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B5

BAU Mai 20
117. J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin

ME ISTER
Städtisches Land + ländliche Stadt

A D E P T, TO POT E K 1, AT K I N S
WERNER BÄTZING
BRÜCKNER & BRÜCKNER
M ARTA DOE HLE R-BE HZADI
FLORIAN NAGLER ARCHITEK TE N
RE IULF R A MSTAD ARKITE K TE R
SCHLICHT LAMPRECHT ARCHITEKTEN
STADTGE SPR ÄCH
STUDIO GRÜNDER KIRFEL ET AL.
MAX OTTO ZITZELSBERGER
LASS DICH FINDEN.
new-monday.de/architekten
Editorial

D
ieses Heft ist noch kaum von der Krise beeinträchtigt, die übliche
Leere in manchen Architekturfotos ist jedenfalls nicht virenbedingt.
Zeit zum Lesen?

Aber das Thema ist eines, das vor allem bei Städtern in Krisen­-
zeiten zunehmend Sehnsucht und Fluchtgedanken auslöst: das
Landleben. Es liegt schon seit Jahren in der Luft, wird debattiert,
kritisiert, ignoriert, verklärt. Für alle sichtbar wurde es um das Jahr
2005, markiert durch das Erscheinen der dann unerwartet erfolg-
reichen Zeitschrift „Landlust“. Was Städter aufs Land zieht, ist die
Vorstellung einer „natürlicheren“ Lebensweise mit besserer Luft,
umweltfreundlicher Energiegewinnung, gesunden Lebensmitteln Warum nicht einen

und „unberührter“ Natur, die aber doch bitteschön mit gepflegten Roman über das Leben
auf dem brandenbur-
Waldwegen, Hinweisschildern und Rastplätzen ausgestattet sein gischen Land: „Unter-
muss. All das soll das Land leisten. leuten“ von Juli Zeh,

Da hilft es, sich mit der Realität und einer messerscharfen Analyse 639 Seiten, Luchter-
hand Literaturverlag
AB SEITE der Situation auf dem Land auseinanderzusetzen. Der Kulturgeo-
80
graf Werner Bätzing hat in seinem lesenswerten Buch „Das Land-
leben. Geschichte und Zukunft einer gefährdeten Lebensform“
nicht nur den Zustand damals und heute erforscht, sondern liefert
auch Vorschläge, wie Stadt und Land künftig besser – und gleich-
berechtigter – nebeneinander gedeihen können.
Mit dem gleichen Ziel entstehen auch vielerorts bemerkenswerte
Initiativen: gegen Landschaftsverbrauch und für Innenentwick-
lung, wie etwa „Urbanes Land“, eine Forschungsinitiative der
Hochschule Biberach, die sich der Analyse von Urbanisierungs-
prozessen in Regionen mittlerer Dichte widmet. Die Architektur-
galerie Aedes in Berlin veranstaltete noch Anfang März eine
Gesprächsrunde zu „Hinterland: Landlust und Frust. Das Tierwohl
zwischen Konsumgesellschaft und Agrarökonomie“. Und selbst
den leidenschaftlichen Urbanisten Rem Koolhaas hat die Faszina-
tion Landleben erfasst – allerdings weniger die idyllische Seite
als die hochtechnisierte. Bei der Eröffnung seiner Ausstellung im
Guggenheim-Museum, „Countryside, The Future“, meinte er sogar,
nur das Land, nicht die Stadt, habe Zukunft. AB SEITE
Dass auch Architektur eine positive Wirkung auf die Lebensqua- 76

lität in der Region haben und ein Zeichen setzen kann, beweisen
nicht zuletzt die Projekte im Heft. Auf jeden Fall ist das Landleben
COVE RFOTO: SE BASTIAN SCHE L S/SIMON JÜT TNE R

komplizierter als es scheint, wie es Juli Zeh überzeugend in ihrem


Roman „Unterleuten“ schildert. Es gilt, was der Bürgermeister im
Streit um Windräder im Dorf seufzend meint: Es sei halt nicht so
einfach, das einfache Leben.

Sabine Schneider
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Twitter @der_baumeister
Instagram @baumeister_architekturmagazin
4

B5 Köpfe Ideen
Unterschei-
den sich Stadt
und Land
überhaupt
noch? Hat das
Landleben
eine Zukunft?
Einige Ant-
worten in
diesem Heft

Die unterstri-
chenen Bei- 10 38
träge rechts StadtLand als Mission: Marta Doehler-Behzadi Eines der Vorzeigeprojekte der IBA Thüringen

befassen
sich mit dem
Titelthema. 10 18
Marta Glentleiten
Doehler-Behzadi Vorbildliches Bauen auf dem Land: das
Eingangsgebäude des Freilichtmuseums
Die Leiterin der IBA Thüringen und ihr
großes Team suchen und finden Lösungen
gegen Landfrust. 28
Burg Brattenstein
14 Ein Stadtbalkon für Röttingens Altstadt
Stadtgespräch
Julia Kaiser und Jennifer Bettinger 38
engagieren sich für Dorferneuerungs-
projekte.
Schloss Bedheim
Jenseits der Baumarkt-Tristesse:
Die neue Remise ist Teil der IBA Thüringen.

46
FOTOS VON LINKS: THOM AS MÜLLE R; SE BASTIAN SCHE L S; LUCA LOCATE LLI; AGAPE
Berngau
BAU Unscheinbar und verleiht dem Ort doch
Glanz: Umnutzung einer Kläranlage
MEISTER.
DE 56
Aabenraa
Revitatlisierung eines Kleinstadtzentrums
mit einfachen Mitteln

Schwierige Zeiten erfordern


ungewöhnliche Lösungen:
64
Baumeister verschickt regel- Waldsassen
mäßig einen Homeoffice- Ein Rathaus wird zeitgemäß repräsentativ.
Spezial-Newsletter an die
vielen Heimarbeiter.
5

Fragen Lösungen

Gast-Arbeiter

Anja Koller hat an der TU Dresden


Kommunikationswissenschaft,
Politik und Kunstgeschichte
studiert. Ihre Abschlussarbeit hat
76 94
sie zum Thema Public Journalism
Die Zukunft? Sterile Indoor-Landwirtschaft Immer wieder neu, besser, feiner: Badaccessoires
geschrieben. Seit 2017 ist sie
Redakteurin bei Topos, dem
internationalen Fachmagazin

76 94 für Landschaftsarchitektur und


Urban Design.
Wie sieht das Bad
Landleben heute 100
wirklich aus? Referenz
V-Hotel in Bonn mit Badausstattung
80 von Ideal Standard

Ist das Landleben


eine gefährdete 102
Boden
Lebensform?
82
Wie entstehen
vitale Gemeinden? RUBRIKEN Aufgewachsen auf dem Campus
der Hochschule für Gestaltung
6 Ulm, lag ein Architekturstudium
EIN BILD nahe. Florian Aicher ist seit
36 1981 selbstständig und lehrt in
KLEINE WERKE Deutschland sowie Österreich.
62 Er lebt in Rotis im Allgäu und
UNTERWEGS schreibt zudem für internationale
82 Zeitschriften über das Bauen
ARCHITE K TUR + M ANAGE ME NT und Handwerk.
10 0
REFERENZ
107
IMPRE SSUM + VORSCHAU
10 8
PORTFOLIO: BAD
11 4
KOLUMNE
Klaus Leidorf Landschaftsverbrauch nördlich von Plattling, Niederbayern 6
Ein Bild
7
Es scheint immer so
klar: Die neue Um-
gehungsstraße ist
wichtig, da Autos
die Städte und
Dörfer verstopfen;
das neue Wohn­
gebiet ist wichtig,
denn Wohnraum ist
knapp; das neue
Gewerbegebiet ist
ohnehin wichtig,
verspricht es doch
der Gemeinde
Einnahmen und Ar-
beitsplätze. Täglich
werden in Deutsch-
land 58 Hektar
neue Verkehrs-
und Siedlungsflä-
che ausgewiesen.
Zwar wurde in den
1990ern schon mal
mehr Fläche be-
baut, aber bis zum
Ziel der Bundesre-
gierung, im Jahr
2030 weniger als
30 Hektar täglich
zu verbrauchen,
ist es noch weit.
Eine Chance ist die
Innenentwicklung,
die seit 2013 im
Baugesetzbuch
festgeschrieben ist.
Sanieren, nachver-
dichten, Nutzun-
gen mischen –
das wäre das Ide-
al. Klingt simpel,
ist aber komplex:
Lieber wohnt man
im ruhigen Neu-
bauviertel statt
im lauten Zentrum,
oft sind die Eigen-
tumsverhältnisse
kompliziert, die
Bebauungspläne
hängen noch an-
deren städtebau-
lichen Idealen
nach, die rechtli-
che Lage ist ver-
FOTO: KL AUS LE IDORF LUF TBILDDOKUME NTATION

zwickt. Kooperati-
on ist gefragt. Nur
dort, wo sich Poli-
tiker, Verwaltung,
Eigentümer, Zivil-
gesellschaft, Wirt-
schaft und Bewoh-
ner gemeinsam für
Innenentwicklung
einsetzen, lassen
sich nachhaltige
Impulse setzen.

Text Gesa Loschwitz-Himmel


Die IBA Thüringen stellt sich den Schwierigkeiten
des Landlebens und findet Antworten.
Unten: die Leiterin Marta Doehler-Behzadi
9

3
Köpfe:
SEITE
10

Marta
Doehler-
Behzadi
Stadt­
gespräch
SEITE
14

JULIA KAISER UND


JENNIFER BETTINGER
FOTO: THOM AS MÜLLE R
10
Wie ( Interview )
gestalten Anja
wir Koller
eine
lebenswerte
Zukunft
in
der
Provinz

Die IBA Thüringen stellt sich mit dem Thema StadtLand den großen Fragen
FOTO: THOM AS MÜLLE R

zur Entwicklung des ländlichen Raums. Wie geht sie an die Probleme Leer-
stand, Überalterung, Verlust der Identität heran, welche Lösungen findet
sie? Die Leiterin der IBA, Marta Doehler-Behzadi, antwortet.
Köpfe 1 11
BAUMEISTER: Frau Doehler-Behzadi, im-
mer mehr Menschen werden zukünftig
StadtLand... beides ist ja groß
in der Stadt leben, in dreißig Jahren könn- geschrieben, beides ist gleich wichtig.
ten es bis zu 70 Prozent der Erdbevölke-
rung sein. Das ist für Städte weltweit eine Beidem begegnen wir vorurteilsfrei,
Belastungsprobe, sei es im Hinblick auf
Verkehr, Wohnraum oder Klimaschutz.
aber ohne Pathos gegenüber der
Was bedeutet das für das Leben in ländli- europäischen Stadt einerseits, aber auch
chen Räumen?
M A R T A D O E H L E R - B E H Z A D I : Wenn wi r ohne ein romantisierendes
über die globale Ebene nachdenken,
kann man davon ausgehen, dass die
Landlust-Gefühl, und schließlich auch
Flucht in die Stadt nicht immer freiwillig völlig frei von Land-Frust.
vonstatten geht. Menschen werden ver-
trieben, Wohnraum geht verloren, wird
teurer, die Lebensgrundlage auf dem
Land bricht weg. Ich traue dem oftmals
beschworenen „Urban Millennium“, der
Verstädterung, nicht unbedingt zu, dass es seins verursacht. Die Menschen erleben Anfang der IBA hat der eine oder andere
nur die Erfolgsgeschichte von Städten große Umbrüche, Veränderungen – etwa noch moniert, was das Thema denn mit
erzählt. Wenn ich den Aspekt der Verstäd- durch die Flüchtlingsströme, den Klima- dem Format einer IBA zu tun habe. Ich
terung auf Thüringen beziehe, so bemerke wandel oder die Digitalisierung. Drei völ- wurde gefragt, ob das eine IBA auf dem
ich, dass die Konzentration in den Über- lig unterschiedliche Dinge, aber stets ist Dorf sei. Inzwischen fragt das niemand
druckgebieten und die Entleerung in den das Problem hierbei, dass die Menschen mehr, weil die Zukunftsperspektiven unse-
Unterdruckgebieten viele negative Fol- diese Veränderungen nicht mit ihrem rer ländlichen und peripher ländlichen
gen für beide Seiten hat. eigenen Leben, ihrer Lebenswirklichkeit Räume zu einem gesellschaftlich überaus
in Einklang bringen können. Daraus ent- wichtigen Thema herangereift sind und
B: Welche sind das? stehen Sorgen, Angst, Wut. Und das spie- wir uns als Gesellschaft insgesamt fragen
M D-B: Das sind zum einen städtebauliche gelt sich auch in Wahlergebnissen wider, müssen, wie wir unsere Räume organisie-
Folgen, Stichwort Leerstand. Die städti- was wir auch jüngst in Thüringen gesehen ren – wie wir mit Konzentration auf der
schen Strukturen verändern sich aufgrund haben. einen und Entleerung auf der anderen
demografischer Schrumpfung, als Ergeb- Seite umgehen wollen. Und das betrifft
nis von Migrationsbewegungen und durch B: „StadtLand“ ist ja das übergeordnete auch das städtische Leben. Und wenn wir
Strukturwandelprozesse. Es geht auch um Thema der IBA Thüringen. Das heißt, es die demokratischen Grundlagen unserer
infrastrukturelle Folgen, etwa wenn an ei- geht nicht nur um ländliche Räume, son- Gesellschaft erhalten wollen, dann müs-
ner Stelle eine Schule schließen muss, weil dern auch um Stadt. sen wir uns um diese Fragen kümmern.
es nicht genug Schulkinder gibt, und man M D - B : Richtig, es geht darum, beides
an anderer Stelle eine Schule neu baut. zusammen zu denken, es geht um die B: Das sind große Herausforderungen…
Ein weiteres Thema ist die Wohnraumver- Wechselwirkungen von Stadt und Land, Welchen Beitrag kann die IBA da leisten?
sorgung: Mancherorts herrscht Wohn- um einen gleichberechtigten Blick auf Welche Fragen stellen Sie sich?
raummangel, ein paar Kilometer weiter beides. Im Laufe der Zeit hat das Thema M D - B : Wir entwickeln Strategien und initi-
entfernt stehen Wohnungen leer. In Thürin- immer mehr an gesellschaftlicher Rele- ieren Projekte für den Raum, die Fläche,
gen kann man zwar nicht von akuter Woh- vanz gewonnen. Wir suchen nach Antwor- für nicht dichtbesiedelte Räume – durch
nungsnot sprechen, aber auch hier gibt es ten für ländliche Räume, nach Antworten Umbauen, Aufbauen und Neubauen. Wir
das stellenweise. für Thüringen mit seiner kleinteiligen Sied- fragen uns: Wie gehen wir mit Leerstand
Dann haben wir da noch die mentalen lungsstruktur mit vielen kleinen Gemein- um? Wie bauen wir selbst etwas auf? Wie
Folgen sowie die politischen. Diese sind den und Städten, die man dann aber auf schaffen wir Identität? Wie machen wir
stark von dem Gefühl eines Abgehängt- andere Räume über t ragen kann. Am Baukultur zum Markenzeichen einer länd-
lich geprägten Region? Wie erschaffen
wir eine positive Zukunftsbeschreibung
für das, was wir Provinz nennen?

B: Wir reden über „das Land“, „den ländli-


chen Raum“. Wie definieren Sie Land?
M D - B : Ich muss schmunzeln über Ihre
Frage, denn ich arbeite gerade an einem
Artikel; mein Einstieg lautet: „Alle Diskus-
sionen über den ländlichen Raum begin-
nen mit der Gegenfrage: Was verstehen
Wir zeigen das Potenzial von Sie eigentlich unter dem Land?“ Mit dieser
Definitionsfrage ist man ganz schnell am
Leerstand auf und die Möglichkeiten, Ende seines Lateins, wenn man sämtliche
Kriterien und Indikatoren auflisten will.
die damit verbunden sind. Tatsächlich hängt die Antwort auf die Fra-
Wir müssen umdenken, umnutzen, ge stark von der Perspektive ab. Es gibt
aber einen wunderbaren Satz eines frühe-
umbauen. ren Mitarbeiters des Bundesinstituts für

WEITER
12
...als Selbstbau... Das war den ( Seite 76 ) will er ebendiese Countryside
wieder auf die Agenda bringen, sie sicht-
Architekten sehr wichtig, weil es auf bar machen. Mit unserem konzentrierten
Blick auf die Städte nehmen wir nicht
dem Land ein Stück weit Normalität ist. wahr, was auf dem Land passiert. Wir be-

So baut man dort. Man fragt die merken die Veränderungen, die dor t
stattfinden, nicht. Bei Koolhaas steht mit
Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn. der Schau nicht zuletzt die Aussage im
Raum, dass die Countryside ein Ort voller
Leider entsteht daraus oftmals Möglichkeiten und Innovationen sein

eine Architektur mit Baumarktcharme. kann.

B: Würden Sie als Chefin der IBA Thüringen


diese Aussage unterstützen?
M D - B : Zumindest bin ich überzeugt da-
von, dass es Veränderungen in den ländli-
chen Räumen gibt, die wir nicht annä-
hernd ausreichend beschreiben, akzen-
Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), agrarischen und post-industriellen Struk- tuieren, auswerten oder zum Gegenstand
de r mich imme r noch beglei tet: „In turen. Diese Wirklichkeit trifft nicht nur für unserer Forschung und Praxis machen.
Deutschland leben 75 Prozent der Men- Thüringen zu, sondern lässt sich auch auf Und die IBA Thüringen will und kann hier
schen in städtischen Zentren, die anderen andere ländlich geprägte Räume über- einen notwendigen Beitrag leisten.
75 Prozent leben in ländlichen Räumen.“ tragen. Das Leben auf dem Land und in
Genau diese Uneindeut igkei t macht der Stadt hat sich angeglichen. Es gibt B: Wie macht die IBA das konkret?
wiederum deutlich, dass es sehr schwer keine großen Unterschiede, kein enormes M D-B: Das beantworte ich am besten mit
ist, eine Definition zu finden. Gefälle mehr. unserer Haltung. Die drückt sich in unse-
rem Thema StadtLand aus. Beides ist
B: Versuchen wir doch einmal eine Defini- B: Sprechen wir eigentlich vom ländlichen ja groß geschrieben, beides ist gleich
tion für Thüringen zu finden. Vielleicht Raum im Singular, oder müssen wir eher wichtig. Beidem begegnen wir vorurteils-
nähern wir uns der Definition mit einer vom Plural ausgehen? Es gibt ja nicht per frei, aber ohne Pathos gegenüber der eu-
Beschreibung… se „das Land“ – und dann setzen wir einen ropäischen Stadt einerseits, aber auch
M D - B : Die Siedlungsstruktur Thüringens ist Haken daran… ohne ein romantisierendes Landlust-Ge-
kleinteilig. Selbst die großen Thüringer M D - B : Genau so ist es. Von Homogenität fühl, und schließlich auch völlig frei von
Städte wie Erfurt, Jena oder Weimar sind kann überhaupt keine Rede sein. Das ist Land-Frust. Es geht um einen neuen ge-
im deutschlandweiten Vergleich eher auch eine unserer Schwierigkeiten, dass sellschaftlichen Stoffwechsel. Vor allem
klein; Erfurt bewegt sich als Landeshaupt- wir oftmals dazu tendieren, das Land, den im Zuge des Klimawandels müssen wir
stadt mit 214.000 Einwohnern auf relativ ländlichen Raum, zu oberflächlich zu be- neue Bezüge zu unseren Flächen, zur
kleinem Fuß. Erfurt ist für mich andererseits trachten, zu einer Kategorie zu verschmel- Landschaft, zu unseren Ressourcen her-
aber auch der Inbegriff der europäischen zen. Es gibt ja auch nicht „die“ Stadt. Und stellen.
Stadt, aufgeräumt, intakt, nachvollzieh- – jetzt spreche ich als Stadtplanerin – wir
bar. Dann haben wir da noch zahlreiche wissen über die ländlichen Räume viel B: Geht es um eine Neuinterpretation von
Residenzstädte wie Rudolstadt, Meinin- zu wenig. Stadt und Land?
gen oder Gotha, die einstmals wichtige M D - B : Ja, das kann man so sagen.
politische und kulturelle Zentren waren.
Sie haben einen historischen Marktplatz, B: Eine der Neuinterpretationen, die die
ein Rathaus, ein Schloss, ein Theater und IBA Thüringen verwendet, hat mit Leer-
damit bis heute eine starke historische stand zu tun. Sie definieren Leerstand als
und kulturelle Verankerung in sich selbst. LeerGut. Was bedeutet das genau?
Nicht zu vergessen die vielen Dörfer und M D - B : Wir zeigen das Potenzial von Leer-
Ortschaften innerhalb einer differenzier- stand auf und die Möglichkeiten, die da-
ten Kulturlandschaft. mit verbunden sind. Wir müssen umden-
Morphologisch gesehen, scheint der Thü- ken, umnutzen, umbauen. Der Eiermann-
ringer Raum eindeutig und klar definiert Bau in Apolda ist da ein gutes Beispiel: Er
zu sein. Schaue ich aber aus sozial-öko- befindet sich in einer StadtLand-Bezie-
nomischer Perspektive darauf, dann ist es hung, in einem städtischen Kontext, aber
nicht mehr ganz so klar und eindeutig. Der Eiermann-Bau in Apolda in einem Quasi-Off-Standort zwischen
Denn ob ich nun auf ein Dorf mit 200 Ein- Weimar und Jena. Da stellte sich die Fra-
wohnern schaue oder auf eine Stadt mit B:Im Unterschied zu den Städten? ge: Was machen wir mit diesem riesigen
20.000 – man kann davon ausgehen, dass M D-B: Ja, wir fokussieren uns sehr stark ungenutzten Industriegebäude zwischen
die Lebenswelten der Menschen nicht darauf, was in den Städten passiert, und z wei Universitätsstädten? Aber allein
mehr wirklich weit auseinanderliegen. betrachten die ländlichen Räume nur am schon dadurch, dass das Gebäude histo-
Sie arbeiten ähnlich, leben ähnlich, woh- Rande. Das ist im Übrigen auch die These risch verankert, eine Architekturikone ist,
FOTOS: THOM AS MÜLLE R

nen ähnlich. Die Menschen auf dem Dorf Rem Koolhaas’, dass wir den ländlich ge- konnten wir in unserem architektonischen
leben nicht mehr mit den Jahreszeiten, prägten Regionen zu wenig Aufmerksam- Schaffen einen gestalterischen Konsens
müssen nicht mehr die Felder bestellen, keit entgegenbringen. Mit seiner aktuel- erreichen. Der Eiermann-Bau als „Open
Vieh versorgen, sind nicht mehr an den Ort len Ausstellung im New Yorker Guggen- Factory“ zeigt, wie man Leerstand kreativ,
gebunden. Alles bewegt sich in post- heim-Museum Countryside, The Future kollektiv und nachhaltig aktiviert.
Köpfe 1 13
B: Die Frage, die sich immer stellt, wenn es liegt eine genaue Auseinandersetzung
um Lee rstand, um demog ra f ische mit dem Grund und Boden, dem Material,
Schrumpfung geht: Baut man trotzdem dem Zweck, der Fläche, der Umgebung
neu? Wie halten Sie es damit? zugrunde. Der ökologische Aspekt, mit
M D - B : Wir haben darüber unzählige Dis- regionalen Ressourcen zu arbeiten, und
kussionen geführt. Aber wir haben uns die innige Beziehung zur Landschaft, zum
entschieden, das Thema Neubauen in der Freiraum – das ist das, was mir an dem
Provinz trotz oder vielleicht auch gerade Projekt sehr gut gefällt.
wegen des Leerstands zu einem IBA-Vor-
haben zu machen. Es geht ja auch um B: Das Thema der Ressourcen spielt auch
Innovation, darum, zeitgemäße Baukultur beim „Timber Prototype House“ eine gro-
zu schaffen. ße Rolle…
Sommerfrische-Haus Bräutigam M D - B : Richtig, über 30 Prozent der Fläche
B: Wie beim Sch(l)afstall in Bedheim? Das von Thüringen ist bewaldet. Der Rohstoff
B: Lee rstand ist auch ein Thema im Projekt hat es sogar in die DAM-Preis- Holz hat hier Tradition. Aber als Baustoff
Schwarza­tal, einer einstigen Tourismusde- Shortlist 2020 geschafft… ( Seite 38 ) sind seine Möglichkeiten noch lange nicht
stination, in die früher Urlauber zur Som- M D - B : Die Architekten Gründer Kirfel ha- ausgeschöpf t. Das „Timber Protot ype
merfrische reisten. Zwischen 1880 und ben hier eine wirklich bemerkenswerte House“ bringt zum Ausdruck, welches
1940 baute man dort „Sommerfrische- architektonische Äußerung entwickelt. Potenzial das heimische Holz als hoch­
Architekturen“, oftmals zweistöckige Ge- Der Neubau steht auf den Grundmauern moderner Baustoff hat. Gerade in den
bäude mit Balkonen im Obergeschoss eines alten Stalls und ist Teil eines Schloss- ländlichen Räumen können hier eigene
und Laubengängen im Erdgeschoss, die ensembles. Auf den ersten Blick würde Ausdrucksmittel entstehen. Der Experi-
einen intensiven Blick über die Landschaft man das Gebäude wahrscheinlich noch mentalbau ist mit Hilfe digitaler Planungs­
zuließen… nicht einmal als neu erkennen, weil es sich werkzeuge entstanden, man zitiert das
M D - B : Mit dem Leerstand und dem Erhalt in Dachform und die Kubatur des Ensem- Prinzip der traditionellen Blockbauweise
der Häuser umzugehen, ist das eine, ein bles so perfekt einfügt. Auf den zweiten und entwickelt es gleichzeitig weiter. Hier
neues Landschaftsbild zu entwickeln und Blick erschließen sich subtile Elemente, zeigt sich die gesamte Wertschöpfungs-
eine traditionsreiche Kulturlandschaft zu mit denen die Architekten spielen und in kette – angefangen beim Wald, über die
aktivieren, ist das andere. Wir brauchen die sie die zeitgenössische Komponente Ressource Holz, bis hin zur Planung und
neue Strukturen, neue Nutzergruppen, eingetragen haben. Fertigung und letztendlich der Entstehung
neue Governance-Strukturen, neue Fi- einer hochwertigen Architektur. Und alles
nanzierungs- und Förderungsmodelle. B: Was macht das Projekt noch so beson- passiert auf regionaler Ebene. Das Inter-
Nicht selten hat ein Sommerfrische-Haus ders? essante dabei ist die digitale Fertigung,
quasi keinen Wert mehr, womöglich sogar M D - B : Der Sch(l)afstall ist ein Holzbau, die eine einfache Produktion der Bauteile
einen Negativwert. Der Eigentümer ver- der mit der eigenen Hände Arbeit, also als in hoher Stückzahl, jedoch mit individuel-
schenkt das Haus, vielleicht an eine Initia- Selbstbau, erschaffen wurde. Das war den ler Formensprache zulässt.
tive, die die Sommerfrische für Touristen Architekten sehr wichtig, weil es auf dem
und Besucher wieder aufleben lassen will. Land ein Stück weit Normalität ist. So baut B: Frau Doehler-Behzadi, 2019 haben Sie
Die Sanierung des Gebäudes ist allerdings man dort. Man fragt die Familienmitglie- mit der IBA Zwischenbilanz gezogen. Was
kostenaufwendig. Um Fördermittel zu be- der, Freunde, Nachbarn. Leider entsteht soll letztendlich von der IBA bleiben?
kommen, muss die Initiative zum Verein daraus oftmals eine Architektur mit Bau- M D - B : Diese IBA verdeutlicht eines sehr
werden. Und hier gestatten die Förder­ marktcharme. Aber dieses Projekt zeigt, stark: Es geht eben doch auf dem Land!
töpfe, Eigenleistung zu ergänzen, denn dass es auch anders geht. Die Bedheimer Es kann Zusammenhalt geben, eine zeit-
Eigenkapital haben die oftmals jungen haben auch Diskussionen zur Baukultur genössische Ausdrucksform der Architek-
Leute nicht. Hier wollen wir als IBA zeigen, auf dem Land angeregt, es ist die Bedhei- tur, eine nachhaltige Baukultur und Men-
dass man derlei Wagnisse eingehen muss, mer Erklärung verabschiedet worden, die schen, die offen sind, Neues zuzulassen.
um eine Region wiederzubeleben, auch sich ganz explizit der „Land.Bau.Kunst“, Hier in Thüringen und auch in anderen
um historischen Bestand zu erhalten. Wir wie sie es nennen, widmet. Alle Beteilig- ländlichen Räumen stellen sich einmal
wissen nicht ganz genau, wo das endet, ten hatten das Ziel, dem ländlichen Bauen mehr Fragen, wie wir uns als Gesellschaft
aber wir müssen das machen. Gut funktio- wieder Geltung zu verschaffen. Es ging um in der Fläche organisieren und an Stadt-
niert das gerade schon im Haus Bräutigam regionales, lokales Engagement, um die Land-Beziehungen reiben. Auf dem Land
in Schwarzburg. Der Verein hat das Haus Verwendung regionaler Materialen, die haben wir Feld und Wald vor der Tür. Hier
vor dem Abriss bewahrt; es ist ein schönes Rolle der Architekten und vieles andere drängen sich die Fragen förmlich auf: Wie
Beispiel für ein gemeinschaftliches Um- mehr. Dieses „regionale Bauen“ ist etwas, wollen wir uns ernähren, wie das Klima
bau- und Umnutzungsprojekt. das die IBA Thüringen fördern will. Wir wol- schützen? Woher gewinnen wir unsere
len zeigen, dass es so etwas auch im Zeit- Energie? Mit welchen Materialien wollen
alter der Globalisierung geben kann. wir bauen? Eine IBA muss sich immer dar-
an messen lassen, ob sie Antworten auf
B: Regionales Bauen als Beitrag zur Bau- gesellschaftlich relevante Fragen findet.
kultur in ländlichen Räumen? Unsere große Frage ist: Wie gestalten wir
M D - B : Ja, ich glaube sogar, dass diese eine lebenswerte Zukunft in der Provinz?
Form des Bauens viele Chancen bietet –
und zwar für das Architekturschaffen ins-
gesamt. Es ist sehr präzise in Bezug auf
die Bauaufgaben, auch in seinen kleinen
Dimensionen. Den Entwurfsentscheidun-
gen, was ich wo baue und womit ich baue,

Das Timber-Prototype-Haus in Apolda


14
Innenentwicklung und Identität

Zukunftsperspektiven für kleine Gemeinden: Mit ihrem Büro Stadtgespräch


arbeiten Julia Kaiser und Jennifer Bettinger mit großem Engagement an
zahlreichen Dorfentwicklungsprojekten – von Bürgerbeteiligungen und
Moderation bis zur strategischen Beratung und Entwurfsplanung.

( Text )
Gesa Loschwitz-Himmel

Jennifer + Julia
Bettinger Kaiser

Das eigene Büro mit der besten Freundin. kein ganz leichtes Unterfangen, denn wie dann in Berlin noch Fachjournalismus
„Es war eine typische Mädchenfantasie“, an jedem Universitätsstandort gab es drauf, während Julia Kaiser eine Fortbil-
lacht Julia Kaiser. Doch als sie und Jenni- auch dort bereits einige etablierte Pla- dung Moderation in der Stadtentwicklung
fer Bettinger Anfang 30 waren, beide ein nungsbüros. „Daher mussten wir uns un- absolviert hatte. So schälte sich neben der
paar Jahre in großen Planungsbüros gear- terscheiden“, betont Kaiser. Sie selbst klassischen Architektur und Stadtplanung
beitet hatten und privat einiges im Um- studierte Raum- und Umweltplanung in der Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit
bruch war, beschlossen sie: „Jetzt machen Kaiserslautern, Bettinger Architektur in und Bürgerbeteiligung heraus. Nicht zu-
wir’s.” Ein eigenes Büro – in Kaiserslautern Kaiserslautern und Karlsruhe, sattelte letzt, da Kaiser bereits während des Studi-
ums eng mit dem damaligen Lehrgebiet
Ländliche Ortsplanung an der TU Kaisers-
lautern verbunden war, dort auch als wis-
senschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet
hatte. So wurde aus dem Jugendtraum
das Büro Stadtgespräch, das heute sehr
erfolgreich mit fünf Vollzeit- und drei Teil-
zeitkräften zahlreiche Dorfentwicklungs-
projekte betreut – vor allem in Rheinland-
Ohne Fördergelder können die kleinen Pfalz. Denn das Land hat eine Besonder-
heit: Es ist sehr dörflich geprägt, und seine
Gemeinden solche Dorferneuerungsprojekte kleinen Ortsgemeinden, die im Schnitt
FOTOS: STADTGE SPR ÄCH

300 bis 1.500 Einwohner haben, sind alle


nicht stemmen. Daher ist das Team von eigenständig und für sich selbst verant-
Stadtgespräch neben Moderator und Planer wortlich. Das heißt, jedes noch so kleine
Dorf muss sich selbst darum kümmern, wo
auch Berater und Koordinator. die Menschen einkaufen, wo die Kinder
Köpfe 2 und 3 15
in den Kindergarten oder in die Schule ge-
hen und wie sie dorthin gelangen. Da das
Wir können anschieben und motivieren.
einigermaßen große Herausforderungen Aber das Dorf muss dahinterstehen.
sind, gibt es in Rheinland-Pfalz dafür För-
derprogramme. Und dort ist die Dorfmo- Und zwar nicht nur der Bürgermeister,
deration ein wichtiger Baustein.
sondern auch Multiplikatoren, die das Dorf
Soziales Miteinander mitziehen, die ganze Gemeinschaft.
Hier kommt Stadtgespräch ins Spiel. Julia
Kaiser und ihre Kolleginnen setzen sich
abends mit der Dorfgemeinschaft zusam-
men, unternehmen Streifzüge durch den
Ort, diskutieren die Knackpunkte. Die, so
Kaiser, seien ähnlich wie in anderen Bun-
desländern: In den Dörfern leben immer
mehr alte Menschen und weniger junge,
und wenn es junge gibt, möchten sie in
modernen Neubaugebieten wohnen, die
meist am Ortsrand entstehen – mit der
Konsequenz, dass in der Dorfmitte Häuser
leer stehen. Es geht also um Innenent-
wicklung. Auch das soziale Miteinander
sei immer wieder Thema. Denn es gibt im-
mer weniger, die sich ehrenamtlich enga-
gieren möchten. Das hat Auswirkungen das spricht sich herum. Zum Beispiel Investor zu verkaufen, der dort keine Null-
nicht nur auf Sportvereine, sondern auch ihre erfolgreiche Tätigkeit in Kindsbach, achtfünfzehn-Architektur baute, sondern
auf essenzielle Einrichtungen wie die frei- einem ihrer ersten Dörfer: eine Ortsge- ein Projekt für altersgerechtes Wohnen
willige Feuerwehr. Mobilität ist ein weite- meinde mit 2.400 Einwohnern, ein Stra- realisierte. Letztendlich musste Kindsbach
res Stichwort. Und entscheidend: die Iden- ßendorf ohne richtige Mitte und in der so nur einen Kredit von 50.000 Euro auf-
tifikation mit dem Ort. Hier spielt nicht zu- Einflugschneise des amerikanischen Mili- nehmen. Für Stadtgespräch ist der Ort ein
letzt die Jugend eine wichtige Rolle, die tärstützpunkts Rammstein. Was nicht nur Vorzeigeprojekt, denn er macht das Spe-
immer zwingend beteiligt werden muss, Fluglärm mit sich bringt, sondern auch zielle des Büros deutlich. Von der Modera-
will eine Gemeinde Fördergelder erhal- viele US-Amerikaner als Einwohner, die tion über die Öffentlichkeitsarbeit und die
ten. Und ohne Fördergelder können die selten integriert sind, da sie meist nur eine strategische Beratung der Gemeinde bis
kleinen Gemeinden solche Dorferneue- begrenzte Zeit dort wohnen. Bei einem hin zum Umbau des alten Pfarrhauses und
rungsprojekte nicht stemmen. Daher ist Dorf dieser Größe eigentlich keine guten der Gestaltung der neuen Dorfmitte mit
das Team von Stadtgesp räch neben Vorzeichen. Doch Stadtgespräch fand Platz, Weiher und Spielplatz stammt alles
Moderator und Planer auch Berater und eine Dorfgemeinschaft vor, die gern feier- aus der Hand des Teams. Julia Kaiser und
Koordinator. Denn da die Bürgermeister te und sich rege beteiligte. Der größte Jennifer Bettinger betonen zwar: „Wir kön-
aufgrund der geringen Größe der Ge- Wunsch war schnell ausgemacht: ein nen anschieben und motivieren. Aber das
meinden alle ehrenamtlich tätig sind, ist Treffpunkt. Trotz fehlender Dorfmitte gab Dorf muss dahinterstehen. Und zwar nicht
die Beschaffung dieser Gelder ohne Profis es einen zentralen Bereich mit Schule, nur der Bürgermeister, sondern auch
nicht zu machen. „Wir bleiben über Jahre Kirche, Pfarrheim – und einem Parkplatz, Multiplikatoren, die das Dorf mitziehen,
in Kontakt mit unseren Gemeinden“, er- auf dem sich die Dorfbewohner schon im- die ganze Gemeinschaft.” Doch gerade in
zählt Kaiser. Zunächst zwei Jahre intensiv, mer getroffen hatten, zum Beispiel zum solchen Projekten können sie ihre jeweili-
und wenn das Konzeptionelle steht, im- Public Viewing. gen Ausbildungsschwerpunkte voll aus-
merhin noch sporadisch. spielen. Ihre Bandbreite ist ihre Stärke.
Strategische Beratung,
Erfolgsprojekt Kindsbach Kommunikation und Moderation

Wenn es ein Dorf schafft, eine Förderung Planerisches Geschick und glückliche
als „Schwerpunktgemeinde“ zu erhalten, Umstände kamen hier zusammen: Die Kir-
dann stehen Julia Kaiser, Jennifer Bettin- che verkaufte ihr Pfarrheim, das sie nicht
ger und ihr Team dem Ort acht Jahre als mehr nutzte, samt Freiflächen. Es war der
Dorfplanerinnen zur Seite: „Da kann man entscheidende Baustein für eine neue
dann wirklich etwas bewegen.” 80 Prozent Ortsmitte mit zum Dorfgemeinschaftshaus
ihrer Arbeitszeit verbringt Julia Kaiser vor umgestalteten Pfarrheim und Dorfplatz.
Ort beim Gespräch mit den Menschen. Ein Projekt, das 3,1 Millionen Euro kostete,
Denn: „Dorfentwicklung ist keine Wissen- von denen das Land zwar 65 Prozent über-
schaft. Jeder muss es verstehen.” Das be- nahm, die verbleibende Summe aber zu
deutet: erklären und vermitteln, mit Wor- hoch für eine 2.000-Seelen-Gemeinde
ten, bunten Zetteln, Skizzen und Texten. war. Doch es gab eine geschot ter te
Der Aufwand lohnt sich. Stadtgespräch ist Fläche am Ortsrand, auf der die jährliche
inzwischen bekannt in Rheinland-Pfalz. Kerwe, die Kirmes, stattfand. Die konnte
Die Bürgermeister kommen auf sie zu, weil jetzt in die neue Dorfmitte rücken. Es ge-
sie mit ihren Projekten viel erreichen. Und lang, das alte Areal an einen engagierten
Weites Land – lieber gar nicht bauen?
Wenn, dann so wie Florian Nagler in
Glentleiten
17

6
Ideen in:
SEITE
18
Glentleiten
SEITE
28
Burg Brattenstein
SEITE
38
Schloss Bedheim
SEITE
46
Berngau
SEITE
56
Aabenraa
SEITE
64
Waldsassen
FOTO: SE BASTIAN SCHE L S/SIMON JÜT TNE R
18

Tradition,
bewahrt
und
übersetzt
Ideen 1 19
Wie ein Einfirsthof ist das langgestreckte
neue Eingangsgebäude des Freilichtmuseums
Glentleiten in die Landschaft eingebettet.
20
Zurückhaltend und selbstbewusst: Inmitten konservierten Landlebens zeigt
das neue Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Glentleiten von Florian
Nagler Architekten, wie sich ländliche Bautradition heute fortführen lässt.

( Architekten ) ( Kritik ) ( Fotos )


Florian Nagler Anne Walter Sebastian Schels/
Architekten Simon Jüttner

Bauernhäuser und Wirtschaftsgebäude wiederaufgebaut. Die 1976 eröffnete Ein- cher Zeuge der 1950er-Jahre findet hier
früherer Zeiten waren geprägt von den richtung wird ständig erweitert und zeigt künftig einen neuen Standort: eine unver-
regionalen Gegebenheiten und über bis zu 500 Jahre alte Bauten aus verschie- änderte, ehemalige Gasolin-Tankstelle
Jahrhunderte angepasst an Nutzung, Kli- denen Regionen Oberbayerns, oft mit mit ihrer zeittypischen Pilzstütze, die in
ma und verfügbare Baumaterialien. Ver- dem ursprünglichen Mobiliar und typi- Unterwössen letztlich der neugestalteten
änderten sich die Bedingungen, wurden schen Gärten. Jedes Bauwerk hat seine Ortsdurchfahrt weichen musste.
auch sie verändert – oder abgerissen. eigene Geschichte, wurde an- und umge- Der Spaziergang über das weitläufige
Freilichtmuseen dagegen bewahren die baut oder umgenutzt. Wie das kleine Museumsgelände führt zu stattlichen Bau-
Vielfalt und Qualitäten regionaltypischer „Steinbichlhäusl“ aus Oberau, das immer ernhäusern und Scheunen, am Kramerla-
Bauweisen, ausgewählte historische Ge- wieder ergänzt und zuletzt als einfaches den und an schmucken Bienenhäusern
bäude werden transloziert – wie in Glent- Ferienhaus diente. Als sein Grundstück vorbei bis zu einem Salettl mit Biergarten
leiten bei Großweil, 30 Kilometer nördlich neu bebaut werden sollte, hat man es ab- und Holzkegelbahn. Schnell befindet man
von Garmisch-Partenkirchen. gebaut und zeigt es nun mit der originalen sich auf einer Zeitreise: Wie eng und nie-
Auf dem fast 40 Hektar großen Areal sind Einrichtung aus den 1970er-Jahren auf drig oft die Wohn- und Schlafräume waren,
insgesamt 60 Gebäude originalgetreu dem Glentleiten-Areal. Auch ein bauli- wie klein die Fenster, wie einfach die Ein-
bauten. Sollte sich auch mancher Groß-
stadtbewohner nach dem Landleben frü-
herer Zeiten sehnen, idyllisch war es sicher
nicht. Das Freilichtmuseum hilft beim Rea-
litätscheck, dokumentiert nicht nur die
Bauweisen, sondern versucht auch, das
einstige Alltagsleben auf dem Land mit
einem umfassenden Programm zu ver­
anschaulichen. Das von Mitte März bis
Anfang November geöffnete Areal ist
inzwischen mit um die 130.000 Besucher
Ganz nebenbei sensibilisieren jäh rl ich ein Besuchermagnet der an
Sehenswürdigkeiten nicht gerade armen
damit der Neubau wie die historischen Region zwischen Kochelsee und Murnau.

Gebäude für die Wahrnehmung Das neue Eingangsgebäude


von baulicher Tradition und architektonischer
Bis Ende 2017 führte der Zugang durch das
Qualität. Steingebäude der Thyrlmühle und weiter

WEITER
Ideen 1 21
In der homogenen Holzfassade markieren
die beiden an Scheunentore erinnernden
Holzläden subtil den Eingang.
22
Der oft zitierte Dialog mit dem Bestand – hier
tatsächlich greifbar: Der Neubau orientiert sich
an den umliegenden Scheunen.
Ideen 1 23
24
Die Ostfassade interpretiert traditionelle
Elemente von Bauernhäusern neu. Das Lärchen-
holz wird im Lauf der Zeit unterschiedliche
Grautöne annehmen.
Ideen 1 25

Auch die Gasträume sind vom Baustoff Holz


geprägt. Für die Wandbekleidungen wurde Fichte,
für Dielen und Mobiliar Esche verwendet.
26 Ideen 1
durch einen Tunnel ins Gelände. Diese chen aus Holz, Estrich und Filz einen lich-
Situation war bei großem Besucheran- ten, angenehmen Rahmen dafür schaf-
drang alles andere als optimal, auch die fen. Die Bereiche Kasse, Infotheke und
Museumsgaststätte im historischen Star- Museumsladen sind mit Einbauten aus
kerer Stadel war nicht mehr zeitgemäß, da lebhaft gemasertem Eschenholz definiert,
sie ursprünglich für kurze Brotzeitpausen dazwischen laden Holzbänke zum Ausru-
ausgelegt war. Zudem sollte für Sonder- hen ein. Hinter dem Shop leuchtet die
ausstellungen künftig mehr Fläche zur Schaubrauerei: Einmal pro Woche wird
Verfügung stehen; auch technisch muss- hier Bier gebraut, das man eine Etage
ten die Gebäude modernisiert werden. höher gleich verkosten kann – in den neu-
Nachdem Untersuchungen das begrenzte en Gasträumen der „Glentleitner Wirt-
Potenzial de r Bestandsgebäude und schaft“, die separat erschlossen ist und
einen beträchtlichen Umbau-Aufwand auch außerhalb der Museumsöffnungs-
aufzeigten, wurde 2013 ein Neubau be- zeiten besucht werden kann. Mit ihren
schlossen, der alle Funk tionen unter holzvertäfelten Wänden, langen Bänken
einem Dach vereint. Den europaweit aus- und robusten Tischen ist sie selbstver-
geschriebenen Wettbewerb mit 299 Teil- ständlich inspiriert von traditionellen bay-
nehmern gewannen Florian Nagler Archi- erischen Wirtshäusern.
tekten mit einem ebenso schlichten wie D ie übe r Doppe l t ü ren ve rbundenen
prägnanten Gebäude: Sie nutzen den Gasträume und der Veranstaltungssaal
neuen Standort entlang der Straße, am erinnern mit dem offenen Dachstuhl an
höchsten Punkt des Areals, für einen lang- große Scheunen, andererseits klingen
gestreckten, schmalen zweigeschossigen auch Assoziationen an Festsäle und Aus-
Riegel, der ebenso an Einfirsthöfe denken flugsgaststätten an. Das komplett in Holz
lässt wie an die ortstypischen großen gehaltene Obergeschoss vermittelt so
Scheunen. Der klar geschnittene, holzver- Bodenständigkeit und Tradition, ohne rus-
kleidete Baukörper mit den fast abstrakt tikal-bieder zu wirken. Dazu tragen die
gestalteten Fassaden tritt in Form und hellen Oberflächen und die fein detaillier-
Erscheinungsbild nicht in Konkurrenz zu te, minimalistische Gestaltung ebenso bei
den historischen Bauten. Trotz seiner wie die durchlaufenden Fensterbänder
Zurückhaltung strahlt er Selbstbewusst- und der luftige, offene Raumcharakter.
sein aus. Die ruhige, lagernde Großform So ganz nebenbei sensibilisieren damit
wird wie selbstverständlich durch die der Neubau wie die historischen Gebäu-
unterschiedlichen Grau- und Braunnu­ de für die Wahrnehmung von baulicher
ancen des sägerauen, unbehandelten Tradition und architektonischer Qualität.
Lärchenholzes belebt. Was wäre, wenn dies auch ins reale (Bau-)
Das Gebäudevolumen ist geschickt in das Geschehen wirken würde? Das neue Ein-
leicht abfallende Gelände eingepasst gangsgebäude ist dafür ein überzeugen-
und nutzt den Höhenunterschied von sie- des Beispiel, indem es bewährte Bau­
ben Metern, um die Nebenräume im Erd- weisen in zeitgemäße Architektur über-
geschoss in den Hang zu schieben – eben- setzt und vielschichtig an den Kontext
so die Ausstellungsräume des kubischen anknüpft.
Annex auf der Ostseite, der eine große
Terrasse trägt. Nach Westen, zu Straße und
Parkplatz, öffnet sich das Haus mit zwei
gebäudehohen Holzläden, die die Scheu-
nentore des benachbarten Starkerer Sta- Zur Westfassade
dels auf neue Weise interpretieren. Sie
sind die einzige Öffnung in der homogen Der West- und Ein-
wirkenden Holzfassade an der Straße. gangsseite ist eine
zweite Hülle aus
M 1:1 0 0

Vielschichtiges Inneres eng gereihten Kant-


hölzern in säge­
Was zunächst als vertikale Bretterscha- rauer, unbehandel-
lung erscheint, entpuppt sich beim Näher- ter Lärche vorge-
kommen als eng gereihtes Kantholz. Als setzt. Im Zwischen-
robuste Hülle ist es der Zwischenzone mit raum verlaufen die
den Treppen vorgesetzt und filtert Ein- und beiden Treppen
Ausblicke. Das Wechselspiel von offen zur Gastwirtschaft
und geschlossen setzt sich im Inneren des und zum Veranstal-
Hauses fort: Beim Eintreten gibt die ge- tungssaal. Auf
genüberliegende Glasfront unvermittelt dem Dach sind Pho-
den Blick auf das Areal, den Kochelsee tovoltaik-Module
und den Bergrücken der Benediktenwand platziert.
frei – ein Bilderbuchpanorama, fast zu
schön, um wahr zu sein. Dieser Blick prägt
das Foyer, dessen ruhig gestaltete Flä-
27

M 1:5 0 0
M 1: 2 . 0 0 0
Querschnitt

Lageplan
8

BAUHERR:
Bezirk Oberbayern,
München

ARCHITEKTEN: 5 6 6 7
Florian Nagler Architekten GmbH,
München
www.nagler-architekten.de

MITARBE ITE R:
Jan Lindschulte (Projektleitung), Obergeschoss
Annette Heilmann (Bauleitung),
Carola v. Gostomski,
Tobias Kohlstruck,
Ludwig Zitzelsberger

TR AGWERKSPL ANUNG:
Merz Kley Partner ZT GmbH,
Dornbirn

4
HOLZBAU:
Gumpp & Maier GmbH,
Binswangen

HLS:
TEGAplan, Murnau
2 3

E LT:
IB Schneider, Germering

BRANDSCHUTZ: 1
PHIplan, München Erdgeschoss
1 Eingang
BAUPHYSIK: 2 Foyer mit Kasse
Kurz und Fischer, und Museumsladen
Feldkirchen 3 Schaubrauerei
4 Ausstellung
AUSSE NANL AGE N: 5 Veranstaltungssaal
Christina Kautz 6 Gastraum
Landschaftsarchitektur, 7 Küche
Berlin 8 Terrasse

FERTIGSTELLUNG:
März 2018 Sollte sich auch mancher
STANDORT:
Großstadtbewohner nach dem Landleben
Freilichtmuseum Glentleiten,
früherer Zeiten sehnen... das
An der Glentleiten 1,
Schlehdorf Freilichtmuseum hilft beim Realitätscheck.
28 Ideen 2

Die
Burg
der
Bürger
29
Mit klar geschnittenen, skulpturalen
Volumina und dem Materialdreiklang aus
Sichtbeton, Naturstein und Cortenstahl antworten
die Architekten auf den Bestand.
30
Ein Baustein in der Revitalisierung von Röttingens Altstadt: Schlicht Lamprecht
Architekten schließen mit dem neuen Ostflügel eine bauliche Lücke in der
mittelalterlichen Burganlage Brattenstein. Eine großzügige Freitreppe, die
offene Halle zum Burghof und die Aussichtsloggia bilden reiz­volle Orte für
öffentliche Nutzungen und verknüpfen die Burg stärker mit der Kleinstadt
zu ihren Füßen.

( Architekten ) ( Kritik ) ( Fotos )


Schlicht Lamprecht Claudia Fuchs Stefan
Architekten Meyer

Röttingen liegt rund 35 Kilometer südlich wie viele ländliche Gemeinden außer- Wertschätzung für den Bestand und Le-
von Würzburg an der Romantischen Stra- halb der Ballungszentren und Metropolre- bensqualität vereinen können. Diese Ziele
ße, die hier ihrem Namen alle Ehre macht. gionen mit Abwanderung konfrontiert. verfolgen die Stadt Röttingen und ihr en-
Die Kleinstadt ist umgeben von einer mit- Vom Leerstand betroffen sind insbeson- gagierter Bürgermeister seit vielen Jah-
telalterlichen Stadtmauer und ihren Tür- dere denkmalgeschützte Bauten – mehr ren: Röttingen begann 2009 mit der Unter-
men. Fachwerkhäuser, die historische als 40 Einzeldenkmäler sind es in der Alt- suchung und Analyse der Gesamtstadt
Gassenstruktur und eine Burg prägen die stadt Röttingens – und vormals landwirt- und einem integrierten städtebaulichen
unter Ensembleschutz stehende Altstadt. schaftlich genutzte Nebengebäude. Sa- Entwicklungskonzept (ISEK). Aus diesen
Doch die Idylle trügt, denn im Zentrum der nierungskosten, gewandelte Wohnvor- Ergebnissen, Bürgerbeteiligungen und
1.700 Einwohner zählenden Gemeinde stellungen, höhere Komfortansprüche Expertenrunden wurden Einzelmaßnah-
steht fast ein Fünftel aller Gebäude leer. und auch die Adaption an neue Nutzun- men mit einem übergeordneten Ziel ent-
Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit gen sind die nicht eben geringen Heraus- wickelt. Jedes Projekt soll einen Mehrwert
finden vor allem außerhalb des Ortskerns forderungen für Hausbesitzer. für die Einwohner darstellen, aber darüber
statt, auch die Schule und das Gewerbe- Doch inspiriert die vorhandene Bausubs- hinaus auch Menschen von außerhalb
gebiet liegen dort. Zudem ist Röttingen tanz auch zu individuellen Lösungen, die anziehen – Touristen ebenso wie neue Ein-
wohner.

Engagement für die Stadtmitte

Es entstand auch eine Vielzahl baulicher


Initiativen, um die Altstadt zu revitalisieren
und als Wohnort attraktiv zu gestalten. So
wurde im Rahmen verschiedener Städte-
bauförderungsprogramme seit 2002 eine
Reihe von Projekten realisiert: Der Markt-
platz ist neu gestaltet, das barocke Rat-
haus umfassend saniert und ein benach-
barter Fachwerkbau als Wohn- und Gast-
haus „Röttinger Bürgerstube“ wiederbe-
lebt. Ein Stadel an der Stadtmauer wurde
Die Idylle trügt, denn im zur „Spielscheune“ mit Indoor-Spielberei-
Zentrum steht fast ein Fünftel chen umgebaut, und einer der beiden er-
haltenen Tortürme dient heute als gern
aller Gebäude leer. gebuchte Ferienwohnung.

WEITER
Ideen 2 31
Freitreppe und die Cortenstahl-Loggia als
„Stadtbalkon“ ak zentuieren die neue
Stützmauer und verbinden Burg und Stadt.
32
Der Stadtbalkon gibt die Aussicht über die
Dachlandschaft des mittelalterlichen Kerns von
Röttingen frei.
Ideen 2 33
Der neue Riegel öffnet sich zum Burghof.
Als Multifunktionsgebäude nimmt er die Zuschauer ­
tribünen für die Freilichtaufführungen auf, ...

... die in den Sommermonaten während der


Frankenfestspiele Röttingen stattfinden.
Die Burg selbst bildet die malerische Kulisse.
34 Ideen 2
Eines der jüngsten Projekte ist das ergänz- Cortenstahl, der einen kraftvollen visuel-
te Ensemble der Burg Brattenstein. Die aus len und haptischen Kontrast zum Naturstein
dem 13. bis 17. Jahrhundert stammende und Sichtbeton bildet. Der schmale Riegel Kleiner Reiseführer
Vierseitanlage bildet den südwestlichen fasst den Hof räumlich und vervollständigt
Abschluss der Altstadt. Seit 1984 finden im das Ensemble. Als witterungsgeschützte Baukulturführer 123
Sommer im Burghof die Frankenfestspiele Tribüne fasst er knapp 200 Zuschauer, Burg Brattenstein,
Röttingen statt, rund 18.000 Besucher erle- doch bietet sich die offene Halle auch für Röttingen
ben hier Theateraufführungen und Kon- Konzerte, Weinfeste oder den Weihnachts-
zerte unter freiem Himmel. Bis 2017 diente markt an. Der Burghof kann so künftig für Herausgegeben
eine einfache Holzkonstruktion auf den weitere kulturelle und touristische Veran- von Nicolette
verdichteten Trümmern des 1971 einge- staltungen auch außerhalb der Festspiel- Baumeister
stürzten Ostflügels als Zuschauertribüne. zeit genutzt werden.
Allerdings waren das Dauerprovisorium Für die Architekten war ein wesentlicher Büro Wilhelm Verlag
und der davorgesetzte Bauzaun weder Aspekt, die Burg auf diese Weise in das baukulturfuehrer.de
optisch noch statisch eine langfristig trag- Stadtleben Röttingens zu integrieren. So
bare Lösung. Zwar musste die Hangmauer verleihen sie ihr nicht nur ein stimmiges
erneuert werden, doch geht der Entwurf Gesamtbild, sondern schaffen zudem
der Schweinfur ter Architekten Stefan einen Mehrwert durch die neuen Nut-
Schlicht und Christoph Lamprecht weit zungsmöglichkeiten. Das identitätsstif-
über eine pure Stützwand, die den Burghof tende Projekt ist einer der Bausteine im
vor dem Abrutschen sichert, hinaus: Er Gesamtkonzept aufeinander abgestimm-
schließt die vormalige Lücke mit einer na- ter Einzelvorhaben und gibt zugleich Im-
tursteinverkleideten, zehn Meter hohen pulse für die Weiterentwicklung der Alt-
Betonmauer, auf der ein langgestreckter, stadt als lebendiger und lebenswerter Ort.
hofseitig offener Riegel die überdachte Weitere Modernisierungen im Rahmen
BAUKULTURFÜHRER 123

Zuschauertribüne bildet; zur Stadtseite ist eines umfangreichen Leerstandsmarke- BURG BRATTENSTEIN
Röttingen

eine „Stahlbox“ angefügt – als Loggia tings laufen bereits. Sie umfassen Wohn-,
für den Blick über Röttingen. Zudem ver- Kultur- und Sozialangebote, darunter drei
bindet die neue einladende Freitreppe kleine Einfamilienhäuser für junge Famili- 123
HERAUSGEBERIN: NICOLETTE BAUMEISTER · BÜRO WILHELM. VERLAG

den Hof mit der Stadt. en, die Schlicht Lamprecht Architekten
In Abstimmung mit dem Denkmalamt anstelle eines maroden Gehöfts im histori-
entwickelten die Architekten diesen auf schen Or tskern ent wickeln. Auch der
die neuen Funktionen maßgeschneider- Umbau des al ten Schulgebäudes zu
ten Ostflügel. Dessen Höhe, Volumen und einem Kulturhaus ist in Vorbereitung. Und
Dachform knüpft an die historische Burg- zwei denkmalgeschützte Wohnhäuser
anlage an, ist in Material und Formenspra- wurden im Rahmen eines Sonderpro-
With English Summary

che allerdings zeitgemäß interpretiert. gramms für die Umwandlung von Leer-
So wurde die Stützmauer aus Stahlbeton ständen in preisgünstigen Wohnraum
mit wiederverwendeten Muschelkalkstei- saniert. Für alle diese Programme sind
nen aus dem Einsturzmaterial verblendet. innovative Ideen und Mut zu deren Umset-
Als markantes Sichtbetonelement ist die zung von allen Akteuren erforderlich. Das
neue Treppe zwischen dem bestehenden Potenzial einer lebenswerten Kleinstadt
Mauerfragment und der neuen Stützwand und auch als Touristenziel hat Röttingen in
eingefügt. Sie ist der benötigte zweite jedem Fall, es war nur längere Zeit brach
Rettungsweg aus dem Burghof, den die gelegen.
Architekten als breite Freitreppe mit Auf-
enthaltsqualitäten aufwerten.

Vielschichtiger
Dialog mit dem Bestand

Auf der Mauerkrone erstreckt sich – viel-


leicht in Analogie zu einem Wehrgang –
der schmale Baukörper mit der Tribüne,
Doch inspiriert die vorhandene
der von der Stadtseite aus nicht erkennbar Bausubstanz zu individuellen Lösungen.
ist. Den nördlichen Abschluss bildet die
Loggia aus Cortenstahl, die über die Wand Die Stadt Röttingen und
hinausragt. Die von den Architekten als
„Stadtbalkon“ konzipierte, geschützte
ihr engagierter Bürgermeister
Aussichtsplattform bietet einen weiten verfolgen seit vielen Jahren
Blick über die Dächer Röttingens und das
Taubertal. Loggia und Riegel sind zwei eine Vielzahl auch baulicher Initiativen,
elegant-minimalistische, exakt geschnit-
tene Volumina, die beidseits der Stütz­
um die Altstadt zu revitalisieren
wand genau austariert erscheinen. Ihre und als Wohnort attraktiv
skulpturale Wirkung wird unterstrichen
von der homogenen Hülle aus rostrotem zu gestalten.
35
BAUHERR:
Stadt Röttingen,
vertreten durch

M 1: 2 . 0 0 0
Bürgermeister
Martin Umscheid,
Röttingen

ARCHITEKTEN:
Schlicht Lamprecht
Architekten PartGmbB,
Schweinfurt
schlichtlamprecht.de

MITARBE IT:
Barbara Kiesel,
Jochen Munke

TR AGWERKSPL ANUNG:
Hußenöder Ingenieure,
Würzburg

FERTIGSTELLUNG:
Mai 2018
Lageplan
STANDORT:
Lagerweg 2,
Röttingen
M 1:4 0 0

Querschnitt

Reparaturbedürftig

Bei Bauarbeiten
M 1:1. 0 0 0

stürzte 1971 ein Teil


6
des Ostflügels ein,
der damals als
7
Kleiderfabrik ge-
nutzt wurde. In den
2 1 Zugang Burghof Folgejahren hat
1 2 Burghof man die Lücke pro-
3 offene Halle visorisch mit einer
8 3 4 Stadtbalkon Hangsicherung und
5 4
5 Zugang über Freitreppe einer einfachen
6 Zehntscheune, Holztribüne ge-
genutzt als „Haus der schlossen, die nun
FOTO RECHTS: ARCHIV ARCHITE K TE N

Generationen“ durch den neuen


7 Südflügel Flügel mit Stützmau-
8 Ostflügel, genutzt als er und offener Halle
Grundriss Weinmuseum ersetzt wurden.
36 kleine Werke

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Pfad der Sinne

„Portes Bonheur – le Chemin des Carrières“ lautet der Titel des im Die Gleise bleiben erhalten und bringen Einheimischen sowie
vergangenen Jahr fer tiggestellten Wander wegs von Reiul f Touristen die Historie näher, Bänke und Unterstände laden zum
Ramstad Arkitekter und bedeutet übersetzt so viel wie „Tore zum Verweilen ein und bieten Schutz.
Glück“. Das norwegische Studio mit Sitz in Oslo und Aarhus Hinter einem Waldweg in Leonardsau formen zwei hochaufragen-
gewann 2016 den von der Gemeinde Rosheim im Elsass ausge­ de Cortenstahl-Bleche ein Portal, um das Ende des Walds und zu-
lobten Wettbewerb zur Revitalisierung der alten Eisenbahn- gleich den Beginn offenen Geländes zu markieren. Die spitz zulau-
strecke Rosheim – Saint-Nabor und der stillgelegten Steinbrüche fenden Pfeiler rahmen den dahinter liegenden Mont Sainte-Odile.
FOTO: CHRISTOPHE HA M M

in der Region. Schließlich endet der Weg in einem Steinbruch in Saint-Nabor, den
Die Entdeckungsreise, die entlang der ursprünglichen Bahnlinie sich die Natur langsam zurückerobert. Den Höhe- und Endpunkt
entstanden ist, erstreckt sich über elf Kilometer und besteht aus des Pfads bildet eine Aussichtsplattform auf einem Hügel, von der
mehreren Sequenzen auf der Strecke: Startpunkt ist ein labyrinth- aus sich ein weiter Blick über das Rosheim-Tal und die elsässische
ähnlicher Pavillon aus konkaven und konvexen Cortenstahl- Ebene öffnet. Als Inspirationsquelle für die Plattform diente, wie
Elementen in Rosheim, hier beginnt der Wander- und Radweg. der Titel bereits verspricht, ein Kleeblatt.

Text Sophie Charlotte Hoffmann


The International Review of
Landscape Architecture and Urban Design

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38
Von
Bedheim
lernen
Ideen 3 39
Ruhe und Platz zum Arbeiten: Ein Architektenpaar
konnte im Rahmen der IBA Thüringen ein Erbstück auf
dem Land, das Schloss Bedheim, erweitern.
40
Schloss Bedheim ist Teil der Internationalen Bauausstellung Thüringen. Als
eines der ersten Projekte der IBA konnte die neue Remise im Wirtschaftshof
der Schlossanlage realisiert werden. Das große Bauteam hat hier bewiesen,
wie mit einfachen Mitteln und zum großen Teil im Selbstbau architektoni-
sche Qualität im ländlichen Raum geschaffen werden kann.

( Architekten ) ( Kritik ) ( Fotos )


Studio Gründer Kirfel Florian Aicher Sebastian Schels,
et al. Thomas Müller

„Ich habe mein Leben lang immer nach sondern auch auf Land und Stadt. Hinter- erwartet die Bedheimer Erklärung vom
Unterschieden Ausschau gehalten, mich grund bleibt sein Engagement für Natur Leben auf dem Land. „Offenheit gegen-
interessieren die Facetten, das Verschie- und Landschaft oder für die Biosphäre über neuen Themen“, ob Architektur, Bau-
denartige. Es ist der Reichtum Europas, gegenüber der Technosphäre. Ohne dies methoden oder -materialien, entfaltet
dass wir so viele Unterschiede haben, dass weiter zu vertiefen, bleibt festzuhalten: sich, wenn der „Reiz unserer Dörfer, die
wir so viele Grenzen haben, Sprachgren- Der Sinnes- und Augenmensch empfindet Landschaftlichkeit der Landschaft“ gehü-
zen, Speisezettelgrenzen, Materialgrenzen den universellen „urban lifestyle“, das tet und „vorgefundene Formen“ fortge-
… Ich will die Unterschiede nicht verwi- hedonistische Einerlei einer zunehmend schrieben werden. „Dörfer sind keine Sub-
schen. Mein Leben lang ist aber nichts an- verwalteten Welt nur als eins: fad. urbs“, heißt es da und: „Identität ist ein
deres passiert … Im Laufe der Jahrzehnte teures Gut.“
wurde es immer uninteressanter, weil die Aufbruch Der Appell aus Bedheim wendet sich an
Gegensätzlichkeit fehlte.“ So Dieter Wie- Bauherren und Bauschaffende. Der am
land, Filmemacher, Buchautor, Streiter für „Ruhe und Weitblick sowie Konzentration Land typische Eigenbau sei zu stärken, die
Land und Baukultur. Sein Insistieren auf auf das Wesen der Dinge, kreatives, dem Dorfkerne zu öffnen, die Kulturlandschaft
Unterschieden zielt nicht nur auf Regionen, Weltgeschehen zugewandtes Arbeiten“ zu beleben. Das Bauhandwerk mit seinem
Wissen und Können, seiner Sorgfalt und
Aufgeschlossenheit sei gefragt, Architek-
ten zum Mitwirken aufgefordert. Bauen
am Land: ein Gemeinschaftswerk im Be-
wusstsein von landschaftlichem Kontext,
regionalen Fähigkeiten und Materialien.
Architektenausbildung habe neben Urba-
nismus Ruralismus zu lehren. Politik und
Medien seien unersetzliche Mitspieler.
Fünf Jahre sind es her, dass dieser Aufruf
erging. Anlass war das erste „Kaminge-
spräch“ im Bedheimer Schloss, veranstal-
tet mit der IBA Thüringen vom hier ansässi-
NIKA gen Architekturbüro Studio Gründer Kirfel.
A
G

Florian Kirfel ist der jüngste „Schlossherr“


RÜND

des Familiensitzes in achter Generation


Was wir heute hier machen, am Rand der Ortschaft Bedheim im Süden
E
L
Thüringens. Zug um Zug saniert man die
ginge in der Stadt nicht. Anlage, die nach dem DDR-Zwischenspiel

WEITER
Ideen 3 41
Die Architekten haben das
denkmalgeschützte Ensemble um diese
zeitgenössische Remise ergänzt.
42
Die neue Remise ist auf dem Fundament des
alten Schafstalls platziert. Die asymmetrische
Dachform bildet einen Unterstand aus.
Ideen 3 43
Im Inneren dominieren weiß gekalkte,
sägeraue Fichtenholzbretter. Unter dem
offenen Giebel ist Platz zum Schlafen.

Kochen und Essen im Erdgeschoss des


Gemeinschaftshauses
44 Ideen 3
1990 von den Eltern wieder bezogen und
mit biodynamischer Gärtnerei und Sozial-
Es ist der Reichtum Europas,
und Kulturunternehmungen belebt wurde. dass wir so viele Unterschiede haben,
Seit dem Studium von Kirfel und Gründer an
der Bauhausuniversität Weimar bestehen dass wir so viele Grenzen haben,
enge Bande dorthin, etwa regelmäßige
Studenten-Workshops, genannt Bauwerk- IE
LAND Sprachgrenzen, Speisezettelgrenzen,
Materialgrenzen …

TER W
statt, oder eben die Kamingespräche.
Das stieß irgendwann an räumliche Gren-
Ich will die Unterschiede nicht verwischen.

IE
zen, speziell bei Übernachtungen. Wohn- D

raum wurde geplant, erstes reifes Projekt


war ein Gästehaus mit Schlaf- und Ge-
Mein Leben lang ist aber nichts
meinschaftsräumen. Dieses ersetzt eine anderes passiert.
alte Remise und bildet nun mit dem
gemeinschaftlich betriebenen Café das
Entree zum Schlossareal.

Bauhütte

2016 wurde geplant; Leitbild war der


Selbstbau in Anlehnung an amerikani-
sches „timber frame“ mit standardisierten
Bauelementen und einfacher handwerkli-
cher Verarbeitung von Holz. 2017 begann
der Bau. In Eigenregie wickelten Florian
Kirfel und Anika Gründer die Baumaßnah-
men ab, assistiert von den angestellten
Partnern Philip Bader und Albert Lieber-
mann und unterstützt durch zahlreiche
Helfer, darunter mehrmals eine Bauwerk-
statt. Baustelle wurde Bauhütte – wie ge-
dacht am Bauhaus der frühen Jahre. Bei
Bedarf griff man auf fachliche Unterstüt-
zung zurück: ein paar wandernde Zim- bau: Drehflügel, nach außen öffnend, mit prototypisch, ortsbezogen – situativ, im-
merleute, eine Dachdeckermeisterin aus Dichtungsbändern stumpf auf die Pfosten provisierend, ganzheitlich, sinnlich. Das
dem Kreis der Studierenden oder lokale anschlagend und mit dänischen Fenster- sind handwerkliche Qualitäten, denen
Handwerker beim E lek t ro- und Sani- beschlägen geschlossen. Die Außenfas- eine aufs Bauhandwerk gestützte Bauge-
tärausbau. Nachdem der Bau bis zum sade besteht aus horizontal stehenden sinnung entspricht. Reisen in Japan, Be-
Winter unter Dach gebracht worden war, und liegenden Brettern im Wechsel, kon- gegnungen mit dem dortigen Handwerk,
folgten 2018 Fassaden- und Innenausbau; trastierend mit der vertikalen Deckleis- haben diese Erfahrung vertieft. Besonders
im Februar 2019 wurde eröffnet. tenschalung der spitzen Giebel, lasiert mit die Souveränität, die sich der Übung der
Der Bau nutzt die Natursteinfundamente leinölgebundenem Holzteer. Bau von Ve- Wiederholung verdankt, hat Eindruck ge-
eines alten Schafstalls. Darauf und auf ei- randa, Installation, Verfliesen der Sanitär- macht.
ner Schicht Glasschotter liegt die Boden- räume und ein Lärchenboden im oberen Das kennt Kirfel von klein auf vom Bauern-
platte, maschinell geglättet als fertiger Schlafsaal beschließen die Bauarbeiten. hof. Ob das Anmelken der Zitzen oder das
Boden. Darauf setzt der Holzrohbau auf. Nun steht – als „Sch(l)afstall“ ein Hotspot Fahren des Massey Ferguson 135: „Das
Auf provisorischen Werkbänken wurden der IBA Thüringen – das Gästehaus mit geht wie im Schlaf; jeder Griff muss sitzen.“
Wandgefache von maximal zwölf Metern Schlafzimmer und -saal, Sanitäreinrich- Leib und Seele sind gefordert; jede Eindi-
Länge aus einheitlich 6 × 18 Zentimeter tungen, Küchen- und Ess raum sowie mensionalität, jede Ausrichtung auf nur
starken Hölzern im Achsmaß 62,5 Zenti- Raumreserve für Heizung zur Verfügung. einen Zweck geht fehl. Erfahrbar wird:
meter gefügt und mithilfe eines Krans ver- Die Nachfrage zieht beständig an, der ganzheitliche Sinnlichkeit handwerkli-
setzt. Im Raster liegen Deckenbalken, zur Zuspruch in Fachkreisen kommt in einem chen Bauens gegenüber der Sinnen-Ver-
Eingangsseite weit auskragend, worauf Platz auf der Shortlist DAM 2020 zum Aus- armung des digitalen Bildes; Gelassenheit
sich das 55 Grad steile Sparrendach mit druck. Alles gut also mit der Bedheimer gegenüber den Götzen Schnelligkeit und
den charakteristischen Aufschieblingen Erklärung? Effizienz; persönliches Einstehen gegen-
erhebt. über der Auflösung von Verantwortung in
Die Holzkonstruktion von Wand und Dach Klärung der verwalteten Welt.
ist innenseitig mit sägerauer Fichte, außen
mit Holzfaserplatten verschalt: Der Zwi- Ernüchterung ist eingekehrt. Der Kurz-
schenraum ist Zug um Zug mit einer Bläh- schluss mit dem örtlichen Baugeschehen
ton-Schüt tung, gebunden durch eine lässt auf sich warten. Die Projekte des
Lehm-Schlämme, gefüllt. Innen sind die Büros liegen jenseits der Landesgrenze.
Bretter mit kaseingebundenem Kalk ge- Der Weiterbau am Schloss bleibt Thema,
schlämmt – Verfahren, die vor Ort ver- doch der Fokus des Programms hat sich
suchsweise optimiert wurden. Das hinter- verschoben, die Reflexion des eigenen
lüftete Dach ist mit lokalen Krempziegeln Tuns intensiviert. Der Ort ist dem förderlich.
K1 gedeckt. Auch die Fenster sind Eigen- Bauen wird mehr denn je verstanden als
45

M 1: 2 . 5 0 0

M 1: 2 0 0
Lageplan Querschnitt

BAUHERR:
Förderverein Schloss Bedheim e.V.

ARCHITEKTEN:
Studio Gründer Kirfel, Bedheim

BAUTEAM:
Der gesamte Bau wird nahezu
ohne Leistungen von Firmen erstellt.
Ein Kernteam von einem Zimmer-
mann und Msc. der Architektur
(Philipp Bader) und einem hand-
werklich sehr versierten gelernten
Buchbinder (Albert Liebermann) Obergeschoss
begleitet den Bau über die gesamte
Bauzeit und stellt sich aus einem
losen Pool von Helfern ein wechseln-
des Team zusammen. Je nach
anstehenden Aufgaben und Kapazi-
täten sind zwischen zwei und 20
Leute auf der Baustelle beschäftigt.
Und je nach anstehenden Aufgaben
werden gelernte Zimmerleute,
das gesamte Team des Studios
Gründer Kirfel, Schlossbewohner,
Freunde von Schlossbewohnern,
Vereinsmitglieder, Praktikanten,
Studierende der Architektur,
internationale Workcamper etc.
beschäftigt.

BAUZE IT:
November 2016 bis Oktober 2018 Erdgeschoss

FÖRDERUNG:
im Rahmen der „Modellprojekte
M 1: 2 0 0

der Regionalentwicklung – Da­


seinsvorsorge im demografischen
Wandel“ vom Thüringer Ministerium
für Infrastruktur und Landwirtschaft,
finanziell wie ideell von der IBA
Thüringen

STANDORT:
Schloss Bedheim, Thüringen
46

Das
Wunder
von
Berngau
Ideen 4 47
Die „Erkläranlage“ ist eine ehemalige
Kläranlage in der Oberpfalz, die in ein grünes
Außenklassenzimmer verwandelt wurde.
48
Man möchte es dem Architektennachwuchs regelrecht zurufen: „Geht aufs
Land, dort warten spannende Projekte auf euch!“ Ein Beispiel gefällig? Die
„Erkläranlage“ des jungen Münchner Architekten Max Zitzelsberger, die
das soziale Potenzial einer ländlichen Gemeinde architektonisch abbildet.

( Architekt ) ( Kritik ) ( Fotos )


M. O. Zitzelsberger Alexander Russ Sebastian Schels

Eigentlich ist es ja ganz einfach. Man hatte Berngau mit Max Otto Zitzelsberger nem „Generationennetzwerk“ arbeitet.
braucht nur einen mutigen Bürgermeister, bereits 2016 gefunden. Allerdings dauerte Dabei geht es um eine nachhal t ige
einen weitsichtigen Soziologen, einen es dann noch weitere vier Jahre, bis das Dor fent wicklung mit sozialem Hinter-
visionären Schulleiter, engagierte Behör- Projekt fertig war – was zum einen an des- grund. Um dem Strukturwandel zu begeg-
denmitarbeiter und anpackende Bürger. sen prozesshaftem Charakter lag, zum an- nen, entwickelt der etwa 2.600 Einwohner
Kurz gesagt: eine außergewöhnliche Ge- deren deutlich macht, dass es doch nicht zählende Ort ein konkretes Programm,
meinde. Und schon ist es fertig, das Vor- immer so einfach ist. das unter dem etwas lang geratenen
zeigeprojekt auf dem Land. So geschehen Motto „Der generationengerechten und
in der Oberpfalz bei der sogenannten „Er- Ein Konzept für Berngau inklusiven Gemeinde Berngau ein Gesicht
kläranlage“, einem grünen Außenklas- geben“ läuft.
senzimmer mit sozialer Inklusion. Und, fast Aber zurück zum Anfang. Seit einigen Jah- Damit will man auf Herausforderungen re-
hätten wir’s vergessen, einen Architekten, ren beauftragt Berngau den Soziologen agieren, die sich aus der Nähe zur Großen
der einen passenden Entwurf liefert. Den Klaus Zeitler, der mit der Gemeinde an ei- Kreisstadt Neumarkt in der Oberpfalz mit
ihren etwa 40.000 Einwohnern ergeben.
Diese Herausforderungen sind vor allem
dem starken Siedlungsdruck geschuldet,
denn es ziehen immer mehr Menschen
nach Berngau. Das verändert die Struktur
des Ortes – sowohl baulich als auch sozial:
Zum einen entstehen immer mehr Neu-
baugebiete, zum anderen verwaist die
Dorfmitte. Gleichzeitig gibt es eine erhöh-
te Nachfrage bei der Kinderbetreuung
und bei Bildungsangeboten. Das Konzept
sieht deshalb vor, Szenarien für ein Mitein-
Im bundesweiten Wettbewerb ander der Generationen und den offenen
„Menschen und Erfolge 2019“ Austausch zwischen Zugezogenen und
Alteingesessenen zu entwickeln. Gleich-
gewann Berngau den ersten Preis zeitig fördert es soziale Projekte, die zu-
sammen mit der Lebenshilfe Neumarkt,
für seinen Beitrag zum Thema einem Selbsthilfeverband für Menschen

„Soziale Dorfentwicklung – mit geistiger Behinderung, entwickelt


werden. Hintergrund dafür sind die Inklu-
Ein Netzwerk schafft Mehrwert“. sionsklassen an der Grund- und Mittel-

WEITER
Ideen 4 49
Neue Landmarke: der ehemalige Tropfkörper
auf dem Gelände – nun mit Krone und Schrift-
zug in goldenen Lettern
50
Ideen 4 51
Die Erkläranlage besteht aus einem Zaun zur
Bundesstraße, einer offenen Halle, einer Brücke
und dem Tropfkörper.
52
Beim Entwurf für die Halle ließ sich der Architekt
von den Gegensätzen des Ortes zwischen
Bundesstraße und Kulturlandschaft inspirieren...
Ideen 4 53
...deshalb bezeichnet er die Halle selbst auch
als eine Art Mischung aus Tempel und Aldi-Filiale.
Errichtet wurde sie in Gemeinschaftsarbeit.

Die gelb gestrichenen Nagelbinder waren


nicht nur eine kostengünstige Lösung. Sie gaben
auch die Geometrie der Dachform vor.
54 Ideen 4
schule, aus der sich ein hoher Bedarf an Brüchen durchzogen ist. Am deutlichsten
entsprechenden Angeboten ergibt. Dabei wird das an der Halle: Wie Brücke und
spielt auch die Architektur eine Rolle. Ein Zaun handelt es sich um eine einfache
konkretes Ziel des Konzepts ist es deshalb, Holzkonstruktion, die punktuell farbig ge-
die Ortsinnenentwicklung zu stärken und staltet wurde – ein roter Farbklecks hier,
das Zentrum zu beleben. ein blauer oder gelber Farbklecks da. Der
Ein Beispiel dafür ist die Sanierung des Referenzen nicht abgeneigte Architekt
ehemaligen Gasthofs „Zur Sonne“. Der be- bezeichnet die Halle als Kreuzung aus
findet sich in der Ortsmitte und soll zukünf- Tempel und Aldi-Filiale. Wer sich das ver-
tig von der Lebenshilfe Neumarkt und der zinkte Hallendach anschaut, weiß, wovon
Gemeinde genutzt werden. Neben Büros er spricht.
für das Bürgermeisteramt und Räumen für Man könnte das nun als postmoderne
die Allgemeinheit entstehen hier Woh- Spielerei abtun, aber tatsächlich ist das
nungen für Menschen mit Behinderung. an diesem Ort durchaus schlüssig. Anstatt
Die konkrete Umsetzung wird in Zusam- eine „Landlust-Idylle“ zu inszenieren, ar-
menarbeit mit der Bürgerschaft und dem beitete Zitzelsberger die Dualität des Or-
künftigen Nutzer nach einem Architekten- tes heraus und integrierte sie in die Archi- Lageplan
wettbewerb erfolgen. Finanzielle Unter- tektur. Dieser Ansatz verdichtet sich im

M 1: 2 . 0 0 0
stützung erhält das partizipative Projekt wahrsten Sinne des Wortes im Tropfkörper,
durch die Städtebauförderung. einem kreisrunden Bau aus Betonsteinen. BAUHERR:
Der diente ursprünglich dazu, die Fremd- Gemeinde Berngau,
Die „Erkläranlage“ körper im verunreinigten Wasser heraus- vertreten durch
zufischen. Zitzelsberger versah ihn mit ei- Wolfgang Wild,
Für sein Engagement erhielt Berngau auch ner Krone, auf der nun in goldenen Lettern erster Bürgermeister
schon eine Auszeichnung. Im bundeswei- umlaufend der neue Name prangt.
ten Wettbewerb „Menschen und Erfolge ARCHITE K T:
2019“ gewann die Gemeinde den ersten Form follows Fertigteil M. O. Zitzelsberger –
Preis für ihren Beitrag zum Thema „Soziale Architekt BDA,
Dorfentwicklung – Ein Netzwerk schafft Im Übrigen wurde das für das Projekt vor- München
Mehrwert“. Ein Bestandteil dieses Erfolgs gesehene Budget weit unterschritten. Das
ist die Erkläranlage, die gerade fertigge- liegt nicht nur an den Rechenkünsten des MITARBE ITE R:
stellt wurde. Dem Projekt ging eine Ideen- Architekten, sondern vor allem an seiner Matteo Pelagatti,
werkstatt mit Bürgerbeteiligung voraus, in Idee, dem Ensemble eine Art „Baumarkt- Philipp Hufschmid
deren Rahmen eine ehemalige Kläranla- eleganz“ zu verleihen. Ähnlich wie Do-
ge südlich von Berngau als Möglichkeits- nald Judd, der seine minimalistischen TR AGWERKSPL ANER:
raum für ein grünes Außenklassenzimmer Möbelskulpturen aus profanem Sperrholz Merz Kley Partner GmbH –
entdeckt wurde. Und wie es sich für ein baute, suchte sich Zitzelsberger das Beste Dornbirn (AT)
solches Projekt gehört, waren von Anfang (und Günstigste) zusammen, was der
an viele Protagonisten involviert: die Le- Fer tigteilkatalog hergibt. Ein schönes FERTIGSTELLUNG:
benshilfe, die Mittelschule, die Berufs- Beispiel dafür sind die gelb gestrichenen 2020
schule, der Kreisjugendring, die Generati- Nagelbinder, aus deren Geometrie sich
onenmanagerin der Gemeinde, die Mit- die Dachform ergab – Form follows Fertig- STANDORT:
arbeiter des Bauhofs, die Gemeindelei- teil. Damit einher geht auch der Do-it- Kläranlage Berngau,
tung, der Soziologe und der Architekt. yourself-Ansatz des Projekts, der vom südlich der Ortschaft
Entstanden ist ein kleines Ensemble, das Soziologen Klaus Zeitler früh eingefordert jenseits der St 2238
sich fröhlich der Gegensätze bedient. Die wurde. Deshalb wurden Zaun, Brücke und
fangen schon beim Ort an: Die Kläranla- die Möbel für die Halle zusammen mit
ge, die als Bauhof genutzt wurde, öffnet Jugendlichen der Lebenshilfe, der orts­
sich nach Süden in die freie Landschaft. Im ansässigen Schule und den Zimmerlehr-
Norden gibt es eine Bundesstraße mit lingen der Berufsschule gebaut.
Lärmschutzwand zum Neubaugebiet. Der Wie wichtig gerade die Einhaltung des
Architekt Max Otto Zitzelsberger streute Budgets ist, zeigt ein überraschender Be-
die neuen baulichen Elemente frei und such des Bürgermeisters bei der Ortsbe-
locker aufs Gelände: einen Zaun zur Bun- gehung. Der erkundigt sich beim Archi-
desstraße, eine offene, freistehende, mit tekten nach den momentanen Kosten und
flachem Satteldach gekrönte Halle, eine bittet ihn um eine Kostenaufstellung, um
Brücke, die den parallel zum Grundstück bei der nächsten Gemeindesitzung Argu-
verlaufenden Bach überspannt – und zu- mente für die Sanierung des Tropfkörpers
letzt der Tropfkörper der Kläranlage, der zu haben. Dort soll eine Ausstellungsflä-
jetzt als Landmarke dient. che entstehen, die dokumentiert, was in
Berngau alles passiert. Und das ist einiges.
Inszenierung der Gegensätze

Die einzelnen Elemente präsentieren sich


in einer einheitlichen gestalterischen
Sprache, die in ihrer architektonischen
Ausformulierung aber immer wieder von
55

M 1:12 5
M 1:75

Schnitt Halle Schnitt Tropfkörper

M 1: 2 5

Brücke

Auch die Brücke,


die den kleinen
Bach orthogonal
zum Grundstück
überspannt, ent-
stand in Gemein-
schaftsarbeit.
M 1: 2 5

Klassenzimmer-
möblierung

Die Möbel für


die Halle wurden
gemeinsam von
Jugendlichen der
Lebenshilfe, der
örtlichen Schule ...Damit einher geht auch der
und den Zimmer-
lehrlingen der Be-
Do-it-yourself-Ansatz des Projekts,
rufsschule gebaut.
der vom Soziologen Klaus Zeitler
früh eingefordert wurde.
56

Bodenreform
ohne
Nostalgie
Ideen 5 57
Ein neuer Straßenbelag, eine kreisförmige
Bank, ein einzelner Baum: Die Neugestaltung der
Ortsmitte von Aabenraa ist schlicht,
aber wirkungsvoll.
58
Die Ortsmitte von Aabenraa (Apenrade), einer süddänischen Kleinstadt mit
deutscher Vergangenheit, wurde mit einfachen Mitteln wie neu gestalteten
Belägen für die wichtigsten Plätze und Straßen aufgewertet. Das zeitgemä-
ße Entwurfskonzept mit seinen allgemeingültigen Vorgaben funktioniert in
der historischen Umgebung überraschend gut.

( Planer ) ( Kritik ) ( Fotos )


Adept, Topotek 1, Kasper Hanns
Atkins Lægring Joosten

Wie gestaltet man ein ganzheitliches ur- stehenden Kontext ein. Apenrade ist eine An diesen Charakteristika orientierten
banes Freiraumkonzept – etwa ein Netz alte Handelsstadt, die erstmals im Jahr sich Adept und Topotek 1 bei der Auswahl
öffentlicher Plätze und Straßen –, das zu- 1335 das Stadtrecht erhielt und von ihrer des Bodenbelags für den zentralen Store-
dem die Heterogenität einer vielschichti- Nähe zum Fjord und den damit verbunde- torv-Platz und die angrenzenden Straßen,
gen und historischen Umgebung respek- nen Möglichkeiten für Handel, Schifffahrt deren Neugestaltung 2015 begann und
tiert? Die Büros Adept und Topotek 1 er- und Fischerei geprägt wurde. Die Stadt 2018 abgeschlossen wurde. Sie erarbeite-
hielten den Auftrag zur Sanierung des be- verfügt über ein unregelmäßiges Straßen- ten ein Konzept, das die Ästhetik des Um-
stehenden Straßennetzes von Aabenraa netz, das bis ins Mittelalter zurückreicht, felds aufgreift und gleichzeitig transfor-
(Apenrade), einer 16.000 Einwohner zäh- während die meisten Gebäude aus der miert. Zudem können die Grundprinzipien
lenden dänischen Kleinstadt mit deutsch- Zeit des Barock, des Rokoko und des Em- des Entwurfs, falls erforderlich, auch be-
sprachiger Minderheit. pire stammen. Viele Straßen und Gassen stimmten lokalen Gegebenheiten ange-
Ohne die primäre Zielsetzung der Revitali- waren bereits in den vergangenen Jahren passt werden.
sierung der Stadtmitte aus den Augen zu in Fußgängerzonen mit Granitkopfstein-
verlieren, gingen beide Büros bei dieser pflaster und Pflasterklinkern im Fischgrät- Neu gestaltetes Wegekreuz
Aufgabe deutlich erkennbar auf den be- verband umgewandelt worden.
Das Projekt umfasst einen zentralen Platz,
eine lange Ost-West-Achse aus aufeinan-
derfolgenden Straßenzügen sowie zwei
kleinere Straßenabschnitte, von denen ei-
ner von Nord nach Süd, der andere von
Ost nach West verläuft. Während die Ost-
West-Achse im Westen in einem „terrain
vague“ endet, münden die zum Hafen
führenden drei weiteren Straßen im Osten
in kleine, entweder bereits vorhandene
oder erweiterte Plätze.
Die Architekten und Landschaftsarchitekten Die Architekten und Landschaftsarchitek-
ten suchten nach einem allgemeingülti-
suchten nach einem allgemeingültigen gen Konzept für das gesamte Areal und
entschieden sich für eine schlichte, doch
Konzept für das gesamte Areal und wirkungsvolle Gestaltung: Bei allen Stra-
entschieden sich für eine schlichte, doch ßen besteht die durchgehende, zentrale
Fahrbahn aus Kopfsteinpflaster aus po-
wirkungsvolle Gestaltung. liertem grauem Granit, das für den Fahr-

WEITER
Ideen 5 59
Die Gehwege sind zwar markiert,
aber nicht erhöht, was geräumiger wirkt.
60 Ideen 5
Das neu gestaltete Wegenetz für die Altstadt
kreuzt sich am Storetorv-Platz. Ein Betonpodium
dient hier als multifunktionale Bühne.

Am nördlichen Platzrand fällt das


Gelände ab, hier entstand eine terrassierte
Fläche aus Granitstufen.
61
zeugverkehr geeignet ist. Demgegenüber mit bleigrauem Klinker im Fischgrätver- men individuell angepasst, wie etwa die
wurden die angrenzenden Flächen – die band belegt. Die Architekten beschlossen große, kreisförmige Bank in der Mitte des
Gehwege – mit gelbbraunem Klinker ge- zudem, den nördlichen Rand des nach südlichsten Platzes. Doch kleinere Objek-
pflastert. Dieser Belag verweist auf die Westen abfallenden Geländes in eine ter- te, wie die Abfallbehälter und Pflanzkübel
Materialität der bestehenden Straßenzü- rassierte Fläche mit Granitstufen zu ver- aus Metall, sind offensichtlich Standard-
ge der Stadt, doch unterscheidet er sich wandeln, die den angrenzenden Cafés elemente. Dieser formelhafte Ansatz wi-
deutlich davon, da der Farbmischung ein gleichzeitig als Außenbereich dient. Hier derspricht ein wenig der Subtilität des ge-
Braunton hinzugefügt wurde. Zudem wur- wurden die den verschiedenen Materiali- samten Landschaftskonzepts.
de dieser Fußgängerbereich nicht erhöht, en zugewiesenen Funktionen ausnahms- Der Schif f fahr tsmagnat Hans Michael
sondern schließt ebenerdig mit der zen- weise vertauscht. Ein riesiges trapezförmi- Jebsen ergänzte in den letzten Jahren das
tralen Fahrbahn ab. Ein Trennelement – ges Betonpodium im westlichen Bereich Stadtbild seiner Heimatstadt um etliche
eine schmale, durchgehende Entwässe- dient als multifunktionale Bühne für ver- im historischen Baustil errichtete Gebäu-
rungsrinne mit gusseisernem Gitterrost – schiedene öffentliche Aktivitäten. In der de, die einige Bausünden erfolgreich be-
akzentuiert die Konturen der kurvenrei- Platzmitte befinden sich locker verteilte hoben. Die moderne Freiraumgestaltung
chen Fahrbahn. Das Resultat ist eine schwarze, regenschirmartige Überda- des neuen Straßennetzwerks erzeugt ei-
lebendige, kont rast reiche Stadt land- chungen, die im Boden verankert sind. Auf nen Kontrasteffekt, der zudem den Fokus
schaft, in der sich die hellen Gehwege Pflanzen und Bäume stößt man nur selten, auf die historischen Fassaden verstärkt.
deutlich von der dunklen Fahrbahn ab- mit Ausnahme der kleinen Plätze im Osten Adept und Topotek 1 haben mit ihrem Ent-
grenzen. Die rostfarbige Patina des Gitter- des Areals, wo mehr Grün vorhanden ist. wur fskonzept für Aabenraa ein neues
rosts trägt zur visuellen Vielfalt bei, und die Eine Reihe aus Ebereschen sorgt dort für Stadtbild geschaffen, das die Niveau-
unterschiedlichen Nutzungen der ver- ein fast barockes Erscheinungsbild und wechsel, die sich beim Spaziergang durch
schiedenen Straßenflächen sind allein auf- harmoniert dadurch mit der Architektur die Stadtlandschaft herausbilden, wahr-
grund der Materialwahl intuitiv lesbar. der Stadt. Ein einzelner Baum schmückt nehmbar betont. In Anlehnung an das
den südlichen Søndertorv-Platz. Überraschungsmoment im englischen
Fußgänger und An den östlichen Rändern des Straßennet- Landschaftsgarten wird dieses Stilmittel
Autos gleichberechtigt zes ist zudem eine größere Anzahl an mit Hilfe moderner Entwurfsmethoden und
Parkplätzen vorhanden. Im Westen hinge- Materialien in Einklang gebracht. Mit an-
Adept und Topotek 1 entschieden sich gen wurde eine stärkere Verknüpfung mit deren Wor ten: Das neue St raßennetz
klugerweise dagegen, das gesamte Stra- dem bestehenden Campusgelände an- schafft eine perfekte Balance zwischen
ßennetz in eine Fußgängerzone umzu- gestrebt. Hier ändert sich die Entwurfs- alt und neu, einfühlsam und generisch,
wandeln. Denn bei den hier befindlichen sprache abrupt, da der letzte Straßenab- ohne jemals auf laute und auffallende
Gebäuden handelt es sich größtenteils schnitt mit Betonsteinen gepflastert und Gestaltungselemente zurückzugreifen.
um Wohnhäuser und nicht um Läden. Je- mit Bänken und Ebereschen gesäumt wur-
denfalls scheint es angesichts der allge- de. Der räumliche Effekt wird hauptsäch- Aus dem Englischen
meinen Verkaufsrückgänge in dänischen lich mit Hilfe architektonischer Mittel wie von Sigrid Ehrmann
Kleinstädten ratsam, eine gemischte Nut- der terrassierten Klinkerlandschaft aus
zung solcher Straßen beizubehalten. niedrigen Mauern und Podien hervorge-
Die Gestaltung des zentralen Storetorv- rufen, die die abfallende Straße nach Os-
Platzes unterscheidet sich von den ande- ten vielfältig nutzbar macht. Das Straßen-
ren Bereichen. Hier wurde der größte Teil mobiliar wurde den verschiedenen Räu-

BAUHERR:
Gemeinde Aabenraa

PLANER:
Adept, Kopenhagen
(Architekten)
zusammen mit
Topotek 1, Berlin
(Landschaftsarchitekten)
und Atkins (Ingenieure)

WETTBEWERB:
2015

FERTIGSTELLUNG:
2018

STANDORT:
Aabenraa, Dänemark

Lageplan
62

Oben:
Die bekannte Therme in Vals von Peter Zumthor.
Jetzt hat nebenan das feine 7132-Hotel eröffnet,
das mit Gästezimmern von berühmten Architekten
aufwarten kann.

Links:
Diese dunkle glamouröse Kammer stammt von
Thom Mayne. Ein Lichtblick: das Bad in Neongelb

Unten:
Thom Mayne baute eine Art Höhle aus Valser Quarzit,
offenbar angeregt von der Therme selbst.

FOTOS: 7132 – HOUSE OF ARCHITEC TS


Unterwegs im 63

7132 „House of Architects“


Vals

Zwar abgelegen, aber mit dem einfachen Leben


auf dem Land hat diese Herberge wenig zu tun:
Neben Peter Zumthors Therme in Vals hat das 7132-Hotel
eröffnet – mit luxuriösen Gästezimmern speziell
von und für (Star-)Architekten.

Angeblich entstehen geniale Architekturentwürfe bisweilen auf Serviet-


ten. Ganz sicher jedoch ist, dass die Therme in Vals vor ihrer Realisierung
bereits aus Worten errichtet worden war: „Ihr müsst etwas bauen“, hatte
Peter Zumthor der Graubündner Gemeinde versichert, „was es noch nicht
Hotelgäste gibt. Keinen Glas-Spaß. Sondern eine Therme, die einzigartig ist.“ 1996 PREISE
dürfen zudem zu wurde sie eröffnet – und der in den Hang gefügte Bau besteht aus Beton
bestimmten und aus 60.000 Streifen Valser Quarzit in drei Stärken, zwei Breiten und Übernachtungspreise
Zeiten die Therme jeweils 3,20 Metern Länge. beginnen bei
exklusiv nutzen. Rostrot hat das eisenhaltige Wasser die Wand am Eingang eingefärbt,
dort fließt es ungefiltert. Ansonsten sieht man der Therme, die bereits zwei
Externe
zahlen mit Gästekarte
Jahre nach ihrer Fertigstellung unter Denkmalschutz gestellt wurde, ihr
Alter nicht an; noch immer buchen 190 Menschen täglich ein paar Stun-
390 CHF
den, um in großartiger Architektur und in zwischen 14 und 35 Grad war-
mem und Kalzium-Sulfat-Hydrogencarbonat-reichem Wasser zu baden. für zwei

55 CHF Zahllose Preise hat die Thermen-Architektur bekommen, aber ihre Zahlen
waren leider nie so schwarz wie der Quarzit, aus dem sie erbaut ist. Peter
Personen inklusive
Frühstück
Zumthor hätte das Bad gern selbst übernommen, doch die klamme Ge- und freiem Eintritt in
www.vals.ch meinde entschied sich knapp für einen Käufer, der versprach, außer der die Therme.
Therme auch noch die umliegenden Hotel- und Apartmentgebäude aus
den 60er-Jahren zu übernehmen und in ein Vier-Sterne-Hotel zu verwan-
deln: in das mit vier Sternen dekorierte „House of Architects“ und das
Fünf-Sterne-Superior-Hotel „7132“ – übrigens die Postleitzahl von Vals. So
können die Gäste nicht nur im Luxus baden, sondern auch luxuriös woh-
nen, essen und anreisen – das Restaurant des 7132 ist mit zwei Michelin-
Sternen und 18 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. Und im Preis der
Penthouse-Suiten ist immerhin die Anreise im hoteleigenen Helikopter
inbegriffen. Penthouse-Suite
2012 begann der Umbau: Thom Mayne ließ den Eingangsbereich ein biss- von Kengo Kuma
ADRESSE chen wie das Guggenheim in New York aussehen und verwandelte eben- (90 m2)
so wie Tadao Ando, Kengo Kuma und Peter Zumthor, der bereits zur Eröff-
7132 Hotel nung der Therme im alten Kurhotel sogenannte „Provisorien“ gestaltet
Vals, Graubünden,
Schweiz
hatte, die Schuhschachtelräume in angemessen schicke „Zimmer für
Architekten“. Vergrößern konnten die „Star“-Architekten die insgesamt
3.000 CHF
www.7132.com 73 gerade einmal 20 Quadratmeter kleinen Gästezimmer zwar nicht,
lediglich für die Suiten im 7132 wurden mehrere der Schuhschachteln inklusive
Derzeit zusammengelegt. Doch Raum für eine höchst unterschiedliche Gestal- Helikopter-
geschlossen, tung blieb offensichtlich genug: Zumthor tauchte seine Zimmer in knall- +
voraussichtlich roten und schwarzen Stucco Lustro. Für Schwarz entschied sich auch Thom Limousinentransfer
ab 19. Juni Mayne: Er tapezierte Wand, Boden und Decke mit Valser Quarzit und er- innerhalb
wieder geöffnet hellte die Düsternis mit einem neongelben Bad-Ei. Während Kengo Kuma der Schweiz
und Tadao Ando erwartungsgemäß minimalistisch arbeiteten: Kuma im-
plantierte seinen Zimmern einen hölzernen Kokon aus Eiche, Ando kon-
zentriert sich darauf, nicht vom Ausblick abzulenken. Dem Gast bleibt
jetzt die Qual der Wahl.

Text Katharina Matzig


64
Über ( Interview )
Ira Mazzoni

Land

und

Leute

Stadt, Land, Kuss! überschrieb die „Süddeutsche Zeitung“ den Kommentar


von Heribert Prantl, der vor den bayerischen Kommunalwahlen eine poli-
tische „Anti-Mattigkeits-Agenda“ für ländliche Regionen forderte. Von
Landfrust, Landflucht und Depression war da die Rede und von abgehäng-
ten Dörfern, Märkten, Städten, die in ihrer Mitte keinen Kern, sondern ein
Loch haben. Das bayerische Land sterbe, die Tourismusflecken ausgenom-
men. Vor diesem Hintergrund verabredeten wir uns mit Peter und Christian
Brückner an ihrem Bürostandort in Tirschenreuth, in der nördlichen Oberpfalz
nahe der tschechischen Grenze. Die Brückners sind im Stiftsland heimatlich
verwurzelt und haben in den letzten fünfundzwanzig Jahren viel dazu bei-
getragen, dass einige Kommunen im ehemaligen „Armenhaus“ Bayerns
wieder Zukunft haben. Von Mattheit keine Spur. An dem runden,
sonnenbeschienenen Tisch im Sudhaus der zum Architekturbüro umgebau-
ten Brauerei entspannt sich bei klarem Brauwasser und Butterbrezen ein
Gespräch über Qualitäten und Potenziale der Region.
Ideen 6 65
BAUMEISTER: Langsam legt sich die Groß- Anknüpfungspunkt. Es war ein kleiner gie, bevor wir anfangen, über Architektur
stadt-Euphorie. Je enger die Lebensräu- Schritt, einfach mal zu beginnen und wie- nachzudenken. Das führt dann auch zu
me dort werden, je dichter der Verkehr der in direkten Kontakt mit dem Land und ganz ande ren D iskussionen mi t den
und je höher die Quadratmeterpreise, den Leuten zu kommen. Menschen.
desto mehr richtet sich der Blick auf das 2004 bekamen wir dann die Chance, in
Land. Es mangelt nicht an Entwicklungs- Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und B: Wie kommen Sie mit den Menschen ins
plänen und Zukunftsvisionen – häufig von den Bürgern von Tirschenreuth aufgrund Gespräch?
Menschen, die noch nie ländlich gelebt des Bund-Länder-Programms „Stadtum- C B : Wir gehen in die Wirtschaft, in die
haben. Was hat Sie dazu bewogen, aus- bau West“ ein integriertes Stadtumbau- Metzgerei, die Bäckerei – jammern tun sie
gerechnet in der nördlichen Oberpfalz konzept zu erarbeiten. Eins der ersten alle. Aber es ist unsere Aufgabe, neben
Architektur zu machen? überhaupt. Wir haben uns damals die dem Leerstand und dem Chaos, das
P E T E R B R Ü C K N E R : Die Verbindung mit der Wirtschaftsgeografen der Projektgesell- Pflänzchen oder das Kulturgut zu entde-
Region – wir sprechen nicht vom Land – ist schaft iq, Jürgen Schmude und Robert Lei- cken, das schützenswert ist und an das
uns sehr wichtig. Als ich 1990 mein Studi- ner, mit ins Boot geholt. Es gab eine inten- man städ tebaul ich, a rchi tek ton isch,
um an der TU München beendet hatte, war sive Laborphase, in der wir uns mit der identitätsstiftend herangehen kann.
das eine Grundsatzentscheidung. Der ei- Region auseinandergesetzt haben. Wir P B : Wir kommen nicht als unabhängige
serne Vorhang war gefallen, die Grenzen haben viel mit den Bürgern diskutiert. Das Architekten und setzen irgendwo was hin.
waren offen ... war eine tolle Zusammenarbeit. Wir versuchen erst einmal ein Bewusstsein
für die Lage zu schaffen. Wir fragen die
B: ... und die Kollegen gingen alle nach B: Die bis heute Früchte trägt. Sie haben Leute, was sind Eure Themen? Wir fragen
Berlin in die neue Hauptstadt. „Heimat“ schon zu einer Zeit zum Thema aber auch, wie wird uns zugehört? Ent-
P B : Genau so. Als ich mich entschied, ich gemacht, als das in Architektenkreisen steht ein Dialog? In Tirschenreuth ist uns
geh zurück nach Tirschenreuth, haben die noch höchst verpönt war. Warum? dieser Dialog gelungen. Wir haben in der
gesagt, bist Du wahnsinnig? Was machst C H R I S T I A N B R Ü C K N E R : Die Globalisie- Pilotphase gesagt, wenn wir das gemein-
Du denn da? Für mich stellte sich aber die rung hat weit über die Großstädte hinaus same Projekt angehen, dann bitte lasst
Frage: Ist es möglich, etwas aus der Regi- eine andere Dimension von Heimatlosig- uns über alle Grenzen hinausdenken, über
on heraus zu entwickeln? Das weiß man ja keit produziert: heute hier, morgen da. Wir alles, was Ihr Euch vorstellen könnt.
nicht a priori, das muss man ausprobieren. haben schon Anfang der 2000er gespürt, C B : Entschuldige, dass ich Dich unterbre-
Man muss sich mit seinen Wurzeln ausein- dass da etwas abhandenkommt, wonach che: Wir sind ja in vielen Jurysitzungen
andersetzen. sich die Menschen dann doch wieder seh- landauf, landab. Da bemerken wir immer
nen. wieder, dass Architekten noch lernen
B: Ich erinnere mich, dass die Oberpfalz in Wir engagieren uns ja nicht nur dort, wo müssen, die Sprache der Menschen zu
den 90er-Jahren die höchsten Arbeitslo- wir aufgewachsen sind, wir sind bayern- sprechen. Die Architekten müssen wirk-
senzahlen in Bayern hatte. weit in den unterschiedlichsten Regionen lich lernen, nicht nur eine Architekturspra-
P B : Ja, es gab einen brutalen wirtschaftli- unterwegs. Bayern ist ja erstaunlich bunt. che zu verwenden, sondern ihre Sache
chen Strukturwandel. Die Porzellanindus- Wenn wir an fremde Orte kommen, fragen auch so zu vertreten, dass sie verstanden
trie, die Tirschenreuth und andere Städte wir als Allererstes, warum möchte ich werden.
der Region geprägt hatte, stellte weitge- eigentlich hier sein, was zeichnet diesen
hend die Produktion ein. 1994 schloss die Ort aus, was könnte da sein, was es woan- B: Aber das gilt doch ganz allgemein.
Firma Hutschenreuther in Tirschenreuth – ders nicht gibt? C B: Sicher. Aber in der Region hören uns
es war Wahnsinn. Alle haben gesagt, Du die Menschen viel mehr zu als in der Stadt.
kannst da keine Architektur machen. B: Sie suchen also nach der Differenz? Auch die Parteipolitik spielt häufig keine
Das war auch nicht einfach. Keine Frage. C B: Genau. Was unterscheidet den Ort so große Rolle. Es gibt wirklich eine aufge-
Aber dadurch, dass unser Vater, Klaus- von einem anderen, der nur zehn Kilome- schlossene Diskussionskultur. Je größer
Peter Brückner, hier ein Ingenieurbüro für ter weiter weg ist? In die Klärung solcher eine Stadt ist, desto mehr werden partei-
Tragwerksplanung hatte, gab es einen Fragen stecken wir unglaublich viel Ener- politische Positionen ein Thema. Sind die
einen dafür, müssen die anderen dage-
gen sein.
Noch bevor wir einen Auftrag haben,
gehen wir daher zum Stadtrat und ma-
chen klar, dass es für uns essenziell ist,
dass keine Parteipolitik gemacht wird.
Denn wenn das doch passiert – da sind wir
felsenfest davon überzeugt –, kann nicht
wirklich gute Architektur entstehen. Nur
wenn uns vermittelt wird, dass es um die
Stadt, den Ort geht, dann sehen wir Chan-
cen, unsere Philosophie qualitativ umzu-
ER B setzen. Wir sehen uns gerade in der Regi-
ET
Als ich mich entschied, on als Architekten in der Verantwortung,
R
P

ÜCKNE

gesellschaftspolitisch tätig zu sein. In der


ich geh zurück nach Tirschenreuth, R Großstadt führt man schnell nur noch
Fassadendiskussionen. Bei uns aber kommt
haben die Kollegen gesagt, die Fassade zuletzt.
bist Du wahnsinnig?
B: In der Stadt geht es ja kaum mehr um
Was machst Du denn da? die Stadt, sondern um Investments...

WEITER
66
Das kommt hinzu. Der Ausverkauf von
P B: C B: Das hat alles mit Attraktivität zu tun: dann eine bewusste Standortentschei-
Regensburg, der gerade stattfindet, ist ein 2 0 09 hat ten wi r den k lassizist ischen dung für Tirschenreuth. Das hätte man sich
Wahnsinn. Marktplatz in der Mitte von Tirschenreuth vor 20, 30 Jahren nicht vorstellen können.
neu gestaltet. Es gab dann große Firmen, Die Menschen suchen so etwas, kommen
B: Es werden nur noch Studentenwohnun- die hierher zurückkamen. Wir selbst ha- von Berlin und suchen diese Erfahrung.
gen gebaut, die nie wieder anders ge- ben unsere Auftraggeber hierhergelockt. Aber ich merke, dass es jemandem, der in
nutzt werden können und in 20, 30 Jahren Berlin und München kannte jeder. Da wir der Großstadt groß geworden ist, schwer-
auch nicht mehr gebraucht werden. nicht direkt neben der Autobahn oder fällt, Region zu entschlüsseln.
C B : Und das hoch subventioniert! dem Flughafen sind, hat sich eine Kultur
P B : Schwierig… mmm. Deswegen haben hier über Nacht entwickelt. Davon profi- B: Lassen Sie uns mal von den Stadtflüchti-
wir gestern den neuen Lernstandort von tiert jetzt der Ort. gen sprechen, die keinen bezahlbaren
der OTH Regensburg und Landshut hier in Man muss sich von der Stadt abgrenzen. Wohnraum mehr in den Städten finden,
Tirschenreuth eingeweiht, der ein berufs- „Kultur“ können wir nicht bieten, aber aufs Land gehen und dort Vorstadt produ-
begleitendes Studium in Wirtschaftswis- Landschaftskultur. Hier gibt es andere zieren.
senschaften und Sozialer Arbeit für alle Qualitäten als in der Stadt. Wir merken P B : Das war hier auch so eine Geschichte.
die ermöglicht, die hier leben und arbei- auch bei unseren Mitarbeitern – es gibt Wir mussten die Frage klären, wie kriegt
ten. Dafür wurde die alte Fronfeste, in der zwei Typen von Menschen: Die einen rea- man so ein Stadtzentrum wieder gesund
zuletzt die Polizei untergebracht war, von lisieren, dass sie die Natur hier sportlich hin. Da herrschte bei uns halber Leerstand.
uns umgebaut. Bei der Einrichtung dezen- nutzen können, ohne zwei Stunden im Stau Die Porzellanfabrik am Fuß des Stadthü-
traler Studienorte ist Bayern ganz weit zu stehen, um am Wochenende den Wahn- gels war abgerissen worden. Da hatten
vorne. Das funktioniert hervorragend. sinn in den Alpen zu erleben. Hier gibt es dann Investoren Läden hingebaut. Die
Es stellt sich ja immer die Frage, ob je- noch Einsamkeit, Ruhe, das sind ganz Geschäfte am Marktplatz gingen ein. Mit
mand, der zur Ausbildung die Region ver- klare Qualitäten, die es in der Stadt nicht der Erneuerung des Marktplatzes dreht
lässt, auch wieder zurückkommt. Deswe- gibt. Wer allerdings fünf Tage in der Woche sich das wieder. Die Stadt hat dann die
gen ist es gut, dass es auch in Amberg und Kultur und Kneipe braucht, mal zum Italie- Neubaugebiete, die schon im Bebau-
Weiden Hochschulen gibt. Laut Statistik ner oder mal zum Spanier will, der wird ungsplan standen, wieder rausgenom-
bleiben 80 Prozent der Studenten, die in hier nicht glücklich. Unsere Mitarbeiter men. Punkt. Die Stadt soll sich im histori-
der Region studiert haben, auch da. Die machen dann eben kompakt Städteur- schen Bestand erneuern. Das im Rahmen
großen Firmen hier in der Region koope- laub, so wie andersherum Großstädter des integrierten Stadtentwicklungskon-
rieren eng mit den Hochschulen. Die jun- zum Waldbaden gehen. zepts mit den Leuten mutig auszudiskutie-
gen Leute lernen das zu schätzen, sie sind P B : Wir sind ja auch kein ganz kleiner Be- ren, war fantastisch.
hier aufgewachsen, und das Angebot wird trieb mehr. Wir haben in Tirschenreuth und
immer attraktiver. Als Nächstes bauen wir in Würzburg jeweils 35 Mitarbeiter. Die B: Es braucht also gute Planungsinstru-
hier in Tirschenreuth eine Kletterhalle in kommen von überallher. Jetzt kommt wie- mente und ein Einsehen, sie auch anzu-
eine ehemalige Brauerei, die jetzt schon der einer zurück, der in New York seinen wenden?
zehn Jahre stillgelegt ist. Master gemacht hat. Es ist nicht einfach, P B : Ich war ja jahrelang Baukunstbeirat in
die Leute hierherzubekommen, aber wir Landsberg am Lech. Diametraler kann
B: Jedes Mal, wenn Behörden von der kümmern uns auch sehr um unsere Mitar- sich Bayern nicht gestalten: Der zweite
Landeshauptstadt in die sogenannte Pro- beiter. Speckgürtel von München ist auch men-
vinz beordert werden, gibt es ein großes talitätsmäßig eine andere Liga als die
Geschrei bei den Betroffenen. B: Wer zu Ihnen kommt, kommt doch, weil Oberpfalz. Da ist die Sattheit des Südens.
P B : Als das Amt für ländliche Entwicklung er von der Büro-Philosophie überzeugt ist. Teilweise sind es Luxusprobleme, die die
für den Regierungsbezirk Oberpfalz nach C B : Klar, wer so etwas sucht, für den sind Leute dort haben, aber sie machen nichts
Tirschenreuth verlegt wurde, war das Ge- wir eine Adresse. Der kommt dann auch in draus. Die haben kein Stadtentwicklungs-
schrei gigantisch. Jetzt ist es ein Erfolgs- die Region, begleitet uns eine Zeit und konzept, die bauen einfach. Da wird nach
modell. bleibt dann gelegentlich auch. Das ist Gusto entschieden. Da passiert so viel
„Gegend“!

B: Braucht es also echte Not, um gute Pla-


nungen hinzubekommen? Wenn ich in
Franken oder in der Oberpfalz über Land
fahre, habe ich häufiger das Gefühl, dass
mancher Ort einfach die Rollläden für im-
mer runtergelassen hat.
C B : Sowohl in Franken wie in der Ober-
pfalz ging es seit den 1960er-, 70er-Jahren
kontinuierlich bergab. Das hat aber den
unglaublichen Vorteil, dass noch viel Sub-
ISTIAN stanz da ist. Während im Süden schon
R
wahnsinnig viel unwiederbringlich zer-
CH

BRÜCK

stört worden ist, gibt es in Franken und in


Die Globalisierung hat weit über R
NE der Oberpfalz noch echtes Potenzial.
Das Modell Tirschenreuth zeigt, es braucht
die Großstädte hinaus eine einfach einen Bürgermeister, der Visionen
andere Dimension von Heimatlosigkeit entwickelt. Nach dem Marktplatz kam
2013 die Zusage für eine kleine Landes-
produziert: heute hier, morgen da. gartenschau, mit der wir die Stadtteiche
Ideen 6 67
wiederherstellen und das Fischhofareal
renaturieren konnten. Es hilft nicht zu jam-
Man muss sich von der Stadt abgrenzen.
mern, „die Münchner vergessen uns“ und Kultur können wir nicht bieten,
weiter auf den weißen Ritter zu warten, der
investiert. Der kommt nicht. aber Landschaftskultur. Hier gibt es andere
Wir versuchen den Kommunen immer klar
zu machen, wenn Ihr das nicht macht,
Qualitäten als in der Stadt.
ER
macht es keiner! N

ÜCK
Nehmen Sie Bad Alexanderbad im Fich-

CH
BR
telgebirge, das kleinste Heilbad Bayerns: R
IS
Das hatte in den 1970ern seine letzte Blü- TIAN

tezeit. Als wir das erste Mal dorthin kamen,


waren selbst wir verzweifelt. Vor etwa
zwölf Jahren hat dann der Bürgermeister
ganz drastisch formuliert: Entweder wir
sperren den Ort zu, reißen alles ab, und
dann war‘s das mit der Geschichte des
Moor- und Mineralheilbads, oder wir pa-
cken das an.
Jetzt nach kontinuierlicher, von den Bür-
gern getragener Entwicklungsarbeit, gibt
es in der 1000-Seelen-Gemeinde keine
Leerstände mehr. Der Ort hat eine autono-
me Bioenergie-Versorgung. Wir durften
das alte Kurhaus nach einem konkurrie-
renden Verfahren erweitern. Die Gemeinde
hat ein 24-Stunden-Kinderhaus eingerich-
tet. Das ist interessant für Krankenschwes-
tern und Pfleger. Es gibt ganz viele Stell-
schrauben, eine Gemeinde attraktiv zu
machen. Die Leute in Bad Alexanderbad
sind jetzt so was von stolz. Wenn am
Wochenende eine Badaufsicht ausfällt,
springen die Gemeinderäte ein. Das ist Jahren von den Zisterzienser-Mönchen P B: Als die Windräder aufkamen, haben
bürgerschaf t liches Engagement. Und geprägt wurde. Zur Jahrtausendwende wir uns schon entsprechend positioniert:
dann kommt auch der Investor und will ein gab es ein gesamtstaatliches Natur- Es geht nicht an, dass wir darum gekämpft
neues Hotel eröf fnen. Zuletz t hat die schutzprojekt (bis 2012), und heute wird haben, eine jahrhundertealte Kulturland-
Gemeinde auch noch die Terrassen- ein Welterbeantrag für die Zisterziensi- schaft zu bewahren, in der sich die vier
anlagen vor dem Markgräflichen Schloss schen Klosterlandschaften in Europa vor- Elemente ganz nah sind, und nun kommen
nach einem Wettbewerb landschafts- bereitet. Gleichzeitig aber werden immer Investoren von überallher und bieten den
gärtnerisch neu gestalten lassen. Bad mehr Anforderungen an die Landschaft Bauern Summen, die sie noch nie gehört
Alexanderbad fängt jetzt wieder an zu herangetragen, etwa von der Energiewirt- haben, und schon wird alles relativ. Da ist
blühen. schaft. Wie schafft man es, dass die Land- die Politik ein Stück weit hellhörig gewor-
P B : Du hast es ja schon gesagt, es braucht schaften intakt bleiben? den. Es sind dann doch ein paar Windrä-
Protagonisten mit Charisma, die solche C B : Das ist ähnlich wie mit den Orten, da de r gebaut wo rden, abe r dann wa r
Dinge auch anpacken. Bürgermeister, die muss man vorsichtig sein und die Qualitä- Schluss, zumal dieser Landkreis sehr fort-
glauben, Stadtplanung könne funktionie- ten herausarbeiten. Nicht alles ist gut, schrittlich war: Wir produzieren inzwischen
ren, wenn man sich irgendwie durchla- nicht überall kann man alles schützen. mehr Energie, als wir im Landkreis ver-
viert und versucht, es allen recht zu ma- Statt dicke rote No-go-Linien aufzuzeich- brauchen. Etwa mit Biogas und Hack-
chen, werden scheitern. Man muss eine nen, muss man genau hinschauen: Was ist schnitzel. Wir selbst haben viele unserer
Haltung zur Stadt entwickeln und diese extrem schützenswert, und wo kann ich Projekte mit Geothermie versorgt, was in
auch vermitteln. Wenn das gelingt, kön- mich auch von einem Stück Landschaft einem granitreichen Gebiet natürlich su-
nen wir Architekten den Prozess unterstüt- verabschieden? Das Entscheidende aber per geht. Das hat uns Ruhe gebracht und
zen, indem wir die nötigen Bilder dazu lie- ist: Die eigentliche Identität darf sich nicht dazu geführt, dass die Bergkämme nicht
fern und dann gegebebenfalls auch die ändern. verspargelt worden sind, zu Gunsten eini-
passenden Gebäude. Das gebaute Bei- Wir haben hier in der Oberpfalz schon sehr ger weniger und zu Lasten aller anderer.
spiel ist durch nichts zu ersetzen, davon markante Landschaftsräume, die dürfen Auch das ist eine Frage der Haltung und
sind wir felsenfest überzeugt. Das setzt nicht zerstör t werden, dann geht der des Gemeinsinns. Unsere Landschaften
Maßstäbe – auch für das weitere Quali- Charakter verloren, dann geht das Wesen sind nicht spektakulär, aber die Ruhe ist
tätsniveau. verloren. Das wäre, als würde man Dörfer schon einzigartig.
abreißen oder ein Fachwerkhaus entker-
B: Wir haben jetzt über kleine historische nen. Ich bin schon ein Freund davon, Teile
Städte und ihre Potenziale gesprochen der Landschaft auch wieder der Natur Weiter auf
und noch kaum über die prägenden Land- zu überlassen, aber es gibt auch wirt- S. 70
schaftsräume. Wir befinden uns hier im schaftliche Interessen: Sägewerk, Wind-
Stiftsland, einer Landschaft, die mit ihren räder. Da sehen wir die Aufgabe, gut ab-
über 4.000 Karpfenteichen vor rund 900 zuwägen.
68

Aufgeräumt
Ideen 6 69
Der malerisch geschweifte Giebel zierte
ursprünglich das Schulhaus. Seit den 1970ern
dient der Bau als repräsentatives Rathaus,
das nun dringend eine Sanierung benötigte.
70
Waldsassen ist ein Beispiel für eine gelungene, umfassende Wieder­belebung
seiner Mitte. Brückner & Brückner geben hier dem Rathaus Platzpräsenz.

( Architekten ) ( Kritik ) ( Fotos )


Brückner Ira mju-fotografie,
& Brückner Mazzoni Marie Luisa Jünger

Man möchte an Wunder glauben: Dass ein baut. Erst 1973 zog die Stadtverwaltung in Klosteranlage und der Platz davor in
Kloster wie vor fast 900 Jahren zum Motor den entsprechend umgebauten Schulbau schönste Ordnung gebracht worden wa-
einer Stadtentwicklung wird, scheint im am Basilikaplatz. ren, nahm die Stadt auch die Sanierung
21. Jahrhundert undenkbar. Aber in dem In den 1990er-Jahren stand das Kloster vor ihres Rathauses in Angriff. Seit dem Bezug
kleinen Städtchen Waldsassen nahe der dem Aus: kein Nachwuchs und riesige der alten Schulgebäude 1973 war dort
tschechischen Grenze ist genau das pas- Baulasten. Ab 1993 wurde es jedoch in vier nichts mehr geschehen. Brückner und
siert. Das Kloster wurde 1133 gegründet, Bauabschnitten generalsaniert, die letz- Brückner bekamen den Auftrag und ent-
als früheste Niederlassung des Zisterzien- ten beiden unter der Leitung von Brückner wickelten gemeinsam mit dem Bürger-
ser-Ordens in Bayern. Waldsassen sieht und Brückner. Im Rahmen der Städte- meister und den Stadträten das Konzept
man bis heute an, dass es eine Kloster- bauförderung Stadtumbau-West konnte für die Modernisierung, die nachhaltig
stadt war. Der Hauptplatz der historischen das Kloster ein neues Kultur- und Begeg- qualitative Maßstäbe setzt.
Altstadt wird dominiert von der 50 Meter nungshaus im alten Laienbrudertrakt und
hoch aufragenden Doppelturmfassade der Mälzerei realisieren. Insgesamt 15 Die Sanierung des Rathauses
der von Abraham Leuthner und Georg und Jahre dauerte seine gesamte Revitalisie-
Christoph Dientzenhofer neu erbauten rung, die heute mit Gästehaus, Seminar- Die beiden Schultrakte haben nun wieder
barocken Stiftsbasilika. räumen, Klosterladen und Gastronomie, eine schöne Kalkputzfassade und wohl-
Der Staat baute eine Knabenschule direkt Umweltstation, Paramentenstickerei, Ker- propor tionier te Kreuzstock fenster mit
gegenüber der Kirche. Als Prinzregent zenwerkstatt, Teeplantage und einem In- mundgeblasenem Isolierglas aus der
Luitpold Waldassen 1896 das Stadtrecht ternat eine solide wirtschaftliche Basis ortsansässigen, weltweit einzigartigen
verlieh, war der Ort einer der oberpfälzi- hat. Glashütte. Das Licht wird auf diese Weise
schen Zentren der Glas- und Porzellanin- Neue Schwestern sind auch hinzugekom- genauso lebendig reflektiert und gebro-
dustrie. Die Schule bekam einen Anbau men. Zuletzt wurde die Stiftskirche statisch chen wie in den Fenstern der Basilika
mit malerisch geschweiftem Giebel. Aber gesichert und denkmalpflegerisch um- gegenüber. Dem Eingang des Rathauses
ein repräsentatives Rathaus wurde nie ge- fassend restauriert. Nachdem die riesige wurde eine siebenachsige Granitloggia
vorgelegt, die auf die gegenüberliegen-
de Kirchenfront Bezug nimmt.
Besucher betreten die Loggia von der
Schmalseite über wenige Stufen und kön-
nen von dort, dem Straßenverkehr entho-
ben, regengeschützt, das grandiose Ba-
rockensemble bestaunen. An der Stirn-
seite der Loggia ist die neue digitale An-
zeigentafel der Gemeinde postiert, die
alle behördlichen Papieraushänge über-
flüssig macht. Eine gewellte Holztür öffnet
den Weg ins taghelle Foyer, vollflächig
ausgeleuchtet durch eine Lichtdecke und
den wandfüllenden Screen, der zum Zeit-
punkt des Besuchs ein zauberhaftes Bild
Dass ein Kloster wie vor einer drei Kilometer weit entfernten Ba-
rockkapelle zeigte. Das geräumige Foyer
fast 900 Jahren zum Motor einer mit seinem Granitboden ist auch als Ver-
Stadtentwicklung wird, sammlungspunkt für Stadtführungen ge-
dacht – in Waldsassen ist vom „kleinen
scheint im 21. Jahrhundert undenkbar. Marktplatz“ die Rede.

WEITER
Ideen 6 71
Die neue siebenachsige Granitloggia
nimmt Bezug auf die gegenüberliegende
Kirchenfront.

Vor der Sanierung:


1973 war die Stadtverwaltung in das ehemalige
Schulgebäude gezogen.
72
Eine neue Lichtdecke und Ordnung im Foyer
erleichtern nun die Orientierung.

Das Entree vorher: Seit dem Umzug war


im Haus nichts mehr geschehen.
Ideen 6 73
Heute steht in der Mitte des Sitzungssaals
ein großer ellipsoider Tisch.
Dunkle Holzleisten an Decke und Wänden
halten den Raum visuell zusammen.

Der Sitzungssaal vor der Sanierung


74 Ideen 6
Im Inneren

Hinter einer Glaswand finden sich Bürger-

M 1:5 . 0 0 0
information und Tourismusbüro, an das
sich rückseitig ein z weiter Raum an-
schließt, dessen halbhohe Einbaumöbel
wohlsortiert alle Karten und Broschüren
mit Wanderwegen und Ausflugszielen bis
nach Böhmen offen zur Verfügung stellen.
Da unter den Fenstern Bänke eingebaut
wurden, ist dies auch ein guter Ort zum
Verweilen.
Der Erschließungskern mit der Aufzugsan-
lage versteckt sich hinter dem Screen.
DIN-gerechte Fluchttreppen wurden rück-
seitig an die Fassaden angebaut, in ihrer Lageplan Neue Rettungswege
Erscheinung durch vorgelegte, geschoss- waren notwendig –
übergreifende, tragende Pfeilerstellun- sie wurden an der
gen ästhetisch gezähmt. rückseitigen Fassa-
Durch holzverkleidete und völlig in die de mit einer Reihe
Wandung eingeschwenkte Brandschutz- Pfeiler geadelt.
türen erreicht man die Vorräume der Eta-
gen, die jeweils eine bergende Sitznische
für Wartende bieten. Wenn dann die Türen
zum neuen Sitzungssaal geöffnet werden,
empfängt einen ein harmonischer, von
drei Seiten natürlich belichteter Raum,
dessen Fenster entweder von feinen grau-
en Filzvorhängen oder von ähnlich ge-
wellten Holzbahnen gerahmt werden. Die
Holzbahnen ziehen sich über die Decke
bis auf die andere Längsseite, so dass sie
den Raum quasi zusammenklammern. In
der Mitte steht ein großer ellipsoider
M 1: 2 5 0

Sitzungstisch, der mit seinen beiden geo-


metrischen Brennpunkten eine demokra-
tische Debattenkultur nur fördern kann.
Unter dem restaurierten Dachstuhl des
älteren Schulgebäudes haben Brückner
und Brückner noch ein Trauzimmer ein-
richten können. In Abstimmung mit der
Denkmalpflege wurden in die Dachhaut
Lamellenfenster schlüssig eingesetzt, die
eine perfekte Durchlüftung und einen fan- Erdgeschoss
tastischen Ausblick auf die dreifarbige,
reich gegliederte barocke Kirchenfassa-
de ermöglicht. Der Bezug zum Kloster geht
im ganzen Haus nicht verloren. Kloster und
Stadt bilden eine Einheit. Daraus ergibt
sich auch eine Verpflichtung für Qualität BAUHERR: TR AGWERKSPL ANER: Standsicherheit,
und Ästhetik. Sollte die Klosterlandschaft Stadt Waldsassen, ALS Ingenieure GmbH & Zweigstelle Würzburg
Waldsassen-Stiftland Welterbe werden, vertreten durch den Co. KG, Amberg
dann bietet das Rathaus schon einmal ei- ersten Bürgermeister B R A N D S C H U T Z : 
nen überaus freundlichen Empfang. Bernd Sommer H L S :  Ingenieursgesellschaft
Grünwald & Ach für Brandschutz und
ARCHITEKTEN: Planungsgesellschaft Sicherheitstechnik mbH,
Brückner & Brückner für Energie- und Gebäude- Sonneberg
Architekten GmbH, technik mbH, Weiden
Tirschenreuth I Würzburg FERTIGSTELLUNG:
bruecknerundbrueckner ELEKTRO: Dezember 2018
.de Ingenieurbüro für Elektro-
technik Zeitler, Niedermu- STANDORT:
MITARBE ITE R: rach   Rathaus Waldsassen,
Torsten Will Basilikaplatz 3,
(Projektleitung); P R Ü F S T A T I K :  Waldsassen, Oberpfalz 
Katharina Böpple, LGA Landesgewerbean-
Anton Frank stalt Bayern, Prüfamt für
75

3
Fragen:
SEITE
76
Wie sieht das
Landleben heute
wirklich aus?
SEITE
80
Ist das Landleben
eine gefährdete
Lebensform?
SEITE
82
Wie entstehen
vitale Gemeinden?
76

Wie ( Text )
sieht Eva C.
das Schweitzer
Landleben
heute
wirklich
aus

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Die Ausstellung „Countryside, The Future“ im New Yorker


Guggenheim-Museum will das wahre Landleben zeigen:
futuristischer und smarter als jede Großstadt. Rem Koolhaas,
AMO (die Forschungsabteilung von OMA) und viele andere
Beteiligte untersuchen darin die Ursachen für den radika-
len Wandel in den ländlichen Regionen der Welt.  
Fragen 1 77
Ist das tatsächlich Stalin, der chen, Videoprojektionen,
da auf einen zurollt? Ja, die Gemälden, Erklärungstafeln
mannsgroße Pappfigur im und Bildschirmen, der die
Elektrowägelchen auf der spiralförmige Galerie be-
weltbekannten, abschüssi- spielt, und es hilft dem Über-
gen Galerie des New Yorker blick nicht, dass einige der
Guggenheim-Museums ist Infotafeln auf dem Boden
Stalin. Warum ist Stalin im angebracht und nur in entge-
Guggenheim? Weil der sow- gengesetzter Richtung zu
jetische Führer nach dem lesen sind.
Zweiten Weltkrieg große Teile
der Sowjetunion umformte, Ein Mammutprojekt
und genau darum geht es
hier: um die Umformung Die Ausstellung, die sich sechs
ländlicher Gebiete. Ebenen hinaufschraubt, wur-
Die Ausstellung „Countryside, de von Rem Koolhaas konzi-
The Future“ schlägt den ganz piert, dem holländischen
großen Bogen vom Land über Architekten, Architekturphi- Katar: 100 Kühe an der größten Melkmaschine der Welt
die Landschaft, Landwirt- losophen, früheren Journalis-
schaft und die Dörfer durch ten und Drehbuchautor, der in Peking. Allein diese Viel- UN-Statistik von 2014 lebt die
die Welt- und Menschheits- heute an der Harvard-Univer- zahl der Mitarbeiter dürfte Hälfte der Weltbevölkerung
geschichte. Der Weg hinauf sität lehrt, zusammen mit Sa- eine Erklärung für die Fülle auf dem Land. Die Erdober-
in der Guggenheim-Rotunde mir Bantal, der AMO leitet, des Materials sein. fläche sei sogar zu 98 Prozent
führt den Besucher von den und Troy Conrad Therrien vom Koolhaas, der bereits das nicht-städtisch. Wobei die
alten Römern und Chinesen Guggenheim-Museum. Be­ Guggenheim-Hermitage- Ausstellungsmacher aller-
über Marie Antoinette und teiligt waren aber selbstver- Museum in Las Vegas entwor- dings sehr viel einbeziehen:
ihre Landhäuser bis zur Er- ständlich auch zahlreiche fen hat, ist in den USA vor al- von der Sahara über den Hi-
oberung der amerikanischen andere: Architekten des von lem durch sein 1978 erschie- malaya bis zum Barrier Reef,
Prärien durch weiße Siedler; Koolhaas in Rotterdam ge- nenes Buch „Delirious New vom Universitätscampus im
von Hitlers Autobahnen ins gründeten Büros Office for York: A Retroactive Manifesto Silicon Valley bis zum Indus-
Chile nach Pinochet, von der Metropolitan Architecture for Manhattan“ berühmt ge- triepark bei Den Haag.
Kernfusion bis zu den Mam- sowie Studenten und Wissen- worden. Deshalb ist es eine
muts in Sibirien, die nun ge- schaftler der Harvard Gradu- gewisse Ironie, dass sich ein Motor des größten Wandels:
züchtet werden können, weil ate School of Design, der Uni- ausgewiesener Urbanist nun der technische Fortschritt
der vom Permafrost befreite versity of Nairobi, Kenia, der für das Landleben begeistert.
Boden deren DNA freigibt – holländischen Wageningen Koolhaas glaubt, dass nicht Am Beginn der Museumsram-
allerdings leider auch giftige University, der Design Acade- die Stadt, sondern nur das pe empfängt den Besucher
Methangase freisetzt. Es ist my Eindhoven, der Waseda Land Zukunft hat, denn dort ein Schweizer Dorf bei St. Mo-
ein gewaltiger Bilderbogen University in Tokio und der finden interessante Verände- ritz, wo Koolhaas einst Urlaub
mit Fotos, Karten, Wandteppi- Central Academy of Fine Arts rungen statt. Nach einer machte. Hier definiert die
Größe der mittelalterlichen
Tore, welche Fahrzeuge pas-
sieren können. Heute sind
wohlhabende Städter aus
Mailand zugezogen, die sich
mit den Türen ihrer neuen
Häuser zwar an der mittelal-
terlichen Gestaltung orientie-
ren, aber nicht mehr an den
Dimensionen. Dies sei ein
Beispiel, wie „Gentrification“
und Technologie das Land
formen – der Wiederentde-
FOTO UNTE N: LUCA LOCATE LLI; OBE N: GUGGE NHE IM MUSE UM

ckung des Dorfs als Lebens-


raum liegt der technische
Fortschritt zugrunde.
Ebenso seien die dramati-
schen Veränderungen beim
Aufstieg von Afrika und China
mit dem Internet verbunden,
eine Geschichte, die bis heu-
te unerzählt geblieben sei,
sagt Koolhaas – zumindest
aus der Sicht von Städtern.
Um das zu ändern, ist die Aus-
stellung mit technischen
Gimmicks vollgepackt: von

Modernes Treibhaus: Pflanzenwachstum – künstlich, steril, ohne Sonne und Regen WEITER
78
der Unterwasserdrohne über
das bewegliche Blechspiel-
zeug bis zum Hightech-Trak- Zur Ausstellung
tor draußen vor der Tür, der
über ein Tablet gesteuert „Countryside,
wird, und, nicht ganz so High- The Future“ ist im
tech, eben Stalin auf Rädern. Guggenheim-
Kein Wunder, dass sich die Museum bis
„New York Times“ an die Äs- 14. August 2020
thetik eines sowjetischen zu sehen. Danach,
Weltausstellungspavillons er- sagt Rem Koolhaas,
innert fühlt. soll die Schau
reisen – nach Frank-
Technische Landwirtschaft reich, Holland
und China, vielleicht
Das Internet, Roboter und auch nach Afrika.
Künstliche Intelligenz ermög-
lichten es Menschen, die Japan: Robotertestfeld auf einem leer gefegten Tsunami-Gelände Unten: der kleine
einsam und weit weg von der Ausstellungskatalog
Stadt wohnen, zu kommuni- (und Ölgeldern) binnen kur- Auch die modernen, winzi- „Countryside –
zieren und neue gesellschaft- zer Zeit eine eigene Landwirt- gen Nano-Roboter prägen a report“ von Taschen
liche Modelle zu entwickeln. schaft auf die Beine gestellt. die neuen Landschaften. GmbH, Köln
„Wir müssen die Technik nicht Lange war das Einzige, was Der Gemüse- und Obstanbau www.taschen.com
fürchten“, sagt Koolhaas. Katar produzierte, Kamelfut- in Holland etwa ist heutzuta-
Wie die Ausstellung zeigt, ter für Wettrennen. Lebens- ge computergesteuert und
werden zum Beispiel in Tansa- mittel wurden aus den umlie- ex-trem effektiv: Holländi-
nia Banken durch ein Bezahl- genden arabischen Staaten, sche Bauern sind in der Lage,
system mittels Smartphones allen voran Saudi-Arabien, Treibhäuser einer Größe von
ersetzt, das M-Pesa genannt importiert. 2008 aber schnit- 23 Fußballfeldern zu bespie-
wird; in China bieten Bauern ten die Scheichs den Export len. Manche wiederum ver-
ihre Produkte via Internet in den Golfstaat ab. Darauf- kleinern sich mittels Pixel-
nicht nur feil, sondern verkau- hin schaltete der Emir von farming, wo computergesteu-
fen und verschicken sie auch. Katar auf Importe aus der Tür- erte Mini-Drohnen einzelne
Die Landschaft in Afrika etwa kei und Marokko um, zudem Pflanzen in winzigen Zellen
verändert sich stark durch ließ er 4.000 Kühe samt Stall- hochpäppeln, die in Qua-
moderne Reisegewohnhei- anlagen und Melkmaschinen dratzentimetern gemessen
ten, wo inzwischen Gorillas einfliegen. Heute kann Katar werden. Umgekehrt verläuft
bestaunt und fotografiert wer- Mozzarella an die US-Basen die Entwicklung auf Farmen
den und nicht mehr gejagt. In im Irak und Afghanistan ver- in den USA, die ebenfalls
Katar wurde mittels Technik kaufen.  nachgerüstet wurden; dort

FOTO LINKS:LDAVID HEALD/GUGGE NHE IM MUSE UM; OBE N: GUGGE NHE IM MUSE UM

Landschaftscollage in der Ausstellung


Fragen 1 79
kann jetzt ein einzelner Trak-
tor ein Feld beackern, das bis
nach Kanada reicht.

Auch Macht beschleunigt


Veränderungen 

Die Ausstellung zählt auch


auf, wie Diktatoren immer
wieder versuchen, ihr Land
umzuformen, oftmals auf Kos-
ten Tausender Menschenle-
ben. So wollte Stalin nach
dem Zweiten Weltkrieg ge-
waltige Regionen der UdSSR –
von Kasachstan bis zur Ukrai-
ne – für die Versorgung mit
Lebensmitteln umgestalten.
Er schickte eine Million Stu-
denten aufs Land, ließ „unzu-
verlässige Elemente“ in die
Gulags deportieren und Flüs-
se in Sibirien umleiten oder
gar – vergebens – umdrehen.
Nach Stalins Vorbild formte
auch der chinesische Partei-
vorsitzende Mao seinen
„Großen Sprung vorwärts“, Frivoles Stadtleben und die Folgen. Links: Luftbild von Futterplätzen, rechts: Londoner Olympiapark-Skulptur
der bis zu 70 Millionen Chine-
sen das Leben kostete. Eben- Nazi-Ideologie der Vereh- Einwanderung der Ausstellung allerdings
so hatte offenbar auch Liby- rung des Landvolks, das Le- hinterlässt Spuren nicht. Oliven pflückende Bau-
ens Macht-haber Muammar ben für die Landbevölkerung ern, Tomaten pflanzende
Gaddafi ähnliche größen- auf das Niveau von Städtern Oft vollzieht sich die Verän- Migranten oder Schafe hü-
wahnsinnige Ideen. heben sollte. Dem folgte derung auf dem Land auch tende Hirten kommen kaum
Koolhaas stellt den stalinisti- dann der Morgenthau-Plan, durch Einwanderung. Die vor; man hat den Eindruck,
schen Plänen die Ideen des eine von der amerikanischen Ausstellung will dies mit ei- die gesamte Landwirtschaft
deutschen Architekten Her- Roosevelt-Regierung kurzfris- nem italienischen Beispiel werde heutzutage im Büro
man Sörgel gegenüber, der tig erwogene und von der beweisen: So gibt es dort fast vom Handy aus gesteuert.
in den 1920er-Jahren Afrika Nazi-Propaganda heftig aus- menschenleere katholische Das stößt auch einigen New
mit Europa zum Kontinent geschlachtete De-Industriali- Dörfer, in die Muslime aus Yorker Kritikern erheblich
„Alantropa“ verbinden woll- sierung Deutschlands nach dem Nahen Osten gezogen auf: Sie werfen Koolhaas vor,
te, indem der Spiegel des dem Zweiten Weltkrieg. Die sind, die nun Kirchendienste das Land aus der Perspektive
Mittelmeers um hundert wäre nicht nur mit einem Ver- übernehmen (entgeltlich), des unbedarften staunenden
Meter gesenkt und Dämme bot von Traktoren einherge- welche den alt gewordenen Städters zu zeigen. Das Ma-
bei Gibraltar und Suez errich- gangen, sondern auch mit Katholiken zu schwer werden. gazin „Metropolis“ attestierte
tet werden sollten. Das blieb einem Waffenverbot. Immer- Das revitalisiere das Land – Koolhaas einen neoliberalen
Theorie, wie weiter argumen- hin – in der Ausstellung fährt von Problemen berichtet die und gleichzeitig sentimenta-
tiert wird, anders als Hitlers kein Papphitler auf Rollen he- Ausstellung nichts. len Blick auf das Land. Und:
Autobahnbau, der, getreu der rum. Dramatischer allerdings ver- Die Schau produziere eine
FOTO OBE N: LUCA LOCATE LLI/ M ISHK A HE NNE R; UNTE N: GUGGE NHE IM MUSE UM

lief, so ein weiterer Beitrag, Überfülle von unorganisierten


die Einwanderung in den Inhalten ohne ein gemeinsa-
Westen Amerikas, wo ver- mes Thema. Noch schärfer ins
meintlich der göttliche Wille Gericht ging das„New York
das Land den Weißen zur Magazine“: Koolhaas entde-
Besiedelung gegeben, ein cke auf der ganzen Welt und
ganzer Kontinent innerhalb in der Geschichte lauter Leu-
von weniger als hundert te wie er selbst, und die Aus-
Jahren erobert und von Ein- stellung sei weniger eine An-
heimischen „gesäubert“ thologie der Offenbarungen
wurde. Und auch die Prärien denn ein kindliches Wundern,
in landwirtschaftliche Mono- das Amok laufe.
kulturen verwandelte. Diese
werden allerdings von den
heutigen Bewohnern heftig
gegen die liberalen Städter
verteidigt. Viele Landbewoh-
ner sieht man in den Bildern

USA: Geländeinspektion für eine Stadt ohne Menschen


80
Ist BAUMEISTER: Herr Bätzing,
schön, dass Sie in der aktuel-
das len schwierigen Situation Zur Neuerscheinung
rund um Covid-19 Zeit für uns
Landleben haben. Aktuell ist ja Distanz

eine das Gebot der Stunde. Da be-


kommt doch das Leben auf
„Das Landleben.
Geschichte und

gefährdete dem Land gleich eine ganz Zukunft einer gefähr-


andere Bedeutung, oder? deten Lebensform“
Lebensform W E R N E R B Ä T Z I N G : Das Coro- von Werner Bätzing
navirus stellt die Globalisie-
rung ein Stück weit in Frage. Verlag C. H. Beck,

? Wenn diese Pandemie länger München 2020


andauert, können Vernetzun-
gen und Verflechtungen, die

Der Kulturgeograf die Globalisierung mit sich


bringen, als ein potenzielles
Werner Bätzing Gefahrenmoment wahrge-
nommen werden. Hier lässt
ist als Alpenforscher sich durchaus die These auf-
stellen, dass ein Stück weit
in Wissenschaft, die Faszination um die Stadt,
Politik und Öffentlich- um städtisches Leben ver-
blasst und ländliche Räume
keit bekannt ge- dann nicht mehr ganz so hin-
terwäldlerisch erscheinen.
worden. Nun liefert Dann könnte es zu einer neu-
er eine fundierte en Bewertung des Stadt-
Land-Verhältnisses kommen.
Analyse des Land­
B: Der Landbewohner als wahrgenommen wird, hän-
lebens und zeigt Hinterwäldler – ein gängiges gen immer an bestimmten

Wege zur Neube­ Stereotyp. Insbesondere


Stadtbewohner haben ja eine
gesellschaftlichen Verunsi-
cherungen in den Städten.
wertung und bestimmte Vorstellung vom Das war in der Romantik so,
Land. Inwiefern unterscheidet als die industrielle Revolution
Revitalisierung auf. sich das Bild, also die Vorstel- aufkam, das war am Ende
lung, von der Realität? des 19. Jahrhunderts so – als
W B : Städter haben in der die Industriegesellschaft
Regel ein falsches Bild vom sich flächenhaft durchsetzte
ländlichen Raum. Sie nehmen und in Deutschland der Hei-
ihn meist als Idylle wahr. mat- und Naturschutz ent-
Diese verklärte Sichtweise stand. Die Nationalsozialisten
beginnt schon in der Roman- haben das Thema wieder
tik. Schon bei Goethes Oster- aufgegriffen. Und heute hat
spaziergang strömen die die Globalisierung der Ro-
Städter hinaus auf Wiesen, mantisierung des Landlebens
in Wälder, auf Feld und Flur, Vorschub geleistet.
um Natur zu erleben. Für den
Landbewohner war das Feld, B: Wie lebt man denn wirklich
war die Wiese in erster Linie auf dem Land?
Arbeitsort, für den Stadtbe- W B : Lassen Sie mich kurz
wohner plötzlich ein Ort der voranstellen – Land ist nicht
Erholung. Dieser Blick auf den gleich Land. Es gibt unter-
ländlichen Raum, bei dem schiedliche Typen: ländliche
PORTR ÄTFOTO: JON DUSCHLE T TA/E NGADINE R POST

die Menschen aus der Stadt Räume in der Nähe von Ag-
das Gefühl haben, auf dem glomerationsräumen, ländli-
Land habe man es nur mit che Räume mit positiver Wirt-
Freizeit zu tun und nicht mit schaftsentwicklung und länd-
Arbeit, hat sich über Jahrhun- liche Räume mit Wirtschafts-
derte entwickelt und tatsäch- und Strukturproblemen. Allen
lich bis heute Bestand. ist gemein, dass die Bevölke-
rungsdichte geringer ist als in
B:Können Sie das genauer urbanen Gebieten, man lebt
( Interview ) erklären? nicht so dicht beieinander.
W B : Die Phasen, in der der Das Wirtschaften ist aufgrund
Anja Koller ländliche Raum als Idylle der kleineren Bevölkerungs-
Fragen 2 81
zahlen nicht so spezialisiert W B: Mit „nein“. Wenn sich die keine Rücksicht genommen. B: Daraus folgere ich, dass
wie in der Stadt. Die Men- Rahmenbedingungen nicht In den 1980er-Jahren setzte Politik und Gesellschaft über
schen haben einen tieferen ändern. Wenn sich politische dann der Trend ein, auf Jahrhunderte hinweg das
Bezug zur Umwelt, zur kulti- Debatten und Entscheidun- dem Land museal zu bauen. Land falsch beurteilten, ver-
vierten Landschaft. Und die gen nicht ändern. Die jetzige Aus echter Tradition wurde nachlässigten und seiner
Landbewohner sind mehr Situation ist letztendlich Aus- die museale Tradition. Ästhetik beraubten. Ich hatte
aufeinander angewiesen; in druck des Individualismus Sie zu Anfang gefragt, ob das
einer kleineren Ortschaft nach dem zweiten Weltkrieg. B: Wie hätte man stattdessen Landleben unter den heuti-
kann man sich doch seltener Jeder schaut nach sich selbst, bauen sollen? gen Rahmenbedingungen
aus dem Weg gehen als in zwischen Gemeinden herrscht W B : Faktum ist, neue Wohn- wirtschaftlich tragfähig, kul-
der städtischen Anonymität. Konkurrenzkampf und keine und Arbeitsbedürfnisse brau- turell bereichernd, sozial
Zusammenarbeit. Sie konkur- chen teilweise auch neue vielfältig sein kann, ob es
B: In Ihrem neuen Buch be- rieren um Gewerbegebiete, Bauformen, aber man muss eine qualitativ gute Versor-
zeichnen Sie diese Lebens- um Neubaugebiete – trotz sie in Respekt und in Ausein- gung und eine vielfältige und
form als gefährdet. Warum? demographischer Schrump- andersetzung mit der Bautra- gesunde Umwelt bieten kann.
W B : Es gibt zahlreiche Grün- fung. Wir haben es mit einem dition und mit der Umgebung Sie hatten rigoros mit nein
de, viele sind hinreichend Individualismus in der Raum- weiterentwickeln. Da ist für geantwortet. Was muss sich
bekannt, etwa der demogra- entwicklung zu tun. Über die mich der Bündner Architekt denn ändern, dass Sie die
phische Wandel, also Bevöl- Jahre hat das zu den Struktu- Gion A. Caminada das klassi- Frage mit ja beantworten?
kerungsrückgang und Über- ren geführt, die wir heute sche Beispiel, wie es gelingen W B : Es geht nicht nur um das
alterung. Wenn es um die haben, und damit zur Abwer- kann, neu zu bauen und eine Land, es geht um das Verhält-
Herstellung gleichwertiger tung ländlicher Räume. regionale Identität zu stärken, nis von Stadt und Land. Kurz
Lebensverhältnisse in Stadt ohne auf städtische Vorbilder gesagt: Das Land muss wie-
und Land geht, dann muss B: Beschreiben Sie uns die zurückgreifen zu müssen der ländlicher, die Stadt wie-
man leider sagen, dass die Strukturen. Woran leidet der und ohne museale Strukturen der städtischer werden, und
Politik das Thema der ländli- ländliche Raum? In Ihrem zu verfestigen. Caminada die Zwischenstadt muss im
chen Wirtschaftsentwicklung Buch sprechen Sie von einer setzt sich intensiv mit dem Ort städtischen Raum zu einer
schon längst ausgeklammert Phase der „forcierten Moder- auseinander, auf dem er multifunktionalen städtischen
hat. Das heißt: Der ländliche nisierung des Landlebens“ baut. Seine neuen Gebäude Dichte ausgebaut und im
Raum ist nicht mehr relevant in der Nachkriegszeit, basie- müssen sowohl mit der vor- ländlichen Raum multifunkti-
in punkto Wirtschaftsleistung. rend auch auf der Charta handenen gebauten Umwelt onal aufgewertet werden.
In den 2000ern sprach man von Athen: die Entflechtung als auch mit der Landschaft Ich habe fünf Leitideen entwi-
in politischen Kreisen im Zu- von Arbeit, Leben, Freizeit korrespondieren. ckelt, die dabei helfen kön-
sammenhang mit der demo- an unterschiedlichen Orten. nen, das Landleben wieder
graphischen Schrumpfung Der Landbewohner braucht B: In Ihrem Buch beschreiben aufzuwerten.
nur von alternativlosen Maß- für alle Wege ein Auto. Es Sie auch den überproportio-
nahmen wie Entsiedelung, werden immer mehr Straßen nalen Wachstum der Sied- B: Welche sind das?
Schließung, Rückbau. Das hat gebaut. Die Ortsmitte stirbt… lungsflächen. Was waren die W B: Kulturelle Identität auf
zu Verbitterung der Landbe- W B : Ich habe den Eindruck, Gründe dafür? dem Land fördern, ein dezen-
wohner geführt, die bis heute dass der ländliche Raum W B : Es gab drei Triebkräfte: trales Wirtschaften auf
anhält. Das wiederum beein- heute noch sehr stark von Immer weniger Menschen Grundlage der regionalen
trächtigt den demokrati- den baulichen Strukturen haben auf größerer Fläche Potenziale stärken, multifunk-
schen Zusammenhalt in der der 1960-, 1970-, 1980-Jahre gewohnt, die Siedlungsfläche tionale ländliche Infrastruktu-
Gesellschaft. Dieses Problem geprägt wird. Dörfer wurden für Wohnbauten ist sehr viel ren stärken und die Unter-
hat man leider erst jetzt er- entkernt, autogerechte Orte stärker gewachsen als die schiede zwischen den Typen
kannt, nachdem die AfD gro- gestaltet. Häuser mussten Bevölkerung selber. Eine ländlicher Räume stärker
ße Wahlerfolge gerade im breiteren Straßen weichen. weitere Triebkraft war die beachten und darauf reagie-
strukturschwachen ländli- Neubauten hat man nahezu Wirtschaft mit dem Bau von ren. Denn ein ländlicher
chen Raum erzielt hat. Seit- einheitlich im Bungalowstil Gewerbegebieten. Und auch Raum mit wirtschaftlicher Ent-
dem ist das Land wieder auf errichtet. Man hat sich da- der Verkehr hat immer mehr wicklungsdynamik braucht
der politischen Tagesord- mals gesträubt, die regiona- Fläche benötigt, und zwar andere Ideen, andere Ansät-
nung, allerdings nur alibihaft. len Bautraditionen weiterfüh- dadurch, dass die Menschen ze als etwa strukturschwache
In Summe für mich eine ren. Stattdessen gab es neue, zwischen Wohn-, Arbeits- periphere ländliche Räume.
Bankrotterklärung der Politik moderne Strukturen. Damit und Freizeitorten hin- und Grundsätzlich gilt: Städti-
gegenüber dem ländlichen einher gingen damals die herpendelten; man brauchte sches Leben und Landleben
Raum. Gemeindegebietsreform und mehr Straßen. Und dies führte sind gleichwertig. Das eine
die Schulreform. Es wurden zum Phänomen der Zwi- geht nicht ohne das andere.
B: Herr Bätzing, eine der Leit- Rathäuser, Schulen, Landrats- schenstadt, die auch im länd- Sie ergänzen sich wechsel-
fragen in Ihrem Buch ist: Kann ämter gebaut. Das sind teil- lichen Raum präsent ist. seitig und ermöglichen nur
das Landleben heute wirt- weise bis heute die großen, Die Siedlungen, die ab den gemeinsam ein gutes Leben.
schaftlich tragfähig, kulturell prägenden Gebäude, die wir 1960er-Jahren im Rahmen der Deswegen sollte man weder
bereichernd, sozial vielfältig auf dem Land noch sehen. Suburbanisierung um die gro- das eine noch das andere
sein und kann es eine quali- Sie alle sind im städtischen ßen Städte herum entstan- vernachlässigen.
tativ gute Versorgung und Stil errichtet – nach densel- den, sind bis heute zerrissen,
eine vielfältige und gesunde ben Leitprinzipien wie im chaotisch, haben ein bezie-
Umwelt bieten? Wie beant- urbanen Raum. Auf die länd- hungsloses Nebeneinander
worten Sie sie letztendlich? liche Architektur hat man verschiedener Nutzungen.
82
Wie Die Publikation möchte dazu
beitragen, dass kleinere und
entstehen Kleinstgemeinden die Bau- Literatur
kultur nutzen, um für die Be-
vitale völkerung attraktiv zu werden Der Baukulturbericht

Gemeinden oder zu bleiben. Zu diesem


Zweck wurden Bevölkerung
wird alle zwei Jahre
veröffentlicht und
und Kommunen befragt und bündelt Handlungs-
Baukultur- und Kooperations- empfehlungen an
? werkstätten, Impulsvorträge die Politik und alle
und Werkstatttische organi- am Planen und Bauen
siert. Die Themen umfassten beteiligten Akteure.

Hohe Lebensqualität, künftige Herausforderungen Herausgeberin ist


wie den Klimawandel und die Bundesstiftung
attraktiv, vital und damit zusammenhängend Baukultur. Sie setzt

lebendig – wer an die Frage, wie die verschie-


denen Akteure zur Zufrieden-
sich für ein qualität-
volles und reflektier-

das Landleben denkt, heit aller eingebunden wer- tes Planen und Bauen
den können. ein.
dem kommen eher Tatsächlich stehen ländliche
Gemeinden, Kleinstädte und
andere Begriffe in den mittelgroße Städte vor höchst
2 014/15
„Gebaute

Sinn. Abwanderung, unterschiedlichen Herausfor-


derungen. Die Landgemein-
Lebensräume
der Zukunft –
Leerstand und ver- den leiden unter Abwande- Fokus Stadt“
rung, Leerstand, Versor-
lorene Identitäten gungsunsicherheit und Mobi- 2 0 16/17

etwa. Der Baukultur­ litätsdefiziten. Die Chancen


sieht der Baukulturbericht
„Stadt und Land“

bericht 2016/17 Stadt hier im Bewahren der lokalen 2 018/19


Identität und regionaler Bau- „Erbe – Bestand –
und Land setzt genau weisen. Auch Kleinstädte Zukunft“

bei dieser Wahrneh- schrumpfen, vor allem, wenn


sie klein und peripher gele- 2 02 0/21
mung an und gibt gen sind. Hier sinkt die Le- „Öffentliche Räume“
bensqualität wegen fehlen- (noch nicht
Empfeh­lungen, wie der Infrastruktur und Versor- veröffentlicht)

kleinere Gemeinden gungsangeboten. Interkom-


munales Zusammenarbeiten bundesstiftung-

ihre Attraktivität fördert die aktive Gestaltung. baukultur.de


Mittelgroße Städte wachsen
für die Bevölkerung zwar, aber häufig an den

steigern können. falschen Stellen. Einfamilien-


haus- und Gewerbegebiete
verbrauchen zu viele Flächen
am Rand, innerörtlich ent-
steht Leerstand. Qualitätsvol-
le Innenentwicklung und
Baukultur
Konzentration auf die Zentren Bericht
sei hier wichtig. Der Baukul- Stadt und Land

2016/17
turbericht 2016/17 gliedert
diese unterschiedlichen Her-
ausforderungen in drei Fokus-
themen: vitale Gemeinden,
Infrastruktur und Landschaft
sowie Prozesskultur.

Wie entstehen
vitale Gemeinden?

Um Gemeinden (wieder) at-


traktiver zu machen, gibt der
Baukulturbericht folgende
Handlungsempfehlungen:
( Text ) den Ortskern durch Konzent-
ration und Verdichtung zu
Désirée Balthasar stärken – Stichwort „Krapfen-
Fragen 3 83
Effekt“; die Nutzung der Ge- blemen begegnen, die jen- zusammenarbeiten oder Sie stärkt die gemeindliche
bäude zu durchmischen, um seits kommunaler Ursachen Wettbewerbe ausgelobt wer- Selbstverwaltung, fokussiert
Leerstand zu vermeiden; das liegen. Der Baukulturbericht den. sich auf die Innenentwick-
Ortsbild durch lokale Veror- appelliert dafür, dass sich die lung und bringt die Akteure
tung und Identifikation bau- lokalen Verwaltungen diesen Hohe Planungsqualität zum Agieren.
kulturell zu stärken. Herausforderungen aktiv für mehr Baukultur Öffentlichkeit und Transpa-
Eine der größten Herausfor- stellen, um sie mehrwertbrin- renz in Planungsprozessen
derungen von Kleinstgemein- gend mitzugestalten. Die Kommunen sollten sich helfe dabei, Vertrauen aufzu-
den ist laut Bericht die Aus- Der Bericht nennt den Klima- fachlichen Expertenrat holen, bauen, alte Muster aufzubre-
dünnung des Ortskerns. Ein- wandel, die Energieprodukti- aber auch die lokale Bevöl- chen und sich auf Ungewöhn-
familienhausgebiete entste- on, den Infrastrukturausbau kerung aktiv einbinden. Das liches einzulassen. Als Bei-
hen an den Rändern, sowie neue Nutzungsarten als Beste aus beiden Welten wür- spiel nennt der Bericht einen
Einzelhandel und Gewerbe die großen Themen, die von de in einer strukturierten optionalen Gestaltungsbeirat
wandern ab. So leidet die außen an die Gemeinden he- „Phase Null“ zu besseren Pla- oder Wettbewerbsverfahren.
Bausubstanz, auch Lebendig- rangetragen werden. Dabei nungsergebnissen führen, ist Nichtsdestotrotz bedarf es
keit und Funktionsfähigkeit legt die Bundesstiftung den der Bericht überzeugt. Außer- gerade in kleineren Gemein-
gehen verloren. Lösungsvor- Schwerpunkt auf die Gestal- dem fordern die Autoren, den starker Einzelpersonen,
schläge umfassen Sanierung, tung derartiger Bauten. So „möglichst viele Zuständig- deren Initiative größere Pro-
Rückbau, Neubau oder Um- heißt es dort: „Die Auswirkun- keitsbereiche, Disziplinen jekte oftmals überhaupt erst
gestaltung. Außerdem sei der gen der Energiewende und und Bevölkerungsgruppen in Gang bringt.

Land mit Stadt

WANDE L UND Zukunfts­ WOHNEN UND Zwar zeichnet sich das 21.
Jahrhundert durch eine der
NEUORIENTIERUNG
perspektive ARBEITEN
größten Wanderbewegungen
Land vom Land in die Stadt aus,
gleichzeitig aber bewohnen
zwei Drittel der Bewohner
hierzulande 93 Prozent der
WIRTSCHAFT UND VERSORGUNG UND Gesamtfläche außerhalb
WERTE HANDEL der Großstädte. Aufgrund der
hohen Bevölkerungsdichte
zeichnet sich unser Land
durch unterschiedliche urba-
ne Dichten aus. Der Bericht
fordert daher einen Perspek-
tivwechsel: Einen starken
Kontrast zwischen „Natur“
und „Stadt“ gibt es nicht,
daher sollte man sich auf die
Vernetzung von Siedlungs­
VITALE INFRASTRUKTUR UND PL ANUNGSKULTUR UND polen und Zwischenräumen
GEMEINDEN LANDSCHAFT PROZE SSQUALITÄT konzentrieren. Für die Auto-
ren steht außerdem fest:
Jeder Neubau und jeder Um-
Wohnungsmarkt zu wenig des Klimawandels auf den dafür zu gewinnen, an einer bau muss eine Verbesserung
ausdifferenziert, Fertighäuser Landschafts- und Siedlungs- Qualifizierung der gebauten bewirken. Die qualifizierte
dominieren das Ortsbild, Ar- raum müssen als Gestal- Umwelt mitzuwirken.“ Gestaltung für eine nachhal-
chitektenentwürfe gebe es tungsaufgabe wahrgenom- Die Devise lautet hier, voraus- tige Kulturlandschaft wirke
kaum. Der Bericht fordert da- men werden.“ schauend zu agieren, anstatt sich positiv auf die Attraktivi-
her: „Baulandausweisungen Etwa, wenn Landesgarten- nur zu reagieren. Die Phase tät von Gemeinden abseits
dürfen nicht zu einer anhal- schauen oder Gartenbauaus- Null eignet sich gut dafür, des städtischen Großraums
tenden Zersiedelung durch stellungen dabei helfen, ehe- Bürgerinnen und Bürger mit- aus.
gesichtslose Baugebiete malige Abbaugebiete von einzubeziehen und eine ge-
führend, die sich von Wachs- Bodenschätzen zu renaturie- meinsame Haltung zu entwi-
tumsring zu Wachstumsring ren und zu rekultivieren. Oder ckeln: Voruntersuchungen,
SCHAUBILD: BAUKULTURBE RICHT 2 016/2 017

in die Landschaft fressen, wenn technische Anlagen Vordenken, Projektdefinition,


während die Zentren der Ge- und stillgelegte Infrastruktu- Beteiligung und Verhandeln.
meinden absterben.“ ren wie Biogasanlagen, All das im Dialog zwischen
Solarfelder oder ehemalige den Menschen, der Verwal-
Die Wirkung der Infrastruktur Militärstandorte unter ge- tung und den Fachexperten
auf die Landschaft stalterischen Aspekten inno- führe laut des Berichts zu
vativ umgenutzt werden. Um einer hohen baukulturellen
Die kleineren Siedlungsge- dies zu erreichen, sollten Ar- Qualität. Unabdingbar sei
biete abseits der Großstädte chitekten, Ingenieure und in diesem Zusammenhang
werden in Zukunft großen Pro- Landschaftsplaner in Teams eine aktive Bodenpolitik.
84 New Monday

Bürohund
2020

Ob Gesundheitsbeauftragter, Empfangsdame, Fitnesscoach,


Feel-Goodmanager oder Abfalleimersortierer – Bürohunde
übernehmen die unterschiedlichsten Funktionen. Die New-
Monday-Redaktion nahm dies zum Anlass, die vierbeinigen
Kollegen aus Planerbüros angemessen zu würdigen: Mitte
März lobte New Monday den Bürohund-Contest 2020 aus.

Überwältigt von der Anzahl Anwesenheit von Hunden die Vierbeiner das Herzin- lich nicht zu vernachlässigen:
der Einreichungen und der entspannt das Betriebsklima, farkt- und Schlaganfallrisiko, Nicht jeder mag Hunde
Leidenschaft, mit der sich die Mitarbeiter leiden weni- die Burn-out-Gefahr ist ge­ so sehr wie die Bürohund-
Architekten, Landschaftsar- ger unter Stress. Die Erklärung ringer, und Mitarbeiter haben 2020-Teilnehmer, und Al­
chitekten und Bauingenieure dafür liegt in der Biochemie: weniger Fehltage. So spart lergien sind weit verbreitet.
dem Wettbewerb angenom- Streichelt man einen Hund, der Arbeitgeber gleich noch Allergien oder auch Angst
men haben, fiel der Jury die setzt der Körper das Liebes­ Kosten. vor Hunden sind nicht zu
Kür besonders schwer; doch hormon Oxytocin und das Außerdem verbinden Hunde unterschätzen. Daher gilt
Alexander Gutzmer (ehe­ Glückshormon Dopamin frei. und stärken das Team. Kolle- für alle, die gerne ihren Hund
maliger Chefredakteur beim Dadurch wird das stressende gen kommen einfacher ins mit ins Büro nehmen wollen:
Baumeister), Sabrina Strobel Cortisol gesenkt. Ein Effekt, Gespräch, wenn eine Nase Die Geschäftsleitung muss
(Digital Marketing Manager) der übrigens auch eintritt, sie anstupst, und tauschen zustimmen, die Kollegen
und Isa Fahrenholz (Projekt- wenn man eine Ziege oder sich mehr aus. Der Hund als müssen einverstanden sind,
FOTOS: WILD PIXE L; ARCHIV ARCHITE K TE N

managerin New Monday) ein Alpaka streichelt, doch Kuppler sozusagen. Große im Team dürfen keine Al­
ließen sich trotz der vielen gestaltet sich deren Integrie- Unternehmen wie Amazon lergiker sein, und der Hund
Dackel-, Labrador-, Retriever- rung in den Büroalltag oder Google haben den Vor- braucht einen Rückzugsort
und Mischlingsblicke nicht schwieriger. teil längst erkannt. So wirbt mit Schlafplatz, Wassernapf
beirren und fällten ihre Ent- Laut Bundesverband Büro- Amazon zum Beispiel in ei- und tiergerechtem Spielzeug.
scheidung fachmännisch. hund e.V. wirken sich Büro- nem Clip mit den vielen Büro- Es versteht sich von selbst,
Dabei ist klar geworden, hunde auch positiv auf hunden: „Meet some of the dass der Hund gut erzogen
dass Bürohunde viele Vorteile die physische Gesundheit cutest dogs of Amazon“. sein muss und sich auch mal
mit in die Arbeit tragen. Die aus. Demnach senken Gegenargumente sind natür- ruhig verhalten kann.

von Isa Fahrenholz


85
( Platz 1 ) ( Platz 2 ) ( Platz 3 )

Karl von Maya von Samuel von New Monday


Terra.Nova sauer.baumanagement CSMM – architecture matters
ist mehr als ein rei-
nes Stellenportal.

1 2 3
Auf der Jobplatt-
form für Architek-
ten präsentieren
sich Architektur­
büros potenziellen
Bewerbern. Dafür
erstellen Arbeitge-
ber für sich ein
Profil. Dort können
Sie auch Ihr Team
vorstellen – inklusi-
ve Bürohund natür-
lich – und zeigen,
was Sie Ihren
Mitarbeitern bie-
ten. Legen Sie jetzt
Ihr Profil an und
Karl(chen) verstärkt seit 2019 Als Assistenz der Geschäftslei- Samuel, von Kollegen auch präsentieren Sie
tatkräftig das Landschafts­ tung hält Maya sechs Tage Sam genannt, übernimmt den sich als attraktiver
architekturbüro und ist stolze von acht bis acht im Büro verantwortungsvollen Posten Arbeitgeber.
sieben Monate alt. Seit Tag die Stellung und unterstützt der Arbeits- und Lebensmit-
eins hat er die Führung im das Team tatkräftig in allen telinspektion. Seinem Argus- new-monday.de/
Büro übernommen und ist Belangen. Wenn es klingelt, ist blick entgeht absolut kein unternehmen
uneingeschränkter Chef im kein anderer so schnell Pausenbrot, Apfelstückchen
Haus. Karl ist immer für einen an der Tür wie sie – auch wenn oder Kleingebäck. Selbstlos,
Lacher zu haben, zum Bei- sie in ihrem Geschwindig- wie er ist, kostet er gerne alles
Wir bedanken uns bei
spiel wenn er einem die frisch keitsrausch dabei das für das Kollegiat vor.
allen Büros und Planern,
gedruckten Pläne vor der ein oder andere Mal eine In der Kontrolle über Entwurfs- die mitgemacht haben:
Nase wegschnappt. Wenn es geschlossene Glastür über- und Planungsqualität der Alexandra Tishchenko,
AllesWirdGut Architektur
mal langweilig wird, ist Karl- sieht. Der Grip des glatten Mitarbeiter holt er sich nicht ZT GmbH Wien München,
chen immer für eine Runde Sichtestrichs lässt wirklich nur gerne die ein oder ande- Allmann Sattler Wappner,
ap88, Archilab Architek-
Spielen zu haben – das macht zu wünschen übrig. re Schmuseeinheit ab, son-
turbüro, Architekturbüro
nicht nur Spaß, sondern bringt Da Maya eine Vorliebe für dern hat auch ein starkes Häring, arctum Architek-
einen auch vom ewigen gut riechende Männerpar- Auge für Detail und Ästhetik. ten GmbH, b3 architek-
ten, BEM Burkhardt |
Sitzen vorm PC weg. Im Laufe füms hat, gelangt nur eine Dies zeigt sich in seinem Engelmayer | Mendel,
seiner Karriere entwickelte kleine Auswahl von Per- großen Hobby: Instagram.  Bierbaum.Aichele.Land-
schaftsarchitekten,
er eine besondere Leiden- sonen in ihr Revier – der Post­ Sam überzeugt nicht nur bratfisch gmbh, Büro
schaft fürs Buddeln, Sonnen bote nicht. Über das neue durch seine soziale Kompe- Stefan Wallmann, CSMM
Architecture Matters,
und Schuhe verstecken. Bürogebäude freut sie sich tenz, sondern auch durch
Frank Schiffer Architekten
ganz besonders. Endlich kann seine Model-Qualitäten GmbH, Gaus Architekten,
sie durch die boden­t iefe Ver- sowie seine farbliche Kompa- Groth-LA, gruppe F,
hartmannvonsiebenthal,
glasung Nachbars Kater Karlo bilität mit Sichtbeton. Heim Kuntscher Architek-
im Auge behalten. ten und Stadtplaner BDA
PartGmbB, kern.architek-
ten, KLAR Architekturbüro
Lederer, konsalt gmbh,
Kunder³ Landschaftsar-
chitektur, Liebel/Archi-
Auf New-Monday.de, tekten BDA, LIGNA-sys-
der Job-Plattform für Architekten, tems Projekt­b üro, Loosen,
Rüschoff + Winkler PartG
Bauingenieure und Freiraum­
mbB, meck architekten
planer, bewerben sich Büros bei gmbh, plandrei Land-
den Bewerbern. Dafür erstellen schafts­a rchitektur GmbH,
raderschallpartner ag,
sich Bewerber in nur zwei Minuten sauer.baumanagement,
ein Talentprofil und schon sind schneiderarchitektur,
Simma Zimmermann
sie zu finden.
Landschaftsarchitektin-
nen OG, team rannow,
Terra.Nova Landschafts-
www.new-monday.de/
architektur, topotek 1,
ZukunftArchitekt Ute Latzke, Walter Voss

new-monday.de
newmonday@callwey.de
@newjobnewmonday
86 NXT A

Wie können wir effizienter und


flächen­sparsamer zusammenleben?
Im Rahmen der Munich Creative Business Week zeigte NXT A
Anfang März an der Hochschule für Film und Fernsehen den
Film über Bjarke Ingels‘ 8 House und diskutierte mit Kreati-
ven und Wissenschaftlern über die Zukunft des Wohnens.

Dass es uns von NXT A ganz rung des Wohnens. Der Wan-
wichtig ist, Austausch mit Ak- del ist also vielfältig. Mit
teuren anzubieten, konnten innovativen Formen des Zu-
wir am 11. März in der Hoch- sammenlebens beschäftigt
schule für Film und Fernsehen sich Oke Hauser als Creative
in München zeigen. Dort Lead bei Mini Living (BMW,
waren wir im Rahmen der München). „Seit vier Jahren
Munich Creative Business haben wir die Initiative Mini
Week zu Gast und präsentier- Living und überlegen, wie
ten den Film „The infinite man durch das Teilen von
happiness“ von Ila Bêka und Räumen Mehrwert schaffen
Louise Lemoine, der sich um kann“, erzählt der Architekt.
das mehrfach preisgekrönte „Wir sind gerade dabei, in
„8 House“ von Bjarke Ingels‘ – Schanghai ein erstes reales
Dänemarks größter Wohn- Projekt umzusetzen, wo wir
komplex in Kopenhagen und ein altes Fabrikareal aus fünf
ein innovatives Sozialmodell Gebäuden umbauen – eine
– dreht. Rund 90 Besucher Mischung aus Apartments
hatten sich in dem kleinen und viel Kultur- sowie Freizeit-
Kino 2 im Erdgeschoss ver- angeboten. Uns interessiert,
sammelt und lauschten – welche Möglichkeiten in dem
nach dem gut eineinhalb- Verschwimmen von privat,
stündigen Film – unserem an- teilprivat und öffentlich in
schließenden Talk, in dem Bezug auf die Architektur
wir mit Kreativen und Wissen- NXT A zu Gast an der Hochschule für Film und Fernsehen in bestehen – gerade wenn man
schaftlern über die Bedeu- München: nach dem Film über Bjarke Ingels‘„8 House“ Talk mit den Faktor Zeit und den Fak-
tung von Architektur für die Kreativen und Wissenschaftlern über die Zukunft des Wohnens tor Raum miteinander kombi-
Zukunft des Wohnens disku- niert.“ Das temporäre Nutzen
tierten. von gemeinschaftlichen
Isa Fahrenholz moderierte Räumen bietet laut Hauser
die große Runde mit Christine Architekten von heute die
Hannemann, Professorin für Dass sich vor allem gesell- durch die lange Lebensdauer Möglichkeit, neue Typologien
das Fachgebiet „Architektur- schaftliche Entwicklungen sind vielfältig, und wir Men- auszuprobieren. Wie können
und Wohnsoziologie“ am Ins- auf unsere Wohnformen aus- schen sind immer mehr multi- wir effizienter und flächen-
titut Wohnen und Entwerfen wirken, führte Professorin lokal unterwegs. „Die Fokus- sparsamer zusammenleben?
der Fakultät Architektur und Christine Hannemann aus so- sierung auf einen Ort als Für alle, die bei unserem
Stadtplanung an der Universi- ziologischer Perspektive aus: Wohnort gibt es daher für vie- Event nicht mit dabei waren,
tät Stuttgart, mit der Trendfor- „Eine der entscheidendsten le vorübergehend aus den werden wir die unterschiedli-
scherin Oona Horx-Strathern, Entwicklungen ist für mich unterschiedlichsten Gründen chen Ansätze unserer Talk-
mit Rut-Maria Gollan (Vor- die Re-Urbanisierung. Im Ver- nicht – das berufliche Pen- Teilnehmer bald in einer Pod-
stand Wagnis, München), Oke gleich zu den 1970/80er-Jah- deln ist relativ bekannt –, cast-Reihe zum Thema Co-
Hauser (BMW Group, Creative ren lebt die überwiegende aber genauso spielt hier auch Living präsentieren.
Lead Mini Living), Tanja Sei- Mehrheit nicht nur in Städten, die Variation der Wohnorte
ner, Designerin und Kuratorin sondern möchte in Städten aufgrund der Partnersituation Erfahren Sie mehr unter
FOTO: JE SSICA M ANKE L

für die „Kooperative Groß- leben.“ In Bezug auf Lebens- eine Rolle“, erklärte Christine www.nxt-a.de
stadt“, München, und Johann stil, Arbeitsverhältnisse und Hannemann. Für das Wohnen
Spengler, Geschäftsführen- Ausbildungssituationen gibt relevant ist vor allem die Sin-
der Gesellschafter von Steid- es keine klassischen Konstan- gularisierung, also die Ver-
le Architekten, München. ten mehr: Die Lebensverläufe einzelung und Inidividualisie-

Text Ute Strimmer


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nxt-a.de

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88 Lösungen

Klassisches Design:
die Armaturenserie „AA/27“
von Fantini
89

10
Lösungen:
Bad
FACHBE ITR AG:
DIE VERNETZUNG DER
DINGE – INTERVIEW MIT
PHOENIX DESIGN

SEITE

+
90

REFERENZ:
V- H OT E L I N BO N N M I T
BADAUSSTAT TUNG VON

9
IDEAL STANDARD

SEITE
10 0

Lösungen:
Boden SEITE
102
FOTO: FE DE RICO CE DRONE
90 Lösungen

Die
Vernetzung
der
Dinge

Interview: bach, Managing BAUMEISTER: Herr Die- ein Mitbegründer


Alexander Russ Partner bei der fenbach, Sie arbei- von frog design.
Stuttgarter Produkt­ ten bei Phoenix Schon bei frog de-
schmiede, erklärt Design viel für Bad- sign entstand in den
im Interview, wie und Sanitärfirmen. 1970er-Jahren eine
Phoenix Design ar- man eine Marken- Wie kam es dazu? Zusammenarbeit mit
beitet seit Jahrzehn- sprache entwickelt A N D R E A S D I E F E N B A C H : An- Klaus Grohe, dem
ten mit großen Bad- und was die kom- dreas Haug, einer Inhaber von Hans-
und Sanitärunter- menden Trends in unserer Gründer, grohe. Es gab am An-
nehmen zusammen. der Bad- und Sani- war zusammen mit fang also eine direk-
Andreas Diefen- tärbranche sind. Hartmut Esslinger te Beziehung zwi-
Bad 91
schen Unternehmer langjährige Bezie- Die mattweiße Kopf-
und Handbrause
und Designer. Diese hung und haben von Rainfinity hat
Beziehung ging sehr erfolgreiche gewölbte, grafit-
farbene Strahlschei-
dann mit Phoenix Produktlinien gestal- ben mit neu ange-
Design weiter und ist tet. Am Anfang un- ordneten Austritts-

bis heute existent. serer Zusammen­ öffnungen.

Wir gestalten alle arbeit mit Bad- und


Produkte und Pro- Sanitärfirmen stand
dukterlebnisse der aber immer ein Un-
Marke Hansgrohe. ternehmer, der voll
und ganz auf Design
B: Sie haben gerade gesetzt hat, um sich
die direkte Bezie- und seine Marke
hung zwischen Un- zu differenzieren und wie werden B:Wie funktioniert
ternehmer und Desi- und einen Schritt sie aussehen? Wie die Kommunikation
gner erwähnt. Wie voraus zu sein. entwickeln sich mit den Auftragge-
wichtig ist diese die Menschen, die bern während des
Beziehung für den B:Wie gehen Sie unsere Produkte Entwurfsprozesses?
Designprozess? genau vor, um eine benutzen? A D : Hansgrohe ist

A D : Eine ähnliche spezifische Design- Der zweite Faktor ist hier ebenfalls ein
Geschichte wie mit sprache für eine die Differenzierung: gutes Beispiel, weil
Hansgrohe gibt es bestimmte Marke Was ist das Eigen- sich eine bestimmte
auch mit Kaldewei. zu entwickeln? ständige der jeweili- Arbeitskultur in un-
Diese Zusammenar- A D : Da geht es um gen Firma? Jedes serer Zusammenar-
beit begann eben- zwei Faktoren. Der Unternehmen ver- beit über die Jahr-
falls gleich nach erste Faktor betrifft folgt dabei seine zehnte etabliert hat.
der Gründung von die Mehrheitsfähig- eigene Strategie. Es gibt Strategie-
Phoenix Design. Und keit und die damit Bei Hansgrohe defi- meetings, die zwei-
von da an gab es verbundenen Fra- nieren wir unsere bis dreimal im Jahr
dann immer mehr gen: Wie werden Gestaltungsräume stattfinden. Da set-
Kooperationen mit Bäder weltweit sein? im Rahmen der zen wir uns für drei
Bad- und Sanitär­ Was werden sie für Lebenswelten, die Tage mit dem Vor-
firmen. Mit Duravit zukünftige Genera- sich aus Persona, stand und den Be-
haben wir auch eine tionen bedeuten, der passenden reichsverantwortli-
Stil-Welt und einem chen zusammen
Bedürfnis zusam- und diskutieren die
„Rainfinity“ von
hansgrohe wurde
mensetzt. nächsten Schritte
von Phoenix Darüber hinaus des Unternehmens –
Design entworfen.
Es handelt sich
muss jedes Produkt Design ist dabei
dabei um eine den Menschen Tag stets ein integraler
Kopf-, Hand- und
für Tag rational und Bestandteil. Bei
FOTOS: HANSGROHE/PHOE NIX DE SIGN

Schulterbrause
mit smarten Bedien- emotional berühren Duravit ist die Zu-
knöpfen. – unabhängig von sammenarbeit eher
seiner kulturellen projektbezogen:
Herkunft und der Es geht also nicht
alltäglichen Umge- um das große Gan-
bung. ze, sondern um eine
WEITER
92 Lösungen
Bei Rainfinity gibt nen überdauert – überlegt, welche
es verschiedene
Duschszenarien
also zeitlos ist. Gera- Produkte von einer
mit Musik, Video de im Bad- und Generation an die
oder Licht sowie
unterschiedliche
Sanitärbereich ha- nächste vererbt
Wechselduschen ben die Produkte werden, dann ist das
und Strahlarten.
eine sehr hohe Le- zum Beispiel Be-
bensdauer. Deshalb steck oder Geschirr
ist Nachhaltigkeit – also Objekte, die
für uns kein Trend, eine emotionale Be-
sondern eine Hal- deutung haben. Und
tung – sei es in der das war die grund-
Gestaltung, der legende Frage beim
Funktion oder in Entwurf von Rainfini-
konkrete Produktli- getaktete Lebens- ökologischen Fra- ty: Wie kann ich aus
nie. Die Zwischen- kurve. Was uns im- gen der Ressourcen, einem Sanitärpro-
stände werden dann mer wieder vor Produktion oder dukt ein Wohnobjekt
im Monatsrhythmus Herausforderungen täglichen Routinen, machen?
mit dem Kunden stellt, ist die Frage, die ein nachhaltiges
besprochen und wie diese beiden Verhalten fördern. B:Wie haben Sie
entschieden. Welten zusammen- diese Idee der Zeit-
kommen können. B: Bei welchem Ihrer losigkeit konkret
B:Welche techni- Und vor allem: Wie Produkte würden Sie umgesetzt?
schen Herausforde- sind die Schnittstel- sagen, es ist zeitlos? A D : Indem wir uns

rungen gibt es im len zwischen den A D : Da würde ich Anregungen beim


Bad- und Sanitär­ langatmigen analo- gerne ein aktuelles Möbeldesign geholt
bereich, gerade gen Konstanten und Beispiel nennen: haben. Deshalb
im Hinblick auf die den kurzatmigen die Kollektion „Rain- erinnert die Kopf-
Digitalisierung? digitalen Variablen finity“ von Hansgro- brause von Rainfini-
A D : Die Bad- und zu gestalten? he. Die würde ich ty an eine Leuchte.
Sanitärbranche ist als zeitlose Linie be- Die Schulterbrause
ja eher im positiven B: Sie haben gerade zeichnen, weil wir kann zusätzlich als
Sinn konservativ, den Zeitfaktor an­ aus anderen Berei- Ablage genutzt
weil sie direkt mit gesprochen. Damit chen inspiriert wur- werden. Sie ist also
der Baubranche verbunden ist auch den. Wenn man sich eine Art Sideboard.
verflochten ist. Man die Frage nach
baut ein Gebäude der Nachhaltigkeit
Bei den sogenann-
ja nicht, um es nach eines Produkts. ten „RainButtons“
einem Jahrzehnt A D : Die Frage nach handelt es sich
um mit Bluetooth-
wieder abzureißen. der Nachhaltigkeit Technologie gesteu-
Es hat also eine ist für unseren Beruf erte Bedienknöpfe

niedrig getaktete grundlegend. Als für die Regelung


verschiedener
Lebenskurve. Die Designer kämpft Dusch-szenarien.

Digitalisierung ist man immer gegen


das genaue Gegen- die Zeit. Unser Ziel
teil – denken Sie nur ist es immer, ein Pro-
an Ihr Smartphone. dukt zu gestalten,
Das hat eine hoch das die Generatio-
Bad 93
Die „hansgrohe In diesem Zusam-
Home App“ ermög- Phoenix Design
licht die Steuerung
menhang würde ich
der RainButtons gerne den Begriff
und damit eine
„Internet of Me“ als

Andreas Haug, Tom Schönherr


digitale Vernetzung
von Wasser, Strahl- erweiterten Begriff
art, Licht, Duft,
des „Internet of
Video und Sound.
Things“ verwenden:
Wie ist der Mensch
mit sich vernetzt?
Wie ist mein physio-
logischer und psy-
chologischer Zu-

Andreas Diefenbach
stand? Übertragen
B: Darauf bezieht che „Mobility“, aufs Bad heißt das:
sich auch meine „Home“ und „Work“ Wie reagiere ich auf
nächste Frage: Wie unterteilt. Wasser und Licht,
beeinflusst denn A D : Ja, wir sind in Wärme oder Kälte?
die Arbeit aus ande- diesen Bereichen Es geht also darum,
ren Bereichen Ihre tätig, weil wir der die Sinne, die ich
Arbeit für Bad- und festen Überzeugung als Mensch habe, Mit seinen 80 Mit-
arbeitern an den
Sanitärfirmen? sind, dass alle drei in eine Umgebung Standorten Stutt-

A D : Das ist tatsäch- Bereiche miteinan- einzubetten, die gart, München


sowie Schanghai
lich ein Vorteil, den der vernetzt sind. multisensorisch ist. und mehr als 850
wir hier bei Phoenix Das sind die drei Das heißt, wir den- internationalen
Designpreisen gilt
Design haben – wir Aggregatzustände ken in Zukunft nicht Phoenix Design als
können ganz unter- des Menschen, in in Technologie, eines der führen-

schiedliche Bran- denen er sich Tag sondern in Atmo- den, unabhängigen


Designstudios für
chen zusammen- für Tag permanent sphäre, die einem Produkt- und Inter-

bringen. Wenn wir bewegt. Das wollen Individuum immer face-Design.


Gegründet wurde
das Knowhow, das wir in unserer Arbeit wieder persönlich es 1987 von Andreas
sich aus der Zusam- antizipieren und begegnet. Es wird Haug (oben links)
und Tom Schönherr
menarbeit mit einer miteinander ver­ zukünftig zuneh- (oben rechts) in
Firma aus einer binden. mend darum gehen, Stuttgart.

bestimmten Bran- sich vorstellen zu Andreas Diefen-


bach (Bild unten)
che ergibt, auf eine B:Zum Schluss können, was ein In- ist seit 2006 bei

Firma aus einer völ- möchte ich Sie ger- dividuum erwartet Phoenix Design
und seit 2019 Mana-
lig anderen Branche ne noch um einen und was es sein und ging Partner. Er
übertragen, sind Ausblick auf die werden will. ist unter anderem
Spezialist für die
ganz neue und radi- Zukunft bitten: Was Sanitärbranche
kale Lösungsansätze sind die kommen- und betreut inter­

möglich. Davon den Trends in der nationale Marken


FOTOS: HANSGROHE/PHOE NIX DE SIGN

bei deren Innovati-


profitieren am Ende Bad- und Sanitär- onsprozessen.

dann alle Kunden. branche?


A D : Als kommenden

Sie haben Ihre


B: Trend sehe ich den
Arbeit bei Phoenix Menschen und seine
Design in die Berei- Selbstwirksamkeit.
1
94 Lösungen
Bad Innovative
Sensortechnik
robust verpackt

Badkeramik und Mit einer rein elektro-

Badmöbel wer- nischen Variante für


WCs vervollständigt

den von den Her- Tece die robuste Be-


tätigungsplattenserie
stellern oft als „TECEsolid“. Die be-

breit angelegte rührungslos auslösen-


de, 2 mm starke Edel-

Serien angeboten stahlplatte ist für den


rauen Alltag in hoch-
– von der freiste- frequentierten (halb-)

henden Bade- öffentlichen Berei-


chen konzipiert und

wanne bis zum kann optional gegen

WWW.TECE .DE
Diebstahl gesichert
Zahnputzbecher- werden. Die einge-

halter. Der Vorteil setzten Sensoren


messen und interpre-

für Planer, In­ tieren Bewegungen


dreidimensional und
stallateure und zeitbezogen; dadurch

Kunden: Alle Pro-


können sie zwischen
Bewegungen im

dukte sind aus Raum sowie Hand-


und Sitzposition un-
einer Hand und terscheiden. TECEso-
lid verfügt außerdem
damit aufeinan- über eine integrierte

der abgestimmt. Hygienespülung für


Kaltwasserleitungen.
Das betrifft nicht Die Platten werden in
gebürstetem Edel-
nur Maße und stahl, in Weiß matt

Proportionen, oder glänzend sowie


in Chrom glänzend

sondern auch angeboten.

das Design sowie


Material-, Ober-

2
flächen und
Farbauswahl. einem Schritt. Air 3

Laufend kommen kommt ohne Profile


aus und bietet so ma-

neue und verbes- ximale Transparenz.


Die leichte Optik
serte Produkte überzeugt mit viel
WWW.DUSCHOLUX.DE

hinzu. Einige Glas und ist dank der


Veredelung „CareTec

stellt Baumeister Pro“ spielend zu reini-


Rahmenlose gen. Mit den optiona-
auf den folgen- Duschwand len Glasvarianten

den Seiten vor.


„Air Colours“ können
Die neue großzügige aber auch Ak zente im
Walk-in-Variante Bad gesetzt werden.
„Air 3“ von Duscholux Die rahmenlose
von wird durch unsichtba- Duschwand mit

Gabriele
re Glasanker an der 10 mm Glasstärke ist
Wand und am Boden in einer Höhe bis

Oldenburg gesichert. Die Monta-


ge ist denkbar ein-
2200 mm erhältlich.

fach und erfolgt in nur


3
Bad 95
Neuauflage
für Badaccessoires

Mit der Badacces-


soire-Linie „Mach 2“
greift Industriedesig-
ner Konstantin Grcic
auf sein für Agape
konzipiertes Pro-
gramm aus dem Jahr
2000 zurück und in-
terpretiert es mithilfe
neuer Fertigungs-
technologien und in-
novativer Materialien
W W W. AGAPE DESIGN.IT

für zeitgenössische
Bäder neu. Abgerun-
dete Formen prägen
nun die markanten
Umrisse und verleihen
Mach 2 eine ange-
nehme Haptik. Durch
schlanke Proportio-
nen und elegant zu-
rückhaltende Ober-
flächenfarben in Grau
oder Schwarz sorgt
die Linie für eine klare
und ruhige Raumat-
mosphäre und lässt
gleichzeitig kleine
Bäder offen wirken.
Die Produktlinie um-
fasst diverse Abla-
gen, Seifen- und
Tuchspender, Haken,
Handtuchhalter sowie
Mülleimer in polier-
tem oder satiniertem
Edelstahl.
4
96 Lösungen
Originelles
Armaturendesign

Die Armaturenserie
„AA/27“ von Fantini
entstand in Zusam-
menarbeit mit dem
Designer Michael
Anastassiades. Die
Produkte zeichnen
sich durch ein origi-
nelles und unkonven-
tionelles Design aus.
So scheinen etwa
die Mischbatterien
nahezu aus einem
Guss gefertigt, und
doch bestehen sie
aus zwei verschiede-
nen Teilen – dem Griff
und dem Auslauf,
verbunden durch ein
kleines zylinderförmi-
ges Element. Die
hängende Tülle sitzt
also nicht auf einer
Fläche. Die Armatu-
ren sind in gebürste-
tem Edelstahl oder
mit „Matt Gun Metal
PVD“-Beschichtung
erhältlich. AA/27
entstand im Rahmen
des Projektes „About-
water“, einer Allianz
von Fantini und Boffi.

W W W.FANTINI.IT

FOTO: FE DE RICO CE DRONE


5 6
Bad 97
Berührungslose
Armaturen für mehr
Hygiene

In Einrichtungen des
Gesundheitswesens
sorgen berührungslo-
se Armaturen für ma-
ximale Hygiene und
einen sicheren Was-
serzugang. Aber auch
in anderen (semi-)öf-

fentlichen Bereichen
– wie etwa in Schulen,
Büros, Hotels, Restau-
rants oder Kinos – ist
die Wassersteuerung
via Sensor sinnvoll,
denn überall dort, wo
WWW.HANSA .COM

viele Menschen auf-


einandertreffen, ist
naturgemäß auch
die Anzahl an Viren
und Bakterien größer.
Bei den berührungs-
losen Armaturen
„HansaElectra“ und
„Hansa-Stela“ fließt
und stoppt das Was-
ser automatisch in
voreingestellter Waschtischplätze deter Außenkante, die in elf Oberflächen
Temperatur; kein Teil mit akkurater Fuge farblich passend zu erhältlich sind, oder
der Armatur muss Unterbau oder Konso- mit bodenstehenden,
berührt werden. Duravit erweitert sei- le. Letztere zeichnet höhenjustierbaren
Somit entfällt das ne Serie „Happy D.2 sich durch den exakt Metallkonsolen, in
Risiko, Bakterien oder Plus“ um zwei Wasch- parallelen Formver- denen ein Handtuch-
Viren von den Hän- tischplätze. Basis sind lauf von Keramik- halter integriert ist.
den auf die Ober­ jeweils Becken mit becken und Möbel
fläche der Armatur schmalem, charakte- aus – ohne Überstand
zu übertragen. Diese ristisch abgeflachtem oder Rücksprung und
bleibt weitgehend Rand und harmonisch mit einer akkuraten
W W W. D U R AV I T. D E

vom Tropfwasser integrierter Hahn- Fuge von 4 mm. Die


der Hände befreit und lochbank, die in drei beiden Becken lassen
FOTO LINKS: SVE N HOBBIE SIE FKE N

somit lange hygie- Breiten (575, 775 und sich kombinieren mit
nisch sauber. 975 mm) erhältlich ist. wandhängenden
Zur Wahl stehen zwei Möbelunterbauten,
Varianten: „c-shaped“
mit keramischer,
glänzend weißer
Außenkante und „c-
bonded“ mit gerun-
7 8
98 Lösungen
Dünnschichtige
Schimmelprävention

Die alkalische Be-


schaffenheit des
„KlimAir“-Systems
von Brillux beugt
Schimmelbefall vor –
auch in Feuchträu-
men. Das System ba-
siert auf großformati-
gen Panels, die an
Wand- bzw. Decken-
flächen verklebt und
anschließend mit Sili-
katprodukten von
Brillux beschichtet

WWW.BRILLUX.DE
werden. Das lediglich
10 mm dicke „KlimAir
Panel 1866“ besteht
WWW.KEUCO.DE

aus einem minerali-


schen Blähglasgranu-
lat und puffert Feuch-

der „Edition 90“ von tigkeitsspitzen der


Keuco. Bei den Arma- Raumluft. Die Platten
turen und Accessoires werden mithilfe des
ist das durchgängige mineralischen
Designelement das „KlimAir Klebespach-
Quadrat auf runden tels 1868“ vollflächig
Elementen. Außer- an den Wandflächen
dem zeichnen sie sich verklebt. Der schleif-
durch ihre brillanten bare Kleber eignet
Chromoberflächen sich auch zur Spach-
aus. Dafür werden die telung der Stoßfugen
Rohkörper vor der bzw. zur vollflächigen
Galvanisierung exakt Spachtelung. Für
geschliffen und die Übergänge an
poliert, denn die Decken und angren-
kleinste Unebenheit zenden Innenwänden
würde später auffal- wird ein auf das
len. Für die galvani- System abgestimmter
sche Beschichtung Keil angeboten.
verwendet Keuco
ein spezielles dreistu-
figes Verfahren. Eine
Halbglanz-Nickel-
Stufe sorgt für den
Kreis trifft auf Quadrat besonderen Tiefen-
glanz und einen lang-
Die klare Formen­ jährigen Korrosions-
sprache des 90°-Win- schutz.
kels zieht sich konse-
quent durch die kom-
plette Badausstattung
9 1
Bad 99

0
WWW.DE .LAUFEN.COM

Bodenentwässerung sind schallentkop-


mit System pelt. Das neue Es-
trichverstärkungsele-
Das Bodenablaufsys- ment schützt die Bo-
tem „DallDrain“ von denkonstruktion bei
Dallmer besteht aus flachen Einbauhöhen.
drei Ablaufkörpern Für die Abläufe gibt
(Bauhöhen: 24 / 55 / es Designaufsätze in
85 mm), verschiede- unterschiedlichen
nen Aufsätzen sowie Größen und Materia-
Zubehör. Dabei kann lien, etwa die 100 x
ein Ablaufgehäuse 100 mm große Vari-
im Baukastenprinzip ante „Individual“, die
beliebig nach oben auch befliesbar ist.
zusammengestellt
werden. Das System
zeichnet sich durch Duschbereiche mit dem Material
WWW.DALLMER.DE

eine einklickbare flexibel gestalten auch feine Eckradien


Dichtmanschette aus, und definierte Kanten
die in die Verbund­ Die Duschwannen realisieren lassen,
abdichtung eingear- „Laufen Pro Marbond“ passen die Dusch-
beitet wird; somit ist können exakt an den flächen perfekt ins
das Entwässerungs- geplanten oder vor- Fliesenraster und
system DIN 18534- handenen Platz in ei- schließen passgenau
konform. Der Ge- nem Bad angepasst mit Duschabtrennun-
ruchsverschluss ist werden, denn sie sind gen ab. Der Verbund-
zur Reinigung leicht in über 45 Standard- werkstoff Marbond ist
zu entnehmen, und größen erhältlich. robust, wärmespei-
die Montagefüße Für Sonderlösungen chernd, antibakteriell
können sie sogar in- und geräuschredu-
FOTO: DALL ME R GMBH + CO. KG; L AUFE N

dividuell vor Ort zu- zierend. Die Ober-


geschnitten werden – fläche der Duschwan-
ideal etwa für den nen ist dank ihrer fei-
Einbau in Nischen. nen Struktur in der
Zudem können sie höchsten Klasse
aufgesetzt, halbein- rutschfest (DIN 51097,
gelassen oder flä- Klasse C).
chenbündig verwen-
det werden. Da sich
100 Lösungen

Zur Badausstattung
W W W . I D E A L S T A N D A R D . D E 

Die Linie „Strada“ von


Ideal Standard basiert
auf minimalistischem
Design. Sie bietet
ein breites Spektrum
an Größen, Formen
und Installations-
möglichkeiten, um-
fasst Waschtische und
Brausewannen.
„Idealrain“ ist ein voll-
ständiges Brausepro-
gramm mit sehr fla-
chem Design. Es sind
sowohl Einfunktions-
als auch Multifunk-
tions-Handbrausen
erhältlich. Die Multi­
funktions-Hand­
brausen bieten drei
verschiedene Strahl-
arten mit unterschied-
lichen Effekten:
Regen, Platzregen und
Massage.

Mitten im
Wald
V-Hotel in Bonn mit Badausstattung
von Ideal Standard
FOTOS: V-HOTE L/IDEAL STANDARD
Referenz 101

Blick ins Grüne: Das V-Hotel bei Bonn verfügt nicht nur über Gästezimmer im großzügig
verglasten Haupthaus, sondern auch über einzelne Baumhäuser.

Der Venusberg ist ein bewaldetes Hoch- ordnet im Raum und erlauben das Aufwa- ren sowie Duschbrausen. Die Innenarchi-
plateau westlich des Rheins und gleich- chen mit Blick ins Grüne. Entsprechend tektin legte Wert darauf, dass der kubi-
zeitig Namensgeber für den auf ihm ge­ gestalteten Scherf Architekten und die sche Waschtisch der Serie „Strada“ der
legenen Bonner  Ortsteil. Hier steht ein I nnena rch i tek t i n Do rot hee Sp i t z d ie Formensprache des Schreibtischs ent-
ehemaliger Bürokomplex, der zu einem Grundrisse: durchlässig mit möglichst viel spricht. Die Wand-Waschtischarmaturen
Designhotel umgewandelt wurde. Umge- Licht in allen Bereichen. Auf eine konven- ergänzen die Strada-Aufsatzwaschbe-
ben von 3.000 Quadratmetern Wald ha- tionelle Trennung von Badezimmer und cken. In den großzügigen, bodenebenen
ben die Investoren hier ein Vier-Sterne- Schlafraum wurde bewusst verzichtet, nur Duschbereichen finden sich außerdem
Haus mit einem nachhaltig orientierten das WC ist mit einer Tür abgetrennt. Nach Regenbrausen der Serie „IdealRain“ mit
Gesamtkonzept geschaffen, das sich vor dem Mot to „Einblick-Ausblick-Durch- großflächigen Kopfbrausen und moder-
allem an Tagungsgäste und Touristen rich- blick“ entsteht so ein ungehinderter , wei- ner Thermostattechnik.
tet. Dazu gehören auch drei sogenannte ter Raumeindruck, mit Blickachsen hinaus
Baumhäuser. zum Fenster, durch das Zimmer bis ins Bad
Aufgrund der ursprünglichen Büro-Archi- und entgegengesetzt. Die Ausstattung re-
tektur des Haupthauses verfügen sämtli- duziert sich auf wenige Materialien – Bo-
che Zimmer über ganzflächige Glasfassa- denbeläge in heller Eiche und Möbel mit
den. Der Blick in den Wald war maßge- vorwiegend weißer Oberfläche.
bend für die Einrichtung – in allen Zimmern Die Badezimmer wurden mit Produkten
bestimmt die Aussicht das Arrangement von Ideal Standard ausgestattet, darunter
der Betten. Sie stehen meist offen ange- Waschtische, Wand-Waschtischarmatu-

von Ulrike Sengmüller


1
102 Lösungen
Boden Vinyl- und Teppich-
fliesen aus einer Hand

Die Kollektion „Look


Das Thema Both Ways“ von Inter-

Nachhaltigkeit face vereint Luxus-


Vinylfliesen (LVT) und

beschäftigt auch Teppichfliesen, so


dass sich harte Ober-
die Hersteller flächen und weiche

von Bodenbelä- Materialien im Design


perfekt ergänzen.

gen immer mehr. Die Fliesendesigns


sind in der Ästhetik
Dabei stehen von Beton- und Ter-

zwei Aspekte razzoböden inspiriert


und werden durch

im Vordergrund. kurvige Strukturen


W W W.INTE RFACE .COM

und Konfetti-Formen
Zum einen geht belebt. Die Gestal-

es darum, einen tungsmöglichkeiten


sind dank der jeweils

möglichst großen vier neuen LVT- bzw.


Teppichdesigns in 45
Anteil der für verschiedenen Farb-

die Produktion
varianten sehr groß.
Das Spiel mit Mustern,

benötigten Mate- Textur und Ästhetik


erschafft dabei dyna-
rialien aus nach- mische und transfor-
mative Räume, die
wachsenden lebendiges und ruhi-

oder recycelten ges Design ebenso


wie mineralische und
Rohstoffen her­ leuchtende Farben

2
verbinden können.
zustellen. Zum Die Fliesen sind 50 x

anderen werden 50 cm groß.

Beläge auf Lang-


lebigkei opti-
miert. Denn ein
Belag, der seinen
Zweck besonders Nachhaltig pflastern Pflastersteinen. Beim

lange erfüllt, Der Pflasterstein „Vios


Vios RX40 sind dies
zum Beispiel hoch-

muss nicht so RX40“ von Kann be- wertige Edelsplitte,


steht zu mindestens die je nach Lichtein-
schnell erneuert 40 % aus wiederver- fall sanft glitzern. Das

werden, wo- wendetem Beton. Da-


für wird Betonbruch
Ergebnis ist ein um-
weltfreundlicher
WWW.K ANN.DE

durch wiederum zerkleinert, zu unter- Stein, der sich tech-


schiedlichen Kör- nisch und optisch
Ressourcen ge-
FOTOS: INTE RFACE; K ANN BAUSTOFFWE RKE GMBH

nungsgrößen zermah- nicht von herkömmli-

schont werden.
len und anschließend chen Produkten
zusammen mit Binde- unterscheidet. Der
mitteln und anderen Recyclingstein ist im
Zuschlägen zu neuen Format 40 x 20 cm
von Betonsteinen verar- erhältlich und wird

Gabriele
beitet. Für die Vor- in den beiden Farben
satzschicht kommen Grau und Anthrazit

Oldenburg die gleichen Materia-


lien zum Einsatz, wie
mit feingestrahlter
Oberfläche angebo-
bei „klassischen“ ten.
3 4
Boden 103

Edle Kontraste in Weiche, fließende Hochwertige Optik einem satten und


WWW.PROJECT-FLOORS.COM

Schwarz und Weiß Formen kontrastieren dank Chevron-Dekor warmen Braun ver-
mit steiferen, geome- legt. Der LVT-Design-
In der Feinsteinzeug- trischen Formen, die In angenehmer Atmo- boden mit Holzoptik
Kollektion „B&W_ Mar- sich aus den unter- sphäre wird ein Arzt- passt nicht nur zur
ble“ entwickelt das schiedlichen Propor- besuch gleich viel Wertigkeit der ge-
Label Floors Gres tionen ergeben, in entspannter. Nach samten Ausstattung,
die Idee des chroma- denen Schwarz und diesem Motto entwarf sondern entspricht
tischen Dualismus Weiß auf der Oberflä- Marcel Beckmann auch den Hygienean-
von Schwarz und che verschmelzen. von SOHOarchitekten forderungen einer
Weiß fort. Die Farbpa- Das Sortiment umfasst Düsseldorf die Innen- Arztpraxis. Aufgrund
lette umfasst neben Platten in 30 x 60 bis einrichtung einer seiner Zusammenset-
Schwarz und Weiß 60 x 120 cm sowie in Augenarztpraxis in zung kann er sehr
sechs schwarz-weiße 40 x 80 und 80 x 80 cm Düsseldorf. Die Flure leicht gereinigt wer-
Muster, die an Mase- in 10 mm Stärke und sind durch erdige den.
rungen von Naturstein von 60 x 120 bis 160 x Wandfarben, kombi-
– etwa geäderten 320 cm in 6 mm Stär- niert mit schwarz-
Marmor – erinnern. ke. Außerdem werden weiß gehaltenen Bil-
die Fliesen als (Stab-) dern, optisch ruhig
Mosaik angeboten. und zurückhaltend.
Alle Formate stehen Nur der Boden ist et-
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in den beiden Ober- was auffälliger: In der


flächen matt (R9) und gesamten Praxis wur-
Hochglanz zur Verfü- de ein Chevron-Dekor
gung. von Project Floors in
5 6
104 Lösungen
Auftriebssicherer
Bodenaufbau
mit Schaumglas

Nach einer Überflu-


tung im Jahr 2017
wird der Universitäts-
campus Domäne
Marienburg aufwen-

dig saniert. Um zu-

WWW.FOAMGLAS.DE
künftige Hochwasser-
schäden soweit mög-
lich zu vermeiden,
wird der neue Boden-
belag wasserfest
ausgeführt. Zum Ein-
satz kommt hierbei –
neben einem Gussas-
phaltestrich und
Bitumenabdichtun-
gen – die Wärme-
dämmung „Foamglas
T4+“ der Deutschen
Foamglas GmbH.

FOTOS: OBJEC T CARPE T; CHRISGOSSM ANN.DE / L AFRE NT Z BAUGE SE LL SCHAF T MBH


Der Baustoff aus ge-
Mit individuellen ßergewöhnliche De- stalterische Palette schlossenzelligem
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Teppichen signs entworfen. Die- reicht von puristischer Schaumglas nimmt


Statements setzen se können mithilfe Strenge über organi- kein Wasser auf und
verschiedener Kolori- sche Formen und bildet zusammen mit
Mit seinem Kreativ- te und haptischer verblüffende dreidi- den anderen Funkti-
konzept „Forum for Qualitäten individua- mensionale Effekte onsschichten einen
great ideas“ bietet lisiert und als Bahnen- bis zu üppiger Blu- wasserdichten und
Object Carpet Archi- ware oder Akustik­ menpracht und ex- auftriebssicheren
tekten und Planern fliesen sowie ergän- zentrischen Boden­ Bodenaufbau. Der
eine Inspirationsquel- zend als eingefasste bildern. aufeinander abge-
le für maßgeschnei- Teppiche umgesetzt stimmte und hohl-
derte Teppichböden – werden. In Größe raumfreie Bodenbe-
verbunden mit der und Form werden die lag behält so – auch
Möglichkeit, eigene Böden exakt auf die im Falle einer Über-
Ideen umzusetzen. räumlichen Gege- flutung – seine me-
Das Designerpaar benheiten und Wün- chanischen und
Kathrin und Mark sche der Kunden zu- physikalischen Eigen-
Patel hat dafür 18 au- geschnitten. Die ge- schaften bei.
7
Boden

Terracotta modern fenheit sind die


interpretiert Fornace-Fliesen sehr
widerstandsfähig,
Die Kollektion „Forna- frostbeständig und
ce“ von Ceramiche unempfindlich ge-
Refin greift Elemente genüber Schmutz.
klassischer Terracot- Daher eignen sie sich
tafliesen auf und in- auch für die Gestal-
terpretiert diese auf tung des Außenbe-
eine neue Weise: reichs. Erhältlich ist
Die Feinsteinzeugflie- die Kollektion in zahl-
sen zeichnen sich reichen Formaten bis
durch eine abwechs- hin zu 120 x 240 cm.
lungsreiche, hapti-
sche Textur aus. Auf-
grund ihrer warmen
Erdtöne – vom sanften
Beige über warmes
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Rosato bis hin zum


satten Senfgelb – er-
zeugen sie eine ein-
ladende Atmosphäre.
Aufgrund ihrer ge-
schlossenen Beschaf-

Schöner warten.
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nachhaltige
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Der Kern des Faserze-


mentbodenbelags
„Cementi Click“ von
Tarkett besteht zu
95 % aus natürlichen
Materialien wie Ton,
Zellulose sowie Kalk

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und ist vollständig
recyclingfähig. Die
Einsatzbereiche
des widerstandsfähi-
gen Hartbodens rei-
chen von stark fre-
quentierten Hotels
und Geschäften bis
hin zu Wintergärten,
die hohen Tempera-
turschwankungen
ausgesetzt sind.
Die 24 Dekore in
Stein- und Holzoptik
basieren auf dersel-
ben Farbbasis und
bewegen sich wahl-
weise zwischen kal-
ten oder warmen
Grautönen. Aufwen-
dige Untergrundvor-
bereitung ist nicht
notwendig; die
schnelle und kleb-
stofffreie Klickverle-
gung der beiden
Formate – Fliesen
und Planken – ist ein
weiterer Vorteil von
Cementi Click.

9
Kautschukfliesen für besonders hohe An-
Arztzentrum sprüche an die Hygie-
ne erfüllt. Die hohe
In der Niederlassung Rutschfestigkeit der
des Augenzentrums beiden Böden und
Eckert in Weingarten die nicht spiegelnde,
FOTOS: TARKE T T; M ARKUS BACHM ANN / SA MBA PHOTOGR APHY

wurde in den Ein- matte Oberfläche


gangsbereichen so- sind ein zusätzlicher
wie in den Warte- Sicherheitsfaktor für
und Untersuchungs- die häufig in ihrer
räumen der Kaut- Steh- und Gehkom- Sehfähigkeit einge-
schukbelag „nora- fort. Die OP-Bereiche schränkten Patienten.
ment arago“ verlegt. wurden mit dem elek-
Er erinnert optisch trostatisch ableiten-
WWW.NORA .COM

an einen Marmor- den Kautschukbelag


steinboden, besitzt „noraplan sentica
aber die Vorteile ed“ – ebenfalls von
eines elastischen Nora Systems – in
Belags, etwa gute einem warmen Beige
Akustik und hohen ausgestattet, der
Impressum 107
Baumeister — Das Architektur-Magazin — 117. Jahrgang
Eine Marke von

REDAKTION
Anschrift wie Verlag

B6
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7
info@baumeister.de, www.baumeister.de

CHEFREDAKTION
Dominik Baur-Callwey Tel – 159
(verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)
REDAKTION
Sabine Schneider Tel – 146

ART DIREKTION

Vorschau
Stephanie Ising, Tom Ising, Daniel Ober
für Herburg Weiland, München

ALLE ILLUSTRATIONEN
Clemens Habicht, Paris

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im Ausland zzgl. Versandkosten
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be erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderun-
gen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das
rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu wider-
rufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen.
Der Widerruf ist zu richten an: Leserser vice Baumeister, D-65341 E lt ville, Tel +49 (0) Wie können wir in diesen
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Tel – 122, Fax 4 36 11 61 weitergearbeitet wird
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Tel –178
und die Mitarbeiter sich
Marion Bucher Tel – 125, Fax – 113
HERSTELLUNGSLEITER
Michael Gschrei Tel – 167
nicht infizieren sollen.
(alle Adressen wie Verlag)
Stattdessen befragen wir
DRUCK, BINDUNG
OPTIMAL : MEDIA, Glienholzweg 7, D – 17207 Röbel / Müritz die Projektleiter – lassen
Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt wer-
den. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Ab­b ildungen Sie sich überraschen.
sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Mit der Einsendung von
Manus­k ripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese
vollständig oder teilweise in der Zeitschrift Baumeister publiziert werden. Ebenso stimmt
er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Off-
line- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine
Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab.
Erfüllungsort und Gerichtsstand München

Ab 1.12.2019 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 59 gültig.


Anzeigenschluss ist jeweils am 25. des Vormonats. Auszeichnungen
Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse
Architekten und Bauingenieure.
ISSN 0005-674X B1547
B 5

Portfolio
2020

Bad

Barrierefreie Bäder liegen im Trend. Selbst Bauherren, die aktuell keine


körperlichen Einschränkungen haben, wünschen sich eine bodenebene
Dusche, bevorzugen einfach zu bedienende Armaturen und träumen von
mehr Bewegungsfreiheit im Bad. Denn diese Aspekte machen ein Bad kom-
fortabel und zukunftssicher. Die Hersteller reagieren und entwickeln Bad-
produkte, die nicht nur barrierefrei sind, sondern auch richtig gut aussehen.
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Zum Klappsitz

PRODUK T:
Duschklappsitz Be-Line

HERSTELLER:
Delabie

EIGENSCHAFTEN:
Sitzfläche aus hoch-
widerstandsfähigem
Polymer; Montageplat-
te aus Aluminium mas-
siv; mit oder ohne Fuß

AUSZEICHNUNG:
Salles de Bains Remar-
quables 2019

Duschmobiliar Die Beliebtheit des Konzepts „Design für


Alle“ lässt die Grenze zwischen dem bar-
Die Haltegriffe aus Aluminium sind leicht
zu reinigen und verfügen über eine ergo-
rierefreien Sanitärraum und dem Bade- nomische, flache Vorderseite, die ein
im „Design zimmer für jedermann verschwinden. Das
liegt daran, dass die nach diesem Kon-
Verdrehen der Hand am Griff verhindert.
Duschhandläufe werden in T- und L-Form

für Alle“ zept entwickelten Produkte von


den Benutzern – meist körperlich einge-
angeboten.
Der Duschklappsitz bietet herunterge-
schränkten Personen – nicht nur als klappt eine komfortabel dimensionierte
komfortabel, sondern auch als attraktiv Sitzfläche; in hochgeklappter Position
www.delabie.de wahrgenommen werden sollen. Dies gilt
auch für die Produktreihe „Be-Line“ von
fügt er sich mit seinen klaren Linien dis-
kret in seine Umgebung ein. Zudem kann
Delabie, die neben einem Duschklapp- er mit nur einem Handgriff durch eine
sitz und zahlreichen Handläufen und Wandkonsole ersetzt werden: praktisch,
Haltegriffen auch weitere Accessoires da er so je nach Bedarf angebracht
1 umfasst. Die Produkte sind darauf ausge- werden kann, beispielsweise in einem
Für bewegungseinge- legt, sich an jeden Lebensabschnitt an­ Hotel oder Krankenhaus.
schränkte Nutzer ent­ zupassen und gleichzeitig Sicherheit Die Be-Line-Serie ist in den zwei Oberflä-
wickelt: die ästhetisch und Komfort zu gewährleisten. Durch ihre chen pulverbeschichtet matt weiß oder
FOTO: DE L ABIE

anspruchsvollen Ästhetik tragen sie dazu bei, dass die anthrazit-metallic erhältlich. Damit ist
Produkte der Be-Line- gemeinsame Nutzung von Sanitärräumen auch eine visuell kontrastierende Gestal-
Serie von Delabie für alle angenehmer wird. tung zur meist weißen Wand möglich.
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FOTOS: GE BE RIT
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Zur Badausstattung

PRODUKTE:
WC-Betätigungsplatten
Sigma20, Sigma21,
Sigma30 und Sigma50
sowie Duschrinne
CleanLine80

HERSTELLER:
Geberit Vertriebs GmbH

EIGENSCHAFTEN:
Neue Material- und
Farbkombinationen
für ein stimmiges Bad-
ambiente

Design bis ins Zum stimmigen Gesamtkunstwerk wer-


den Bäder, wenn auch vermeintlich klei-
und „Sigma30“ in neuen Designvarianten
– Ton-in-Ton mit der jeweiligen Oberflä-
ne Elemente ins Designkonzept passen. che. Die Designringe und -streifen stehen
kleinste Detail Dazu gehören die Armaturen genauso
wie die WC-Betätigungsplatte und die
jetzt auch ganz in Weiß oder Schwarz so-
wie in Weiß oder Schwarz matt lackiert
Duschrinne. Geberit bietet deshalb zur Verfügung. Akzente in aktuellen
mehrere Produkte in neuen Farben und Trendfarben sind auch bei der boden-
www.geberit.de Materialien an, mit denen sich ein ein- ebenen Dusche möglich: Die Duschrinne
heitliches und harmonisches Badam- „CleanLine80“ zeichnet sich durch ein in
biente umsetzen lässt. Neu im Sortiment sich geschlossenes, massives Rinnenpro-
sind etwa die WC-Betätigungsplatten fil aus. Sie ist in den Längen 90 und 130 cm
„Sigma21“ und „Sigma50“ in den Ober- erhältlich, kann aber flexibel eingekürzt
1+2 flächen Betonoptik und Nussbaum (Holz). werden. Drei Farbvarianten stehen zur
Mit der neuen Design- In spannendem Kontrast dazu können Wahl: Schwarzchrom, Champagner und
auswahl von Geberit die Auslösetasten der Sigma50 oder Edelstahl. So kann die CleanLine80 so-
lassen sich Einrich- die Designringe der Sigma21 nicht nur wohl zur Fliesenoptik als auch zur Material-
tungstrends und indivi- klassisch in Chrom, sondern auch in und Farbwahl der Armaturen passend
duelle Wohnstile in Bad den Metallfarben Rotgold, Messing oder eingesetzt werden. Darüber hinaus sind
und WC bis ins letzte Schwarzchrom gewählt werden. Mehr die meisten der genannten Produkte
Detail perfekt umset- Gestaltungsfreiheit ermöglichen auch mit einer „Easy-to-clean“-Beschichtung
zen. die WC-Betätigungsplatten „Sigma20“ versehen, die die Reinigung erleichtert.
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FOTOS: K ALDEWE I
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Cayonoplan Multispace

MATERIAL:
Kaldewei Stahl-Email
inklusive Rutschhem-
mung Secure Plus

EIGENSCHAFTEN:
120 x 120 cm
zwölf Farben
„DIN barrierefrei“
zertifiziert durch DIN
Certco
auf Wunsch mit zusätz-
licher Trittschalldäm-
mung

Duschfläche Bei der Umsetzung eines barrierefreien


Badezimmers müssen nach DIN 18040-2
Cayonoplan Multispace ist 120 x 120 cm
groß und wird in zwölf Farben angeboten.
vor jedem Sanitärgegenstand Bewe- Sie ist serienmäßig mit der rutschhem-
für barrierefreie gungsflächen von mindestens 120 x 120 cm
eingehalten werden, die sich allerdings
menden Oberfläche „Secure Plus“ aus-
gestattet und gewährleistet eine Rutsch-

Minibäder überschneiden dürfen. Soll ein Teil des


Duschbereichs den Bewegungsflächen
hemmung nach Bewertungsgruppe B.
Materialität und Farbenvielfalt der
zugerechnet werden, muss dieser be- Duschfläche ermöglichen zudem die
stimmte Voraussetzungen erfüllen: Dazu empfohlene optische und haptische Un-
www.kaldewei.de gehören zum Beispiel ein niveaugleicher
Einbau, eine rutschhemmende Oberflä-
terscheidung der Dusche vom Badezim-
merboden nach dem Zwei-Sinne-Prinzip.
che sowie ein maximales Gefälle von Die Montage kann mit dem Einbausys-
2 %. Die von DIN Certco geprüfte und zer- temrahmen „ESR Bodeneben“ oder mit
tifizierte Duschfläche „Cayonoplan Multi- dem „Duschwannen-Fuß-Rahmen“ erfol-
1+2 space“ von Kaldewei erfüllt diese Anfor- gen. Je nach Variante der Ablaufgarnitur
Mit „Cayonoplan Multi- derungen und kann mit rund 60 % ihrer „KA 90“ beträgt die Aufbauhöhe zwi-
space“ von Kaldewei Fläche – das sind bis zu 73 cm – in die Be- schen 49 und 96 mm. Da die Cayonoplan
lassen sich auch Mini- wegungsfläche des Bads einbezogen Multispace nicht nur Duschfläche, son-
bäder mit nur 4 m² werden. Damit lassen sich selbst kleine dern auch Bewegungsfläche sein kann,
Grundfläche barriere- Bäder von gerade einmal 4 m² barriere- wird sie auf Wunsch mit einer Trittschall-
frei gestalten. frei nach DIN 18040-2 gestalten. Die dämmung ausgestattet.
114 Kolumne

Unter
 Spannung:
Die
Wieder-
entdeckung
des
Planetarischen
Georg Vrachliotis

Wirft man einen Blick auf die aktuellen Architektur­


debatten, so gewinnt man den Eindruck, als werde ein
neues Zeitalter der großen Entdeckung ausgerufen.
Da ist von „planetary-scale computation” (Benjamin
Bratton, 2015), „architecture and the planetary imagi-
nary”, einem „terrestrischen Manifest“ (Bruno Latour, Für einige Architekten mündete die Vorstellung,
2017), „architecture for a broken planet (Architektur- Dynamiken des sozialen Raums nicht nur technisch
zentrum Wien, 2019), „terraforming” (Benjamin Brat- gestalten und kontrollieren zu können, in der Suche
ton, 2019) oder gar von „the world as an architectural nach der kleinsten räumlichen Wohneinheit. Je klei-
von

project“ (Hashim Sarkis, 2020) die Rede. Das kollekti- ner, universeller und technisch autonomer diese be-
ve Bewusstsein dafür, dass wir auf einer kleinen blau- wohnbaren Einheiten gedacht wurden, desto genau-
en Kugel durch das Weltall schweben, scheint jeden- er hoffte man, auf Veränderungen in der Gesellschaft
falls so groß wie lange nicht mehr. Es war bekannter- architektonisch reagieren zu können. Für andere wie-
maßen die experimentelle Epoche der 1960er-Jahre, derum hatte sich die Idee von einer planetarischen
in der sich Architekten und Künstler nicht nur im utopi- Architektur zu sehr den technischen Konzepten von
schen, sondern eben auch im planetarischen Denken Kommunikation und Mobilität untergeordnet. „Es falle
üben konnten. In der schwierigen Frage, was dieser auf, welche Bedeutung der Technologie, dem Ver-
neue Maßstab denn nun für die Architektur konkret kehr, der Mobilität, der Wohnung und der Verdichtung
bedeuten würde, war man sich zumindest in einem eingeräumt werde“, bemängelte beispielsweise
Punkt halbwegs einig: Man müsse sich den neuen Um- Jürgen Joedicke. „Die Frage jedoch, wie der Mensch
ständen räumlich anpassen, auch wenn die sozialen beschaffen sein muss, der in diesen Superstrukturen
Folgen noch nicht ganz klar seien. Reyner Banham leben soll, ja, ob der Mensch mit seiner ganzen Veran-
prophezeite damals einen „psychologischen und lagung bereit ist, sich mit diesen Wohnformen zu iden-
ästhetischen Bruch mit der altehrwürdigen Vorstel- tifizieren, werde nicht gestellt.“ Obgleich Joedicke
lung der an den Boden gebundenen Architektur“. Und damals keine wirkliche Alternative präsentiert, so
auch Sigfried Giedion machte sich Gedanken, bei- ganz abwegig klingt seine Frage nach der sogenann-
spielsweise darüber, wie sich das städtische Leben in ten Beschaffenheit des Menschen auch heute nicht.
der planetarischen Dimension entwickeln würde. „Die Noch immer unterliegen viele dem verführerischen
Labilität unserer Lebensformen“ habe den „Aspekt Irrglauben, ein technisch vernetzter Planet benötige
des Wechsels in den Vordergrund gerückt“, stellte unter allen Umständen auch eine technisch vernetzte
Giedion fest, wodurch „eine ganz neue Haltung dem Architektur. Intellektuell interessanter erscheint da-
Stadtorganismus gegenüber“ entstehe. Ein neues gegen die Idee, dass die neue Wiederentdeckung
Denken in vernetzten Systemen werde die Gestaltung des Planetarischen nicht nur eine Vorstellung von Um-
von freistehenden Objekten ersetzen, Architektur welt als medientechnologisch bedingter Apparatur
sich entsprechend mit „räumlicher Organisation“ be- impliziert, sondern darüber hinaus auch eine politi-
schäftigen, und anstelle von Gesellschaft trete das Zu- sche Hommage an die Materialität des ökologischen
sammenspiel „individueller und kollektiver Sphären“. Denkens selbst darstellt.
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Das Architektur- Das Architektur- Das Architektur-


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Magazin A Magazin Magazin
Januar 19 Februar 19 März 19

ME ISTER
U

ME ISTER
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SEELENRÄUME

mit der Egoshow


MINIHÄUSER

Junge Architektur in Europa


SEITE
42

BM 01/19: Minihäuser BM 02/19: Seelenräume BM 03/19: Junge Architektur BM 04/19: 100 Jahre Bauhaus

+ IEOH MING PEI + S+P DINKEL + FOSBURY ARCHITECTURE + KLAB ARCHITECTURE + TONSALON + 51N4 E + BOURBOUZE & GRAINDORGE +

BAU B6 B A U JOHANSE N SKOVSTE D ARKITE K TER

BAU BAU

ALEXANDER THUMANN
B5 116 . J A H R G A N G
116. Jahrgang
Das Architektur-Magazin B7 116 . J A H R G A N G
B8 116 . J A H R G A N G

Das Architektur- Das Architektur- Das Architektur-


Magazin Magazin Magazin
Mai 19 Juni 19 Juli 19 August 19

ME ISTER ME ISTER ME ISTER ME ISTER

+
HE IKE HANADA
+
HE IKE HANADA

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JOHANSE N SKOVSTE D ARKITE K TE R
+
BAUMSCHL AGER HUT TER
F O S T E R + PA R T N E R S
+

Glasklar HARQUITECTES
ALEXANDER THUMANN

HARRIS + KURRLE
MEIXNER SCHLÜTER WENDT UNORTE
CHIHARU SHIOTA
ZHANG LI

K U R AT I E R T
ZWISCHEN

+
+

KLOHAUS UND PUMPSTATION

IEOH MING PEI


BOURBOUZE & GRAINDORGE

VON
+
S+P DINKEL
+

+
51N4 E

Transparenz als Leitmotiv

FOSBURY ARCHITECTURE
REINIER
+
TONSALON

EINMAL
+
KLAB ARCHITECTURE

DE GRAAF KLAB ARCHITECTURE

+
ROH
BITTE
+

BRUTHER

FRANKREICH
!
FOSBURY ARCHITECTURE

CAB ARCHITECTES
+
UNORTE

MUOTO
TONSALON
GLAS

HE IKE HANADA
HBA AT
PIERRE HEBBELINCK
Frankreichs
NP2F
neuer Brutalismus
+

L Ü TJ E N S PA D M A N A B H A N
51N4 E

+ +
S+P DINKEL + IEOH MING PEI + JOHANSE N SKOVSTE D ARKITE K TE R + HE IKE HANADA + ALEXANDER THUMANN + BOURBOUZE & GRAINDORGE

BM 05/19: Glas BM 06/19: Baumeister Curated BM 07/19: Unorte BM 08/19: Brutalismus

B9
BAU September 19
116 . J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin
B10
BAU Oktober 19
Magazin
116 . J A H R G A N G

Das Architektur-
B11
BAU November 19
116 . J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin

ME ISTER ME ISTER ME ISTER


+
DEGELO ARCHITEKTEN
ROLF DISCH
DUPLEX ARCHITEKTEN
HEHNPOHL ARCHITEKTUR
MSA
WANDE L LORCH ARCHITE K TE N

ORANGE ARCHITEKTEN

Wie weit kann man ZANDERROTH ARCHITEKTEN

reduzieren?
IDE E N FÜR KOSTE NGÜNSTIGE N
WOHNUNGSBAU
+
STA AB ARCHITE K TE N
+
SCHIE FE R TSCHÖLL ARCHITE K TUR/ WALTE R ANGONE SE
ARCHITEKTUR ALS GESELLSCHAFTLICHES PROJEKT

Nachhaltig B
A
UE
N (I) •
S
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oder verschwenderisch?
R
L

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SOZIA

N (II) •

llt.
:

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KOSTE NGÜNSTIGE R WOHNUNSBAU

SOZIA

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Bauen mit Stein


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Engagiert Euch!
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SOZIA
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+ ARCHITEKTUR ALS

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ARGE STROL Z + DIE TRICH UNTE RTRIFALLE R

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GESELL SCHAFTLICHES PROJEKT
:

I/III II/III
BAUEN MIT STEIN

IE

BERNARDO BADER
L
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D ruck ve rs
B
BARRAULT PRESSACCO E
UE S A
GNOMONE N (II) •
JOURDAN & MÜLLER STE INHAUSER
AMANDA LEVETE ARCHITEC TS
RIEMANN ARCHITEKTEN
+

ROTOR DECONSTRUCTION
PFLÜCKEN

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