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Der Löwenmann

Zusammenfassung

Eigentlich so etwas, wie ein ökologischer Thriller. Die ersten Szenen sind sehr eindrücklich,
aber dann beginnen recht bald die Probleme, wie immer im zweiter Akt (eigentlich ist das ja
auch gut so, nur sollte sich die Schwierigkeiten vor dem Protagonisten auftürmen und nicht
vor dem Autoren). Eine junge Epidemiologin, Dr. Melanie Brinkmann, reist in einen
Ostafrikanischen Staat, um den Ausbruch einer rätselhaften Seuche zu untersuchen.
Epizentrum des Outbreaks ist eine riesige Coltan-Mine, in welcher tausende von Arbeitern
unter unsäglichen Bedingungen den kostbaren Rohstoff fördern. Aber jetzt stehen die Räder
still. Und mit jedem Tag, an welchem in der Mine nicht gearbeitet wird, verliert das Bergbau-
Unternehmen Millionen von Dollar. Der Leiter der Mine ist außer sich vor Wut. Kurz
nachdem die ersten Fälle bekannt wurden, hatte sich schon die Hälfte der Arbeiter aus dem
Staub gemacht. Das abergläubische Pack sei einfach über Nacht verschwunden. Zum Glück
zahle man die Löhne immer erst am Monatsende aus. Aber der wirtschaftliche Schaden ist
immens, und jetzt arbeitet niemand mehr im Bergwerk. Die Arbeiter säßen jetzt alle wieder zu
Hause in ihren Hütten und schlotterten vor Angst. Melanie ist schockiert. Ein Worst-Case
Szenario. Tausende von möglichen Infizierten tragen die Seuche nun nach Hause zu ihren
Familien. Wahrscheinlich hat sie sich jetzt schon im ganzen Land ausgebreitet.
Die Gesundheitsbehörden des Landes melden immerhin noch keine weiteren Fälle außerhalb
der Region, in welcher die Krankheit zuerst auftrat.
Melanie beginnt mit ihrer Arbeit. Sie untersucht die Leichname der vor kurzem gestorbenen
Minenarbeiter, und sie besucht die Kranken in ihren Hütten. Die Symptome sind
beunruhigend. Kein Fieber, keine äußeren Anzeichen einer Erkrankung, die Betroffenen
dämmern lethargisch in ihren Hütten vor sich hin, bis sie irgendwann einfach nicht mehr
aufwachen. Kein großer Unterschied zu vorher, bemerkt der wütende Bergbau-Unternehmer
frustriert, aber die Befallenen lassen sich weder mit Geld noch mit Zwang aus ihren Hütten
locken und neue Arbeiter lassen sich nicht finden. "Abergläubisches Pack!" schimpft der Boss
und stapft wütend zurück in sein Büro. Melanie steht vor einem Rätsel. Sie kann keinen
Erreger feststellen, und auch die Proben, die sie in ein Speziallabor schickt, ergeben keinen
Befund. Die Menschen waren kerngesund. Auch die Männer und Frauen, die jetzt noch mehr
tot als lebendig in ihren Hütten liegen, weisen keinerlei Symptome einer Erkrankung auf. Die
Kinder aus dem Dorf, und die wenigen Weißen, die für die Bergbaugesellschaft arbeiten,
scheinen gegen die Krankheit immun zu sein. Die Kinder kümmern sich um die Entsorgung
der Leichen und um die Ernährung ihrer Familien, die Weißen verbringen ihre Tage mit
Kartenspielen und Alkohol.
Dr. Lannister, der Stations-Arzt, nimmt den Ausbruch und seine Folgen gelassen, es ist nicht
die erste Seuche, die er in Afrika erlebt, und diese hier wird auch weiterziehen. Mit Blick auf
seine weißen Landsleute ist er aber nicht so sicher, ob die Arbeit in der Mine dann weitergeht,
aber das sei das Problem von Krüger, dem Boss. Bis es so weit ist, behandelt er in seiner
Praxis hauptsächlich Geschlechtskrankheiten und Migräne, und für beides verschreibe er die
gleiche Medizin, Gin und Aspirin.
Melanie nimmt den Ausbruch nicht auf die leichte Schulter. Sie freundet sich mit dem ältesten
Jungen im Dorf an, der nun, nach dem Tod und der Flucht der erwachsenen Männer, die
Führung des Stammes übernommen hat. Er bringt sie zu seinem Onkel, einem ehemaligen
Mitarbeiter des Bergbau-Uternehmens, der seinen Job als Geologe einfach hingeworfen hat,
und der nun am Rande des Dorfes in einer kleinen Hütte lebt. (es muss nicht unbedingt ein
Mann aus dem Dorf, also ein Schwarzer sein, es kann auch ein Landsmann Dr. Brinkmanns
sein, der sich hierher zurückgezogen hat. Sonnenstich, urteilen seine Kollegen über seine
sonderbare Anwandlung, ansonsten machen sie sich über ihn keine Gedanken). Der junge
Mann erzählt ihr die Legende des Löwenmannes, eines Wesens, das in diesem Tal sein Revier
hat, und dessen Ruhe man gestört habe. Jetzt sei es aus seinem Versteck gekommen, um die
Eindringlinge zu vertreiben. Der junge Mann zuckt entschuldigend die Schultern. Das sei
natürlich ein Ammenmärchen, das sich die abergläubischen Männer des Dorfes am
Lagerfeuer erzählten, aber so lange der Löwenmann nicht besänftigt sei, gehe weder die
Arbeit in der Mine noch das Leben im Dorf weiter.
Nun, denkt Melanie, vielleicht hätte man einfach einen Psychologen zu Rate ziehen sollen
oder zumindest einen Medizinmann und nicht eine Epidemiologin.. Sie hat keine Idee, wie
man die Ausbreitung einer Legende eindämmen könnte. Also beschränkt sie sich auf das,
wovon sie etwas versteht, und forscht weiter.
Da die Kinder von der Krankheit nicht betroffen sind, beschließt Kruger sie in die Minen zu
schicken. Er ist bereit, ihnen Höchstpreise zu bezahlen. Melanie ist entsetzt, aber Kruger hat
aus seiner Sicht keine andere Wahl. Wenn die Förderung nicht bald wieder aufgenommen
wird, gehe seine Firma pleite, und der nächste Investor stehe schon bereit. "Das" bemerkt er
philosophisch "ist der wahre Kreislauf des Lebens." Solange hier noch etwas aus dem Boden
gepresst werden könne, werde es auch jemand tun, entweder seine Firma, oder die Chinesen,
dem Profit sei vollkommen egal, wer ihn einstreiche.
Und so geht das Leben in der Mine bald wieder seinen geordneten Gang. Die Kinder werden
in die Stollen getrieben, und die weißen Vorarbeiter, sobald sie wieder nüchtern sind, passen
auf, dass sie ihre Arbeit erledigen und nichts mitgehen lassen.
Dann, nach etwa einer Woche reibungslosen Schürfens, verschwindet der erste Vorarbeiter,
ein fetter Holländer namens Smuts, spurlos aus dem Camp. Am nächsten Morgen ist seine
Koje leer. Es fehlt kein Wagen, auch die Vorräte sind unangetastet, und auch die Alkohol-
Vorräte sind noch vollständig - sehr weit kann "das versoffene Schwein" also nicht
gekommen sein. Widerwillig macht man sich auf die Suche nach ihm. Und schließlich findet
man seine sterblichen Überreste nur wenige Kilometer vom Camp entfernt.
"Ein Löwe" diagnostiziert Dr. Lannister. Er hat schon viele unvorsichtige Touristen
begutachtet, die von Löwen getötet wurden. Und nun hat es Smuts erwischt. Wahrscheinlich
ist er besoffen zum Fluß hinuntergetorkelt, um sich zu erleichtern, und dann sei er dem Löwen
direkt ins Maul spaziert. "Ein Einzelgänger." Ein Rudel hätte nicht so viel übriggelassen.
Außerdem gebe es hier keine Löwenrudel.
Kruger ist außer sich. Smuts war zwar vollkommen nutzlos, aber sein Tod ist schlecht für die
Moral des ganzen Camps. Dr. Lannister pflichtet ihm bei. Außerdem sei die große Katze nach
dieser leichten Mahlzeit wahrscheinlich auf den Geschmack gekommen. Smuts war erst der
Anfang.
So richtig weiß ich noch nicht, in welche Richtung sich diese Geschichte jetzt bewegt. Wenn
es keine Epidemie ist, die sich hier ausbreitet hat, ist Dr. Brinkmann eigentlich überflüssig.
Gibt es diesen menschenfressenden Löwen tatsächlich? Oder verwandelt sich der junge
Geologe Nacht für Nacht in den "Löwenmann"? Kann ihn der hinzugezogene Großwildjäger
schließlich zur Strecke bringen? Oder kann der rätselhafte Fluch auf andere Art und Weise
gebrochen werden? Kruger wird wahrscheinlich seine Mine und sein Leben verlieren. Und
schon einen Tag später übernehmen die Chinesen die Mine. Und damit auch das Problem des
Löwenmanns.
Dr. Brinkmann schreibt ihren Abschlussbericht, und die WHO schließt die Akte. Ende. Also,
abgesehen von einer möglichen Romanze zwischen dem Geologen und Dr. Brinkmann ist hier
nichts Neues hinzugekommen. Von einer fertigen Geschichte bin ich meilenweit entfernt.
Dies ist definitiv kein Gewinner.
Aber die ersten Szenen sind stark. Also nicht wegwerfen.