Sie sind auf Seite 1von 4

Die Ära der muslimischen Renaissance: Genies und Dämonen

(über das Buch von Frederick Starr)


Mit dem Titel "Die verlorene Erleuchtung: Das goldene Zeitalter Zentralasiens von
der arabischen Eroverung bis zur Zeit Tamerlans" wurde die Studie des
amerikanischen Politikwissenschaftlers F. Starr in russischer Übersetzung
veröffentlicht. Diese Epoche umfasst sieben Jahrhunderte und zwar die Jahre 900
bis 1500. Über den Autor muss man sagen, dass er den Taktstock von zwei
Himmelskörpern der Weltgeopolitik - Zbigniew Biezzyński und Henry Kissinger
übernommen hat.
Heute gehört Zentralasien zu den rückständigen Regionen des Planeten,
aber hier gab es ein "goldenes Zeitalter", das sich der arabischen Eroberung
anschloss und kein Mythos ist. Der Einfluss auf die Weltgeschichte war riesig und
diesen beschreibt der Autor in seinem Ausmaß und seiner Pracht. Er markiert den
Beginn der Aufklärung, die hier viel früher einsetzte als diese Ära im Westen.
In Europa wird diese Epoche Renaissance genannt und mit Personen wie
Leonardo vor Vinci, Raffael, Rembrandt und eine ganze Galaxie von Genies
verbunden. Die Renaissance umfasst das 14. - 16. Jahrhundert - also 300 Jahre.
Die Epoche der europäischen Aufklärung setzte dann während des 17.
Jahrhunderts ein. Die gleiche Renaissance war in Asien (auch für 300 Jahre), aber
zwei Jahrhunderte fruher als in Europa (10-12 Jahrhundert). Wenn man das
Zeitalter der asiatischen Aufklärung betrachtet, so fällt auf, dass hier die
Renaissance durch islamische Dogmen ersetzt wurde.
Während im Westen sich die Hauptpfeiler des Lebens bis heute auf Gott sowie
einem Menschen an seiner Stelle stützen, wurde im Osten das Podium allein von
Allah besetzt und das ist bis heute unverändert.
In dem Buch von F. Starr sind Menschen von Weltniveau - Khorezmi, Farabi,
Biruni, Ibn Sina, Omar Khayyam und weitere ihre Nachfolger. Der erste in Bezug
auf das Alter war Khorezmi, er führte das Konzept des "Algorithmus" in die
Wissenschaft ein.
Farabi wurde der zweite Lehrer genannt (nach Aristoteles). Biruni war ein
Enzyklopädist (Astronomie, Mathematik, Geschichte, Philosophie, Geodäsie), er
wurde eine Brücke zwischen dem alten Griechenland und einem wiederbelebten
Europa. Ibn Sina schrieb den "Canon der Medizinischen Wissenschaften, der seit
600 Jahren die wichtigste Schrift der Schulmedizin ist ?
Als Mathematiker war Omar Khayyam der erste, der die Lösung von Gleichungen
drittes Grades skizzierte, einen Sonnenkalender entwickelte und als Schöpfer der
Weltlyrik gilt?
Der Wert der Forschung des Autors besteht darin, dass er den Mensch im
Detail darstellt, der einen zerstörerischen Einfluss auf die Ideologie (den Glauben) 
der Region (Asien) ausübt.
In seinem Buch "The Self- Refuting of Philosophers"  stellt Muhammad al-Ghazali
dar, dass die größte Gefahr für den islamischen Glauben von der Wissenschaft
ausgeht.
Ja, die Wissenschaft war zu allen Zeiten tödlich gefährlich für alle
Religionen, darin hat er recht, aber das ist die Wahrheit von Mephistopheles, die
Wahrheit des Fürsten der Finsternis. Ghazali legitimierte Sufismus verdrängte die
Vernunft und die Logik. Mit ihm begann die Zensur für die Muslime. das sind seine
Worte. Er warnt: "Wir müssen den Umgang mit Büchern, die von  verlorenen
Menschen geschrieben wurden, verhindern.
Wir müssen die Menschen davon abhalten, solche perfiden Bücher der
Philosophen  zu lesen. Dazu zählten Aristoteles, Plato, Sokrates, Farabi, Biruni, Ibn
Sina, KhayyamIbn Rushd. Gegen solche Inquisition sprach sich K. Rushd aus und
kritisierte Ghazali in seinem Buch "Leugnung des Refutanten".Es schien, dass der
Vorwurf des Obskurantismus zurückgewiesen wurde. Während er in der
islamischen Welt ignoriert wurde, wurde er mit Freude in Europa angenommen.
(dort ist er als Averroes bekannt).
Ghazali und Khayyam lebten zur gleichen Zeit, studierten in der gleichen
Stadt Nishapur/Iran, arbeiteten in Merv/Turkmenistan, wohin sie Sultan Ahmad
Sanjar eingeladen hatte.
Ihre Standpunkte lagen weit auseinander. In Ibn Sina sah Ghazali den Hauptfeind
des Glaubens, während Khayyam ihn  (Ibn Sina!?)
vergötterte und dem Feind mit Versen antwortete.
Viel Gutes von unseren Gebeten und Weihrauchfass,
Im Paradies wird nur derjenige fallen, der nicht zur Hölle ging.
Es ist besser, Liebkosungen zu trinken und zu verschönern,
Dann suche in den Gebeten der Erlösung.
Omar Khayyam schuf einen Hymnus für den menschlichen Geist, und
Mohammed Ghazali argumentierte, dass Mathematik und Logik zu einer Abkehr
von dem Glauben führen, dass Allah in alles eingreift, was im Himmel, auf der
Erde und im Wasser geschieht, was einen Menschen nach der Enthauptung
lebendig machen kann. Hier hat er solche "Argumente" entlarvt und sie als
"ekelhaft lächerlich" bezeichnet. Er schuf seine Medressen in den großen Städten
der Region, seine Schüler glaubten ihm, sie glauben ihm bis heute.
Das "Goldene Zeitalter" Zentralasiens endete mit Ulugbek (übersetzt "der
große Bek"), so genannt Muhammad Taragay (1394-1449), der Enkel von
Temirlan. Regierte Ulugbek nur zwei Jahre (wurde von seinem eigenen Sohn
getötet) und wurde berühmt für alle Jahrhunderte. Er baute ein Observatorium in
Samarkand, gründete eine Bibliothek, finanzierte zehntausend Studenten,
eröffnete eine Madrassa, an deren Tür er die Worte des Propheten schrieb: "Das
Streben nach Wissen ist die Pflicht jedes Muslims". Im Koran gibt es solche Worte
nicht.
Im Buch von F. Starra gibt es auch einen rein türkischen Aspekt mit
Projektion auf Kirgisisch, Informationen zu Manas, Zhusup Balasagyn, Mahmud
Kashkari, die Talas-Schlacht von 751 (der Kampf der Araber mit den Chinesen)
wird beschrieben. Der schreckliche Sultan Mahmud Ghaznavi stammte aus einem
türkischen Stamm, der ursprünglich aus Barskhan (Issyk-Kul) stammte, sein Vater
hieß Sebek-Tegin. Der Titel "Sultan" begann mit Mahmud. Er schuf eine
Militärmaschine von hunderttausend Soldaten und betrachtete sich selbst als
"den Schatten Allahs auf Erden". Er wollte den Kopf von Ibn Sina. Der Autor des
Gedichts "Shah-namye" Firdousi arbeitete mit ihm für 30 Jahre.
Die letzte Renaissance in Zentralasien war Alisher Navoi (1441-1501), er
setzte die Tradition von Kashkari und Balasagyn fort, die den Weg für die
Turksprache freigaben. In dieser Sprache schrieb er das Gedicht "Die Sprache der
Vögel", unter seinem Einfluss gab es alle türkischsprachigen Schöpfer,
einschließlich der Kirgisischen Akyn Moldo Kilic des 19. Jahrhunderts, Autor des
Gedichts "Pir berkut".
Als letzte Position stellt F. Starr drei Aspekte der Geschichte der Region vor
- Blüte, Niedergang, Aussicht. Natürlich schließt die Vergangenheit nicht, sondern
wird projiziert, so ist die uralte Logik der Verbindung der Zeiten. Es ist sehr wichtig
zu verstehen, was im Zusammenhang mit den Vor- und Nachteilen getan wurde.
Der Sufismus wurde zum Feind der Wissenschaft, wurde für die Muslime zu einer
spirituellen "Medizin", die den Verstand ertränkte und die Intuition ausströmte.
Dies war der Hauptmangel, der über Jahrhunderte anhielt, was sich auf der
quantitativen Basis der Nobelpreisträger auf dem Gebiet der Wissenschaft zeigen
lässt, wo nur ein Name bei Wissenschaftlern aus der islamischen Welt erscheint -
Abdus Salam, ein Kernphysiker aus Pakistan. Dies ist die Frage nach dem Ergebnis
des "Triumphes" des rechtschaffenen Glaubens. Ja, die muslimische Renaissance
bereitete den Boden für den Europäer vor, aber danach löste er sich wie eine
Geisterkarawane auf. Der Osten blieb im Rahmen der Religion. Der Westen kam
heraus.
Und das Plus ist, dass die Dunkelheit nicht für immer passiert, ein
Lichtstrahl erscheint von ihr, wenn sie einen Tag durchbricht, wird sie
notwendigerweise an den Ort zurückkehren, der den Weltgenies gegeben hat.
Der Fortschritt wird zu uns zurückkehren. Dies wird vom Westen im Angesicht von
Frederick Starr geglaubt. Dies wird von Zentralasien im Angesicht der
Nachkommen von Farabi und Ibn Sina, den Nachkommen von Balasagyn und
Navoi, geglaubt.
Mambetaliev Kuban