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Entwicklungspsychologie über

die Lebensspanne

Univ. Prof.in Dr.in Barbara Gasteiger Klicpera


Arbeitsbereich Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie
Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft
Themen I
02.10. Einführung in die Entwicklungspsychologie

09.10. Methoden, pränatale Entwicklung

16.10. Geburt und Säuglingsalter

23.10. Kleinkindalter, Attachment

30.10. Vorschulalter: kognitive Entwicklung

06.11. Vorschulalter: soziale und emotionale Entwicklung

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Entwicklungspsychologie
Themen II
13.11. Schulalter: Kognitive Entwicklung

20.11. Schulalter: Entwicklung von Gedächtnis und Metakognition

27.11. Schulalter: Schulalter: Soziale und emotionale Entwicklung

Schulalter: Moralische Entwicklung nach Kohlberg


04.12.
Geschlechtsunterschiede nach Gilligan

11.12. Jugendalter: Kognitive Entwicklung

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Entwicklungspsychologie
Themen III
08.01. Jugendalter: soziale und emotionale Entwicklung

15.01. Junges Erwachsenenalter

22.01. Mittleres Erwachsenenalter

29.01. Hohes Erwachsenenalter

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Entwicklungspsychologie
Unterlagen

• Moodle-Plattform

• Grundlagenliteratur:
• Rossmann, P. (2012). Einführung in die
Entwicklungspsychologie des Kindes- und
Jugendalters (2. überarb. Aufl.). Bern: Huber.
oder
• Rossmann, P. (2016). Einführung in die
Entwicklungspsychologie des Kindes- und
Jugendalters (3. unveränderte Aufl.). Göttingen:
Hogrefe.
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Entwicklungspsychologie
Weiterführende Literatur

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Entwicklungspsychologie
Weiterführende Literatur (englisch)

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Entwicklungspsychologie
Ziele der Lehrveranstaltung

• Sich mit Theorien über die Entwicklung von


Kindern auseinandersetzen

• Kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der


Kindheit, des Jugend-, sowie des
Erwachsenenalters kennen lernen

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Entwicklungspsychologie
Prüfung
• Prüfung über den gesamten Vorlesungsstoff,
schriftlich, multiple choice
• Termin 1: 12.02.2019
• Termin 2: 26.02.2019
• 60% richtige Lösungen, um eine positive Note zu
erhalten
• Zeit und Ort siehe UniGraz online
• Weitere Termine siehe UniGraz online

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Entwicklungspsychologie
Meine Wunschliste

Dies ist eine Vorlesung. Sie sind nicht verpflichtet,


hier zu sein. Sollten Sie sich für den Besuch
entscheiden, bitte sich beteiligen und nicht die
anderen stören.
• Pünktlichkeit
• Ruhe, Besprechungen bitte draußen
• Aktive Mitarbeit
• Handys???
• Raum sauber hinterlassen
• Anfragen bitte nach der Vorlesung
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Fragen?

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Entwicklungspsychologie
Entwicklungspsychologie und
Ziele entwicklungspsychologischer
Forschung

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Entwicklungspsychologie
Entwicklung

= Zusammenspiel von Anlage und Umwelt

• Anlage: biologische Grundausstattung


• Umwelt: materielle und soziale Umgebungen

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Entwicklungspsychologie
Entwicklungspsychologie

• = ein Teilgebiet der wissenschaftlichen Psychologie

• beschäftigt sich mit Verhalten und Erleben unter


dem Aspekt seiner Veränderung über die Zeit
(Entwicklungsprozesse)

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Entwicklungspsychologie
Überlegung

Was sind Entwicklungsprozesse?

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Entwicklungspsychologie
Entwicklungsprozesse sind…

…sämtliche ontogenetischen Veränderungen, die


relativ überdauernd (langfristig) sind, eine irgendwie
geartete Ordnung und einen inneren Zusammenhang
aufweisen und mit dem Lebensalter (Zeitkontinuum)
in einer mehr oder weniger engen Beziehung stehen
(Trautner, 1992).

• Ontogenese: Entwicklung eines einzelnen Lebewesens


• Phylogenese: stammesgeschichtliche Entwicklung einer
ganzen biologischen Art
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Entwicklungspsychologie
Aspekte von Entwicklungsprozessen I

• Wachstum - Quantitative Aspekte des


Entwicklungsgeschehens

• Reifung - Entfaltung von genetisch festgelegten


Strukturen und Funktionen

• Differenzierung - Prozesse der fortschreitenden


Verfeinerung, Spezialisierung und Strukturierung
von Funktionen und Verhaltensweisen

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Entwicklungspsychologie
Aspekte von Entwicklungsprozessen II

• Lernen - Verhaltensänderungen oder Änderungen im


Verhaltenspotential auf Grund von Erfahrung, Übung
oder Beobachtung

• Prägung - Irreversible Spezialisierung eines


Auslöseschemas für Instinkthandlungen innerhalb einer
„kritischen Phase“ (aus der Ethologie)
• Ethologie: vergleichende Verhaltensforschung
• kritische Phasen - sensible Perioden

• Sozialisation - Einfluss soziokultureller Faktoren auf die


Entwicklung im Sinne des Hineinwachsens in eine
Gesellschaft
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Entwicklungspsychologie
Ziele entwicklungspsychologischer Forschung

• Orientierung über den menschlichen Lebenslauf


• Beschreibung der typischen Entwicklung und der
typischen Probleme in bestimmten
Lebensabschnitten
• Erstellung von Entwicklungsnormen
• Kennenlernen der Auswirkungen verschiedener
Entwicklungsbedingungen
• Vorhersage ihrer Wirkungen
• Erkennen atypischer Entwicklungsverläufe
• Planung, Durchführung und Evaluation von
Interventionen
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Entwicklungspsychologie
Methoden der
Entwicklungspsychologie

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Entwicklungspsychologie
Methoden der Entwicklungspsychologie

• Entwicklungspsychologie ist eine empirische


Wissenschaft = Erfahrungswissenschaft
• Theorien, Hypothesen…
• werden durch Erfahrung gewonnen
• sind anhand von empirischen Daten
intersubjektiv überprüfbar

• Erkenntnisgewinn, orientiert sich an folgenden


Prinzipien: Wiederholbarkeit, Überprüfbarkeit,
Intersubjektivität

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Entwicklungspsychologie
Murmelgruppe

• Überlegen Sie mit Ihrem Sitznachbarn/ mit Ihrer


Sitznachbarin, welche empirischen Studien Sie aus
der Psychologie oder Erziehungswissenschaft
kennen?

• Welche Methoden wurden verwendet?

• Welche Erkenntnisse wurden gewonnen?

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Entwicklungspsychologie
Methoden der Entwicklungspsychologie

• Forschungsmethoden orientieren sich an


naturwissenschaftlichen Standards.

• Gegenstand: motorische, kognitive, verbale,


nonverbale, physiologische Aspekte des
menschlichen Erleben und Verhaltens

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Entwicklungspsychologie
Arten der Datengewinnung

• 1. Systematische Beobachtung
• Zu erfassende Kategorien müssen möglichst
exakt definiert werden
• Quantitative Erfassung, also im Sinne von Zählen
und Messen
• Gefahr: Beurteilungs- und Beobachtungsfehler =
Versuchsleitereffekte

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Entwicklungspsychologie
Arten der Datengewinnung

• 2. Befragung mittels Interview


• Datengewinnung durch soziale Interaktion =
Befragung mit Hilfe von Interviewtechniken
• Aber: Hier werden Aussagen der Probanden
über ihr eigenes Verhalten erfasst, nicht das
Verhalten selbst!
• Gefahr: Soziale Erwünschtheit bestimmt die
Antworten der Probanden

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Entwicklungspsychologie
Arten der Datengewinnung

• 3. Fragebogen und Tests


• sind maximal standardisierte Erhebungs- und
Auswertungssituationen.
• Ergebnisse können mit Normdaten verglichen
werden und erlauben eine Einstufung in
Rangfolgen, z.B. Intelligenztests
• Selbstbeurteilungsbögen,
• Fremdbeurteilungsbögen = Peer-Nomination-
Technik

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Entwicklungspsychologie
Arten der Datengewinnung

• 4. Messung physiologischer Variablen


• z.B. Körpergröße, Gewicht, Blutdruck
• Schwierigkeit: Es ist oft kein eindeutiger
Zusammenhang zwischen physiologischen und
psychologischen Daten herzustellen

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Entwicklungspsychologie
Kontrolle über die Beobachtungssituation

• 1. Fallberichte (geringe bis keine Kontrolle)

• Beobachtungen eines Einzelfalles oder mehrerer


ähnlich gelagerter Fälle dienen zur
Hypothesenerstellung.

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Entwicklungspsychologie
Kontrolle über die Beobachtungssituation

• 2. Erhebungen, korrelative Studien (teilweise


Kontrolle)
• Überprüfung der Hypothesen durch genau
geplante Datenerhebung in repräsentativen
Stichproben.
• Dabei lässt sich in korrelativen Studien nur die
Stärke des Zusammenhangs prüfen, nicht seine
Richtung (= den Ursache-Wirkungs-
Zusammenhang).

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Entwicklungspsychologie
Kontrolle über die Beobachtungssituation

• 3. Experimente (starke Kontrolle)


• Datenerhebung unter Bedingungen, die vom
Versuchsleiter weitgehend kontrolliert und
gezielt variiert werden können (unabhängige –
abhängige Variable).
• Dient zur Abklärung des Ursache-Wirkungs-
Zusammenhangs = kausaler Zusammenhang.
• Grenzen: Viele unabhängige Variable können
oder dürfen aufgrund ethischer Überlegungen
nicht variiert werden.
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Entwicklungspsychologie
Abbildung von Alterseffekten

• 1. Querschnittstudien
• Datenerhebung an mehreren Altersgruppen von
Probanden zum gleichen Messzeitpunkt.

• Beispiel: Gleichzeitige Erhebung der


Körpergröße von Jugendlichen an einer Gruppe
14-jähriger, 15-jähriger, 16-jähriger und 17-
jähriger.

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Entwicklungspsychologie
Abbildung von Alterseffekten

• 2. Längsschnittstudien
• Datenerhebung in einer Stichprobe über
mehrere Zeitpunkt hinweg.
• Beispiel: Erhebung der Körpergröße von
Jugendlichen an einer Gruppe 14-jähriger,
nachfolgend weitere Erhebungen in der gleichen
Stichprobe in jährlichen Abständen.
• Schwierigkeit: lange Dauer; Verringerung der
Stichprobe aus verschiedensten Gründen;
Repräsentativität (Übertragbarkeit der
Ergebnisse) für andere Stichproben ist unsicher

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Entwicklungspsychologie
Abbildung von Alterseffekten

• 3. Sequentielle Studien
• Beispiel: Erhebung zur Altersabhängigkeit von
Freizeitinteressen
• Querschnittstudie: in Fünfjahresschritten
werden 15- bis 75-jährige befragt.
• Abbildung altersspezifischer Unterschiede
• Aber auch Miterfassung von
Generationenunterschieden, die nicht von
altersbedingten Unterschieden getrennt
werden können = Konfundierung
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Entwicklungspsychologie
3. Sequentielle Studien

• Längsschnittstudie: Personen des


Geburtsjahrganges 1920 werden über 70 Jahre
hinweg regelmäßig befragt.
• Erfassung der Entwicklung der Freizeitinteressen in
dieser Generation.
• Aber: Ergebnisse lassen sich nicht auf andere
Generationen übertragen, z.B. den Geburtsjahrgang
1970

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Entwicklungspsychologie
3. Sequentielle Studien

• Sequentielle Studie: Mehrere zeitversetzt parallel


laufende Längsschnittuntersuchungen

• Schwierigkeit: Sind oft nicht in der Lebenszeit eines


Forschers durchführbar – Zusammenarbeit über
mehrere Forschergenerationen nötig. Deshalb gibt
es in der Entwicklungspsychologie nur wenige groß
angelegte sequentielle Studien

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Entwicklungspsychologie
Beispiel

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Entwicklungspsychologie
Lernfragen
1. Welche Arten der Datengewinnung werden
unterschieden?
2. Welche Methoden kann man nach dem Ausmaß
der Kontrolle über die Beobachtungssituation
unterscheiden?
3. Welcher Unterschied besteht zwischen
Längsschnitt- und Querschnittstudien?
4. Welche Vor- und Nachteile haben beide?
5. Was sind sequentielle Studien und welche
Probleme sind damit verbunden?

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Entwicklungspsychologie
Zusammenfassung

• Entwicklung (Anlage, Umwelt)


• Entwicklungsprozesse (Wachstum, Reifung, Differenzierung, Lernen,
Prägung, Sozialisation)

• Methoden der Entwicklungspsychologie (Empirisch;


Wiederholbarkeit, Überprüfbarkeit, Intersubjektivität)

• Arten der Datengewinnung (systematische Beobachtung, Interview,


Fragebogen und Tests, Messung physiologischer Variablen)

• Kontrolle über die Beobachtungssituation (Fallberichte,


Erhebungen/korrelative Studien, Experimente)

• Abbildung von Alterseffekten (Querschnittstudien,


Längsschnittstudien, Sequentielle Studien)

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Entwicklungspsychologie
Danke für Ihre Aufmerksamkeit

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Entwicklungspsychologie