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DK 621.336.2:629.4.027.5.027.

115 DEUTSCHE NORM Mai 1985

Stromführung im Bereich von Radsatz-Wälzlagern


in Schienenfahrzeugen
ß
VDE 0123

Diese auch vom Vorstand des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE) e.V. genehmigte Norm ist damit zu-
gleich eine VDE-Richtlinie im Sinne von VDE 0022. Sie ist unter obenstehender Nummer in das VDE-Vorschriften-
werk aufgenommen und in der etz Elektrotechnische Zeitschrift bekanntgegeben worden.

Current flow through axle roller


bearings of rail vehicles
Für den Anwendungsbereich dieser Norm bestehen keine entsprechenden regionalen oder internationalen Normen.
Der Norminhalt war veröffentlicht im Entwurf DIN 57123/VDE 0123/10.83.

Beginn der Gültigkeit


Diese Norm (VDE-Richtlinie) gilt ab 1. Mai 1985.

Fortsetzung Seite 2 bis 15

Deutsche Elektrotechnische Kommission im DIN und VDE (DKE)

DIN VDE 0123 Mai 1985 Preisgr. 11 K


VDE-Vertr.-Nr. 0123000
Seite 2 DIN VDE 0123

1 Anwendungsbereich – Übergangsspannung (Kontaktspannung unmittel-


bar nachdem das Lager leitend
Diese im Sinne einer technischen Information zu verste-
geworden ist [Frittung, Fritt-
hende Norm betrifft in Übereinstimmung mit
schlußspannung])
DIN VDE 0115 Teil 2/06.82 Fahrzeuge von Bahnen, bei
denen die Fahrschiene auch der Stromrückleitung dient. Stromdurchgang wird weitgehend vermieden, wenn
Aussagen dieser Norm können auch für andere Betriebs- die Spannung, unter der das Lager läuft, kleiner ist als
mittel aus den Bereichen Verkehr und Fördertechnik die Übergangsspannung, für die übereinstimmend
zutreffen. Werte in der Größenordnung von 0,5 V genannt wer-
den.
2 Zweck – Stromdichte (in der Berührungsfläche nach der
Diese Norm gibt Hinweise zum Schutz der Wälzlager Theorie von Hertz)
gegen Schäden infolge Stromdurchganges. Maßnahmen Aufgrund praktischer Erfahrungen zeichnet sich eine
zum Berührungsschutz sind in DIN VDE 0115 Teil 2/ absolute untere Grenze für Stromdurchgang in der
06.82 enthalten. Größenordnung von 0,1 A/mm2 ab. Die Grenze für
das Gebiet, in dem ausreichende Laufzeiten bis zum
3 Begriffe Eintritt von störenden Schäden erreicht werden, wird
Es gelten die Begriffe aus DIN VDE 0115 Teil 1/06.82, mit 0,7 A/mm2 angegeben. Wegen der komplexen
soweit nicht im folgenden Ergänzendes oder Abweichen- Einflüsse und großen Streuungen der Betriebsbedin-
des festgelegt wird. gungen kann es sich dabei nur um eine empirische
Beziehung handeln.
3.1 Die Zugsammelschiene ist eine einadrige elektri-
sche Leitung durch einen Zug zur Energieversorgung der Bei Stromdurchgang sind vor allem die Radsatz-Wälzla-
Wagen. ger gefährdet. Betroffen sind dabei nicht nur die Radsatz-
Wälzlager von elektrischen Triebfahrzeugen, sondern
3.2 Mit Stromschmierung wird ein Vorgang bezeich- auch von Brennkraft-Triebfahrzeugen und Wagen aller
net, bei dem über den gleitenden Kontakt ein geringer Art. Bei Brennkraft-Triebfahrzeugen fließen sowohl Rück-
Strom fließt, der den Verschleiß einer Kohlebürste verrin- ströme aus der eigenen elektrischen Energieversorgung
gert. als auch beim Betrieb auf Strecken mit elektrischem Fahr-
3.3 Eine Isolierung im Sinne dieser Norm ist eine betrieb die Traktionsrückströme elektrischer Triebfahr-
nichtleitende Verbindung, um metallene Verbindungen zeuge durch die Lager. Das gleiche gilt für alle Wagen.
zwischen Radsatz-Wälzlagern und Drehgestellrahmen Darüber hinaus können in allen Fahrzeugen ungewollte
elektrisch zu unterbrechen. Ströme über die Wälzlager fließen, die mit dem Fahrzeug-
3.4 Ein Schutzwiderstand im Sinne dieser Norm ist ein körper elektrisch leitend verbunden sind.
in Reihe mit dem Radsatz-Wälzlager liegender niederoh- Der Anbau von Radsatzkontakten parallel zu den Lagern
miger Festwiderstand. ohne zusätzliche Isolierung bietet keinen ausreichenden
3.5 Radsatz-Wälzlager sind Wälzlager, die Trag- und Schutz für die Radsatz-Wälzlager. Auch bei einwandfrei
Führungskräfte zwischen Radsatz und Fahrzeug(Drehge- arbeitenden Radsatzkontakten kann zeitweise noch ein
stell)-Rahmen übernehmen. unzulässig hoher Strom durch die Radsatz-Wälzlager
3.6 Der Radsatzkontakt – auch Erdungskontakt fließen.
genannt – ist eine auf einem Fahrzeug vorhandene Ein-
richtung, die den Strom von bestimmten rotierenden Tei- 5 Schutzmaßnahmen
len, z. B. Wälzlagern, fernhält und direkt auf den Radsatz
ableitet. 5.1 Allgemeines
Folgender unkontrollierter Stromfluß über die Radsatz
4 Wälzlager im elektrischen Stromkreis Wälzlager (nachstehend Radsatzlager genannt) ist mög-
Wälzlager im elektrischen Stromkreis wirken wie Kon- lich (siehe Bild 1):
takte an den Berührungsstellen zwischen den Laufringen – Ausgleichsströme über das Drehgestell:
und Rollkörpern. Fahrschiene, Radsatzlager (Triebfahrzeug), Drehge-
Im stillstehenden Lager liegt ein ruhender Kontakt vor, stellrahmen, Radsatzlager (Triebfahrzeug), Fahr-
wobei Berührungsflächen im allgemeinen so groß sind, schiene
daß das Lager als leitend gelten kann. Oberflächenschä- – Ausgleichsströme über den Zug:
den treten hier nur bei ungewöhnlicher Strombelastung, Fahrschiene, Radsatzlager (Triebfahrzeug), Drehge-
z. B. hohen Kurzschlußströmen, auf. stellrahmen, Fahrzeugkörper (Triebfahrzeug), Zug-
Das umlaufende Wälzlager bildet infolge des Überrollvor- und Stoßeinrichtung, Fahrzeugkörper (Wagen), Dreh-
ganges bewegliche Abhebekontakte. An den Kontaktflä- gestellrahmen, Radsatzlager (Wagen), Fahrschiene
chen spielen sich zusammen mit dem Schmiermittel elek- – Traktionsströme über den Zug:
trochemische Vorgänge ab, und zwar unabhängig von Fahrleitung (Wechselspannung: Transformator,
Stromart und Lagerbauform, die zur Werkstoffwanderung Gleichspannung: Stelleinrichtung, Motor), Radsatz-
führen. Je nach Stromstärke und Einwirkdauer können kontakte, Radsatzlager (Triebfahrzeug), Drehge-
sich dabei Veränderungen der Oberfläche in Form von stellrahmen – Triebfahrzeug, Fahrzeugkörper
Kratern und Riffeln ergeben, die im weiteren Verlauf zu (Triebfahrzeug), Zug- und Stoßeinrichtung, Fahr-
funktionsstörenden Schäden führen. Kriterien für diese zeugkörper (Wagen), Drehgestellrahmen, Radsatz-
Vorgänge [1] sind folgende: lager (Wagen), Fahrschiene
DIN VDE 0123 Seite 3

– Energieversorgungsrückströme über die Radsatz- 5.7 Kombination Isolierung – Radsatzkontakte –


lager des Triebfahrzeuges: Schutzwiderstand
Zugsammelschiene, Verbraucher, Fahrzeugkörper Diese Kombination empfiehlt sich (siehe Bild 2, Wagen),
(Wagen), Zug- und Stoß einrichtung, Fahrzeugkör-
wenn die Radsatzkontakte nicht überwacht werden, z. B.
per (Triebfahrzeug), Drehgestellrahmen, Radsatz-
bei Wagen und bei nichtelektrischen Triebfahrzeugen mit
lager (Triebfahrzeug), Radsatzkontakte, Transfor-
elektrischer Energieversorgungsanlage.
matorenwicklung (bei Wechselspannung)
Im üblichen Betriebsfall wird der Strom über die Radsatz-
– Rückströme zum Unterwerk bei Gleichspannungs-
netzen: kontakte geführt, da der parallele Strompfad über die
Zugsammelschiene, Verbraucher, Fahrzeugkörper Radsatzlager durch den Schutzwiderstand höherohmig
(Wagen), Radsatzlager (Wagen), Fahrschiene (bei ist. Bei Ausfall der Radsatzkontakte besteht über den
Gleichspannung) Widerstand und das Radsatzlager eine Verbindung zur
Dieser unkontrollierte und ungewollte Stromfluß läß t sich Fahrschiene. Es sind je Fahrzeug in Abhängigkeit von der
nur verhindern, wenn die Radsatzlager isoliert eingebaut Höhe des möglichen Kurzschluß stromes so viele Wider-
werden. Durch die Isolierung der Radsatzlager ist die gal- stände und Radsatzlager für die Stromführung vorzuse-
vanische Verbindung zwischen Fahrzeugkörper und hen, daß die nach DIN VDE 0115 Teil 1 zulässige Berüh-
Fahrschiene bei Fahrzeugen ohne Radsatzkontakte rungsspannung nicht überschritten wird.
unterbrochen. Sie muß bei Fahrzeugen ohne Radsatz-
kontakte durch geeignete Maß nahmen sowohl für den 6 Anwendung
Betriebsstrom als auch zum Schutz gegen zu hohe 6.1 Elektrische Triebfahrzeuge mit externer
Berührungsspannungen wieder hergestellt werden (siehe
Energiezufuhr
Bild 2).
(einschließ lich Triebwagen des Nahverkehrs)
5.2 Isolierung Durch die Höhe der Betriebsströme ist bei den elektri-
Die Isolierstelle sollte im Drehgestell so angebracht sein, schen Triebfahrzeugen und elektrischen Triebwagen
daß die Möglichkeit besteht, sie zu überbrücken und zu mehr als ein Radsatzkontakt für die Stromrückführung
überprüfen (Isolierung zwischen zwei feststehenden erforderlich. Damit ist nach DIN VDE 0115 Teil 1/06.82,
Bauteilen). Abschnitt 4.3.2.3 die Mindestforderung für die Bahner-
5.3 Radsatzkontakte dung erfüllt. Da in der Regel alle Radsätze eines Fahrzeu-
ges mit Radsatzkontakten ausgerüstet sind, kann auch
Radsatzkontakte sind als Strombrücken bestens geeig- nach Einführung der Isolierstellen davon ausgegangen
net, den Betriebsstrom sicher zur Fahrschiene zu leiten. werden, daß keine unzulässigen Berührungsspannungen
Nur wenn sie in genügend groß er Anzahl am Fahrzeug im Fehlerfall auftreten können.
angebracht sind, stellen sie einen ausreichenden Schutz
gegen zu hohe Berührungsspannungen dar. Es kann 6.2 Nichtelektrische Triebfahrzeuge und sonstige
zweckmäß ig sein, die Radsatzkontakte diagonal anzu- Fahrzeuge mit elektrischer
ordnen. Die Radsatzkontakte bedürfen der Wartung. Die Energieversorgungsanlage
in Radsatzkontakten verwendeten Kohlebürsten unter-
Bei den nichtelektrischen Triebfahrzeugen, z. B. Brenn-
liegen dem Verschleiß .
kraft-Triebfahrzeugen, mit elektrischer Energieversor-
5.4 Schutzwiderstand gungsanlage wird aufgrund der Höhe der Betriebsströme
Der Schutzwiderstand liegt in Reihe mit dem Radsatzla- mehr als ein Radsatzkontakt erforderlich. Da aber die
ger und parallel zur Isolierung, d. h., er überbrückt die Iso- Radsatzkontakte in der Regel nicht überwacht werden, ist
lierung und erhöht den Reihenwiderstand der Lagerung. ihre Funktionstüchtigkeit vom Instandhaltungszustand
Da der Schutzwiderstand zudem im Vergleich zum Rad- abhängig. Bei Ausfall aller Radsatzkontakte kann bei iso-
satzlager höherohmig ist, tritt bei einem Stromfluß über liertem Lagereinbau eine unzulässig hohe Berührungs-
die Lager (z. B. im Stillstand) eine nahezu gleichmäß ige spannung anstehen. Deshalb sind Schutzwiderstände,
Stromaufteilung auf die Radsatzlager auf. Der Schutzwi- die das Anstehen einer zu hohen Berührungsspannung
derstand bedarf bei entsprechender Konstruktion keiner verhindern, in ausreichender Anzahl parallel zur Isolation
Wartung. Er unterliegt keinem Verschleiß . und in Reihe mit dem Radsatzlager erforderlich.
5.5 Kombination Isolierung – Radsatzkontakte 6.3 Nichtelektrische Triebfahrzeuge ohne
Nach DIN VDE 0115 Teil 1/06.82, Abschnitt 4.3.2.3 ist bei elektrische Energieversorgungsanlage und
Anwendung der Schutzmaß nahme Bahnerdung mehr als elektrische Speichertriebfahrzeuge
eine leitende Verbindung vom Fahrzeugkörper zur Bahn- Beim Einsatz der Fahrzeuge auf elektrifizierten Strecken
erde (Rückleitung) erforderlich. Diese Forderung gilt als können die Radsatzlager von zum Unterwerk zurückflie-
erfüllt, wenn die Rückleitungen zu mindestens zwei Rads- ß enden Traktionsströmen durchflossen werden. Falls die
ätzen führen. Radsatzlager durch Isolation gegen Stromdurchgang
geschützt werden, sind als Mindestmaß nahmen Schutz-
5.6 Kombination Isolierung – Schutzwiderstand
widerstände zur Überbrückung der Lagerisolation oder
Diese Kombination ist nur anwendbar, wenn keine elektri- Maß nahmen nach Abschnitt 6.4 durchzuführen.
sche Leistung installiert und sichergestellt ist, daß sich
der Strom längs des Zuges nicht über die Fahrzeugkörper 6.4 Fahrzeuge ohne eigenen Antrieb
summieren kann. Im ersten Wagen hinter dem Triebfahr- (Reisezugwagen, Steuerwagen, Beiwagen usw.)
zeug oder im letzten Wagen des Zuges könnte sonst der Die unter Abschnitt 5 beschriebenen Schutzmaß nahmen
für das Radsatzlager zulässige Maximalstrom überschrit- sind nur dann wirksam, wenn die Radsatzlager zum Wa-
ten werden. genkasten oder zum Drehgestellrahmen elektrisch iso-
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Verbraucher Zugsammelschiene Zugsammelschiene Verbraucher


Rückleitungssammelschiene Zug- und Stoßeinrichtung
Fahrzeugkörper Radsatzkontaktelektrisches Triebfahrzeug
elektrisches Triebfahrzeug Wagen

(Elektrisches Triebfahrzeug mit Radsatzkontakten, Wagen ohne Radsatzkontakt)


Bild 1. Stromfluß über die Radsatz-Wälzlager
DIN VDE 0123 Seite 5

Verbraucher Zugsammelschiene Zugsammelschiene Verbraucher


Rückleitungssammelschiene Zug- und Stoßeinrichtung
Fahrzeugkörper Isolierung Drehgestellrahmen Radsatzkontakt
Schutzwiderstand elektrisches Triebfahrzeug elektrisches
Triebfahrzeug Wagen

Bild 2. Stromfluß bei der Kombination nach Abschnitt 5.7


Isolierung – Radsatzkontakte – Schutzwiderstand
Seite 6 DIN VDE 0123

liert sind. Dies gilt auch für angebaute Geräte am Rad- 7 Anforderungen an die Schutzeinrichtungen
satz oder Radsatzlager.
Eine ausreichende Isolierung besteht, wenn die Rad- 7.1 Isolierung
satzlagergehäuse durch Gummifedern oder ähnliches im Die Isolierung sollte im Drehgestell zwischen zwei festste-
Drehgestellrahmen oder Wagenkasten isolierend aufge- henden Teilen angebracht sein, so daß die Möglichkeit
hängt sind. besteht, sie zu überbrücken. Sie muß mechanisch ausrei-
Die isolierenden Befestigungselemente dürfen jedoch chend fest sein. Hinsichtlich der Spannungsfestigkeit wer-
nicht durch mechanische oder elektrische Verbindungen den keine besonderen Anforderungen gestellt.
überbrückt werden. 7.2 Radsatzkontakte
Werden bei einem Fahrzeug nur zwei Radsätze mit Rad- Die Radsatzkontakte werden mindestens für den
satzkontakten ausgerüstet, dann sind vorzugsweise die Betriebsstrom ausgelegt und sollen einen kurzzeitig auf-
Endradsätze mit je einem Radsatzkontakt auszurüsten. tretenden Kurzschluß strom führen können. Unterschiedli-
Der Radsatzkontakt ist zwecks Stromübernahme leitend che Leitungswiderstände zu den Radsatzkontakten sind
mit dem Drehgestellrahmen oder Wagenkasten zu ver- zu vermeiden, um bei parallelen Radsatzkontakten eine
binden. möglichst gleichmäß ige Stromaufteilung zu erreichen.
Die Radsatzlagergehäuse ohne Radsatzkontakt sind Auß erdem ist zu beachten, daß gegebenenfalls die Rad-
über Schutzwiderstände ebenfalls mit dem Wagenkasten satzkontakte über einen längeren Zeitraum keinen Strom
oder Drehgestellrahmen leitend zu verbinden. führen und damit einem höheren Verschleiß unterliegen
Der Schutzwiderstand ist zweckmäß igerweise so am können (keine „Stromschmierung“, auf günstige Werk-
Wagenkasten oder Drehgestellrahmen anzuordnen, daß stoffpaarung achten).
er gegen mechanische Beschädigung geschützt ist. 7.3 Schutzwiderstände
Wenn in der Regel alle Radsätze mit Radsatzkontakten Der Schutzwiderstand liegt in Reihe mit dem Radsatzla-
ausgerüstet sind, kann davon ausgegangen werden, daß ger und überbrückt die Isolierung. Damit besteht über die
keine unzulässigen Berührungsspannungen im Fehlerfall Radsatzlager eine Verbindung zur Bahnerde. Die Wider-
auftreten können. stände (z. B. 40 bis 100 mΩ bei 15 kV 162/3 Hz) sind so
Die Erdverbindungen können blank oder isoliert sein und zu dimensionieren, daß sie im Vergleich zum parallelen
müssen aus nichtkorrodierendem flexiblen Werkstoff Radsatzkontakt höherohmig sind und bei einwandfreier
bestehen. Empfohlen wird ein Querschnitt, dessen elek- Funktion der Bauteile der Betriebsstrom über die Rad-
trischer Leitwert mindestens gleich oder größ er ist als der satzkontakte geführt wird. Im Schadensfall übernehmen
von 35 mm2 Kupfer. Die Leitungen sind gut sichtbar und die Widerstände den Kurzschluß strom. Dabei dürfen die
möglichst gegen mechanische Beschädigungen nach DIN VDE 0115 Teil 1 zulässigen Berührungsspan-
geschützt zu verlegen. nungen nicht überschritten werden.
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8 Ausführungsbeispiele für die Stromführung am isolierten Radsatz-Wälzlager


Stromfluß ist auch entgegen der Pfeilrichtung möglich.
2 Rad 3 Radsatzwelle 4 Radsatz-Wälzlager 5 Radsatzlagergehäuse 6
Drehgestellrahmen 7 Isolierung (Radsatzlagergehäuse/Drehgestellrahmen) 8
elektrische Verbindung 9 Schutzwiderstand 10 Radsatzkontakt

Bild 3. Radsatz-Wälzlager mit Radsatzkontakt Bild 4. Radsatz-Wälzlager mit Schutzwiderstand

Zitierte Normen und andere Unterlagen


DIN VDE 0115 Teil 1 Bahnen; Allgemeine Bau- und Schutzbestimmungen
DIN VDE 0115 Teil 2 Bahnen; Sonderbestimmungen für Fahrzeuge und ihre Betriebsmittel
[1] Wälzlager im elektrischen Stromkreis
Dr.-Ing. H. Pittroff, Elektrische Bahnen, Heft 3/1968,
Verlag R. Oldenbourg GmbH, München

Weitere Normen
DIN 43101 Teil 12 Bahnen und Fahrzeuge; Elektroschienenfahrzeuge, Benennungen für Strombrücken
(Eine Überarbeitung dieser Norm ist vorgesehen.)
Seite 8 DIN VDE 0123

Erläuterungen Schmierstoffes (Fett), der Drehzahl und der Belastung


des Lagers.
Diese Norm wurde unter Beteiligung von Fachleuten des
FSF/DKE-Gemeinschafts-Arbeitskreises „Elektro- und Der Stromfluß durch mehrere parallelgeschaltete Lager
Klimatechnische Einrichtungen von Schienenfahrzeugen“ ist nicht gleichmäß ig. Dies ist eine Folge elektrischer
von einem Ad-hoc-Arbeitskreis des Unterkomitees 351.1 Kontaktzustände, die sich mit dem Betriebsstand lau-
„Vollbahnfahrzeuge und Werkbahnlokomotiven“ der fend ändern. Wird in einer Lagerstelle die Frittschluß -
Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DIN und spannung erreicht, fließ t ein Strom, und der Widerstand
VDE (DKE) ausgearbeitet. dieses Lagers sinkt automatisch unter den aller anderen
Die Ausarbeitung dieser Norm wurde notwendig, weil die Lager (siehe Bild 6). In der Folge fließ t der gesamte
Schienenfahrzeuge durch höhere Streckenbelastungen Strom durch dieses eine Lager.
und neuere Fahrzeugkonstruktionen, z. B. geschweiß te Die anderen parallelgeschalteten Lager können erst wie-
Rahmen oder Leichtmetallbauweise, in bestimmten Fäl- der Strom führen, wenn sich die Kontaktverhältnisse in
len Traktionsrückströme von der Strecke parallel zu den den Lagern ändern. Dies gilt auch für die beiden Rollrei-
Fahrschienen führen. hen eines zweireihigen Lagers (siehe Bild 7).
Bei Stadtbahnfahrzeugen mit kürzeren Zuglängen sowie
Der Stromfluß im Lager hat zur Folge, daß in der Kon-
kleineren Streckennetzen gegenüber Vollbahnen treten
taktstelle Werkstoff ab- bzw. aufgetragen wird. In der Li-
Schäden an Wälzlagern durch Stromdurchgang seltener
teratur wird daher von einer Werkstoffwanderung ge-
auf.
sprochen. Es zeigen sich Schäden der Laufbahnoberflä-
Zu Abschnitt 4 Wälzlager im elektrischen Stromkreis che durch Riffelbildung (siehe Bild 7 und Bild 8). Für die
Anzahl und Form der Riffeln gibt es noch keine bekannte
Die Strom-Spannungskennlinien in Wälzlagern folgen
Gesetzmäß igkeit. Sie könnte möglicherweise mit der
nicht linear dem Ohmschen Gesetz (siehe Bild 5). Der
Strom- und Betriebsart in Zusammenhang gebracht wer-
Widerstandsbeiwert der Wälzlager ist nicht konstant. Er
den. Wälzlager mit Riffelbildung infolge Stromdurchgang
verändert sich proportional mit der Schmierfilmdicke.
verursachen im Betrieb ein sehr lautes Laufgeräusch. Im
Der anfänglich hohe Lagerwiderstand bricht bei Errei-
Bereich der Riffeln erfolgen auß erdem Umhärtungen. Die
chen der Überschlagspannung, der sogenannten Fritt-
Lager sind an den Stellen dann dynamisch überlastet
schluß spannung (etwa 1 V), zusammen. Erst danach
und werden im Betrieb vorzeitig zerstört.
sind die Strom-Spannungskennlinien linear. Die Diffe-
renz dieser Kennlinien zum ohmschen Strom-Span- Bei sehr hohen Kurzschluß strömen ist der Überschlag an
nungsverlauf ist abhängig von der Grundölviskosität des der Art der Oberflächenschäden zu erkennen.

Umfangsgeschwindigkeit und Belastung des Lagers) Änderung des Verlaufes bei


Leitenden Verunreinigungen im Schmiermittel Spannungsdifferenz
(proportional der Schichtdicke) Ohmscher Verlauf Stromstärke in A 1)
Frittspannung 2) Frittschlußspannung

Bild 5. Stromdurchgang durch Schmiermittelschichten


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Anwendungs- und Betriebsbeispiele


a) ohne Schutzwiderstand b) mit Zu Bild 9
Schutzwiderstand 80 m
Da die Radsatz-Wälzlager des elektrischen Triebfahrzeu-
ges isoliert eingebaut sind, fließ t der Rückstrom der elek-
trischen Traktion über die Radsatzkontakte zur Fahr-
schiene.
Der Wagenzug bildet einen parallelen Strompfad zur
Fahrschiene und zum Erdreich. Bei nicht geschützten
Radsatz-Wälzlagern der Wagen teilt sich der Strom auf
Erdreich, Fahrschiene und Fahrzeugkörper auf. Bei
neuen Fahrzeugkonstruktionen liegt der ohmsche Längs-
widerstand der Fahrzeugkörper in der Größ enordnung
des Schienenwiderstandes. Der über den Fahrzeugkör-
per fließ ende Teil des Rückstromes belastet im wesentli-
Bild 6. Stromverteilung in drei parallelgeschalteten chen die Radsatzlager des ersten und des letzten Dreh-
Radsatz-Wälzlagern gestells des Wagenzuges.
Anmerkung: In der Darstellung sind die von der Fahr-
schiene zurückfließ enden Ströme gestrichelt dar-
gestellt.
Zu Bild 10
Bei nicht geschützten Radsatzlagern der Wagen fließ t ein
Teil des Rückstromes über die Radsatzlager der Wagen
zur Fahrschiene. Wegen des niedrigen ohmschen Längs-
widerstandes neuer Fahrzeugkonstruktionen fließ t der
wesentliche Teil des Rückstromes über die Fahrzeugkör-
per zum Triebfahrzeug. Auf dem Triebfahrzeug fließ t ein
Teil des Rückstromes über den Widerstand des Triebfahr-
zeuges, ein anderer Teil (oft der größ ere Anteil) über die
Radsatzlager und Radsatzkontakte zur elektrischen
Energieversorgungsanlage zurück.
Auf den Widerstand in dem Triebfahrzeug kann nicht ver-
zichtet werden, weil sonst der gesamte Schienenrückst-
rom statt über die Radsatzkontakte über die Radsatzlager
zur elektrischen Energieversorgungsanlage fließ t.
Gewartete und richtig eingesetzte Radsatzkontakte
haben einen Übergangswiderstand zwischen 5 bis 20 mΩ
(in ungünstigen Fällen liegen die Übergangswiderstände
wesentlich höher). Der Übergangswiderstand eines bela-
steten Rollenlagers liegt unter 1 mΩ.
Bild 7. Riffelbildung infolge Stromdurchganges Zu Bild 11
Die Fahrzeugkörper des nichtelektrischen Triebfahrzeu-
ges und des Wagenzuges bilden einen parallelen Strom-
pfad zur Fahrschiene und zum Erdreich. Der Rückstrom
elektrischer Triebfahrzeuge fließ t aus der Fahrschiene
über die Radsatzlager des Triebfahrzeuges, die Fahr-
zeugkörper und über die Wagenlager des letzten Drehge-
stells wieder zur Fahrschiene.
Innerhalb eines Drehgestells oder auch eines Fahrzeu-
ges kann es zu Ausgleichsströmen kommen.
Zu Bild 12
Die Radsatzlager des elektrischen Triebfahrzeuges sind
isoliert eingebaut. Zusätzlich ist ein Radsatzkontakt am
Fahrzeugkörper angeschlossen. Die Radsatzlager der
Wagen sind ebenfalls isoliert eingebaut. Zum Schutz ge-
gen zu hohe Berührungsspannungen sind die Isolierstel-
len der Wagen mit 0,1-Ω-Widerständen überbrückt. Der
Rückstrom über die Wagenlager wird durch die Wider-
stände auf eine für die Radsatzlager unschädliche Größ e
(im Mittel < 1 A) gesenkt. Der über die Fahrzeugkörper
fließ ende Teil des Rückstromes belastet die Radsatz-
Bild 8. Rundlaufdiagramm eines Lagers lager nicht.
Seite 10 DIN VDE 0123

Der auf dem elektrischen Triebfahrzeug mit dem Fahr- sind zum Schutz gegen zu hohe Berührungsspannungen
zeugkörper verbundene Radsatzkontakt kann entfallen, durch 0,1-Ω-Widerstände überbrückt.
wenn alle Fahrzeuge mit geschützten Radsatzlagern Der Rückstrom über die Radsatzlager (Triebfahrzeug und
ausgerüstet sind. In diesem Fall fließ t der in den Fahr- Wagen) wird auf eine für die Radsatzlager unschädliche
zeugkörper zurückfließ ende Traktionsstrom über die Größ e gesenkt.
Radsatzlager der folgenden Wagen zurück.
Der Strom fließ t von den Verbrauchern in den Wagen
Ein am Triebfahrzeug eingebauter Radsatzkontakt, der zum Teil über Radsatzkontakte zur Fahrschiene und von
mit dem Fahrzeugkörper direkt verbunden ist, dient dem dort über die Radsatzkontakte des Triebfahrzeuges zur
Schutz der nicht isoliert eingebauten Radsatzlager der elektrischen Energieversorgungsanlage oder über die
übrigen Fahrzeuge. Fahrzeugkörper und dem Widerstand im Triebfahrzeug
Zu Bild 13 zur elektrischen Energieversorgungsanlage.
Die Radsatzlager des nichtelektrischen Triebfahrzeuges
und der Wagen sind isoliert eingebaut. Die Isolierstellen

Internationale Patentklassifikation
B 61 F 15/28
H 01 R 35/00
DIN VDE 0123
Bild 9. Stromrückführung bei elektrischem Triebfahrzeug - Rückstrom der elektrischen Traktion
(Radsatz-Wälzlager des elektrischen Triebfahrzeuges isoliert eingebaut,
Radsatz-Wälzlager der Wagen nicht isoliert eingebaut)

Seite 11
Seite 12 DIN VDE 0123
Bild 10. Stromrückführung bei nichtelektrischem Triebfahrzeug mit elektrischer Energieversorgungsanlage –
Rückstrom der elektrischen Energieversorgung (alle Radsatz-Wälzlager nicht isoliert eingebaut)
DIN VDE 0123
Bild 11. Stromrückführung bei nichtelektrischem Triebfahrzeug mit elektrischer Energieversorgungsanlage –
Rückstrom der elektrischen Traktion auf elektrifizierten Strecken

Seite 13
(alle Radsatz-Wälzlager nicht isoliert eingebaut)
Seite 14 DIN VDE 0123
Bild 12. Stromrückführung bei elektrischem Triebfahrzeug – Rückstrom der elektrischen Traktion
(alle Radsatz-Wälzlager isoliert eingebaut, zusätzlich ein Radsatzkontakt
am Fahrzeugkörper des elektrischen Triebfahrzeuges)
DIN VDE 0123
Bild 13. Stromrückführung bei nichtelektrischem Triebfahrzeug mit elektrischer Energieversorgungsanlage –
Rückstrom der elektrischen Energieversorgung (alle Radsatz-Wälzlager isoliert eingebaut)

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