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Vorschulalter: Soziale und emotionale

Entwicklung
Grundlagen der Entwicklungspsychologie V

Univ. Prof.in Dr.in Barbara Gasteiger Klicpera


Arbeitsbereich Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie
Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft
Wiederholung der letzten Einheit

Woran erinnern Sie sich?

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 2
Wiederholung der letzten Einheit

• Vorschulalter
• Körperliche Entwicklung (90cm, ~14kg, Knaben größer schwerer als Mädchen,
Veränderung der Körperproportionen)
• Gesundheit und Ernährung (heikle Esser, gesundheitliche Probleme, Aktivimmunisierung,
weniger Schlaf, 85% der 6-jährigen in der Nacht trocken)
• Psychomotorik (Zehenspitzengang, unaufhörliche körperliche Bewegung)
• Verbesserung motorischer Fertigkeiten (3 basale Faktoren: willentliche Kontrolle, body
image, bilaterale Koordination; Verbesserung der Genauigkeit und der Geschwindigkeit,
kürzere Reaktionszeiten)
• Piagets Äquilibrationsmodell (Strukturelle Veränderungen: Wechselspiel von
Anpassungsprozessen)
• Präoperatorisches Denken (Einbeziehen von Symbolen und Zeichen)
• Repräsentatives Denken (semiotische Funktion von Objekten; Denken geht Sprache
voraus)
• Merkmale des voroperatorischen, anschaulichen Denkens ((Fehlerhafte) Assimilation,
Animistisches Denken, Ende der sensumotorischen Phase, Egozentrismus, Mangelnde
Reversibilität, Grenzen der Informationserfassung und –verarbeitung, fehlendes
Gleichgewicht, Theory of mind)
• Sprache (Semantik, Grammatik, Pragmatik, constraints, Über-& Unterextension, Pivot-
Strukturen, Wortbedeutungen, Phoneme, Morpheme, Areale im Gehirn)
4-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 3
Überblick: heutige Einheit

• Vorschulalter
• Emotionen
• Entwicklung von sozialem und emotionalem Verhalten
• Emotionale Entwicklung: Sroufe
• Entwicklung der eigenen Identität
• Entdeckung des Geschlechts
• Geschlechtskonstanz
• Entwicklung der Geschlechterrollen

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 4
Emotionen

• Was sind Emotionen?


 ein komplexes Muster von Veränderungen, das
physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und
Verhaltensweisen einschließt, die in Reaktion auf eine
Situation auftreten, die ein Individuum als bedeutsam
wahrgenommen hat

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 5
Emotionen: Funktionen

• Motivation (regt zur Handlung an)


• Soziale Funktion (Einfluss auf prosoziales Handeln, soziale
Kommunikation)
• Kognitive Funktion (Zuwendung von Aufmerksamkeit,
Wahrnehmung anderer, Interpretation von Lebenssituationen, Erinnern,
aber auch Einfluss auf Lernen, Gedächtnis, soziale Urteilsfähigkeit und
Kreativität)
• Emotionen und Gedächtnis (Emotionen in bestimmten
Situationen werden als Teil eines Zusammenhangs im Gedächtnis
festgehalten)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 6
Emotionale und soziale Entwicklung

• Fünf theoretische Forschungstraditionen (Geppert &


Heckhausen, 1990)
1. Biologisch-evolutionstheoretisch fundiert; neurophysiologische
Grundlagen der Emotionen (Ekman, Izard,…)
2. Psychoanalytisch orientierte Theorien; Ich-Entwicklung, Mutter-
Kind-Beziehung (Emde,…)
3. Lerntheoretisch orientierte Ansätze: operante Lernerfahrungen
mit relevanten Bezugspersonen (Gewirtz, Ross,…)
4. Kognitiv-entwicklungspsychologische Ansätze; kognitive
Interpretation als Ursache (Kagan, Srouf, Weiner,…)
5. Sozial-kognitive Ansätze: soziale Erfahrungen als
Voraussetzungen der kognitiven Entwicklungsveränderungen
und der Gefühlsdifferenzierung (Sroufe, Sanders, Bowlby, Ainsworth,…)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 7
Entwicklung von sozialem und emotionalem
Verhalten

• Wann tritt nun der erste soziale und emotionale vom Baby
ausgehende beobachtbare Kontakt aus?

• „soziales Wiederlächeln“: 6. Woche (Bower, 1979)


• Interesse am menschlichen Gesicht: 3 Monate (Keller & Boigs,
1991)
(Mimik des Partners wird zur Informationsquelle-
Nachahmung)
• Freudige Erregung rasch steigerbar: 4. Monat (Sroufe & Wunsch,
1972)
 Sozial-emotionale Entwicklung prägt ab dieser Zeit

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 8
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 9
Entwicklung von sozialem und emotionalem
Verhalten

 „Ich kann mich verlassen“


 „Ich darf“

 „Ich traue mich“


 „Ich kann“

 „Ich bin“
 „Ich kann lieben und mich
binden“
 „Ich kann etwas
weitergeben“
 „Ich kann mein Leben
annehmen“

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 10
Erforschung der emotionalen und sozialen
Entwicklung

• Frage der Beziehung zwischen Kognition und Emotion: Ist


Angst erst möglich, wenn eine Situation als bedrohlich
eingestuft wird – oder umgekehrt?
• Methodische Fortschritte: Methoden der differenzierten
mimischen Analyse, Film und Video
• REM-Schlaf Neugeborener, differenzierte emotionale
Ausdrucksmuster: Überraschung, Ärger, Abscheu,
Traurigkeit, Lächeln – vorprogrammierte mimische
Reaktionsmuster, 3./4. Monat unter Kontrolle kortikaler
Programme
• Ausdruck zunächst noch relativ eindeutig; Ende 1. bis 2. LJ.
können Kinder Gefühlsausdruck intensivieren, übertreiben,
vermindern; später bis zur Neutralisierung (poker face)
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 11
Stufentheorien der emotionalen Entwicklung in der
frühen Kindheit: Emde, Sroufe, Izard

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Stufentheorien der emotionalen Entwicklung in
der frühen Kindheit: Emde, Sroufe, Izard

• Emde: biosoziale Entwicklungstheorie


• soziales Wiederlächeln als Beginn der Ich-Organisation
(6 Wochen)
• Fremdeln als Unterscheidung von Ich und anderen,
Verstärkung der emotionalen Beziehung zu
Bindungspersonen (8 Monate)
• Trotz oder Negativismus,
Entdecken der Bedeutung
des „Nein“ (18 Monate)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 13
Stufentheorien der emotionalen Entwicklung in
der frühen Kindheit: Emde, Sroufe, Izard

• Sroufe
• Emotionen als Differenzierungen aus drei Emotions-
Vorläufern: Vergnügen/Freude; Ängstlichkeit/Furcht;
Wut/Ärger.
• 8 Stufen der Entwicklung, Arten der sozialen Zuwendung
zur Umwelt, Fortschritte in der sozialkognitiven
Entwicklung (Piaget!)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 14
Emotionale Entwicklung: Sroufe

1. Periode der absoluten Reizschranke (1.Monat)


2. Zuwendung zur Umwelt (2.-3. Monat): Neugier, Interesse,
Freude
3. Vergnügen an gelungener Assimilation (3.-5. Monat):
Freude/Lachen versus Wut/Enttäuschung
4. Aktive Teilnahme am
sozialen Geschehen
(6.-9. Monat): Vergnügen
versus Ärger

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 15
Emotionale Entwicklung: Sroufe

5. Phase der sozial-emotionalen


Bindung (10.-12. Monat):
Fremdenfurcht und Bindung
6. Phase des Übens und
Explorierens (13.-18. Monat):
Begeisterung,
Vorsicht/Ängstlichkeit und Ärger
7. Bildung des Selbstkonzeptes (19.-
36. Monat): positiver Selbstwert,
Scham, Trotz und Bockigkeit
8. Phase des Spiels und der
Phantasie (ab 36 Monate): Stolz
und Liebe sowie Schuldgefühle
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 16
Stufentheorien der emotionalen Entwicklung in
der frühen Kindheit: Emde, Sroufe, Izard

• Izard: von früh an diskrete Emotionen unterscheidbar,


haben wichtige Funktion für die Anpassung des Kindes
und die sozialen Beziehungen, tauchen dann auf, wenn
sie benötigt werden;
• Interesse und Freude – Reizen zugewandt bleiben,
• Verlegenheit/Scheu – Selbstgefühl und Selbstkonzept
entwickeln

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 17
Entwicklung von sozialem und emotionalem
Verhalten

 Emotionen haben demnach wichtige Funktionen


für die Anpassung des Kindes an seine Umwelt und
dessen soziale Beziehungen. Sie tauchen immer
dann auf, wenn sie benötigt werden. Somit treiben
sie die Entwicklung des Kindes voran.
(Izard 1987)

 Kinder können Emotionen auf etwas


oder jemanden gerichtet konstruieren

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Entwicklung der eigenen Identität

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Entwicklung der eigenen Identität

• Die eigene Person


• Entwicklung von Mitgefühl
• Der eigene Wille
• Das Spiel im Vorschulalter
• Entdeckung des Geschlechts

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 20
Entdeckung der Ichs

Entdeckung der eigenen Person


• 1. und 2. Lebensjahr: Grundzüge des Selbstkonzeptes
• sensumotorische Periode: eigene Hände und Füße kontrollieren
• bestimmte Dinge sind mit besonderen Sinneseindrücken verbunden,
z.B. eigene Hand beißen vs. Biss ins Kopfkissen
•  lernt seine eigene Erlebnisse zu beobachten

• Etwa 2. Geburtstag: Gefühl für „ich“


• Elementare Voraussetzung für eine spätere Entwicklung in Richtung auf
Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung
• Beginn der natürlichen Identität aus der primären Beziehung zu Mutter und
Vater einzutauschen gegen eine Rollenidentität (Habermas 1976)
• Meine, Ich und Du Bestimmungen
•  kann seine Wünsche, Ängste und sein So-sein erklären

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 21
Entdeckung der Ichs

Reaktion auf eigenes Spiegelbild

• Bis 6 Monate Spiegelbild als unterhaltsamer Spielgefährte


• Ab zweite Hälfte 1.LJ (Piagets Stadium 4) gezieltes
experimentieren, bestimmte Bewegungen wiederholen,
hinter Spiegel schauen
• Ab zweite Hälfte 2.LJ eigenes Spiegelbild erkennen (Piaget
Stufe 6, stabile mentale Repräsentationen von Objekten)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 22
Entdeckung der Ichs

Versuch von Lewis und Brooks (1978)


• 96 Kinder, Mütter unbemerkt Farbtupfer auf Nase,
Spiegelbild zeigen, Nase greifen
– 32 Kinder unter 1 Jahr alt
– 32 Kinder eineinhalb Jahre
– 32 Kinder fast 2 Jahre

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 23
Entdeckung der Ichs

Ergebnisse aus diesem Versuch:


• Kein Kind unter 1 Jahr
• 25% der eineinhalbjährigen Kinder
• 75% der zweijährigen Kinder

 Gebrauch von „ich“ und „du“, eigenes Bild mit Namen


benennen

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 24
Versuch mit Schimpansen (Gallup, 1979)

• Drei Tage lang Erfahrung mit


Spiegeln
• Rote Markierung auf Nase
(geruch- und reizlose Farbe)
• gesteigertes Interesse an eigenem Spiegelbild

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 25
Entwicklung von Mitgefühl

• Im Alter von 1 ½ Jahren entwickeln Kleinkinder


eine Sensibilität für die eigenen Gefühle und die
Gefühle anderer

• Beispiel: Vater und Sohn John (14 Monate) (Harris, 1992):


• Mitgefühl als eine Reaktion auf die Notlage und den Kummer einer
anderen Person umfasst eine Vielzahl möglicher Gefühlszustände und
Gefühlsreaktionen
• Mitgefühl ist die erhöhte Empfindlichkeit für das Leiden einer anderen
Person
• Gefühlszustände wie Bekümmertheit, Beunruhigung, Bedauern,
Besorgtheit und Fürsorglichkeit entstehen

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Entwicklung von Mitgefühl

• Kinder zeigen vor dem ersten Lebensjahr auf


auftretenden Kummer einer anderen Person oft
selbst Anzeichen von eigenem Kummer. Sie
beginnen zu weinen, runzeln die Stirn oder machen
ein trauriges Gesicht.

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 27
Entwicklung von Mitgefühl

• Ausdruck der eigenen Bekümmertheit geht im


2.Lebensjahr rasch zurück, erste Versuche des
Tröstens und Helfens beginnen.

• Mit 2 Jahren bringen Kinder der leidenden Person


Hilfsmittel, überlegen, was zu tun ist, verbalisieren
Sympathie, holen Hilfe und versuchen, die
Gefühlslage der leidenden Person zu verändern.

 Dazu gibt es weitere Längsschnittstudie von Zahn Waxler (1992) zum


Thema die Entwicklung von Mitgefühl und prosozialem Verhalten zwischen
12 und 24 Monaten

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Entwicklung von Mitgefühl

Zahn-Waxler (1992) beobachtete bei Kindern im


Alter von 24 Monaten 8 verschiedene Arten
prosozialen Verhaltens:
• Physisches Trösten z.B. umarmen
• Verbales Trösten z.B. „wird schon wieder“
• Verbaler Ratschlag z.B. „sei vorsichtig“
• Helfen, z.B. einem schreienden
Geschwister die Flasche geben.
• Indirektes Helfen, z.B. die Mutter holen, die dem Baby einen
verloren gegangenen Schnuller holen soll.
• Teilen, z.B. der Schwester etwas vom Kuchen abgeben
• Ablenken, z.B. Buch zuklappen, das die Mutter traurig machte
• Schützen und verteidigen, z.B. jemanden vor einem Angriff warnen

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 29
Entdeckung des eigenen Willens

• Entdeckung des eigenen Ich bedeutet gewisse


Unabhängigkeit von der Umgebung und von
anderen Menschen
• wie weit ihr Einfluss reicht, müssen die Kinder erst
austesten
• 3.LJ - Entdeckung eigener Unabhängigkeit
• Trotzalter oder erste Trotzperiode

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 30
Das Spiel im Vorschulalter

• Das kindliche Spiel ist zur Entwicklung der eigenen


Identität des Kindes sehr prägend
• Erfahrungen werden im Spiel
verarbeitet und bewältigt:
• Ausspielen von Macht und Kontrolle
• Wunsch nach Herausbildung einer eigenen
Identität = schlüpfen in eine Person die sie
gerne sein wollen (Oerter 1993)
• Sauberkeitserziehung wird im Spiel bewältigt (Kind muss mit
den Anforderungen an sich fertig werden)
• Sozialbeziehungen werden im Spiel verarbeitet (Möglicher
Inhalt: Probleme, die zwischen seinen Bezugspersonen
auftreten)
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 31
Das Spiel im Vorschulalter

Entwicklung des Spiels im Vorschulalter

• Fiktionsspiel (Alleinspiel)
• Übergang zum Konstruktionsspiel (Parallelspiel)
• Illusions- oder Funktionsspiel (Assoziations- und
Kooperationsspiel)

Das Spiel entspricht der kindlichen Form der


Umweltbewältigung

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 32
Entdeckung des Geschlechts

• Mit etwa 2 Jahren


können Kinder die
Frage: „Bist du ein Junge
oder Mädchen?“ richtig
beantworten, ohne
Implikationen zu
beachten
• 3., 4.LJ: Interesse für
das eigene Geschlecht

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 33
Entdeckung des Geschlechts

• Geschlechtsidentität – 2 Jahre
• Benennen können
• Geschlechtsstabilität – 4 Jahre
• Wahrnehmen einer gewissen zeitlichen Stabilität der
Geschlechtszugehörigkeit
• Kleidung und Haartracht,
nicht anatomische Unterschiede
• Geschlechtskonstanz – Schulalter
• Nicht vor dem sechsten, siebten LJ, viele Kinder erst
gegen Ende des Grundschulalters

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 34
Entwicklung der Geschlechtskonstanz

• Untersuchung an Vorschulkindern (3-6 Jahre),


Fotos von nackten Kindern, andere Kleidung und
Haartracht, 40% der Vorschulkinder nach
Irreführung richtige Antwort und Begründung (Bem,
1989)

• Boy-Girl-Identity-Task (Emmerich et al. 1977)


• Gender Constancy Interview (Slaby & Frey, 1975)
– Bist du ein Mädchen oder ein Junge?
– Wenn du dir Mädchenkleider anziehst und Zöpfe machst, bist
du dann ein Mädchen oder ein Junge?
– Wenn du erwachsen bist, kannst du dann eine Mami oder ein
Papi werden? Könntest du auch eine Mami werden?
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 35
Entdeckung des Geschlechts

• Identifikation mit dem eigenen Geschlecht über die


Vorbildwirkung der Eltern
• Mädchen: Erziehung von Frauen dominiert,
bekommen differenziertere Informationen
• Jungen: weniger Vergleichsmodelle, abweichendes
Verhalten wird eher getadelt
• Rollenidentifikation auch über das Fernsehen

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 36
Entwicklung der Geschlechtsrollen

• Geschlechtsrollen  Verhaltensweisen,
Einstellungen und andere psychologische
Charakteristika
• Entwickeln Überzeugung, dass bestimmte Dinge
eher zu einem Geschlecht passen
• Gute Eigenschaften werden dem eigenen
Geschlecht zugeordnet

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 37
Geschlechterstereotype

• Welche Geschlechterstereotype kennen Sie?

• Frauen: Schwachheit, Zartheit, Verständnis und


Güte
• Männer: Aggression, Kraft, Grausamkeit und
Grobheit

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 38
Entwicklung der Geschlechtsrollen

• Kinder sind schon im Vorschulalter bemüht, sich


den Stereotypen entsprechend zu verhalten (Wahl
des Spielzeugs)
• Spielweise der Jungen entwickelt sich anders als
die von Mädchen
• Identifikation

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 39
Vorgänge bei der Geschlechtsrollenübernahme

• Ansätze zur Erklärung der Vorgänge bei der


Geschlechtsrollenübernahme:
• Theorie der psychosexuellen Identifikation (Freud)
• Theorie des sozialen Lernens (Bandura)
• Kognitive Theorien (Kohlberg)
• Biologische Einflüsse (Money & Ehrhardt)

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 40
Bedeutung des Geschlechts für Individuum
und Gesellschaft

• Verbindung mit geschlechtsbezogenen


Erwartungen und Vorschriften (Spielzeug, Kleidung,
Freizeit, Beruf, Familie, etc.)
• Kultur legt fest was männlich und was weiblich ist
• Zentrale Rolle für Entwicklung und Aufbau der
Identität
• Geschlechtsspezifisch = kommt nur bei einem
Geschlecht vor
• Geschlechtstypisch = typisch für ein Geschlecht
• Mit dem Geschlecht wird eine Rollenerwartung
verbunden

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 41
Bedeutung des Geschlechts für Individuum
und Gesellschaft

• Heranwachsende werden mit


geschlechtsbezogenen Informationen und
Rollendifferenzierungen konfrontiert
• Geschlechtsidentität = wichtiger Teil der eigenen
personalen Identität

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 42
Erklärungsansätze für die Entwicklung der
Geschlechtsidentität

• Biologische Ansätze
 Durch Chromosomen bilden sich die äußeren Genitalien
 Biologische Faktoren und Verhalten beeinflussen sich
gegenseitig

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 43
Erklärungsansätze für die Entwicklung der
Geschlechtsidentität

• Sozialisationstheoretische Ansätze
 geschlechtstypische Eigenschaften, Einstellungen und
Verhaltensweisen werden erlernt
 Differentielle Erwartungen
 Mädchen und Jungen reagieren unterschiedlich auf das
elterliche Verhalten
 Gleichaltrige sind wichtige Instanz der Bekräftigung oder
Bestrafung geschlechtsangemessenem oder
–unangemessenem Verhalten

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 44
Erklärungsansätze für die Entwicklung der
Geschlechtsidentität

• Wichtig ist die Beobachtung anderer des gleichen


Geschlechts
• Gleichgeschlechtliche werden eher beobachtet und
imitiert
• Selektive Nachahmung gleichgeschlechtlicher
Modelle erst dann, wenn geschlechtstypische
Einstellungen schon da sind

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 45
Erklärungsansätze für die Entwicklung der
Geschlechtsidentität

• Kognitive Ansätze
 Ähnlichkeit zwischen eigenen Merkmalen und derer
gleichgeschlechtlicher
 Aktive Suche nach geschlechtsbezogenem
Informationsmaterial
 Selektive Nachahmung gleichgeschlechtlicher Modelle
 Geschlechtskonstanz ist hier entscheidende Variable

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 46
Lernfragen

1. Welche psychosozialen Stadien unterschied


Erikson bis zum Schulalter?
2. Wie entwickeln sich Emotionen nach der
biosozialen Entwicklungstheorie von Emde?
3. Beschreiben Sie die Stufentheorie der
emotionalen Entwicklung nach Sroufe!
4. Wie entdecken Kinder ihr eigenes Selbst und mit
welchen originellen Versuchen kann diese
Entwicklung nachvollzogen werden?

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 47
Lernfragen

5. Wie entwickelt sich die Geschlechtskonstanz bei


Kindern und mit welchen Experimenten konnte
dies beobachtet werden?
6. Wie entwickeln sich die Geschlechtsrollen bei
Kindern und welche Faktoren sind dabei
maßgeblich beteiligt?

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 48
Zusammenfassung: heutige Einheit

• Vorschulalter
• Emotionen (komplexes Muster; Reaktion auf eine als bedeutsam
wahrgenommene Situation; Funktionen von Motivation; 5 theoretische
Forschungstraditionen)
• Entwicklung von sozialem und emotionalem Verhalten (erster sozialer
und emotionaler Kontakt, der vom Baby ausgeht; psychosoziale Stadien nach
Erikson; Erforschung der emotionalen und sozialen Entwicklung; Stufentheorien der
emotionalen Entwicklung; Emde; Sroufe, Izard)
• Emotionale Entwicklung: Sroufe (Emotionen als Differenzierungen; 8 Stufen)
• Entwicklung der eigenen Identität (Die eigene Person, Entwicklung von
Mitgefühl, der eigene Wille, das Spiel im Vorschulalter, Entdeckung des Geschlechts)
• Entdeckung des Geschlechts (Geschlechtsidentität, Geschlechtsstabilität,
Geschlechtskonstanz)
• Geschlechtskonstanz (Untersuchungen)
• Entwicklung der Geschlechterrollen (Geschlechtsstereotype,
Verhaltensweisen, Einstellungen und physiologische Charakteristika; Spielweise;
Bedeutung des Geschlechts für Individuum und Gesellschaft; Erklärungsansätze für
die Entwicklung der Geschlechtsidentität)
5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 49
Danke für Ihre Aufmerksamkeit

5-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 50