Sie sind auf Seite 1von 50

Gitarre & L aute

O n l i n e
Luise Walker
Klosterbibliothek
Maria Luggau
Leo Witoszynskyj
Florilegium
Der Guitarrefreund 1907
Georg Meier:
Daisy-Marsch

Jahrgang XXIX/2007, Heft 1


Aktuelles
rund
um die Gitarre
Konrad Ragossnig
Gitarrentechnik kompakt
Grundformen der Technik • Effektives Einspielen
• Tägliches Üben
85 Seiten, broschiert
ISMN M-001-12919-0 (ED 9263)
€ 22,95

Der international renommierte Gitarrist Konrad Ragossnig hat mit diesem


Peter Päffgen Band ein Übungsprogramm entwickelt, das sowohl für gründliches Ein-
spielen als auch für das tägliche Üben geeignet ist. In 12 Kapiteln werden
Die Gitarre alle wichtigen Elemente der Gitarrentechnik systematisch behandelt.
Geschichte, Spieltechnik, Repertoire Konkrete Aufgabenstellungen und Übetipps helfen dem Studierenden und
dem ausgebildeten Musiker dabei, seine Technik effektiv und konzentriert
3., überarbeitete und ergänzte Auflage 2002
zu pflegen bzw. weiterzuentwickeln.
249 Seiten mit Notenbeispielen und
Abbildungen sowie Zeittafel,
Literaturverzeichnis und Register – gebunden Werner Neumann
mit CD
ISBN 3-7957-2355-8 (ED 8874) Die Jazzmethode für Gitarre – Solo
€ 29,95 / sFr 52,30 Skalen • Improvisation • Phrasierung
Der Autor, Herausgeber der renommierten Zeitschrift 74 Seiten, broschiert mit CD
„Gitarre & Laute“, macht die Geschichte der Gitarre, ISBN 3-7957-5352-X (ED 8427)
ihrer Musik und Spieltechnik bis zu den € 24,95
Komponisten und Virtuosen des 20. Jahrhunderts
zum Gegenstand dieses Buches. Er spannt dabei Wie funktioniert eigentlich Improvisation über wechselnde Akkorde?
einen großen historischen Bogen: Er bietet den Warum ist es wichtig, so etwas wie dorische oder mixolydische Tonleitern
Überblick über eine Entwicklung von mehr als zu kennen oder sogar spielen zu können? Welche Funktionen haben
dreitausend Jahren und zeigt die Gitarre als ein Arpeggien? Was versteht man unter Phrasierung? Anworten auf alle diese
Instrument, das die gesamte europäische und viele andere Fragen gibt Werner Neuman, laut Deutschlandfunk einer
Musikgeschichte seit ihren Anfängen begleitet der führenden Fusiongitarristen Europas, in diesem Band.
hat und dessen vielseitiges Repertoire zu
entdecken und zu beleben sich lohnt.
Rolf Tönnes
Gitarre spielen –
mein schönstes Hobby
Hugo Pinksterboer Die moderne Gitarrenschule für Jugendliche und
Pocket Info – Erwachsene

Akustische 96 Seiten, broschiert mit CD


ISBN 3-7957-5598-0 (ED 9475)
Gitarre € 19,95
• Basiswissen
Wer Gitarre spielen zu seinem Hobby machen möchte, liegt mit dieser
• Praxistipps
Schule genau richtig. Dabei ist es egal, ob es ein Neueinsteiger ist, der da
• Mini-Lexikon in die Saiten greift oder jemand, der vor vielen Jahren bereits einmal
gespielt hat und nun wieder seine Kenntnisse auffrischen möchte. Eine
136 Seiten, broschiert ausgewogene Mischung von Pop, Klassik und Folk verhindert Langeweile.
ISBN 3-7957-5126-8 Da Akkord- und Melodiespiel berücksichtigt werden, ist der Schüler
(SPL 1042) sowohl für den Abend am Lagerfeuer als auch für das Hauskonzert
€ 9,95 / sFr 18,40 gewappnet. Die praxiserprobte Methode ist sowohl für den Unterricht als
auch für das Selbststudium geeignet, wobei die beiliegende CD als
Trainingspartner dient.
Dieses Buch enthält in kurzer und prägnanter
Form alle Informationen zu Kauf, Pflege, Bau
MA_0003_02 · 12/05

und Spieltechnik der Gitarre. Knappe, gut ver-


ständliche Texte und zahlreiche Abbildungen mit
Informationen rund ums Instrument machen dieses
Buch zum idealen Nachschlagewerk für Anfänger
und Fortgeschrittene.
Liebe Leserinnen, liebe Leser
G
itarre & Laute lebt! Die Zeitschrift, tet? Mit diesem Teil des Jahrbuchs wird Ih- nicht garantieren, dass die Beiträge dann
die seit fast dreißig Jahren erscheint, nen eine „internationale Gitarren-Bibliogra- auch erscheinen, aber ich bemühe mich!
in den Jahren nach 2000 aber ge- phie“ an die Hand gegeben, die Ihnen ei- Sie sehen, ich habe mir viel vorgenom-
schwächelt hat, ist wieder da und sie sieht nen Überblick ermöglicht. men! Die neuen Möglichkeiten der Zeit-
auch noch genau so aus, wie Sie sie kennen. Das Jahrbuch Gitarre & Laute ist, das wer- schrift Gitarre & Laute gilt es zu nutzen!
Nur gedruckt wird sie nicht mehr. Gitarre & den Sie jetzt vielleicht einwenden, eine Wir haben es schließlich mit einem faszi-
Laute erscheint ab ihrem neunundzwanzigs- Rückkehr zur traditionell papierenen Zeit- nierenden Thema zu tun!
ten Jahrgang ausschließlich ONLINE. Das schrift. Vielleicht stimmt das! Aber natür- Außerdem ist natürlich einiges aufzuar-
bietet Ihnen völlig neue Möglichkeiten … lich weiß ich, dass Sie auch das Bedürfnis
beiten. Da sind Themen liegen geblieben –
die ich kurz erläutern möchte. haben, die Zeitschrift zu behalten und zu
auch Platten, Noten und Bücher. Sie werden
Die vorliegende Ausgabe von Gitarre & archivieren. Dafür liegt die CD bei. Und Sie
sehen!
Laute sehen Sie als e-Paper. Sie können die wollen die Notenausgaben nicht nur am
Seiten auf dem Bildschirm anschauen und Bildschirm betrachten, Sie wollen die Stü- Alle technischen und organisatorischen
sie können sie, wenn Sie möchten, ausdru- cke auch spielen und vielleicht an dieser Details über Abonnements finden Sie im
cken. Sie ist also komfortabel am Bildschirm oder jener Stelle einen Fingersatz hin- Internet bei http:\\shop.gitarre-und-lau-
lesbar und durchsuchbar, mit der Möglich- einschreiben. Das geht bei gedruckten No- te.de.
keit des Downloads und vieles mehr. ten – zugegeben – besser. Aber auch jetzt Wie immer wünsche ich Ihnen viel Ver-
– Sie sind nicht von der Zustellung durch können Sie schon die in Gitarre & Laute ent- gnügen mit Gitarre & Laute ONLINE
die Post abhängig, weil Sie Gitarre & Laute- haltenen Ausgaben als separate .pdf herun- Ihr
ONLINE pünktlich online geliefert bekom-
men. Sie müssen sich auch nicht mehr är-
gern, weil der Briefträger das Heft geknickt
hat, um es in den Briefkasten stecken zu
können. Und: Das neue Heft kann nicht
mehr aus dem Briefkasten geklaut werden. Peter Päffgen
– Egal, wo Sie sich auf der Welt befin-
den, Sie bekommen die neueste Nummer PS: Ach ja, noch ein Wort zu diesem Heft.
von Gitarre & Laute-ONLINE zugestellt! In jeder kommenden Ausgabe von Gitarre
– Trotz der weltweiten schnellen Zustel- & Laute-ONLINE wird Ihnen ab sofort die
lung wird Gitarre & Laute für Sie preiswer- jeweilige Ausgabe des „Guitarrefreunds“
ter als bisher. (Die ständig steigenden Por- als Reprint mitgeliefert, die hundert Jahre
tokosten werden zunehmend Fachzeitschrif-
vorher erschienen ist. Wie Gitarre & Laute
ten zu Konsequenzen zwingen).
(ONLINE) ist der „Guitarrefreund“ sechs
– Sie können die Zeitschriften nach Wör-
mal jährlich erschienen. Die Magazine er-
tern durchsuchen und sind damit sofort im
Bild, ob Ihr Thema behandelt wird oder scheinen also jetzt synchron, sozusagen
nicht! um hundert Jahre phasenverschoben. Ich
– Sie bekommen als Abonnent zwischen gehe davon aus, dass Ihnen dieses Neben-
den jeweiligen Heften noch weitere Infor- einander sehr interessante Einblicke ver-
mationen per Email zugestellt. Darin ent- mittelt.
halten sind die neuesten Termin für Wettbe- Außerdem sollen die Notenbeilagen zum
werbe, Kurse und Seminare. Damit sind die „Guitarrefreund“ mitgeliefert werden. Hier
Terminkalender von Gitarre & Laute um ein muss im Einzelfall zwar noch untersucht
Vielfaches aktueller geworden. terladen: http.//download.gitarre-und-lau- werden, ob damit urheberrechtlche Proble-
– Adressen sind direkt mit den Websites te.de! me entstehen, aber prinzipiell werden Ih-
der Anbieter verlinkt, so dass deren Infor- Liebe Freunde von Gitarre & Laute, bitte nen die Notenbeilagen mitgeliefert. Auch
mationen sofort einsehbar sind. Das garan- lassen Sie sich ein auf die neue Zeitschrift, im Jahrbuch!
tiert Ihnen noch größere Aktualität. die schon fast dreißig Jahre alt ist. Sie bie- Wenn Sie weitere Fragen zum neuen Er-
– Plattenbesprechungen werden Ihnen tet Ihnen mehr als bisher – nur anders! An- scheinungsbild von Gitarre & Laute haben
mit Hörproben verlinkt, die Ihnen einen di- ders verpackt und anders geliefert. oder zu Abo-Bedingungen etc., schauen Sie
rekten Eindruck von der jeweiligen Aufnah- Alle Veranstaltern von Wettbewerben, vielleicht zunächst ins Netz unter
me garantieren! So wird Gitarre & Laute zu Kursen und Seminaren bitte ich, uns ab so- http:\\faq.gitarre-und-laute.de. Wir bemü-
einer klingenden Musikzeitschrift. fort alle Veranstaltungen wieder rechtzeitig
hen uns, in allen Fragen behilflich zu sein,
– Und schließlich: Als Abschluss der Jahr- zu melden. Sie werden dann in Gitarre &
müssen aber, wenn es um Ihre eigene
gänge gibt es ein Gitarre & Laute-Jahrbuch, Laute ONLINE erscheinen und zwischen-
Computer-Konstellation geht, passen. Da-
damit Sie etwas ins Bücherregal stellen kön- durch in Newsletters, die an Abonnenten
verschickt werden, und in denen haupt- für können wir uns nicht zuständig erklä-
nen. Darin enthalten ist eine CD mit allen
sächlich aktuelle Termin mitgeteilt werden. ren. Gitarre & Laute-ONLINE wird als .pdf
Ausgaben des Jahrgangs als pdf, weiter die
in den Heften enthaltenen Notenausgaben Ihre Dates schicken Sie bitte an: dates@gi- und als ePaper nach allen Regeln der Kunst
in gedruckter Form und: Die Jahrbücher tarre-und-laute.de. Und dann wäre ich Ih- funktionierend ausgeliefert und sollte auf
werden jeweils eine Art Jahresrückblick ent- nen für Leserbriefe dankbar: leserbriefe@gi- allen Rechnern, die den Mindestanforde-
halten. Welche Neuerscheinungen hat es wo tarre-und-laute.de. rungen entsprechen, zu lesen sein. Wenn
gegeben? Wer hat wann wo einen Wettbe- Und wenn Sie Veranstalter sind, schicken trotzdem Probleme auftreten, können die
werb gewonnen? Welches Festival ist neu Sie uns doch Berichte über Ihre Events – nur mit Ihrem Rechner oder ihrer Internet-
gestartet worden? Und: Was haben die In- mit digitalen Fotos in möglichst hoher Auf- verbindung in Zusammenhang stehen …
ternationalen Gitarrenzeitschriften berich- lösung als .tif oder .jgp. Ich kann Ihnen und für die sind wir nicht zuständig. ■
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 3
… was ich noch sagen wollte …
hier werde ich Ihnen in lockerer Form Richard Jacoby (Hrsg.), Musikstudium dium in Deutschland“, das jetzt in fünf-
Bemerkungen mit auf den Weg geben, in Deutschland 2007: Musik – Musiker- zehnter Auflage vorliegt. Geliefert werden
von denen ich glaube, sie wären von ziehung – Musikwissenschaft, Mainz sämtliche Adressdaten inklusive Email und
allgemeinem Interesse. Es wird sich dabei 2006 [Schott ED 8717] Preis: € 14,95 Homepage, dazu die angebotenen Studi-
wie heute um Bemerkungen übwer neu er- engänge und die Namen der jeweiligen
schienene Bücher drehen oder um neue Deutscher Musikrat (Hrsg.), Musik-Al-
Dozenten. Es folgen die Anschriften von
CDs, die vielleicht auch mit der Gitarre manach 2007/2008, Regensburg 2006
Musikorganisationen und Musikinstitutio-
oder der Laute überhaupt nichts zu tun [ConBrioCB1177] Preis: € 49,95
nen von der „Akademie Remscheid für
haben. Oder vielleicht gilt es auch, einen Ausbildung, Studium, Examina … vieles musische Bildung und Medienerziehung“
Geburtstag zu feiern oder aus anderem hat sich in den letzten Jahren bewegt, bis zur „Werkgemeinschaft Musik e.V.“ in
Grund an einen Großen unserer Zunft zu vieles ist grundsätzlich verändert, anderes Düsseldorf.
erinnern. Sollte ich Sie langweilen oder ergänzt und erweitert worden. Richtlinien Das Buch „Musikstudium in Deutschland“
sollten Sie Vorschläge machen wollen, der Europäischen Gemeinschaft sind einer- ist unentbehrlich für alle, die in Deutsch-
schreiben Sie doch einfach an: seits dafür verantwortlich, andererseits land Musik studieren oder studieren wol-
mailto:peter.paeffen@MusiCologne.eu die über uns hinweggetobte Revolution len. Professor Dr. Richard Jacoby, der He-
Von Peter Päffgen im Bereich Medien. Studiengänge sind in rausgeber, ist als Ehrenpräsident des
den letzten Jahren an Hochschulen etab- Deutschen Musikrats auch mit-verant-
liert worden, die man sich vor zwanzig wortlich für das zweite Nachschlagewerk,
Jahren nicht hätte vorstellen können. An- um das hier geht, für den Musik-Alma-
dere, wie die Musikwissenschaft, die man nach 2007, der mit seinen rund 1.500 Sei-
traditionell als universitäres Fach anzuse- ten rund zehn mal so umfangreich ist, wie
hen gewohnt war, wird mittlerweile mit der Studienführer bei Schott. „Daten und
allen Abschlussmöglichkeiten auch an Mu- Fakten zum Musikleben in Deutschland“
sikhochschulen gelehrt. „Die neuen Studi- verspricht der Untertitel: „Der MUSIK-AL-
engänge werden im Zuge europäischer MANACH ist das zentrale Nachschlage-
Angleichungen bisherige Studiengänge werk zum Musikleben in Deutschland. Er
und -ordnungen und die entsprechenden enthält detaillierte Informationen zu Tä-
Studienabschlüsse ablösen“ [Jacoby, S. 9] tigkeiten, Arbeitsergebnissen und Lei-
Dieser Strukturwandel, dessen Ziel eine tungsstrukturen von über 10.000 Einrich-
leichtere Vergleichbarkeit von Studienab- tungen aus allen Bereichen der Musikkul-
schlüssen und den daraus resultierenden tur. Ergänzt wird der lexikalische Teil
Qualifikationen innerhalb Europas ist, durch statistisches Material und Aufsätze
stellt Studienanfänger zunächst vor Pro- namhafter Autoren, deren Themenspek-
bleme – vor allem in Deutschland, wo das trum vom Laienmusizieren über Fragen
föderalistische System zudem zu einer der musikalischen Bildung bis zur Musik-
„enormen Heterogenität“ führt. Bildung wirtschaft und Musik im Internet reicht.“
ist in Deutschland Ländersache und so wa-
Man bekommt zunächst Statistiken, Ein-
ren hier schon vor der Unterzeichnung der
schätzungen und Fakten geliefert, die
„Bologna-Erklärung“ von 1999, in der es
mehr als interessante Einblicke erlauben.
um die Schaffung eines europäischen
Über die Anzahl an Studierenden zum Bei-
Hochschulraumes mit vergleichbaren Stu-
diengängen und Examina geht, von einem
Bundesland zum anderen wesentliche Un-
terschiede im Schul- und Hochschulwesen
zu verzeichnen. Beispiel: Vor Jahren wur-
den bundesweit alle Pädagogischen Hoch-
schulen in Universitäten oder Gesamt-
hochschulen umgewandelt bzw. in solche
integriert … nur nicht in Baden-Württem-
berg und Schleswig-Holstein. Gesamt-
hochschulen gibt es nur in Nordrhein-
Westfalen und Hessen. Sie „schließen ver-
schiedene Ausbildungseinrichtungen (wie
Pädagogische Hochschule, Universität und
Musikhochschule) zu einem Verbund zu-
sammen“. Musik und Musikwissenschaft
kann man in Deutschland an Universitäten
und Musikhochschulen studieren … außer-
dem an einigen Technischen Hochschulen
bzw. Universitäten und an einigen Theolo-
gischen Hochschulen.
Durch das Labyrinth deutscher Musik-Aus-
bildungsstätten führt das Buch „Musikstu-
4 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
spiel an deutsche Hochschulen: Knapp VDM angeschlossen sind, dem Verband
zwei Millionen Studenten hat es im Win- Deutscher Musikverlage … „sowie weitere
tersemester 2004/2005 insgesamt in Unternehmen […], die Musikbücher, No-
Deutschland gegeben, davon waren für ten und zum Teil auch Tonträger publizie-
„musikalische Berufe“ eingeschrieben ren“.
rund 25.000, davon 57% Frauen und 28% Ganz schwierig wird die Auswahl bei den
Ausländer. Bei den Studiengängen Kompo- „praktischern Musikern“: „Aus dem Inter-
sition und Instrumentalmusik/Orchester- pretenbereich werden nur professionelle
musik (insgesamt über 8.000 Eingeschrie- Ensembles – Orchester, Musiktheater,
bene) liegt der Anteil ausländischer Stu- Chöre, Militärensembles u.a. – dargestellt,
denten erwartungsgemäß viel höher: über soweit sie institutionalisiert oder an In-
50 Prozent. Genauer aufgeschlüsselt sind stitutionen gebunden sind, nicht aber So-
diese Zahlen leider nicht – den dramati- listen, Kammermusikensembles, Jazz-En-
schen Verfall der Studentenzahlen für das sembles, Laienchöre oder –orchester etc.
Fach Gitarre, von dem allgemein berichtet Auch Komponisten oder Musikbearbeiter
wird, sieht man nicht. Das Statistische können nicht aufgenommen werden.“
Bundesamt in Wiesbaden, welches das Ganz klar: Die Berufsbezeichnungen Kom-
Zahlenmaterial geliefert hat, kann auch ponist oder Bearbeiter sind nicht ge-
nicht mit feiner aufgeschlüsselten Daten schützt. Jeder kann sich so nennen – das
aufwarten – nicht einmal die Statistischen Gleiche gilt beispielsweise für die „Beru-
Landesämter haben da Material vorliegen. fe“ Publizist oder Autor. Im Gegensatz
Der Hauptteil des Almanach, „Organisa- die Handwerksberufe: Sie können noch so
tionen und Einrichtungen im deutschen gut Fliesen legen können, Fliesenleger liefert, die der Almanach nicht bereithält:
Musikleben“, besteht aus rund 1.100 Sei- dürfen Sie sich erst nennen, wenn Sie die die Namen der jeweiligen Professoren und
ten, beginnend mit staatlichen Einrichtun- nötige Lehre durchgemacht haben und die Dozenten zum Beispiel. Der Almanach ver-
gen wie dem Bundespräsidialamt und dem entsprechenden Prüfungen. Das sind frei- rät Ihnen nicht, dass in Weimar am „In-
„Beauftragten des Bundestags für Kultur lich uralte Stände- und Zunftregeln und stitut für Gitarre“ vier hauptamtliche Do-
und Medien“ über die im Bundestag ver- sie scheinen auch nicht mehr wirklich in zenten für das Fach Gitarre zur Verfügung
tretenen Parteien und die kulturpoliti- unsere Zeit zu passen, aber sie haben ihre stehen: Müller-Pering, J. Rost, M. Rost,
schen Gremien auf Landesebene hin zu Vorzüge. Wenn Sie in den Gelben Seiten Spannhof.
den Kulturämtern der Städte und Gemein- einen Fliesenleger suchen und finden,
Und was ist mit Studiengebühren? Im Stu-
den. Es folgt der große Bereich „Musikun- dann suchen Sie natürlich einen, der aner-
dienführer „Musikstudium in Deutsch-
terricht, Ausbildung, Fortbildung“ mit kannterweise sein Handwerk versteht.
land“ steht: „Studiengebühren wurden in-
sämtlichen Hochschulen, Konservatorien, Nun ja: Der Musik-Almanach ist eine un- zwischen in einigen Bundesländern schon
Musikschulen und auch den „Allgemein entbehrliche Informationsquelle, wenn eingeführt, in anderen sind sie per Gesetz
bildenden Schulen mit Schwerpunkt Mu- man sich mit der Musikbranche Deutsch- bereits vorbereitet.“ Knapp! Die angehen-
sik“. Alle Rundfunkanstalten sind vertre- lands befasst. Aber: Ist nicht ein gedruck- den Studenten müssen sich wohl an die je-
ten, Konzertdirektionen, Musikverlage, tes Buch dieser Art heute ein Anachronis- weiligen Hochschulen wenden um heraus-
Instrumentenbauer, Musikgeschäfte usw. mus? Ist nicht der Almanach bei Druckfer-
zufinden, was sie pro Semester zu zahlen
usw. Jeder, der mit Musik seinen Lebens- tigstellung schon überholt? Es gibt die
haben … vielleicht wäre es angebracht ge-
unterhalt bestreitet, ist im Musik-Alma- Datenbank auch im Internet:
wesen, in dem ansonsten so informativen
nach vertreten … jeder? www.MIZ.org (MIZ=Deutsches Musikin-
Buch wenigstens den finanziellen Rahmen
Nun, ein so umfassendes Nachschlagewerk formationszentrum) und da können alle
zu beschreiben, mit dem zu rechnen ist.
wie der Musik-Almanach muss klare Richt- Daten ständig aktualisiert werden – nicht
linien dafür zugrunde legen, warum die aber in einem Buch, das alle drei bis vier Noch eine Bemerkung zum Thema Inter-
eine Einrichtung aufgenommen wird, eine Jahre neu aufgelegt wird. „Nicht zuletzt nationalisierung und Europa. Auch wenn
andere aber nicht. Im Vorwort heißt es: stellt der Musik-Almanach als Nachschla- der Almanach einen Teil „Organisationen
„Aufgeführt werden deshalb vorrangig in- gewerk und generell greifbares Informati- und Einrichtungen des Musiklebens in
stitutionalisierte Einrichtungen, Organisa- onsmedium ein Arbeitsinstrument für all Europa“ enthält, sind und bleiben beide
tionen, Verbände, Ausbildungsstätten jene dar, die die Buchform bevorzugen Bücher solche, die sich nur mit dem deut-
und dergleichen“ … Ergebnis dieser Aus- oder zumindest temporär über keinen In- schen Musikleben befassen. Es gibt einen
wahl ist, dass beispielsweise in den Gel- ternetzugang verfügen“. Aha! Aber geben Europäischen Musikrat in Bonn und es gibt
ben Seiten von Köln rund fünfzig Musik- die dann auch fünfzig Euro dafür aus? in den Mitgliedsstaaten vergleichbare Or-
schulen vertreten sind, im Almanach eine, Mich würde nicht wundern, wenn dieser ganisationen, deren Anschriften und sons-
die im VdM (Verband Deutscher Musik- Musik-Almanach 2007 die letzte Ausgabe tige Koordinaten im Almanach zu finden
schulen) organisiert ist und fünf „sonsti- in gedruckter Form bliebe! sind, auch die der uropäischen Nicht-EU-
ge“. Neben dem BdM gibt es noch den Zwei Bücher sind hier neu herausgekom- Staaten wie beispielsweise der Schweiz.
„BDPM“, den Bundesverband Deutscher men, die ähnliches anbieten: Adressen aus Trotzdem, wir machen uns bekannt mit
Privatmusikschulen – aber die Gelben Sei- dem deutschen Musikleben. „Musikstudi- Gepflogenheitern unserer Nachbarn, was
ten verzeichnen weit mehr, als in beiden um in Deutschland“ ist allerdings für seine Abschlüsse und Studiengänge angeht …
Verbänden zusammen gemeldet sind. Eben Adressaten, Musikstudenten und solche, wäre da nicht auch eine Europäisierung
die nicht institutionalisierten! An Musik- die es werden wollen, weitaus besser ge- des Telefonbuchs vonnöten gewesen?
verlagen werden die erwähnt, die dem eignet. Für sie werden Informationen ge- ■
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 5
6 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Gitarre & Laute
ONLINE
XXIX/2007, Heft 1

Inhalt

Editorial
3
… was ich noch sagen wollte …
4
Heute muss man aggressiv spielen, das ist wichtig geworden …
Interview mit Luise Walker ...
Das Gespräch führte Norman Merems im Februar 1995 in Wien
8
NAXOS feierte Geburtstag
13
Vor hundert Jahren:
Der Guitarrefreund VIII/1907/Nº 1
14
Musikbeilage „Der Guitarrefreund“/G&L-Edition:
Georg Meier:
Daisy-Marsch
23
Florilegium: Neue Platten mit Alter Musik
27
Franz M. Weiss (OSM)
Verzeichnis der Drucke mit Gitarrenmusik
in der Provinzbibliothek des Servitenklosters Maria Luggau
33
Peter Päffgen
Neue Bücher
37
Leo Witoszynskyj
Vom Umgang mit Konflikten
41
Dates
45
Kleinanzeigen
48
Vorschau auf Heft 2
50

Impressum: Verlag: MusiCologne Ltd., London (GB). Niederlassung Köln: MusiCologne Ltd., Siels-
dorfer Straße 1a, 50 935 Köln (Postanschrift: Redaktion Gitarre & Laute, Postfach 410 411, D-50 864
Köln), Telefon: ++49-221-346 16 23, FAX: ++49-1803-5 51 84 30 17
Internet: www.MusiCologne.eu, Kleinanzeigen: www.VerkaufeGitarre.de und www.gitarre-und-
laute.de. Email: info@MusiCologne.eu (weitere Email-Adressen sind im redaktionellen Zusammenhang
veröffentlicht).
Erscheinungsweise: sechsmal jährlich, am Anfang der geraden Monate (Januar, März, Mai ...). Er-
scheinungsweise im Jahr 2007: 1. Juli 2007, danach jeweils am Anfang jedes Monats bis Dezember
2007. Kündigungsfrist: sechs Wochen vor Ablauf der Bezugsfrist, Preis: Einzelheft EUR 4,00, Abon-
nement für ein Jahr (sechs Ausgaben) 22,00 EUR . Chefredakteur: Dr. Peter Päffgen. Gültige Anzei-
genpreisliste: Nr. 13. Die namentlich gekennzeichneten Beiträge in dieser Zeitschrift entsprechen nicht
unbedingt der Meinung der Redaktion. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt
der Verlag keine Haftung. Terminangaben, insbesondere in der Rubrik „Dates“ erfolgen prinzipiell
ohne Gewähr. © Nachdruck in jedweder Form und allen Medien, auch auszugsweise, nur mit schriftli-
cher Genehmigung des Verlags. Aboverwaltung: Verlag, Niederlassung Köln. [abo@gitarre-und-
laute.de], Bildnachweis für vorliegende Ausgabe: Seiten 1 und 8: Brigitte Zaczek, Wien, alle anderen:
Autoren oder Bildarchiv Gitarre & Laute, Köln

Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 7


Heute muss
man aggressiv
spielen,
das ist wichtig
geworden ...
Interview mit Luise Walker
Das Gespräch führte Norman Merems
im Februar 1995 in Wien

8 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1


Norman Merems: Sehr geehrte Frau Pro- Luise Walker: Na, das war schon vor dem spanischen Instrumente das Feinste war, was
fessor Walker, als Sie in den späten zwanzi- Krieg. Da kam ja dann auch Segovia mit ver- man sich wünschen konnte. Dann kamen die
ger Jahren und in den dreißiger Jahren in das schiedenen neuen Komponisten. Aber auch aggressiven Gitarren mit großem Corpus ...
Konzertleben verwickelt wurden, wie war da er hat viel Albéniz und Granados gespielt. Ramírez und andere. Jetzt habe ich gehört,
die Reaktion des Publikums auf die Musik Eigentlich ist der große Wandel erst in den dass man wieder zurückkommt zum vorneh-
und auf das Instrument? letzten zwanzig Jahren eingetreten. men Klang. Das Aggressive ist nicht mehr so
Luise Walker: Die Leute waren sehr begei- Aber es hat auch vor dem Krieg schon Ten- „in“.
stert, weil sie die Gitarre nicht gekannt ha- denzen gegeben, neue Musik zu spielen. Uhl Norman Merems: Sie haben so viele Stü-
ben. Das war damals ein ganz unbekanntes hat bei uns komponiert und Kaufmann ... es cke gespielt ... was halten Sie für die „Musik
Instrument. war nicht mehr in den Kinderschuhen. des 20. Jahrhunderts“?
Norman Merems: Die Menschen kamen al- Norman Merems: Und wie war die Aus- Luise Walker: Ich weiß nicht, wie Sie das
so aus Neugierde? stattung mit Zubehör? Zum Beispiel Saiten? meinen!
Luise Walker: Ja, das kann man sagen. Und Luise Walker: Das war alles sehr sehr Norman Merems: Haben Sie Komponisten
den Leuten hat es sehr gefallen, weil sie die schwierig. Ich habe noch auf Darmsaiten ge- gehabt, die Sie sehr gerne gespielt haben
Gitarre nur als Begleitinstrument kannten. spielt, und die haben immer gefranst. Da, und andere, die Sie vielleicht nicht gemocht
Als Begleitinstrument für den Liedgesang. wo man angeschlagen hat und auch an der haben?
Ich selbst bin auch immer wieder gefragt anderen Seite, also da, wo man gegriffen Luise Walker: Nein, habe ich nicht gehabt.
worden, ob ich denn nicht singe, aber damit hat. Die Basssaiten bestanden aus umwickel- Ich habe alte Musik geliebt und neuere, da
konnte ich nicht dienen. Ich war damals be- ter Seide. Heute nimmt man Nylon und da- möchte ich mich nicht festlegen. Persönlich
leidigt, wenn man mich fragten, was ich mals wurde Seide umwickelt. Die waren viel bin ich natürlich auf impressionistische Mu-
denn singe. besser, als die Diskantsaiten. Darmbässe hat- sik eingestellt.
Norman Merems: Gab es denn damals vie- te es auch gegeben, aber die habe ich nie- Norman Merems: Aber welcher der im-
le Konzerte von Gitarristen? mals gespielt. Gott sei dank! Das muss pressionistischen Komponisten hat für Gitar-
Luise Walker: Nein, überhaupt nicht. Es furchtbar gewesen sein. re komponiert?
gab nichts. Dies war die erste Stunde der Gi- Aber die Saiten mit Seidenkern sind oft ge- Luise Walker: Wissen Sie, ich bin eigentlich
tarre als Konzertinstrument. Zumindest hier rissen. Die D-Saite hat sich immerzu verab- ein sehr emotional beeindruckter Mensch.
in Österreich und auch in Deutschland. schiedet. Das rein Intellektuelle ist nicht mein Ding.
Norman Merems: Und was hat man da- Norman Merems: Sie spielen also viel lie- Norman Merems: In Ihrer Ausgabe der
mals gespielt? ber auf Nylonsaiten! Coste-Etüden stehen Metronomangaben.
Luise Walker: Damals hat man als Schule Luise Walker: Das kann man sagen. Aber Stammen die von Ihnen?
die Scherrer-Schule durchgearbeitet – jeden- der Klang der Melodiesaiten war sicher sehr Luise Walker: Wahrscheinlich!
falls war das bei mir so. Ich habe bei Dr. weich und schön. Ich kann mich nicht mehr Norman Merems: Interessant in diesem
Zuth die Scherrer-Schule durchgenommen, wirklich erinnern. Verglichen mit unseren Zusammenhang ist die berühmte E-Dur-Etü-
Heft 1-10. Danach kam die obligatorische Ca- heutigen Gewohnheiten könnten wir aber de N° 23. Miguel Llobet hat zwei Aufnahmen
rulli-Schule. Die musste jeder machen, der trotzdem mit den Darmsaiten nichts mehr davon gemacht und eine der beiden ist in
sich mit der Gitarre beschäftigen wollte. Da- anfangen. Heute muss man aggressiv spie- der Stimmung irgendwo zwischen a und ais
nach kam die Heinrich-Albert-Schule und da- len, das ist wichtig geworden, und das hat und die andere ist ein wenig tiefer. Das Tem-
mit wurde die Sache dann seriös. man damals überhaupt nicht gekannt und po ist bei beiden zwischen Viertel= 160 und
Norman Merems: Und was spielte man gekonnt. Aggressiv spielen zu können ist in 164. Sehr schnell!
nach den Unterrichtswerken? der heutigen Zeit wichtig geworden. Luise Walker: Ich weiß nicht, ob der Ton-
Luise Walker: Na ja, dann kamen Sachen, Norman Merems: Alle alten Schallplatten- techniker da noch ein wenig nachgeholfen
die man heute nicht mehr spielt und die aufnahmen stammen aus dieser Zeit, die von hat. Keine Ahnung! Aber er hat das enorm
auch gar nicht mehr zu haben sind. Das wa- Ihnen selbst und von Llobet und Segovia ... rasant und einmalig gespielt, das ist klar!
ren Dinge aus kleinen Sammlungen ... das Luise Walker: Aber bei Aufnahmen hat das Ich selbst spiele es etwas langsamer, aber
ist eigentlich alles verschwunden und ich keine so große Rolle gespielt. Da konnten nicht, weil ich es nicht gekonnt hätte, son-
kann es auch im Detail nicht mehr sagen. die Techniker kleine Unzulänglichkeiten aus- dern weil es mir damals schon nicht so sehr
Norman Merems: Gab es denn Musik von gleichen. Außerdem waren mir die Unter- gefallen hat. Ich hatte eigentlich recht flinke
Sor? schiede nicht so bewusst, weil ich die Unter- Finger.
Luise Walker: Sor, das kam viel später. Sor schiede nicht gekannt habe. Norman Merems: Noch eine Frage bezüg-
kam mit Llobet ... mehr oder weniger. Mit Norman Merems: Was hat sich denn zwi- lich Llobet. Wie hat er es mir den Fingernä-
ihm habe ich auch solche Stücke erst durch- schen damals und jetzt im Instrumentenbau geln gehalten?
genommen. Da habe ich auch von der Exis- verändert? Sie haben ja auf verschiedenen Luise Walker: Aber mein lieber Freund, das
tenz dieser Stücke erst erfahren. Meisterinstrumenten gespielt. Hatten Sie ein ist doch alles überholt! Da haben früher
Norman Merems: Was hat denn Llobet ge- Lieblingsinstrument? Kämpfe stattgefunden, da sind Feindschaften
spielt, als er hier Konzerte gegeben hat? Luise Walker: Ich habe alle meine Instru- entstanden zwischen denen, die mit und de-
Luise Walker: Miguel Llobet hat Sor ge- mente geliebt. nen, die ohne Nägel spielten. Das ist heute
spielt und Moreno Torroba und dann das Norman Merems: Aber es muss doch eine nicht mehr interessant.
Hommage à Debussy von Manuel de Falla. Favoritin gegeben haben. Norman Merems: Hat es auch Kämpfe ge-
Und Tárrega hat er natürlich gespielt und Al- Luise Walker: Nein, hat es nicht. Die Koh- geben über die Frage apoyando oder nicht?
béniz, Granados. Die Programme waren ganz no habe ich im Moment sehr gern. Die Ramí- Luise Walker: Diese Kämpfe finden heute
anders, als man sie heute kennt. Es wurden rez ist vielleicht etwas aggressiv. Die edelste statt. Das ist ganz modern. Es ist auch „in“,
hauptsächlich kleine Sachen gespielt und Gitarre ist die Hernández. Die vornehmste. den Fuß verkehrt auf den Schemel zu stellen
keine Sonaten oder zyklische Dinge. Das Zusammen mit meinem Vater ist die Hauser- ... alles ganz modern. Manches ist sehr skur-
Gleiche gilt auch für Liedersänger. Die haben Gitarre und die Hernández angeschafft wor- ril, aber bitteschön: Jedem das seine! Wenn
Lieder gesungen, die man heute überhaupt den. Alle anderen sind jünger. jemand die Gitarre an den Kopf hält und
nicht mehr singt. Und eben viele kleinere Norman Merems: Wenn Sie jetzt Konzerte dann schön spielt, habe ich auch nichts da-
Piècen. spielen, welche Gitarre wählen Sie da? gegen.
Norman Merems: Wann haben sich denn Luise Walker: Meistens die Kohno. Die hat Norman Merems: Sie haben 1940 ange-
die Konzerte und die Programme wesentlich einen sehr angenehmen Klang und trägt sehr fangen, an der Hochschule zu unterrichten.
geändert? War das erst nach dem Krieg? gut. Früher war es ja so, dass der Klang der Wann haben Sie aufgehört?
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 9
Luise Walker: Das war 1985.
Diskographie Bravourstücke müssen ganz besonders er- Norman Merems: Als Sie anfingen, gab es
Luise Walker folgreich gewesen sein. Die auf dem
Markt befindlichen historischen Aufnah-
da viele Schüler? Und woran waren die Stu-
denten interessiert?
men von Barrios und auch Llobet (von Luise Walker: Schauen Sie, ich habe die
seiner Einspielung der Coste-Etüde N 23 Klasse von Professor Ortner übernommen.
m Ida Presti and Luise Walker: Les gran- ist im Interview die Rede) belegen, dass Angefangen habe ich mit vier Schülern. Ich
des dames de la guitare, Werke von Virtuoses damals außerordentlich populär habe die Klasse wieder neu aufbauen müs-
Friessnegg, Chopin, Schumann, Brahms, war und dass Spitzengeschwindigkeiten sen.
Schubert, Weber, Coste, Paganini, Legna- keine Erfindung unserer Zeit sind, wie so Damals kam die Pujol-Schule auf, aber ich
ni, Dominici, Fumic, Llobet, u.a., Aufnah- gerne von Kulturkritikern behauptet wird. habe eigentlich lieber individuellen Unter-
men zwischen 1932 und 1942, Pearl Re- Die Coste-Etüde Nº 23 hat Luise Walker richt gemacht. Meine Coste-Etüden wurden
cords [in Deutschland bei Helikon; übrigens auch eingespielt. Auch atembe- gespielt und Carcassi op. 60. Diese Traditio-
www.harmoniamundi.com], GEMM CD raubend schnell! nen sind ja zum Glück in der Zwischenzeit
9133 Um noch einmal auf die japanische Doku- nicht aufgegeben worden. Das wird alles
m Luise Walker: Historische und Live-Auf- mentation zurück zu kommen. Hier ist heute noch gespielt.
nahmen, Werke von Friessnegg, Chopin, offenbar, um das Ganze schließlich zu ei- Norman Merems: Was halten Sie denn
Tárrega/Roch, Dominici, Arthur Johann nem vernünftigen Preis auf den Markt zum Beispiel von den Progressive Studies
Scholz, Sor, Moreno Torroba, Coste, Wal- bringen zu können, auf StudioAufwand von Stephen Dodgson und Hector Quine.
ker, Uhl und Armin Kaufmann, Aufge- jeglicher Art verzichtet worden. Speziell Luise Walker: Dazu kann und möchte ich
nommen vor 1945 und (Kaufmann) 1989, die Aufnahmen mit Orchester sind zum hier nichts sagen! Ich habe im Laufe meines
Musikverlag Canticum 1 Teil kaum anzuhören schlecht (mit Aus- Berufslebens so viel Musik und Material in
m Luise Walker: Essence, Guitar Concerts mich aufgesogen, dass ich jetzt nicht mehr
& Guitar Solo 1953-1996, Werke von Ma- nach Neuem suche. Es ist genug!
tiegka, Sor, Llobet, Rodrigo u.a., 4 CD, Norman Merems: Haben Sie eine be-
Dreamlife [www.dreamlife.co.jp] stimmte Relation zwischen technischem und
DMCD 1-4 musikalischem Üben als empfehlenswert
empfunden?
Luise Walkers Repertoire bestand, das er- Luise Walker: Was heißt technisches und
geben die heute noch im Handel befindli- musikalisches Üben? Ich verstehe Ihre Frage
chen CD-Remakes, nur zum Teil aus Stan- nicht! Jedes Üben schließt doch immer bei-
dards, die heute noch gespielt werden. des ein!
Der andere Teil waren zum Teil Stücke ös- Norman Merems: Heute lernen Schüler oft
terreichischer Komponisten wie Armin Tonleitern und solche Dinge ...
Kaufmann, Karl Friessnegg oder Alfred Luise Walker: Aber das war doch immer so
Uhl, zu einem anderen Entdeckungen, und wird immer so bleiben. Und trotzdem
welche die Musikerin im internationalen gehen technisches und musikalisches Üben
parallel.
Repertoire gemacht hat. Das Concertino
für Gitarre und Orchester von Guido San- nahme des Giuliani-Konzerts op. 30 mit Norman Merems: Was haben die Schüler
dem Tokyo Symphony Orchestra). Schade! damals bei Klassenabenden gespielt?
tórsola zum Beispiel ist ein relativ selten
gespieltes Werk – es befindet sich in der Pegelunterschiede sind nicht ausgeglichen Luise Walker: Das, was Sie heute auch
worden, Rauschen nicht unterdrückt und spielen. Na ja, Piazzolla haben Sie nicht ge-
Walker-Sammlung der japanischen Plat-
Geräusche von offenbaren Kratzern auf spielt, aber es hat sich nicht viel verändert.
tengesellschaft Dreamlife, auch die Ro-
manchen Vorlagen nicht korrigiert. Natür- Es gibt halt so genannte Zugpferde, die im-
manze für Gitarre und Orchester von Sal- mer wieder vorkommen und gerne gespielt
vatore Bacarisse. lich bleibt es trotzdem eine wertvolle Do-
kumentation der Kunst von Luise Walker. werden.
Aber bei aller Wertschätzung der großen,
vier CDs umfassenden Edition – ich finde Rund vier Stunden Musik! Norman Merems: Sie haben ja sehr viele
Die romantische Seite von Luise Walkers Konzerte gehört und sehr viele Schüler ge-
die Einzel-CDs mit den frühen Aufnah- habt. Wie, würden Sie sagen, hat sich das
men von vor dem zweiten Weltkrieg inte- Spiel findet man, wie schon angemerkt,
eher in den frühen Aufnahmen. Im Ständ- Spiel verändert. Das meine ich nicht einmal
ressanter. Interessanter wegen des darge- nur auf die Gitarre bezogen, sondern über-
botenen Repertoires und auch wegen der chen von Schubert zum Beispiel hat sie
nichts ausgelassen, auch nicht in der haupt.
Spielweise. Und sie hat anders gespielt,
Träumerei von Schumann. Da werden Luise Walker: Das ist eine schwierige Fra-
die jugendliche Walker! Sie hatte einen ge! Ich habe viele der großen Geiger, Pianis-
Hang zum Virtuosen einerseits und zum auch spieltechnisch alle Register gezogen.
Die historischen Aufnahmen von Luise ten, Cellisten etc. gehört und die sind ei-
Überromantischen andererseits. gentlich jetzt alle verschwunden. Was nach-
Beispiele: Gleich die eröffnenden Variatio- Walker sind, ich darf es noch einmal sa-
gen, sehr hörenswert. Und notabene! Die kommt ist, das muss ich ehrlich sagen, zu
nen über Schuberts „Forelle“ von Karl sehr technisch interessiert. Das Musikalische
Dame würde in ein paar Jahren einhun-
Friessnegg (sie stehen bei Heinrichshofen tritt etwas in den Hintergrund. Bei den Gitar-
dert Jahre alt. Sie gehörte zur Elite der
im Katalog) sind ein spieltechnisches Feu- risten ist das sehr zu beobachten. Schnell,
Musiker und Musikerinnen, durch die die
erwerk und werden auf dieser CD nur schneller und noch schneller. Wer wird zuerst
Gitarre in Europa wieder etabliert worden
noch vom „Jota Aragonesa“ von Tárrega fertig? Gitarristen sind Sportler geworden.
ist. Und ihr Spiel war in den frühen Jah-
überboten, der sich dazu noch durch lee- Gitarresportler. Für Sportler habe ich nichts
ren eher bewegt von einem gewissen Ro-
res Geklapper auszeichnet und schließ- übrig.
mantizismus, der das 19. Jahrhundert be-
lich, das zu Tárregas Ehrenrettung!, gar Die musikalische Sprache war früher ent-
herrscht hatte.
nicht von ihm stammt. Aber in einer Zeit, schieden intensiver, und das ist auch auf an-
als man die Gitarre als Konzertinstrument PPn
deren Instrumenten zu beobachten. Ich habe
überhaupt nicht kannte, war das Publi- nie etwas gegen Virtuosität gehabt und habe
kum für fast alles dankbar und gerade ja selbst solche Sachen gemacht. Aber heute
wird das übertrieben.
10 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Und dann werden immer abenteuerlichere
Transkriptionen gemacht und gespielt. Ich
meine, vielleicht ist das schon wieder vor- Betrachtungen zur Interpretation
bei, aber eine Zeit lang war das zu beobach-
ten. Da sind große Orchesterwerke für Gitar-
Von Luise Walker
re transkribiert worden und ich habe keine
Ahnung warum! Das ist gegen die Gitarre!
Norman Merems: Aber Sie haben im Prin- Über musikalischen Stil, Rhythmus, Dynamik, Phrasierung, musikästhetische Kompo-
zip nichts gegen Transkriptionen? Zum Bei- nenten usw. ist schon viel gesagt und vielleicht noch mehr geschrieben worden. Trotz-
spiel Klaviermusik ... dem möchte ich hier – speziell für den Gitarristen – aus meinen eigenen praktischen
Luise Walker: ... na ja, die sind ja hervorra- Erfahrungen Anregungen geben, damit er sich im „Dschungel“ der allgemein gehalte-
gend gemacht. Tárrega hat viele Transkrip- nen Ratschläge leichter zurechtfinden kann.
tionen gemacht, aber mir wäre lieber gewe- Ich selbst habe über musikalische Belange zahlreiche Bücher gelesen und versucht, sie
sen, er hätte mehr originale Gitarrenstücke zu verarbeiten. Durch meine persönliche Praxis bin ich zu Überzeugungen gekommen,
gemacht. Und da hat er Opernparaphrasen die ich gerne weitergeben möchte.
und solche Sachen geschrieben. Aber so war Natürlich kann es sich hier nur um einige Details handeln, denn „Interpretation“ ist
eben der Geschmack der Zeit. ein schier unerschöpfliches Thema, über das nachzusinnen sich immer wieder lohnt. In
Norman Merems: Glauben Sie denn, dass ihrem Urgrund ist Musik etwas absolut Transzendentales, das uns an sonst Unbe-
sich die Tendenz wieder ändern wird, dass wältigtes heranführt.
wieder die Zeit kommt, wo man sich mehr Jedenfalls bietet musiktheoretisches Wissen und fundiertes praktisches Können,
mit der Musik befasst und nicht mehr so gepaart mit der Gabe der Intuition, einen fruchtbaren Ausgangspunkt für eine be-
sehr mit der Spieltechnik? friedigende Interpretation von Werken verschiedensten Stils, wobei freilich die Mein-
Luise Walker: Ja, das glaube ich. Es wird ungen oft stark auseinandergehen, manchmal sogar ganz empfindlich divergieren.
noch eine Zeit dauern, aber es wird kommen. Aber vielleicht ist das gerade das Interessante daran; man wird aufgefordert, sich mit
Man wird wieder zurückkommen. Musik ist einer Sache auseinanderzusetzen, über sie gründlich nachzudenken.
eine Sprache, eine Sprache des Herzens. Und Vorausgesetzt, der Musiker hat sich vorerst einmal mit dem geistigen Inhalt eines
wenn man das Herz nicht mehr einsetzt, Werkes beschäftigt, über Tempo und wesentliche Aspekte nachgedacht und sodann das
sondern nur noch den Verstand und die Fin- Ganze technisch
ger, dann ist das zu wenig. erarbeitet, stehen ihm – um ein Werk ausdrucksvoll und lebendig zu gestalten – auch
Das ist mein Urteil Aber vielleicht gefällt es noch gewisse „Freiräume“ innerhalb von Toleranzgrenzen zur Verfügung. Überlegte
anderen ja auch. Vielen gefällt es ja, wenn Einbringung von Dynamik, rhythmischer Akzente, Klangfarben usw. kann dann – unter
schnell gespielt wird. Berücksichtigung der „Werktreue“ – eine durchaus interessante und absolut eigen-
Norman Merems: Haben sie eigentlich ständige Interpretation ergeben. Die oberste Steuerung wird dabei allerdings einem
gerne unterrichtet?
zuverlässigen Stilgefühl und der Intuition vorbehalten bleiben.
Luise Walker: Mit Begeisterung! Und ich Mißverstandene „Werktreue“ führt dagegen oft zu einem langweiligen Spiel, das man
habe immer versucht, dass ein Schüler oder
leider auch gern mit dem klingenden Namen „akademisch“ bezeichnet; die Kühle, die
Student nach der Unterrichtsstunde heim
einen dabei anweht, hüllt man in ein belobtes intellektuelles Mäntelchen. Aber darin
ging und das Gefühl hatte, bereichert wor-
sehe ich nicht die Aufgabe der Musik!
den zu sein.
Das Ausbrechen aus dem Panzer der Taktstriche und Zwänge, also das, was ich hier
Norman Merems: Was ist das Schwierigste unter ”Freiräume” verstehe – letztlich machen sie die Musik erst zu einem Erlebnis –,
beim Gitarrespiel? Worauf muss ein Lehrer
am meisten Zeit aufwenden? darf natürlich nicht in eine unkontrollierte Selbstdarstellung münden bzw. sich nicht
Luise Walker: Das Schwierigste ist die Ko- unbekümmert über alle Ordnungsprinzipien hinwegsetzen. Auch Freiräume erfordern
Disziplin. Hier das richtige Maß zu finden, wird erst zum Ausdruck echter Kreativität.
ordination der beiden Hände. Der Bruchteil
einer Sekunde, in der ein Finger der rechten Die Ausführungen der Tempi hängen nicht nur von ihrer Bezeichnung ab, sondern in
Hand anschlagen und ein Finger der linken gewissem Sinn auch von der Räumlichkeit, in der man spielt und der es sich anzu-
Hand greifen muss, ist sehr schwer zu tref- passen gilt. Dieser Hinweis erscheint vielleicht absurd. Aber jahrelange Konzert-
fen. Das ist sicher einer der schwierigsten tätigkeit in vielen Konzertsälen mit unterschiedlichen akustischen Eigenschaften, die
Aspekte. Die Spieltechnik der Gitarre setzt mir mitunter sehr zu schaffen machten und meine Gitarre vergrämten, brachte mir
voraus, das beide Hände aktiv werden, aber diese Erkenntnis. Sie wurde mir übrigens später auch von anderen im öffentlichen Spiel
vollkommen unterschiedliche Dinge tun versierten Spielern bestätigt. Besonders die Gitarre benötigt einen „überakustischen“
müssen. Nicht wie bei einem Klavier. Raum, um ihren Klang voll entfalten zu können. Damit ist eine Räumlichkeit gemeint,
Und die Tongebung ist schwierig. Mit Ihren die einen entsprechenden Nachhall hat; für den Gitarristen ein nicht immer erfüllter
Händen erzeugt man Töne und da ist keine Wunschtraum. Bei zu großem Nachhall, etwa in Kirchen, besteht aber wiederum die
Mechanik dazwischen. Das ist eine besondere Gefahr, daß bei einem sehr schnellen Tempo Töne und Harmonien ineinanderfließen,
ästhetische Verbindung und Tätigkeit. die eigentlich nichts miteinander zu tun haben sollen. Hier empfiehlt es sich, das Tem-
Norman Merems: Wie sehen Sie die Zu- po eher zu reduzieren, damit das Spiel nicht an Klarheit verliert und der Eindruck von
kunft der Gitarre? Unsauberkeit entsteht. Im anderen Fall, also in sehr ”trocken” klingenden Räumen und
Luise Walker: Nun, ich sagte ja schon, dass Sälen ohne jeglichen Nachhall (Horror jedes Gitarristen!), sollte man vor allem
ich hoffe, dass die Gitarristen wieder zurück langsame Sätze, länger ruhende Notenwerte oder melodische Linien, der die stützen-
zur Musik finden. den Bässe fehlen, etwas beschleunigen und auf keinen Fall ”schleppend” vortragen. Für
Was ich übrigens als Sackgasse sehe, sind die den Zuhörer sind vor allem unpassende Lücken ermüdend und langweilig, die sich
Versuche, die Möglichkeiten der Gitarre zu durch die Toncharakteristik der Gitarre unter Umständen leicht ergeben können.
vergrößern, indem man ihr mehr Saiten gibt. Innerhalb eines Musikstückes dürfen Tempobeschleunigungen oder Verlangsamungen
Ich war immer mit sechs Saiten sehr zufrie- nicht abrupt erfolgen. Ausnahmen sind nur dann erlaubt, wenn der Komponist die
den. Die zehnsaitige Gitarre gefällt mir zum „Agogik“ ausdrücklich vorschreibt. Für den Zuhörer muß das dann fast unmerklich und
Beispiel nicht. Außerdem ist das ganze gute geschmackvoll vorbereitet werden. Alles muß sich organisch entwickeln.
Repertoire auf sechs Saiten ausgelegt. Wer Es gibt namhafte Gitarristen, die daran Freude finden, einen Ton der alten Musik –
sich damit abplagen will, soll es tun, aber strikt ab. Dagegen kann zum Beispiel bei der Interpretation spanischer Musik ein gele-
ich habe mit sechs Saiten genug.
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 11
Norman Merems: Bei der Violine sagt man ja auch, dass das Po-
gentliches Tenuto, ein Anhalten eines oder mehrerer Töne, tential ausgeschöpft ist. Die Violine ist fertig, man kann sie nicht
reizvoll und stilistisch durchaus vertretbar sein. mehr verbessern.
Die Wirkung eines Notentextes auf den Zuhörer hängt natür- Luise Walker: Na ja, aber die bauen ja auf einer alten Tradition
lich von vielfachen Faktoren ab. Bei der Gitarre ist es wichtig, auf. Bei Gitarre ist immer alles aufgegeben worden, damit man wie-
ihre Klangstruktur, die in einer Art „Mikrokosmos“ komprim- der von vorne anfangen musste. In jeder Generation fängt man wie-
iert erscheint, entsprechend zum Tragen zu bringen. Wenn der von vorne an. Leider! Das Problem haben die Geiger und Geigen-
HECTOR BERLIOZ, die Gitarre „ein kleines Orchester“ nennt, bauer nicht. Da ist alles organisch gewachsen. Und bei der Gitarre
so gilt es für den Gitarristen, dieses Miniaturorchester auch wird immer noch erfunden. Ich weiß nicht, ob sich diese skurrilen
nach Möglichkeit erklingen zu lassen. Das wäre eigentlich Ideen durchsetzen, aber es gibt viele davon.
seine Aufgabe, wenn auch eine sehr schwierige. Die Norman Merems: Frau Professor Walker, vielen Dank für dieses
Möglichkeiten, um das Ziel zu erreichen, sind ein fein dif- Gespräch!
ferenzierter Anschlag, Klangeffekte beider Hände und unter
anderem auch der Platzwechsel des auf der Zarge ruhenden
rechten Armes, entweder in Richtung Steg bzw. umgekehrt
oder zu einer Stelle oberhalb des Schalloches, wo der Ton
bekanntlich weicher und wärmer wird.
Die „Phrasierung“, das ist die sinnvolle Gliederung jeweiliger
musikalischer Abläufe (der Terminus wurde angeblich von
dem französischen Komponisten und Hofcembalisten Ludwigs
XIV., Francois Couperin (1663-1783), erstmals geprägt), trägt
wesentlich dazu bei, die Struktur eines Werkes mittels fall-
weiser „Zäsur“ verständlich und plastisch zu machen. Eine Zä-
sur (sie wird auch manchmal als „Atempause“ bezeichnet)
wirkt beruhigend, oder besser gesagt „entspannend“, und ist
quasi mit den Interpunktionszeichen der Sprache zu vergle-
ichen.
Eine behutsame bzw. eine mehr oder weniger scharfe Verdeut-
lichung von Akzenten, punktierten Notenwerten usw. kann in
die musikalische Aussage interessante Nuancen bringen. Eine
lebendige Dynamik sollte generell oberstes Gebot sein.
Bei der Interpretation alter Musik, vor allem der Barockmusik,
ist es die verzierte Ausschmückung einzelner Töne oder Akko-
rde mit phantasievollen Ornamentikmustern (dazu zählen vor
allem der Mordent, der Vorhalt, die verschiedenen Arten von
Vorschlägen und Trillern), die in sehr reizvoller und oft Weise
für die Aufführungspraxis dieser Epoche mit ihrem galanten
Stil von Bedeutung ist.
Wenn der „Klassik” eine eher ausgewogene, der musikalischen
Form entsprechende, souverän geschlossene Interpretation
entspricht, die romantische Periode wieder eine subtil
gefühlsbetonte Wiedergabe erwartet, entwickelt sich die zeit-
genössische moderne Gitarreliteratur mitunter zum Tum-
melplatz turbulenten Geschehens, wobei in Bezug auf die
Klangfarbenproduktion – angefangen vom prägnanten,
bizarren Anschlag bis zur variablen Perkussion (Schlag) auf
Decke, Boden oder Zargen – eine ungeahnte farbige und
rhythmische Palette in Erscheinung treten kann.
Soll – abgesehen von rein künstlerischen Belangen – eine be-
friedigende Interpretation reibungslos erfolgen, ist es klar,
daß dabei auch Äußerlichkeiten notwendig sind: eine
passende Räumlichkeit, ein wohlklingendes Instrument, in-
takte Fingernägel, ein geeigneter, schon rechtzeitig auspro-
bierter Stuhl (kein Klavierstuhl!) und der unvermeidliche
Fußschemel.
Nur durch die glückliche Kombination dieser vielfachen Fak-
toren kann dann der Künstler seine Interpretation erfolgreich
gestalten und sich seiner musikalischen Aufgabe ganz
hingeben. Nur so wird er auf der Gitarre „malen“ können.

12 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1


Z
NAXOS feierte Geburtstag
eit ist relativ. Diese Binsenweis-
heit hat auch für das führende La-
Mit einem herzlichen Dankeschön an NAXOS
Gründer und Chairman Klaus Heymann und
Produktionen dieser Reihe ist die Debut-CD
von Michalis Kontaxakis, dem Gewinner des
bel im Bereich der Klassischen Mu- die Vertreter von NAXOS Deutschland leitete ersten Preises im Tárrega International Gui-
sik eine Relevanz. Es ist erst 20 Helmut Müller-Brühl zu einem kulinarisch tar Competition in Benicásim.
Jahre her, dass die Umstellung von der gro- hochwertigen und anregendem Abend über, Klaus Heymann hatte in seiner unternehme-
ßen schwarzen Vinyl-Scheibe zur kleinen sil- in dessen Verlauf die Anwesenden viele Mög- rischen Karriere noch andere Ideen und Lei-
bernen CD den Tonträgermarkt revolutio- lichkeiten hatten, interessante und amüsante denschaften. Der Musikverlag ARTARIA EDI-
nierte. Vor eben 20 Jahren, nämlich 1987, Gespräche zu führen. Viele Künstler waren TIONS in Hong Kong ist sein „Kind“. Zusam-
machte sich der in Frankfurt geborene und gekommen, um dem Label zu gratulieren men mit dem Musikwissenschaftler Allan
in Hongkong ansässige Unternehmer Klaus und den Erfolg zu feiern, u. a.: Die Cellistin Badley hat er ihn gegründet, vornehmlich,
Heymann seinen ganz eigenen Reim auf Pro- Maria Kliegel, der Pianist Sebastian Knauer, um Komponisten des 18. Jahrhunderts und
duktionskosten, Staraufgebot, Werbung und der Oboist Christian Hommel und die Violi- ihren Werken wieder eine Heimstatt zu ge-
Verkaufspreis und warf die vermeintlich nistin Ariadne Daskalakis. Auch Daniel Rot- ben. Inzwischen ist der Verlag einer der
ehernen Gesetze der Branche kurzerhand hert (Blockflöte) und David Kadouch, der als wichtigsten seiner Art und bringt Werke von
über den Haufen, um gute Produktionen Carl Ditters von Dittersorf, Boccherini, Gluck
Solist des Abends besondere Aufmerksam-
günstig zu vermarkten. Stamitz oder Pleyel in vorzüglichen Ausga-
keit genoss, feierten mit den anderen Gästen
Der Spott der Großen folgte auf dem Fuß, ben heraus, aber auch Werke der Komponis-
bis in die frühen Morgenstunden.
aber das alles ist ja – wie gesagt – schon 20 ten, deren Namen inzwischen tatsächlich
NAXOS hat auch auf dem Gebiet der Gitar-
Jahre her. völlig in Vergessenheit geraten sind … oder
ren- und Lautenmusik vieles geleistet und kennen Sie Wenzel Pichl oder Ferdinand
Im Jahre 2007 hat NAXOS gerade sein er-
erreicht. Man denke an CD-Reihen wie die Ries? Der Verlag, der stolz den Namen des
folgreichstes Jahr hinter sich: Gründer und
der Lautenwerke von Silvius Leopold Weiss, Wiener Verlegers von Joseph Hayn trägt,
Chairman Klaus Heymann hat sich mittler-
eingespielt von Robert Barto, oder die „Lau- kümmert sich um deren Werke und lässt da-
weile vor den Augen der Majors - einst als
reate Series Guitar“, wo junge Talente, die mit Klaus Heymanns „Handschrift“ erken-
„verrückter Underdog“ belächelt - allen Un-
kenrufen zum Trotz als Chef des aner- einen Wettbewerb gewonnen haben, die nen, die wir von NAXOS kennen: Nicht den
kannten Qualitätslabels Respekt verschafft. Chance bekommen, bei einer weltweit ver- großen Namen wird in Demut gehuldigt,
Durch seine Repertoirepolitik bedient Hey- triebenen Plattenfirma eine CD herauszu- sondern es wird der musikalischen Qualität
mann mit NAXOS auch Nischen der Klassi- bringen. Die Produktionsverträge für diese nachgeforscht, die in Vergessenheit zu ver-
schen Musik, die bei keinem anderen Label CDs sind meist Bestandteil des jeweils ersten fallen droht.
Beachtung finden. Und immer noch gelingt Preises des Wettbewerbs – eine der letzten ■
ihm der Spagat zwischen hoher Qualität ei-
nerseits und niedrigem Verkaufspreis ande-
rerseits. Allein im Jahre 2006 wurden 238
Aufnahmen in 29 Ländern produziert.
Die Erfolgsgeschichte des Labels NAXOS
wurde am vergangenen Samstag, dem 02.
Juni mit einem zweiteiligen Event gebüh-
rend gefeiert: Schauplatz des Auftaktes der
Feierlichkeiten war die Kölner Philharmonie.
Unter der Leitung des exklusiv für NAXOS
tätigen Dirigenten Helmut Müller-Brühl
spielte das Kölner Kammerorchester Werke
von Ludwig van Beethoven. Der schon als le-
gendär geltende Klang des Kölner Kammer-
orchesters, bei dem Müller-Brühl die authen-
tische Aufführungspraxis mit der Umset-
zung auf modernen Instrumenten verbin-
det, wurde am Flügel vom jungen französi-
schen Beethoven-Competition-Gewinner Da-
vid Kadouch kongenial ergänzt. Dieses Kon-
zert wurde für eine Gesamteinspielung der
Beethoven Klavierkonzerte mitgeschnitten
und wird in Kürze bei NAXOS erscheinen.
Restlos begeistert von der Interpretation
der Ouvertüre „Coriolan“, dem Klavierkon-
zert Nr. 5 und der Symphonie Nr. 5, verlie-
ßen die Gäste der NAXOS-Feierlichkeiten die
Philharmonie, um im Lokal „Alter Warte- Klaus Heymann und Helmut Müller-Brühl bei der
saal“ den zweiten Teil der Geburtstagsparty Geburtstagsfeier im Kölner „Alten Wartesaal“ (Foto: NAXOS)
zu erleben. Dort brauchten sie allerdings
nicht lange zu warten, sondern wurden vom
Geschäftsführer der NAXOS-Deutschland
GmbH, Chris Voll, auf das herzlichste will-
kommen geheißen.
Klaus Heymann war mit seiner Frau, der ja-
panischen Violinistin Takako Nishizaki und
seinem Sohn Rick aus Hongkong angereist
und freute sich in seiner Ansprache mit ge-
ladenen Künstlern, Händlern und Journalis-
ten über den Erfolg der letzten 20 Jahre.
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 13
Vor hundert
Jahren …
… erschien in München die Zeitschrift
„Der Guitarrefreund“ bereits im achten
Jahrgang … bzw., um genau zu sein: „bei-
nahe“ im achten Jahrgang, denn zunächst
kehren. Auch technische Fragen werden
selbstverständlich in voller Ausführlich-
keit erledigt werden. Ein jeder wird auf
diese Weise zu seiner Rechnung kommen.
Saitenspiels hat zu einer willkürlichen Be-
zeichnung unseres Instrumentes bald als
Laute, bald als Gitarre geführt, so daß in
Laienkreisen sogar die Meinung entstehen
hieß sie „Mitteilungen des Internationalen Sollten auch zu Anfang manche Uneben- konnte, es handle sich hier um zwei ganz
Guitarristenverbandes. Erst mit Heft 5 des heiten mit unterlaufen, so sind sie eben verschiedene Instrumente.[!] Eine Feststel-
ersten Jahrgangs [I/1900] taufte man das zu rechnen als unumgängliche Jugend- lung, inwiefern beide Namen berechtigt
Blatt um in „Der Guitarrefreund – Mittei- thorheiten, die wir überwinden werden. sind, wird daher willkommen sein.“ Nun
lungen des Internationalen Guitarristen- So heben wir dich aus der Taufe – ziehe soll an dieser Stelle nicht erneut die Dis-
verbandes (e.V.)“. In einem Beitrag mit hinaus in die Welt in neuem Gewande, er- kussion um Laute und Gitarre geführt wer-
dem Titel „Zur Metamorphose unserer weise dich würdig deines Namens und hal- den, das ist in meinen beiden Artikeln
„Mitteilungen“ hieß es: „Unser bisheriges te Einzug in aller Herzen.“ „Laute und Lautenspiel im XX. Jahrhun-
Verbandsorgan konnte man vergleichen Hier in GITARRE & LAUTE-ONLINE werden dert“ [Folge I: Gitarre & Laute XXVI/2004,
mit einem neugeborenen Kinde, das klein, Sie die Hefte als Reprints wiederfinden, die Heft 1, S. 20-24 und Folge II: Gitarre &
splitternackt in die Welt gesetzt war und vor genau hundert Jahren erschienen. Vie- Laute XXVIII/2006/Heft 1, S. 41-45] aus-
ohne Namen herumlief. [!] le Einblicke in die damalige Gitarrenwelt führlich geschehen. Ich möchte hier nur
Wir haben versucht, es honett einzu- werden ermöglicht. Vieles wird zum noch einmal auf die Situation hinweisen,
kleiden und es zu taufen. Wir geben uns Schmunzeln Anlass geben – vieles auch aus der die Zeitschrift „Der Guitarre-
der Hoffnung hin, dass bei beiden feierli- zum Staunen. freund“ entstanden ist. Die Gitarre gab es,
chen Handlungen der Geschmack unserer Die Jahrgänge I/1900 bis VII/2006 und zwar als Kunst- wie als Volksinstru-
Mitglieder getroffen ist. Allen, die uns da- werden in einer der nächsten Ausgaben ment, sie war aber, mindestens sahen es
bei mit Rat und That zur Seite standen, nachgeliefert, damit Sie eine vollständige ihre Anhänger und Freunde so, stark un-
sei an dieser Stelle unser bester Dank aus- Sammlung des „Guitarrefreunds“ zur Ver- terbewertet. Zwischen der Münchener
gesprochen. fügung haben. Gruppe der Gitarrenfreunde und der Berli-
Es fehlt nur noch die Taufrede. Wir wol- Die Notenbeilagen erschienen nicht in- ner um Erwin Schwarz-Reiflingen, der ne-
len sie ihm jetzt halten, indem wir dabei nerhalb der jeweiligen Hefte des Guitarre- ben dem „Lauten-Almanach“ noch eine
das Programm entwickeln, das uns bei der freund, sondern als separate Ausgaben. Zeitschrift namens „Die Gitarre“ heraus-
Redaktion zur Richtschnur dienen soll. Beilage zu Heft 1: Georg Meier, Daisy- brachte, gab es „Meinungsverschiedenhei-
Klein soll es immer bleiben, was ja auch Marsch für Gitarre solo (s. S. 23-25). Die ten“, die auch in polemisch geführten
der Sache und unserm bescheidenen In- Ausgaben waren perfekt gestochen und Streit ausarten konnten – so engagiert
strumente angemessen ist, klein aber kräf- gedruckt, in diesen Fall von der Firma Os- wurde die Diskussion geführt!
tig. car Brandstetter in Leipzig, einem Verlag Die Reprints der Ausgaben von „Der
Stark im Kampf soll es sein gegen jegli- übrigens, den es heute noch gibt und zwar Guitarrefreund“ sind also nicht nur Quel-
che Art schlechten Musicierens. als Oscar-Brandstetter-Verlag lenmaterial erster Güte für Gitarreninteres-
Durch einen Originalartikel und eine (www.brandstetter-verlag.de), der sich sierte und Forscher, sie liefern auch eine
Musikbeilage pro Heft sollen den Mitglie- aber mittlerweile mit grundsätzlich ande- Erweiterung des Repertoires und stellen
dern Mittel und Wege zur Möglichkeit gu- ren Dingen befasst, als mit lithographi- daneben spannende Lektüre dar!
ten Musicierens gegeben werden. Dadurch schen Aufträgen und Notenstich. GITARRE & LAUTE-ONLINE liefert Ihnen
hoffen wir, wird das Organ und der Ver- Das Repertoire, das durch die Notenbei- also den „Guitarrefreund“ als zweite Zeit-
band lebenskräftig sein und bleiben. lagen des „Guitarrefreund“ verbreitet wur- schrift und weitere Quellenmaterialien
Es soll gezeigt werden, dass die Guitarre de, besteht zum Teil aus Neuausgaben von sind in Vorbereitung. All das wird Ihnen
eine Culturaufgabe zu erfüllen hat. Wir klassischen Gitarrenstücken, die damals online zur Verfügung stehen.
sind uns des vollen Sinnes, der in diesem nicht in Neuausgaben vorlagen, zu einem Peter Päffgen
Worte liegt, durchaus bewusst. Wir be- anderen aus Kompositionen zeitgenössi-
trachten es nicht als Phrase und fühlen scher Komponisten oder Gitarristen und
uns doch zu diesem Anspruche berechtigt. schließlich aus Liedbearbeitungen, die
Ist doch kein anderes Instrument als gera- auch als „Lautenlieder“ bezeichnet wur-
de die Guitarre dazu berufen, die Hausmu- den. Terminologisch war man sich nämlich
sik, besonders die Pflege des Volksliedes zu Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt
in der Häuslichkeit zu pflegen. nicht einig: „Laute oder Gitarre?“ nannte
Wenn wir diese ideale Seite auch stark Erwin Schwarz-Reiflingen einen Artikel in http://archiv.gitarre-und-laute.de
betonen werden, da sie der Lebensnerv der von ihm selbst herausgegebenen Zeit- www.gitarre-und-laute.de
unseres Organes ist, so wollen wir dem schrift „Der Lauten-Almanach“: „Die stän- www.MusiCologne.eu
leichten Genre durchaus nicht den Rücken dig wachsende Bewegung zur Pflege des www.Verkaufegitarre.de
14 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1
Das hier besprochene Buch (Aku-
stik und Harmonie, Dresden o.J.)
stammt von Anton Schneider, den
Josef Zuth in seinem Handbuch
der Laute und Gitarre erwähnt:
„Schneider, Anton, Musiker und Gi-
tarrlehrer in Dresden, gest. um
1920, beschäftigte sich mit theoreti-
schen und akustischen Studien. Von
ihm stammt die Erfindung eines
zweiteiligen, verschiebbaren Knüpf-
stegs zur Berichtigung von Mensur-
mängeln [G. f. XI./1] und die Kon-
struktion einer Quintgitarre mit 44
cm Mensur. Sch. schrieb ein Buch
über „Akustik und Harmonie“, das
indes nicht günstig beurteilt wur-
de.“ Um dieses Buch geht es hier
… und um eine der nicht günsti-
gen Beurteilungen [Handbuch, Wi-
en 1926/1928, S. 248]

Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 15


16 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1
Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 17
18 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1
Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 19
20 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1
Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 21
22 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1
Meier, Georg, deutscher Gitarrmei-
ster, geb. 8. Feb. 1865 in Regensburg
(Oberpfalz), besuchte die städt. Mu-
sikschule (Hauptfach Violine), wurde
1883 als erster Geiger an das Stadt-
theater in Regensburg verpflichtet,
machte als Orchestermusiker ausge-
dehnte Reisen und wurde schließlich
in Hamburg seßhaft, wo er 1905 ei-
ne Musikschule errichtete. Seit 1908
befaßte sich M. – hauptsächlich
durch Mozzani angeregt – mit dem
Gitarrenspiel und erwarb sich als
Solist guten Namen. M. veröffentlich-
te bei Benjamin, Hamburg, „Für’s
traute Heim“, 2 Hefte Kompositionen
und Bearbeitungen, ferner aus sei-
ner ansehnlichen Privatsammlung
von alter Gitarrenmusik: 4 Hefte von
F. Sor – Präludien von Carulli – Giu-
liani op. 83 – Diabelli op. 39 und
103 (Berlin, Simrock); N. Coste, op.
43, 51, 52 und eine Auswahl
„Übungs- und Unterhaltungsstücke
(Mainz, Schott). – M’s Sohn Wilhelm
Meier-Pauselius (Zusatzname nach
seinen Großeltern), geb. 19. Mai
1895 in Hamburg, besuchte die Mit-
telschule und erlernte bei August
Diehl den Geigenbau. Nach abgeleg-
ter Gesellenprüfung vervollkommne-
te er sich bei Mozzani im Gitarren-
spiel, besuchte dann noch die Kunst-
gewerbeschule und legte 1921 die
staatl. Meisterprüfung im Geigen-
und Gitarrenbau ab. Meyer-P. hat
jetzt bereits als Gitarrsolist ausge-
zeichneten Ruf und spielt auf einem
selbst verfertigten Instrument [Josef
Zuth, Handbuch, Wien 1926/1928,
S. 191]. Mehrere Stücke von Georg
Meier sind erschienen bei „Freie
Vereinigung zur Förderung guter
Guitaremusik“ in Augsburg

Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 23


DAISY-MARSCH
Georg Meier

V
5

V IX
III
9

VII
V III
13

17

8
Fine

21

25 1 2

© 2007 by MusiCologne Ltd., Köln D.C. al Fine


Der Download dieser Ausgabe als PDF ist für Abonnenten von Gitarre & Laute ONLINE
erlaubt und kostenlos: http:\\download.Gitarre-und-Laute.de

24 Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1


TRIO
29

34 4

IX
39
2

44

49

53

IX
57

Gitarre & Laute-ONLINE, XXIX/2007/Nº 1 25


Notenausgaben von Gitarre & Laute

John W. Duarte
Danserie No. 2 für Gitarre solo
€ 7,50 G&L 142
Eduardo Falú
Gavota para Guitarra, Mit Fingersätzen versehen von Hubert Käppel, 2-3
€ 5,00 G&L 112
Eduardo Falú
Preludio del pastor
€ 6,50 G&L 111
Santino Garsi da Parma
Sämtliche Lautenwerke, Gesamtausgabe der handschriftlichen Quellen,
Faksimile mit Übertragungen und
Kommentar von Dieter Kirsch
€ 30,00 G&L 148
Jana Obrovská
Hommage à Choral Gothique f. Gitarre Solo, Revidiert von Milan Zelenka
€ 8,50 G&L 122
Jana Obrovská
Due Musici für zwei Gitarren
€ 8,50 G&L 123
John W. Duarte
Danserie No. 2 für Gitarre solo
€ 8,50 G&L 142
Adrian Patino
Nevando Está, Für Gitarre bearbeitet von Eduardo Falú
€ 6,50 G&L 120
A. Robles und Jorge Milchberg
El Condor pasa, Für Gitarre bearbeitet von Eduardo Falú
€ 6,50 G&L 116
Ignace Strasfogel
Prélude, Elegie und Rondo für Gitarre, Herausgegeben von Volker Höh
€ 13,00 G&L 168
Heinrich Marschner
Lieder mit Begleitung der Gitarre (Zwölf Lieder op. 5, Zwei Lieder von
Goethe), Herausgegeben von Oliver Huck
€ 15,00 G&L 169

Der gesamte Katalog bei:

www.MusiCologne.eu
http://shop.gitarre-und-laute.de
auf Ungereimtheiten zu stoßen, die aber
Florilegium dann wieder ihren Sinn finden.
Die abschließende g-Moll-Suite erscheint
konfliktfreier, weil sie nicht so absolut ist
wie Präludium und Fuge, sondern aus Tänzen
besteht und damit zweckgebunden ist –
mindestens, was Rhythmus, Tempo und Me-
trum angeht. Aber jeder kennt beispielsweise
die Sarabande aus BWV 995, die alles andere
ist, als „gebunden“, und auch hier wird man
wieder Zeuge der Arbeit und des Ringens mit
dieser großen Musik.
Axel Wolf hat mit seiner Bach-CD einen Ar-
Neue Platten mit Alter Musik beitsbericht vorgelegt und der ist vom Label
Von Peter Päffgen Raumklang optisch wie akustisch perfekt in
Form gebracht worden. Kompromisse wurden
Johann Sebastian Bach: Musik für Laute dabei gemieden und offene Fragen auf den
Axel Wolf, Laute Tisch des Hauses gelegt.
Aufgenommen im März 2002
Raumklang [www.raumklang.de; im Vertrieb
von Helikon-Harmonia Mundi; www.harmo-
niamundi.com] RK 2203
... Axel Wolf hat mit seiner Bach-CD einen
Arbeitsbericht vorgelegt und der ist vom
Label Raumklang optisch wie akustisch per-
fekt in Form gebracht worden. ...
✰✰✰✰✰

Kühn ist die Werkzusammenstellung dieser


CD nicht, aber was man zu hören bekommt,
ist weniger traditionell, als vielleicht erwar-
tet. Es gibt BWV 997 (Partita c-Moll), 998
(Präludium, Fuge und Allegro) und 995 (Suite
g-Moll).
Das Präludium aus „PFA“ (Prélude pour la Adam Falckenhagen: Sonate di Liuto Solo
Luth o Cembal, Es-Dur BWV 998, genannt Andrew Maginley, Baroque-Lute
„Präludium, Fuge und Allegro“ oder schlicht Aufgenommen im Februar 1999
PFA), um gleich mit einem Höhepunkt anzu- CENTAUR (in Deutschland bei Klassik-Cen-
fangen, beginnt in sehr zurückhaltendem ter, Kassel) CRC 2541
Tempo, zögerlich, abtastend und unentschie- ... wie ein Traum und wirklich schon weit
den. Es bleibt auch so, das sind keine Start- weg von barockem Ernst ...
schwierigkeiten! Beim ersten Hören hatte ich ✰✰✰✰
den Eindruck, der Musiker hätte hie und dort
überlegt, ob er weiterspielen oder aufhören Adam Falckenhagens Lautenwerke sind Zeug-
sollte. Er hat weiter gespielt! nisse des stilistischen Wandels, der Mitte des
Die anschließende Fuge wirkt bei Axel Wolf 18. Jahrhunderts nicht zu leugnen und
entschiedener und auch das Allegro. Hier fal- keineswegs mehr aufzuhalten war. Johann
len agogische Eigenheiten auf, die der Künst- Mattheson hatte schon 1713 Anweisungen
ler zur Ordnung des musikalischen Materials gegeben, „wie ein Galant Homme einen voll-
einsetzt, zur Phrasierung. Manchmal wird er kommenen Begriff von der Hoheit und Würde
schneller und prescht ohne ersichtlichen der edlen Music erlangen / seinen Gout dar-
Grund nach vorne, um sich dann wieder zu- nach formieren / die Terminos technicos ver-
rückzunehmen; manchmal hält er inne, um stehen / und geschicklich von dieser vortreff-
dann wieder in den normalen Fluss zurückzu- lichen Wissenschafft raisonnieren möge“ [Das
kehren. Bögen werden gespannt um dann Neu=Eröffnete Orchestre ... Hamburg 1713]
wieder zusammenzubrechen, Spannungskur- und gleichzeitig über den Verfall der Musik
ven werden gezeichnet, um dann wieder ver- wehgeklagt. Sie, die Musik, dependire „eint-
loren zu werden. Das ist alles sehr spannend zig und allein von einer tieffen Gelehr-
und sehr anders und man hat den sicheren samkeit und arbeitsamen Wissenschafft“, da-
Eindruck, dass es nicht anders ist, um anders bei bemühe sie sich nicht um, „das erlaubte
zu sein. Axel Wolf ringt, den Eindruck hat Wolgefallen der Menschen / welche traun kei-
man, ständig aufs neue mit dieser Musik und ne schlechte Sache ist“. Der galante oder
er lässt seine Zuhörer an diesem Kampf teil- „empfindsame“ Stil war melodiöser und na-
haben. Nichts ist geglättet und so, dass man türlicher, weniger kontrapunktisch, komplex
Eindruck von Endgültigkeit hat, sondern eher und „gelahrt“. Der Bach-Sohn Carl Phillipp
wie ein immerwährender Prozess des Suchens Emanuel, der „Hamburger Bach“, gehörte zu
und Vergleichens. Immer wieder meint man seinen Vertretern, Vorbilder waren Italiener
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 27
und Franzosen – Couperin, Sammartini. Was die Musiker klar, dass sie nicht nur Note für den – eine bei Editions Orphee und eine bei
die deutschen Lautenisten des 18. Jahrhun- Note, oder in der Tabulatur Zeichen für Zei- Tree-Editions. Ob der vierhundertfünfzigste
derts angeht, sind besonders Adam Falcken- chen, wiedergeben wollen, sondern dass sie Geburtstag des Komponisten dafür der Anlass
hagen (1697-1754) und Joachim Bernhard musikalische Überraschungen bereithalten. war oder ob einfach eine nicht zu erklärende
Hagen (1720-1787) zu erwähnen. Hier, in der Toccata, ist es ein Orgelpunkt, Duplizität der Ereignisse vorliegt, lässt sich
Drei komplette dreisätzige Sonaten sind auf der sich durch das Stück zieht, manchmal nicht klären. Johnson war jedenfalls der frü-
dieser CD wiedergegeben und einige Einzel- mitspielt und manchmal nur da ist. Dann ist heste Vertreter der „Goldenen Zeit“ engli-
sätze, alle gespielt auf einer 13-chörigen ein Cembalo dabei, das viel aktiver werden scher Lautenmusik. Sein Repertoire war eher
deutschen Barocklaute, einem Instrument, muss, weil es auch nur einen Punktton abge- konservativ – Pavanen und dazu gehörende
wie auch Adamo Falckenhagen es auf dem ben kann und daher kontrapunktisch, imita- Galliarden sowie Sätze von Volksmelodien,
bekannten Kupferstich von Johann Wilhelm torisch eingreifen muss. Dann Alessandro dabei keine Fantasien oder Ricercari, wie sie
Stoer (tätig in Nürnberg 1727-1755) in Hän- Piccinini (1566-1638), solistisch, und immer auf dem Kontinent gespielt wurden. Der
den hat [Maginleys Laute ist von Andrew Ru- wieder Kapsberger. Am Schluss wundersame Kompositionsstil mit divisions, wie wir ihn
therford in New York]. Der Interpret gibt der und wunderbare klangliche Verwirrung bei bei den Lautenisten/Komponisten der späte-
Musik Muße und Ruhe, lässt sie wirken und diesem Exzentriker. „Seine Obsession mit ren Blüte englischer Lautenmusik durchgän-
sich entfalten. Manchmal, im Prelude à la ma- dem Ungewöhnlichen, das systematische gig hören, findet sich bei John Johnson
niere de Carillon trifft er nicht ganz das, was Vermeiden von Klischees und seine Vorliebe schon in sehr ausgeprägter Form und viel-
der programmatisch gemeinte Titel des klei- für das Erfinden neuer Kunstgriffe sind alles leicht ist darin auch seine Bedeutung zu se-
nen Stücks andeutet, aber das ist auf einer Qualitäten, die von seinen Zeitgenossen hen.
Laute auch schwer dazustellen. Die anschlie- geschätzt wurden“. Kann das wirklich ein Die hier eingespielten Stücke von John John-
ßende Rêverie dagegen wirkt wie ein Traum Deutscher gewesen sein? Ein exzentrischer son zeigen seine Vorliebe für Lauten-Duos
und wirklich schon weit weg von barockem Deutscher? sehr deutlich. Darunter sind sehr virtuose
Ernst. Diese CD geht eher dem Geist der Komponis- Stücke wie der Dump oder auch Chi passa,
Per Kjetil Farstad hat über diese Musik seine ten nach als ihrem Vermächtnis – gedruckt die hier mit hörbarem Spaß vorgetragen wer-
Dissertation an der Uni in Göteborg geschrie- oder geschrieben. Vor allem der ungewöhn- den. Überhaupt strahlt diese CD Lust am
ben. Sein Buch (German Galant Lute Music in liche Deutsche hat zu ungewöhnlichen musi- Spiel aus und Lust am virtuosen Sich-Messen
the 18th Century) und seine dazu gehörige kalischen Ideen inspiriert, und die sind erfri- – vor allem bei den Duos, die oft aus ostina-
CD mit Musik von Falckenhagen und ande- schend vital. ten Akkordfolgen in einer Stimme und sehr
ren, gespielt auf einer Gitarre, werden in der virtuosen Umspielungen in der anderen be-
nächsten Ausgabe von Gitarre & Laute be- stehen. „Divisions upon a ground“ haben sol-
sprochen! che Variationssätze oft geheißen. John John-
son hat einige davon geschrieben und zwar
oft besetzt mit zwei Lauten.
Frühe Englische Lautenmusik gibt es auf die-
ser CD zu hören, und zwar virtuos und vital
und nicht als musikhistorische Demonstrati-
on!

John Johnson: Lute Music


Christopher Wilson und Shirley Rumsey
(als Duo-Partnerin), Lauten
Aufgenommen im Juni 1995 (erschienen
Kapsberger – Piccinini 2003)
14 Silver Strings: Toccatas, Partitas and NAXOS 8.550776
Dances ... virtuos und vital ...
Matthew Wadsworth, Theorbe; Gray Cooper, ✰✰✰✰
Cembalo, Orgel; und Mark Levy, Viola da
gamba, Lirone und Violone Such Sweet Sorrow ... Lute Pieces by John
Robert Johnson, John Johnson, Howard John-
Aufgenommen 1001/2002, erschienen 2003 Dowland
son ... who was who?
Deux-Elles [www.deux-elles.com; in Deutsch- John Paul, Lautenwerck
John (1550-1594) war nach 1579 Lautenist
land bei Note 1, Heidelberg] DXL 1044 Aufgenommen im Januar 2002
am Hof von Elizabeth I., Königin von Eng-
... das systematische Vermeiden von Kli- land. Lange nachdem er starb, nicht einmal CENTAUR CRC 2610
schees ... fünfundvierzig Jahre alt, trat sein Sohn Ro- [www.centaurrecords.com; in Deutschland
✰✰✰✰✰ bert Johnson (1583-1633) in die Dienste der bei Klassik Center Kassel]
gebildeten und kunstliebenden Regentin, ... nur verloren ...
Gleich mit der ersten Tönen der Toccata (N° nach 1604 blieb er am Hof von James I., ✰
IX) von Giovanni Girolamo Kapsberger (ca. dem ersten König aus dem Hause Stuart, der
1580-1651), in seinem ersten Lautenbuch No- Kunst und Kultur gegenüber sehr viel we- Lautenwercke (auch Lautenclaviere oder Lau-
bile Alemano genannt, weil er Deutscher war niger aufgeschlossen war. tenclavecins genannt) waren, um es verein-
und eigentlich Johann Hieronymus hieß, Dem Werk von John Johnson sind vor einigen facht darzustellen, „mit Darmsaiten bezoge-
manchmal auch Tedesco della Tiorba, stellen Jahren zwei Gesamtausgaben gewidmet wor- ne Cembali“. Im Besitz von Johann Sebastian
28 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Bach befanden sich zur Zeit seines Todes im spitzen und aufführungspraktisch mit allen
Jahr 1750 zwei dieser Instrumente. Im 18. Wassern gewaschen, dann liegen sie völlig MP3-Klangbeispiele zu den
Jahrhundert, als die Laute stark an Populari- falsch! Ronn McFarlane lässt keinen Effekt
tät einbüßte und mehr und mehr vom Cem- aus, und er benutzt die alten Stücke als Vehi- hier veröffentlichten
balo ersetzt wurde, waren sie in Benutz, da- kel, um sein mit Akustischem überfrachtetes Besprechungen
mit die Musikfreunde nicht ganz auf den Lau- Publikum zu unterhalten. Ein amerikanischer finden Sie unter:
tenklang verzichten mussten. André Rieu der Laute? Nein, auch falsch!
Die Musik auf dieser CD stammt aus dem Ronn weiß schon, was er da vor sich hat,
späten 16. bis frühen 17. Jahrhundert. Ihr wenn er den Passamezzo von Adrian LeRoy http://XXIX_2007_1.
Komponist, John Dowland, war gefeierter spielt oder den Welschen Tanz von Hans
Lautenist an verschiedenen europäischen Hö- Newsidler mit dem darauf folgenden Hupff gitarre-und-laute.de
fen – am Hof von Elizabeth I. war er 1603, auff. Aber er weiß auch, wie man diese Musik
vielleicht wegen seines Bekenntnisses zum aufpeppt und klanglich aktualisiert. Und
katholischen Glauben, nicht akzeptiert wor- glauben Sie mir: Hans Newsidler hat das auch
im Internet! Dort stehen auch
den. Sein Instrument war höchst angesehen gewusst! Fotos und Informationen zu
und gepriesen – warum also spielt John Paul Wenn Ronn McFarlane Farbe bekennen muss, den Produktionen
die Musik von Dowland auf dem Lau- also Stücke vor sich hat, die sich entweder
zur Verfügung.
tenwerck? nicht für Experimente anbieten, oder die
Weil es geht? Der Interpret schreibt im Book- auch ihm so viel Ehrfurcht einflößen, dass er
let, es gebe seit den 90er Jahren des 20. Jahr- brav das spielt, was in den Noten steht,
hunderts wieder geeignete Instrumente, au- Bachs Präludium und Fuge BWV 999 und Aufgenommen im November 1999, erschienen
ßerdem liege die Ausgabe von Diana Poulton 1000 zum Beispiel, merkt man, dass auch er 2002
vor, die auch Übertragungen im Klaviersatz nur mit Wasser kocht und seine Schwierig- Harmonia mundi [www.harmoniamundi.com;
enthalte und in der die Herausgeberin außer- keiten hat. Das Präludium wirkt auf der CD so in Deutschland bei Helikon]
dem ihrem Wunsch Ausdruck gebe, dass die vernuschelt, dass ich es fast nicht erkannt ... über alle Zweifel erhaben ...
Lautenwerke von John Dowland nun bekann- hätte. Da haben Musiker und Tontechniker ✰✰✰✰✰
ter würden. Mehr Gründe finde ich nicht. kongenial Mist gebaut! Auch Dowland kann
Nicht in meiner Vorstellungskraft und nicht Ronn nicht viel abgewinnen. Nicht Dowland und auch nicht Morley! Die
im Booklet. Eines ist gewiss: Die Stücke von Aber die schottischen Lautenstücke, sie wer- „Hits“ des überreichen Repertoires an engli-
John Dowland haben hier in der Interpretati- den zu kleinen Klangdichtungen, so unver- schen Lautenliedern sind hier nicht im Ange-
on auf dem Lautenwerck nur verloren. kennbar schottisch, dass man den Lauten- bot. Dafür John Donne (1572-1631), Geistli-
spieler im Kilt förmlich vor sich sieht. Wüsste cher, der zunächst katholisch erzogen wor-
man nicht, dass der Lautenist da muttersee- den und dann zur Church of England konver-
lenallein vor seinem Mikrofon sitzt, man tiert ist und schließlich Dekan an der Saint
wähnte zumindest einen Perkussionisten ne- Paul’s Cathedral in London wurde. Seine Ge-
ben ihm, so überraschend abwechslungsreich dichte erschienen postum im Jahr 1633 und
ist der Lautenklang ausstaffiert. wurden später als „metaphysische Lyrik“ be-
In einer Plattenreihe „Musica Antiqua“ wür- zeichnet, weil sie eher philosophisch-speku-
de ich diese CD nicht unterbringen, und doch lativ waren, und sich so auch nicht unbe-
ist sie ein Spaß und lädt zum Nachdenken dingt für Vertonungen anboten. Und doch
darüber ein, wie denn die Benutzer der gab es Liebeslyrik, die in Donnes frühen Jah-
Lautenbücher im 16. Jahrhundert mit den ren als Dichter entstanden ist, „als er noch
enthaltenen Tabulaturen wirklich umgegan- ein lebenslustiger junger Mann war“, wie es
gen sind. im Booklet heißt. Eine Auswahl, von
verschiedenen Komponisten vertont, ist hier
zu-sammengetragen.
Dann kommen unterschiedlichste Musiken
aus dem Druck Select Ayres & Dialogues von
Henry Lawes aus dem Jahr 1669, darunter ei-
ne Chaconne von Francesco Corbetta und ei-
The Art of the Lute
nige Stücke für Theorbe von John Wilson. Mit
The Best of Ronn McFarlane
dem Repertoire dieser zweiten Hälfte des CD-
Werke von Dalza bis Bach
Programms haben sich die Interpreten be-
Dorian [www.dorian.com] DOR 90022
reits recht weit vom englischen Lautenlied
... überraschend abwechslungsreich ... der elisabethanischen Zeit entfernt. Die
✰✰✰ Lautenbegleitung wurde nicht mehr in Tabu-
latur geliefert, sondern nur noch als Basso-
Eine Werbe-CD „Best of“ ist das, mit Aus- continuo, die Musik trat zu Gunsten der
schnitten aus allen CDs, die Ronn McFarlane Textaussage immer weiter zurück, niemals
bisher bei Dorian veröffentlicht hat. Einige umgekehrt.
der Einzelaufnahmen sind hier in Gitarre & Zwei Meister ihres Fachs haben diese unge-
Laute bereits besprochen, andere nicht. Aber The Rags of Time wöhnliche CD-Zusammenstellung aufgenom-
dieser Zusammenschnitt liefert ohnehin ein 17th-c. English lute songs and dances men. Paul Hillier, ein universeller Sänger, der
anderes Bild als die Summe der einzelnen Paul Hillier, voice, Nigel North, lute, aber ganz offenbar eine Passion für Alte Mu-
Aufnahmen. theorbo, guitar sik hat, singt mit schlanker Stimme, präsent
Nun, was soll ich sagen? Wenn Sie erwarten, Gedichte von John Donne, vertont von Hen- aber unaufdringlich und sehr klar verständ-
einen Musiker vor sich zu bekommen, der ry Lawes, William Corkine, John Wilson, lich dem Text dienend. Und auch Nigel North
philologisch und politisch korrekt seine Alte Alfonso Ferrabosco u.a., Henry Lawes: Se- ist als erfahrener Musiker über alle Zweifel er-
Musik zelebriert, authentisch bis in die Haar- lect Ayres & Dialogues (1669) haben.
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 29
Zu der Zeit, als die spanische Reconquista die drei Sängerinnen und Sängern sowie fünf
Florilegium II mohammedanischen Besatzer endgültig aus
dem Land trieb, um damit eine fast achthun-
Instrumentalisten mit verschiedenen Gitar-
ren, Gambe, Flöten und Schlagwerk. Ihre
dert Jahre andauernde Belagerung zu been- Repertoireauswahl ist außerordentlich ab-
den, war durch die Ehe zwischen Isabella von wechslungsreich – Romanzen, Villanos, Tän-
Kastilien (*1451/1474--1504) und Ferdinand ze und Tanzlieder, solistische Instrumental-
von Aragón (*1452/1479--1516), die „Katho- stücke und eine berühmt-berüchtigte Chaco-
lischen Könige“, erstmals ein vereintes Spa- na (A la vida bona) von Juan Arañés, in der
nien entstanden und eine Zeit großen Wohl- das gute, lästerliche Leben besungen wird.
stands und enormer Machtfülle begann – das Nuria Rial und Raquel Andueza, die beiden
Musik der Goldenen Zeit – Goldene Zeitalter, das auch eine hohe kultu- Sopranistinnen, singen kristallklar, mit deut-
Spanische Musik des 16. Jahrhunderts relle Blüte hervorbrachte. lichem Bemühen um Textverständlichkeit und
Vorgestellt von Peter Päffgen mit der Zurückhaltung, die sie als Spezia-
Música en el Quijote listinnen für Alte Musik ausweist und nicht
Orphénica Lyra – José Miguel Moreno als Primadonnen. Das Instrumental-
Aufgenommen im November 2004 ensemble ist bestens eingestimmt und aufge-
GLOSSA (in Deutschland bei Note 1) GCD legt. Kurz, dies ist eine ebenso kurzweilige
920207 und unterhaltende wie interessante und er-
... erhellende CD ... hellende CD geworden, auf der Stücke, die ei-
✰✰✰✰✰ nem seit Jahrzehnten vertraut sind, in einen
neuen Zusammenhang gestellt werden. Und
ist es nicht so, dass wir Musikinstrumente
wie die Vihuela de mano auf Abbildungen
meist im Zusammenspiel mit anderen sehen
und gerne wüssten, was da gespielt wird.
Und wie? José Miguel Moreno macht Vor-
schläge!

Diese CD beginnt mit der Pavana VI von Luis


Milán ... aber ganz anders, als vielleicht er-
wartet. Wir kennen sie als Solostück für Vi-
huela de mano, und so steht sie schließlich
auch in der gedruckten Quelle, dem Libro de
Musica de Vihuela de mano von 1535. Hier
hören wir sie als Ensemble-Stück mit Flöte, Ay Luna – Música española del Siglo de
Vihuela und Schlagwerk. Oro
Es mag sich kühn anhören, dass Musik des Unda Maris und Guillemette Laurens
16. Jahrhunderts uminstrumentiert, und dass Aufgenommen 2004
das Ergebnis dann als authentisch verkauft Alpha [www.alpha-prod.com] 064
wird. Tatsächlich haben die Interpreten mit ... Zurückhaltung, Respekt, fast Ehrfurcht
ihren Praktiken längst den Bereich des Speku- ✰✰✰✰
lativen betreten, denn nirgends ist belegt,
dass die Stücke jemals in dieser Besetzung Musik der gleichen Zeit wird hier aufgetischt,
gespielt worden sind. Was Wissenschaftler Musik des Goldenen Zeitalters spanischer Ge-
und Musiker aus schriftlichen Quellen und schichte und Kultur. Wir lesen die gleichen
Bilddarstellungen sehr wohl wissen ist, dass Komponistennamen und hören ein Ensemble
es Ensembles in dieser Zusammensetzung ge- ähnlicher Besetzung. Einen spektakulären Un-
geben hat. terschied im Instrumentarium gibt es: einige
In der vorliegenden Werkzusammenstellung Sätze hier sind auf der historischen Orgel aus
geht es um Musik im Umfeld von Miguel de dem frühen 17. Jahrhundert in Lorris-en-Gâti-
Cervantes (1547-1616). Der hat seinen Don nais eingespielt.
Quijote als Musikliebhaber beschrieben, der Mit der berühmten Fantasía von Alonso Mu-
sogar Vihuela gespielt haben soll: „Llegadas darra, welche das Harfenspiel von Ludovico
las once horas de la noche, halló Don Quijote nachahmt, wird das Programm eröffnet –
una vihuela en su aposento ...“ [II/46] Über- und zwar auf der Harfe. Es folgt das Villanci-
haupt ist oft von Musik die Rede in der Ge- co Ysabel, auch von Mudarra gesetzt und
schichte des Ritters von der Traurigen Ge- überliefert, und andere Stücke der Vihuelis-
stalt. ten. Juan de Encina kommt dazu, Diego Ortiz
Das Ensemble Orphénica Lyra unter der Lei- und Antonio de Cabezón. Wieder haben wir
tung von José Miguel Moreno ist besetzt mit es mit einem Repertoire zu tun, das als Musik
30 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
für ein Soloinstrument überliefert, und sicher Hier gibt es das Vihuela-Repertoire pur, ge-
nicht (nur) in dieser solistischen Form auf- spielt von Juan Carlos Rivera. Milán, Mudar-
geführt worden ist. Aufführungsanweisun- ra, Narváez, Pisador, Valderrábano und Fran-
gen, die über die abgedruckte Tabulaturen hi- cesco da Milano. Letzterer wird erst seit eini-
nausgehen, gibt es nicht. gen Jahren zu den Vihuelisten gezählt, als
Wenn Orphénica Lyra die Musik musikan- nämlich endlich ein Exemplar von dessen
tisch, beinahe fast komödiantisch angeht, Druck „Intavolatura da Viola o vero lauto“
höre ich bei Unda Maris mehr Zurückhaltung, von 1536 gefunden worden war. Dieses Tabu-
Respekt, fast Ehrfurcht vor dem Überliefer- laturbuch war in der Musikwissenschaft be-
ten. Nicht, dass hier musikantische Lust und kannt, aber niemand hatte je ein Exemplar
Leidenschaft fehlten, aber schon die instru- gesehen – auch nicht Arthur Ness, der 1970
mentale Beschränkung auf die „klassische“ die Ausgabe „The Lute Music of Francesco
spanische Besetzung mit Zupfinstrumenten Canova da Milano“ bei Harvard University
(Vihuela, Gitarre, Harfe) und Tasteninstru- Press herausbrachte.
menten, setzt andere Akzente als die Beset- Dann erschien 1977 eine Faksimile-Ausgabe
zung mit Flöten.
der Quelle bei Minkoff in Genf. Ein Exemplar Gerardo Arriaga (Hrsg.), Libros de Musica
Man bedenke in diesem Zusammenhang, dass
war in der Bibliothèque Nationale in Paris ge- para Vihuela 1536-1576
die Quellen die hier von beiden Ensembles
funden worden. Das Buch ist übrigens eine Madrid Òpera Tres
benutzt werden, die gedruckten Tabulaturbü-
Besonderheit, als in ihm als einziger Quelle ISBN 84-95609-41-X
cher von Luis Milan, Alonso Mudarra und an-
insgesamt, eine Tabulatur verwendet wird,
deren, eher späte Quellen für diese Ensem-
die als Neapolitanische Tabulatur auf dem Diese CD bringt das gesamte Repertoire für
blemusik sind. Am Hof Isabellas von Kasti-
Blatt Regola Universale von Michele Carrara Vihuela, bzw., genauer gesagt, das gesamte
lien, der Katholischen Königin und deren
Tochter, Johanna der Wahnsinnigen erklärt wird. gedruckt überlieferte Repertoire für Vihuela
(*1479/1504-1516/+1555), Mutter von Karl Aber neben den sechs Fantasien von Frances- inklusive der handschriftlichen Zusätze in
V. (*1500/1519-1556), wurde sie gepflegt. co Canova aus Mailand hören wir auf dieser den jeweils verwendeten Exemplare. Und na-
Milans Tabulatur erschien aber erst 1535/36. CD eine Reihe von Vihuela-Werken, die an- türlich bringt sie das große Repertoire nicht
Die drei eingeschobenen Orgelstücke übri- sonsten nicht zu hören sind, und wir hören in Form von Klangaufnahmen, sondern erst-
gens stammen von Francisco Correa de Arau- einige bekannte Stücke nicht -- die Fantasia mals als Faksimiles digital.
xo (1575-1654) und Antonio Cabezón (1510- von Mudarra zum Beispiel, die auf den bei- Bravo! Ich habe lange damit gerechnet, dass
1566) und sind alles andere als „Kirchenmu- den bisherigen CDs dargeboten wurde. Pisa- Faksimile-Verlage sich von gedruckten Ausga-
sik“ im herkömmlichen Sinn – zumindest in dor und Valderrábano sind selten zu hören, ben auf digitale Bildbereitstellung umstellen.
der Aufbereitung, wie wir sie zu hören be- noch nie habe ich die Sätze von Francisco Pá- Ich habe auch lange damit gerechnet, dass
kommen. Das erste Stück ist ein Tiento 23 de ez gehört, die handschriftlich überliefert man Quellen bei internationalen Bibliotheken
sexto tono sobre la primera parte de la batal- sind, oder die Differencias de Folías, die von nicht mehr als Mikrofilme oder Fotokopien
la de Morales, das letzte Todo el mundo en Hand in das Wiener Exemplar von Silva de Si- anfordern kann, sondern dass man sie im In-
general – Glosas sobre el canto llano. Die CD renas von Enriquez de Valderrábano eingetra- ternet downloaden kann. Das spart personel-
endet mit fröhlichen, virtuosen und sehr gen worden sind. Hier gibt’s sie! len Aufwand und schont die teils kostbaren
weltlichen Variationen über den Canto llano Juan Carlos Rivera wollte also keine Highlight und fragilen Vorlagen, weil sie nicht für je-
de la Immaculada concepción de la Virgen CD, kein „Best-of“. Aber was wollte er? Das dem Voyeur neu vervielfältigt werden müs-
Maria. sen. Hier ist beispielsweise die Königliche Bi-
umfangreiche Booklet (82 Seiten) gibt Aus-
bliothek in Kopenhagen Vorreiter was den Be-
kunft, und zwar auf Spanisch, Französisch
reich der Gitarrenmusik angeht.
und Englisch: The mystery of the vihuela – a
Der Musikverlag Ópera tres in Madrid hat die
search for answers.
sieben im 16. Jahrhundert gedruckten Vihue-
Über das Repertoire der beiden CDs von Orp-
la-Bücher auf CD herausgebracht, und ich
hénica Lyra und Unda Maris finden wird In-
vermute, er war damit gerade noch rechtzei-
formationen im Booklet und über die Cham-
tig. Vielleicht dauert es nicht mehr lange,
bure-Vihuela, die sich heute im Museum der
dann kann man sich die einzelnen erhaltenen
Cité de la Musique in Paris befindet und die Exemplare dieser Bücher von den jeweiligen
bestimmt noch von sich reden machen wird Bibliotheken oder Sammlungen kostenlos
– auch hier! Aber Licht ins Dunkel der über das Internet herunterladen. Informatio-
Entwicklungsgeschichte des Instruments nen bringen uns erst dann weiter, wenn sie
kann Juan Carlos Rivera mit seinem Text leicht und kostenlos zugänglich sind, das
nicht werfen – und das soll er auch gar nicht. weiß nicht nur ich, das wissen auch die Ver-
Der Musik wegen haben Menschen seine CD walter des Wissens, und dazu gehören die Bi-
gekauft – und sie bekommen etwas geboten! bliotheken.
Rivera spielt das, was in seiner Tabulatur Gut, so viel vorweg! Die CD von Ópera Tres,
steht, nicht mehr und nicht weniger. Er ist die über verschiedene europäische Institutio-
Tañer de gala: Música para vihuela kein Improvisator, kein Musiker, der verzie- nen und Verlage vertrieben wird (dazu gehö-
Juan Carlos Rivera rend, umspielend oder paraphrasierend seine ren die Englische Lute-Society und der Verlag
Werke von Milán, Francesco da Milano, Musik größer macht. Nein, Juan Carlos Rivera Chanterelle in Heidelberg) bietet all das, was
Narváez, Mudarra, Valderrábano, Pisador geht eher philologisch ans Werk, spielt ge- eine digitale Aufbereitung bietet oder bieten
und Francisco Páez nau, klangschön aber nicht schwelgend, vir- sollte. Man kann die Bücher Seite für Seite
Aufgenommen im Juli 2000 tuos aber nicht sportiv. Kulinarisch ist seine betrachten. Man kann vor- und zurückblät-
cantus C 9631 Repertoire-Auswahl und kulinarisch ist auch tern. Man kann einzelne Seiten und ganze Be-
... genau, klangschön aber nicht schwel- die Aufmachung seiner CD, wie die der bei- reiche ausdrucken. Und, jetzt wird es interes-
gend ... den anderen soeben vorgestellten Produktio- sant: Man kann die enthaltenen Kompositio-
✰✰✰✰ nen. nen sortieren lassen nach solchen für Vihue-
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 31
Plattentipp
la, für Gesang und Vihuela oder
für zwei Vihuelas. Diejenigen Bü-
cher, bei denen die Farbe eine
Aussage hat, zum Beispiel bei Fu-
enllana, bei der der die Gesangs-
Brigitte Zaczek,
timme in rot in die Tabulatur ein-
romantische Gitarre II
gedruckt ist, sind in Farbe wieder-
gegeben, die, bei denen das nicht Werke von Napoléon Coste
der Fall ist, in Schwarz-weiß. Aufgenommen im Juli 2005
Ein Booklet von 86 Seiten liegt Extraplatte EX 652-2
bei, in dem viele Informationen Würde und Ernsthaftigkeit
der CD noch einmal in gedruckter ✰✰✰✰✰
Form vorliegen, was eigentlich
überflüssig ist. Aber man findet In welche Welt wurde Napoléon Coste
auch eine sehr interessante Biblio- am 27. Juni 1805 geboren? Die Franzö-
grafie zum Thema Vihuela sowie sische Revolution war noch nicht ganz
Kommentare zu jedem einzelnen verdaut und ein kleiner Korse mit gro-
hier „nachgedruckten“ Buch wie ßen Ambitionen, Napoléon Bonaparte,
weitere Fundorte (die man aller- war dabei, Europa neu zu ordnen. Nicht
dings auch bei Brown, Instrumen- alles gelang ihm militärisch, aber sein
tal Music Printed Before 1600, fin- Organisationstalent war bemerkens-
det, da sogar mit Konkordanzen, wert. Ein halbes Jahr vor Costes Geburt,
oder im RISM-Band Sammelwerke) am 2. Dezember 1804, krönte er sich in
oder moderne Ausgaben. Paris selbst zum Kaiser der Franzosen,
Bei Chanterelle kostet die CD-ROM in den Jahren danach hatte er Fortune,
EUR 59,90 ... nicht billig, aber was seine Kriege gegen Österreich und
Preußen anging. Als er sich aber mit
wenn man die einzelnen Faksimi-
dem Rest der Welt anlegte, war das En-
les kaufte, käme es sehr viel teurer
de seiner Siegessträhne abzusehen und
… und alle gibt es nicht einmal.
Bonaparte erlebte schließlich sein nicht
Hier, in einer ONLINE-Zeitschrift,
nur sprichwörtliches Waterloo.
kann das digitale Publizieren nur
1805 aber, als der andere Napoléon geboren wurde, war Bonaparte noch auf der Erfolgsschiene
als mindestens adäquate Form des
und so wurde unser Komponist Napoléon genannt. Klar dass sein Vater, ein ehemaliger Offizier,
Veröffentlichens bewertet werden
für ihn eine militärische Karriere vorgesehen hatte. Klar auch, dass er sie nicht eingeschlagen hat
– wenn nicht gar als überlegene.
… schließlich wissen wir ja, was aus ihm geworden ist.
Aber natürlich gibt es Anwen-
Der Gitarre nahm sich der junge, kränkelnde Napoléon an, nicht ahnend, dass die kometenhafte
dungsgebiete, wo die gedruckte
Karriere dieses Musikinstruments sehr bald schon ein jähes Ende haben würde. Mehr noch: Seine
Ausgabe eindeutig im Vorteil ist: eigene Laufbahn wurde 1863 durch einen Unfall, in dem er sich ein Handgelenk brach, beendet.
Beispielsweise spielt es sich Aber schon 1856 war der Brüsseler Wettbewerb für Komponisten und Gitarrenbauer von Nikolai
schlecht, wenn man das musikali- Petrovich Makaroff (1810-1890), an dem Coste teilgenommen hatte, unternommen worden, weil
sche Material nur auf dem Bild- sich immer weniger Menschen für die Gitarre interessierten. Coste wurde übrigens mit seiner
schirm v0r sich hat – ganz zu Grande Serenade op. 30, die hier eingespielt ist, dabei Zweiter. Zweiter hinter Caspar Joseph
schweigen von der Möglichkeit, in Mertz.
gedruckte Ausgaben Notizen wie Dass Napoléon Coste nach dem Ende seiner Karriere das harte Los blühte, sein Leben als Staatsbe-
Fingersätze oder Phrasierungen amter mit Quittungen und Beurkundungen zu fristen – das hat er nicht verdient! Vielleicht woll-
einzutragen. Geht am Bildschirm te seine Kompositionen niemand mehr hören, aber das lag daran, dass niemand mehr die Gitarre
nicht! Aber natürlich kann man die hören wollte. Selbst spielen konnte Coste nicht mehr – vielleicht hatte er auch Probleme, Inter-
Tabulaturseiten, die man tatsäch- preten zu finden?
lich spielen möchte, ausdrucken. Im Zwanzigsten Jahrhundert jedenfalls wagten sich Interpreten zunächst nicht an die Napoleoni-
Das immens umfangreiche Reper- schen Gitarrenstücke, obwohl gleich zu Anfang bei der Gitarristischen Vereinigung in München
toire, das man durch digitale Aus- und der Freien Vereinigung zur Förderung Guter Gitarrenmusik in Augsburg einige von ihnen he-
gaben zur Verfügung haben kann rausgekommen sind. Aber erst die letzten, sagen wir, zehn Jahre haben bei konzertierenden
und wird, muss gesichtet, geord- Künstlern neues Interesse an Coste hervorgebracht … und das ist gut so!
net und bewertet werden und da- Brigitte Zaczek spielt, nein, sie offeriert, präsentiert oder zelebriert die Stücke mit großer Würde
mit wird die klassische Editoren- und Ernsthaftigkeit. Wissen Sie, wie ein Orchester mit dem Renommee und der Klasse der Wiener
Tätigkeit auch in Zukunft gefragt Philharmoniker, das eine Polka oder einen Walzer von Strauss spielt und damit in die höchsten
sein. Wenn jedem Konsumenten künstlerischen Sphären entschwebt. Sogar Johann Strauss ist auf der CD vertreten: Coste hat 16
die Quellen auf Fingerklick zur Walses favorites de Johann Strauss als sein op. 7 herausgebracht, und davon sind acht hier wie-
Verfügung stehen, wird der wis- dergegeben. Gut, die Zaczek ist Wiener Urgestein, das hört man (auf der CD!). Passt für Strauss.
senschaftlich erfahrene und praxis- Und wenn die Donau nicht blau ist und der Prater nicht voll Flieder? Dann ist sie Erzmusikerin.
erprobte Herausgeber vermutlich Passt auch!
wichtiger als bisher, weil die Aus- Ach ja: Diese CD ist wieder einmal ein Gesamtkunstwerk. Gespielt wird Coste, und das auf origi-
wahl zwischen Gutem und weniger nalen Instrumenten. Das Ganze ist exzellent verpackt und mit Fotos versehen. Alfred Komarek
Gutem schwieriger geworden ist, hat den Text geschrieben. Kennen Sie nicht? Aber Sie kennen Gendarmerie-Inspektor Simon Polt,
als sie es vorher war … und sie war nicht wahr? Sehen Sie!
immer schon schwer! Der Lotse Peter Päffgen
wird immer noch gebraucht – sor- [Für das Foto von Napoléon Coste danke ich Erling Møldrup in Århus herzlich!]
gen Sie sich nicht!

32 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
B
is vor wenigen Jahren lagen
21 Drucke mit Gitarrenmusik
aus der Zeit um 1800 unent-
deckt in der Provinzbiblio-
thek des Servitenklosters Maria Luggau in
Oberkärnten/-Lesachtal.
Das Notenmaterial, das von Wiener Mu-
sikverlagen sowie in Florenz und Leipzig
herausgegeben wurde, gehörte zum Musi-
kalienbestand des 1695 gegründeten und
1978 der Diözese St. Pölten übergebenen
Servitenklosters Maria Jeutendorf in Nie-
derösterreich1. Im Rahmen musikhis-
torischer Grundlagenforschung bezüglich
der Tiroler Servitenprovinz erscheint hier-
mit erstmalig ein Verzeichnis dieses ent-
deckten Notenbestandes.
Die elf in den oben genannten Drucken
vertretenen Komponisten kommen aus
dem deutschen und italienischen
Sprachraum. Unter ihnen befinden sich
bedeutende Meister ihres Instruments,
allen voran der Italiener Mauro Giuliani2,
der von 1807 bis 1829 als gefeierter Gi-
tarrenvirtuose und Lehrer in Wien lebte
und zu den Wegbereitern der Wiener Gi-
tarrenkunst nach 1800 zählte. Der Gitar-
rist und Komponist Ludwig Wolf gilt als
der erste aus Wien stammende Vertreter
des künstlerischen Gitarrenspiels dieser
Epoche.
Die Gitarre scheint auch ein beliebtes In-
strument im Rahmen des klösterlichen
Musizierens gewesen zu sein. Außer im
Ser-vitenkloster Maria Jeutendorf, das
Mitte des 18. Jahrhunderts auch als
Noviziats-haus diente und in dem unge-
fähr 20 Patres lebten, fanden sich auch im
Innsbrucker Servitenkloster Handschriften
und Drucke mit Gitarrenmusik3. Es ist
anzunehmen, dass die Kleriker und
Novizen in ihrer freien Zeit und bei
besonderen Anlässen auch auf der Gitarre
musizierten.
Vom Notenbestand des Servitenklosters
Maria Luggau aus dieser Zeit ist uns nur
wenig erhalten, darunter ein einziger
Druck für Gitarre und Gesang, eine Kom-
position des Leonhard von Call4: Der
Franz M. Weiß OSM Schulmeister, Komisches Terzett für 3
Singstimmen mit Begleitung von Pi-
Verzeichnis der Drucke mit Gitarrenmusik anoforte oder Guitarre, Verlag Joh. André
in der Provinzbibliothek Offenbach a/M. Dieses humoristische In-
termezzo für Bassstimme, zweistimmigen
des Servitenklosters Maria Luggau Falsettchor und Begleitinstrument eignete
sich besonders für eine Aufführung bei
schulischen Veranstaltungen und Fes-
tlichkeiten, zumal das Kloster Maria Lug-
gau auch Sängerknaben hatte5.
Leonhard von Call (1767 1815) wird im
August 1781 als Zögling des Serviten-
klosters Maria Luggau erwähnt6.
Möglicherweise ist er durch einen Ver-
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 33
wandten, P. Basilius M. von Call OSM dor-
Über den Umgang zeichnet. Hier sind folgende Fragen zu
klären: Wie sorgfältig ist im frühen 19.
thin gekommen. Letzterer war 1779 1780
und in seinem Todesjahr 1803 Vikar des
mit Quellen Jahrhundert der Notenstich angefertigt
worden, das heißt: Wie viele Abwei-
Luggauer Klosters7.
Neben den 21 Drucken für Gitarrenmusik
... am Beispiel von chungen und Fehler sind vom Notenste-
cher produziert worden? Und grund-
aus dem Servitenkloster Maria Jeutendorf,
die keine Eintragungen und Vermerke en-
Mauro Giuliani sätzlich: Wie verlässlich ist eigentlich
überhaupt eine Erstausgabe? Wenn heu-
thalten, wurden auch Musikhandschriften
und Drucke kirchenmusikalischer Werke,
te Notenausgaben hergestellt werden,
sowie Drucke für Zithermusik und weiter-
Wenn man ein Stück Musik herausgeben wird der Notensatz per Computer ange-
er Volksmusik von Jeutendorf nach Maria
will, braucht man eine verlässliche fertigt und dann wird eine Auflage von
Luggau überstellt.
Quelle, um den Vorstellungen des Kom- vielleicht 1.000 Stück gedruckt. Vor
In einigen Musikhandschriften und Druck-
ponisten möglichst nahe zu kommen – zweihundert Jahren wurden die Noten
das Autograph des Komponisten mit Er- gestochen und dann wurden sehr kleine en werden mit den Jahresangaben 1849,
klärungen zu eventuellen Unklarheiten. Auflagen gedruckt – vielleicht sogar je 1855, 1887–1888 und 1890 die Volkss-
Wenn es um zeitgenössische Musik nach Bedarf. Die Stichplatten wurden chul-lehrer Franz und Josef Eder als Eigen-
geht, lässt sich das relativ leicht be- aufgehoben und, wenn sich herausstell- tümer genannt. Beide waren in ihrer beru-
werkstelligen, je älter die Musik aber te, dass dem Notenstecher Fehler unter- flichen Laufbahn auch Oberlehrer in Maria
ist, die herausgegeben werden soll, um- laufen waren, entsprechend korrigiert. Jeutendorf, Josef Eder außerdem 1887
so schwieriger stellt sich die Quellenla- Das heißt also, dass eine Erstausgabe, Leiter der Volksschule. Beide dürften um
ge dar. Als Beispiel mag hier ein Stück also der erste Abdruck von einer Druck- die musika-lische Ausbildung der Jugend
Gitarrenmusik des frühen 19. Jahrhun- platte, fast notwendigerweise ein weni- und vielleicht auch um die der Novizen
derts gelten – vielleicht ein Stück von ger zuverlässiges Bild von einer Kompo- und Kleriker des Jeutendorfer Serviten-
Mauro Giuliani. sition wiedergibt, als ein späterer klosters bemüht gewesen sein. Ihnen
In wenigen Fällen liegen, was Giuliani Druck. Auf jeden Fall findet man frühe oblag die Leitung des dortigen Kirchen-
angeht, Manuskripte vor, anhand derer Ausgaben mit den gleichen Plattennum- chores, für den sie auch Werke bedeuten-
Urtext-Ausgaben erstellt werden könn- mern, die sich in Details voreinander der Komponisten abschrie-ben.
ten. Der Katalog der Rischel und Birket- unterscheiden. Das heißt, dass tatsäch-
Smith Sammlung in Kopenhagen (Com- lich so verfahren wurde. Die Stichplat-
piled by Jytte Torpp Larsoon, edited by ten sind nach Bedarf korrigiert und da- VERZEICHNIS DER DRUCKE:
Peter Danner, Columbus/Ohio 1989) lis- bei nicht gekennzeichnet worden. Wie
tet insgesamt über 50 Handschriften mit also kann ein Herausgeber erkennen,
Anonymus
Werken von Giuliani auf, die meisten welche der Ausgaben, die ihm zur Ver-
Chanson Mamma mia non mi sgridate etc.
davon sind Abschriften und keine Auto- fügung stehen, die älteste ist? Ist es die
An den schönsten Frühlingsmorgen etc.
graphen. Auskunft darüber von welchen mit den meisten Fehlern?
Werken Handschriften überliefert sind, Auf jeden Fall kann es heute kein Pro- pour le Forte Piano ou Guitarre avec une
liefern klassischerweise Monographien blem mehr sein, an Kopien oder Mikro- Flute, Johann Traeg Wien, ca. 1808, PN
wie die von Thomas F. Heck (The Birth filme von frühen Ausgaben oder Hand- (=Plattennummer) 302
of the Classic Guitar and ist Cultivation schriften zu kommen. Bei einer ganzen Anonymus
in Vienna, reflected in the Career and Reihe von Bibliotheken kann man sie Die Schildwache für Guitare oder Forte-
Compositions of Mauro Giuliani, Diss, schon kostenlos per Internet herunterla- piano, ohne Orts und Jahresangabe, PN
Yale University, 1970 und Mauro Giulia- den. Ich kann mich noch erinnern, dass 1419
ni – Virtuoso Guitarist and Composer, bei einem großen Musikverlag „revi-
Columbus/Ohio 1995). Verschiedene an- dierte Ausgaben“ von Gitarrenwerken Bevilacqua, Matteo (ca. 1772 1825)
dere sind über Gitarristen/Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts von nam- Deux Marches pour une Guitare seule, Jo-
erschienen. Hier findet man Werkver- haften Gitarristen angefertigt wurden, hann Cappi Wien, o. J., PN 322
zeichnisse und dabei Fundlisten: In wel- die keinen Schimmer hatten, wie sie an
Blumenthal8, Leopold von
chen Bibliotheken oder Privatsammlun- „originale“ Ausgaben kommen konnten
gen befinden sich Handschriften der ein- – und, nebenbei bemerkt, das auch gar Variations pour la Guitarre sur le marche
zelnen Werke oder, wenn nicht vorhan- nicht für nötig hielten. Die Revisionen de l’ opera Aline... dediées a Monsieur
den, frühe Ausgaben? Leider erfasst das sind anhand der letzten Ausgaben im Maure Guiliani ... Ludwig Maisch Wien, ca.
große Quellenlexikon der Musik nur die gleichen Verlag angefertigt worden, das 1815, PN 13
überlieferten Ausgaben vor 1800: Ré- heißt, es sind die Fehler des Vorgängers Bornhardt, Johann Heinrich Carl
pertoire International des Sources Musi- weitergeführt und noch ein paar eigene (1774 1840)
cales (RISM), daher ist man auf solche dazugetan worden – und das seit zwei-
Trois Thêmes variés pour la Guitarre... de-
Einzelveröffenlichungen angewiesen. hundert Jahren!
diés À Mademoiselle Caroline Louise Com-
Zum Thema frühe Ausgaben oder „Erst- Der Beitrag von Pater Franz M. Weiß ist
tesse de Lippe Schaumbourg... Ambrosius
ausgaben“: Überall da, wo keine Hand- ein weiterer Schritt, die Quellenlage,
Kühnel Leipzig, o. J., PN 590
schriften überliefert sind, greifen Edito- was Gitarrenmusik angeht, immer über-
ren und Wissenschaftler auf frühe ge- sichtlicher und besser werden zu lassen. Call, Leonhard von (1767 1815)
druckte Ausgaben zurück. Auch sie sind RED. Variations pour La Guitarre seule... Tran-
in den genannten Monographien ver- quillo Mollo Wien, 1804, PN 1403
Fier9, Jean B. de (ca. 1800)
34 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Rondeau pour la Guitare seule... Oeuvre Comte George Waldstein... Op. 20, Giu- ANMERKUNGEN:
8, Thaddäus Weigl Wien, ca. 1808, PN seppe Lorenzi Firenze, PN 713
1004
Harder, Augustin (1775 1813)
Gelli10, F. Vincenzo (19. Jahrhundert) Petites Pièces progressives pour la Guitar-
Six Variations pour la Guitarre... dediées à re... Ambrosius Kühnel Leipzig, o. J., PN
1 Alois Hörmer und Josef Tscharny, Wallfahrts-
Mademoiselle Thérése Young... Oeuvre 444 kirche Jeutendorf, o. J.
4e, Johann Cappi Wien, o. J., PN 1227 2 Brian Jeffrey, Mauro Giuliani, The Complete
Molitor, Alois Franz Simon Joseph
Works in Facsimiles of the Original Editions
Giuliani, Mauro (1781 1829) (1766 1848)
(Tecla Editions), London 1986.
Choix de mes Fleurs cheries ou Le Bou- Sonate pour la Guitare... pour Mademoi- Thomas F. Heck, Mauro Giuliani: Virtuoso Gui-
quet Emblématique pour la Guitarre... De- selle d’Engelhardt ... Oeuvre 11, Thad- tarist and Composer, Columbus 1995.
dié a Monsieur Jules Piraud... Oeuvre 46, däus Weigl Wien, ca. 1808, PN 1019 3 175 Jahre Musikverein Musikschule Konser-
Artaria und Comp. Wien, 1814, PN 2287 vatorium in Innsbruck. Herausgegeben von
Mozart, Wolfgang Amadeus (1756
Wolfgang Steiner im Auftrag des Tiroler Lan-
Giuliani, Mauro (1781 1829) 1791) deskonservatoriums, Innsbruck 1993, S. 207.
Pot Pourri pour la Guitarre... Oeuvre 18, Marsch für die Guitarre aus der Oper Die 4 Alois Mauerhofer, Leonhard von Call – Musik
Artaria und Comp. Wien, 1808, PN 2026 Zauber Flöte (Bearbeitung von Matteo Be- des Mittelstandes zur Zeit der Wiener Klassik,
vilacqua)11 ... Johann Cappi Wien, o. J., in: Der Schlern 49 (1975) S. 218. Ders.: Call in:
Giuliani, Mauro (1781 1829) Die Musik in Geschichte und Gegenwart,
PN 5.E
Sei Variazioni per Chitarra sul Tema origi- Zweite neubearbeitete Ausgabe, Personenteil
nale Russo... dedicate Al Signor Barone Paer, Ferdinand (1771 1839) III, Kassel (u.a.) 2000, Sp. 1689-1690
Giuseppe de Brentano dal suo Maestro... Marsch für die Guitarre aus der Oper 5 DIARIUM PRIORATUS VENERABILIS CONVEN-
Op. 60, Chemische Druckerei Wien, 1814, Achille (Bearbeitung von Matteo Bevi- TUS DIVAE THAUMATURGAE LUCCAVIAE AB
PN 2252. lacqua)12... Johann Cappi Wien, o. J., PN ANNO DOMINI 1780-1880, zum 25.12.1780
6 DIARIUM PRIORATUS VENERABILIS CONVEN-
323
Giuliani, Mauro (1781 1829) TUS DIVAE THAUMATURGAE LUCCAVIAE AB
Six Variations pour la Guitarre... Dediées Sperber13, A. ANNO DOMINI 1780-1880, zum 23. 8. 1781
A Monsieur Charles Dellavos par son Mai- Grande Serenade pour la Guitarre Seule... 7 P. Basilius M. Callo OSM *7. 3. 1737
Eppan/Südtirol, +24. 12. 1803 Maria
tre... Oeuvre 34, Artaria und Comp. Wien, dediée au celebre Mauro Giuliani par son
Luggau/Kärnten, Ordenseintritt 4. 6. 1758 Vol-
1812, PN 2249. ami... Op.4, Chemische Druckerei Wien, ders/Tirol, Profeß 4. 6. 1759 Volders/Tirol,
ca. 1808, PN 1124 Priesterweihe 16. 5. 1761 Brixen, Primiz 6. 6.
Giuliani, Mauro (1781 1829)
1761 Innsbruck, 1776-1778 Prior des Serviten-
Six Variations pour la Guitarre... sur un Wolf, Ludwig Joseph (1775 1819)
klosters Maria Waldrast/Matrei am Brenner,
thême original, Oeuvre 62, Johann Peter Thema avec Six Variations pour la Guitar- 1780 Vikar des Servitenklosters Maria Lug-
Spehr Braunschweig, PN 441 re seul... Chemische Druckerei Wien, ca. gau/Kärnten, 1799 Vikar und Syndicus, 1803
1807, PN 584 Vikar.
Giuliani, Mauro (1781 1829)
8 Gitarre, Wien 1926, Verlag der Zeitschrift für
Six Variations pour la Guitarre Sur un thé- die Gitarre, nennt Joseph von Blumenthal
me tiré du Ballet Die feindlichen Vollks- 9 Zuth S. 98
Herzlich danke ich Frau Dr. Hildegard Her-
stäme... Op.7, Artaria und Comp. Wien, 10 Zuth S. 113
rmann Schneider, Innsbruck für die
1807, PN 1952 11 mitgeteilt durch Dr. Stephan Hackl, Rinn bei
Datierung der Drucke, P. Laurentius Innsbruck
Giuliani, Mauro (1781 1829) Schlieker OSB, Benediktinerabtei Gerleve 12 mitgeteilt durch Dr. Stephan Hackl, Rinn bei
Six Variations Sur un Thême Original Pour für die redaktionelle Bearbeitung des Innsbruck
Guitare seule... Dediées A Monsieur Le Textes. 13 Zuth S. 261

Neuerscheinungen für Gitarre


Manuel M. Ponce Olli Mustonen
Guitar Works Jehkin livana
Urtextausgabe Sonaatti kitaralle/Sonata for Guitar
Herausgegeben von Tilman Hoppstock 16 Seiten, geheftet
Inhalt: Thème varié et Finale – Sonata clásica – ISMN M-001-13893-2 (GA 543) · € 12,95
Sonate Romantique – Sonatina
64 Seiten, geheftet Mustonens Sonate für Gitarre entführt in die sagen-
ISMN M-001-14018-8 (GA 544) · € 13,95 hafte Welt finnischer Mythen und Epen, als tapfere
Helden die Geschicke des Nordlands führten und
Endlich liegt eine Urtextausgabe dieser Werke ein Volk von Zauberern die endlosen Wälder durch-
vor, die zum Standardrepertoire des 20. Jahr- streifte.
hunderts zählen. Ein interessantes Vorwort und Benannt ist die Sonate nach Jehkin Iivana. Iivana
MA_0003_05 · 05/06 c

ein ausführlicher kritischer Bericht geben (1843-1911) war einer der letzten großen Vertreter
Auskunft über die Quellenlage und die daraus des traditionsreichen Runengesangs und ein Meister
resultierenden Entscheidungen des Herausgebers. im Spiel der Kantele. Faszinierend lässt Mustonen
Die Originalfassungen von „Thème varié et Finale“ den Klang des finnischen Nationalinstruments von
und „Sonatina“ wurden von dem Herausgeber der Gitarre nachempfinden und schafft eine Atmos-
auf der CD „Manual Ponce: Variations & Sonatas“ phäre, die den Zauber mythischer Welten greifbar
(erschienen bei Signum) eingespielt. nahe erscheinen lässt.

Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 35


STEFAN OSER

Guitarra latina
11 lateinamerikanische Tänze für Gitarre solo (mit CD)

Tudo bem / Mi pañuelito / Samba da meio dia / Delicioso /


Soledad / Diferente / Ay, caramba! / Tan lejos / Que tal? /
Bananera / Bõa noite
Dass der gebürtige Grazer viele Jahre in Lateinamerika musi-
kalisch tätig war, kommt in diesen elf Stücken zum Ausdruck.
Bossa Nova-Compings, Samba-Patterns u.v.m. werden an-
hand einfacher Fingerstyle-
Arrangements mit stilgerech-
ter Percussionbegleitung vor-
gestellt und praktiziert (mit
Play-along-CD mit Gitarre
und Percussion).
Mit Kommentaren zu den
verschiedenen Stilen und
ausführlichen Spielanwei-
sungen der ideale Einstieg in
die faszinierende Welt latein-
amerikanischer Rhythmen!

35 915 € 15,90

d
www.doblinger-musikverlag.at
Axel Halle (Hrsg.), Lautenbuch der Elisabeth
von Hessen, Faksimile 4° Ms. Mus. 108.1 Uni-
versitätsbibliothek Kassel, Kassel u.a. 2005,
Bärenreiter, € 69,00 [www.baerenreiter.com]
Wenn Ihnen als Lautenspieler Elisabeth von
Neue Bücher
Dass in der Einführung die Lebensdaten von
Moritz von Hessen falsch wiedergegeben wer-
den [es heißt auf Seite 9: „Moritz von Hessen
(1573-1638)“ – dabei weisen alle Berichte
aus: 25.5.1572–15.3.1632, ist peinlich, aber
Hessen nicht bekannt ist, grämen Sie sich auch die seiner Tochter und der Widmungs- Elisabeth von Hessen,
nicht! Ihren Vater kennen Sie sicher, mindes- trägerin der Tabulatur-Handschrift, werfen James Tyler und Paul Sparks,
tens dem Namen nach. Er erscheint in einem Fragen auf: Gleich am Anfang steht (1596– Gitarre und Zister
der berühmtesten Sammeldrucke mit Lauten- 1625); drei Seiten weiter heißt es: „Elisabeth
musik, Varietie of Lute-lessons von Robert von Hessen wurde 1592 geboren.“ Die korrek- Von Peter Päffgen
Dowland (London 1610), und zwar mit einer ten Daten sind: 24.3.1596–16.12.1625.
Pavane, die mit diesen Worten John Dow- Angelika Horstmann scheint sich auch in der
land, dem Vater Roberts, gewidmet ist: Lautenmusikforschung nicht wirklich umge-
„Mauritius Landgravius Hessiæ fecit in hono-
rem Ioanni Doulandi Anglorum Orphei.“
Vater Dowland (John, 1563-1626) hatte sich
1594 um die vakante Stelle des Hoflautenis-
ten bei Elizabeth I. beworben (John Johnson
war kurz vorher gestorben – s. hierzu Florile-
gium in dieser Ausgabe S. 28). Dowland
wurde abgelehnt, weil er bekennender Ka-
tholik war (so jedenfalls deutete der Ver-
schmähte selbst die Entscheidung in einem
Brief aus dem Jahr 1595). Im März 1595 fand
er Aufnahme bei dem kunstsinnigen Kurfürs-
ten Moritz von Hessen in Kassel [!], und er-
neut, nach einer ausgedehnten Italienreise,
ein oder zwei Jahre später. Moritz (1562-
1632) war vor allem der Musik sehr zugetan
und so wurde dann auch seine älteste Tochter
Elisabeth (1592-1625) im Lautenspiel unter-
richtet. Die Handschrift, die sich heute unter schaut zu haben. Auf fol. 94v-95 findet sich
4° Ms. Mus. 108.1 in der Kasseler Universitäts- eine Galliard Dullande, zu der die Autorin im
bibliothek befindet und nun als Faksimile Index meint: „nach/after John Dowland“.
vorliegt, war ihr „Spiel und Übungsbuch“ Dieses Stück wurde schon 1974 in der epo-
und zum Teil von ihr selbst, zum anderen chalen Ausgabe „The Collected Lute Music of
von Victor de Montbuysson und Georg John Dowland“ von Diana Poulton veröffent-
Schimmelpfennig geschrieben. licht und zwar als A Galliard (on a galliard by
Was letztere Schreiber angeht, weiß Angelika Daniel Bacheler). Man bedenke, dass John
Horstmann, die Autorin eines recht umfängli- Dowland mehrmals Gast von Elisabeths Vater
chen Einführungstextes (in deutscher und Moritz in Kassel gewesen ist und dass es bei-
englischer Sprache) über Montbuysson wenig nahe erwartungsgemaß ist, dass Stücke die-
zu berichten, nur, dass er von 1598 bis 1623 ses Musikers in die Handschrift aufgenom-
in der Kasseler Hofkapelle fest angestellt war, men worden sind.
und dass er sich 1638 mit seinem einge- Der Faksimile-Teil der Ausgabe ist mustergül-
deutschten Namen „von Bergwald“ aus Den tig, die Bindung ist der originalen nachemp-
Haag gemeldet und um Geld angehalten hat. funden … ein schönes Buch – nur die Einfüh-
Dies ist freilich nur ein Teil dessen, was wir rung hätte man vielleicht besser von einem
über Montbuysson wissen. 1974 erschien in Fachmann schreiben lassen … oder, noch bes-
Paris die kommentierte Ausgabe Œuvres de ser, von einer Fachfrau. Claudia Knispel hat
Vaumesnil, Edinthon, Perrichon, Raël, Mont- 1993 in Kassel mit einer Dissertation über die
buysson, La Grotte, Saman, La Barre [Paris, Handschrift promoviert: „Das Lautenbuch der
1974, CNRS] von André Souris, Monique Rol- Elisabeth von Hessen“ (als Buch erschienen in
lin und Jean-Michel Vaccaro in der Reihe Frankfurt 1994)! Warum hat man nicht sie als
Corpus des Luthistes Français und schon hier Autorin für diese Ausgabe gewonnen?
wurde deutlich mehr über den Lebensweg
von Montbuysson berichtet. So war er zum James Tyler und Paul Sparks, The Guitar and
Beispiel 1603 in Besards Thesaurus Harmoni- its Music from the Renaissance to the present
cus als „Victor de Montbuisson Avenionen- day, Oxford 2002, Oxford University Press [£
sis“, als V.d.M. aus Avignon, vertreten … und 60,00], ISBN 0-19-816713-X
all dies Wissen ist auch schon von H. B. Lo- James Tyler kennen Gitarrenfreunde wegen
baugh in seinem Artikel über den Komponis- seiner Veröffentlichung The Early Guitar und
ten im New Grove Dictionary of Music and seiner Mitwirkung an dem Buch The Early
Musicians von 1980 der Öffentlichkeit preis- Mandolin – beide erschienen im Verlag Ox-
gegeben worden. Frau Horstmann lässt ihre ford University Press. Die vorliegende Veröf-
Leserinnen und Leser, was diese Informatio- fentlichung war, so der Autor im Vorwort,
nen angeht, im Unklaren. fällig: „Having significantly expanded my re-
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 37
search on the early guitar and its music over lien das entwickelte, was wir heute als Mono- sierten Basslinien basierten, zu begleiten. Zu
the past twenty years, I decided that it was die bezeichnen. Dieser Begriff wurde benutzt den Standards gehörten die Romanesca oder
time to publish a new book on the subject”. für von einem Instrument begleiteten Solo- auch der Passamezzo antico und die Begleit-
Er selbst, Tyler, behandelt dabei die Zeit von gesang – Rezitative, Arien, Solomadrigale, instrumenten waren vornehmlich Laute und
ca. 1550 bis 1750 und sein Co-Autor Paul wobei die Begleitung neu definiert und auf- Gitarre. Der Autor zitiert nun frühe Quellen,
Sparks die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts geschrieben wurde: als basso continuo näm- in denen Stücke dieses Neapolitanischen Re-
– hier überschrieben mit „The Origins of the lich. Mit Namen wie Caccini, Peri und Monte- pertoires des 16. Jahrhunderts überliefert
Classical Guitar“. verdi verbinden wir den Begriff stile monodi- sind, und in denen gleichzeitig erste
Tyler behandelt zunächst die vierchörige Gi- co, mit der Entstehung der Oper, der Floren- alfabeto-Notierungen autauchen. Dies ist,
tarre – nicht die Vihuela de mano, der in sei- tiner Camerata usw. Wir erinnern uns an Emi- wenn die Datierung der jeweiligen Hand-
nem früheren Buch noch Platz gewidmet war. lio de Cavalieri (ca. 1550-1602), an Luca Ma- schrift wirklich schlüssig ist, ein Beweis
Sie wird nun als „figure-8-shaped Spanish renzio (1553-1599) und an die Intermedien dafür, dass alfabeto älter ist, als früheste Ge-
equivalent of the lute“, als 8-förmige spani- zu großen Theateraufführungen. Tyler weist neralbass-Quellen. Dies ist umso bemerkens-
sche Laute nur noch am Rande behandelt. auf diese musikalischen Ereignisse hin und werter, als die fünfchörige Gitarre damit eine
Die vierchörige Gitarre des 16. Jahrhunderts darauf, dass die Gitarre in ihnen als Begleit- Rolle im Lauf der Musikgeschichte zugewie-
wird, was das Instrument selbst angeht, instrument eine Rolle spielte. Für 1589 weist sen bekommt, die ihr bisher abgesprochen
seine Verbreitung, Spielweise und Repertoire, er nach, dass sich in einem Intermedium von wurde. Sicher wird auf diesen Punkt noch
intensiv behandelt, wobei ein Kapitel neu Cavalieri eine Sängerin selbst begleitete, und weitere Forschungen angestellt werden!
ist: „England: …yused of gentlimen, and of zwar auf einer chitarrina alla Spagnola, eine „In order to decide which will serve the sty-
the best sort“. Tatsächlich kann der Autor Be- andere auf einer chitarrina alla Napolettana. listic demands of the specific music to be
weise dafür bringen, dass die Gitarre in der Scipione Cerreto (1555-1633), auch auf ihn played, familiarity with all the tunings and
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch in weist Tyler hin, nennt eine chitarra a sette stringing options used in the Baroque is es-
England geschätzt wurde, obwohl er auch chorde, die er auch geringschätzig als bordel- sential. These fundamental details are discus-
jetzt keine Einsicht in das Buch A briefe and letto alla Taliana bezeichnet, als kleines Bor- sed in length in the chapters that follow:” –
plaine instruction for to learne the Tablature, dell italienischer Art. Was Emilio de Cavalieri im weiteren geht es also um aufführungs-
to Conduct & dispose the hand unto the Git- angeht, hat er für seine geistliche Oper Rap- praktische Informationen. Alle Komponisten
tern von Rowbotham bieten kann, das, sieht presentatione de Anima, e di Corpo (uraufge- und Herausgeber werden erwähnt und bewer-
man von ein paar Seiten ab, die 1977 und führt 1600 in Rom) auch den Chitarrone und tet, alle Stimmanweisungen und alle über
später gefunden wurden, immer noch ver- eine chitarrina alla spagnuola gefordert. Verzierungstechniken – Druck und dann
schollen ist. Unter [1568]9 ist dieses Buch Tyler widmet ein ganzes (neues) Kapitel der Handschriften. Es folgt die aus dem früheren
schon bei Brown (Instrumental Music Printed Rolle der Gitarre in der Monodie und jüngs- Band bewährte Quellenliste mit Fundorten,
Before 1600, Cambridge/Massachusetts, ten aufführungspraktischen Forschungen zu und Kommentaren sowie Bibliographie. Diese
1967) verzeichnet und schon der bezog sich diesem Thema … wobei eine Arbeit von Ho- Zusammenstellungen waren schon im Bänd-
auf Erwähnungen (und Vermutungen) in der ward Mayer Brown aus dem Jahr 1981 für ihn chen The Early Guitar für alle Kollegen wich-
Literatur vor ihm. Nun ist durch die gefunde- bereits „recent ground breaking research“ tige Anregungen. Jetzt sind sie umfangrei-
nen Fragmente mindestens bewiesen, dass es darstellt. cher und präziser geworden.
das Buch wirklich gegeben hat. Brown und Die interessante Frage, ob man in der alfabe- Es folgen die französischen, die englischen,
auch James Tyler nehmen an, und diese Ver- to-Schreibweise, die in Italien um 1600 be- skandinavischen und schließlich deutschen
mutung wird durch die gefundenen Seiten kannt wurde, eine Art Vorform des basso- Gitarristen und Komponisten, danach die aus
substantiiert, dass es sich bei dem Instrukti- continuo sehen kann, wird behandelt. Tat- Spanien, Portugal und der Neuen Welt. Der
onsbüchlein um die englische Übersetzung sächlich werden im alfabeto nichts als Ak- Text enthält zahllose Hinweise und Hilfestel-
des Titel Brievfe et facile instruction pour ap- kordfolgen notiert ganz wie beim b.c., des- lungen, was Repertoirehinweise und auffüh-
prendre la tablature à bien accorder, condui- sen Entstehungsorte man aber in Norditalien, rungspraktische Aspekte angeht. Zum jewei-
re et disposer la main sur la guiterne von vor allem Florenz, annimmt. Im Süden, vor- ligen Kapitel findet man Quellenlisten mit
Adrian Le Roy aus dem Jahre 1551 handelt. nehmlich Neapel und Rom, hat es vorher die Fundorten und kurzen inhaltlichen Anmer-
Auch dieses Buch ist übrigens verschollen Praktik gegeben, Sologesang mit einfachen kungen. Es folgen als Anhänge Einleitungen
(aber in einer späteren Auflage von 1565 er- Akkordfolgen, die auf manchmal standardi- in das Spiel nach Tabulaturen, ein Verzeichnis
halten), die Vermutung liegt aber nah, weil derjenigen Quellen, die Informationen über
James Rowbotham 1568 auch die Lauten- Besaitung und Stimmung der fünfchörigen
schule le Roys übersetzt herausgegeben hat: Gitarre enthalten und ein Exkurs über die
A Briefe and eysye instruction to learne the Mandora.
tableture to conducte and dispose thy hande Nun kommt als Part III der Teil des Buches,
onto the Lute … in dem es um die Wandlung des Instruments
Die chitarra spagnola war der nächste Schritt von fünf Chören zu sechs Saiten geht, um die
in der Entwicklung des Instruments – wir ge- eigentliche Geburt der modernen Gitarre (ge-
hen davon aus, dass der terminus technicus schrieben von Paul Sparks). Er ist, wenn man
erst für die fünfchörige „Barockgitarre“ ver- mit dem Bändchen The Early Guitar von 1980
wendet wurde. Erstmalig nachgewiesen ist er vergleicht, dazugekommen: neu. Und das Ka-
für 1579, als ihn Kardinal del Monte benutz- pitel der Gitarrengeschichte ist ein ebenso
te. Er singe zur chitarra spagnola beichtete er spannendes wie sagenumwittertes. Wie
in seinem Brief vom 31. Januar dieses Jahres kamen die Gitarristen auf die Idee, nicht
… obwohl: Ob es sich dabei schon um eine mehr doppelte Chöre auf ihrem Instrument
fünfchörige Gitarre gehandelt hat, kann auch zu verwenden, sondern Einzelsaiten? Und
James Tyler nicht beweisen. Der Begriff ist je- warum gleich sechs und nicht mehr fünf?
denfalls schon verwendet worden. Populär Auf jeden Fall hat es sechschörige Gitarren in
wurde er (oder sie, das heißt die chitarra spa- den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts
gnola) in den letzten Dezennien des 16. Jahr- und vielleicht schon vorher gegeben. Zur
hunderts, zu einer Zeit also, als sich in Ita- gleichen Zeit sind fächerförmig angeordnete
38 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
wartungen, weil die Veranstaltungen zum
Thema Aufführungspraxis oder Instrumen-
tenbau im Kloster Michaelstein als höchstka-
rätig bekannt sind.
17 Beiträge enthält der Band, 12 davon in
Englisch, einige besonders interessante sollen
im folgenden angesprochen werden. Regel-
recht spannend ist der Bericht Description of
the remains of two Dutch citters von Sebas-
tián Nuñez und Verónica Estevez. Die Rede
ist hier von einem Wrack, das 1980 in der
Nähe von Lelystad in den Niederlanden ge-
funden worden ist. Das Beurtschip (Fähr-
schiff, das zwischen Amsterdam und dem
Norden des Landes eingesetzt worden wurde)
ist nach 1619 gesunken und liegt heute kon-
serviert im „Niederländischen Museum für
Schiffs- und Unterwasser-Archäologie“ in Le-
lystad. Nun wäre das Schiff für unsere Belan-
ge nicht weiter von Interesse, wenn es nicht
in den 350 Jahren hervorragend konserviert
unter dicken Schlammschichten gelegen und
Deckenverstrebungen erstmalig zu finden, sich nicht an Bord zwei vierchörige Zistern
und zwar bei einer Gitarre von Francisco San- befunden hätten. Diese beiden Musikinstru-
guino von 1759, die heute im Gemeentemu- mente sind in erstaunlich gutem Zustand –
seum in Den Haag aufbewahrt ist. Diese An- bis hin zu Resten der Messingsaiten, die sich
tonio de Torres (hundert Jahre später) zuge- an den Wirbeln befunden haben und sehr sel-
schriebene Neuerung erlaubte den Bau leich- tene Erkenntnisse über das Saitenmaterial der
terer Instrumente mit dünneren Decken. damaligen Zeit erlauben. Die Erkenntnisse
In die gleiche Zeit fällt die Abkehr von der der Forschungen an den Überbleibseln der
Tabulatur. Erste Versuche wurden mit „nor- beiden Zistern sind in Rekonstruktionen ein-
maler“ Notation gemacht und Giacomo Mer- geflossen, wie in dem Artikel dokumentiert
chi stellte sich selbst als den Innovator dar, ist.
was diese ersten Versuche angeht. Kurz, es Andreas Michel befasst sich mit Quellen zur
war eine Zeit der Experimente und Verände- Geschichte der Zister in Sachsen vom 16. bis
rungen. In Frankreich waren die ersten „Gi- 19. Jahrhundert. 93 davon sind beschrieben,
tarren“, die mit Einselsaiten bezogen wur- darunter Tabulaturbücher, Instrumentenin-
den, so Sparks, die neu erfundenen Lyragitar- ventare, Berichte und Abbildungen. Da Sach-
ren, die seit ca. 1780 in Umlauf waren. sen „zu den wenigen europäischen
Regionen“ gehört, „in denen sich eine unge-
Monika Lustig (Hrsg.), Gitarre und Zister: brochene Tradition in der Herstellung und im
Bauweise, Spieltechnik und Geschichte bis Gebrauch von Zistern feststellen lässt“ ist
1800, 22. Instrumentenbau-Symposium Mi- dieser üppige Quellenbestand zu verzeich-
chaelstein, 16.-18. November 2001, Dößel nen.
2004, Verlag Janos Stekovics [ISBN 3-89923- Xosé Crisanto Gándara betrachtet Portuguese
078-7] € 34,80 Plucked Instruments in the Eighteenth Cen-
Kongressberichte, um einen solchen handelt tury und auch er muss sich zunächst mit Fra-
es sich bei dieser Veröffentlichung, sind oft gen der Terminologie befassen: „The word
dröge und schlecht lesbar. Die Beiträge gehen „guitarra“ means an instrument which cor-
oft zurück auf Vorträge, die anlässlich der je- responds to a kind of cittern: that is, with no
weiligen Symposien oder Kongresse zum bouts. But even in Portugal, the word “viola”
hundertsten mal gehalten worden sind, und has two different meanings …”
manchmal stellt man anhand der schriftlichen Mit terminologischen Fragen hatte sich
Dokumentation erschrocken fest, wie blass gleich der erste Beitrag des Konferenzberichts
ein Vortrag gewesen sein muss, dem man, an von Christian Rault zu befassen: The emer-
Ort und Stelle vorgetragen, noch Interesse gence of new approaches to plucked instru-
entgegengebracht hat … oder, positiv for- ments, thirteenth to fifteenth centuries. “It
muliert, aus wie wenig inhaltlicher Substanz appears that both names cittern and guitar
ein geschickter Rhetoriker einen beinahe come from the same Greco-Latin roots: kitara
spannenden Vortrag hervorbringen kann. and chitara”.
Der vorliegende Konferenzbericht sieht schon Frank Hill schreibt über Zwei frühe Tabula-
ganz anders aus, als ein Kongressbericht üb- turdrucke von 1570 für Gitarre und Zister mit
licher Machart. Er ist schön anzusehen und Anweisungen zu Spiel, Besaitung und Stim-
ist keine Sammlung von Typoskripten … die mung aus dem Druckhaus Phalèse/Bellère,
es ja, zugegeben, eigentlich überhaupt nicht ein Thema also, das seit vielen Jahren ausge-
mehr gibt, seitdem Schreibmaschinen von arbeitet ist, und Lex Eisenhardt über Nuove
Computern verdrängt worden sind. Er, der suonate di Chitarriglia Spagnuola, battute e
Konferenzbericht, erweckt sogar freudige Er- piccicato.
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 39
Das Programm der Veranstaltung mit diversen erstklassigen Kon-
zerten, Ausstellungen und Diskussionen ist im Bericht abge-
druckt und man kann jedem Interessierten nur empfehlen, sich
über die Programme im Kloster Michaelstein zu informieren:
www.kloster-michaelstein.de. Der Konferenzbericht jedenfalls
zeugt von drei höchst informativen wie musikalisch genussrei-
chen Tagen!

40 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1


E
s dürfte nicht allgemein bekannt sein, „Täusche dich nicht, mein Freund“, vernahm ich

Leo Witoszynskyj

Über den Umgang mit Konflikten


dass die Erfindung sowohl der Kithara als nun eine weibliche Stimme. „Ich bin Klio, die Muse
auch des Aulos ausgerechnet Hermes, der Geschichte, das Gedächtnis der Menschheit. Du
dem Schutzgott des Handels, zugeschrie- darfst es dir nicht so einfach machen. Fried will mit
ben wurde. Zu höchst merkwürdigen Bedingungen diesen fünf Worten mehr sagen, als du glaubst. Du
hätte dann Apollon beide Musikinstrumente von solltest zuerst den Inhalt seines Gedichtbandes le-
Hermes erworben und die Kithara an seinen Sohn sen, dessen Titel du gerade erfahren hast.2 Wenn du
Orpheus weitergegeben. Dieser war ein Meister des dann noch nicht alles verstehst, was er meint, wirst
Gesanges und des Saitenspiels und hatte sogar die du dich auch mit seiner persönlichen Geschichte be-
Gabe, mit seiner Kunst Menschen zu bezaubern und schäftigen müssen. Denn Fried war ein Seher, zum
selbst reißende Tiere zu zähmen. Darüber hinaus un- Wandern verurteilt. Sein Blick ist nicht an der Ober-
terwies er auch die Menschen seiner thrakischen fläche hängen geblieben, er hat den Dingen auf den
Heimat in den Wissenschaften und schaffte dort die Grund gesehen. Er hat sich nicht blenden lassen von
barbarischen Bräuche von Menschenopfer und Blu- glitzernden Worten und schnöden Taten. In seinem
trache ab. Deshalb wurde er später in Thrakien auch Leben hat er Höhen und Tiefen durchschritten,
als großer Wohltäter der Menschen gepriesen. durchschreiten müssen, bis er schließlich zu erken-
Die neun Musen, Töchter des Zeus, stammten nen vermochte, was Liebe ist. In seinen fünf Worten
gleichfalls aus Thrakien. Ihr Wirkungskreis umfasste steckt die Quintessenz seiner Lebenserfahrung, doch
Dichtkunst und Musik, Schauspiel und Tanz sowie mit britischem Understatement nennt er die Liebe
Geschichte und Astronomie. Nicht nur Thrakien, in einem anderen Gedicht bloß ‚Eine Kleinigkeit‘.“
ganz Griechenland hat Orpheus die Verbreitung die- Mit ihren klugen Augen blickte Klio mich an, als
ser Disziplinen zu verdanken.1 Er hat den Sinn für ob sie sich vergewissern wollte, dass ich sie verstan-
Schönheit geweckt und die Men-schen das Denken den hätte. Dann setzte sie fort: „Um zu dieser Ein-
gelehrt. fachheit zu gelangen, müssen die Menschen be-
Die berechtigte Frage, ob Orpheus wirklich exi- schwerliche Wege gehen; das war so, das ist so und
stierte oder bloß eine Sagengestalt war, kann nicht wird immer so sein. Zu dieser Erkenntnis ist schon
mit Sicherheit beantwortet werden. Mit Bestimmt- Buddha durch Erleuchtung gelangt. Bald darauf kam
heit kann jedoch behauptet werden, dass die neun in meiner Heimat die Idee des Hedonismus auf. Die-
Musen nur Projektionen menschlicher Phantasie se Denkschule haben jedoch Philoso-phen, nicht
sind. Doch selbst solche Projektionen können zu ei- Dichter begründet. Mit ihrer Hilfe kann der Mensch
ner virtuellen Wirklichkeit werden, wie dies im alten wohl seinen Lebensweg angenehmer gestalten, den
Griechenland der Fall war. Denn die Musen wurden Gradus ad Parnassum aber kann ihm niemand ab-
von den Dichtern um Beistand an-gerufen und – der nehmen. Keine Verfassung der Welt kann dem Men-
hohe Stand der Dichtkunst beweist es – nicht verge- schen das angestrebte Glück garantieren, nicht ein-
bens. Mit der Dicht-kunst hingen wie schon mehr- mal die amerikanische.“
fach erwähnt Musik, Tanz und Schauspiel eng zu- „Holde Muse, du hast den Parnass erwähnt. War-
sammen. um haben sich die Erfinder der Berglifte nicht bei dir
Bis ins 19. Jahrhundert hinein war dieses ganz- Rat geholt?“ „Wohl deswegen, weil es in der Vergan-
heitliche Denken vorherrschend, das Spezialisten- genheit keine gab. Meine Disziplin, die Geschichte,
tum des 20. Jahrhunderts hatte noch nicht zu einer wird zwar ,Lehrmeisterin des Lebens‘ genannt und
Aufsplitterung der Künste geführt. Mag auch eine ich lehre auch die Heldentaten vergangener Zeiten.
Arbeitsteilung zwischen schöpferischen Künstlern Doch die Menschen müssen aus dem erworbenen
und Interpreten ihre Vorteile haben, bereitet sie Wissen selbst ihre Schlüsse ziehen. Das passt aber
doch auch so manches Unbehagen. Den Komponi- manchen gar nicht in ihr Konzept. Noch weniger
sten fehlt es oft an praktischer Erfahrung und die wollen sie die zuständigen Götter um Rat anflehen.“
Interpreten vernachlässigen den theoretischen Teil. Klio atmete tief durch, um dann fortzufahren: „Her-
Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch akles war in seiner Jugend ein furchtbarer Rabauke,
den Kopf, ehe ich in einen tiefen, schweren Schlaf wutentbrannt hatte er seinen Lehrer Linos mit der
verfiel … Kithara erschlagen. Daraufhin schickte ihn sein Pfle-
War es eine Muse, die mich mitten in der Nacht gevater zum Rinderhüten aufs Land. Dort ging er in
wachgeküsst hatte? Es muss wohl so gewesen sein, sich. Eines Tages stand er unschlüssig vor einer Weg-
denn ich fühlte mich erfrischt und spürte, dass die scheide …“ „Verzeih den Einwurf, mir ist schon klar,
Muse ein Herz für Interpreten haben muss. Doch dass du Herakles damals nicht beistehen konntest,
welche von den neun war es? War es Polyhymnia als er als Mensch und Künstler gescheitert war. Doch
oder vielleicht Euterpe oder war es Erato? ist es nicht noch bedauerlicher, dass es außerhalb
„Es ist, was es ist“, hörte ich eine Stimme zu mir deiner Macht steht, gescheiterte Maler zu beraten?“
sprechen. Ich blickte mich um, konnte aber nieman- Klio nickte wissend.
den sehen. Das ist doch die Stimme von Erich Fried! „Am Scheideweg standen damals zwei Göttinnen,
Was will er mir damit sagen? Soll ich die Dinge viel- die Herakles ihre Angebote machten. Die eine ver-
leicht einmal nehmen, wie sie sind, und ohne weite- sprach, ihn auf kurzem bequemen Pfad zur Glückse-
re Fragen ihre Vorteile genießen? Gäbe es keine ligkeit zu führen. Die andere riet ihm, den Pfad zur
Goldschmiede, hätten Frauen keinen kostbaren Meisterschaft, der allerdings steinig und mühsam
Schmuck, liebten Frauen nicht schönen Schmuck, sei, zu betreten. Vor den Erfolg haben die Götter
müssten die Goldschmiede verhungern. Es ist, was nämlich den Schweiß gesetzt. Zu meiner Erleichte-
es ist. So oder so ähnlich geht es uns doch mit der rung traf Herakles damals die richtige Entschei-
Musik. Fried hat schon ganz recht. dung.“3
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 41
Erich Fried, der bis dahin diesem Zwiegespräch der Sänger vergessen zu vergessen.“ „Es in der Tat
schweigend zugehört hatte, trat auf uns zu. „Frau eines meiner Lieblingslieder!“, flüsterte Klio,
Klio, nicht jeder hat wie Herakles das Glück, ein schenkte uns ein freundliches Lächeln und ent-
Göttersohn zu sein. Als sol-cher war er ja ein Privile- schwand.
gierter. Darum finde ich diese Lesebuchgeschichte „Herr Witoszynskyj, Sie sind Musiker, mein Me-
vom Scheideweg zwar nett, doch das Leben sieht tier ist das Dichten. In meiner Branche muss man
noch ganz andere Entscheidungssituationen vor. So seine Werke manchmal selbst vortragen. Dabei habe
ließ mein Scheideweg nur die Wahl zwischen zwei ich die Erfahrung gemacht, dass die Langeweile, die
steinigen Wegen zu. Mein, hm, kleines Glück be- bei manchen solcher Vortragsabende aufzukommen
stand darin, dass ich den längeren wählen konnte – droht, nur vom starken Verlangen des Publikums,
die Flucht. Der andere Weg wäre mit ziemlicher Si- einer authentischen Interpretation beizuwohnen,
cherheit sehr kurz gewesen. Viele meiner Leidens- aufgewogen wird. Einen Karl Kraus oder einen Hel-
genossen hatten aber nicht diese Möglichkeit. Für mut Qualtinger möchte ich aber ausdrücklich von
sie war es eine ausweglose, eine No-win-Situation.“ meinem etwas pauschalen Urteil ausnehmen. Aller-
Klio und ich schwiegen betroffen. dings war ich zu Krausens Glanzzeit noch zu jung,
„Eine solche Aporie war ja auch schon in deiner um ihn persönlich zu hören, während über die le-
Heimat wohlbekannt. Homer hat sie in folgende Pa- gendären Lesungen Qualtingers sogar auch in Lon-
rabel gekleidet: Odysseus, ein gewöhnlicher Sterbli- don viel gesprochen wurde. Sie jedoch hatten Gele-
cher, hatte auf seiner Heimfahrt von Troja viele genheit, ihn aus nächster Nähe bei den Aufnahmen
Abenteuer zu bestehen. So musste er durch die Mee- seiner Moritaten-Platte erleben können.“
renge zwi-schen Skylla und Charybdis, den zwei al- „Auf dieser 1964 gemachten Einspielung sind
les verschlingenden Ungeheuern, segeln – es blieb Qualtinger sowie Kurt Sowinetz zu hören, bei eini-
ihm keine andere Wahl. Der Preis war hoch: Um das gen der Moritaten habe ich als Begleiter mitgewirkt.
ganze Schiff zu retten, musste er auf Anraten Kirkes Sowinetz und den Komponisten Ernst Kölz kannte
sechs seiner Gefährten den gefräßigen Hälsen des ich schon gut vom Volkstheater her, die Begegnung
Ungeheuers Skylla opfern. Frau Klio weiß es selbst mit Helmut Qualtinger weitete meinen künstleri-
am besten, ob Odysseus und seine Mannen die Ein- schen Horizont. Seine Wandlungsfähigkeit in Ton
zigen waren, denen es je gelungen war, dieser offen- und Ausdruck, sein geradezu verschwenderischer
sichtlichen Ausweglosigkeit lebend zu entkommen. Umgang mit einer an Farben und dynamischen
Doch eigentlich hatte er einen Kompromiss ge- Nuancen reichen Palette, die Fähigkeit, sich in der
schlossen, nicht umsonst nannte man ihn auch den Bühnensprache, in Mundarten und mit verschiede-
listenreichen Odysseus. Denn während Herakles eine nen Akzenten auszudrücken, all das scheint mir
Entscheidung im Sinne von Entweder-oder zu tref- uner-reicht und unerreichbarer denn je zu sein.
fen hatte, stand Odysseus vor der Aporie des Weder- Qualtinger war während der Aufnahmen sehr kon-
noch. Seine Heldentat besteht darin, trotzdem einen zentriert und präsent. Als ihm einmal ein Verspre-
Ausweg gefunden zu haben – doch um welchen cher unterlief, spendete er kein sympathiehei-
Preis!“ schendes Lächeln, ‚an Schaß!‘ entrang sich seiner
„Niemand außer Odysseus mit seinen Mannen hat Brust. Nicht zuletzt durch ihn habe ich damals ge-
diese Meerenge jemals lebend verlas-sen“, bestätig- lernt, neben Rilke und Zweig auch Dichter wie Ca-
te Klio. „Wenn ich über Heldentaten berichte, sollen netti und Sie zu schätzen und zu lieben.“
die Menschen auch erfah-ren, um welchen Preis sie „Es tut gut, solche Worte zu hören und zu wis-
errungen wurden. Dann sehen manche Helden plötz- sen, dass Sie sich für die Dichtkunst erwärmen kön-
lich ganz klein aus. Leider geraten jene, die ihr Le- nen. Nun würde ich von Ihnen gerne hören, wie Sie
ben aufs Spiel setzen müssen, damit andere gerettet die Entwicklung der Musik im 20. Jahrhundert ein-
werden, viel zu schnell und völlig zu Unrecht in Ver- schätzen. Für einen Laien wie mich ist ja die Vielfalt
gessenheit. Wissenschaft und Kunst haben da eine der Strömungen ziemlich verwirrend. Was können
wichtige Aufgabe zu erfüllen, sie können meines Sie als Interpret mir dazu sagen?“
Beistands allzeit sicher sein.“ „Aus Ihren Worten habe ich schon herausgehört,
„Herr Fried, ist es nicht so, dass der Mensch sich was Ihnen Interpretationskunst bedeutet. Die Fra-
am liebsten für ein Sowohl-als-auch entscheidet?“ ge, ob nachschöpferische Musiker Künstler sind, ha-
„Also in Österreich ganz bestimmt. Hier soll es so- be ich – ebenso wenig wie von Ihnen – auch noch
gar Leute geben, die nichts dabei finden, zwei Par- von keinem Komponisten gehört. Lediglich bildende
teibücher zu besitzen. Mein Freund Robert Menasse Künstler, die keiner Interpreten, keiner Mittler zwi-
hat dieser Mentalität einen treffenden Namen gege- schen Werk und Publikum, bedürfen, haben biswei-
ben, die des Entweder-und-oder. Nur ein Entschei- len Probleme, diese Kategorie von Künstlern ent-
dungsverhalten ist noch beliebter – mit der Ent- sprechend zu achten. Dies wollte ich vorausschicken,
scheidung so lange zuzuwarten, bis sich die Sache ehe ich auf Ihre Frage eingehe. Ich werde versuchen,
von selbst erledigt hat. Dann singen die Leute: mich bei meiner Antwort möglichst kurz zu fassen.
‚Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu än- Hoffentlich langweile ich Sie nicht damit! Mit einer
dern ist.‘ Dabei übersehen sie jedoch, dass Änderun- Fragestellung werde ich beginnen.
gen vielleicht notwendig wären, und bedenken Sind es die Musen, die dem Komponisten die
nicht, dass das Vergessen ein Privileg der Götter Ideen schenken? Wenn es so ist, dann versucht er
ist.“ diesen Einfall – eine Melodie, ein Thema – mit har-
„Frau Klio muss Alberto Ginastera beigestanden monischen Wendungen innerhalb eines formalen
sein, als er das Lied Canción al árbol del olvido Konzeptes weiterzuentwickeln und dabei noch mit
schrieb. Unter dem Baum des Vergessens liegend hat dem Rhythmus zu spielen.
42 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollten sich Vielleicht ist dies der Weg, den auch jeder Inter-
manche Komponisten mit diesen Para-metern nicht pret gehen sollte. Ohne Berührungs-
mehr begnügen und machten sich auch jene Parame- ängste, mit offenen Sinnen und kritischem Ver-
ter zu Eigen, die bis dahin eine Domäne der Inter- stand.“
preten waren. Thematisches erfährt nun eine diffe- Als ich die Augen öffnete, fand ich mich allein.
renzierte Artikulation, der Rhythmus agogische, Hatte mir überhaupt jemand zugehört?
aber auch rein mathematische Veränderungen; an
die Stelle der Harmonie tritt die Klangfarbe, und die ***
Dynamik wird zur formgestaltenden Kraft. Bei dieser Vor mir liegen einige Notizen zum Thema dieses
seriellen Technik des Komponierens gehorchen alle Kapitels, die ich schon seit Tagen ausarbeiten will.
Parameter einer übergeordneten Idee. Dem Interpre- Mein Ausflug in das Reich der Phantasie und not-
ten bleibt nur mehr ein geringer Freiraum, er wird wendig gewordene Korrekturen haben mich bislang
zum akribischen, sendungsbewussten Exekutor, der davon abgehalten.
für sein Tun mit intellektuellem Lustgewinn und Welche Konflikte muss der Gitarrist austragen?
Freude an neuen Klängen belohnt wird. Das ist Von einigen der wichtigsten, die er mit sich allein –
wahrlich nicht wenig, aber auch nicht jedermanns auch wenn gut beraten – austragen muss, war schon
Sache. in vorangegangenen Kapiteln die Rede. Eine ent-
Bald kam es zu einer heftigen Gegenbewegung. scheidende Bedeutung kommt in diesem Zusam-
Einige Komponisten fertigten nur noch graphische menhang der Frage der Motivation zu, die eine sehr
Skizzen an, losgelöst von der herkömmlichen Nota- persönliche Entscheidung sowie eine Lebensein-stel-
tion, und räumten dem Interpreten ein hohes Maß lung, die Herausforderungen liebt, bedingt.5 In kri-
an Gestaltungsfreiheit ein. Improvisation, Aleatorik, tischen Phasen im Leben eines Schülers fällt dann
Aktionismus, Rituale, Multimediales, Esoterik wur- dem Pädagogen eine ganz wichtige Aufgabe zu. So,
den zu neuen Kriterien, später traten Crossover, wie er mit seinem Rat eine große Verantwortung für
Ethno, Fusion hinzu. Die Sehnsucht, zum Ganzheit- die Zukunft eines jungen Menschen übernimmt, hat
lichen und Kultischen zurückzukehren, war unver- aber auch der Schüler eine Verantwortung gegenü-
kennbar. Doch nicht alle Interpreten wussten mit ber seinem Talent. Ob er das gesteckte Ziel besser in
dieser neugewonnenen Freiheit, nun Mitschöpfer zu der Direttissima oder auf verschlungenen Pfaden er-
sein, umzugehen. Dazu kommt, dass für solche reicht, ist für niemanden vorhersehbar – und doch
kreativen Leistungen keine Tantiemen vorgesehen muss eine Antwort gefunden werden.
sind. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit seines Tuns, die
All diese Entwicklungen waren auch am Jazz nicht Sinnfrage, stellt sich irgendwann je-dem Menschen,
spurlos vorbeigegangen. Im Free Jazz fand gleich- dem einen früher, dem andern später. Sie gehört zu
falls eine Auflösung aller Parameter statt. Jazz und den ältesten Fragen der Menschheit: Woher komme
Avantgarde näherten sich so eng aneinander an, bis ich? Warum bin ich? Wohin gehe ich? Viktor E.
sie sich nur mehr in der Intonation und im Instru- Frankl hat vielen Menschen geholfen, den Sinn in
mentarium voneinander unterschieden. ihrem persönlichen Lebensweg zu erkennen. Für Lui-
Die technische Revolution der letzten Jahre hat se Walker war dieser Sinn untrennbar mit der Gitarre
den Komponisten ganz neue Möglichkeiten in die verbunden. Ein Leben mit der Gitarre hatte sie auch
Hand gegeben, welche die menschliche Vorstellungs- ihr autobiographisches Buch genannt.6
und Leistungskraft bei weitem übersteigen. Hatte Glückliche Hände geben dem Interpreten schon
man vor dreißig Jahren noch vor den Gefahren einer einen großen Handlungsspielraum. Doch was nützt
Autopsie der Musik gewarnt, ist durch die Möglich- die beste Technik, wenn sich ihr Erfordernisse der
keiten des Samplens der Eindruck entstanden, das Musik entgegenstellen?
Weltkulturerbe Musik wäre zum Selbstbedienungsla- Fangen wir an beim allerersten Konflikt, dem sich
den geworden. Daher muss das Urheberrechtsgesetz jeder Gitarrist von der ersten Stunde an ausgesetzt
erst an die neuen Kompositions- sieht: Lange Notenwerte sollen mit kurzlebigen Tö-
techniken angepasst werden. Auch scheint mir die nen gestaltet werden. Da ist ja die Quadratur des
Gefahr eines Materialfetischismus eher noch gestie- Kreises noch einfacher zu lösen. Als Kind habe ich
gen zu sein.4 einmal bei einem Wettbewerb zugeschaut, in dem
Das Lager der Komponisten ist aufgespalten wie derjenige als Sieger hervorging, der als Letzter auf
eh und je, nur noch unübersichtlicher aufgeteilt in seinem Fahrrad die Ziellinie passierte. Es hat mich
Gruppen, die sich gegenseitig Eklektizismus oder damals sehr beeindruckt zu sehen, wie schwierig es
Sektierertum vorwerfen. Wie soll sich hier ein Laie ist, ein Fahrrad im Kriechgang zu beherrschen. Auch
auskennen, wenn es schon den Interpreten, ja selbst wenn die Strecken-länge nicht mehr als einen Stein-
den Komponisten schwer fällt, sich zurechtzufin- wurf betrug, die konzentrierte Arbeit beim Ausba-
den? lan-cieren schien mir noch kräfteraubender zu sein
Eine Antwort auf all diese Fragen, die auch ande- als der Endspurt eines Radrennens. Ob diese Beob-
ren Orientierung bieten könnte, hat vor etwa zwan- achtung zutreffend ist, habe ich dann selbst auf
zig Jahren der Komponist Kurt Schwertsik für seine dem Rad überprüfen können.
Arbeit gefunden. Er war seinerzeit ausgezogen, die Mit diesem Bild vor Augen kann ich nur jedem ra-
Welt der Musik in ihrer Fülle kennen zu lernen. Quasi ten, einen langsamen Satz nicht zu unterschätzen.
den Äquator entlang war er immer weiter vorge- Einen solchen zu gestalten ist viel schwieriger als
drungen, bis er eines Tages feststellen musste, dass man glauben möchte. Darauf werde ich später noch
er zu seinem Ausgangspunkt zurückgekehrt war. ausführlich eingehen.
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 43
Beim Schreiben für die Gitarre sollte der Komponist feinfühlig auf diese instrumentale Besonderheit ein-
gehen. Mit Tonrepetitionen, Verzierungen, Durchgängen, Arpeggien kann er das Dahinschwinden der Töne
kaschieren. Der Interpret aber sollte darüber nicht den Blick für das Wesentliche verlieren.
In der Zweistimmigkeit werden nicht nur die Hände gefordert, sondern in besonderem Maß auch das
Gehör. Die mechanische Wiedergabe von Griffen ist zu wenig, will man von Interpretation sprechen. Daher
wäre nun über die rein technische Bewältigung hinaus der musikalische Gehalt gehörsmäßig zu verinnerli-
chen und verstandesmäßig zu erfassen. Dies geschieht am besten, indem man jede Stimme einzeln für sich
kennen lernt, zunächst durch Spielen, dann durch Singen oder wenigstens Skandieren, beides durch Mitdi-
rigieren unterstützt. Das Dirigieren ist überhaupt ein probates Mittel, mit rhythmischen Schwierigkeiten
spielerisch umzugehen.
Über die Bedeutung des Atems ist schon viel gesagt worden. In diesem Zusammenhang möchte ich nur
an *seine unverzichtbare Funktion beim Phrasieren, dem Gliedern eines Werkes, erinnern. Dieser Vorgang
des Zerlegens in Bestandteile ist überdies auch schon eine Art von Analyse.
Ist die Vertrautheit mit dem musikalischen Material einmal hergestellt, folgt der nächste Schritt – die
Synthese, das Zusammenfügen von Getrenntem. Zwei Stimmen lassen schon deutlich harmonische Entwick-
lungen erkennen. Damit wird eine gänzlich neue Qualität wahrnehmbar, ein neuer musikalischer Parameter:
Das Ganze, die Harmonie, ist jetzt mehr als die Summe zweier Teile. Diesem harmonischen Spannungsver-
lauf sollte man nun auch mittels einer Analyse auf die Spur kommen. Dabei wird man in Dissonanzen einen
Sinn entdecken, der einem zuvor vielleicht entgangen ist.
Bei einem Satz von mehr als zwei Stimmen lassen sich diese Schritte genauso gut setzen,
nur erfordert das lineare Denken eine noch aufmerksamere Kontrolle durch das Gehör. Die Mehrstimmig-
keit, Polyphonie, ist aber nicht allein auf den melodischen Verlauf beschränkt. Mit ihr geht auch untrennbar
eine Polyrhythmik einher, die höchst unterschiedliche Qualitäten aufweisen kann.
Unsere Hände wissen es schon, dass parallele Bewegungen leichter auszuführen sind als Gegenbewegun-
gen. Solche jedoch wecken das Interesse der Ohren, denn sie erfüllen ein Stimmengeflecht mit Leben; in
der Aktivierung des Hörvorganges liegt ja der eigentliche Sinn der kontrapunktischen Kompositionstech-
nik. Diese bedingt allerdings auch eine erhöhte Aktivität der Finger bei der Wiedergabe polyphoner Musik.
Nun gibt es gerade in der Gitarremusik viele Stellen, an denen eine Stimme aus Tonwiederholungen be-
steht. Vor lauter Freude über diese Erleichterung seitens des Komponisten wird aber dabei oft die rhythmi-
sche Komponente übersehen und die repetierten Noten z. B. der Basslinie werden der Oberstimme angegli-
chen. Damit geht aber ein vom Komponisten gewollter Effekt verloren – der Konflikt zweier Klangfüße. Die-
se bewusst zu spielen, erfordert weniger technische als musikalische Übung und eine ebensolche Vorstel-
lungskraft. In einem solchen Fall handelt es sich natürlich auch um Polyrhythmik, das eigentliche Problem
besteht aber im Erfassen der Polymetrie.
Am Beispiel der Einleitungstakte von Giulianis Grande Ouverture op. 61 möchte ich erklä-ren, was damit
gemeint ist. In Takt 8 bewegt sich das ostinate E in Trochäen, die Oberstimme setzt nach der dritten Zähl-
zeit in Päonen ein. Es ist schon viel gewonnen, wenn das beachtet wird. Doch besteht die Gefahr, dass das
Denken in Vierteln – wie vorgeschrieben – eine vielleicht unerwünschte Schwere ins Spiel bringt. Hingegen
würde an dieser Stelle das Denken in Halben, alla breve, die Schwerpunkte um die Hälfte verringern und das
Spannen größerer Bögen erleichtern. Wird dabei auch die Basslinie in Päonen geführt, nimmt der Hörer ei-
nerseits ein komplementäres Verhalten von Achteln und Sechzehnteln wahr, andererseits wird durch die
Vorwegnahme des augmentierten Päon eine motivische Verwandtschaft beider Stimmen begründet. Werden
noch dazu die drei Kürzen des Päon zielorientiert angelegt, dann kommen – bei aller Ruhe der Bewegung –
Spannung und Dynamik auf.

Mauro Giuliani: Grande Ouverture, op. 61

Dieser Beitrag von Leo Witoszynskyj stammt aus seinem Buch „Über die Kunst des Gitarrespiels“ und
wird mit Erlaubnis des Doblinger Verlags in Wien abgedruckt. Für die Abdruckgenehmigung besten Dank!
Der Beitrag wird in der nächsten Ausgabe von Gitarre & Laute weitergeführt und abgeschlossen.
44 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Seminare - Festivals - Wettbewerbe
✰✰
32. Internationales Gitarrenfestival J. K. Mertz in Bratislava
Meisterkurs Gitarre mit Stephan Schmidt Musikakademie Solo-
thurn / Musikakademie Schloss Waldegg (Schweiz)
Termin: 24.06.2007-29.06.2007 Termin: 29.07.2007-04.08.2007
Juraj Burian, Per Mathosin, Olga Konkova, Johann Svensson, weitere KünstlerInnen: Jakob Stämpfli (Gesang), Gottfried von
Pavel Steidl, Dagmar und Jozef Zsapka, M. Freml, Gabriel Bianco, der Goltz (Violinen), Kirstin von der Goltz (Celli), Carsten Eckert
Hopkinson Smith und Ricardo Jesús Gallén haben ihre Mitwirkung (Blockflöte), Thomas Müller (Horn), Stephan Schmidt (Gitarre)
zugesagt Anmeldeschluss: 29.6.2007
Johann Kaspar Mertz Gitarrenfestival, Interartists Bratislava, Baj- Musikakademie Solothurn,
zova 4, SK-82108 Bratislava Tel: 0041-62-2 12 56 83
Tel: 00421-7-55577170 Internet: www.musikakademie-so.ch
Fax: 00421-7-55577170
eMail: info@jkmertz.com ✰✰
Internet: www.jkmertz.com
Esztergom 2007
Termin: 05.08.2007-12.08.2007
✰✰ Jozef Zsapka, Roman Viazovskiy, Trio Balkan Strings, Ana Vido-
LiGiTa 2007 vic, András Csáki, Katchev-Duo
Termin: 07.07.2007-14.07.2007 Internationales Gitarrenfestival Esztergom, Szendrey-Karper Lász-
Mariano Martin y su grupo flamenco, Gemeindezentrum Eschen ló International Guitar Festival Found., P.O.Box 8, H-2501 Eszter-
07.07.07 - 20:15 gom
Latif Chaarani, Musikschulzentrum Eschen 08.07.07 - 18:00 Tel:
Carlo Domeniconi, Gemeindesaal Gamprin 08.07.07 - 20:15 eMail: attacca@axelero.hu
Internet: www.guitarfestival.hu
Dusan Bogdanovic, Gemeindesaal Gamprin 08.07.07 - 21:15
Hopkinson Smith, Kirche Mauren 09.07.07 - 20:15 ✰✰
Alvaro Pierri, Kirche Schellenberg 10.07.07 - 20:15 Summer Guitar Workshop & Competition in Krzyzowa, Polen
Finale 4. Int. ligita Gitarrenwettbewerb, Gemeindezentrum Es- Termin: 15.08.2007-25.08.2007
chen 11.07.07 - 20:15 Eingeladene Gäste bei diesem Festival: Jorge Morel (Argentinien),
Gitarrenduo Clormann-Trechslin, Musikschulzentrum Eschen Joscho Stephan Quartet (Deutschland), Dylan Fowler (UK), Marcin
12.07.07 - 18:00 Dylla (Polen), Gabriel Bianco (Frankreich), Alina Gruszka (Polen),
Manuel Barrueco, Gemeindezentrum Eschen 12.07.07 - 20:15 Ryszard Balauszko (Polen),
Altmühldorfer Musikanten, Musikschulzentrum Eschen 13.07.07 - Omar Cyrulnik (Argentinien), Giuseppe Caputo (Italien), Luciano
18:00 Pompilio (Italien), Sasa Dejanovic (Kroatien), Zoran Madzirov
Los Angeles Guitar Quartet Gemeindesaal Ruggell 13.07.07 - 20:15 (USA), Marek Walawender (Polen), Kuba Niedoborek (Polen),
Abschlusskonzert: Klassik, Flamenco und viel Spass! Gemeindes- Agata Teodorczyk (Polen), Ewa Cyran (Deutschland), Dietmar Un-
aal Mauren 14.07.07 - 19:00 gerank (Österreich), Jarema Klich (Polene), Krzysztof Pelech
Gitarrenzirkel - LiGiTa, Eichenstraße 697, FL-9492 Eschen (Polen)
Tel: +41 79 344 62 33 Summer Guitar Workshop & Competition,
Fax: +423 373 62 33 Tel:
eMail: office@ligita.li Internet: www.summerguitar.art.pl, www.pelech.art.pl
Internet: www.ligita.li Internationales Gitarrenfestival Hersbruck 2007
Rotenburger Gitarrenwoche 2007 Termin: 18.08.2007-25.08.2007
Auf dem Programm: Diknu Schneeberger-Trio, Pepe & Celin Rome-
Termin: 23.07.2007-31.07.2007
ro, Robert Barto, Gruber & Maklar, Patricia & Arnoldo Moreno,
Hans Wilhelm Kaufmann, Dirk Lemmermann, Thomas Müller-Pe-
Jacques Stotzem, Antigoni Goni & Bill Kanengiser
ring, Raphaëlla Smits
Verein zur Förderung des, Internationalen Gitarrenfestivals e.V.,
Förderkreis der Rotenburger Gitarrenwochen e.V., c/0 Hans Wil-
Im Bärenwinkel 18, D-91217 Hersbruck
helm Kaufmann, Graf-Haeseler-Str. 84, D-28205 Bremen
Tel:
Tel: 0421-4 91 97 01
eMail: info@gitarre-hersbruck.de
Fax: 0421-4 98 65 27
Internet: www.gitarre-hersbruck.de
eMail: hwkaufmann@rotenburger-gitarremwoche.de
Internet: www.rotenburger-gitarrenwoche.de ✰✰
17. Internationales Gitarrenfestival „Forum Gitarre Wien“
1. Boersteler Gitarrenseminar Termin: 26.08.2007-01.09.2007
Termin: 26.07.2007-29.07.2007 G. Bandini, G. Bianco, S. Blaszynski (Piano), C. Chiacchiaretta
Olaf van Gossnissen, Jorgos Paentsos, Stephan Beck, Stephan (Bandoneon), Duo Maklar-Gruber, A. Eickhold, M. Freml, O.v. Gon-
Wolke nissen, W. Gromolak, D. Kres, G. Krivokapic, M. Langer, J. Panet-
Gitarrenseminar Boerstel, Stephan Wolke, Kaiserstraße 101, D- sos,
44135 Dortmund K. Ragossnig, S. Steinkogler, A. Woch, J. Zsapka
Tel: 0178-4 57 40 65 Forum Gitarre Wien, Jorgos Panetsos, Obere Weißgerberstraße 10-
eMail: info@gitarrenseminar-boerstel.de 12/2, A-1030 Wien
Internet: www.gitarrenseminar-boerstel.de Tel: 0043 1 7184738 / 0043 676 75 75 646
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 45
Seminare - Festivals - Wettbewerbe
Fax: 0043 1-2162428
eMail: jorgos@vienna.at
Jorge Cardoso, Raphaëlla Smits, Bernard Hebb, Hans Wilhelm
Kaufmann, Jens Wagner, Andreas Lieberg, Andreas Wahl
Internet: www.forum-gitarre.at Bremen Gutar Art (Hans Wilhelm Kaufmann), Hochschule der Kün-
ste (HfK), Dechanatstraße 13-15, D-28195 Bremen
Gitarrenfestival Ruhr 2007 Tel: 0421-95 95-15 07
Termin: 31.08.2007-09.09.2007 Fax: 0421-95 95-25 07
31.08.07 Essen, Alter Bahnhof Kettwig - Rafael Cortes (D/Es) eMail: a.heibuelt@hfk-bremen.de
01.09.07 Essen, Bürgermeisterhaus/ev. Kirche Werden - Javier Gar- Internet: http:\\bremenguitarart.hfk-bremen.de
cia Moreno (Es)
02.09.07 Mülheim, Kloster Saarn - Andrey Parfinovich (R) ✰✰
03.09.07 Essen, Philharmonie - Thomas Hanz / Carsten Linck (D) GFA International Convention and Competition 2007
& Sardasca Streichquartett Termin: 16.10.2007-21.10.2007
04.09.07 Essen, Bürgermeisterhaus - Masao Tanibe (J) Carlo Marchione
05.09.07 Essen, Zeche Zollverein - Jens Wagner (D) Benjamin Verdery
06.09.07 Velbert, Event-Kirche - Johannes Tonio Kreusch Tilman Hoppstock
07.09.07 Essen, Alter Bahnhof Kettwig - Doppelkonzert: Nora Roland Dyens, Eliot Fisk,William Kanengiser, Scott Tennant, Ama-
deus Duo, Michael Partington, Rucco-James Duo, Marc Teicholz,
Buschmann (D) / Adriana Balbao (Arg)
lasinc & Loncar Guitar Duo
08.09.07 Essen, Bürgermeisterhaus - Eric Franceries (F)
Jack Sanders, Wulfin Lieske, Jorge Caballero, Thomas Viloteau,
09.09.07 Gelsenkirchen, Bleckkirche - Malte Vief (D)
2006 GFA International Competition Winner
Gitarrenfestival Ruhr,
Evan Hirschelman
Internet: http://kulturserver- Dr. Scott Morris, Cal State University, Dominguez Hills,
nrw.de/hpg/index.php3?id_list=6726&id_language=1
1000 East Victoria Street,
10. Internationales Bielefelder Gitarrenfestival 2007 Carson, CA 90747
Termin: 21.09.2007-24.09.2007 eMail: info@gutarfoundation.org
mit Carlo Marchione, Gruber & Maklar und Helmut Oesterreich Internet: www.guitarfoundation.org
Bielefelder Gitarrenforum e.V., Hans Irmer, Im Barrenholze 60, D- ✰✰
32051 Herford Concours International Robert J. Vidal
Tel: 05221-343907 Termin: 08.11.2007-10.11.2007
Fax: 05221-343908 Nach Robert J. Vidal, dem Gründer und Leiter des legendären
eMail: Hans-Irmer@t-online.de Wettbewerbs von Radio France, ist dieser neue Wettewerb be-
Internet: www.gitarrenforum.de nannt.
Concours International de Guitare „Robert-Jean Vidal“, Conserva-
✰✰ toire Municipal de Musique, 20, rue Saint-Mathias, F-16300 Bar-
40º Concorso Internazionale di Chitarra Classica Michele Pitta- bezieux Saint Hilaire
luga, Premio Città di Alessandria Tel:
Termin: 24.09.2007-29.09.2007 Internet: www.concours-robert-j-vidal.com
Seit 1968 gibt es diesen Wettbewerb! Er ist einer der bedeutend-
sten, nicht nur, weil er als einer der wenigen in der „Fédération Bergisches Gitarrenfestival
Mondiale des Concours Internationaux de Musique“ organisiert Termin: 02.01.2008-06.01.2008
ist. Costas Cotsiolis - Gitarre, Meisterkurs
Comitato Promotore del Concorso di Chitarra Classica Michele Pit- Thomas Koch - Gitarre, Meisterkurs
taluga, Piazza Garibaldi, 16, I-15100 Alessandria Gerd-Michael Dausend - Gitarre, Seminare, Workshops
Tel: +39-0131-25.12.07/25.31.70 Prof. Alfred Eickholt - Gitarre, Seminare, Workshops
Fax: +39-0131-23.55.07 Prof. Hans-Michael Koch - Gitarre, Laute, Vihuela, Histor. Musi-
eMail: concorso@pittaluga.org zierpraxis
Internet: www.pittaluga.org Prof. Dieter Kreidler - Gitarre, Ensembleleitung, Ensemblespiel
Volker Höh - Gitarre
open strings 2007, Osnabrück Thomas Fellow / Stephan Bormann - E-Gitarre, Jazz, Meisterkurs
Termin: 28.09.2007-30.09.2007 Michael Borner - E-Gitarre, Gitarre, Studiopraxis, Improvisation,
Rafael Cortés, Mariano Martin, Julian Kleiss, Biber Herrmann, Trio Harmonielehre
Escolaso, Michael Fix, Tony Cox, Solo Razaf, Villa-Lobos-Duo u.a. Bert Fastenrath - E-Gitarre, Bandproben, Workshops
Acoustic Music Records, Peter Finger, Postfach 1945, D-49009 Peter Fischer - E-Gitarre, Bandproben, Equipment
Osnabrück Janes Klemencic - Blues-Harp
Tel: 0541-71 00 20 Rolf Fahlenbock - Bass, Bandproben, Arrangements
Fax: 0541-70 86 67 Peter Even - Percussion, Bandproben, Arrangements
eMail: peter.finger@acoustic-music.de Akademie der musischen Künste, Fakultät der Musik, Malostrans-
Internet: www.open-strings.de ke nam.13, CZ-11800 Praha 1
Tel:
Bremen Guitar Art - Meister- und Studienkurse
Termin: 05.10.2007-07.10.2007 Bergischs Gitarrenfestival in Remscheid 2008
46 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
Seminare - Festivals - Wettbewerbe
Termin: 02.01.2008-06.01.2008
Costas Cotsiolis - Gitarre, Meisterkurs
New York Guitar Festival,
Tel:
Thomas Koch - Gitarre, Meisterkurs Internet: www.newyorkguitarfestival.org#http://www.newyork-
Gerd-Michael Dausend - Gitarre, Seminare, Workshops guitarfestival.org#
Prof. Alfred Eickholt - Gitarre, Seminare, Workshops
✰✰
Prof. Hans-Michael Koch - Gitarre, Laute, Vihuela, Histor. Musi-
zierpraxis
8. Internationaler Kompositionswettbewerb Alessandria
Termin: 11.06.2008-
Prof. Dieter Kreidler - Gitarre, Ensembleleitung, Ensemblespiel
Kompositionen für zwei oder drei Gitarren werden 2008 bewertet.
Volker Höh - Gitarre
Einsendeschluss ist der 31. März 2008. Preisgelder: € 8. 000 ,—
Thomas Fellow / Stephan Bormann - E-Gitarre, Jazz, Meisterkurs Comitato Promotore del Concorso di Chitarra Classica Michele Pit-
Michael Borner - E-Gitarre, Gitarre, Studiopraxis, Improvisation, taluga, Piazza Garibaldi, 16, I-15100 Alessandria
Harmonielehre Tel: +39-0131-25.12.07/25.31.70
Bert Fastenrath - E-Gitarre, Bandproben, Workshops Fax: +39-0131-23.55.07
Peter Fischer - E-Gitarre, Bandproben, Equipment eMail: concorso@pittaluga.org
Janes Klemencic - Blues-Harp Internet: www.pittaluga.org
Rolf Fahlenbock - Bass, Bandproben, Arrangements
Peter Even - Percussion, Bandproben, Arrangements ✰✰
Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung Internationale Gitarrenfestspiele Nürtingen 2008
e.V., Küppelstein 34, D-42857 Remscheid Termin: 25.07.2008-02.08.2008
Tel: Programnm steht noch nicht fest, wohl aber die Termine. Bitte
Internet: www.akademieremscheid.de übers Internet aktualisieren!
Internationale Gitarrenfestspiele Nürtingen, c/o Stefanie Kobras,
New York Guitar Festival Am Winacker 3, D-84 646 Bad Tölz
Termin: 12.01.2008-07.02.2008 Tel: 08041-7 95 40 50
Programme stehen noch nicht fest oder werden noch nicht mitge- Fax: 08041-7 95 40 51
teilt. Die Konzerte finden in der Carnegie Hall und anderen Loka- eMail: stefanie.kobras@gitarre-nuertingen.de
litäten statt. Gitarre(n) aller Art! Internet: www.gitarre-nuertingen.de

Vollständig?
Ein Veranstaltungskalender wie unserer kann nicht vollständig sein. Aber man kann sich um möglichste
Perfektion bemühen. Dieses Bemühen war bei Gitarre & Laute immer angesagt – und ist jetzt, im
Zeitalter der grenzenlosen elektronischen Kommunikation auch fast erreichbar … wenn Sie mitarbeit-
en! Auf Konzerttermine haben wir in dieser Ausgabe noch verzichtet – ab der nächsten sind sie aber
auch in GITARRE & LAUTE ONLINE vertreten!
Sie, die Veranstalter von Konzerten, Wettbewerben, Kursen und Seminaren sind aufgerufen, Ihre Dates
möglichst früh an Gitarre & Laute ONLINE zu schicken, damit sie in den Terminkalender eingearbeitet
werden können. In diesem Jahr, 2007, erscheint die Zeitschrift jeden Monat, danach wird sie wie
früher alle zwei Monate herauskommen – und immer wieder durch Newsletters aktualisiert. Und diese
Newsletters enthalten vornehmlich Updates von Konzertterminen und andere Veranstaltungshinweise.
Also: Nichts wie ran! Schließlich wollen Sie auch nicht in leeren Sälen spielen!
Die Maßstäbe für Dates-Veröffentlichungen haben sich geändert: Es werden nicht mehr vollständige
Wettbewerbsregeln etc. abgedruckt, sondern nur noch Eckdaten und Links zu den Angaben im Inter-
net. Das ist zuverlässiger und der Hinweis „Alle Angaben sind ohne Gewähr“ wie bei den Lottozahlen,
erübrigt sich damit fast. Auf jeden Fall können Fehler seitens der Veranstalter nicht mehr übernommen
und neue in viel kleineren Maß produziert werden. Und dass Sie, als Leser einer ONLINE-Zeitschrift,
Zugang zum Internet haben, wissen wir schließlich!
Konzerttermine und Angaben zu Festivals und Wettbewerben werden ständig akualisiert!
Bitte schicken Sie Meldungen oder Änderungen an:
dates@gitarre-und-laute.de
Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 47
www.verkaufegitarre.de
ACHTUNG: Dies ist Blindtext, der nur ver- Habe Gitarre v. F. Corbellari Modell RCR, G. Giussani, Bj. Juni ´99, Fichte/Palisander,
mitteln soll, wie die Anzeigenseiten ausse- Bj. 1993 verloren. Bitte um Nachricht, schöner kräftiger Ton, ungespielt, 6.700
hen werden. Die Anzeigen sind tatsächlich wenn sie sich finden sollte. A. Schwenk. DM. Tel/Fax ■■■■ ■■■■
in Gitarre & Laute erschienen und zwar zu Tel. ■■■■ ■■■■
DM-Zeiten, wir haben uns aber bemüht, Verkaufe 10-chörige Meister Ren.-Laute
sie unkenntlich zu machen. Ramirez 1a, schöner Klang, m. Koffer, mit Koffer und komplettes Material von
3.500 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ John Dowland und anderen engl. Lautenis-
Suche Gitarre von Antonio de Torres oder ten. Preis komp. 4.000,-DM. Tel. ■■■■
Santos Hernandez. Tel/Fax ■■■■ ■■■■ Vihuela (sehr schönes Instrument, 6- ■■■■
chörig, Bj. 1995) zu verkaufen. Preisvorst.:
G. Giussani, Bj. Juni ´99, Fichte/Palisander, 5.000 DM incl. Etui (VB). Tel. ■■■■ Theorbe & Arciliuto v. H. Bohr zu
schöner kräftiger Ton, ungespielt, 6.700 ■■■■ verkaufen. Beide Instrumente weit unter
DM. Tel/Fax ■■■■ ■■■■ NP abzugeben. Tel. ■■■■ ■■■■
Imai, Bj. ´82, Zeder/Rio, VB 8.600 DM. Tel.
Verkaufe 10-chörige Meister Ren.-Laute ■■■■ ■■■■ Mittelalter-, Renaissancelaute, Romant.
mit Koffer und komplettes Material von Gitarre. Tel. ■■■■ ■■■■
John Dowland und anderen engl. Lautenis- Kohno 20 Bj. ´77, Fichte/Rio, Zustand wie
ten. Preis komp. 4.000,-DM. Tel. ■■■■ neu, konzertfähiger, kräftiger, ausgeglich- Arciliuto, J. v. d. Geest ´85, Mensur
■■■■ ener Ton, nur 2.900 DM. Tel. ■■■■ 66/98cm, 6.000 DM; Arciliuto, K. Sato
■■■■ ´83, Mensur 64/92cm, 3.700 DM. Tel.
Theorbe & Arciliuto v. H. Bohr zu ■■■■ ■■■■
verkaufen. Beide Instrumente weit unter Dudelsack, neu mit Anleitung, 380 DM.
NP abzugeben. Tel. ■■■■ ■■■■ Tel. ■■■■ ■■■■ Verkaufe: Weissgerber Gitarre, Bj.
´1950/60. VHB 10.000 DM (Restaur.)
Mittelalter-, Renaissancelaute, Romant. Gitarren aus Sammlung zu verkaufen, u.a. Tel/Fax ■■■■ ■■■■
Gitarre. Tel. ■■■■ ■■■■ Weissgerber, V. Grüner, Biedermeiergitar-
ren. (Kontakt wegen fehlender Telefon-
Brian Cohen, Bj. ´94, Fichte, Rogers. FP
Arciliuto, J. v. d. Geest ´85, Mensur nummer bitte über Gitarre & Laute)
9.000 DM. Tel. ■■■■ ■■■■
66/98cm, 6.000 DM; Arciliuto, K. Sato
´83, Mensur 64/92cm, 3.700 DM. Tel.
Suche Breton-Laute. Tel/Fax ■■■■
P. Bernabé Mod. M 30, wie neu. 6.900 DM.
■■■■ ■■■■ Tel. ■■■■ ■■■■
■■■■
Verkaufe: Weissgerber Gitarre, Bj. Verkaufe A. Wahl, Bj. ´93, Fichte/Rio,
´1950/60. VHB 10.000 DM (Restaur.)
11-chörige Barocklaute von F. Bormann, 63cm, kleiner Korpus VB 4.500 DM. Tel.
3.000 DM incl. Koffer. Tel. ■■■■ ■■■■
Tel/Fax ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■
Konzertgitarre TAMA TC-15, Zeder/Riopal-
Brian Cohen, Bj. ´94, Fichte, Rogers. FP Neubauer Akustik- und E-Gitarre, Bj. An-
9.000 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ isander, mit Koffer, VB 1.200 DM. Tel.
fang 60er J., Pick up, VHB. Tel. ■■■■
■■■■ ■■■■ ■■■■
P. Bernabé Mod. M 30, wie neu. 6.900 DM.
Tel. ■■■■ ■■■■ Daniel Lesueur, Bj. ´97, neuwertig, Zeder, Klassische Konzertgitarre (Doppelchörig)
Mensur 65cm, 7.500 DM. Tel. ■■■■ Rio/Zeder, Schellack, ideal für Renais-
Verkaufe A. Wahl, Bj. ´93, Fichte/Rio, ■■■■ sance-, Barockmusik, absolute Rarität,
63cm, kleiner Korpus VB 4.500 DM. Tel. herrlicher Ton VB 3.500 DM; D. Hopf Solis-
■■■■ ■■■■ Simplicio, Bj. 1927, Bestzustand, zu teninstrument, Bj. ´77, brillanter, voller
verkaufen, VB 22.000 DM. Tel. 0209- Ton, top Zustand. VB 2.900 DM. Tel.
Neubauer Akustik- und E-Gitarre, Bj. An- 273211 Email ■■■■ ■■■■ ■■■■ ■■■■
fang 60er J., Pick up, VHB. Tel. ■■■■
■■■■ Bernabé M 30, Red Cedar Decke (Sequoia, To sell: Thomas Humphrey 1994 (milleni-
30 Jahre gelagert), Bj. ´99, wie neu, 6.800 um) as good as new. Prize: 7500$ (we can
Klassische Konzertgitarre (Doppelchörig) DM. Tel. 089-64919194 Fax ■■■■ talk about it). I can pay back the way to
Rio/Zeder, Schellack, ideal für Renais- ■■■■ Bruxelles (Belgium). Tel. ■■■■ ■■■■,
sance-, Barockmusik, absolute Rarität, Email ■■■■ ■■■■
herrlicher Ton VB 3.500 DM; D. Hopf Solis- Gelegenheiten wegen Auflösung einer Pri-
teninstrument, Bj. ´77, brillanter, voller vatsammlung. Konzert-Gitarren, alle 65er Habe Gitarre v. F. Corbellari Modell RCR,
Ton, top Zustand. VB 2.900 DM. Tel. Mensur: Anton Sandner, Palis./Zeder, statt Bj. 1993 verloren. Bitte um Nachricht,
■■■■ ■■■■ 1.800 DM nur 1.200 DM; Claus Mohri wenn sie sich finden sollte. A. Schwenk.
Palis./Zeder Schellack, statt 2.200 DM nur Tel. ■■■■ ■■■■
To sell: Thomas Humphrey 1994 (milleni- 1.900 DM; Hopf Palis./Eiche, statt 2.700
um) as good as new. Prize: 7500$ (we can DM nur 1.800 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ Ramirez 1a, schöner Klang, m. Koffer,
talk about it). I can pay back the way to 3.500 DM. Tel. ■■■■ ■■■■
Bruxelles (Belgium). Tel. ■■■■ ■■■■, Suche Gitarre von Antonio de Torres oder
Email ■■■■ ■■■■ Santos Hernandez. Tel/Fax ■■■■ ■■■■ Vihuela (sehr schönes Instrument, 6-
48 Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1
chörig, Bj. 1995) zu verkaufen. Preisvorst.:
www.verkaufegitarre.d
fang 60er J., Pick up, VHB. Tel. ■■■■
5.000 DM incl. Etui (VB). Tel. ■■■■ ■■■■
■■■■ Kleinanzeigen in Gitarre & Laute sind
Klassische Konzertgitarre (Doppelchörig) seit fast 30 Jahren beliebte Bekannt-
Imai, Bj. ´82, Zeder/Rio, VB 8.600 DM. Tel. Rio/Zeder, Schellack, ideal für Renais- macher. Da sind Instrumente verkauft
■■■■ ■■■■ sance-, Barockmusik, absolute Rarität, her- worden, oder Duo-Partner gefunden. Da
rlicher Ton VB 3.500 DM; D. Hopf Solis- sind mit großem Erfolg Quellen für
Kohno 20 Bj. ´77, Fichte/Rio, Zustand wie teninstrument, Bj. ´77, brillanter, voller Notenausgaben gesucht worden oder
neu, konzertfähiger, kräftiger, ausgeglich- Ton, top Zustand. VB 2.900 DM. Tel. ■■■■ antiquarische Noten gekauft und
ener Ton, nur 2.900 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ verkauft. Da sind Dudelsäcke und
■■■■ Vihuelas vermittelt …
To sell: Thomas Humphrey 1994 (milleni- und Karrieren begonnen worden.
Dudelsack, neu mit Anleitung, 380 DM. um) as good as new. Prize: 7,500$ (we can
Tel. ■■■■ ■■■■ talk about it). I can pay back the way to Jetzt, in Gitarre & Laute-ONLINE sind
Bruxelles (Belgium). Tel. ■■■■ ■■■■, Kleinanzeigen zunächst kostenlos …
Gitarren aus Sammlung zu verkaufen, u.a. Email ■■■■ ■■■■ sie werden allerdings moderiert, damit
Weissgerber, V. Grüner, Biedermeiergitar-
nur solche Angebote erscheinen, die
ren. (Kontakt wegen fehlender Telefon-
Habe Gitarre v. F. Corbellari Modell RCR, für Sie, unsere Leserschaft von Interes-
nummer bitte über Gitarre & Laute)
Bj. 1993 verloren. Bitte um Nachricht, se sind. Die Redaktion behält sich vor,
Suche Breton-Laute. Tel/Fax ■■■■
wenn sie sich finden sollte. A. Schwenk. Anzeigen, die aus dem reaktionellen
■■■■ Tel. ■■■■ ■■■■ Rahmen fallen, ebenso natürlich sol-
che, die anstössig oder sittenwirdrig
Suche Gitarre von Antonio de Torres oder Ramirez 1a, schöner Klang, m. Koffer, sind, ohne weitere Erklärungen oder
Santos Hernandez. Tel/Fax ■■■■ ■■■■ 3.500 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ Rechtfertigung auszuschließen.
Kostenlos akzeptiert werden nur
G. Giussani, Bj. Juni ´99, Fichte/Palisander, Vihuela (sehr schönes Instrument, 6- private, nicht gewerbliche
schöner kräftiger Ton, ungespielt, 6.700 chörig, Bj. 1995) zu verkaufen. Preisvorst.:
Kleinanzeigen! Für gewerbliche
DM. Tel/Fax ■■■■ ■■■■ 5.000 DM incl. Etui (VB). Tel. ■■■■
■■■■
Kleinanzeigen wenden Sie sich bitte an:
Anzeigen@Gitarre-und-Laute.de.
Verkaufe 10-chörige Meister Ren.-Laute
mit Koffer und komplettes Material von Imai, Bj. ´82, Zeder/Rio, VB 8.600 DM. Tel. Wenn Sie Ihrer Anzeige ein Foto des zu
John Dowland und anderen engl. Lautenis- ■■■■ ■■■■ verkaufenden oder gesuchten Objektes
ten. Preis komp. 4.000,-DM. Tel. ■■■■ beigeben wollen, berechnen wir dafür
■■■■ Kohno 20 Bj. ´77, Fichte/Rio, Zustand wie eine Aufwandsentschädigung von
neu, konzertfähiger, kräftiger, ausgeglich-
Theorbe & Arciliuto v. H. Bohr zu ener Ton, nur 2.900 DM. Tel. ■■■■ EURO 10,00 pro Foto.
verkaufen. Beide Instrumente weit unter ■■■■
NP abzugeben. Tel. ■■■■ ■■■■ Fotos werden einspaltig in Farbe in
Dudelsack, neu mit Anleitung, 380 DM. den Anzeigentext eingebracht. Die Bil-
Mittelalter-, Renaissancelaute, Romant. Tel. ■■■■ ■■■■ der schicken Sie uns bitte als TIFF
Gitarre. Tel. ■■■■ ■■■■ oder JPG im Anhang
Gitarren aus Sammlung zu verkaufen, u.a. Ihrer Anzeige per Email.
Arciliuto, J. v. d. Geest ´85, Mensur Weissgerber, V. Grüner, Biedermeiergitar- Im Internet sind Kleinanzeigen für
66/98cm, 6.000 DM; Arciliuto, K. Sato ren. (Kontakt wegen fehlender Telefon- jeden einsehbar (also nicht nur für
´83, Mensur 64/92cm, 3.700 DM. Tel. nummer bitte über Gitarre & Laute) Abonnenten), und zwar unter
■■■■ ■■■■
Suche Breton-Laute. Tel/Fax ■■■■ ■■■■
Verkaufe: Weissgerber Gitarre, Bj. www.VerkaufeGitarre.de
´1950/60. VHB 10.000 DM (Restaur.)
Tel/Fax ■■■■ ■■■■ Dort sind die Anzeigen für
mindestens zwei Monate zu sehen. Die
Brian Cohen, Bj. ´94, Fichte, Rogers. FP Seite www.VerkaufeGitarre.de wird
9.000 DM. Tel. ■■■■ ■■■■ ständig aktualisiert.

P. Bernabé Mod. M 30, wie neu. 6.900 DM.


Tel. ■■■■ ■■■■

Verkaufe A. Wahl, Bj. ´93, Fichte/Rio,


63cm, kleiner Korpus VB 4.500 DM. Tel.
■■■■ ■■■■

Neubauer Akustik- und E-Gitarre, Bj. An-


Gitarre & Laute-ONLINE XXIX/2007 Nº 1 49
Das nächste Heft erscheint in
einem Monat, am 1. August
2007. John Dowland wird
Thema sein, und zwar ganz
speziell die Geschichte der
Rezeption seiner Lautenlieder
im 20. und 21. Jahrhundert.
Von Alfred Deller und Peter
Pears bis Sting.
Eine Reihe neuer Bücher wird
dann besprochen. Eines davon
würdigt „Die Laute in Europa“
in all ihren Erscheinungsfor-
men und Besonderheiten. Ein
anderes behandelt Isaac Al-
béniz, der bekanntlich niemals
eine einzige Note für Gitarre
komponiert hat und doch zu
den „Stars“ des Gitarrenreper-
toires gehört.
Ein paar Beiträge werden wei-
tergeführt, darunter natürlich
die Nachdrucke vom „Guitar-
refreund“ von 1907. Einen
Nachtrag zum Mozartjahr wer-
den Sie finden und eine
Vorschau auf das Jahr
Dietrich Buxtehudes, dessen
dreihundertsten Todestag wir
in diesem Jahr feiern. Buxte-
hude gilt als einer der größten
Komponisten zwischen Hein-
rich Schütz und Johann Sebas-
tian Bach. Weder für Laute
noch für Gitarre hat er jemals
eine einzige Note geschrieben.
Aber heißt das, wir könnten
nihts von ihm lernen? Und wer
weiß … vielleicht entdecken
die Gitarristen diesen nordis-
chen Meister noch?
Und natürlich gibt es in der
Ausgabe XXIX/2007/2 Plat-
tenbesprechungen und kriti-
sche Anmerkungen zu neuen
Notenausgaben! Und Informa-
tionen zu allen möglichen Fra-
gen des Musiklebens!