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Elsner Wolfram, Das chinesische Jahrhundert. Die neue Nummer eins ist anders, 2020
China – Russland: von der Notgemeinschaft zur Strategischen Partnerschaft – und das neue militärische
Gleichgewicht
Mit Russland hat sich dabei eine besondere strategische Allianz ergeben, erzwungen durch die Sanktionsregime
und Wirtschaftskriege des Imperiums und seiner wichtigsten Stützen EU, Kanada, Japan und Australien ab
2015, im Zuge des »orangenen« Ukraine-Maidan-Putsches und der Sezession des Donbass und der Krim vom
Kiewer Putschregime ab 2015. China half, die Wirkungen der Sanktionen des Westens auf Russland schnell und
effektiv zu neutralisieren. Russland konnte sich daher wirtschaftlich und technologisch schnell fangen und
wurde nicht in eine Krise gestürzt. Es hat sich vielmehr zum Beispiel militärtechnologisch mit den weltbesten
Defensivtechnologien noch weiter an die Weltspitze schieben können und hat insofern auch mit China, das
inzwischen seinerseits die Weltspitze militärischer Defensivtechnologien definiert (…), eine strategische
Partnerschaft geschlossen.
Russland kann seine Ressourcen heute mühelos in China absetzen und ist insofern nicht mehr vom Gasabsatz in
Westeuropa abhängig und daher auch nicht mehr durch westeuropäische Länder oder die USA erpressbar (wie
etwa bei »Nord Stream 2«). Die 3.000 Kilometer lange Gasverbindung zwischen Russland und China, mit
Namen »Kraft Sibiriens«, das weltweit größte Energielieferprojekt, wurde im Dezember 2019 in Betrieb
genommen. Chinas Banken haben außerdem Russlands Banken spezielle Kreditlinien eingeräumt, und vieles
mehr ist in dieser strategischen Partnerschaft im Entstehen. Wie man, durchaus überraschend, kleineren
Meldungen zum oben erwähnten 19. SCO-Jahrestreffen (1) im Juni 2019 entnehmen konnte, treffen sich Xi und
Putin inzwischen regelmäßig, im Durchschnitt etwa alle zwei Monate. Die neu entstandenen strategischen
Handelsstrukturen, Wertschöpfungsketten, Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie militärischen,
wirtschafts-, finanz- und währungspolitischen Kooperationen, in die der »Westen« beide Länder hineingetrieben
hat, wird er nicht wieder rückgängig machen können.
Auf militärtechnologischem Gebiet begegnen sich beide Länder praktisch auf Augenhöhe und haben unter der
gemeinsamen militärischen Vernichtungsdrohung durch den Westen mit seinen mehr als
800 Militärstützpunkten rund um China und Russland und seinen fast permanenten Manövern an den russischen
und chinesischen Landesgrenzen und Küsten zu einer perfekten strategischen Komplementarität gefunden.
Angesichts der kombinierten militärtechnischen und -strategischen Verteidigungsfähigkeit beider Länder käme
der Versuch einer Realisierung der aktuellen Vernichtungsdrohungen des Imperiums gegen Russland oder
China einem Selbstmordkommando des Westens gleich (und wohl einer Vernichtung der Menschheit).
Dass die VR China zu ihrem 70. Jahrestag erstmals eine Interkontinentalrakete zeigte, die in Sachen
Geschwindigkeit und Lenkfähigkeit zur Zeit mühelos Washington erreichen könnte, dass Russland die
leistungsfähigsten Überschallbomber präsentiert, das leistungsfähigste Raketenabwehrsystem besitzt, dass
1
Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), englisch Shanghai Cooperation Organisation, SCO ist eine Internationale Organisation mit
Sitz in Peking (China). Ihr gehören die Volksrepublik China, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan
an. Die SOZ beschäftigt sich mit der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten sowie Wirtschafts- und Handelsfragen und der
Stabilität in der Region. Derzeit vertritt die SOZ circa 40 % der Weltbevölkerung und stellt damit die weltweit größte Regionalorganisation dar.
Seit Dezember 2004 hat die SOZ Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.
Die grundlegenden Ziele der SOZ sind:
• die Stärkung des Vertrauens unter den Mitgliedstaaten
• die Mitwirkung und Zusammenarbeit auf politischen, wissenschaftlich-technischen, kulturellen, touristischen und ökologischen Gebieten, im
Bereich des Handels, der Energie und des Transports
• die gemeinsame Gewährleistung und Unterstützung von Frieden und Sicherheit in und zwischen den Regionen der Mitgliedsländer
• Lösung und Beilegung von Konflikten
Darüber hinaus sehen Beobachter die Eindämmung des Einflusses der NATO und die Verhinderung Farbiger Revolutionen als Ziele der
Organisation.[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit
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China neuerdings den effektivsten Flugzeugträger (seinen zweiten) präsentiert, dass Russland, China und der
Iran, drei vom Imperium existenziell bedrohte Länder, erstmals gemeinsame Marinemanöver abhalten und
anderes mehr, sollte vom Imperium als glaubhafte Warnung verstanden werden, von »heißen« Abenteuern
Abstand zu nehmen, die es nicht mehr gewinnen kann. Anders als noch die Sowjetunion in den 1980er-Jahren,
lassen sich Russland und China heute auch nicht mehr totrüsten. Eher werden sich die USA selbst totrüsten.
Tatsächlich spricht sich auch im Westen allmählich herum, dass die kombinierte russische und chinesische
Defensivtechnologie, Raketenabwehr, Kurz- und Mittelstreckenraketen, Raketen zur Vernichtung von US-
Flugzeugträgern, Früherkennung von US-Stealth-Bombern und so weiter, eine vom Westen unerreichte
technologische Qualität hat und etwa im Hyperschallbereich unschlagbar ist. US-Flugzeugträger, traditionell die
Goldenen Kälber des imperialen Rüstungswahns des 20. und 21. Jahrhunderts, sind damit zu militärischen
Dinosauriern geworden und die
Billionen Dollar schwere US-Stealth-Technologie ist mit chinesischer Quantenkommunikation frühzeitig
erkennbar und, bei all seiner früheren militärisch-imperialen Grandiosität, nunmehr völlig normal, verletzbar
und beherrschbar geworden (siehe auch bereits oben). Das Imperium kann es sich heute nicht mehr erlauben,
die kombinierten Verteidigungstechnologien Chinas und Russlands anzugreifen. Und das weiß man heute in den
Rüstungszentren und Militärspitzen des Westens und hoffentlich auch in seinen Politikzentralen. Chinas
Hyperschallraketen sind fast durchweg Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 1.000 bis
1.500 Kilometern, reichen also nicht bis in die USA, sind also keine Angriffswaffen, können aber jeden Angriff
von den Hunderten von Militärbasen oder den Flugzeugträgern der USA rund um China abwehren.
Und wohlgemerkt, den Startschuss für die Entwicklung neuer Waffengenerationen haben die USA selbst
gegeben, als sie 2002, schon weit vor Trump, die Rüstungsbegrenzungs-Verträge aufkündigten. Damit haben sie
einen Rüstungswettlauf losgetreten, wie es ihn seit dem ersten Kalten Krieg nicht mehr gab und den sie damals
noch hofften, gewinnen zu können, um wieder als einziger imperialer Weltbeherrscher aufzuerstehen.
Die Kapazität, einen internationalen Rüstungswettlauf zu gewinnen, besitzen die USA und ihr NATO-Anhang
heute aber nicht mehr. Die russisch-chinesische Rüstungsüberlegenheit sichert heute, dass so mancher Krieg
nicht mehr geführt werden kann. Umso heftiger verlegt sich das Imperium auf Wirtschafts-, Technologie- und
Sanktionskriege. Dass es dabei nichts dazugelernt hat, zeigt die große Weltbeherrscher-Geste, mit der Trump im
Dezember 2019 Weltraumstreitkräfte als neue, weitere Teilstreitmacht des US-Militärs begründet hat.
Es wird den USA nichts helfen. Und dicke Backen können niemanden mehr täuschen, der sich in die Materie
eingearbeitet hat. Alle aggressiven Handlungen des Imperiums, ob wirtschaftlicher oder militärischer Art, selbst
die einstmals gefeierten »Siege« in Afghanistan, Irak, Libyen oder der Ukraine (siehe zum Beispiel George W.
Bushs Rede »Mission Completed« im Jahr 2003), haben daher bisher nichts als dessen eigenen Niedergang auf
die zweite Position in der Welt bewirkt beziehungsweise sind erkennbar so angelegt, dass sie einen weiteren
Niedergang bewirken werden. Vermutlich deshalb hat US-Präsident Trump eine Reihe von, vorsichtig
ausgedrückt, überraschenden und zum Teil verwirrenden Rückzugsmanövern des US-Militärs angekündigt und
durchgeführt.
Das Gleichgewicht des Schreckens ist aufgrund der russisch-chinesischen strategischen Partnerschaft
wiederhergestellt, wie im ersten Kalten Krieg, und es ist wie damals die zweitschlechteste Situation; die
schlechteste wäre ein Ungleichgewicht des Schreckens zugunsten des Imperiums.
Wie einfach wäre es, die inzwischen unzählbaren Friedens-, Kooperations- und Verhandlungsangebote seitens
Russlands oder Chinas anzunehmen. Reden, verhandeln, mit dem ernsthaften Willen, den anderen nicht zu
zerstören, sondern zu einem Interessenausgleich zu kommen – da war doch mal kurzzeitig eine solche Kultur in
den internationalen Beziehungen. Eine Haltung, die so einfach, aber anscheinend auch so schwer zu machen ist.