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WERNER HEISENBERG

Die physikalischen
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Prinzipien der
Quantentheorie HIRZEL

S. Hirzel Verlag
Werner Heisenberg
Die physikalischen Prinzipien
der Quantentheorie
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S. Hirzel Verlag
W erner Heisenberg

Die physikalischen Prinzipien


der Quantentheorie

5. Auflage
mit einer Einführung von Harald Fritzsch
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und einem Geleitwort von Anton Zeilinger

S. Hirzel Verlag Stuttgart

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ISBN 978-3-7776-1616-2

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Mikroverfilmung oder vergleichbare Verfahren sowie für die Speicherung in Daten-
verarbeitungsanlagen.

5. Auflage, unveränderter Nachdruck 2 0 0 8


4. Auflage 1944
3. Auflage 1942
2. Auflage 1941
1. Auflage 1930

© 2 0 0 8 S. Hirzel Verlag
Birkenwaldstraße 4 4 , 70191 Stuttgart
Printed in Germany
Einbandgestaltung: Neil McBeath, Stuttgart
Druck: Hofmann, Schorndorf

www.hirzel.de

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V

Geleitwort

Wer meint, Heisenbergs physikalische Prinzipien der Quantentheorie,


die Niederschrift seiner Vorlesungen an der Universität Chicago im Jahr
1929, wären lediglich von historischem oder philosophischem Interesse,
der irrt. Im Gegenteil, seine Darstellung des, wie er es nennt, „Kopen-
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hagener Geistes der Quantentheorie“ ist eine klare Analyse der neuen Be-
deutung und Rolle des Experiments in der Quantenphysik, die heute ak-
tueller ist als je zuvor. Heisenberg konnte in seinen Analysen damals nur
auf einige wenige Experimente Bezug nehmen, eine Tatsache, die auch
dem Gedankenexperiment, gerade in den Frühzeiten der Quantentheo-
rie, zu einer großen Blüte verhalf. Heute sind Experimente mit einzelnen
Quantensystemen Routine in vielen Laboratorien. Die meisten der frühen
Gedankenexperimente fanden direkte oder analoge Realisierung, und es
gibt sehr viel mehr fundamentale Experimente zur Quantenphysik als zu
Heisenbergs Zeiten. Die Interpretationsfragen sind jedoch heute genauso
aktuell, wenn nicht aktueller als damals. Einiges in der heutigen Diskussion
könnte jedoch durch Rückgriff auf die Wurzeln an Klarheit gewinnen.
Ein konkretes Beispiel ist der Welle-Teilchen-Dualismus, heute noch im-
mer im Zentrum der Diskussion. Heisenberg stellt klar, dass sowohl das
Wellenbild als auch das Teilchenbild nur Analogien darstellen, die manch-
mal zutreffen, manchmal versagen, jedoch beide ihre Grenzen haben. Er
stellt auch klar, dass viele Phänomene sowohl durch das Teilchen- als auch
durch das Wellenbild erklärbar sind. Ein konkretes und sehr lehrreiches
Beispiel ist etwa, wie eine Teilchenbahn in der Wilsonschen Nebelkammer
in beiden Bildern verstehbar ist. Sofort intuitiv einsichtig ist ja das Teil-
chenbild: Danach stößt eben ein Alphateilchen der Reihe nach an verschie-
dene Atome entlang seiner Bahn. Genauso lässt sich das jedoch mit Hilfe
des Wellenbildes verstehen. Hier kommt es durch Vorwärtsstreuung dazu,
dass Atome de facto nur innerhalb von Streifen, wie Heisenberg sie nennt,
in der Vorwärtsrichtung angeregt werden können. Dadurch bilden sich die
Bahnen in der Nebelkammer aus. Analog zeigt Heisenberg umgekehrt, wie

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VI Geleitwort

die Beugung an einem periodischen Gitter, die wir üblicherweise im Wellen-


bild sehen, auch im Teilchenbild verstanden werden kann. Diese Dualität
der Betrachtungsweise wäre sicher etwas, das man auch für heutige Expe-
rimente schärfen sollte.
Widersprüche in der Interpretation treten nur dann auf, wenn man eine
Aussage aus ihrem experimentellen Zusammenhang löst. Es hat also nur
Sinn, im Kontext desjenigen Experiments über eine bestimmte Eigenschaft
eines Systems zu sprechen, das gestattet, diese Eigenschaft tatsächlich zu
messen. Die Übertragung von einem Experiment zu einem anderen muss
zwangsläufig zu Widersprüchen führen. Es hat keinen Sinn, über Eigen-
schaften zu sprechen, die ein System „in Wirklichkeit“ besitzt. Ein Problem
ist, dass unsere klassische Sprache, die aus der Alltagserfahrung entstan-
den ist, uns gestattet, auch Sätze zu formulieren, die keinen Sinn ergeben.
Heisenberg zählt dazu auch die Behauptung, dass es eine Welt gäbe, zu der
es prinzipiell keine Verbindung geben kann. Eine Besinnung auf Aussagen
dieser Art würde so manche der heutigen Interpretationsdiskussionen be-
trächtlich abkürzen.
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Der „Kernpunkt“ der Quantentheorie, wie ihn Heisenberg nennt, liegt


darin, dass eine Superposition verschiedener Möglichkeiten prinzipiell ver-
schieden ist von einer statistischen Mischung. Daran ändern auch die heu-
tigen Diskussionen zur Dekohärenz nichts, wie schon John Bell bemerkte,
der davon sprach, dass die durch Dekohärenz erhaltenen Zustände nur „for
all practical purposes“ äquivalent zu den quantenmechanischen Zuständen
sind. In der klassischen Physik beschreibt eine statistische Mischung ein
gedachtes Ensemble verschiedener klassischer Systeme. Die Messung iden-
tifiziert dann lediglich, welcher dieser Fälle tatsächlich vorliegt. Im Gegen-
satz dazu hat die statistische Mischung der Quantenphysik eine doppelte
Rolle: Einerseits kann sie ein Ensemble vieler verschiedener Systeme be-
schreiben, genauso wie in der klassischen Physik; andererseits kann jedoch
auch die Situation eine solche sein, dass sich ein einzelnes quantenme-
chanisches System durch Kopplung an die Umgebung nicht mehr in einem
reinen Zustand befindet. In diesem Fall wählt die Messung nicht eines der
Systeme aus, da wir ja nur ein einziges System vor uns haben, sondern
reduziert den Zustand auf eine der Möglichkeiten.
Interessant ist die Frage, wo auf diesen Übergang vom einzelnen System
zum Resultat der Beobachtung die Grenze zwischen quantenphysikalischer
Beschreibung und klassischer Beschreibung zu legen ist. Diese Grenze ist,
wie Heisenberg wieder anhand der Wilson’schen Nebelkammerspuren sehr
schön zeigt, bis zu einem gewissen Punkt willkürlich. Wenn es nur um die
Beschreibung der Spur selbst geht, macht es keinen Unterschied, ob man
die Atome, an denen das Alphateilchen streut, noch in das Quantensys-
tem einbezieht oder nicht. Aus moderner Sicht kann man ergänzen, dass
es dann einen Unterschied macht, wenn man die Verschränkung zwischen

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Geleitwort VII

dem beobachteten Alphateilchen und den Atomen mit in die Betrachtung


einbezieht. Die Entstehung dieser Verschränkung ist eine unitäre Evoluti-
on, die im Prinzip reversibel sein müsste, eine Herausforderung an künftige
Experimentatoren.
Aus heutiger Sicht könnte man einige der Aussagen Heisenbergs viel-
leicht etwas schärfen, insbesondere in Hinblick auf den enormen experi-
mentellen Fortschritt, den es seit damals gab. So zeigen zum Beispiel Expe-
rimente an der Quanteninterferenz von Makromolekülen sehr klar, dass es
tatsächlich eine Frage des experimentellen Apparates ist, ob ein einzelnes
System sich quantenmechanisch verhält oder klassisch. An den grundsätz-
lichen Aussagen würde Heisenberg wohl nichts ändern, obwohl er vielleicht
stellenweise etwas vorsichtiger wäre. Zum Beispiel ist die oft sprachlich im-
plizierte Identifikation von „makroskopisch“ mit „klassisch“ und ebenso
die Identifikation von „mikroskopisch“ mit „quantenmechanisch“ heute
nicht mehr haltbar. Dies dürfte jedoch schon bei Heisenberg eine aus der
damaligen experimentellen Situation verstehbare, naheliegende Assoziati-
on gewesen sein. Heute kann man wohl auch die Rolle des Beobachters im
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Quantenexperiment gegenüber Heisenbergs Zeiten schärfen. Der Übergang


von Superposition zu einem statistischen Gemisch ist als Informationsfluss
des Quantensystems zu einem anderen System verstehbar, der im Prinzip
reversibel ist. Es geht darum, dass es durch die Kopplung an ein anderes
System nicht zu einer Kenntnis durch den Beobachter kommt, sondern
zur Möglichkeit, dass ein Beobachter eine bestimmte Kenntnis erlangen
könnte. Erst damit, dass ein Beobachter diese Kenntnis tatsächlich erlangt,
wird die Situation endgültig und für alle Zeiten reversibel, und der Übergang
von Möglichkeit zu Wirklichkeit findet statt.
Die Lektüre von Heisenbergs Analyse verschiedener Experimente sei je-
dem Experimentator empfohlen, der heute Experimente zu den Grundlagen
der Quantenphysik durchführt. Es würde sicher zu Heisenbergs Ziel beitra-
gen, das er mit diesem Buch verfolgt hat, nämlich den Glauben an die phy-
sikalischen Prinzipien der Quantentheorie durch tatsächliches Verständnis
zu ersetzen. Heisenberg drückt am Ende seines Buchs auch die Erwartung
aus, dass die Zukunft eine noch stärkere Einschränkung der klassischen
Begriffswelten mit sich bringen wird. Dazu kann sicherlich eine saubere
Analyse aktueller Experimente in seinem Sinn wesentlich beitragen.

Wien, Juni 2008 Prof. Dr. Anton Zeilinger

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IX

Werner Heisenberg und die Quantenphysik


Die Quantenphysik ist die Wissenschaft der Mikrophysik: der Moleküle,
der Atome und der Atomkerne. Darüber hinaus spielt sie eine große Rolle
in der Festkörperphysik. Sie liefert die Grundlagen für die Lasertechnik, die
Transistoren, das Tunnelmikroskop, die Mikroelektronik und die Mobiltele-
fone. Mehr als ein Drittel des Bruttosozialprodukts der Welt beruht heute
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auf der Quantenphysik. Kosmologen verwenden sie, um den Ursprung des


Universums zu erkunden. Astrophysiker beschreiben mit ihr die Dynamik
der Sterne. Die Quantenphysik ist die Grundlage der Elementarteilchen-
physik und soll erklären, was die Welt im Innersten zusammenhält.
In der Geschichte der Physik gibt es eine Reihe von wichtigen Schritten,
die unsere Vorstellungen über die Natur vertieft haben. Der erste wichtige
Schritt war die Einführung der klassischen Mechanik durch Isaac Newton
im 17. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert erklärten Faraday und Maxwell,
warum die Elektrizität und der Magnetismus Manifestationen eines elek-
tromagnetischen Feldes sind. Das war die Geburt der Elektrodynamik, die
durch die Maxwell’schen Gleichungen beschrieben wird. Einsteins Spezielle
Relativitätstheorie zeigte auf, dass Raum und Zeit eine Einheit bilden, die
vierdimensionale Raum-Zeit.
Die Einführung der Quantenmechanik war der wichtigste Schritt seit
Einführung der klassischen Mechanik. Eine kleine Gruppe hochbegabter
junger Physiker, an ihrer Spitze Werner Heisenberg, Wolfgang Pauli und
Erwin Schrödinger, entwarf die neue Lehre von den Quantenprozessen und
den Atomen, aufbauend auf den Ideen von Max Planck, Niels Bohr und Ar-
nold Sommerfeld, in den Jahren nach 1926.
Es gibt in der Physik eine ganze Reihe von Phänomenen, die man mit der
klassischen Physik nicht beschreiben kann. Beispiele sind die Größe der
Atome, der Moleküle und der Atomkerne, die chemischen Bindungen und
die Stabilität der Atome und der Atomkerne. Mit Hilfe der Quantenphysik
ist es möglich geworden, diese Phänomene zu verstehen und oft auch zu
berechnen.
Um die Hohlraumstrahlung zu verstehen, hat sich Max Planck jahrelang
mit der Wellentheorie des Lichtes beschäftigt, ohne jedoch eine Lösung zu

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