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Schulalter

Grundlagen der Entwicklungspsychologie VI

Univ. Prof.in Dr.in Barbara Gasteiger Klicpera


Arbeitsbereich Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie
Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera
Wiederholung der letzten Einheit

Woran erinnern Sie sich?

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Wiederholung der letzten Einheit

• Vorschulalter
• Emotionen (komplexes Muster; Reaktion auf eine als bedeutsam
wahrgenommene Situation; Funktionen von Motivation; 5 theoretische
Forschungstraditionen)
• Entwicklung von sozialem und emotionalem Verhalten (erster sozialer
und emotionaler Kontakt, der vom Baby ausgeht; psychosoziale Stadien nach
Erikson; Erforschung der emotionalen und sozialen Entwicklung; Stufentheorien der
emotionalen Entwicklung; Emde; Sroufe, Izard)
• Emotionale Entwicklung: Sroufe (Emotionen als Differenzierungen; 8 Stufen)
• Entwicklung der eigenen Identität (Die eigene Person, Entwicklung von
Mitgefühl, der eigene Wille, das Spiel im Vorschulalter, Entdeckung des Geschlechts)
• Entdeckung des Geschlechts (Geschlechtsidentität, Geschlechtsstabilität,
Geschlechtskonstanz)
• Geschlechtskonstanz (Untersuchungen)
• Entwicklung der Geschlechterrollen (Geschlechtsstereotype,
Verhaltensweisen, Einstellungen und physiologische Charakteristika; Spielweise;
Bedeutung des Geschlechts für Individuum und Gesellschaft; Erklärungsansätze für
die Entwicklung der Geschlechtsidentität)
6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 3
Überblick: heutige Einheit

• Schulalter
•Was ist Schulalter?
•Körperliche Entwicklung
•Kognitive Entwicklung:
• Erklärung der konkreten Operationen
• Ausgewählte Aspekte der konkreten Operationen
• Erklärung des Implikationszusammenhangs der einzelnen
Operationen
• Kritikpunkte zur Theorie Piagets

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Was ist Schulalter?

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Das Schulalter

Schulalter

Schulkindzeit Mittlere Kindheit

6. – 12. Lebensjahr

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Das Schulalter

• 6. – 12. Lebensjahr
• Kinder bereits alt genug für den Schulbesuch,
jedoch noch vor der Pubertät
• In industrialisierten Ländern wird die Entwicklung
der Kinder entscheidend durch den Schulbesuch
geprägt
• Auch in nicht-industriellen Gesellschaften lässt sich
zu diesem Zeitpunkt eine Änderung der Einstellung
gegenüber den Kindern beobachten

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 7
Schulanfang

• Industrielle Gesellschaft
– Zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr
– reifungsmäßige Voraussetzungen sind erfüllt

• Nicht industrielle Gesellschaft


– Bemerkbare Veränderung in der Einstellung und Haltung der Kinder
– Bsp.: Hüten des Viehs, Arbeiten im Haus, Beaufsichtigung jüngerer
Kinder

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Kinderarbeit

Bis zum Beginn unseres


Jahrhunderts wurden
Kinder im Grundschulalter
als billige Arbeitskräfte in
Fabriken und Bergwerken
eingesetzt!

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 9
Verbot der Kinderarbeit

• Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Alter für


arbeitende Kinder hoch gesetzt

• Durch gesetzliche Bestimmungen und Einführung


der allgemeinen Schulpflicht wurden die Kinder
entscheidend geprägt

 Daher sind entwicklungspsychologische Prozesse nicht


mehr unabhängig vom Schulbesuch zu betrachten!

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Körperliche Entwicklung im Schulalter

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Körperliche Entwicklung im Schulalter

Merkmale
• Zahnlücke
Die ersten beiden Milchzähne
fallen mit 5-6 Jahren aus und
die letzten werden etwa mit
12 Jahren ersetzt
• Die neuen bleibenden Zähne
wirken meist im Verhältnis etwas
zu groß

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Körperliche Entwicklung im Schulalter

• Abnahme der Wachstumsgeschwindigkeit


• im 6. bzw. 7. Lebensjahr gibt es den ersten Gestaltenwandel
 Gesamteindruck = Schulkindform

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Schulreife (school readiness)

• geringer Zusammenhang zwischen dem


körperlichen und psychischen Entwicklungsstand
• daher Diagnose sehr problematisch
• Ein ausreichender körperlicher Entwicklungstand
ist keine Garantie für ein problemloses Einschulen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 14
Geschlechtsunterschiede

• Die körperliche Leistungsfähigkeit ist auf einen


Übungseffekt zurückzuführen
• Jungen sind schon muskulöser als Mädchen, was
sich im Jugendalter noch verschärft
• Hemmung der Mädchen im Wettkampf gegen
Jungen
 Studie von Weisfeld & Callaghan (1982)

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Kognitive Entwicklung im Schulalter
(Piagets Stadium der konkreten Operationen)

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Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget

4 Stufen / Phasen der kognitiven Entwicklung

0 2 7 11 Alter in Jahren

Sensomotorische Voroperationales Konkrete Formale


Intelligenz Denken Operationen Operationen

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Kognitive Entwicklung nach Jean Piaget

• Sensumotorische Intelligenz (0 – 2 Jahre)


• Voroperationales Denken (2 – 7 Jahre)
• Konkrete Operationen ( 7 – 10 Jahre)
• Formale Operationen (11+ Jahre)

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0 2 7 11
Sensomotorische Voroperationales Konkrete Formale
Intelligenz Denken Operationen Operationen

Alter in Jahren
7 11
• Fähigkeiten zu komplexen logischen Denkabläufen, jedoch nur anhand
konkreter Dinge
• Mengenlehre:
- Komposition (Zusammenstellung)
- Austauschbarkeit
- Reversibilität: Prozesse können gedanklich umgekehrt werden
• echtes Verständnis des Zahlenbegriffes
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Stadium der konkreten Operationen

• Operationen
= Handlungen bzw. Denkhandlungen, die
kompositionsfähig und reversibel sind
= Handlungen, die verinnerlicht werden, können
ebenso gut im Denken wie in der äußeren
Wirklichkeit ausgeführt werden.

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 20
Konkret

• Die Operationen des Denkens bei sieben- bis


elfjährigen Kindern werden deshalb „konkret“
genannt, weil sie sich ausschließlich auf Objekte
im Wahrnehmungsfeld beziehen und noch nicht
auf verbal formulierte Hypothesen
• Operationen mit reinen Aussagen, die bloß
hypothetischen Charakter haben, entwickeln sich
erst nach dem 11. Lebensjahr und setzen die
formale Intelligenz voraus

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Stadium der konkreten Operationen

• Piaget benannte dieses Stadium „konkrete Operationen“,


da die Kinder in diesem Alter neue kognitive Strategien im
Umgang mit konkreten Operationen anwenden

• Diese neuen Strategien sind Reversibilität, Addition,


Subtraktion, Multiplikation, Division und Bilden von
Rangreihen; echtes Zahlverständnis

 Ein Kind versteht erstmals, dass konkrete Operationen


umkehrbar sind (Reversibilität)

 Kinder begreifen, dass Objekte gleichzeitig mehr als einer


Kategorie zugehören können (Klassifikation)

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Kognitive Entwicklung im Schulalter

Piagets Stadium der konkreten Operationen


• Reversibilität: Inklusion und Exklusion, Ober- und
Unterbegriffe (z.B. Katze-Hund-Hamster-Haustier-Nagetier-
Raubtier-Tier- Spiel „Was bin ich?“)
• Induktive logische Schlussfolgerungen möglich: Verhalten
eines Mannes  Schlussfolgerungen auf das Verhalten
aller Männer
• deduktive Schlussfolgerungen noch nicht: alle A sind B,
Josef ist A, ist er auch B?
• Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division
• Bilden von Rangreihen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 23
Entwicklungsspezifische Inhalte der konkreten
Operationen

Logische Operationen Arithmetische Operationen

Invarianz Konzept der natürlichen Zahl


Klassifikation Kardinalzahl
Seriation Ordinalzahl

Infralogische Operationen

Räumliche Operationen Zeitliche Operationen

Euklidischer Raum Sukzession


Projektiver Raum Dauer
Geschwindigkeit

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 24
Reihenbildung nach einer Dimension
Voroperationales Denken:
Die Kinder greifen zunächst Paare,
bzw. Dreier- oder Vierergruppen
heraus

Später gelingt durch Probieren


korrekte Reihung, aber die
Einordnung eines neuen Elements
bereitet noch Schwierigkeiten
 Das Kind vergleicht nur in eine
Richtung

Im konkret-operationalen Stadium: müheloser Vergleich eines


Elements nach beiden Richtungen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 25
Reversibilität

• Wichtigste Errungenschaft der konkreten


Operationen
– Handlungen können nicht nur konkret, sondern auch in
der Vorstellung umgekehrt werden und in jede Richtung
durchgeführt werden

 setzt Verinnerlichung voraus

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 26
Invarianz

Ein weiteres Merkmal einer Operation ist ihre


Invarianz (Erhaltung)

z.B. bleibt die Summe einer arithmetischen Addition


invariant, obwohl ihr einzelnen Elemente in
unterschiedlicher Weise gruppiert werden können
 Summe 6 = 5+1 = 4+2 = 3+3

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 27
Invarianz - Wasserglasversuch

Das Kind erkennt, dass in den Gläsern B und B‘ die


gleiche Menge an Flüssigkeit ist

 Invarianz (Unveränderlichkeit) der Operation


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Entwicklungstheorie des Invarianzkonzepts

Invarianz und Erhaltung ist ein Prinzip, das für das


Denken ganz allgemein eine Grundlage bildet

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 29
Entwicklungshierarchie der Invarianzkonzepte
nach den Hypothesen Piagets
Invarianz
des Volumens
Ab 11 Jahre
Invarianz
des Gewichts
Ab 9 Jahre

Invarianz
der Substanz
Ab 7;6 Jahre

Varianz der
Physikalischen
Größe Bis 7;6 Jahre

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 30
Entwicklung der Klassifikation

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 31
Beispiel zur Klassifikation

• M = Tiere
• A = Schäferhunde
• A‘ = andere Haushunde
• B = Haushunde
• B‘ = andere Hundetiere
• C = Hundetiere
• C‘ = andere Raubtiere

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 32
Beispiele

• Beliebte Spiele in dieser Altersstufe


• „Stadt, Land, Fluss“
• „Ich sehe was, was du nicht siehst“
• Ziel ist es mit möglichst wenig „ja“ oder „nein“ zu
beantwortenden Fragen einen Begriff zu erraten.
• Der Spieler muss mit Oberbegriffen, Unterbegriffen
und einander logisch ausschließenden Kategorien
arbeiten

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 33
Studie von Mosher & Hornsby (1966)

• adaptierten das Spiel „Stadt, Land, Fluss“ und


führten mit 6, 8 und 11 Jahre alten Kindern die
Studie durch
• zeigten 42 Bilder mit Menschen, Tieren, Pflanzen,
Spielsachen, Maschinen usw.
• die Kinder sollten durch ja-nein Fragen auf das
gezeigte Bild kommen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 34
Studie von Mosher & Hornsby (1966)

Induktive, logische Schlussfolgerungen stellen für


ein Kind auf dieser Stufe kein Problem mehr dar.

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• multiple Klassifikation
– bei 7;6 jährigen: Objekte müssen in mind. 2 Kategorien
unterteilt werden können
– Systematische Variation der Kategorien

• Klasseninklusion
– Beziehung zwischen über- und untergeordneten Klassen

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Entwicklungshierarchie der Teilleistungen des
Klassifizierens nach Piaget/Inhelder (1973)

Multiple Klassifikation/ Verständnis der Klasseninklusion

Ab 7;6 Jahre

Einfache Klassifizierung

Ab 5;6 Jahre

Bildung figuraler Kollektionen

Bis 5;6 Jahre

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Aufgrund von Nachfolgestudien revidierte
Entwicklungshierarchie des Klassifizierens

Verständnis der Klasseninklusion

ab 10 Jahre

Multiple Klassifizierung

ab 6 Jahre

Einfache Klassifizierung

ab 2 Jahre

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Entwicklung des Zahlenkonzepts

Die Beherrschung konkreter Operationen ist nach


Piaget die Voraussetzung dafür, dass das Kind das
Konzept der natürlichen Zahlen erwerben kann.

Unterscheidung in Kardinalzahlen und


Ordinalzahlen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 39
Entwicklung des Zahlenkonzepts

• Kardinalzahlen • Ordinalzahlen
Sind Objekte, die sich in Lassen sich in einer
Klassen Reihe anordnen und
zusammenfassen lassen kennzeichnen so den
und geben den Rangplatz eines
numerischen Wert für Elements innerhalb der
die Anzahl der in einer geordneten Reihe
Klasse enthaltenen (1., 2., 3.,…)
Elemente an
(1, 2, 3,…)

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 40
Der Zahlbegriff

Zahlbegriff = Synthese zweier


logischer Operationssysteme

(additive Komposition von


Klassen und Reihenbildung
nach einer Dimension)

 Erst ab 7 Jahren können die Kinder die räumliche


Verschiebung durch inverse Operationen (Reversibilität)
wettmachen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 41
Kardinalzahlen

• Kindern wird eine Reihe von Vasen und Blumen vorgelegt


und sie sollen die Korrespondenz herstellen, indem sie für
jede Vase eine Blume bereitlegen

• Anschließend wird die Reihe der Blumen zusammen- und


auseinandergerückt, so dass sich die räumliche Anordnung
der Blumen und Vasen nicht mehr entspricht

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 42
Kardinalzahlen

• Danach werden die Kinder gefragt, ob immer noch gleich


viele Blumen und Vasen vorhanden sind

• Erst ab durchschnittlich 7;6 Jahren  Äquivalenz der


Mengen auch bei bemerkenswerter räumlicher
Verschiebung weiter behauptet
• Kinder sind in der Lage, die räumlichen Verschiebungen
durch inverse Operationen (Reversibilität) wettzumachen

• quantifizierende Korrespondenz

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 43
Ordinalzahlen

• Kindern werden 10 Holzmännchen vorgelegt, 10 kleine


Stöcke und 10 kleine Rucksäcke, die ihrer Größe nach eine
Rangreihe bilden
• Aufgabe: Jedem Männchen soll ein Stock zugeordnet
werden

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 44
Ordinalzahlen

• Ab 7;6 Jahren koordinieren und begreifen von


Kardinalreihenbildungsoperationen

• jede Kardinalzahl ist notwendigerweise auch eine


Ordinalzahl

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 45
Infralogische Operationen – Raum und Zeit

• topologische,
• projektive und
• euklidische Beziehung

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 46
Entwicklung des Raumkonzepts nach Piaget
Präoperationale Konkret operationale
Intelligenz (2-7 J.) Intelligenz (ab 7 J.)
Topologische Beziehungen Projektive Beziehungen
Kategoriale Relationen Ordnungsrelationen
offen/ geschlossen, A kommt vor B,
verbunden/ unverbunden X liegt rechts von Y usw.
innen/ außen Relativität
nah/ fern usw. der Standpunkte

Euklidische Beziehungen
Distanzrelationen
Konstruktion von
Linien, Figuren, Körpern
konstante Maßeinheit,
konstantes Bezugssystem
6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 47
Vorgelegte Modelle

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 48
Zeichnungen der Kinder

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 49
• Ab 7 Jahren gelingt es den Kindern, alle Modelle
einschließlich der komplexen richtig zu kopieren.

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 50
Widergabe komplexer euklidischer Beziehungen,
Ab 6 Jahre
operationale Beziehungen

Wiedergabe einfacher euklidischer Beziehungen,


Ab 4 Jahre
Empirische Analyse

Wiedergabe topologischer Relationen Ab 3-4 Jahre

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 51
Erinnern Sie sich an den Drei-Berge-Versuch?

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 52
Drei - Berge – Versuch (Piaget/Inhelder (1975)

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 53
Analyse des Raumverständnisses

• Verständnis für die Relativität der projektiven Beziehungen


• Entdecken von Anordnungsverhältnissen zwischen den
Elementen
• Nur eine Relation möglich (grüner Berg rechts neben dem
grauen)
• Noch keine mehrfachen Relationen möglich
6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 54
Konstruktion multipler projektiver Relationen Ab 9 Jahre

Wiedergabe einfacher projektiver Relationen Ab 7 Jahre

Zentrierung auf den eigenen Blickwinkel


Ab 6-7 Jahre

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 55
Aufbau des Zeitbegriffs

• Kinder entwickeln ab dem Alter von 7 Jahren ein


Zeitgefühl

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 56
Zeitbegriff (Levin, Wilkening & Dembo, 1894)

Kinder sollten 2 Puppen


beobachten, die in einigem
Abstand hintereinander ins
Puppenbettchen „schlafen“
gelegt wurden. Dann sollten
die Kinder einschätzen,
welche der Puppen längere
Zeit geschlafen hatte.

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 57
Zeitbegriff (Levin, Wilkening & Dembo, 1894)

• Vor dem Alter von 7 Jahren


orientierten sich die Kinder bei der
Beantwortung dieser Frage
ausschließlich an dem Ende der
Zeitstrecke, ohne den Anfang zu
berücksichtigen.

 Die Puppe, die später


aufgestanden war, hatte ihrer
Meinung nach länger geschlafen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 58
Zeitbegriff – Eisenbahn-Studie nach Piaget

• Zwei Züge fuhren auf gleich langen Strecken, aber


unterschiedlich lang
• Die Kinder sollten festlegen, welcher eine längere Strecken
gefahren sei

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 59
Zeitbegriff – Eisenbahn-Studie nach Piaget

• Die 7-8-jährigen Kinder orientierten sich nur an dem Ort, an


dem der Zug zum Stehen gekommen war

• Ab 8 Jahren sind die Kinder in der Lage, die Dauer von der
Folge ebenso gut die die Folge von der Dauer abzuleiten

 damit werden zeitliche Folge und Dauer endgültig von der


räumlichen Ordnung gelöst und innerhalb eines beweglichen
Gesamtsystems aufeinander bezogen

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 60
Ausgewählte Aspekte der kognitiven
Entwicklung
• noch keine strikte Trennung zwischen Lebewesen und
unbelebten Dingen
Animismus:
– die Annahme dass unbelebte Dinge (ein rollender Ball)
lebendig seien
Anthropomorphismus:
– Dingen werden menschliche Eigenschaften
zugeschrieben, z.B. der Ball springt, weil er fröhlich ist.
– Die Zuschreibung kann auf Dinge, Pflanzen oder Tiere
geschehen.

Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Lebendigem und


Unbelebtem: ~ 7 Jahre (Piaget)
6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 61
Erklärung des Implikationszusammenhangs der
einzelnen Operationen
Hypothese:
Alle erwähnten Entwicklungen stehen in einem engen
Zusammenhang.

Da ein Entwicklungszusammenhang besteht wird


dementsprechend entwicklungspsychologische
Parallelität und zeitliche Synchronizität der einzelnen
Sequenzen vorausgesetzt.
Diese gleichzeitige Entwicklung lässt sich jedoch nur
sehr schwierig nachweisen, weswegen die Konzepte
der Nachfolgeforschung auch getrennt weitergeführt
worden sind.

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 62
Kritikpunkte an Piaget

• Zweifel an universeller Gültigkeit der


Entwicklungstheorie
• Alter = Platzhalter für Vielzahl von Variablen

• Aber:
 Verzicht auf zeitliches Bezugssystem kaum möglich
 stellt Richtwerte und gezielte Interaktionsmöglichkeiten
dar

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 63
Lernfragen

1. In welchem Zeitraum spricht Piaget vom Stadium


der konkreten Operationen?
2. Wie stellt sich die körperliche Entwicklung in
diesem Alter dar?
3. Was sind Operationen?
4. Warum sind sie in diesem Stadium konkret?
5. Welche ausgewählten Operationen haben wir
behandelt?

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 64
Lernfragen

• Das Konzept der Invarianz


• Klassifikation
• Entwicklung des Zahlenkonzepts
• Entwicklung des Zeitkonzepts
• Entwicklung des Raumverständnisses
• Animismus
• Anthropomorphismus

6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 65
Zusammenfassung der heutigen Einheit

• Schulalter
• Was ist Schulalter? (6.-12.LJ, Schulkindzeit, Mittlere Kindheit, Schulanfang:
industrielle vs. Nicht industrielle Gesellschaft, Kinderarbeit)
• Körperliche Entwicklung (Merkmale: Zahnlücke, Schulkindform; Schulreife,
Geschlechtsunterschiede)
• Kognitive Entwicklung:
• Erklärung der konkreten Operationen (7-10Jahre; komplexe, logische
Denkabläufe; induktives Schlussfolgern, Infralogische Operationen (logisch,
arithmetisch, räumlich, zeitlich), Reihenbildung, Reversibilität, Invarianz,
Klassifikation, Entwicklung des Zahlenkonzepts, Zahlbegriff, Entwicklung des
Raumkonzepts (topologische, projektive und euklidische Beziehungen), Zeitbegriff)
• Ausgewählte Aspekte der konkreten Operationen (Animismus,
Anthropomorphismus)
• Erklärung des Implikationszusammenhangs der einzelnen
Operationen
• Kritikpunkte zur Theorie Piagets
6-Entwicklungspsychologie Gasteiger-Klicpera 66
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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