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DER PRÄPARATOR

Blätter für Tierpräparation, Dermoplastik, anatomische u n d paläontologische


Präparationen, M e t h o d e n derdarstellenden Biologie, Konservierungstechniken
d e r P r ä h i s t o r i k u n d A r c h ä o l o g i e u n d fü r M u s e u m s k u n d e .

Herausgegeben von Ernst Breiner


Organ der Gemeinnützigen Vereinigung der Präparatoren und Dermoplastiker
Deutschlands e.V.

1. Jahrgang Januar 1955 Heft 1


Zum Geleit
Die vor dem zweiten Weltkrieg von Hermann H. ter Meer gegründete Deutsche
Künstlervereinigung der Museumsdermoplastiker — Deukümus — lud im Oktober
1950 die Dermoplastiker und Zoologischen Präparatoren zu einer Tagung unter
dem Vorsitz von Adolf Haug nach Öhringen ein. Auf dieser Tagung wurde be-
schlossen, die Zoolog. Präparatoren mit in die Vereinigung aufzunehmen. Den Vor«
sitz übernahm nunmehr Carl Mielke, Bonn. Die Vereinigung führte jetzt den
Namen „Vereinigung der Zoologischen Präparatoren und Dermoplastiker Deutsch*
lands". Nachdem Carl Mielke einem Ruf nach Rio de Janeiro, Brasilien, gefolgt war,
übernahm ich im Dezember 1953 auf Wunsch des Vorstandes den Vorsitz.

Um die Voraussetzungen für die Gründung eines Präparatoren=Technikums und


für eine Verbesserung in tariflicher Hinsicht zu schaffen, war die Erweiterung
unseres Kreises dringend nötig. Ich lud daher zu einer Tagung im Mai 1954 nach
Münster ein. Außer Dermoplastikern und Zoolog. Präparatoren waren auch KoU
legen aus anderen Fachrichtungen anwesend. Mein Vorschlag, in unseren Kreis alle
gelernten Präparatoren, gleich welcher Fachrichtung, Zoologie, Anatomie, Pathologie,
Paläontologie, Prähistorik usw. — aufzunehmen, wurde angenommen. Die Ver=
einigung wurde nunmehr gerichtlich eingetragen als: „Gemeinnützige Vereinigung
der Präparatoren und Dermoplastiker Deutschlands, Sitz Münster i. W., Badestr. 9."

Um einen Erfahrungsaustausch der Kollegen untereinander zu ermöglichen und die


zum Teil lückenhafte Fachliteratur zu ergänzen, wurde die Herausgabe einer Fach=
Zeitschrift gewünscht. Kollege Breiner, Bonn, hat die Aufgabe der Schriftleitung und
des Verlages dankenswerterweise übernommen. Das erste Heft der neuen Zeit*
schrift, die künftig auch als Organ unserer Vereinigung dienen wird, liegt nun vor.
Möge rieh das Blatt unter reger Anteilnahme der Kollegen stetig weiterentwickeln
zum Nutzen einer guten fachlichen Arbeit und somit auch zum Nutzen der ent=
sprechenden wissenschaftlichen Sammlungen.

Rudolf Müller-Gehring

T i t e l b i l d : D y b o w s k i - T i e r mit Kalb, D e r m o p l a s t i k von B. Korf.


Aus dem Zoolog. Forschungsinstitut und Museum A. Kcenig, Bonn. Foto: Fendler.

DER PRÄPARATOR erscheint einmal vierteljährlich und zwar am 10. 1., 10. 4., 10. 7. und 10. 10.
Herausgeber: E r n s t B r e i n e r , Bonn a. Rh., Sebastianstr. 62. Unkostenbeitrag DM 2,— für das Heft,
Einzelheft DM 2,50. Die Zeitschrift wird den Beziehern so lange geliefert, bis Abbestellung erfolgt,
die 3 Monate vor Jahresschluß bei der Bezugsquelle vorliegen muß. Auslandsversand nur bei Voraus-
zahlung. Zuschriften, Bestellungen und Anzeigenaufträge an den Herausgeber. Bei Anfragen Rückporto
beilegen. Anzeigen» und Redaktionsschluß 25 Tage vor Erscheinen des Heftes. Druck: Willy Müller,
Bonn.
Das Karbondiorama
Ottmar F. von Fuehrer
Akad. Maler und ~Dermoplastiker am Carnegie Museum Piltsburgh, U.S.A.

Als mir am Carnegie=Museum in Pittsburgh, Pennsylvamen, USA, der Auftrag


erteilt wurde, ein lebensgroßes Diorama mit der Fauna und Flora der Steinkohlen-
zeit aufzustellen, wurde mir eigentlich etwas bange, obzwar meine Frau Hanne
und ich bei der Herstellung fünf lebensgroßer Dioramen aus der rezenten Pflanzen
weit Amerikas schon genügend Erfahrungen gewonnen hatten. Diese Dioramen er=
forderten sechs Jahre Arbeit und stellen im einzelnen dar: Die Arizona Wüste,
eine Alpenwiese aus dem Staate Washington, eine tropische Gruppe aus Florida,
eine Frühjahrs= und eine Sumpfvegetation aus Pennsylvanien. Diese Dioramen be=
finden sich in der botanischen Halle am Carnegie=Museum. In ihnen sind nur die
Baumstämme und deren Abzweigungen echt; die Vegetation selbst ist künstlich
aus Wachs, Celluloid, Stoff, Papier oder Gummi hergestell. Es handelt sich bei
diesen Dioramen um Loka-
litäten, die bekannt waren
und die man nach Bedarf
besuchen konnte, um die
Pflanzenwelt mit Berück=
sichtigung von Boden,
Klima und Tierwelt zu
studieren. Unzählige Land=
Schaftsstudien wurden von
diesen Lokalitäten an Ort
und Stelle gemacht, ebenso
Gipsabgüsse von Blättern
und Blumen, Gummiab-
drücke von Gestein und
Baumstämmen und vor
allem dis nötige Pflanzen-
material getrocknet, oder
in Formalin'.ösung gesamt
me!t, um es mit dem später
künstlich erzeugten Mate-
rial vergleichen zu können
Dies war natürlich bei der
Verfertigung des Dioramas
von einem Steinkohlen-
wald nicht möglich. Die
Herstellung der künstli=
O. F. von Fuehrer mall den Dioramenhintergrund chen Vegetation, das Mo=
dellieren der Tiere, die
Konstruktion des Terrains und nicht zuletzt das Malen des Hintergrundes, erforderten
die Lösung vieler Probleme. Stud'en und Vergleiche wurden auf Grund unserer Pflan =
ren= und Tierfcrsil.en angestellt. Voraussetzung war es für den Künstler, sich das
Zeitalter der Steinkohlenzeit vergegenwärtigen zu können Da von wissenschaftlicher
Seite gegensätzliche Anschauungen bestehen, ob die Steinkohlenzeit ein kühles oder
tropisches Klima hatte, war es ratsam, einen Mittelweg zu wählen und diese Periode
der Erdkugel als subtropischen Regenwald zu repräsentieren. Die warmfeuchte
Atmesphäre dieser Zeit erzeugte einen reichhaltigen üppigen Wuchs von SchachteU
halmen, Sigillarien, Lepidodendren, Farnbäumen und vielen anderen Formen dieser,
zum größten Teil ausgestorbenen Pflanzenwelt. Bei der Verbildlichung dieser längst
versunkenen Welt kamen natürlich die Lokalitäten mit rezenter subtropischer Vege=
tation sehr zu Hilfe. Ohne Zweifel sind für das Auge des Künstlers die Farn=
baumwälder von Neuseeland Teilen des Landschaftsbildes der Steinkohlenzeit sehr
ähnlich. Himmel und Wolken, Licht und Schatten, Wasser und Erde, Gestein und
nicht zuletzt Pflanzen standen unter denselben Naturgesetzen wie heute. Sonnen=
aufgang und ^Untergang, Regenbogen und Blitz erschienen bestimmt vor Millionen
von Jahren genau so wie heute, doch war kein Menschenauge zugegen, um dies
beobachten zu können.
Der fossiele Abdruck im Gestein oder in der Kohle zeigt ein Negativ der ehe=
maligen Pflanze. Wenn man ein Fossil mit einer lebenden rezenten Pflanze ver=
gleicht, ist dieses im Aussehen bestimmt leblos und es ist oft schwierig sich vorzu=
stellen, wie wohl die Pflanze im Leben ausgesehen haben mag. Es ist aber ganz
erstaunlich, wie ein Fossil scheinbar zum Leben kommt, sobald man es sorgfältig
und kunstgerecht (nach alter Meister=Tr«dition) einer heutigen Pflanze ähnlich, auf
der Bruchfläche und in den Konturen entsprechend nachfärbt. Die Pflanze wird bild=
lieh sofort „mehr greifbar". Das Blattfossil eines Farnbaumes, nach einem vorliegen=
den neuseeländischen Farnbaumblatt aus dem Palmhaus nachgefärbt, wird dadurch
sofort lebendig wirken. Das größere Problem war das Verfertigen von Baumstäm=
men und Blättern der Sigillarien und Lepidodendren. Vorerst wurde natürlich die
Größe der Vitrine mit fünf Meter Breite und drei Meter Höhe bestimmt. Das war
eine wichtige Entscheidung, da dieselbe Höhe und Umfang der Baumstämme und die
Zahl der notwendigen künstlichen Blätter bestimmte. Weit über 50 000 von diesen
Blättern wurden im Laufe von zwei Jahren, zum großen Teil aus Wachs, Celluloid
und Papier hergestellt. Für die vermutlich lederigen Blätter aus der Karbon=Zeit
wurden Blätter der rezenten Pflanzenwelt, wie Rhododendren, Ficus, etc. den fossilen
Formen gemäß nachgeschnitten und von diesen Gipsabgüsse verfertigt. Mit Hilfe
dieser Abgüsse konnte man tausende von Blätter aus Wachs pressen. Die schmaien,
länglichen Blätter des Lepi»
dodendron = Baumstammes
und seiner gabeligen Ab=
zweigungen wurden mit
Hilfe einer Stahlstanze aus
Papier ausgeschlagen, dann
in gefärbtes Wachs g c
taucht und an den Blatt=
polstern befestigt. Die
Herstellung der Baum-
stämme und der darauf be=
findlichen, oft sehr kom=
plizierten Blattpolster wa=
ren unser größtes Pro-
blem. Hier verwendete ich
meine eigene Abformme-
thode mit Hilfe von Litex
oder Kautschuk. Es ist sehr
einfach, einen Latex-
(Gummi=) Abdruck von
einem fossilen Baumstamm
mit den daran befindlichen,
modellierten Blattpolstern
zu erzeugen. Die Fläche
eines solchen Fossils wird
mit einer dünnen Schichte
Latex bedeckt und in
einigen Stunden läßt sich
Der Autor am Modell des Edaphosaurus der Latex mit den daran
befindlichen Abdrücken der Blattpolster leicht abziehen. Könnte man einen ganzen
fossilen Baumstamm finden, so wäre mit einem großen Stück Abzug die halbe Arbeit
Cetan. Doch in den meisten Fällen handelt es sich nur um Bruchteile eines Fossil*
Stammes, von denen der ganze Stamm künstlich hergestellt werden soll. So müssen
von den Bruchteilen so viele Einzelstücke in Gummi erzeugt werden, daß deren
Fläche der Länge und dem Umfang des erwünschten Baumes gleichkommt. Diese ein=
zelnen Teile werden dann noch genau, mit großer Sorgfalt nachgeschnitten und mit
Latex zusammengeklebt, um ein einheitliches Stück zu gewinnen. Für unsere Sigillaria
erzeugten wir einen solchen Gummi=Abdruck ein Meter breit und vier Meter lang. Da
bekanntlich die Blattpolster am unteren Ende des Baumstammes größer sind als oben,
habe ich eine von mir entdeckte Vergrößerungsmethode an dem Gumminegativ an=
gewandt, die den Übergang von großen zu kleinen Blattpolstern bewerkstelligte. Jetzt
wurde ein Baumstamm aus Drahtnetz, Sackleinen und Papiermache mit ein Meter Um=
fang und vier Meter Höhe gebaut. Die Gummifläche mit dem Blattpolstermuster wurde
mit Seifenwasser befeuchtet und mit einer dünnen Schicht Papiermache bedeckt, der
künstliche Baumstamm wurde umgelegt und mit dem Papiermache bedeckten Gummi=
negativ überzogen. Nach einigen Tagen läßl sich die äußere Gummischichte leichi
abziehen resp. abheben, da die Papiermacheschichte sich vom Gumminegativ an den
Stamm übertragen hat. So erhält man einen Baumstamm, der auch die kleinsten
Details des Originalstammes aufweist. Mit dieser Methode verfertigten wir die
Stämme und deren Verzweigungen und Gabelungen für zwei von unseren Sigillarien
und Lepidodendren.
Nachdem ein beträchtlicher Teil der Blätter und Baumstämme verfertigt war
und der Hintergrund sehen sein Gesicht bekam, wurde das Modellieren der zwei
Ungetüme, Edaphosaurus und Eryops
begonnen. Da wir an unserem Museum
weder für das Reptil noch für das
Amphibium komplette montierte Ske=
letie hatten, verbrachte ich zehn Tage in
Chkago, um das reichhaltige Skelett=
materia] am Naturhistorischen Museum
wie auch an der Universität von Chikago
studieren zu können. Nach meiner Rück=
kehr modellierte ich dieselben lebens=
groß aus Ton, verfertigte Negative aus
Cummi und von diesen wurde der Ab'
ruß in Wachs gemacht. Den Edapho=
raurus färbte ich eidechsenähnlich und
dem Eryops gab ich die Färbung eines
Alligators.
Nun waren die Baumstämme, weit über
50 000 Blätter, die Tiere und auch der
Hintergrund, soweit fertig, daß alles
bereit war, um zu einem einheitlichen
Bild zusammengefügt zu werden. Haupt=
Probleme bei einem Diorama sind: der
Hanne von Fuehrer verfertigt Cordaiten-Zweige gemalte Hintergrund mit großer Tiefe
und Weite, ein überzeu=
gender Übergang vom
gemalten Hintergrund
zum dreidimensionalen
Vordergrund und nicht
zuletzt eine gute allge=
meine Komposition nach
den traditionellen Re=
geln der Kunst ausge=
dacht, so daß die Tiere
und die Pflanzen ein=
heitlich und bildmäßig
wirken. Vor allem soll
aber ein Vordergrund
vorhanden sein, der auf
der Basis vieler Beob=
achtungen und Studien
in der Natur nachge=
ahmt wurde. Kein Di=
Der Eryops wird modelliert
orama kann vollständig
sein, auch keines, das
die moderne Tier= und Pflanzenwelt darstellt. Es ist bestimmt unmöglich, innerhalb
des kleinen Raumes einer Vitrine alles zeigen oder alles erklären zu wollen, was sich
durch Millionen von Jahren und vor unzähligen Millionen Jahren abgespielt hat.
Unser Karbon=Diorama zeigt die Sigillarien und Lepidodendron^Baumstämme und
deren bizarre Vergablung, ebenso die auf den Baumstämmen und Ästen befindlichen,
interessanten Blattpolster. Große Calamiten umgrenzen farnähnliche Pflanzen, wie
Neuropteris und Pecopteris. Die Cordaiten geben der Lokalität mit ihren eleganten,
langen Blättern einen mehr tropischen Charakter. Sphenophyllum wächst am Rande
des künstlichen Tümpels aus dem soeben der Eryops herausgekrochen ist, während
der Edaphosaurus mit seinem ganz fantastischen Rückenschmuck versucht, über die
vermoderten CaUmiten und Sigillariabaumstämme sich einen Weg zu einem freieren
Gelände zu bahnen. Insekten und eine Libelle mit 70 cm Spannweite ergänzen
die in dem Diorama gezeigte Tierwelt. Vollständig ist das Bild gewiß nicht, aber
wissenschaftlich genügend korrekt und künstlerisch interessant genug, um den
Museumsbesucher die Anregung zu geben, sich einige ernste Gedanken über die
Erde und einen Teil ihrer hochinteressanten Geschichte zu machen. Vor allem ist
wahrscheinlich die Neugierde zur Genüge geweckt, so daß der Besucher nun mit mehr
Verständnis, sicher aber mit mehr Interesse, die übrigen ausgestellten Objekte der
Pflanzenpaläontologie betrachten wird. Ist dies erreicht, so hat das Diorama seinen
Zweck erfüllt.
Eine neue flexible Abguß-Masse
(Präparationstechnische Mitteilung)

Robert Tendier
Zoolog. Forschungsinstitut und Museum A. Koenig, Bonn a. Rh.

Dem Wunsch vieler Interessenten nachkommend sei hier über einen Formstoff be=
richtet, der in vielerlei Hinsicht neuartig und vielseitig verwendbar ist.
Reptilien und Amphibien naturgetreu aufzustellen ist ein altes Problem. Die in
vielen Fällen ohnehin nicht verwendbare Paraffinierungsmethode ersetzt das bisher
häßliche in Alkohol* oder Formalinglas ausgestellte Feuchtpräparat durch das paraffi=
nierte Original; sie beschränkt sich jedoch auf die Aufstellung des Originalstiickcs
und läßt keine Vervielfältigung zu. So blieb auch weiterhin erwünscht, eine brauch*
bare A b g u ß * Methode zu entwickeln und vor allem einen Formstoff zu finden,
der mehrere Abgüsse aus einer Form herzustellen möglich macht und außerdem
an jedem Abguß auch die feinsten Poren, Narben und Falten des Originalstückes
wiedergibt. Der Abguß soll zudem n a h t l o s sein, d. h. die Formmasse muß elastisch
sein wie Gummi und selbst nach stärkstem Verbiegen und Auseinanderziehen wieder
in die Ausgangslage zurückschnellen.

Dieses Ziel ist — bis auf den leider noch störenden hohen Schmelzpunkt — mit
Hilfe der Schmelzmasse VL 997 A *) erreicht.

Ein Klapperschlangenmodell wird aus der Form genommen

*) VL 997 A stellt her: Dynamit*A.G. Troisdorf, Abt. Venditor, Kunststoffverkauf und kostet DM 9,—
je kg. Die Schmelzmasse kann immer wieder eingeschmolzen und neuverwendet werden Vor
Eigenversuchen empfiehlt sich, Prospekte von der Herstellerfirma zu erbitten.
Wärmeunempfindliche Modelle wie Gesteine, Schieferabdrücke, Knochenteile usw
können ohne Isolierung mit der in einem Wärmeschrank auf 150—160 ° erhitzten
Masse übergössen werden; der Fortfall der Isolierung ermöglicht saubere und ge=
naue Wiedergabe auch der feinsten Zeichnung. Vor dem Abgießen wird um das
Modell ein Weichblech (etwa Bleiblech) als Form (Küvette) gebogen und Modell
und Küvette — die zur besseren Wiedergabe der Zeichnung auf etwa 100 ° erhitzt
werden — werden mit der flüssigen Schmelzmasse eingegossen. Nach dem Erkalten
ist die Form gummiartig zäh (viel zäher als z. B. die für viele Abgußarbeiten un=
brauchbare Leimform) und läßt sich infolge ihrer Biegsamkeit leicht vom Modell
abziehen. (Abb.)

Poröse Modelle (z. B. Gips und Holz) werden zweckmäßig vor dem Eingießen mit
einer 5°/oigen Lösung von PolywinyUAlkohol bestrichen (Höchst, Frankfurt am Main).
— Auch sollte man c!ie Zeitersparnis bedenken, ebenso wie die Möglichkeit der
Aufbewahrung der Form. Nach Jahren lassen sich eventuell dann noch weitere
Ausgüsse herstellen.
Zum Abgießen von Reptilien und Amphibien muß wegen des hohen Schmelzpunktes
der Masse — ihn weiter herabzusetzen ist die Herstellerfirma bemüht — der Umweg
über die bekannte Wachsparaffinform benutzt werden: Der sauber retuschierte Gips=
abguß des Originals läßt sich wie jedes gegen Wärme unempfindliche Modell in
beliebig hoher Zahl vervielfältigen. Das Modell selbst — bei seltenen Stücken ein
wichtiger Vorzug — bleibt der wissenschaftlichen Sammlung erhalten.

Die Abgüsse in Gips müssen natürlich wie die Originalstücke bei der Paraffinierungs=
methode eingefärbt und übermalt werden — am besten nach lebendem Modell,
einer Farbaufnahme oder Farbskizze nach dem Leben. Die — ja nach Geschick
und Können — lebenswahr auf — oder zu einer Gruppe zusammengestellten Stücke
lassen den höchsten Grad von Naturtreue erreichen und geben so dem Besucher
der Schausammlung eines moderen Museums jetzt endlich ein richtiges Bild des
dargstellten Tieres in seinem Lebensraum.
Über eine weitere Verwendbarkeit dieses Kunststoffes und ebenso anderer werden
zur Zeit im Atelier des Museums A. Koenig, Versuche angestellt, über deren Ergeb*
nisse zu gegebener Zeit an dieser Stelle berichtet wird. Gilt es doch veraltete Metho»
den durch Heranziehung moderner technischer und chemischer Mittel zu verbessern
oder gar ganz neue Wege zu finden. So werden dann unsere Museen als wichtige
Bildungsstätten den Besuchern immer lebendigere Eindrücke vermitteln.

Das Klischee zu obigem Artikel stellte die DYNAMIT AG TRO1SDORF zur Verfügung.
Internationale Ausstellung
Jagd und Sportfischerei Düsseldorf 1954
Als am 16. Okiober 1954 die „Internationale Ausstellung Jagd und Sportfischerei" in
Düsseldorf ihre Tore öffnete war unter denen, die nun nach anstrengenden Tagen des
Ausstellungsaufbaues erleichtert aufatmen konnten, eine ganze Anzahl zoologischer
Präparatoren. HANS HONSTETTER, Köln^Braunsfeld, hatte nicht nur die Tiere für
den „Deutschen Wald" aufgestellt, sondern betreute im Auftrag der Ausstellungs=
leitung auch deren Einbau und Gruppierung und war für das Wohl und Wehe
der abertausend ausgestellten Trophäen zuständig. ERDMANN SCHOLZ, Hamburg,
zeigte im Auftrag des Landesjagdverbandes Hamburg den Jahreszyklus des Reb=
huhns in 6 ansprechenden Dioramen. ADOLF SPOERRI, Nahuhist. Museum Chur,
stellte am Stand der Schweiz eine bemerkenswerte Steinbockgruppe zusammen. Die
Ausstellung Großbritanniens wurde von G. H. RICHMOND, von der Firma ROW-
LAND WARD, London, betreut. In der holländischen Abteilung zeigte JACOB VAN
DE PEPPEL, Bennekcm, ein gut gelungenes Flugwilddiorama. Der österreichische
Stand wurde fachlich von LUDWIG WALD, Wien, betreut. An Stand Finnland war
TAUNO WAARAMAKI, Helsinki, tätig. Sein Halbdiomma zeigte die Auerhahnbaiz.
POPP, München, war mit dem Aufbau der Schau Haarraubwild und anderer
Lehrschauen beschäftigt. ERNST BREINER.. Bonn, betreute den Pavillon Venezuelas
und bestritt die plastischen Arbeiten für 5 Dioramen, die einen Querschnitt durch
die Vogelwelt Venezuelas boten.
Eine Übersicht über die internationale Jagdausstellung gibt:

Hans Honstetter
Obwohl von uns Deutschen die Jagd eist seit so kurzer Zeit wieder ausgeübt
werden darf, bekam der Deutsche Jagdschutzverband vom Internationalen Jagdschutz-
verband den Auftrag, wieder in Deutschland, diesmal in Düsseldorf, eine internat.
Jagdausstellung aufzubauen. Trotz anfänglich großer Schwierigkeiten gelang es der
Ausstellungsleitung, die Ausstellung zu einem ganz großen Erfolg zu bringen. Einen
solch starken, die ganze Ausstellungsdauer anhaltenden Besuch hatte die Nord=
westdeutsche Ausstellungsgesellschaft in ihren Hallen noch nicht erlebt. Es war
aber auch für jeden Geschmack etwas Interersantes zu finden. Die Jäger konnten
sich an kapitalen Trophäen sattsehen, die Jungjäger ihre Kenntnisse bedeutend er*
weitern und die Allgemeinheit in Wald und Feld spazieren gehen und die darin
befindliche Tierwelt betrachten, die nicht einmal weglief.
Durch den Haupteingang vom Ehrenhof aus kam der Besucher in die Ehrenhalle,
wo die stärksten Trophäen jeder Wildart Aufnahme gefunden hatten. Besonders
auffallend waren der KapitaUHirsch aus Jugoslavien mit 248,55 Punkten und die
unglaublich punkthohe Gamsgeiß der Schweiz, welche die Höchstzahl von 134 Punk=
ten erhielt. Anschließend wurde viel Interessantes über „Polizei im Dienste des
Jagdschutzes", über Jägerprüfung, Jagdunfallverhütung etc. gezeigt. Der Natur* und
Vogelschutz brachte eine Schau der geschützten Vögel. Aus dem heißen Bemühen
heraus, der Verödung unserer Landschaft entgegenzuarbeiten, waren viele mit
Liebe aufgebaute Gruppen und Bilder entstanden. Der Falkenorden hatte einen

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ansprechenden Falkenhof aufgebaut und zeigte dort einen herrlichen Steinadler,
Habichte und Falken bis herunter zum Merlin. Die gegenüberliegende GreifvogeU
schau bestand leider größtenteils aus nicht eben guten Museumsstücken.
Aus dieser Durchgangshalle betrat man die große M=Halle, die das Großpanorama
„Deutsches Wild in Wald und Feld" enthielt. Eigenartig war, wie das lautlose Gehen
auf den Waldwegen (sie waren mit einem Gemisch von Torf und Nadelstreu belegt)
auf die Besucher wirkte. Alles sprach leise und andächtig. Außer den Großwild«
gruppen war auch alles mögliche kleinere Getier vorhanden, das herauszufinden
das Publikum sich viel Mühe gab, denn ein diesbezügl. Preisrätsel versprach dem
glücklichen Gewinner schöne Preise.
In den gegenüberliegenden V= und N=Hallen war die Industrie mit einschlägigen und
— weniger einschlägigen Firmen und Fabrikaten zahlreich vertreten. Im z. Stock der
V=Halle war die sehr stimmungsvoll aufgebaute historische Schau zu sehen, in der
3. Etage zeitgenössische jagdliche Kunst. Die Jury hatte von über 500 eingesandten
Werken nur 175 angenommen und dadurch manchem den Verkauf eines Werkes
unmöglich gemacht, bei dem der Geschmack der Allgemeinheit vielleicht anders
entschieden hätte. In der P=Ha!le, der größten aller Hallen, war die Trophäenaus=
Stellung untergebracht, die für uns Präparatoren das Interessanteste zeigte. Die
Straße der Nationen eröffnete auf der rechten Seite Frankreich mit kapitalen Tro=
phäen aus aller Welt. Besonders interessant waren 2 Paar Elefantenzähne von einer
Dicke, wie man sie selten gesehen hat. Außerdem ein Elefantenschädel, der auf
der rechten Seite 5 Stoßzähne und auf der linl-en 2 Stoßzähne hatte. Jede Seite
hatte einen stärkeren Hauptzahn und dazu dann die kleineren Nebenzähne. An=
schließend enthielt die Koje Osteuropa viel altbekannte Kapitalhirsche, aber auch
ebensolche aus den Jahren 1952 und 1953 aus Ungarn. In der nächsten Koje zeigte
das Vogelland Venezuela 5 Vogeldioramen. Auch Japan und Luxemburg hatten
typische Trophäen ihrer Länder ausgestellt. In der Koje Dänemark fesselte eine
Eisbärdecke von geradezu riesigen Ausmaßen. Bedauerlich, daß am dänischen Stand
keine Erklärung in deutscher Sprache zu finden war. Schweden brachte neben vielem
anderen Interessantem Elche in einer Zahl und Stärke, die man bestaunen mußte.
Es zeigte außerdem die besten R^h^ehörne der Ausstellt!.ig. Die nächste Nation war
Finnland mit einem Auerwild=Diorama. Den Beschluß dieser Hallenseite bildete
Jugoslavien, das sich ganz besonders angestrengt hatte und mit einer solchen
Anzahl kapitaler Trophäen aufwartete, daß die Zahl der 70 erhallenen Goldmc-
daillen wohl alles sagt. Gegenüber hatte Österreich eine sehr geschlossene Schau
aufgebaut. Der Stand roch förmlich nach Tradition und Geschmack. Anschließend
zeigte die Schweiz eine gut präparierte Alpensteinbock=Gruppe. Die Niederlande
stelhen ein gefälliges Flugwilddiorama zur Schau. Sehr instruktiv war auch das
Modell einer Entenkoje. Belgien hatte üußer qualifizierten europäischen Trophäen
auch sehr Gutes aus seinen Kolonien. Ägypten zeigt hauptsächlich graphische Dar*
Stellungen. Argentinien war insofern interessant, als die Ausstellung zeigte, daß
sich das dort eingeführte europäische Rotwild gut vermehrt hat und starke Geweihe
trägt. Italien war mit Steinböcken und Bildern aus den Gran Paradiso vertreten.
Der große Stand Großbritanniens enthielt sehr viel Hochinteressantes. Die gut
präparierten Köpfe des Bongos, Rappen und Elen, der Takins und besonders der
des Gagais stachen angenehm aus den allgemeinen sogenannten Dermoplastiken
heraus. In der großen Abteilung der USA fesselten die ganz präparierten Bisons,

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Moschusochse und Schneeziege das breite Publikum. Unter zahlreichen Lehrschauen
fand der in Dioramen dargestellte Jahreszyklus des Rebhuhns viel Beachtung. Die
Gedenkschau „Elch, Rominten" und die Trophäenschau „Von der Elbe bis zur
Memel" zeigten viel wirklich kapitale Stücke.
Infolge der reichen Anlieferung von Trophäen mußte alles, was unter den ge=
stellten Anforderungen blieb, ausgeschaltet werden. Und nun ein uns besonders
interessierender Punkt! Der Großteil der ausgestellten Präparate war so mäßig,
daß ich es beinahe als Blamage für unseren Beruf bezeichnen möchte. Sie recht*
fertigen vielfach die Bezeichnung „ausgestopft". So war nicht ein wirklich guter
Rehkopf zu finden, trotzdem fast alle beteiligten Staaten welche ausgestellt hatten.
Eine kleine Entschuldigung kann man vielleicht gelten lassen, es war viel uraltes
Zeug ausgegraben worden, das nur der Trophäe halber seinen Platz fand. Und noch
etwas: Die Ausstellung hätte auch einen anderen Namen bekommen können:
„Reinigungsanstalt für Jagdtrophäen". Es war unglaublich, in welchem Zustand,
mit Ruß, Dreck und Spinnweben bedeckt die Stücke mitunter eingesandt worden
waren. Oft noch dazu unaufgesetzt, zerbrochen und ohne Aufhängevorrichtung.
Eine Entschuldigung dürfte es hier allenfalls für einen Flüchtling geben, der wirk*
lieh nicht in der Lage war, seine oft unter schwierigsten Umständen gerettete
Trophäe fachmännisch aufarbeiten zu lassen.

Gedanken am Rande: Ernst Breiner

Eine Ausstellung ist einem Schmetterlingsleben vergleichbar. Das große Publikum


bekommt nur den schillernden Falter zu sehen — die eigentliche Ausstellungszeit
also —, die mit Ansprachen Prominenter beginnt, von klingenden Namen, Cocktail*
Partys, Empfängen, drängelnden Besucherschwärmen und nicht zuletzt von Bier*
zelten und Würstchenbuden gekennzeichnet ist. Daß diesem kurzen Falterflug ein
langes Raupenleben vorausgegangen ist, ahnt vielleicht der eine oder andere Aus*
stellungsbesucher. Haben die Hallen erst einmal ihre Tore geschlossen, dann ist
die Ausstellung noch lange nicht tot. Einigen Gedanken zu dem „Vorher" und
„Nachher" möchte ich hier Raum geben.
Es dürfte einleuchtend sein, daß gerade eine Jagdaussteliung auf die direkte oder
indirekte Mitwirkung des Tierpräparators nicht verzichten kann. Im Mittelpunkt
einer jagdlichen Schau wird zweifellos immer die Trophäe stehen. Das sind also die
endlosen Reihen von Geweihen und Gehörnen, an denen der Fachmann seine Studien
betreiben und seine Freude haben kann. Und dann die ganzen Kopftrophäen, über
die ich nicht hinwegsehen möchte, ohne eine paar Worte dazu zu sagen. Ein ganz
präparierter Kopf wird, zumal wenn er gut gemacht ist, auf den nicht rein fachlich
interessierten Besucher weit mehr wirken als ein in üblicher Weise abgeschlagenes
Geweih. Greife ich als Beispiel die im vorstehenden Beitrag von Hans Honstetter
zitierten Rehköpfe heraus, so muß ich zwangsläufig der Kritik des Autors bei=
stimmen. Es war wohl kaum ein guter darunter. Es wäre absurd, sich vorstellen zu
müssen, daß es eben keine guten Rehköpfe gibt. Es wäre sicher auch falsch, wenn'
gleich das Verhältnis derer „im Töpfchen" zu denen „im Kröpfchen" kaum abzu*
schätzen ist. Warum waren also — um bei unserem Beispiel zu bleiben — keine
guten Rehköpfe auf der Jagdausstellung? Dafür muß es Gründe geben; es gibt sie:
Es ist kein Geheimnis, daß die Ausstellungsleitung sich von vornherein an Kopf*
trophäen nicht besonders interessiert zeigte. Dieser Umstand wurde dadurch unter*

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strichen, daß eine Prämiierung ganzer Kopftrophäen von vornherein abgelehnt
worden war. Der Ausstellungsleitung ist dabei zugute zu haken, daß ganze Köpfe
zu der diesmal bei der Bewertung von Rehgehörnen durchgeführten Volumen=
messung durch Tauchen nicht taugen. Diese Klippe hätte sich bei gutem Willen
bestimmt durch eine andere Technik umgehen lassen. Es dürfte doch wohl so sein,
daß sich der Jäger nicht seine schwachen Böcke, sondern abgesehen von „Mein
Erster" gerade die Kapitalen als ganze Köpfe präparieren lassen wird. Diese meine
Ansicht wird durch die Ausstellung Großbritanniens bestätigt. Hier war eine er=
hebliche Anzahl von Weltrekordtrophäen aller Art — von Rowland Ward vortreff=
lieh gearbeitet — als Kopfpräparate zu sehen. So war also vielen Jägern der Anreiz
genommen, ihre guten, wohl auch teueren Kopftrophäen einzusenden.
Eine weitere Eischwerung liegt in dem Risiko, das der Trophäenbesitzer im Hinblick
auf den Versand, vor allem auf den Rückversand eingeht. Es wäre eine selbstver-
ständliche Forderung, daß die Verpackung der Trophäen beim Ausstellungsabbau von
einem dafür verantwortlichen Präparator beaufsichtigt und überwacht wird. Jedem
Trophäenbesitzer würde dadurch ein Stein vom Herzen genommen und ein Vorbehalt
gegen Einsendung seiner Köpfe entzogen werden. Wie Laien Tierpräparate zu ver=
packen und versenden pflegen, davon könnten endlose Trauerlieder gesungen werden.
Was auf der Jagdausstellung noch auffiel — oder besser nicht auffiel — denn es war
einfach nicht vorhanden: fast kein Präparat und keine Dermoplastik war signiert,
also der Präparator namentlich genannt. Es soll hier nicht untersucht werden, ob diese
Namensnennung offiziell nicht erwünscht, — gestattet oder gar verboten war. Es
wäre nur festzustellen, daß es bei künftigen Ausstellungen Voraussetzung und Pflicht
sein müßte, daß jedem Präparat der Name seines Erzeugers beigegeben wird. Den
Präparator in die Anonymität zu verweisen ist nicht nur ungerecht sondern durchaus
unklug. Zu den Erfolgen, die eine namentliche Kennzeichnung zweifellos zeitigen
würde, gehörte sicher, daß mancher Präparator — im Hinblick auf sein Firmenschild —
sich mehr in's Zeug legen würde, und eine solche qualitative Verbesserung käme doch
in erster Linie wieder den Jägern, also den eigentlichen Interessenten einer solchen
Ausstellung zugute.
Ein letzter Punkt: Selbst eine Jagdausstellung darf es eich nicht leisten, unseren Beruf
vor der Öffentlichkeit in Mißkredit zu bringen. Dies tut sie aber — wenn auch
unbewußt und ungewollt — wenn Präparate ausgestellt werden von denen wir uns
distanzieren müssen. Uralte Schwarten, verdreckte Wildsauen und als Schlummer^
rollen gearbeitete Löwen haben meiner Ansicht nach auf einer Jagdausstellung von
internationaler Bedeutung nichts zu suchen. Es wäre unerläßlich, daß einem erfah=
renen Präparator und Dermoplastiker, der Angehöriger der Ausstellungsleitung sein
müßte, letzte Entscheidung über Ausstellungstauglichkeit solcher Objekte vorbehalten
bleiben müßte. Dies wäre nicht nur im Sinne unseres Berufes, sondern zum Wohl
des ganzen Ausstellungsniveaus.
Wir wollen nicht verkennen, daß die Ausstellungsleitung zahlreiche Schwierigkeiten
mannigfachster Art erfolgreich überwinden konnte. Es liegt uns fern, unverkennbare
Leistung schmälern zu wollen. Nachher zu kritisieren ist leicht. Daß unsere Interessen
— die sich ja durchaus mit den Interessen der Ausstellung decken — diesmal stief=
mütterlich behandelt wurden, ist nicht zuletzt unsere eigene Schuld. Nehmen wir dies
zu den Akten! Es wird Aufgabe unserer Vereinigung sein, bei gegebener Gelegenheit
b e i z e i t e n auf den Plan zu treten.

13
Tierpräparation und Museumstechniken
ordentliche Lehrfächer an der
State University of Iowa
Vor einigen Jahren hat die Staats=Universität von Iowa Arbeitsmethoden natur*
wissenschaftlicher Museen, vornehmlich die verschiedenen Sparten der Tierprä=
paration in Ihren Lehrplan aufgenommen. Ein alljährlich herauskommender, immer
wieder neu illustrierter Prospekt wirbt für das Studium dieser Fächer.
Die Kurse in Museumsschulung — so heißt es in den Verlautbarungen der State
University — stehen allen befähigten Studenten offen. Wenngleich ein Studeni

Teilansidtt einer Klasse für anatomisdies Modellieren an der State University of Iowa, U.S.A.

14
durch sie auch nicht zum fertigen Museumsdirektor ausgebildet wird, so wird ihm
doch eine grundlegende Übung von der Präparation zur Ausstellung bestimmter
Naturobjekte bis zum Bau oekologischer Gruppen und Diroramen vermittelt. Iowa
bietet als einzige amerikanische Institution solche Fächer als reguläre College=
Übungen an.
Die Kurse tragen den Anforderungen verschiedener Studieneinrichtungen Rechnung.
In erster Linie sind sie für Studenten gedacht, welche sich ernsthaft im Aufstellen
von Vögeln, Säugetieren und anderer Formen des Tierlebens vervollkommnen wollen.
In der zweiten Sparte werden Freilandsammler in der Herstellung wissenschaftlicher
Bälge unterrichtet. Die dritte Gruppe schließlich, besonders für den Lehrer geeignet,
befaßt sich mit der Präparation von Objekten für den Gebrauch in der Schulklasse.
Es ist dem Studenten überlassen, die Arbeit selbst zu wählen, und diese kann dann
für die Erwerbung des Grades eines B. A. angerechnet werden. Bereits Graduierte
können sich die Arbeit als kleinere Vorleistung für den Grad eines M. A. oder
Ph. D. anrechnen lassen. Wenn ein Student in besonderen Fällen Erfahrung, Ge=
schicklichkeit und Fähigkeit beweist, kann die Arbeit auch als größere Vorarbeit
in Museumsmethoden für den Grad eines M. A. angerechnet werden.

Vormedizinern und Vorzahnmedizinern werden die Klassen für anatomisches ModeU


lieren und für Abformverfahren empfohlen. Für wissenschaftliche Lehrer sind
eigene Kurse im Balgen von Vögeln, Säugern und Reptilien eingerichtet. Auch die
Präparation von Objekten für den Unterricht kann hier erlernt werden. In anderen
Klassen wiederum werden die Herstellung von Reliefkarten, das Abgießen mit
flexiblen Formen, die Restauration von Fossilien und Konservierungsmethoden für
archäologisches Material gelehrt. Besonders in den letztgenannten Sparten konnten
neue, verbesserte Methoden entwickelt werden. br—

Das Klisdice zu vorstehendem Beitrag stellte die State University of Iowa, U.S.A., zur Verfügung

15
Kleine Mitteilungen

Das neue Beamtenbesoldungsgesetz


für Nordrhein-Westfalen
das am 25. Mai 1954 vom Landtag in seiner letzten Sitzung vor den Neuwahlen mit
den Stimmen aller Fraktionen nach fast 2jähriger Beratung verabschiedet wurde,
brachte für Präparatoren und Dermoplastiker eine massive Enttäuschung.
Im großen und ganzen ist für uns alles beim alten geblieben. Die einzige Änderung
ist die Streichung der niedrigsten Stufe, der ehemaligen Gruppe A 8 a. Präparatoren
gehören von nun an in die Gruppen A 3, A 4 und A 5. Die höchste erreichbare End=
stufe, der Oberpräparator (entspricht dem Obersekretär) wird nach Gruppe A 5 be=
soldet. Diese Gruppe kommt aber nur in den vom Finanzminister und dem fachlich
zuständigen Minister bestimmten Stellen zur Anwendung.1)
Was uns paradox erscheint, ist dies: In einem Bundesland bemühen sich namhafte
Wissenschaftler ehrlich und intenisv in zeitraubender Kleinarbeit, den Beruf des Prä=
parators und Dermoplastikers sozusagen in letzter Minute für die deutsche Wissen=
Schaft und Kultur zu retten, da sonst: „ . Deutschland auf unserem Fachgebiete auf
das Anfangsstadium der ganzen Entwicklung, wie es etwa vor 100 Jahren bestand,
zurückfällt." -) In dem anderen Land dagegen werden bei der Neuschaffung von
Gesetzen längst veraltete Eingruppierungen mitgeschleppt. Wenn der „Arbeitskreis
Präparatoren" des Bayrischen Berufsförderungswerkes e.V. klagt, daß unser Beruf
keinen Nachwuchs mehr hat, dann darf er diesen Umstand zu weitaus größtem Teil
solchen gesetzgeberischen Maßnahmen zuschreiben. Es ist durchaus nicht so, daß die
heutige Jugend unserer Tätigkeit interessenlos gegenübersteht. Die Erfahrung beweist
das Gegenteil! Freilich legen bei der Berufswahl in den allermeisten Fällen die Eltern
nach einer Orientierung über soziale Lage und Möglichkeiten des Präparatorenberufes
ihr Veto ein und leiten ihren Sprößling in andere — lukrativere berufliche Bahnen.
br-

') Eine Staffelung der Grundgehälter der neuen Besoldungsgruppen ist in Heft 7, Jahrg. 5 „Der
Beamtenbund", Zeitschrift des deutschen Beamtenbundes (Gewerkschaftsbund der Berufsbeamten)
wiedergegeben. Eine Broschüre Die neue Beamtenbesoldung für das Land Nordrhein-Westfalen
rrit vollst. Gesetztext, Tabellen für Grundgehalt, Wohnungsgeld, Zuschläge, Steuern usw. hat der
Verlag Flöttmann, Gülersloh, zum Preis von DM 1,50 herausgebracht.
*) Aus einem Rundschreiben der „Interessengemeinschaft Münchner wissenschaftlicher Institute und
Sammlungen zur Gründung einer höheren technischen Lehranstalt für Präparatoren" vom 11. 5. 1954.

16
GEORG STRUNK t
A m 2 8 . N o v e m b e r 1954 e n t s c h l i e f u n s e r M i t g l i e d ,

Herr Präparator Georg Strunk, Münster i. W.


Wir werden ihm e i ne h r e n d e s A n d e n k e n bewahren.

Gemeinnützige Vereinigung der Präparatoren und


Dermoplastiker Deutschlands e.V.

Redaktionelle Mitteilungen

„Der Präparator" steht, wie der Untertitel besagt, mehreren Fachgebieten offen. Der
Herausgeber ist bemüht, den Fachrichtungen den Platz einzuräumen, welcher der Zahl
der an den einzelnen Sparten Interessierten unter den Beziehern entspricht. Diese
Einteilung kann im Einzelheft, bedingt durch die Knappheit des zur Verfügung
stehenden Raumes, nicht immer zum Ausdruck kommen. Sie soll jedoch im vollen
Jahrgang klar aufscheinen, vorausgesetzt, daß genügend einschlägige Beiträge vor=
liegen. Artikel von allgemeinem Interesse haben Vorrang und stehen außerhalb des
aufgezeigten Schemas.

„Der Präparator" steht fachlichen Beiträgen in deutscher und englischer Sprache offen.
Jeder Beitrag soll nur ein Thema behandeln. Manuskripte sollen grammatikalisch
einwandfrei, sauber weitzeilig und einseitig mit Maschine geschrieben mit einem
Durchschlag eingesandt weiden. Die Autoren erhalten Freiexemplare. Beigefügte
Abbildungen müssen unmittelbar wiedergabefähig sein. (Hochglanzabzüge bzw. Zeich=
nungen mit schwarzer Tusche auf weißem Karton). Bildertexte sind gesondert ein=
zusenden.

17
Gelegenheitsanzeigen

Säuger und Vögel, auch Großsäuger, Die zoologische Abteilung des Hes-
(einheimische sowie ausländische) sischen Landesmuseums sucht einen
teilweise auch zum Selbstaufstellen. 1. Präparator. Anstellung als Ange-
Desgl. Skelette (auch seltene Arten) stellter; Vergütung nach Vergütungs-
gibt ab: Biolog. Lehrpräparate - Tier- gruppe VII der TO A. Voraussichtliche
präparation Curt Nürnberger Dermo- Einstellung am 1. April 1955.
plastiker, Hannover, Kochstraße 1, Bewerbungen mit Unterlagen sind zu
Telefon: 4 68 01. richten an: Hessisches Landesmuseum
Darmstadt, Friedensplatz 1.

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