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Quelle: RainerSturm / www.pixelio.de
Quelle: RainerSturm / www.pixelio.de

Im Gegensatz zu anderen Diskussionen um das am 06.09.10 vorgestellte Energie- konzept der Bundesregierung als histo- risch, ist die zu erwartende EEG-Umlage in der Tat historisch, wenn sie in Kürze hö- her ist, als der Strompreis an der Börse in Leipzig. Eine bestimmte Strommenge an der EEX muss dann quasi zweimal bezahlt werden, wird aber nur einmal geliefert.

Dazu ist an die letzten EEG-Erfahrungs- berichte des BMU (2007/2008) im Vor- feld des EEG 2009 zu erinnern, wonach die höchste EEG-Umlage (peak) mit etwa 15 Euro/MWh in etwa 2015 zu erwarten sei und dann schnell wieder abfalle. Nur knapp ein Jahr nach Veröffentlichung des neuen EEG im Bundesgesetzblatt im August 2008 werden solche Studien und Progno- sen durch die Realität widerlegt und im Ok- tober 2009 auf ca. 20 Euro für 2010 fest- gesetzt. Es stellt sich folglich die Frage nach der Belastbarkeit ja sogar Wissenschaft- lichkeit solcher Studien und Prognosen.

Bei diesen Diskussionen geht allerdings un- ter, dass nicht nur die Solarsubventionen mit Verpflichtungen gegenüber der Allge- meinheit von über 100 Milliarden Euro in den nächsten Jahren inzwischen mehr als zweifelhaft sind, sondern nicht weniger viele andere Vergütungsregelungen des EEG. Insbesondere die Vergütungen für Windstrom haben im EEG 2009 einen er- heblichen Sprung nach oben gemacht. Da off-shore bisher eher ein Nischendasein fri- stet und besonderen Rahmenbedingungen unterliegt, Strom durch wind-onshore aber seit 1991 subventioniert wird, soll im Fol- genden am Beispiel der Situation bei wind- onshore näher beleuchtet und gezeigt werden, dass auch dort die Vergütungen inzwischen weitgehend weder ökonomisch noch ökologisch zu rechtfertigen sind.

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Historisch höchste EEG-Vergütung für Windstrom im EEG 2009

Wie bereits vorgetragen, wurde die Ver- gütung für Windanlagen on-shore zum 01.01.2009 um ca 30 % von ca. 7,8 auf 9,7 Cent/kWh also von 78 Euro/MWh auf 97 EuroMWh erhöht. Darin enthal- ten sind 0,5 Cent/kWh sog. SDL-Bonus (Systemdienstleistungsbonus). Gerade wegen der am 31.10.08 im Bundesge- setzblatt (Seite 2074 ff.) veröffentlichten neuen EEG-Vergütungen für 2009 sind viele in 2008 fertig errichteten Windan- lagen erst in 2009 ans Netz gegangen, d. h. die Renditen werden sehr viel höher ausfallen, als damals geplant, denn die EEG-Vergütungs-Erhöhung war zum Zeit- punkt der Genehmigung und der damals zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeits- berechnung nicht abzusehen. Diese An- lagen wären aber auch ohne diese Ver- gütungserhöhungen ans Netz gegangen, da sie bereits errichtet waren. Dadurch sind auch die Zubauzahlen für 2009 verfälscht. Statt von ca. 1900 MW wäre wohl eher von 1400 MW auszugehen.

Der geringe Zubau in 2010 bestätigt, dass der Zubau weiter auf moderater Höhe erfolgt, die Höhe der EEG-Umlage (als Anreiz) gerade nicht zu einem erhöhten über dem Durchschnitt der letzten Jahre liegenden WKA-Zubau geführt hat, hinge- gen Renditen von über 20 % ermöglicht, die unangemessen erscheinen. Dabei sei dahingestellt, ob diese Renditen bei Be- treibern der jeweiligen Windanlagen ein- treten oder je nach rechtlich gewähltem Modell zu großen Teilen beim sogenann- ten Projektentwickler verbleiben bzw. von diesem abgeschöpft werden.

Durch Windanlagen, die in 2009 ange- schlossen wurden, werden durch die um 20 % erhöhte Vergütung von ca. 7,8 auf 9,2 Cent/kWh über die EEG-Laufzeit etwa 1 Milliarde Euro zusätzliche Gewinne re- alisiert („windfall-profits“), ohne dass der Umwelt damit geholfen wird.

Hinzu kommen die „windfall-profits“ der in 2009 verschobenen Anlagen und der so nicht erforderliche SDL-Bonus.

Diese „windfall-profits“ summieren sich bei Beibehaltung dieses überhöhten Ver- gütungssatzes in den nächsten 10 Jahren

und einem Anschluss von ca. 2000 MW pro Jahr für solche Anlagen auf etwa 10 Milliarden Euro Zusatzkosten!

War und ist die EEG-Erhöhung um 20 % bzw. 30 % überhaupt notwen- dig und wie wurde sie begründet?

Zunächst ist die vorgenommene Vergü- tungsveränderung für wind-onshore zu unterteilen in

Degressionsabsenkung von bisher 2 % auf zukünftig 1 % .

Vergütungserhöhung von 7,8 auf 9,2 Cent/kWh

Zusätzlicher SDL-Bonus von 0,5 Cent/ kWh, wodurch die Vergütung von 7,8 auf 9,7 Cent/kWh anstieg.

Die gesetzliche Begründung für die Ab- senkung der Degression waren gestiegene Kupfer- und Stahlpreise. Diese waren aber lediglich befürchtet und schon im August 2008, als die neuen Vergütungssätze im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurden obsolet, da die Kupfer- und Stahlpreise wieder auf das Niveau von 2002 abge- rutscht waren und sich bis heute nur teilweise erholt haben. Insbesondere rechtfertigen die heutigen Kupfer- und Stahlpreise die damaligen Überlegungen für Vergütungserhöhungen nicht. Leider wurde im EEG keine Anpassungsklau- sel eingebaut, die auf solche Überförde- rungen reagiert.

Der sogenannte SDL-Bonus wiederum ist als nicht notwendiges Vergütungs- Geschenk einzustufen. Zwar ist es durchaus wünschenswert, die damit ver- bundene verbesserte Einspeiseregelung in kritischen Netzphasen für Windanla- gen zu fördern. Jedoch war die damit geförderte Technik bereits vorhanden und bedurfte keiner zusätzlichen finan- ziellen Anreize. Sie war Stand der Tech- nik (siehe Steffen B. Dagger - Energiepo- litik & Lobbying/ Die Novellierung des EEG 2009 Kap 5.4.3.6.2 und 5.4.4.5.2.). Es hätte also ausgereicht, z. B. eine ver- schärfte Degressionsregelung für die Windanlagen festzuschreiben, die diese Technik nicht einbauen wollten. Hinge- gen die erhöhte Vergütung nochmals

Windanlagen festzuschreiben, die diese Technik nicht einbauen wollten. Hinge- gen die erhöhte Vergütung nochmals 5 |

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durch einen Bonus zu erhöhen, ließ von Anfang an den Verdacht aufkommen, in der Summe die Vergütungen politisch zu erreichen und durchzusetzen, die von Anfang an durch Interessengruppen ge- wünscht wurden.

Schließlich findet man eine Begründung für die von 8,7 auf 9,2 Cent/kWh um 20 % erhöhte Vergütung nirgends, we- der in der Gesetzesbegründung noch anderswo. Es ist aber gesetzliche Pflicht, Gesetze mit erheblichen Kostenfolgen für die Allgemeinheit nachvollziehbar zu begründen. Es liegt nahe, bei solchen Mängeln Interessenpolitik zu vermu- ten. Und tatsächlich wird man hierzu bei Dagger (aaO Kap 5.4.8.6.) fündig. So soll die SPD sogar eine Vergütung von 9,95 Cent/kWh für wind-on-shore verlangt haben, wegen gestiegener Roh- stoff- und Materialkosten. Das taucht in der Gesetzesbegründung aber nicht auf. Allein als Begründung für die Ab- senkung der Degression bei wind-on- shore und bei der wesentlich erhöhten wind-off-shore-Vergütung werde diese benannt. Die gleichen Gründe werden also nicht nur für mehrere Argumente benutzt, sondern sind auch bis heute nicht belastbar, wie auch im EEG kein automatisches Korrektiv hierzu einge- baut wurde. Letztlich scheint eine Ver- gütungsregelung als Paketlösung On- shore & Offshore-Vergütung verhandelt worden zu sein (Dagger aaO) auf Basis von Zuruf-Argumenten!

Als Zwischenergebnis kann festge- stellt werden, dass die on-shore-Ver- gütungserhöhungen EEG 2009 incl. abgeschwächter jährlicher Degression sachlich nicht belastbar sind, seit Jah- ren zu erheblichen „windfall-profits“ führen und weiterhin führen werden, wohingegen in anderen Politikfeldern „windfall-profits“ zu Recht rigoros ge- kürzt werden (siehe aktuelle Diskussion um Ökosteuer/Spitzensteuerausgleich). Da es auf offensichtliche „windfall-pro- fits“ weder einen Rechtsanspruch noch einen Vertrauenstatbestand gibt, ist die Vergütung wind-on-shore mithin nicht nur auf die Ausgangsvergütung von 7,8 Cent/kWh abzusenken, sondern mögli- cherweise auch - zumindest für die Zu- kunft - für solche Anlagen, die seit 2009 in Betrieb gegangen sind.

für solche Anlagen, die seit 2009 in Betrieb gegangen sind. 5 | 10 STROM RUBRIK Vergütungen

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Vergütungen Windonshore 9,40 9,20 9,00 8,80 8,60 8,40 8,20 8,00 7,80 7,60 7,40 StrEG (durchschnittliche
Vergütungen Windonshore
9,40
9,20
9,00
8,80
8,60
8,40
8,20
8,00
7,80
7,60
7,40
StrEG (durchschnittliche Einspeisevergütung)
EEG (Startvergütung im Jahr der Inbetriebnahme). 2000: ab April 2000
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
ct/kWh

Abb. 1: Vergütungen wind-on-shore

So sprechen weitere Gründe gegen die Vergütungserhöhung. Dies wird unterstri- chen durch die bei Windanlagen nach wie vor vielfachen Skaleneffekte durch die immer leistungsstärkeren und effizi- enteren Anlagen. Hierbei sind die Effekte durch höhere Anlagen noch nicht einbezo- gen (pro Höhenmeter von mehr als 100 m ca. 1 % mehr Ertrag!). Die Produktion von Windanlagen ist zunehmend fließbandar- tig organisiert, wodurch zusätzlich die Kosten erheblich gesenkt wurden. Aber auch das ist nur ein Teil der Skalengewinne. Andreas Nauen, CEO Repower, äußert sich in der FAZ vom 08.09.10 durchaus selbstbewusst, dass Windenergie nicht zu teuer sei, weil in den vergangenen 10 bis 15 Jahren schon enorme Einsparungen erfolgt seien. Außerdem gebe es noch viel zu viele Möglichkeiten, Windstrom gün- stiger zu machen.“ „An guten Standorten

Quelle: Hartmut910 / www.pixelio.de
Quelle: Hartmut910 / www.pixelio.de

erzielen wir schon Durchschnittspreise der Leipziger Strombörse“. Da fragt man sich in der Tat, wozu mussten in 2008 die Vergütungen derart angehoben wer- den. Einen technischen Anreiz setzten diese Vergütungen offensichtlich nicht. Und der Ausbau ist wegen der erhöhten Vergütungen auch nicht gesteigert wor- den (aaO).

Außerdem wurden Windanlagen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise erheb- lich (ca. 10 %-20 %) preiswerter. Die Pro- jektentwickler dürfte es gefreut haben.

Weiterhin besteht ein grundsätzlicher Konflikt zwischen der schwankenden Stromeinspeisung aus Erneuerbaren En- ergien und den grundlastorientierten konventionellen Kraftwerken. Kohle- und Kernkraftwerke können aufgrund ihrer technischen Eigenschaften nur bedingt zum Lastfolgebetrieb eingesetzt werden, können also die schwankende Einspei- sung aus Erneuerbaren Energien zwar durchaus flexibel genug ergänzen, jedoch zu sehr hohen Kosten. Abregelungen und Abschaltungen von Kohle- und Kernkraft- werken werden bei fortschreitendem Aus- bau der Erneuerbaren Energien immer schneller und häufiger notwendig. Da- durch sinkt ihre Auslastung.

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien senkt damit zugleich die Wirtschaftlich-

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keit grundlastorientierter Kraftwerke. Das wiederum führt zu steigenden Kos- ten an der Strombörse in Leipzig und trifft die auf günstigen Grundlaststrom angewiesene Industrie erheblich. Die von der EEG-Industrie immer wieder einge- forderte Investitions- und Planungssi- cherheit wird der grundlastabhängigen Industrie, die hierauf ebenfalls angewie- sen ist, quasi spiegelbildlich durch diese Politik genommen.

Damit wird deutlich, dass die EEG-Vergü- tungsregelungen und ihr Zustandekom- men inzwischen mehr als fragwürdig sind.

Das Herz des EEG - Der Abschied von der Degression

Der wichtigste Aspekt gegen die Fortset- zung dieser EEG-Vergütungspolitik hat aber diese Politik selbst begründet. Denn mit der Hochsetzung der Vergütung on- shore um knapp 20 % hat sie das Herz des EEG zerstört. Dieses besagt, dass das EEG gerade deshalb förderungs- und übernahmewürdig in anderen Ländern ist, weil durch die zwingende Degression der Vergütungen ein kontinuierlicher Druck auf die Hersteller pp. ausgeübt wird, die Windanlagen und ihre Technik fortzuentwickeln und so automatisch in die Nähe des EEX-Preisniveaus oder marktnaher Vergütungen zu kommen. Gerade die EU hat das EEG nur wegen der Degressionsformel positiv gewür- digt. Auf der Annahme dieses Leitgedan- kens sind auch zahlreiche Szenarien ver- öffentlicht worden, in denen die baldige „Wirtschaftlichkeit“ von Windanlagen versprochen wurde.

Ohne eine solche Degressionsregelung ist das EEG nicht förderungswürdig. Wie ein Blick auf Abbildung 1 zeigt, ist gegen diese Degressionsregel nun schon zum zweiten Mal massiv verstoßen worden. Erstmals bei der Umstellung vom StromeinspeiseG auf das EEG in 2000 und nun mit dem EEG 2009. Wenn aber das Degressionssystem derart leicht auszuhebeln ist, steht nicht nur die Glaubwürdigkeit des EEG infrage, sondern die EEG-Vergütung schlechthin. Schon der Eindruck der Klientelpolitik ist beschädigend. Der bisherige innovative Mechanismus scheint verbraucht und zu einer Interessen- und Bedarfsregelung

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zu verkommen. Auch der EU ist das nicht verborgen geblieben. Es liegt deshalb auf der Hand, dass die EU sich bemüht, ein anderes EU-weit effizienteres Vergütungs- system zu entwickeln.

Begrenzung der ausufernden EEG- Umlagekosten

Vor diesem Hintergrund und der Eigendy- namik solcher Gesetze stellt sich die Frage nach Mitteln zur Begrenzung der unent- wegt steigenden Umlagekosten.

Eine Möglichkeit ist die Deckelung der Renditen.

Die Verzinsung im Stromnetzbereich von ca 10 % wird als allgemein sehr aus- kömmlich bezeichnet (so der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth am 22.09.10 in Köln), insbesondere ange- sichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus. Es ist nicht erkennbar, warum durch die Finanzmittel der Allgemeinheit höhere Renditen bei Windanlagen erwirtschaftet werden müssen. Angesichts der derzei- tigen Vergütungssituation scheinen diese 10 % aber eher eine Untergrenze der ak- tuell potentiellen Renditen zu sein.

Ein weiteres Mittel ist eine Sondersteuer auf Windanlagen die höher als 100 m sind. Wenn der derzeitige Finanzminister NRWs eine Bettensteuer bei Hotels auf kommunaler Ebene für angemessen und rechtmäßig erachtet, so ist das bei über 100 m hohen Windanlagen nicht anders. Man kann dazu die Begründung fast wort- identisch übernehmen. Bekanntlich kön- nen Windanlagen bei über 100 m Höhe ihren Ertrag um je ca. 1 % pro Höhenme- ter steigern. Hierzu gibt es einfache Re- chenmodelle. Wenn die EEG-Vergütung nicht wieder auf das angemessene Niveau von 2008 zurückgeführt wird, kann die überhöhte Vergütung alternativ durch eine kommunale Steuer so ausgestaltet werden, dass z. B. ca. 50 % der Überför- derung durch eine solche Steuer abge- schöpft werden.

Schließlich kommt auch eine Deckelung der Gesamtkosten des EEG in Betracht.

Seit Jahren wird in diversen Studien

die

behauptet,

be-

dass

EEG-Umlage

Quelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de
Quelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de

stimmte Grenzen nicht übersteigen wird, z. B. ca. 15 Euro/MWh bis 2015 (BMU-EEG-Erfahrungsbericht 2007). Erst kürzlich gab es Studien (z. B. DIW), wonach nun 35 Euro/MWh nicht über- stiegen würden. Diese unentwegten Steigerungen stehen einer Investitions- und Planungssicherheit auf Seiten der stromabnehmenden Industrie entgegen. Es versteht sich deshalb, dass diese pro- gnostizierten Deckelungen auch wort- wörtlich in das Gesetz festzuschreiben sind und die im Aufrag des BMU tätigen Gutachter beim Wort zu nehmen sind. Grundsätzlich ist ein solcher Deckel bei 20 Euro/MWh gemäß der Umlage für 2010 festzuschreiben, da noch vor zwei Jahren eine solche Umlagehöhe als unmöglich beschrieben wurde und die Unternehmen wie Endverbraucher unter dieser Höhe bereits leiden. Jede weitere Erhöhung wird den Leidensdruck er- höhen und kann schnell einen Akzep- tanzverlust des EEG-Systems zur Folge haben. Deshalb ist zwecks Glaubwür- digkeit der bisherigen Prognosen und zwecks Akzeptanz des EEG diese Grenze bei etwa 20 Euro/MWh festzuschreiben, auch wenn die Umlage in Kürze sehr viel höher für 2011 ausfallen sollte. Denn ein erheblicher Anstieg über 20 Euro/ MWh ist angesichts der schon zuvor geschilderten Vergütungserhöhungen bei objektiver Information der Bevöl- kerung hierüber kaum nachhaltig ge- gen die Endabnehmer und die Bevölke- rung durchzusetzen. Außerst hilfsweise müsste die für Oktober 2010 angekün- digte EEG-Umlage für 2011 auch als nicht mehr zu erhöhende Umlage für die Zukunft als nicht mehr zu überschreiten festgeschrieben werden und die Regie- rung sich hierzu verpflichten.

die Zukunft als nicht mehr zu überschreiten festgeschrieben werden und die Regie- rung sich hierzu verpflichten.

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Einfluss und Eingriff zum Nachteil des Marktes durch EEG (EuGH von 2001)

Voraussetzung für die Existenz des Um- lagesystems EEG ist überhaupt und we- sentlich allein die Minderung von CO 2 . Auf alle anderen Vorteile ‒ selbst wenn sie vorlägen - kommt es für ein solches Umlagesystem nicht an.

Wirtschaftlichkeit dieser Kraftwerke wie auch auf den Strompreis. So werden der Strommarkt und der Strompreis inzwi- schen überwiegend durch hochsubventi- onierten Strom beeinflusst und damit das Ziel eines liberalisierten Strommarktes ad absurdum geführt.

Keine Notwendigkeit des EEG in Deutschland, da Export bei 75-80 %

Schließlich ist Deutschland und die Wind- industrie auf das heutige EEG auch nicht angewiesen. Nicht ohne Stolz verkündet die deutsche Windindustrie, dass sie ca. 80 % ihrer Anlagen exportiert. Ob dabei alle Komponenten in Deutschland produ- ziert werden oder zu nicht unerheblichen Teilen wiederum im Ausland sei hier da- hingestellt. Jedenfalls verliert das EEG sei- nen zwingenden Sinn, wenn ein so hoher Anteil der Windanlagen exportiert wird. Wenn nur noch 20 % der produzierten Anlagen in Deutschland auch errichtet werden, ist eine Änderung des Systems auf eine stärker am Markt orientierte Re- gelung und einem damit einhergehenden etwas geringeren Absatz im eigenen Land gegenüber dem Gewinn an Wertschöp- fung und damit an ökologischen und öko- nomischen Vorteilen hinzunehmen.

Es ist deshalb nicht überraschend, wenn am 15.09.10 Greenpeace mitteilt, Sie- mens produziere Windanlagen für die USA in Zukunft in den USA. Die Arbeits- platzeffekte bei deutschen Herstellern verlieren sich.

Windanlagen müssen trotz häufig guter Windstandorte immer noch weltweit subventioniert werden, wenn auch nur mit steuerlichen Anreizen. Deshalb le- gen diese Staaten Wert darauf, dass gerade mit und wegen solch staat- licher Zahlungen die Produktion vor Ort stattfin- det. Dieser Trend wird sich in der Zukunft verstär- ken. So könnten in Deutschland in Zu- kunft nur noch be- stimmte Getriebe-

Das ergibt sich u. a. aus den maßge-

benden Entscheidungen des EuGH, Urt. vom 13.3.2001 ‒ Rs C-379/98 in NVwZ

2001, 665 ff

EuGH sich allein deshalb das EEG nicht als (verbotene) Beihilfe zu definieren, weil der EEG-Strom (bzw. StromeinspG) klima- freundlich sei, nur ca. 1 % des insgesamt in Deutschland produzierten Stroms be-

trage und keinen Einfluss auf den zu li- beralisierenden Strommarkt habe. Alle drei Voraussetzungen sind heute nicht mehr gegeben. Windstrom vermindert wegen des Emissionshandelssystems und des Nichteinbezugs von Windanla- gen kein CO 2 und kann deshalb keiner- lei klimaschädliche Emissionen mindern (siehe Darstellung des Autors in VIK- Mitteilungen 5/2009). Damit schwindet auch das besondere öffentliche Interesse am Bau von Windanlagen und deren zwangsweise gesetzlicher Finanzierung durch die Öffentlichkeit. Der EEG-Strom hat inzwischen über 16 % an der Strom- produktion erreicht und kann bei einem überdurchschnittlichen Windjahr ad hoc über 20 % erreichen. Dadurch beeinflusst der Windstrom schon heute das Preisge- schehen sowohl an der EEX in Leipzig wie auch eine immer größere Zahl von Kraft- werken, die aufgrund der EEG-Vorrang- einspeisung ihren Betrieb immer häufiger immer stärker zurückfahren müssen. Das hat sowohl Konsequenzen für die

Damals entschied der

Quelle: moorhenne / www.pixelio.de
Quelle: moorhenne / www.pixelio.de
die Damals entschied der Quelle: moorhenne / www.pixelio.de 5 | 10 RUBRIK STROM Komponenten pp. hergestellt

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Komponenten pp. hergestellt werden. Tendenzen, wie sie bei der Solarindustrie schon länger beobachtet werden.

Keine Vergütungen, wenn Windan- lagen nur eingeschränkt betrieben werden können

So geraten Windanlagen bei Abständen zu Wohnbebauungen von weniger als 1500 m immer wieder und immer häu- figer in die Situation, dass sie zum Schutz der Anwohner und zwecks Einhaltung der Immissionsrichtwerte nachts nur eingeschränkt betrieben werden dürfen. Auch nächtliche, tägliche oder jahres- zeitliche Einschränkungen des Betriebs, beispielsweise wegen Rotmilan-Habitat, Fledermaus-Habitats oder durchziehende geschützte Vögel im Herbst und/oder im Frühjahr kommen immer häufiger vor. Im- mer zahlreichere Anlagen und deren Ver- dichtung gerade in den bisher noch freien Landschaftsräumen führen zu diesen Konsequenzen. Einer Einschränkung des Artenschutzes speziell für Windanlagen steht zudem der sehr hohe Schutz der Bio-

diversität entgegen. Hierzu sei auf die viel- fältigen Veröffentlichungen anlässlich der 9. UN Naturschutzkonferenz vom 19. ‒ 30. Mai 2008 in Bonn verwiesen. Dort ist ne- ben zuvor Dargestelltem deutlich gewor- den, dass Habitate auch einen erheblichen finanziell errechenbaren Wert haben. Hierzu wird auf die Untersuchung verwie- sen von Pavan Sukhdev (Deutsche Bank) ‒ „Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität“ (siehe unter www.bmu.de/

pressemitteilungen/aktuelle_pressemit-

teilungen/pm/print/41617.php).

Ist die Anlage vergleichsweise ineffzient (u. a. durch eingeschränkten Nachtbetrieb pp.) verlängert sich die erhöhte Anfangs- vergütung in etwa um diesen Betrag. Die erhöhte Anfangsvergütung wird grund- sätzlich nur bis zum 5. Jahr des Betriebs der Anlage gezahlt, kann aber bis zum Ende des Betriebs (also 21. Jahr) verlän- gert werden (siehe auch Salje Kommentar zum EEG, 5. Auflage 2009, Ausführungen zum neuen § 29 EEG mit Hinweis auf die Verlagerung erhöhter Vergütungsan- sprüche bei ineffizienter Ertragssituation durch die sich verlängernde erhöhte An- fangsvergütung ggfls. bis zum 21. Jahr des Betriebs der Anlage).

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