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Vorwort

Dieses Manuskript ist eigentlich kein Roman oder Buch, sondern


das Drehbuch für einen Film den ich irgendwann mal drehen will.

Man kann es trotzdem wie ein Buch lesen, aber der Leser muss
etwas Fantasie mitbringen und ein paar Zugeständnisse an die
Form machen.

Kritik, Anregungen und vor allem Angebote, den Film umzusetzen


bitte an: ralph.fischer@arcor.de
vom 04.10.2020 2

Drehbuch
Version vom 04.10.2020
Copyright 2015 Ralph Fischer
vom 04.10.2020 3

I. AKT

LEERE EBENE,EINE LEHMHÜTTE - GEWITTER AUSSEN/SPÄTER ABEND

Die Kamera fängt in der Totalen die düstere Stimmung ein. Man hört
Regen und eine Frauenstimme, die sagt:

DIALOG: DIE GÖTTER WOHNEN IN ASGARD.

(DIE KAMERA FÄHRT LANGSAM AN DIE HÜTTE HERAN)


Dialog: Odin ist ihr Oberhaupt, er
ist der Weiseste. Durch seine 2
Raben kennt er alle Geheimnisse der
Welt.

Ein Blitz kracht nahe beim Haus herunter

SPRUNG ZUR INNENANSICHT DER HÜTTE - INNEN

Eine alte fast blinde Frau sitz mit einigen anderen um ein
Lagerfeuer. Alle sind in Felle und Lederschnüre gekleidet. Eine
Frau erschrickt heftig, als lauter Donner den Regen übertönt. Die
alte Frau spricht jetzt wieder:

Dialog: Das ist Thor. Mit seinem Hammer Mjöllnir erschafft er Blitz
und Donner, wenn er gegen die Sturmriesen kämpft. Mit Odin und den
anderen Göttern wohnt er in Asgard. Die tapfersten Krieger werden
nach ihrem Tod an Odins Tafel sitzen und für alle Zeiten mit ihm
essen und trinken, bis zu Ragnaröck die Welt vergeht und der letzte
Kampf ansteht.

WEITE EBENE, - AUSSEN, TAG

Ein paar Männer stehen neben/unter Stonehenge. Einer sagt:

Dialog: Jetzt werden auch in tausend Jahren noch alle an die Macht
und die Weisheit der grossen Allmutter und ihrer Druiden glauben.

Plötzlich rumpelt die Erde, Stonehenge fällt zusammen und begräbt


die Männer, bis auf den Sprecher. Der schaut traurig auf das
Unglück und sagt:

Dialog: O Weh !

EIN PRIMITIVES LEHMHAUS - ABEND, INNEN

Ein paar primitiv gekleidete Menschen sitzen im Kreis, ein weiser


alter Mann sagt:
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Dialog(alter Mann): Gott erschuf den Himmel und die Erde. Den Tag
und die Nacht. Das Licht und die Schatten. Die Berge und die
Ozeane. Die Pflanzen und die Tiere. Zuletzt erschuf er den
Menschen. 6 Tage brauchte er dafür und am 7. Tage ruhte er. Und
darum ruhen auch wir am 7. Tage.

Eine Frau sagt: Warum muss ich dann am 7. Tag arbeiten ?

Alter Mann (freundlich):Weil du nicht Gott bist. Ab in die Küche.

RÖMISCHER TEMPEL - TAG, INNEN

3 Männer stehen vor einer Götterstatue und unterhalten sich.

Sie sind römisch und vornehm gekleidet, einer ist offensichtlich


Priester.

Dialog:

1.Mann: Die Griechen werden immer unverschämter, es wird Zeit das


wir ihnen eine Lehre erteilen.

2.Mann: Aber sie haben doch bloss den Zoll für Wein erhöht.

1.Mann: Das reicht ja wohl !

Priester(bedächtig): Mars steht im 3. Quadranten.

1.Mann(ruft): Das bedeutet Krieg ! (Er zieht sein Schwert) Nieder


mit den Griechen !

Priester: Aber erst wollen wir Jupiter opfern und für den Sieg
beten.

Priester hält die Hand auf und die beiden Männer legen widerwillig
etwas Gold hinein.

INDISCHER TEMPEL - TAG,AUSSEN

Eine asiatische Frau erzählt ein paar Kindern Geschichte

Dialog: Brahma hat die Welt erschaffen. Vishnu erhält sie für uns.
Er wird immer wiedergeboren, so wie auch wir wiedergeboren werden
im grossen Kreis des Werdens und Vergehens. Sein Gegenspieler ist
Shiva, der Zerstörer und oft haben die beiden miteinander gerungen.
Wenn wir jetzt in den Tempel gehen, dann benehmt euch.

(Alle gehen in den Tempel)

Bild wird schwarz und aus dem Off kommt eine Mädchenstimme:

Dialog: Aber wer ist denn nun der echte Gott ?


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II. Akt

VORSPANN, ÄGYPTISCHER TEMPEL - AUSSEN, MORGEN

Ägyptische Musik ertönt, während der Vorspann durchläuft. Man hört


eine Männerstimme: eins zwei, eins zwei, die langsam lauter wird.
Nach dem Vorspann joggen 2 Männer aus dem Tempel. Beide prächtig
gekleidet und geschminkt, der Pharao und sein Sohn. Sie laufen noch
ein paar Schritte aus dem Tempel, dann bleibt der Sohn stehen und
sagt:

Dialog(Sohn)(keuchend): Der Gott des Frühsports. Wer denkt sich so


einen Blödsinn aus ?

Pharao: Spotte nicht. Seit die Sklaven zur Baustelle joggen, geht
der Bau meiner Pyramide viel schneller voran.

Sohn: Wenn ich erst Pharao bin, dann werde ich mit diesen nutzlosen
Göttern aufräumen.

Pharao: Wenn du dich gegen die Priester stellst, dann wird das kein
gutes Ende nehmen. Unterschätze nie die Macht der Priester und wie
sie an ihrer Macht hängen.

Sohn: Das werden wir ja sehen.

EIN WEITES KORNFELD AM NIL - TAG, AUSSEN

Heller Sonnenschein, Sohn sitz auf einem Stein und schaut in die
Sonne.

Dialog: Viel zuviele Götter. Und viel zuviele Priester. Man kann ja
gar nicht genug verdienen, um denen allen zu opfern. Dabei gibt es
nur einen echten Gott, der uns alle ernährt.

(er verbeugt sich vor der Sonne, steht dann auf und breitet die
Arme aus)

Dialog (ruft): Aton ! Gesegnet seist du Gott, der du das Brot aus
der Erde bringst !

(Ein Diener kommt angelaufen, kniet nieder und verbeugt sich)

Dialog(Diener): Herr, euer Vater stürzte bei der Jagd von seinem
Wagen. Er ist tot. Ihr seid jetzt der neue Pharao.

TEMPEL - TAG, AUSSEN

Krönungszeremonie. Viele Priester und Würdenträger, einfaches Volk.

Der neue Pharao sitz auf einem Thron, davor steht ein älterer
Priester und sagt:

Dialog: Seht den neuen Pharao !


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(Das Volk jubelt und aplaudiert, Pharao steht auf)

Dialog (Pharao): Volk von Ägypten, hört mich an. Ich verkünde euch,
das es nur einen Gott gibt. Aton, unser Lebenspender, der das Brot
aus dem Boden bringt und uns wärmt.

Nennt mich Echnaton, den Strahl des Aton, ich will über euch
wachen, euch ernähren und beschützen.

Vergesst die falschen Götter und baut mit mir einen neuen
Tempelpalast, würdig der Grösse und der Macht des einen Gottes.

(Volk jubelt, die Priester schauen grimmig)

TEMPEL - TAG,INNEN

3 Priester stehen vor einer Statue und unterhalten sich sorgenvoll

Dialog (1.Priester): Ich hatte schon seit Wochen kein richtiges


Fleisch mehr.(unterbricht sich und sagt verlegen): Die Krokodile
sind schon ganz hungrig.

2.Priester:Ich weiss was du meinst. Die Schakale heulen die ganze


Zeit, wie soll man da schlafen ?

3. Priester: Ich hatte gestern eine Audienz beim Pharao und ihn
gefragt, was wir Priester jetzt tun sollen. Er hat gesagt wir
sollen arbeiten.

(die anderen Priester schauen entsetzt)

2.Priester: Dafür bin ich aber nicht Priester geworden.

1.Priester: Wir müssen was unternehmen, bevor wir alle verhungern.


Ich meine, bevor die Krokodile verhungern.

3. Priester: Also Revolution ? Wir müssen das Volk aufrütteln,


damit die Götter zu ihrem Recht kommen.

1.+2. Priester zusammen(rufen): Revolution !

MARKTPLATZ - TAG, AUSSEN

Die 3 Priester stehen mit jeweils ein paar Menschen zusammen und
predigen

1.Priester: Die Krokodile sind ganz hungrig, das wird bestimmt


noch ein entsetzliches Unglück geben.

2. Priester: Die Schakale heulen die ganze Nacht. Das bedeutet


Unglück

3. Priester: Die Zeichen sind schlimm, die Zeiten sind furchtbar,


es muss etwas getan werden, um die Götter zu besänftigen !
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(alle in der Menge fangen an zu schreien und zu gestikulieren)

TEMPELKELLER - INNEN

Echnaton steht vor einer weissen Wand und malt ägyptische


Hyroglyphen. Er richtet sich auf, im Hintergrund ist Lärm zu hören.

Dialog (Echnaton): So, endlich fertig, das ist meine Lehre, das
soll jetzt von allen Schreibern kopiert und verteilt werden.

(Der Lärm wird lauter und plötzlich bricht eine wütende


Menschenmenge herein, erschlägt den Pharao und zerrt ihn aus dem
Keller. Zurück bleiben die 3 Priester und der Sohn des Pharao.

Dialog (3.Priester): Ihr seid nun Pharao, Herr.

Neuer Pharao: Ich danke euch. Nun geht und lasst die alten Götter
in neuem Glanz erstrahlen.

3. Priester: Aber erst müssen wir diesen Tempelpalast und alle


Schriften hier zerstören.

Neuer Pharao: Ihr spinnt wohl. Der Palast ist grade erst fertig.

3. Priester: Aber die Lehren hier können eine Gefahr für die
Zukunft sein !

Pharao: Wer soll die denn hier lesen ? Wollt ihr mir erzählen, der
Pharao darf nicht lesen, was er will ?

3. Priester: Aber keine Ketzerei !

Pharao (schreit): Jetzt reichts mir aber ! Der Nächste, der diese
Wand streichen will, gehört dem Osiris !

1. Priester: Ich gehe mal die Krokodile füttern

2. Priester: Und ich füttere die Schakale

3. Priester: Ich muss noch ein paar Statuen abstauben.

(Alle Priester gehen ab, der Pharao schaut sich die Wand
verächtlich an und sagt:“Narretei“. Dann geht er, nimmt die Fackel
mit und es wird dunkel. Schriftzug: (Viel später)

GLEICHER KELLER - INNEN

2 Sklaven kommen in den Raum. Einer hält eine Fackel und wirkt
besorgt, einer trägt einen Farbeimer und wirkt entschlossen.

Dialog(1. Sklave)(besorgt): Aber was sollst du denn hier machen ?

2.Sklave(entschlossen): Ich soll diese Wand hier streichen.


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1. Sklave (besorgt): Aber weißt du denn nicht, das derjenige der


diese Wand streicht, dem Osiris gehört ?

2. Sklave (entsetzt): Oh weh mir !

(der Sklave rennt mit dem Farbeimer aus dem Raum, der andere folgt.
Es wird wieder dunkel. Schriftzug: (Noch viel später)

GLEICHER KELLER - INNEN

Ein junger Prinz steht mit einer Fackel vor der Wand und liest, der
alte Pharao tritt dazu.

Dialog (Pharao): Nun Sohn, liest du alte Geschichten ?

Sohn: Ja, du weißt ja, daß ich alles studiere, aber sag, was ist
diese Geschichte von Aton ?

Pharao: Ja, das war wirklich eine verrückte Geschichte, ist auch
noch gar nicht so lange her. Ein Pharao wurde grössenwahnsinnig und
hat sich mit den Priestern angelegt. Sagte, es gibt nur einen Gott.
Hat auch kein gutes Ende genommen. Ich hätte die Wand vielleicht
längst gelöscht, aber der neue Pharao hatte bestimmt, daß
derjenige, der die Wand löscht, dem Osiris gehört, deshalb will das
keiner machen. Ich betrachte sie jetzt als Warnung, was passieren
kann, wenn man versucht, die Macht der Priester zu brechen.

Sohn: Was führt euch überhaupt hierher ?

Pharao: Ich suchte dich und sah das Licht hier. Dein Bruder wartet
auf dich. Weißt du nicht, daß es Zeit ist für euren Wettstreit ?

Sohn: Das hatte ich ja ganz vergessen !

(er läuft hastig aus dem Raum. Der Pharao schaut nochmal
verächtlich auf die Wand und sagt: „Narretei“)

III. AKT
EIN SPORTPLATZ - TAG, AUSSEN

Der Sohn des Pharao steht neben seinem älteren Bruder und wirft mit
Steinen auf 3 Ziele. Er trift 3 mal.

Dialog (älterer Bruder)(erfreut): Du wirfst genauso gut wie ich !

Die beiden gehen ein paar Schritte zu einer Linie am Boden, dann
rennen sie los. Etwa 200 Meter. Sie kommen beide gleichzeitig an,
bleiben stehen und der ältere Bruder sagt:

Dialog: Du rennst genauso schnell wie ich.

Beide nehmen Schwert und Schild, dann kämpfen sie, ohne daß einer
einen Vorteil hat. Schliesslich hören sie auf und der ältere sagt:
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Dialog (älterer Bruder): Du kämpfst genauso gut wie ich.

Jüngerer Bruder: Stimmt, aber ich bin besser in der Menschenführung


und Strategie.

Älterer Bruder: Willst du mich übertreffen ? Tut nichts, du bist


doch nur ein Findelkind, ich bin der erste in der Linie und werde
der nächste Pharao.

Jüngerer Bruder: Dann muss ich wohl ein eigenes Volk finden, um zu
herrschen und meinem Vater Ehre zu machen.

Älterer Bruder: Das wird aber eine beschwerliche Suche sein.

Jüngerer Bruder: Stimmt wohl. Aber ich werde Vater trotzdem Ehre
machen. Morgen bin ich an der Baustelle und überwache den Bau des
neuen Obelisken.

GROSSER PLATZ - TAG AUSSEN

Eine Menge Sklaven ziehen an einem Obelisken. Der junge Prinz geht
durch die Männer und treibt sie an. Er sieht plötzlich ein Gesicht,
das seinem ähnlich ist. Er unterbricht den Mann bei seiner Arbeit
und fragt ihn.

Dialog (Prinz): Sag an, woher kommst du, wie heisst du ?

Jude: Ich bin ein Jude, ein Sklave, Herr.

Prinz: Was ist ein Jude ?

Jude: Juden sind die Auserwählten des Gottes Jahwe. Der eine Gott,
der den Himmel und das Universum erschaffen hat.

Prinz: Nur ein Gott ?

Jude: Jahwe war bei uns vom Anbegin des Lebens, er ist der einzige
Gott, der alles Leben erschaffen hat. Er lenkt das Schicksal der
Juden.

Prinz: Aber nicht besonders gut, wenn man bedenkt, das ihr alle
Sklaven Ägyptens seid.

Jude: Wir waren auch Könige und Krieger. Händler und Baumeister.
Jetzt sind wir Sklaven, aber wir warten auf den Tag, wenn der neue
Führer von Gott gesandt wird und unsere Knechtschaft beendet.

Prinz: Du siehst mir ähnlich, als wären wir Brüder. Ich bin ein
Findelkind, vielleicht weißt du etwas über meine Herkunft ?

Jude: Meine Mutter sagte mir einst, daß sie einen Bruder von mir in
einem Weidenkorb aussetzte, um ihn vor dem Tod zu retten.

Prinz: Vielleicht bin ich ja dieser Bruder. Ich wurde in einem


Weidenkorb gefunden.
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Jude: Wie heisst ihr, Herr ?

Prinz: Mein Name ist Moses.

In diesem Moment kommt ein Aufseher und schlägt den Juden mit einer
Peitsche nieder. Er schreit: „Los du Hund, arbeite !“

Moses zieht sein Schwert und tötet ihn. Die anderen Aufseher rennen
auf ihn zu und ziehen ihre Schwerter. Moses flieht in die Wüste.

WÜSTE - TAG, AUSSEN

Moses torkelt durch die Wüste. Nach einer Weile hört er eine
Stimme

Dialog (Stimme): Schön das wir endlich alleine sind.

Moses sieht auf und blickt um sich.

Dialog (Moses)(fragend): Wer bist du ?

Stimme: Die Lösung für dein Problem.

Moses: Du weißt, wo ich Wasser finden kann ?

Stimme: Komm mir nicht mit sowas Unwichtigem. Du weißt, worum es


geht.

Moses: Woher bekomme ich ein Volk und wie bringe ich es dazu, mir
zu folgen.

Stimme: Exakt.

Moses: Aber ich habe mein Volk widergefunden. Mein eigenes Volk.
Die Juden.

Stimme: Aber sie folgen dir nicht. Sie kennen dich nicht und sie
glauben dir nicht. Du musst sie dazu bringen.

Moses: Wer bist du ?

Stimme: Schau mal nach oben.

Moses: Aton ? Der eine Gott ?

Stimme: Ich habe viele Namen. Du musst dein Volk befreien.

OASE - TAG,AUSSEN

(Moses stolpert weiter vorwärts und kommt plötzlich zu 3 kleinen


Hütten in einer Art Oase. 3 Männer stehen dort und sehen ihn
verwundert an.)
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Dialog: (1.Mann): Sei gegrüßt, Fremder. Was führt euch hierher


durch die Wüste ?

Moses: Ich habe mich verirrt. Und dann hörte ich eine Stimme.

2.Mann(gutmütig): Jaja, ich höre auch immer Stimmen wenn ich


alleine durch die Wüste gehe.

Moses: Was sagt deine Stimme ?

2.Mann: Sie sagt: Was machst du Idiot wieder alleine in der Wüste ?

Moses: Komisch. Meine Stimme sagt: Finde dein Volk und führe es aus
der Sklaverei im Namen des einen Gottes.

1. Mann: Du kennst den einen Gott ?

Moses: Ja, ihr etwa auch ?

1.Mann: Jeder weiss doch, daß der Gott Jachwe die Welt erschaffen
hat.

3. Mann: Du bist bestimmt ein Prophet !

Moses: Was ist ein Prophet ?

1. Mann (ärgerlich): Alle paar hundert Jahre kommt hier jemand


durch, der sagt, er wird von Gott geschickt. Wir nennen sie
Propheten und machen, was sie sagen.

Moses: Dann müsst ihr tun was ich sage, weil ich ein Prophet bin ?

1. Mann: Scheint so. Was verlangt ihr ?

Moses: Erstmal was zum Trinken

(Der 2. Mann gibt ihm einen Wasserschlauch, den er dabei hat. Moses
trinkt durstig)

Stimme: Wir brauchen eine Kopfbedeckung gegen die Hitze

Moses: Habt ihr irgendein Tuch oder etwas, das ich mir auf den Kopf
legen kann ?

3.Mann: Wozu braucht ihr das ?

Moses: Weil Gott will, das wir unseren Kopf bedecken.

1. Mann (verblüfft): Wir auch ?

Moses: Selbstverständlich.

(Der erste Mann geht in eine Hütte und holt 4 Tücher. Jeder legt
eins auf den Kopf, es sieht ziemlich albern aus.)

Moses: Habt Dank edle Fremde. Aber wenn ich mein Volk rette, wo
soll ich dann hin ?
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1. Mann: In diese Richtung liegt das gelobte Land, wie wärs damit ?

Stimme: Klingt gut

Moses: Das soll es sein. Das gelobte Land. Habt Dank ihr guten
Leute.

(Moses geht in die entgegengesetzte Richtung)

3.Mann(ruft hinterher): Aber das ist doch die falsche Richtung !

Moses (ruft im Weitergehen): Ich muss erstmal mein Volk befreien !

(Die 3 Männer sehen sich schweigend an. Der erste Mann nimmt das
Tuch vom Kopf, spuckt verächtlich auf den Boden und sagt)

Dialog (1.Mann): Den werden wir so schnell nicht wieder sehen.

Die beiden anderen nicken und nehmen die Tücher ab.

PALAST - TAG,INNEN

Moses tritt vor den Thron seines Bruders, einige Jahre sind
vergangen, er ist älter und hat einen grossen Wanderstab.

Der Bruder ist erfreut, ihn zu sehen und begrüsst ihn herzlich.

Bruder: Moses ! Ich dachte, ich sehe dich nie wieder ! Ich habe die
Aufseher auspeitschen lassen die dich verjagt haben, aber da warst
du schon weg.

Vater lebt jetzt als Gott im Tempel und hat mir das Amt des Pharao
übertragen.

Wie ist es dir ergangen ?

Moses (fest und gebieterisch): Dann sei gegrüsst Pharao !

Ich war lange weg und habe viel gelernt, jetzt ist es Zeit für
mich, meine Bestimmung zu erfüllen. Ich habe mein Volk gefunden,
die Juden sind es, ich bitte dich, lass sie und mich ziehen.

Pharao (Beleidigt):Was ist denn das für eine Begrüssung ? Und


überhaupt, wie könnte ich alle Sklaven freilassen ? Wer soll denn
dann meine Pyramide bauen ?

Moses: Und doch muss es sein. Gott hat mich geschickt, und um ihm
zu gefallen, werde ich mein Volk hier wegführen. Mit oder gegen
deinen Willen.

Pharao: Und wie willst du dieses Wunder bewirken ?

Moses: Die Macht Gottes wird dich umstimmen.

Pharao (verärgert): So hört denn ! Moses ist nicht länger Bruder


des Pharao. Er soll ein Sklave sein unter seinem Volk !
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EIN PLATZ - TAG AUSSEN

Moses und viele andere Sklaven stehen auf einem Platz. Moses
spricht zu den anderen und erklärt, die Sklaven stehen rings um ihn
herum.

Moses: Und so floh ich in die Wüste, nachdem ich mein Volk gefunden
habe. Dort wurde mir von Gott offenbart, das ich ein Prophet bin
und auserwählt, mein Volk aus der Sklaverei zu führen.

1.Mann: Aber wie soll dir das gelingen ? Der Pharao hat dich selbst
zum Sklaven gemacht.

Moses: Die Macht Gottes wird ihn schon umstimmen. Habt nur Geduld
und hört auf mich.

2.Mann: Hast du Gott denn gesehen ?

Moses: In all seiner Erhabenheit. Er wohnt im Himmel, er sieht


alles und weiss alles und bestimmt alles, was auf der Erde
passiert.

Ein paar Männer (murmeln): Er hat wahrhaftig Gott geschaut.

3. Mann: Wie sieht Gott denn aus ?

Moses(zu sich selber): Was sage ich denn jetzt ?

Stimme: Egal, das ist doch nur ein Haufen Idioten

Moses(zu sich selber): Aber auch der letzte Trottel wird sofort
wissen, was eine orangene Scheibe bedeutet.

Stimme(aufgebracht): Schämst du dich meiner ? Willst du mich nicht


offenbaren ?

Moses(zu sich selber): Das geht nicht. Die sind schon seit
Jahrzehnten hier in Ägypten. Die werden denken, daß ich einem
Götzen huldige und das wars dann.

Stimme(schmollend):Dann sag halt, daß Gott verbietet, sich ein Bild


von ihm zu machen.

Moses (zu sich selber): Super Idee !

Moses (laut): Der allmächtige Gott verbietet es, daß man sich ein
Bild von ihm macht, weil kein Bild seine Herrlichkeit abbilden
könnte.

Menge: Er hat Gott geschaut ! Folgt dem Propheten !

Moses: Jeder soll zu seinem Gott beten wie folgt: Gesegnet seist
du, o Gott, der du das Brot aus der Erde bringst.

Menge: Gesegnet seist du, o Gott, der du das Brot aus der Erde
bringst.
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Moses: Jeder soll zum Zeichen Gottes eine Kappe auf sein Haupt
legen.

(Die Menge fängt an, Kappen und Tücher auf den Kopf zu legen)

IM PALAST - TAG,INNEN

Der Pharao sitzt wieder auf seinem Thron, Moses steht davor.

Pharao: Nun, wie gefällt dir dein Sklavenleben ?

Moses: Geht so. Ich habe um diese Audienz gebeten, weil ich dich
nochmal im Guten auffordern wollte, uns gehen zu lassen.

Pharao: Warum sollte ich meine Meinung geändert haben ?

Moses: War nur so eine Idee. (nachdenkliche Pause).

Moses: Wie fandest du den roten Nil vor einer Woche ? War ziemlich
spektakulär, oder ?

Pharao: Sag nicht du hattest was damit zu tun.

Moses(murmelnd): hmmm (dann lauter):Mein Gott wird langsam


ärgerlich. Ich denke, du kannst dich bald auf einige Probleme
einstellen, Plagen und Krankheiten.

Pharao: Willst du mir drohen ?

Moses: Nur warnen. Es gibt bestimmt bald eine Froschplage.

Stimme: Hältst du das für klug ?

Moses (zu sich selber):Die gibt´s zu dieser Zeit des Jahres immer.
Und ich kenne doch meinen Bruder, sowas abergläubisches hast du
noch nicht erlebt.

Stimme: Vergiss nicht das Nil-Hochwasser

Moses(laut): Der Fluss wird bald über die Ufer treten und das Land
überschwemmen. Und Schwärme von Moskitos werden über die Stadt
herfallen.

Stimme: Igitt, hoffentlich sind wir dann schon weg.

Moses (zu sich selber):Ja, das hoffe ich auch, die Viecher sind
immer eine Plage.

Pharao (verunsichert):Das glaube ich nicht, unsere Götter werden


uns schützen.

Moses: Gegen die Macht meines Gottes sind deine ein Nichts.

Pharao: Das reicht, bringt ihn hinaus, zurück zu seinem Volk.


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Blende: 1 Jahr später

GLEICHER PALAST - TAG INNEN

Pharao sitzt wieder auf dem Thron, Moses steht davor. Der Pharao
ist übermüdet und angestrengt.

Pharao: Deine Plagen sind eingetroffen. Du hättest mich ruhig vor


den Fliegen warnen können.

Moses: Ich wollte dir die Überraschung nicht verderben.

Pharao: Und dann die Heuschrecken, die ganze Ernte wurde


vernichtet.

Moses (zu sich selber): Der glaubt wirklich, daß du das warst.

Stimme: Selbstverständlich.

Pharao: Aber jetzt ist eine Seuche aufgetreten, die wahllos


Menschen verschlingt. Sogar mein Sohn ist schon krank. Was kann ich
tun ?

Moses: Du könntest uns endlich ziehen lassen. Sonst wird jeder


Erstgeborene sterben.

Stimme: Das ist aber einiges, wie willst du das denn umsetzen ?

Moses(zu sich selber): Die anderen Sklaven haben schon darüber


erzählt, die Menschen sterben wie die Fliegen. Wenn der anfängt
nachzuzählen, sind wir hoffentlich schon weg. Sonst erwischt uns
das auch noch.

Pharao: Ich gebe auf. So ziehe denn hin und nimm deinen
rachsüchtigen Gott mit dir.

EIN PLATZ IN EINER ENGEN GASSE VOR DEM STADTOR - ABEND,AUSSEN

Moses spricht zu ein paar Männern:

Dialog (Moses): Der Pharao lässt uns gehen. Holt alle Juden, alles
Vieh und alles Gold, das ihr finden könnt. Beeilt euch, mit der
Krankheit solltet ihr kaum Widerstand vorfinden.

Die Männer gehen ab, Moses öffnet das Tor und geht hinaus.

Moses(zu sich selber): Wir müssen hier wirklich schnell weg, wenn
der Knabe vom Pharao stirbt, wird er uns verfolgen.

Stimme: Allerdings, es ist keine Zeit zu verlieren.

Langsam kommen Leute durch das Tor, Moses wartet ungeduldig und
sagt dann:
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Dialog (Moses): Mein Volk ! Viel habe ich für euch erduldet, doch
nun ist der Tag, an dem wir ausziehen können aus Ägypten. Der
Pharao hat es erlaubt, aber er ist wankelmütig. Eilt euch und folgt
mir, wer zurück bleibt, wird gewisslich sterben.

Moses geht voran, die Menschen zaudern ein bischen, und gehen dann
hinterher.

Stimme: Wohin gehen wir ?

Moses: Zum Nil. Da gibt es eine Furt, die wird bald überspült. Wir
müssen unbedingt vorher da durch, sonst sind wir hier gefangen.

AM NIL - MORGEN, AUSSEN

Moses steht vor dem Fluss, die Sonne geht auf und er grüsst sie mit
erhobenen Armen. Die Menge hinter ihm schaut ehrfürchtig zu.

Moses wendet sich um und sagt:

Dialog (Moses): Seht, dort ist ein Weg, geht nun hin aus Ägypten.

Menge: Er hat das Wasser geteilt ! Ein Wunder !

(Alle gehen durch die Furt, Moses zuletzt.Kurz vor Ende sieht er
wie das Wasser langsam steigt.)

Moses(zu sich selber):Das war knapp, da kommt das Hochwasser.

(hinter ihm ertönt ein Horn)

Stimme: Und da kommt der Pharao.

(Moses dreht sich um und erblickt Streitwagen, die auf die Furt
zukommen. Sie sind noch sehr weit weg.

Stimme: Showtime

Moses(hebt die Arme): Allmächtiger Gott, versperre unseren Feinden


den Weg !

(Das Wasser steigt weiter, jetzt schneller. Die ersten Steitwagen


fahren trotzdem hinein, kommen etwa zur Hälfte des Flusses und
werden dann mitgerissen. Die andern Streitwagen verlassen das
Wasser und warten auf der anderen Seite.)

Menge: Ein Wunder !

OASE - TAG AUSSEN

Moses kommt mit seinem Volk wieder zu den 3 Hütten. Dieselben 3


Männer stehen davor und betrachten sie verwundert.
vom 04.10.2020 17

Dialog (1.Mann): was wollt ihr denn hier ?

Moses: Erkennt ihr mich nicht ? Ich war vor einigen Jahren schon
hier.

2. Mann: Ihr hab euch ganz schön verändert.

Moses: Ihr habt euch überhaupt nicht verändert. Ihr habt ja eure
Kappen gar nicht auf !

(Die Männer schauen auf Moses und sein Volk, alle haben Kappen)

3.Mann: Wir dachten, das gilt nur für Sabbat.

Moses: Nein, das gilt immer.

(2. Mann geht in die Hütte und holt dieselben albernen Lappen
heraus.Die Menge hinter Moses murmelt zustimmend)

Moses: Wir ziehen zum gelobten Land.

3 Männer im Chor : Das gelobte Land ?

Moses: Ja, ihr habt gesagt, das ist da drüben

(Moses deutet in die Richtung)

1.Mann: Ich habe gesagt, das liegt in dieser Richtung. Das ist
ziemlich weit weg.

Moses (entgeistert): Wie weit denn ?

1.Mann (verschmitzt): Also du wirst es vermutlich nicht mehr


betreten.

Moses: Wollt ihr nicht mitkommen ?

2.Mann: Das geht nicht, wir müssen auf den nächsten Propheten
warten.

Moses: Das nenne ich Pflichtbewusstsein. Ich danke euch für euren
Rat und segne euch im Namen des einen Gottes.

(Moses und sein Volk ziehen weiter, die 3 Männer sehen hinter ihnen
her. Der 1. Mann zieht die Kappe ab, spuckt auf den Boden und
sagt):

Dialog (1.Mann): Jetzt werden wir den wohl wirklich nicht mehr
wieder sehen. (2. und 3. Mann nehmen die Tücher ab und nicken
zustimmend)

BERG - ABEND, AUSSEN

Moses sitzt auf einem Berg vor einem Lagerfeuer mit 3 Steintafeln
vor sich.
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Dialog (Stimme): 15 Gebote sollten eigentlich reichen. Fällt dir


noch was ein ?

Moses: Wie wäre es mit: Die Frau soll ihrem Mann in allem gehorchen
?

Stimme: Kann nicht schaden.

(Moses fängt an, etwas in die Steintafel zu hämmern)

Moses: Nur ein brennender Busch verkündet die Wahrheit.

Stimme: Was soll das denn heissen ?

Moses: Ich weiss nicht. Ich habe das Gefühl, daß ich mit diesem
Gebot Krieg, Folter und Korruption verhindern kann.

Stimme: Und ich habe das Gefühl, daß du langsam verrückt wirst. Wir
sind schon viel zu lange hier oben.

Moses: Das sind doch erst ein paar Monate.

Stimme: Das reicht aber, um dein Volk auf dumme Ideen zu bringen.

(Moses springt auf und schaut erschreckt.)

Moses: Das habe ich ja ganz vergessen, die hecken bestimmt wieder
irgendeinen Unsinn aus.

TAL - TAG,AUSSEN

Das Volk von Moses tanzt um ein goldenes Kalb. Moses kommt von
einem Bergpfad und schaut entsetzt darauf. 3 Priester stacheln die
Menschen auf. Moses sieht die Anführer der Revolte und schleudert
seine 3 Steinplatten auf sie. Alle 3 gehen tot zu boden. Die
Steintafeln zerbrechen.

Menge schaut auf die 3 Toten und sagt: O weh, der Zorn Gottes !

Moses: Ganz recht. Was habt ihr euch dabei gedacht ! Das waren die
Gebote Gottes, und jetzt sind sie zerstört. Gott selbst hat sie mir
aus einem brennenden Busch verkündet.

Ein paar Männer: (Ein Wunder)

Andere Männer: O weh!

Moses: Monate habe ich gebraucht das alles aufzuschreiben und jetzt
muss ich von vorne anfangen. Die Strafe Gottes wird über euch
kommen !

(Moses dreht sich um und geht wieder den Berg hinauf, sein Volk
bleibt im Tal und fängt an zu wehklagen)

BERG - ABEND,AUSSEN
vom 04.10.2020 19

Gleicher Berg, gleiches Lagerfeuer, Moses ist bekümmert.

Dialog (Moses): Die Gebote bekomme ich doch nie wieder alle
zusammen. Ausserdem hängt mir der blöde Berg zum Hals raus.

Stimme: Dann machen wir halt nur noch 2 Tafeln mit 10 Geboten.

Moses: Einverstanden.

IV. AKT
VOR EINEM TEMPEL - TAG AUSSEN

2 modern gekleidete Männer sitzen vor einem Tempel auf den Stufen
und unterhalten sich. Der erste Mann ist deutlich älter als der
Zweite, der wohl ein Schüler oder Student des Ersten ist.

Dialog (1. Mann): So war das damals. Es hätte das Ende der Juden
und von dem einen Gott sein können, aber Moses schaffte es
tatsächlich sein Volk am leben zu halten und viel wichtiger, er
bildete seine Krieger in der ägyptischen Kriegskunst aus und mit
dem ganzen gestohlenen Gold konnte er auch Waffen und Rüstungen
kaufen. Der Rest ist Geschichte, der verlorene Sklavenhaufen wurde
zum unbarmherzigen Kriegervolk, das alle Andersgläubigen vertrieb
oder abschlachtete. Schliesslich eroberten sie das gelobte Land und
hielten die Erinnerung an ihren Glauben und die Gebote ihres Gottes
am Leben.

2.Mann: Aber was ist mit den ganzen Wundern ?

1. Mann: Wunder waren zu der Zeit normal. Das grösste Wunder ist
ja, das die überhaupt so weit gekommen sind.

2. Mann: Aber ist das nicht alles etwas weit her geholt ? Wieso
sollte denn ausgerechnet Moses auf den Sonnengott von Echnaton
reinfallen ?

1.Mann: Wieso reinfallen ? Es passte viel zu gut, er konnte das gar


nicht ignorieren. Und es löste auch sein Problem, der geborene
Anführer ohne jemanden zu führen.

2.Mann: Das mit der Wand im Tempel klingt aber ziemlich


unwahrscheinlich. Als wenn die niemand gestrichen hätte.

1.Mann: Stimmt, vielleicht war es auch ganz anders, aber Fakt ist,
daß es das Gebet an den Sonnengott von Echnaton fast unverändert in
die Gebete der Juden geschafft hat. Moses ist die Brücke.

2.Mann: Aber die Sonne ist doch gar kein Gott

1.Mann: WIR wissen das die Sonne ein geistloser Plasma Klumpen ist.
Aber Moses wusste das nicht. Er ist als Ägypter aufgewachsen und
betrachtete die Sonne als wichtigste Gottheit. Er sah seinen Gott
jeden Tag und zweifelte sicher nicht daran
vom 04.10.2020 20

2.Mann: Aber die Wissenschaft ist noch nichtmal sicher, das es


Moses überhaupt gegeben hat. Und du denkst, das er die ganze
Geschichte beeinflusst hat ?

1.Mann: Moses ist die zentrale Figur der Bibel. Er hat die 10
Gebote verkündet. Wenn der keinen historischen Kern hat, dann ist
sowieso alles erstunken und erlogen. Ich gehe davon aus, das es ihn
gab. Und wenn es ihn gab, dann muss man auch den Kontext sehen. Er
war ägyptischer Prinz, hochgebildet und kannte seinen Bruder gut
genug um ihn zu manipulieren und seine Züge vorrauszusehen. Manche
Forscher sagen, das es sich um Tutmoses, den obersten Heerführer
des Pharao handelte, der kurz darauf aus den analen der Ägypter
verschwand. Er war seiner Zeit etliche Jahrhunderte vorraus und
hatte Zugriff auf alles Wissen der höchsten Kultur der damaligen
Welt. Und dazu kommt, das Echnaton kaum 100 Jahre vorher mit seinem
Sonnengott in Ägypten einen riesigen Skandal verursacht hat. Das
gewöhnliche Volk mag das vergessen haben. Die Pharaonen nicht.

2.Mann: Das klingt gar nicht so als wäre er shizophren und würde
Stimmen hören.

1.Mann: Zugegeben, das ist eine künstlerische Freiheit, durch die


es einfacher wurde die Geschichte zu erzählen. Wer weiss was Moses
geglaubt oder nicht geglaubt hat. Ich denke auch nicht, das es alle
Wunder tatsächlich gab, vieles ist bestimmt hinterher in die
Geschichte geschummelt worden.

Als Moses das Meer geteilt hat zum Beispiel. Das ist eines der
bekanntesten Wunder, dabei ist das nur ein Übersetzungsfehler. Er
teilte das Grasmeer.

2.Mann: Warum war dann das Wunder im Film ?

1.Mann: Ich fand die Szene so toll. Eigentlich war das ganz anders:

(Blende: Man sieht eine grosse Schilfwiese, der Schilf ist so hoch,
das er die Sicht versperrt. Während der 1. Mann aus dem Off
erzählt: (Dialog): Eigentlich war es so, das Moses mit seinem Stab
die Wand aus Gras teilte und sagte: (im Film ist zu sehen wie die
Hand von Moses mit seinem Stock das Gras teilt)

Stimme von Moses: Wir gehen jetzt da lang !

(Blende Zurück)

2.Mann: Das war das ganze Wunder ?

1.Mann: Das war der erste Teil. Ich denke von da kam auch die
Geschichte mit der Feuersäule, vermutlich stand der Wind günstig
und Moses liess das Gras hinter dem Zug anzünden um die Streitwagen
aufzuhalten. Aber das eigentliche Wunder kam dann. Die Streitkräfte
das Pharao waren so blöd, mit ihren Streitwagen ins Schilfmeer zu
fahren. Du darfst nicht vergessen das Moses ein meisterhafter
Stratege war und nur darauf gewartet hat. Dazu muss man wissen, das
die Streitwagen eine fürchterliche Waffe waren, die ganze Armeen
zersägen konnten. Aber sie bestanden aus einem Wagenlenker und
vom 04.10.2020 21

einem Bogenschützen. Der Bogenschütze brauchte offenes Land zum


zielen und der Wagenlenker brauchte Platz zum Fahren.

2.Mann: Ich sehe schon, das ging nicht im Gras.

1.Mann: Ganz genau. Die Juden mussten nur warten bis die Wagen sich
nicht mehr bewegen konnten und schlachteten dann die Besatzung ab.

Ich denke mal das die auch ein paar von den Wagen und ganz sicher
die Pferde mitnahmen. Dadurch wurde die Streitmacht dann auch etwas
tödlicher, als sie ins gelobte Land einfielen.

2.Mann: Und woher willst du wissen, das das alles wirklich


geschehen ist ?

2.Mann: Weil es in der Bibel steht. Das ist eine Autorität, die
zumindest Gläubige anerkennen müssen. Aber die Fakten sind auch da.

Irgendwann ist jemand, der vermutlich Moses hiess, mit seinem Volk
aus Ägypten geflohen und hat sich unterwegs die 10 Gebote
ausgedacht. Es spielt noch nichtmal eine Rolle, ob er tatsächlich
Jude war. Es ist genauso gut möglich, das er ein Bastardsohn des
Pharaos war und die Gelegenheit ergriff, ein eigenes Volk zu
führen. Nichts was Moses tat war ausserhalb seiner Möglichkeiten,
nur die Wunder hat er vermutlich nicht selber verursacht. Aber er
war sicher schlau genug, den Leuten alles was passierte in seiner
Interpretation zu präsentieren. Übrigens haben Archäologen
herausgefunden, das rechts unten von Ägypten zur Zeit von Moses ein
Volk lebte, das einen gewissen Jachwe angebetet hat. Das würde zu
der Stelle in der Bibel passen, wo er in die Wüste wandert und dort
den Gott der Juden findet. In der Zeit dort hat er vermutlich die
Parallelen zu Aton erkannt und sein Weltbild neu geordnet.

2.Mann: Also hat Moses das ganze alte Testament korrumpiert ? Den
uralten Gott der Juden einfach abgesetzt und durch einen anderen
ersetzt ?

1.Mann: Der Bruch ist offensichtlich. Gott war immer unter seinem
Volk, sprach zu Adam und Eva, zu Königen, zu überhaupt allen.
Plötzlich kommt Moses daher und Gott ist unnahbar, tödlich zu sehen
und furchteinflössend. Das ist noch nichtmal gelogen, denn wer in
Ägypten zu lange in die Sonne sieht, der sieht nie wieder was.
Moses hatte einen guten Grund dafür, daß man kein Abbild von seinem
Gott machen durfte, denn die Juden hätten einen Sonnengott nie
akzeptiert.

2.Mann: Aber wenn Gott die Sonne ist, dann stimmt doch alles gar
nicht, dann ist das doch alles ein riesiger Schwindel.

1.Mann: Im Gegenteil. Es ist alles wahr. Die Sonne HAT die Erde
geschaffen. Sie scheidet Licht und Dunkelheit. Sie sieht alles.
Alles Leben, alle Energie und schlussendlich auch der Mensch wurde
durch sie geschaffen. Echnaton und Moses hatten einen Blitz der
Erkenntnis und ihn benutzt, um ihre Ziele zu erreichen.

2.Mann: Aber warum hat das sonst keiner erkannt ?


vom 04.10.2020 22

1.Mann: Nun, zum einen natürlich, weil in Ägypten die Lehre vom
Ketzerkönig unterdrückt wurde und jahrtausendelang kein Mensch die
Hyroglyphen lesen konnte. Selbst wenn man den Brand der grossen
Bücherei in Alexandria in Betracht zieht gab es auffällig wenig
Übersetzungen von Hyroglyphen.

2.Mann: Meinst du das war Absicht ?

1.Mann: Vergiss nicht das Priester fast immer die intellektuelle


Oberschicht prägten. Ich denke das die was dagegen hatten, das
jemand eine Sprache lesen konnte, in der jeder 2. Satz von Göttern
oder gottgleichen Herrschern handelte. Vermutlich wurden viele
Schlüssel absichtlich zerstört, um das zu verhindern.

2.Mann: Warum ?

1.Mann: Was ist das Eine, das Priester überhaupt nicht ausstehen
können ?

2.Mann: Ungläubige ?

1.Mann: Nein, vorher. Warum werden die Menschen denn ungläubig ?


(kurze Pause):Erkenntnis.
Wer weiss, der glaubt nicht.
Was war denn die erste und furchtbarste Sünde ? Nicht Mord oder
Unzucht. Adam und Eva wurden nicht aus dem Paradies vertrieben,
weil sie den Apfel geklaut haben, sondern wegen der Erkenntnis.
Die Kirche hat sich jahrhundertelang gegen die Forschung gestellt,
weil die Ergebnisse nicht mit der Kirchenlehre übereinstimmten.
Erst als die Menschen schon auf dem Mond gelandet sind, hat sie
zugegeben, daß sich die Erde um die Sonne dreht. Um Erkenntnis zu
verhindern hat die Kirche jahrtausende lang Bücher verbrannt oder
gefälscht, gefoltert und gemordet. Was glaubst du, wie lange jemand
gelebt hätte, der mit dem Finger auf die Sonne gezeigt und gerufen
hätte: Das ist Gott !

2.Mann: Aber das beweist doch alles überhaupt nichts. Selbst wenn
Moses die Sonne angebetet hat, dann kann es doch trotzdem noch
einen allmächtigen Schöpfer geben.

1.Mann: Selbstverständlich. Aber denk mal darüber nach, daß der


allmächtige allwissende Gott sicher auch weiss, das der Gott von
Moses die Sonne war. Trotzdem hat er seit Jahrtausenden dazu
geschwiegen, statt mal mit Blitz und Donner das Ganze
richtigzustellen.

2.Mann: Vielleicht macht er ja grade was anderes.

1.Mann: Auch möglich. Aber wer auch immer vorher der Gott der Juden
war, Moses hat ihn durch seinen eigenen Gott ersetzt. Und Gott hat
sich nicht dagegen gewehrt.

2.Mann: Aber das reicht doch alles noch nicht aus, um den heutigen
Glauben und die Welt von heute zu erklären.
vom 04.10.2020 23

1.Mann: Die Geschichte ist ja auch noch nicht zu Ende. Die Juden
hatten sich in Kanaan festgesetzt und wurden von den Römern
überrollt. Den Römern konnte damals niemand widerstehen und so
warteten die Juden wieder auf einen Befreier.

V. AKT
MARKTPLATZ - TAG, AUSSEN

Jesus steht mit seinen Jüngern auf einem Marktplatz. Plötzlich


rennt ein Mann an ihm vorbei.

Dialog (Jesus): Hallo Brian

(Brian folgen einige Leute, eine Frau läuft vorneweg und hält eine
Tonflasche vor sich. Sie ruft: Seht seine Flasche ! Die Menge rennt
durchs Bild und verschwindet.)

Dialog (Jesus): Manchmal frage ich mich wie er es schafft, daß ihm
immer so viele Leute folgen.

(sie gehen weiter einen Weg hinauf)

1.Jünger: Was machen wir heute ?

Jesus: Wir werden den Tempel besuchen. Ich habe gehört das der
grosse Tempel der Habgier verfallen ist und will es selber sehen.

2.Jünger: Was willst du dagegen tun ?

Jesus: Erstmal sehen. Macht einfach genau das, was ich auch mache.

IM INNEREN DES TEMPELS - TAG, INNEN

Das Innere des Tempels ist mit Menschen gefüllt. Überall sind
Marktstände. Amulette, Kerzen und Kräuter werden angeboten.
Geldwechsler bieten ihre Dienste an. Jesus sieht sich das ganze
angeekelt an.

Jesus (ruft): Ihr habt aus dem Tempel Gottes ein Kaufhaus gemacht !
Ihr Frevler !

(Jesus fängt an, die Händler rauszujagen, seine Jünger machen


begeistert mit und werfen schliesslich alles aus dem Tempel.)

IM INNEREN DES TEMPELS - ABEND,INNEN


vom 04.10.2020 24

3 Priester stehen in dem verwüsteten Tempel und unterhalten


sich.Einer ist offensichtlich der hohe Priester und ist
dementsprechend gekleidet.

Dialog (1.Priester): Es wird ewig dauern das alles aufzuräumen und


morgen ist das Opferfest.

2.Priester: Wenn er wenigstens die Putzfrau nicht verjagt hätte…

1.Priester: Was machen wir denn jetzt ?

(beide schauen den hohen Priester an)

Hoher Priester: Das hier ist unwichtig. Wir müssen erstmal beraten,
was wir mit Jesus anstellen wollen. Was will er überhaupt ?

1.Priester: Man sagt er ist sehr weise und hat eine grosse
Gefolgschaft. Er predigt überall das Wort Gottes, aber er meint,
daß jeder Zugang zu ihm hat. Er disputiert mit weisen Männern, aber
er verachtet die Priester, weil sie ihm zu habgierig und
machtbesessen sind.

2.Priester: Wie kann er sowas sagen. Die paar Annehmlichkeiten sind


ja wohl ein gerechter Lohn für unsere schwere Arbeit.

1.Priester: Er predigt auch von einem neuen Reich Gottes. Es klingt


nicht so als hätten Priester dort viel zu sagen.

Hoher Priester: Ich sehe schon, der Mann ist eine Gefahr für uns
alle. Wir müssen ihn irgendwie aufhalten.

2.Priester: Wir könnten ihn bei den Römern anzeigen, die kreuzigen
dauernd irgendwelche Juden. Einer mehr macht denen bestimmt nichts
aus.

Hoher Priester: Dann ist das beschlossen. Wir gehen auf eine
Audienz bei Pilatus.

PALAST VON PILATUS - ABEND,INNEN

Pilatus sitzt auf seinem Thron, vor ihm stehen die 3 Priester.

Dialog (Hoher Priester): Jesus von Nazareth ist heute morgen mit
seinem Gefolge in den Tempel eingedrungen und hat grossen Schaden
angerichtet. Wir verlangen, daß ihr ihn festnehmt.

Pilatus: Ich habe gehört, daß er gegen den Wucher und die Geschäfte
gesprochen hat, das ist eigentlich euer Problem. Ich wüsste nicht,
was ich ihm vorwerfen soll.

Hoher Priester: Wie wärs damit, das wir euch euren Tribut nicht
entrichten können, weil wir ohne die Geschäfte nichts verdienen ?

Pilatus: Das ist unerhört !


vom 04.10.2020 25

Hoher Priester: Ausserdem behauptet er, er wäre der Sohn Gottes !

Pilatus: Oh ? Von welchem denn ?

Hoher Priester: Von Gott natürlich.

Pilatus: Aber von welchem ? Das ist doch nichts Ungewöhnliches, daß
Frauen Kinder von Göttern bekommen.

Hoher Priester: Wie bitte ?

Pilatus: Kommt dauernd vor. Ihr wärt erstaunt, mit wie


vielen verschiedenen Viechern schon Jungfrauen Kinder gezeugt
haben. Hinterher sagen sie immer, es war ein verwandelter Gott.
Also welcher war es ?

Hoher Priester (offensichtlich verwirrt): Unserer natürlich.

Pilatus: Und in welcher Form ?

Hoher Priester(total konfus): Das weiss ich nicht.

2.Priester: Das ist doch auch nicht so wichtig. Jesus predigt, daß
er ein neues Reich erichten will. Einen neuen Staat, ein Reich
Gottes.

Pilatus: Das klingt beunruhigend. Will er Rebellion predigen gegen


Rom ?

Hoher Priester: Ja genau ! Er predigt von einem neuen Reich und Rom
kam da nicht vor.

Pilatus: Ich denke ich werde mir den Burschen mal vorknöpfen.

VOR EINEM TEMPEL - TAG,AUSSEN

Die 2 Männer unterhalten sich wieder

Dialog (2.Mann): Also das Gespräch hatte ich irgendwie anders in


Erinnerung.
1.Mann: Das liegt daran, daß keine Evangelisten dabei waren. Muss
ein ziemlicher Kulturschock für die Priester gewesen sein. Aber in
der Tradition der Griechen und Römer war es ganz normal, daß
unerklärbare Kinder von irgendwelchen verwandelten Göttern gezeugt
wurden. Stiere, Schwäne, alles Mögliche.
2.Mann: Aber bei der Verurteilung fragt Pilatus doch Jesus danach.
1.Mann: Er war vermutlich neugierig. Aber bei der Verurteilung
waren auch Evangelisten dabei und haben diese Passage danach
natürlich übernommen, weil sie die Stellung von Jesus als Sohn
Gottes zementierte.
2.Mann: Aber das war etwas später
1.Mann: Stimmt, das kommt jetzt

PALAST VON PILATUS - INNEN,ABEND


vom 04.10.2020 26

Pilatus sitzt auf seinem Thron, die 3 Priester stehen etwas davor
auf der rechten Seite.

Jesus steht vor dem Thron und wird von 2 Wachen festgehalten.

Dialog (Pilatus): Man hat dich hierhergebracht weil du den Frieden


störst. Die Priester haben schwere Anklagen gegen dich vorgebracht.
Man sagt, daß du der Sohn Gottes bist
Jesus: Du sagst es.
Pilatus: Ausserdem predigst du Aufwiegelei gegen Rom und die
Priester und willst ein neues Reich gründen.
Jesus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt.
Pilatus(Zu den Priestern gewandt): Also ich finde an diesem Mann
nichts Ungebührliches.
Hoher Priester: Er ist schuldig der Ketzerei und Verbrechen gegen
den Tempel. Wir fordern, daß er verurteilt wird.
Pilatus: Wenn ihr darauf besteht, so will ich ihn verurteilen, aber
ich wasche meine Hände in Unschuld.

VOR EINEM TEMPEL - TAG,AUSSEN

Die 2 Männer sitzen unverändert vor dem Tempel

Dialog (1.Mann): Jetzt wurde die Sache langsam unübersichtlich.


Jesus hatte offensichtlich nie damit gerechnet, daß man ihn so
plötzlich aus dem Weg räumt und seine Jünger waren erstmal
fassungslos. Aber seine Predigten waren frisch und seine Auslegung
der Bibel war aufsehenerregend, speziell für Frauen. Maria
Magdalena setzte sich stark für den neuen Glauben ein und auch die
anderen Jünger versuchten, irgendwie Einfluss zu gewinnen.

Wirklich legendär war dann, daß Jesus gesehen wurde, obwohl jeder
wusste, das er tot war. Dann verschwand auch noch sein Leichnam und
seine Gläubigen fingen an, davon zu erzählen, das er gen Himmel
gefahren war.

Das Ganze war wie eine heutige Graswurzelbewegung und zog immer
weitere Kreise. Rom hatte zu der Zeit den Zenit seiner Macht
überschritten und die inneren Widersprüche machten es anfällig für
die neue Religion.

2.Mann: Aber es gibt doch viele bezeugte Wunder ! Was ist mit der
Bergpredigt und der Vermehrung des Essens ?

Diese Bergpredigt war eine Zusammenstellung von Jesuszitaten. Von


Männern, die gar nicht dabei waren. Und wenn man sich die mal
durchliest, dann kann man die am besten mit den Worten von Monty
Python zusammenfassen: Offensichtlich sind so ziemlich alle selig,
die nichts an den Zuständen ändern wollen.

Was aber auch gerne übersehen wird ist, daß es etliche verschiedene
Deutungen und Sekten gegeben hat. Bis dann Saulus seine Vision
hatte.

WOLKENVERHANGENER HORIZONT - TAG, AUSSEN


vom 04.10.2020 27

Man sieht den Horizont wolkenverhangen, auf einmal brechen die


Wolken auf und die Sonne scheint hindurch.

Dialog (Stimme): Saulus, warum verfolgst du mich ?

(Stimme von Saulus): Ja, warum eigentlich. Mit dieser Religion muss
doch was anzustellen sein.

VOR EINEM TEMPEL - TAG,AUSSEN

Die 2 Männer sitzen immer noch vor dem Tempel

Dialog (1.Mann): Saulus änderte dann seinen Namen von Saulus auf
Paulus und fing an, die verschiedenen Strömungen zusammenzuführen
und eine Kirche zu formen. Er schrieb ständig Briefe und schaffte
es tatsächlich, dem Ganzen eine allgemeine Richtung zu geben.
Langsam etablierten sich Würdenträger und Päpste. Die Kirche wurde
immer mächtiger. Als schliesslich ein römischer Kaiser zum
Christentum konvertierte, war der Siegeszug des einen Gottes nicht
mehr aufzuhalten. Mittlerweile wurde Jesus als Teil Gottes verehrt.
Langsam kamen die Geschichten von der Jungfrauengeburt, Empfängnis
durch den heiligen Geist und eben auch haufenweise Wundertaten in
die Geschichte. Schliesslich trat ein Mann auf, der der
katholischen Kirche bis heute seinen Stempel aufdrücken sollte.

EINE SCHREIBKAMMER - TAG, INNEN

2 ältere Männer sitzen an einem Tisch, einer hat ein Buch in den
Händen und drückt es an die Brust. Im Bild eingeblendet steht:
Aquin, ca. 1255

Der andere Mann sagt:

Dialog (2.Mann): Thomas, ihr habt mich rufen lassen.

Thomas: Wie du weißt, habe ich nach Jahren der Unzucht und
Vergnügungssucht gemerkt, das dies alles schal und unbefriedigend
ist. Ich habe erkannt, daß wahrer Glaube und Frieden nur in der
Askese und Entsagung zu finden ist. Deshalb habe ich angefangen,
die Bibel aufzuschreiben und neu zu ordnen, damit jeder die gleiche
Geschichte Gottes liest und der Disput endet. Ich bin endlich
fertig.

Was hältst du von meinem Titel ?

(Thomas hält das Buch so vor sich, das man den Titel lesen kann.
Dort steht gross: ALLES VERBOTEN !)

2.Mann: Ich denke, daß wird die Gläubigen abschrecken. Warum nennen
wir es nicht einfach das neue Testament ?

VOR EINEM TEMPEL - TAG,AUSSEN


vom 04.10.2020 28

Die 2 Männer sitzen immer noch vor dem Tempel

Dialog (1.Mann):Und so kam es, das der eine Gott die Zeiten
überdauerte und bis heute wirken kann.

2.Mann: Und wieso glaubst du nicht, daß es ihn gibt ?

1.Mann: Weil es schlussendlich doch der Gott von Moses bleibt.


Beachte bei Jesus, das sich Gott nur noch in den Wundern seines
Sohnes zeigt. Jesus wird emporgehoben und gottgleich, aber die
Autorität ist und bleibt doch der Gott von Moses. Jetzt kam auch
langsam die Geschichte mit der Hölle und dem ewigen Leben im Himmel
an der Seite von Jesus auf.

2.Mann: Willst du sagen das stimmt nicht ?

1.Mann: Wie könnte es ? Menschenwort, von Menschen für Menschen.


Die Autorität hinter den ganzen Versprechen war immer der Gott von
Moses. Die Sonne mag den Menschen erschaffen haben, und sie wohnt
auch zweiffellos im Himmel, aber das die irgendwo eine Festtafel
mit Jesus im Orbit hat wage ich doch zu bezweifeln.

Was die Geschichtsschreiber auch gerne falsch deuten ist, daß Gott
den entscheidenden Beweis seiner Macht nicht gezeigt hat: Das mit
dem Sohn vom Pharao war ein Deal. Moses und die Juden können gehen,
dafür bleibt der Sohn am Leben. Die ganzen anderen Wunder danach
waren nur nötig, weil Gott ein Versager ist, der keine kleinen
Kinder heilen kann. Was man der Sonne wirklich nicht vorwerfen
kann. Erst unter Jesus konnte Gott auch Gnade und Heilung wirken,
aber der Gott von Moses konnte nur töten und vernichten.

Aber bevor wir weitermachen, da gab es noch eine berühmte


Abweichung der Lehre.

EIN ZELT - TAG, INNEN

Man sieht das innere eines Zeltes. Mohammed sitzt auf ein paar
Kissen und sieht auf einen einfach gekleideten Mann herunter. Neben
ihm sitzt seine Frau. Hinter ihm steht ein Sklave mit einem grossen
Fächer. Mohammed rümpft die Nase und gibt dem Sklaven ein Zeichen.
Der fängt an, etwas schneller Luft zu wedeln.

Dialog (Mohammed): Nun Jussuf. Berichte mir von der Herde.

Jussuf: Die Böcke sind stark, die Ziegen sind trächtig und werden
bald werfen.

Mohammed: Ich danke dir für den Bericht. Nun geh zu den Anderen und
iss etwas.

(Jussuf geht, Mohammed atmet erleichtert auf. Er gibt dem Sklaven


ein Zeichen und der hört auf zu fächern.)
vom 04.10.2020 29

Dialog (Mohammed zu seiner Frau): Furchtbar. Wochenlang sind die


mit ihren Herden zusammen und dann kommen sie in unser Zelt und
stinken wie ihr Vieh. Die merken das gar nicht mehr.

Frau: Es ist ein hartes Leben, was sollen sie machen.

(Ein Mann tritt vor die Kissen und sagt) :

Mann: Draussen ist jemand, der euch sprechen möchte.

(Mohammed gibt ein Zeichen. Ein alter Mann betritt das Zelt und
grüsst Mohammed mit einer Verbeugung.)

Alter Mann:Seid gegrüsst, Mohammed. Man hat mir berichtet, daß ihr
sehr weise seid. Ich habe Kunde von dem einen Gott und möchte, daß
ihr sie verbreitet, damit die Seelen der Gläubigen gerettet werden
können. Wenn ihr zustimmt, werdet ihr Prophet Gottes.

Mohammed: Was macht ein Prophet Gottes ?

Alter Mann: Er verkündet das Wort Gottes, segnet die Menschen und
erklärt ihnen die Gesetze.

Mohammed: Kann ich auch selber Gesetzte erstellen ?

Alter Mann: Selbstverständlich.

Mohammed: Wenn ich also im Namen Gottes sage, das sich jeder Mann
täglich waschen muss, dann gilt das als Gesetz ?

Alter Mann: Zweifellos.

Mohammed (erfreut): Hah ! Damit werde ich diesen ungewaschenen


Viehtreibern einheizen. Kommt her und erzählt mir mehr von dem
einen Gott.

VOR EINEM TEMPEL - TAG,AUSSEN

Die 2 Männer sitzen immernoch vor dem Tempel

2.Mann (ungläubig): Die Moslems auch ?

1.Mann: Später wurde behauptet, das Gott einen Engel zu Mohammed


gesandt hat. Der gleiche Engel, der auch bei Jesus vorbeigeschaut
hat.

2.Mann: Warum soll das nicht stimmen ?

1.Mann: Weil die Sonne keine Engel verschickt. Auch bei Mohammed
ist die Autorität der Gott von Moses.

2.Mann: Womit wir wieder bei deinem Argument sind, daß es keinen
Gott geben kann, nur weil Moses die Sonne angebetet hat.

1.Mann: Nein, mein Argument ist, das es völlig egal ist, ob es noch
einen anderen Gott gibt.
vom 04.10.2020 30

2.Mann: Wieso das ?

1.Mann: Weil sich der Gott aus dem alten Testament seit Moses nicht
mehr gemeldet hat. Er ist weg. Tot, woanders, vielleicht hat er
aufgegeben und irgendwo im Universum neu angefangen. Es ist völlig
egal. Er hat Moses das Feld überlassen und sich nie wieder blicken
lassen.

Die Autorität aller Kirchen begründet sich auf einen Gott, der da
ist, beurteilt und straft. Wenn der allmächtige allwissende Gott
nicht da ist, und die Sonne das auch nicht macht, dann ist das
alles hinfällig. Menschenwort, von Menschen, für Menschen.

2.Mann: Das Wort Gottes ist von Menschen ?

1.Mann: Alles von Priestern ausgedacht, die einfach leben und


herrschen wollten. Wie erzeugt man ein regelmässiges Einkommen ?
Man sucht sich Gläubige und verbietet möglichst viel von dem, das
die gerne machen.
Das mit dem Thomas von Aquin war kein Witz, wenn man den Erguss von
ihm querliest, dann steht da wirklich: Alles verboten. Das hatte
System. Das sorgt für volle Kirchen und viele Leute, die sich um
ihr Seelenheil Sorgen machen und dafür bezahlen, trotzdem in den
Himmel zu kommen.
Es heisst zwar der ewige Jude, aber eigentlich war es der ewige
Priester.

2.Mann: Das stimmt nicht ! Priester sind gute Menschen, die sich um
das Seelenheil von anderen sorgen und ihnen helfen.

1.Mann: Natürlich gibt es auch Priester, die sich um die Menschen


sorgen. Sie geben das gute Beispiel, wegen dem die Herde nicht
aufbegehrt. Aber berühmt wurden Priester fast immer, weil sie ganz
und gar nicht bescheiden waren.

2.Mann: Also ich kenne nur freundliche Priester ohne Herrschsucht.

1.Mann: Natürlich. In Europa wird ja auch schon eine ganze Weile


Staat und Religion getrennt. Wer heutzutage Macht und Geld dadurch
erreichen will, das er wenig macht und viel Unsinn erzählt, wird
nicht mehr Priester, sondern Politiker.

2.Mann: Das ist aber eine seltsame Sichtweise.

1.Mann: Was meinst du denn, warum es immer weniger Priester und


immer grössere Staatsorgane gibt ?
Und die machen ja auch genau dasselbe. Sagen den Bürgern: Alles
wird gut, denken sich neue Gesetzte aus, vergeben Geld, das nicht
ihnen gehört und trauern um Leute, die sie nicht kennen.

2.Mann: Glaubst du nicht, daß die trauern ?

1. Mann: Das Trauern gehört zur Priesterrolle. Nur als die


Politiker sich das angemasst haben, haben die eins vergessen: Die
Priester kannten ihre Schäfchen tatsächlich und konnten auch was
dazu sagen.
vom 04.10.2020 31

Jetzt ist das doch nur noch: Ich kannte die nicht und werde sie nie
kennenlernen. Ich bin ja soooo traurig... das der Kaviar auf dem
Büffet nicht aus Russland ist.

2. Mann: Das klingt ganz schön zynisch

1. Mann: Stimmt aber. Sieh dir doch die letzten 2 Hohenpriester von
Amerika an. George W. Bush hat keine einzige Beerdigung von
gefallenen Soldaten besucht. Weil jeder gemerkt hätte, das er sich
einen Dreck um die Leute schert, die er für seine Ziele in den Tod
geschickt hat.

2. Mann: Nur ein brennender Busch verkündet die Wahrheit.

1. Mann: Eben. Obama hingegen ist total beliebt, weil er sich in


der Rolle des Priesters hervorragend macht, und glaubhaft trauert.
Sozusagen das gute Beispiel, wegen dem die Herde nicht aufbegehrt.

2.Mann: Dir ist wohl gar nichts heilig ?

1. Mann: Heilig ? Wie in: Gottgefällig ? Das ist fast so ein Wort
wie "Gottesfurcht". Das war extrem wichtig für Priester. Man konnte
mit Gott reden, ihn lieben oder was auch immer, das wichtigste war
aber, das man ihn fürchtete. Das passiert grade in den islamischen
Staaten.

2.Mann: Was ist denn da schon wieder ?

1.Mann: Wo die Politik der Staaten undurchlässig ist, predigen die


Priester umso radikaler, um Macht zu erlangen. Dafür braucht man
aber erstmal Gottesfurcht, und dafür eignet sich Terror
hervorragend. Was glaubst du denn, warum die Priester Mohammeds so
auf die Scharia pochen. Weil sie weltliche Macht bietet und dadurch
den Einfluss der Priester stärkt. Den Machthunger der Ohnmächtigen
darf man nie unterschätzen. Wenn die Geschichte überhaupt etwas
lehrt, dann dies: Wenn Priester ihre Macht missbrauchen, dann nimmt
das kein gutes Ende.

2.Mann: Moslems wehren sich entschieden dagegen, das der Islam in


einem Atemzug mit Terror erwähnt wird.

1.Mann: Die Menschen verwechseln gerne den Islam, der von Mohammed
verkündet wurde und die Scharia, die ganz und gar nicht von
Mohammed autorisiert wurde. Was da derzeit durchgedrückt werden
soll ist eine Auslegung der Wahabiten. Wahab war ein Prediger in
Saudi Arabien, von dem nie irgendjemand was gehört hätte, wenn es
da nicht so viel Öl gäbe. Zu seiner Zeit hatte sich der Islam
weiter entwickelt zu dem toleranten Islam der Hochkulturen. Wahab
betrachtete das als Dekadenz und wollte zurück zu den Ursprüngen
des Islam. Unterstützung fand seine Lehre in der Königsfamilie
Saud, die darauf ihre Herrschaft begründet und mit ihrem Geld bis
heute dafür sorgt, das sich die Lehre der Wahabiten verbreitet.

2.Mann: Und was sagt diese Scharia ?


vom 04.10.2020 32

1.Mann: Wahab war Purist, deshalb sagt seine Lehre im Grunde, das
man sich an die Worte des Propheten halten muss und keinerlei
Abweichungen geduldet werden. Alles was im Koran steht muss
wörtlich genommen werden und was nicht drin steht, ist nicht
erlaubt. Wer heutzutage sowas veraltetes wie diese Scharia
durchsetzen will, muss dafür Terror verwenden. Das geht nur durch
ganz massiven Druck. Das fängt mit dem Schleierzwang an, geht mit
Alkoholverbot weiter und führt dann plötzlich zum „heiligen Krieg“,
damit man einen Gottesstaat errichten kann.

2.Mann: Alles um Gott zu gefallen.

1.Mann: Ich wette das die Sonne ausserordentlich beeindruckt ist…

Ganz verrückt wird es, wenn sich Schiiten und Sunniten im Namen des
gleichen Gottes gegenseitig umbringen. Wobei dabei Gott wohl nur
eine Ausrede ist, das hatte mit Machtkämpfen verschiedener Clans
angefangen und ist bis heute so geblieben. Was die brauchen ist ein
neuer Kalif oder sowas, der die Region eint. Vorzugsweise jemand,
der eine vernünftige Islamrichtung durchdrückt.

2.Mann: So wie der Kalif von IS ?

1.Mann: Der ja nunmal gar nicht. Ein Kalif ist Beherrscher ALLER
Gläubigen und nicht nur der Sunniten. Ein Kalif der religiöse
Schreine und Moscheen sprengen lässt, weil sie Schiitisch sind, hat
keinerlei moralische Berechtigung. Das ist nur wieder das Furcht
Schema und vor allem ist es total peinlich, das der sich auf die
sunnitische Religion beruft, denn den Unterschied dürfte es gar
nicht geben. Schliesslich streiten die sich über den Nachfolger von
Mohammed.

2.Mann: Das ist scheinbar sehr wichtig

1.Mann: Das ist total albern. Jeder gläubige Moslem weiß, das
Mohammed der Prophet Gottes war und der LETZTE Prophet Gottes. Es
GIBT keinen Nachfolger.

2.Mann: Warum streiten die dann ?

1.Mann: Weil es eben doch nur um Macht und Geld geht. Normalerweise
müsste ein Kalif automatisch annehmen, das ihm alle Muslime
unterstehen. Dementsprechend müsste er auch alle Muslime schützen.
Aber IS ist mir lieber als ein echter Kalif der ein weltweites
Kailfat fordert.Das würde unweigerlich Schwierigkeiten bringen
denn das könnte den nächsten Religionskrieg auslösen.

2.Mann: Wenn Muslime in der ganzen Welt gegeneinander kämpfen ?

1.Mann: Oder wenn die sich vereinigen und auf die Idee kommen, das
ihre Wohnorte selbstverständlich islamisches Territorium sind und
dafür kämpfen wollen.

2.Mann: Warum sollte das ein Problem sein ?


vom 04.10.2020 33

1.Mann: Weil es in ganz Europa muslimische Ghetos gibt. Was glaubst


du was hier los ist, wenn die Priester der Berliner Muslime auf die
Idee kommen, das sich Berlin dem Kalifat anschliessen soll.

2.Mann: Klingt eher nach einer Sammlung fremdenfeindlicher


Klischees als nach einer vernünftigen Weltsicht.

1.Mann: Ein Film wie dieser kommt gar nicht ohne Klischees aus. Mit
Klischees kann man schnell Wertvorstellungen übermitteln,
Vorurteile aufbauen und polarisieren. Weil Klischee ein anderes
Wort für „Wahrscheinlichkeit“ ist. Deshalb funktionieren die ja
überhaupt. Es ist „wahrscheinlich“, das ein Teil der Gruppe die
beschriebene Eigenschaft hat. Oder glaubst du, jemand im Publikum
hat gemerkt, das meine Pharaonen Pyramiden bauen wollten ?

2.Mann: Alle Pharaonen bauen Pyramiden.

1.Mann: Zur Zeit von Moses haben die schon eine ganze Weile das Tal
der Könige umgegraben. Aber genau darum geht es bei Klischees. Ob
es um blöde Blondinen, faule Sozialhilfeempfänger oder eben um
Islamisten geht, jeder versteht das Bild sofort, weil es den
Vorurteilen entspricht. Und vergisst dabei, das tatsächlich nur ein
Teil dieser Menschen dem Klischee entspricht. Gerade im Islam macht
die radikale Kriegstreiberei nur einen Bruchteil der Gläubigen aus.
Leider besteht dieser Bruchteil aber aus überproportional vielen
Priestern und Predigern. Muslime sind herzensgute Menschen, aber
wenn dir plötzlich einer was von der Scharia erzählt, ist er
vermutlich ein Extremist.

2.Mann: Klischee…

1.Mann: Eben.

2.Mann: Gibt es dann gar nichts das dich von der Macht Gottes
überzeugen kann ?

1.Mann: Wie die meisten Menschen habe ich überhaupt kein Problem
damit, von Gott niedergestreckt zu werden. Wenn Gott morgen vor mir
steht und sagt: "Du stirbst jetzt" werde ich das als Beweis für
Gottes Macht gelten lassen. Vorrausgesetzt natürlich, das ist
tatsächlich ein göttliches Ereignis, wie ein Blitz oder sowas. Zur
Not würde ich auch einen Engel gelten lassen.

Aber die Realität sieht doch ganz anders aus. Die meisten
Gotteskrieger versuchen einfach wahllos so viele Gegner wie möglich
zu töten. Was soll das beweisen ? Wenn sich ein Selbstmörder mit
Sprengstoff in die Luft jagt, schreit er dabei „Allah ist groß!“
Alfred Nobel hat das Dynamit erfunden und der war zwar brilliant,
aber ganz sicher kein Gott und erst recht nicht Allah.

Ein allwissender, allmächtiger Gott weiss was ich von ihm halte und
kann mich mit einem Gedanken töten. Er tut es nicht, und das kann
nur 2 Ursachen haben: Der Sonne ist es egal ob ich lebe oder sterbe
oder Gott hat entschieden das ich leben soll.

Jetzt geht es aber los. Irgendjemand entscheidet "im Namen Gottes",


vom 04.10.2020 34

das ich sterben soll. Das ist schon der erste Fehler, denn das ist
Amtsanmassung und da es Gottes offensichtlichem Urteil widerspricht
- Gotteslästerung.
Aber gut, der Prister verkündet also seinen Anhängern, das ich eine
Gefahr für den Glauben (und damit für seine Macht) darstelle. Und
das Gott entschieden hat, das ich dafür sterben muss. Dann sucht er
Freiwillige die das Werkzeug Gottes werden sollen.

Das ist schon der 2. Fehler. Allmächtige Götter die Werkzeuge


brauchen ? Lächerlich. Das ist das klare Eingeständnis, das Gott
völlig machtlos und unfähig ist irgendwas zu tun, sonst würde er es
ja selber machen.

Also gut, der Gotteskrieger latscht los und was hat er in der
Tasche ? Göttliche Amulette und irgendwelche göttlichen
Zauberkräfte ? Nö, der hat eine handelsübliche Schusswaffe dabei,
die ganz sicher keinerlei göttliche Kraft hat.

Dann steht er vor mir und erzählt mir, das Gott entschieden hat,
das ich sterben soll. Das ist natürlich gelogen, denn eigentlich
hat es ihm irgendein dämlicher Priester verkündet.

Aber wer weiss, vielleicht ist er ja wirklich ein Fanatiker der


Gottes Stimme hört, und die Stimme hat ihm gesagt, das ich der
Feind Gottes bin und dafür sterben muss. Was kann ich dazu sagen
ausser: So ein ARSCH. Konnte der mir das nicht selber sagen ?

Vielleicht sagt der Fanatiker ja dann noch so was wie:


Selbsverständlich kannst du ihn nicht hören, es ist ja schliesslich
mein Gott.
Also werde ich getötet im Namen eines Gottes, der nichts
entscheiden kann, nichts machen kann und offensichtlich nur mit
Irren reden kann. Wer an so einen Gott glaubt der hat das Konzept
der Allmacht nicht verstanden.

So. Dann bin ich tot und die Frage bleibt: Was wurde jetzt
eigentlich bewiesen ?
Doch nur, das Gott machtlos ist, Priester viel Blödsinn erzählen um
ihre Macht zu schützen und das es immer Verrückte gibt, denen man
keine Waffen geben sollte....

2.Mann: Ich denke du verlässt dich viel zu sehr darauf, das Gott
nichts macht.

1.Mann: Sogar die angeblich gläubigen Islamisten verlassen sich


schon darauf. Wenn Boko Haram Mädchen entführt und als Sklaven
verkauft, sagen die "Inschallah". Das heisst eigentlich: „so Gott
will“.

Igendwann zwischendurch sind Islamisten dazu übergegangen, das so


zu deuten: Wenn Gott unsere Taten nicht verhindert, dann ist das
sein Wille. Es ist aber schon eine ganze Weile her, das die Sonne
irgendwas verhindert hat.

2.Mann: Wie soll Gott denn übehaupt irgendwas verhindern ?


vom 04.10.2020 35

1.Mann: Gute Frage. Aber als Islamist würde ich mir wohl eher die
Frage stellen, warum sich Gottes Wille neuerdings so oft in Gestalt
von Lenkraketen zeigt.

2.Mann: Boko Haram heisst soviel wie: „Westliche Bildung ist


Sünde“, oder ?

1.Mann: Stimmt. Meinst du, ich bin der Einzige der das Konzept
erkennt ? Wer weiss, der glaubt nicht. Säkulare Frauen sind ein
Albtraum für Islamisten. Deshalb gibt es in der Region so viel
Gewalt und Unterdrückung gegen Frauen.

2.Mann: Das muss doch zu ändern sein.

1.Mann: Alte Traditionen brechen ? In Stammesgebieten ? Keine


Chance. Ich habe mal eine E-Mail an Präsident Obama geschrieben. In
der habe ich vorgeschlagen, den Einfluss in Afghanistan zu nutzen,
um in allen Dörfern Frauen zu fragen, ob sie Soldaten werden wollen

2.Mann: Frauen ? Das ist doch verrückt.

1.Mann: Im Gegenteil. In der ganzen Region kämpfen dauernd Männer


für irgendwas, und sie können sich nicht einigen um was. Aber
Frauen wüssten genau wofür sie kämpfen. Eine Armee aus säkularen
Frauen wäre der super GAU für die Taliban. Die würden sich nicht
einfach mit irgendwem verheiraten oder vergewaltigen lassen,
sondern statt dessen jeden über den Haufen schiessen, der ihnen was
tun will.

2.Mann: Was hat Obama gesagt ?

1.Mann: Er hat leider nicht geantwortet. So geht das Morden weiter,


immer im Namen des einen Gottes.

2.Mann: Das ist alles so trostlos. Gibt es denn überhaupt keine


gültige Religion ?

1.Mann: Also die Juden wurden zuerst korrumpiert. Sie bilden sich
zwar viel ein auf ihre Gebote und sie sind zurecht stolz darauf,
das sie die Ersten waren, die Gott gefolgt sind, aber trotz allem
folgen sie nur dem Gott von Moses. Er hat sie um ihren Gott
betrogen.

Die Christen trifft es sogar noch schlimmer. Ihr Gott wurde von den
jüdischen Priestern ermordet und bekommt seine Göttlichkeit
trotzdem vom jüdischen Sonnengott.Der ganze Glaube von denen ist so
verworren und unglaubhaft, das sie ganze Völker erschlagen mussten,
bis die Überlebenden aus Angst alles glaubten, was man ihnen
erzählte. Denk nur an die Inquisition, die das Problem hatte, daß
ihnen dauernd Menschen erzählten: Euren blöden Gott gibt es gar
nicht. Und Gott hat die nicht vernichtet ! Die ganze Kultur der
Hexenverbrennung wurde darauf gegründet, das Gott eben nichts
machte. Jeder wusste, daß Gott überhaupt nichts macht und statt
einzusehen, daß der einfach machtlos ist, wurde eben gesagt, daß
wir sein Urteil in seinem Namen vollstrecken müssen.
vom 04.10.2020 36

Mohammed war eine Ausnahme, weil er erstens lange genug lebte, um


eine kohärente Religion zu erschaffen und gleichzeitig auch die
hohe Moral hatte, eine wirklich gute Religion zu erschaffen, bei
der Mann und Frau gleichberechtigt sind. Daß sich das Patriarchat
seine Worte nachher zurechtgebogen hat, ist ja nicht seine Schuld.
Hätte Mohammed die Scharia selber verfasst und formuliert, dann
sähe die ganz anders aus und die Islamisten wären garantiert nicht
so versessen darauf, die überall einzuführen.

Trotzdem, die Autorität hinter allem ist doch wieder der Gott von
Moses.

2.Mann: Gibt es nicht noch andere Religionen ?

1.Mann: Du meinst doch hoffentlich nicht die Zeugen Jehovas und


Satanskulte ?

2.Mann: Hatte ich gar nicht dran gedacht, aber wenn du schonmal
damit anfängst…

1.Mann: Also die Zeugen Jehovas sind wirklich süss, aber auch
bischen Naiv. Als wenn Gott es nötig hätte, die ganze Schöpfung
einzustampfen, damit danach Löwen und Schafe Freunde sein können.
Ausserdem leidet ihre Glaubwürdigkeit natürlich extrem darunter,
das der Termin für den Weltuntergang schon 2 mal verschoben wurde.

2.Mann: Und von Satanskulten hältst du wohl auch nicht viel…

1.Mann: Als im Mittelalter das Fegefeuer erfunden wurde, brauchte


man einen Herrscher dafür. Die Legende von Luzifer,dem
Erstgeborenen, bot sich dafür an.

Gott hatte die Engel als ihm ähnliche Wesen mit ähnlichen Kräften
geschaffen. Danach hatte er sich aber dem Menschen zugewandt.
Luzifer war eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit und wurde deshalb
von Gott aus dem Himmel verbannt.

Das der Teufel deshalb als Schlange Eva verführt hat war ein
Geniestreich der Priester und weil der ja sowieso frei rumlief,
konnte er natürlich auch die Höllenscharen befehligen.

2.Mann: Wieso sollte man ihn dann anbeten ?

1.Mann: Das man den Tod anbetet ist überhaupt nichts neues, Hades
hatte ja schon die Unterwelt beherrscht, jetzt war es halt Luzifer.
Wenn man davon ausgeht das man sowieso nicht in den Himmel kommt,
kann man auch den Herrn der Unterwelt anbeten. Dann ist die Hölle
vielleicht etwas freundlicher.Es ist also das übliche Furcht
Schema, das die Gläubigen bei der Stange hält. Soweit ich weiss
gibt es 2 Strömungen. Die einen glauben das Satan stärker ist als
Gott und die anderen glauben, das es Gott nicht gibt, sondern nur
Satan.

2.Mann: Was glaubst du ?


vom 04.10.2020 37

1.Mann: Satan macht nur als Gegenspieler zu Gott einen Sinn. Ein
unsterbliches mächtiges Wesen mit dem Charakter von Satan würde
garantiert nicht ohne guten Grund in der Hölle vor sich hinköcheln.
Ohne einen Gott der ihn da hält würde der hier irgendwo auf der
Erde auf einem Thron rumsitzen und sich anbeten lassen.

2.Mann: Also denkst du doch das es Gott gibt ?

1.Mann: Ich denke das es beide nicht gibt. Ich brauche keinen
Teufel, um an das Böse im Menschen zu glauben. Da reicht ein Blick
in die Geschichtsbücher und die Nachrichten. Alles eine Frage der
Sozialisierung. Wenn man sich mal unsere nächsten Verwandten, die
Schimpansen ansieht, die haben überhaupt kein Problem damit,
Mitglieder anderer Rudel abzuschlachten

2.Mann: Meinst du das kann man einfach auf Menschen übertragen ?

1.Mann: Das weiss ich sogar. Sobald man den Menschen erzählt das
die anderen gar keine Menschen sind, Untermenschen sind, Ausländer
sind, Ungläubige sind oder Feinde sind… sind die nur noch
Zielscheiben und zum Abschuss freigegeben. Das klappt überall auf
der Welt und ganz ohne Satan.

2.Mann: Und das ist dein Beweis ?

1.Mann: Noe, das kann man ja eben nicht beweisen. Aber wie gesagt,
der Teufel funktioniert nicht ohne Gott und wenn man an den ganzen
Quatsch mit Himmel und Hölle glaubt, dann ist es sehr unvernünftig,
Satan anzubeten.

2.Mann: Was ist mit den asiatischen Religionen ?

1.Mann: Guter Punkt, die wurden natürlich nicht von Moses


verfälscht.

2.Mann: Nein, ich meine ob die dann wahr sind ?

1.Mann: Schwer zu sagen. Ich weiss leider nicht genug über


Hinduismus um mir ein Urteil zu erlauben, aber ich habe so eine
Ahnung das sich das aus der gleichen Problemstellung wie der
ägyptische Vielgötterglaube entwickelt hat. Und nach allem was ich
weiss, hat auch keiner von deren Göttern in den letzten tausend
Jahren einen Telefonanruf beantwortet.

2.Mann: Und der Buddhismus ?

1.Mann: Ist eigentlich keine Religion, sondern eine Philosophie.

2.Mann: Das sehen die Buddhisten aber anders. Ich war in Thailand
und da stehen überall Tempel rum.

1.Mann: In der ganzen Region stehen Tempel rum, aber das ändert
nichts an der Tatsache. Ich fürchte da muss ich etwas weiter
ausholen.
vom 04.10.2020 38

Nach der Legende erkannte Prinz Siddahrta irgendwann, das sein


bisheriges leben eine Illusion war, von seinen Eltern erschaffen um
ihn davon abzuhalten, ein Lehrer zu werden damit er eines Tages
König werden konnte. Danach ist er aus dem Palast geflohen um sich
selber und die Wahrheit zu finden. Den Selbstfindungstrip machen
zwar viele, aber Siddharta hat tatsächlich eine Wahrheit gefunden.
Nach einigen Jahren der Askese und Meditation hörte er auf einem
vorbeifahrenden Boot einen Lautenspieler der mit seinem Lehrling
sprach. Laut Überlieferung waren die Worte: Wenn du eine Saite zu
straff spannst, wird sie reissen. Wenn du sie zu locker machst,
kannst du nicht auf ihr spielen. Sie muss genau richtig gespannt
werden.

Siddharta machte daraus seine Lehre der Mitte und danach nannte man
ihn Buddha, den Erleuchteten. Er stellte Regeln auf, die, wenn man
ihnen folgte, ein gutes Leben ermöglichen sollten und auch andere
auf dem Pfad der Erleuchtung zum Ziel führen sollten.

2.Mann: Klingt doch ganz vernünftig.

1.Mann: Ja, aber Buddha war natürlich nur ein Mann und sterblich.
Und in der Region gab es schon einen Haufen Götter. Vor allem
hinduistische Gottheiten, aber auch ein paar, die heute kein Mensch
mehr kennt. Die Priester standen also vor einem Problem, denn die
Lehren Buddhas hatten einiges an Sprengkraft.

2.Mann: Schon wieder Priester.

1.Mann: Genau. Und so wurde aus der Lehre Buddhas – eine Religion.
Buddha hatte seine Regeln ja für jedermann aufgestellt und wollte
auch, das jeder versucht, denen zu folgen. Aber wenn die Leute
ihren alten Göttern nicht mehr folgen, werden Priester arbeitslos.
Die Priester fingen also an, Buddha in ihr Weltbild zu basteln. Ein
zentrales Thema in Asien ist die Wiedergeburt. Man erreicht
sozusagen die höchste Stufe, wenn man als Mensch geboren wird und
wird dann beurteilt, wie man gelebt hat. Wer gut gelebt hat, wird
als Mensch wiedergeboren, schlechte Menschen werden Fliegen oder
Nutzvieh. Buddha beschrieb nun einen neuen Zustand, das Nirvana.
Die perfekte Symmetrie, Harmonie mit dem Universum und ultimatives
Ziel. Wer das Nirvana erreicht, wird nicht mehr wiedergeboren und
vereinigt sich mit Gott. Klingt toll, oder ?

2.Mann: So wie du das sagst, scheinst du nicht daran zu glauben.

1.Mann: Och, ich glaube schon an die Lehre von Budhha, aber das
Beiwerk der Priester ist schwer zu durchschauen. Ich weiss nicht
genug um zu beurteilen, was Original und was Priesterfälschung ist.

Z.B. wurde eine Gottheit in den Buddhismus gepresst, um die


Religion und die Priester zu legitimieren. Irgendjemand kam auf die
Idee, das Buddha die Reinkarnation eines Gottes war. Das hat dann
zu der Religion geführt, die jetzt in Thailand Tempel baut.

Das ist aber nur ein Zweig des Buddhismus und in meinen Augen nicht
der beste Weg. Buddha wird dort als eine Art Gott verehrt und die
Gläubigen sollen die Priester und Tempel versorgen. Das sind dann
vom 04.10.2020 39

die guten Taten für die bessere Wiedergeburt. Und weil man mit der
Aussicht auf eine Reinkarnation als Fliege nicht genug Furcht
erzeugen konnte um die Priester zu versorgen, schützen sie die
Gläubigen auch vor den ganzen bösen Geistern, die dort angeblich
rumspuken.

Soweit ich weiss gibt es das Ziel des Nirvana dort, aber ich finde
es bezeichnend, das nur Männer es erreichen können. Frauen müssen
erst als Mann wiedergeboren werden. Das hätte Buddha im ganzen
Leben nicht behauptet, also denke ich mal, das man diesen Zweig als
wahrhaftige Quelle der Erleuchtung ausschliessen kann.

2.Mann: Warum ist das dann trotzdem so weit verbreitet ?

1.Mann: Nun, es hat sich halt so entwickelt. Wenn eine Religion


2500 Jahre lang existiert stellt kaum noch jemand was infrage und
sie funktioniert auch ganz gut. Die Mönche haben Zeit zum
Meditieren, die Frauen kochen für die Priester und verbessern damit
ihr Karma. Jeder tut was er am besten kann.

2.Mann: Wenn Alice Schwarzer das hört wird sie dich in der Luft
zerreissen.

1.Mann: Ich habe mir das ja nicht ausgedacht. Übrigens gibt es noch
einen Grund warum das ganze so gut funktioniert. Die Wunsch
Zeremonie.

2.Mann: Wie bitte ?

1.Mann: Kannst du dich noch an Otto Waalkes erinnern ? Der hatte


mal einen Witz gemacht, der ging so: Heute ist meine Wunsch
Sendung. Sie können sich etwas wünschen. Wenn ich sage los geht es
los, wenn ich sage stopp ist es vorbei. Los – Stopp… Tja,
vielleicht beim nächsten mal…

2.Mann: Was hat das mit dem Buddhismus zu tun ?

1.Mann: Gar nichts. Aber die Zeremonie gibt’s im Thailändischen


Buddhismus wirklich. Du kannst dir etwas wünschen. Der Priester
fängt an zu beten und du darfst wünschen, bis er fertig ist. Und so
ein Priester kann verdammt lange beten. Genug für 10 bis 20
Wünsche. Irgendeiner muss ja schon durch Zufall erfüllt werden.

2.Mann: Man muss halt auch daran glauben.

1.Mann: Tja, mein Glauben reicht offensichtlich nicht. Ich war mit
meiner Frau bei 3 solchen Zeremonien und habe mir jedesmal EINE
Sache gewünscht. Immer die gleiche. Und es hat sich nicht erfüllt.
Was auch zu erwarten war, denn wie gesagt, eigentlich ist der
Buddhismus gar keine Religion und Buddha hat mit Wunscherfüllung
nichts zu tun.

2.Mann: Willst du den Buddhismus einfach so abtun ? Es funktioniert


nicht, also ist alles falsch ?
vom 04.10.2020 40

1.Mann: Verdreh mir nicht die Worte im Mund. Der Buddhismus als
Religion ist genauso sinnvoll oder sinnlos, wie alle anderen
Religionen. Aber Erleuchtung ist dort eher Zufall als die Regel.
Ausserdem ist das ja nur eine Richtung, meiner Meinung nach die
Schlechteste.

Es gibt noch den Zweig der Tibeter und den Zen Buddhismus. Die
Tibeter setzen zum Erreichen der Erleuchtung auf aufwändige Bilder,
die hergestellt werden, um sie wieder zu vernichten. Ich weiss
nicht wie viele dabei erleuchtet werden, aber ich weiss, das auch
in der tibetischen Lehre die Frauen erst als Mann wiedergeboren
werden müssen, um erleuchtet zu werden.

Was mich ein bischen stutzig macht ist die Zeremonie des
wiedergeborenen Nachfolgers.

2.Mann: Das habe ich mal in einem Film gesehen, ein amerikanischer
Junge sollte beweisen das er der wiedergeborene Meister war.

1.Mann: Eben. Soweit ich weiss gibt es die Zeremonie schon ziemlich
lange. So wird der Nachfolger gewählt, man versucht den
wiedergeborenen Meister zu finden.

2.Mann: Was macht dich daran stutzig ?

1.Mann: Nun, dieser Meister scheint schon sehr lange auf der Erde
zu wandeln und als Meister sollte er eigentlich am ehesten in der
Lage sein, das Nirvana zu erreichen und eben NICHT mehr
wiedergeboren zu werden.

2.Mann: Oh Oh..

1.Mann: Womit wir wieder beim Thema sind, das sich Priester die
Dinge gerne so zurecht legen, wie es ihnen in den Kram passt. Der
Zen Buddhismus scheint noch am ehesten bei Buddha geblieben zu
sein, soweit ich weiss sind dort kaum religiöse Auswüchse dazu
gekommen. Jeder kann erleuchtet werden und das ist auch eher die
Regel als die Ausnahme, wenn man denn die Zeit und die Energie dazu
hat.

2.Mann: Also denkst du das der Zen Buddhismus die beste Religion
ist ?

1.Mann: Nein, denn eigentlich ist es eben keine Religion, sondern


eine Philosophie.

2.Mann: Was ist denn jetzt der Unterschied ?

1.Mann: Zwischen Religion und Philosophie ? Philosophen versuchen


rationelle Günde für das Universum zu finden und Lösungen
aufzuzeigen, die überzeugend genug sind, damit Menschen sich "gut"
vehalten.
Religionen wollen auch das sich die Menschen gut verhalten, aber
zur guten Führung gehört die Versorgung der Priester. Um das zu
erreichen wird gewöhnlich Furcht vor dem Jenseits genutzt. Als
Faustformel kann man sagen, jeder der dir mit Vernunft in diesem
vom 04.10.2020 41

Leben kommt ist ein Philosoph und jeder der dir mit dem Leben nach
dem Tod droht ist ein Priester.

2.Mann: Dann wären Politiker ja Philosophen.

1.Mann: Politiker sind grenzwertig, aber eindeutig Priester. Sie


versprechen ein Leben nach der nächsten Wahl. Ein Beispiel für eine
Philosophie wäre Scientology.

2.Mann: Von denen hört man aber immer nur schlechtes in den Medien.

1.Mann: Kein Wunder, denn obwohl die grundlegende Philosophie nicht


die Schlechteste ist, sieht sich Scientology als Kirche und nutzt
die üblichen Methoden von Angst und Unterdrückung, um den Profit
der Priester zu maximieren. Soweit ich weiss geben sie dem ganzen
zwar einen wissenschaftlichen Anstrich, aber eigentlich nutzen sie
die Versagensangst der „Gläubigen“ um überteuerte Kurse zu
verkaufen. Ein schönes Beispiel dafür, das Priester jede gute Idee
kaputt kriegen.

2.Mann: Also gut, ist Zen Buddhismus dann wenigstens eine gute
Philosophie ?

1.Mann: Es ist zumindest sinnvoll, mal darüber nachzudenken. Die


Lehre des Buddha ist, das alle Menschen von Leid beeinflusst
werden. Er unterscheidet zwischen Leid, das von aussen kommt und
unvermeidbar ist, also z.B. Krankheit, Alter und Tod, und Leid, das
durch schlechte Taten verursacht wird. Während man das Leid von
aussen mit Gleichmut ertragen sollte, sagte Buddha ganz klar das
Leid durch Taten vermieden werden sollte. Er war der Ansicht, das
dieses Leid hauptsächlich durch Unwissenheit verursacht wird.

Deshalb war sein Weg, sich selber zu ändern. Buddha stellte seine
Lehre in Sutren zusammen die jeder Lernen sollte und dann über den
Sinn meditieren. Dadurch konnte man ganz allgemein das Meditieren
lernen, was wirklich jeder lernen sollte. Im Grunde heisst das nur,
das man sich auf das Wesentliche konzentriert und hinterher besser
den Fokus auf irgendwas richten kann, ohne sich ablenken zu lassen.
Gleichzeitig lernte man aber dabei auch die Grundlagen seiner
Theorie der schlechten Taten.

In Asien nennt man Taten Karma und das wird hier im Westen oft als
Schicksal übersetzt. Das stimmt aber nur indirekt.
Das Konzept ist, das gute und schlechte Taten dein Schicksal
beeinflussen und daher kommt dann gutes oder schlechtes Karma.
Dabei ist es noch nichtmal zwingend notwendig, das Taten
tatsächlich schlecht sind, es kommt vor, das das Leid darin erst
durch Unwissenheit entsteht.

2.Mann: Hast du dafür ein Beispiel ?

1.Mann: Wenn ein 13 jähriges Mädchen mit einem Jungen ins Bett geht
und dabei schwanger wird, weil ihr niemand gesagt hat, das Sex vor
allem zur Zeugung von Kindern dient und Kondome davor schützen,
dann wird daraus zweifellos einiges Leid entstehen.
vom 04.10.2020 42

2.Mann (zweifelnd): Das ist die Lehre von Buddha ?

1.Mann: Buddha hatte ganz andere Sorgen, du wolltest ein Beispiel


von mir.

2.Mann: Aber 13 jährige Mädchen sollen gar keinen Sex haben und
deshalb müssen die das auch gar nicht wissen. Es gibt ja sogar
Gesetze dagegen, Kindern sowas zu erzählen.

1.Mann: Wenn diese Sichtweise funktionieren würde, dann gäbe es


keine 14 jährigen Mütter. Die Sache mit den Kondomen müsste man
Mädchen beibringen, sobald sie ihre erste Periode haben. Durch die
ganzen Hormonzusätze in Lebensmitteln und Kosmetika wird das
nämlich immer früher. Teilweise haben schon 11 Jährige ihre erste
Regel. Die Natur hält sich eben nur in Ausnahmefällen an moralisch
inspirierte Lehrpläne.

2.Mann: In Lehrplänen sind pädagogisch ausgewählte Themen die von


Fachleuten für das jeweilige Alter zusammengestellt wurden.

1.Mann (gähnt demonstrativ): Gäähhn… Und es ist natürlich reiner


Zufall das in diesen Komissionen und Ethikräten eine
überproportional hohe Anzahl von Priestern ist, weil die ja so eine
hohe Moral haben. Und es ist sicherlich auch Zufall, das Kondome
normalerweise so spät wie möglich erwähnt werden und das hat
natürlich üüüberhaupt nichts damit zu tun, das die Katholische
Kirche Kondome ablehnt. Ethik ist ein Kunstwort, das entwickelt
wurde, weil die Menschen nach der Zeit der Aufklärung nicht mehr
den Priestern und ihren alten Moralvorstellungen folgen wollten.
Aber solange in Ethikräten Priester sitzen, ist Ethik nur ein
anderes Wort für religiöse Wertvorstellungen.

2.Mann: Und was hat das jetzt alles mit Buddha zu tun ?

1.Mann: Buddha hegte die Hoffnung, die Welt besser zu machen, wenn
genug Menschen auf schlechte Taten verzichten.

2.Mann: Weil man Leid vermeidet ?

1.Mann: Weil man lernt, wie man Leid vermeidet. Im Zen steht lernen
an oberster Stelle. Der Meister gibt dem Schüler gewöhnlich eine
schwere Frage um ihn dazu zu ermutigen, seinen Geist zu öffnen und
den Kern der Dinge zu erkennen. Dabei ist die Antwort bei weitem
nicht so wichtig wie der Weg dahin, der Weg ist das Ziel. Deshalb
wird man auch nie wirklich „fertig“. Man soll sein ganzes Leben den
Geist offen halten für neues und neue Zusammenhänge. Damit man
genug weiss, um schlechtes Karma zu vermeiden.

2.Mann: Funktioniert das denn ?

1.Mann: Der Zen Buddhismus ist Zielführender als die meisten


anderen Philosophien, aber es gibt dort auch Nachteile. Zum
Beispiel gibt es im Zen kein Leben nach dem Tod, weil es keine
unsterbliche Seele gibt. Die Erleuchtung ist darauf ausgelegt in
diesem Leben zu kommen und dich dann zu begleiten bis zum Tode. Als
guter Mensch gutes tun sozusagen.
vom 04.10.2020 43

2.Mann: Klingt doch ganz hübsch.

1.Mann: Eine Frau die ich sehr schätze hat mir mal gesagt, das sie
das Nirvana traurig findet, denn damit gibt es keine Hoffnung auf
das Wiedersehen mit ihrem geliebten Mann. Da gefällt ihr das
Christentum besser.

2.Mann: Womit wir wieder beim Glauben sind.

1.Mann: Die gleiche Frau kritisierte Papst Benedikt wegen seiner


Auslegung der Bibel und seiner Weigerung, Fehler in der
Überlieferung zu korrigieren. Die Antwort darauf fand ich aber
interressant. Zugegeben, die Antwort kam nicht auf die Vorwürfe,
aber es war die Essenz seiner Einstellung zu dem Thema. Papst
Benedikt sprach sich gegen die Selbstbedienungsmentalität der
Gläubigen aus. Das die Gläubigen von heute sich aus dem Glauben
herraussuchen, was ihnen gefällt. Er meint: Wenn ein Teil der
Offenbarung wahr ist, dann sind es auch die anderen. Wenn eine
Regel stimmt, dann stimmen auch alle. Wenn eine Regel gültig ist,
dann muss man sich an alle halten.

2.Mann: Was sagst du dazu ?

1.Mann: Mein Umkehrschluss: Wenn ein Teil falsch ist, dann ist die
Wahrheit der Anderen auch fragwürdig.

2.Mann: Aber was bedeutet das Alles ? Was ist mit der unsterblichen
Seele ? Nirvana ? Ewiges Leben und der jüngste Tag ?

1.Mann: Wer kann das wissen ? Vielleicht gibt es ja trotzdem eine


unsterbliche Seele. Überlege mal, jeder Mensch kann religiöse
Erfahrungen haben. Aber der Gott ist dabei völlig beliebig. Die
Buddhisten sind genauso glücklich mit ihrem Gott wie die Hindus und
Christen. Die einzige Konstante darin sind die Menschen. Aber egal
welche Religion dir was darüber erzählt, es weiss einfach keiner.
Denn alles, was sie dir erzählen können, ist Menschenwort. Von
Menschen für Menschen.

Es gibt eine Studie der Verhaltensforschung, die das Lernverhalten


von Kindern und Affen untersucht hat.
Die ist nicht geheim, tatsächlich kam die im Fernsehen. Natürlich
wurde sie nicht grossartig kommentiert, zensiert oder gar verboten.
Nur nicht auffallen war die Devise dabei. Mehr als ein "das ist ja
interessant" sollte dabei auch gar nicht kommen. Gott bewahre, daß
die Menschen zu viel darüber nachdenken...

2.Mann: Jetzt benutzt du selber das Wort "Gott"...

1.Mann: Ja, aber ich zitiere die Verantwortlichen. Siehst du, in


dem Experiment wurde eine Blackbox vor Kindern und Affen aufgebaut.
Die Versuchsleiterin machte vor, wie man an die Belohnung kommt.
Affen und Kinder machten die Bewegungen nach, und bekamen jeweils
ihre Belohnung.
Danach wurde Kiste durchsichtig gemacht, und man konnte sehen, das
eine Bewegung im Ablauf völlig sinnlos war. Kinder und Affen
konnten das erkennen und liessen die dann auch aus.
vom 04.10.2020 44

Aber jetzt kommt es. Danach bekamen die wieder ihre Blackbox, und
die Affen liessen die sinnlose Bewegung auch weiter aus. Die Kinder
machten wieder die Zwischenbewegung. Alle Kinder. Auf der ganzen
Welt.

2.: Was ist daran so besonders ?

1.Mann: Was hältst du statt: "Ist ja interressant" von der


Schlagzeile: Affen glauben nicht an Gott, sondern an die nächste
Nuss ?

2.Mann: Wie meinst du das ?

1.Mann: Menschenkinder lernen in viel stärkerem Maße durch


Nachahmung als Affen. Wenn die Eltern ihnen sinnlose Rituale
vorleben und ihnen sagen, das es sonst nicht regnet, oder das Gott
sonst beleidigt ist, dann glauben die das und machen das auch.
Überall auf der Welt gibt es religiöse Gebäude, Bräuche und
Abbilder, die keinen anderen Zweck haben, als den Glauben zu
stärken. Irgendeinen Glauben. Und es funktioniert. In Ägypten
wurden mal heilige Stiere angebetet. Das hat mindestens so gut
funktioniert, wie die anderen Götter.

2.Mann: Vielleicht wars ja ein richtiger Gott.

1.Mann: Sei nicht albern. Wichtig ist für die Priester, die
Menschen so früh wie möglich zu erwischen. Lasset die Kindlein zu
mir kommen. Die Beschneidung wird an Knaben vorgenommen, zum Bund
mit Gott. Aber wenn man ohne aufgewachsen ist, dann ist man ein
Ungläubiger. Das ist eine echte Gefahr für Priester, denn die leben
trotzdem, vermehren sich trotzdem und zeigen den Anhängern, das man
auch ohne die sinnlose Bewegung glücklich sein kann.

2.Mann: Sowas macht Priester sicherlich wütend.

1.Mann: Sowas macht Priester mörderisch.Seit Jahrtausenden hört man


von Priestern immer das gleiche: Tötet die Ungläubigen. Euer Gott
will es so. Hat auch lange funktioniert, bis das Zeitalter der
Aufklärung die Hülle von der Kiste gezogen hat.

2.Mann: Dann sollte das doch jetzt langsam kein Problem mehr sein.

1.Mann: Schön wärs, aber es gibt noch zu viele Menschen die die
sinnlosen Handgriffe kennen. Und es gibt auch noch genug Regionen,
in denen die Aufklärung nicht weit genug verbreitet ist.

2.Mann: Du meinst die arabischen Staaten.

1.Mann: Die auch. Aber wie stehts mit den USA ?

2.Mann: Hör auf, eines der führenden Technologie- und Wissenzentren


der Menschheit.Wie kannst du behaupten, die sind nicht aufgeklärt ?

1.Mann: Es gibt in Amerika einen überproportional grossen Anteil an


Menschen, denen Gott entsetzlich wichtig ist. Zum Beispiel glaubt
in Amerika kaum einer daran, das es den Klimawandel gibt. Es gibt
vom 04.10.2020 45

jede Menge Modelle, Berechnungen und Experten, die das beweisen


wollen, aber das ist unwichtig. Weil schliesslich jeder gute
Amerikaner weiss, daß Gott das Wetter macht.

2.Mann: Darüber habe ich nie nachgedacht, aber es macht schon Sinn.

1.Mann: Leider. Es würde reichen wenn die Priester zwischendurch


mal verkünden, das die Amerikaner nicht so viel Energie
verschwenden sollen. Darauf würden die hören. Dummerweise wird das
kein Priester jemals in den Mund nehmen. Weil er dann zugibt, daß
Gott mit dem Wetter nix zu tun hat. Einer der schärfsten Gegner der
Theorie vom Klimawandel war George W. Bush. Passte nicht in sein
Weltbild. Er war guter Christ und vor allem „Big Oil“.
Energiesparen ist schlecht fürs Geschäft.

2. Mann: Du hältst nicht viel von Bush, oder ?

1. Mann: Jemand hat es mal gewagt, ihn mit Hitler zu vergleichen.


Da war das Geschrei aber gross. Ich fands auch absurd, aber anders
herum. Hitler hat ein Land nach dem anderen eingenommen bis ihn die
ganze Welt gestoppt hat. Bush hat es nichtmal geschafft, den Irak
und Afghanistan zu kontollieren, als ihm die ganze Welt geholfen
hat. Der konnte Hitler nicht das Wasser reichen.

2. Mann: Dir ist schon klar das ein Film automatisch zensiert wird,
in dem Hitler lobend erwähnt wird ?

1. Mann (lacht): Als wenn es ein Film wie dieser jemals an den
Medienwächtern vorbei ins Fernsehen schafft.
Ausserdem ist das kein Loblied auf Hitler. Das ist schon ganz gut
das der Kreuzfahrer George W. Bush nicht die Möglichkeiten von
Adolf Hitler hatte. Bush war so schon schlimm genug, wer weiss was
der sonst noch alles angestellt hätte.

Siehst du, Hitler war der ultimative Hohepriester. Sozusagen die


Quintessenz der Priesterschaft. Das volle Programm. Germanischer
Götterglauben, Prachtbauten, Heldenverehrung, Indoktrination der
Jugend, Kreuzzug und Vernichtung der Andersgläubigen. Das perfekte
Beispiel dafür was passieren kann, wenn Priester Macht bekommen und
sie missbrauchen.

2.Mann: Wenn du denkst das alles Übel von Priestern ausgeht, wieso
zerstört Gott dann die Welt ?

1.Mann: Weil wir es Ihm ermöglichen. Die Treibhausgase, die wir in


die Luft blasen, zerstören unseren Schutz vor der Sonne und werden
Feuer und Verderben auf die Erde herabbeschwören, genauso wie es
die Propheten immer gesagt haben.

2.Mann: Aber das macht die Sonne doch nicht mit Absicht !

1.Mann: Ganz genau. Der Sonne ist das egal. Aber sie ist nunmal
unser Gott, und damit wäre auch die letzte Prophezeiung erfüllt.

2.Mann: Du sagst immer: Wer weiss, der glaubt nicht. Was soll das
eigentlich heissen ?
vom 04.10.2020 46

1.Mann: Das heisst genau das, was es heisst. Tanith Lee hat mal in
ihrem Dämonenzyklus einem Philosophen die Worte in den Mund gelegt:
Die schwarze Rose blüht nirgends, lasst uns also an sie glauben.
Man kann sich etwas schönes vorstellen, wünschen und daran glauben
das es bestimmte Eigenschaften hat. Erst wenn man weiss das es
existiert, dann glaubt man nicht mehr. Dann kennt man die
Eigenschaften.

Die Geschichte ist voll von Göttern die bestimmte Phänomene


abgebildet haben. Thor für Blitze, Bachhus für Wein und so weiter.
Niemand glaubt mehr daran, weil wir es besser wissen. Die alten
Griechen hatten einen ganzen Pantheon erfunden der einfach
aufgegeben wurde, als sich eine andere Religion durchsetzte und die
Menschen erkannten, das ihre Götter Naturphänomene waren.
Erkenntnis war der Schlüssel zum Ende der Götter

2.Mann: Ach so, und du weißt, daß es Gott gibt.

1.Mann: Natürlich weiss ich das nicht. Aber Ich weiss wer der Gott
von Moses ist und wenn ein Großteil der Menschheit den über
Jahrtausende anbeten konnte ohne das es irgendwelche positiven oder
negativen Konsequenzen gab, muss ich mir über andere Götter nicht
den Kopf zerbrechen.

2.Mann: Vielleicht sollten wir die Religionen einfach abschaffen


und uns selbst um die drängenden Probleme kümmern.

1.Mann: Aber die Menschen WOLLEN glauben. Götter wurden zu allen


Zeiten erfunden. Nicht weil sie da waren, sondern weil sie
gebraucht werden.

Auf Gott kannst du alles schieben das passiert und das du nicht
verstehst oder nicht ertragen kannst. Er kann dir helfen etwas
unerträgliches zu ertragen. Jesus war damals eine echte Hilfe für
die Sklaven in Amerika. Was eigentlich witzig ist, denn es war der
Glauben ihrer Unterdrücker und das Christentum wurde vor allem
gebraucht, um die Untergeben in der Spur zu halten. Was absolut
nicht das war, was Jesus gepredigt hatte.

Gott macht auch glücklich. Neurologen haben herausgefunden, das


Menschen glücklich sind, wenn sie für etwas dankbar sind. Durch
Dankbarkeit werden bestimmte Neurotransmitter ausgeschüttet.
Überall auf der Welt sitzen Gläubige rum und danken Gott für völlig
triviale Sachen. Dadurch werden sie so glücklich, das sie Gott
danach noch mal dafür danken, das sie so glücklich sind.

Göttliche Verbote haben die Zivilisation überhaupt erst ermöglicht.


Die 10 Gebote haben nicht ohne Grund so lange überdauert. Wenn Gott
den Verzehr von Schweinefleisch untersagt wirkt das viel besser als
der Hinweis, das man von dem Fleisch wahrscheinlich Bandwürmer
bekommt.

Fast alle Menschen stellen sich mal die Frage: Wieso bin ich
eigentlich hier ? Ein unglaublicher Teil dieser Menschen kann die
Einsicht nicht ertragen, das ihr Leben tatsächlich so klein und
unbedeutend ist, wie sie sich fühlen.
vom 04.10.2020 47

Deshalb hören sie gerne das Versprechen von einem Paradies, wenn
sie nur brav weiter ihre Rolle spielen. Der allmächtige Gott weiss
was am Besten für dich ist und bestimmt über dein Schicksal. Das
ist eine gute Ausrede, um nicht über dich und deine eigenen Fehler
nachzudenken. Du musst deine Faulheit, Dummheit und Trägheit nicht
überwinden. Bleib wo du bist. Gott weiss es am besten.

Eines darf man aber nie vergessen: Die ganzen Versprechen der
Priester muss ja irgendjemand erfüllen. Und die Sonne WIRD das
nicht machen.

2.Mann: Und was ist die Lösung ?

1.Mann: Wie bitte ?

2.Mann: Was sollen wir jetzt tun ?

1.Mann: Wieso wir ?

2.Mann: Hast du denn keinen Weg, oder eine Lösung ?

1.Mann: Bin ich vielleicht Jesus ? Sehe ich aus wie ein verdammter
Religionsgründer ?
(Springt auf und gestikuliert)

1.Mann: Jahrtausende wurde der Geist der Menschheit von Religion


gefesselt. Ich sage nur, daß diese Fesseln gar nicht existieren.
Weil Moses ein Schwindler war.

2.Mann: Aber du musst doch irgendetwas anderes verkünden ?

1.Mann: Warum sollte ich das tun wollen ? Ich habe auch nicht alle
Antworten.

2.Mann: Aber wen soll man denn fragen ?

1.Mann (aufgebracht): Wieso muss es denn immer einen Vorbeter geben


? Das Wissen der Menschheit ist für jeden zugänglich. Jeder kann
forschen, jeder kann Fragen stellen und jeder muss seine eigenen
Antworten finden.

(der 2.Mann starrt ihn ungläubig an)

1.Mann (wütend): Dummköpfe und Faulpelze, die ihren Kopf nur zum
Haareschneiden haben. Die nicht mal selber nachdenken wollen.
Deshalb sieht die Welt so aus. Warum rede ich mir eigentlich den
Mund fusselig. (geht aus dem Bild)

Ende

Endlied/Abspann: Imagine von John Lennon