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Österreich / DE € 14.80, Schweiz SFR 25.–  |  Österreichische Post AG  |  MZ 15Z040564 M

10.
Architektur Aktuell GmbH  |  Loquaiplatz 12  |   1060 Wien   |   www.architektur-aktuell.at

englisch
2019
deutsch/
4 195968 814809

Polen
& Partner+PLOV, Schwarzenbacher Struber
MAŁECCY, JEMS, KWK Promes, 55Architekci
New Projects by MOA Martin Oberascher
A Responsible Boom  BAAS+Grupa 5+
ROLF BENZ CONTRACT.
Urban soul meets Black Forest.

Hotel FRITZ-LAUTERBAD, Schwarzwald

NEU: Rolf Benz ADDIT


Design Tina Bunyaprasit und Werner Aisslinger

Referenzen
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Deutsche Botschaften weltweit
25hours Hotel Zürich
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Davidoff Lounge München
MS Amera und MS Bremen

Kontakt Rolf Benz Contract // Österreich:


Andreas Feichtinger // andreas.feichtinger@rolf-benz.com // Mobile 0043 664 3203641
contract.rolf-benz.com CONTRACT
Photo © christianjungwirth.com
Editorial
Matthias Boeckl | Chefredakteur editor-in-chief

Passend zu den politischen Herbst­de­ Architekturszenen geradezu invers: Ver­ housing projects in Salzburg. The Mozart
batten und dem Arbeitsbeginn der neuen antwortliches Bauen trotz großer Freihei­ city, as it is known, is typical of medium-
Europäischen Kommission stellt unser ten in Polen versus wahrnehmbare Inno­ sized central European cities with a rich
Oktoberheft Fragen nach Homogenität und vationsschritte trotz regulationsbedingt cultural and natural legacy that must,
Differenz im europäischen Baubetrieb. minimalem Spielraum in Österreich. with considerable difficulty, be balanced
Gerade die Architektur mit ihren globalen Offensichtlich ist, wer diese Fortschritte with constant urbanization, a growing
technischen Standards auf der einen Seite im jeweils gegebenen gesellschaftlichen housing need and increasingly complex
und den höchst unterschiedlichen lokalen Rahmen hier wie dort vor allem produ­ regulations that are often felt to be a hin­
gesellschaftlichen Einbettungen auf der ziert: Die glücklicherweise allenthalben drance. And so, these two architecture
anderen ist ja ein anschaulicher und ver­ vorhandene Kreativität der Baukünstler. scenes seem like inverted models of each
lässlicher Indikator regionaler Entwick­ other: responsible building despite the
lungswünsche, die innerhalb Europas Consistent with the political debates in great freedoms allowed in Poland versus
stark differieren. Bewusst haben wir Polen autumn and the start of work by the new perceptible advances in innovation, de­
für diese Diskussion ausgewählt, weil es European Commission, our October issue spite the limitation of leeway by regula­
ein großer europäischer Player ist, der poses questions about homogeneity and tions in Austria. It is clear what, above all
aber oft andere politische Ziele verfolgt difference in the European building busi­ else, makes this progress within the given
als die dominierenden westlichen Staaten. ness. With its global technical standards social frameworks possible, both here and
Gerade für die Architektur ist das span­ on the one hand and the very different there: the creativity of architects, which,
nend, weil Polen mit seinem Wirtschafts­ ways in which it is socially embedded fortunately, is available everywhere.
boom, seiner Größe und seiner beeindru­ locally on the other, architecture in par­
ckenden intellektuellen Potenz in der Lage ticular is an illustrative and reliable indi­
ist, eine sehr eigenständige Baukultur zu cator of regional development wishes,
leben, von der man viel lernen kann. which differ greatly within Europe. We
Diesem Porträt stellen wir zwei große have deliberately chosen Poland for this
Wohnbauten in Salzburg gegenüber. Denn discussion, as it is a major European play­
die Mozartstadt ist durchaus typisch für er which, however, often pursues different
mittelgroße zentraleuropäische Städte mit political aims to the dominant Western
reichem Kultur- und Naturerbe. Dieses European states. This is particularly excit­
Erbe müssen sie in eine schwer erreichba­ ing for architecture, as Poland with its
re Balance mit der stetigen Urbanisierung, economic boom, its size and its impres­
wachsendem Wohnraumbedarf und den sive intellectual potency is in a position to
gleichzeitig immer komplexer werdenden, live a very independent culture of build­
oft als Hemmschuh empfundenen Regulie­ ing from which much can be learned.
rungen bringen. So wirken die beiden We contrast this portrait with two large
2 Inhalt / Contents

1 Editorial 80 Essay: Neue Wege der polnischen Architektur 


New paths in Polish architecture
4 Journal Text: Dominika Glogowski

26 Freiraum 92 55Architekci – Aussichtsplattform bei Wola


Krogulecka und Naturpfad in der Enklave
30 Logbuch Bobrowisko, Stary Sa̧cz  Viewing platform
near Wola Krogulecka and nature path in
32 Future Talk Bobrowisko enclave, Stary Sa̧cz
Text: Grzegorz Stiasny – Zwischen Mikrourbanistik und
Land-Art  Between micro urban design and Land art
34 Showcase

54 Polen
56 BAAS+Grupa 5+MAŁECCY – Krzysztof
Kieślowski Radio und TV-Fakultät, Kattowitz 
Krzysztof Kieślowski Radio and Television
Faculty, Katowice
Text: Claus Käpplinger – Diaphanie gebrannten Steins 
Diaphanous shell of fired bricks
Photo Dariusz Ptak

104 KWK Promes – Quadrant-Haus, Warschau 


Quadrant House, Warsaw
Text: Tomasz Żylski – Gebaute Konzepte  Built concepts
Photo Adrià Goula

68 JEMS – Bürokomplex Pixel, Posen, und


P4/Vienna House Hotel, Warschau  Pixel
office complex, Poznań and P4/Vienna
House Hotel, Warsaw
Text: Dominika Glogowski – Zwischen Wohnen und Arbeiten 
Between living and working
Photo Juliusz Sokołowski

Photo Juliusz Sokołowski


architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

New Projects

114 Schwarzenbacher Struber – Quartier


Riedenburg, Salzburg  Quarter Riedenburg,
Salzburg
Text: Roman Höllbacher – Von der Kaserne zum Wohnquartier 
From barracks to residential quarter
Photo Kurt Kuball

124 MOA Martin Oberascher & Partner+


PLOV – Wohnbau „Stadtpark Lehen“,
Salzburg  “Stadtpark Lehen”, housing
development, Salzburg
Text: Isabella Marboe – Das beste von zwei Welten 
The best of two worlds

We Elevate...
Austria
Photo Stefan Zauner

Wir bewegen über 1 Millarde Menschen


136 Gebäudetechnik täglich: Schindler steht für Qualität,
Verlässlichkeit und Sicherheit. Ein Versprechen
146 Technology an unsere Kunden und Mitarbeiter –
in Österreich und der ganzen Welt.
148 Media Reviews www.schindler.com

150 Kalender 
Calendar

152 Vorschau 
Preview  Impressum

Titelbild  Cover Image


„Unikato“-Haus  “Unikato”-House, Katowice, Kattowitz von by KWK Promes
Photo Aleksander Rutkowski OLO Studio

We Elevate
4 Journal

Photo Josema Cutillas

Photo Peninsula

Photo Łukasz Krawczynski


Der Taburete Tower besteht aus vielen Modulen …  … die auch als Möbel für zu Hause fungieren.  LechStarter Installation Nahe des Flusses Silnica
Taburete Tower consists of many modules … … which can also be used as furniture at home. LechStarter installation close to Silnica river

Wenn Nutzer die Sinnfrage der Architektur


selbst beantworten  Dominika Glogowski

Der Warschauer Architekt Jakub den Besitzern und ihrer individuellen nisch. Ein Jahr vor Inbetriebnahme des
Szczęsny (SZCZ), international Neuinterpretation der Module als Blumen­ neuen Raumes wurden gemeinsam mit
bekannt für das Keret House („das ständer oder Regale folgten prompt. Der ARTBAT – einer Gruppe von kasachi­
schmalste Haus der Welt“), entwi- Kurzlebigkeit von Kunst wurde damit schen und russischen Künstlern – zahlrei­
ckelte ein kreatives Tool für eine kreativ entgegengewirkt. che Workshops zum Knüpfen von Schau­
kontinuierliche Sinnfindung von Szczȩsny widmet sich in seinen Arbeiten keln und Hängematten organisiert. Das
Objekten, deren Funktion nicht von immer wieder dem Ansatz, dass Funktio­ Ziel war, die Bevölkerung mit Bautechni­
vornherein feststeht: Sinn-offene nen nicht vorgegeben werden und Form ken vertraut zu machen und sie zum
Ready-Mades unserer Tage. als noch zu füllender Rahmen für Ideen kreativen Mitmachen einzuladen, damit
verstanden wird. Je nach Nutzung und sie die öffentliche Struktur letztendlich
Beim Architekturfestival Concentrico in Kontext wird die Funktion uminterpretiert. frei nutzen können.
Logroño (Spanien) dieses Frühjahr fragte Das Objekt wird so zum Werkzeug einer Die unterschiedlichen Ebenen des Projekts
sich Jakub Szczȩsny, wie man Installatio­ kontinuierlichen Sinnfindung. Für diesen werden erst nach und nach ersichtlich –
nen für temporäre Veranstaltungen nach­ vom ersten Eindruck als Objekt im städte­
haltig gestalten könne. Im Normalfall Keine vordefinierten Funktionen baulichen Kontext bis zur gemeinsamen
werden ja die Objekte nach der Finissage Entdeckung der Nachbarschaft aus ange­
abmontiert und vernichtet. Szczȩsny geht Zweck erarbeitet Szczȩsny intelligente nehmen Sitzpositionen inmitten der unge­
nun die ganze Sache von hinten an und Systeme aus unterschiedlichen Formen, wöhnlichen Struktur.
nimmt das Endprodukt als Ausgangslage. Löchern und anderen Befestigungssyste­ Szczȩsny ist in mehreren Kontinenten
40 Zentimeter große Holzmodule wurden men. Angelehnt an Bernard Rudofskys wie auch medial im TV aktiv. Das von
vorgefertigt und vor Ort zu drei Säulen Theorien sieht Szczȩsny das Objekt erst ihm geplante Keret House, das „schmalste
mit bis zu fünf Metern Höhe als temporä­ dann als nachhaltig lokal verortet, wenn Haus der Welt 2012“, hat mittlerweile im
re Installation für das Architekturevent der Gebrauch nicht mehr vordefiniert ist. MoMA New York einen Ehrenplatz
zusammengesteckt. Das Ergebnis erinnert Diesem Gedanken folgte Szczȩsny auch gefunden.
manch kundigen Besucher an Luis für ein zweites Projekt in der kirgisischen
Barragans Torres de Satélite. Beim Abbau Hauptstadt Nur-Sultan (ehemals Astana).
der Installation entpuppen sich die Modu­ Auf dem dreieckig geformten Zielinski-
le der Türme als funktionale Designobjek­ Platz ließ er eine zehn Meter hohe Stahl­
te. Diese Objekte mit dem Namen taboret konstruktion aufstellen. „Wir geben euch
(polnisch für Schemel) wurden am Ende ein Trockengestell und ihr hängt darauf
an die Besucher verschenkt. Fotos von auf, was ihr möchtet!“ so Szczȩsny iro­ www.szcz.com.pl
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 5

Photo Evgeny Tkachenko

Photo Evgeny Tkachenko


Neuer (Spiel)raum auf dem Zielinksi-Platz in Nur-Sultan (ehem. Astana) Kinder der Nachbarschaft entdecken die undefinierte Stahlkonstruktion 
New (playing)ground on Zielinski-Square in Nur-Sultan (former Astana) Children from the neighbourhood explore the undefined steel-construction

When users themselves answer the question


about the meaning of architecture  Dominika Glogowski

Warsaw architect Jakub Szczęsny the name taboret (Polish for footstool), a certain irony. A year before the new
(SZCZ), internationally known for the were given to visitors. Photos of the new space was put into use, together with
Keret House (“the world’s narrowest owners and their individual interpreta­ ARTBAT – a group of Kazakh and Russian
house”), has developed a creative tions of the modules as plant stands or artists – numerous workshops were organ­
tool to continuously construct mean- shelves were promptly sent. A project that ized about how to knot swings and ham­
ing for objects whose function is not counteracts the short-lived quality of art. mocks. The goal was to make people
determined from the start: ready- In his work Szczȩsny repeatedly devotes familiar with building techniques and to
mades for our times, whose meaning himself to an approach based on the con­ invite them to participate creatively so
is left open. cept that functions are not determined in that ultimately, they could make free use
advance and form is understood as a of the public structure.
At the architecture festival Concentrico frame for ideas that is yet to be filled. The different levels of this project only
in Logroño (Spain) this spring Jakub The form is reinterpreted according to the gradually become visible. From the first
Szczȩsny asked himself how one could particular use and context. In this way impression of an object in an urban de­
design installations for temporary events sign context to the joint discovery of the
in a sustainable way. Normally, these No predefined functions neighbourhood from comfortable seated
objects are taken down and destroyed positions in the middle of the unusual
after the closing event. Szczȩsny ap­ the object becomes a tool for the continu­ structure.
proaches the whole thing from the end ous discovery of meaning. In pursuing Szczȩsny works on several continents
and takes the final product as his starting this aim he works out intelligent systems and appears on TV. His Keret House (the
point. that use different forms, holes and meth­ world’s narrowest house 2012) has been
Plywood modules measuring 40 centime­ ods of mounting. Inspired by Bernard given a place of honour in MoMA,
tres high were prefabricated and assem­ Rudofsky’s theories, Szczȩsny believes New York.
bled on site in the form of three columns, that the object can only be lastingly posi­
the tallest of them five metres high, as a tioned if the use is no longer predefined.
temporary installation for the architecture Szczȩsny followed this idea for a second
event. For informed visitors the result project in the capital of Kyrgyzstan, Nur-
recalled Luis Barragan’s Torres de Satélite. Sultan (formerly Astana). On the triangu­
When the installation was dismantled the lar-shaped Zielinski Square he had a ten-
modules that made up the towers were metre-high steel construction erected. “We
revealed to be functional design objects. give you a dry frame and you can hang on
At the end of the event these objects, with it whatever you like!” said Szczȩsny with www.szcz.com.pl
6 Journal

Photo Dominika Strzałka

Photo Maximilian Blume


Siegerprojekt/Award Winner: Dominika Strzałka (Techn. Universität Krakau/ Maximilian Blume (Technische Universität München, Technical University of
Cracow University of Technology) „Miedzianka, the history of disappearing“ Munich): „Utopia. Urbanization and corporate living“

Junge Visionen statt alte Grenzen  Claus Käpplinger

Einmal mehr wurde dieses Jahr der und das Profil des Preises deutlich bahntrassen widmete sich Maximilian
BDA-SARP-Award an Absolventen erweitert, der heute noch stärker neue Blume (Technische Universität München),
polnischer oder deutscher Hoch- Positionsnahmen der jungen Generation der mehrere Quartiere Münchens über
schulen vergeben. Seine Konzeption fördert. eine neue Wohnbrücke zu verbinden
führt in Form eines mehrstufigen Den Hauptpreis gewann dieses Jahr suchte, die darüber hinaus auch neue
Workshop-Verfahrens junge Archi- Dominika Strzałka (Technische Universität Einrichtungen kollektiven Lebens anbie­
tekten und Architektinnen aus Ost Krakau), die den Verfall und die zahlrei­ ten sollen. Mit einer typischen Siedlung
und West seit mehr als vier Jahr- chen Katastrophen der niederschlesischen der Nachkriegsmoderne und ihrem Schei­
zehnten zusammen. Stadt Miedzianka in einem aufgeständer­ tern, dem Einsteinring in Nürnberg, setzte
ten Wegekörper über den historischen sich die ebenfalls mit einer Auszeichnung
Mitte der 1980er Jahre von der polnischen Spuren transformierte. Das Siegerprojekt versehene Arbeit von Fabian Weis (Tech­
Architektenvereinigung SARP und dem will zu neuen kreativen Wahrnehmungen, nische Hochschule Nürnberg) auseinan­
deutschen Architekten Henn als Walter- Auseinandersetzungen und Dialogen über der. Sein Angebot: Die leerstehenden
Henn-Förderpreis für die besten Diplom­ Baustrukturen werden von ihm in einem
arbeiten von Absolventen polnischer Workshops in Warschau gewaltigen und doch poetischen „Raum
Hochschulen gegründet, durchbrach der und Berlin der Melancholie“ in eine Art Friedhof
Preis in Zeiten des Kriegsrechts in Polen vergangener urbaner Visionen verwandelt.
nicht nur den Eisernen Vorhang, sondern die wechselhafte Geschichte vieler Orte Dieser neue Garten mit baulichen Relikten
ließ auch wertvolle Brücken der Kommu­ zwischen West und Ost anregen. Ein als funktionale Gebäude, will dazu einla­
nikation zwischen West und Ost wachsen. Thema, dem auch Michał Wasielews­ den die Vergänglichkeit des Stadtraums
2011 weitete sich der Award auch auf ki (Technische Universität Breslau) seine neu und selbstbewusster zu erfahren.
Absolventen deutscher Hochschulen mit Arbeit widmete. Mit gezielten topographi­ 2020 kehrt der BDA-SARP-Award mit
dem neuen Kooperationspartner BDA aus. schen Eingriffen wurde ein Trümmerberg Workshop, Jurysitzung und Preisverlei­
Jeweils neun Absolventen polnischer und nahe Wrocław räumlich neu erschlossen hung wieder nach Berlin zurück.
deutscher Hochschulen erhalten die Ein­ und teilweise geöffnet, um die Relikte und
ladung an einem mehrstufigen Workshop- Akten historischer Zerstörungen wieder
Verfahren abwechselnd in Warschau oder sichtbar in das kollektive Gedächtnis zu­
Berlin an einer städtebaulichen oder ar­ rück zu bringen. Ein Projekt, so poetisch
chitektonischen Aufgabe zusammen zu stark und reflektiert, dass er dafür eine
arbeiten. Visionäre und poetische Projekte besondere Auszeichnung erhielt.
haben seitdem an Bedeutung gewonnen Unbebaubaren Grundstücken wie Eisen­ www.sarp.org.pl
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ein überzeugendes Fahrerlebnis dank Allradantrieb und Mild-Hybrid-Technologie, ein
kraftvolles Design sowie ein umfangreiches Platzangebot – das ist der neue Audi Q7.

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,7 – 6,8. CO₂-Emission kombiniert in g/km: 175 – 180. Stand 08/2019. Symbolfoto.
8 Journal

Photo Sebastian Strobl

Photo Fabian Weis


Sebastian Strobl (Akademie der Bildenden Künste München/Academy of Fine Fabian Weis (Technische Hochschule Nürnberg/Nuremberg Institute of
Arts, Munich): „simply be there“ Technology): „Archive for the collective memory.“

Young visions instead of old borders  Claus Käpplinger

This year, once again, the BDA- today supports even more strongly the that cannot be built upon, such as railway
SARP-Award was presented to grad- formulation of new positions by the young tracks, and attempted to connect several
uates of a Polish or a German uni­ generation districts of Munich by means of a new
versity. Conceived in the form of a This year’s winner of the main prize was housing bridge, which is, additionally,
workshop process in several stages, Dominika Strzałka (Cracow University of intended to offer new facilities for collec­
this award has been bringing young Technology), who transformed the decay tive life. The work by Fabian Weis
architects from West and East to- and the numerous catastrophes that have (Nuremberg Tech), which also received an
gether for more than four decades. affected the Lower Silesian town of award, examines a typical post-war hous­
Miedziana by means of a volume that is ing development, the Einsteinring in
Founded in the mid-1980s by SARP, the elevated above the historical traces. The Nuremberg, and its failure. His proposal
Polish architects association, and the winning project aims to stimulate new envisages transforming the emptied build­
German architect Henn under the name creative perceptions, confrontations and ings into a powerful and yet poetic “space
“Walter Henn Prize” for the best final dialogues about the turbulent history of of melancholy”, a kind of cemetery of
theses by graduates of Polish universities, urban visions from earlier times. This new
during the martial law era in Poland the Workshops in Warsaw and Berlin garden with relicts as functional buildings
award not only broke through the Iron offers an invitation to experience the tran­
Curtain but also allowed important bridg­ many places between West and East. In sience of urban space in a new and more
es of communication to be constructed his work Michał Wasielewski (Wrocław self-confident way.
between West and East. University of Science and Technology) In 2020 the BDA-SARP Award with the
In 2011, together with the new coopera­ dealt with a similar theme. Through fo­ workshop, jury session and prize-giving
tion partner BDA, the scope of the award cused topographical interventions a hill ceremony will return to Berlin.
was expanded to include graduates of near Wrocław, made from building rubble
German universities. Nine graduates from left by the 2nd World War, is to be ac­
German and nine from Polish universities cessed in a spatially new way and partly
are invited to take part in a multi-stage opened up in order to restore the relicts
workshop procedure, held alternately in and impact of historical destruction to the
Warsaw or Berlin, which focuses on an collective memory. This project’s poetic
urban planning or architectural task. and reflective strength led to it being
Since then visionary and poetic projects given a special award.
have grown in importance and have clear­ Maximilian Blume (Technology University
ly expanded the profile of the prize, which of Munich) devoted his attention to sites www.sarp.org.pl
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10 Journal

Photo WikiCommons, Stefan Plater-Zyberk

Photo Narodowe Archivum Cyfrowe

Photo WikiCommons, Edmund Kupiecki


Adolf Szyszko-Bohusz, Präsidenten-Schlösschen/ Roger Slawski, Allgemeine Polnische Landesaus- Bohdan Pniewski, Gerichtsgebäude/district court
President Castle, Wisła, 1928–31 stellung/Polish General exhibition, Poznań, 1929 an der/at Ulica Leszno, Warschau/Warsaw 1935–39

Moderne Architektur in Polen 1918–1939  Matthias Boeckl

Eine kurze Blüte erlebte die moderne Das Kriegsende 1918 brachte somit die 1928–31 erbaute Ferienschlösschen des
Architektur während der ersten pol- erste staatliche Unabhängigkeit Polens seit polnischen Präsidenten in Wisła (Hohen­
nischen Republik: Wie in den ande- 123 Jahren – und damit den Bedarf einer weichsel, Schlesien) von Adolf Szysuko-
ren 1918 neu entstandenen europäi- komplett neuen staatlichen Infrastruktur Bohusz als eines von 17 Schlüsselprojek­
schen Staaten (Tschechoslowakei, sowie zahlloser großer privater ten, die einen repräsentativen Querschnitt
Jugoslawien, baltische Republiken) Investitionen. durch die polnische Moderne bieten. Ver­
diente sie auch in Polen einer pro- Interessant ist der Vergleich der jeweiligen treten sind dabei sowohl Städtebauprojek­
duktiven Identitätskonstruktion des Ausdrucksweisen der jungen osteuropäi­ te (Gdynia/Gdingen) als auch Regierungs­
neuen Gemeinwesens. schen Staaten für ihr neues, zukunftsopti­ bauten (Außenministerium, nationale
mistisches Gemeinwesen: Innerhalb der Entwicklungsbank, Gerichte, Unibiblio­
2017 zeigte das Warschauer Architektur­ internationalen modernen Bewegung thek Krakau, Bahnhof Warschau) sowie
zentrum die Ausstellung „Eternity and standen dafür in den 1920er Jahren die Ausstellungen. Einige Namen der polni­
a Moment. 1918–1939 – Architecture as Alternativen einer expressiven National­ schen Szene der Zwischenkriegszeit, die
a Tool in Constructing Polish National sich ein letztes Mal bei der Weltausstel­
Identity“. Dazu erschien das lehrreiche Neue Ausdrucksweisen lung in Paris 1937 präsentieren durfte,
(derzeit leider vergriffene) Buch von zählen durchaus zum Kanon der internati­
Katarzyna Uchowicz, das auf 115 Seiten romantik, des Funktionalismus und des onalen Moderne: Stanisław Brukalski,
ein international noch wenig bekanntes, Neoklassizismus zur Verfügung. Kleine Roman Feliński, Anna Kodelska und Alek­
aber umso aufschlussreicheres Panorama Staaten wie Estland sowie Teilstaaten wie sander Kodelski, Wacław Krzyżanowski,
der polnischen Architekturproduktion der Slowenien hatten sich für die expressive Bohdan Lachert, Adam Kuncewicz,
Zwischenkriegszeit ausbreitet. Für das Option entschieden (Herbert Johanson, Bohdan Pniewski, Czesław Przybylski,
große Land zwischen der Hohen Tatra und Parlament Tallinn; Josef Plečnik, National­ Karol Schayer, Roger Sławski und Rudolf
der Ostsee besaß die neue Eigenstaatlich­ bibliothek Laibach), während etwa die Świerczyński. Online-Material dazu bieten
keit eine besondere Bedeutung, war es Tschechoslowakei den Funktionalismus etwa das Kulturerbe-Portal des Narodowy
doch in den drei sogenannten „polnischen bevorzugte (B. Fuchs, J. Krejcar, F. L. Instytut Dziedzictwa und das Archiv-
Teilungen“ 1772, 1793 und 1795 schritt­ Gahura, V. Karfík). Polen scheint eine Portal Narodowe Archivum Cyfrowe.
weise von seinen Nachbarn Österreich, gewisse Leidenschaft für die klassische
Preußen und Russland komplett filetiert Variante kultiviert zu haben, mit einzel­
und die Filetstücke (wie etwa das fortan nen – formal eher robust interpretierten –

habsburgische Schlesien) den drei hungri­ Details des Funktionalismus. Katarzyna zabytek.pl
gen Nachbar-Imperien einverleibt worden. Uchowicz präsentiert deshalb auch das nac.gov.pl
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12 Journal

Photo WikiCommons, Zygmunt Put

Photo WikiCommons, Zygmunt Put


Waclaw Krzyzanowski, Pekao SA Bank, Krakau/Kraków, 1938 Waclaw Krzyzanowski, Jagiellonische Bibliothek/Jagiellonian Library
Krakau/Kraków, 1929–39

Modern Architecture in Poland 1918–1939  Matthias Boeckl

Modern architecture flourished coming an independent state again after Adolf Szysuko-Bohusz, as one of 17 key
briefly during the first Polish repub- 123 years – and brought with it a need for projects that offer a representative cross-
lic: like in the other new European a completely new state infrastructure and section of Polish modernism. This selec­
states that emerged in 1918 (Czech- numerous major private investments. tion includes urban planning projects
oslovakia, Yugoslavia, the Baltic re- A comparison of the forms of expression (Gdynia) as well as government buildings
publics) in Poland, too, it served the that the young eastern European states (Foreign Ministry, National Development
productive construction of a national chose for their new, optimistically for­ Bank, courthouses, University Library
identity for the new polity. ward-looking polities is most interesting: Cracow, Train Station Warsaw) as well as
within the international modern move­ exhibitions. A number of the names of the
In 2017 the Warsaw Architecture Centre ment the options available included an interwar Polish scene, which was present­
showed the exhibition “Eternity and a expressive national romanticism, function­ ed for a final time at the World Exposition
Moment. 1918–1939 – Architecture as alism and neoclassicism. Small states in Paris 1937, belong to the canon of
a Tool in Constructing Polish National such as Estonia and federated entities international modernism: Stanisław
Identity”. The exhibition was accompa­ Brukalski, Roman Feliński, Anna Kodelska
nied by the instructive book by Katarzyna New forms of expression and Aleksander Kodelski, Wacław
Uchowicz (regrettably currently out of Krzyżanowski, Bohdan Lachert, Adam
print), which on 115 pages presents an such Slovenia chose the expressive Kuncewicz, Bohdan Pniewski, Czesław
internationally still little-known but all the option (Herbert Johanson, Parliament Przybylski, Karol Schayer, Roger Sławski
more instructive panorama of the Polish Building Tallinn; Josef Plečnik, National and Rudolf Świerczyński. Online material
production of architecture in the interwar Library Ljubljana), while Czechoslovakia, on this subject is offered by, for instance,
period. For this large country between the for instance, preferred functionalism the cultural heritage portal of Narodowy
High Tatras and the Baltic independence (B. Fuchs, J. Krejcar, F. L. Gahura, Instytut Dziedzictwa and the archive
had a particular significance, as in the V. Karfík). Poland appears to have culti­ portal Narodowe Archivum Cyfrowe.
three so-called “Partitions of Poland” in vated a certain passion for the classical
1772, 1793 and 1795 it was completely variant combined with individual func­
filleted in stages by the neighbouring tionalist details – which in formal terms
countries Austria, Prussia and Russia and were often quite robustly interpreted. On
the fillets (such as Silesia, henceforth that account Katarzyna Uchowicz presents
Austrian) were ingested by the three hun­ the small castle used as a holiday resi­

gry neighbouring empires. The end of the dence by the Polish president and built zabytek.pl
Great War in 1918 resulted in Poland be­ between 1928–31 in Wisła (Silesia) by nac.gov.pl
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14 Journal

Photo Michał Brach


Innerhalb eines 6 m schmalen Bereichs entstand der neue Bildungspavillon  The new eductional pavilion is constructed on a 6 m narrow area

Hybrider Bildungspavillon von JRK72  Dominika Glogowski

Eine Stunde Zugfahrt entfernt mit einem organischen Gartenvorbereich organischen Formen des Daches fügen
von Warschau befindet sich das nach den Entwürfen von Architekt Jacek sich im Einklang mit der rhythmischen
Arboretum in Rogów, in einem wah- Krych und seinem Team. Die Leitmotive Regelmäßigkeit der vielen filigranen Stüt­
ren landschaftlichen Juwel. Nun ist des Konzepts lauteten: Innehalten, Lernen zen. Der vordere Teil des Daches neigt
dieser Ort durch den Pavillon von und Erfahren. Krych – Absolvent der sich in einer Art Pergola dem Garten zu.
JRK72 Architekten um eine Perle Landschaftsarchitektur und Architektur Kletterpflanzen werden die Schwelle zwi­
reicher geworden. sowie Liebhaber der ikonischen Projekte schen Architektur und Natur im Laufe der
von Roberto Burle Marx – kombiniert im Jahre weiter nivellieren. Im eigentlichen
Als Teil der größten Naturwissenschaftli­ Bildungspavillon mehrere Architekturele­ Innenbereich ist das Dach wetterfest ge­
chen Universität Polens (SGGW) reicht die mente der Gartengestaltung. Treppen, staltet und schützt die Sitzgelegenheiten
Geschichte des ökologischen Refugiums Pergola, Wasser- und Grünbereich sowie aus Holz vor Regen. Dieses Ensemble aus
von Rogów – einer Region mit über drei der Pavillon stehen in einer ruhigen und Holzkuben lädt zu Diskussionen ein und
Millionen Einwohnern – bis zum Jahr 1923 gelungenen Komposition zueinander. verdeutlicht die Funktion als Bildungspa­
zurück. Ursprünglich als „Erfahrungs­ villon, der auch selbst aus wiederverwer­
wald“ konzipiert, beherbergt der Garten Räume zwischen tetem Holz gebaut wurde. Als eine necki­
heute eine dendrologische Sammlung, ein Architektur und Natur sche Spielerei kann die drehbare Informa­
Alpinarium sowie zahlreiche tropische tionstafel aus Mahagoniholz, die ins
Pflanzenarten. Bäume aus 51 verschiede­ Langsam arbeitet sich der Entwurf von Nirgendwo führt, verstanden werden. Sie
nen Gattungen ragen bis zu 45 m in den JRK72 durch verschiedene Ebenen hin­ gilt aber auch als Mahnung gegen die
Himmel und sind bekannt als die höchsten durch. Dem symbolträchtigen Erdreich in weltweite Rodung der Wälder.
dieser Gegend. Seit 2004 ist der Bestand Form von Beeten zu Beginn folgen Tröge Still, filigran und ausdruckstark erweitert
auch Teil der weltweiten Botanic Gardens und schließlich Ausstellungsboxen, die in dieser Bau die Reihe an gelungenen Pro­
Conservation Society. Vergangenes Jahr ihrer hochwertigen Ausführung an Juwe­ jekten der Gegenwart von Hybriden aus
kam schließlich ein Bildungspavillon hin­ lierstände erinnern, aber eigentlich Baum­ Architektur und Natur.
zu, geplant von JRK72 Architekten aus stämme der hiesigen Pflanzenarten zur
Gliwice. Schau stellen.
Zwischen dem bestehenden Arboretum Farblich geht die Gesamtkomposition von
auf der einen Seite und dem sogenannten warmen Tönen des oxidierten Stahls im
Erfahrungswald auf der anderen liegen Gartenbereich in eine weiß lackierte Holz-
nur sechs Meter. Auf diesem ca. 200 Meter Stahlkonstruktion über und hebt sich
langen Streifen entstand ein schmaler Bau somit als Architekturobjekt hervor. Die jrk72.pl
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Ort: Lindau, Deutschland
Architektur: Auer Weber Architekten
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16 Journal

Photo Jakub Certowicz

Photo Jakub Certowicz


Die filigrane Konstruktion zieht sich in den Hintergrund der Natur Die dünne Deckenlandschaft bietet Schutz vor Sonne und Regen
The subtle construction is drawn into the background of nature The thin roof-landscape offers protection from sun and rain

Hybrid educational pavilion by JRK72  Dominika Glogowski

An hour by train from Warsaw, the ing, learning and experiencing. In the course of the years climbing plants will
arboretum is located in Rogów, a educational pavilion Krych – a landscape further soften the transition between ar­
landscape gem. Now, a further pearl design and architecture graduate and a chitecture and nature. In the internal area
has been added to this place in the great admirer of the iconic projects by the roof is weatherproof and shelters the
form of the pavilion by JRK72 Roberto Burle Marx – combines several wooden seating from rain. This ensemble
Architects. architectural elements from garden de­ of wooden cubes invites people to engage
sign. Steps, pergola, a water and a green in discussions and illustrates the build­
As part of Warsaw University of Life area as well as the pavilion are successful­ ing’s function as an educational pavilion,
Sciences – SGGW, the history of the eco­ ly organized in a calm composition. The which itself is built from recycled wood.
logical refuge in Rogów – a region with a design by JRK72 works slowly through The swivelling mahogany information
population of more than three million – various levels. The symbolic earth in the panel that leads nowhere can be seen as
extends back to the year 1923. Originally form of planting beds at the start is fol­ a teasing game but is also intended as a
conceived as an “education forest”, today lowed by plant tubs and, finally, exhibi­ warning against the clearing of forests
the garden has a dendrological collection, that is taking place throughout the world.
an alpine garden and numerous tropical Spaces between architecture Silent, slender and yet strongly expressive,
plant species. A total of 51 different kinds and nature this building expands the series of suc­
of trees grow to heights of up to 45 metres cessful present-day projects that represent
and are the tallest in the area. Since 2004 tion boxes, which are expensively made hybrids between architecture and nature.
this arboretum has been part of the world­ and recall the counters found in a jewel­
wide Botanic Gardens Conservation Socie­ ler’s, but are here used to present parts of
ty. Last year an educational pavilion was the trunks of local species of tree.
added, designed by JRK72 Architekten In terms of colour the entire composition
from Gliwice. moves from the warm shades of the oxi­
The distance between the existing dised steel in the garden area to a white-
arboretum on the one side and what is painted wood and steel construction, in
called the “education forest” on the other process emphasising that it is an architec­
amounts to only six metres. On this c. tural object. The organic forms of the roof
200-metre-long strip architect Jacek Krych harmonise with the rhythmical regularity
and his team erected a narrow building of the numerous slender columns. The
with an organic garden area in front of it. front part of the roof bends down towards
The leitmotifs of the concept were: paus­ the garden in a kind of pergola. Over the jrk72.pl
Weltneuheit ONE by Josko.
Kompromisslos symmetrisch und nur halb so breit wie gewöhnliche Fenster und Türen.
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Die neue Avantgarde-Familie von


18 Journal

Photo Grzegorz Ziębik

Photo Grzegorz Ziębik


Das Einfamilienhaus in Szałsza als Holzbau... ... der in eine homogene Aluminium-Fassade gekleidet ist
The single family house in Szałsza as timber structure... ... cladded uniformly in an aluminium facade

Architektur, die glücklich macht  Isabella Marboe

Für Grzegorz Ziębik ist gute der Bauherr keinen Sonnenschutz leisten tungsqualität höher ist als in Polen. Inklu­
Architektur eine Quelle von Glück. konnte, kam es zu einer Fassade aus hori­ sive Innenausstattung kostete es wohlfeile
Gemeinsam mit seiner Frau führt zontalen Holzlatten, die dem Bau nun 138.000 Euro. „Wir wollten den Leuten
er das Büro projekt_DwA pracownia seinen eigenen Charakter verleiht. Außer­ zeigen, dass man auch mit einem schma­
architektoniczna. Ihre erste Realisie- dem konnten sie für technische Zweck­ len Budget sehr hochwertig bauen kann.“
rung ist ihr eigenes Einfamilienhaus. bauten, die Wasser aus über 200 Meter Dieses kleine, smarte Haus mit dem asym­
Tiefe pumpen, eine sehr überzeugende metrischen Satteldach wurde von Kopf bis
„Ich betrachte ein Gebäude wie ‚ein klei­ Form finden. Die grauen, metallenen Fas­ Fuß in eine einheitliche Fassade aus Prefa-
nes Schwarzes‘ das maßgeschneidert ist. saden wirken wie beeindruckende Stein­ Alumnium gekleidet. Ein zweigeschossi­
Es muss ein Kunstwerk sein“, so der polni­ brocken in der Landschaft. ger Luftraum erstreckt sich im Westen
sche Architekt Grzegorz Ziȩbik. „Das Beste Ein Haus, das als Kunstwerk geplant und über die Wohnküche und wird dank der
an meinem Job ist, dass Architektur Men­ gebaut wurde, fühle sich anders an, als Öffnungen in der Dachschräge von der
schen glücklich machen kann.“ Ziȩbiks ein Bau, der einfach „nur“ Standardware Abendsonne stimmungsvoll erhellt.
Kindheit fiel in die Zeit, als Polen noch ein Schlafzimmer und Bäder liegen klassisch
kommunistisches Land war. „Damals trug Kostengünstig und doch gut im Osten an einem Schlafflur im Oberge­
Architektur nichts dazu bei, Menschen schoss, von wo man durch zwei Fenster
glücklich zu machen.“ Die meisten Men­ von der Stange ist, zeigt sich Grzegorz hinunter in die große, gemeinsame Wohn­
schen lebten in schlecht gebauten und Ziȩbik überzeugt. Außerdem strebt er eine küche blicken kann. Trotz moderatem
kaum wärmegedämmten Plattenbausied­ zeitlose Architektur an. Preis und einer Wohnfläche von 130 m²,
lungen. Ziȩbiks Besuch im Rolex Learning Am konsequentesten konnte er seine bietet dieses Haus viel räumliche Groß­
Center in Lausanne von SANAA kam einer Ideale beim Bau des eigenen Hauses in zügigkeit. Mit seiner kommunikativen
Offenbarung gleich. „Das war meine wich­ der kleinen Ortschaft Szałsza bei Gliwice Architektur, die zwischen beiden Ebenen
tigste Architekturerfahrung. Im Rolex Lear­ umsetzen. „Es ist das erste Projekt, das vermittelt, hat das Haus durchaus die
ning Center fühlte ich mich friedlich und meine Frau und ich selbständig mit unse­ Möglichkeit, zu einem glücklichen
glücklich.“ Zu seinen Vorbildern zählen rem Büro projekt_DwA pracownia archi­ Familienleben beizutragen.
japanische Architekten und Bjarke Ingels, tektoniczna realisiert haben.“ Ihr Haus
der charismatische Gründer von BIG. sollte zeitgenössisch, nicht all zu teuer
Lang arbeitete Ziȩbik in der Zalewski und außerdem, aus ökologischen Grün­
Architecture Group, mit der er einen den, unbedingt ein Holzbau sein. Das
schicken Bürobau für die kleine Firma Holz kam von einer österreichischen Fir­
FIS-SST in Gliwice umsetzte. Weil sich ma – weil die dortige Holz- und Verarbei­
Oberlin Gateway Center, USA | Solomon Cordwell Buenz SCB MI

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| Langlebiges Material, kein Schleifen und Streichen
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20 Journal

Photo Tomasz Zakrzewski

Photo Tomasz Zakrzewski


Bürobau für die kleine Firma FIS-SST in Gliwice Horizontale Holzlatten ersetzen die üblichen industriellen Sonnenschutz-Systeme 
Office building for the small firm FIS-SST in Gliwice Horizontal wood laths were used instead of conventional, industrial sun protection systems

An architecture that makes us happy  Isabella Marboe

For Grzegorz Ziębik good timber louvers that give the building its a very high standard.” This small, smart
architecture is a source of happi- specific character. The architects also house with its asymmetrical pitched roof
ness. With his wife he runs the office found a most convincing form for techni­ was clad from top to bottom with a uni­
projekt_DwA pracownia architekton- cal buildings with which water is pumped form facade of Prefa-aluminium. In the
iczna. The first project that they built from a depth of 200 metres. With their west a two-storey void extends above the
was their own family house. grey metal facades they look like impres­ living room cum kitchen and, thanks to
sive blocks of stone in the landscape. the opening in the sloping roof, is atmos­
“I regard a building as a ‘little black dress’ Grzegorz Ziȩbik is utterly convinced that pherically lit by the evening sun. In the
that is tailor-made. It must be an artwork”, a building that is planned and built as an classic manner the bedrooms and bath­
says Polish architect, Grzegorz Ziȩbik. artwork feels very different to one that is rooms are placed in the east along a corri­
“The best thing about my job is that just a standard off-the-shelf item. He aims dor on the upper floor, from where you
architecture can make people happy.” In for a timeless architecture. He was able to can look down into the large living
Ziȩbik’s childhood Poland was a Commu­ apply his ideas most consistently in build­ room / kitchen through two windows.
nist country. “Back then architecture did Despite the moderate price and a floor
not help to make people happy. Most peo­ Economical but good area of 130 m² this house offers great
ple lived in badly built housing made from spatial generosity. With its communicative
poorly insulated prefabricated elements.” ing his own house in the small town of architecture that mediates between the
Ziȩbik’s visit to the Rolex Learning Center Szalsza, near Gliwice. “This was the first two levels the house has the potential to
in Lausanne designed by SANAA was like project my wife and I were able to imple­ contribute to a happy family life.
a revelation for him. “That was my most ment independently with our office pro­
important architectural experience. In the jekt_DwA pracownia architektoniczna.”
Rolex Center I felt peaceful and happy.” They wanted their house to be contempo­
His role models include a number of rary, not too expensive and, above all, it
Japanese architects as well as Bjarke had to be built of timber – for ecological
Ingels, the charismatic founder of BIG. reasons. The timber came from an Austri­
Ziȩbik worked for many years in the an firm, as in Austria the quality of wood
Zalewski Architecture Group with which and of the way it is processed are higher
he built an elegant office building for the than in Poland. Including the fitting-out of
small firm FIS-SST in Gliwice. As the the interior the house cost 138,000 euros.
client could not afford a sun protection “We wanted to show people that, even
system the facade was made of horizontal with a very small budget, you can build to
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22 Journal

Photo Peter Kainz/MAK

Photo Ossip van Duivenbode


Die Ausstellung im MAK präsentiert neue Wege zum besseren Leben Skygarden von MVRDV transformierte eine ehemalige Autobahn zum Park
The exhibition at MAK showcases new paths towards a better life Skygarden by MVRDV transformed a former highway into an urban park

Architektur für ein besseres Leben  Arian Lehner

Die Ausstellung „SPACE AND Innen innerhalb der räumlichen Inter­ sich nun ein botanischer Garten, welcher
EXPERIENCE. Architektur für ein ventionen. Es kommt zu einem neuen zuvor getrennte Stadtgebiete wieder ver­
besseres Leben“ richtet den Blick in Verständnis von Ökologie, in der die Um­ bindet und so einen wichtigen Schritt zur
die Zukunft unserer gebauten Um- welt des Menschen – neben Natur und Verbesserung der Lebensqualität der Be­
welt. Dabei geht es um weitaus mehr Raum – nun durch Algorithmen und virtu­ wohnerInnen beiträgt. Einen Blick in die
als bloße Digitalisierung. elle Welten augmentiert wird. Auf der Zukunft wagt ecoLogicStudio mit ihrer
Suche nach einem „besseren Leben“ kate­ Installation H. O. R. T. U. S. XL
Neue technologische Entwicklungen gorisiert die Ausstellung die Projekte in Astaxanthin.g, die anhand eines 3D-ge­
schreiten mit großen Schritten voran und Bezug auf ihre Materialität, Ökologie, druckten bio-digitalen Prototyps die Ent­
verändern unseren Alltag stets aufs Neue. Gestaltung von Atmosphären, Partizipati­ wicklungsmöglichkeit von Blaualgen
Wenn Architektur als Ausdruck und Ver­ on, Gastlichkeit, Gestaltung und Perspek­ (Cyanobaktieren) aufzeigt. Im Laufe der
besserung von sozialen und kulturellen tiven. Ein Großteil der Beiträge befasst Ausstellungsdauer sollen Organismen in
Strukturen verstanden werden soll, dann sich mit dem öffent­lichen Raum, mittler­ den Zwischenräumen der weißen Struktur
wird sie sich den neuen Anforderungen durch Photosynthese stets weiterwachsen
unserer Zeit stellen müssen. Dadurch Räume für Erfahrungen und Biomasse erzeugen.
entwickeln sich neue Raumformen, und Erlebnisse Die Möglichkeiten der Architektur und
zwischen kollektivem Erlebnis und indivi­ ihre Visionen für die Zukunft versprechen
dueller Erfahrung, zwischen Emotion, weile eine knappe Ressource in vielen vieles. Nun sei es aber laut Kuratorin
Wahrnehmung und Verhalten. Auf die Städten. Umso wichtiger und stärker wird Nicole Stoecklmayr auch Aufgabe der
Frage, wie Architektur unsere Zukunft die Rolle der Architektur, die durch Inter­ Gesellschaft und Politik, dieses Potential
gestalten kann, versucht die aktuelle Aus­ ventionen verschiedenster Art, einen we­ auszuschöpfen, um zu beweisen, was
stellung im MAK in Wien, Antworten und sentlichen Mehrwert im Leben der Men­ Architektur für ein besseres Leben bewir­
Denkanstöße anhand von Projektbei­ schen schaffen kann. ken kann.
spielen zu liefern. Die Ausstellung präsentiert experimentelle
Mit einer Auswahl von zehn internationa­ Projekte wie auch realisierte Bauten. So
len Architektur- und Designbüros und erzählt sie die Geschichte einer ehemali­
deren Projekten wird das breite Spektrum gen Stadtautobahn im südkoreanischen
an Ideen und Möglichkeiten veranschau­ Seoul, die durch das niederländische Ar­
licht. Zeichnungen, Pläne, Fotografien und chitekturbüro MVRDV zu einem öffentli­
Modelle ermöglichen einen detaillierten chen Grünraum transformiert wurde. Über
Blick in die Verhaltensweisen der Nutzer- den Autostraßen der Hauptstadt erstreckt mak.at/spaceandexperience
FOTO: Franz&Sue/Andreas Buchberger

FOTO: Franz&Sue/Louai Abdul Fattah


Sieger Objektbau: Franz und Sue ZT GmbH Wien mit dem Projekt „Stadtelefant“

INTERNORM-ARCHITEKTURWETTBEWERB
PREISTRÄGER 2019
FOTO: Tamás Bujnovszky

FOTO: Tamás Bujnovszky

Sieger Privatbau: Tóth Project Építésziroda Kft. aus Ungarn

Internorm konnte in diesem Jahr so viele Einreichungen für den internationalen Internorm-Architekturwettbewerb verzeichnen, wie
noch nie zuvor. Bereits zum fünften Mal wurden herausragende Architekturlösungen im Privat- und Objektbau ausgezeichnet. Im
Objektbau konnte das Projekt „Stadtelefant“, mit ehrlichen Materialien für ein ehrliches Haus, von Franz und Sue ZT GmbH die
Jury überzeugen. In der Kategorie Privatbau geht der Hauptpreis an Tóth Project Építésziroda Kft. aus Ungarn für ihr Projekt eines
lichtdurchflutenden Einfamilienhauses in Einklang mit der Natur. Ein Anerkennungspreis wurde Architekt Dipl. Ing. Gerald Anton
Steiner für die gelungene Umsetzung eines Einfamilienhauses in einer besonders herausfordernden Lage übergeben.

Wir freuen uns auch im Jahr 2020 wieder auf herausragende, internationale Einreichungen aus dem Bereich des Objekt- oder
Privatbaus mit verbauten Internorm Produkten.

Informationen zu den Einreichungsmöglichkeiten


und zum Architekturwettbewerb erhalten Sie hier:
www.blick-beziehung-architektur.com
24 Journal

Photo Peter Kainz/MAK

Photo Stijn Bollaert


Bilder werden durch digitale Technologien am Bildschirm zum Leben erweckt LocHal in Tilburg von Civic Architects bietet neue Räume in alten Hallen
With the use of digital technologies, images will turn alive on the display LocHal in Tilburg by Civic Architects offers new spaces in old halls

Architecture for a better life  Arian Lehner

The exhibition “SPACE AND panded by algorithms and virtual worlds. (cyanobacteria). While the exhibition is
EXPERIENCE. Architecture for In the search for “better living” the exhi­ running the organisms will continue,
Better Living” takes a look ahead at bition categorises the projects in terms of through photosynthesis, to grow in the
the future of our built environment. their materiality, ecology, design of atmos­ interstices of the white structure and will
The concern goes far beyond mere pheres, participation, hospitality, design produce biomass.
digitalisation. of communities and perspectives. The role Architecture’s possibilities and its visions
of architecture, which through interven­ for the future are extremely promising.
New technological developments are mak­ tions of very different kinds can create an Now, according to curator Nicole
ing enormous strides and are constantly important added value in people’s lives, Stoeklmayr, it is up to society and politi­
changing our daily lives. If architecture is becomes greater and more important. cians to exploit this potential in order to
to be understood as the expression and The exhibition presents both experimental prove what architecture can do to ensure
improvement of social and cultural struc­ projects and realised buildings. It tells the a better life.
tures, it will have to face the new chal­ story of a former city highway in Seoul in
lenges presented by the times we live in.
As a result, new forms of space will be Spaces for experiences and
created that range between collective and adventures
individual experience, between emotion,
perception and behaviour. Using model South Korea that was transformed into a
projects, the current exhibition in MAK public green space by the Dutch architec­
attempts to provide food for thought and ture office MVRDV. On the elevated high­
answers to the question about how archi­ ways of the Korean capital there is now a
tecture can design our future. botanical garden that reconnects previous­
The selection of ten international architec­ ly separated areas of the city and makes
ture and design offices and their projects an important contribution to improving
illustrates the wide range of ideas and the quality of life of its residents.
possibilities. Plans, photographs and mod­ ecoLogicStudio ventures to take a look
els allow a closer look at the way users into the future with their installation
behave within the spatial interventions. H. O. R. T. U. S. XL Astaxanthin.g, which
A new understanding of ecology is arrived on the basis of a 3D-printed, bio-digital
at, in which the human environment – prototype shows the development
alongside nature and space – is now ex­ possibilities of blue-green algae mak.at/spaceandexperience
26 Freiraum

Photo Unism Studio

Photo Unism Studio


Bei Dämmerung erstrahlt die Bühne von unten und wirkt wie eine schwebende Plattform Handskizze zu Blickbeziehungen
At dawn the stage is lit from underneath to appear as a floating platform Hand sketch of visual connections

Tanz zwischen Bäumen – Levitating


Theatre von Unism Studio  Dominika Glogowski

Die kleine Ortschaft Bronice Wołk-Łaniewski kam, die 2014 eine Gene­ kronen als natürlicher Sonnen- und Re­
zwischen Warschau und Lublin ralsanierung einleitete. Die heutige Besit­ genschutz. Die besondere Sitzanordnung
sorgt mit einer schwebenden zerin, Agnieszka Koecher-Hensel, Theater­ entlang der gesamten Bühnengrenze er­
Theaterbühne für Aufmerksamkeit. historikerin und Professorin für Bühnen­ möglicht verschiedene Perspektiven auf
gestaltung an der Akademie der Bildenden diese, in den Park und zu den dazugehöri­
Konrad Weka und Artur Zakrzewski, Künste in Warschau, eröffnete schließlich gen historischen Gebäuden. Die 70 cm
zwei junge Architekten aus der idyllischen das Kulturzentrum Schloss Bronice Kolo­ hoch liegende Bühne kann für andere
Region Masuren in Polen, lernten sich in nia, das mit bis zu 50 Aufführungen im Veranstaltungen auch als Tisch genutzt
London kennen und gründeten ebendort Jahr aufwartet. Vom Ballhaussaal kom­ werden. Für Unism Studio ist es wichtig,
das Büro Unism Studio. Die Absolventen mend, betritt man den Park und erreicht die Bedeutung des lokalen Kunsthand­
des University College London sowie der eine Holzkonstruktion mit geschwunge­ werks nicht zu verlieren und in ihren
Architectural Association beziehen sich in nen Kanten, die inmitten einer dominan­ Projekten zur Geltung kommen zu lassen.
ihrem Büronamen auf den polnischen ten Baumgruppe Platz gefunden hat. Wäh­ So entstand vor Ort ein Theater in Eigen­
Theoretiker Władysław Strzemiński. Als arbeit, mit niedrigem Budget und lokalen
Vertreter der konstruktivistischen Avant­ Schwerelos Zulieferern.
garde Polens formulierte er 1928 gemein­ Levitating Theatre lotet dezent die Gren­
sam mit seiner Frau und bekannten Künst­ rend karbonisiertes Holz die Farbe der zen der sinnlichen Erfahrung von Kunst
lerin Katarzyna Kobro die Unism-Theorie. Vegetation aufnimmt, reflektieren Spiegel, und Raum aus. Die Prager Quadriennale –
Dieser liegt ein holistischer Ansatz von die entlang der organischen Struktur an­ die weltweit größte Ausstellung für Perfor­
Malerei und Skulptur zugrunde, sie the­ geordnet sind, das Gras und die Erde in mance und Bühnendesign – zeichnete das
matisiert das Spiel zwischen Farbe, Linie, der Nähe. Bei Einbruch der Dunkelheit innovative Objekt heuer in der Kategorie
Fläche und Raum. Werk und Kontext verstärken LED-Lampen den Anschein Performancearchitektur aus.
verschmelzen hierbei zu einer Einheit, mit einer schwebenden hölzernen Bühne, die
dem Ziel, die Kunst zur höchsten „spiritu­ in den Vorführungen zu einer spektakulä­
ellen“ Erscheinungsform zu erheben. ren visuellen Erfahrung wird. Wie die
Einen ähnlichen Eindruck will das schwe­ Architekten erklären, ging es vor allem
bende Theater im prachtvollen Garten des darum, die friedliche Atmosphäre der
Schloss Bronice erreichen. Das Palais aus Natur einzufangen und den umliegenden
dem 18. Jahrhundert durchlebte eine Raum so wenig wie möglich zu beein­
turbulente Geschichte, ehe es in den trächtigen. Landschaft und Natur werden
1990er Jahren in den Besitz der Familie Teil der Funktion, so fungieren die Baum­ www.unismstudio.net
schande und scham

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28 Freiraum

Photo Unism Studio

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Ein umlaufendes, reflektierendes Band lässt die Bühne leicht erscheinen Studienmodell der Intervention im Park
The lightness of the stage at daytime is created by a reflective surface running around it Study modell of the intervention in the park

Dancing between the trees – the


Levitating Theatre by Unism Studio  Dominika Glogowski

Located between Warsaw and theatre historian and professor of stage high stage can also be used as a table.
Lublin, the small town of Bronice has design at the Academy of Fine Arts in Unism Studio regard it as important not to
hit the headlines with a “floating” Warsaw, opened the Bronice Kolonia lose the significance of local handicrafts
theatre stage. Manor House cultural centre, which pre­ and to allow these to make an impact on
sents up to 50 productions annually. Com­ their work. And so, the theatre was self-
Konrad Weka und Artur Zakrzewski, two ing from the ballroom you enter the park built, with a low budget and using local
young architects from the idyllic Masuria and reach a wooden structure with wavy suppliers.
region of Poland, met each other in Lon­ edges, which has been placed amidst a The Levitating Theatre explores in a re­
don, where they set up their office Unism dominant group of trees. While the car­ strained way the boundaries of the sensu­
Studio. Graduates of University College bonised wood takes up the colour of the al experience of art and space. This year
London and the Architectural Association, vegetation, a “plinth” of mirrors along the the Prague Quadriennale – the world’s
the name of their office refers to the edge of the organic structure reflects the largest exhibition for performance and
Polish theorist Władysław Strzemiński. As nearby grass and earth. When it grows stage design – awarded this innovative
a representative of Poland’s constructivist piece a prize in the category “performance
avant-garde, in 1938 together with his Weightless architecture”.
wife and the well-known artist Katarzna
Kobro, he formulated the Unism theory. dark LED lights strengthen the illusion of
Based on a holistic approach to painting a floating wooden stage, which during the
and sculpture, it addresses the play be­ performances becomes a spectacular visu­
tween colour, line, surface and space. al experience. As the architects explain,
Here work and context blend to form an the main concern was to capture the
entity, with the aim of elevating art to the peaceful atmosphere of nature and to
highest “spiritual” form of appearance. interfere as little as possible with the
The floating theatre in the magnificent surrounding space. Landscape and nature
garden of Bronice Palace aims at convey­ become a part of the function, and so the
ing a similar impression. This eighteenth treetops offer natural protection from sun
century house had a turbulent history, and rain. The special placing of the seats
until in the 1990s it came into the posses­ around the entire edge of the stage allow
sion of the Wołk-Łaniewski family which various views of the stage itself, of the
began an overall renovation in 2014. The park and of the historic buildings belong­
current owner, Agnieszka Koecher-Hensel, ing to it. For other events the flat, 70-cm- www.unismstudio.net
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30 Logbuch

Baukultur – ein politisches

Photo R. Halbartschlager
Randthema? } Matthias Boeckl

Baukulturdebatte am 3. September im AZW: R. Lyon, Ph. Schrangl, Th. Drozda, N. Tomaselli, St. Gara, A. Ottenschläger, R. Hammer (v.l.n.r.)

Am 29. September 2019 fanden in Österreich Nationalratswahlen statt. Im Vorfeld hatten fünf
Politiker bei einer Diskussion konkrete Maßnahmen für das Avancement der Baukultur vorgeschlagen:
Nach der Wahl sollte die Architekturgemeinde sie nun beim Wort nehmen!

Die Diskussion wurde von der Plattform Baukulturpolitik am 3. September im Architekturzentrum Wien veranstaltet. Vier der
damals im Parlament vertretenen Parteien (ÖVP, SPÖ, FPÖ, Neos) sowie die Grünen entsandten Vertreter, die sich für diese
„Querschnitts“-Materie zuständig fühlen. Tatsächlich kompetent, weil in der Praxis täglich mit Baufragen konfrontiert, erwiesen
sich jedoch nur zwei davon: die erfahrene Vorarlberger Kommunalpolitikerin und Landtagsabgeordnete Nina Tomaselli (Grüne) und
der Developer sowie Nationalratsabgeordnete Andreas Ottenschläger (ÖVP). Die anderen Parteien schickten Generalisten, die ent-
weder über unverbindliche Allgemeinplätze nicht hinauskamen (Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda, SPÖ, sowie der Physiker,
Energiepolitiker und Wiener Landtagsabgeordnete Stefan Gara, Neos) oder fachlich kaum etwas über zum Thema beitragen konn-
ten (Notariatskandidat und Nationalratsabgeordneter Philipp Schrangl, FPÖ).
Moderatorin Rosa Lyon vom ORF rief in der rund 100-minütigen Veranstaltung die Parteienpositionen zu fünf Themenkreisen ab:
zum Grundverständnis von Baukultur, zu Flächenverbrauch und Raumordnung, zu den politischen Steuerinstrumenten, zu Finan-
zierungsmodellen sowie zur Förderung der Vermittlungsarbeit für Baukultur. Die konkretesten Statements dazu kamen von den
Vertretern der Grünen und der ÖVP: Nina Tomaselli lieferte brauchbare Definitionen (Baukultur ist alles, was zur Lebensqualität
Photo R. Temel
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 31

Vor allem Grüne und ÖVP warteten mit konkreten und pragmatischen Ideen zu baukulturfördernden Maßnahmen auf – geht es nun an die Umsetzung?

beiträgt), benannte virulente Probleme wie Baulandüberhang versus Nachverdichtungsbedarf oder Raumordnung als kontroversiel-
les politisches Projekt wegen Zuständigkeits-Zersplitterung (wobei „§15a“-Vereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Gemein-
den möglich wären). Sie skizzierte machbare und kreative Baukultur-Strategien (Neudefinition der Kommunalsteuern, Reformen
der Baurichtlinien und Förderkriterien, Baudebatten öffentlich inszenieren). Andreas Ottenschläger, der beruflich oft und gerne mit
engagierten Architekten zusammenarbeitet, thematisierte Zielkonflikte der Förderungen zwischen Qualitätssteigerung und Wirt-
schaftlichkeit, erkannte ebenfalls die Raumordnung als zentrales Steuerungsinstrument und betonte die Notwendigkeit einer
bürgerverträglichen Verdichtung. Die Politik sollte dabei nur Ziele und Rahmenbedingungen definieren, die dann von Fachleuten im
Detail umgesetzt würden. Lokale Bauordnungen gingen oft zu weit in den Vorschriften. Zu wenig sattelfest und weitgehend ohne
konkrete Ideen präsentierten sich leider die übrigen Politiker. Thomas Drozda erwähnte Kompetenzbereinigungen, das West-Ost-
Gefälle in der Bauqualität und die Förderkriterien. Er forderte generelle „Awareness“ sowie Umsatzsteuer-Streichung für Mieten.
Philipp Schrangl betonte die generelle Notwendigkeit von Verdichtungen und wünschte sich die Förderung des ländlichen Raums.
Er sprach sich für Zentralisierung der Raumplanung beim Bund aus, auch eine Mietrechtsreform sowie strengere Regeln für private
Bauherren kommen für ihn in Frage. Stefan Gara forderte mehr Bürger-Partizipation, punktuelles Rückbauen für Klimaziele, einen
Best-Practice-Wettbewerb zwischen Regionen sowie verpflichtende überregionale Planungsleitlinien. Aus dem Publikum kam nur
ein einziger sachgerechter und konkreter Beitrag: Architektin Hemma Fasch forderte mehr Wettbewerbe für öffentliche Bauten
(was die Politiker unterstützten) sowie die Koppelung von Widmungsänderungen mit Wettbewerbs-Verpflichtungen.

DEN MUTIGEN
gehört die Zukunft
Projekt: Gesundheitszentrum Josefhof, Graz

Holz ist genau der Werkstoff, der uns den Raum gibt, um innovativ und konstruktiv
zugleich zu sein. Beides liegt uns Bregenzerwäldern im Blut. Beides macht uns Mut.
Der Erfolg unserer Raummodule liegt in der cleveren Systematik. Und die führt auf
schnellstem Weg zu kosteneffizientem Bauen. Seriell fertigen, als komplette Einheit
anliefern, schnell versetzen uns sofort beziehen heißt die Erfolgsformel. Zu unseren
Kernkompetenzen zählen die Planung und die Umsetzung wirtschaftlich überzeu-
gender Lösungen für den Industrie- und Gewerbehochbau. Europaweit stark
gefragt. Wie die Raummodule für Hotels, Sozialzentren, Studentenheime, Personal-
häuser, Schulen und Kindergärten. kaufmannbausysteme.at
32 Future Talk

Photo Sissi Furgler Fotografie

„In Polen zu bauen, ist sehr schwierig,


bürokratisch und kompliziert.“

Photo MAciek Jezyk


Roger Riewe

Das Schlesische Museum von RieglerRiewe Architekten verwandelte eine alte, denkmalgeschützte Zeche in ein hochfrequentiertes kulturelles Areal

Hartes Pflaster } Isabella Marboe

In Polen zu bauen, ist für Ausländer nicht einfach. RieglerRiewe haben trotzdem bereits einige
Projekte umgesetzt und weitere in Planung.

Beim Wettbewerb für das Schlesische Museum in der denkmalgeschützten, alten Zeche in Katowice 2007 hatten RieglerRiewe eine
Königsidee, die auch die Jury überzeugte: Das Museum unterirdisch anzuordnen und seine Oberlichten als transluzente, magisch
leuchtende Quader aus der Erde ragen zu lassen. „Die Alltagskultur in Schlesien ist unterirdisch. Jede Familie hier hat mit Bergbau
zu tun. Den Leuten ist also der Untergrund vertraut“, so Roger Riewe. „Wir wollten die Alltagskultur zur Hochkultur erheben, indem
wir das Museum in die Erde versenken. Vor allem aber wollten wir dem Blick auf die denkmalgeschützte Zeche mit dem Neubau nicht
im Weg stehen.“ Durch diesen Schachzug blieben der historische Förderturm und die backsteinernen Industriebauten des einstigen
Kohlebergewerks als Landmarks erhalten, außerdem werteten RieglerRiewe das Areal zum weitläufigen Park auf. „Im Nachhinein
betrachtet, war es ein Wunder, dass wir diesen Wettbewerb gewonnen haben“, sagt Roger Riewe. „Die Jury war überzeugt, wir seien
ein polnisches Büro. Dank eines polnischen Mitarbeiters hatten wir fehlerfrei beschriftete Pläne.“ Vor allem aber war es ihnen gelun-
gen, durch ihr Projekt einen ehemaligen Angstraum, den nachts kaum jemand zu durchschreiten wagte, in einen hochfrequentierten,
attraktiven öffentlichen Park zu verwandeln. Zu Fuß kann man nun vom Museum bis zum neuen Konzerthaus des polnischen Archi-
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 33

tekturbüros Konior Studio und zur Sport- und Veranstaltungs­


arena Spodek gehen. „Kattowitz ist aus drei Kohlebergwerken
entstanden, es hat eigentlich kein Zentrum. Die Leute haben nun
einen neuen öffentlichen Ort bekommen, den sie sehr gerne
nutzen.“ Die Umsetzung des Museums aber zog sich hin: ein Jahr
stand es leer, weil man sich Umsiedlung und Präsentation der
Exponate nicht leisten konnte. Währenddessen fanden im leeren

Rendering: RieglerRiewe
Neubau Messen, Modeschauen, Konzerte und ähnliches statt.
„Die Rampen waren wunderbar als Cat-Walks geeignet. Es ist
fast schade, dass es das nicht mehr gibt“, meint Riewe. Es hatte
noch einen anderen Vorteil: Es brachte auch kunstferne Perso-
nengruppen ins Museum. Um es bauen zu können, er­öffneten
RieglerRiewe in Kattowitz ein Büro. Künftige Gestaltung der Flusspromenade Toruń von RieglerRiewe
Zeitgleich gewannen sie einen weiteren Wettbewerb für ein
Umsteigezentrum und Kulturzentrum im polnischen Goleniów. wollen sie sich durch strenge Verträge absichern.“ Beim Umstei-
Realisiert wurde es nicht. „Man glaubt, dass Polen ähnlich tickt gezentrum in Goleniów war die Lage noch komplizierter als beim
wie Deutschland, weil es ein Nachbarland ist“, so Roger Riewe. Museum. Da hätte das Architekturbüro dafür haften müssen,
„Aber in Wirklichkeit ist es sehr schwierig, in Polen zu bauen. Es dass sich die geplante Unterführung nicht auf die darüber ver-
ist sehr bürokratisch und kompliziert. Schon bei der Realisie- laufenden Bahngeleise auswirkt. „Für so etwas findet sich keine
rung des Schlesischen Museums waren wir mit über 190 Ein- Versicherung“, so Riewe. Sie stiegen aus. Ein anderes Projekt,
sprüchen konfrontiert. Die Stadt fühlte sich dafür nicht zustän- das sie 2015 gewonnen hatten, aber wird nun umgesetzt: Die
dig, sie argumentierte folgendermaßen: Ihr Architekten wollt Gestaltung der Flusspromenade entlang der Weichsel in Toruń
dieses Museum bauen, also müsst ihr etwas gegen diese Ein- über ein Areal von 9,5 ha. Diese mittelalterliche Stadt zählt zum
sprüche tun.“ RieglerRiewe nahmen sich einen guten Anwalt und UNESCO-Weltkulturerbe, die Promenade liegt im Überschwem-
setzten sich durch. In den strengen Verträgen und rigiden Ange- mungsgebiet. RieglerRiewe entwickelten eine Form der Uferbe-
boten, die Nachtragsofferte nicht gestatten und daher höchst pflanzung und Gestaltung mit offenen Rasenflächen, Wiesen,
unflexibel sind, vermutet Riewe eine Nachwirkung des früher Plätzen, Treppen und Rampen, die dem Hochwasser Stand
berühmt berüchtigten Schwarzhandels. „Ich habe den Eindruck, halten, aber trotzdem einen hochwertigen öffentlichen Raum
alle haben höllische Angst, etwas Unkorrektes zu tun. Daher schaffen. Im Sommer 2021 soll das Projekt fertig sein.

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scher Sinnesrausch, es bedient auch ein
taktiles Bedürfnis. Ob im Büro, zu Hause
oder in Restaurants und Boutiquen: Wenn
man die vertikale Mooslandschaft in ihrer
Gänze begreift, geht man im Geiste darauf
spazieren – gut für Herzschlag, Blutdruck,
Konzentration und vor allem innere Ruhe,
aber auch Akustik. Das Moos, das in den
Unikaten von WildesMoos als Wandinstalla-
tion zum Einsatz kommt, wächst in seiner
natürlichen Umgebung wie ein wilder Tep-
pich über Stock und Stein. Von Hand sorg­
fältig geerntet, erlangt es anschließend in
urbanen Gefilden ein neues Leben. Hygros-
kopisch werden die Moose konserviert und
dadurch pflege- und wartungsfrei. Erhalten
bleibt die Haptik, der Geruch und die natürli-
chen Farben. Andreas Lichtblau, Gründer von
WildesMoos, setzt die Flach- und Kugelmoo-
se in seinem Team zu neuen Mooslandschaf-
ten zusammen. So entstehen aus einzelnen
Flechten vollständig ökogische Bilder in den
unterschiedlichsten Formen, Größen und
Strukturen von nicht nur sicht-, sondern
auch spürbarem Wert für ihre künftigen
  WildesMoos – eine Marke der 90DEGREEN GmbH Besitzer. Währenddessen treibt das Moos an
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office@wildesmoos.at | www.wildesmoos.at keit, die Andreas Lichtblau am Herzen liegt.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 35

Grenzenlose Aussichten mit Sicherheit


Filigranes Architekturdesign im Einklang mit höchster Sicherheit. Das innovative Unternehmen swissFineLine holt mit seinem rahm-
losen Fenstersystem das Außen nach Innen und ermöglicht einzigartige Aussichten. Denn der Wunsch nach maximaler Transparenz
und grenzenlosem Wohngefühl ist allgegenwertig. Das national, wie international bekannte Schiebefenster swissFineLine unterstützt
die von den meisten Bauherren und Architekten gewünschte Transparenz – ganz nach den Vorbildern eines „Farnsworth House“ des
bedeutenden Architekten Ludwig Mies van der Rohe: Fensterfronten, die vom Boden bis zur Decke reichen, damit man die Aussicht
vollumfänglich nutzen kann. Zusätzlich genießt man dank ganzheitlicher Reduktion der Rahmenprofile einen schwellenlosen und
hindernisfreien Übergang. Für die notwendige Sicherheit im Einklang mit filigranem Architekturdesign sorgt „swissFineLine Protect“
gemäß dem Credo: grenzenlos von innen – chancenlos von außen. swissFineLine garantiert mit höchstem Einbruchschutz, sicher-
heitsüberwachter Mehrpunktverriegelung und Durchschusshemmung ein Höchstmaß an Personen- und Objektschutz.

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36 Showcase

Von Hand gemacht


Wandlung vom exklusiven Händler zum exklusiven Hersteller. Seit der Übernahme der Geschäfte durch Martin Klomfar und dem
damit verbundenen Generationenwechsel im Hause KLOMFAR arbeitet man mit einer neuen Strategie. Statt ausschließlich mit
ausgesuchten Premium-Produkten zu handeln, hat sich KLOMFAR zum Hersteller luxuriöser Accessoires für das Bad gewandelt.
Gemeinsam mit Philipp Aduatz entwickelte Martin Klomfar die ersten Prototypen für den edlen Seifenspender Big Spender und
leitete damit den Strategiewechsel ein. Bei regelmäßigen Besuchen in der Manufaktur in Barcelona überzeugt er sich selbst von
der Qualität seiner Produkte. Denn alles steht und fällt mit der Qualität der Rohstoffe und deren Verarbeitung. In der Manufaktur
entstehen in unzähligen Arbeitsschritten kleine Meisterwerke. Schneiden, Löten, Schleifen, Polieren, Veredeln – jeder Handgriff
sitzt und wird von hochqualifiziertem Fachpersonal ausgeführt. Für den Signature-Seifenspender Big Spender benötigt man vierzig
von Hand ausgeführte Arbeitsvorgänge. Doch eine Produktion kommt für KLOMFAR nicht in Frage.

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architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 37

Den Dreh heraußen


Alle zu Tisch – zusammen isst man weniger allein. Ob mit der Familie oder ganz spontan eine Runde Freunde zum Essen einladen:
Mit Lazy Susan sind die idealen Bedingungen dafür geschaffen. Der rotierende Teller aus anthrazitfarbenem Stahl bringt Schwung
auf Tisch PERO, den es in unterschiedlichen Holzarten und mit geölt und gewachsten sowie mit matt lackierten Oberflächen gibt.
Die Tischplatte ist eine brettverleimte durchgehende Massivholzplatte mit einer Stärke von 2,8 Zentimetern. Lazy Susan hingegen
Photo Sören Städe

nimmt thematisch das Material des dreibeinigen Kufengestells des Tisches wieder auf und rundet die ganze Sache ab.

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8.–10. November
2019
Design. Fotografie.
Medienkunst.
Messe & Festival Neu 2019:
Werkschau Architektur
Feldkirch potentiale.at
38 Showcase

Wohltuend nachhaltig
Natürliche Akustiklösungen für das perfekte Raumklima. Troldtekt Akustikplatten für Decken und Wände bestehen zu hundert
Prozent aus natürlichen Materialien wie Holz und Zement. Sie sind damit besonders nachhaltig und mit dem Cradle-To-Cradle-
Zertifikat in der Kategorie Silber ausgezeichnet. Architekten und planende Ingenieure können sich auf der Troldtekt-Homepage,
dem DGNB Navigator und ab sofort auch in der österreichischen Materialdatenbank baubook detailliert über alle bauphysikali-
schen und bauökologischen Eigenschaften der Produkte informieren. In vielen internationalen Projekten, wie zum Beispiel im
Restaurant des innovativen Alnatura-Campus, der von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit der Best­
note Platin ausgezeichnet wurde, sorgen Troldtekt Deckenplatten für eine optimale Akustik und ein gutes Innenraumklima.

  Troldtekt Deutschland GmbH | Millerntorplatz 1 | D-20359 Hamburg | T +49/40/80 90 92 135 | info@troldtekt.com | www.troldtekt.de
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 39

Baustoff der Zukunft


Ziegel als verlässliches und nachhaltiges Material für sicheres Bauen. Der oberösterreichische Ziegelhersteller EDER gibt mit
seinem innovativen Vollwertziegel EDER V38W die Antwort auf die Herausforderungen im mehrgeschossigen Wohnbau – von Wohn-
gesundheit, Sicherheit und Statik bis hin zu den drängenden Fragen in Zeiten des Klimawandels. Das Wissen um die hohe Kunst der
Ziegelherstellung wird bei EDER schon seit mehr als 120 Jahren von Generation zu Generation weitergeben und -entwickelt. „Auf-
grund seiner bauphysikalischen und ökologischen Eigenschaften ist der Ziegel auch im mehrgeschossigen Wohn- und Gewerbebau
der Baustoff der Zukunft“, ist Geschäftsführer Johannes Eder überzeugt. Der 38 Zentimeter starke EDER V38W zeichnet sich durch
ein optimales Zusammenspiel aus statischer Festigkeit, bestem Wohnkomfort und ausgezeichneter Energieeffizienz aus. Durch
seine mineralische Füllung erreicht er einen perfekten Wärmedämmwert und spart jede künstliche Zusatzdämmung. Weiters punk-
tet er mit hervorragenden Schall- und Brandschutzeigenschaften. Energiebewusstes Bauen, die nachhaltige Einsparung von CO2
und Wohngesundheit sind die Anforderungen der Zeit. CO2-Emissionen werden unter anderem durch langfristige Immobilien­
konzepte gesenkt – auch dafür hält der Baustoff Ziegel zukunftsweisende Lösungen parat.

  Ziegelwerk EDER GmbH & Co KG | Bruck 39 | A-4722 Peuerbach | T +43/7276/24 15-0 | info@eder.co.at | www.eder.co.at
Photo EDER Ziegel
40 Showcase

etio Arbeitsplatzlösung – elektrisch höhenverstellbar  Photo Wiesner-Hager Möbel GmbH

Stehen statt sitzen


Arbeiten im Stehen ist die neue Effizienz. Sitz-/Steharbeitsplätze erleben einen regelrechten Boom. Kein Bürotisch leistet
einen derart wertvollen Beitrag zur Arbeitsplatzergonomie. Als Teil der von neunzig°design entworfenen Bürotischserie etio
hat Wiesner-Hager einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch entwickelt, der sowohl als Einzeltisch als auch als
Doppelarbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Tischplatte ist von 65 bis 125 Zentimeter stufenlos höhenverstellbar. Der Tisch
lässt sich so in wenigen Sekunden an wechselnde Tätigkeiten anpassen. Mit dem Speichermodul können verschiedene Ein-
stellungen der Nutzer gespeichert und direkt abgerufen werden. Der Doppelarbeitsplatz verbindet zwei Tischplatten, die sich
individuell getrennt voneinander verstellen lassen – mit nur einem Gestell. etio wird so zu einer ebenso wirtschaftlichen wie
effizienten Arbeitsplatzlösung – perfekt einsetzbar in allen Büroformen. Angeboten wird die Tischfamilie in unterschiedlichen
Formaten und einer breiten Auswahl an Farb- und Materialausführungen. Fazit: Der elektrisch höhenverstellbare etio ermög-
licht den komfortablen Wechsel vom Sitz- zum Steharbeitsplatz und provoziert damit häufige Positionswechsel, die sich
positiv auf die Rückenergonomie auswirken und konzentriertes, produktives Arbeiten fördern.

  Wiesner-Hager Möbel GmbH | Linzer Straße 22 | A-4950 Altheim


T +43/7723/460-0 | altheim@wiesner-hager.com | www.wiesner-hager.com
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

Neustadt – Neustart
Neue Ideen und erfrischende Inspirationen mit
neuer Location. Schon in den vergangenen Jahren
hat die POTENTIALe für überraschende Aktivitä-
ten im Stadtraum gesorgt – in diesem Jahr liegt
ein besonderer Fokus auf der Neustadt. Gäste
sind im neu bezogenen Büro in der Neustadt 14,
das aktuell für eine Ausstellung des Stadt / Stu-
dios genutzt wird, herzlich willkommen. Architek-
turstudierende der Universität Liechtenstein
zeigen hier unterschiedliche Ideen zum Stadtraum
Feldkirch. In der ehemals leer stehende Neustadt
25 wird bald gearbeitet und verkauft – seit Ende
Juli stehen die Türen des liebevoll sanierten Ge-
schäftslokals wieder offen. Vom Pop-Up-Laden bis
zum Atelier können Besucher hier unterschied-
lichste Einblicke in die kreative Szene Vorarlbergs
erhalten. Auch Messe und Festival der 26 & 27 November 2019
POTENTIALe werden 2019 verstärkt in der Neu-
stadt stattfinden. Neben Werkschau, Werkstatt
und Vintage, die sich wieder an ihren bewährten DIE FÜHRENDE
Hauptstandorten im Reichenfeld ansiedeln, wer-
den zahlreiche Jungdesigner und Studenten aus PLATTFORM FÜR
ganz Europa im Design Labor in der Neustadt aktiv DIE DIGITALE
sein. Mehr denn je verstehen sich die diesjährigen
Programmpunkte als Aufruf zum bewussten Kon- TRANSFORMATION
sum sowie zu einem achtsamen Umgang mit der DER BAU- UND
Welt und ihren Ressourcen. Alle Produkte, die auf
der Messe zu finden sein werden, sind im eigenen IMMOBILIENWIRTSCHAFT
Atelier oder unter fairen Bedingungen produziert
und ermutigen zu neuen Blickwinkeln. Werden Sie Teil des BIM World
Die POTENTIALe findet vom 8. bis Netzwerks!
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42 Showcase

Zwei unter einem Dach


Wie ein aussichtloser Sanierungsfall zur Architekturperle wurde. Das Haus Lendenmann, ein zweistöckiger Fachwerksbau am
steilen Südhang des Schweizer Städtchens Regensberg, war in sehr schlechtem Zustand, ein Abriss kam aber aus Gründen des
Ortsbildschutzes nicht in Frage. Die Regensberger Architeken L3P planten deshalb einen Teil-Neubau und schufen sozusagen zwei
Häuser unter einem Dach. Auf der dem Ortskern zugewandten Seite präsentiert sich das Haus als schmuckes mittelalterliches
Wohnhaus mit filigraner Fachwerkfassade, historischen Sprossenfenstern und Schindeldach. Nach Süden zeigt es sein modernes
Gesicht mit Holzfassade in edlem silbergrauen Look und großzügigen Fensterflächen. Der raffinierte Einsatz von Licht und
Schatten verbindet die Gegensätze zu einer Einheit. Hauptverantwortlich dafür ist wiederum die Außenfassade: Aus der halb­
transparenten Fichtenverschalung wurden Ornamente ausgefräst. Besonders durch den auf der Innenseite vollverglasten Giebel
dringt das Sonnenlicht so in variierenden Formen in den Wohnraum. Für die Beschichtung der Fichtenfassade griffen die Architek-
ten zur bewährten Vorvergrauungslasur Pullex Silverwood im Farbton Silber von ADLER. Sie verleiht der Fichtenverschalung einen
eleganten Grauton und bewahrt sie gleichzeitig vor einer ungleichmäßigen Abwitterung. Durch den wirksamen UV- und Wetter-
schutz von Pullex Silverwood ist die Fassade auch auf ihrer Südseite dauerhaft geschützt.

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Photo L3P Architekten


architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

Hier kommt der Eiermann


Ein mitwachsender Kindertisch passend zum Schulbeginn.
In den 1950er Jahren entwickelte der berühmte Architekt Egon
Eiermann ein Tischgestell aus vier Stahlrohren mit zwei Seiten-
teilen und einem Diagonalkreuz. Das Diagonalkreuz ist schräg
von oben nach unten eingesetzt. Alle Teile sind fix verschweißt.
Das Gestell wurde vor allem im Atelier von Egon Eiermann ein-
gesetzt und später auch in diversen Bauvorhaben. Ein Mitarbei-
ter von Eiermann bat den damaligen Werkstättenleiter der Uni
Karlsruhe, das Gestell zerlegbar zu machen. Der kreative Mann
erfüllte den Wunsch und stellte das Diagoalkreuz senkrecht.
Egon Eiermann sah den Lösungsvorschlag und war voll des
Lobes. Von diesem Moment an begann die Erfolgsgeschichte
des Tischgestelles E2. Außerdem wurden eine große Zahl von
Zusatzteilen, wie zum Beispiel Höhenversteller, Kabelkanäle,
PC Halter etc. entwickelt, die verkaufte Stückzahl nahm per­
manent zu. Es wurden ein Stehpult und ein Kindertisch kreiert.
Nunmehr ist das Gestell E2 in ganz Europa und sogar bis in die
USA und Australien vor allem in Architekturbüros, Universitäten
und vielen Unternehmen im Einsatz.

  Heinz Scheurer Objekteinrichtung


Bayrisch-Platzl-Straße 21 | A-5020 Salzburg | T +43/662/45 17 04
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Bewusst bauen.
44 Showcase

Nichts als Stille


In der hektischen Arbeitswelt ruhige Orte schaffen. 90 Prozent der Büroangestellten sind von Lärm betroffen. Die Folge ist zuneh-
mender Stress, der das Fehlerrisiko erhöht. Geringere Aussichten, eine Aufgabe fehlerfrei zu erledigen, wirken sich negativ auf die
Arbeitsmotivation aus. In einem lauten Raum wird die kognitive Leistungsfähigkeit deutlich reduziert. Eine gut strukturierte Raum-
aufteilung, beispielsweise mit Räumen für Telefongespräche oder Besprechungen, verbessert den Arbeitskomfort sowohl im Open-
Space-Bereich als auch in kleineren Büroumgebungen. Die Raum-im-Raum-Systeme von VANK bieten den Komfort von Ruhe und
Privatsphäre. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass die Schallschutzeigenschaften eine der besten in dieser Produktkategorie
sind und je nach Modell einen Schallschutz mit folgenden Werten bieten: VANK_WALL 45 Dezibel und VANK_WALL2 35 Dezibel.
Durch die geschlossenen Raum-in-Raum-Systeme können also alle vertraulichen Informationen und Betriebsgeheimnisse vom
übrigen Teil des Unternehmens abgetrennt und vor der Öffentlichkeit abschirmt werden. Schallgeschützte Raum-in-Raum-Systeme
finde ihre Verwendung nicht nur in Büros, sondern auch in Veranstaltungsräumen, Hotels, Behörden und Flughäfen.

  VANK | Batalionu Miotła 14 | PL-00-001 Warszawa | T +48/601/33 12 32 | vank@vank.pl | www.vank.eu.com


autorisierter Fachhandelspartner Österreich: MOSSYROCK DESIGN STUDIO e.U. | Kottinghörmanns 56 | A-3943 Schrems
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architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 45

Michael Lohmann

14.
November 2019
Thirtyfive – On Top Of Vienna! Myhive Twin Towers
Hertha-Firnberg-Str. 8 | Ecke Maria-Kuhn-Gasse
1100 Wien

Apero: ab 18 Uhr
1. Etage (im Grohe Live! Center)
Beginn: 19 Uhr
Martin Haas Elke Delugan-Meissl 35. Etage (im Thirtyfive)
Anmeldung: architektur@grohe.com

Auf Dialog setzen


Bleibt der Architekt der kreative Motor, Ideengeber, Qualitätssetzer? Seit 2009 findet jährlich die GROHE Dialogreihe trends
thesen typologien statt. 2019 beschäftigt sich die Veranstaltung mit der Thematik „Analoge Techniken für digitale Prozesse“. Am
14. November 2019 werden dazu Elke Delugan-Meissl und Michael Lohmann von dem Architekturbüro Delugan Meissl Associated
Architects/DMAA sowie Martin Haas von haascookzemmrich STUDIO2050 ihre Erfahrungen in der analogen/digitalen Projektplanung
präsentieren und im Anschluss Fragen wie „Wird die heutige Baustelle zur lokalen Produktionsstätte, entfallen lange Transportwege
und Materialbewegungen?“, „Verwischen sich Grenzen, welche bisher zwischen Planung und Produktion, zwischen Industrie und
Kunsthandwerk verliefen?“ „Ersetzen in der Fachwelt neue Schnittstellen alte Konventionen?“ und „Führen neue Tools zur Erweite-
rung der Kompetenz der Architekten und der Stärkung ihrer Position im Projekt oder zu mehr Spezialisierung?“ diskutieren. Compu-
tergestützte Planungs- und Fertigungsprozesse dominieren zunehmend die Arbeit in den Planungsbüros. Die integrale Zusammen-
arbeit erfordert neues Denken. Daten werden nur durch Zusammenarbeit verwertbar. Architektur entsteht im Kopf – durch digitale
Werkzeuge wird sie kommuniziert. In Zeiten neuer Technologien ist gerade die Beherrschung analoger Techniken die entscheidende
Voraussetzung, ob sich Maschinen als die ersehnten Erfüllungsgehilfen erweisen. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung im „Thirty
Five – On Top of Vienna!“ in den myhive Twin Towers ist nur nach vorheriger Anmeldung unter architektur@grohe.com möglich.

  GROHE Gesellschaft m.b.H. | Wienerbergstraße 11/A7 | A-1100 Wien | T +43/1/680 60 | info-at@grohe.com | www.grohe.at
46 Showcase

Flexibilität, die überzeugt


Zwei praktische Module für viele Gelegenheiten. Die Hug Lounge-Kollektion von Fantoni wurde um zwei Versionen von Office-Pods
erweitert, die auf dem Salone Internazionale del Mobile 2019 vorgestellt wurden. Die erste ist eine temporäre Arbeitsstation: Abge-
schieden und schallisoliert, ist dieser intime Raum ideal für eine Pause oder einen Skype-Anruf. Der zweite Bereich fungiert als
Besprechungsbereich: Fast schon privat und auch mobil, kann er problemlos in neue Betriebslayouts umgewandelt werden. Die
große Auswahl an schallabsorbierenden Stoffen macht diese Räume in hohem Maße adaptierbar und vor allem einzigartig.

  Fantoni Spa | Zona Industriale Rivoli | I-33010 Osoppo (UD) | T +39/0432/97 61 | info@fantoni.it | www.fantoni.it
Repräsentanz in Österreich: Heinz Hochstetter GmbH | T +43/664/85 444 60 | heinrich.hochstetter@icloud.com
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 47

Stummer Diener
Hell und warm an Ort und Stelle. Wärme und Licht vereinen sich in
einem gänzlich neuen Objekt, das uns im Alltag Energie und Ruhe
schenken kann. Eve von Tubes Radiatori definiert sich durch ihre
Funktionen, eine nomadische Kugel, die heizt und zugleich beleuch-
tet, überall mitkommt und Wärme, Licht und Wohlbefinden mitbringt.
Eve kann auf elegante Weise dort, wo und wann man es am meisten
benötigt, eine perfekte Atmosphäre schaffen, zuhause ebenso wie im
Büro, auf dem Boden oder auf dem Schreibtisch stehend. Als Leucht-
quelle ist Eve an keine Jahreszeit gebunden und kann auch sehr gut
an den wärmsten Abenden verwendet werden. Die beiden Funktio-
nen können gleichzeitig oder unabhängig voneinander ein- und aus-
geschaltet werden. Eve erwärmt durch einen warmen Luftstrom, der
durch einen Spalt auf Fußbodenhöhe vom gesamten Kugeldurch-
messer ausströmt und kann per Touch-Kommando an der Oberseite
der Kugel oder mit Android oder IOS über integrierte WLAN-Funktion
in zwei Leistungsstufen sowie in der zweistündigen Booster-Funkti-
on bedient werden. Eve bietet auch ein dimmbares Licht, das so wie
die Wärme an der Unterseite der Kugel ausströmt.

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Wiener MAK
25.–27. 10. 2019

Die Küche von Keep ist zeitlos und hält ein Leben lang.

International und individuell


Drei Tage ganz im Zeichen guter Gestaltung jenseits der Stangenware. Schlendern, staunen, shoppen: Am letzten Oktober-Wochen-
ende öffnet wieder – bereits zum 18. Mal – der größte Design-Concept-Store der Stadt. 150 Designer aus 17 Nationen zeigen, was
sie können, ausgewählt von einer Fachjury. Das Konzept ist bekannt und bewährt: Die Besucher lernen die Designer persönlich ken-
nen und können ihre Entwürfe aus erster Hand kaufen. 2019 präsentiert die Wirtschaftsagentur Wien mit dem departure Studio vier
aufstrebende Labels aus der Hauptstadt: das Studio chmara.rosinke die Möbelmanufaktur J.Pehack sowie die Modedesignerinnen
von rudolf Vienna und Sabinna. Auch andere Newcomer machen auf der blickfang Wien auf sich aufmerksam. Designerin Leandra
Eibl von Wanderlust entwirft modulare Regalsysteme, die in ihrer Erscheinung und in ihren Funktionen höchst personalisierbar sind.
Martin Volgger von „Wirfl“ kreierte vier Würfel, die einzeln funktionieren oder für die perfekte Outdoor-Küche zusammengestellt
werden können. Mit Unterstützung der dänischen Botschaft in Wien wirft die blickfang dieses Jahr einen Blick in den hohen Norden.
Die Architekten Ewa Bryzek und Allen Shakir von Lawa Design entwerfen daher praktische Stücke mit einem erfrischenden Ansatz.
Das Möbellabel Enkl von Kristian Gatten und Lasse Tamberg hat das Ziel, die Möbelindustrie nachhaltiger zu machen. Alle Produkte
sind für den mehrmaligen Auf- und Abbau konzipiert. Die blickfang findet vom 25. bis 27. Oktober 2019 im Wiener MAK statt.

 www.blickfang.com
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 49

Perfekter Ort für moderne Nomaden


Akustische Mission „Besser gemeinsam“ wunderbar gelungen. Sich Platz teilen, gemeinsam arbeiten, neue Ideen austüfteln,
etwas dazu lernen – Share Square nennt sich ein innovatives Projekt im kulturell lebhaften Stadtteil Savamala von Belgrad, zu dem
Akustik-Spezialist Knauf AMF Holzwolle-Akustikplatten der neuen Produkt-linie HERADESIGN® creative lieferte. Diese sorgen
nicht nur für Ruhe, sondern bringen auch Farbe und Struktur in den offenen, zweigeschossigen Raum des Coworking-Cafés. Akustik
und Optik waren vor dem Umbau mangelhaft und mussten für die geplante Nutzung geändert werden. Bei der Planung lag ein
besonderer Fokus auf der Raumakustik. Nach eingehender Beratung vor Ort fiel die Wahl auf die 2018 eingeführte Produktlinie
HERADESIGN® creative, die die Möglichkeit bietet, Innenräume mit Holzwolle-Akustikplatten in fast jeder gewünschten Form und
Farbgebung zu gestalten. Im Share Square kamen HERADESIGN® creative Holzwolle-Akustikplatten in der Oberflächen-Ausfüh-
rung superfine zum Einsatz. Sie eignen sich sehr gut für die direkte Montage an die Wand und sorgen für ein gesundes Raumklima,
denn durch die Hauptbestandteile – Holz, Magnesit und Wasser – sind sie ein Naturprodukt. Außerdem erfüllen sie feuchte- und
klimaregulierende Funktionen. Im Shared Square entstanden großflächige Muster in kräftigen und leuchtenden Tönen, die zum Teil
wie moderne Kunstwerke wirken und dem kooperativen Café eine fröhliche und motivierende Atmosphäre verleihen.

  Knauf AMF GmbH & Co. KG | Elsenthal 15 | D-94481 Grafenau | T +49/85 52/422-0 | info@amf-grafenau.de | www.amf-grafenau.de
50 Showcase

Auf das
Wesentliche
reduziert
Wie ein Upgrade eines klassischen WCs.
Bei Cleanet Navia, entworfen vom
Schweizer Designer Peter Wirz, hat sich
Laufen bewusst auf die Kernaufgabe
eines Dusch-WCs konzentriert und nur
die wichtigsten Funktionen integriert,
ohne dabei Kompromisse hinsichtlich
der Hygiene einzugehen. Das Cleanet
Navia stellt pro Minute 3,5 Liter frisches
Wasser in einem voluminösen Dusch-
strahl zur Verfügung. Der Duschkopf des
Cleanet Navia sitzt im Ruhezustand auch als App für das Smartphone zur
hinter einem Blendenring geschützt in Verfügung. Via App lässt sich die Wasser-
der Keramik und wird vor und nach jeder temperatur in verschiedenen Stufen
Benutzung reichlich mit Wasser umspült. einstellen und bietet zudem bequemen
Bei Bedarf können sowohl die Düse als Zugriff auf die Wartungsmeldungen und
auch die Blende gereinigt oder komplett das Benutzerprofil. Die Keramik selbst
ausgetauscht werden. Die Dusch-Funkti- ist fugenfrei und spülrandlos und zu-
on wird von Hand über den an der Kera- sätzlich mit der schmutzabweisenden
mik angebrachten Drehknopf gestartet. Oberflächenveredelung LCC versehen.
Über diesen lassen sich auch die Positi- Außerdem lassen sich WC-Sitz und
on und die Stärke des Duschstrahls Deckel für eine schnelle und gründliche
verstellen oder der oszillierende Modus Reinigung mit einfachen Handgriffen
aktivieren. Die Dusch-Funktionen stehen abnehmen.

  LAUFEN AUSTRIA AG | Mariazeller Straße 100 | A-3150 Wilhelmsburg


T +43/27 46/60 60-0 | office.wi@at.laufen.com | www.laufen.co.at
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

Ein Boden, viele Vorzüge


Harmonische Gestaltung mit der Natur im Fokus. 2018 wurde der
Neubau des Klinikums Aichach eröffnet. Die bereichsübergreifende
Gestaltung aus einem Guss und das Wohlfühl-Ambiente werden
auch von den Böden unterstützt: Es wurden mehr als 9.000 Quad-
ratmeter der attraktiven, umweltgerechten Kautschuk-Beläge von
nora flooring systems verlegt. Mit ihrem dezenten Grau fügen sich
noraplan sentica, zum Teil in der elektrisch ableitfähigen ed-Varian-
te, sowie norament grano ed in den OPs harmonisch ins Ambiente
ein und bilden einen attraktiven Kontrast zu den kräftigen Akzent-
farben der Wände. Die Wegeführung wird unterstützt durch „Farb-
tropfen“, die als Intarsien in den Kautschuk-Belag noraplan sentica
eingearbeitet sind und in denen sich die Leitfarben wiederfinden.
nora Bodenbeläge sind maßbeständig und müssen nicht verfugt
werden. Ein zentraler Aspekt für den Einsatz der nora Böden war
auch die gute Akustik. In den OPs wurde der mit 3,5 Millimetern
besonders dicke norament grano ed eingesetzt. Der Kautschukbo-
den kommt in seiner Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit einem
Pharmaterrazzo gleich, besitzt aber alle Vorteile eines elastischen
Belags. Zudem übersteht der Kautschuk hohe Druckbelastungen
unbeschadet, etwa durch das Rollen schwerer Geräte. Darüber
hinaus lassen sich Kautschukböden vollständig desinfizieren.

Kautschukböden unterstützen im Klinikum Aichach ein Wohlfühl-


  nora flooring systems GesmbH | Rablstraße 30/1 | A-4600 Wels Ambiente und bieten funktionale Vorteile.  Photo Werner Hutmacher, Berlin

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atmungsaktiv zu dämmen und für ein gesundes Raumklima zu sorgen.


So bleiben Räume bei Hitze kühl und bei Kälte angenehm warm.
Optimal temperierte Wände erzeugen mehr Behaglichkeit im Sommer
und im Winter.

■ atmungsaktiv & kostengünstig


■ warm im Winter, kühl im Sommer
■ gesundes Raumklima Ideen mit Zukunft.
52 Showcase

Quelle der Inspiration


Glänzendes Highlight in einer ehemaligen
Autogarage. Die aus Kortrijk stammende
Elektro Dance-Band Goose begann vor ein
paar Jahren für ihr neues Safari Studio nach
einem neuen Gebäude zu suchen und verfiel
schließlich dem Charme einer ehemaligen
Autowerkstatt. Architekt Steven Vandenborre
und Farbberater Elien Masschelein realisier-
ten die Wünsche der vier Männer für den In-
nenraum mit industriellem Charakter, der in
jedem Fall erhalten bleiben sollte. Der Rohbe-
ton und die klaren Linien der Fassade haben
ihren Ursprung im Bauhausstil, wo der Fokus
auf der Verwendung reiner Materialien liegt
und die Funktionalität wichtiger war als die
ästhetische Wirkung. Selbst in den neuen
Sanitärräumen – zuvor gab es keine in der
Werkstatt – regt die Atmosphäre des Safari
Studios die Kreativität von Goose an. Schnell
war man sich einig, dass die Sanitärräume in
schwarzen Tönen mit Sanitär-Ausstattung aus
Edelstahl gestaltet werden sollen. Die Einrich-
tung erinnert die Bandmitglieder an den retro-
futuristischen Stil, den sie so sehr mögen.
Wände wurden selbst schwarz gestrichen, die
Sanitärausstattung lieferte DELABIE: Wasch-
tische, Toiletten und Spiegel, allesamt kom-
plett aus Edelstahl. Auch bei ihren Gästen
sind die Sanitärräume das Highlight, in denen
echte Clubatmosphäre mitschwingt.

Photo DELABIE

  KUHFUSS DELABIE GmbH | Pariser Bogen 3 | D-44269 Dortmund | T +49/231/49 66 34-0 | info@delabie.de | www.delabie.de
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

Jede Menge Neues


Haustüren, Garagentorantriebe, Zaunsysteme, Pfostenantriebe und
mehr. Mit einer Vielzahl von Neuerungen verfeinert Wisniowski sein
Produktangebot 2019. Die Aluminium-Haustür Creo wird in 15 neuen
Designs angeboten. Neue Fingerabdruck-Lesegeräte ermöglichen
jetzt die „Gast“-Funktion. Der neue DoorLock-Einsatz von Somfy
erweitert den Komfort der Haustür. Das Angebot an Aluminiumtüren
und -fenstern wurde um die völlig neue Linie MB 104 Passive erwei-
tert. Der neue Garagentorantrieb Moto in Zusammenarbeit mit Somfy
wird über einen Handsender gesteuert und ermöglicht den An-
schluss von Lichtschranken oder Signallampen. Das Falttor
TRAFFIC, die ökonomische Version des Profitors V-King, ist für 250
Öffnungs-Zyklen pro Tag konzipiert und für kleinere Anlagen vorge-
sehen. Im Gardia-System können die Schiebetore nun bis zu sechs
Meter breit und zwei Meter hoch hergestellt werden. Die Serie
Modest ermöglicht Schiebetore bis fünf Meter Breite und über zwei
Meter Höhe. Neu ist auch das Vega B-Paneel, das an die Torkonstruk-
tionen aus 40 mal 40 Millimetern Profilen geschweißt wird. Zudem
haben alle Zaunsysteme drei neue Arten von Füllungen erhalten. Die
Tore PI 95, PI 130 gibt es jetzt besonders niedrig. In der Pro-Version
des Pfostenantriebes AWso 2018 ist der Pfostenantrieb doppelt so
effizient, serienmäßig mit Lichtschranken ausgestattet und auch in
Siedle Axiom
einer smart CONNECTED-Version verfügbar.
Intelligent Interior.
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Sicher die Tür im Blick, per Fingertipp
die Lichtstimmung wählen, mit oder
ohne Hörer telefonieren. Die Zukunft
der Gebäudekommunikation in ihrer
schönsten Form.

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Die Aluminium-Haustürserie Creo bietet umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten.


Der DoorLock-Einsatz erlaubt eine komfortable Steuerung der Haustür per Handy.  Photo Wiśniowski
Polen
Jenseits der westlichen Definitionshoheit
gibt es in Europa lebendige, optimistische
und zukunftsorientierte Gesellschaften,
die wesentlich experimentierfreudiger und
mindestens so human sind wie der euro-
päische Mainstream: Gute Gründe für ein
aktuelles Porträt der dynamischen Bau-
Szene im sechstgrößten EU-Land – so-
wohl nach Fläche als auch nach Einwoh-
nerzahl. Es ist ein Hoffnungsland.

Poland. Beyond western European sover-


eignty over the coining of definitions, in
Europe there are a lively optimistic and for-
ward-looking societies that are far more
ready to experiment and at least as hu-
mane as those in the European main-
stream: reason enough to make a current
portrait of the dynamic building scene in
the European Union’s sixth largest country,
both in terms of area and population. It is a
country of hope.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 55

What do we know about Poland? In 2008 an


exhibition in Adolph Stiller’s commendable
series in the Viennese Ringturm gave us the
first indications: for instance, of modernism’s
impressive will to assert itself despite the
most adverse conditions in the past cata-

W
as wissen wir über Polen? 2008 strophic century. Or of something special
gab uns eine Ausstellung der such as the boom in erecting memorials,
verdienstvollen Wiener Ringturm- which, given the country’s traumatic recent
Reihe von Adolph Stiller erste history, is certainly understandable.
Hinweise: Etwa auf den beeindruckenden In the intervening period the scene has devel-
Selbstbehauptungswillen der Moderne trotz oped to arrive at a kind of “normality”, as is
allerwidrigster Umstände im vergangenen shown by the current focuses on education,
Katastrophen-Jahrhundert. Oder auf business, resources and the world of private
Spezielles wie den Memorial-Bauboom, der life. In this regard the essay by our Poland
angesichts der traumatischen jüngeren correspondent Dominika Glogowski offers an
Geschichte nachvollziehbar ist. overview. In the reports we document four
Inzwischen hat sich die Szene zu einer Art representative current buildings. Pride of
„Normalität“ weiterentwickelt, wie sich an place is, of course, taken by education – in
ihren aktuellen Schwerpunkten der Bildung, this area Poland, following the triple trauma
des Gewerbes, der Ressourcen und der priva- of the partition of the country, the German
ten Lebenswelt zeigt. Der Essay unserer occupation in the Second World War, and the
Polen-Korrespondentin Dominika Glogowski Socialism that followed, has an enormous
bietet einen Überblick dazu. In den Reporta- interest in building up knowledge that brings
gen dokumentieren wir vier repräsentative with it independence, and in narratives that
aktuelle Bauten. An erster Stelle steht dabei create identity and freedom. The Silesian
natürlich die Bildung – gerade Polen hat hier University by Grupa 5 Architekci documents
mit dem dreifachen Trauma der Teilungen des this impressively. Economic success is also
Landes, der deutschen Besatzung im Zweiten an important aspect, which in the current
Weltkrieg und des nachfolgenden Sozialis- Polish boom ( a sensational 5.1 % growth last
mus ein enormes Interesse am Ausbau von year, compared to a meagre 1.8 % in the Euro-
Wissen, das unabhängig macht, sowie an zone) is fuelling the building industry: busi-
identitäts- und freiheitsstiftenden Erzählun- ness parks, office blocks and hotels represent
gen. Die Schlesische Universität von Grupa 5 this area, which JEMS Architekci addresses
Architekci dokumentiert das eindrucksvoll. at a very high level. Thirdly, the enormous
Dann geht es aber auch um den wirtschaft­ natural resources of the country are a build-
lichen Erfolg, der gerade im aktuellen polni- ing theme. The extensive Polish virgin forests
schen Boom (sensationelle 5,1 % vergangenes are well-known, but the northern slopes of
Jahr, gegenüber mageren 1,8 % in der Euro­ the High Tatra mountains also offer wonderful
zone) den Baubetrieb anfeuert: Wirtschafts- experiences of nature, which have been ap-
parks, Bürohäuser und Hotels stehen für propriately presented by 55 Architekci, for
diesen Bereich, den die JEMS Architekci auf example. Last but not least Poland is also
hohem Niveau bearbeiten. Drittens sind known as a country of individualists and
natürlich die enormen Natur-Ressourcen des original self-fulfilment – which is illustrated
Landes ein Bau-Thema. Berühmt sind die by a house by Robert Konieczny.
ausgedehnten polnischen Urwälder, aber
auch die Nordhänge der Hohen Tatra bieten
großartige Naturerlebnisse, die etwa von den
55 Architekci gebührend in Szene gesetzt
werden. Last not least ist Polen auch als Land
der Individualisten und originellen Selbstver-
wirklichungen bekannt – das illustriert ein
Wohnhaus von Robert Konieczny.
56 Polen
BAAS Arquitectura + Grupa 5
Architekci + Małeccy biuro projektowe

Krzysztof Kieślowski
Radio und Television-
Fakultät, Kattowitz
Diaphanie gebrannten Steins  Faszinierend durchscheinend, aber nicht
transparent setzte sich das neue Gebäude der Universität Kattowitz als
„friendly alien“ in ein raues, aber pittoreskes Quartier. Wo einst Kohle und
Stahl sowie als Baumaterial der hart gefügte Backstein des Industriezeit­
alters das Leben dominierten, erstreckt sich nun in einer kleinen Neben-
straße ein Haus bewusst rätselhafter Dimensionen und Nutzungen.
Photos Adrià Goula  Text Claus Käpplinger
58 Polen BAAS Arquitectura + Grupa 5 Architekci + Małeccy biuro projektowe

Weiterbauen statt Abreißen  Es ist ein 5.390 m2 gro­ phanen Gitterhülle aus gebranntem Stein zur Stadt hin. Das
ßes Haus, dessen wandlungsreichen Schichten und Materia­ verleiht der Komplexität des Raumprogramms der Film und
litäten es im wechselnden Licht eines Tages oder Jahres sehr TV-Fakultät eine unverwechselbare Präsenz im Stadtraum,
unterschiedlich mit seinem urbanen Umfeld kommunizieren weshalb dieses Projekt denn auch den Wettbewerb gewann.
lassen. Bizarr wirkt auf den ersten Blick sein Ort am Rande
des Kattowitzer Zentrums inmitten verfallender Wohnbauten Subtiles Gitterwerk  In den folgenden Jahren entwi­
der Wilhelmininischen Epoche, mit sehr einfachen Häusern ckelten Jordi Badia von BAAS Architectura, Rafał Grzelewski
und zumeist recht engen Lichthöfen. So bizarr, dass der 2011 und Rafał Zelent mit Małeccy biuro projektowe aus Kattowitz
ausgelobte offene Architekturwettbewerb für die Krzysztof das Projekt in höchst bemerkenswerter Weise fort. Umhüll­
Kieślowski-Fakultät eher eine Tabula Rasa-Lösung als einen te zum Wettbewerb noch eine vorgesetzte Hülle horizontaler
kontextuellen Neubau nahelegte. Nur eines unter 36 ein­ Keramiklamellen den Neubau, so erstreckt sich nun dort ein
gereichten Projekten verfolgte einen anderen Weg, in dem engmaschiges Gitterwerk aus vorgefertigten Keramik-Modu­
es nicht den Abriss, sondern ein Weiterbauen an der vor­ len, deren dunkles Rot viel eleganter an die Backsteine des
gefundenen städtebaulichen Struktur und die Integration ei­ Industriezeitalters anknüpfen und zugleich die Hülle unge­
nes alten kleinen Industriegebäudes ins neue Fakultätsgebäu­ mein leicht wie eine gewebte Textilie erscheinen lassen. Die­
de vorschlug. Viergeschossig zur Straße und zweigeschossig ser mächtige wie leichte Screen aus gebrannten Steinen ver­
im Block­inneren überzeugte das Gemeinschaftsprojekt von blüfft und zieht nun unweigerlich die Neugier vieler Passan­
BAAS Arquitectura aus Barcelona und Grupa 5 Architekci aus ten in der kleinen Pawla Strasse auf sich, die über dieses ganz
Warschau vor allem mit seiner beeindruckenden Vielfalt von unerwartete Monument unbekannten Zwecks ins Rätseln ge­
Höfen, Wegen und Raumfolgen sowie einer mächtigen dia­ raten. Abends, wenn das Licht der Fakultätsräume in den
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 59

Straßenraum hinaus leuchtet, kann man jedoch erkennen,


was sich hinter der Hülle befindet, nämlich großzügig bemes­
sene Seminarräume, Hörsäle und eine leuchtend weiße Bib­
liothek mit vielen jungen NutzerInnen. Tagsüber animieren
zwei markante wie verführerisch gesetzte Einschnitte in der Substraktiv aus dem
Volumen des Gebäudes
Hülle dazu, die Schwellen dieses Hauses zu überschreiten, ausgeschnitten, emp-
die zum Haupteingang oder zu Tiefgarage und Anlieferungs­ fängt am Hauptein-
hof der Fakultät führen. Subtraktiv ausgeschnitten aus dem gang eine elegant um-
hüllende Vorplatz-
Volumen des Gebäudes, empfängt am Haupteingang eine ele­ Nische mit einladender
gant umhüllende Vorplatz-Nische mit einladender Sitzbank
die Besucher. In ihrer räumlichen und materiellen Ausfüh­
Sitzbank die Besucher 
At the main entrance BAAS
rung erinnert sie unweigerlich an die Werke von Carlo Scarpa
visitors are received by
an elegantly sheltering Arquitectura
oder Alvar Aalto. forecourt niche, which
is cut out of the vol- Jordi Badia
ume of the building Geboren/born 1961 Studium/
Kreuzgang und Patio  In die viel optimistischere, ja hei­ and has an inviting education Universitat Politècni-
tere Moderne der 1950er Jahre fühlt man sich im Inneren des bench seat ca de Catalunya (ETSAB), Bar-
Gebäudes versetzt, das immer wieder Richtungswechsel der celona/ES (Diplom/graduated
in 1989) Lehrtätigkeit/teaching
Bewegung nahe legt und immer wieder die Fügung seiner assignments seit/since 2001
Räume in tief gestaffelten Sequenzen mit fließenden Über­ Universitat Politècnica de
gängen zwischen Innen und Außen zu erkennen gibt. Mate­ Catalunya, Barcelona/ES,
2009–2013 Escola Internacio-
nal de Catalunya, Barcelona/ES,
1994–2001 Polytechnic Univer-
sity of Catalonia, Barcelona/ES

Büro/office
Seit/since 1994, Barcelona/ES

Werke (Auswahl)/
projects (selection)
Bürogebäude/office building
Poblenou, Barcelona/ES 2018
Fakultät für Radio und Fern­
sehen/Faculty of Radio and
Television, Schlesische Univer-
sität/University of Silesia, Kato-
wice/PL 2017 (mit/with Grupa 5
Architektci, MAŁECCY biuro pro-
jektowe), Forschungszentrum/
research centre Barcelona
Supercomputing Center, Barce-
lona/ES 2015, Schule/school
Montserrat Vayreda, Roses/ES
2015, Kindergarten La Remun-
ta, Sanierung/refurbishment,
L’Hospitalet/ES 2014
Wohngebäude/residential
house La Feixina, Palma de
Mallorca/ES 2014
Bürogebäude/office building
Alta Diagonal, Sanierung/refur-
bishment, Barcelona/ES 2013
Schulgebäude/school building
Sant Josep School, Sant Vicenç
dels Horts/ES 2011
Gesundheitszentrum/health
centre Progrés-Raval,
Badalona/ES 2010
Museum Can Framis,
Barcelona/ES 2009

Preise (Auswahl)/
awards (selected)
Mies van der Rohe Award 2019
(Shortlist)
FAD Award 2019
BRYLA AWARD 2017
SARP Award of the Year 2017


www.baas.cat
60 Polen BAAS Arquitectura + Grupa 5 Architekci + Małeccy biuro projektowe

riell ein Vierklang aus stählernen Kreuzstützen, wandlungs­


Grupa 5 reichen Backsteinverbänden, geschichteten gläsernen Screens
und Lärchenholzelementen, fühlt man sich hier immer woh­
Architekci lig aufgehoben und zugleich zur Bewegung zu den weiteren
Über vier Geschosse Räumen der Fakultät animiert: Zu Entdeckungen wie etwa
Mikołaj Kadłubowski erstreckt sich ein ge- dem großen Außenhof, der mit seinen umlaufenden Wegen,
waltiger Treppenraum
als kommunikatives
Patios und Oberlicht-Einschnitten auf verschiedenen Ebenen
Rückgrat der Schule, nicht von ungefähr an einen Kreuzgang erinnert – und hier
an den sich nicht nur zudem noch auf sehr vielfältige Weise mit den vielen kleinen
Gänge, sondern immer
wieder einladende
Lichthöfen des Quartiersblocks räumlich visuell verwoben ist.
Sitzbänke anschließen 

Geboren/born 1971, † 2013


A mighty staircase hall Bühne für das Lernen  Diaphan zu Straße und Himmel,
extends through four
Studium/education University
storeys and forms the
aber transparent und höchst durchlässig zum Hof hin erweist
of Waterloo/CA, TU Warsaw/PL sich das Fakultätsgebäude, dessen hohe Rückseite aus Kos­
communicative spine
(Diplom/graduated in 2008)
of the school to which tengründen nicht wie ursprünglich geplant die gleiche Hülle
not only corridors but
Rafał Zelent inviting benches are
erhielt. Sondern eine auftreppende Glasfassade mit mächti­
docked gen Stahlschwertern, die dem Ganzen noch eine gewisse in­
dustrielle Anmutung verlieh, aber nun vor allem junge Men­
schen auf dem Weg zu ihren Arbeitsstätten inszeniert. Über

Geboren/born 1969 Studium/


education TU Warsaw/PL
(Diplom/graduated in 1998)

Krzysztof Mycielski

Geboren/born 1968 Studium/


education TU Warsaw/PL
(Diplom/graduated in 1996)
Lehrtätigkeit/teaching
assignments 2009–2018 Uni-
versity of Technology Lublin/PL,
2017 TU Warsaw/PL

Büro/office
Seit/since 1998 in Warsaw/PL

Werke (Auswahl)/
projects (selection)
Bürogebäude/office building
Piękna street, Warsaw/PL 2018
Fakultät für Radio und Fernse-
hen/Faculty of Radio and Tele-
vision, Schlesische Universität/
University of Silesia, Katowice/
PL 2017 (mit/with BAAS,
MAŁECCY biuro projektowe)
Krankenhaus/hospital
Swissmed, Warsaw/PL 2011

Preise (Auswahl)/
awards (selected)
Mies van der Rohe Award 2019
(Shortlist)
SARP Award of the Year 2003,
2007, 2017
BRYLA AWARD 2017


www.grupa5.com.pl
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 61

vier Geschosse erstreckt sich dort ein gewaltiger Treppenraum Kulturaustausch, der in der Geschichte Polens und des nahen
als kommunikatives Rückgrat der Schule, an den sich nicht Krakau vielfältige Vorläufer besitzt und nun in Kattowitz um
nur Gänge, sondern immer wieder auch einladende Sitzbänke eine sehr moderne Variante ergänzt wurde. Zum Anfassen, ja
zum Verweilen anschließen. Tief gestaffelt sind alle Raumse­ sogar zum Streicheln animieren so immer wieder die vielfäl­
quenzen u.a. mit großen gläsernen Raumteilern, die manche tigen Oberflächen des Gebäudes, aber auch des Mobiliars, das
gefangene Einzelbüros für die Lehrenden ohne direkten Kon­ die Architekten oft selbst gestalten konnten. Und selbst der
takt zum Außenraum unerwartet lichterfüllt und großzügig harte und raue Backstein erscheint an ihrem Gebäude kost­
erscheinen lassen. Doch auch hinter vielen geschlossenen Tü­ bar haptisch, mehr einem gewobenen Stoff ähnlich als einer
ren tun sich in Kattowitz immer wieder überraschend gelun­ amorphen Masse. Hergestellt in einem alten, nahen regiona­
gene Raumgestaltungen wie etwa ein Kino auf. So kann man len Ringofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, zeigt der
gut verstehen, warum dieses Gebäude bereits viele Architek­ Patoka-Backstein vielgestaltige Narben und Farben, irisiert
turpreise gewann und auch auf die Shortlist des diesjährigen wild, wölbt und bläht sich auf. Höchst kostbaren alten Tep­
Mies Awards kam. pichen ähneln diese Backsteine, die sich von der Glätte der
Glas- und Holzelemente deutlich abheben und die Dekanin
Kostbar haptischer Patoka-Backstein  Ein liebens­ Krystyna Doktorowicz vorbehaltlos zum Schwärmen über das
werter „friendly alien“ ist die Krzysztof Kieślowski-Fakultät, geschaffene Werk bringen. Den Architekten Jordi Badia, Rafał
die in einer spanisch-polnischen Kooperation entstand und Grzelewski, Rafał Zelent und Wojciech Małeccy gelang nicht
zwei Kulturkreise, das Mittelmeer und das östliche Mitteleu­ nur ein Kleinod, sondern sie schufen auch viele sehr kommu­
ropa, symbiotisch verschmelzen lässt. Durchaus kein fremder nikative Orte, die einen Mies Award durchaus verdient hätten.
62 Polen BAAS Arquitectura + Grupa 5 Architekci + Małeccy biuro projektowe

Krzysztof Kieślowski Continuing building rather than demolition The


building measures 5.390 m2, its different layers and materials

Radio and Television allow it to communicate with its urban surroundings in very
different ways in the changing light over the course of a day

Faculty, Katowice or a year. At first glance its location on the edge of the cen­
tre of Katowice, amidst decaying Wilhelmine housing made
up of very simple buildings with generally extremely narrow
Diaphanous shell of fired bricks Fasci- light wells, seems bizarre. So bizarre, in fact, that the architec­
natingly translucent but not transparent, ture competition for the Krzysztof Kieślowski Faculty set up in
the new building for the University of 2011 suggested a tabula rasa solution rather than a contextu­
al new building. Only one of the 36 projects submitted took a
Katowice is placed as a “friendly alien” in
different path in that, instead of demolition, it proposed con­
a rough, but picturesque district. Where tinuing building the existing urban structure and integrating a
once coal and steel and industrial brick- small old industrial building in the new faculty. Four storeys
work as a construction material domi- high on the street side and two in the interior of the block, the
nated life, today, on a small side street, joint project by BAAS Arquitectura from Barcelona and Grupa
there stands a building of deliberately 5 Architekci from Warsaw convinced above all through its im­
pressive variety of courtyards, routes and sequences of spaces
puzzling dimensions and functions.
and the powerful diaphanous lattice of fired brick elements
that faces the city. This gives the complexity of the brief for
the radio and TV faculty building an unmistakable presence in
urban space, which is why this project won the competition.

Subtle latticework  In the years that followed their com­


petition success Jordi Badia from BAAS Arquitectura, Rafał
Grzelewski and Rafał Zelent with MAŁECCY biuro projektowe
from Katowice developed the project further in a most remark­
able manner. Whereas in the competition entry an envelope of
horizontal brick louvers was placed in front of the new build­
ing, now there is a close-meshed latticework of prefabricated
brick modules, whose dark red colour far better harmonises
with the brickwork of the old industrial building and at the
same time makes the envelope seem exceptionally light, almost
like a woven textile. This amazing, powerful and light screen of
fired bricks now draws almost automatically the curious gazes
of many passers-by in narrow Pawla Street, who are puzzled
by this entirely unexpected monument with an unknown func­
tion. In the evening, when the light of the faculty rooms spills
into the street space, one can recognize what lies beyond the
shell, namely generously sized seminar rooms, lecture halls
and a gleaming white library with many young users. During
the day people are encouraged to cross the threshold of this
building by two striking and seductively placed incisions in the
shell that lead to the main entrance or to the underground ga­
rage and the deliveries yard of the faculty. At the main entrance
visitors are received by an elegantly sheltering forecourt niche,
which is cut out of the volume of the building and has an in­
viting bench seat: in terms of space and materials it involun­
tarily brings to mind the work of Carlo Scarpa or Alvar Aalto.

1
Die vielfältigen Oberflächen des Gebäudes, aber auch des Mobiliars, das
die Architekten oft selbst gestalten konnten, animieren immer wieder
zum Anfassen  The different surfaces of the building impel one to touch,
as do the fittings, many of which were designed by the architects

2
Hergestellt in einem alten Ringofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts,
zeigt der Pakota-Backstein vielgestaltige Narben und Farben, irisiert
und bläht sich auf  Produced in a nearby old ring kiln dating from the
mid-19th century, the Patoka brickwork shows a variety of scars and
1
colours, iridises, bulges and swells
MAŁECCY
biuro
projektowe
Joanna Małecka
Geboren/born 1971 Studium/
education Silesian University of
Technology, Gliwice/PL (Diplom/
graduated in 1997)

Wojciech Małecki
Geboren/born 1971 Studium/
education Silesian University of
Technology, Gliwice/PL (Diplom/
graduated in 1995)

Büro/office
Seit/since 1997 in Katowice/PL

Werke (Auswahl)/
projects (selection)
Fakultät für Radio und Fern­
sehen/Faculty of Radio and
Television, Schlesische Univer-
sität/University of Silesia, Kato-
wice/PL 2017 (mit/with BAAS,
Grupa 5 Architektci)
Polnisches Institut/Polish Insti-
tute, St. Petersburg/RU 2017
Sportzentrum/sports centre
Bażantowo Sport, Katowice/PL
2013
Republic of Poland
Ambassador’s Residence,
Stockholm/SE 2013
Wohnsiedlung/residential
complex Modernist Enclave,
Katowice/PL 2010–2014

Preise (Auswahl)/
awards (selected)
Mies van der Rohe Award 2019
(Shortlist)
PLGBC Green Building Award
2018
SARP Award of the Year 2018
Silesian Best Public Space
2018


www.maleccy.com

2
64 Polen BAAS Arquitectura + Grupa 5 Architekci + Małeccy biuro projektowe

1
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 65

Cloister and patio  Inside the building you feel trans­ have direct contact to the outside seem unexpectedly gener­
ported back to the far more optimistic, indeed cheerful mod­ ous and bright. But in Katowice behind many closed doors,
ernism of the 1950s. As one moves through the building a too, one repeatedly comes across surprisingly successful spa­
change of direction is repeatedly suggested and reveals the tial designs such as a cinema. It is therefore easy to under­
layout of the rooms in deep staggered sequences with flow­ stand why this building has already won many architecture
ing transitions between inside and outside. In terms of mate­ prizes and was shortlisted for this year’s Mies Award.
rials there is a harmony of cruciform steel columns, different
brick bonds, layered glass screens and larch elements; one Precious, tactile Patoka bricks  The Krzysztof Kieślowski
feels comfortable here and at the same time is encouraged Faculty building is a likable “friendly alien”, the product of
to move to the other rooms of the faculty: to make discover­ Spanish-Polish cooperation which symbiotically blends two
ies such the large outer courtyard which with its peripheral cultural areas: the Mediterranean and eastern Central Europe.
walkways, patios and incised roof lights on various levels is, This cultural exchange is not something foreign and has many
not without reason, reminiscent of a cloister – and which, in precedents in the history of Poland and of nearby Cracow;
a variety of ways, is visually interwoven with the many small now a very modern version has been added in Katowice. The
existing lightwells in the urban block. different surfaces of the building impel one to touch, or in­
deed even stroke them, as do the fittings, many of which were
Stage for learning  The faculty building is diaphanous designed by the architects. And in this building even the hard,
towards the street and the sky, but transparent and highly rough brickwork appears preciously tactile, more like a wo­
permeable towards the courtyard. For cost reasons its tall ven fabric than an amorphous mass. Produced in a nearby old
rear side was not given the same shell, which was originally ring kiln dating from the mid-19th century, the Patoka brick­
planned, but has an upward stepping glass facade with pow­ work shows a variety of scars and colours, iridises wildly,
erful steel fins that lends the whole building a certain indus­ bulges and swells. Not unlike costly old carpets, these bricks
trial feel, and, above all, theatrically presents young people differ clearly from the smoothness of the glass and timber el­
on the way to their workplace. A mighty staircase hall extends ements and cause Dean Krystyna Doktorowicz to enthuse un­
through four storeys and forms the communicative spine of reservedly about the completed work. Here architects Jordi
the school to which not only corridors but, repeatedly, in­ Badia, Rafał Grzelewski, Rafał Zelent and Wojciech Małeccy
viting bench seats are docked. All the spatial sequences are have not only succeeded in producing a gem but have also
deeply staggered, in places with large glazed room dividers, created numerous very communicative places that would cer­
which make some of the single offices for teachers that do not tainly have deserved a Mies Award.

1 2
Die leuchtend weiße Bibliothek der Krysztof Kieślowski Fakultät hat Doch auch hinter vielen verschlossenen Türen tun sich in Kattowitz
inzwischen schon viele junge NutzerInnen  The gleaming white library of immer wieder überraschend gelungene Raumgestaltungen wie etwa ein
the Krysztof Kieślowski Faculty in the meantime has already many Kino auf  Behind closed doors, too, one repeatedly comes across
young users surprisingly successful spatial designs such as a cinema

2
66 Polen BAAS Arquitectura + Grupa 5 Architekci + Małeccy biuro projektowe

4 6

0 5 10

s 01

3 5
0 5 10
0 5 10

s 02

1
Grundriss EG  Ground floor plan

2
Grundriss 1. OG  Level 01

3
Grundriss 2. OG  Level 02

2 4
Grundriss 3. OG  Level 03

5–6
Schnitt  Section

7
Axonometric view  Axonometrie

8
Lageplan  Site plan

0 5 10

1
0 5 10

1 5 10 m
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 67

Krzysztof
Kieślowski Radio und
Television-Fakultät 
Św. Pawła 6, Kattowitz, Polen

Grundstücksfläche
site area: 2.258 m²

Nutzfläche floor
area: 4.806 m²

Bebaute Fläche
built-up area: 7.035 m²

Umbauter Raum
cubage: 26.668 m³

Planungsbeginn start
of planning: 2011

Baubeginn start of
construction: 2014

Fertigstellung
completion: 2017/2018

Baukosten building
costs: 38.500.000 PLN

Kosten pro m² cost


per m²: 8.010 PLN/m²
7
Bauherr client: Schlesischen
Universität, Kattowitz

Generalunternehmer
building contractor:
Mostostal Zabrze Gliwickie
Przedsiebiorstwo Budownictwa
Przemysłowego S.A.

Planung planning:
BAAS arquitectura, Grupa 5 Fenster windows:
Architekci, MALECCY biuro OPEUS Sp. z o.o.
projektowe
Türen doors: DEWRO Sp. z o.o.
Projektleitung project
manager: Joradi Badia, Mikołaj sonstige Baustoffe other
Kadłubowski, Rafał Zelent, building materials: PATOKA
Wojciech Małecki Sp. z o.o., FORNIT Sp. z o.o.

Mitarbeiter assistance: Elektroinstallationen


Alba Azuara, Jordi Framis; electrical services:
Mikołaj Kadłubowski, Krzysztof BUDOMONT-7 Sp. z o.o.
Mycielski; Joanna Małecka,
Anna Siwińska HLK+ Sanitär HVAC+ sanita-
tion: Mostostal Zabrze
Statik structural consultant: Gliwickie Przedsiebiorstwo Bu-
Pracownia Inżynierska Czesław downictwa Przemysłowego S.A.
Hodurek
Aufzug elevators: Mostostal
Landschaftsplanung lands- Zabrze Gliwickie Przedsie-
cape planning: BAAS arquitec- biorstwo Budownictwa
tura, Grupa 5 Architekci, Przemysłowego S.A.
MALECCY biuro projektowe
Lichtplanung/-ausstattung
Fassade facade: NOVA Sp. z o.o. lighting planning/fittings:
QLAB Laboratory of Light
Dach roof: Mostostal Zabrze
Gliwickie Przedsiebiorstwo Bu- Böden flooring:
downictwa Przemysłowego S.A. Mostostal Zabrze Gliwickie
Przedsiebiorstwo Budownictwa
Mauerwerk masonry: Przemysłowego S.A.
Mostostal Zabrze Gliwickie
Przedsiebiorstwo Budownictwa Möbel furnishings:
Przemysłowego S.A. FORNIT Sp. z o.o.

8
68 Polen

JEMS Architekci

Bürokomplex Pixel,
Posen, und P4/Vienna
House Hotel, Warschau
Zwischen Wohnen und Arbeiten  Mit mehr als 20 Jahren
Erfahrung und tausenden Quadratmetern gebauter Nutzfläche
zählen JEMS Architekci zu den renommiertesten polnischen
Architekturbüros. Die Gebäude P4 und Pixel zeigen beispielhaft
ihr Gefühl für Kontextualisierung, Neuadaption und
Typologie-Update.
Photos Juliusz Sokolowski 
Text Dominika Glogowski
70 Polen JEMS Architekci

Das Spiel mit verpixelter Architektur – also gegeneinander versetzten Modulen – erinnert an holländische Beispiele wie das multifunktionale Gebäu-
de Timmerhuis von OMA oder Realisierungen von BIG und MVRDV  The game played with pixelated architecture – i. e. modules staggered in relation to
each other – recalls Dutch examples such as the multifunctional building Timmerhuis by OMA or buildings realized by OMA and MVRDV

Stadt-Augmentierung  Eine gläserne, 80 m lange Fassa­ den Patio einander zugewandt sind. JEMS greifen dabei auf
denwand schmiegt sich in Posen an die vielbefahrene Grun­ eines ihrer eigenen Projekte von 2008 zurück, den Platinium-
waldzka-Allee. Die 33 m hohe transparente und spiegelnde Bürobau in Warschau. Auch hier waren fünf aufeinander ori­
Straßenseite schirmt den eigentlichen Kern des Pixel-Bürokom­ entierte Objekte geplant. Aufgrund mangelnder Investitionen
plexes vom Stadtgeschehen ab. Erst im Innenhof nimmt der konnte aber nur ein Teil davon realisiert werden. Mit Pixel ent­
Besucher einen rhythmischen Typologiewechsel wahr. Dort lö­ stand nun das erste Mal ein micro-urbaner Masterplan dieser
sen die Architekten das einheitlich wirkende Äußere in leicht Stadt-augmentierenden Prägung und Dimension. Dem ersten
vor- und zurückversetzte 7×8 m-Kuben auf. Diese durchdrin­ Gebäude von 2013 folgten vergangenes Jahr die letzten beiden.
gen die Fassade und beleben so das Erscheinungsbild. Die
zweigeschossigen, mit Holz verschalten Loggien bringen das Symbolischer Typologiewechsel  Das Spiel mit ver­
Grün des Umlandes auf Terrassen bis ins oberste Geschoss. Der pixelter Architektur – also gegeneinander versetzten Modu­
Baukörper integriert sich so in die urbane Struktur, die rings­ len – erinnert an holländische Beispiele wie das Terrassenhaus
um von Wohnbauten geprägt ist. Der Gesamtkomplex zeigt von NL Architects in Frankfurt, das multifunktionale Gebäu­
fünf rechteckige Gebäude in unterschiedlicher Größe, die um de Timmerhuis von OMA oder Realisierungen von BIG und

1
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 71

MVRDV. Letztere eröffneten 2017 – ebenfalls in Posen und zu verstehen. Jung, dynamisch, transparent und open space
mit dem gleichen Investor Garvest & Vox Group – das expres­ soll das working environment sein, das hier angestrebt wird.
sive Bürogebäude Bałtyk. JEMS gelingt jedoch eine subtile Art So kommunizieren die Baukörper nicht nur miteinander, son­
des Typologie-Updates zwischen Vorder- und Rückseite. Wäh­ dern mittels Durch- und Ausblicke auch innerhalb ihrer eige­
rend die Straßenfront eindeutig als Bürobau charakterisiert ist, nen Struktur. Während jedoch diese ökonomische Flexibilität
lösen sich eindeutige Funktionen im Patiobereich scheinbar beim Büro­haus Pixel hauptsächlich symbolisch ausgedrückt
auf und ermöglichen Neuinterpretationen bis hin zum Wohn­ ist, wurde sie beim Projekt P4 in Warschau praktische Realität.
haus. Das Gebäude bleibt so elastisch und jederzeit adaptier­
bar. Ein wesentlicher Ausgangspunkt dafür war der Wunsch, Vom Server zum Büro zum Hotel  Ursprünglich ent­
in einem menschengerechten Maßstab zu bauen: Laut Archi­ worfen als ein Serverzentrum, durchlief das Projekt P4 näm­
tekt Marcin Sadowski, federführender Entwerfer bei diesem lich einige Adaptierungen, ehe es 2018 schließlich als Vienna
Projekt, sollten „kameralne uczucia“ angesprochen werden, House Hotel einer international agierenden österreichischen
also gemeinschaftliche Gefühle. Diese sind auch hinsichtlich Hotelkette eröffnet werden konnte. Inmitten eines ehemali­
des Hauptnutzers der Gebäudes, dem Internetriesen Allegro, gen Industriegebietes sollte das Gebäude als Vorzeigemodell

2
72 Polen JEMS Architekci

1 2

für „Computerarchitektur“ einer Serverfarm dienen und den Wie ein Halbkreis umschließt das Konstrukt so den Innen­
entsprechenden Nischenmarkt ansprechen. Dafür war es vi­ hof und bietet ein fast intimes Ambiente. Letzteres entsteht
brationsarm gelagert, mit stetiger Stromzufuhr und haustech­ auch durch die Massivität der Bauten und die regelmäßige
nisch an den hohen Temperaturausstoß der Geräte angepasst. Rasterung ihrer Fassaden. Stahlbeton, Betonfertigteil-Fassa­
Nach einem Investorenwechsel wurde der bunkerartige stra­ denelemente sowie dreieckförmige Betonstützen ergeben ein
ßenseitige Bau neu als 25 m hohes Bürogebäude konzipiert elegant-brutalistisches Sicherheitsgefühl. Während die ers­
und rückseitig durch zwei rechteckige Baukörper ergänzt. ten Versionen des Pixel-Projekts ebenfalls mit Betonpfeilern
Letztere sind aufgrund des Sonnenlichteinfalls und mit Rück­ spielten, erfährt dieses Motiv bei P4 eine gänzlich andere In­
sicht auf die umliegende Nachbarschaft lediglich 16 m hoch. terpretation: „Mordor“ – angelehnt an J. R. R. Tolkiens apoka­
Um dabei so wenige Quadratmeter wie möglich zu verlieren, lyptischen Ort – nennt der sarkastische Volksmund das Quar­
vollführt das Gebäude eine wahre Volte: Sie kragen geschoss­ tier im südlichen Warschau. Moderne Bürobauten drängen
weise in den Zwischenpatio vor, der Schwung wird von der sich hier dicht an dicht mit ehemaligen Industriehallen, da­
kaskadenartigen Grünfläche und den Stufen aufgefangen. zwischen fließt ein dichter, nie versiegender Verkehrsstrom.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 73

1 2
Die 33 m hohe transparente und spiegelnde Straßenseite schirmt den Foyer des Projekts Pixel, mit dem zum ersten Mal ein micro-urbaner
eigentlichen Kern des Pixel-Bürokomplexes vom Stadtgeschehen ab  The Masterplan dieser Stadt-augmentierenden Prägung und Dimension ent-
33-metre-high, transparent and reflective street front, screens the core stand  Foyer of the project Pixel, which represents the first realisation of a
of the Pixel-office complex from the bustle of the city mircro-urban master plan of a character and size that augments the city

Inspiration Tessin  Eben jene Hallen dienten Architekt interpretiert und ästhetisch neu gelebt. Die mehrfache Re­
Sadowski als Kontextualisierungsansatz. Er war auch bei die­ konzeptualisierung des Gesamtareals scheint noch nicht ab­
sem Projekt federführend und lebte hier seine offensichtli­ geschlossen zu sein. Der niedrigere Bauteil wurde nun zum
che Vorliebe für die Tessiner Architektur von Livio Vacchini Apartmenthotel umgeplant. Man könnte fast meinen, JEMS
aus. Nach einer neuerlichen Adaption vom Bürohaus zum habe die Theorie der offenen Form des polnischen Künstlers
Hotel bietet die Sichtbetonstruktur mit den raumhohen Ver­ Oskar Hansen verinnerlicht: Interaktion mit dem Umfeld und
glasungen nun atypische, innovative Unterkünfte. Die Plasti­ Kontext ergeben dabei den eigentlichen Sinn eines architek­
zität und Schwere des Materials dominiert innen wie außen. tonischen Objekts. Übertragen in die zeitgenössische Epoche
Der Ehrgeiz zur Realisierung einer Bau-Ikone ist hier durch­ wird dieser durch die Einbettung in eine sich stetig ändernde
aus spürbar, Architekturgeschichte wird zeitgenössisch um­ marktwirtschaftliche Realität erweitert.
74 Polen JEMS Architekci

Ursprünglich als ein Serverzentrum geplant, durchlief das Projekt P4 einige


Adaptierungen, bevor es 2018 als Vienna House Hotel eröffnet werden konnte 
Originally designed as a server centre, the project P4 went through a number of
adaptions before it was finally opened in 2018 as the Vienna House Hotel
75

Pixel office complex,


Poznań and P4/
Vienna House Hotel,
Warsaw
Between living and working With
more than 20 years’ experience and
thousands of square metres of usable
floor area, JEMS Architekci are among
the best-known Polish architecture
practices. The buildings P4 and Pixel JEMS
offer excellent examples of their sensi- Architekci
tivity in the areas of contextualization, Olgierd Jagiełło,
adaptation and typology update. Maciej Miłobędzki,
Marcin Sadowski,
Jerzy Szczepanik-
Dzikowski, Paweł
Natkaniec
Büro/office
Augmenting the city  A glazed, 80-metre-long facade Seit/since 1988 in Warsaw/PL

wall stretches along the busy Grunwaldzka Street in Poznań. Werke (Auswahl)/
The 33-metre-high, transparent and reflective street front projects (selection)
screens the core of the Pixel office complex from the bustle of Hotel PURO, Warsaw/PL 2019
Hotel Vienna House Mokotów,
the city. It is only when in the internal courtyard that the vis­ Warsaw/PL 2019
itor registers the rhythmical change of typology. There the ar­ Bürogebäude/office complex
chitects dissolved the apparently uniform exterior into cubes Pixel, Poznan/PL 2018
Hotel Marriott Renaissance,
measuring 7×8 metres that project or recede slightly. These Warsaw/PL 2018
penetrate the façade, enlivening the appearance. The two-sto­ Wohn- und Bürogebäude/
rey wood-clad loggias bring greenery from the surroundings residential and office complex,
Browary Warszawskie, Warsaw/
on to the terraces and are repeated right up to the topmost PL 2018
floor. This enables the building to integrate itself in the urban Koszyki Market Hall,
structure, which is shaped by the housing blocks all around Rekonstruktion und Erweite-
rung/reconstruction and
it. The complex as a whole consists of five rectangular build­ extension, Warsaw/PL 2016
ings of different sizes, which face each other around the pa­ Bürogebäude/office building
tio. Here JEMS made use of one of their own projects dating Capital Park, Warsaw/PL 2015
Internationales Konferenzzen­
from 2008, the Platinum office building in Warsaw. There, trum/international conference
too, five buildings facing each other were planned. Due to centre, Katowice/PL 2015
a shortage of investment funding, however, only part of this The Raczynski Library, Erweite-
rung/extension, Poznan/PL
project could be implemented. Pixel represents the first real­ 2013
isation of a micro-urban master plan of a character and size Herbert Hoover Square,
that augments the city. The first building was erected in 2013 Warsaw/PL 2008
Firmensitz/headquarter Agora
and last year it was followed by the final two. Media Group, Warsaw/PL 2002

Symbolic change of typology  The game played with Preise (Auswahl)/


awards (selected)
pixelated architecture – i. e. modules staggered in relation Architectural Prize of the Mayor
to each other – recalls Dutch examples such as the stepped of Warsaw 2002, 2016
building by NL Architects in Frankfurt, the multifunctional Association of Polish Architects
Award of the Year 2015
building Timmerhuis by OMA, or buildings realised by BIG Silesia Architecture of the Year
and MVRDV. In 2017 the latter firm opened the expressive 2015
Bałtyk office building – also in Poznań and with the same in­ SARP Honorary Award 2002

vestor, the Garvest & Vox Group. However, JEMS have suc­
ceeded in making a subtle kind of typology update between www.jems.pl
the front and rear of their building. While the street front is
76

clearly identifiable as an office building, in the patio area this From server to office to hotel  Originally designed as
functional unambivalence seem to dissolve making other in­ a server centre, the project P4 went through a number of ad­
terpretations appear conceivable, even perhaps a residential aptations before it was finally opened in 2018 as the Vienna
building. In this way the building remains elastic and adap­ House Hotel, part of an internationally active Austrian hotel
tations are possible at any time. An important starting point chain. In what was once an industrial area the building was
here was the the wish to build at a human scale: according originally intended to serve as a model for “computer archi­
to architect Marcin Sadowski, who headed the design team tecture” of a server farm and to appeal to the relevant niche
on this project, the aim was to make an appeal to “kamer­ market. On this account it was erected on a low vibration
alne uczucia”, i. e. communal feelings. Given that the main base, had a constant power supply and the building servic­
user of the building is the Internet giant Allegro, this is under­ es were adapted to deal with the high temperatures produced
standable. The working environment aimed for here was to by the appliances. After a change of investor, the bunker-like
be young, dynamic,transparent and open Consequently, the street side building was reconceived as a 25-metre-high of­
building volumes not only communicate with each other but, fice building and two rectangular volumes were added at the
through views across and outside, also within their own struc­ rear. The latter are only 16-metres high to allow sufficient
ture. While in the Pixel office building this economic flexibil­ sunlight to enter and out of consideration for the surrounding
ity is primarily expressed symbolically, in the P4 project in neighbourhood. In order to lose as few square metres of floor
Warsaw it became a practical reality. area as possible, the building made a real volte-face: step­
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 77

ping forward from below, it penetrates the intermediate pa­ and here he clearly indulged his fondness for the Ticino ar­
tio, the movement is caught by cascading green areas and by chitecture of Livio Vacchini. After a further adaptation from
the steps. The construction surrounds the internal courtyard office building to hotel the exposed concrete structure with
Like a semi-circle and offers an almost intimate ambiance. the full-height glazing now offers atypical, innovative accom­
The latter is also produced by the solidity of the buildings modation. The sculptural quality and weightiness of the ma­
and the regular grids of their facades. Reinforced concrete, terial is dominant, inside and out. The ambitious goal to erect
precast concrete façade elements and triangular concrete col­ an iconic building is here very tangible, architecture history
umns produce an elegantly brutalist sense of security. While is reinterpreted in a contemporary way and with a new aes­
the first versions of the Pixel project also played with con­ thetic experience. It seems that the multiple recontextualiza­
crete piers, in P4 this motive was interpreted in a very dif­ tion of the entire site has not yet been completed. The low­
ferent way: this district in southern Warsaw is popularly and er building was recently redesigned as an apartment hotel.
sarcastically called “Mordor” – a name borrowed from J. R. R. Its terraced form at the back clearly expresses this adapta­
Tolkien’s apocalyptic place. Here modern office buildings are tion. One is almost led to believe that JEMS have internal­
crammed side by side with former industrial sheds, between ized the theory of the open form from Polish artist Oskar
them the dense traffic flows unceasingly. Hansen: interaction with the surroundings and context pro­
duce the actual meaning of the architectural object. Trans­
Inspiration from Ticino  It was precisely these indus­ ferred to the present epoch this understanding is expanded
trial sheds that served architect Sadowski as an approach to by being embedded in the constantly changing reality of the
contextualization. He was the director of this project, too, market economy.

1 2
Nach einer weiteren Adaption bietet die Sichtbetonstruktur mit den Stahlbeton, Betonfertigteil-Fassadenelemente und Betonstützen
raumhohen Verglasungen nun als Hotel atypische, innovative Unterkünfte  er­geben ein elegant-brutalistisches Sicherheitsgefühl  Reinforced con-
After a further adaption to hotel the exposed concrete structure with crete, precast concrete facade elements and triangular concrete col-
full-height glazing now offers atypical, innovative accomodations umns produce an elegantly brutalist sense of security  Photo Tomasz Japa

2
78 Polen JEMS Architekci

Pixel 
Grunwaldzka 182, Konzeptskizze  Concept sketch
Posen, Polen

Grundstücksfläche site
area: 25.600 m²

Nutzfläche floor area:


14.300 m² (Pixel 1)
8.900 m² (Pixel 2)
8.100 m² (Pixel 3)
8.600 m² (Pixel 4)
7.800 m² (Pixel 5)

Bebaute Fläche
built-up area: 47.700 m²

Bebaute Fläche
built-up area: 10.200 m²

Umbauter Raum
cubage: 383.700 m³

Planungsbeginn start Grundriss 6. OG  Level 06


of planning: 2009

Baubeginn start of
construction: 2011

Fertigstellung
completion: 2013, 2018

Bauherr client:
Garvest Real Estate

Generalunternehmer
building contractor:
Budimex SA, Skanska SA

Projektleitung project
manager: Paweł Natkaniec,
Marcin Citko

Mitarbeiter assistance:
Izabela Leple – Migdalska,
Max Potapow, Karol Olech- Grundriss 5. OG  Level 05
nicki, Piotr Waleszkiewicz,
Anna Walewska

Statik structural
consultant: LGL

Landschaftsplanung land-
scape planning: RS AK
Architektura Krajobrazu

Grundriss EG  Ground floor plan


architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 79

P4 
Postępu 4,
Warschau, Polen

Grundstücksfläche
site area: 8.900 m²

Nutzfläche floor
area: 8.600 m²

Bebaute Fläche
built-up area: 3.500 m²

Umbauter Raum
cubage: 52.100 m³
Grundriss 2. OG  Level 02
Planungsbeginn start
of planning: 2011

Baubeginn start of
construction: 2016

Fertigstellung
completion: 2019

Bauherr client:
Garvest Real Estate

Generalunternehmer
building contractor:
HOCHTIEF Polska S.A

Projektleitung
project manager:
Ewa Kozieł – Jurowska

Mitarbeiter assistance:
Jan Damięcki, Natalia
Janik, Tomasz Japa, Marek
Kuciński, Anna Mazur,
Tomasz Napieralski,
Katarzyna Piotrowska,
Nina Wójcicka; Magdalena
Bakker, Agata
Pleśniarowicz

Statik structural
consultant: LGL

Landschaftsplanung
landscape planning:
Ogrodownia Grundriss EG  Ground floor plan

Schnitt  section

1 5 10 m

B1 B2

A1 A2 1 5 10 15m
80 Polen

Essay

Neue Wege der


polnischen Architektur
Verdichtung und Vorfertigung, Kontextualisierung, Soziales und Ökologisches
sind derzeit die wichtigsten Themen im polnischen Architekturdiskurs. Nach
den international gefeierten Orten der Erinnerung geht es nun an die urbane
Substanz – bei stetig steigenden Material- und Arbeitskosten im europaweit
bewunderten aktuellen polnischen Wirtschaftsboom.
Text Dominika Glogowski

1
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 81

Prefab-Renaissance  In einer Seitengasse im Herzen ten Projekte zurück, das Katyń-Museum von 2016. Im Inne­
Warschaus erhebt sich zwischen zwei leerstehenden Parzel­ ren des neuen Wohnbaus blieb der Sichtbeton hingegen grau.
len ein sechsstöckiges Gebäude. In lediglich viereinhalb Mo­ Die Fugen der Platten ergeben gemeinsam mit den markanten
naten Rohbauzeit hat das in der Hauptstadt angesiedelte Ar­ Etagennummern und den Gravuren des renommierten Künst­
chitektenteam BBGK vergangenes Jahr „Sprzeczna 4“ auf die lers Edgar Ba˛k ein abstrakt-geometrisches Muster. Das un­
Beine gestellt. Als Projektname wirkt das eher lapidar, illust­ terstreicht die Plastizität des Materials und verschmilzt Bau
riert aber auch die Klarheit des Baus, die ihn zu einem wah­ und Kunst zu einer ästhetischen Einheit. Auf Kunstschaffen­
ren Fertigteil-Statement erhebt. Das industrielle Bauen wurde de wirkt das offenbar inspirierend: So sind hier viele Archi­
in Polen bisher kaum geschätzt, dominieren doch Plattenbau­ tekten und andere Kreative eingezogen.
siedlungen emotionslos ganze Bezirke in allen Großstädten Sprzeczna 4 hat als anspruchsvolles Referenzprojekt die Dis­
des Landes. Dieses Erbe des Kommunismus symbolisiert hier kussion um die Wiederbelebung des Fertigteils neu belebt,
für viele vor allem Konformismus, Unflexibilität und inhu­ wie Architekt Wojciech Kotecki, einer der drei BBGK-Partner,
mane Maßstäbe. Da kann es fast frivol wirken, das Betonfer­ im Gespräch festhält. Das Team konnte im Frühling 2019 auch
tigteil-Wohnhaus erneut zu bewerben. Die Motive liegen je­ eine Ausschreibung des Polski Fundusz Rozwoju (PFR, Pol­
doch – damals wie heute – in der nahezu unstillbaren Nach­ nischer Fonds für Entwicklung) mit dem Ziel gewinnen, neue
frage nach Wohnraum und dem Bedürfnis, diesen so billig Fertigteilelemente für den Wohnbau zu entwickeln. Die Idee
und rasch wie möglich zu liefern. So sind im Vorzeigemodell ist Teil der viel debattierten staatlichen Initiative Mieszkanie+
von BBGK 55 Wohneinheiten etagenweise in fixen Modulen für die Förderung von Mietwohnungen mit Kaufoption für ein
zusammengesetzt. Um negativen historischen Assoziationen angepeiltes Volumen von 100.000 Wohnungen in den kom­
entgegenzuwirken, sind aber die inneren Trennwände frei ge­ menden Jahren. Für diese Dimension müssten nun neue Fab­
staltbar. Die Bebauungsbestimmungen führten an der Grund­ riken und Produktionsketten entstehen. Denn Recherchen des
stücksgrenze bei den sich verjüngenden Ecken zu interes­ PFR ergaben, dass zwar 48 Firmen in Polen Fertigteile herstel­
santen Dreiecks-Balkonen. Der luftige Fassadenraster rahmt len, aber fast ausschließlich für den skandinavischen Markt,
diagonal in die Tiefe gesetzte Glasfenster, die Richtung Son­ und zudem nur halb so viel wie neu benötigt werden. Die
nenlicht gedreht sind. Entgegen ersten Plänen mit Verputz Teuerung von Materialien und Arbeitskraft wie auch das Feh­
wagten die Architekten letztlich Sichtbeton, innen wie au­ len von letzterer zwingen alle PlanerInnen, hier völlig neue
ßen. Der Rotstich der Fassaden geht auf eines ihrer wichtigs­ Wege zu beschreiten.

1
Eines der wichtigsten Projekte
von BBGK: Das Katyń-Museum in
Warschau aus dem Jahr 2016, wo
des Massakers von Katyń gedacht
wird  One of the most important
projects by BBGK: The Katyń-
Museum in Warsaw from 2016,
where one commemorates the
massacre of Katyń  Photo Juliusz
Sokołowski

2
Persönliche Gegenstände der
Opfer im Keller des Museums 
Personal belongings of the
victims in the museum’s cellar
Photo Juliusz Sokołowski

2
Essay

Innovation trotz Mini-Budgets  Mangel prägte 2018


auch das Unikato-Haus in Kattowitz von KWK Promes: Hier
war die Ausgangslage ein extrem niedriges Budget. Architekt
Robert Konieczny erklärt, dass dies eigentlich „nur Verputz
und Standardfenster in Weiß“ zugelassen hätte. Analysen von
Banken ergaben zudem, dass neue Wohnungen im leeren Zen­
trum der Hauptstadt Schlesiens keine Abnehmer finden wür­
den. Mit viel Gespür für Kontextualisierung wagte es das Team
dennoch und schuf einen anspruchsvollen monolithischen
Baukörper. Auf sechs Geschossen nimmt dieser die Traufen
des Nachbarhauses auf, interpretiert dessen Erdgeschoss in
einer Aluminiumverkleidung und lässt sie in einen Vorgarten­
zaun auslaufen. Dieser spiegelt indirekt die Umzäunung der
freistehenden Nachbarsvilla wider. Eingebettet zwischen Bau­
ten der Moderne lösen die blockartigen Balkone des Neubaus
nun ästhetische und historische Assoziationen aus. Die Pointe
der Balkone ist ihre gleichmäßige Ausrichtung, die sie an der
Straßenseite mit einer expressiven Geste in den öffentlichen
Raum ragen lässt. Die Farbwahl ist ironisch zu verstehen, mit
einem lachenden und einem weinenden Auge: Das Schwarz
nimmt auf die verrußten Bauten der Innenstadt Bezug und an­
tizipiert damit dem umweltbedingten Verfärbungsverlauf im
ehemaligen Kohlerevier. Als Pendant dazu wirkt die breite grü­
ne Dachterrasse des Hauses, die mit Bienenstöcken zu einer
1
Art Urban Farming-Fläche aufgewertet werden könnte. Urba­
ne Verdichtung wird hier offensichtlich von Kreativität getra­
2
gen, der Einzug des Büros KWK Promes ins Unikato könnte
sich als ein zusätzlicher Pullfaktor erweisen. Arbeit und Woh­
nen fügen sich in neue Definitionen von Umweltgestaltung.

Transparente Kontextualisierung Ähnliches geschah


im Co-Working-Space-Bürohaus der Grupa5 Architekci in
Warschau. In einen der wenigen erhaltenen historischen
Stadtquartiere aus dem 18. Jahrhundert fügte das Architekten­
team 2018 einen gläsernen Keil. Die dreiecksförmige Parzelle
erlaubte wenig Nutzflächen-Generierung – ein Problem, das
Grupa5 intelligent löste: So ragt das Gebäude ab dem ersten
Stock eineinhalb Meter über die Baulinie hinaus. Die leichte
Vorwärts-Neigung des Eckkörpers erweiterte die Nutzflächen
so auf gut 2.100 m². Die dynamische und herausfordernde
Konstruktion wird von Säulen und Stahlträgerseilen bestrit­
ten. Auf der Straße hat man dadurch fast das Gefühl, das Ge­
bäude würde vornüberkippen. Die transparenten Glasfenster
reflektieren je nach Lichteinfall das Stadtgeschehen und be­
liebte Bauten wie die ikonenhafte Halle Koszyki, die 2016 von
JEMS Architekten renoviert wurde. Die Transparenz ermög­
licht einen Durchblick auf die historischen Nachbarhäuer und
einen freien Ausblick aus den Büros. Um die Inszenierung zu
verstärken, definieren graue Silikonumrandungen bzw. her­
ausragende Aluminiumprofile einzelne Fassadenblöcke und
sorgen so für zusätzliche Lebendigkeit. Architekt Krzysztof
Mycielski erklärt, dass urbaner Kontext und Kommunikation,
ähnlich wie in der Schlesischen Universität der Grupa5, stets
zentraler Teil der wesentlichen Fragestellung sind, wie sich
Architektur in die Stadtgestaltung einbringen kann.

Dialog zwischen Architektur und Natur Projekte


von JRK72, UnismStudio und 55 Architekci in dieser Aus­
gabe belegen, dass auch das Thema Natur und Landschaft
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 83

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1–2 3
Anspruchsvolles Referenzprojekt für die Wiederbelebung des Fertigteils: Das Unikato-Haus von KWK Promes in Kattowitz hatte ein extrem niedri-
„Sprzeczna 4“ von BBGK wurde in lediglich viereinhalb Monaten Rohbau- ges Budget. Mit viel Gespür für Kontextualisierung schuf das Team trotz-
zeit auf die Beine gestellt und bietet 55 Wohneinheiten aus fixen Modulen  dem einen anspruchsvollen monolithischen Baukörper  The starting point
Ambitious reference project to the question of reviving prefabricated for the Unikato house in Katowice by KWK Promes was an extremly low
construction: „Sprzeczna 4“ by BBGK was erected in a construction time budget. Showing great sensitivity for the contextualisation the team cre-
of just four and a half months  Photo Juliusz Sokołowski ated an ambitious monolithic building volume  Photo Juliusz Sokołowski
84 Polen Essay

1
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 85

ein fixer Bestandteil im polnischen Architekturdiskurs ist. Soziale Verbundenheit  Das sozial verbindende Element,
Am Weichselflussufer im Warschauer Stadtteil Gole˛dzinów Kontextualisierung von Landschaft und Natur, Stadtgestaltung
entsteht eine Naturrevitalisierung des auslaufenden Projekts und integratives Angebot von Wohnen und Arbeit sind laut
Life+ von WislaWarszawska.pl. Das idyllische Paradies für Architekt Kotecki typische Ziele der Millennials. Nach Jahren
Ornithologie steht mit seinen Sandufern und Inseln unter dem der freien, teils wilden Marktwirtschaft, Immobilienspekulati­
Natura2000-Biotop- und Artenschutz der EU. Mit dem Ziel, on und Sehnsucht nach Eigentum, die oft in gated commu­
den ökologisch wichtige Mittelabschnitt der Weichsel der Be­ nities mündete, werden von Käufern, Mietern und Bauherren
völkerung näher zu bringen, wurde ein internationaler Wett­ nun endlich Aspekte der Nachhaltigkeit und eines ganzheitli­
bewerb für die Errichtung eines Bildungs- und Ausstellungs­ chen Ansatzes entdeckt. Projekte wie die Revitalisierung der
pavillons ausgeschrieben. Das Krakauer Architekturbüro EM4 Soho Factory im post-industriellen Warschauer Bezirk Kamion­
unter Marcin Brataniec und Urszula Forczek-Brataniec konnte ka von WWAA unter Architektin Natalia Paszkowska und Mar­
ihn 2015 für sich gewinnen. Unweit des Zoologischen Gartens cin Mostafa führen Kindergarten, Krippe, Restaurants, Büros
an einem stark befahrenen Verkehrsknotenpunkt wurde der und ein Museum in einem Masterplan um eine zentrale Allee
organische Betonkörper dieses Jahr fertiggestellt. Laut Archi­ zusammen. Daran gefügt sind fünf expressive Wohnhäuser, wie
tekt Brataniec dienten Findlinge aus der Gletscherzeit als In­ das goldene Verbel von 2018 mit kleinen, dem heutigen Wohn­
spiration. Die erratischen Blöcke finden sich verstreut in der markt entsprechenden Einheiten und einem recht schmalen
Landschaft, der Pavillon überträgt diese ovalen Formen in die Budget. Während WWAA mit dem Book of Standards auch ein
Architektur. Später soll seine moosbedeckte Oberfläche den umfassendes Regelwerk für Schulen in Warschau erprobt, set­
Bau zur Gänze mit der Landschaft verschmelzen. Eine falt­ zen sich Stadtaktivistin Joanna Erbel, Politiker Tomasz Andrys­
bare Glastür durchschneidet das Haus an der Flussfront und zczyk und Architekt Wojciech Kotecki von BBGK für eine neu­
gibt den Blick auf eine Lichtung frei. Die Aussichtsplattform es kooperatives Gemeinschaftsquartier ein. Elastizität, Multi­
im oberen Geschoss erweitert dies zum Rundumblick. Der funktionalität, Offenheit, gemeinsame Transportwege, geringer
massive Teil des Betonvolumens liegt an der Straßenseite und CO2-Fußabdruck, soziale Mischung und neue Modelle der Miet­
schützt so vor Lärm. Ein schmales Fenster über die gesamte staffelung sind einige der Inspirationen, die man sich dafür aus
Höhe ermöglicht Lichteinfall und Ausblick, innen und außen Skandinavien und Österreich holt, etwa auch aus der Wiener
treten in Dialog. Dieser Ansatz prägte auch die Erweiterung Seestadt Aspern. Auch neue urbane Megaprojekte wie die Werft
der Sporthalle ZSOMS in Krakau von 2018: Auf engstem Raum in Danzig von Henning Larsen und BBGK nehmen nun bereits
verbanden EM4 hier eine Schule, ein Schwimmbad und eine Fahrt auf. Sie heizen die Diskussion an, wie zukünftige Stadt­
neue Sporthalle auf unterschiedlichen Ebenen. Querdurchbli­ gestaltung im riesigen polnischen Markt auszusehen hat. Po­
cke ermöglichen den jungen SportlerInnen Einblick und Teil­ lens PlanerInnen stehen vor großen Chancen und nehmen diese
habe an allen Sportaktivitäten. Herausforderung kreativ, produktiv und höchst kompetent an.

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Die leichte Vorwärts-Neigung des Eckbaukörpers erweiterte die Beliebtes Bauwerk: Die ikonenhafte Markthalle Koszyki, die 2016 von
Nuzflächen auf gut 2.100 m²: Co-Working-Space-Bürohaus der Grupa5 JEMS Architekten sorgfältig renoviert wurde  Much-loved building: the
Architekci in Warschau  The forward tilt of the corner volume increased iconic Koszyki Market Hall, which was accurately renovated in 2016 by
the usable floor by 2,100 m²: co-working-space office building by Grupa5 JEMS Architects  Photo Juliusz Sokołowski
Architekci in Warsaw  Photo Mikołaj Lelewski

2
86 Polen Essay

New paths in Polish architecture


Increases in density and the use of prefabrication, contextualisation, as well as
social and ecological concerns are currently the most important themes in the
Polish architecture discourse. After a number of internationally acclaimed me-
morials, now the urban substance is being addressed – against a background
of constantly increasing material and labour costs resulting from the current
Polish economic boom that is a subject of admiration across Europe.

Prefab Renaissance  In a side street in the heart of War­ to the first design plans in which plaster was used, the archi­
saw a six-storey building rises between two vacant sites. Last tects ultimately decided on exposed concrete, inside and out­
year, in a construction time of just four and half months for side. The reddish colour of the facades goes back to one of
the shell the architects BBGK, who are based in the capital, their most important projects, the Katyń-Museum from 2016.
erected “Sprzeczna 4”. As a project name it may seem rath­ In the interior of the new housing project the exposed con­
er minimalist, but it reflects the clarity of the building, which crete remains grey. The joints between the panels, together
makes it into a statement about prefabrication. In post-social­ with the striking storey numbers and the incised artworks by
ist Poland industrialised building is not much appreciated, as the famous artist Edgar Ba˛k, produce an abstract geometrical
housing estates made up of precast panel blocks emotionless­ pattern. This underlines the sculptural quality of the material
ly dominate entire districts in all the country’s large cities. For and blends the building and art to create an aesthetic entity.
many people this legacy of Communism symbolised conform­ It appears that creative people find this inspirational, many
ism, lack of flexibility and an inhuman scale. Consequently, it architects and others working in creative professions have
can seem almost seem frivolous to promote precast concrete moved into this building.
construction for a residential building. However, the motives As an ambitious reference project Sprzeczna 4 has introduced
today – as in earlier times – lie in the almost insatiable de­ a new dynamic to the question of reviving prefabricated con­
mand for housing and the need to meet this as economically struction, as architect Wojciech Kotecki, one of the three
and speedily as possible. In the model project by BBGK there BBGK partners, remarked in an interview. In 2019 this team
are 55 dwelling units in fixed modules. To counteract nega­ won a competition set up by the Polski Fundusz Rozwoju
tive historical associations, the partition walls in the interi­ (PFR, Polish Fund for Development), which aimed at develop­
or can be freely positioned. The development regulations led ing new prefabricated elements for housing construction. The
to exciting triangular balconies on the site boundaries at the idea is part of the much-debated state initiative Mieszkanie+,
tapering corners. The airy facade grid frames windows that which subsidises rental apartments with an option to buy and
are placed at an angle and turn to the sunlight. In contrast aims to build 100,000 apartments in the years to come. To
2

1 2–3
Heuer wurde dieser organische Betonbaukörper des Krakauer Archi- Auch die Sporthalle ZSOMS in Krakau wurde von EM4 geplant: auf engstem
tekturbüros EM4 fertiggestellt. Er ist von Findlingen aus der Glet- Raum verbanden sie hier eine Schule, ein Schwimmbad und eine neue Sport-
scherzeit inspiriert  This organic concrete volume by the Cracow- halle auf verschiedenen Ebenen  Also the sports hall ZSOMS in Kraków was
based architecture office EM4 was completed this year: Erratic planned by EM4: On an extremely tight area they connected a school, a swim-
stones from the Ice Age served as inspiration  Photo Marcin Brataniec ming pool and a new sports hall on different levels  Photo Juliusz Sokołowski
88 Polen Essay

meet this goal new factories and production chains must be gion. As a contrast the building has a broad green roof ter­
developed. Research work undertaken by PFR showed that, race, which was made into a kind of urban farming area with
although 48 firms in Poland manufacture prefabricated ele­ beehives. Here urban density is clearly borne by creativity;
ments, these are made almost exclusively for the Scandinavian the fact that the KWK Promes office has moved into Unikato
market and only half the amount needed is produced. Increas­ could turn out to be a further attraction. Housing and working
es in the cost of materials and labour and the shortage of the combine to produce new definitions of environmental design.
latter are forcing all planners to take completely new paths .
Transparent contextualisation  Something much the
Innovation despite mini budget  Shortage also shaped same happened in the co-working space office building by
the appearance of the Unikato Building in Katowice by KWK Grupa5 Architekci in Warsaw. In 2018 this team of architects
Promes, which was erected in 2018: the starting point here inserted a glazed wedge in one of the few surviving urban dis­
was an extremely low budget. Architect Robert Konieczny ex­ tricts from the 18th century. The triangular plot did not allow
plains that all this budget would have allowed was “a plaster a great amount of usable floor area to be generated, a problem
finish and standard white plastic windows”. In addition, bank that Grupa5 solved intelligently: at first floor level the building
analyses suggested that it would be impossible to find people projects one and a half metres beyond the building line. The
who wanted new apartments in the empty centre of the Sile­ forward tilt of the corner volume increased the usable floor by
sian capital. Nevertheless, showing great sensitivity for con­ a good 2100 m². The dynamic and challenging construction is
textualisation, the team ventured upon the project and creat­ based on columns and steel cables. On the street front one al­
ed an ambitious monolithic building volume. Six storeys high, most has the impression that the building is going to topple
it takes up the eaves level of the neighbouring building, in­ forwards. Depending on the incidence of light the transparent
terprets its ground floor with an aluminium cladding that is windows, reflect the life of the city and much-loved buildings
allowed to develop into a front garden fence. This indirectly such as the iconic Koszyki Market Hall, which was renovated
echoes the fencing to the neighbouring freestanding villa. Em­ in 2016 by JEMS Architects. The transparency allows one to
bedded between buildings of modernism, the block-like bal­ see through the building and to catch a glimpse of the histori­
conies of the new building now evoke aesthetic and histori­ cal neighbouring buildings and offers unhindered views out of
cal associations. The key aspect of the balconies is that the the office spaces. In order to strengthen the overall effect grey
long axis is always oriented in the same direction, which on silicone surrounds or projecting aluminium profiles define sec­
one street front allows them to project deep into public space tions of the facade, in this way introducing an additional live­
with an expressive gesture. The choice of colour is somewhat liness. Architect Krzysztof Mycielski explains that, like in the
ironical: the black refers to the soot-covered buildings of the Silesian University by Grupa5, urban context and communica­
inner city and anticipates the gradual change of colour due tion are always a central aspect of the important question about
to environmental conditions in this formerly coal mining re­ how best to introduce architecture into the design of the city.

1 2
Auch neue Megaprojekte wie die Werft in Danzig von Die Revitalisierung der Soho Factory im post-industriellen Warschauer Bezirk Kamionka von
Henning Larsen und BBGK nehmen nun bereits Fahrt WWAA führt Kindergarten, Krippe, Restaurants, Büros und ein Museum in einem Masterplan
auf  New urban megaprojects as the shipyard in zusammen  Projects such as the revitalisation of the Soho Factory in the post-industrial
Gdansk by Henning Larsen and BBGK are starting Warsaw district of Kamionka by WWAA bring kindergarden, creche, restaurants and a
already  Rendering: BBGK, Henning Larsen museum together in a master plan  Photo Daniel Chrobak

1
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90 Polen Essay

Dialogue between architecture and nature  The pro­ from the Ice Age served as inspiration. The erratic blocks are
jects by JRK72, UnismStudio and 55 Architekci in this issue scattered in the landscape, the pavilion translates these oval
illustrate that the theme of nature and the landscape is also a forms into architecture. The intention is that later the moss-
fixed part of the Polish architecture discourse. On the banks covered surface will completely blend the building togeth­
of the River Vistula in the Warsaw district of Gole˛dzinów a er with the landscape. A folding glass door cuts through the
revitalisation of the Life+ project from WislaWarszawska.pl. building on the river front and reveals a view of a clearing.
is taking place. This idyllic paradise for ornithology with its The viewing platform on the upper level expands this view.
sandy banks and islands is part of the EU Natura2000 biotope The solid part of the concrete volume is on the street side,
and species protection programme . With the aim of bringing where it provides protection against noise. A narrow window
the ecologically important middle section of the River Vistu­ extending the entire height of the building allows light to en­
la closer to the population an international competition was ter and offers views outside, inside and outside engage in a di­
set up for the erection of an education and exhibition pavil­ alogue. A similar approach shapes the extension to the sports
ion. In 2015 the Cracow-based architecture office EM4 un­ hall ZSOMS in Kraków that dates from 2018: On an extreme­
der Marcin Brataniec and Urszula Forczek-Brataniec won this ly tight area EM4 here connected a school, a swimming pool
competition. The organic concrete volume on a very busy traf­ and a new sports hall on different levels. Views through the
fic junction, not far from the Zoological Gardens was complet­ building allow the young sports players a glimpse of all the
ed this year. According to architect Brataniec erratic stones sporting activities and an opportunity to take part.

1 2

1–2
Der goldene Verbel Wohnturm von WWAA ist städtebaulich gut gesetzt und
gehorcht mit kleinen Einheiten den Erfordernissen des heutigen Wohnungs-
markts  The goldene Verbel building by WWAA is well put as regards urban
development. In order to meet the current demands of the housing market it
offers small dwelling units  Photos Daniel Chrobak
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 91

Social solidarity  According to architect Kotecki social­ very limited budget. While through creating a “Book of Stand­
ly connecting elements, the contextualisation of landscape ards” WWAA is attempting to employ a comprehensive set
and nature, urban design and the integrative supply of hous­ of rules for school design in Warsaw, the urban activist Joan­
ing and workplace are the typical aims of the millennials. Af­ na Erbel, politician Tomasz Andryszczyk, and architect Wo­
ter years of the free – at times uncontrolled – market econo­ jciech Kotecki from BBGK are endeavouring to create a new
my, real estate speculation and the longing to own one’s own cooperative communal district. Elasticity, multi-functionality,
home – which often led to gated communities – now pur­ openness, shared transport routes, a smaller CO2 footprint, a
chasers, tenants and clients are finally discovering aspects social mix and new models of staggered rents are among the
of sustainability and a holistic approach. This is indicated in inspirational ideas borrowed from Scandinavia and Austria,
projects such as the revitalisation of the Soho Factory in the for instance from the Seestadt Aspern in Vienna. New ur­
post-industrial Warsaw district of Kamionka by WWAA un­ ban megaprojects such as the shipyard in Gdansk by Henning
der architect Natalia Paszkowska and Marcin Mostafa, which Larsen and BBGK are starting already. They fuel the heated
brings kindergarten, creche, restaurants and a museum to­ discussion about the form that urban planning of the future
gether in a master plan around a central avenue. Five expres­ should take in the enormous Polish market. Poland’s plan­
sive apartment buildings were added, such as the golden Ver­ ers are facing enormous opportunities and they are taking on
bel building from 2018 that offers small dwelling units to meet this challenge creatively, productively and showing the great­
the current demands of the housing market and was built on a est competence.
92 Polen

55Architekci

Aussichtsplattform bei
Wola Krogulecka und
Naturpfad in der Enklave
Bobrowisko, Stary Sącz
Zwischen Mikrourbanistik und Land-Art  Die Landschaft und die Natur rund
um ein Vorgebirgsdorf wurden für ein junges, empfindsames Architektenpaar
aus Polen zur wichtigsten Inspirationsquelle ihrer schöpferischen Tätigkeit.
In zwei Projekten teilen sie ihre Liebe mit Wanderern und Naturliebhabern.
Photos Jakub Adamczyk, Marcin Rola, Wojciech Świątek  Text Grzegorz Stiasny
Photo Marcin Rola
94 Polen 55Architekci

Von Fernost nach Südpolen  Limanowa ist eine kleine Ein neuer Mittelpunkt  Diese Studien führten zur Idee
Kreisstadt mit 15.000 Einwohnern in den Beskiden im Süden einer Aussichtsplattform auf dem Hügel Dzielnica, der über
Polens. Es gibt hier rund ein Dutzend kleinere Planungsbüros. der kleinen, im Tal des Flusses Poprad gelegenen Ortschaft
Sie bieten ihre Dienste in erster Linie lokalen privaten Bau­ Wola Krogulecka thront. Vom Hügel aus bietet sich ein weit­
herren an, die Einfamilienhäuser bauen oder renovieren. Eine läufiges Panorama, welches das Tal des aus der Slowakei nach
Ausnahme bildet hier das Team 55Architekci – ein junges Ar­ Polen fließenden Flusses und die ihn umgebenden Gebirgszü­
chitektenpaar, noch keine 40 Jahre alt. Wojciech Świa̧tek und ge der Beskiden umfasst. Die lokalen Behörden planten hier
seine Frau Anna Szewczyk-Świa̧tek haben auch wissenschaftli­ den Bau eines Aussichtsturms und wollten ein entsprechen­
che Ambitionen und Interessen, die auf urbanistische Aspekte des Projekt in Auftrag geben. Die Architekten schlugen jedoch
außerhalb der Städte gerichtet sind. Sie lernten einander wäh­ einen anderen Ansatz vor und es gelang ihnen, den Bauherrn
rend des Architekturstudiums in Krakau kennen und verzich­ von einer solchen Lösung zu überzeugen. Vor allem wollten
teten nach dem Abschluss auf den üblichen Job in einem Pla­ sie nicht mit einer dominanten Vertikalkonstruktion in die
nungsbüro. Stattdessen trieben sie sich knapp ein Jahr lang Landschaft eingreifen. Von der Anhöhe aus sieht man die Tür­
in Asien herum. Nach der Rückkehr nach Polen fiel es ihnen me einer nahegelegenen mittelalterlichen Burg sowie jene von
schwer, sich in der europäischen Zivilisation mit ihrer täglichen alten Kirchen in den umliegenden Ortschaften. Als Inspirati­
Jagd nach Wohlstand zurechtzufinden. Sie kehrten in die Ber­ on für eine Konstruktion in Gestalt einer Schleife diente eine
ge zurück, in Annas Heimat. Der Sieg beim Architekturwettbe­ Wanderung auf dem Gebirgspfad. Das Erreichen des Gipfels
werb für das Jugenderziehungszen­trum im Nachbarort Mszana ist nur eine Etappe, der Pfad führt weiter. Die Errichtung ei­
Dolna im Jahr 2009 ermöglichte ihnen die Eröffnung eines ei­ ner spiralförmigen Plattform gestattet es so, das eindrucks­
genen Planungsbüros. Dieses engagierte sich bald für ver­ volle Bild des Gebirgspanoramas, das sich vor dem Wanderer
schiedenste Projekte zur Erforschung der lokalen Landschaft. ausbreitet, ohne Unterbrechung der Wanderung in dynami­
Wojciech wurde Mitarbeiter des Instituts für Städteplanung an scher Weise zu genießen. Statt eines Turms entstand ein spi­
der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Kra­ ralförmiger Steg aus Stahl und Holz. Der Ring auf Stahlstüt­
kau. Sein fachliches Interesse gilt vor allem den Kulturformen zen hat eine so sanfte Steigung, dass auch Rollstuhlfahrern
in der offenen Landschaft und der Problematik der Bewirtschaf­ oder Kinderwagen ein müheloser Zugang gewährt wird. Am
tung von Flächen zwischen Landschaft und Zivilisation. höchsten Punkt befinden sich die Besucher nur sieben Me­
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 95

55Architekci
Wojciech Świątek
Geboren/born 1980 in Kielce/
PL Studium/education TU
Kraków/PL (Diplom/graduated
in 2006)

ter über der Erde, doch durch die räumliche Fortbewegung Statt eines Turms entstand Anna Szewczyk-
in Bogenform schweben sie gleichsam über dem Tal. Die dis­ ein spiralförmiger Steg aus Świątek
Stahl und Holz. Der Ring Geboren/born 1981 in Kraków/
kret in das Geländer eingebauten gravierten Tafeln informie­ auf Stahlstützen hat so PL Studium/education TU
ren nicht nur über die Namen der umliegenden Gebirgsspit­ eine sanfte Steigung, dass Kraków/PL (Diplom/graduated
zen, sondern auch über die lokale Fauna, Flora und die Orte ihn auch Rollstuhlfahrer in 2006)
und Kinderwägen mühelos
lokaler Kultur. Neben der spiralförmigen Plattform wurden für nutzen können  Instead of Büro/office
die Besucher und Wanderer einfache Einrichtungen aus Holz a tower a curving pathway Seit/since 2008
errichtet: eine Überdachung mit einer offenen Feuerstelle, ein was built. This spiral on in Limanowa/PL
steel columns rises so gen-
kleiner Kinderspielplatz und Sanitärräume. Die Plattform er­ tly that people in wheel- Werke (Auswahl)/
reicht man vom Parkplatz an der unterhalb verlaufenden Stra­ chairs or someone wheel- projects (selection)
ße über einen schmalen Weg. Gehbehinderte Personen kön­ ing a pram can easily use it Aussichtswarte und -weg/
Photo Marcin Rola observation deck and path
nen direkt zur Plattform zufahren, dafür wurden einige Park­ Bobrowisko, Stary Sącz/PL
plätze vorgesehen. Dem Dorf am Fuße des Hügels fehlte es an 2018
einem Integrationsort für die Bewohner. Die neue Aussichts­ Öffentliche Bibliothek/public
library, Stary Sącz/PL 2018
plattform ist inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt ge­ Aussichtsplattform/viewing
worden, wo das Leben der lokalen Bevölkerung einen neuen platform, Wola Krogulecka/PL
Mittelpunkt gefunden hat. 2014
Öffentliche Bibliothek/public
library, Gołkowice/PL 2013
Eine Naturenklave in Stary Sa̧cz  Das Team der
55Architekci engagiert sich auch für das Forschungsprojekt Preise (Auswahl)/
awards (selected)
der Krakauer Universität für Wissenschaft und Technologie, Stanisław Witkiewicz Award
welches sich mit dem Thema der Revitalisierung von Schot­ 2019
tergruben beschäftigt. Grundidee des Projekts Tarnower Seen­ Best Polish Public Space 2018

platte ist, dass die wassergefüllten ehemaligen Abbaugruben


ein ähnliches Kultur- und Erholungspotenzial haben können www.55architekci.pl
wie natürliche Seengebiete. Und nicht menschgemachte Wun­
96 Polen 55Architekci

Die Aufgabenstellung bestand darin, ein System von Stegen und Beobachtungsposten zu errichten, welches verhindert, dass Besucher die Tiere
aufscheuchen  The task was to errect a system of paths and observation posts that would avoid visitors disturbing the animals  Photo Jakub Adamczyk

den in der Landschaft sein müssen. Die einzelnen Teiche kön­ für Naturliebhaber zugänglich zu machen, die diesen Lebens­
nen miteinander verbunden, ihre Ränder entsprechend ausge­ raum vor der Zerstörung durch menschliche Neugier bewah­
staltet und zugänglich gemacht werden, was das touristische ren würden. Die Aufgabenstellung bestand darin, ein System
Angebot der hiesigen Gemeinden erweitert. Im Rahmen sol­ von Stegen und Beobachtungsposten zu errichten, welches
cher Vorhaben ist auch das Projekt der Enklave Bobrowisko verhindert, dass Besucher die Tiere aufscheuchen.
entstanden. In den südlichen Vororten von Nowy Sa̧cz tref­
fen zwei aus den Tatra fließende Gebirgsflüsse aufeinander: Unbemerkt beobachten  Gemeinsam mit den Architek­
der Poprad und der Dunajec. Der von der Strömung getrage­ ten lokalisierten die Naturwissenschaftler die Aufenthalts­
ne Schotter wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts orte von Tieren und definierten die Standorte für die Beob­
beim Zusammenfluss intensiv abgebaut. In den letzten Jahr­ achtungsposten. Zwei Holzhütten wurden errichtet. Die eine
zehnten wurden die entstandenen Schotterteiche aber von der dient der Beobachtung von Vögeln, die zweite jener von Bi­
Natur und von Fischern zurückerobert. Das Gebiet, welches bern. Verbunden sind sie durch einen am Rande des Sumpfes
sich an der Grenze des Landschaftsparks des Poprad-Tals be­ im Zick-Zack verlaufenden Holzsteg. Die Zugänge vom Steg
findet, erweckte als Lebensraum von Vögeln und Bibern das zu den Beobachtungsposten sind mit Paneelen aus unbear­
Interesse von Naturforschern. Hier wurde ein Netz von Bi­ beitetem Holz verkleidet, wobei die Holzbretter anfangs in
berkanälen und Biberburgen mit Durchmessern von bis zu durchbrochener Weise angeordnet sind und in der Nähe der
zehn Metern gefunden. So ist die Idee entstanden, das Gebiet Holzhütte sukzessive in eine dichte Wand übergehen. Auf
97

diese Weise sind die Menschen, die sich hier bewegen, für Beobachtung. Die zum Teil schräg angeordneten Bretter und
die Tiere unsichtbar. Um die Haltbarkeit dieser Konstruktion die darin herausgeschnittenen Schlitze lenken den Blick zu
auch bei Hochwasser zu gewährleisten, reicht die Brüstung den wichtigsten Punkten des Lebensraumes der Tiere. Ein Teil
nicht bis zur Ebene des Stegs hinunter. Ein über dem hölzer­ der Beobachtungsschlitze ist vom Boden schräg abgewinkelt,
nen Gehsteig belassener Spalt ermöglicht ein freies Durchflie­ um auch Kleinkindern eine Beobachtung zu ermöglichen. An
ßen des Wassers. Die Beobachtungsposten sind ebenfalls mit der Innenseite der Holzhüttenwände wurden Dioramen in der
Brettern beschlagen. Sie reichen bis zum Wasserspiegel und Größe kleinerer Aquarien montiert, auf denen die beobach­
sind damit bewusst einem rascheren Patinierungsprozess aus­ teten Naturerscheinungen erklärt werden. Die größere Holz­
gesetzt, denn im Sinne der Projektidee müssen auch die von hütte hat sogar eine Terrasse mit hoher Brüstung, welche die
Menschenhand gemachten Konstruktionen der natürlichen Besucher verdeckt. Im Geländer sind auch zwei Ferngläser
Abfolge ökologischer Veränderungen unterliegen. montiert. Es gibt Architekten, die die Natur gestalten oder ihr
zu mindestens ihren Stempel aufdrücken wollen. Die Interes­
Mit Naturzyklen leben  Die polygonalen, künstlerischen sen der 55Architekci gehen in die entgegengesetzte Richtung.
Formen der Holzhütten können unterschiedliche Assoziatio­ Ihre Projekte versuchen einen Diskurs zwischen Mikrourba­
nen hervorrufen. Als grafisches Logo des Projektes verwen­ nistik und Land-Art auszulösen, ihre Arbeiten wollen sich na­
det, erinnern sie an ein Biberköpfchen, das aus dem Wasser türlichen ökologischen Veränderungen unterwerfen statt die
ragt. Doch den Architekten ging es um die Funktionalität der Natur zu verletzen.
98 Polen 55Architekci

Zwei Holzhütten wurden errichtet: Die eine dient der Beobachtung von Vögeln, die zweite jener von Bibern. Verbunden sind sie durch
einen am Rande des Sumpfes verlaufenden Holzsteg  Two wooden huts were errected: One is used for bird watching, the second for
observing beavers. The huts are connected by a wooden walkway along the edge of the marsh  Photo Jakub Adamcyk
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 99

Viewing platform
near Wola Krogulecka
and nature path in
Bobrowisko enclave,
Stary Sącz
Between micro urban design and Land
art  For a young, sensitive pair of architects
from Poland the landscape and nature
around a village in the foothills became the
most important source of inspiration for
their creative work. In two of their projects
they share this love with ramblers and
nature lovers.

From the Far East to southern Poland Limanowa


is a small regional town with a population of 15,000 in the
Beskid Mountains in southern Poland. There are around a
dozen smaller architecture offices there, most of whom pro­
vide services for local private clients who wish to build or
renovate single-family houses. An exception here is the team
55Architekci – a young architect couple, not yet 40 years old.
Wojciech Świa̧tek and his wife Anna Szewczyk-Świa̧tek also
have scientific ambitions and interests that focus on urban­
ist aspects outside cities. They met each other while studying
architecture in Cracow. After completing their studies, rather
than following the standard path and taking a job in a design
office, they travelled around Asia for a year. Upon returning
to Poland they found it difficult to settle back into European
civilisation with its daily pursuit of prosperity. They returned
to the mountains where Anna originally came from. In 2009
the won an architecture competition for a youth educational
centre in the neighbouring town of Mszana Dolna, which en­
abled them to open their own architecture office. They were
soon involved in different kinds of projects that researched
the local landscape. Wojciech joined the staff of the Institute
for Town Planning at the Architecture Faculty of Cracow Uni­
versity of Technology. His special interest is in the cultural
forms of the open landscape and the problems involved in
cultivating areas between landscape and civilization.

New centre point  These studies led to the idea for a


viewing platform on the hill Dzielnica that sits above the
small town of Wola Krogulecka in the valley of the River Pop­
rad. The expansive panorama from this hill includes the val­
ley of the river that here flows from Slovakia into Poland as
well as the Beskid mountain range that edges the valley. The
local authorities planned to erect a viewing tower and want­
100 Polen

1
1 2
Die Zugänge vom Steg zu den Beobachtungsposten sind mit Paneelen Die zum Teil schräg angeordneten Bretter und die darin herausgeschnit-
aus unbearbeitetem Holz verkleidet, in der Nähe der Holzhütte gehen die tenen Schlitze lenken den Blick zu den wichtigsten Punkten des Lebens-
Holzbretter sukzessive in eine dichte Wand über  The accesses from the raumes der Tiere  The boards, which are arranged diagonally at places,
walkway to the observation posts are clad with panels of untreated and the slits cut out of them direct the gaze to the most important points
wood, closer to the huts they form a solid wall  Photo Jakub Adamcyk in the animals’ natural habitat  Photo Wojciech Swiatek

ed to commission a suitable project. The architects, however, and sanitary facilities. You reach the platform from the car­
suggested a different approach and with their solution suc­ park on the road below via a narrow route. People with mo­
ceeded in convincing the client. Their main wish was not to bility difficulties can drive directly to the platform, where a
erect a dominant vertical construction that would intervene in number of parking spaces have been provided for them. The
the landscape. From the hill you can see the towers of a near­ village at the foot of the hill lacked a place where residents
by medieval castle and those of the old churches in the lo­ could meet each other. The new viewing platform has become
cal villages. A ramble along a mountain path provided the in­ a popular meeting place, here new centre point for the lives
spiration for a construction in the form of a ribbon walkway. of the local populace has been provided.
Reaching the summit is only a stage, the path leads further.
The construction of a spiralling platform makes it possible for Nature enclave in Stary Sa̧cz  The team of 55Architekci
hikers to enjoy the impressive view of the mountain panora­ is also involved in a research project of Cracow University of
ma that extends in front of the them without interrupting their Science and Technology that deals with the theme of revital­
tour. Instead of a tower a curving pathway was built of steel ising gravel pits. The basic idea of the Tarnów Lake Area pro­
and wood. This spiral on steel columns rises so gently that ject is that the water-filled former excavation pits could have
people in wheelchairs or someone wheeling a pram can eas­ a similar a potential in terms of culture and recreation as nat­
ily use it. At the highest point visitors are only seven metres ural lakes, they do not have to look like wounds inflicted on
above the ground but by moving in a curve they hover above the landscape by humankind. The individual areas of water
the valley, as it were. The engraved panels built discretely into could be connected with each other, their banks could be de­
the railing provide information not only about the names of signed and made accessible, which would expand the tourist
the distant mountain peaks but also about the local fauna and facilities of the region considerably. The project Bobrowisko
flora and centres of local culture. As well as the spiral plat­ Enclave also deals with a similar theme. In the southern sub­
form simple facilities for visitors and hikers were erected: a urbs of Nowy Sa̧cz two mountain streams that flow down
shelter with an open hearth, a small children’s playground, from the Tatra Mountains meet each other: the Poprad and
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 101

the Dunajec. The gravel the current brings with it was inten­ ter to flow through freely. The observation posts are also clad
sively used in the second half of the 20th century. In recent with boarding. Here the boarding extends down to the level
decades the gravel pits have been recaptured by nature and of the water and is deliberately exposed to a more rapid age­
by anglers. Located on the border of the Poprad Valley Nature ing effect, as the idea behind the project is that human-built
Park this area became a habitat for birds and beavers and thus constructions should also be subject to the natural pattern of
attracted the interest of students of nature. A network of bea­ ecological change.
ver channels and beaver dams with diameters of up to 10 me­
tres was found. This led to the idea of making the area acces­ Living with the cycles of nature  The artful polygo­
sible to nature lovers who would preserve this habitat from nal forms of the wooden huts could awaken different kinds
destruction by human curiosity. The task was to erect a sys­ of associations. Used as the graphic logo for the project, they
tem of paths and observation posts that would avoid visitors suggest the head of a beaver sticking out of the water. But
disturbing the animals. the architects’ main concern was how the observation of an­
imals should function. The boards, which are arranged diag­
Observing unnoticed  Together with the architects, nat­ onally at places, and the slits cut out of them direct the gaze
ural scientists identified those places where the animals are to the most important points in the animals’ natural habi­
most often found and defined the locations for the observa­ tat. Some of the observation slits run at an angle from the
tion posts. Two wooden huts were erected. One is used for ground so that small children can also watch the animals. In­
bird watching, the second for observing beavers. The huts are side, dioramas the size of small aquariums were mounted on
connected by a wooden walkway that takes a zig-zag course the hut walls and explain the natural phenomena that can be
along the edge of the marsh. The accesses from the walk­ watched. The larger hut even has a terrace with a high para­
way to the observation posts are clad with panels of untreat­ pet that hides visitors. Two pairs of binoculars are mounted
ed wood, at the beginning the boards are mounted with gaps on the railing.There are architects who design nature or, at
between them, closer to the huts they form a solid wall. As a the very least, wish to leave their stamp on it. These archi­
result, the people moving around cannot be seen by the ani­ tects have very different interests. Their projects attempt to
mals. To ensure that this construction would also withstand initiate a discourse between micro urban planning and Land
flooding, the side walls are not continued down to the level art, their work aims at subjecting itself to natural ecological
of the walkway. A gap above the wooden pathway allows wa­ changes rather than injuring nature.

2
102 Polen 55Architekci

PLATFORMA
WIDOKOWA 
Wola Krogulecka Ul.
Stefana Batorego 25,
33–340 Stary Sącz, Polen

Grundstücksfläche
site area: ca. 3.200 m²

Bebaute Fläche
built-up area: 127,95 m²

Planungsbeginn start
of planning: 2012

Baubeginn start of
2
construction: 2014

Fertigstellung
completion: 2014

Bauherr client:
City Council of Stary Sącz

Generalunternehmer
1
building contractor:
Lageplan  Site plan
JANBUD Andrzej Janik

2
Planung planning:
Grundriss  Ground floor plan
55Architekci s. c.

3
Projektleitung project
Schnitt  Section
manager:
Wojciech Świątek

Mitarbeiter assistance:
Anna Szewczyk-Świątek

Statik structural
consultant: FK Projekt

Landschaftsplanung
landscape planning:
55Architekci

Fassade facade:
Sto Milano

Dach roof: TPO Firestone

Fenster windows:
Sky-Frame / ALUPROF

Türen doors: ALUPROF



Innentüren interior doors:
PIU Design

Bewegliche Terrasse
movable terrace: 3
COMSTAL
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 103

ENKLAWA
PRZYRODNICZA
„BOBROWISKO“  4
Flussgabelung Poprad
und Dunajec, Stary Sącz
4
Lageplan  Site plan
Grundstücksfläche
site area: 5.224,13 m² 5
Schnitt  Section
Nutzfläche floor
area: 62,60 m² 6
Grundriss  Ground floor plan
Bebaute Fläche built-up
area: 1.251,85 m²

Umbauter Raum
cubage: 313,16 m³

Planungsbeginn start
of planning: 2017

Baubeginn start of
construction: 2018

Fertigstellung
completion: 2018
5
Baukosten building costs:
1.520.612,10 PLN

Bauherr client:
City Council of Stary Sącz

Generalunternehmer
building contractor:
Budownictwo Mosty Drogi
BMD Sp. z o. o.

Planung planning:
55Architekci s. c.

Projektleitung
project manager:
Wojciech Świątek

Mitarbeiter assistance:
Anna Szewczyk-Świątek,
Magdalena Caban

Statik structural
consultant: Jerzy Gąciarz
(Budownictwo Mosty Drogi 6
BMD Sp. z o. o.)

Landschaftsplanung
landscape planning:
55Architekci s. c.
Photo Juliusz Sokołowski,
104 Polen
KWK Promes, Robert Konieczny

Quadrant-Haus, Warschau
Gebaute Konzepte  Robert Konieczny ist wohl Polens derzeit international
bekanntester Architekt. Das liegt daran, dass er seine innovativen konzeptuellen
Ideen stets konsequent und mit Perfektionsdrang im Bau realisiert. Mit
verlässlich spektakulären Ergebnissen, wie es sein jüngstes Werk beweist,
das bewegliche Architektur inszeniert.
Photos Olo Studio, Juliusz Sokołowski, Jarosław Syrek  Text Tomasz Żylski
106 Polen KWK Promes, Robert Konieczny

Innovation und Marketing  Robert Konieczny ist heute kann und den Bewohnern ein Maximum an Privatsphäre bie­
wohl der bekannteste polnische Architekt. Er wird dieses Jahr tet. Oder das Autofamilienhaus (Dom Autorodzinny), in wel­
50 Jahre alt und gehört damit zu jener Generation von Ar­ chem das auf der Ebene des Wohnraums geparkte Auto in den
chitekten, deren Karriere bereits nach 1989 begann, in einer Rang eines Familienmitglieds erhoben wird, oder das Living-
für Polen neuen sozioökonomischen Wirklichkeit. Diese neue Garden House, in welchem der Garten im wahrsten Sinne des
Wirklichkeit betraten sie mit großen Hoffnungen, doch auch Wortes zu einem Teil des Wohnraumes wird.
voller Komplexe und Befürchtungen. Konieczny profilierte
sich sich rasch im Bereich der Planung von Häusern für wohl­ Der Perfektionist  Konieczny vermag es wie kaum ein an­
habende Kunden und bewies, dass man keine spektakulä­ derer, über seine Gebäude zu sprechen und verwandelt dabei
ren Museumsbauten oder Wolkenkratzer entwerfen muss, um die Erzählung über den schöpferischen Prozess stets in eine
sich auch im Ausland Bekanntheit zu verschaffen. „Wenn ich Geschichte faszinierender Logik, der es auch nicht an Anek­
Villen für wohlhabende Bauherren entwerfe, kann ich mir Ex­ doten und persönlichen Überlegungen mangelt. Als ich vor
perimente erlauben, die zur Weiterentwicklung der Architek­ über zehn Jahren in der Redaktion der Zeitschrift „Architke­
tur beitragen und anschließend als Massenanwendungen um­ tura-murator“ zu arbeiten begann, erschien er mit einem Mo­
gesetzt werden“, sagte er in einem seiner Interviews. Derzeit dell und Skizzen zu einem seiner Projekte, über das wir be­
wird jedes seiner Projekte zu einem Ereignis und kann mit ei­ richten sollten. Die Texte wurden von unabhängigen Kritikern
ner Publikation in einer führenden Architekturzeitschrift oder geschrieben, die Fotos von einem Fotografen angefertigt, mit
auf Architekturwebsites rechnen. Indem er den Pragmatismus dem wir laufend zusammenarbeiten. Konieczny lag es aller­
konzeptioneller Lösungen und die Romantik der unaufhörli­ dings sehr daran, dass auch das Team, das an der Publikati­
chen Suche nach dem architektonischen Ideal miteinander on arbeitete, die Idee des Gebäudes versteht. Er ist nämlich
verbindet, vermag es dieser aus Schlesien stammende Archi­ Perfektionist. An dem Entwurf für seine berühmte Arche, sein
tekt sicherlich, optimale Antworten auf die Bedürfnisse und eigenes Sommerhaus auf der Böschung eines Hügels in den
Wünsche wohlhabender Bauherren zu finden: Etwa das Safe Schlesischen Beskiden in Brenna, arbeitete er zwei Jahre lang.
House (Dom Bezpieczny) – ein Gebäude mit mobilen Wän­ Zum Zeitpunkt des Baubeginns entschloss er sich allerdings,
den, das sich auf Knopfdruck in eine Festung verwandeln das Gesamtkonzept vollständig abzuändern. Das sei es nicht,
1 2

1 2
„Villen für wohlhabende Bauherren zu entwerfen, erlaubt mir Experimente, Das Quadrant House ist ein Beispiel mobiler Architektur mit individuellen
die zur Entwicklung der Architektur beitragen“, R. Konieczny  “Designing Lösungen, die die Baufirma später in Serienproduktion übernahm  The Quad-
villas for affluent clients, allows me to engage in experiments which con- rant House is an example of mobile architecture with individual solutions
tribute to the development of architecture” R. Konieczny  Photo Sokołowski that were later standardised by the construction firm  Photo Jaroslaw Syrek

meinte er. Der neue Entwurf war dann in drei Tagen fertig! Als Grundsatz der Wirkungsweise eines Quadranten, eines histo­
Architekt des Museumsgebäudes Dialogzentrum Przełomy in rischen Instrumentes zur Ermittlung der Position von Gestir­
Stettin engagierte er sich auch bei der darin geplanten Aus­ nen, einschließlich der Messung des Sonnenstandes über dem
stellung, obwohl deren Konzept von einem ganz anderen Büro Horizont. Den Bauherren lag es nämlich vor allem an hellen,
erarbeitet wurde, welches im Zuge einer offenen Architek­ großzügigen Innenräumen, in denen das natürliche Licht die
turausschreibung auserkoren wurde. Damit die Ausstellung Hauptrolle spielen sollte. Das Gebäude wurde daher aus zwei
mit der äußeren Form des Gebäudes korrespondiert, opfer­ im rechten Winkel zueinander und übereinander gelegten qua­
te er Freizeit und finanzielle Mittel und schuf gemeinsam mit derförmigen Blöcken zusammengesetzt. Der kleinere Block be­
den Autoren des ursprünglichen Ausstellungsprojektes eine herbergt die Garage und den Spa, im höheren, zweistöckigen,
interdisziplinäre Arbeitsgruppe. Dieser kompromisslose An­ befinden sich ein großer Salon mit Küche im Erdgeschoss so­
satz trug allerdings Früchte, denn das Projekt Przełomy erhielt wie die Schlafzimmer im oberen Geschoss. Dazwischen ent­
als erstes polnisches Bauobjekt im Jahre 2016 den European stand ein beweglicher Trakt mit verglasten Seitenwänden. Je
Prize for Urban Public Space sowie den Titel The World Buil­ nach Einstellung schließt dieser bewegliche Flügel den Tages­
ding of the Year beim World Architecture Festival. bereich oder den Spa-Bereich ab und verdunkelt oder erhellt
dadurch die jeweilige Fläche. Das Antriebssystem ist vollau­
Der Sonne nach  Das neueste Projekt von Robert Konieczny tomatisch und reagiert auf den Sonnenstand, wodurch dieser
ist das Quadrant House. Es ist ein Beispiel mobiler Architek­ Trakt im Laufe des Tages in ständiger Bewegung ist. Er bewegt
tur mit individuellen Lösungen, die von der Baufirma später sich fast unmerklich auf einer bogenförmigen Bahn und hält
in ihre Serienproduktion übernommen wurden. In diesem Fall an, wenn er auf ein Hindernis trifft. Aus funktionalen Gründen
entwarf der Architekt das Konzept des Hauses rund um den kann er natürlich auch manuell gesteuert werden.
108 Polen KWK Promes, Robert Konieczny

Den Bauherren lag es vor allem an hellen, großzügigen Innenräumen, in denen das natürliche Licht die Hauptrolle spielen sollte  For the clients the
the most important thing was to have bright, generously dimensioned interiors in which natural light would play the main role  Photo Juliusz Sokołowski

Weiße Kuben unterm Sonnenlicht  Dieses bezau­ Konsequent Ideen bauen  Die weiße Farbe dominiert
bernde Spektakel, das eine neomodernistische Interpretation auch in den Innenräumen, doch wurde sie hier subtil mit
des Le Corbusier’schen Spiels von Blöcken im Licht darstellt, Grautönen und Schwarz durchbrochen. Im Salon ist es ohne­
ist einzig und allein den Hausbewohnern vorbehalten. Denn hin die Gartenlandschaft hinter dem Fenster, welche die Auf­
straßenseitig verrät das Gebäude sein Geheimnis nicht. Um­ merksamkeit auf sich lenkt. In diesem beidseitig verglasten
geben von durchschnittlichen vorstädtischen Villen mit roten Raum verwendet Konieczny sechs verschiebbare großformati­
Dachziegeln erweckt es den Eindruck einer modernen wei­ ge Glasfenster, die man in eigens angefertigte Wandhohlräume
ßen Skulptur. Dieser Eindruck wird durch das gänzliche Feh­ hineinschieben und damit den Raum auf beiden Seiten voll­
len von Fenstern und das flächenbündige Eingangs- und Gar­ ständig zum Garten hin öffnen kann. Dem Architekten wird
agentor sicherlich noch verstärkt, da diese dadurch praktisch mitunter Effekthascherei, die Verwendung kostbarer Gadgets
unsichtbar sind. Die charakteristische Form des Dachs – stra­ und überflüssiger Tricks vorgeworfen. Doch sind alle seine Lö­
ßenseitig ein Schrägdach und gartenseitig ein Flachdach – ist sungen räumlich und funktionell gerechtfertigt und resultieren
das Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem Bauherren- aus einer klar definierten Idee, die einer konkreten architek­
Wunsch nach einem Flachdach und der lokalen Bauordnung, tonischen Aufgabenstellung entspricht. Die Logik dieser un­
die hier Satteldächer vorschreibt. So erhielt das Haus noch ei­ gewöhnlich fotogenen Architektur lässt sich nur im direkten
nen zusätzlichen Hell-Dunkel-Effekt. Für die Wände verwen­ Kontakt vollends würdigen. Wer das nicht glaubt, möge nach
dete der Architekt weiße Acryl-Spachtelmasse, das Dach ist Stettin reisen, um das Dialogzentrum Przełomy zu besichti­
mit einer Membran in der gleichen Farbe bedeckt. gen – das bisher einzige öffentliche Gebäude des Architekten.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 109

KWK Promes
Robert Konieczny
Geboren/born 1969 in Katowi-
ce/PL Studium/education Sile-
sian University of Technology,
Gliwice/PL (Diplom/graduated
in 1998)

Büro/office
Seit/since 1999 in Katowice/PL

Werke (Auswahl)/
projects (selection)
Wohngebäude/residential buil-
ding Unikato, Katowice/PL 2018
Einfamilienhaus/single family
house Quadrant House, PL 2018
Einfamilienhaus/single family
house By the Way, PL 2016
Dialogzentrum/Dialogue Centre
Przełomy, Szczecin/PL 2016
Einfamilienhaus/single family
house Konieczny’s Ark, PL 2015
Einfamilienhaus/single family
house Living Garden House,
Izbica/PL 2014
Einfamilienhaus/single family
house Living Garden House,
Katowice/PL 2013
Einfamilienhaus/single family
house Standard House, PL 2011
Einfamilienhaus/single family
house Safe House, PL 2008
Einfamilienhaus/single family
house Aatrial House, PL 2006

Preise (Auswahl)/
awards (selected)
Architizer A+ Award 2019
European Prize for Urban Public
Square 2016
Europe 40 Under 40 Award
2008


www.kwkpromes.pl

Quadrant
Innovation and marketing  Robert Konieczny, today
perhaps the best-known Polish architect, turns 50 this year

House, Warsaw
and consequently belongs to the generation of architects
whose career began after 1989, in a socio-economic reality
that was new for Poland. They engaged this new reality with
great hope, but also full of complexes and fears. Konieczny
Built concepts  Robert Konieczny is
quickly established himself in the field of houses for well-to-
probably currently Poland’s best-known do clients and proved that it is not necessary to design spec­
architect internationally. This is because tacular museum buildings or skyscrapers in order to become
that he gives his innovative conceptual known abroad. “When I design villas for affluent clients, I
ideas a built form in a consistent way can allow myself to engage in experiments which contribute
and with a drive for perfection. And also to the further development of architecture and can later be
used in mass applications”, he said in one of his interviews.
with spectacular results, as is shown by
At present each of his projects is something of an event and
his most recent work which presents a he can be confident that it will be published in a leading ar­
movable architecture. chitecture magazine or on architecture websites. By connect­
ing the pragmatism of conceptual solutions with the romanti­
cism of a ceaseless search for the architectural idea, this Sile­
110 Polen KWK Promes, Robert Konieczny

sian architect can certainly find ideal responses to the needs then ready in just three days! As architect of the Przełomy dia­
and wishes of wealthy clients: for example the Safe House logue centre, part of the National Museum of Szczecin, he was
(Dom Bezpieczny) – a building with mobile walls that can be also involved in the exhibition planned for the centre, although
transformed into a fortress at the press of a button and offers the concept was devised by a completely different office that
its residents a maximum amount of privacy. Or the Car Fam­ was found through an architecture competition. So that the ex­
ily House (Dom Autorodzinny), in which the car is parked at hibition would harmonise with the external form of the build­
living room level and is raised to the status of a family mem­ ing, he sacrificed his leisure time and money and created an
ber, or the Living-Garden House, in which the garden be­ interdisciplinary working group together with the authors of
comes part of the living room in the truest sense of the word. the original exhibition project. This uncompromising approach
bore fruit, as in 2016 the Przełomy project was awarded the Eu­
The perfectionist  Konieczny can talk about his buildings ropean Prize for Urban Public Space, the first Polish building
better than almost anyone else and in doing this transforms to receive this honour, and was also named World Building of
the narrative about the creative process into a story with a fas­ the Year at the World Architecture Festival.
cinating logic that is not lacking in anecdotes and personal re­
flections. When I started to work in the editorial office of the Following the sun  Robert Konieczny’s latest project is
magazine “Architketura-murator” ten years ago, one day he ap­ the Quadrant House. It is an example of mobile architecture
peared with a model and sketches of one of his projects that we with individual solutions that were later standardised by the
were going to write about. The texts were written by independ­ construction firm and produced in series. The architect based
ent art critics, the photos were taken by a photographer with the concept of the house on the principle of the quadrant,
whom we regularly worked. For Konieczny, however, it was a historical instrument used to calculate the position of the
extremely important that the team working on the publication planets including measuring the height of the sun above the
should understand the idea behind his building. He is, after all, horizon. For the clients the most important thing was to have
a perfectionist. He worked for two years on the design for his bright, generously dimensioned interiors in which natural
famous ark, his own summer house in Brenna on the slopes light would play the main role. Therefore, the building was
of a hill in the Silesian Beskid Mountains. When the construc­ designed as two blocks arranged at right angles to each oth­
tion work was about to start, he decided to change the overall er and placed one over the other. The smaller block contains
concept entirely. That’s not it, he thought. The new design was the garage and the spa, in the higher, two-storey block there
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 111

is a large living room with a kitchen on the ground floor and a compromise reached between the client’s wish for a flat roof
the bedrooms on the first floor. Between these blocks there is and the local building regulations, which call for pitched roofs
a movable element with glazed side walls. Depending on its in this location. And so, the house was given an additional
position this movable wing closes off the daytime space or the light-dark effect. For the walls the architect used white acrylic
spa and as a result darkens or brightens the respective area. It filler, the roof is covered with a membrane in the same colour.
is completely automatically driven and responds to the height
of the sun so that it is constantly in motion throughout the Building ideas consistently  The colour white also dom­
day. It moves almost imperceptibly along a track in the shape inates in the interior but is combined there with shades of grey
of an arc and stops when it meets an obstacle. For functional and black. In the living room it is the garden outside the win­
reasons it can, of course, be operated by hand. dow that attracts attention. In this room that is glazed on both
sides Konieczny uses six large glass windows that can be slid
White cubes in the sunlight  This enchanting spectacle, into specially made cavities in the walls and can therefore open
which represents a neo-modernist interpretation of Le Corbus­ the space completely to the garden on both sides. Konieczny
ier’s play of masses brought together in light, is unique and is is occasionally accused of showmanship, the use of expensive
reserved for the house owners. On the street side the building gadgets and unnecessary tricks. But all his solutions are spa­
reveals nothing of its secret. Surrounded by standard suburban tially and functionally justifiable and result from a clearly de­
private houses with red tiled roofs, it resembles a modern white fined idea that responds to a concrete architectural task. The
sculpture. This impression is strengthened by the complete lack logic of this unusually photogenic architecture can only be fully
of windows and the flush entrance and garage doors that are appreciated through direct contact. Whoever does not believe
practically invisible. The characteristic form of the roof – on the that should travel to Szczecin in order to visit the Przełomy
street side pitched, on the garden front flat – is the outcome of dialogue centre – the architect’s only public building to date.

1 2
Dazwischen entstand ein beweglicher Trakt mit verglasten Seitenwän- Das Antriebssystem ist vollautomatisch und reagiert auf den Sonnen-
den. Je nach Position schließt dieser bewegliche Flügel den Tagesbereich stand, wodurch dieser Trakt im Laufe des Tages in ständiger Bewegung
oder den Spa-Bereich ab  Between these blocks there is a movable ele- ist  It is completely automatically driven and responds to the height of
ment with glazed side walls. Depending on its position this movable wing the sun so that it is constantly in motion throghout the day 
closes off the daytime space or the spa  Photo Olo Studio Photo Juliusz Sokołowski

1 2
112 Polen KWK Promes, Robert Konieczny

Die charakteristische Form des Daches – straßenseitig ein Schrägdach – ist das Ergebnis eines
Kompromisses zwischen dem Bauherren-Wunsch nach einem Flachdach und der Bauordnung, die
hier Satteldächer vorschreibt  The characteristic form of the roof – on the street side pitched, on
the garden front flat – is the outcome of a compromise between the client’s wish for a flat roof
and the building regulations, which call for pitched roofs in this location  Photo Juliusz Sokołowski
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 113

Quadrant House  Warschau, Polen

Grundstücksfläche Mitarbeiter assistance:


site area: 1.679 m² Marcin Harnasz, Marcin
Pawlus, Marcin Króliczek,
Nutzfläche floor Justyna Górnica,
area: 558 m² Grzegorz Ostrowski

Bebaute Fläche Statik


built-up area: 419,5 m² structural consultant:
Kornel Szyndler PROECO
Umbauter Raum
cubage: 2.802 m³ Fassade facade: Grundriss 1. OG  First level
Sto Milano
Planungsbeginn start
of planning: 2013 Dach roof:
TPO Firestone
Baubeginn start of
construction: 2015 Fenster windows:
Sky-Frame / ALUPROF
Fertigstellung
completion: 2018 Türen doors: ALUPROF

Generalunternehmer Innentüren interior
building contractor: doors: PIU Design
DTM Domy, PHU
Aleksander Waloszek Bewegliche Terrasse
movable terrace:
Planung planning: COMSTAL
Robert Konieczny
KWK PROMES

Projektleitung
project manager: Grundriss EG – Position 1 
Robert Konieczny Ground floor plan – position 1
KWK PROMES

2 10 20 m
Lageplan  Site plan Grundriss EG – Position 2 
Ground floor plan – position 2

Schnitte  Section Grundriss EG – Position 3 


Ground floor plan – position 3
114 New Project

Schwarzenbacher
Struber Architekten

Quartier
Riedenburg,
Salzburg
Von der Kaserne zum Wohnquartier 
Die Transformation eines Kasernen­
geländes in ein Wohnquartier hat in Salz-
burg hohe Wellen geschlagen. Nun, da es
fertiggestellt ist, sind die Kritiker weitge-
hend verstummt, was nicht heißt, dass
man einfach zur Tagesordnung übergehen
soll. Den Bewohnern sollte man die Zeit ge-
ben, sich ihr neues Zuhause anzueignen.
Photos Kurt Kuball 
Text Roman Höllbacher
116 New Project Schwarzenbacher Struber Architekten

Schnell Wohnbau schaffen  Absichten, die im Salzbur­


ger Stadtteil Riedenburg gelegene, gleichnamige Kaserne dem
sozialen Wohnbau zu widmen, reichen bis in die 1980er-Jahre
zurück. Doch erst 2012 wurde auch die letzte auf Salzburger
Stadtgebiet verbliebene Kaserne nach einem öffentlichen An­
gebotsverfahren an eine Bietergemeinschaft aus einem genos­
senschaftlichem und einem privatem Wohnbauträger veräu­
ßert. Das rund 35.000 m2 große Areal, am Rande der histori­
schen Altstadt und in der Pufferzone des UNESCO-Welterbes
gelegen, bot durchaus Fantasie für lukrativere Verwertungs­
möglichkeiten, wie öffentlich lancierte Vorschläge seitens pri­
vater Immobilienentwickler bewiesen. Die Kulturszene wie­ Schwarzen­
derum ventilierte, die Kaserne partiell zu erhalten und Tei­ bacher Struber
le der historisch interessanten Anlage wenigstens temporär Architekten
der Kunst- und Theaterszene zur Verfügung zu stellen. Alle
diese Überlegungen wurden durch die kommunalpolitische Wolfgang
Entscheidung hinfällig, möglichst rasch eine möglichst große Schwarzenbacher
Zahl an geförderten (Miet-) Wohnungen zu realisieren. Geboren/born 1958 in Abtenau/AT
Studium/education TU Graz/AT
(Diplom/graduated in 1985)
Kooperativer Prozess  Die Frage der städtebaulichen In­
terpretation des Areals wurde in einem prominent besetz­ Christian Struber
ten Architektenwettbewerb geklärt, an dem eine ganze Reihe Geboren/born 1976 in Abtenau/AT
Studium/education Robert Gordon
hochrangiger internationaler Architekturbüros teilnahm. Un­ University Aberdeen/GB, TU Graz/AT
ter dem Vorsitz von Rüdiger Lainer kürte im März 2014 die (Diplom/graduated in 2002)
Jury den Vorschlag der ARGE Schwarzenbacher Struber Ar­
chitekten und Fally+Partner Architekten aus Salzburg zum Stefan Höll
Geboren/born 1986 in Hallein/AT
Leitprojekt. Für den nördlichen Abschnitt empfahl sie, den Studium/education Robert Gordon
Ansatz des Atelier Pucher aus Graz umzusetzen. Mit der Frei­ University Aberdeen/GB, TU Graz/AT
raumplanung betraute man das Büro „agence ter“ aus Karls­ (Diplom/graduated in 2013) Lehr­
tätigkeit/teaching assignments
ruhe. In einem intensiven kooperativen Prozess, den der Ge­ seit/since 2014 FH Salzburg/AT
staltungsbeirat unter dem Vorsitz von Walter Angonese mo­
derierte, wurden diese sich ergänzenden Gestaltungsansätze Büro/office
Seit/since 2015 in Salzburg/AT
verdichtet und zu einem homogenen stadträumlichen Ge­
samtkonzept verschmolzen. Dieses basiert auf der Erkennt­ Werke (Auswahl)/projects (selection)
nis – man könnte auch sagen der Prämisse –, dass die Bil­ Wohnanlage Quartier Riedenburg/
housing complex, Salzburg/AT 2019
dung von durchlässigen, auf dem Gelände verteilten Clustern (mit/with fally plus partner Arch.)
einige Schnittstellen zur benachbarten Bebauung erlaubt. Das Seniorenwohnhaus/retirement
neue „Quartier Riedenburg“ löst sich damit von der herme­ community Itzling, Salzburg/AT 2018
Krabbelstube/crèche Sighartstein,
tischen Struktur der einstigen Kaserne, die allseitig von ho­ Neumarkt a. Wallersee/AT 2017
hen Mauern umgeben und damit von der benachbarten Be­ Wohnbebauung/housing develop-
bauung abgeschottet war. Die gewählte städtebauliche Figur ment Bärgründe, Salzburg/AT 2017
Gemeindeamt/municipal council,
widerspricht zudem all jenen, die eine wie auch immer ge­ Natternbach/AT 2015
staltete Blockrandbebauung für die Neubebauung des Areals Schulzentrum/school centre, Abte-
favorisierten. Im Wettbewerb konnte kein einziger der Ent­ nau/AT, 2014, Landwirtschaftliche
Fachschule/agricultural technical
würfe mit einem derartigen Ansatz überzeugen. Die gewählte college, Tamsweg/AT, 2012
Konzeption mit der Öffnung des Areals ist daher keine will­ Eltern-Baby-Zentrum/parent-child
kürliche Entscheidung, sondern unter den gesetzten Prämis­ centre, Salzburg/AT 2010
Wohnbau/housing complex Sonnen-
sen logisch und stadttypologisch in der Riedenburg argumen­ park Aigen, Salzburg/AT 2009
tierbar. Dennoch sehen manche in der 2016 bis 2019 errichte­
ten Wohnanlage mit vier- bis siebengeschossigen und einem Preise (Auswahl)/awards (selected)
Holzbaupreis Salzburg 2007, 2015,
einzelnen achtgeschossigen Baukörper einen Widerspruch zu 2019 (Anerkennungen/honorable
der im späten 19. Jahrhundert entstandenen gartenstadtähnli­ mentions)
chen Bebauung des Stadtteils. Dabei gilt es zu bedenken, dass Landesbaupreis Kärnten 2004
Landesenergiepreis Salzburg 2003,
gerade die offene Bauweise für den Stadtteil prägend ist und 2004
Öster. Solarpreis 1998, 2002
Das homogene stadträumliche Gesamtkonzept ist Resultat eines inten­ Österreichischer Holzbaupreis 1998
siven kooperativen Prozesses, den der Gestaltungsbeirat moderierte 
The homogenous overall urban planning concept is the result of an inten-
sive cooperative process, which was monitored by the design advisory www.schwarzenbacherstruber.com
committee  Photo: AIR media Karl Strauch
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 117
118 New Project Schwarzenbacher Struber Architekten

daher auch große, den Maßstab des Villenbaus übersteigende ihr verbindet. Diese mit Sorgfalt positionierten Wege bieten vi­
Bauten für ihn charakteristisch sind. Das beweisen die ehema­ suell reizvolle Bezüge, Durchblicke zum in unmittelbarer Nähe
lige Sternbrauerei, das von der Kongregation der Barmherzi­ gelegenen Rainberg im Osten oder eine Blickachse auf den Un­
gen Schwestern 1874–78 nach Plänen von Vinzenz Rauscher tersberg im fernen Süden. Ein Glücksfall ist weiters, dass fak­
jun. und des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt tisch als letztes Relikt der Kaserne das Haus Sinnhubstraße 3,
errichtete Konventsgebäude mit dem bis heute bestehenden ursprünglich eine Stallung für rekonvaleszente Pferde aus dem
Seniorenwohnheim und auch die einstige Riedenburgkaserne. Jahr 1893, gerettet werden konnte und eine Bestandsgarantie
besitzt. Es beherbergt seit September 2018 das Architekturhaus
Mobilität, Integration, Funktionsvielfalt  Die zentrale Salzburg, das vom Verein Initiative Architektur geführt wird.
Lage in der Stadt bietet viele Vorzüge im Hinblick auf die An­
bindung an den öffentlichen Verkehr. Die Stadt Salzburg, die Stadtaufwertung in Sicht  Über eine Wohnanlage die­
zu den Stoßzeiten regelmäßig im Stau erstickt, setzt hier auch ser Größenordnung einen Bericht zu verfassen, wenn gerade
verkehrspolitisch ein Signal zum Umdenken. Um Mobilität jen­ die letzten Bewohner einziehen, muss berücksichtigen, dass
seits der Abhängigkeit vom privaten PKW auf den Weg zu brin­ noch nicht jedes Detail sitzt. Es bleiben auch Desiderata und
gen, wurde eine attraktive Infrastruktur für Fahrrad-, E-Bike- Mängel. Dazu zählt, dass der geförderte Wohnbau in Salzburg
sowie E-Mobil-Nutzung geschaffen. Statt der 636 erforderli­ nach wie vor nur die Vollwärmeschutzfassade kennt. Gerade
chen Radabstellplätze stehen 844 zur Verfügung. Umgekehrt eine solche hat jedoch inmitten der historischen Stadt eigent­
konnte durch ein ausgeklügeltes Verkehrskonzept, das sich lich nichts verloren. Die Farbigkeit der Baukörper, vielmehr
auf eine Bedarfsanalyse stützt, die Zahl der 445 PKW-Pflicht­ einzelne Farbkombinationen, sind gewöhnungsbedürftig, der
stellplätze auf 297 Tiefgaragen- und 17 Oberflächenstellplätze großzügige Baumbewuchs, mit dem die Anlage ausgestattet
reduziert werden. Unterstützt wird diese Verkehrsanbindung wurde, muss erst in die Jahre kommen, um seine Wirkung zu
durch die funktionelle Vielfalt im neuen Quartier. So situier­ entfalten und noch sind längst nicht alle Geschäfts- und Büro­
te man an der stark befahrenen Neutorstraße Geschäftsflächen flächen vermietet. Die ersten Rückmeldungen an das Bewoh­
und Büros rund um einen Platz, der als Entree zur Wohnanla­ nerservice zeigen allerdings, dass die Bedingungen für die Be­
ge dient. Ein Café-Restaurant, das Menschen mit körperlichen wohner kaum besser sein könnten. Es gibt in der verkehrsfrei­
und/oder geistigen Beeinträchtigungen beschäftigt, ein städ­ en Wohnanlage differenziert ausgebildete Aufenthaltsbereiche
tischer Kindergarten und ein Bewohnerzentrum sind weitere und jede Wohnung verfügt über attraktive private Freiräume,
Funktionen, die nicht nur den Bewohnern der 315 Wohnungen meist in Form witterungsgeschützter Loggien. Die Vorausset­
zählenden Anlage zur Verfügung stehen. Ein Mehrwert für den zungen, dass die neue Wohnanlage gemeinsam mit den ter­
ganzen Stadtteil bildet auch die öffentliche Grünfläche in der tiären Nutzungen zur Stärkung des Stadtteils und der gesam­
Größe von rund 5.000 m² sowie die Durchwegung des Gelän­ ten Stadtmitte Salzburgs beiträgt, sind geschaffen. Nun sollte
des, welche das neue Quartier an die Umgebung an- und mit man ihr die Zeit geben, diese Rolle wahrzunehmen.

Das „Quartier Riedenburg“ löst sich von der hermetischen Struktur der
einstigen Kaserne, die von hohen Mauern umgeben und von der Nachbar-
schaft abgeschottet war  The “Quartier Riegenburg” detaches itself from
the hermetic structure of the former barracks, which was surrounded by
high walls on all sides that closed it off from the nearby development
Quartier
Riedenburg,
Salzburg
fally plus
From barracks to residential partner
quarter  The transformation of a Architekten
barracks into a residential quarter
caused quite an uproar in Salz- Robert Wurbs
Geboren/born 1976 in Salzburg/AT
burg. Now that it has been com- Studium/education Universität
pleted, the critics have, for the Innsbruck/AT (Diplom/graduated
in 2005)
most part, fallen silent which does
not mean a return to business as Gerhard Baumgartner
Geboren/born 1967 in Salzburg/AT
usual, that is a rule which applies Studium/education TU Graz/AT
more to politics. The residents (Diplom/graduated in 1994)

should now be given time to Georg Lienbacher


appropriate their new home. Geboren/born 1971 in Abtenau/AT
Studium/education TU Graz/AT
(Diplom/graduated in 2007)

Büro/office
Seit/since 2010 in Salzburg/AT
Einen Mehrwert für den ganzen
Stadtteil bildet auch die öffent- Werke (Auswahl)/
liche Grünfläche in der Größe projects (selection)
von 5.000 m² sowie die Durch- Einfamilienhaus/single family
wegung des Geländes  The house G, Bayerisch Gmain/DE
public green areas measuring 2019
5,000 m² are an added value for Landespolizeidirektion/regional
the entire urban district, as are police department, Aufstockung/
the routes across the site that extension, Salzburg/AT 2019
connect the new quarter to its Wohnanlage Quartier Riedenburg/
surrounding and vice-versa housing complex, Salzburg/AT
2019 (mit/with Schwarzenbacher
Struber)
Bauernhof/farmstead Aigenbichl,
Revitalisierung/revitalisation,
Goldegg-Weng/AT 2018
Hotel Schloss Leopoldskron,
Revitalisierung/revitalisation,
Salzburg/AT 2018 (mit/with
architekturbuehne)
Ortszentrum/town centre, Wohn-
und Geschäftshäuser/residential
and commercial buildings,
Gold­egg-Weng/AT 2018
Büro- und Lagergebäude/office
and storage building, Blickle,
Grödig/AT 2017
Haltestelle/station Bad Vigaun,
Salzburg/AT 2017
Feuerwehr/fire brigade, Neumarkt
a. Wallersee/AT 2015
Lehrwerkstätte/training workshop
ÖBB, Salzburg/AT 2013
Bahnhof/station, Umbau/transfor-
mation, Schladming/AT 2012

Preise (Auswahl)/
awards (selected)
klimaaktiv 2016


www.fallypluspartner.at
120 New Project Schwarzenbacher Struber Architekten

Creating housing quickly  Intentions to use the Rieden­ monitored by the design advisory committee chaired by Walter
burg Barracks in the district of the same name in Salzburg for Angonese, these complementary design approaches were con­
social housing date back to the 1980s. But it was only in 2012 densed and blended to form a homogeneous overall urban
that, after a public tender process, the last remaining barracks planning concept. This is based on the knowledge – one could
in the Salzburg urban area was sold to a bidding consortium almost say on the premise – that the formation of permeable
made up of a cooperative and a private housing developer. clusters distributed across the site allows a number of interfac­
As was proven by a number proposals publicly launched by es to the neighbouring development. In this way the “Quartier
private real estate developers, the site that measures around Riedenburg” detaches itself from the hermetic structure of the
35,000 m², located on the edge of the historic old town and in former barracks, which was surrounded by high walls on all
the buffer zone of the UNESCO world heritage, offered mate­ sides that closed it off from nearby development. The urban
rial for fantasies about more lucrative development possibili­ figure chosen thus contradicts all those who favoured a block
ties. The culture scene, on the other hand, voiced the possi­ edge development of some kind or other for the site. In the
bility of partly preserving the barracks and making elements competition not one of the designs that took this sort of ap­
of the historically interesting complex available, at least tem­ proach was found convincing. The concept chosen that opens
porarily, to the arts and theatre scene. All these considerations up the site is therefore not an arbitrary decision but, under
were made irrelevant by local politicians’ decision to build the the given premises, is logical and entirely justifiable as an ur­
greatest possible number of subsidised (rental) apartments ban typology in the Riedenburg area. Nevertheless, many peo­
here as quickly as possible. ple see this housing complex erected between 2018 and 2019,
which consists of four to seven-storey buildings and a sin­
Cooperative process  The question about the urban plan­ gle eight-storey block , as unsuitable for the garden city pat­
ning interpretation of the site was clarified in an architec­ tern used in developing this area of the city in the late 19th
ture competition that attracted entries from important inter­ century. But it should be remembered here that it is precisely
national architect offices. In March 2014 the jury, chaired by the open system of development that defines the character of
Rüdiger Lainer, selected the proposals by the working partner­ this part of the city and therefore even large buildings that ex­
ship Schwarzenbacher Struber Architekten and Fally+Partner ceed the scale of the villa buildings, are also characteristic of
Architekten from Salzburg as the guideline project, For the it. Proof of this is offered by the former Stern Brewery, by the
northern section the jury recommended implementing the ap­ Daughters of Charity convent, erected in 1874–78 to plans by
proach taken by Atelier Pucher from Graz. The office “agence Vinzenz Rauscher jun. and the Vienna Dombaumeister Frie­
ter” from Karlsruhe was entrusted with the design of the out­ drich von Schmidt, with its old person’s home that is still in
door spaces. In an intensive cooperative process, which was existence, and also by the former Riedenburg Barracks.

Diese mit Sorgfalt positionierten Wege bieten visuell reizvolle Bezüge


und Durchblicke  These routes, which were positioned with the greatest
of care, offer visually delightful references
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 121

Es gibt in der verkehrsfreien Wohnanlage differenziert ausgebildete Aufenthaltsbereiche und jede Wohnung verfügt über attraktive private
Freiräume  The traffic-free housing complex offers differentiated outdoor spaces and each appartment has its own private outdoor area

Mobility, integration, functional diversity  The cen­ barracks, no. 3 Sinnhubstraße, originally a stables built in
tral location in the city offers numerous advantages as regards 1893 for convalescent horses, could be saved and its contin­
connections to the public transport system. The city of Salz­ ued existence guaranteed. Since September 2018 it has been
burg, where rush hour traffic jams regularly threaten to bring the home of the Architekturhaus Salzburg, which is operated
everything to a standstill, has here given a transport policy by the Verein Initiative Architektur.
signal that encourages rethinking. To introduce forms of mo­
bility that reduce dependence on the private car, an attractive Upgrade for the city in sight  In writing a report about
infrastructure for bike, e-bike and the use of e-mobility was a housing development of this size at a time when the last
created. Instead of the 636 bike parking spaces required by residents are still moving in, it must be considered that not
the regulations, 844 are available. Conversely, through a clev­ every detail can yet be right. There are still a number of de­
er traffic concept based on an analysis of needs the obligato­ fects and things that are still required. These include the fact
ry 445 car parking spaces could be reduced to 297 spaces in that subsidised housing in Salzburg still never ventures be­
the underground garage and 17 at ground level. This transpor­ yond the fully thermally insulated facade. In fact, the histori­
tation connection is supported by the diversity of functions cal city is completely the wrong place for such facades. The
in the new quarter. On busy Neutorstraße shops and offices colour scheme for the buildings, or rather a number of colour
were positioned around a square that serves as the entrance combinations, require some getting used to. It will take some
to the housing development. A café-restaurant that employs time before the generous planting of trees in the complex can
people with a physical and/or mental disability, a municipal make a full impact, and many of the shop and office spaces
kindergarten and a residents’ centre represent further facili­ are not yet occupied. However, the first feedback to the resi­
ties available not only to residents of the complex that con­ dents’ service shows that conditions for the residents could
sists of 315 apartments. The public green areas measuring hardly be better. The traffic-free housing complex offers dif­
5,000 m² are an added value for the entire urban district, as ferentiated outdoor spaces and each apartment has its own
are the routes across the site that connect the new quarter to private outdoor area, generally in the form of a loggia that is
its surroundings and vice-versa. These routes, which were protected from the weather. The conditions that can allow this
positioned with the greatest of care, offer visually delightful new housing development, together with the tertiary func­
references, views of the nearby Rainberg to the east or a vis­ tions, to strengthen the urban district and the entire city cen­
ual axis leading to the Untersberg in the distant south. It is tre of Salzburg have been created. Now the complex should
a stroke of good fortune that practically the last relict of the be allowed time to take on this role.
122 New Project Schwarzenbacher Struber Architekten

1
Lageplan  site plan   P

5 25 50 m

Quartier Riedenburg Grundriss 


Ground floor plan 2 10 20 m

1
  P
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 123

Quartier
Riedenburg 
Moosstraße 1,
5020 Salzburg

Grundstücksfläche
site area: 29.800 m²

Nutzfläche floor
area: 19.900 m²

Umbauter Raum
cubage: 98.200 m³

Planungsbeginn start
of planning: 2014

Baubeginn start of
construction: 2016

Fertigstellung
completion: 2018

Bauherr client:
gswb – Gemeinnützige
Salzburger Wohnbau­
gesellschaft m.b.H., UBM
Development AG

Generalunternehmer
building contractor:
PORR und RHZ

Planung planning:
Schwarzenbacher Struber
Architekten in ARGE + Fally
+ Partner Architekten

Projektleitung project
manager: Stefan Höll,
Marco Giovannini

Mitarbeiter assistance:
Wolfgang Rüdiger, Martina
Scheffer, Erich Österbauer,
1 5 10 m
Michael de Wijn

Statik structural consult- Grundriss EG Cluster U  Ground floor plan Cluster U


ant: Ahmad ZT GmbH

Landschaftsplanung
landscape planning:
Agence Ter, freiraum +
landschaft

1
  P

Schnitt  section
1 5 10 m

  P
124 New Project

MOA Martin Oberascher &


Partner Architekten + PLOV Architekten

Wohnbau „Stadtpark
Lehen“, Salzburg
Das beste von zwei Welten  Das Projekt „Stadtpark Lehen“ federt die Kont-
raste am Bauplatz – eine verkehrsreiche, laute Straße im Norden und idylli-
sche Naturlandschaft mit Bach im Süden – kongenial in einer differenzierten
Großform ab. Mit unterschiedlichen Höhen, einem großen Tor, Laubengang
einerseits und durchgehenden Balkonen anderseits gelang Martin
Oberascher Architekten und PLOV hier eine herausragende Wohnqualität.
Photos Stefan Zauner  Text Isabella Marboe
Photo Andreas Buchberger
126 New Project MOA Martin Oberascher & Partner Architekten + PLOV Architekten

1
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 127

Lehen lebt  Die Salzburger Altstadt ist fast zu schön, um zwei sehr unterschiedlichen Projekten gewonnen hatten, sich
wahr zu sein. Die schmucken Häuser, der imposante Dom dann aber auf eine gemeinsame Lösung einigen mussten. Denn
in seiner barocken Opulenz, die grünen Uferpromenaden am anfangs war unklar, ob der Bauträger den zweiten Teil des
Fluss Salzach und der Mönchsberg mit Festung als Hinter­ Grundstücks erwerben würde können. Daher bearbeiteten die
grund bilden eine beinahe schon idealtypische Stadtkulisse, Architekten das Projekt im ständigen Streben nach Konsens ge­
die längst zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. 29,3 Millio­ meinsam weiter. So begann ein diskursiver, langer, von vielen
nen Nächtigungen erzielte Salzburg im Rekordjahr 2018, zeit­ Workshops geprägter Prozess, der ganz zu Gunsten des Stadt­
genössische Architektur ist aber rar im historischen Zentrum. teils und der Menschen ausging, die nun in einer der 105 geför­
Neues findet sich eher im Stadtteil Lehen, wo traditioneller­ derten Wohnungen in diesem Komplex leben. Dieser hat vom
weise die weniger Privilegierten leben. Lehen ist die Hoch­ gemeinsamen Ringen um die beste Lösung spürbar profitiert.
burg des sozialen Wohnbaus, der Wettcafés, Nagelstudios und
Kebab-Stände. Gerade hier aber ist in jüngerer Vergangenheit Gegen die Monotonie  „Lehen ist überwiegend ein
viel passiert: So realisierte das Büro HALLE 1 im Jahr 2008 Wohnbezirk, monoton und eintönig. Dabei war in den 1950er
das Projekt „Neue Mitte Lehen“ (architektur.aktuell 12/2009), und 1960ern die Ignaz Harrer Strasse noch eine der ersten
das mit seinem Mix aus Bibliothek, Geschäften, einer Bar, Einkaufsmeilen in Salzburg“, so Oberascher, der diese Mo­
Mietwohnungen, einem freien alten Fußballplatz, vor allem notonie mit seinem Projekt bewusst aufbrechen wollte. „Le­
aber dank signifikanter Architektur sein Umfeld stark aufwer­ hen gilt als sozialer ‚Brennpunkt‘. Aber es ist der einzige Ort
ten konnte und nun identitätsstiftend wirkt. in Salzburg, wo ich mich nicht wie in einem Dorf oder Muse­
um fühle.“ Die Ausgangslage für den „Stadtpark Lehen“ war
Ringen um die beste Lösung  Unweit davon, an der anspruchsvoll, denn der Bauplatz trifft auf unterschiedlichste
Ignaz-Harrer-Straße, glückte jüngst der gswb – Gemeinnützige Rahmenbedingungen: Im Norden verläuft die sehr stark be­
Salzburger Wohnbaugesellschaft m. b. H. als Bauträger direkt fahrene Ignaz-Harrer-Straße, im Osten grenzt ein Wohnbau
gegenüber der eigenen Zentrale das Projekt „Stadtpark Lehen“. mit zylindrischem Kopf an, im Süden herrscht am Glanbach
Die Salzburger Martin Oberascher & Partner Architekten ent­ mit seiner Uferbebauung die Atmosphäre unberührter Länd­
wickelten es gemeinsam mit dem Wiener Büro PLOV: Das ist lichkeit. „Mir war wichtig, dass es große Öffnungen zwischen
umso beachtlicher, als die beiden den Wettbewerb dafür mit Park und Straße gibt“, so Oberascher. „Für uns war städte­

1 2
Das Projekt „Stadtpark Lehen“ hat spürbar vom gemeinsamen Ringen Der Bauplatz trifft auf unterschiedlichste Rahmenbedingungen: Im
der zwei Architekturbüros um die beste Lösung profitiert  The project Norden verläuft die stark befahrene Ignaz-Harrer Straße  The site
“Stadtpark Lehen” has tangibly profited from the two architects’ combines outline conditions of the most different kinds: in the north
offices joint struggle to arrive at the best possible solution there is Ignaz-Harrer Straße with its heavy traffic  Photo Andreas Buchberger

2
128 New Project MOA Martin Oberascher & Partner Architekten + PLOV Architekten

Im Süden herrscht am Glanbach mit seiner Uferbebauung die Atmosphäre unberührter Ländlichkeit 
In the south, along the Glanbach stream with its river bank development, the atmosphere is undisturbed and rural

baulich die geknickte Großform wesentlich, die sich auch auf­ kann als Lochfassaden mit Vollwärmeschutz. Hier knickt sich
fächern lässt und mit ihrer Form Park und Straße verweben an der Ignaz-Harrer-Straße eine mutig in changierende Gelb-
kann“, so Marion Gruber von PLOV. Nach vielen gemeinsa­ und Grüntöne gekleidete Großform wie eine riesige, kanti­
men Workshops und Terminen beim Gestaltungsbeirat wurde ge Schlange am nördlichen Rand des Grundstücks entlang.
das Projekt „Stadtpark Lehen“ realisiert. Dieser Wohnbau setzt in einer Umgebung, deren Bebauung
vor allem der Pragmatik folgt, neue Maßstäbe. Er hebt am
Vielschichtiger Mäander  Überzeugend tritt es den Be­ östlichen, urbanen Ende der zwei Baufelder mit einem sie­
weis an, dass sozialer Wohnbau auch heute noch für einen bengeschossigen Bauteil an, der mit einem runden Eck auf
spezifischen Ort ambitioniert entworfen und weit mehr sein sein postmodernes, zylindrisches Wohnbau-Gegenüber an der
129

Viele Gesichter  Bis zu diesem Punkt mäandriert der


Wohnbau bereits 154 Meter an der Straße entlang und von
ihr weg, um die Villa herum. Beim Altbau quert der Gailen­
MOA bachweg das Grundstück und zeigt damit auch die Trennlinie
Martin zwischen Baufeld eins und Baufeld zwei an. Mit drei Stock­
werken setzt sich entlang des Weges das Projekt „Stadtpark
Oberascher Lehen“ fort, um abschließend souverän am westlichen Ende
& Partner des Grundstücks als sechsstöckiger Bauteil an der Ignaz-Har­
Architekten rer-Straße in Erscheinung zu treten. Auch der zweite Bauteil
bringt es auf 92 Meter Laufmeter Länge. An der harten, urba­
Martin Oberascher nen Kante der Ignaz-Harrer-Straße zeigt sich das Projekt als
(Gründer/founder) Geboren/ geknickter, langer Riegel mit lärm- und nordseitiger Lauben­
born 1975 in Salzburg/AT
Studium/education Universität gangerschließung und einem transparenten Erdgeschoss, das
für Angewandte Kunst, Wien/ teils bereits erfolgreich als Gemeinschaftsraum für Kinderge­
Vienna/AT (Diplom/graduated in burtstage genutzt wird. Andere Zonen dienen als Abstellräu­
2003) Lehrtätigkeit/teaching
assignments 2009–2012 me, weitere warten noch auf Geschäftsleute, die hier ein Lo­
Kunstuniversität Linz/AT kal betreiben wollen.

Alexander Matl Durgehende Balkonbänder  Die mäandrierende Groß­


(Partner) Geboren/born 1980 in
Salzburg/AT Studium/educa- form schafft sowohl an der Ignaz-Harrer-Straße, als auch auf
tion Universität für Angewandte im grünen Hinterland kleine Vorplätze und Freibereiche. Ein
Kunst, Wien/Vienna/ AT großer Durchgang gibt ihr Durchlässigkeit, schirmt aber –
(Diplom/graduated in 2008)
Schallschutzglas sei Dank – auch Lärm ab. Auf der sonnigen
Büro/office Rückseite zeigt die Großform ihre wohnlichen Aspekte: Hier
Seit/since 2010 in Salzburg/AT schlängeln sich an den Bauteilen von Martin Oberascher Ar­
Werke (Auswahl)/ chitekten organisch-runde Balkonwellen die Fassade entlang
projects (selection) und mäandern um die Ecken, während sie an den Bauteilen
Museum Festung/fortress, von PLOV einem gezackten, geradlinigen Regiment folgen.
Hohensalzburg/AT 2019
Wohnquartier/residential Beiden gemeinsam ist, dass sie sich die gesamte Fassaden­
complex Stadtpark Lehen, fläche entlang ziehen, was bedeutet, als dass sich hier vor
Salzburg/AT 2018 (mit/with jedem Zimmer ein Balkon ausbreitet, der mindestens 80 cm
PLOV Architekten)
Einfamilienhaus/single family und höchstens 2,30 cm tief ist. Für Kinder ist das toll: So kön­
house Haus am See, Seeham/ nen sie außen am Balkon ihre Wohnung entlanglaufen. Vor
AT 2018 Wohnzimmer oder Wohnküche ist er tief genug für Tisch und
Ärztezentrum/medical centre
IBK79, Umbau/conversion, Sessel. Auch die kleineren Freiflächen sind gut zu brauchen
Salzburg/AT 2016 und werden bestens angenommen. Die Brüstungen sind aus
Ordination/medical practice eloxiertem, fein gelochtem Aluminium: Das garantiert Privat­
S. A. N., Salzburg/AT 2015
Bauakademie/building heit, ist aber nicht abweisend, sondern luftig-leicht.
academy, Salzburg/AT 2012
Lagerhalle/storage hall Lehr- Glückliche Mieter  „Eigentlich sind diese umlaufenden
bauhof, Salzburg/AT 2010
Balkonbänder eine Fortsetzung des Laubengangs auf indivi­
Preise (Auswahl)/ duell“, so Oberascher und Gruber. Der straßenseitige Lau­
awards (selected) bengang begeistert mit einem großzügigen Foyer, Lufträumen
Bauherrenpreis 2018
(Nominierung/nomination) und einem Stiegenhaus, das viele faszinierende Ausblicke in
Architekturpreis Land Salzburg den Straßenraum eröffnet. Er ist als offener Laubengang aus­
2012 geführt: Das heißt, dass ein Drittel der Fassadenflächen of­
fen  – also luftdurchlässig und nicht verkleidet – sind. Das
www.moa-architecture.eu überhitzt im Sommer nicht und ist als Pufferraum zwischen
innen und außen deutlich wahrnehmbar. Allerdings dringen
Schlagregen und Schnee herein und friert es im Winter. Da­
Lehener Straße reagiert. Gelassen mäandert er dann kantig für konnte man sich die umlaufenden privaten Balkone leis­
weiter, bildet ein großzügiges, riesiges Portal zur Parkland­ ten. „Wir haben dickere Stahlbetondecken, damit wir keine
schaft dahinter, ändert subtil seine Höhe, wird zwei Geschos­ Unterzüge brauchen. Dafür waren dann die raumhohen Fens­
se niederer und umarmt dann behutsam als niedriger, zweige­ ter drin“, sagen Oberascher und Gruber. Außerdem gibt es Ei­
schossiger, fast reihenhausartiger Bauteil eine bestehende Alt­ chenparkett. „Ich liebe diese Wohnung“, gesteht eine Miete­
bau-Villa mit Garten. Auf der verwilderten Rückseite dieses rin. „Wenn die Tür zu ist, glaubt man gar nicht, dass man an
Grundstücks, die vom Glanbach, seinem Uferbewuchs und ei­ der Ignaz-Harrer-Straße ist. Dass man über den Balkon in je­
nigen älteren Häusern geprägt ist, herrschen fast ländlich an­ des ihrer Zimmer gehen kann, freut die Kinder sehr. Für die
mutende Verhältnisse. Für Kinder ein Paradies. Bettwäsche ist es auch super.“
130 New Project

“Stadtpark Lehen”,
housing develop-
ment, Salzburg
The best of two worlds  The project
“Stadtpark Lehen” brilliantly balances
the contrasts on the building site – a loud
and busy street to the north and an idyllic
natural landscape with a stream to the
south – by employing a differentiated
major form. With different heights, a large PLOV
entrance area, deck access on the one Architekten
side and continuous balconies on the ZT GmbH
other, Martin Oberascher Architekten and
Marion Gruber
PLOV have here been able to produce Geboren/born 1977 in Linz/AT
housing of an exceptional quality. Studium/education Technische
Universität Wien/AT/technical
university Vienna/AT (Diplom/
graduated in 2005)

Lehen lives  The old town of Salzburg is almost too beauti­


Christoph Leitner
ful to be true. The pretty buildings, the imposing cathedral in all Geboren/born 1977 in Salz-
its Baroque opulence, the green promenades along the banks burg/AT Studium/education
of the River Salzach, and the Mönchsberg with the fortress as Technische Universität Wien/AT,
technical university Vienna/AT,
a background offer an almost ideal urban setting, which was Technische Universität Delft/
made part of the UNESCO world cultural heritage a long time NL, technical university Delft/
ago. In the tourism record year 2018 Salzburg achieved 29.3 NL, École d’Architecture Paris
La Villette/FR (Diplom/gradua-
million overnight stays, however contemporary architecture is ted in 2003)
rare in the city centre. New buildings are to be found more in
the northern city district Lehen, traditionally home to less priv­ Büro/office
Seit/since 2012 in Wien/Vienna
ileged people. Lehen is a centre of social housing, betting ca­ und Anif/AT
fés, nail studios and kebab stands. Precisely here a great deal
has happened in the recent past. In 2008 the office HALLE1 Werke (Auswahl)/
projects (selection)
realised the project “Neue Mitte Lehen” (architektur.aktuell Sanierung/renovation Gründer-
12/2009), which with its mix of library, shops, a bar, rental zeithaus/period of promoterism
apartments, an open old football pitch but, above all, thanks building Wien/Vienna, AT 2019
Erweiterung/extension B[R]G
to its significant architecture was able to strongly upgrade its Josefstrasse, St. Pölten/AT
surroundings and now helps to create identity. 2018, Wohnbebauung/Social
housing complex Stadtpark
Lehen (mit/together with MOA),
Grappling for the best solution  Not far away, on Salzburg/AT 2018, IKEA Kom-
Ignaz-Harrer-Straße, the building developer gswb – Gemein­ pakt St. Pölten/AT 2016, Gene-
nützige Salzburger Wohnbaugesellschaft m. b. H. has success­ rationenwohnen/Cross-genera-
tional housing FUX+, Ybbsitz/AT
fully completed the project “Stadtpark Lehen”, directly oppo­ 2013, Bikram Yoga Studio,
site its own headquarters. The Salzburg architecture office, Wien/Vienna, AT 2012
Martin Oberascher & Partner Architekten, and the Vienna Einfamilienhaus/Single family
house H., Klosterneuburg/AT
practice PLOV developed this project jointly: this makes it 2012, Raum für/Multifunctional
all the more commendable, as they had won the competition space for the IG-Architektur,
with two very different projects but then had to agree on a Wien/Vienna 2010

joint solution. Initially it was unclear whether the developer


would be able to acquire the second part of the site. The archi­ www.plov.at
tects therefore developed the project further, constantly striv­
ing for consensus. A lengthy discursive process began, marked
by numerous workshops, which ended entirely to the benefit
of the district and of the people who now live in the 105 sub­
sidised apartments in this complex. It has tangibly profited
from the joint struggle to arrive at the best possible solution.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 131

„Mir waren große Öffnungen zwischen Park und Straße wichtig“, so Martin Oberascher von MOA. „Für
uns war städtebaulich die geknickte Großform wesentlich“, so Marion Gruber von PLOV  “For me it was
important to create large openings between the park and the street”, says Martin Oberascher from MOA.
“For us the large bent form was important in urban planning terms”, says Marion Gruber from PLOV
132 New Project MOA Martin Oberascher & Partner Architekten + PLOV Architekten

Countering monotony  “Lehen is predominantly a res­ Complex meander  It offers convincing proof that the am­
idential district, monotonous and prosaic. Even though in bitious design of social housing for a specific place is still pos­
the 1950s and 1960s Ignaz-Harrer-Straße was one of the first sible today and that such housing can be far more than build­
shopping miles in Salzburg”, according to Oberascher, who ings with fully thermally insulated facades and hole in the wall
consciously wanted to dispel this monotony with his project. windows. In this case a major form, daringly clad in different
“Lehen is regarded as a social flashpoint. But it’s the only shades of yellow and green, bends along Ignaz Harrer Straße
place in Salzburg where I don’t feel that I am in a village like a huge, sharp-edged snake on the northern edge of the
or a museum.” The starting point for Stadtpark Lehen was site. In surroundings where pragmatism seems to have been
demanding, as the site combines outline conditions of the the driving force behind development this residential building
most different kinds: in the north there is Ignaz-Harrer Straße sets new standards. At the eastern, urban end of the two build­
with its heavy traffic, to the east is a residential building with ing sites it starts with a seven-storey high building that has a
a cylindrical end element, in the south, along the Glanbach rounded corner as a response to a cylindrical postmodern resi­
stream with its river bank development, the atmosphere is un­ dential building opposite on Lehener Straße. The new building
disturbed and rural. “For me it was important to create large meanders further in a relaxed way, forms a generous huge por­
openings between the park and the street”, says Oberascher. tal to the park behind and subtly changes its height, becomes
“For us the large bent form was important in urban planning two storeys lower and then as a low, two storey, almost row
terms, it can be splayed out and can weave the park and the house-like building, embraces an existing villa with garden. At
street together”, says Marion Gruber from PLOV. After many the overgrown rear of the site, which is formed by the Glanbach
joint workshops and meetings with the Salzburg design advi­ stream, the plants growing along its banks and a number of old­
sory council the project “Stadtpark Lehen” was implemented. er houses, the feeling is almost rural. A paradise for children.
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 133

Many faces  By this point the housing block has already that there is a balcony with a depth of at least 80 cm and up to
meandered 154 metres along the street and then away from 2.30 cm in front of every room. This is great for children: they
it, around the villa. At this old building Gailenbachweg cross­ can run along their apartment outside on the balcony. In front
es the site, indicating the boundary between building site one of the living room or combined kitchen / living room the bal­
and building site two. With a height of three storeys the pro­ cony is deep enough for a table and chair. The smaller outdoor
ject “Stadtpark Lehen” continues along the pathway and fi­ areas are also very practical and are being made full use of.
nally, at the western edge of the site, emerges on Ignaz Harrer The parapets are of finely perforated anodised aluminium: this
Straße as a six-storey building. The second part of the build­ guarantees privacy but is not hostile but rather airy and light.
ing achieves a length of 92 metres. On the hard, urban edge
formed by Ignaz Harrer Straße the project is a long, bent slab Happy tenants  “In fact these continuous balcony bands
with access deck circulation on the noisy northern side and a are a continuation of the access deck, but individualized”,
transparent ground floor, part of which is already being used say Oberascher and Gruber. The street side access deck has
successfully as a communal space for celebrating children’s a generously sized foyer, voids and a staircase that opens up
birthdays. Some zones serve as storage areas, while others numerous fascinating views of the street space. The deck is
still await businesspeople who want to run a shop here. open which means that a third of facade area is open – i. e.
permeable to air and without cladding. Therefore, it does not
Continuous balcony bands  Both on Ignaz Harrer Straße overheat in summer and is more easily understandable as a
and on the green hinterland the large meandering form cre­ buffer between inside and outside. However, driving rain and
ates small forecourts and outdoor areas. A sizable entrance snow can also enter and in winter it is freezing. But it made
area gives the building permeability but thanks to noise pro­ the continuous private balconies affordable. “We used thick­
tection glazing, screens against noise. At the sunny rear of the er reinforced concrete floor slabs, so that we didn’t need any
building the form shows a more domestic side: here organical­ downstand beams. This allowed room-height windows”, say
ly rounded balconies undulate along the facade and meander Oberascher and Gruber. And there is oak parquet flooring.
around the corners of the parts designed by Martin Oberascher “I love this apartment” a tenant reveals. “When the door is
Architekten, while on those parts designed by PLOV the balco­ closed you can’t believe that you are on Ignaz-Harrer-Straße.
nies are based on a jagged, straight-lined system. Both have in The children love that you can enter every room from the bal­
common that they run along the entire facade, which means cony. It’s also great when you are drying bed linen.”

1 2
Der straßenseitige Laubengang begeistert mit großzügigem Foyer, Luft- Der Laubengang ist als offener Laubengang ausgeführt: Das heißt, dass
räumen und einem Stiegenhaus, das faszinierende Ausblicke in den Stra- ein Drittel der Fassadenflächen offen ist – also luftdurchlässig und nicht
ßenraum eröffnet  The street side access deck has a generously sized verkleidet  The deck is open which means that a third of facade area is
foyer, voids and a staircase that opens up great views of the street space open – i.e. permeable to air and without cladding

2
134 New Project

1
Lageplan  Site plan

2
Regelgeschoss  Standard Level

3
Gestaltungskonzept Dynami­
sierung Baukörper  Overall
design concept of the volume

4
Schnitt  Section

2
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 135

Wohnquartier
„Stadtpark Lehen“
Ignaz Harrer Straße 65, 5020 Salzburg

Grundstücksfläche Mitarbeiter assistance:


site area: 8.057 m² Alexander Matl, Xavier
Delanoue, Thomas Buseck,
Nutzfläche floor Mostafa El Sadany, Hannes
area: 16.291 m² Tallafuss, Andreas Körner,
Martina Johanna Lesjak;
Bebaute Fläche Markus Illetschko, Renata
built-up area: 2.698 m² Jung, Christoph Obernoste-
rer, Elisabeth Etzler, Benno
Umbauter Raum Wutzl, Clemens Steininger,
cubage: 43.921 m³ Lorenz Schreiner, Doris
Halsdorfer
Planungsbeginn start
of planning: 2012 Statik
structural consultant:
Baubeginn start of Brandstätter ZT GmbH
construction: 2015
Landschaftsplanung
Fertigstellung landscape planning:
completion: 2018 Atelier Auböck + Kárász

Baukosten building HKL + Sanitär & ELO


costs: ca. € 17 Mio Planung hvac+s & ELO
planning: TAP GmbH
Kosten pro m² cost
per m²: 1.650 €/m² Bauphysik
construction physics:
Bauherr client: Zivilingenieur-Arge
gswb – Gemeinnützige
Salzburger Wohnbauge- Fassaden/Dach /Mauer-
sellschaft m. b. H. werk/Fenster/Türen
facade/roof/masonry/
Generalunternehmer windows/doors:
building contractor: Teil-GU Spiluttini Bau
Spiluttini Bau GmbH GmbH

Planung planning: Elektroinstallationen


MOA Martin Oberascher & electrical services:
Partner Architekten ZT Elektro Schartner GmbH
GmbH + PLOV ZT GmbH
HKL + Sanitär
3
Projektleitung project HVAC + sanitation:
manager: Martin Urdl HKLS Technik GmbH
Oberascher, Christoph
Leitner Aufzug elevators: Kone AG

4
136 Gebäudetechnik

Der elektronische Türöffner


ist ideal für Kinder und alle
anderen, denen es schwer-
fällt oder zu lange dauert,
einen Schlüssel ins Schloss
zu stecken.

Ganz in Schwarz
Ästhetisch höchste Ansprüche für Alternative zu Schloss und Schlüssel. Türkommunikation mit Zutrittskontrolle sorgt in
Gewerbebauten wie Wohngebäuden für einen sicheren Zugang ohne Schlüssel – zum Beispiel mit dem berührungslosen
Türöffner (Electronic-Key) von Siedle. Dieser hat jüngst ein Technologie-Upgrade erhalten. Der elektronische Türöffner für
Türstationen der Designlinien Siedle Vario, Classic und Steel verfügt über ein neues Innenleben auf dem Stand der Technik.
Interessant ist der berührungslose Türöffner auch für kleinere Wohnhäuser – zum Beispiel für Familien mit Kindern. Denn
herkömmliche Schlüssel vertraut man Kindern ungern an. Der Electronic-Key kann hingegen ruhig einmal verloren gehen.
Dann wird lediglich der zugehörige Code aus dem Empfänger gelöscht. Der berührungslose Türöffner ist wahlweise als Karte
im Scheckkartenformat oder als Schlüsselanhänger erhältlich, jeweils in elegantem Schwarz. Jeder elektronische Schlüssel
ist ein Unikat, vollständig abgekapselt, ohne Batterie und deshalb auch wartungsfrei, preisgünstig und umweltschonend.

  S. Siedle & Söhne | Bregstraße 1 | D-78120 Furtwangen | T +49/7723/63-0 | info@siedle.de | www.siedle.de


Vertrieb in Österreich: EURO UNITECH Elektrotechnik GmbH | Floridotower | Floridsdorfer Hauptstraße 1 | A-1210 Wien
T +43/1/662 72 50 | office@eurounitech.at | www.eurounitech.at
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 137

Wissenswertes per E-Learning


Basics rund um Einbruchmeldetechnik komfortabel online erfahren. Zuverlässige Sicherheitssysteme gewinnen in der Planungs-
phase von Objekten zunehmend an Bedeutung. Deshalb baut der süddeutsche Alarmanlagenhersteller Telenot das Service für
Architekten und Planer kontinuierlich aus. Ab sofort wird im E-Learning auf der Telenot-Homepage das neue Modul „Einbruchmel-
detechnik – Einführung und Begriffe“ angeboten. Bei dieser kostenlosen Einführung lernt man die fachspezifische Terminologie im
Bereich Einbruchmeldetechnik kennen. Die Wissensvermittlung via E-Learning erfolgt individuell, ortsunabhängig und bequem,
denn das Modul kann rund um die Uhr und beliebig oft gestartet werden. Wer bereits über einen Zugang zum Schulungsportal von
Telenot verfügt, kann unter „www.telenot.com/at/architekten-planer“ zum E-Learning Bereich navigieren. Ansonsten kann man
sich auf www.telenot.com via Login registrieren. Nach Übermittlung der Einstiegsdaten meldet man sich einfach über Schulungen/
KnowHow-Factory im E-Learning-Bereich beim gewünschten Modul an. Wer die konventionelle Face-to-Face-Schulungsmethode
bevorzugt, kann aus einem breiten Angebotsportfolio wählen. Die Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen finden im modernen
Schulungscenter der Telenot Österreich-Niederlassung in Vorchdorf sowie in Graz, Klagenfurt und Wien statt.

  TELENOT ELECTRONIC Vertriebsgesellschaft mbH | Josef-Haas-Straße 3 | A-4655 Vorchdorf


T +43/7614/82 58-0 | info@telenot.at | www.telenot.at
Photo: © pannawat / Fotolia

Die nächsten Termine:

24. Oktober 2019


„Grundlagen und
Lösungsmöglichkeiten der
Einbruchmeldetechnik“
in Graz

5. November 2019
„Grundlagen der
Einbruchmeldetechnik“
in Vorchdorf

Darüber hinaus bietet Telenot


Architekten und Planern eine
kostenlose Projektierung und
Planungsleistung für Einbruch-
meldeanlagen an. Senden Sie
Ihre unverbindliche Anfrage an
planungsservice@telenot.at.

Ein neues E-Learning-Modul von Telenot vermittelt Architekten und Planern bequem Hintergrundwissen im Bereich der Einbruchmeldetechnik
138 Gebäudetechnik

Gesunde Schule mit viel


Tageslicht, frischer Luft
und erstklassigen Raum-
temperaturen

Linienförmige Invisivent-
Lüftungen über den Fens-
tern, große Nachtausküh-
lung über Fensterklappen
und Luftabsaugung
rechts oben sichern eine
gesunde Raumluft. 
Photos Renson

Für mehr gute Luft


Ein neues Konzept für eine gesunde Schule. Gesunde Luft und helle, wohltemperierte Räume war einer der großen Wünsche beim
Bau des kleinen Schulgebäudes der Grundschule Sancta Maria im belgischen Gentbrugge. Denn viel Tageslicht und gesunde Raum-
luft wirken sich positiv auf die Konzentration und das Wohlbefinden der Schüler aus. Architektin Mieke Vrindts entschied sich
deshalb für ein bedarfsgesteuertes System mit natürlicher Frischluftzufuhr durch Fensterlüftung und einer mechanischen Abfuhr
der verbrauchten Raumluft. Frischluft erhalten die Räume über die linienförmigen Invisivent-Fensterlüftungen von Renson. Sie sind
kaum sichtbar oberhalb der Fenster montiert. Links in der Fensterfront befinden sich zusätzlich einbruchhemmende Intensivlüf-
tungen. Dosiert wird die Lüftungsmenge durch sogenannte Healthconnectoren von Renson. Die Absaugventile sind an das zentrale
Lüftungsgerät angeschlossen, messen die CO2-Werte in der Raumluft und steuern die zentrale Abluft. Die großen Fenstergitter der
Intensiv-Nachtauskühlung erlauben an warmen Tagen auch die Nutzung der kühlen Nachtluft. Das System ist so gestaltet, dass
trotz offener Klappen die Schule geschlossen bleibt und auch keine Mücken eindringen können. In Kombination mit grauen
Sonnenschutz-Screens trägt diese Lösung auf natürliche Weise zu angenehmen Innentemperaturen bei.

  Renson NV | Maalbeekstraat 10 | B-8790 Waregem | T +32/56/62 71 11


export@renson.net | www.renson.eu | www.renson-sunprotection.de
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 139

Nicht immer einfach, aber möglich


Brandschutz in Kirchen als große, aber bewältigbare Herausforderung. Nach dem Brand von Notre-Dame widmet man sich
intensiv dem Thema „Brandschutz in historischen Kirchen“. Dieser ist mit besonderen Herausforderungen verbunden, unge-
naue Grundrisse und ständige Umbauten machen es nicht leicht. Zudem befinden sich die meisten im dicht verbauten Stadt-
gebiet – eine Herausforderung für die Feuerwehr. Herkömmliche Methoden wie Punktmelder, Verkabelung oder Sprinkleran­
lagen sind aufgrund von Bauhöhe, Statik und Denkmalschutz nicht möglich. Deshalb kommen oft Sonderbrandmeldesysteme
zum Einsatz. Zwei Lösungen haben sich stets bewährt: Linearmelder und Ansaugrauchmelder. Lineare Rauchmelder ermögli-
chen es, mit Lichtstrecken bis zu 200 Meter zu überwachen. Der Verdrahtungsaufwand ist gering, da nur an einer Stelle eine
Kabelzuführung notwendig ist. Bei Ansaugrauchmeldern werden über kleine Rohre permanent Luftproben zur Auswertung auf
Rauchpartikel entnommen. Mit diesem Gerät mit winzigen Ansaugöffnungen kann so eine große Fläche überwacht werden.
Ein gelungenes Beispiel ist das Stift Klosterneuburg, wo Schrack SECONET unterschiedliche Produkte kombiniert: Klassische
Punktmelder, mit den Fresken-Farben abgeglichen, sowie Ansaugrauchmelder und Linearmelder. Ein modernes Einsatzleit­
system führt hier sämtliche Systeme zusammen und garantiert eine möglichst rasche Verortung eines Brandes.

  SCHRACK SECONET AG | Eibesbrunnergasse 18 | A-1120 Wien


T +43/1/811 57-0 | office@sschrack-seconet.com | www.schrack-seconet.com
Photocredit Michael Zechany
140 Gebäudetechnik

Intelligenter Pförtner
Programmerweiterung mit neuer elektronischer Türklinke. Winkhaus blueSmart hat großen Erfolg in vielen Ländern Europas.
Dieser treibt Winkhaus an, das smarte System kontinuierlich weiter zu entwickeln. blueSmart bietet für die unterschiedlichs-
ten Aufgaben die passende Lösung. Die neueste Innovation ist der intelligente Türbeschlag ETB-IM für Innentüren. Die neue
Türklinke kann ebenso neue wie auch bestehende Anlagen komplettieren. Der Beschlag ist geeignet für gängige Innentüren
aus Holz, Stahl oder Kunststoff sowie für unterschiedliche Türblattstärken. Die verwendeten Designs und Materialien passen
perfekt in die Produktwelt von blueSmart und sind auf unterschiedlichste Anwendungsbereiche im Objekt ausgerichtet.
Der neue elektronische Türbeschlag ETB-IM lässt sich mit mechanischen oder elektronischen Schließzylindern kombinieren,
beispielsweise für Sonderberechtigungen oder Notöffnungen. Er funktioniert an Innentüren mit Standard-Einsteckschlös-
sern und betätigt dort die Türfalle. Auch mit selbstverriegelnden Automatikschlössern arbeitet der Türbeschlag zuverlässig.
Die elektronische Kontrolle erfolgt auf einer Türseite und ermöglicht mit einer personenbezogenen Einzel- und Dauerfreiga-
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 141

Optisch ansprechend und technisch flexibel: der neue elektronische


blueSmart Türbeschlag ETB-IM für Innentüren. Verschiedene Designs
passen zu allen gängigen Innentüren.  Photos Winkhaus

befunktion – manuell und automatisch einstellbar – eine flexible Zutrittsorganisation. Da der Elektronikbeschlag werkseitig
passend zur Tür konfektioniert wird, ist die Montage vor Ort denkbar einfach und innerhalb weniger Minuten erledigt. Die
Verschraubung erfolgt dank mitgelieferter Ausgleichshülsen verdrehsicher in vorhandenen DIN Bohrungen im Türschloss –
ohne zusätzliche Verkabelung oder Bearbeitung des Türblattes, üblicherweise sogar ohne Bohren. Auch das Umbauen der
Drückerrichtung von DIN-links auf DIN-rechts oder der Austausch der Batterie sind mit wenigen Handgriffen und Standard-
werkzeug erledigt. Winkhaus bietet die elektronische Türklinke in zwei Designs für Standardtüren und drei Designs für
Fluchttüren nach EN 179 an. Ausgewählte Kunden haben das innovative Produkt bereits bestellt und werden es bereits ab
Herbst 2019 in ihren Objekten nutzen können. Die europaweite Markteinführung steht im ersten Quartal 2020 an.

  Winkhaus Austria GmbH | Oberfeldstraße 24 | A-5082 Grödig | T +43/62 46/72 226-0 | austria@winkhaus.at | www.winkhaus.at
142 Gebäudetechnik

Photo: GEZE GmbH

Ein Alleskönner wird noch besser


Neuer umweltfreundlicher Türantrieb mit zusätzlichen Features. Mit dem neuen ECdrive T2 hat GEZE Gestaltungsfreiheit,
Design, barrierefreien Begehkomfort, Energieeffizienz, Sicherheit und Vernetzbarkeit ganz neu miteinander verbunden und
bietet damit Schiebetürsysteme im Trend des energiebewussten Bauens an, nämlich mit dem fein gerahmten Profilsystem
GCprofile Therm, optimiert für die hohen Anforderungen an automatische Schiebetürsysteme. Die wärmedämmenden Eigen-
schaften des thermisch getrennten Profilsystems in Kombination mit dem ECdrive T2 Antrieb reduzieren Wärmeverluste an
großflächigen Schiebetüren aus Glas. Mit dem ECdrive T2 Antrieb können zudem mit einem optionalen Doppelrollenwagen
bis zu 140 Kilogramm schwere Türflügel realisiert werden. Kombiniert man den ECdrive T2 Antrieb mit dem GCprofile Therm
Profilsystem mit thermisch getrennten Oberlichtern, so entstehen automatische Gesamt-Türsysteme mit optimierter Wärme-
dämmung und Abdichtung. Die thermisch getrennten, fein gerahmten Oberlichter gibt es ebenfalls bei GEZE: in ein- oder
mehrteiliger Ausführung inklusive Seitenfassadenteilen. Für erhöhte Einbruchsicherheit, etwa im Nachtbetrieb, kann das
GCprofile Therm mit einem manuellen oder motorisierten Hakenriegelschloss ausgerüstet werden. Ein weiterer, ganz beson-
derer Vorteil ist, dass ECdrive T2 Antriebssysteme – wie alle GEZE Automatiktüren – voll vernetzbar sind.

  GEZE Austria GmbH | Wiener Bundesstraße 85 | A-5300 Hallwang | T +43/66 25/87 180 | austria.at@geze.com | www.geze.at
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 143

Heizen mit Bier


Außergewöhnliches Vorzeigeprojekt im Brauquartier Puntigam. Rund ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs wird für
Copyright: C&P IMMOBILIEN AG/Fotograf Helmut Pierer

das Heizen von Gebäuden und Wohnungen verwendet – umso wichtiger sind nachhaltige und effiziente Wärmelösungen auf dem
Weg zur Energiewende. Dabei kann man auch auf den ersten Blick unkonventionelle und doch naheliegende Wege gehen. Mit Unter-
stützung und Begleitung durch das Programm „klimaaktiv Erneuerbare Wärme“ des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und
Tourismus (BMNT) hat die C&P Immobilien AG gemeinsam mit KELAG Energie & Wärme GmbH einen besonders innovativen Ansatz
gewählt: Im steirischen Siedlungsprojekt „Brauquartier Puntigam“ werden rund 800 Wohnungen durch die Abwärme der benach-
barten Brauerei Puntigam beheizt. Da diese Wärme rein biologisch durch die Stoffwechselaktivität der Hefe entsteht, zeichnet sich
das Projekt sowohl durch effiziente Energienutzung als auch nachhaltige Energiegewinnung aus. Bereits im ersten Jahr des Pro-
jekts konnten dadurch rund 160 Tonnen CO2 eingespart werden. Nach dem Endausbau wird sogar mit einer CO2 Einsparung von
etwa 720 Tonnen pro Jahr gerechnet. Beim Brauprozess fallen große Mengen Wärme an. Ein Wärmetauscher und zwei Wärmepum-
pen ermöglichen es, die Wärme abzuleiten und zur Beheizung des Brauquartiers Puntigam einzusetzen. So werden die Gebäude
des Quartiers zu 93 Prozent mit „Bier-Abwärme“ beheizt.

  Österreichische Energieagentur | klimaaktiv Dachmanagement | Mariahilfer Straße 136 | A-1070 Wien


T +43/1/586 15 24-0 | klimaaktiv@energyagency.at | www.klimaaktiv.at

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144 Gebäudetechnik

Smart baden
Intelligentes Design für das Badezimmer. Mit innovativer Gebäudetechnik schafft JUNG Komfort und Wohlfühlmomente im
Bad. Um Schalter, Steckdosen und andere Bedienelemente elegant und haptisch attraktiv in das moderne Bad zu integrieren,
bietet JUNG – flächenbündig einsetzbar, das puristische Design von LS ZERO an und setzt mit LS 1912 stilistische Akzente.
Zeitlos-ästhetisches Schalterdesign interpretiert den ikonischen Designklassiker LS 990 neu. JUNG bietet die Schalterde-
signs LS 1912 und LS ZERO in echtem Metall an. Zur Wahl stehen neben Aluminium mattgebeizt oder lackiert auch Edelstahl
glaskugelgestrahlt, Messing gebürstet sowie Metall verchromt. Die JUNG Schalterdesigns mit Goldauflage unterstreichen die
Wertigkeit des Badezimmers. Die intelligenten, in verschiedenen Größen wählbaren Bedienpaneele unterstützen vielseitig den
Komfort des wertvollen Rückzugsortes. In reduzierter Gestalt fügen sie sich in moderne Interieurs, die Bedienung erfolgt
intuitiv über ein Touch-Display. Der Kipphebel des Kippschalters LS 1912 als prägendes Stilelement weckt Nostalgie und lässt
das Badezimmer auch haptisch erleben. Für die persönliche Note ist LS 1912 als Zylinder, Kegel oder Kubus wählbar. Für den
perfekten Klang im Badezimmer sorgt das JUNG Smart Radio DAB+ im Schalterformat. Über den UKW-Empfang und den
digitalen Hörfunk hinaus kommuniziert die Variante Smart Radio DAB+ Bluetooth auch mit Smartphone und Tablet.

Eleganter Dimmer im
Schalterdesign LS 990
in Messing Classic. 
Photo Constantin Meyer, Köln

  ALBRECHT JUNG GMBH. & CO.KG | Volmestraße 1 | D-58579 Schalksmühle


T +49/23 55/806-0 | kundencenter@jung.de | www.jung.de

Vertrieb in Österreich: EURO UNITECH Elektrotechnik GmbH | Floridotower | Floridsdorfer Hauptstraße 1


A-1210 Wien | T +43/1/662 72 50 | office@eurounitech.at | www.eurounitech.at
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 145

TECTUS Glas setzt Ganzglastüren flächenbündig in Szene – minimalistisch, filigran, transparent.  Photos SIMONSWERK

Minimalistisch,
filigran, transparent
Ästhetische Lösung für Ganzglastüren mit klarer Formen­
sprache. Ein Innenraumkonzept mit großzügiger Verglasung
oder transparent gestalteten Durchgängen geht häufig einher
mit dem Wunsch nach klarem Design. Das neue Bandsystem
TECTUS Glas von SIMONSWERK verleiht einer Ganzglastür
eine noch nie erreichte filigrane Optik und Leichtigkeit. Die
bereits mehrfach ausgezeichnete und darüber hinaus paten-
tierte Beschlaglösung ist kaum sichtbar. SIMONSWERK
bietet damit eine ganzheitliche Lösung für Ganzglastüren,
bestehend aus dem komplett verdeckt liegenden Bandsys-
tem TECTUS Glas, einer kontaktlosen, magnetischen Schlie-
ßung mit dem Schließmagneten KC 50 für den Einbau in der
Zarge und der Magnetplatte KC 50/G für die Anbringung an
der Ganzglastür sowie optisch abgestimmten Griffvarianten.
Sie überzeugt nicht nur durch das reduzierte Design, sondern
auch technisch durch den abgesicherten Belastungswert bis
zu 80 Kilogramm, der insbesondere im Objektbau neue Lö-
sungen für Glastüren bietet. Das Bandsystem TECTUS Glas
ist in den Modellvarianten TEG 310 2D 60 für einen Belas-
tungswert bis 60 Kilogramm und TEG 310 2D 80 für einen
Belastungswert bis 80 Kilogramm lieferbar. Beide Bandvari-
anten haben die gleiche Dimensionierung und Abmessungen,
sind optisch und in der Montage identisch. Neben der einfa-
chen Montage verfügt die Modellausführung noch über ein   SIMONSWERK GmbH
Bosfelder Weg 5 | D-33378 Rheda-Wiedenbrück
weitere Besonderheit: Die gesamte Montage erfordert keine T +49/52 42/413-0 | info@simonswerk.de
Glasbearbeitung. www.simonswerk.com
146 Technology

Photo Thomas Lerch


Brandschutz für
den Holzbau } Alexander Kunz
In puncto Holzbau und Brandschutz ein Pilotprojekt: Fassade des HoHo in Wien Aspern

Bei sorgfältiger Planung ist (fast) alles möglich.


Hochhäuser sind in puncto Brandschutz immer eine Herausforderung. Umso mehr,
wenn sie aus Holz sind, wie das HoHo, ein 84 Meter hohes Holzhaus, in Wien-Aspern.

Obwohl es am Land über Jahrhunderte gute Erfahrungen mit man den erforderlichen Feuerwiderstand auch ohne Verkleidun-
Häusern aus Holz gibt, hatten Bauten aus Holz im urbanen gen und Anstriche durch Überdimensionierung (Bemessung auf
Raum keinen guten Ruf. Als brennbarer Baustoff wurde Holz für Abbrand). Holz ist zudem nicht Holz. Die Sorge, dass sich in
viele Großbrände in den Städten verantwortlich gemacht. Als Hohlräumen von Holzkonstruktionen Schwelbrände unbemerkt
Reaktion auf die angebliche Brandgefahr wurden in vielen Bau- ausbreiten können, ist bei klassischen Holzkonstruktionen
ordnungen, mit Ausnahme freistehender und sehr kleiner Ge- berechtigt. Durch die Verwendung von Plattenkonstruktionen
bäude, nichtbrennbare Gebäudekonstruktionen vorgeschrieben. z.B. aus Brettsperrholz kann dieses Risiko beseitigt werden.
Trotzdem wird nun in Wien das HoHo, ein Hochhaus aus Holz mit Das nichtbrennbare Hochhaus ist ein Mythos. Dass eine brenn-
einer Höhe von 84 m fertiggestellt. Beim Brandschutz war einige bare Gebäudekonstruktion eine Erhöhung der Brandlast bedeu-
Überzeugungsarbeit zu leisten. In der Diskussion um die Not- tet, ist unbestritten. Die brennende Frage bei der Konzeption
wendigkeit nichtbrennbarer Gebäudekonstruktionen nennt man des HoHo war jedoch, um wieviel erhöht sich die Brandlast? Bei
gern die Nachteile brennbarer Baustoffe im Vergleich zum genauer Betrachtung wird die Nichtbrennbarkeit in der OIB-
Stahlbeton. Diese sind, abgesehen von der erhöhten Brandlast Richtlinie, die Brandschutz in Hochhäusern regelt, für folgende
durch den Baustoff selbst, vor allem die Gefahr der Beschädi- Konstruktionen gefordert: Tragende und aussteifende Bauteile,
gung von brandschutztechnischen Verkleidungen und das Ein- brandabschnittsbildende und Trennbauteile, Fassaden, Wände
dringen von Feuer in Hohlräume von Konstruktionen mit be- und Decken von Treppenhäusern. In letzteren müssen auch die
schädigter Verkleidung. Beide Gefahren treten auch bei bauord- Oberflächen nichtbrennbar ausgeführt werden. Es ist also zu-
nungskonformen, nichtbrennbaren Konstruktionen auf, nämlich lässig, alle zuvor nicht genannten Bauteile brennbar auszufüh-
im Stahlbau. Stahlbaukonstruktionen sind zwar nichtbrennbar, ren. Das sind u.a. Bodenkonstruktionen sowie Boden-, Wand-
ein Feuerwiderstand über 90 Minuten, wie er bei großen Gebäu- und Deckenbeläge in Wohnungen und Betriebseinheiten, alle
den und Hochhäusern gefordert ist, kann jedoch nur über Ver- Zwischenwände, ausgenommen der oben genannten (brandab-
kleidungen oder Anstriche erzielt werden. Im Holzbau erreicht schnittsbildende Wände…) und Deckenkonstruktionen inner-
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

halb von Brandabschnitten. Es zeigt sich also, dass auch nach


den Regeln der Technik ein maßgeblicher Anteil der Baustoffe
brennbar ausgeführt werden kann. Für die Entwicklung des
Brandschutzkonzepts des HoHo mussten für das fertige Gebäu-
de vor allem die Gebäudehöhe und die brennbare Tragkonstruk-
tion, die aus optischen Gründen innen nicht verkleidet werden
sollte, betrachtet werden. Durch den Baustoff war auch eine
genaue Betrachtung des Bauzustandes nötig. Bedingt durch die
Gebäudehöhe ist im Brandfall ein Löschangriff von außen nicht
möglich, wie der Brand des Grenfell Tower in London eindrucks-
voll gezeigt hat. Gebäude dieser Höhe werden in Österreich
daher grundsätzlich mit automatischen Löschanlagen ausge-
rüstet. Durch diese wird die Ausbreitung eines Brandereignisses
sowohl im Gebäude als auch über die Fassade (Brandüber-
schlag) wirksam verhindert. Auch die Aktivierung der durch den
Baustoff Holz eingebrachten zusätzlichen Brandlast ist durch
diese technische Maßnahme, die beim HoHo mit zusätzlichen
Ausfallssicherungen geplant ist, so gut wie ausgeschlossen.
Weites ist bei Gebäuden dieser Größe eine automatische Brand-
detektion und Alarmierung sowie genügend sichere Treppen-
häuser, in denen das Eindringen von Rauch im Brandfall durch
Überdruck verhindert wird, Standard. Für den Feuerwehreinsatz
gibt es Aufzüge und Löschleitungen. Hinsichtlich der brennba-
ren Tragkonstruktion wurden die Bauteile so berechnet, dass
diese auch bei Ausfall der Sprinkleranlage durch Überdimensio-
nierung eine Standfestigkeit von mehr als 90 Minuten aufwei-
sen. Da das Abbrandverhalten von Brettsperrholz nicht linear
verläuft, mussten die Anforderungen an das Material hinsicht-
lich Schichtstärken genau definiert werden. Die Konstruktion
wurde schon vor der Einreichung umfassenden Brandversuchen
unterzogen. Das Pilotprojekt HoHo zeigt, dass Brandschutz bei
sorgfältiger Planung für den Baustoff Holz kein Hindernis ist.
Photo cetus.at + Thomas Lerch

Jetzt
Innenraum des HoHo Wien: unverkleidete tragende Stützen aus Holz

Alexander Kunz

testen!
ist Gründer des Büros „Kunz – Die innovativen Brandschutzplaner“, das
er seit 2005 gemeinsam mit Architektin Monika Osterkorn führt. Kunz
beendete sein Architekturstudium an der TU Wien, er spezialisierte sich
nach einigen Jahren als Projektleiter auf den vorbeugenden Brandschutz
von Sonderbauwerken. 2008–2010 absolvierte er das Masterstudium
„Fire Safety Management“ an der Donauinversität Krems. Mit seinem
6köpfigen Team bearbeitete er in puncto Brandschutz u.a.: den Haupt-
bahnhof, die WU, den Erste Campus und das HoHo, alle in Wien. architektur-aktuell.at/abo
148 Media Reviews

Dominika Glogowski über neue Polen-Bücher


schafft Identität
Architektur Der Architekturdiskurs in Polen hat sich in den vergangenen Jahren breit aus-
differenziert und bearbeitet viele unterschiedliche Themenbereiche. Besonders
die eigene Geschichte des Landes nach dem zweiten Weltkrieg wird in vielen
Publikationen neu aufgearbeitet: Architektur war hier stets ein wichtiges
Instrument der nationalen Identitätsbildung. Ein Überblick über die Architek-
turdebatte im Land an der Weichsel.

Architekt Michał Wenderski gibt mente lassen sich in verschiede-


in Cultural Mobility In The Inter- nen Typologien der jüngeren
war Avant-Garde Art Network [1] Kunstproduktion wiederfinden.
ein detailliertes Bild eines gegen- Sie lancieren erfolgreich viele
seitigen Austausches dreier Alternativen zum westlichen
Länder innerhalb der Avantgarde Kunstbegriff.
der Zwischenkriegszeit. Der
Autor untersucht in diesem Buch
Bücher, Magazine, Briefe, Mani-
feste und theoretische Abhand-
lungen aus Polen, Belgien und
den Niederlanden. Die CIAM-
Kongresse und Personen wie
Szymon Syrkus, Katarzyna Kobro,
Georges Vantongerloo, Theo van
Doesburg und Henryk Stażewski logien in Provinz und Großstäd-
sind einige bekannte Namen, die ten. So sollte Osteuropa nun
hier behandelt werden. Die Netz- endlich kein blinder Fleck der
werke produzierten langjährige europäischen Museumsland-
Freundschaften und Kooperatio- schaft mehr sein. Durch die Do-
nen. Kunstgeschichte ist eben – minanz westlicher Kunstbegriffe
wie der Autor schreibt – ein fehlen im Westen Museen, die
Netzwerk, geprägt von ständiger sich explizit einer östlichen Waldemar Cudnys Forschungs-
Veränderung und habe keine Kunstszene widmen, während im band City Branding and
straffe, hierarchische Struktur. Osten selbst die Bedeutung der Promotion [4] bespricht, wie sich
eigenen Kunst kaum erkannt eine post-sozialistische, regiona-
wird. Das 2019 eröffnete Schwei- le Stadt nach 1989 den Anforde-
zer „Muzeum Sush“ als erste rungen des 21. Jahrhunderts stel-
Kunstkollektion einer polnischen len könne – besonders der inten-
Mäzenin beschreitet hier im siven Deindustrialisierung und
Westen neue Wege. der wachsenden Globalisierung.
Die prägende sozialistische Zeit Städte sind heutzutage komplexe
ist Thema der Abhandlung von Systeme, die am nationalen und
Lidia Klein und Alicja Gzowska im internationalen Markt bestimmte
Sammelband Second World Vermarktungsstrategien benöti-
Postmodernisms [3]. In „One size gen. Für eines der erfolgreichsten
fits all“ skizzieren die Autorinnen Realisierungen blickt Cudny nach
dabei die Komplexität rund um Łódż. Sie hat auf die Kreativwirt-
den Begriff der Postmoderne in schaft gesetzt und gibt nun ihre
den 1970er und 1980er Jahren. Erfahrungen an die Bergbaustadt
In einer ebenso spannenden Der Staat fungierte einerseits als Tomaszów Mazowiecki, 110km
Analyse erforscht Katarzyna Auftraggeber, andererseits aber südlich von Warschau, weiter.
Jagodzinska in ihrem Buch natürlich auch als ideologischer Der Wert des Bewerbens und
Museums and Centers of Con- Gegner der Künstler. In Anleh- Vermarktens klassisch-moderner
temporary Art in Central Europe nung an Jane Jacobs und Chris- Architekturikonen dringt erst
After 1989 [2] die Museumsland- topher Alexander suchte Archi- langsam in den polnischen Archi-
schaft in Zentraleuropa nach tekt Marek Budzyński hier nach tekturdiskus ein. Soziologe Karol
1989. Die Autorin untersucht einem dritten Weg zwischen den Kurnicki hebt in seinem pointier-
unterschiedliche Museumstypo- Fronten. Postmoderne Experi- ten Beitrag „Defending Modernist
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019 149

Web Radar
Der letzte vorgestellte Band
handelt vom polnischen
1
Katarzyna (Fast) jedes einzelne
Beitrag des Architekturstu-
Jagodzinska
Museums and Bauwerk in den USA
dios Centrala und Kuratorin Centers of Con-
temporary Art in
Anna Ptak für die Architek- Ein wichtiges Anwendungsgebiet für Künstliche Intelli-
Central Europe
turbiennale in Venedig 2018. After 1989 genz ist Bilderkennung – und dort gibt es wiederum
Die Ausstellung Amplifying 284 Seiten, Text den Bereich der Auswertung von Satellitenbildern,
englisch, Taylor &
Nature [6] – mit gleichnami- etwa durch die Erkennung und Geometrisierung von
Francis Limited,
ger Publikation – untersuch- € 112,50 Gebäudedaten. Ein nichtkommerzielles Angebot liefer-
te den menschlichen Einfluss te im vergangenen Jahr Microsoft mit „USBuilding-
2
auf diesen Planeten anhand Footprints“: ein File mit mehr als 125 Millionen Gebäu-
Vladimir Kulic
von ausgewählten Projekten Second World deformen aus allen 50 Bundesstaaten der USA, das
zwischen 1954 und 1976. Das Postmodernisms frei zugänglich ist und frei verwendet werden kann. Die
272 Seiten, Text
Büro Centrala vereint als KI wurde zunächst mit 5 Millionen Beispielgrafiken
englisch, Blooms-
Architecture in Poland“ (im Knoten zwischen Innovation, bury Visual Arts, trainiert, um Gebäudeformen auf Satellitenbildern zu
Forschungsband Architec- Theorie, Design und Kunst € 79, – erkennen. Diese Formen wurden dann mithilfe von
ture, Democracy and Emo- viele kreative Köpfe wie Regeln in Polygone übersetzt. Die Genauigkeit soll
3
tions [5]) jene Akteure hervor, Jakub Szczęsny und wird von Waldemar Cudny deutlich höher sein als übliche händische Vektorisie-
die sich für deren Erhaltung Małgorzata Kuciewicz und City Branding rungen wie etwa in der OpenStreetMap – und dies war
and Promotion:
eingesetzt haben. Das Ein- Simone de Iacobis In War- auch der Anlass für Microsoft, das Projekt zu starten,
The Strategic
dringen von ausländischem schau geleitet. Mehr als Approach um die Qualität der OpenStreetMap zu verbessern. Die
Kapital des neoliberalen andere Kunstdisziplinen sind 186 Seiten, Text gebäudereichsten Bundesstaaten sind Kalifornien mit
englisch, Rout-
Marktes führte zu einer Welle sich die Architekten der etwa 11 Millionen, Texas mit 10 Millionen und Florida
ledge, € 100,–
an Abrissen, Um- und Neu- aktuellen Klimakrise durch- mit 7 Millionen Bauten. Die New York Times nützte den
bauten. So auch bei der aus bewusst. Als Architekt­ 4 Datenschatz für ein herausragendes Beispiel von
Michał Wenderski
Shoppingmall Supersam in Datenvisualisierungs-Journalismus, erschienen vor
Cultural Mobility
Warschau oder dem Emilia- in the Interwar einem Jahr. Ein Überblicksplan der ganzen USA zeigt
Pavillon, der in Folge lauter Avant-Garde Art die historische Urbanisierung: Im Osten sind die Städ-
Network
Proteste und Druck auf den te durch ein dichtes Netz aus kleineren Siedlungen
196 Seiten, Text
Investor neues Leben erhielt. englisch, Rout- verbunden, im Westen liegen sie vielfach allein in der
So wird der Pavillon nun ledge, € 82,50 weiten Leere – erst an der Küste gibt es wieder dichte
Stück für Stück abmontiert Bebauung. Die Grenze zwischen diesen beiden Zonen
5
und vor dem Warschauer Till Großmann, verläuft entlang einer Linie von Dallas im Süden bis
Kulturpalast nach Plänen von Philipp Nielsen Minneapolis im Norden. Während sich dieses Netz
Architecture,
BBGK neu aufgebaut. Eine meist flächig übers Land zieht, vereinzelt begrenzt von
Democracy and
Erweiterung des Pavillons ist Emotions Küsten und Seen, erzeugen die Appalachen im Westen
vom Bauherrn gesponsert 202 Seiten, Text eine gerichtete Struktur, indem die Bebauung den
englisch, Rout-
und dient so auch seiner Innen seien sie diesem Wan- ebenen Flächen zwischen Hängen und Bergen folgt.
ledge, € 35,50
eigenen Vermarktung. So del nicht nur ausgesetzt, Die Beispiele zeigen langgestreckte, französische
spielt Architektur für den sondern treiben diesen sogar 6 Siedlungsformen entlang eines Bayou in Louisiana
Anna Ptak
Autor immer noch eine wich- selbst voran. Denn das Bauen ebenso wie typische Suburbia-Exemplare in Arizona,
Amplifying Nature.
tige Rolle der Identitätsstif- verstärke die problematische The Planetary die auf geradezu unheimliche Art Eintönigkeit und
tung. Durch Emotionen kann Entwicklung. Die ausgestell- Imagination of Vielfalt der Bebauungsstrukturen verbinden. Sofort
Architecture in the
sie durchaus den politischen ten Beispiele dokumentieren wiedererkennbar und eindrucksvoll ist L’Enfants geo-
Anthropocene
Diskurs beeinflussen. die aktuelle Dynamik, Indivi- 183 Seiten, Text metrische Struktur von Washington, D.C. Aber auch der
dualität und kritische Pers- polnisch/englisch, von Jefferson inspirierte Quadratraster des ländlichen
Zachęta – National
pektiven dazu. Raums in Michigan macht deutlich, wie sehr diese
Gallery of Art,
Polen zählt zu den führenden € 26,– Landschaften in ihrer heutigen Form mehr aus Ideen
Nationen der Buchprodukti- und weniger aus Notwendigkeit entstanden sind.
on. Es bleibt zu hoffen, dass Microsofts Datenbank enthält viele, aber nicht alle
dieses breite Oeuvre durch US-amerikanischen Gebäude. Ebenfalls 2018 publi-
zahlreiche Übersetzungen zierte die Firma Ecopia ein kostenpflichtiges Angebot,
auch im westlichen Markt das 169 Millionen Gebäude enthalten soll.
Verbreitung findet.
Robert Temel


github.com/Microsoft/USBuildingFootprints
www.nytimes.com/interactive/2018/10/12/us/
map-of-every-building-in-the-united-states.html
150 Kalender / Calendar

Ausstellungen 
Exhibitions

} Andelsbuch } Dornbirn } Köln } Orléans } Wien


21. 6. 2019 – 11. 1. 2020 25. 10. 2019 – 15. 2. 2020 9. 9. – 10. 11. 2019 11. 10. 2019 – 19. 1. 2020 Dauerausstellung
Werkraumschau: BASEhabitat Fluch & Segen. Years of Solitude – Biennale a_schau
Gastgeben – Räume für vai Vorarlberger Architektur Kirchen der Moderne d’Architecture d’Orléans Architekturzentrum Wien
das Willkommensein Institut M:AI Museum für Kunst und Frac Centre-Val de Loire A-1070 Wien
Werkraum Bregenzerwald A-6850 Dornbirn Ingenieurkunst NRW 45000 Orléans Museumsplatz 1
AT-6866 Andelsbuch Marktstraße 33 D-50670 Köln 88 rue du Colombier www.azw.at
Hof 800 www.v-a-i.at St. Gertrud: Kirche + Kultur
www.werkraum.at www.mai-nrw.de } Paris 9. 10. – 29. 10. 2019
} Frankfurt am Main Dauerausstellung Conceptual Joining –
} Basel Dauerausstellung } Linz Paris, a city in the making Wood Structures from
15. 10. – 27. 10. 2019 Von der Urhütte zum 15. 10. – 21. 12. 2019 Pavillon de l’arsenal Detail to Utopia
35 Jahre S AM Wolkenkratzer Kontaminierte Orte F-75004 Paris, Bld. Morland AIL – angewandte
S AM Schweizerisches DAM afo architekturforum www.pavillon-arsenal.com innovation laboratory
Architekturmuseum D-60596 Frankfurt am Main oberösterreich 1010 Wien
4051 Basel Schaumainkai 43 4020 Linz 1. 11. – 30. 11. 2019 Franz Josefs Kai 3
Steinenberg 7 www.dam-online.de Herbert-Bayer-Platz 1 devaux & devaux architectes www.ailab.at
www.sam-basel.org www.afo.at la galerie d’architecture
14. 9. 2019 – 19. 1. 2020 75004 Paris 17. 10. 2019 – 24. 2. 2020
} Berlin In norwegischen } Ljubljana 11 rue des blancs manteaux Kalter Krieg und Architektur
5.9. – 20. 10. 2019 Landschaften 20. 6. – 20. 10. 2019 www.galerie-architecture.fr Architekturzentrum Wien
EINFACH INTELLIGENT DAM Layers of Time A-1070 Wien
DAZ D-60596 Frankfurt am Main MAO – Museum of } Salzburg Museumsplatz 1
10179 Berlin Schaumainkai 43 Architecture and Design 26. 9. – 31. 10. 2019 www.azw.at
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6 www.dam-online.de SI-1000 Ljubljana Neue Architektur in Südtirol:
www.daz.de Grad Fužine, Pot na Fužine 2 Teil 1: Die Städte 5. 12. 2019 – 20. 1. 2020
26. 9. – 24. 11. 2019 www.mao.si Initiative Architektur Vorarlberger Einsichten –
6. 9. 2019 – 27. 1. 2020 Häuser des Jahres 2019 AT-5020 Salzburg Ein Generationendialog
Original Bauhaus. DAM } Meran Sinnhuberstraße 3 SammlungsLab #5
Die Jubiläumsausstellung D-60596 Frankfurt am Main 10. 10. 2019 – 12. 1. 2020 www.initiativearchitektur.at Architekturzentrum Wien
Berlinsche Galerie Schaumainkai 43 Design from the alps A-1070 Wien
D-10969 Berlin www.dam-online.de Kunst Meran 6. 11. – 29. 11. 2019 Museumsplatz 1
Alte Jakobstraße 124–128 IT-39012 Meran Neue Architektur in Südtirol: www.azw.at
www.berlinischegalerie.de } Graz Laubengasse 163 Teil 2: Das Land
11. 4. 2019 – 6. 1. 2020 www.kunstmeranoarte.org Initiative Architektur
17. 10. 2019 – 23. 2. 2020 Mythos Tankstelle AT-5020 Salzburg
In the Making: Ilya & Emilia Volkskundemuseum } München Sinnhuberstraße 3
Kabakov. Von Zeichnung zu A-8010 Graz 2. 6. 2017 – 22. 2. 2022 www.initiativearchitektur.at
Installation Paulustorgasse 11–13a Futuro – A Flying
Tchoban Foundation www.museum-joanneum.at Saucer in Town } St. Pölten
10119 Berlin Pinakothek der Moderne – 7. 11. 2019 – 1. 3. 2020
Christinenstraße 18a 21. 9.– 8. 11. 2019 Die Neue Sammlung Der Blick von außen
www.tchoban-foundation.de Sorry, the file you have D-80333 München Stadtmuseum St. Pölten
requested does not exist. Barer Straße 40 3100 St. Pölten
1. 11. – 14. 12. 2019 HDA – Haus der Architektur www.architekturmuseum.de Prandtauerstraße 2
LAVA – Natur und A-8020 Graz www.orte-noe.at
Technologie Mariahilferstraße 2 31. 1. – 31. 12. 2019
Architektur Galerie Berlin www.hda-graz.at Reflex Bauhaus. 40 objects } Stuttgart
D-10243 Berlin Die Neue Sammlung 7. 6. – 20. 10. 2019
Karl-Marx-Allee 96 } Innsbruck The Design Museum Weissenhof City
www.architekturgalerieberlin. 22. 2. – 31. 10. 2019 D-80333 München Staatsgalerie Stuttgart
de Campagne Reichenau. Türkenstraße 15 D-70173 Stuttgart
„Ein Stück Stadt bauen“ www.dnstdm.de Konrad-Adenauer-Str. 30–32
} Dessau Stadtbibliothek Innsbruck www.staatsgalerie.de
Dauerausstellung A-6020 Innsbruck 17. 10. 2019 – 19. 1. 2020
Sammlungspräsentation Amraser Straße 2 Balkrishna Doshi. Architktur } Ulm
Bauhaus Dessau www.kammerwest.at für den Menschen 27. 6. – 13. 10. 2019
D-06846 Dessau-Roßlau D-80333 München Bauhaus Ulm. Von
Gropiusallee 38 11. 10. – 11. 1. 2019 Barer Straße 40 Peterhans bis Maldonado
www.baushaus-dessau.de über lois welzenbacher www.architekturmuseum.de HfG-Archiv Ulm
aut. architektur und tirol D-89081 Ulm
18. 4. – 31. 12. 2019 6020 Innsbruck } Oberhausen Am Hochsträß 8
Bauhaus Bauten Dessau: Lois Welzenbacher Platz 1 Dauerausstellung www.hfg-archiv.museumulm.
Originale neu erzählt www.aut.cc Peter Behrens – de
Stiftung Bauhaus Dessau Kunst und Technik
D-06846 Dessau-Roßlau LVR-Industriemuseum, 24. 5. – 27. 10. 2019
Gropiusallee 38 Peter-Behrens-Bau Living in a Box. Design and
www.bauhaus-dessau.de D-46047 Oberhausen Comix
Essener Straße 80 Vitra Design Museum
www. industriemuseum.lvr.de D-79576 Weil am Rhein
Charles-Eames-Str. 2
www.design-museum.de
architektur.aktuell, No. 475, 10.2019

Veranstaltungen / Vorträge  Messen 
Events / Lectures Fairs

} Berlin 26. 10. 2019 } Leipzig


16. 10. 2019 Tag der offenen Tür im Az W 25. 10. – 27. 10. 2019
NEU IM CLUB 4/19: r Architekturzentrum Wien Designers Open 2019
undzwei Architekten BDA A-1070 Wien Kongresshalle am Zoo
DAZ – Glashaus Museumsplatz 1 D-04105 Leipzig
10179 Berlin www.azw.at Pfaffendorfer Str. 31
Wilhelmine-Gemberg-Weg 6 www.designersopen.de
www.daz.de 30. 10. 2019
Gotong Royong – } München
} Bern For a Common Goal 26. 11. – 27. 11. 2019
28. 10. – 29. 10. 2019 Architekturzentrum Wien BIM World Munich
14. Conference on Advanced A-1070 Wien Messe München
Building Skins Museumsplatz 1 81829 München
Kursaal Bern www.azw.at Messegelände
CH-3000 Bern www.bim-world.de
Kornhausstrasse 3
www.abs.green } Wien
25. 10. – 27. 10. 2019
} Graz Blickfang
16. 10. 2019 MAK
GAD Awards 19 | Vorträge 1010 Wien
der PreisträgerInnen Stubenring 5
HDA – Haus der Architektur www.blickfang.com
8020 Graz
Mariahilferstraße 2
www.hda-graz.at

} Klagenfurt
8. 11. 2019
Bauherrrenpreis 2019
Architektur Haus Kärnten
Mehr interessante
9020 Klagenfurt
St. Veiter Ring 10
tagesaktuelle Termine
www.zv-architekten.at
und Veranstaltungen
} Linz
24. 10. 2019
finden Sie laufend auf
New Reality – The next
Economy Ecosystem
More interesting brand
afo architekturforum
oberösterreich
new venues and events
4020 Linz
Herbert-Bayer-Platz 1
can be found on
www.afo.at

} Oslo
26. 9. – 24. 11. 2019
Oslo Architecture Triennale
www.
The Oslo School of
Architecture and Design
NOR-0130 Oslo
architektur-
St. Olavs plass
www.oslotriennale.no
aktuell.at/
} St. Pölten
10. 10. 2019
2. St. Pöltner
Wohnbau-Dialog
termine
NV-Forum
A-3100 St. Pölten
Neue Herrengasse 10 Außerdem hat unsere Website
www.orte-noe.at
noch Informa­tion zu News, Aus­
} Wien stellungen, Inhalten des aktuellen
10. 11. 2019 Hefts und mehr zu bieten…
ARCH ON TOUR 41 / Brünner
In addition to that our website
Moderne 15
A-1070 Wien offers further Information on News,
Kaiserstraße 67/9 Exhibitions, contents of the current
www.archontour.at
magazine and more…

www.architektur-aktuell.at
152 Vorschau / Preview

11.2019
Binary Codes
Globalisierung, Ökologisierung und Digitalisierung – das sind die drei
kulturellen Mega-Themen unserer Tage. In der Architektur sind das
klassische „Querschnittsmaterien“ und manifestieren sich daher in
jedem Bauprojekt auf andere Weise und Intensität. Auch aus diesem
Grund kann man sie in innovativen Gebäuden rein visuell oft nicht
auf den ersten Blick erkennen. Also liefern wir einen lehrreichen
Guide zu relevanten Merkmalen und Leistungen der Bau-Digitali­
sierung – mit drei ausgewählten Projekten aus der Schweiz,
Deutschland und England sowie einem Büroporträt aus Wien.

Globalization, ecologization and digitalization – these are


the three cultural mega-themes of our times. In architec­
ture these are the classic “interdisciplinary materials”
and are consequently manifested in each building pro­
ject in a different way and with a different intensity.
For this reason, often they cannot be recognized
visually in innovative buildings at first glance.
Therefore, we provide an instructive guide to
the relevant characteristics and achie­
vements of building digitalizati­
on – with three selected projects
from Switzerland, Germany and
England, as well as an office
portrait from Vienna.

Produktthema
Bausoftware

ICD/ITKE University of Stuttgart – BUGA Faserpavillon Fibre Pavilion 2019  Photo © ICD/ITKE University of Stuttgart

Impressum  Verleger | Publisher: Architektur Aktuell GmbH, Loquaiplatz 12, 1060 Wien, Austria. Chefredakteur | Editor-in-chief: Matthias Boeckl. Editorial Team: Kerstin Bauhofer, Gudrun Hausegger, Barbara Jahn-Rösel, Franziska Leeb, Arian Lehner,
Isabella Marboe, J. Roderick O’Donovan. Layout | Graphic Design: Martin Gaal. Adresse | Address: Loquaiplatz 12/1/8, 1060 Wien, Austria, Tel. +43 1 353 6000-37, architektur.aktuell@ architektur-aktuell.at, www.architektur-aktuell.at. MitarbeiterInnen dieser
Ausgabe | Contributors to this issue: Dominika Glogowski, Roman Höllbacher, Claus Käpplinger, Liliana Niesielska, Grzegorz Stiasny, Robert Temel, Tomasz Żylski. Anzeigenleitung | Advertising | Showcase: Bernd Mandl, Tel. +43 1 353 6000-34, bernd.mandl@
architektur-aktuell.at. Managing Director: Georg Pirker. Offsetdruck | Printed by: Print Alliance HAV Produktions GmbH, 2540 Bad Vöslau, Austria, Gedruckt auf säurefreiem, chlorfrei gebleichtem Papier-TCF. Printed on acid-free and chlorine free bleached pa-
per-TCF. Printed in Austria. ISSN 0570-6602 AAKTA7 53 (475) 1–152 (2019). Verlagsort | Published in Wien | Vienna. Herstellungsort | Produced in Bad Vöslau | Austria. Erscheinungsort | Distributed from Wien | Vienna. Verlagspostamt | District post office 1060
Wien P. b. b. Einzelheft | Single issue 2019 € 14,80 plus Versandkosten | plus carriage charges. Abonnement | Subscription 2019: Austria € 157,–, other countries € 177,–. Studenten | Students: Austria € 49,–, other countries € 69,–. Test-Abo 4 Hefte | 4 issues 2019:
Austria € 19,90, other countries € 39,90, www.architektur-aktuell.at, inkl. MWSt und Versandkosten | incl. VAT and carriage charges. Für Studenten bei Bezug direkt vom Verlag (gegen Inskriptionsbestätigung) | Students (evidence of registration required). Das
Abonnement für Einzelbezieher gilt mit Bezug des ersten Heftes jeweils für ein Jahr mit der in der Preisliste für einen vollen Jahrgang angegebenen Anzahl von Ausgaben. Abbestellungen innerhalb dieser Laufzeit können nicht entgegengenommen werden. Das
Abonnement der Zeitschrift verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn nicht bis 2 Monate vor Ablauf des Abonnements beim Verlag eine schriftliche Kündigung eingegangen ist. architektur.aktuell erscheint deutsch/englisch, 10 Hefte pro Jahr,
davon 2 Doppelnummern plus Sonderhefte. – architektur.aktuell is published in German/English, 10 issues a year incl. 2 double issues plus special issues. Urheberrecht: Mit der Annahme eines Beitrags zur Veröffentlichung erwirbt der Verlag vom Autor alle
Rechte, insbesondere das Recht der weiteren Vervielfältigung zu gewerblichen Zwecken mit Hilfe fotomechanischer oder anderer Verfahren. Die Zeitschrift sowie alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede
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namen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in dieser Zeitschrift berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Waren- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher
von jedermann benutzt werden dürften. Eigen­tümer und Copyright-Inhaber: © 2019 Architektur Aktuell GmbH/Wien. Copyright: On accepting a contribution for publication, the publishing house attains all the rights to said contribution, especially the right of
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Beiträge sind bezahlte Einschaltungen. Contributions marked with + are paid announcements. Indexed in: IBZ – Internationale Bibliographie geistes- und sozialwissenschaft­licher Zeitschriftenliteratur; IBR – Internationale Bibliographie der Rezensionen geis-
tes- und sozialwissenschaftlicher Literatur

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Umweltzeichens, Print Alliance HAV Produktions GmbH, UW-Nr. 715
ARCH
HITEC
CTS
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