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Saul Leiter: „Retrospektive“ im

Fotografie Forum Frankfurt

Das Fotografie Forum Frankfurt hat es einmal mehr geschafft, sich eine
außergewöhnliche Ausstellung der Werke eines außergewöhnlichen Fotografen ins
Haus zu holen. Wir meinen: unbedingt sehenswert!

SAUL LEITER. RETROSPEKTIVE

Das Fotografie Forum Frankfurt würdigt vom 13. Dezember 2014 bis 1. März 2015
den Fotografen und Maler Saul Leiter in einer Überblicksschau. Die
Ausstellung umfasst mehr als 100 Arbeiten und vereint in einem großen
Spannungsbogen frühe Schwarzweiß- und Farbaufnahmen, Modefotografien, seine
Malerei sowie die selten ausgestellten Skizzenbücher. Zudem sind neue
Fotoarbeiten von Saul Leiter zu sehen, die er noch bis zu seinem Tod auf den
Straßen seiner Nachbarschaft im New Yorker East Village aufnahm.

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Saul Leiter, Snow, 1960 © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard Greenberg Gallery, New York

Saul Leiter starb kurz vor seinem 90. Geburtstag im Jahr 2013. Die von Ingo
Taubhorn und Brigitte Woischnik kuratierte Ausstellung ist eine Kooperation
mit dem Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg und der Saul Leiter
Foundation.

Pionier der Farbfotografie

Saul Leiter erfährt erst seit wenigen Jahren die verdiente Würdigung als
einer der führenden Pioniere der Farbfotografie. Schon seit 1946, weit vor
den Vertretern der „New Color Photography“ der 1970er Jahre wie William
Eggleston und Stephen Shore, benutzte er als einer der ersten die damals von
Künstlern verachtete Farbfotografie für seine freien künstlerischen
Aufnahmen.

Saul Leiter, Untitled, 1950er (Selbstporträt) © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard

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Greenberg Gallery, New York

Fotografie als Malerei

Saul Leiter hat sich immer als Maler und Fotograf verstanden. Sowohl in
seiner Malerei als auch in seinen Fotografien tendierte er deutlich zu
Abstraktion und Flächigkeit. Oft findet man große, tiefschwarze, von Schatten
hervorgerufene Flächen, die bis zu Dreiviertel seiner Fotografien einnehmen.
Passanten werden nicht als Individuen in das Bild aufgenommen, sondern als
verschwommene Farbimpressionen, überlagert von Fensterscheiben oder
eingekeilt zwischen Hauswänden und Verkehrszeichen. Die Übergänge zwischen
Abstraktion und Figurativem in seinen Malereien und Fotografien sind nahezu
nahtlos. Saul Leiters Straßenfotografie ist eigentlich Fotografie gewordene
Malerei, wie Rolf Nobel im begleitenden Buch schreibt.

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Saul Leiter, Canopy, ca. 1957 © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard Greenberg Gallery,
New York

Urbane Fotoästhetik

In seinen Aufnahmen fließen die Genres der Straßen-, Porträt-, Stillleben-,


Mode- und Architekturfotografie zusammen. Er fand seine Motive wie
Schaufenster, Passanten, Autos, Schilder und immer wieder Regenschirme in der
unmittelbaren Umgebung seiner New Yorker Wohnung, die er bis zu seinem Tod
fast 60 Jahre bewohnte. Die Unschärfe im Detail, die Verwischung von Bewegung
und die Minderung der Tiefenschärfe, den Ausgleich oder den gewollten Entzug
von notwendigem Licht und die Verfremdung durch Fensterdurchsichten und
Spiegelungen − dies alles verschmilzt zur Farbsprache eines halb realen, halb
abstrahierten urbanen Raums. Es sind Arbeiten eines modernen Meisters der
Farbfotografie der 1940er und 1950er Jahre.

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Saul Leiter, Red Umbrella, ca. 1958 © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard Greenberg
Gallery, New York

Vom Autodidakten zum Modefotografen

Saul Leiter (*1923 in Pittsburgh, †2013 in New York) entdeckte schon früh
seine Leidenschaft für die Kunst und begann bereits als Teenager Ende der
1940er-Jahre zu malen. Seine Familie unterstützte sein künstlerisches
Interesse nicht, da der Vater, ein anerkannter talmudischer Rabbiner und
Gelehrter, stets seine Hoffnungen darauf gesetzt hatte, dass sein Sohn Saul
ihm eines Tages in der Familientradition als Rabbiner nachfolgen würde. Als
Künstler war Saul Leiter zwar Autodidakt, aber keinesfalls ungebildet. Er las
und lernte viel über Kunst, sodass sein Wissen und Verstehen beständig
wuchsen. Er sorgte damit für die notwendigen historischen Zusammenhänge für
sein eigenes Denken und künstlerisches Schaffen.

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Saul Leiter, One of my favorites, ca. 1960 (Painting) © Estate of Saul Leiter, Courtesy
Howard Greenberg Gallery, New York

1946, kurz nachdem er nach New York gezogen war, lernte Leiter den Künstler
Richard Poussette-Dart kennen, der ihn mit der Fotografie bekannt machte,
einem Medium, das ihm sehr lag und das er schnell lernte. Leiter entschied
bald, Fotografie nicht nur als Mittel der Kunst zu nutzen, sondern sich damit
seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er begann, Mode zu fotografieren und
wurde dank seines guten Auges, seines spielerischen Sinns für Humor und
seines ausgeprägten Sinns für Eleganz zu einem außergewöhnlichen
Modefotografen.

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Saul Leiter, Carol Brown, Harper’s Bazaar, ca. 1958 © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard
Greenberg Gallery, New York

In den 1950er-Jahren wurden erste Schwarzweiß-Serien Saul Leiters im „Life“-


Magazin publiziert. Er nahm u.a. an der von Edward Steichen kuratierten
Ausstellung „Always the Young Strangers“ (1953) im Museum of Modern Art teil.
Von 1958 bis 1967 arbeitete Leiter für „Harper’s Bazaar“. Insgesamt
fotografierte er rund 20 Jahre für verschiedene klassische und neuere
Magazine, nach „Esquire“ und „Harper’s“ folgten „Show“, „Elle“, „British
Vogue“, „Queen“ und „Nova“.

»Saul Leiter. Retrospektive« im Fotografie Forum Frankfurt

»Saul Leiter. Retrospektive« ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Haus der
Photographie, Deichtorhallen Hamburg und dem Fotografie Forum Frankfurt und
wurde von Ingo Taubhorn und Brigitte Woischnik kuratiert. Die umfassende
Retrospektive von Leiters Werk entstand in enger Kooperation mit dem Künstler
und Margit Erb, Direktorin Saul Leiter Foundation. Die Ausstellung wurde
erstmals 2012 in Hamburg gezeigt und war danach im Kunsthaus Wien zu sehen.

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Saul Leiter, Restaurant, ca. 2005 © Estate of Saul Leiter, Courtesy Howard Greenberg
Gallery, New York

Publikation

Im Kehrer Verlag ist das Buch „Saul Leiter – Retrospektive“ in


Deutsch/Englisch, herausgegeben von Ingo Taubhorn und Brigitte Woischnik,
gestaltet von Detlev Pusch, mit Texten von Vince Aletti, Margit Erb, Adam
Harrison Levy, Rolf Nobel, Ulrich Rüter, Carrie Springer, Ingo Taubhorn und
Brigitte Woischnik, mit 296 Seiten und 155 Abbildungen erschienen. Die
Publikation kann für 58 Euro während der Ausstellung erworben werden.

Besucherinformationen
Fotografie Forum Frankfurt
Braubachstraße 30–32, 60311 Frankfurt am Main
Tel. +49 (0) 69 29 17 26, Fax +49 (0) 69 28 63 9
E-Mail: contact@fffrankfurt.org

Ausstellungsdauer: 13. Dezember 2014 – 01. März 2015


Öffnungszeiten: Di – So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen
Eintritt: 6 €, ermäßigt: 3 €

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Fotografie Forum Frankfurt.

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