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Studie zum Antisemitismus - Manifestations of Anti-Semitism in the Eu... http://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/antisemitismus-studie.

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Die Studie zum
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2003

Im Auftrag des European Monitoring Centre on Racism and


Xenophobia/Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) in Wien verfassten Prof. Werner
Bergmann und Dr. Juliane Wetzel im letzten Jahr den Bericht
„Manifestations of Anti-Semitism in the European Union – First
Semester 2002 - Synthesis Report“, der sowohl einen Überblick über
die antisemitische Welle im Frühjahr 2002 in den 15 EU-
Mitgliedsstaaten gibt, als auch eine Analyse der Ereignisse bietet.

Das EUMC stellte den Autoren Informationen ihrer „National Focal Points“
zur Verfügung, die in den 15 Mitgliedsstaaten eingerichtet worden sind, um
dem EUMC entsprechende Daten für seine Beobachtungsaufgaben im
Hinblick auf Diskriminierungen von Minderheiten und Fremdenfeindlichkeit
bereit zu stellen. Da die Beobachtung des Antisemitismus bisher allenfalls
als Teil der Erfassung von Diskriminierungen betrachtet wurde und viele der
„National Focal Points“ nicht in der Lage sind, das besondere Phänomen des
Antisemitismus zu erfassen, reichte die Qualität der Informationen, die den
Autoren von Seiten des EUMC zur Verfügung standen, von sehr gut bis Werben in haGalil?
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Darüber hinaus hatte das EUMC die „National Focal Points“ um eine
Datenerfassung für den Zeitraum Mitte Mai bis Mitte Juni 2002 gebeten, die
eigentliche antisemitische Welle setzte jedoch bereits kurz nach den
Ereignissen in Dschenin und Bethlehem ein, d.h. im April 2002. Die Autoren
der Studie, die bereits seit Jahren zum aktuellen Antisemitismus forschen,
haben die fehlenden Daten ergänzt, die Berichte für die Niederlande und
Großbritannien komplett selbst verfasst (hier lagen keine EUMC
Informationen vor) und einen Überblick über die Situation im ersten halben
Jahr 2002 geliefert, der auch auf die Weiterentwicklung in der zweiten
Hälfte des Jahres eingeht und feststellt, dass die Welle wieder ein Tal
erreichte, allerdings auf vergleichsweise hohem Niveau.

Der Bericht war im Oktober 2002 fertig gestellt und wurde vertragsgemäß
dem EUMC übermittelt. Anschließend erfolgten noch mehrere
Überarbeitungsphasen. Kritische Einwände seitens des Management Boards
des EUMC wurden – so weit wissenschaftlich vertretbar - berücksichtigt und
neue Informationen hinzugefügt. Die letzte Fassung, in der noch einige
wenige Ergänzungen und Änderungen vorgenommen wurden, liegt seit
Januar 2003 beim EUMC, das die Studie unter Verschluss hielt. Im
November 2002 fand ein Workshop in Brüssel statt, zu dem das EUMC
einige Mitglieder des EUMC-Management Boards, das über die Publikation zu
befinden hatte, sowie Experten aus verschiedenen Ländern und die Autoren
der Studie eingeladen hatte. Die bereits fertige Studie stand den
Teilnehmern nicht zur Verfügung, die Autoren konnten jedoch einige
Ergebnisse präsentieren. Im Gegensatz zu den Pressemeldungen des EUMC
fand dieses Meeting nicht vor Repräsentanten jüdischer Organisationen
statt, wenngleich zwei Vertreter teilnahmen. Entgegen den öffentlichen
Verlautbarungen des EUMC gab es bei diesem Treffen auch keinen Dissens
unter den Experten über die von den Autoren - auf Bitten des EUMC -
vorgenommene Definition des Antisemitismus, insbesondere nicht mit den
jüdischen Vertretern.

Nachdem ein Mitarbeiter des EUMC die Autoren im Frühjahr 2003


telefonisch davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass die Studie wohl nicht
veröffentlicht werden würde, traf Juliane Wetzel im Juni am Rande der
OSZE-Konferenz zum Antisemitismus in Wien im Juni 2003 die Direktorin
des EUMC, Beate Winkler, die eine mögliche Veröffentlichung des Berichts

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noch immer in Aussicht stellte. Bis heute hat das Zentrum für
Antisemitismusforschung keine offizielle Nachricht darüber erhalten, dass
die Studie nicht publiziert wird. Inzwischen allerdings haben der World
Jewish Congress, die Vereinigung der Jüdischen Gemeinden Frankreichs und
der EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit sowie einige internationale
Presseorgane die Studie auf ihren Webseiten zugänglich gemacht. Am 4.
Dezember schließlich stellte auch das EUMC die Studie ohne Zutun des
Zentrums für Antisemitismusforschung ins Netz, allerdings ohne das
Vorwort, gezeichnet von Beate Winkler und dem Vorsitzenden des
Management Boards Bob Purkiss, das die Veröffentlichungsabsicht
unterstreicht, die heute vom EUMC geleugnet wird. Zudem befindet sich auf
der Homepage des EUMC eine Erklärung, die der Studie mangelnde
Wissenschaftlichkeit und Datenbasis sowie unlautere Generalisierungen und
falsche Vergleiche unterstellt. Verschiedene Presseorgane empfehlen
deshalb die Studie über die Seite von Daniel Cohn-Bendit einzusehen, um
ein vollständiges Bild zu erhalten, zumal noch weitere Passagen in der
EUMC Version gestrichen wurden, in denen die Behörde die Ergebnisse der
Studie unterstreicht. Dies ist vermutlich eine Reaktion auf den öffentlichen
Druck, der durch die internationale Presseberichterstattung in den letzten
Wochen über den Skandal der Nichtveröffentlichung entstanden ist. Auslöser
des Medieninteresses war ein Artikel in der Financial Times (englische
Ausgabe) am 16. November 2003, der die „Verschlusssache“ aufdeckte.

Erstveröffentlichung 2003

Veröffentlichung des EUMC (2004):


-- Manifestations of Antisemitism in the EU 2002 – 2003
-- Perceptions of Antisemitism in the European Union
Media Release 1 April 2004: EUMC Antisemitism reports welcomed

Über die tatsächlichen Gründe, warum das EUMC die Studie unter
Verschluss hielt, kann letztlich nur gemutmaßt werden. Zum einen ist dies
wohl den Ergebnissen der Studie geschuldet, die in den Ländern Frankreich,
Belgien, den Niederlanden und Großbritannien häufig jugendliche Muslime
arabischen bzw. nord-afrikanischen Ursprungs als Täter antisemitischer
Übergriffe benennt, gleichzeitig jedoch feststellt, dass diese Gruppen selbst
unter massiven Diskriminierungen leiden, am Rande der Gesellschaft leben
und einen Sündenbock für ihre schlechte Lebenssituation suchen. Da das
EUMC sich mit Recht seit Jahren darum bemüht, diese Missstände
aufzuzeigen, und einen wesentlichen Teil seiner Arbeit der Entwicklung von
Strategien gegen die Islamophobie widmet, sieht es seine Initiativen nun
gefährdet. Ziel einer wissenschaftlichen Studie kann es jedoch nicht sein,
auf solche politischen Intentionen Rücksicht zu nehmen, im Gegenteil,
Wissenschaftler sind dazu angehalten, die Fakten zu erforschen und zu
präsentieren, die der Politik als Basis dienen. Unbequem scheint auch die
Benennung von antisemitischen Tendenzen in einigen linken Gruppierungen
bzw. im Umfeld der Globalisierungsgegner zu sein, die die Grenze zwischen
einer durchaus legitimen Kritik an der israelischen Politik hin zu einer
Instrumentalisierung von antisemitischen Stereotypen im Kampf gegen eine
„imperialistische, kapitalistische Besatzungsmacht“ überschreiten. Sie
benutzen den Vergleich mit dem nationalsozialistischen Genozid, um Israel
zu diffamieren bzw. machen die jüdische Bevölkerung in anderen Ländern
verantwortlich für die Politik Israels im Nahostkonflikt. Solche
antisemitischen Stereotypen waren etwa bei pro-palästinensischen
Demonstrationen in einigen EU-Ländern evident. Diese Vorurteile sind im
übrigen auch bis in die Mitte der Gesellschaft hinein verbreitet. Ungeachtet
dieser Entwicklungen, die nicht erst 2002 offenkundig wurden, sondern in
manchen Ländern bereits während des Sechs-Tage-Krieges 1967 zu
beobachten waren, sind in einer Reihe von EU-Ländern, so auch in
Deutschland, auch weiterhin überwiegend rechtsextreme Gruppierungen
und Einzelpersonen verantwortlich für gewalttätige antisemitische
Übergriffe.

Einiges spricht dafür, dass nicht nur Ergebnisse der Studie zur
Nichtveröffentlichung geführt haben, sondern auch politische
Einflussnahmen verschiedener EU-Länder auf ihre Management Board-
Mitglieder, denn die Studie ist in der entscheidenden Sitzung keineswegs
von allen EU-Staaten abgelehnt worden. Das EUMC selbst versucht in einer
sich wissenschaftlich gebenden Erklärung, Gründe für die unterbliebene
Veröffentlichung zu nennen. Zudem hatte es in einer früheren
Presseerklärung den Eindruck erweckt, das Board bestünde aus
ausgewiesenen Experten für das Thema, während seine Mitglieder weit
überwiegend aus Politik und Verwaltung stammen.

Politik und Wissenschaft

Zu den Methoden und Ergebnissen der umstrittenen Antisemitismusstudie

Gegenüber den diskreditierenden Erklärungen des EUMC stellt das Zentrum

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für Antisemitismusforschung fest:

Daten

Die vom EUMC erarbeitete Datenbasis, die in der Tat nur einen kurzen
Zeitraum und für einige Länder auch eine geringe Qualität aufwies, wurde
mit einer Fülle zusätzlicher Daten für den Zeitraum von Januar bis Juni
2002 erweitert, jeder der einzelnen Länderartikel erhielt einen mehrere
Jahre zurückreichenden Rahmen, der z. T. auf dem sehr verlässlichen
Informationen des Antisemitism World Report (Stephen Roth Institute, Tel
Aviv) basiert. Die vom EUMC gelieferten Daten für den
Untersuchungszeitraum bilden also keineswegs allein die Basis für die
zusammenfassenden Überlegungen.

Beim Antisemitismus handelt es sich um ein Phänomen, das im Frühjahr


2002 nicht zum ersten Mal in Europa aufgetreten ist. Das Zentrum für
Antisemitismusforschung und zahlreiche andere Forscher haben es seit
Jahrzehnten empirisch untersucht. Diese Forschungsergebnisse bilden eine
weitere Grundlage für die Studie und die Analyse der antisemitischen Welle,
so dass in der Wissenschaft wohlbegründete Zusammenhänge, etwa
zwischen antiamerikanischen und antisemitischen Einstellungen, einbezogen
wurden. Der Report trifft Aussagen über „Manifestations of anti-Semitism“
und ist keine Gesamtanalyse des Antisemitismus in der EU.

Definitionen

In der Frage der Definition von Antisemitismus, die Teil eines öffentlichen
Meinungskampfes ist, wird es immer Zweifelsfälle bei ihrer Anwendung auf
Einzelfälle geben. Wenn das EUMC den Autoren eine inkonsistente
Verwendung des Begriffs unterstellt, so gilt es festzuhalten, dass das EUMC
selbst seinen National „Focal Points“ für ihre Datensammlung keine
Definition vorgeben hatte, so dass jedes Land zunächst seiner eigenen
Definition bei der Datensammlung gefolgt ist. Auch hier haben die Autoren
die schlechte Vorarbeit des EUMC, das ja noch nie zuvor eine Studie zum
Antisemitismus betreut hat, so gut wie möglich auszugleichen gesucht. Dass
es bei der Vielzahl der berichteten Ereignisse auch einzelne Fälle gibt, über
deren antisemitischen Charakter man streiten kann, spricht nicht gegen die
Arbeit. Die vom Zentrum für Antisemitismusforschung zugrunde gelegte
Definition von Antisemitismus verknüpft, auf der Basis eigener Forschung,
die Definitionen von zwei international renommierten
Antisemitismusforschern (Helen Fein, New York, Dietz Bering, Universität
Köln) und stellt keineswegs eine besonders „weite“ Definition des
Phänomens dar, wie das EUMC immer wieder insinuiert hat.

Die Behauptung des EUMC, dass „Verbindungen zwischen Antizionismus,


Kritik der israelischen Politik und Antiamerikanismus zu einer Konfusion
führen“, zeigt einmal mehr, dass es keine wirklichen Kenntnisse über die
Antisemitismusforschung besitzt, denn die genannten Phänomene gehören
ganz eng in den ideologischen Kontext des Antisemitismus, sei es dass sie
eine gemeinsame ideologische Schnittmenge haben (vgl. dazu u.a. die
Werke von Dan Diner, Verkehrte Welten. Antiamerikanismus in
Deutschland, Frankfurt a. M. 1992 bzw. Feindbild Amerika, München 2002),
sei es dass die Kritik an Israels Politik für Antisemiten Anlass zur Äußerung
ihrer latenten Einstellungen liefert, sei es dass die Autoren durch die
Angabe zusätzlicher Abgrenzungskriterien versucht haben, möglichst klare
und nachvollziehbare Grenzen zwischen Antisemitismus und legitimer
Israelkritik zu ziehen. Alle Länderberichte der „National Focal Points“
enthielten im übrigen längere Erörterungen gerade über die in der
öffentlichen Debatte des jeweiligen Landes problematisierten
Grenzziehungen von Kritik an Israels Politik und Antisemitismus. Dass wir
diese Begriffe abzugrenzen suchen, trägt zur Klärung und nicht zur
Konfusion bei. Das EUMC selbst hat uns aufgefordert, Kriterien für diese
Abgrenzung zu formulieren.

Kausale Zusammenhänge

Das EUMC behauptet, die Autoren der Studie würden unbelegte Aussagen
über kausale Zusammenhänge von „nationaler Außenpolitik /
außenpolitischen Diskursen und Antisemitismus“ vornehmen. Im ersten der
kritisierten Fälle ist der behauptete Zusammenhang in mehreren Ländern
deutlich nachweisbar: Die Bedrohlichkeit der Situation, so wird es von vielen
jüdischen Gemeinden berichtet, ergab sich gerade dadurch, dass es nicht
nur Übergriffe gab, sondern dass sich auch in den Medien, in
Demonstrationen und in der öffentlichen Meinung in der Israelkritik
antisemitische Züge zeigten. Der Eindruck, Unterstützung für die eigene
Einstellung zu haben, verändert die „politische Gelegenheitsstruktur“ für
Antisemiten, die sich in ihrer Einstellung bestätigt sehen. Es war gerade die
Breite und Heftigkeit der Kritik an Israel im Frühjahr 2002, die zudem

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häufig an die Juden des eigenen Landes gerichtet wurde, die zum
„beängstigenden Charakter der Situation“ beigetragen hat. Das macht diese
Kritik keineswegs illegitim, doch kann sie dennoch objektiv diese
bedrohliche Wirkung entfaltet haben. Ein ähnlicher Zusammenhang
zwischen einer öffentlichen Debatte und Medienberichterstattung über die
Zuwanderung und die Änderung der Asylgesetzgebung mit einer Welle
fremdenfeindlicher Gewalt in den frühen 90er Jahren ist für Deutschland
empirisch belegt (Hans-Bernd Brosius/Frank Esser, Eskalation durch
Berichterstattung. Massenmedien und fremdenfeindliche Gewalt, Opladen
1995, Thomas Ohlemacher, Xenophobia in Reunified Germany, Public
Opinion and Violence against Foreigners in Reunified Germany, Zeitschrift
für Soziologie 23, 1994).

Vom EUMC wurde auch die folgende Feststellung bestritten: „Die Annahme
einer engen Verbindung zwischen Israel und den USA stellt ein weiteres
Motiv für eine antisemitische Haltung dar.“ (S..10 der Studie). Als Beleg für
diese Annahme kann auf die im Bericht erwähnte Demonstration gegen den
Internationalen Währungsfonds in Davos verwiesen werden, auf der Kritiker
des IWF in den Masken von US-Verteidigungsminister Rumsfeld und
Premierminister Scharon das „goldene Kalb“ umtanzen. Israel dürfte kaum
zu den bedeutenden Staaten der Weltwirtschaft zählen, dennoch wird es
durch seine enge Verbindung mit den USA hier herausgegriffen und beide
Staaten werden mit dem alten antisemitischen Stereotyp der Geldgier
("Tanz ums goldene Kalb") assoziiert, ein Bild, das in zahllosen
antijüdischen Karikaturen des 19./20. Jahrhunderts verwendet wird. Dass
die engen Beziehungen zwischen Israel und den USA in Gruppen der
extremen Linken sowie in islamistischen Gruppen zu einem Israel-Bild mit
antisemitischen Zügen führt (Israel als Brückenkopf des US-Imperialismus
bzw. als Träger dekadenter westlicher Werte) lässt sich anhand zahlreicher
Schriften und Verlautbarungen aus diesen Kreisen belegen.

Generalisierungen

Den Vorwurf, durch die Verwendung von Begriffen wie „Arab / North African
Muslim immigrants“, „young muslims“ u. ä. würde suggeriert,
Antisemitismus sei endemisch unter dieser Gruppen, weisen die Autoren der
Studie auf das Schärfste zurück. Er unterstellt implizit Islamophobie. Genau
dieselben Kategorisierungen verwenden im übrigen die vom EUMC bereit
gestellten Länderberichte, die oft keine genaueren Angaben zur
ethnisch/religiösen Zuordnung enthalten. Wenn man aus einer Vielzahl von
einzelnen Vorkommnissen Schlüsse ziehen soll, und gerade dies war
Aufgabe der Studie, dann kann nicht jeder Täter namentlich oder als einer
ganz spezifischen Gruppe zugehörig kategorisiert werden. Wer den Report
insgesamt liest, wird bemerken, dass er immer betont, dass es sich um eine
„kleine Zahl“, einen „Teil“ oder eine „Minderheit“ von Angehörigen einer
ethnischen oder religiösen Gruppenkategorie handelt, dass jeweils auch die
Fälle von Kooperation zwischen jüdischen und muslimischen Einrichtungen
angeführt werden und dass häufig der Protest muslimischer Organisationen
gegen die antisemitischen Vorfälle dagegen gesetzt wird, um zu einem
balancierten Bild zu kommen. Im übrigen werden solche Differenzierungen
nicht für andere Kategorisierungen wie Rechts- oder Linksextremisten
eingefordert, obwohl es sich ja hier auch um hochgradige Generalisierungen
handelt.

Inzwischen ist in zahlreichen internationalen Presseorganen die Seriosität


der Studie betont worden, so heißt es in „Die Zeit“ (50/2003): „Die Studie,
die inzwischen im Internet zu lesen ist, belegt gewissenhaft und ohne jeden
alarmistischen Zungenschlag, dass antijüdische Gewaltakte in Europa in
wachsendem Umfang nicht nur von „angestammten“ Rechtsextremisten,
sondern auch von – zumeist jugendlichen – radikalen Islamisten begangen
werden. Mehr noch, die Studie macht deutlich, dass dieser islamistische
Judenhass keineswegs bloß eine Reaktion auf die israelische
Besatzungspolitik in Palästina ist, sondern auf einer festgefügten
antisemitischen Weltanschauung gründet.“

Als besonderer Erfolg der öffentlichen Debatte über die Studie ist die
Meldung aus der Frankfurter Rundschau vom 8. Dezember zu werten, dass
die Vorsitzenden von zwei der größten islamischen Interessenverbänden in
Deutschland, Nadeem Elyas und Ali Kizilkaya, die Studie als Anregung zu
einer intensiven Diskussion über das Thema Antisemitismus unter Muslimen
begrüßen: „Elyas etwa, der dem Zentralrat der Muslime in Deutschland
(ZMD) vorsteht, räumt ein, dass antijüdisches Gedankengut in arabisch-
islamischen Kreisen ‚latent schon immer präsent war‘. Der ZMD vertritt etwa
500 Moscheegemeinden und hat 19 Mitgliedsorganisationen - auch mehrere
mit arabischem Hintergrund, die der Nahostkonflikt besonders umtreibt.
Kritik an der Politik von Israels Regierung müsse erlaubt sein, sagt Elyas im
FR-Gespräch, ‚aber nicht pauschalisierende Vorwürfe gegen ,die Juden'‘.
Gegen judenfeindliche Äußerungen etwa in Freitagsgebeten sei der

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Zentralrat wiederholt vorgegangen. Jetzt fragt man sich, ob das reicht. Elyas
begrüßt die Studie des Zentrums für Antisemitismusforschung jedenfalls und
will sie im ZMD-Vorstand zum Thema machen. Ihm schwebt vor, den
Problemkreis von Terrorismus, Rassismus und Antisemitismus per Offenem
Brief an die Mitgliedsgemeinden anzusprechen: Um gegenzusteuern,
‚brauchen wir Debatten und eventuell Bildungsangebote‘. Er schließt nicht
aus, dass Ausgrenzungserfahrungen in Deutschland junge Muslime
radikalisieren – ‚das kann aber keine Entschuldigung für Antisemitismus
sein‘. Beim Interkulturellen Rat Deutschland, der den interreligiösen Dialog
vorantreibt, erlebt man wachsendes Interesse von Muslimen an Kontakten
zu jüdischen Gemeinden. Zugleich hätten die Verbände zunehmend mit
latentem Antisemitismus an der Basis zu kämpfen.“

hagalil.com 09-05-2004

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