferenz kein durchgehendes Ord- Rolle spielt. Die Sachbearbeitung war dafür ein
nungsprinzip mehr, sondern in ihrer Bedeutung in Beispiel.
Wie das Beispiel des Arbeitsmarktes zeigt, ist die
33 Im untersuchten Betrieb werden Frauen konsequent zunehmende Inklusion der Frauen (Erwerbstätig-
nach Zivilstand sortiert, indem auf Türschildern, in Brie- keit, Angleichung der Bildungschancen) nicht mit
fen und in der Anrede „Frau" oder „Fräulein" unterschie- einem entsprechenden Abbau der geschlechtli-
den werden. Damit wird ein beruflich scheinbar irrelevan- chen Differenzierung einhergegangen: der Ar-
tes Merkmal zursymbolischen Markierung der Differenz beitsmarkt ist nach wie vor in Männer- und Frau-
verwendet, und der Beruf selbst bleibt „neutral". enberufe unterteilt, und auch dort, wo die beiden
34 In der Sachbearbeitung herrscht ein starker Glaube an
Geschlechter im Prinzip die gleiche Arbeit ver-
das meritokratische Prinzip: Beruflicher Erfolg oder Miß-
erfolg werden auf subjektive Präferenzen und individuelle
richten, werden in vielen Fällen informelle Gren-
Leistung zurUckgeftthrt. Vertikale geschlechtsspezifische zen aufgezogen. In der Segregationsforschung be-
Segtegation wird vor diesem Hintergrund nicht als Aus- steht die Tendenz, die berufliche Differenzierung
druck strukturell bedingter ungleicher Chancen gewertet, mit den Machterhaltungsinteressen der Männer zu
sondern als Folge unterschiedlicher beruflicher Ziele von erklären: ,,Men resist allowing women and men to
Frauen und Männern. work together as equals because doing so under-
Bettina Heintz, Eva Nadai: Geschlecht und Kontext 89

mines differentiation and hence male dominance" tung beitragen. Dagegen führt der Balanceakt von
(Reskin 1988: 65; vgl. ähnlich auch Maruani 1997). doing und undoing gender, zu dem sich die Infor-
Diese Interpretation ist jedoch in zweifacher Hin- matikerinnen zwecks beruflicher Integration ge-
sicht problematisch. Zum einen ist sie struktur- zwungen sehen, geradewegs in die von Rosabeth
blind, indem sie ausschließlich auf der Akteurebe- Kanter beschriebenen Handlungsparadoxien.
ne argumentiert und dabei unterstellt, daß Männer (2) Die von uns untersuchten Berufsfelder unter-
ein Kollektivsubjekt mit homogener Interessenla- scheiden sich danach, in welchem Ausmaß die Ge-
ge bilden. Die Bedeutung struktureller Effekte schlechterdifferenz betont wird und auf welcher
(Wharton 1991), die Wirkung von symbolischen Ebene sie sich manifestiert. In der Krankenpflege
Herrschaftsverhältnissen (Bourdieu 1997) und ist das Geschlecht ein zentrales Deutungs- und
nicht-intentionale interaktive Effekte (Ridgeway Handlungsmuster, während auf der strukturellen
1997) werden dabei systematisch übersehen.35 Ebene nur wenig Unterschiede bestehen (geringe
Zum anderen verstellt die Dominanzthese den informelle Arbeitsteilung, keine Lohndifferenzen,
Blick auf die Kontextualität der Geschlechterdif- flexible Teilzeitregelungen etc.). In der Sachbear-
ferenz. Es ist deshalb besonders aufschlußreich, beitung ist es gerade umgekehrt: während die Ge-
jene Fälle zu untersuchen, in denen der Geschlech- schlechterdifferenz auf der symbolischen Ebene
terdifferenz eine vergleichsweise geringe Bedeu- kaum eine Rolle spielt, ist sie auf der strukturellen
tung zukommt. Wie die Ergebnisse unserer Studie Ebene durchaus präsent. Da angesichts des Deu-
zeigen, ist die geschlechtliche Differenzierung an tungsmusters der Geschlechtsneutralität - gekop-
spezifische Bedingungen gebunden. Die Ge- pelt mit dem Glauben an das meritokratische Prin-
schlechterdifferenz ist zwar in allen drei Berufsfel- zip - keine Kategorien zur Verfügung stehen,
dern präsent, ihre Aktualisierung ist aber erstens strukturelle Kanalisierungsprozesse zu erkennen
geschlechtsabhängig und sie manifestiert sich und zu benennen, sind diese vermutlich besonders
zweitens nicht in allen Berufsfeldern in gleichem persistent. In der Informatik ist die Betonung der
Maße bzw. auf der gleichen Ebene. Geschlechterdifferenz am ausgeprägtesten: sie
(1) Weder die Aktualisierung noch die Neutrali- manifestiert sich auf allen Ebenen.
sierung der Differenz sind geschlechtsneutrale In den von uns untersuchten Berufsfeldern leisten
Prozesse. In den beiden geschlechtstypisierten Be- Frauen und Männer im Prinzip die gleiche Arbeit,
rufen neigen die von uns untersuchten Männer die Berufsfelder selbst unterscheiden sich jedoch
dazu, die Geschlechterdifferenz zu betonen, unab- nach ihrer geschlechtlichen Zusammensetzung.
hängig davon, ob sie in der Minderheit (Kranken- Ein paritätisches Geschlechterverhältnis führt of-
pfleger) oder in der Mehrheit (Informatiker) sind. fenbar dazu, daß symbolische Distinktionen an
Den Krankenpflegern verschafft paradoxerweise Bedeutung verlieren. Dies impliziert allerdings
gerade die Stilisierung von Männlichkeit Anerken- nicht zwangsläufig Angleichung auch auf struktu-
nung im Frauenberuf; für die Informatiker wird reller Ebene (Bsp. Sachbearbeitung).36 Eine asym-
das Geschlecht zum Ansatzpunkt für eine Politik metrische Geschlechterzusammensetzung geht da-
,,sozialer Schließung" (Parkin 1983). Die Kran- gegen mit einer vergleichsweise starken Betonung
kenschwestern unterstützen die Differenzpolitik der symbolischen Distinktion einher. Um beurtei-
der Krankenpfleger in der Hoffnung, eine Masku- len zu können, welche Kontextmerkmale für diese
linisierung des Berufs werde zu dessen Aufwer-
36 Eine geläufige These der Geschlechterforschung be-
35 Dazu kommt, daß die Formierung eines kollektiven sagt, daß Differenzsetzung eine notwendige Vorausset-
Akteurs ein höchst voraussetzungsvoller Prozeß ist, der zung für geschlechtsspezifische Ungleichheit sei, oder, wie
gleichzeitig die Herausbildung einer kollektiven Identität, es zugespitzt bei Angelika Wetterer heißt: ,,Hierarchie
die Formulierung kognitiver Rahmen zur Identifizierung und Differenz sind .. . gleichursprünglich." (Wetterer
eines Problems bzw. eines Handlungsbedarfs und die Mo- 1995: 228). Wenn im Umkehrschluß zum „dekonstruktivi-
bilisierung organisationeller Ressourcen erfordert (vgl. als stischen Guerrillakrieg" (Wetterer 1995: 240), zur parodi-
Überblick Neidhardt/Rucht 1993). Bei der Durchsetzung stischen Unterlaufung (Butler 1991) oder zur Ersetzung
männlicher bzw. der Marginalisierung weiblicher Interes- der Zweigeschlechtlichkeit durch 87 Geschlechter
sen auf dem Arbeitsmarkt spielen Gewerkschaften und (Teubner 1993) aufgerufen wird, um mit der Differenz
Berufsverbände eine zentrale Rolle - dies jedoch als Re- gleich auch die Hierarchie auszuhebeln, scheint uns das
sultat komplexer Interaktionseffekte zwischen den Klas- etwas strukturblind zu sein. Ganz abgesehen davon zeigen
seninteressen unterschiedlicher Männergruppen und den die Beispiele von Klassen und ethnischen Differenzierun-
Geschlechtsinteressen der Männer als Männer (Acker gen, daß Ungleichheit nicht notwendigerweise auf dicho-
1989; Cockbum 1988; Walby 1986). tomen Klassifikationen beruhen muß.
90 Zeitschrift für Soziologie, Jg. 27, Heft 2, April 1998, S. 75-93

Variationen verantwortlich sind, wären Studien er- portunities in Switzerland. Schweizerische Zeitschrift
forderlich, in denen verschiedene Berufskontexte für Soziologie 20: 595-620
systematisch variiert und miteinander verglichen Chow, E. N.-L./Wilkinson, D./Baca Zinn, M., (Hrsg.)
werden. In unserer Untersuchung war es nicht 1996: Race, Class, and Gender. Common Bonds, Diffe-
möglich, die verschiedenen Einflußfaktoren von- rent Voices. London: Sage
einander zu isolieren. Dazu sind breiter verglei- Cockburn, C., 1988: Die Herrschaftsmaschine. Geschlech-
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Hamburg: Argument
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