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Afrika

Seit dem Mittelalter wurden fünfzig Millionen Afrikaner


versklavt. Hauptsächlich von islamischen Eroberern und
Staaten. Erst die europäischen Siedler setzten dem brutalen
Treiben ein Ende. Der deutsche Historiker Egon Flaig
spricht von «humanitärem Kolonialismus». Von Botho
Keppel

ar so finster war Europas Mittelalter doch nicht: Vor


tausend Jahren waren die Territorien nördlich und westlich
der Alpen die einzige Region auf der Welt, in der es keine Sklaven
gab. Adlige Güter wurden hier von Bauern bewirtschaftet, die in
unterschiedlichen Stufen abhängig und unfrei waren. An die Stelle
der Sklaverei trat die Leibeigenschaft. Anders als Sklaven gehörten
Leibeigene zur Gesellschaft und fristeten, zwar am unteren Ende der
sozialen Leiter, ein halbwegs menschenwürdiges Dasein. Niemand
durfte sie verkaufen oder verschleppen. Als die Normannen 1066
England eroberten, unterdrückten sie dort die Reste der Sklaverei
rigoros. Im «Sachsenspiegel», dem Gesetzeswerk des deutschen
Mittelalters, wurden Mitte des 13. Jahrhunderts sowohl
Leibeigenschaft als auch Sklaverei verworfen. Frankreichs König

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Philipp der Schöne schenkte 1299 allen Leibeigenen auf seinen


Krongütern die Freiheit, weil «jegliches menschliche Geschöpf,
welches nach dem Bild unseres Herrn geformt ist, kraft des
natürlichen Rechts frei sein muss». Da war es schon, das «natürliche
Recht auf Freiheit» – fast 500 Jahre vor der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung, mitten im sogenannten finsteren
Mittelalter.

Stadtluft macht frei


Das ist eine von vielen Einsichten, die der Rostocker Historiker
Egon Flaig in seiner «Weltgeschichte der Sklaverei» liefert. Von
Hause aus Althistoriker, kennt er die antike und spätantike Welt mit
ihren griechischen und römischen Autoren bis ins Detail. Es ist ein
Erlebnis, bei ihm nachzulesen, wie Griechen, Römer und Byzantiner
mit ihren Sklaven umgingen. Noch spannender wird es, wenn er mit
an der antiken Staatenwelt geschultem Auge die islamische Welt, die
frühe Neuzeit und schliesslich den transatlantischen Sklavenhandel
in den Blick nimmt.

Entscheidend für das Verschwinden der Sklaverei in


Nordwesteuropa waren ab dem 11. Jahrhundert die Städte. Wenn ein
Unfreier die Grenzen einer Stadt überschritt, war er vor seinem
Herrn sicher. Nach Ablauf eines Jahres war er frei, mancherorts
sogar sofort. «Stadtluft macht frei» – die mittelalterlichen Städte
verteidigten das Prinzip eisern. So entstanden Hunderte von
Gemeinwesen, «in denen die persönliche Unfreiheit ausdrücklich

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verboten war», erinnert Flaig. Italienische Händler, die aus ihren


Renaissancestädten Sklaven mit über die Alpen brachten, gerieten
dort regelmässig in Konflikt mit dem Gesetz.

Der «schmale Sonderweg» Nordwesteuropas, wie Flaig es nennt,


war alles andere als selbstverständlich. Überall sonst war zur gleichen
Zeit die Sklaverei eine etablierte Institution. Wikinger und Ungarn,
die im frühen Mittelalter regelmässig in Nordwesteuropa einfielen,
waren Sklavenjäger. Ebenso Araber, die sich im 9. Jahrhundert in
Südfrankreich und Italien festsetzten und sogar Rom belagerten.
Vom süditalienischen Bari aus fuhren regelmässig Schiffe mit
europäischen Sklaven nach Tunis. Die Ungarn verschifften ihre Beute
über die Donau und das Schwarze Meer zu den Sklavenmärkten des
Orients. Der grösste Sklavenmarkt in Europa war al-Andalus, das
arabisch besetzte Spanien – angeblich ein Hort der Liberalität und
des multireligiösen Miteinanders. Ein Mythos, die historische
Realität war anders. Um ein Haar, meint Flaig, wäre auch
Nordwesteuropa zum Sklavenlieferanten für die islamische Welt
geworden – so wie Afrika und wohl mit einem ähnlichen Schicksal.
Auf dem Lechfeld hat Otto der Grosse es 955 mit seinem Sieg über
die Ungarn verhindert.

Unersättlicher Sklavenhunger
Im Orient ist die Sklaverei durch Keilschrifttexte schon für das 3.
Jahrtausend vor Christus belegt. Im Ägypten der Pharaonen gab es

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Kaufsklaven und gebrandmarkte Staatssklaven, die auch verschenkt


wurden. Im Alten Testament stehen gesetzliche Vorschriften über die
Behandlung von Sklaven. Im Hause des Odysseus, berichtet Homer,
gab es fünfzig Sklavinnen. Dreissig männliche Sklaven arbeiteten auf
den Weiden. In Athen führten die Siege über das Perserreich zu
einem grossen Zustrom von Sklaven. Es konnte ihnen unter
Umständen recht gut gehen: Haussklaven wurden in die
Familiengemeinschaft aufgenommen. Gutausgebildete Sklaven waren
wertvoll und wurden mit grossem Gewinn an Handwerksbetriebe
vermietet. Fürchterlich erging es dagegen 20 000 Sklaven in Athens
Bergwerken. Antike Bergwerke, weiss Flaig, waren immer
mörderische Strafanstalten. War die attische Demokratie auf die
Sklaverei angewiesen, wie etwa Marxisten gerne behaupten? Jein,
lautet die Antwort des Althistorikers. Die basisdemokratische
Mitwirkung von mehreren tausend Bürgern in Volksversammlungen,
Gerichtshöfen und Ausschüssen verschlang tatsächlich viel freie Zeit,
die die Athener ohne ihre Sklaven nicht gehabt hätten. Doch die
griechische Sklaverei war nicht schlimmer als andere, meint Flaig.
«Und dennoch brachten andere Kulturen weder die Demokratie
hervor noch eine zivile Freiheitsideologie, die der griechischen
vergleichbar gewesen wäre.»

In Rom gewann die Sklaverei an Bedeutung, als die kriegerische


Stadtrepublik im dritten vorchristlichen Jahrhundert zur
beherrschenden Macht im Mittelmeerraum aufstieg. Zwischen 200

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und 50 vor Christus gelangten mindestens 500 000 versklavte


Kriegsgefangene nach Italien, etwa 4000 pro Jahr, bei einer
Gesamtbevölkerung von ungefähr 4 Millionen. Besonders viele
Sklaven machte Cäsar in Gallien. Doch Rom führte niemals Krieg, um
zu versklaven, sondern immer aus politischen Gründen. Gegner, die
sich schnell ergaben, entgingen der Versklavung. Flaig warnt davor,
die wirtschaftliche Bedeutung der Sklaverei für Rom zu
überschätzen: Auch in der Kaiserzeit waren über fünfzig Prozent der
landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Italien freie Bauern.

Billig waren Sklaven in Rom nie: 200 vor Christus kostete ein
Arbeitssklave etwa 500 und ein gebildeter Haussklave bis zu 1550
Denare – mehr als das Zehnfache des Jahressolds eines Legionärs. In
der späten Kaiserzeit ging die Sklaverei stark zurück. Auf dem Land
nahmen immer häufiger an die Scholle gebundene Pächter den Platz
der Sklaven ein. Kaiserliche Gesetze schränkten die Verfügungsgewalt
der Herren über ihre Sklaven stark ein. Sklaven wurden zu
«Menschen, die unter der Herrschaft des römischen Volkes leben»,
so ein zeitgenössischer Autor. Der Unterschied zwischen Sklaverei
und anderen Formen der Unfreiheit begann sich zu verwischen.

Den grossen Rückschritt brachte der Islam. In kürzester Zeit


errichteten arabische Reiterheere ein Weltreich und zugleich, schreibt
Flaig, «das grösste und langlebigste sklavistische System der
Weltgeschichte». Mit dem grünen Banner des Propheten und der
islamischen Scharia kam immer auch regelrechte Herdensklaverei.
Islamische Eroberer versklavten viel mehr Menschen, als es die

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Römer je getan hatten. Allein in Spanien wurden Anfang des 8.


Jahrhunderts innerhalb von nur zehn Jahren 150 000 Menschen
versklavt. Im 11. Jahrhundert trieben afghanische Reiterheere
Hunderttausende versklavte Hindus nach Zentralasien, wo sie gegen
Pferde eingetauscht wurden. Das «Hindu-Kush»-Gebirge hat daher
seinen Namen: Hindu-Tod.

Islamische Herrschaft beruhte auf der Sklaverei. Kalifen und


Sultane hielten riesige stehende Heere aus Militärsklaven. Weil es in
der theokratischen Despotie keine Mitwirkung von Aristokratie oder
Bürgern gab, lag alle Bürokratie und Verwaltung in den Händen von
Sklaven. In Bergwerken, Mühlen und Plantagen schufteten
Hunderttausende Sklaven. Der Sklavenhunger des islamischen
Weltreiches war unersättlich. Schon im 9. Jahrhundert brauchten die
Kalifen von Bagdad etwa 600 000 Militärsklaven, sogenannte
Mamelucken. Auf dem Balkan wurden ab dem 14. Jahrhundert bis zu
einem Fünftel aller christlichen Kinder in die Sklaverei abgeführt,
zwangsmuslimisiert und zu gefürchteten Janitscharenkriegern
ausgebildet. Dies Schicksal muss in viereinhalb Jahrhunderten
türkischer Balkanherrschaft Millionen Kinder getroffen haben,
schätzt Flaig.

An den Rändern des islamischen Weltreiches führten Kalifen,


Sultane, Emire und Moguln permanent Krieg, nur um Sklaven zu
rauben. Frieden gab es nie. Im 10. Jahrhundert zog etwa der Kalif
von Córdoba in 27 Jahren 25 Mal in den Dschihad – den «heiligen
Krieg» – gegen die christlichen Gebiete Spaniens, zerstörend,

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massakrierend, versklavend. Am schlimmsten aber traf es Afrika.


Nach und nach wurde der grössere Teil des Kontinents zu einer
einzigen riesigen Sklavenlieferzone für die islamische Welt. Millionen
schwarzafrikanische Sklaven wurden über den Indischen Ozean von
Ostafrika nach Indien und bis nach China geführt. Noch Ende des 19.
Jahrhunderts zogen lange Sklavenkarawanen durch die Sahara. Im
Sudan und bis tief nach Schwarzafrika hinein entstanden islamisierte
Räuberstaaten, die nur eine Aufgabe hatten: Sklavenbeschaffung. Die
subsaharischen Sklavenjagden, schreibt Flaig, «waren häufig
Genozide im strengen Sinne, da von vielen Ethnien buchstäblich
niemand mehr übrig blieb».

Arabisierte Reiternomaden betrachteten Schwarzafrikaner als


natürliches Sklavenreservoir. Die heutige blutige Vertreibung
schwarzafrikanischer Sudanesen in Darfur durch berittene arabische
Milizen ist ein Echo aus Jahrhunderten islamischer Sklavenjagd:
Noch 1871 veranstaltete ein Sultan im heutigen Tschad zu Ehren
eines Staatsgasts eine Sklavenhatz. Tausend Jahre islamische
Herrschaft und permanente Versklavungskriege in immer grösseren
Teilen Afrikas hatten fürchterliche Folgen für den Kontinent,
kulturell, sozial, ökonomisch und politisch. Flaig: «Bis heute sind
vielerorts die demografischen Entleerungen sichtbar sowie die
Spuren des kulturellen Niedergangs bis hinunter auf ein pseudo-
steinzeitliches Niveau.»

Ende des 15. Jahrhunderts klinkten sich die Portugiesen in den


innerafrikanischen Sklavenhandel ein. Mit ihren ozeantauglichen

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Schiffen konnten sie die Sklaven schneller und verlustärmer


transportieren und machten an der afrikanischen Westküste gute
Geschäfte. 1500 nahm Portugal Brasilien in Besitz. Für die Arbeit auf
der ständig wachsenden Zahl von Zuckerrohrplantagen brauchten
portugiesische Siedler immer mehr Sklaven. In 300 Jahren kamen
auf portugiesischen Schiffen 3,9 Millionen afrikanische Sklaven nach
Brasilien – 41 Prozent aller nach Amerika verschleppten Afrikaner.
Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts brachten auch holländische,
französische und englische Sklavenhändler afrikanische Sklaven in
die Neue Welt, vor allem in die Karibik. Etwa 365 000 Sklaven
wurden zwischen 1600 und 1825 nach Nordamerika transportiert.
Weil es ihnen dort vergleichsweise gutging, wuchs ihre Zahl bis 1860
auf vier Millionen.

In 300 Jahren transatlantischem Sklavenhandel blieben die


Europäer immer Händler. Sie jagten nicht, und sie versklavten nicht.
Das taten die Afrikaner selber, betont Flaig: «Afrikaner versklavten
andere Afrikaner, sie deportierten ihre Opfer, und sie verkauften
diese wie Vieh an europäische Händler. Warum? Weil sie überhaupt
keine Gemeinsamkeit zwischen sich und ihren versklavten Opfern
sahen.» Auf den langen Märschen vom Landesinneren zum Atlantik
kamen oft mehr Sklaven ums Leben als auf der Überfahrt nach
Amerika. Die afrikanischen Versklaver blieben in Westafrika immer
die Herren des Geschäfts: Sie bestimmten den Preis und welcher
europäische Kapitän wie viele Sklaven bekam. Tatsächlich war
jahrhundertelange islamische Sklavenjagd in Afrika die

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Voraussetzung für den transatlantischen Sklavenhandel der


Europäer, erklärt Flaig. Jene islamisierten afrikanischen
Räuberstaaten, für die die Sklavenjagd einziger Existenzzweck war,
«vermochten auf jede Nachfrage elastisch zu reagieren» und schufen
sie regelrecht. In Sklavenjagd-Dschihads – bis ins 19. Jahrhundert
hinein wurden sie wirklich als «heilige Kriege» deklariert – warfen
die Räuberstaaten solche Mengen von Sklaven auf die Märkte, dass
diese Kriege «als hauptsächlicher Faktor für den Sklavenexport nach
Amerika» erscheinen.

«Humanitärer Kolonialismus»
Der transatlantische Sklavenhandel ist gut erforscht. Von 1519
bis 1867 wurden in etwa 27 000 Sklaventransporten 11,06 Millionen
Afrikaner nach Amerika verschleppt. Noch mehr fielen in freilich viel
längerer Zeit zwischen 650 und 1920 islamischer Sklaverei zum
Opfer: mindestens 17 Millionen. Rechnet man die Sklaven hinzu, die
in den subsaharischen Sklavenjägerländern blieben, so wurden in
1300 Jahren insgesamt wohl über 50 Millionen Afrikaner versklavt.
Noch nicht mitgerechnet ist dabei die grosse Zahl von Alten und
Kindern, die in den unendlich vielen, fürchterlichen Sklavenrazzien
niedergemetzelt wurden. Flaig glaubt, dass auch die düstersten
Zahlen noch nach oben korrigiert werden müssen: Alleine die
islamische Militärsklaverei erforderte über die Jahrhunderte einen
Sklavenimport von weit über 20 Millionen Menschen. Gerne
unterschlagen werden 1,2 Millionen Europäer, die Piraten aus Algier,

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Tunis und Tripolis zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert von
den Küsten Spaniens, Frankreichs und vor allem Italiens raubten.
Sogar bis in die Themsemündung und nach Island fuhren die
nordafrikanischen Sklavenjäger.

Vom ersten Tag des transatlantischen Sklavenhandels an führten


die Europäer in der Alten wie in der Neuen Welt eine erregte Debatte
über die Sklaverei. 1794 wurde sie von der französischen
Nationalversammlung in allen französischen Territorien verboten.
1833 folgte das britische Parlament dem französischen Beispiel. Auf
dem Wiener Kongress beschlossen 1815 die europäischen
Monarchen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Von da an machte
die britische Marine Jagd auf Sklavenschiffe, blockierte die
westafrikanische Küste und würgte den transatlantischen
Sklavenhandel ab. Der jahrzehntelange Einsatz als maritimer
Weltpolizist kostete London viel Geld.

In der islamischen Welt dagegen gab es nie eine Diskussion über


die Sklaverei. Weil Sklaven im Koran vorkommen und auch der
Prophet Sklaven hatte, war die Sklaverei über jeden Zweifel erhaben.
Das Osmanische Reich wehrte sich gegen britischen Druck. Auf der
arabischen Halbinsel drohten Aufstände, als über das Verbot der
Sklaverei verhandelt wurde. Die Araber wurden denn auch vom
halbherzigen Sklavenhandelsverbot der Osmanen ausgenommen.
Erst als die Briten 1882 Ägypten besetzten, endete der Sklavenhandel
auch im Nahen Osten. In Afrika gingen die Versklavungskriege
weiter, erfassten Zentralafrika und das Kongobecken. Arabische

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Sklaven- jäger erreichten die Grossen Seen. In Europa drängten


darum die Abolitionisten – die Gegner der Sklaverei – darauf, die
Sklavenjagden in Afrika gewaltsam zu beenden. Nichts anderes,
meint Flaig, war der Ausgangspunkt der europäischen
Kolonialherrschaft in Afrika.

Tatsächlich konnten die europäischen Kolonialmächte das


gewaltsame Versklaven in Afrika fast völlig unterbinden. Flaig spricht
darum vom «humanitären Kolonialismus» der Europäer in Afrika
und wartet mit einer provokanten Schlussfolgerung auf: «Der
europäische Kolonialismus [. . .] hat Afrika nach einer 1000-jährigen
Geschichte von blutigster Gewalt und Völkermorden die Möglichkeit
zu neuen Wegen eröffnet. Freilich unter kolonialer Aufsicht.» Wären
die Europäer nicht in Afrika geblieben, so Flaig, wäre die Sklaverei
sofort zurückgekehrt. Die starke These wird zu Diskussionen und
Historiker-Debatten führen. Ein Rezensent der Hamburger
Wochenzeitung Die Zeit hat sich prompt über Flaigs Sicht auf den
europäischen Kolonialismus empört. Allerdings ohne Argumente
anzuführen. Die sind, bis jetzt jedenfalls, auf der Seite des Rostocker
Althistorikers.

Egon Flaig: Weltgeschichte der Sklaverei. C. H. Beck, 2009. 238 S., Fr. 22.90

Botho Keppel ist Historiker und Journalist in München.

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