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Frank Rackwitz (Hrsg.

Entwicklungen in der Bodenmechanik, Bodendynamik und Geotechnik


Entwicklungen in der Bodenmechanik,
Bodendynamik und Geotechnik

Festschrift
zum 60. Geburtstag von
Univ.-Professor Dr.-Ing. habil. Stavros A. Savidis

Herausgegeben von
Dr.-Ing. Frank Rackwitz

13
Dr.-Ing. Frank Rackwitz
Technische Universität Berlin
Institut für Bauingenieurwesen
Gustav-Meyer-Allee 25
13355 Berlin
frank.rackwitz@tu-berlin.de

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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

isbn 10 3-540-27425-1 Berlin Heidelberg New York


isbn 13 978-3-540-27425-4 Berlin Heidelberg New York

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Satz: Digitale Druckvorlage des Herausgebers

Druck: Mercedes-Druck, Berlin


Verarbeitung: Stein + Lehmann, Berlin

Gedruckt auf säurefreiem Papier 68/3020/m -543210


V

Vorwort

Der 60. Geburtstag von Herrn Univ.-Professor Dr.-Ing. habil. Stavros A. Savidis diente sei-
nen Schülern, Mitarbeitern und Fachkollegen als Anlass, sein mehr als 35-jähriges Schaffen
als Forscher, Ingenieur und Lehrer auf den Gebieten Bodenmechanik, Bodendynamik und
Geotechnik mit einer Festschrift zu würdigen.
In 26 Fachaufsätzen werden Themen aus den Bereichen theoretische und experimentelle
Bodenmechanik, Bodendynamik und dynamische Boden-Bauwerk Interaktion, Geotechnik
und Spezialtiefbau sowie Verkehrswegebau und Umweltgeotechnik behandelt. Ein Teil der
Beiträge beschäftigt sich mit der Darstellung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der
Formulierung neuer Fragestellungen und Lösungsansätze. Bei anderen Aufsätzen steht die
Umsetzung der Theorie in die Baupraxis im Vordergrund und es werden konkrete Beispiele
aus der Praxis vorgestellt und diskutiert. Das Buch richtet sich daher sowohl an Lehrende
und Forschende als auch an Ingenieure, die auf diesen Gebieten arbeiten. Durch die Band-
breite der behandelten Themen werden sich auch viele Interessierte aus angrenzenden Fach-
gebieten angesprochen fühlen und Anregungen für die eigene Arbeit finden.
An dieser Stelle sei den Autoren für ihre Mühen bei der Ausarbeitung der Fachbeiträge
herzlich gedankt. Beim Springer-Verlag und seinen Mitarbeitern möchte ich mich für die
unkomplizierte und sehr zügige Vorbereitung und Begleitung des Drucks bedanken, sowie
für die stets freundliche und kompetente Unterstützung bei der Herausgabe dieses Buches.
Nicht zuletzt danke ich in diesem Zusammenhang auch Herrn cand.-ing. Patrick Herbke für
die tatkräftige Mithilfe bei der Herausgebertätigkeit.

F. Rackwitz
VII

Univ.-Professor Dr.-Ing. Stavros A. Savidis


zum 60.Geburtstag

Am 11. September 2004 vollendete Univ.-Professor Dr.-Ing. habil. Stavros Savidis,


Ordinarius für Grundbau und Bodenmechanik an der Technischen Universität Berlin, sein
60. Lebensjahr. Professor Savidis wurde in Athen als Sohn des Juristen Aristophanis Savidis
und seiner Ehefrau Filia geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Athen erlernte er
bereits frühzeitig die Deutsche Sprache, denn er besuchte das Doerpfeld-Gymnasium, die
Deutsche Schule in Athen, wo er 1962 sein Abitur erlangte. Anschließend bestand er als
Bester unter ca. 1000 Bewerbern die Aufnahmeprüfung für ein Studium an der Technischen
Hochschule Athen, wo er von 1962 bis 1967 Bauingenieurwesen studierte und wiederum als
Jahrgangsbester abschloss. Im Oktober 1967 ging er als Stipendiat des DAAD an das von
Professor Preß geleitete Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen
Universität Berlin. Nach dem erfolgreichen Abschluss des gleichzeitig begonnenen
Aufbaustudiums an der Fakultät für Bauingenieurwesen erfüllte er alle Voraussetzungen für
die Zulassung zur Promotion an der TU Berlin. Infolgedessen wurde er im August 1968 als
Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl und Institut für Grundbau und Bodenmechanik
eingestellt, welches der Begründer der Grundbaudynamik, Professor Hans Lorenz, leitete.
Mit der ihm eigenen außergewöhnlichen Energie und Akribie begann Professor Savidis
unmittelbar nach seiner Anstellung die Arbeit an der von seinem Doktorvater
vorgeschlagenen Dissertation mit dem Thema: „Die Wirkung des Viertelraumes auf die
stationären erzwungenen Schwingungen eines Streifenfundamentes“. Nach nicht einmal
zweieinhalb Jahren absolvierte er in der Folge im Januar 1971 mit dem Gesamturteil „Mit
Auszeichnung“ mit Bravour seine mündliche Doktorprüfung. Es folgte im Dezember 1972
die Ernennung zum Assistenzprofessor für das Fachgebiet „Bodendynamik“, im Alter von
28 Jahren. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Habilitationsverfahrens erlangte
Professor Savidis 1977 die Lehrbefähigung für das Lehrgebiet „Grundbaudynamik und
Bodenmechanik“ und es wurde ihm die Lehrbefugnis für dieses Fach an der TU Berlin
verliehen. Im Jahr 1978 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor für Grundbau und
Bodenmechanik an die neugegründete Technische Universität Xanthi in Griechenland. An
der TU Berlin nahm er 1979 parallel zu den Aufbauarbeiten in Xanthi einen Ruf als C2-
Professor für das Fachgebiet Grundbaudynamik an. Die Professur in Berlin gab er 1983 auf,
weil er als Rektor der TU Xanthi gewählt wurde und dieses Amt – 1986 erfolgte eine
Wiederwahl – einen besonders intensiven Einsatz in Griechenland erforderte.
VIII

Seiner Wahlheimat Berlin blieb er dennoch stets eng verbunden. So folgte er schließlich
zum Sommersemester 1987 einem Ruf als Ordinarius für Grundbau und Bodenmechanik an
der TU Berlin, als Nachfolger von Professor Müller-Kirchenbauer.
Die wissenschaftliche Tätigkeit von Professor Savidis ist wesentlich durch seine frühe
Konzentration auf das Thema Bodendynamik geprägt, da er die Bedeutung dieser jungen
Wissenschaftsdisziplin für die Baupraxis erkannte und sich für die entsprechende
Berücksichtigung der Bodendynamik in Lehre und Forschung engagierte. Inzwischen mehr
als 150 Veröffentlichungen auf den Teilgebieten analytische und numerische Methoden der
elastischen und nichtlinearen Bodendynamik sowie der dynamischen Boden-Bauwerk
Interaktion und darüber hinaus Arbeiten in den Bereichen Spezialtiefbau und
Umweltgeotechnik zeugen von seiner langjährigen intensiven wissenschaftlichen Arbeit.
Beleg des hohen wissenschaftlichen Ansehens von Professor Savidis ist seine Wahl zum
Fachgutachter der DFG im Jahr 1998 und seine Wiederwahl im Jahr 2003. Daneben ist er
seit vielen Jahren Gutachter weiterer Institutionen zur Förderung der Wissenschaft, wie
DAAD, BMBF und Volkswagenstiftung. Gleichzeitig bringt Professor Savidis seine
Fachkenntnisse und Erfahrungen in zahlreiche Fachgremien, Organisationen und
Normenausschüsse ein. So war er von 1996 bis 2004 Vorsitzender der Deutschen
Gesellschaft für Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik (DGEB) und ist seit 1992
Vorsitzender des Arbeitskreises 1.4 Baugrunddynamik der Deutschen Gesellschaft für
Geotechnik (DGGT).
Hervorzuheben sind ebenfalls die vielen internationalen Kontakte von Professor Savidis zu
Fachkollegen weltweit. Insbesondere diese beeindruckende Internationalität veranlasste
1985 den damaligen Präsidenten der TU Berlin dazu, Professor Savidis für die Verleihung
des Max-Planck Forschungspreises für Internationale Kooperationen vorzuschlagen. In den
Jahren 1989 und 1994 veranstaltete Professor Savidis in Berlin die vielbeachteten
Internationalen Tagungen zum Erdbebengerechten Bauen – ERCAD.
Bislang mehr als 200 betreute Diplomarbeiten sowie 20 Erstgutachten abgeschlossener
Dissertationen und die Begutachtung von drei abgeschlossenen Habilitationen, von denen
heute zwei als Universitätsprofessoren und weitere fünf als Fachhochschulprofessoren
wirken, stehen für seine umfangreiche Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeiten an den Technischen Universitäten in Berlin und
Xanthi engagierte sich Professor Savidis stets besonders aktiv in der akademischen
Selbstverwaltung. So ist er beispielsweise, nach seiner Rektorentätigkeit in Xanthi, seit
1995 in fünf aufeinanderfolgenden Wahlperioden abwechselnd als Dekan bzw. Pro-Dekan
an der TU Berlin tätig.
Neben seiner wissenschaftlichen und universitären Tätigkeit arbeitet Professor Savidis seit
langem auch erfolgreich in der Praxis. Er war als selbständiger Beratender Ingenieur und für
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stavros A. Savidis zum 60. Geburtstag IX

Professor Lorenz und Professor Müller-Kirchenbauer auf den Gebieten Grundbau und
Bodendynamik gutachterlich tätig. In Griechenland war er Berater am Ministerium für
Raumordnung und Umweltschutz sowie Vizepräsident des Staatlichen Instituts für
Ingenieur-Seismologie und Aseismische Konstruktionen (ITSAK). Seit 1990 ist Professor
Savidis als Geschäftsführender Gesellschafter des Ingenieurbüros GuD Geotechnik und
Dynamik Consult GmbH in der Ingenieurberatung und als Gutachter für bodenmechanische,
bodendynamische und grundbauliche Projekte für öffentliche und private Bauherrn im In-
und Ausland erfolgreich tätig.
Das lange Zeit zu kurz gekommene private Leben trat 1993 durch die Heirat mit Georgia
Alexandropoulou und 1999 mit der Geburt der Tochter Stephania in den Vordergrund.
Zu Ehren des 60. Geburtstages von Professor Savidis fand am 19. November 2004 ein Fest-
Kolloquium an der TU Berlin statt. Mehr als 150 Gäste folgten der Einladung nach Berlin
und erlebten u.a. die Grußworte des Präsidenten der TU Berlin, Professor Kutzler, und eine
würdige Laudatio von Professor Katzenbach. Den fachlichen Teil des Kolloquiums bildeten
acht Beiträge von Fachkollegen aus China, Deutschland, Griechenland, Japan und den USA
– eindeutiger Beleg der ausgezeichneten Reputation im In- und Ausland.
Zur Würdigung der Verdienste von Professor Savidis haben 50 Fachkollegen, Wegbegleiter
und ehemalige Doktoranden aus dem In- und Ausland insgesamt 26 aktuelle Beiträge aus
den Bereichen Bodenmechanik, Bodendynamik und Geotechnik verfasst, die in dem
vorliegenden Buch erscheinen.
Seine Schüler, Mitarbeiter, Freunde und Kollegen wünschen dem Jubilar beste Gesundheit,
Freude und Glück sowie weiterhin Schaffenskraft und Erfolg und nicht zu vergessen die
notwendige Zeit für Erholung und Entspannung im Kreis seiner Familie.

F. Rackwitz
Univ.-Prof. Dr.-Ing. S. A. Savidis (Foto: TU Berlin/Pressestelle)
XI

Autoren

Anastasopoulos, Ioannis, M.Sc., National Technical University of Athens, Faculty of Civil


Engineering, 42, Patission St., GR 10682 Athen
Baeßler, Matthias, Dipl.-Ing., Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung,
Fachgruppe VII.2 - Ingenieurbau , Unter den Eichen 87, D 12205 Berlin
Bergmann, Stefan, Dr.-Ing., Elisenhof 1, D 15374 Müncheberg
Bode, Christopher, Prof. Dr.-Ing., Technische Fachhochschule Berlin, Fachbereich VIII ,
Luxemburger Straße 10, D 13353 Berlin
Borchert, Kurt-Michael, Prof. Dr.-Ing., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH,
Dudenstraße 78, D 10965 Berlin
Eickenbrock, Christian, Dipl.-Ing., IGB Ingenieurgesellschaft mbH, Heinrich-Hertz-Str.
116, D 22083 Hamburg
Franke, Jörg, Dr.-Ing., IGB Ingenieurgesellschaft mbH, Heinrich-Hertz-Str. 116, D 22083
Hamburg
Gazetas, George, Prof. Dr., National Technical University of Athens, Faculty of Civil
Engineering , 42, Patission St., GR 10682 Athen
Gerolymos, Nikos, Dr., National Technical University of Athens, Faculty of Civil
Engineering , 42, Patission St., GR 10682 Athen
Gudehus, Gerd, o.Prof. Dr.-Ing., Universität Karlsruhe, Institut für Bodenmechanik und
Felsmechanik, Lehrstuhl für Bodenmechanik und Grundbau, Engler-Bunte-Ring 14,
D 76131 Karlsruhe
Hebener, Hans-Ludwig, Dipl.-Ing., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH,
Dudenstraße 78, D 10965 Berlin
Hirschauer, Reinhold, Dr.-Ing., Nehringstr. 34, D 14059 Berlin
Holzlöhner, Ulrich, Dr.-Ing., Gartenstraße 5, D 14169 Berlin
Iosifidou, Constantina, Dipl.-Ing., Democritus University of Thrace, Department of Civil
Engineering, 12 Vas. Sofias Str, GR 67100 Xanthi
Ittershagen, Marc, Dipl.-Ing., Technische Universität Darmstadt, Institut und
Versuchsanstalt für Geotechnik, Petersenstraße 13, D 64287 Darmstadt
Karstedt, Jens, Dr.-Ing., Berlin-Brandendurger Institut für Geotechnik GmbH, Dr.-Ing.
Karstedt und Partner, Limastraße 25a, D 14163 Berlin
Katzenbach, Rolf, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Technische Universität Darmstadt, Institut und
Versuchsanstalt für Geotechnik, Petersenstraße 13, D 64287 Darmstadt
Kausel, Eduardo, Prof. Dr., Massachusetts Institute of Technology, Department of Civil and
Environmental Engineering, 77 Massachusetts Avenue, USA 02139 Cambridge, MA
XII

Klapperich, Herbert, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Technische Universität Bergakademie Freiberg,


Institut für Geotechnik, Lehrstuhl für Bodenmechanik, bergbauliche Geotechnik und
Grundbau, Gustav-Zeuner-Straße 1, D 09596 Freiberg
Kolymbas, Dimitrios, o. Univ.-Prof. Dr. techn., Universität Innsbruck, Institut für
Geotechnik und Tunnelbau, Technikerstraße 13, A 6020 Innsbruck
Kramer, Helmut, Prof. Dr.-Ing., Ingenieurbüro Prof. Dr.-Ing. Kramer & Dipl.-Ing.
Albrecht, Glockengießerwall 1, D 20095 Hamburg
Lamers, Jörg, Dipl.-Ing., Ingenieurbüro Prof. Dr.-Ing. Kramer & Dipl.-Ing. Albrecht,
Glockengießerwall 1, D 20095 Hamburg
Li, Xiang-Song, Assoc. Prof. Dr., The Hong Kong University of Science and Technology,
Department of Civil Engineering, Clearwater Bay, Kowloon, HK Hong Kong
Linder, Wolf-Rüdiger, Dr.-Ing., Brückner Grundbau GmbH, Am Lichtbogen 8, D 45141
Essen
Liolios, Asterios, Prof. Dr., Democritus University of Thrace, Department of Civil
Engineering, 12 Vas. Sofias Str, GR 67100 Xanthi
Mallwitz, Karl, Prof. Dr.-Ing., Fachhochschule Neubrandenburg, Fachgebiet Verkehrsbau,
Bodenmechanik, Grundbau, Brodaer Straße 2, D 17033 Neubrandenburg
Mittag, Jens, Dr.-Ing., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Dudenstraße 78,
D 10965 Berlin
Mussehl, Dirk, Dipl.-Ing., Berlin-Brandendurger Institut für Geotechnik GmbH, Dr.-Ing.
Karstedt und Partner , Limastraße 25a, D 14163 Berlin
Mylonakis, George, Prof. Dr., University of Patras, Department of Civil Engineering,
GR 26500 Patras
Niemunis, Andrzej, Dr.-Ing., Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Grundbau und
Bodenmechanik, Gebäude IA-4/126, Universitätsstraße 150, D 44801 Bochum
Pekoll, Oskar-H., Dipl.-Ing., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH,
Dudenstraße 78, D 10965 Berlin
Pitilakis, Kyriazis D., Prof. Dr., Aristotle University of Thessaloniki, Department of Civil
Engineering, P.O.Box 450, GR 54006 Thessaloniki
Rackwitz, Frank, Dr.-Ing., Technische Universität Berlin, Fachgebiet Grundbau und
Bodenmechanik, Gustav-Meyer-Allee 25, D 13355 Berlin
Ramm, Hendrik, Dipl.-Ing., Technische Universität Darmstadt, Institut und Versuchsanstalt
für Geotechnik, Petersenstraße 13, D 64287 Darmstadt
Richter, Thomas, Dr.-Ing., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH, Dudenstraße
78, D 10965 Berlin
Rohrmann, Rolf G., Dipl.-Ing., Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung,
Fachgruppe VII.2 - Ingenieurbau, Unter den Eichen 87, D 12205 Berlin
Rücker, Werner, Prof. Dr.-Ing., Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung,
Fachgruppe VII.2 - Ingenieurbau, Unter den Eichen 87, D 12205 Berlin
Autoren XIII

Schepers, Winfried, Dipl.-Ing., Technische Universität Berlin, Fachgebiet Grundbau und


Bodenmechanik, Gustav-Meyer-Allee 25, D 13355 Berlin
Schick, Peter, Dr.-Ing., Technische Universität Berlin, Fachgebiet Grundbau und
Bodenmechanik, Gustav-Meyer-Allee 25, D 13355 Berlin
Schneider, Nikolaus, Dipl.-Ing. Univ., GuD Geotechnik und Dynamik Consult GmbH,
Dudenstraße 78, D 10965 Berlin
Syngros, Costis, Dr., University of Patras, Department of Civil Engineering,
GR 26500 Patras
Treffer, Andreas, Dipl.-Ing., DB ProjektBau GmbH, Niederlassung Süd, Projektzentrum
München, Landsberger Straße 287a, D 80687 München
Triantafyllidis, Theodor, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für
Grundbau und Bodenmechanik, Gebäude IA-4/126, Universitätsstraße 150, D 44801
Bochum
Trobisch, Steffen, Dipl.-Ing., Berlin-Brandendurger Institut für Geotechnik GmbH, Dr.-Ing.
Karstedt und Partner, Limastraße 25a, D 14163 Berlin
Tsotsos, Stefanos, Prof. Dr., Aristotle University of Thessaloniki, Department of Civil
Engineering, GR 54006 Thessaloniki
Vrettos, Christos, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Technische Universität Kaiserslautern, Fachgebiet
Bodenmechanik und Grundbau, Postfach 3049, D 67653 Kaiserslautern
Walz, Bernhard, Univ.-Prof. em. Dr.-Ing., Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich D
- Abt. Bauingenieurwesen, Lehr- und Forschungsgebiet Unterirdisches Bauen,
Grundbau und Bodenmechanik, Pauluskirchstraße 7, D 42285 Wuppertal
Werner, Anke, Dipl.-Ing., Technische Universität Darmstadt, Institut und Versuchsanstalt
für Geotechnik , Petersenstraße 13, D 64287 Darmstadt
Wichtmann, Torsten, Dipl.-Ing., Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Grundbau und
Bodenmechanik, Gebäude IA-4/126 , Universitätsstraße 150, D 44801 Bochum
Yang, Jun, Assist. Prof. Dr., The University of Hong Kong, Department of Civil
Engineering, Pokfulham, Hong Kong
Yeroyianni, Maria, Dipl.-Ing., Commission of the European Communities, Rue de la Loi
200, B 1049 Brussels
XV

Inhalt

1 Theoretische und experimentelle Bodenmechanik


Vibro-Hypoplastizität ...........................................................................................................3
G. Gudehus

Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast .......................................................................17


U. Holzlöhner

Einfluss der Endflächenreibung bei triaxialen Kompressionsversuchen


mit Berliner Sand .................................................................................................................33
F. Rackwitz

Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen


mit kohäsiven Böden ............................................................................................................41
P. Schick

Möglichkeiten und Grenzen bodenmechanischer 1g-Modellversuche ...........................63


B. Walz

2 Bodendynamik und dynamische Boden-Bauwerk Interaktion


Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb?...........................................................81
C. Bode und R. Hirschauer

The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995:


Soil-Foundation-Structure Interaction, Reconstruction, Seismic Isolation ...................93
G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis und C. Syngros

Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes..............................................121


H. Kramer und J. Lamers

Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits................................................139


X. S. Li

A Numerical Approach to the Unilateral Contact Dynamic


Problem of Soil-Pile Interaction........................................................................................153
A. Liolios, C. Iosifidou, S. Tsotsos, K. Pitilakis und M. Yeroyianni
XVI

A Method to Increase the Accuracy of the Green's Functions


for Layered Media Obtained by Means of the Thin Layer Method .............................161
W. Schepers und E. Kausel

Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden ....................................................173


T. Triantafyllidis, T. Wichtmann und A. Niemunis

Influence of Water Saturation on Seismic Site Amplification .......................................193


J. Yang

3 Geotechnik und Spezialtiefbau


Geotechnische Besonderheiten an ausgewählten Bauvorhaben im
Hamburger Hafen ..............................................................................................................201
J. Franke und C. Eickenbrock

Rechnerische und tatsächliche Verformungen tiefer Baugruben


am Lehrter Bahnhof in Berlin...........................................................................................213
J. Karstedt, S. Trobisch und D. Mussehl

Die Entwicklung neuer Gründungstechnologien am Beispiel


der Forschungs-Kooperation der TU Berlin mit der TU Darmstadt............................233
R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm und A. Werner

Bodenbewehrung – offene Fragen ....................................................................................251


D. Kolymbas

Probebelastungen zur Ermittlung des Tragverhaltens


von Bohrpfählen in Tonstein.............................................................................................263
W.-R. Linder

Bemessung der Kombinierten Pfahl-Platten-Gründungen (KPP)


nach neuer DIN 1054:2004-08 bzw. DIN 1045-1:2001-07 gezeigt am Beispiel
Hochhauskomplex „Föderation“ in Moskau-City ..........................................................279
O.-H. Pekoll und T. Richter

Ein Näherungsverfahren zur Berechnung von Pfahl-Plattengründungen


mit unregelmäßiger Geometrie .........................................................................................303
C. Vrettos
Inhalt XVII

4 Verkehrswegebau und Umweltgeotechnik


Meßtechnische Ermittlung der Beanspruchungen einer
Festen Fahrbahn unter Zugüberfahrt..............................................................................315
S. Bergmann

Verbreiterung eines Bahndammes auf bindigen und organischen Böden....................333


K.-M. Bochert, J. Mittag und A. Treffer

Die Entwicklung der Scherfestigkeit von Dichtwandmassen


als erweitertes Prüfkriterium der Qualitätssicherung....................................................347
H.-L. Hebener und N. Schneider

Interdisziplinäres Flächenrecycling - Brachennutzung


contra Grünland-Verbrauch.............................................................................................359
H. Klapperich

Historische Verkehrsflächenbefestigungen .....................................................................379


K. Mallwitz

Experimentelle Untersuchungen zu Schotterfahrwegen auf Brücken..........................397


W. Rücker, M. Baeßler und R.G. Rohrmann

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Stavros A. Savidis


Lebens- und Berufsweg......................................................................................................417
Publikationsverzeichnis .....................................................................................................421
Fest-Kolloquium am 19. November 2004.........................................................................437
1

Theoretische und experimentelle


Bodenmechanik
3

Vibro-Hypoplastizität

Gerd Gudehus

Zusammenfassung
Vorgelegt wird eine neue Variante der Hypoplastizität. Zunächst wird dazu – vereinfacht für
Scherungen und Dichteänderungen – die Hypoplastizität kurz dargestellt. Am Anfang
stehen Zustandsgrenzen, die sich aus Asymptoten ergeben. Auch die intergranulare
Dehnung lässt sich so einordnen. Die Visko-Hypoplastizität wird ähnlich vereinfacht
vorgestellt. Ausführlicher und teilweise neu kommt dazu die thermische Aktivierung. Ganz
analog wird eine granulare Temperatur vorgeschlagen. Die Vorstellung, dass Korngerüste
bei Vibrationen sich ähnlich wie temporär erwärmte Flüssigkeiten verhalten, wird damit
präzisiert. Für Vibro-Kriechen und –Relaxation ergeben sich realistische Formeln mit gut
bestimmbaren Kenngrößen. Zur Anwendung bedarf es aber noch weiterer Untersuchungen.

1 Einleitung
Körnige Böden verhalten sich bei Erschütterungen ähnlich wie erwärmte viskose
Flüssigkeiten. Barkan (1962) hat dazu eine lineare Vibro-Viskosität K v vorgeschlagen, einer
näheren Prüfung hält sein Ansatz aber nicht stand. Dass die Schubspannung W gemäß
W Kv ˜ D (1.1)
zur Scherrate D proportional ist, wird nicht beobachtet. Offen bleibt auch, wie K v von der
Vibration abhängt. Für einen mit Trockenreibung auf einer vibrierenden schiefen Ebene
abrutschenden Block hat Vielsack (1991) gezeigt, dass die sog. Pseudo-Viskosität
proportional zur Vibrationsgeschwindigkeit ist. Für stationär fließenden Sand gilt (1.1)
jedoch zumindest mit K v proportional zur Vibrationsgeschwindigkeit nicht.
Bei Spannungs- oder Verformungszyklen zeigen körnige Erdstoffe Ratcheting genannte
Kumulationseffekte: Deformationen nehmen schrittweise zu, Spannungen nehmen
schrittweise ab. Bei harten Körnern kann man die Ratenabhängigkeit meist vernachlässigen.
Das Ratcheting bei Spannungszyklen ist demnach eine Art Kriechen, dasjenige bei
Verformungszyklen eine Art Relaxation. In beiden Fällen sollte wegen der
Ratenabhängigkeit die Pseudo-Viskosität proportional zur Frequenz sein, siehe Vielsack
(1991). Wie z. B. Cudmani (2001) für die dynamische Penetration gezeigt hat, weisen
Hystereseschleifen je nach Amplitude verschiedene Formen auf. Mit linearer
Pseudoviskosität gemäß (1.1) bekommt man dies nicht.
4 G. Gudehus

Hypoplastische Stoffgesetze liefern mit Intergranularer Dehnung (Niemunis und Herle


1997) realistische Hystereseschleifen und Kumulationen. Anwendungen für wenige große
Zyklen in situ, z. B. durch Sturm oder Erdbeben, waren erfolgreich (z. B. Cudmani et. al.
2003). Bei sehr vielen Zyklen mit kleinen Amplituden wird der Rechenaufwand jedoch zu
groß, überdies können kumulativ numerische Fehler auftreten (Niemunis et. al. 2004).
Aufgrund von Triaxialversuchen wurden daher sog. explizite Stoffgesetze entwickelt, die
kumulative Verformungen H mit mittleren Spannungen, Amplituden und Zyklenzahl N
verknüpfen. Diese enthalten frühere H N -Ansätze und ähneln mit N anstelle von t
empirischen Kriechgesetzen.
Hier wird ein neues Stoffgesetz mit nichtlinearer Pseudo-Viskosität vorgeschlagen, der
Einfachheit halber für einfache Scherung mit nur zwei Komponenten. Im Mittelpunkt stehen
dabei Zustandsgrenzen, die Asymptoten oder Attrakoren der Evolution für bestimmte
Beanspruchungen bilden. In Abschnitt 2 wird dies mit vereinfachten hypoplastischen
Gleichungen zunächst ohne Vibrationen gezeigt, auf die Intergranulare Dehnung wird kurz
hingewiesen. In Abschnitt 3 wird gezeigt, wie sich aus vereinfachten visko-hypoplastischen
Gleichungen Hypoelastizität, Ratenabhängigkeit, Kriechen und Relaxation zutreffend
ergeben. Zähigkeitsindex I v und Bezugsrate Dr sind proportional zur absoluten Temperatur
T . In Abschnitt 4 werden vibro-hypoplastische Gleichungen vorgeschlagen, in denen I v
und Dr proportional zu einer granularen Temperatur Tg sind. Die Bezugsrate Dr hängt
überdies von der Korngröße ab. Das neue Stoffgesetz liefert realistische Evolutionen und ist
ausbaufähig (Abschnitt 5).

2 Elasto-Hypoplastizität
.
γ τ
σ

h 0(1-ε)
h0 .
ε σ'
γ

a b c
Bild 2.1: Einfache Scherung (a), Mohr-Darstellung der Formänderungsraten (b) und Spannungen (c)

Wir betrachten einfache Scherungen mit W , V c , J , H und deren Raten W dW dt usw. (Bild
2.1). Die Zustandsgrenzen sind durch Beziehungen zwischen H J und W V c sowie Porenzahl
e und log V c definiert (Bild 2.2). Für Grenzporenzahlen gilt (Bauer 1996):
Vibro-Hypoplastizität 5

ª § nº
3V c · »
e e0 ˜ exp « ¨¨ ¸¸ (2.1)
« © hs ¹ »
¬ ¼

mit n zwischen ca. 0,25 und 0,4 und hs zwischen ca. 0,3 und 30 GPa. e0 hängt gemäß Bild
2.2a von W V c ab. Bei reiner Kompression (i) mit W 0 und J 0 ist e ei maximal. Bei
reiner Scherung (c) mit H 0 ist e ec geringer, und es gilt W W c V c ˜ tan M cs . Bei
kontraktanter Scherung, H J ! 0 für J ! 0 , liegen e und W V c dazwischen. Bei dilatanter
Scherung, H J  0 für J ! 0 , ist e geringer als ec , während W V c ! tan M cs gilt. Bei einer
Klaffung, H J für J ! 0 , ist W V c und e ed minimal. Die Mohr-Kreise gehen dann
durch den Nullpunkt.
. .
ε/γ e
d 1 i
1
i
-1 c tanϕcs c
c d
-tanϕcs 1 τ/σ'

1 2 3
0 10 10 10
i -1 d
σ' [kPa]
a b
Bild 2.2: Komponentenverhältnisse (a) und Porenzahlen (b) bei Zustandsgrenzen

Das hypoplastische Stoffgesetz geht – etwas vereinfacht – von den Gleichungen


W G ˜ J  J p (2.2)

und
V c K ˜ H  H p (2.3)

mit

K hs ˜ m ˜ V c hs 1 n (2.4)

und
Q
G ˜K (2.5)
1 Q

aus. m hängt von e ab (davon unten mehr), Q liegt zwischen ca. 0,3 und 0,4. Die
plastischen Verformungsraten sind

Jp 1  I d D ˜ g Ȗ ˜ D (2.6)

und
6 G. Gudehus

Hp 1  I d D ˜ g İ ˜ D (2.7)

mit D zwischen ca. 0,2 und 0,3 und dem Dichteindex


ec  e
Id . (2.8)
ec  ed

D J 2  H 2 ist der Betrag der Verformungsgeschwindigkeit. g Ȗ und g İ hängen gemäß


Bild 2.3 von W V c ab, g İ g Ȗ H p J p ist gleich H J an Zustandsgrenzen gemäß Bild 2.2a.
gγ gε
c
1
1/S2 d

tanϕcs 1 -tanϕcs i tanϕcs


i
-1 -tanϕcs τ/σ' -1 c c 1 τ/σ'

d -1/S2 d -1/S2 d
c -1 -1
a b
Bild 2.3: Faktoren im Stoffgesetz (2.6) und (2.7)

Mit volumenkonstanten Körnern gilt


e H ˜ 1  e . (2.9)
Durch Verformungspfade mit konstantem H J ergeben sich unabhängig vom
Anfangszustand asymptotisch die zu H J gehörenden Zustandsgrenzen (Bild 2.4). Reine
Kompression (A) ergibt W o 0 und e o ei nach (2.1), daraus folgt m . Reine Scherung (B)
ergibt W o V c ˜ tan Mcs und e o ec , kontraktante Scherung (C) ergibt W V c o const  tan M cs
und V c const D und e zwischen ei und ec . Dilatante Scherung (D) ergibt einen Peak mit
W W p ! V c ˜ tan M cs . H J 1 mit J ! 0 führt zur Klaffung (E). Die Zustandsgrenzen sind
somit Attraktoren der Stoffgleichungen.
Bei Hin- und Herscherung mit V c const sind nach dem Richtungswechsel W J und H J
größer als davor (Bild 2.5). Daraus ergibt sich eine mit der Amplitude zunehmende
Hysterese. Mit W  V c ˜ tan M cs ergibt sich eine schrittweise Verdichtung, die mit e o ed
endet. Bei Wechseln von W zwischen 0 und d V c ˜ tan Mcs bei V c const ergibt sich eine
kumulative J -Zunahme, die nur durch Verdichtung allmählich geringer werden kann (Bild
2.6). Bei Hin- und Herscherung mit e const nimmt V c schrittweise ab bis auf Null.
Vibro-Hypoplastizität 7

e τ ε
d D c 0,05
100 A
1
A C
i B
B 0 A i B
0,05 γ
C D c
100 200 σ' [kPa]
E d
C D
0,5 E E
d c
101 10
2
σ' [kPa]
a b c
Bild 2.4: Übergänge zu Grenzporenzahlen (a) und Grenzspannungsverhältnissen (b) bei
verschiedenen Verformungspfaden (c)

Das übergroße Ratcheting wie in Bild 2.6 wird durch die Intergranulare Dehnung
vermieden (Niemunis und Herle 1997). Ihre zwei Komponenten (in unserer Vereinfachung)
U Ȗ und U İ sind begrenzt, U U Ȗ 2  U İ 2 d R , mit einer Stoffkonstanten R von ca. 10 6 bis
10 3 . Bei U 0 ist das Verhalten hypoelastisch mit (hier vereinfacht)

W G ˜J , Vc K ˜H. (2.10)

Bei U R und J ˜ U Ȗ  H ˜ U İ ! 0 ist das Verhalten hypoplastisch, bei J ˜ U Ȗ  H ˜ U İ  0 gilt


(2.10). Für Fälle dazwischen gilt eine Interpolationsformel. Durch zyklische Verformungen
oder Spannungen ergibt sich, außer an Zustandsgrenzen, bei verschwindend kleiner
Amplitude U o 0 . Durch monotone Verformungen ergibt sich U o R . Die räumliche
Fluktuation der Kornkontaktkräfte ist bei U 0 minimal, bei U R maximal. Damit ist die
Intergranulare Dehnung eine innere oder verborgene Zustandsvariable. Das derart erweiterte
Stoffgesetz möge elasto-hypoplastisch genannt werden.

3 Visko-Hypoplastizität
Für gesättigte bindige Erdstoffe mir sehr kleinen weichen Teilchen lassen sich
Zustandsgrenzen ebenfalls durch Bild 2.2a und (2.1) darstellen. Mcs ist bei fetten Tonböden
viel kleiner und mit Diatomeenresten (Krieg 2000) größer als bei körnigen Erdstoffen. e ist
wegen der weichen sperrigen Teilchen bei kleinem V c viel größer und bei großem V c
kleiner (Bild 3.1). e0 ist somit größer und hs mit ca. 0,5 bis 5 MPa viel kleiner. Daher ergibt
(2.1) im üblichen V c -Bereich nahezu die gewohnte Gerade, die Steigung O nimmt aber mit
größerem W V c etwas ab. hs ändert sich mit D J 2  H 2 annähernd gemäß

hs hsr ˜ D Dr I v , (3.1)
8 G. Gudehus

τ τ

-10-1 0 10-1 γ

0 10-1 γ
a
a

e
e
1
1

0,5
-10-1 10-1 γ 0,5
b 10-1 γ
b
Bild 2.5: Hypoplastische Entwicklung von Bild 2.6: Hypoplastische Entwicklung von
Schubspannung (a) und Porenzahl Schubspannung (a) und Porenzahl
(b) bei zyklischer Scherung mit (b) bei W-Schwellbelastung mit
konstantem V'  konstantem V'

mit dem Zähigkeitsindex I v zwischen ca. 0,02 und 0,05 und hs hsr für die Referenzrate
D Dr . Man kann die Grenzporenzahlen durch D -Isotachen darstellen (Bild 3.1), sie liegen
bei größerem D höher. Der zu e äquivalente Druck V e gilt für D Dr , seine Abhängigkeit
von W V c lässt sich durch

V e V ei (3.2)
>1  W V c ˜ tan M @
cs
2

darstellen. Darin folgt V ei aus (2.1) mit ei0 und hsr .

e log(D/Dr )=
2 3 0 -3

e
1
i
c
1 2 3d
0 10 10 10
σe σei σ' [kPa]
Bild 3.1: Von der Verformungsgeschwindigkeit D abhängige Grenzporenzahlen eines gesättigten
bindigen Erdstoffs
Vibro-Hypoplastizität 9

Das visko-hypoplastische Stoffgesetz (Niemunis 2003) lässt sich vereinfacht als (2.2) bis
(2.5) mit

Jp V c V e 1 I v ˜ g Ȗ ˜ Dr (3.3)

und

Hp V c V e 1 I v ˜ g İ ˜ Dr (3.4)

mit g Ȗ und g İ U ˜ g Ȗ nach Bild 2.2 und 2.3 schreiben. Durch Verformungspfade mit
konstantem H J und D ergeben sich asymptotisch die zugehörigen Zustandsgrenzen mit hs
nach (3.1) als Attraktoren der Stoffgleichungen. Für V c V e 1 I v  D Dr sind J p und H p
gegen J und H vernachlässigbar, dann ist das Verhalten hypoelastisch. Anderenfalls
ergeben sich mehrere viskoplastische Effekte. Die Intergranulare Dehnung kann
berücksichtigt werden (Niemunis 2003).

τ τ
log(D/Dr )=
3 0 6 3 6
c
6 3

6 0 3

a 0 0.1 γ b σ'

Bild 3.2: Schubspannungsentwicklung (a) und Spannungspfad (b) bei volumentreuer Scherung mit
verschiedenen Raten D

Bei Scherung mit e const nach Erstverdichtung erreicht W nach sprunghafter Änderung
von D den Betrag V c ˜ tan Mcs mit V c nach (2.1), ec 0 und hs nach (3.1) (Bild 3.2). Seit
Bjerrum (1973) und Leinenkugel (1976) wurde dies oft beobachtet. Ähnliche Übergänge
ergeben sich bei V e ! V c . Bei konstantem V c und W mit W  V c ˜ tan M cs ergibt sich Kriechen
mit H J G . Der Porenzahl-Zeit-Verlauf tendiert zu
e e0  I v ˜ O ˜ ln 1  Dr ˜ t (3.5)

umso rascher, je näher e dem zu D und V c gehörenden Zustandsgrenzwert anfangs ist.


Auch dies wurde oft beobachtet. Gemäß Bild 3.2 schlug Leinenkugel (1976) für den
Scherwiderstand ohne Dränage
cu cur V ec ˜ tan M cs ˜ >1  I v ˜ ln D Dr @ (3.6)

vor und begründete dies mit thermisch aktivierten Platzwechseln. Für Metalle zeigte Prandtl
(1928), dass die Faktoren c1 und c 2 in
c cr 1  c1 ˜ ln H c2 (3.7)
10 G. Gudehus

proportional zur absoluten Temperatur T und umgekehrt proportional zur


Aktivierungsenergie H a sind. Persson (2000) erhielt dieselbe Formel mit der Annahme von
Versetzungen wenige Nanometer großer Kristallite. c 2 ist proportional zu deren
Eigenfrequenz. Damit lässt sich auch das Reibungsgesetz W V c ˜ tan Mcs begründen: Der
Flächeninhalt von Kontaktinseln ist proportional zu V c , somit auch zu W . (3.7) gilt nicht für
D o 0 , dann ergibt sich lineare Viskosität, und auch nicht für sehr große D , weil dann
Erhitzung zum Schmelzen führt. Mit dem visko-hypoplastischen Stoffgesetz ergibt sich bei
J 0 und H 0 Relaxation mit W o 0 und
V c V 0 o 1  I v ˜ ln 1  Dr ˜ t , (3.8)

wie es Leinenkugel (1976) beobachtet hat. Für t o f werden (3.5) und (3.8) ungültig. Mit
einer Untergrenze von hs für D Dr ˜ exp  1 2 I v ergeben sich Untergrenzen von e und V c
nach sehr langer Zeit (Gudehus 2004a). Diese Attraktoren entsprechen thermodynamischen
Gleichgewichten.
Mit (3.7) statt (3.1) in (2.1) sowie I v ~ T H a und Dr ~ T H a ergeben sich Isotachen und
Isothermen der Grenzporenzahlen versus V c . Mit einer Referenztemperatur Tr , einem
Referenzwert I v I vr für T Tr , einer dazu gehörenden Referenzrate Dr und (3.7) oder
(3.1) kann man beide für (2.1) zusammenfassen, gemäß
I vr ˜T Tr
hs T § D ˜ Tr · § D ˜ Tr ·
1  I vr ˜ ˜ ln¨ ¸|¨ ¸ . (3.9)
hsr Tr ¨© Dr ˜ T ¸¹ ¨© Dr ˜ T ¸¹

Dies erklärt z. B. T -abhängige Erstverdichtungsverläufe von Krieg (2000).

4 Vibro-Hypoplastizität
ε τ

γ σ'

a b
Bild 4.1: Mittlerer und fluktuierender Verformungs- (a) und Spannungspfad (b)

T ist proportional zur chaotischen thermischen kinematischen Energie. Analog wurde für
granulare Gase eine granulare Temperatur Tg eingeführt. Bei sich mit quasistatischen
fluktuierenden Deformationen umlagernden Korngerüsten geht es so nicht. Man kann aber
Tg gemäß
Vibro-Hypoplastizität 11

Tg k g ˜ 'E c
1
2
2 2
˜ k g ˜ 'J c ˜ G  'H c ˜ K (4.1)

proportional zum mittleren fluktuierenden Anteil 'Ec der elastischen Energie ansetzen, mit
einer noch freien Konstanten kg . Verformungs- und Spannungspfade fluktuieren (Bild 4.1).
Im folgenden bezeichnen J , H , W und V c über etliche Zyklen geglättete Mittelwerte. Die
zyklischen Anteile 'J c und 'H c seinen chaotisch, ihre Frequenz f c möge aber etwa
konstant oder eine stetige Funktion der Zeit sein. Bei Erschütterungen mit
Partikelgeschwindigkeit vs gilt überdies
1 2
Tg ˜ k g ˜ U ˜ vs , (4.2)
2

was dem Tg für granulare Gase entspricht. Es wird postuliert, dass für Zustandsgrenzen
körniger Erdstoffe (2.1) mit
I vg ˜Tg Tgr
§ D ˜ Tgr ·
hs hsr ˜ ¨ ¸ (4.3)
¨ D ˜T ¸
© rg g ¹

gilt. Dies entspricht (3.9) mit Tg und I vg statt T und I vr . In einem e - log V c -Diagramm wird
(4.3) mit Isotachen und Pseudo-Isothermen dargestellt (Bild 4.2). Für die Mittelwerte soll
H J wie vorher von W V c abhängen. Mit (4.3) statt (3.1) ergibt sich aus (3.2) ein V e , das von
W V c , e und Tg abhängt.
e D / Drg Tg / Tgr

1 1000 1
1 1
0,5 1 10

2 3
101 10 10
0
σe σ' [kPa]
Bild 4.2: Isotachen und Pseudo-Isothermen von Zustandsgrenzen eines körnigen Erdstoffs für ein
bestimmtes H J

Das vibro-hypoplastische Stoffgesetz ergibt sich wieder mit (2.2) bis (2.5), aber nun gilt
T TI
§ V c · gr g vg
Jp g Ȗ ˜ Drg ˜ ¨¨ ¸¸ (4.4)
© V ec ¹

und
T TI
§ V c · gr g vg
Hp g İ ˜ Drg ˜ ¨¨ ¸¸ , (4.5)
© V ec ¹
12 G. Gudehus

wobei g Ȗ und g İ wie vorher von W V c abhängen. Bei konstantem Tg , f c und H J ergeben
sich wie in Abschnitt 3 die davon abhängigen Zustandsgrenzen als Attraktoren. Dazu liegen
allerdings bisher keine direkten Versuchsergebnisse vor.
Ein erster Realitätstest ist eine monotone Scherung mit konstantem V c und sprunghaft
veränderlichem D . Es ergeben sich Verläufe wie in Bild 3.2 mit derselben Herleitung.
Diese wurden mit Sand in Triaxialversuchen wiederholt beobachtet (z. B. di Benedetto et.
al. 2002). Das zur Anpassung geeignete I v | 0,02 wäre bei harten Körnern mit thermischer
Aktivierung zu groß (Gudehus 2004a). Eher dürfte eine autogene akustische Emission zu
einem – allerdings bisher nicht bestimmten - Tg geführt haben. Mit solchen Versuchen
lassen sich daher grundsätzlich, wenn auch die Mikroseismik beachtet wird , die
Materialkonstanten Tgr , I vg und kg ermitteln.
Ein zweiter Test ist das Vibro-Kriechen mit konstanten (mittleren) W und V c sowie
konstanten Tg . Bei W  V c ˜ tan M cs ergibt sich analog zu (3.5)
2
kİ ˜ H c
H | H 0  O ˜ I vg ˜ ˜ ln 1  cN ˜ N . (4.6)
Tgr

Dabei wurde mit der Annahme 'H c 'J c | const kg in (4.1) durch kİ ersetzt, außerdem
wurden (2.9) und H J const verwendet. N ist die Zyklenzahl, cN ist proportional zur
Zyklenfrequenz. Wie (3.5) gilt (4.6) umso besser, je näher e anfangs der zu W V c
gehörenden Grenzporenzahl ist. Von 'H c und N hängt H nach (4.6) wie in den Messungen
von Wichtmann et. al. (2004) ab. Somit kann man cN und I vg ˜ kH Tgr bestimmen.
Stationäres Vibro-Kriechen ergibt sich mit W V c ˜ tan M cs und e ec aus (2.1) mit (4.3). Dass
dann D bei größerem Tg und konstantem V c größer ist, entspricht der allgemeinen
Erfahrung. Messwerte liegen aber nicht dafür vor. Dies gilt auch für beschleunigtes
dilatantes Vibro-Kriechen. Ein weniger evidentes stationäres Vibro-Kriechen ergibt sich mit
W V c ˜ tan M cs auch bei e  ec . Dann gilt wie bei jedem Kriechen mit freier Dränage J J p
und H H p , überdies gilt wegen g İ 0 bei W V c ˜ tan M cs H 0 . Da V e erheblich größer als
V c ist, ergibt sich mit einem großen Tgr Tg ˜ I vg aus (4.4) ein sehr kleines J p , damit wegen
V e const
T T I
§ V c · g gr vg
J J 0  cN ˜ N ˜ ¨¨ ¸¸ (4.7)
© V ec ¹

mit N und cN wie in (4.6) und einem sehr kleinen Faktor hinter N . (4.7) wird durch
Triaxialversuche (Festag 2003) und granulardynamische Simulationen (Alonso-Marroquín
2004) bestätigt. So befremdend es erscheinen mag: Trotz unverändert dichter Lagerung
kann bei passendem W V c mit genügender Zyklenzahl die Gestaltänderung unbegrenzt
zunehmen. Solche Versuche können mit (4.7) die Konstanten cN und Tgr I vg liefern.
Vibro-Hypoplastizität 13

Bei voller Sättigung ergibt sich ohne Dränage bei W const analog zur Visko-
Hypoplastizität (Gudehus 2004a) eine allmählich rascher werdende Verformung bis zum
Bruch. Qualitativ entspricht dies der sogenannten Verflüssigung oder zyklischen Mobilität.
Analog zu (3.8) ergibt sich bei J 0 und H 0 Vibro-Relaxation, dazu liegen allerdings
keine direkten Versuche vor. Das Verschwinden überhöhter Erddruckanteile an unbewegten
Wänden durch Erschütterungen ist jedoch ein klarer Beweis. Vibro- und visko-
hypoplastisch ergeben sich asymptotisch fast hydrostatische Erdruhedrücke.
Mit Hypoplastizität und Intergranularer Dehnung ergeben sich ähnliche Asymptoten wie
mit Vibro-Hypoplastizität. Hypoelastisches Verhalten ergibt sich mit U o 0 , aber auch mit
T TI
§ V c · gr g vg
¨¨ ¸¸  1. (4.8)
© V ec ¹

Hypoplastisches Verhalten mit U R entspricht dem vibro-hypoplastischen bei passenden


Tgr näherungsweise, letztere ist bisher freilich nicht bestimmt worden. Der vollen
Übereinstimmung steht der Faktor 1  I d D im Weg, der bei e  ed ohnehin Probleme
bereitet (Niemunis 2003). Zur Interpolation bei der Intergranularen Dehnung, die
verbesserungsfähig ist, lässt sich im Lichte der Vibro-Hypoplastizität noch nichts sagen. Es
bleibt zu hoffen, dass die verbliebenen Ungereimtheiten durch eine Vereinigung der drei
hypoplastischen Theorien behoben werden können.

5 Schlussbemerkungen
Zur Überprüfung des vibro-hypoplastischen Stoffgesetzes mit Triaxialversuchen ist dieses
für zylindrische Verformungen anzuschreiben. In vorliegenden Formeln (Niemunis 2003,
Gudehus 2004a) sind dafür lediglich I v und Dr wie in Abschnitt 4 durch Ausdrücke mit Tg
zu ersetzen. Wir führen Versuche mit Korundsand durch, um Abrasion und Fragmentation
zu vermeiden. Die zyklische Beanspruchung ist quasistatisch und stochastisch mit
konstanter Frequenz. Mit (4.6) und (4.7) ergeben sich die Materialkonstanten. Auch
mikroseismische Messungen bei Versuchen mit variablem D ohne zyklische
Beanspruchungen sind vorgesehen. Granulardynamische Berechnungen werden in Stuttgart
bei Prof. Hermann fortgesetzt. Gemeinsam wollen wir herausfinden, was granulare
Temperatur bei Umlagerungen und Zustandsänderungen von Korngerüsten genau bedeutet.
Granulardynamisch ist auch der Zusammenhang zwischen Intergranularer Dehnung und
Fluktuation der Kornkontaktkräfte weiter zu klären (Alonso-Marroquín 2004). Die
Granulatdynamik könnte zu objektiven Bezugsgrößen Tgr und I vg führen und die Rolle der
autogenen Vibrationen verdeutlichen. Von der Annahme nur einer dominierenden
Fluktuationsfrequenz wird man sich über kurz oder lang befreien können und müssen.
Auch Vorgänge mit veränderlicher zyklischer Beanspruchung wollen wir in
Triaxialversuchen mit Korundsand beobachten. Zunächst geht es um Übergänge auf
14 G. Gudehus

verschiedene Tg entsprechende Zustandsgrenzen, also um die Überprüfung diesbezüglicher


Hypothesen. Überdies gilt es, numerische Methoden für solche Übergänge zu finden, wobei
das asymptotische Verhalten zu nutzen ist. Last not least geht es um Genauigkeitsgrenzen
und möglichst einfache Bestimmung der Stoffkenngrößen.
Vor der Auswertung von Versuchsergebnissen mit körnigen Erdstoffen sind Abrasion und
Fragmentation in der Theorie zu berücksichtigen. Zumindest Abrasion ist bei Versuchen mit
sehr vielen Zyklen unvermeidbar und auch erkennbar (Festag 2003). Zu beachten ist, dass
Körner mit Wasser eine geringere Oberflächenenergie als ohne dieses haben und daher
leichter brechen. Kornbeschädigungen verändern hypoplastische Kenngrößen: e0 in (2.1)
wird kleiner, hs und n werden durch Abrasion größer und durch Fragmentation kleiner.
Hierfür sind Evolutionsgleichungen zu formulieren, die nicht nur für vibratorische
Beanspruchungen Bedeutung haben werden.
Zur Anwendung auf Anfangs-Randwertprobleme ist das vibro-hypoplastische Stoffgesetz
tensoriell zu formulieren. Mit vorliegenden Formeln (Niemunis 2003, Gudehus 2004a) und
den Ansätzen von Abschnitt 4 ist dies kein Problem. Anfangs- und Randbedingungen für
die Mittelwerte kann man wie mit Visko-Hypoplastizität formulieren. Auch an den
hydraulischen Anfangs- und Randbedingungen, dem Filtrationsgesetz und Ansätzen für
Dichteänderungen des Porenfluids braucht man nichts zu ändern. Neuland ist bei den
Erschütterungen zu betreten. Eine Berechnung von zyklischen Deformationsanteilen und
Frequenzen wird man wegen des Aufwands allenfalls linear durchführen können, also
approximativ. In Verbindung mit Erschütterungsmessungen, die vs und f c liefern, dürfte Tg
via (4.2) von Nutzen sein, für die räumliche Interpolation bedarf es dann
Näherungslösungen der genannten Art.
Eine ausführlichere Darstellung mir mehr Physik wird demnächst veröffentlicht (Gudehus
2004b). Zur Validierung eignen sich – wie immer – Modell- und Großversuche mit
wohldefinierten einfachen Anfangs- und Randbedingungen und Stoffverteilungen. Erst
danach besteht die Chance, das Versagen der Gründungen von Maschinen oder
Verkehrsbauwerken sowie die Selbstheilung nach Stürmen oder Starkbeben zutreffend
vorherzusagen.
ǼʌȚįȒ ĮȣIJȩ IJȠ ȐȡșȡȠ ȖȡȐijIJȘțİ ıIJȘȞ ǼȜȜȐįĮ İʌȚIJȡȑʌȠȣȞIJĮȚ ȜíȖĮ ȜȩȖȚĮ ȖȚĮ IJȠȞ İȟȚȞIJȐȡȘ-
ȞİĮȡȩ ıIJȘȞ µȘIJȡȚțȒ ȖȜȫııĮ IJȠȣ. ȆȡȫIJĮ-ʌȡȫIJĮ İȪȤȠµĮȚ ȞȐ ȑȤİȚȢ ȣȖİȓĮ, įȪȞĮµȘ țĮȚ ȤĮȡȐ,
įȘȜĮįȒ IJȘȞ İȣȜȠȖȓĮ IJȠȣ ĬİȠȪ ıIJȒȞ ȗȦȒ ıȠȣ. Ǿ İįĮijȠįȣȞĮµȚțȒ ȑȤİȚ µȚĮ µİȖȐȜȘ ʌĮȡȐįȠıȘ
ıIJȠ ǺİȡȠȜȓȞȠ ĮʌȠ IJȘȢ ʌȡȫIJİȢ įȠȣȜȚȑȢ IJȠȣ Lorenz țĮȚ IJȠȣ ȆȓʌʌĮ. ǼȪȤȠµĮȚ ȞĮ ıȣȞİȤİȓıİȚȢ
IJȘȢ ȑȜȜȘȞȠ-ȖİȡµĮȞȚțȑȢ ȑȡİȣȞİȢ ıIJȠ ȓįȚȠ șȑµĮ µİ ȤĮȡȐ țĮȚ İʌȚIJȣȤİȓĮ. ȋȡȩȞȚĮ ʌȠȜȜȐ!
Vibro-Hypoplastizität 15

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16 G. Gudehus

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Balkema, p. 233-246.
17

Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast

Holzlöhner, Ulrich

Zusammenfassung
Es werden Setzungen von Fundamenten auf Sand unter Gebrauchslast berechnet und mit
Messungen aus der Literatur verglichen. Das zugrundeliegende Materialgesetz wird aus
mikromechanischen Vorstellungen entwickelt. Es besteht aus zwei Anteilen, von denen der
eine ödometrische Deformation beschreibt. Es zeigt sich, dass dieser die Setzungen
weitgehend bestimmt. Es kann so ein einfaches Materialgesetz entwickelt werden, dessen
wichtigster Bestandteil nur den Ödometerversuch zur Kenngrößenbestimmung verlangt. Mit
einer Reihe von Rechenbeispiele wird die Anwendbarkeit des Verfahrens gezeigt.

1 Einleitung
Für die Ermittlung von Fundamentsetzung gibt es heute einerseits traditionelle einfache
Verfahren, die auf elastischen Stoffmodellen beruhen und in sich mechanisch nicht
konsistent sind, (Schultze und Horn 1996), andererseits ausgefeilte FEM-Programme, die
für einfache Probleme aufwendig sind und nicht immer zuverlässigere Ergebnisse bringen.
Hier soll ein Mittelweg beschritten werden: Es soll ein theoretisch begründetes
Materialgesetz entwickelt werden, das einfach, anschaulich und leicht handhabbar ist, aber
doch die wesentlichen Einflüsse berücksichtigt, die die Setzung bestimmen.

2 Mikromechanische Überlegungen
Schon Kögler (1933) hatte erkannt, dass sich Sand recht unterschiedlich verhalten kann, je
nachdem, ob er die Möglichkeit hat, seitlich auszuweichen oder nicht.
Wenn der Sand seitlich ausweichen kann, wird er mit wachsender Belastung weicher, wenn
nicht, wird er härter. Das Spannungs-Dehnungsverhalten ist also sehr unterschiedlich, wie
es sich deutlich im Verhalten von Triaxial- und Ödometerproben zeigt: Im Standard-
Triaxialversuch nimmt die Steifigkeit mit der Belastung ab, im Ödometer zu.
Die Mechanik versucht einem solchen unterschiedlichen Verhalten traditionell durch
Aufteilung des Spannungstensors in hydrostatischen Druck und Deviator gerecht zu werden.
Hiermit kann man das Verhalten von Stoffen folgendermaßen beschreiben: Der Drucktensor
erzeugt nur Deformation, wenn der Stoff kompressibel ist, der Deviator beschreibt das
18 U. Holzlöhner

Verhalten bei reiner Scherbeanspruchung. So scheint es, als sei diese Aufteilung geeignet,
das geschilderte Verhalten  Verdichtung und Verdrängung  zu beschreiben. Dem ist aber
nicht so, wie Dietrich (1977) gezeigt hat.
Dietrich (1977) hat seinen psammischen Stoff aus mikromechanischen Vorstellung
entwickelt. Bild 1 zeigt ein Kornhaufwerk aus starren und unzerbrechlichen Sandkörnern.
Es sei die Gültigkeit des Coulombschen Reibungsgesetzes angenommen. Dann gilt
offenbar: Wenn man alle äußeren Kräfte Pi um den gleichen Faktor erhöht, gibt es keinerlei
Deformation des Kornhaufwerks. In die Ebene der Kontinuumsmechanik übertragen heißt
das: Wenn man alle Spannungskomponenten um den gleichen Faktor erhöht – d.h., wenn
nur der Betrag der Spannung erhöht wird  gibt es keine Deformation.

Pi Pi

Bild 1: Kornhaufwerk im Gleichgewicht.


Dietrich nimmt deshalb den Spannungsbetrag als einen der Anteile an. Komplementär
hierzu ist die Spannungsrichtung. Betrag und Richtung sind in Tensorschreibweise

V V ..V Vˆ V/ V V / V..V (1)

Spannungsrichtung deshalb, weil sie die Richtung der Spannung im Spannungsraum


wiedergibt. Das darf man nicht verwechseln mit der Richtung einer Spannungskomponente
im physikalischen Raum. Also z.B. die Senkrechte als Richtung der Eigengewichts-
spannung.
Wir wollen uns an einem Beispiel klarmachen, was Betrag und Richtung heißen. Betrachten
wir einen Sandkörper, der durch Sedimentation entstanden sei. Es wirke nur das
Eigengewicht der Körner. Der Spannungstensor ist dann

V0 = {O0˜J˜z; O0˜J˜z; J˜z} (2)

Betrag und Richtung sind für V = V0


Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 19

­O0 ½
2 1 ° °
V0 2O  1
0 Vˆ 0
2
®O0 ¾ (3)
2O0  1 ° °
¯1¿
Eine Zusatzspannung V infolge einer Belastung wird nun in die Richtung der
Ausgangsspannung und senkrecht dazu zerlegt, (Dietrich 1977). Das ergibt

sed Vˆ 0Vˆ 0 ..V (4)

und

dev V  sed V  Vˆ 0Vˆ 0 ..V (5)

Wenn V0 die Ausgangsspannung nach Sedimentation ist, werden diese Spannungsanteile


hier Sedimentor (sed) und Deviation (dev) genannt. Der Ausdruck Deviator ist ja schon
vergeben. Bild 2 zeigt die Zerlegung im Hauptspannungsraum.

Vz

Vij
V0 dev sed

Vx

Bild 2: Zerlegung der Spannung V im Hauptspannungsraum (x-z-Ebene).

Die Zerlegung in Drucktensor und Deviator sähe im Hauptspannungsraum der Zerlegung


des Bildes 2 ähnlich. Es besteht jedoch ein großer Unterschied: Der hydrostatische Druck
hat in allen physikalischen Richtungen denselben Wert. Beim Sedimentor ist dagegen die
vertikale Spannung größer als die horizontalen.
Dietrich führt die Zerlegung in Betrag und Richtung in jedem Lastinkrement durch. Die
Ausgangsspannung ist dann die Gesamtspannung nach dem jeweils vorangehenden
Lastschritt. Bei realem Sand werden sicherlich beide Anteile, in Richtung der Ausgangs-
spannung und senkrecht dazu, zur Deformation beitragen. Dietrich nimmt nun aber starre
und unzerbrechliche Körner an. Als einziger Mechanismus wirkt dann Coulombsche
Reibung. Wird die Spannungsrichtung nicht geändert sondern nur der Betrag, d.h. wachsen
alle Spannungskomponenten im gleichen Verhältnis an, dann können sich keine
20 U. Holzlöhner

Deformationen ergeben. Bei Dietrichs psammischem Stoff kommt es also nur dann zu
Deformationen, wenn sich die Spannungsrichtung ändert.
Was das bedeutet, erkennt man, wenn V0 der sedimentierte Spannungszustand ist. Wenn die
Zusatzspannung gerade in die Richtung des Sedimentors fällt, d.h. eine Spannung wie im
Ödometer aufgebracht wird, gibt es nach Dietrich keine Deformation. Diese
’Ödometerverformung’ wird bei Dietrich weggelassen. Auch das Modell von Dietrich &
Arslan (1985), das starre aber zerbrechliche Körner annimmt, hat diese Beschränkung, s.
(Holzlöhner 2001). Das hat natürlich nur bei solchen Problemen Sinn, bei denen die
Ödometerverformung gegenüber der Verdrängung des Bodens vernachlässigbar ist, z.B.
wenn das System zum Bruch hin belastet wird.
Hier soll jedoch die Setzung von Fundamenten im Gebrauchslastfall untersucht werden. Da
hierfür gerade die ödometrische Verformung als sehr wichtig oder sogar maßgebend
erscheint, werden beide Anteile berücksichtigt. In dieser Beziehung wird das Dietrichsche
Modell erweitert. Anderseits wird eine gravierende Beschränkung eingeführt. Es wird
ausschließlich die Fundamentsetzung betrachtet. Die Fundamentlast wird nicht inkrementell
sondern in nur einem Lastschritt aufgebracht, und für die gesamte Belastung ist der
sedimentierte Spannungszustand die Ausgangsspannung.

3 Material
Das Materialgesetz wird als die Summe zweier Anteile formuliert, von denen einer nur vom
Sedimentor, der andere nur von der Deviation abhängt. Die Ableitung kann hier aus
Platzgründen nicht gezeigt werden. Bei ebener Deformation hat es die Form

­H x ½ § ª0 0 0º ª fO  O0 f O 0º ·­V x ½
° ° ¨ 1 «O 3 ¸° °
®H z ¾ ¨ 2 « 0 1 0»»  « f
« O O0 f O 0»» ¸®V z ¾ (6)
¨ (1  O0 ) Es 2 EV
°J °
¯ xz ¿ © «¬ 0 0 0»¼ «¬ 0 0 2»¼ ¸¹°¯W xz °¿
Den Beitrag des ersten Summanden kann man als Ödometerdeformation bezeichnen, und
zwar aus folgendem Grund. Wenn z.B. ein reiner Sedimentationsspannungszustand
{Vx=O0·Vz; Vz} aufgebracht wird, liefert der zweite Summand nichts, und aus dem ersten
ergibt sich {Hx = 0; Hz = Vz/Es}. Das ist gerade die Verformung im Ödometer mit Es als
Steifemodul. Der zweite Anteil wird Deviationsdeformation genannt. Der erste Summand
beschreibt Verdichtung, der zweite Verdrängung. Der Modul EV ist die Entsprechung zu Es
für den Deviationsanteil. In Gl. (6) tritt noch eine dritte Materialgröße auf, der Ruhedruck-
beiwert O0, den man z.B. mit der Formel

O0 1  sin M (7)

abschätzen kann. Bei ij = 30° ist Ȝ0 = 0.5. fȜ ist eine Funktion von O0.
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 21

1
fO (8)
1  O20
Die Ödometerdeformation ist stark eingeschränkt. Es besteht also eine Zwangsbedingung.
Allgemein ist eine Zwangsbedingung eine Beschränkung der Freiheitsgrade der Dehnung.
Die Zwangsbedingung des Sedimentors ist Hx=0 und Jxz=0.
Auch der Deviationsanteil unterliegt einer Zwangsbedingung, da er ja auf einen Sedimentor
mit null Deformation reagiert. Wie Gl. (6) zeigt, wurde speziell Inkompressibilität
angenommen. Jeder der Anteile allein besitzt eine Zwangsbedingung, die Summe beider
Anteile ist jedoch zu allen Deformationen fähig.
Für den Steifemodul wird die bekannte Beziehung
1D s D s
Es CV at Vz (9)

verwendet. Hierbei ist C eine dimensionslose Konstanten C, Vat der atmosphärische


Luftdruck als Vergleichsgröße, Vz die Vertikalspannung und Ds ein Exponent. Es ergibt sich
aus der Tangente an die Erstbelastungskurve im Ödometerversuch.
Bei einem Bodenkörper nach der Sedimentation ist Vz die Eigengewichtsspannung. Sie
bestimmt am Anfang die Steifezahl, die mit der Tiefe zunimmt. Diese Steifezahl ist für den
Sedimentor-Belastungsanteil des Bodenelements in der Tiefe z infolge einer
Zusatzbelastung maßgebend. Wenn die Zusatzbelastung klein gegen die
Eigengewichtsspannungen ist, reagiert das ganze System linear. Man darf hieraus aber
nicht schließen, weil die Beziehung linear ist, ist das Materialgesetz elastisch. Elastische
Anteile treten bei Ent- und Wiederbelastung auf. Sie werden hier ganz weggelassen.
Der erste Term in Gl. (6) ist also das Materialgesetz für den ödometrischen Anteil der
Boden-Verformung bei ebener Deformation. Die direkte Beziehung zum Ödometerversuch
sehe ich als eine Stärke des Ansatzes an. Der Ödometerversuch ist ja der einfachste
Spannungs-Deformations-Versuch, den man mit Boden machen kann. Er wird daher gern
zur Bestimmung der Steifigkeit des Bodens verwendet, wenn Setzungen ermittelt werden.
Die Vorstellung dabei ist, dass sich die Spannungsrichtung nur wenig gegenüber der bei der
Sedimentation ändert. Das wird hier nicht vorausgesetzt. Hier wird der Spannungsanteil
ermittelt, der in Richtung der Sedimentationsspannungen fällt. Dieser ruft dann gemäß Gl.
(6) Sedimentationssetzungen hervor. Ob er für die Fundamentsetzungen maßgebend ist,
werden die Berechnungen zeigen.
Der zweite Deformationsanteil, der die Wirkung der Deviation wiedergibt, hängt vom
Modul

EV EdE ( J 2 ' )  ( E 1) / 2 (10)


22 U. Holzlöhner

ab. Er ist nichtlinear durch die zweite Invariante J2’, die aus den Deviations-Spannungen
gebildet wird, wobei der Exponent ȕ den Grad der Nichtlinearität bestimmt. Ed kann man
analog zu Gl. (9)

Ed D V at1D V Dz (11)

schreiben, wobei D eine dimensionslose Konstante und der Exponent D von Ds verschieden
ist. Die Exponenten D von Ds beschreiben die Zunahme der Module mit der Spannung Vz
beziehungsweise mit der Tiefe.
Bei Erstbelastung herrscht im Allgemeinen eine nichtlineare Spannungs-Dehnungs-
Beziehung. Dietrich (1977) weist darauf hin, dass nur bei einer geraden Fortsetzung des
Spannungspfades eine lineare Approximation der Dehnung möglich ist. So kann die
Ödometerdeformation linear approximiert werden, wenn die Zusatzbelastung klein gegen
die Sedimentationsspannung ist. Anderenfalls muss ein mittlerer Steifemodul Es ermittelt
werden, wodurch eine Nichtlinearität in das System kommt.
Für die Deviationsdeformation gibt es dagegen keine gerade Fortsetzung des
Spannungspfades, weil die Ausgangsspannung keinen Deviationsanteil enthält. Es gibt also
hier keine lineare Approximation der Dehnung. Deshalb wird hier ähnlich wie bei
Dietrich(1977) für diesen Anteil eine Parabel, beschrieben durch den Exponenten ȕ,
verwendet.

4 Analytische Lösungen
Der Halbraum ist ein einfaches Modell für den Baugrund. Einfach deshalb, weil er nicht zur
Beschreibung seiner Geometrie sondern nur über das Material dimensionsbehaftete
Parameter besitzt. Man kann ihn sich auch leicht vorstellen: Waagerechte Oberfläche, zur
Seite und nach unten unendlich ausgedehnt.
Trotzdem wird es schwierig, wenn man einen belasteten Halbraum berechnen will. Wenn
man analytische Lösungen anstrebt, muss man einfache Annahmen hinsichtlich Material
und Geometrie der Lasteinleitung machen. Diese Vereinfachungen beschränken die
Brauchbarkeit der erzielten Ergebnisse. Sie sind jedoch oft noch immer Grundlage für die
Voraussage für einige Probleme.
Während man zunächst einen homogenen elastischen Halbraum betrachtete, kann man heute
auch stetige Heterogenitäten und geschichtete Systeme behandeln. Holzlöhner (2001) hat
analytische Lösungen für einen heterogenen, nichtlinearen Halbraum ermittelt, bei dem nur
Deviator-Deformationen zugelassen sind. Entsprechend kann man auch für den
Deviationsanteil analytische Lösungen ermitteln, was hier aber nicht ausgeführt wird.
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 23

Ein analytisches Modell hat immer den Nachteil, dass es einfach sein muss, damit man
überhaupt eine Lösung erhält. Da nach dem Vorhergesagten die Fundamentsetzungen
annähernd linear erscheinen, könnte es ausreichen, einen linearen Halbraum aus einem
Material, das allein durch den ödometrischen Anteil beschrieben ist, zu betrachten und
versuchen, hierfür eine geschlossene Lösung zu ermitteln.
Ein solches Material wäre durch den ersten Term von Gl. (6) beschrieben. Bei einem
homogen sedimentierten Halbraum ergibt sich die vertikale Spannung, die nach (9) den
Steifemodul bestimmt, aus dem Eigengewicht. Die Oberfläche sei mit einer vertikalen
Linienlast p belastet.
Für dieses Problem gibt es tatsächlich eine analytische Lösung. Sie ist sogar sehr einfach,
nämlich
p
w 0.3601 z D s (12)
CV 1atD s J D s

Sie erscheint nur leider nicht recht praxistauglich: Die Verschiebungen hängen nur von der
Tiefe z ab, nicht von der horizontalen Koordinate x. D.h. der Boden setzt sich schichtweise
gleichmäßig. Das passt gar nicht zur Linienlast an der Oberfläche. Mathematisch ist die
Lösung dennoch korrekt: Das System baut an der Oberfläche eine unendlich große
horizontale Spannung auf und erzwingt damit die gleichmäßige Setzung. Natürlich ist ein
realer Boden zu einem solchen Verhalten nicht fähig. Die Lösung folgt aus dem
angenommenen Materialgesetz, das nur vertikale Setzung zulässt. Dieser Anteil allein wird
nicht geeignet sein, die Deformation des Bodens unter einem Fundament zu beschreiben.
Man muss also wenigstens einen kleinen Anteil von Deviationsdeformation hinzufügen.
Auf diese Weise sind auch die Zwangsbedingungen aufgehoben.
Grundsätzlich können sich auch für Deformationsanteile mit einer Zwangsbedingung
vernünftige Lösungen ergeben. So z.B., wie oben erwähnt, für den Deviatoranteil allein, s.
(Holzlöhner 2001).
Man kann also nicht aus dem ödometrischen Deformationsanteil allein eine einfache
Lösung des Fundamentsetzungsproblems ermitteln. Analytische Berechnungen zeigen
jedoch, dass man nur einen sehr kleinen Deviationsanteil hinzufügen muss, damit sich eine
vernünftige Lösung ergibt. Auf diese Weise erhält man eine Art Grenzwert für den
ödometrischen Deformationsanteil allein. Die mittlere vertikale Verschiebung im
Laststreifen beträgt für die Streifenlast q und der Fundamentbreite B ungefähr
Bq
wm | 1.5 1D s D s
(13)
CV at J

Er wird auch durch die mit der FE-Methode berechneten Beispiele bestätigt.
24 U. Holzlöhner

5 Berechnungen
Die Beispiele werden alle mit dem FEM-Programm Matlab, pdetool, berechnet. Das
Programm gestattet nichtlineare Systeme und verfügt über automatische Netzgeneration und
automatische Netzverfeinerung an den Punkten, wo dies notwendig erscheint. Es werden
Streifenlasten oder Streifenfundamente betrachtet.
Zunächst wird ein Halbraum mit Steifemodulen nach den Gln. (9) bis (11) betrachtet, deren
Werte an der Oberfläche mit Null beginnen. Folgende Zahlenwerte für die Größen in diesen
Gleichungen werden verwendet:
Vat = 0.1Mpa, J = 0.0165 MN/m³, C=220, D= 22.4, Ȝ0 = 0.5, Ds = 0.5, D = 0.8, ȕ =1.8
Für mitteldichten Sand ist C = 220 ein vernünftiger Wert, s. z.B. (v. Soos 1996). Die
Deviationskonstante D wurde aus einem Triaxialversuch zu D = 22.4 bestimmt. Die
Methode kann hier nicht erläutert werden. Es sei jedoch daran erinnert, dass hier
hauptsächlich die Setzungen unter Gebrauchslast berechnet werden sollen, wofür die genaue
Größe von D nicht so wichtig ist
Für den ödometrischen Anteil wird Ds = 0.5 und Linearität angenommen, für die
Deviationsanteil D = 0.8 und eine ausgeprägte Nichtlinearität ȕ = 1.8. Auch in (Holzlöhner
2001) wurde mit D = 0.8 und ȕ = 1.8 gerechnet. Als Raumgewicht wurde J = 0.0165 MN/m³
angesetzt. Der atmosphärische Druck ist Vat = 0.1 MPa
Bei allen Berechnungen wird eine Fundamentbreite von B = 2m und ein FE-Modell von
10m Breite und 5m Tiefe verwendet. Die Last ist vertikal und symmetrisch. Wegen
Symmetrie um die Fundamentachse, braucht nur das halbe Modell betrachtet zu werden.
Die Koordinaten sind x (horizontal) und z (vertikal). Die Randbedingungen wurden mit dem
Programm Mathematica aus einer analytischen Lösung für eine Linienlast ermittelt. An den
Seiten werden die Spannungen Vx und Wxz , unten die Schubspannung Wxz und die vertikale
Verschiebung w angesetzt.
Die beschriebenen Annahmen bezüglich Material und Randbedingungen seien R0-
Bedingungen genannt.
Es werden Streifenlasten q zwischen 0.001 MPa und 1 MPa betrachtet. Da es hier um
Gebrauchslasten gehen soll, ist ein Vergleich mit dem aufnehmbaren Sohldruck nach DIN
1054 (2003) sinnvoll. Für Fundamente auf nichtbindigem Boden mit Setzungsbegrenzung
ergeben sich aus der Tabelle A.2 für eine Fundamentbreite von 2 m und für Einbindetiefen
von 0.5 bez. 1 m Sohldrücke von 0.28 bez. 0.31 MPa. Andererseits ergeben sich nach DIN
4014 (1996) für einen Reibungswinkel von ij=30° und eine Fundamentbreite von 2 m
Bruchlasten von 0.33 MPa ohne und 0.627 MPa mit einer Einbindetiefe von 1 m. Bei ij=35°
sind diese Werte rund doppelt so groß.
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 25

0.4

Verschiebung w/q in m/MPa 0.2

-0.2
0.001 0.01
-0.4 0.03

0.1
-0.6

0.3
-0.8

-1
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Abstand x in m

Bild 3: Oberflächenverschiebungen infolge einer Streifenlast auf dem Baugrund für verschiedene
Streifenlasten q in MPa, R0-Bedingungen.
Bild 3 zeigt die Oberflächenverschiebungen infolge einer schlaffen Last. Die vertikalen
Oberflächenverschiebungen w sind auf die Spannung q im Laststreifen bezogen, damit man
die einzelnen Belastungsfälle besser miteinander vergleichen kann. Für q = 0.001 MPa hat
die Setzungsmulde die Form, wie man sie vom elastischen Halbraum her kennt. Für q =
0.03 MPa bilden sich an den Fundamentkanten Verschiebungsspitzen aus, die sich mit
steigendem q immer mehr ausprägen. Sie sind auf den Deviationsanteil zurückzuführen.
Diese Erscheinung wurde auch von Holzlöhner (2001) für den verwandten nichtlinearen
Deviator-Halbraum auf analytischem Weg gefunden. Die Spitzen können in Wirklichkeit
nicht entstehen, weil dort die Festigkeit überschritten wäre. Bruchvorgänge können von dem
hier verwendeten Modell jedoch nicht abgebildet werden.
Für q = 0.001 MPa ergibt sich eine mittlere bezogene Verschiebung wm/q = 0.3795 im
Laststreifen. Dieser Wert unterscheidet sich nur wenig von dem Grenzwert 0.3357 für einen
Halbraum mit rein ödometrischer Deformation, den man aus Gl. (13) erhält, wenn man dort
B = 2m und die oben angegebenen Materialkennwerte einsetzt Kleinere Lasten als q =
0.001 MPa konnten nicht gerechnet werde, weil man dabei der ödometrischen Zwangs-
bedingung zu nahe kommt, wodurch das FE-Modell instabil wird.
Bild 3 sagt auch etwas über Linearität oder Nichtlinearität aus: Bis q = 0.1 MPa hat w/q in
etwa denselben Wert, d.h. das Fundament-Boden-System ist linear. Für größere Lasten wird
es allmählich nichtlinear.
26 U. Holzlöhner

Im linearen Bereich ist wm/q etwa 0.4 m/MPa (= mm/kPa). Verglichen mit den von Burland
et al. (1977) zusammengestellten Messungen, s. Bild 4 – für die Darstellung wurde
offensichtlich auch Linearität angenommen , ist dieser Wert sehr groß. Für eine
Fundamentbreite von B=2m und für mitteldichten Sand wäre eher ein Wert von 0.05 bis
0.06 zu erwarten. Die errechneten Setzungen sind also etwa um einen Faktor 7 zu groß. Was
könnte der Grund hierfür sein?
Drei wesentliche Unterschiede bestehen zwischen dem idealen Berechnungsmodell und den
Bedingungen bei den Setzungsmessungen:
1. Das Rechenmodell ist eben. Die Setzungsmessungen beziehen sich auf Rechteck- und
Kreisfundamente. Der Einfluss der tieferen Schichten ist deshalb kleiner als in den
Berechnungen.
2. Die Module beginnen jeweils mit dem Wert null an der Oberfläche. Das wäre aber nur
dann der Fall, wenn man einen ideal sedimentierten Baugrund, wie von einer Rieselanlage
hergestellt, hätte. In der Praxis hat man jedoch immer eine Einbindetiefe und damit von null
verschiedene Module in der Sohlfläche.
3. Hiermit zusammen hängt auch der Effekt, dass mit wachsenden Bodenspannungen
infolge der Fundamentlast der Steifemodul ansteigt.
Deshalb werden folgende ’realistischere’ Bedingungen eingeführt:
1. Als Randbedingungen im FE-Modell werden zwar die oben angegebenen Spannungen
beibehalten, die Verschiebung in 5m Tiefe wird aber gleich null gesetzt, um der begrenzten
Länge des realen Rechteckfundaments gerecht zu werden.
2. Es wird eine Einbindetiefe ze angesetzt. Dadurch beginnen die Module in der Sohlfläche
mit dem z = ze zugehörigen Wert.
3. Bei der Ermittlung des Steifemoduls Es werden auch die Bodenspannungen infolge der
Fundamentlast berücksichtigt.
Der Steifemodul ist ein Tangentenmodul. Wenn die Belastung aus dem Fundament gegen
die aus Eigengewicht erheblich ist, nimmt der Steifemodul mit der Belastung zu. Diesen
Einfluss kann man wie folgt berücksichtigen:
Allgemein kann man Gl. (9) schreiben

Es 1D s
CV at V A  V z D s (14)

Hierbei ist VA = J·z, die Vertikalspannung nach Sedimentation und Vz die Spannung aus der
zusätzlichen Fundamentbelastung.
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 27

Bild 4: Gemessene Fundamentsetzungen in Abhängigkeit von Fundamentbreite und Sanddichte,


(Burland et al. 1977).
Eigentlich müsste man inkrementell belasten und den passenden Es-Wert für jedes Intervall
nach (14) ermitteln und die Dehnungsinkremente aufaddieren. Bei proportionaler Belastung,
d.h., wenn die Spannungsrichtung dieser zusätzlichen Belastung während des
Belastungsprozesses konstant bleibt, kann man einen Sehnen-Modul Es,Sehne so bestimmen,
dass damit in nur einem Schritt dieselbe Dehnung wie intervallweise errechnet wird. Im
Intervall ist

dV z
dH z , sed (15)
Es
Einsetzen von (14) und Integration von 0 bis Vz ergibt für Ds = 0.5

H z , sed
2
V A V z  V A (16)
C V at
Da anderseits

Vz
H z , sed (17)
Es , Sehne
ergibt Gleichsetzen von (16) und (17)

0.5 C V at V z
Es , Sehne (18)
V A V z  V A
28 U. Holzlöhner

Diese Anpassung des Moduls an die tatsächliche Spannung Vz ist für Ed nicht notwendig,
weil Ed kein Tangentenmodul ist. Vielmehr wird mit Gl. (10) der parabelförmige Verlauf
der Deviations-Deformation beschrieben.
Von den drei Änderungen hat die Berücksichtigung der Einbindetiefe den größten Effekt.
Die folgenden Beispiele werden mit den neuen Bedingungen, R1-Bedingungen genannt,
gerechnet, wobei die angesetzte Einbindetiefe jeweils angegeben wird.
Bild 5 zeigt die Auswirkung dieser Änderungen. Im Unterschied zu Bild 3 wird ein starres
Fundament betrachtet; q steht jetzt für die durchschnittliche Sohlspannung. Man erkennt,
dass die Fundamentverschiebungen w/q bei gleicher Last wesentlich kleiner als die
mittleren Streifenverschiebungen wm/q des Bildes 3 sind. Es fällt auch eine stärkere
Nichtlinearität – etwa im Vergleich der Kurven für die Lasten 0.01 und 0.03 auf. Das ist
aber nicht auf das Material sondern auf die Tatsache zurückzuführen, dass die
Verschiebungen erst beginnen, wenn die Fundamentbelastung die früheren
Bodenspannungen in der Einbindetiefe übersteigt – die eventuell auftretenden elastischen
Verschiebungen bis zum Erreichen der früheren Bodenauflast werden hier ja weggelassen.
Bei kleinen Lasten geht deshalb die bezogene Verschiebung w/q gegen Null, aber im
Bereich von q = 0.03 bis 0.3, also für Gebrauchslasten, ist das System näherungsweise
linear. Die berechneten Setzungen des Bildes 5 liegen jetzt immerhin am Rand des Bereichs
für mitteldichte Lagerung in Bild 4 und sind somit realistischer. Vielleicht bleibt noch etwa
ein Faktor 2, der auf den Unterschied zwischen der künstlich hergestellten Bodenprobe und
von natürlichem Baugrund, der Tausende von Jahren Alterung hinter sich hat, liegen
könnte, s. (Holzlöhner 1989).
Bild 5 zeigt auch, dass die Aufwölbung neben dem Fundament, wie sie dem Grundbruch
vorausgeht, vom Rechenmodell abgebildet wird. Die Oberfläche wölbt sich mit wachsender
Last stärker auf. Dem entspricht das Verhalten einer Triaxialprobe, deren Volumendehnung
für kleine Belastung negativ ist, zum Bruch hin bis zu positiven Werten ansteigen kann. Das
Ansteigen ist auch hier zu beobachten, allerdings bleibt es immer bei negativen Werten, da
der Deviationsanteil Inkompressibiltät vorschreibt. Wie verschiedentlich erwähnt, wird der
Bruch nicht vom Modell beschrieben.
Auch die Form der Aufwölbung ist jetzt realistischer als beim Bild 3. Während in Bild 3
eine Verschiebungsspitze unmittelbar neben der Last auftrat, werden in Bild 5 breitere
Bereiche angehoben.
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 29

0.05

0
Verschiebung w/q in m/MPa

-0.05 0.01

0.03
-0.1 0.1
0.3

-0.15

-0.2
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Abstand x in m

Bild 5: Fundament- und Oberflächenverschiebungen bei einer Einbindetiefe von 1 m für verschie-
dene mittlere Sohlspannungen q in MPa, R1-Bedingungen.

0.8

0.6

0.4
Verschiebung w/q in m/MPa

0.2

1
-0.2
0.3
-0.4
0.1

-0.6
0

-0.8
0 0.5 1 1.5 2 2.5 3
Abstand x in m

Bild 6: Fundament- und Oberflächenverschiebungen bei einer mittleren Sohlspannung von q = 1


MPa für verschiedene Einbindetiefen in m, R1-Bedingungen.
Bild 6 zeigt besonders gut den Einfluss der Einbindetiefe ze. Man erkennt auch die
Veränderung der seitlichen Aufwölbung: Ohne Einbindung (ze = 0) ergibt sich wieder die
30 U. Holzlöhner

unrealistische Spitze an der Fundamentkante. Mit wachsender Einbindung nimmt die


Aufwölbung bei gleicher Last ab. Die Kurve für ze = 1 ist auch in Bild 5 enthalten.
Für ze = 0 und q = 1 MPa wurde die Fundamentverschiebung w/q = 0.7651 errechnet,
während sich für den Streifen unter R0-Bedingungen (nicht in den Bildern dargestellt) w/q
= 1.0547 ergab. Dieser Unterschied ist hauptsächlich auf die Berücksichtigung des Anstiegs
des Steifemoduls Es mit den wachsenden Bodenspannungen infolge Fundamentlast, s. Punkt
3 weiter oben, zurück zu führen.
Die Verteilung der Sohlspannung unter einem starren Fundament hat die Bodenmechaniker
über lange Zeit hinweg beschäftigt. Wir erinnern uns an die ’Boussinesq-Verteilung’ für den
elastischen homogenen Halbraum, die an den Kanten unendliche Werte annimmt.

0.2

-0.2
Sohlspannung sigz/q

-0.4

-0.6

-0.8 0.01

-1 0.1

-1.2 1

-1.4
0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 1.4 1.6 1.8 2
Abstand x in m

Bild 7: Spannungsverteilung unter starrem Fundament bei verschiedenen mittleren Sohl-


spannungen q in MPa und Einbindetiefe null. R1-Bedingungen.
Wie Bild 7 zeigt, ändert sich die Verteilung mit wachsender Belastung. Für q = 0.01 MPa
ergibt sich in etwa eine Verteilung, wie sie Holzlöhner (1984) für einen heterogenen (D =
0.5), linearen Halbraum ermittelt hat. Der Anstieg zu den Kanten hin ist in Bild 7 allerdings
gemildert. Für größere q-Werte verschwinden die Spitzen am Rand, die Spannung wird dort
null, und in der Fundamentachse erreicht die Spannung ihr Maximum. Die Verteilung
nähert sich dem des reinen ’Deviator-Halbraums’ (Holzlöhner 2002), die auch
experimentell unter stark belasteten Streifenfundamenten auf Sand gemessen wurde,
(Müller 1996). Kerr (1989) fand mit Messungen und theoretischen Überlegungen eine
ähnliche Veränderung der Verteilung mit wachsender Fundamentbreite bei Fundamenten
mit gleicher mittlerer Sohlspannung. Diese Änderung ist jedoch ebenfalls eine Folge der
Fundamentsetzungen unter Gebrauchslast 31

Wirkung des mit der Lastintensität (bezogen auf die Bruchlast) steigenden Einfluss der
Deviationsdeformation.
Insgesamt zeigen die Rechenergebnisse:
- für Setzungen im Gebrauchslastfall überwiegt der ödometrische Deformationsanteil
- im unteren Lastbereich reagiert das Fundament-Boden-System näherungsweise linear,
obwohl bei Berücksichtigung der Abhängigkeit des Steifemoduls von der Fundamentlast
beide Deformationsanteile nichtlinear sind.
- das Modell ist geeignet realistische Setzungswerte zu ermitteln
- das Modell bildet bekannte Phänomene aus Theorie und Praxis ab

6 Schlußfolgerungen
Das hier vorgestellte Materialgesetz ist nicht vollständig in dem Sinn, dass es das Verhalten
bei allen möglichen Belastungspfaden beschreibt. Vielmehr bezieht es sich auf ein
bestimmtes Problem: Setzungen bzw. auch größere Verschiebungen von Fundamenten.
Wenn man es auf andere Probleme anwenden will, müsste man es erweitern.
Das hier entwickelte Modell ist einfach, weil es von nur wenigen Größen abhängt. Es soll
die Lücke schließen zwischen allzu einfachen Modellen einerseits und sehr ausgefeilten
Methoden, die man vielleicht auf das einfache Problem der Setzungsermittlung nicht
anwenden will.
Das Modell leitet sich anschaulich aus mikromechanischen Vorstellungen her. Es benutzt
nicht elastische Materialvorstellungen sondern stützt sich auf den Ödometerversuch, der bei
Erstbelastung eine plastische Deformation des Bodens beschreibt. Das Modell ist damit im
Gegensatz zu den auf elastischer Theorie basierten Verfahren mechanisch konsistent und
stellt eine Verbindung zu diesem einfachen Versuch her.
Mit dem Verfahren erhält man realistische Werte für die Setzungen, wenn man den
bekannten Unterschied im Verhalten zwischen Laborproben und Baugrund berücksichtigt.
Darüber hinaus ist es geeignet, Phänomene wie die Verschiebung der Bodenoberfläche
neben dem Fundament und die Veränderung der Sohlspannungsverteilung unter einer
starren Sohle zutreffend zu beschreiben.
Obwohl das Verfahren heute schon anwendbar ist, wäre eine systematische Untersuchung
des Einflusses der eingehenden Materialkenngrößen und deren Wertbestimmung
wünschenswert, insbesondere, was den Deviationsanteil betrifft.
32 U. Holzlöhner

Literatur
Burland, J.B., B.B. Broms und V.F. de Mello [1977]. „Behaviour of foundations and
structures”, IX ICSMFE, Tokyo 2, pp. 495-546.
DIN 1054 [2003], „Baugrund, Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau“.
DIN 4014-100 Vornorm [1996], „Berechnung des Grundbruchwiderstands von Flach-
gründungen”.
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33

Einfluss der Endflächenreibung bei triaxialen


Kompressionsversuchen mit Berliner Sand

Rackwitz, Frank

Zusammenfassung
Triaxiale Kompressionsversuche gehören zu den wichtigsten Laborversuchen zur Untersu-
chung des mechanischen Verhaltens von Böden. Am Beispiel triaxialer Kompressionsver-
suche mit Berliner Sand wird der Einfluss der Reibung an den Probenendflächen sowie der
angenommenen Probenverformung auf die Versuchsergebnisse untersucht. Mit einer geeig-
neten Schmierung der Endflächen lässt sich eine nahezu homogene, zylindrische Probenver-
formung während des Versuchs erzielen. Unabhängig davon kann die tatsächliche Verfor-
mung der Probe bei der Auswertung der Messdaten Berücksichtigung finden. Im Beitrag
werden deshalb verschiedene Verformungsannahmen vergleichend gegenübergestellt.

1 Einführung
Das mechanische Verhalten von Böden weist ausgeprägte Nichtlinearitäten auf, die sich bei
unterschiedlichen Randbedingungen sowohl in situ als auch in Laborversuchen feststellen
lassen. Eine besondere Stellung nehmen die sogenannten Elementversuche ein, d.h. Versu-
che, bei denen ein homogener Spannungs- und Verformungszustand in der Bodenprobe
während des Versuchs angenommen werden kann. Der triaxiale Kompressionsversuch ist
der häufigste und wichtigste Elementversuch in der Bodenmechanik, wobei die Bezeich-
nung Triaxialversuch strenggenommen irreführend ist, weil in den üblichen Versuchsappa-
raturen keine echten dreidimensionalen sondern axialsymmetrische Verhältnisse vorliegen.
Allerdings ist die Annahme der Homogenität in der Probe auch bei diesem Versuch nur un-
ter bestimmten Voraussetzungen gültig.
Triaxialversuche bestehen im Allgemeinen aus den Phasen Probenvorbereitung und -einbau,
Wassersättigung, Konsolidierung, Abscheren sowie Messdatenverarbeitung und Ver-
suchsauswertung. In DIN 18137-1 und -2, sind Angaben zu den Versuchsbedingungen und -
geräten sowie Hinweise zur praktischen Umsetzung der einzelnen Versuchsphasen enthal-
ten. Hinsichtlich der Versuchsanordnung und speziell der Ausbildung der Kontaktfläche
zwischen Kopfplatte (Druckkappe) bzw. Sockel (Fußplatte) und Probekörper wird zwischen
schlanken Probekörpern mit einem Verhältnis Ausgangsprobenhöhe h0 zu Ausgangsdurch-
messer d0 von h0/d0 = 2,0 bis 2,5 sowie gedrungenen Probekörpern mit h0/d0 = 0,8 bis 1,2
34 F. Rackwitz

unterschieden. Bei Verwendung gedrungener Probekörper wird auf den Einsatz von
Schmiermittel zwischen Endplatten und Probekörper hingewiesen, um Reibung an den End-
flächen so weit wie möglich zu verhindern. Der Grund für diese unterschiedliche
Versuchsanordnung in Abhängigkeit von der gewählten Probekörperschlankheit ist der
Einfluss der Endflächenreibung (Bild 1).

Endflächenreibung Kopfplatte

"dead zone"

Scherfläche

Probekörper

Ausgangszustand

Endzustand

Fußplatte

Bild 1: Einfluss der Reibung zwischen Endplatten und Probekörper (nach Rowe und Barden 1964)
Bei üblichen schlanken Proben und ohne weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Endflä-
chenreibung bildet sich beim Abschervorgang infolge der Reibung eine sogenannte tote Zo-
ne (dead zone) an beiden Probekörperenden aus, in der keine Scherung stattfindet. Gleich-
zeitig führt die Endflächenreibung mit zunehmender Axialverformung zur Konvexität der
Probe. Die Homogenität der Proben wird somit beim Schervorgang gestört. Wird stattdes-
sen eine geeignete Schmierung zwischen Endplatten und Probekörper vorgenommen, kann
die Aufrechterhaltung homogener Verhältnisse gelingen.

2 Berliner Sand
Bei dem in diesem Beitrag als Berliner Sand bezeichneten Lockergestein handelt es sich um
quartäre Ablagerungen der Saale- und Weichsel-Kaltzeit. Anhand der Kornverteilung ist er
als enggestufter Fein- und Mittelsand zu klassifizieren, mit einer mittleren Ungleichförmig-
keit U = 3,1 und einem mittleren Korndurchmesser d50 = 0,42. Eine Abhängigkeit des Kör-
nungslinienverlaufs von der Entnahmetiefe ist im untersuchten Bereich bis ca. 40 m unter
Geländeoberkante nicht festzustellen. Die minimale bzw. maximale Porenzahl beträgt im
Mittel emin = 0,40 bzw. emax = 0,59 (Rackwitz 2003).
Einfluss der Endflächenreibung bei triaxialen Kompressionsversuchen 35

In Bild 2 sind lichtmikroskopische Aufnahmen von Berliner Sand dargestellt. Die Misch-
proben stammen aus 12 – 40 m Tiefe und zeigen die überwiegend abgerundete bis runde
Kornform des Berliner Sandes.

Bild 2: Lichtmikroskopische Aufnahmen von Berliner Sand


Es ist bekannt, dass die Kornform eines Sandes und seine granulometrischen Parameter
(z.B. U, emin, emax) im Zusammenhang mit Lagerungsdichte und Spannungszustand dessen
effektiven Reibungswinkel beeinflussen (Herle und Gudehus 1999).

3 Triaxiale Kompressionsversuche mit Berliner Sand


3.1 Allgemeines
Für die Versuche mit Berliner Sand wurden zwei verschiedene Triaxialgeräte verwendet
(Becker 2002, Glasenapp 2002). Bei beiden Geräten erfolgt die Messung der Axialkraft in-
nerhalb der Zelle, so dass die Reibung des Belastungskolbens ohne Einfluss auf die Kraft-
messung ist, hingegen wird die axiale Verformung außerhalb der Zelle gemessen. Bei den
Untersuchungen mit Schmierung der Endflächen wurde teilweise die Messung der axialen
Verformung auch lokal, d.h. direkt an der Probe, vorgenommen.
Als Abmessungen der zylindrischen Probekörper wurden für alle Versuche h0 = 7,6 cm und
d0 = 3,5 cm gewählt, um eine direkte Vergleichbarkeit der Ergebnisse ohne weitere Parame-
tereinflüsse zu ermöglichen. Der Probeneinbau erfolgte als Feuchteinbau in fünf Lagen,
womit lockere bis dichte Lagerung erzielt werden konnte.
Die Schmierung der Endflächen erfolgte in Anlehnung an DIN 18137-2. Als Schmiermittel
wurde ein Silikonfett verwendet. Voruntersuchungen zeigten, dass bei Kompression ein
Herauspressen des Silikonfetts auftritt. Daher wurde ein 30%-iger Massenanteil Teflonpul-
ver beigemischt, was zur Vergrößerung der Viskosität der Gleitschicht führte.
36 F. Rackwitz

Eine möglichst vollständige Wassersättigung des Porenraumes ist erforderlich, weil einge-
schlossene Luft infolge ihrer Kompressibilität die Auswertung von Triaxialversuchen ver-
fälschen kann. Alle Proben wurden zu diesem Zweck zuerst mit Kohlendioxid und danach
langsam mit Wasser von unten nach oben durchströmt. Anschließend erfolgte die Aufbrin-
gung eines Sättigungsdrucks und die Prüfung der Wassersättigung durch den sogenannten
B-Wert (B = 'u / 'V 3), der bei allen Versuchen mindestens 0,95 erreichte. Beim Abscheren
unter undränierten Bedingungen (CU-Versuch) ist außerdem zu beachten, dass bei dilatan-
tem Materialverhalten eine Verringerung des Porenwasserdrucks eintritt, weshalb ein zu-
sätzlicher Aufschlag auf den Sättigungsdruck vorzunehmen ist, um Kavitation zu verhin-
dern.
Es wurden mehrere Versuchsreihen unterschiedlicher Ausgangslagerungsdichte von locker
bis dicht und bei Zelldrücken V 3 von jeweils 100, 500 und 800 kPa durchgeführt. Das Ab-
scheren erfolgte unter dränierten (CD) als auch undränierten (CU) Bedingungen.

3.2 Auswertung der Versuche und Ergebnisse


Von großer Bedeutung bei der Berechnung der axialen Hauptspannung V 1 in der Probe ist
der Ansatz der wirksamen Querschnittsfläche und somit der Probenverformung. Bild 3 links
zeigt die nach DIN 18137-2 angenommene zylindrische Probenverformung im Vergleich
zur tatsächlichen Verformung bei einem Versuch ohne Schmierung der Endflächen.

d0 d0
∆h

Versuchsphase:
Ausgangszustand

Endzustand
h0
hbul
hzyl

Verformungsannahme:
Zylindrisch (v = 1)

bulging (v > 1)

dzyl dbul

Bild 3: Wirkliche und angenommene Probenverformungen – Zylindrisch und bulging


Die Annahme einer zylindrischen Probenverformung führt auf folgende Gleichu ng zur Be-
rechnung der Probenquerschnittsfläche Azyl, in Abhängigkeit von den Probenausgangsgrö-
Einfluss der Endflächenreibung bei triaxialen Kompressionsversuchen 37

ßen Probenhöhe h0 und Volumen V0 sowie den jeweiligen Änderungen 'h und 'V oder in
Abhängigkeit von Ausgangsquerschnittsfläche A0 sowie axialer und volumetrischer Deh-
nung, H 1 und H v:

V0  'V 1  Hv 'V 'h


Azyl A0 mit: H v und H1 (1)
h0  'h 1  H1 V0 h0

Eine genauere Erfassung der wirksamen Querschnittsfläche kann durch eine parabolisch
angenommene Probenverformung mit Gl. (2) erfolgen (Germaine und Ladd 1988).

2
ª 1 25  20H1  5H12 º
Apar A0 «   » (2)
«¬ 4 4 1  H1 »¼

Konzentriert sich die radiale Dehnung auf einen kleineren Bereich der Probe, kann folgende
Berechnung der Querschnittsfläche vorgenommen werden (Germaine und Ladd 1988):

1  Hv hzyl
Abul A0 mit: v und hzyl h0  'h (3)
1  v H1 hbul

In Gl. (3) beschreibt der Parameter v wie stark sich die radiale Dehnung in einem Bereich
der Probe konzentriert, der mit hbul bezeichnet ist (Bild 3). Es handelt sich ebenfalls um eine
zylindrische Verformungsannahme, welche für v = 1 die Annahme nach DIN 18137-2 er-
gibt. Die exemplarische Auswertung eines Triaxialversuchs (CD) mit geschmierten Endflä-
chen unter Verwendung der verschiedenen Verformungsannahmen zeigt Bild 4.

2500
Deviatorspannung q in kPa

2000

1500
Zylindrisch (v = 1)
1000 Parabolisch
Bulging (v = 1,6) V 3 = 800 kPa
500
Bulging (v = 2) D r = 0,78
0
0 5 10 15 20 25 30
Axiale Dehnung H 1 in %

Bild 4: Einfluss der angenommenen Probenverformung (zylindrisch, parabolisch, bulging) auf die
Ergebnisse eines Triaxialversuchs (CD) mit reduzierter Endflächenreibung (links) und tat-
sächliche Probenverformung nach dem Scherversuch (rechts)
38 F. Rackwitz

Die jeweiligen Verformungsannahmen liefern mit zunehmender axialer Dehnung stark von-
einander abweichende Ergebnisse. Für die Beurteilung der maximalen Scherfestigkeit dieser
anfangs dicht gelagerten Sandprobe ist die Variation allerdings kaum von Bedeutung. Bild 4
(rechts) zeigt die zugehörige Probe nach dem Abscheren. Die Probenverformung lässt kei-
nen Einfluss einer reduzierten Endflächenreibung erkennen, weshalb die Schmierung hier
offensichtlich nur teilweise wirksam war.
Ein Vergleich der Versuchsauswertung mit zylindrischer und parabolischer Verformungs-
annahme für konventionelle Triaxialversuche ohne Reduzierung der Endflächenreibung lie-
fert ein ähnliches Ergebnis (Bild 5). Eine anfangs locker gelagerte Probe weist mit zylindri-
scher Verformungsannahme allerdings im kritischen Zustand eine ca. 15% größere Devia-
torspannung auf als mit einer eher zutreffenden parabolischen Flächenkorrektur.

2500
Deviatorspannung q in kPa

TX568: D r=57%
2000 TX571: D r=39%

1500
TX574: D r=13%
1000
Flächenkorrektur:
500 Zylindrisch V 3 = 800 kPa
Parabolisch
0
0 5 10 15 20 25
Axiale Dehnung H 1 in %

Bild 5: Einfluss der angenommenen Probenverformung (zylindrisch, parabolisch) auf die Ergeb-
nisse von Triaxialversuchen (CD) unterschiedlicher Anfangslagerungsdichte und ohne re-
duzierte Endflächenreibung (links) und tatsächliche Probenverformung nach dem Scher-
versuch mit anfangs mitteldichter Lagerung (TX571, rechts)
In Bild 6 sind die Ergebnisse von zwei Triaxialversuchen (CD) mit annähernd gleicher
Ausgangslagerungsdichte, relative Lagerungsdichte Dr = 61 bzw. 62%, und gleichem Zell-
druck, V 3 = 800 kPa, dargestellt. Die Versuche wurden jeweils mit Reduzierung der Endflä-
chenreibung durchgeführt. Beim Versuch TX601 ist die Wirksamkeit der Schmierung an
der Probenverformung nach dem Versuch erkennbar (Bild 6, rechts unten). Im Versuch
TX598 kam eine geringere Menge Silikonfett im Vergleich zu TX601 zum Einsatz, womit
jedoch keine zylindrische Probenverformung erreicht werden konnte (Bild 6, rechts oben).
Beide Versuche liefern vergleichbare Ergebnisse. Bei näherer Betrachtung der Entwicklung
der Deviatorspannung fällt aber auf, dass der Versuch TX601 mit wirksamer Endflächen-
schmierung die gleiche maximale Spannung erst bei einer ca. 1% größeren axialen Verfor-
mung erreicht (Bild 6, oben) und die Kurven divergieren mit zunehmender Annäherung an
den kritischen Zustand.
Einfluss der Endflächenreibung bei triaxialen Kompressionsversuchen 39

2500
TX601: D r = 62%
Deviatorspannung q in kPa

2000

1500 TX598: D r = 61%

1000

500
V 3 = 800 kPa
0
0 5 10 15 20 25 30
Axiale Dehnung H a in %

0,5
Volumendehnung Hv in %

0 V 3 = 800 kPa
-0,5
-1
-1,5
-2 TX598: D r = 61%
-2,5
-3 TX601: D r = 62%
-3,5
0 5 10 15 20 25 30
Axiale Dehnung H a in %

Bild 6: Einfluss der Endflächenreibung auf die Ergebnisse von Triaxialversuchen (CD) gleicher
Anfangslagerungsdichte
Proben TX598 (Foto rechts oben) und TX601 (Foto rechts unten) nach dem Versuch mit
jeweils unterschiedlich wirksamer Schmierung

4 Schlussbemerkungen
Die dargestellten Ergebnisse von triaxialen Kompressionsversuchen mit Berliner Sand wei-
sen auf einige Probleme bei der Durchführung und Auswertung derartiger Laborversuche
hin. Es zeigt sich, dass die Auswertung hinsichtlich der angesetzten Probenverformung ei-
nen großen Einfluss auf die Bewertung des kritischen Zustands hat. Verbesserungen können
hier durch die Schmierung der Probenendflächen oder die hier nicht dargestellte lokale
Messung der Verformungen direkt an der Probe erreicht werden. Hinsichtlich der Endflä-
chenschmierung scheint die in der Literatur zitierte Verwendung gedrungener Proben gebo-
ten zu sein, weil sich bei den sonst üblichen schlanken Proben die Dosierung der Schmie-
rung schwierig gestaltet, wie sich in den Versuchen gezeigt hat.
Die ermittelte maximale Scherfestigkeit (Peakfestigkeit) anfangs mitteldicht bis dicht gela-
gerter Sandproben wird durch die angesetzte Probenverformung nur geringfügig beeinträch-
40 F. Rackwitz

tigt, was mit den geringen axialen Verformungen bis zum Erreichen dieses Peak-Zustands
zusammenhängt.

5 Danksagung
Die vorgestellten Ergebnisse von Triaxialversuchen sind im Rahmen von Diplomarbeiten
am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA, entstanden. Für die
sorgfältige Durchführung der Versuche wird Dipl.-Ing. Ralf Glasenapp und Dipl.-Ing. Tim
Becker herzlich gedankt. Ein weiterer Dank geht an Professor Andrew Whittle sowie Dr.
Jack Germaine für deren bereitwillige und beständige fachliche Unterstützung der Arbeiten
im bodenmechanischen Labor am MIT.

Literatur
Becker, T. [2002]. „Triaxialversuche mit reduzierter Endflächenreibung zur Untersuchung
des Materialverhaltens von Berliner Sand”, Diplomarbeit am Fachgebiet Grundbau
und Bodenmechanik der Technischen Universität Berlin.
Germaine, J.T. und C.C. Ladd [1988]. „Triaxial testing of saturated cohesive soils“, Ad-
vanced Triaxial Testing of Soil and Rock, ASTM STP 977, R.T. Donaghe, R.C.
Chaney, M.L. Silver (eds.), American Society for Testing and Materials, Philadel-
phia, S.421-459.
Glasenapp, R. [2002]. „Triaxialversuche mit Berliner Sand”, Diplomarbeit am Fachgebiet
Grundbau und Bodenmechanik der Technischen Universität Berlin.
Herle, I. und G. Gudehus [1999]. „Determination of parameters of a hypoplastic constitutive
model from properties of grain assemblies“, Mech. Cohes.-Frict. Mater. 4, pp. 461-
486.
Rackwitz, F. [2003]. „Numerische Untersuchungen zum Tragverhalten von Zugpfählen und
Zugpfahlgruppen in Sand auf der Grundlage von Probebelastungen“, Hrsg.: S. Sa-
vidis, Veröff. des Grundbauinstitutes der Technischen Universität Berlin, H. 32.
Rowe, P.W. und L. Barden [1964]. „Importance of free ends in triaxial testing“, J. of Soil
Mech. and Foundations Div., ASCE, Vol. 90, No. SM 1, pp. 1-27.
DIN 18137-1: 1990-08. Baugrund, Versuche und Versuchsgeräte. Bestimmung der Scher-
festigkeit. Begriffe und grundsätzliche Versuchsbedingungen. Beuth Verlag GmbH.
DIN 18137-2: 1990-12. Baugrund, Versuche und Versuchsgeräte. Bestimmung der Scher-
festigkeit. Triaxialversuch. Beuth Verlag GmbH.
41

Durchführung und Auswertung von Spaltzugver-


suchen mit kohäsiven Böden

Peter Schick

Zusammenfassung
Der Spaltzugversuch ist diejenige Zugprüfung für kohäsive Böden, die den geringsten labor-
technischen Aufwand erfordert. Für Prüfkörper aus Beton, Asphaltbeton oder Gestein exis-
tieren Versuchsrichtlinien, bei denen die Auswertung auf der Grundlage der linearen
Elastizitätstheorie beruht, welche für Böden nicht immer geeignet ist. Doch auch kohäsive
Böden können dauerhaft Zugspannungen aufnehmen und z.B. durch Austrocknung oder
Zugkräfte auf Zug versagen. Um derartige Vorgänge bodenmechanisch zu modellieren, ist
die standardisierte experimentelle Bestimmung der Zugfestigkeit wichtig.
Im vorliegenden Beitrag werden sowohl Versuchsergebnisse als auch Ergebnisse von FE-
Berechnungen auf der Basis verschiedener Stoffgesetze vorgestellt. Dimensionsanalysen
helfen bei der effektiven Formulierung empirischer Näherungsfunktionen für die Ergebnisse
der FE-Berechnungen. Abschließend werden offene Fragen genannt und Empfehlungen für
die Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden gegeben.

Performance and evaluation of spitting tensile tests with cohesive soils


The splitting tensile test is the tensile test for cohesive soils with smallest laboratory effort.
For testing concrete, asphalt concrete or rock specimens, there are recommendations based
on theory of linear elasticity, which is not always suitable for soils. Also, cohesive soils may
permanently carry tensile stresses and e.g. fail in tension mode due to dessication or tensile
stresses in slopes. In order to develop a soil-mechanic model of those phenomena, standard-
ized experimental determination of tensile strength is important.
In the paper at hand test results are presented as well as results of FE calculations on the ba-
sis of different material laws. Some dimensional analysis help in effective formulation of
empirical approximation functions for the results of FE-calculations. As a conclusion, re-
maining questions are listed and recommendations for processing and evaluation of tensile
tests with cohesive soils are given.
42 P. Schick

1 Einführung
Der Spaltzugversuch (Abb. 1) wird bereits für viele Baustoffe zur Prüfung der Zugfestigkeit
eingesetzt: Beton (z.B. DIN 1048), Asphaltbeton (z.B. SN 640 452c) und Gestein (z.B. E 10
des AK3.3 der DGGT). Schneidevorgänge in Materialien geringer Zugfestigkeit und großer
Schubfestigkeit lassen sich ebenfalls als Spaltzugversagen erklären. In den o.g. Teilgebieten
der Materialprüfung wird oft kraftgesteuert geprüft. Bei sprödem Materialversagen findet
häufig die linear-elastische Bruchmechanik Anwendung. Der maßgebliche Spannungsinten-
sitätsfaktor KIC zeigt eine gute Korrelation zur Spaltzugfestigkeit (Haberfield, Johnston
[1989], Harison et al [1994]). Bruchmechanische Ansätze werden wegen des duktilen
Versagens kohäsiver Böden bei üblicher Konsistenz hier jedoch nicht verfolgt.

Abb. 1: Spaltzugversuch
Erfolgt die Auswertung wie üblich auf linear-elastischer Grundlage, betragen die Span-
nungskomponenten in x- und y-Richtung (Abb. 2):
§§d · 2 §d · 2 ·
¨ ¨  y¸˜x ¨  y¸˜ x ¸
2˜F ¨ © 2 ¹ © 2 ¹ 1¸
Vx ˜¨   ¸ (1)
S˜l
¨ r4 r4 d
¸
1 2
© ¹

§ 3 3 ·
¨§d · §d · ¸
¨ ¨  y¸ ¨  y¸
2 ˜F © 2 ¹ © 2 ¹ 1¸
Vy ˜¨   ¸ (2)
S˜l ¨ r4 r4 d¸
1 2
¨¨ ¸¸
© ¹

§ 2 2 ·
¨§d · §d · ¸
¨ ¨  y¸ ˜x ¨  y¸ ˜x ¸
2 ˜F © 2 ¹ © 2 ¹
W xy ˜¨  ¸ (3)
S˜l ¨ r4 r4 ¸
1 2
¨¨ ¸¸
© ¹

Abb. 2: Bezeichnungen im Querschnitt und Gleichungen der Spannungskomponenten


In der Mitte einer linear-elastischen Probe tritt die größte Zugspannung auf. Nach Kezdi
(1971) ergibt sie sich aus der auf die halbe Umfangsfläche der Probe bezogenen Vertikal-
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 43

kraft durch Multiplikation mit Beiwerten Ci (Abb. 3). Die Zugspannung (kleinere Haupt-
spannung V3 = Vx, Beiwert C3 = -1) ist nahezu konstant über den Probenquerschnitt und be-
trägt ein Drittel der vertikalen Druckspannung (größere Hauptspannung V1 = Vy, Beiwert C1
= 3). Die Spaltzugfestigkeit qSZ = V3f beträgt demnach (vgl. (1)):
2 ˜ F 0,64 ˜ F
max V x V
3f
q
SZ
| (4)
S˜l˜d l˜d

Abb. 3: Spannungsverlauf in der Symmetrieachse des Spaltzugprobe nach Kezdi (1971)


Böden, die Zugspannungen aufnehmen, können auch auf Zug versagen. Gut bekannte Phä-
nomene treten bei Erdbauwerken aus bindigen Böden auf, wie z.B. Zugrisse in Böschungs-
schultern oder Austrocknung und Schrumpfrissbildung in mineralischen Dichtungen von
Staudämmen und Deponien.
Die Zugfestigkeit muss bei üblichen erdstatischen Problemen nicht in Ansatz gebracht wer-
den, weil davon auszugehen ist, dass sie nicht ausreichend groß ist, um auftretende Zug-
spannungen aufzunehmen und Rissbildung zu verhindern. Viel mehr werden als Folge ein-
geprägter Zwangsspannungen oder –verformungen (wenn sie nicht konstruktiv begrenzt
werden) Zugrisse auftreten. Deren Auswirkungen sind allerdings stets in den geotechni-
schen Gefahrenbildern bei Konstruktion und Dimensionierung zu berücksichtigen, z.B.
Wasserdrücke in tiefen Rissen oder Durchflussmenge und rückschreitende Erosion bei mi-
neralischen Dichtungen.
Die Modellierung des Zugverhaltens ist für die theoretische Erfassung von Struktur- und
Rissbildungsphänomenen in Böden erforderlich. In kommerzieller Berechnungssoftware
kann Rissbildung, ob durch Austrocknung oder Zwangsbeanspruchung, nicht simuliert wer-
den. Das Berechnungsergebnis weicht also bei den entsprechenden Spannungszuständen
deutlich vom tatsächlichen Bodenverhalten ab. Dies ist dem Aufsteller erdstatischer Be-
rechnungen bekannt und muss auf geeignete Weise berücksichtigt werden.
Der Spaltzugversuch ist für Böden eine kostengünstige und robuste Methode der Zug-
prüfung, da ausschließlich bodenmechanische Standardgeräte und –prüfkörper benötigt
werden. Im Gegensatz zum einaxialen Zugversuch wird die schwierige direkte Zugkraft-
einleitung vermieden, die zwar mit Querschnittsaufweitung oder Vakuumplatten (Horn et al,
44 P. Schick

1995, Schick, 1996) möglich ist, aber unklare Spannungszustände in der Probe hervorruft.
Anders als beim einaxialen Zug- oder Biegezugversuch kann das Gerät für einaxiale Druck-
versuche verwendet werden, lediglich zwei steife Lasteinleitungsstreifen (Abb. 1 u. 2) sind
erforderlich. Die zylindrischen Probekörper können aus Ausstechzylindern stammen oder
im Proctortopf bzw. im Kompressionsgerät hergestellt werden. Die Richtung der Zugbean-
spruchung entspricht damit für die meisten Fälle derjenigen in-situ. Bei gleicher gezogener
Fläche wird für den Spaltzugversuch zudem am wenigsten Material benötigt.
Die linear-elastische Auswertung (Gl. 4) ist für Böden eine schlechte Annäherung. Im fol-
genden werden zunächst Versuchsergebnisse von Spaltzugversuchen verschiedener Böden
(feucht, getrocknet, gemischtkörnig, feinkörnig, verdichtet, komprimiert, geschrumpft) dar-
gestellt. Anschließend werden FE-Berechnungen auf der Basis verschiedener Stoffgesetze
verglichen und Empfehlungen für eine verbesserte Versuchsauswertung gegeben.

2 Spaltzugversuche
2.1 Gemischtkörnige Böden
Die Ergebnisse zahlreicher Spaltzugversuche mit gemischtkörnigen Proben aus Kies, kaoli-
nitischem Tonmehl und Bentonit (Größtkorn 16 mm, Körnungsexponent der Fullerparabel
a=0,29..0,35, zylindrische Probe mit d=10cm, l=20 cm, proctorverdichtet) wurden von
Schick (1996) angegeben (Tab. 1).
Tab. 1: Spaltzugfestigkeit verdichteter gemischtkörniger Proben (Schick, 1996, und z.T. unveröff.)
Kies Kaol. Tonmehl Bentonit Verd.-energie Bez. Wassergeh. Stauchg.-Geschw. Char. Spaltzugfestigkeit
Bez. AG [%] AT [%] AB [%] IP*A0,4 [1] W [MNm/m‡] w/wPr [1] v [%/min] qSZ [kN/m†](Gl. 4)
M03 88 12 0 0,038 0,59 1,0 1,0 11,8
M04 94 0 6 0,146 0,59 1,0 1,0 31,2
M05 82 12 6 0,177 0,59 1,0 1,0 32,0
M06 88 8 4 0,120 0,59 1,0 1,0 21,9
M07 95,5 3 1,5 0,049 0,59 1,0 1,0 12,6
M08 94 6 0 0,022 0,59 1,0 1,0 10,5
M09 97 0 3 0,076 0,59 1,0 1,0 13,2
M10 91 6 3 0,092 0,59 1,0 1,0 17,7
M10 91 6 3 0,092 2,71 1,0 1,0 (13,2)
M10 91 6 3 0,092 1,77 1,0 1,0 17,0
M10 91 6 3 0,092 1,07 1,0 1,0 17,3
M10 91 6 3 0,092 0,23 1,0 1,0 15,5
M10 91 6 3 0,092 0,59 1,04 0,01 9,2
M10 91 6 3 0,092 0,59 1,03 1,0 14,9
M10 91 6 3 0,092 0,59 1,07 4,0 16,2
M10 91 6 3 0,092 0,59 0,71 1,0 23,9
M10 91 6 3 0,092 0,59 0,71 0,01 18,3
M10 91 6 3 0,092 2,75 1,04 0,01 8,9
M10 91 6 3 0,092 2,75 1,05 1,0 14,0
M10 91 6 3 0,092 2,75 1,05 4,0 14,2
M10 91 6 3 0,092 2,75 0,69 1,0 50,9
M10 91 6 3 0,092 2,75 0,70 0,01 40,4
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 45

10 cm

a) M07 M10 M06


AT=3%, AB=1,5% AT=6%, AB=3% AT=8%, AB=4%

b)
Bruchfläche M10,
Probekörper auseinandergeklappt,
Zugversagen an der Grenzfläche Grobkorn-
0 1 2cm
Feinkorn (blanke Grobkornflächen)

Abb. 4: Ansicht nach Zugversagen gemischtkörniger Proben mit div. Feinanteil; Zugbruchflächen
Rezeptur, Wassergehalt, Verdichtungsenergie und Vorschubgeschwindigkeit (letzteres dort
nicht veröffentlicht) wurden variiert. Die Verdichtungsenergie wirkt sich nicht sehr stark
aus, da gut abgestufte Korngemische auch bei geringer Verdichtungsenergie schon große
Trockendichten erreichen.
Mit Verzehnfachung der vertikalen Vorschubgeschwindigkeit nimmt die Spaltzugfestigkeit
um ca. 3 bis 5 kN/m² zu (Abb. 5a). Bei den hier vorliegenden Geschwindigkeiten trat je
nach lokalem Volumenänderungsbestreben Porenwasserüberdruck oder -unterdruck auf, der
aber nicht gemessen wurde und dessen Verteilung unbekannt ist. Die Proben waren teildrä-
niert, der Sättigungsgrad nach Proctorverdichtung lag um 95%.
Die von Böden bekannte Wassergehaltsabhängigkeit von Festigkeitskennwerten zeigt sich
auch hier (Abb. 5b). Die Spaltzugfestigkeit wird stark vom Produkt aus Mengenanteil und
Plastizität des Feinanteils <0,4mm beeinflusst (Abb. 5c). Generell nimmt die Bruchstau-
chung mit abnehmender Festigkeit zu. Die horizontale Bruchdehnung (Aufweitung 'd/d) ist
wesentlich kleiner als die vertikale Bruchstauchung und nimmt ebenfalls mit abnehmender
Spaltzugfestigkeit zu (Abb. 5d). Außer bei sehr großem Wassergehalt fand Zugversagen
stets an der Grenzfläche Grobkorn-Feinkorn statt.
46 P. Schick

a) b)

c) d)
Abb. 5: Spaltzugfestigkeit gemischtkörniger Böden (Daten aus Schick, 1996 u. teilw. unveröff.)

2.2 Feinkörnige Böden


2.2.1 Spaltzugversuche mit proctorverdichteten Proben

Die in Proctortöpfen in 5 Lagen verdichteten Proben wurden im gleichen Gerät und mit der-
selben Vorgehensweise geprüft, wie in Abschn. 2.1 geschildert. Völlig analog zu den dort
dargestellten Versuchen erstreckt sich die sichtbare Rissbildung bei Erreichen der Spaltzug-
festigkeit über ca. 80% des Probendurchmessers (Abb. 4 u. 6a). Die Bruchflächen sind noch
deutlich geschichtet (Abb. 6b,c), wobei die Probenaufbereitung und –homogenisierung vor
der Verdichtung von Einfluss ist.
Von den gemischtkörnigen Böden unterscheiden sich die Ergebnisse hinsichtlich ihrer Emp-
findlichkeit bzgl. Einzelfaktoren. Überragende Bedeutung hat auch hier der Wassergehalt
(Abb. 7a). Geeignetes Bezugsmaß für verdichtete Proben ist bei feinkörnigen wie gemischt-
körnigen Böden der optimale Wassergehalt wPr nach DIN 18127. Die Verdichtungsenergie
spielt bei feinkörnigen Böden eine große Rolle, da auch sie Dichte, Struktur sowie Anzahl
und Stärke der Kornbindungen verändert. Dasselbe gilt für die Plastizität, die als einer von
mehreren Summenparametern für den Mineralbestand des Feinanteils und die chemische
Zusammensetzung der Porenlösung steht. Weitere Einflüsse sind die Aufbereitungsart und
Probenbehandlung, die beim Vergleich von Ergebnissen verschiedener Laboratorien Ab-
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 47

weichungen verursachen können, selbst wenn Bodenart, -zustand und Testprozedur iden-
tisch sind. Eine Literaturstudie zur Zugfestigkeit verdichteter feinkörniger Böden (Schick,
1996) ergab, dass die Wassergehaltsabhängigkeit gut beschrieben werden kann, die Zugfes-
tigkeit bei optimalem Wassergehalt aber aus o.g. zahlreichen Gründen sehr stark streut und
alleine anhand der Plastizität nicht prognostiziert werden kann. Diese Quantifizierung von
Zugfestigkeit und Strukturbildung für geeignete Referenzzustände und bei Teilsättigung ist
Gegenstand laufender Forschungsarbeiten (Schick, 2003).
Tab. 2: Spaltzugfestigkeit verdichteter feinkörniger Proben (Horn et al, 1995 und z.T. unveröff.)
Flie - Ausroll- Korn- Kalk- Gl h- Wasser- Verd.- Bez. Was- Stauchungs- Char. Spaltzug-
grenze grenze dichte gehalt verlust Aufnahme energie sergeh. Geschw. festigkeit
Bez. wL [%] wP [%] US [%] VCa [%] Vgl [%] wa,24h [%] W [MNm/m‡] w/wPr [1] v [%/min] qSZ (Gl. 4)
34 23 2,707 0 2,8 57 0,59 1,00 1,0 27
N01 (TL nach
34 23 2,707 0 2,8 57 2,64 1,00 1,0 34
DIN 18196)
34 23 2,707 0 2,8 57 2,64 0,82 1,0 90
N02 (TA nach
63 31 2,749 31,9 2,8 77 0,59 1,00 1,0 36,5
DIN 18196)

TL
0 4cm
TA
0 4cm

a) b) c)
Abb. 6: a) Ansicht, b),c) Bruchflächen (Schichtung aus Verdichtungsvorgang noch erkennbar)

a) b)
Abb. 7: Spaltzugfestigkeit verdichteter Tone, a) Leichtplastischer Ton (Horn et al, 1995), b) ausge-
prägt plastischer Ton
48 P. Schick

2.2.2 Spaltzugversuche mit feuchten, getrockneten und geglühten Proben aus


Schrumpf- und Ödometerversuchen

Porenwasserdrücke spielen in Versuchen mit ofengetrockneten bzw. geglühten Proben keine


Rolle. Die Kornbindungen sind zahlreicher und fester als im feuchten Zustand. Durch die
Austrocknung wird die Trockenfestigkeit erreicht, die mindestens zwei Ursachen hat:
x Im Porenwasser gelöste Salze kristallisieren auch an den Kornkontakten aus und verbin-
den diese.
x Die Adsorptionswasserhüllen (eisartiges Hydratationswasser + „gebundenes“ Wasser)
benachbarter Tonteilchenpakete vereinigen sich bei zunehmender Trocknung und neue
Feststoffkontakte entstehen.
Ziel der Untersuchungen sind Informationen über den Beitrag verschiedener Bindungsarten,
insbesondere der nach Trocknung nicht mehr vorhandenen Kapillarwasserbrücken, die noch
bei Wasserspannungen zwischen 1.000 und 10.000 kN/m² ihren größten Beitrag zur Scher-
festigkeit teilgesättigter Böden leisten (Schick, 2004). Im Rahmen eines derzeit laufenden
DFG-geförderten Forschungsvorhabens wird u.a. dieser Fragestellung nachgegangen, um
den Anwendungsbereich eines neuentwickelten Modells für das Wasserspannungs-
Sättigungs-Verhalten von Böden zu erweitern (Schick, 2002 und 2003).
Die Spaltzugfestigkeit der Proben (Scheiben, d=5,5..7,0cm, h0=1,4..2,0cm, Einbau w=wL,
Einstreichen in Schrumpf- oder Kompressionsringe, Ofentrocknung nach Schrumpf- oder
Kompressionsversuch, ggf. anschließendes Glühen) ist mit der Schrumpfgrenze wS bzw.
dem nach Trocknung erreichten Porenanteil n eng korreliert (Abb. 8a). Die Spaltzugfestig-
keit nach Glühen bei 550°C ist ca. doppelt so groß wie nach Ofentrocknung bei 105°C
(Abb. 8b). Das restliche Adsorptionswasser hinterlässt nach seinem völligen Verschwinden
bei 550°C vermutlich eine innig verzahnte Tonteilchenanordnung mit noch mehr direkten
Kornkontakten, die darüber hinaus durch weitere ausfallende Salze gegenüber dem 105°C-
Zustand verfestigt wird. Das Bruchbild differiert vor allem zwischen Schrumpf- und Kom-
pressionsversuchen (Abb. 9). Die Bruchflächen getrockneter Proben (Abb. 10) sind viel
glatter als die makroskopisch rauen Bruchflächen feuchter Kompressionsproben (Abb. 11).
Tab. 3: Spaltzugfestigkeit feinkörniger Proben aus Schrumpf- und Kompressionsversuchen, nach
Ofentrocknung (105°C) bzw. nach Glühen (550°C)
Char. Spaltzugfestigkeit q SZ [kN/m†] (Gl. 4) nach
Flie - Ausroll- Schrumpf- Korn- Kalk- Gl h- Schrumpfversuch und Kompressionsversuch und
grenze grenze grenze dichte gehalt verlust Ofen-Tr. Gl hen Ofen-Tr. Gl hen
Bez. / Name wL [%] wP [%] wS [%] US [%] VCa [%] Vgl [%] 105 C 550 C 105 C 550 C
Ton HL 70,8 30,2 12,4 2,713 3,4 5,1 1075 k.A. 39,6 k.A.
Ton DPNW 36,4 19,1 18,0 2,686 0,0 3,0 1060 1809 361 734
Tonmehl Kao 55,6 24,5 35,4 2,640 0,0 12,1 137 308 118 337
Tonmehl Sec 40,0 16,0 16,6 2,700 0,0 4,5 442 966 k.A. k.A.
Tonmehl Fri 84,0 20,2 14,0 2,779 0,0 6,2 1627 k.A. k.A. k.A.
Tonmehl Sie 53,0 21,1 19,0 2,729 0,0 8,1 589 k.A. k.A. k.A.
Tonmehl Do 56,0 22,2 20,4 2,661 0,5 4,0 408 1003 k.A. k.A.
Tonmehl Cap 36,2 24,4 24,9 2,785 0,0 4,6 227 422 k.A. k.A.
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 49

a) b)
Abb. 8: Ergebnisse von Spaltzugversuchen nach Trocknung von Schrumpf- und Kompressions-
proben: a) Einfluss der Schrumpfgrenze auf den Porenanteil nach Trocknung und die
Spaltzugfestigkeit; b) Spaltzugfestigkeit bei verschiedenen Trocknungstemperaturen

Kompressionsprobe,

Kompressionsprobe,
105°C getrocknet
105°C getrocknet
Schrumpfprobe,

Schrumpfprobe,
550°C geglüht

550°C geglüht
Tonmehl Sec

Tonmehl Sie

Ton DPNW
Ton HL

a) b) c) d)

Abb. 9: Bruchbilder von Spaltzugversuchen verschiedener Böden und Herstellungsarten

Abb. 10: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen von Zugbruchflächen, oben: Tonmehl Sec,


550°C-geglühte Schrumpfprobe; unten: Ton HL, 550°C-geglühte Schrumpfprobe (Aufnah-
men: Schick/Saur, BauV3, UniBwM, 2003)
50 P. Schick

Ausbauwassergehalt

Ausbauwassergehalt
Kompressionsprobe

Kompressionsprobe
Tonmehl Kao

Ton HL
a) b)
Abb. 11: Fotografie von Zugbruchflächen feuchter Kompressionsproben (Bildbreite ca. 2,2 mm)

3 FE-Berechnungen
3.1 Verwendete Stoffgesetze
3.1.1 Linear Elastic Model, Programmsystem PLAXIS, V 7.2

Das Linear Elastic Model (LE-Model) beinhaltet ein linear-elastisches Stoffgesetz mit nur 2
Parametern, die beide während der Berechnung konstant bleiben: Elastizitätsmodul E und
Querdehnzahl Q. Bei der Modellierung von Böden ist zu beachten, dass keine Grenzzustän-
de auftreten. Für Verformungsprognosen ist das LE-Model i.d.R. ausreichend, wenn keine
großen Porenzahländerungen auftreten und der E-Modul aus passenden Versuchen gewon-
nen wird. Die Wichte J wird in allen Berechnungen vernachlässigt, da sie wegen der kleinen
Abmessungen der Probekörper keine Bedeutung hat.

3.1.2 Mohr-Coulomb Model, Programmsystem PLAXIS, V 7.2

Das Mohr-Coulomb Model (MC-Model) beinhaltet die Grenzbedingung nach Mohr-


Coulomb. Solange diese Grenzbedingung nicht erreicht wird, verhält sich das Modell linear-
elastisch gemäß LE-Model, zu dessen Kennwerten 4 weitere hinzutreten: Kohäsion c, Rei-
bungswinkel M, Dilatanzwinkel \ und Zugfestigkeit qZ. Für kohäsive Böden mit M' < 30°
kann erfahrungsgemäß \ = 0 gesetzt werden. Undränierte Zustände werden mit Mu = 0° be-
rechnet, für teildränierte Zustände wie in Spaltzug- oder einaxialen Druckversuchen mit S<1
kann 0 < Mu < M’ nach Schick (1996) ermittelt werden. Die Wichte J kann hier immer ver-
nachlässigt werden.

3.1.3 Hardening Soil Model, Programmsystem PLAXIS, V 7.2

Das Hardening Soil Model (HS-Model) beinhaltet wie das MC-Model die Mohr-
Coulombsche Grenzbedingung, aber einen nichtlinear-elastischen Verformungsansatz und
volumetrische Verfestigung. Die Verformungsmoduli für ödometrische und triaxiale Span-
nungszustände ändern sich nach einem Potenzgesetz mit der mittleren Hauptspannung. Für
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 51

monoton wachsende Spannungspfade kommen gegenüber dem MC-Model drei Parameter


hinzu: Die Referenzsteifigkeiten E50ref und Eoedref und der Exponent w. Der konstante Elasti-
zitätsmodul E entfällt. Wie oben darf \ = 0 und J = 0 gesetzt werden.

3.2 Geometrie und Elementnetz


Alle Berechnungen erfolgen für den ebenen Verformungszustand. Die Spaltzugprobe wurde
in Voruntersuchungen als Voll-, Halb- und Viertelkreisscheibe und mit 6- und 15-knotigen
Dreieckselementen modelliert, bis wesentliche Ergebnisse unabhängig von der Netzfeinheit
konstant blieben. Für alle Berechnungen wurde die Viertelkreisscheibe mit 462 Elementen
(3942 Knoten, 5544 Spannungsintegrationspunkte) verwendet (Abb. 12).

a) b)
Abb. 12: Verwendetes FE-Modell, a) Aufbau, Bezeichnungen, Netzeinteilung und verformtes Sys-
tem, b) Ausgewertete Größen

3.3 Dimensionsanalysen
3.3.1 LE-Model

Die FE-Berechnungen sollen einen Einblick in die Beanspruchungen und Verformungen des
Probekörpers liefern. In der für die Dimensionsanalyse aufgestellten Liste der untersuchten
Variablen (Tab. 4) treten nur kraft- und längenartige Größen auf. Als Bezugsgrößen können
zwei beliebige linear unabhängige Variablen gewählt werden, hier d [L] und Eoed [F/L²]. Die
Breite b des Laststreifens wird von vorneherein stets mit 10% des Probendurchmessers kon-
stant gehalten. Die Verwendung dimensionsloser Potenzprodukte führt auf 7 gesuchte Er-
gebniskenngrößen, die von drei Variablen abhängen:
§ F u q V h A V ·¸ §¨ uyA ·
¨ y yB ¸
¨¨ d ˜ E , xC , SZ , ,H , Z , ¸ f¨ , Q, R ¸¸ (5a,.,g)
d E E xB d d˜E ¸ ¨ d int er
© oed oed oed oed ¹ © ¹

Jede der gesuchten Ergebnisgrößen hängt in irgendeiner zunächst unbekannten Weise von
den unabhängigen Variablen ab, wobei die Spannungen und Kräfte voraussetzungsgemäß
52 P. Schick

linear von der Verschiebung uyA abhängen. Sie lassen sich also für einen konstanten Ver-
schiebungswert, z.B. uyA/d = 1%, in einem Diagramm als Funktion von Q und Rinter darstel-
len. Kombinationen dimensionsloser Größen können z.B. zur Ermittlung der maximalen
Zugspannung aus der gemessenen Vertikalkraft dienen, interessant sind auch der Völlig-
keitsgrad der Zugspannungsverteilung (dimensionslose mittlere Zugspannung) und das
Hauptspannungsverhältnis im Punkt B:
q A V
SZ V yB
E q ˜d d ˜E A E V
oed
F
SZ
F

f Q, R
int er
,
q
oed
h q
V
˜h

f Q, R
int er
,
q
oed
q
yB

f Q, R
int er
(6a,b,c)
y y SZ ˜ Z SZ Z SZ SZ
d ˜E E d E
oed oed oed

So bleiben als interessierende Größen noch 5 dimensionslose Kennziffern übrig:


§ q ˜d u V ·
¨ SZ , A V , xC , yB , H ¸ f Q,R
¨¨ Fy q ˜h d q xB ¸¸ int er
(7a,..,e)
© SZ Z SZ ¹
Tab. 4: Dimensionstabelle für Modellierung des Spaltzugversuchs mit dem LE-Model
Dimensionslose Kennwerte f r Bezugspa-
rameter d [L]und Eoed [F/L†]
Bezeichnung Abk. Dim. Kombination Dim.
Eingepr gte Verschiebung (Vorgabe durch weggesteuerten
uyA [L] uyA/d [1]
Versuch) in Punkt A
Durchmesser d [L] 1 [1]
Breite des Laststreifens (hier stets b = 0,1 d gew hlt) b [L] b/d [1]
Querdehnzahl Q [1] Q [1]
dometermodul (berechnet aus E und Q) Eoed [F/L†] 1 [1]
Verbund von Laststreifen und Probe Rinter [1] Rinter [1]
Vertikale Widerstandskraft je L ngeneinheit Fy [F/L] Fy/(d Eoed) [1]
Horizontalverschiebung in Punkt C uxC [L] uxC/d [1]
Maximale Zugspannung in Punkt B VZB = qSZ [F/L†] VZB/Eoed [1]
Zugeh rige Druckspannung in Punkt B VyB [F/L†] VDB/Eoed [1]
Horizontaldehnung in Punkt B HxB [1] HxB [1]
Gezogene Querschnittsh he hZ [L] hZ/d [1]
Zugspannungsfl che AV [F/L] AV(d Eoed) [1]

Um auch nichtlineare Abhängigkeiten in den Gln. (7a..e) beschreiben zu können, wurden in


einer Parameterstudie mit 13 Berechnungen jeder der beiden Größen Q und Rinter mindestens
drei verschiedene Werte zugewiesen.

3.3.2 MC-Model

Die Verwendung des Mohr-Coulomb-Models ändert die Ergebnisse wenig, solange die
Spannungen noch klein sind, da die Probe zunächst nur im Lasteinleitungsbereich plastifi-
ziert und die Verformungen innerhalb der Grenzzustandsfläche ebenfalls linear-elastisch
ermittelt werden. Tendenziell werden mit dem MC-Model somit gegenüber dem LE-Model
größere Vertikalverformungen und Vertikalspannungen bei gleicher erzeugter Zugspannung
prognostiziert. Dies entspricht den Beobachtungen (Abb. 5d).
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 53

a) b)
Abb. 13: Grenzbedingung gemäß MC-Model, a) dräniert, b) undräniert
Neu hinzukommende Variablen sind (Abschn. 3.1.2): Effektiver Reibungswinkel, hier ge-
schrieben als Reibungsbeiwert tan M’ [1], effektive Kohäsion c’ [F/L²], undränierte Kohäsi-
on cu [F/L²] und effektive bzw. undränierte Zugfestigkeit q’Z bzw. qZu[F/L²]. Die effektive
Zugfestigkeit ist maximal c’·cot M’ gemäß linearer Verlängerung der Mohr-Coulombschen
Grenzbedingung bis zur hydrostatischen Achse (Abb. 13). Die Zugfestigkeit wurde hier
durch Aktivierung eines „Tension cut-off“ (vertikale Begrenzung in Abb. 13) vorgegeben
und variiert. Die einaxiale Zugfestigkeit q’EZ muss wegen V3=0 stets kleiner als c’·cot M’
sein und ist oft, aber nicht notwendig, identisch mit q’Z (gemischtkörnige Böden: von
q’EZ/c’=0,5 auf <0,3 mit dem Reibungswinkel M’=22,5°..45° ab- und dem Indexwert
IP0,4·A0,4 = 0,02..0,18 zunehmend; verdichtete Tone: von q’EZ/c’ 0,5 bis zu 1,2 mit der Plas-
tizität IP = 0,15..0,35 und dem bezogenen Wassergehalt w/wPr = 0,9..1,6 zunehmend).
Tab. 5: Zusätzliche Variablen für Modellierung des Spaltzugversuchs mit dem MC-Model
Dimensionslose Kennwerte f r Bezugspa-
rameter d [L]und Eoed [F/L†]
Bezeichnung Abk. Dim. Kombination Dim.
Effektiver Reibungsbeiwert tan M [1] tan M [1]
Effektive Koh sion c [F/L†] c /Eoed [1]
Undr nierte Koh sion cu [F/L†] cu/Eoed [1]
Effektive Zugfestigkeit (kleiner als c •cot M ) qZ [F/L†] q Z/Eoed [1]
Undr nierte Zugfestigkeit qZu [F/L†] qZu/Eoed [1]

Die gesuchten Größen sind dieselben wie im elastischen Fall. Damit folgt:
§ q ˜d AV u V · §u q’ ·
¨ SZ xC yB ¸ ¨ yA c’
¨¨ F , q ˜ h , d , q , H xB ¸¸ f ¨¨ d , Q,R int er , tan M’ , E , Z ¸¸ (drän. Fall) (8a,..,e)
E ¸
© y SZ Z SZ ¹ © oed oed ¹

§ q ˜d u V · §u c q ·
¨ SZ , A V , xC , yB , H ¸ f ¨¨
yA
, Q, R , u , Zu ¸
¸ (undrän. Fall) (9a,..,e)
¨¨ F q ˜h d q xB ¸¸ ¨ d int er E E ¸
© y SZ Z SZ ¹ © oed oed ¹

Würde man jedem der 6 Einflussparameter des dränierten Falles je drei (vier) Zahlenwerte
zuordnen, ergäben sich 36 = 729 (46 = 4096) erforderliche Berechnungen, deren Ergebnisse
54 P. Schick

anschließend zu parametrisieren wären. Durch Wahl konstanter Werte für die ersten drei er-
geben sich deutliche Vereinfachungen:
x Dränierter Fall: Für vorgegebene Werte von uyA/d=Bruchverschiebung, Rinter=0,5 und
Q=0,3 verbleiben die drei Parameter der Grenzbedingung, tan M’, c’/Eoed und q’Z/Eoed, die in
einer Parameterstudie mit 27 Berechnungen je dreifach variiert wurden:
§ q ˜d u V · § ·
¨ SZ , A V , xC , yB , H ¸ f ¨ tan M’ , c ’ , q Z ¸ (10a,..,e)
¨¨ F q ˜h d q xB ¸
¸ ¨ E E ¸
© y SZ Z SZ ¹ © oed oed ¹

x Undränierter Fall: Im Fall völlig wassergesättigter Proben bleibt dann wegen Mu = 0 le-
diglich die Abhängigkeit von undränierter Kohäsion und undränierter Zugfestigkeit:
§ q ˜d u V · § c q ·
¨ SZ , A V , xC , yB , H ¸ f ¨ u , Zu ¸ (11a,..,e)
¨¨ Fy q ˜h d q xB ¸¸ ¨E E ¸
© SZ Z SZ ¹ © oed oed ¹

Der undränierte Fall wird hier aus Platzgründen nicht weiter behandelt.

3.3.3 HS-Model

Die gesuchten Größen sind dieselben wie in den vorherigen beiden Fällen. Als neuer Be-
zugsparameter für die Dimensionsanalyse ist die Referenzsteifigkeit Eoedref [F/L²] geeignet.
Tab. 6: Zusätzliche Variablen für Modellierung des Spaltzugversuchs mit dem HS-Model
Dimensionslose Kennwerte f r Bezugsparame-
ter d [L] und Eoedref [F/L†]
Bezeichnung Abk. Dim. Kombination Dim.
dometermodul (berechnet aus E und Q) entf llt Eoed [F/L†] 1 [1]
Referenz-Steifigkeit dometer Eoedref [F/L†] 1 [1]
Referenz-Steifigkeit Triaxial E50ref [F/L†] E50ref /Eoedref [1]
Exponent der Spannungsabh ngigkeit w [1] w [1]

Die beteiligten dimensionslosen Potenzprodukte sind dann im dränierten Fall:


§ q ˜d AV u V · ¨§ u Eref c’ q’ ·¸
¨ SZ xC yB ¸ yA 50 Z (12a,..,h)
¨¨ F , q ˜ h , d , q , H xB ¸¸ f ¨ d , Q,R int er , w, ref tan M’ , ref , ref ¸
© y SZ Z SZ ¹ ©¨ E
oed
E E
oed oed ¹
¸

Jede der 6 gesuchten Größen hängt in irgendeiner Weise von den 8 unabhängigen Variablen
ab. Diagramme mit einer Kurvenschar setzen 6 der 8 Parameter als konstant voraus, ihre
Gültigkeit ist also auf sehr spezielle Fälle beschränkt.
Die Scherparameter können bei sehr kleinen Vertikalverschiebungen („elastischer Bereich“)
vernachlässigt werden. Dann existieren ähnliche Darstellungen wie für den linear-
elastischen Fall (LE-Model oder MC-Model im elastischen Bereich), wobei aber zusätzlich
der Steifigkeitsexponent und das Steifigkeitsverhältnis auftauchen.
Bei größeren Verformungen muss angenommen werden, dass die elastischen Parameter we-
gen des nichtlinearen Ansatzes stets zu berücksichtigen sind, so dass für jede der gesuchten
Größen im dränierten Fall Gl.(12) gilt. Würde man jedem der 8 Einflussparameter je drei
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 55

(vier) Zahlenwerte zuordnen, ergäben sich 38 = 6561 (48 = 65536) erforderliche Berechnun-
gen, deren Ergebnisse anschließend zu parametrisieren wären.
Die Kennwerte des HS-Models können z.Zt. nicht zuverlässig aus Klassifizierungskenngrö-
ßen ermittelt werden. Das Modell kommt vor allem für die Nachrechnung gut dokumentier-
ter Einzelversuche in Frage und wird aus o.g. Gründen hier nicht weiter betrachtet.

3.4 Berechnungsergebnisse
3.4.1 LE-Model

Die dimensionslosen Kraftgrößen in Gl. 5 können sehr gut durch Polynome 4. Grades in Q
angenähert werden. Horizontaldehnung HxB in Punkt B sowie die horizontale Aufweitung 'd
= 2·uxC hängen exponentiell von Q ab. Der Verbund zwischen Laststreifen und Probe (Rinter)
spielt in allen Fällen praktisch keine Rolle.
Das Hauptspannungsverhältnis in Punkt B weicht mit VyB/qSZ = 3,038 nur um etwa 1% von
der analytischen Lösung ab. Der Vorfaktor (2/S = 0,636..) in Gl. 4 ist in der FE-Lösung ab-
hängig von Q und Rinter zwischen 0,606...0,624 (Abb. 14a). Bis auf 0,5 % des Mittelwertes
von AV/(qSZ·hZ) = 0,878 bleibt die Völligkeit der Zugspannungsfläche (Gl. 6b) konstant, ist
also ebenso praktisch unabhängig von uyA/d, Q und Rinter.
Will man aus der gemessenen horizontalen Aufweitung auf die Zugdehnung schließen, gilt:
0,905
§ 2˜u ·
H 1,774 ˜ ¨ xC ¸ (13)
xB ¨ d ¸
© ¹

a) b)
Abb. 14: Ergebnisse der FE-Berechnungen mit dem LE-Model, a) Dimensionslose Spaltzugfestig-
keit, b) Horizontale Aufweitung 2·uxC/d und Horizontaldehnung HxB
Der hier nicht untersuchte Einfluss der Laststreifenbreite zeigt sich in Abb. 3. Für den Fall,
dass der Elastizitätsmodul im Zug- und Druckbereich verschieden ist, geben Chen,
Stimpson [1993] die bezogene Zugspannung in Abhängigkeit des Modulverhältnisses an.
56 P. Schick

3.4.2 MC-Model

Das Kraft-Weg-Verhalten ist voraussetzungsgemäß zu Anfang identisch wie im LE-Model,


erst wenn an immer mehr Stellen der plastische Grenzzustand erreicht wird, nimmt der ver-
tikale Widerstand Fy nicht mehr wesentlich zu (Abb. 15a). Die in Punkt C messbare hori-
zontale Aufweitung bei Erreichen der Spaltzugfestigkeit weicht von der elastisch berechne-
ten ab (Abb. 15b). Im vertikalen Zugspannungsprofil zeigt sich, dass die Plastifizierung mit
wachsender Zugfestigkeit immer tiefer in die Probe hineinreicht (Abb. 15 c)

a) b)

c) d)
Scherversagen
Scherversagen

Scherversagen
Zugversagen
Zugversagen Zugversagen

e) Plastische Punkte im Versagenszustand (a links, b mitte, c rechts)


Abb. 15: Ergebnisse der Berechnungen mit MC-Model (alle: Eoed = 40 MN/m², Q = 0,3, Rinter = 0,5,
M’ = 22,5 °, c’ = 40 kN/m²), linear-elastische Lösung (LE) zum Vergleich mit eingetragen.
Bezeichnungen in den Bildern: a: q’Z = 8 kN/m², b: q’Z = 28 kN/m², c: q’Z = 48 kN/m².
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 57

Die Horizontaldehnung im Horizontalschnitt ist kleiner als im elastischen Fall (Abb. 15d),
zeigt aber z.T. Extremwerte, die eventuell noch von der Netzfeinheit abhängen und nicht zu
hoch bewertet werden sollten. Zur Auswertung wurde deshalb der Mittelwert im inneren
Bereich über 0,2d verwendet. Je größer die Zugfestigkeit q’Z, d.h. je näher q’Z an c’cot M’
liegt (Abb. 13a), desto seltener tritt Zugversagen in der Probe auf. Stattdessen entwickeln
sich gekrümmte Scherzonen. Bei q’Z/c’ > 1 tritt Zugversagen entlang der Vertikalachse nur
punktuell auf (Abb. 15e, rechts). Im untersuchten Wertebereich (Eoed=40MN/m², Q=0,3, Rin-
ter=0,5, M’=15..30°, c’/Eoed=0,00025..0,0025, q’Z/Eoed=0,005..0,3 und q’Z/c’=0,2..1,5) gelten
für die dimensionslosen Größen aus den Gln. (8) und (10):
0,707
q’ ˜d § q’ ·
SZ 0,813  0,55 ˜ tan M’  0,49  1,15 ˜ ¨ Z ¸ (14)
Fy ¨ c’ ¸
© ¹
2,537 1,59
AV § q’ · h § q’ ·
1 0,089  0,126 ˜ tan M’ 0,521  0,122 ˜ ¨ Z ¸ , Z 0,636  0,0152 ˜ ¨ Z ¸ (15a,b)
q’ ˜h ¨ c’ ¸ d ¨ c’ ¸
SZ Z © ¹ © ¹

V 1,2108
yB § q’ ·
558,08  559,53 ˜ tan M’ 0,0299  0,871¨ Z ¸ (16)
q’ ¨ c’ ¸
SZ © ¹

u q’
yA c’ Z
0,019  105,896 ˜  7,105 ˜ (17)
d E E
oed oed
4
u c’ q’ § q’ ·
xC [%] 0,0186  127,034 ˜  0,658 ˜ Z  21,093 ˜ ¨ Z ¸ (18)
d E E ¨¨ E ¸¸
oed oed © oed ¹

u q’
x,C
H [%] 0,011  3,72 ˜  2,463 ˜ Z (19)
xx,B d E
oed

a) b)
Abb. 16: Ergebnisse der FE-Berechnungen mit dem MC-Model. a) Dimensionslose Spaltzugfestig-
keit gem. Gl. (14), b) Mittlere horizontale Bruchdehnung HxB gem. Gl. (19)
Die Korrelationskoeffizienten der Gln. (14) bis (19) liegen zwischen R²=0,82..0,98.
58 P. Schick

Die Ergebnisse zeigen, wie sehr die plastische Grenzbedingung mit ihren drei Parametern
q’Z, c’ und M’ die Kraft- und Verformungsgrößen in der Spaltzugprobe im Vergleich zur li-
near-elastischen Annahme verändert. Die dimensionslose Spaltzugfestigkeit (Gl. 14) wird
von Reibungsbeiwert und bezogener Zugfestigkeit q’Z/c’ beeinflusst und liegt hier zwischen
0,5 und 2,0 (elastische Lösung: 0,64). Der Betrag des Hauptspannungsverhältnisses in Pro-
benmitte nimmt hier Werte zwischen 0,03 und 7,4 an (elastische Lösung: 3,0). Für die An-
nahme q’SZ | q’Z | q’EZ (mit Gl. (16) und durch Zeichnung des W-V’-Diagrammes (Abb.
13a) zu prüfen) ist q’SZ iterativ aus Gl. (14) bestimmbar. Selbst die Schätzung von q’Z/c’
anhand bisheriger Erfahrungswerte (Abschn. 3.2.2) in Verbindung mit Gln.(14..19) ist ge-
genüber der linear-elastischen Auswertung eine deutliche Verbesserung.
Gl. (15b) gestattet die Abschätzung von q’Z/c’ aus optischer Verschiebungsmessung an der
Probe. Die Untersuchung des Verhältnisses q’Z/c’ und der Form der Bruchbedingung im
Zugspannungsbereich durch Grundlagenforschung ist für die standardisierte Auswertung
von Spaltzugversuchen nützlich, da dies die Iteration von Gl. (14) erspart und sie allge-
meingültiger macht.
Verschiebungen und Dehnungen sind besser mit c’/Eoed und q’Z/Eoed korreliert (Gln 17, 18,
19). Sind die Scherparameter sowie der Steifemodul bekannt, lässt sich aus den gemessenen
Randverschiebungen im plastischen Grenzzustand uyA und uxC die bezogene Zugfestigkeit
q’Z/Eoed bestimmen. Aus der gemessenen Horizontalverschiebung und q’Z/Eoed ist mit Gl.
(19) die Horizontaldehnung im Bruchzustand (hier HxB=0,04..1,3%) ermittelbar.
Wegen der Streuungen der Scherparameter (insbesondere der Kohäsion) und des Steifemo-
duls ist übertriebene Genauigkeit nicht sinnvoll. So dienen die Gln. (14) bis (19) neben der
verbesserten Auswertung von Spaltzugversuchen ebenso dazu, die Tendenz des Einflusses
von Scherparametern und Steifemodul auf die Messwerte zu zeigen.

4 Empfehlungen für Spaltzugversuche mit kohäsiven


Böden
4.1 Versuchsdurchführung
4.1.1 Herstellung und Abmessungen der Probekörper

Als Erdbaustoff verwendete gemischtkörnige oder feinkörnige Böden sind gemäß DIN
18127 stampfend einzubauen. Natürlich gelagerte gemischtkörnige Böden sind aus dem ge-
stört entnommenen Material wiederzuverdichten und ggf. im Dreiaxialgerät zu rekonsolidie-
ren. Dichte und Wassergehalt der Probe sollten nach der Konsolidation dem natürlichen Zu-
stand entsprechen. Ungestörte feinkörnige Böden können direkt aus dem Entnahmezylinder
als Spaltzugprobe verwendet werden. Gestörte feinkörnige Proben können je nach ge-
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 59

wünschter Spannungsgeschichte im Dreiaxialgerät, im Ödometer oder im Schrumpfversuch


hergestellt werden.
Die Probekörper sollten zylindrische Form haben, beliebige Längen und Durchmesser sind
möglich. Kompressionsproben sind i.d.R. dünner als 2 cm; ebenso wie die meist etwas un-
regelmäßigen und noch dünneren Schrumpfproben müssen sie wegen ihrer geringen gezo-
genen Fläche besonders vorsichtig behandelt werden, um Vorschädigungen zu vermeiden.

4.1.2 Lasteinleitung und Vorschubgeschwindigkeit

Die Lasteinleitung sollte weggesteuert über zwei starre Streifen der Breite d/10 erfolgen.
Grenzwerte der Vorschubgeschwindigkeit lassen sich mit der 2-dimensionalen Konsolidie-
rungstheorie abschätzen. Ab v > vu (Gl. 20a) ist der Konsolidierungsgrad U < 10%, so dass
die Probe näherungsweise undräniert ist. Hierfür wären allerdings große Geschwindigkeiten
nötig, so dass i.d.R. teildränierte Verhältnisse vorliegen. Dränierte Verhältnisse liegen bei
Geschwindigkeiten v < veff (Gl. 20b) vor, der Konsolidierungsgrad ist dann U > 98%. Die
Probe ist bei Versuchsdauern von mehr als 5 Minuten vor Austrocknung zu schützen.
u 1,3 ˜ 10 4 ˜ u ˜k ˜E u 4 ˜u ˜k ˜E
yA yA oed yA yA oed
v
u
, v
eff
(20a,b)
t
u d2 ˜ J t
eff
2
d ˜J
W W

Für bindige Bodenproben mit d = 10 cm und uyA = 0,5 mm folgt aus Gl. (20b) meist veff =
0,002..0,03 mm/min. Zur Prüfung der Geschwindigkeitsabhängigkeit (z.B. Abb. 5a) ist die-
se um zwei bis drei Größenordnungen zu variieren. In teilgesättigten Proben verringert sich
der lokale Entwässerungsweg, so dass diese schon bei v > veff dräniert sind.

4.2 Versuchsauswertung
4.2.1 Auswertung gemäß LE-Model

Die linear-elastische Auswertung erfolgt nach Gl. (4). Die Reibung am Lasteinleitungsstrei-
fen darf stets vernachlässigt werden. Weitere Größen des linear-elastischen Spannungs- und
Verformungszustandes (Verformungen, Dehnungen, Zugspannungsverteilung, Hauptspan-
nungsverhältnis im Mittelpunkt) wurden in Abschn. 3.4.1 angegeben. Mit Gl. (13) kann die
Dehnung in Probenmitte berechnet werden.

4.2.2 Auswertung gemäß MC-Model

Die Spaltzugfestigkeit sowie weitere Größen des Spannungs- und Verformungszustandes


können mit den Gln. (14) bis (19) ermittelt werden, wenn die angegebenen Gültigkeitsberei-
che eingehalten sind. Die Grenzbedingung im MC-Model verändert trotz des linear-
elastischen Verformungsverhaltens alle Rechenergebnisse im Vergleich zum LE-Model er-
heblich. Die hier untersuchten Größen (Spaltzugfestigkeit, Völligkeit der Zugspannungsflä-
60 P. Schick

che, Hauptspannungsverhältnis, Horizontaldehnung in Probenmitte, vertikale Bruchver-


schiebung und horizontale Aufweitung) werden maßgeblich von Kennziffern der Grenzbe-
dingung beeinflusst (Bezogene Zugfestigkeit q’Z/c’ oder q’Z/Eoed, Reibungsbeiwert tan M’,
bezogene Kohäsion c’/Eoed).

4.3 Dokumentation
Um die Versuche für Dritte nachvollziehbar und für weitere Auswertungen offen zu halten,
sind Mindestangaben zu Bodenart und –zustand, zur Versuchsdurchführung und zur Aus-
wertung erforderlich (Anhang).

5 Schlussfolgerungen und Ausblick


Das Verhalten von Böden im Spaltzugversuch wurde anhand wesentlicher Einflussfaktoren
beschrieben. Letztere differieren stark je nach Bodenart und –zustand.
Dimensionsanalysen für drei verschiedene Stoffgesetze zeigten, welche dimensionslosen
Kennziffern für eine effektive Beschreibung von Versuchen und Berechnungen mit mög-
lichst wenigen Parametern in Frage kommen.
Für eine vollständige Parametervariation wären alleine im Falle des einfachen MC-Models
(Kombination von linear-elastischem Verformungsverhalten mit Mohr-Coulombscher
Grenzbedingung) mehrere tausend Berechnungen erforderlich. Durch Vereinfachungen und
Beschränkungen wurde mit den für diese Studie durchgeführten Dimensionsanalysen und
40 Berechnungen aufgezeigt, inwiefern der Gebrauch realitätsnäherer Stoffgesetze zu Ab-
weichungen von der üblichen linear-elastisch berechneten Spaltzugfestigkeit führen kann.
Das MC-Model gestattet die bessere Modellierung des Spaltzugversagens kohäsiver Böden
als das übliche LE-Model und ist noch einfach genug, um Variationsrechnungen zugänglich
zu sein. Mit den vorgestellten Gleichungen werden wesentliche Einflüsse durch parametri-
sierte FE-Berechnungen erfasst, wobei sich zeigt, dass die Kenntnis von Reibungswinkel,
Kohäsion und des Verhältnisses von einaxialer Zugfestigkeit zu Kohäsion für die Auswer-
tung relevant sind.
Weiterhin wurden einige Empfehlungen für die Versuchsdurchführung gegeben.
Die Geschwindigkeitsabhängigkeit des Porenwasserüber- bzw. Unterdruckes in der Probe
bei undränierten oder teildränierten Zuständen, sowie das Zugverhalten teilgesättigter Bö-
den ist Gegenstand derzeit laufender Untersuchungen.
Abschließend sei erwähnt, dass die hier angewandte Methodik der Auswertung von Ver-
suchs- oder Rechenergebnissen mit vorangehender Dimensionsanalyse bei beliebigen geo-
technischen Fragestellungen anwendbar ist.
Durchführung und Auswertung von Spaltzugversuchen mit kohäsiven Böden 61

Literatur
Chen, R., Stimpson, B [1993]: Interpretation of Indirect Tensile Strength when Moduli of
Deformation in Compression and in Tension are Different. Rock Mech. Rock
Engng. (1993) 26 (2), 183-189
DIN 1048 T. 2 [19xx]: Festbetonprüfung
DGGT, AK 3.3 [1985] Empfehlung Nr. 10: Indirekter Zugversuch an Gesteinsproben -
Spaltzugversuch (BAUTECHNIK 6/1985)
Harison, Hardin, Mahboub [1994]: Fracture Toughness of Compacted Cohesive Soils Using
Ring Test. Journ. Geotechnical Eng., Vol. 120, No.5, May 1994, 872ff.
Haberfield, C.M., Johnston, I.W. [1989]: Relationship between fracture toughness and ten-
sile strength for geomaterials. XII ICSMFE, 1/13, p.47ff.
Horn, A., Schick, P. und Wunsch, R. [1995]: Verformbarkeit, Risssicherheit und Dichtigkeit
von mineralischen Deponieabdichtungen. Forschungsbericht, Bayerisches Lan-
desamt für Umweltschutz, München, 1994. Abgedruckt in: Mitteilungen des Insti-
tuts für Bodenmechanik und Grundbau, UniBw München, H.10, 1995
Kezdi, A. [1971]: Handbuch der Bodenmechanik, Bd.III: Bodenmechanisches Versuchswe-
sen. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin
Schick, P. [1996]: Bodenmechanische und bautechnische Eigenschaften gemischtkörniger
mineralischer Deponiebasisdichtungen aus Bentokies, mit besonderer Berücksichti-
gung der zeitabhängigen Risssicherheit und Verformbarkeit unter Auflast. Disserta-
tion UniBw München. Mitteilungen des Instituts für Bodenmechanik und Grund-
bau, UniBw München, H.11, 1996
Schick, P. [2002]: Anwendung eines Zwei-Komponenten-Modells der pF-Kurve auf Struk-
turänderungen in Böden. Bautechnik 79 (2002), H. 2
Schick, P. [2002]: Die pF-Kurve bindiger Böden bei großen Wasserspannungen. Bautechnik
79 (2002), Heft 12, S. 842-849
Schick, P. [2003]: Ein quantitatives Zwei-Komponenten-Modell der Porenwasser-Binde-
kräfte in teilgesättigten Böden. Habilitationsschrift, Mitteilungen des Instituts für
Bodenmechanik und Grundbau der Universität der Bundeswehr München, Heft 17
(eingereicht am 01.10.03, noch unveröffentlicht).
Schick, P. [2004]: Scherfestigkeit durch Kapillarität in unzementierten ungesättigten bindi-
gen Böden. Bautechnik 81 (2004), Heft 1
SN 640 452c [1997]: Heissmischfundationsschichten HMF: Anforderungen, Ausführung
62 P. Schick

Anhang
Tab. A1: Angaben zur Dokumentation von Spaltzugversuchen (Beispiel)
Versuchsbezeichnung: Bsp_SZ_01.dat
Bodenart und -zustand
Klassifizierung nach DIN 18196 bzw. TM
Benennung nach DIN 4022, T.1 auf der Basis von T,u*,fs , mittelplastisch, kalk-
K rnungslinie, Plastizit tsgrenzen, Korndichte, Kalkgehalt, Gl hverlust frei, anorganisch
Herstellungsweise der Probe, z.B.
Entnahmeart ungest rter Proben, Ausstechzylinder, t = 0,5m
Verdichtungsenergie verdichteter Proben,
Konsolidierungsspannung von dometerproben
Wassergehalt vor und nach dem Versuch wA = 26,1% / wE = 26,1%
Trockendichte Ud = 1,602 t/m‡
Versuchsdurchführung
Laborant / Datum / Uhrzeit Beginn-Ende Ba / 07.12.91 / 12:10-12:15
Abmessungen der Probe d = 10 cm, l = 10 cm
Breite der Lastverteilungsstreifen 0,1 d = 1cm
Vorschubgeschwindigkeit und Austrocknungsschutz 0,01 mm/min, Gummih lle
Steuerungsart (Wegsteuerung empfohlen) weggesteuert
Auswertung
Fotografien oder Skizzen des Bruchmodus Proj_SZ_0x.jpg
MC / Gl. (14)
Materialmodell und Berechnungsgleichung der Spaltzugfestigkeit
LE / Gl. (4)
MC: qSZ [kN/m†] =
Spaltzugfestigkeit
LE: qSZ [kN/m†] =
Horizontale Aufweitung im Bruchzustand (d'd)/d [%] =
MC: Hx [%] =
Bruchdehnung in Probenmitte
LE: Hx [%] =
63

Möglichkeiten und Grenzen bodenmechanischer


1g-Modellversuche

Walz, Bernhard

Zusammenfassung
Der kleinmaßstäbliche bodenmechanische Modellversuch im natürlichen Schwerefeld der
Erde (1g-Versuch) weist Modellfehler auf, für die einerseits das geringe Spannungsniveau
und andererseits die nicht maßstabsgetreue Abbildung der Korngröße des Bodens ursächlich
sind. Daher können in der Regel im Modellversuch gemessene Verformungs- und Kraftgrö-
ßen nicht mit den Modellgesetzen der Ähnlichkeitsmechanik auf den Prototyp übertragen
werden. Dennoch liefern kleinmaßstäbliche bodenmechanische Modellversuche wertvolle
Erkenntnisse, die erdstatische Zusammenhänge erklären und Anregungen für theoretische
Konzepte geben.

1 Einleitung
Im bodenmechanischen 1g-Modellversuch wird ein geotechnisches Bauwerk, z. B. eine ver-
ankerte Stützwand, oder ein geotechnisches Bauteil (Pfahl, Flachfundament) geometrisch
verkleinert (Maßstabsfaktor O) und konstruktiv stark vereinfacht zusammen mit einem Aus-
schnitt des umgebenden Bodens physikalisch (im Gegensatz zu numerisch) abgebildet. Dem
Bauwerksmodell bzw. dem Boden werden Kräfte und/oder Verformungen aufgeprägt und
die hierbei entstehende Interaktion zwischen Bauwerk bzw. Bauteil und Boden beobachtet.
Die Beobachtung der Interaktion erfolgt einerseits durch messtechnische Erfassung von
Kräften, Spannungen und Verformungen am oder im Bauwerk bzw. Boden, andererseits
durch eine Veranschaulichung von Verformungen bzw. von Vorgängen im Boden – letzte-
res insbesondere, wenn es um das Zusammenwirken von Flüssigkeiten und Boden geht.
Als Modellboden wird in der Regel ein eng gestufter Mittelsand verwendet; Modellversuche
mit bindigen und vor allem mit organischen, weichen Böden sind besonders schwierig aus-
zuführen und werden in diesem Beitrag nicht besprochen. Bei Verwendung eines Mittelsan-
des als Modellboden wird die Korngröße des „Prototypbodens“ nicht mit dem geometri-
schen Maßstabsfaktor O verkleinert, sondern sogar häufig die Bodenumgebung des Groß-
bauwerkes als Modell-Umgebung 1:1 übertragen. Wenn für die Boden-Bauwerk-Interaktion
Dilatanzerscheinungen in Gleitflächen, die zu einer Verspannung im Boden führen, maßge-
bend werden, sind Modellfehler zu erwarten, weil die Scherfugenbreite von der mittleren
64 B. Walz

Korngröße abhängt und daher im Modellversuch ebenso groß ist wie beim Prototyp. In die-
sem Fall verbietet sich eine Übertragung der am Modell gemessenen Kräfte oder Verfor-
mungen auf die Großausführung mit Hilfe der Modellgesetze der Ähnlichkeitsmechanik.
Die hier besprochenen Modellversuche finden im natürlichen Schwerefeld der Erde statt,
weshalb sie als 1g-Modellversuche bezeichnet werden. Im Gegensatz hierzu stehen die ng-
Versuche in einer geotechnischen Zentrifuge, bei denen das Spannungsniveau im Modell-
boden durch die Zentrifugalbeschleunigung auf das Niveau des Prototyps angehoben wird.
Da maßgebende Bodenkennwerte, z. B. der Reibungswinkel und der Dilatanzwinkel, vom
Spannungsniveau abhängig sind, werden beim 1g-Modellversuch die Modellgesetze der
Ähnlichkeitsmechanik auch hinsichtlich der Scherfestigkeit nicht eingehalten.
Solche Argumente sprechen gegen eine Verwendung der quantitativen Ergebnisse von bo-
denmechanischen 1g-Modellversuchen in der Forschung. Auch die Hypothese (Bild 1)
(Walz 1982), „dass im Einzelfall, wenn die Methode eines rechnerischen Nachweises unbe-
kannt oder zweifelhaft ist, die vorgeschätzte Bemessung eines Grundbauwerkes oder die
Ausführbarkeit eines Vorhabens durch einen möglichst einfach gestalteten „ad hoc“-
Modellversuch nachgewiesen werden könne“ erweist sich als nicht realisierbar.

Bild 1: Der bodenmechanische 1g-Modellversuch als Mittel zur Bemessung eines Grundbauwer-
kes
Wenn auch die o. g. Modellfehler in der Regel eine unmittelbare Übertragung der quantita-
tiven Ergebnisse des bodenmechanischen 1g-Modellversuchs ausschließen, so lassen sich
doch hiermit wertvolle Erkenntnisse für die ingenieurmäßige Beschreibung der Boden-
Bauwerk-Interaktion gewinnen, die sich vor allem auf die Veranschaulichung von Vorgän-
gen im Boden beziehen. Bei jedem Modellversuch ist sorgfältig zu prüfen, welche gemesse-
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 65

nen Größen oder qualitativen Beobachtungen auf die Großausführung übertragen werden
können. Es gilt also, die Möglichkeiten des bodenmechanischen 1g-Modellversuchs unter
Beachtung seiner Grenzen auszuschöpfen.

2 Das Erkennen von Bruchmechanismen im boden-


mechanischen 1g-Modellversuch
Im kleinmaßstäblichen bodenmechanischen 1g-Modellversuch können Gleitflächen bei mit-
teldicht oder dicht gelagertem, rolligen Boden sowie Bruchmechanismen dargestellt wer-
den, die entstehen, wenn das geotechnische Bauwerk einen Grenzzustand erreicht. Für senk-
recht zur Bildebene sehr langen Bauwerke (ebene Probleme) genügt bereits der in Bild 2
dargestellte Modell-Container (L : H : T = 50 cm : 30 cm : 15 cm), dessen Seitenwände aus
Glasscheiben bestehen. Modellbauwerk und Boden werden in beliebiger Abfolge eingebaut,
weil es um das Studium des Bruchzustandes geht, in dem der Boden ohnehin das Gedächt-
nis seiner Belastungsgeschichte vergisst, d. h. die Abfolge der Herstellung und der Belas-
tung des geotechnischen Bauwerks hat keinen Einfluss auf die Ausbildung des Bruchzu-
standes.

Bild 2: Kleiner Modell-Container zur Darstellung von Bruchmechanismen


Bei räumlichen Randbedingungen sind meist größere Versuchs-Container erforderlich, ins-
besondere, wenn Parameter, die voraussichtlich den Gleitflächenmechanismus beeinflussen,
variiert werden sollen (Bild 3). Da bei dem Modellversuch des Bildes 3 die Aufbau- und
Versuchsabfolge für das Ergebnis – Darstellung des Bruchmechanismus – nicht relevant ist,
wird zunächst der Boden in den Versuchs-Container eingebracht, wobei der künftige sus-
66 B. Walz

pensionsgestützte Schlitz durch eine Schablone vorgeformt ist. Nach Füllung des Schlitzes
mit Bentonitsuspension und Ziehen der Schablone wird das Fundament aufgesetzt und bis
zum Standsicherheitsversagen belastet.

Bild 3: Container für Modellversuche zur Untersuchung der Standsicherheit eines Einzelfunda-
mentes neben einem suspensionsgestützten Schlitz
Der Bruchzustand im Boden, d. h. das Entstehen von Gleitflächen, wird möglichst „proto-
typ-getreu“ provoziert. Bei einer Gewichtsstützwand erfolgt dies durch Drehen oder Ver-
schieben der Wand, bei Flachfundamenten durch die einwirkende Last usw. Handelt es sich
um die Beobachtung des Versagens der Gesamtstandsicherheit, wie z. B. beim Gelände-
bruch oder beim Versagen einer verankerten Wand auf der sog. tiefen Gleitfuge, sollte eine
Führung der Bewegung des Bauwerks und/oder das Anbringen von beim Prototyp nicht
vorhandenen Kräften vermieden werden. So wurde die von Jelinek und Ostermayer (1966)
beobachtete, nach oben durchgebogene, vom Ankerkörper zum Wandfuß verlaufende tiefe
Gleitfuge angezweifelt, weil in ihren Modellversuchen (Bild 4) der Wandfuß in einem orts-
festen Gelenk gelagert war, und das Standsicherheitsversagen durch eine oberhalb des An-
kers an der Wand angreifende Zugkraft herbeigeführt wurde.
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 67

Bild 4: Aufbau der Modellversuche von Jelinek und Ostermayer zum Standsicherheitsversagen
einer verankerten Wand auf der tiefen Gleitfuge (Quelle: Jelinek und Ostermayer 1966)
In Modellversuchen zur Darstellung der tiefen Gleitfuge bei einer einfach verankerten
Stützwand hat der Autor den Versagenszustand einer nicht zwangsweise geführten Wand
durch kurzzeitiges Herabsetzen der Scherfestigkeit des Bodens bei Erschütterungen (leichte
Schläge mit einem Gummihammer auf den Rahmen des Modell-Containers des Bildes 1)
erreicht (Walz 2003). Im zeitlichen Takt ablaufende Einzelaufnahmen verschiedener Ver-
schiebungszustände des von der Stützwand und der Verankerung zusammengehaltenen Bo-
dengleitkörpers ergeben einen „Daumenkino-Film“ zum Versagen der Gesamtstandsicher-
heit auf der tiefen Gleitfuge. Diese „Filme“ mit unterschiedlicher Ausbildung des Anker-
körpers (liegende und stehende Ankerplatte, Verpressankerelemente) und für vorgespannte
und schlaffe Anker können unter http://wt.fb11.uni-wuppertal.de/geotechnik/filme/ eingese-
hen werden.
Die Ausbildung der im Bruchzustand entstehenden Gleitflächen kann bei ebenen Systemen
direkt durch die Glasscheiben des Modell-Containers beobachtet werden. Hierzu ist der
Sand zu markieren, was in der Regel durch dünne Linien eines hellen Feinsandes geschieht,
die während des Einbaus des Modellbodens eingebracht werden. Die Relativ-Verschiebung
in der Gleitfuge verursacht einen Versatz in jeder vom Bruchvorgang betroffenen Einstreu-
linie. Die Verbindung der Versatzstellen lässt den Bruchmechanismus erkennen (Bild 8a
und Bild 5).
68 B. Walz

Bild 5: Versatz von Einstreulinien: a) Gekrümmte Gleitfuge beim Erdwiderstand; b) Tiefe Gleit-
fuge bei einer verankerten Wand
In den Modellboden eingebaute dünne Gipsschichten werden nach dem Eintritt des Bruch-
zustandes bewässert. Die abgebundene Gipsschicht kann freigelegt werden. Der gekrümmte
Verlauf der Gipsschichtstufe am Containerrand (Bild 6b) ist auf die Reibung zwischen Bo-
den und Glaswand zurückzuführen.

Bild 6: Gipsschichttechnik bei einem Modellversuch zum aktiven Erddruck: a) Versatz der Gips-
schicht nach Wandbewegung; b) Freigelegte Gipsschicht (2. Lage, von oben gesehen)
Räumliche Probleme erfordern durchgehende Markierungsschichten aus hellem Sand oder
aus Gips und ein „Einfrieren“ der Verschiebungen nach Eintritt des Bruchzustandes. Dies
geschieht bei den Gipsschichten durch Zuführen von Wasser und bei Sandeinstreuschichten
durch kurzzeitiges komplettes Fluten und anschließendes Entwässern des Containers, wo-
durch der Versuchssand eine scheinbare Kohäsion erhält. Diese erlaubt das Anlegen vertika-
ler Schnitte durch den Boden (Bild 7), aus denen der Gleitflächenmechanismus erkennbar
wird. Mögliche weitere Markierungstechniken werden an dieser Stelle nicht erläutert.
Bei der Übertragung der Erkenntnisse aus diesen Modellversuchen auf reale geotechnische
Bauwerke ist folgendes zu beachten: So wie beim Modell werden auch beim Prototyp die
Gleitflächen an charakteristischen Bauwerksrandpunkten ansetzen, z. B. an den Fundament-
kanten (Bild 7), am Wandfuß (Bild 5a und 8a) oder auch etwa in der Mitte der Verpressan-
ker (Bild 5b). Ferner werden der Typ der Gleitfläche – eben oder gekrümmt – und die gene-
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 69

relle Aussage, dass je nach Situation ein Einkörper- oder ein Mehrkörperbruchmechanismus
(Bild 7) auftreten wird, vom Modellversuch auf die Großausführung übertragbar sein.
Quantitative Aussagen, z. B. die Größe des Neigungswinkels einer Gleitfläche gegen die
Horizontale oder die Ausbisstiefe der Gleitfläche im suspensionsgestützten Schlitz, sind
sicherlich mit Modell- oder Maßstabsfehlern behaftet. Dies macht beispielsweise das Bild
6b deutlich, da die an der Glasscheibe sichtbare Gleitflächenneigung von der Reibung zwi-
schen Boden und Glasscheibe beeinflusst wird. Es ist auch gar nicht erforderlich, quantitati-
ve Größen – vor allem Gleitflächenwinkel – aus dem Modellversuch zu übertragen, denn
die Kenntnis der Art des Bruchmechanismus ist ausreichend, um mit den Gleichgewichts-
bedingungen, dem Mohr-Coulombschen Schergesetz und der Extremalbedingung eine erd-
statische Berechnung für den Bruchzustand durchzuführen.

Bild 7: Untersuchungen zur Standsicherheit eines Einzelfundamentes neben einem suspensionsge-


stützten Schlitz: a) geringer Abstand und b) größerer Abstand zwischen Fundament und
suspensionsgestütztem Schlitz
Auch die rechnerische Verifizierung einer am Bauwerksmodell gemessenen Kraft im
Grenzzustand (z. B. Grenzlast des Fundamentes neben dem Schlitz oder Erddruckkraft auf
die Stützwand) entspricht nicht dem Konzept, das diesem Typ von Modellversuchen zu
Grunde liegt. Die Scherfestigkeit, die als wesentliche Größe in die Nachrechnung der ge-
messenen Kraft eingeht, ist mit einem unbekannten Modellfehler behaftet. Eine bodenme-
chanisch begründete Annahme eines maßgebenden Reibungswinkels führt immer zum Ziel
der Verifikation von am Modell gemessenen Kraftgrößen.
70 B. Walz

Der Typ „Darstellen von Bruchmechanismen“ des bodenmechanischen 1g-Modellversuchs


wird heute vor allem in der Lehre des Faches Geotechnik an Hochschulen eingesetzt, weil
mit recht einfachen Mitteln der Einfluss beispielsweise der Art einer Stützwandverschie-
bung (Parallel-Verschiebung, Drehung um Kopf- oder Fußpunkt) oder der konstruktiven
Ausbildung des Bauwerks (Neigung der Wandrückseite, Kragarm an der Stützwand, Win-
kelstützwand, verankerte Wand) oder auch der Bewehrung des Bodens mit Bodennägeln
oder längsstarren bzw. dehnbaren Geotextilien auf den Verlauf der Gleitfugen und auf deren
Form gezeigt werden kann. Es lässt sich darstellen, dass bei lockerer Lagerung des Bodens
unter dem Modellfundament kein Grundbruch mit der Ausbildung einer zur Geländeober-
fläche laufenden Gleitfuge entsteht, sondern mehr ein Verdrängungsprozess stattfindet. Mit
etwas zusätzlicher Messtechnik können auch qualitativ Last-Verschiebungskurven (Erd-
druckkraft und Wandverschiebungsweg oder Last und Fundamentsetzung bis zum Grund-
bruch) aufgenommen und direkt projeziert werden. Die theoretische Behandlung der erdsta-
tischen Berechnungsverfahren wird durch die Darstellung der Bruchmechanismen in den
bodenmechanischen 1g-Modellversuchen sinnvoll ergänzt.

Bild 8: Aktiver Gleitkeil: a) mit Einstreuschichten; b) mit Auswertung durch PIV


Die o. g. Markierungstechniken erfordern für das Erkennen eines Bruchmechanismus einen
beträchtlichen Verschiebungsweg des Bauwerksmodells, der weitaus größer ist als derjeni-
ge, der zum Erreichen eines aktiven Bruchzustandes führt. Bruchmechanismen von ebenen
Systemen treten aber auch schon bei kleinen Verschiebungswegen deutlich hervor, wenn
beim Modellversuch ein Bildmuster-Erkennungsprogramm (Hauser und Walz 2004) einge-
setzt wird (Bild 8).
Das digitale Foto des Ausgangszustandes (noch ohne Wandverschiebung) wird hierbei in
kleine Bildfenster zerlegt. Das Programm speichert das Muster der in einem Bildfenster an-
geordneten Sandkörner. Auf dem Foto der ersten kleinen Verformungsstufe verschiebt das
Programm das Bildfenster in der unmittelbaren Umgebung der Ausgangslage solange, bis es
eine optimale Übereinstimmung mit dem Bildmuster des Ausgangszustandes gefunden hat.
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 71

Die Verschiebung des Bildfensters kann als Vektor oder als Farbe innerhalb einer Skala
dargestellt werden. Da mit diesem Verfahren die Verformungen im Boden schon bei kleinen
Verschiebungen des Bauwerks (0,3 mm bis 0,5 mm) sichtbar und messbar werden, kann die
fortschreitende innere Gleitfugenentwicklung bei komplexeren Bauwerken, wie z. B. Bo-
den-Verbundbauwerken (Fangedamm, Bodenvernagelung, Bewehrte Erde, Stabwand usw.)
bei wachsendem Verformungsweg des Gesamtbauwerkes genauer studiert werden.

3 Modellversuche zur Beobachtung von (Fließ-) Pro-


zessen im Boden
Die Interaktion zwischen Boden (bzw. Bodenkorn) und Flüssigkeit (Wasser, Suspension,
hochviskose Flüssigkeit) lässt sich im bodenmechanischen Labor besser beobachten als
messen, wobei hier nicht Elementversuche zur Ermittlung der Durchlässigkeit gemeint sind.
So können die Umströmung einer Wand oder die Durchsickerung eines homogenen Dam-
mes mit und ohne Fußfilter, die Wirkung einer dichtenden Schicht oder auch der hydrauli-
sche Grundbruch (Triantafyllidis 2003) und sonstige auf der Filterströmung beruhende Ef-
fekte sichtbar gemacht werden.
Das Bild 9 zeigt beispielsweise zwei zeitlich nacheinander aufgenommene Situationen einer
mit Polymer-Flüssigkeit gestützten Erdwand. Die Zugabe von Polymeren erhöht die Visko-
sität von Wasser ohne eine Fließgrenze zu erzeugen, d. h. diese rein viskose Flüssigkeit
dringt dem hydraulischen Gefälle folgend immer weiter in das Porensystem des Bodens ein
ohne je zu stagnieren, wie z. B. eine Bentonitsuspension. Während bei kleiner Eindringung
der Polymerflüssigkeit in den kiesigen Boden (Bild 9a), d. h. kurz nach dem Freilegen der
Erdwand, das Druckgefälle fso an einer betrachteten Stelle in der Tiefe z ( f so J Fl ˜ z / s
[kN/m3] mit JFl = Wichte der Polymerflüssigkeit [kN/m3]; s = Eindringtiefe der Flüssigkeit
in den Boden in Höhe der betrachteten Stelle [m]) noch ausreicht, die einzelnen Körner am
Herausfallen zu hindern, tritt in Bild 9b bei weiter fortgeschrittener Eindringfront (zu einem
späteren Zeitpunkt) wegen des nun zu kleinen Druckgefälles ein „inneres“ Versagen durch
Herausfallen von Einzelkörner aus der Kiesschicht ein, was sich bei zunehmender Eindrin-
gung so verstärkt, dass die Erdwand einbricht.
Wird in diesem Versuch die Erdwand mit einer Betonitsuspension gestützt, stagniert diese
aufgrund ihrer Fließgrenze im Porensystem des Korngerüstes, wodurch eine dauerhafte
Stützung der Erdwand erreicht wird.
Der sehr schnell ablaufende Interaktionsvorgang des Eindringens eines Suspensions-
Schneidstrahls in den Boden kann im Modellversuch (bei herabgesetzter Schneidstrahlener-
gie) mit einer Hochgeschwindigkeitskamera (Bergschneider 2002, Stein 2004) beobachtet
werden. Die Interpretation der Beobachtung des Löse- und Transportvorganges im Boden
gibt Anregungen für einen rechnerischen Ansatz, mit dem die Reichweite des Düsenstrahls
72 B. Walz

bestimmt werden kann. Eine Verifikation der im wesentlichen auf der Grundlage von rein
qualitativen Beobachtungen entwickelten rechnerischen Methode kann durch Vergleich mit
Messwerten der Praxis erfolgen. Unterstützend können bei diesen Modellversuchen gegebe-
nenfalls der Porenflüssigkeitsdruck und die Gesamtspannung (Korndruck und Flüssigkeits-
druck zusammen) als Kontrollgrößen für eine rechnerische Beschreibung des Interaktions-
vorganges und der hierdurch ausgelösten Destabilisierung des Korngerüstes mit den Er-
scheinungsformen des hydraulischen Grundbruchs, des Versagens der inneren Standsicher-
heit oder der Erosion des Bodens gemessen werden.

Bild 9: Mit Polymersuspension gestützte Erdwand: a) geringe Eindringung der Flüssigkeit; b) Ver-
sagen der inneren Standsicherheit in der Kiesschicht bei größerer Eindringtiefe

4 Die Grenzlast von stabförmigen geotechnischen


Bauteilen im Modellversuch
Bei längskraft-beanspruchten Bauteilen, wie Zug- und Druckpfahl oder Verpressanker, ist
die Grenzlast eine wesentliche Bemessungsgröße. Mit der Beobachtung von Gleitflächen –
es tritt offensichtlich nur eine Relativverschiebung zwischen Bauteilmantel und Boden auf –
lässt sich ein das Tragverhalten erfahrungsgemäß nur ungenügend beschreibender „Mantel-
reibungsansatz“ entwickeln. Erdstatische Berechnungsverfahren zur Bestimmung der
Grenzlast infolge Mantelreibung sind daher nicht zugelassen; dies betrifft auch den Spitzen-
druck.
Bei Modellversuchen zur Ermittlung der Grenzlast derartiger geotechnischer Bauelemente,
die recht einfach auszuführen sind, haben die in der Einleitung genannten Modellfehler gra-
vierende Auswirkungen, wie mit einem Beispiel gezeigt wird: Das 30 cm lange Modell ei-
nes einzeln stehenden Zugpfahles wurde mit einer Grenzzugkraft von Zgr,M = 160 N aus dem
Modellboden (Fein- bis Mittelsand) herausgezogen. In einem Boden mit etwa gleicher
Korngröße erbrachte eine Probebelastung an einem Pfahl mit L = 14,40 m Länge eine Gren-
zugkraft von Zgr,P = 2200 kN (Borchert et al. 1998). Nach dem Modellgesetz der Ähnlich-
keitsmechanik wird eine Kraft über die dritte Potenz des geometrischen Maßstabsfaktor O
(hier O = 1440/30 = 48) abgebildet. Wird die im Modell gemessene Grenzzugkraft von
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 73

Z gr ,M 160 N 160 ˜ 10 3 kN auf die Prototypabmessungen hochgerechnet, ergibt sich


Zgr , P Zgr , M ˜ O3 160 ˜ 10 3 ˜ 483 17.700 kN , also etwa das 8fache des bei der Probebelastung
gemessenen Wertes.
Da für den Modellfehler die nicht maßstabsgetreue Abbildung der Korngröße des Modell-
bodens ursächlich ist, wird die Größe des Modellfehlers vom Maßstabsfaktor O abhängig
sein. Diese Abhängigkeit kann gegebenenfalls durch Versuche mit einer Modellfamilie auf-
gedeckt werden. Eine Modellfamilie bildet denselben Prototyppfahl mit verschiedenen ge-
ometrischen Maßstabsfaktoren ab. Aber auch eine Auftragung der Grenzzugkraft der ein-
zelnen Mitglieder der Modellfamilie wird eine Extrapolation auf den Prototyp in der Regel
nicht erlauben, da eine zu große Lücke bis zum Maßstabsfaktor O = 1,0 verbleibt und die
Auftragung „Grenzzugkraft = f (O)“ nur einem bestimmten Prototyp-Pfahl zugeordnet und
daher nicht allgemein gültig ist.
Bodenmechanische Modellversuche zur Ermittlung der Grenzlast stabförmiger geotechni-
scher Elemente sind daher nur dann sinnvoll, wenn sie zur Formulierung eines spezifischen,
für das betrachtete Bauelement allgemein gültigen Modellgesetzes führen, wobei dieses Ge-
setz gegebenenfalls auch nur in Form einer grafisch dargestellten eindeutigen Abhängigkeit
bestehen kann. Das spezifische Modellgesetz enthält auf der einen Seite (auf einer Achse
der grafischen Darstellung) die gesuchte Grenzkraft in dimensionsloser Form – hier z. B.
die Grenzzugkraft eines Zugpfahls – und auf der anderen Seite (auf der anderen Achse) die-
jenigen Parameter von Boden und Pfahl, die die Größe der Grenzzugkraft maßgeblich steu-
ern, ebenfalls als dimensionslose Größe.
Um die maßgebenden Parameter zu identifizieren, ist ein mechanisches Modell zur rechne-
rischen Bestimmung der Grenzzugkraft zu entwickeln, das auf einer wirklichkeitsnahen
Vorstellung über die physikalischen Vorgänge im Boden bei Erreichen des Grenzzustandes
beruht. Dies ist beispielsweise Quarg-Vonscheidt und Walz (2002) mit dem Modell des pa-
rabelförmigen Boden-Rotationskörpers, der sein Eigengewicht auf den Pfahlmantel umlenkt
(hierfür ist die Bezeichnung „angehängtes Bodenvolumen“ üblich) gelungen. Bei dieser
theoretischen Betrachtung wird zur statischen Beschreibung der Umlenkung von Boden-
Eigengewichtskräften auf den Pfahlmantel der Spannungszustand in dünnwandigen Rotati-
onsschalen betrachtet, die ineinander liegen und in ihrer Summe den am Pfahl angehängten
Bodenkörper bilden. Damit die aus granularem Material bestehenden Schalen nicht ausein-
ander fallen, muss eine innere Verspannung im angehängten Bodenvolumen vorausgesetzt
werden, die bei der Zugbelastung des Pfahls infolge Dilatanz in der unmittelbaren Umge-
bung des Pfahlmantels entsteht. Der Dilatationsweg und damit auch die Größe der Verspan-
nung ist neben der Lagerungsdichte vor allem vom mittleren Korndurchmesser ur abhängig.
Je länger der Pfahl ist, umso größer wird das angehängte Bodenvolumen sein und umso ge-
ringer ist die Auswirkung einer durch Dilatanz am Pfahlmantel ausgelösten Verspannung.
74 B. Walz

Mit diesen Überlegungen liegen die beiden für die Größe der Grenzzugkraft, d. h. für die
Öffnungsweite A (Bild 10) des angehängten Bodenkörpers maßgebenden Parameter – der
mittlere Korndurchmesser ur und die Pfahllänge L – fest, deren Verhältnis L/ur in etwas ver-
schlüsselter Form auf der Ordinatenachse in das „Modellgesetz“ des Bildes 10 eingeht. Die
Abszisse des auch als Bemessungsdiagramm für die Grenzzugkraft bezeichneten Bildes 10
enthält die auf den mittleren Korndurchmesser ur bezogene Öffnungsweite A des angehäng-
ten Bodenvolumens, so dass mit der Bodenwichte J die Grenzzugkraft bekannt ist (Quarg-
Vonscheidt 2000).

Bild 10: Empirisches „Modellgesetz“ für die Grenzzugkraft von einzeln stehenden Zugpfählen
So einfach einerseits die Durchführung von Modellversuchen zur Ermittlung der Grenzlast
von stabförmigen geotechnischen Bauteilen ist, so komplex und schwierig ist es anderer-
seits, ein analytisches mechanisches Modell zur rechnerischen Ermittlung der Grenzkraft zu
entwickeln, das sowohl für die kleinen Strukturen des Modellversuchs als auch für die gro-
ßen Strukturen der Bauwerkspfähle gültig ist. In Bild 10 sind die Daten (Grenzzugkraft
bzw. Öffnungsweite A, Pfähllänge L und mittlerer Korndurchmesser ur) von zahlreichen
Modellpfählen ab L = 10 cm Länge und von vielen Prototyppfählen mit Längen bis zu L =
40 m verarbeitet. Die geringe Streuung der Messwerte um die dargestellte Funktion ist ein
Hinweis, dass das als Grafik dargestellte spezifische Modellgesetz für die Grenzkraft von
Zugpfählen in Sand zutreffend (wirklichkeitsnah) ist.
Mit den Erkenntnissen über die Grenzzugkraft eines einzeln stehenden Zugpfahls sind nun
auch die von Quarg-Vonscheidt (2000) ausgeführte Modellversuche mit einer Zugpfahl-
gruppe sinnvoll auswertbar und auf die Großausführung übertragbar.
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 75

5 Der quantitative bodenmechanische 1g-Modell-


versuch
Bei einem quantitativen bodenmechanischen 1g-Modellversuch wird ein geotechnisches
Bauwerk, z. B. eine durch Steifen oder Anker gestützte Spundwand, in einem gewählten
Modellmaßstab unter Einhaltung der Entstehungsgeschichte des Bodens, z. B. durch Ein-
regnen des Versuchssandes in den Modell-Container, sowie der Herstellungs- und Belas-
tungsgeschichte des geotechnischen Bauwerks abgebildet. Derartige Modellversuche sind
auch zum Studium der Auswirkungen von geotechnischen Technologien auf die Umgebung
möglich. So kann im Modellversuch die Setzung eines Fundamentes beobachtet werden, in
dessen Nachbarschaft ein suspensionsgestützter Schlitz ausgehoben wird. An dem Bauwerk
bzw. im Boden oder auf der Bodenoberfläche werden Verformungen und Kräfte im sog.
Gebrauchszustand gemessen, weshalb die Beachtung der Entstehungs- und Belastungsge-
schichte für die Abfolge der Durchführung des Modellversuchs wichtig ist.
Nach den Hinweisen in der Einleitung ist zu erwarten, dass der einzelne Messwert, z. B. die
bei einer gewissen Tiefe des Bodenaushubs vor der Modell-Spundwand gemessene Steifen-
kraft oder die Größe der Setzung des Fundamentes, neben dem im Modellversuch unter
Suspensionsstützung ein Schlitz abgeteuft wird, einen Modellfehler unbekannter Größe ent-
hält und daher nicht über die Modellgesetze der Ähnlichkeitsmechanik auf die Großausfüh-
rung übertragbar ist. Nach Franke und Muth (1987) wird sich aber bei Variation eines Pa-
rameters (z. B. Abstand des Modellfundamentes vom auszuhebenden Schlitz) der Modell-
fehler als Faktor auf den jeweiligen Messwert in gleicher Weise auswirken, so dass er sich
bei der Bildung des Verhältnisses der bei Variation eines Parameters entstehenden Mess-
werte herauskürzt. Daher ist das Verhältnis der bei Variation eines Parameters entstehende
Messwerte des Modellversuchs auch für das Verhältnis der entsprechenden Werte des Pro-
totyps gültig.
Waldhoff (1991) hat in Modellversuchen die Setzung eines Einzelfundamentes gemessen,
wenn neben dem Fundament ein suspensionsgestützter Erdschlitz ausgehoben wird (Bild
11), wobei die statische Belastung des Fundamentes PG />J s ˜ a ˜ b 2 @ und der Abstand zwi-
schen Fundament und Schlitz xs/b variiert wurden. Hierin sind a und b die Grundrissabmes-
sungen des Einzelfundamentes und Js die spezifische Wichte des Bodenkorns.
Die Hypothese von Franke und Muth besagt nun, dass z. B. bei einer (dimensionslosen)
Fundamentlast von Pg />J s ˜ a ˜ b 2 @ 20 die Setzung (wF/b = 0,075 aus dem Diagramm Bild 11
bei xs/b = 1,9 abgegriffen) bei einem Fundamentabstand xs/b = 1,9 ungefähr 2,2 mal so groß
ist wie bei einem Abstand xs/b = 2,4, bei dem sich aus Bild 11 die Setzung mit wF/b | 0,034
ergibt.
76 B. Walz

Bild 11: Setzung eines Modellfundamentes neben dem ein suspensionsgestützter Schlitz ausgeho-
ben wird
Ist die Setzung eines Prototypfundamentes – dessen statische Belastung, die Grundrissab-
messungen und dessen Abstand vom Schlitz gegeben sind – durch Rechnung oder Messung
bekannt, kann mit dem Diagramm des Bildes 11 entsprechend obiger Überlegungen auf die
Setzung bei anderen Belastungen und bei anderen Abständen des Fundamentes zum suspen-
sionsgestützten Schlitz geschlossen werden.
Aus den quantitativen 1g-Modellversuchen lassen sich also Aussagen zu den relativen Un-
terschieden der Messergebnisse bei Variation der Versuchsparameter herleiten, die auch zur
Überprüfung oder Eichung eines theoretischen Ansatzes dienen können.

6 Ausblick
In neuerer Zeit findet das Particle Flow Model – eine vereinfachte Form der Distinct Ele-
ment Method – Anwendung zu Lösung von Aufgabenstellungen der Boden-Bauwerk-
Interaktion (Pohl et al. 2004). Im PFM wird der Boden als ein Haufwerk starrer Kugeln, die
untereinander Schub- und Normalkräfte übertragen können, simuliert. Zur Begrenzung der
noch sehr langen Rechenzeiten wird das Bodenkorn zu recht großen Kugeln hochskaliert, so
das derzeit eine echte numerische 1:1 Nachbildung eines bodenmechanischen Modellver-
suchs nicht möglich ist. Bei einer numerischen 1:1 Modellierung der Abmessungen des geo-
technischen Bauwerks und des rolligen Bodens im Modellversuch mit dem PFM könnten
durch Variation der Größe der Kugeln im Verhältnis zum Bauwerk vielleicht die in der Ein-
leitung genannten Modellfehler identifiziert und quantifiziert werden. Mit diesen Kenntnis-
sen wären dann die am kleinmaßstäblichen bodenmechanischen 1g-Modellversuch gewon-
Bodenmechanische 1g-Modellversuche 77

nenen Messwerte unter der quantitativen Berücksichtigung der Modellfehler auf die Groß-
ausführung extrapolierbar. So könnten die im Vorangegangenen aufgezeigten Grenzen der
Anwendung des bodenmechanischen 1g-Modellversuchs weiter, als es heute möglich ist,
gefasst werden.

Literatur
Bergschneider, B. [2002]. „Zur Reichweite beim Düsenstrahlverfahren im Sand“, Bericht
Nr. 24 der Mitteilungen „Bodenmechanik und Grundbau“, Bergische Universität
Wuppertal.
Borchert, K.-M, K.-D. Mönnich, S. Savidis und B. Walz [1998]. „Tragverhalten von Zug-
pfahlgruppen für Unterwasserbetonsohlen“, Vorträge 25. Baugrundtagung, Stuttgart.
Franke, E. und G. Muth [1987]. „Unterschiedliche Anwendbarkeitsbereiche bodenmechani-
scher Modellversuche“, Geotechnik, Heft 3, S. 150-152.
Hauser, C. und B. Walz [2004]. „Bildbasierte Verformungsmessung mit der PIV-Methode“,
eingereicht zur Veröffentlichung in der Zeitschrift Geotechnik.
Jelinek, R. und H. Ostermayer [1966]. „Verankerungen von Baugrubenumschließungen“,
Vorträge der Baugrundtagung München, S. 271-310.
Pohl, M., M. Pulsfort und B. Walz [2004]. „Application of the PFC 3d for determination of
soil properties and the simulation of the excavation process in front of sheet pile wall
constructions“, numerical Modeling in Micromechanics via Particle Methods, Kyoto,
Japan, Balkema.
Quarg-Vonscheidt, J. [2000]. „Berechnungsmodell für die Tragfähigkeit und das Gruppen-
verhalten von Zugpfählen“, Bericht Nr. 23 der Mitteilungen „Bodenmechanik und
Grundbau“, Bergische Universität Wuppertal.
Quarg-Vonscheidt, J. und B. Walz [2002]. „Die Grenztragfähigkeit von Zugpfählen und
Zugpfahlgruppen in Sand“, Bautechnik, Heft 2.
Stein, J. [2004]. „Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Düsenstrahlverfah-
ren“, Dissertation TU Hamburg-Harburg. Noch nicht veröffentlicht.
Triantafyllidis, Th. [2003]. „Hydraulischer Grundbruch“, Lehrfilm für Bodenmechanik und
Grundbau, Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Grundbau und Bodenmechanik.
Waldhoff, P. [1991]. „Untersuchungen zum Setzungsverhalten von Einzelfundamenten ne-
ben flüssigkeitsgestützten Erdwänden begrenzter Länge“, Bericht Nr. 10 der Mittei-
lungen „Bodenmechanik und Grundbau“, Bergische Universität Gesamthochschule
Wuppertal.
78 B. Walz

Walz, B. [1982]. „Bodenmechanische Modelltechnik als Mittel zur Bemessung von Grund-
bauwerken“, Bericht Nr. 1 der Mitteilungen „Bodenmechanik und Grundbau“, Bergi-
sche Universität Gesamthochschule Wuppertal.
Walz, B. [2003]. „Nachweis der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge“. In: Deutsche Ge-
sellschaft für Geotechnik e. V. DGGT, Arbeitskreis Baugruben: Aktuelle Entwick-
lungen bei der Berechnung von Baugruben, Universität Dortmund, Lehrstuhl Bau-
grund – Grundbau.
2

Bodendynamik und dynamische


Boden-Bauwerk Interaktion
81

Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb?

Bode, Christopher; Hirschauer, Reinhold

Zusammenfassung
Die analytische Lösung zur Berechnung der Oberflächenverschiebungen eines linear
elastischen Halbraumes infolge einer vertikalen harmonischen Last, des sogenannten
LAMB’schen Problems, liegt nunmehr seit einem Jahrhundert vor (Lamb 1904). Diese
beinhaltet neben den bereits im Vollraum vorkommenden Longitudinalwellen (Kompressi-
ons- oder P-Wellen) und Transversalwellen (Scher- oder S-Wellen) auch die als Oberflä-
chenwellen bezeichneten RAYLEIGH-Wellen (Rayleigh 1885). Bei der Betrachtung der
Oberflächenverschiebungen sind Eigenheiten festzustellen, die allein mit der Existenz der
oben genannten drei Wellentypen phänomenologisch nur schwer zu erklären sind. Auch die
Lösungen für transiente Einzel- bzw. Linienlasten zeigen Eigenheiten, die in der Literatur
kaum angesprochen werden, obwohl deren phänomenologische Interpretation alles andere
als trivial erscheint.
In diesem Beitrag werden einige dieser kuriosen Phänomene kurz angesprochen.

1 Einleitung
Der weitaus größte Teil der Arbeiten der letzten 30 Jahre auf dem Gebiet der dynamischen
Baugrund-Bauwerk-Wechselwirkung greift für die Modellierung des unendlich ausgedehn-
ten Baugrundes auf die Randelemente-Methode (engl.: Boundary Element Method, BEM)
zurück. Im Verlaufe der Entwicklung sind dabei viele unterschiedliche Varianten entstan-
den. Ein wesentliches Merkmal bei der BEM ist die Art der verwendeten Fundamentallö-
sungen. Bei Verwendung der Fundamentallösungen für den Vollraum, welche bis heute
weitaus häufiger eingesetzt wurden, ist neben der Diskretisierung der Boden-Bauwerk
Kontaktfläche auch die Diskretisierung der spannungsfreien Oberfläche erforderlich. Dieser
Nachteil entfällt bei der Verwendung der Fundamentallösungen für den Halbraum, da bei
diesen die Spannungsfreiheit an der freien Oberfläche a priori erfüllt ist.
Aus diesem Grund hat am Grundbauinstitut der TU Berlin, dessen Leiter Herr Prof. Dr.-Ing.
S. Savidis seit vielen Jahren ist, die Verwendung dieser Fundamentallösungen für den
Halbraum zur Lösung von Wechselwirkungsproblemen zwischen Baugrund und Bauwerk
eine lange Tradition. Aber auch in den Arbeiten anderer Autoren wird auf die Fundamental-
lösungen für den Halbraum zurückgegriffen.
82 C. Bode, R. Hirschauer

Trotz der breiten Verwendung, sind ausführliche Diskussionen dieser Fundamentallösungen


nur schwer zu finden. Dabei treten bereits bei etwas näherer Betrachtung durchaus interes-
sante Phänomene zu Tage, von denen auf den nachfolgenden Seiten die eine oder andere
Besonderheit angesprochen wird.

2 GREENsche Funktionen infolge zeitharmonischer


Einzellasten
Ausgangspunkt soll zunächst die Lösung des Problems einer an der Oberfläche eines
homogenen, linear-elastischen, isotropen Halbraums (Schubmodul G, Scherwellen-
geschwindigkeit cS) aufgebrachten und mit der Kreisfrequenz Z veränderlichen vertikalen
Einzelkraft Pz sein. Betrachtet man von dem sich ergebenden Verschiebungsfeld nur die
vertikale Verschiebungskomponente wz eines ebenfalls an der Halbraumoberfläche im
Abstand r gelegenen Punktes, so erhält man

wz r , t , Z wˆ z r ,Z ˜ cos Z t  M (1)

mit der anhand der dimensionslosen GREENschen Funktion fzz(r0) ausdrückbaren Verschie-
bungsamplitude
Pz Z
wˆ z r , Z ˜ f zz r0 (2)
GcS
und der hier nicht näher ausgeführten Phasendifferenz M . Die in Gl. (2) verwendete Größe
rZ
r0 (3)
cS
kann dabei wie häufig üblich als dimensionslose Frequenz (r = konstant) mit gleicher
Berechtigung aber auch als dimensionsloser Abstand ( Z = konstant) interpretiert werden.
Wie Gl. (2) zu entnehmen ist, steckt in der GREENschen Funktion fzz(r0) bereits die gesamte
Ortsabhängigkeit ( r -Abhängigkeit) der Lösung.
In Bild 1 ist fzz als Funktion von r0 dargestellt, wobei r0 im folgenden als dimensionsloser
Abstand interpretiert wird. Man erkennt deutlich den singulären Charakter der Verschie-
bung an der Lasteinleitungsstelle, d.h. für r = 0 (r0 = 0), sowie die Abnahme der Verschie-
bung mit zunehmendem Abstand r von der Lasteinleitungsstelle. Während die Amplituden
der P-Wellen und S-Wellen an der Oberfläche laut Richart et al. (1970) mit zunehmenden
Abstand r proportional zu 1/ r 2 abnehmen, nimmt die Amplitude der sich oberflächennah
auf Zylinderoberflächen ausbreitenden RAYLEIGH-Welle mit 1/ r weitaus weniger ab und
prägt somit das Verhalten im Fernfeld (d.h. für große r0 -Werte).
Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb? 83

0.10

0.08

0.06
fzz

0.04

0.02

0
0 10 20 30 40 50
r0

Bild 1: Dimensionslose GREENsche Funktion fzz als Funktion der dimensionslosen Frequenz r0 für
einen Halbraum mit der Querkontraktionszahl Q 1 3

Alternativ zur Darstellung (2) kann die vertikale Verschiebungsamplitude an der Oberfläche
wˆ z r , Z auch in der Form
Pz
wˆ z r , Z ˜ g zz r0 (4)
Gr
angegeben werden. Der Zusammenhang zwischen der ebenfalls als dimensionslose GREEN-
sche Funktion bezeichneten Größe g zz und der zuvor eingeführten Funktion f zz ist gegeben
durch

g zz r0 r0 ˜ f zz r0 . (5)

In Bild 2 ist der Verlauf von g zz als Funktion der nunmehr als dimensionslose Frequenz
interpretierten Größe r0 dargestellt, wobei zur Darstellung des Verhaltens von g zz für r0of
ein größerer r0-Wertebereich dargestellt wurde. Dabei lässt sich eine Zunahme proportional
zu r0 feststellen, was unter Berücksichtigung des Abstandes r im Nenner von Gl. (4)
letztlich wieder zu der oben beschriebenen 1/ r -Abnahme der Oberflächenverschiebungen
im Fernfeld führt. Man erkennt zudem, dass infolge des Abspaltens des Terms 1/r die
Funktion g zz keinerlei Singularität mehr aufweist, im Gegensatz zu f zz .
Eine weitere Besonderheit der Darstellung gemäß Gl. (4) ist darin zu sehen, dass die
Abhängigkeit der Verschiebungen von der (Kreis-) Frequenz nunmehr vollständig durch die
GREENsche Funktion g zz repräsentiert wird ( Z -Abhängigkeit).
84 C. Bode, R. Hirschauer

Mit Blick auf die r0 -Zunahme von g zz bedeutet dies, dass für einen fest vorgegebenen
Ort ( r z 0 ) die Verschiebung mit zunehmender Frequenz ebenfalls zunimmt! Dies scheint
zwar auf den ersten Blick etwas verwunderlich, lässt sich aber unter Berücksichtigung
energetischer Aspekte durchaus nachvollziehen.

1.0

0.8

0.6
gzz

0.4

0.2

0
0 50 100 150 200
r0

Bild 2: Dimensionslose GREENsche Funktion gzz als Funktion der dimensionslosen Frequenz r0 für
einen Halbraum mit der Querkontraktionszahl Q 1 3

Der Fokus sei jedoch auf eine andere Besonderheit der GREENschen Funktionen gerichtet,
nämlich deren insbesondere im Nahfeld zu beobachtende ausgeprägte Welligkeit. Hier liegt
es nahe, dies einer Interferenz zwischen den beteiligten Wellentypen zuzuordnen. Doch wer
interferiert mit wem? Natürlich interferieren alle Wellentypen miteinander, doch lassen sich
damit die zu beobachtenden Phänomene auch erklären?
Um der vermeintlichen Antwort auf diese Frage ein Stückchen näher zu kommen, betrach-
ten wir die GREENsche Funktion gqq, welche analog zu Gl. (4) die horizontale Oberflächen-
verschiebung infolge einer parallel dazu gerichteten Einzelkraft repräsentiert, siehe Bild 3.

Pq r

wq

Bild 3: Zur Definition der GREENschen Funktion gqq


Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb? 85

Aus Symmetrieüberlegungen ableitbar ist die Tatsache, dass g qq keinen RAYLEIGH-


Wellenanteil aufweisen kann. Somit wird auch im Fernfeld das Verhalten von g qq aus-
schließlich von der P-Welle und der S-Welle bestimmt und steigt somit im Gegensatz zu
g zz mit größer werdendem r0 nicht an, sondern bleibt gemäß Bild 4 zumindest im Mittel
konstant. Unter Berücksichtigung der analog zu Gl. (4) vorgenommenen Normierung ergibt
sich in diesem Falle für die durch g qq repräsentierten Verschiebungen nur eine Abnahme
proportional zu 1 r . Wie lässt sich dies mit der von Richart et al. dargelegten 1/ r 2 -
Abnahme der durch P-Wellen und S-Wellen geprägten Verschiebungsanteile vereinbaren?

0.20

0.15
gqq

0.10

0.05

0
0 100 200 300 400

r0

Bild 4: Dimensionslose GREENsche Funktion gqq als Funktion der dimensionslosen Frequenz r0 für
einen Halbraum mit der Querkontraktionszahl Q 1 3

Mithin verbleibt noch der wellige Charakter von g qq , dem neben einer Grundwelligkeit im
gesamten Verlauf, zu Beginn (bis r0 | 100 ) noch eine kürzere Anfangswelligkeit überlagert
ist. Aufgrund der Abwesenheit der RAYLEIGH-Wellen kann diese Welligkeit prinzipiell nur
einer Interferenz von P- und S-Wellen geschuldet sein, und zwar unabhängig von der
jeweiligen Querkontraktionszahl Q. Dabei gilt aber, dass für Q o 1 2 bei konstanter Fre-
quenz die Wellenlänge der P-Welle aufgrund ihrer dann (theoretisch) unendlich großen
Wellengeschwindigkeit nach unendlich strebt. Damit ist jedoch letztlich die Welligkeit von
g qq infolge einer Interferenz mit den P-Wellen zumindest für Q 0.5 ebenfalls aus-
zuschließen. Trotzdem ist bei g qq für Q o 0.5 zumindest eine Anfangswelligkeit festzustel-
len, siehe Bild 5 rechts unten. Worauf ist aber diese Welligkeit dann zurückzuführen?
Bild 5 zeigt zudem sämtliche GREENsche Funktionen für verschiedene Querkontraktions-
zahlen, d.h. auch die bisher noch nicht erörterten Funktionen g rr (radiale Verschiebung
86 C. Bode, R. Hirschauer

infolge radialer Kraft) und g rz (radiale Verschiebung infolge vertikaler Kraft), die der
selben Normierung unterliegen wie in Gl. (4) für g zz dargestellt.
Es zeigt sich, dass g qq für Q 0.5 neben der erwähnten Anfangswelligkeit auch eine, wenn
auch nur schwach ausgeprägte, Grundwelligkeit aufweist, während alle anderen GREEN-
schen Funktionen lediglich zu Beginn eine Welligkeit besitzen. Dies scheint auch durchaus
plausibel, wenn man bedenkt, dass bei den durch g zz , g rr und g rz repräsentierten Verschie-
bungsanteilen im Fernfeld im wesentlichen nur noch die RAYLEIGH-Welle zu verzeichnen
ist. Müsste dieser Sachverhalt jedoch nicht auch für Q 0 zutreffen?

gzz grr

0.8 0.8

0.6 0.6

0.4 0.4

0.2 0.2

0 0
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
r0 r0

grz gqq

0.8 0.20

0.6 0.15

0.4 0.10

0.2 0.05

0 0
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
r0 r0

Bild 5: Dimensionslose GREENsche Funktionen g zz , g rr , g rz und g qq als Funktion von r0 für die
Querkontraktionszahlen Q 0 ( ), Q 13 ( ) und Q 12 ( )
Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb? 87

Es zeigt sich aber, dass für Q 0 lediglich g zz und g rz nahezu keine Welligkeit aufweisen,
wohingegen bei g qq und insbesondere bei g rr eine deutliche Welligkeit festzustellen ist,
die auch im Fernfeld (r0of) keineswegs abnimmt1). Worauf ist aber diese relativ stark
ausgeprägte Welligkeit zurückzuführen, wenn doch im Fernfeld der RAYLEIGH-Welle ein
möglicher Interferenzpartner fehlt?
Interessant ist ferner, dass die Welligkeiten von g qq und g rr jeweils unterschiedlich sind.
Ebenso, dass die anfängliche Welligkeit bei g rr für Q 0.5 so stark ausgeprägt ist, dass es
bei r0 | 15 fast zu einer ‚Auslöschung’ kommt.
Natürlich ist zu beachten, dass i.a. jede P-Welle entlang ihres Weges an der Halbraumober-
fläche zu jedem Zeitpunkt und damit auch an jedem Ort eine S-Welle induziert und umge-
kehrt auch jede S-Welle ihrerseits an jedem Ort eine P-Welle induziert. Damit gibt es
Wellen ausgehend von unendlich vielen Quellen, die miteinander interferieren können.
Doch sind die oben beschriebenen Phänomene damit auch erklärbar?

3 GREENsche Funktionen infolge transienter Lasten


Den zuvor beschriebenen Phänomenen lag ein stationärer, d.h. zeitharmonischer Zustand zu
Grunde. Analysiert man nun die Verschiebungen bzw. die GREENschen Funktionen infolge
einer transienten Belastung, so lassen sich weitere Besonderheiten erkennen.
Dazu seien wiederum die Oberflächenverschiebungen infolge einer ebenfalls an der
Halbraumoberfläche wirkenden Einzelkraft betrachtet, die nun aber sprunghaft zur Zeit
t 0 aufgebracht und anschließend konstant gehalten wird (HEAVISIDE-Zeitverlauf). Die
daraus resultierenden Verschiebungen lassen sich dabei als Funktion der als dimensionslose
Zeit interpretierbaren Größe
t cs
W (6)
r
und den transienten GREENschen Funktionen hij W gemäß

Pj
wi r ,W ˜ hij W (7)
Gr

vollkommen analog zu Gl. (4) ausdrücken (Näheres hierzu siehe Bode 2000). Die dabei wie
zuvor für die Indexkombinationen ij zz , rz , rr , qq zu unterscheidenden vier GREENschen
Funktionen hzz , hrz , hrr und hqq sind in Bild 6 für einen Halbraum mit der Querkontrakti-
onszahl Q 0.25 dargestellt. Sie entsprechen qualitativ den jeweiligen Zeitverläufen der
Verschiebungen an einem festen, durch den Abstand r gekennzeichneten Ort.
1)
Die im Fernfeld unveränderte Welligkeit bezieht sich lediglich auf die GREENschen Funktionen g qq und g rr , nicht
jedoch auf die entsprechenden Verschiebungen, da bei diesen u.a. noch der Faktor 1/r zu berücksichtigen ist.
88 C. Bode, R. Hirschauer

hzz hrr

0 0

P-Welle
S-Welle
-0.25 -0.25
Rayleigh-Welle

-0.50 -0.50
0 0.5 1.0 1.5 2.0 0 0.5 1.0 1.5 2.0

W W

hrz hqq

0 0.10

-0.25 0

-0.50 -0.10
0 0.5 1.0 1.5 2.0 0 0.5 1.0 1.5 2.0

W W

Bild 6: Transiente GREENsche Funktionen hzz , hrr , hrz und hqq als Funktion von W für einen
Halbraum mit der Querkontraktionszahl Q 14

Erwartungsgemäß sind bis zur Ankunft der P-Welle bei W 0.577 zunächst keine Verschie-
bungen zu registrieren. Im weiteren Verlauf ist dann bei W 1.0 die Ankunft der zur Zeit
t 0 ( W 0 ) im Kraftangriffspunkt erzeugten S-Welle und bei W | 1.09 die Ankunft der
RAYLEIGH-Welle mit einer ausgeprägten Singularität zu verzeichnen. Allerdings tritt diese,
aus dem bereits im vorigen Kapitel erläuterten Grund, auch hier bei transienter Belastung
nicht bei hqq in Erscheinung.
Weitaus weniger nachvollziehbar hingegen ist die Tatsache, dass sich unmittelbar nach
Ankunft der RAYLEIGH-Welle bei allen GREENschen Funktionen mit Ausnahme von hrz der
Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb? 89

statische Zustand einstellt. Dies bedeutet, dass z.B. für eine sprunghaft aufgebrachte
Vertikalkraft die vertikale Bewegung ( hzz ) sämtlicher Teilchen nach Ankunft der
RAYLEIGH-Welle geradewegs zum Stillstand kommt. Dies ist für sich alleine schon erstaun-
lich, insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass jede P-Welle an der Oberfläche eine
S-Welle generiert und umgekehrt!
Im Gegensatz dazu kommt die Horizontalbewegung in radialer Richtung ( hrz ) theoretisch
erst nach einer unendlich langen Zeitspanne zum Stillstand. Somit bleibt festzuhalten, dass
bei einer vertikalen Einzelkraft nach dem Durchgang der RAYLEIGH-Welle nur noch eine
Horizontalverschiebung vorhanden ist. Interessant ist hierbei noch, dass der asymptotische
Verlauf von hrz bei allen Querkontraktionszahlen Q auftritt, wobei hrz insbesondere für
Q 0.5 dem Wert Null entgegenstrebt, siehe Bild 7. Hätte man solch ein Verhalten, wenn
überhaupt, nicht eher für Q 0 erwartet?

hrz

-0.25

-0.50
0 0.5 1.0 1.5 2.0

Bild 7: Transiente GREENsche Funktion hrz als Funktion von W für die Querkontraktionszahlen
Q 0( ), Q 1 4 ( ) und Q 1 2 ( )

Eine letzte Kuriosität soll nun noch anhand eines Vergleiches zwischen der Punktlastlösung
(räumlichesProblem) und der Linienlastlösung (ebenes Problem) herausgearbeitet werden.
Hierzu ist es jedoch notwendig, für die Lösung eine impulsartige Belastung in Form eines
DIRAC-Impulses zugrunde zu legen, da die Lösung des ebenen Problems für eine sprunghaft
aufgebrachte und danach konstante Linienlast nach Ankunft der RAYLEIGH-Welle dauerhaft
zu unendlich großen Verschiebungen an jeder Stelle des Halbraums führt. Dieser ebenfalls
mehr als merkwürdige Umstand sei jedoch nur am Rande erwähnt.
90 C. Bode, R. Hirschauer

Um die Lösung für eine impulsartige Einzelkraft zu erhalten, genügt es die zuvor bereits
erörterte Lösung für die sprunghafte Einzelkraft nach der (dimensionslosen) Zeit W abzu-
leiten (vgl. auch Johnson 1974). In Bild 8 sind die transienten GREENschen Funktionen für
eine vertikale Einzelkraft (links) und für eine vertikale Linienlast (rechts) gegenübergestellt
(Eason 1975). Da es sich hierbei um die FOURIER-Transformierten des stationären, d.h.
zeitharmonischen Problems handelt, wurde wieder auf die Bezeichnung g zz W und g rz W
zurückgegriffen. Um Verwechselungen zu vermeiden wird in diesem Kapitel die dimensi-
onslose Zeit W im Argument der Funktionen explizit aufgeführt.

Punktlast Linienlast
gzz gzz

0 1

-2 0

-4 -1

-6 -2
W W

grz grz

2 0.5

0 0

-2 -0.5
0 0.5 1.0 1.5 0 0.5 1.0 1.5

W W

Bild 8: Transiente GREENsche Funktionen g zz W (oben) und g rz W (unten) als Funktion der
dimensionslosen Zeit W für eine impulsartige Punktlast (links) bzw. Linienlast (rechts) für
einen Halbraum mit der Querkontraktionszahl Q 1 4
Moment mal, wie kann das denn sein, Mr. Lamb? 91

Vergleicht man nun die Ergebnisse der Punkt- und Linienlast miteinander, so erkennt man,
dass das qualitative Verhalten der Vertikal- bzw. Horizontallösung in beiden Fällen genau
umgekehrt ist. Nach dem Durchgang der RAYLEIGH-Welle geht bei der Linienlastlösung die
Vertikalverschiebung asymptotisch gegen null, während die Horizontalverschiebung
spontan identisch null ist (genau genommen ist die Horizontalverschiebung bereits nach der
Ankunft der S-Welle identisch null und zeigt bei der Ankunft der RAYLEIGH-Welle ein
singuläres Verhalten).
Könnte man sich das asymptotische Verhalten von g zz W bei der Linienlast mittels einer
Aufintegration der Punktlastlösung eventuell noch erklären – Punktlastquellen entlang einer
Linie liefern auch zu späteren Zeitpunkten, allerdings immer geringer werdende, Verschie-
bungsanteile – so scheint ein entsprechender Versuch bei g rz W wohl aussichtslos – oder?
Und als wäre dies nicht bereits genug der Kuriositäten, so lässt der Vorzeichenwechsel von
g zz W bei der Linienlast selbst obigen Erklärungsversuch als fragwürdig erscheinen.

Literatur
Bode, C. [2000]. „Numerische Verfahren zur Berechnung von Baugrund-Bauwerk-
Interaktionen im Zeitbereich mittels GREENscher Funktionen für den Halbraum”, in
Veröffentlichungen des Grundbauinstitutes der Technischen Universität Berlin,
Heft 28, Herausgeber S.A. Savidis.
Eason, G. [1975]. „The Suddenly Applied Force“, in Applications of Integral Transforms in
the Theory of Elasticity, (I.N. Sneddon, ed.), Springer-Verlag, Wien - New York,
pp. 311-337.
Johnson, L.R. [1974]. „Green’s Functions for Lamb’s Problem”, The Geophysical Journal
of the Royal Astronomical Society, Vol. 37, pp. 99-131.
Lamb, H. [1904]. „On the Propagation of Tremors over the Surface of an Elastic Solid”,
Philosophical Transactions of the Royal Society London, Vol. 203, pp. 1-42.
Rayleigh, Lord [1885]. „On Waves Propagated Along the Surface of an Elastic Solid”,
Proceedings of the London Mathematical Society, Vol. 17, pp. 4-11.
Richart, F.E., J.R. Hall und R.D. Woods [1970]. Vibrations of Soils and Foundations,
Prentice-Hall Inc., Englewood Cliffs, N.J.
93

The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae)


Bridge, Kobe 1995: Soil–Foundation–Structure
Interaction, Reconstruction, Seismic Isolation

Gazetas, George; Anastasopoulos, Ioannis; Gerolymos, Nikos;


Mylonakis, George;Syngros, Costis

Abstract
The collapse of 18 spans (total length 630 m) of the Hanshin Expressway Route 3 elevated
highway bridge in Fukae during the 1995 Kobe earthquake is investigated. The overturned
concrete deck was monolithically connected (“piltz” form) to 3.1-mdiameter
circularcolumn piers, founded on 17pile groups in alluvium sand and gravel. The collapse
has been attributed by many research engineers to inadequate structural design, stemming
from insufficient and prematurelyterminated longitudinal reinforcement, inadequate hoop
anchorage, and (for the large intensity of shaking) insufficient shear capacity. The
importance of other factors has been largely ignored. This study presents evidence in the
form of a parametric study of the inelastic response of the bridge–foundation–soil system,
showing that the role of SoilFoundationStructure Interaction (SFSI) was significant and
decisively detrimental.
The extreme distress of the structure also severely affected the piles, which were found to
have suffered flexural cracking near their top; lateral pile load tests confirmed the decline of
their structural stiffness and strength by about 50%. But the stiffness of the pilesoil system
apparently only marginally decreased and, thanks to the elaborate seismic isolation bearings
introduced in the new design, no changes to foundations were deemed necessary. We show
that even a much simpler frictionbased seismic isolation system would have saved the
original bridge with rather minor acceptable damage.

1 Introduction
The Mw7 1995 Kobe Earthquake was one of the few major earthquakes to hit from
“underneath” a modern city with an extremely high concentration of civil engineering
facilities. It resulted in the worst earthquake-related disaster in Japan since the 1823 Ms8
Kanto earthquake. The port of the city which was of critical importance to the Japanese
94 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

economy was left almost completely out of service, while very significant was the damage
to the elevated highways which carried the traffic through the city. The overall direct
economic loss was about $100 billion. See the numerous detailed reports [1, 2, 3, 4, 5].
Seismologically the Earthquake came as a surprise, primarily due to the extremely severe
recorded ground motions - much stronger than in any previous recorded earthquake in
Japan.
In the devastation caused by the earthquake, the collapse and transverse overturning of the
630 m section of the Hanshin Expressway elevated highway Route 3 in Fukae was perhaps
the most impressive failure. This bridge and the whole of Route 3 run along the city, parallel
to the shoreline. Built in 1969, it consisted of single circular columns, 3.1m in diameter and
about 12m in height, monolithically-connected to a concrete deck in mushroom-like
(“piltz”) form, supported on groups of 16 to 17 piles. The main geometric characteristics of
the bridge are depicted in Figure 1, while the longitudinal and transverse reinforcement of
the collapsed pier are presented in Figure 2.

Fig. 1. Geometric characteristics of typical collapsed pier in Fukae section


Detailed investigations of the performance of Fukae section have been presented by several
authors [4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12] who studied certain aspects of the problem to explain the
inadequate (for this earthquake) structural design of the piers. They considered factors such
as :
a) the inadequate transverse reinforcement in the pier
b) the inadequate anchorage of longitudinal reinforcement
c) the use of un-conservative (elastic) methods to determine design shear forces.
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 95

Quite interesting are the findings of Adachi et al [13] concerning the totally different
response of two adjacent, almost identical, bridge piers during the 1995 earthquake. Both
piers were situated at a bridge section near the Fukae collapsed segment. They were both
practically the same size, carrying almost the same superstructure load, and designed and
constructed during the same period, following the same standards and regulations. The first
pier failed in shear, at the region of longitudinal reinforcement cut-off, causing the collapse
of the supported span. This collapse was clearly very similar to the Fukae section collapse.
The second pier suffered only minor damage, in the form of flexural micro-cracking at its
bottom, surviving the earthquake. The only difference between the two piers was the
longitudinal reinforcement at their base section. Both piers were reinforced with two rings
of longitudinal reinforcement. But one of them had an additional (third) reinforcement ring,
terminating at 2.5 m distance from the bottom. Astonishingly, the pier with this additional
reinforcement was the one that collapsed.

D-D

E-E

Fig. 2. Longitudinal and transverse reinforcement of typical collapsed pier


Adachi et al conducted a series of oneseventh (1/7) scale tests to verify this dramatic
difference in the response of the two piers. They conducted static and cyclic tests, as well as
pseudodynamic experiments, utilising three different ground motions. Figure 3 depicts
typical cyclic test results for the two piers, as well as pictures of the damage of the tested
specimens. The cyclic loading tests succeeded in reproducing the observed field
performance, revealing the inherent weakness of the heavierreinforced pier. Evidently, the
additional longitudinal reinforcement provided additional flexural resistance to the heavily
reinforced pier, but which as a result attracted a higher bending moment, M. The
accompanying shear force, Q = M/h, was also proportionally higher. However, the shear
reinforcement, and therefore the shear strength of the pier, had not been increased, and they
96 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

were thus inadequate, leading the structure to “premature” shear failure. On the other hand,
the lightly reinforced pier reached its flexural capacity a little faster attracting a smaller M,
and therefore the shear demand was sufficiently limited. This pier “failed”, in bending,
developing only flexural cracks, in contrast to the shear failure, which was brittle and lead
to collapse.

“Heavily” reinforced pier


“Lightly” reinforced pier ( 2 rings of uninterrupted longitudinal
( 2 rings of uninterrupted longitudinal reinforcement
reinforcement ) + 1 ring terminating at 1/3H )
(a)

“Heavily” reinforced pier


“Lightly” reinforced pier (b) ( 2 rings of uninterrupted
( 2 rings of uninterrupted longitudinal longitudinal reinforcement
reinforcement ) + 1 ring terminating at 1/3H )

Fig. 3. (a) Cyclic load-displacement diagrams for the two investigated piers, and (b) pictures of the
observed damage [courtesy of Dr. Adachi et al, 2003]. The “lightly” reinforced pier was
the one that survived the earthquake, as well as the cyclic loading tests, while the heavily
reinforced pier, despite its higher monotonic strength, exhibited cyclic strength degradation
and failed in shear.
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 97

Notwithstanding the importance of these findings, there is evidence presented in this paper
that local soil conditions and dynamic interaction between foundation and superstructure
further aggravated its inelastic behavior thereby contributing to the collapse.

MOTOYAMA
0.62 g

HIGASHI - Kobe
0.44 g

(a)

FUKIAI
TAKATORI
MOTOYAMA

FUKAE

(b)

Fig. 4. (a). Contours of alluvium thickness and location of accelerometers; (b) approximate geologic
section along A-A showing of the top soil groups. Notice the broad similarity in soil
conditions between Fukae and the sites of Fukiai and Takatori recording stations.
98 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

An additional concern comes from the fact that soilstructure interaction (SFSI) has been
traditionally considered as invariably beneficial for seismic response. Apparently, this
perception stems from oversimplifications in the nature of seismic demand adopted in
seismic code provisions. The most important of these simplifications, with reference to
SFSI, are [14] : (i) use of design acceleration spectra that decrease monotonically with
increasing structural period; (ii) response modification coefficients (i.e., “behavior” factors
used to derive seismic forces) which are either period independent or increase with
increasing structural period; (iii) foundation damping derived assuming homogeneous half-
space conditions for the soil, which tends to over-predict the overall effective damping ; (iv)
kinematic response coefficients for spread footings indicating that foundation response is
smaller than the free-field soil motion.
This beneficial role of SFSI, although in accord with reality in many cases, has been
essentially turned into a dogma. Thus, practicing engineers usually avoid the complication
of accounting for SFSI, as a simplification that supposedly leads to improved safety
margins. Results presented in this paper are in contrast with this perception. It is worth
mentioning that detrimental effects of SFSI on seismic response have been pointed out in
the past [14, 15, 16, 17, 18] ; however, these studies have not yet received the deserved
attention by code writers and engineers.
The work reported in this paper involves:
x discussion of seismological and geotechnical information pertaining to the bridge
site;
x analysis of free-field soil response;
x analysis of response of the foundationsuperstructure system;
x evaluation of results through comparisons with earlier studies that did not consider
SFSI.
x discussion and analysis of reconstructionrelated problems
x analysis of the seismic response of the newly designed bridge
x analysis of the seismic response of the collapsed bridge with two hypothetical
seismic isolation schemes.
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 99

2 The role of soil


2.1 Soil Effects on the Pattern and Intensity of Ground
Shaking
Kobe and the towns of Asiya, Nishinomiya, and Amagasaki are built along the shoreline
forming of an elongated rectangle about 30 km long and 2 to 3 km wide. The soil in the
region consists primarily of sand and clay with gravel of thickness varying for 0 to 80m,
underlain by stiffer neogenes and eventually soft rock. The granitic bedrock that outcrops in
the mountain region bordering the city dips steeply in the northwest-southwest direction; in
the shoreline it already lies at a depth of about 1 to 1.5 km. Figures 4(a), 4(b) show an
approximate geological plan and crosssection of the region, as well as the locations of
strong motion accelerographs.
Shin-Kobe Trans. Kobe JMA
3
Takarazuka Motoyama
Kobe University
Higashi-Kobe (-35 m)*
2 Port Island (-83 m)*
SA : g

>>33km
Kmfrom
fromshore
shore 11to
to22km
Kmfrom
fromshore
shore
0

Takatori Port Island (0m)†


3 Fukiai Kobe-Port (PHRI)†
Higashi-Kobe Bridge†

2
SA : g

0.35
0.35toto1 1km
Kmfrom shore
from shore <on0.35
reclaimed
Km fromland
shore/ reclaimed land
0
0 1 2 3 0 1 2 3
PERIOD : s PERIOD : s
.

Fig. 5(a). Acceleration spectra grouped with respect to distance from the shoreline. Note the
differences in predominant periods. Plotted are spectral of the fault normal components of
each motion. [ * denotes motions at depth; † denotes liquefied sites; ] = 5% ]
The main shock was recorded in several accelerographs, none unfortunately too close to the
site. Most records were of unusually high intensity, with peak ground accelerations (PGA)
and peak ground velocities (PGV) in excess of 0.80 g and 100 cm/s, respectively. PGA’s in
non-liquefied ground were in excess of 0.5 g throughout Kobe, Asiya, and Nishinomiya.
PGA’s above 0.4 g were recorded at 17 sites, while at least in three locations, PGA reached
or exceeded the astounding 0.80 g.
100 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

Variability in local soil conditions among the recording stations might be partly responsible
for the significant differences in the intensity and frequency content of the recorded
motions, as clearly seen in Figure 4(a). Three additional effects however, have also affected
the surface motions in Kobe: forward rupture directivity, 2D wave basin effects, and soil
liquefaction.
The first is of a seismological nature, affecting ground shaking at near-fault sites located in
the direction of propagation of the fault rupture. The effect of forward fault-rupture
directivity on the response spectrum is primarily to increase the spectral values of the
horizontal component normal to the fault strike, at periods longer than about 0.5 sec. The
resulting differences between FaultNormal (FN) and FaultParallel (FP) response spectra,
plotted in Figure 4(b) are indeed striking.
Shin-Kobe Trans. F U K IA I JM A
Kobe JMA
3 Fukiai Kobe JMA
Takarazuka Motoyama
Kobe University
Higashi-Kobe (-35 m)*
2 Port Island (-83 m)*
SA : g

FN
FN
1

FP
FP
> 3 Km from shore 1 to 2 Km from shore
0

T ATakatori
KATORI O T O†Y A M A
Port IslandMMotoyama
(0m)
Takatori
3 Fukiai Kobe-Port (PHRI)†
Higashi-Kobe Bridge†
fa u lt n o rm a l
fa u lt p a ra lle l
2 FN
SA : g

FN
1
FP
FP
0.35 to 1 Km from shore < 0.35 Km from shore/ reclaimed land
0
0 1 2 3 0 1 2 3
PERIOD : s PERIOD : s

Fig.5(b).Differences between the response spectra of the fault-normal (FN) and fault parallel (FP)
components of the four main records of Fig. 4(a).
The 2D basin (valley) effect stems from the constructive and destructive interference of a
multitude of direct, refracted, reflected, and diffracted waves that propagate in the valley.
This has been shown to increase or decrease the intensity and duration, and alter the
frequency characteristics of ground motion depending on the proximity to the edge of the
valley, the dipping angle, the frequency content of the excitation, and the incidence wave
angles. Finally, soil liquefaction results in significant reduction of high-frequency
acceleration peaks, increase of dominant period of vibration, and in large permanent
deformations if static (permanent) shear stresses exist in the ground.
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 101

All these effects, have contributed (more or less) to the differences in ground motions seen
in Figure 5. Evidently, the closer the site to the shore, the deeper and softer the soil deposit,
thereby leading to a longer predominant period and a flatter spectrum. Interestingly, the site
groups in Figure 5 differ not only with respect to distance from shore, and flexibility of soil,
but also with respect to distance from the fault.

2.2 SoilPileStructure Interaction


The foundation consists of 17 reinforced concrete piles having length of about 15 m and
diameter of 1m, connected through a rigid cap of planar dimensions 9.6 m x 10.6 m (Figure
1). The soil surrounding the piles consists of medium dense sand with gravel. Standard
Penetration Test (SPT) values for the upper 20 meters of the soil indicate low-strain shear
wave velocity of the order of 200 to 300 m/s.
Structural parameters for the foundationstructure system used in previous studies are
summarized in Table 1. Despite the differences in inertia and (especially) stiffness of the
bridge models of the various studies, the variation in fixedbase natural period is rather
small, with Tfixed ranging between 0.55 sec to 0.75 sec. Considering soilstructure
interaction, natural period (TSFSI) is somewhat longer varying between 0.75 and 0.93
seconds. Differences in pier strength are considerable with the normalized yielding strength
Cy ( = Fy / Mdeck g) ranging between 0.5 and 0.7, depending primarily on the value of lateral
yielding force Fy. These values are quite high given the year of the design (1964).
Displacement ductility capacity of the pier ranges between 1.6 to 3.2. Additional parameters
in Table 1 will be discussed later on.
Detailed calculations performed by the Authors suggest a participating mass of the deck of
about 1000 Mg, a rotational moment of inertia approximately 32300 Mg m2, and a pier mass
of about 226 Mg (Table 2). Following Seible et al [4], the cross-sectional moment of inertia
of the cracked pier was taken at about 40% of its gross value. Using this information, the
fixed-base natural period of the bridge modeled as a single-dof oscillator can be estimated
using the expression [19] :
2
§ 33 · § 3 ·
M deck  ¨ ¸ M pier  ¨ ¸ I deck
T fixed 2S © 140 ¹ © 2H ¹ (1)
K pier

in which K pier 3 EI / H 3 denotes the lateral stiffness of the pier. Eq.(1) yields:

T fixed # 0.84 s (2)


102 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

The difference from the periods estimated by Seible et al [4] and Park [6] in Table 1 is
attributed to the inclusion of the nonnegligible rotational inertia of the deck.
The compliance of the foundation further increases both the natural period, TSFSI , and the
damping, ] SFSI , of the system. Modeling the bridge as a generalized single-dof oscillator,
good estimates of natural period and damping can be obtained from the following energy-
based expressions [19] :

2 2 2
M deck  I M M pier  I21 M cap  I31 I deck  I41 I cap
TSFSI 2S (3)
I K K pier  I212 K hh  I412 K rr  2I21I41 K hr

and

] SFSI I K ] pier  I212 ] hh  I412 ] rr  2 I21I41 ] hr (4)

in which I 21, I 31, I 41, I K, and I M are dimensionless factors given by the expressions :
ª 3 1 º
I 21 K pier K rr  K hr H O1 ; I41 K pier K hr  K hh H O1 ; I31  « 1  I 21  I 41 (5a)
¬ 2 H 2 »¼
H 2
3 H§ ª 2 3º
d 2\ ·¸
IM
1
\ 2 dx
³ ; IK H
³ ¨¨© dx
2 ¸
dx ; \ 1  I21  HI41 « 3 §¨ x ·¸  1 §¨ x ·¸ »  I21  x I41 (5b)
H 3 ¹ 2
¬« © ¹ H 2 H
© ¹ ¼»
0 0

O  K hr
2

 K rr K hh  K pier >K rr  H 2 K hr  K hh H @ (5c)

In the above equations, K hh K rr K hr , and ] hh ] rr ] hr , denote foundation stiffness and


damping in swaying, rocking, and cross swaying-rocking oscillations, respectively.
Equations (3) and (4) differ from similar formulations developed for surface footings (e.g.
[20], [25]), due to the presence of cross terms K hr and ] hr in the foundation impedance
matrix, and the rotational inertia of deck and cap. Both features are important given the
large rotational inertia of the mushroom-type superstructure and the presence of piles in the
foundation. Note that with increasing K hh and K rr , Eq.(3) duly reduces to Eq.(1).
Using pertinent analytical tools from the literature [20, 21, 22] estimates of foundation
stiffness have been obtained as shown in Table 2. These values refer to soil strains in the
freefield of about 10-3. Corresponding values at low soil strains obtained by Michaelides &
Gazetas [23] are also given. The differences between the predictions, particularly in the
swaying mode, are as expected.
Based on the parameters listed in Table 2, the fundamental natural period and damping ratio
of the system are estimated from Eqs.(3) and (4) as
TSFSI | 1.05s and ] SFSI | 0.15 (6)
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 103

ȉhese values are indicative of the important role of SFSI : an increase of natural period by
an appreciable 20% and of damping ratio by 300 %. Note that the above values do not
account for inelastic damping in the pier.
Table 1: Structural parameters used in previous studies
Seible et al. Park Kawashima & Michaelides & Anastasopoulos
[5] [6] Unjoh [8] Gazetas [23] [10]

Single pier Single pier Multiple piers Single pier Single pier
Model on rigid on rigid on flexible on flexible on flexible
foundation foundation foundation foundation foundation
L (m) 12.3 12  11 12
E (Gpa) - 30.1 27.8 20 25
I / Igross† 0.40 0.45 0.59 0.75 1.00
Kpier (MN/m) 80 107 128 155 157
Mdeck* (Mg) 1100 1121  1200 1100
Ideck (Mg m2) 0 0  40000 40000
Mcap (Mg) 0 0  0 0
Icap (Mg m2) 0 0  0 0
Tfixed (s) 0.75 0.64 0.55** 0.68 0.68
TSFSI (s) - - 0.75 0.93 0.93
8240 7280
Fy (kN) 5407 6640 4673
(bottom) (bottom)
Cy 0.5 0.6 0.43** 0.7 0.66
force-displacement elastic-perfectly elastic-perfectly
- Takeda BIAX (Park)
relation plastic plastic
ȗpierҏ(%) - 5  5 5

ȗSFSIҏ(%) - -  7.5 7.5

µcapacity 2.4 2.2 3.2 1.6 3.6


JMA, Fukiai,
excitation - JMA JMA JMA, Fukiai
Takatori
µdemand - > 2.2 > 3.2 1.3 to 1.7 > 3.6

 = not reported
* includes portion of pier mass
** estimated by the Authors considering Mdeck = 1100 Mg

2.2.1 Ground Shaking

The uncertainty in the characteristics of the ground motion and the soil profile at the
location of the bridge dictated the use of plausible scenarios. From the nearest borehole to
the site, the soil profile is judged as a relatively deep moderately-stiff to soft deposit. Five
acceleration records with different peak ground accelerations and frequency characteristics
are examined as plausible candidates :
104 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

x The accelerogram Fukiai, with PGA of about 0.83 g and PGV of 115 cm/s in the
fault normal direction, recorded on a mediumsoft and relatively deep deposit (60 m
of soil with average Vs less than 400 m/s), at a distance from the presumed fault
roughly similar to the corresponding distance of the failed bridge.
Table 2: Structural parameters considered in this analysis
L (m) 12
E (GPa) 27.8
I / Igross 0.4 0.5 1 0.5 0.5
Kcol (MN/m) 88 109 219 109 109
Mdeck (Mg) 1000 1000 1000
Ideck (Mg m2) 32300 0 0
Mcap (Mg) 750 750 0
Icap (Mg m2) 9000 0 0
Mpier (Mg) 53 53 53
Kxx (MN/m) 310
Krx (MN) 1090
Krr (MN m) 48300
Tfixed (s) 0.84 0.75 0.53 0.62 0.62

TSFSI (s) 1.04 0.98 0.84 0.89 0.87

ȗSFSIҏ (%) 9.7 10.3 12.2 10.3 10.3

(ȥ)fixed 0.72 0.72 0.73 1.07 1.07

(ȥ)SFSI 0.94 0.97 1.04 1.16 1.04

x The accelerogram Fukiai, with PGA of about 0.83 g and PGV of 115 cm/s in the
fault normal direction, recorded on a mediumsoft and relatively deep deposit (60 m
of soil with average Vs less than 400 m/s), at a distance from the presumed fault
roughly similar to the corresponding distance of the failed bridge.
x The accelerogram Takatori, with PGA of 0.70 g and PGV of 169 cm/s in the fault-
normal direction, recorded on a soft and deep deposit (80 m of soil with Vs less than
400 m/s ), also at a similar distance from the fault as the bridge.
x The accelerogram JMA, with PGA of 0.83 g and PGV of 96 cm/s in the fault-normal
direction, recorded on a stiffer soil formation (about 10 m of stiff soil), but very close
to the fault, much closer than the bridge.
x The accelerogram Motoyama, with PGA of 0.62 g and PGV of 75 cm/s recorded on a
shallow soil site (soil thickness of about 20m), about 1 km to the northwest of the
bridge.
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 105

x The accelerogram Higashi Kobe, with PGA of 0.44 g and PGV of 81 cm/s recorded
inside a stiff layer, at a depth of 35 meters from the surface, below a liquefied layer,
about 1 km south of the bridge.
3.5
Kobe JMA
Takatori
3.0 Fukiai
amplified Higashi Kobe
amplified Motoyama
2.5

2.0
SA : g

1.5

1.0

0.5

Tfixed TSSI
0.0
0 1 2 3

PERIOD : s

Fig. 6. Acceleration response spectra of selected ground motions in the fault normal direction; ] =
5%. ({ for JMA ; U for Takatori ; ‘ for Fukiai ;… for amplified Higashi Kobe ; V
for amplified Motoyama)
Of the above records, the first two ( Fukiai and Takatori ), although recorded far from the
bridge, are believed to be the most representative of the motion in Fukae Route 3 because
of : (a) their roughlysimilar distance from the fault, (b) the similar orientation with respect
to rupture propagation, and (c) the similar soil conditions judging. The third accelerogram,
the famous JMA record, was selected because it has been used by previous investigators
(Table 1). However, note that It is much closer to the fault and on much stiffer soil to be
representative of the Fukae motion. The last two records ( Motoyama and Higashi Kobe )
were selected only because of their proximity to the bridge. Owing to the very different
ground conditions between these recording sites and the Fukae bridge site, the two records
were suitably amplified using 1D wave-propagation theory to obtain pertinent ground
surface motions. Thus, six motions were obtained and used as excitation.
Even from the elastic spectra of Figure 6, the influence of SFSI on the response starts
becoming apparent. For instance, if the actual excitation was similar to the JMA record, the
increase in period due to SFSI and the progressive cracking of the pier would tend to
slightly reduce the response, due to the decreasing trend of the spectrum beyond about 0.8
sec (see the open circles). In contrast, with either Fukiai or Takatori motions (undoubtedly
more likely surrogate motions to the unknown real ones), SFSI would initially lead to
106 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

similar response which may further progressively increase as cracking softens the structure.
This is particularly true with the Takatori excitation, the response spectrum of which
increases significantly beyond T TSFSI . The trend becomes more apparent with the
Higashi-Kobe amplified record (site thickness of 50m), for which elastic response at TSFSI
may exceed 2.5 g, and with the Motoyama amplified record.
As a first approximation, for the somewhat conservative estimate :

SA | 0.93 x 2.1 g x (5 /9.5) 0.4 | 1.47 g,

which is derived from the Fukiai record and accounts for both, the modal participation
factor of the generalized system and the increased damping (from 5% to 9.5%) due to SFSI,
the force reduction factor based on a calculated strength ratio, C y , of the column of about
0.5 would be equal to approximately 1.47 / 0.5 | 3. Taking the equal displacement rule as a
first crude approximation, the ductility demand on the system would be :

P ( s ) demand | R | 3 (7)

The ductility demand on the pier, P ( p ) demand , is obtained by considering only pier
deformations. For an elasticperfectly plastic system, this can be done using the expression
of Mylonakis & Gazetas [18]

P ( p ) demand 1  c P ( s ) demand  c (8)

where c is a dimensionless factor expressing the relative flexibility between foundation


and superstructure :
H 2 K hh  2 H K hr  K rr
c K pier (9)
K hh K rr  K 2 hr
For the problem at hand, c | 0.7; thus,

P ( p ) demand 1  0.7 u 3.1  0.7 4.3 (10)

which is 40% higher than the system ductility and exceeds by far the ductility capacity of
the pier (Table 1).
On the other hand, ignoring SFSI, and for the conservative value of

SA | 0.72 x 2.1 g = 1.51 g

which accounts for the participation factor of the generalized system in Table 2, the spectra
of Figure 6 would yield a ductility demand of
1.51
P ( p ) demand | R 3 (11)
0.5
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 107

which, although conservatively estimated, does not exceed the possible upperbound of
ductility capacity, 3.2, suggested by Kawashima & Unjoh [8, 9] and, thereby, could hardly
explain the spectacular failure of the bridge.
Although a crude first approximation, the above results indicate that the role of soil in the
collapse could have been triple: First, the soil modified (in 1D or 2D fashion) the seismic
waves so that the frequency content of the surface motion at the site became
disadvantageous for the particular structure (i.e., similar to Fukiai or Takatori, rather than
JMA). Second, the compliance of soil at the foundation increased the period of the system
and moved it to a spectral region of stronger response and hence higher inertia. Third,
ductility demand in the pier increased compared to that of the overall system, as suggested
by Eq.(9).

3 Non-linear inelastic analyses


To gain further insight on the importance of SFSI on the inelastic performance of the bridge,
a series of non-linear inelastic analyses were conducted using the numerical codes DRAIN-
2DX and ABAQUS. To this end, a multi-degree of freedom (mdof), Inelastic model of the
pier was developed, with the column divided into four two-noded inelastic beam elements,
each having one translational and one rotational degree of freedom at each end.
Concentrated plasticity at the ends of the elements was adopted. The compliance of the
foundation was modelled using a series of springs and dashpots attached to the base of the
pier. Assuming initial yielding 2.5 m above the cap, a yielding force of 5,636 kN was
established, corresponding to a yield deck acceleration of about 0.5 g. The inherent (non-
SFSI) damping of the structure was assumed of the Rayleigh form, taken equal to 5% of
critical. The SFSI dashpots at each degree of freedom were computed from the linear
coefficients ]ij of the foundation impedance, at the characteristic period TSFSI. Eigen value
analyses provided the values T fixed 0.88 sec and TSFSI 1.07 sec which are in good
agreement with the results of the simplified model in Table 2. Results obtained with five
earthquake records are depicted in Table 3.
For the JMA record SFSI plays a beneficial role, as column ductility demand decreases
from 2.5 for the fixed-base pier to 2.2 for the flexibly supported one. In contrast, with
FUKIAI and Takatori motions, SFSI is clearly detrimental, increasing substantially the
ductility demand in the pier. Figure 7 compares the response of the fixed system with the
one that takes account of SFSI, subjected to the Fukiai record. The differences in terms of
the illustrated moment-curvature diagrams are evident : SFSI is clearly detrimental. In the
case of the Fukiai record, the agreement between the numerical results and those in Eqs.(11)
and (12) is encouraging for the simple analysis. The strongest SFSI effect is observed with
108 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

the Takatori record: it increases from 3.2 for the fixed-base structure to the astonishing 7.3
for the flexibly supporteda somewhat furtuitious consequence of the strong peak at about T
| 1.2 seconds.
Table 3: Tabulated results from DRAIN-2DX and simplified analyses of the inelastic bridge
response

Pier Ductility Demand Increase (%)


Role of Predicted
Excitation Fixed–
Deformable DRAIN-2DX Simple model SFSI Performance
Base
Base (B) (columns A, B) (Eqs. 8 to 11)
(A)
Fukiai 3.1 4.1 + 32 + 41 detrimental failure
very
Takatori 3.2 7.3 + 128 + 46 failure
detrimental
probably
Motoyama† 3.5 - 3.7 3.2 - 3.5 - 5 to - 9 - 9 to + 62 | minor
failure
Higashi† 3.9 - 4.6 4.8 - 6.4 + 23 to + 39 - 8 to +91 detrimental failure
slightly heavy
JMA 2.5 2.2 - 12 -9
beneficial damage

Amplified to account for soil effects

Substantial increase in ductility with SFSI is also observed with the amplified
HigashiKobe motion, while with Motoyama its role is rather minor. The ranges in
computed ductility values for the Motoyama and HigashI stem from the different scenarios
of soil thickness used in the amplification analyses. Again, the trends obtained with the
simple analysis are qualitatively corroborated with the numerical study.
The excessive seismic demand computed with Fukiai, Takatori, And HigashiKobe records
may explain the spectacular failure of the 17 piers of the bridge, especially if one considers
the simultaneous deleterious action of the cyclic shear force in the cracked and plastically
deforming column crosssection. This suggests that the actual excitation at the site may
have indeed resembled the Fukiai, Takatori, or amplified HigashiKobe motions much more
than the JMA or amplified Motoyama accelerograms. SFSI would, in any case, have played
its important role.

4 Reconstruction – Seismic Isolation


4.1 Reconstruction : The Pile Problem
The closure of the elevated highway had severe implications for the city of Kobe. All the
traffic had to pass through the surficial arteries, delaying the reconstruction work all over
the city. Especially in the case of the Fukae section of Route 3, its overturning collapse did
not only lead to the closure of the elevated highway, but also partly of the surficial Route
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 109

43, above which Route 3 had been built (Figure 8). Consequently, it was imperative that the
whole reconstruction process would be as fast as possible. To this end, special techniques
were employed to facilitate the swift removal of the failed superstructure debris. After this
had been done could the reconstruction of the bridge begin. The collapsed Fukae section
was replaced by a totally new design, incorporating large “shear walls” and seismic
isolation. However, before proceeding to the replacement of the superstructure, the integrity
of the piled foundation had to be evaluated.

100 100
M : MNm

M : MNm
0 0

-100 -100
-8 0 8 -8 0 8
Curvature : % Curvature : %

Rigid Base SFSI

Fig. 7. Moment-curvature time-histories computed with and without SFSI, for the Fukiai record.
The replacement of the piled foundations is an extremely time-consuming operation. The
removal of the damaged piles is by itself a formidable task. In fact, it is far easier to add
new piles rather than to replace those damaged. But usually there are several restrictions
making this impractical. As depicted in Figure 9a, in general, when installing new piles
under an existing (undamaged) deck, space limitations make the use of special “mini”
cranes and short reinforcement cages necessary. In Fukae this was not the case : both the
piers and the deck were gone, and the field was free (in the vertical sense). The delay from
the removal operations however would have been unacceptable. If the pile-integrity
investigation had concluded that the piles were severely damaged, then one possible
110 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

solution would be to add new additional piles in the perimeter. As illustrated in Figure 9b, in
such a case, in addition to having to excavate and construct a retaining structure around the
pile head, the surficial artery (Route 43) would have remained at least partly closed for a
significant period of time.

Fig. 8. The Collapse of the Fukae section did not only cause the closure of the elevated highway,
but also of the surficial arteries.
To investigate the integrity of the piles several techniques were employed, including the pile
integrity test, visual inspection of excavated piles, borehole photography, and slope
inclinometer. In the case of the Fukae section, it was decided to conduct a lateral pile load
test. As shown in Figure 10, the soil surrounding the piles was excavated down to a depth
of about 4 m underneath the pile cap. After inspecting the piles, one of them was cut and
horizontally loaded through a hydraulic piston. Most of the piles were found to have
flexural cracks at their top, while the measured forcedisplacement diagram (Figure 10)
revealed that their stiffness had been reduced to almost half of the theoretical (design).
Despite this rather discouraging result, Hanshin Expressway decided neither to replace the
piles nor to add new piles, and proceeded in the reconstruction making use of the existing
“injured” pile foundations.
In view of the cautious approach and the conservative philosophy followed in the
reconstruction by the Hanshin Expressway, the above decision might seem at first glance as
paradoxical. It is thus worth trying to interpret the loadtest results a little more carefully.
Since for the load test the pile was freed from the confining soil, the measured stiffness
refers to the pile itself (as a structural beam) and not to the pile–soil system. According to
Gazetas [24], the lateral stiffness of a single pile embedded in soil is analogous to the power
m of the structural stiffness :

K H v (E p I p )m (12)
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 111

(b)

(a)

Fig. 9. (a) Space limitations when installing new piles underneath a bridge deck : requires special
“mini” cranes and short reinforcement cages, (b) addition of new piles in the perimeter of
the pile cap : requires the closure of the ground highway
The value of the power m depends on the variation of the soil stiffness (Young’s modulus
Es) with depth. As depicted in Figure 11, while for the case of the structural unconfined
beam m = 1, in the case of homogeneous soil m = 0.21. If we realistically adopt a parabolic
distribution of Es with depth, then the power m would be equal to 0.28. Therefore, for the
observed reduction in structural stiffness :

[ E p I p ]damaged | (0.50) [ E p I p ]initial (13)

The stiffness reduction of the damaged pile, would be proportional to :

( K H ) damage | (0.50) 0.28 ( K H ) initial | 0.82 ( K H ) initial (14)

implying a reduction of less than 20% in their lateral stiffness. On the other hand, the
bending stiffness of a single pile is proportional to a power q of the structural stiffness :

K M v (E p I p )q (15)

with q ranging from 0.75 for homogeneous soil, to 0.77 for a parabolic distribution of Es
with depth. Consequently, the stiffness reduction of the damaged pile is :

( K M ) damage | (0.50) 0.77 ( K M ) initial | 0.59 ( K M ) initial (16)

implying a reduction of about 40% in their bending stiffness, which however is of small
significance for this largenumber of piles group. Finally, the vertical axial stiffness of a
single pile is :

K V v ( E p Ap ) n (17)
112 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

with the power n being in the order of 0.50 [22]. Since the flexural cracking of the pile is
responsible for the flexural stiffness reduction, it is logical to expect the axial structural
stiffness also decreased. If D is the original pile diameter, and Dr the effective diameter of
the pile after flexural cracking, then the ratio of the damaged to the original flexural
4 4
stiffness will be proportional to Dr / D . For a flexural stiffness ratio of 0.50, one obtains :
Dr
0.50 0.25 0.84 (18)
D
The axial structural stiffness is proportional to the crosssectional area of the pile and thus:

2
§ Dr ·
[ E p Ap ]dmaged ¨ ¸ [ E p Ap ]initial | (0.71) [ E p Ap ]initial
©D¹ (19)

Thereby, according to Eqn. 15 :

( KV ) damage | (0.71) 0.5 ( KV ) initial | 0.84 ( KV ) initial (20)

implying a reduction of merely about 15% in their axial stiffness.


Taking into account the fact that the inertial shear force and overturning moment on the pile
cap are resisted primarily by horizontal shear and vertical normal forces, respectively, it is
concluded that the loss of stiffness of the pile group in the earthquake was of the order of
not more than a mere 20%. The reader should not be surprised at this small decrease : the
creation of a plastic hinge at the base of the column significantly limited the transmitted
loads onto the foundation . In any case the decision of Hanshin expressway was justified

4.2 The Solution Adopted by Hanshin Expressway.


As shown in Figure 12, the cylindrical piers were replaced by large orthogonal 6.0 m x 3.0
m “shear walls”. In addition, the monolithically connected to the pier concrete deck was
replaced by a steel structure, seismicallyisolated from the supporting pier.
The dynamic performance of the new design has been explored by Anastasopoulos [10].
The pier is found to possess an ultimate capacity Fy t 15 000 kN, leading to a strength ratio,
Cy, of at least 1.50. Its huge stiffness would lead to a period T fixed 0.20 sec , if the deck had
not been seismicallyisolated. Taking SFSI into account, and following the logic of § 2, the
period of the system would become TSFSI 0.55 sec , for which Figure 6 shows that most
response spectra are about 1.5 g. And since the ductility capacity of the new pier is found to
exceed 5, the new pier would not collapse in a repeat of the Kobe earthquake even if the
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 113

deck had not been seismically isolated. In fact, accepting that Cy = 1.5, a spectral
acceleration as high as 1.5 x 5.0 = 7.5 g would be needed to lead to collapse!

Failed Pier
Pile cap

l
ic a
F (kN ) et
e or
th
m easured

į (cm )

Fig. 10. In-situ measurement of the lateral stiffness of the piles : the stiffness was measured to be
roughly half of its theoretical (design) value. However, it was decided to neither replace
the piles nor add additional ones [photo courtesy of Y.Adachi].

Es

a
b
c
Depth

Structural Pile Piles in a homogeneous


Beam (alone) or nonhomogeneous
K H v ( E p I p )m halfspace
Symbol ES = ES (z) m ES = ES (z)
a homogeneous 0.21
b parabolic 0.28
c linear 0.35
d hyperbolic 0.53
e Without Soil 1.00

Fig. 11. Lateral Stiffness KH of a single fixed-head pile with respect to the type of variation of soil
stiffness (Young’s modulus, Es ) with depth. Since the stiffness of the damaged pile was
measured to be half of the initial value ( [Ep Ip]damaged = 0.5[Ep Ip]initial ) then
assuming
114 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

Fig. 12. The retrofitted Fukae section: New gigantic piers (3.1 m x 6.0 m) and seismic isolated
superstructure through highdamping (] = 10 - 20%) Lead-Rubber Bearings.
However, seismic isolation was also utilised by Hanshin Expressway, presumably for two
technical reasons : (a) to reduce the horizontal force and overturning moment onto the
“injured” piled foundation, and thus avoid the risk of further pile damage, and (b) to
completely minimize the likelihood that the pier will suffer even minor damage. The social
necessity for an over-design is not discussed herein. Two Lead Rubber Bearings (LRB) seen
in Figure 12 isolate the two beams of the deck from the pier. The stiffness of the LRBs is
given by :
2GA
K LRB (21)
h
where A is the cross sectional area, h the effective height, and G the effective shear modulus.
With G | 1 MPa, A = 1.072 m2 , and h = 0.183 m, KLRB = 12.5 MN/m. The stiffness of the
system is then obtained from :
K pier K LRB
K isolated (22)
K pier  K LRB
With Kpier = 1608 MN/m, and KLRB = 12.5 MN/m, the stiffness of the system is
Kisolated = 12.4 MN/m, hardly affected by flexibility of the pier. The period of the isolated
structure then becomes:

Tisolated , fixed 2S m / K isolated | 2 sec (23)

Taking account of SFSI ( according to § 2.2 ) the period of the system now increases only
marginally to Tisolated,,SFSI | 2.10 sec. Going back to Figure 6, we observe that for all the
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995 115

records the corresponding spectral accelerations are between 0.90 g and 1.3 g. So, the
isolated structure would behave linearly, without any damage.

4.3 Alternative Hypothetical Isolation Systems


A logical question that arises is what would have happened if the deck of the original
bridge were seismically isolated, even if only partially. Following the logic of Equations 21
to 23, and assuming that the same LRB isolators had been introduced, we find that the
period of the original bridge would be equal to Tisolated,SFSI | 2.10 sec. As in Section 2, a first
approximation of the spectral acceleration for the Fukiai excitation is:

SA | 0.8 g (5 /10) 0.4 | 0.61 g

Accepting that Cy = 0.5, the ductility demand would be equal to :

P ( p ) demand | (0.61) / (0.50) 1.22

Alternatively, following Equations 9, 10, and 11, the ductility demand on the pier :

P ( p ) demand | 1.35

Both estimates are well below the ductility capacity of the pier (Table 1: worst estimate
Pcapacity = 2.2 ).
To confirm the validity of the above simplified computations, the isolated system was
analysed numerically. The results of the non-linear inelastic analysis confirm that the bridge
would not have failed if its deck were seismically isolated. The response of the system,
subjected to the Fukiai record, is depicted in Figure 13(a). Observe that the acceleration
reaches 0.64 g, which is very close to the former approximation. The maximum curvature
does not exceed 0.1%, a value indicative of moderate straining. However, the relative
displacement between pier and deck would have reached 55 cm. Our analysis does not take
into account the possibility of LRB failure. Given that the height of the LRB is 18 cm, a
relative displacement of 55 cm would cause shear deformations slightly higher than 250 %,
which is a large value but still below the ultimate deformation limit. This means that the
LRB might have sustained some acceptable damage in such a case. So, the bridge would
have survived the earthquake with some halfameter maximum lateral displacement and
its LRBs inelastically deformed  not an unacceptable damage, in midst of the
unprecedented devastation of January 17, 1995.
The Fukae section was built in 1969, a time at which the LRB technology had not yet been
developed, let alone established. However, sliding bearings were widely used much earlier
in bridge supports for accommodating temperatureinduced deformations. It is interesting to
116 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

note that the bridges of Route 3 adjacent to the collapsed Fukae section survived the
earthquake with only minor pier damage. The “temperature” bearings were seriously
damaged and the deck exhibited permanent displacements of the order of 30 cm. Piers and
foundation of both sections were practically identical. The only difference was the
connection of the deck to the pier. Contrary to the Fukae section, where pier and deck were
monolithically connected, the deck of the unharmed section was simply supported through a
pin bearing and a friction bearing. The compliance of the support after the failure of the
pinned bearings and thanks to the slippage on the frictional bearings allowed the
superstructure to seismically “isolate itself”, protecting the piers from serious failure. When
the deck is simply supported exclusively through slider bearings it tends to follow the pier
only if the acceleration is a small fraction of gravity, less than the friction coefficient, µ.
Thus the slider limits the inertia forces of the superstructure that are transmitted on the pier.
The seismic isolation using low friction sliding bearings, with µ d 0.05, is a relatively new
technology. However, simple sliding bearings with higher coefficient of friction were surely
available at the time. As shown in Figure 13(b), such a partial isolation would most likely
have saved the bridge. This kind of isolation would not aim at isolating the bridge
completely; for that purpose low friction sliding bearings would be needed. It simply acts as
a “fuse” protecting the structure only from accelerations much higher than design. By
comparing the two analysed cases of seismic isolation, it becomes evident that a “fuse”-type
isolation performs at least as well as LRB. Even the permanent displacement, which is
usually the main problem of such solutions, is limited to merely 15 cm. Observe that the
pier behaves elastically, while with the LRB some inelasticity (leading to minor pier
cracking) might have taken place. Thus, the “fuse”–protected bridge would suffer no
structural damage, provided of course that the seating of the deck was large enough to
accommodate the half a meter of peak displacement. In addition, some “re-centering” of the
deck would have to be accomplished after the earthquake.

5 Conclusions
Analytical and recorded evidence is presented on the likely triple detrimental role of soil in
the collapse of Hanshin Expressway at Fukae. First, the soil modified the incoming seismic
waves such that the resulting ground surface motion became very severe for the particular
bridge. Second, the presence of compliant soil in the foundation led to an increase in natural
period of the bridge, to a spectral region of stronger response. Third, ductility demand in the
pier was higher than the ductility demand of the system, as suggested by Eq. (9). All three
phenomena might have simply worsened an already dramatic situation for the bridge due to:
(i) its proximity to the fault and the ensuing strong forwardrupture directivity effects that
The Collapse of the Hanshin Expressway (Fukae) Bridge, Kobe 1995

Fig. 13. Dynamic response of the collapsed bridge with two types of hypothetical seismic isolation,
subjected to the Fukiai 1995 record: in both cases the bridge would have survived, although
not completely intac
117
118 G. Gazetas, I. Anastasopoulos, N. Gerolymos, G. Mylonakis, C. Syngros

produced very high longperiod acceleration pulses normal to the fault [25], which is
almost in the transverse direction of the bridge ; and (ii) the structural deficiencies of the
pier which were almost unavoidable given the time of design and construction of the bridge
(1969-1970). As recently proven by the researchers of Hanshin Expressway, (Adachi et al
[13]), perhaps, the main structural deficiency of the bridge was its accidental “violation” of
what is currently known as capacity design, a concept that was not recognised in the 1960 s.
Had the bridge been designed according to the current understanding, i.e. designed to fail in
flexure and not in shear (with the same longitudinal reinforcement, but with heavier
transverse shear rebars; or with the same shear reinforcement, but with less longitudinal
reinforcing), it would possibly have withstood the earthquake with substantial damage but
no collapse. On the other hand, this paper presents evidence suggesting that the bridge
would not have collapsed if it had been seismically isolated. If LRBs were utilised to isolate
the structure, the bearings might have been appreciably distressed and the pier might have
experienced some flexural cracking. Had the bridge been isolated partially with
highfriction (µ | 0.30) “fuse”-type sliding bearings it would most probably have survived
the earthquake with no visible damage other than a permanent offset of the deck of not more
than about 20 cm.

Acknowledgments
We are thankful to Dr. Takashi Tazoh of Shimizu’s Institute of Technology, and to Dr.
Yukio Adachi, of Hanshin Expressway, for their valuable help over several years on many
aspects of our research effort.

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121

Baudynamische Berechnung
eines Produktionsgebäudes

Kramer, Helmut; Lamers, Jörg

Zusammenfassung
Für ein Produktionsgebäude, in dem Massenspektroskopen produziert und vorgeführt wer-
den sollen, herrschen hohe Anforderungen an den Erschütterungsschutz. Das Ingenieurbüro
Prof. Dr.-Ing. Helmut Kramer und Dipl. Ing. Friedhelm Albrecht aus Hamburg wurde be-
auftragt, die durch innerstädtischen Straßenverkehr zu erwartenden Erschütterungseinwir-
kungen auf das geplante Gebäude zu prognostizieren und durch entsprechende konstruktive
Maßnahmen unter vereinbarte Grenzwerte zu halten. Die frequenzabhängigen Grenzwerte
wurden zunächst am vorhandenen Standort des Unternehmens durch Messungen bestimmt.
Die Schwingungen am künftigen Standort wurden durch Bohrlochmessungen ermittelt. Der
relevante Frequenzbereich des Straßenverkehrs am künftigen Standort liegt zwischen 7 – 12
Hz. Eine Tiefabstimmung des Gebäudes, die zu einer Verminderung der Amplituden aus
Straßenverkehr geführt hätte, war mit vertretbarem Aufwand nicht zu realisieren. Bei der
gewählten Hochabstimmung kommt es zu einer Verstärkung der Amplituden aus Straßen-
verkehr. Je steifer das Gebäude ist, desto geringer ist die Verstärkung, aber desto höher
werden auch die Herstellungskosten. Es wurde ein tragbarer Kompromiss mit dem Bauherrn
gefunden. Die Ende 2004 geplanten Abnahmemessungen werden eine wertvolle Überprü-
fung des gewählten Prognosemodells ermöglichen.

1 Einleitung
1.1 Der Bauherr
Die Thermo Electron GmbH in Bremen, ehemals Finnigan MAT GmbH, entwickelt und
produziert wissenschaftliche Instrumente zur Massenspektroskopie (Thermo Electron 2004),
die extrem erschütterungsempfindlich sind. 1948 gegründet, gehört Thermo Electron mitt-
lerweile zu den führenden Herstellern von Spektroskopen, die auf der Technologie der e-
lektromagnetischen Analyse basieren. Seit dem Jahr 2001 plant Thermo Electron die Errich-
tung eines neuen Verwaltungs-, Entwicklungs- und Produktionsgebäudes.
122 H. Kramer, J. Lamers

1.2 Lagebeschreibung
Die neue Niederlassung an der Hanna-Kunath-Strasse liegt im Gewerbegebiet Flughafen
Bremen. Die folgenden Lagepläne zeigen die örtlichen Gegebenheiten.

Bild 1: Umgebungsplan Gewerbegebiet Flughafen Bremen (Map 24)

1.3 Baubeschreibung
Der ca. 12 m hohe Stahlbetonskelettbau setzt sich aus drei Vollgeschossen und einem Staf-
felgeschoss zusammen. Die Abmessungen der Grundfläche betragen 60,30 m auf 35,35 m.
Gegründet ist das Bauwerk auf Pfählen, die zusammen mit einem Pfahlrost und der Boden-
platte den unteren Gebäudeabschluss bilden. Die Decken unterhalb des ersten und zweiten
Obergeschosses sollten so ausgebildet werden, dass die Schwingungsamplituden infolge
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 123

Straßenverkehr unterhalb der vereinbarten Grenzwerte liegen. Da die Decken hoch abge-
stimmt werden sollten, kommen S-Platten zum Einsatz. An das Schwingungsverhalten der
anderen Decken werden keine Anforderungen gestellt. Die Stützen sind in einem regelmä-
ßigen Raster von 5,00 m beziehungsweise 6,60 m angeordnet. Zur horizontalen Gebäude-
aussteifung werden Vertikalscheiben in den Achsen des Bauwerks herangezogen.

Bild 2: Lageplan zum Gebäude an der Hanna-Kunath-Strasse


124 H. Kramer, J. Lamers

1.4 Baubeschreibung
Der ca. 12 m hohe Stahlbetonskelettbau setzt sich aus drei Vollgeschossen und einem Staf-
felgeschoss zusammen. Die Abmessungen der Grundfläche betragen 60,30 m auf 35,35 m.
Gegründet ist das Bauwerk auf Pfählen, die zusammen mit einem Pfahlrost und der Boden-
platte den unteren Gebäudeabschluss bilden. Die Decken unterhalb des ersten und zweiten
Obergeschosses sollten so ausgebildet werden, dass die Schwingungsamplituden infolge
Straßenverkehr unterhalb der vereinbarten Grenzwerte liegen. Da die Decken hoch abge-
stimmt werden sollten, kommen S-Platten zum Einsatz. An das Schwingungsverhalten der
anderen Decken werden keine Anforderungen gestellt. Die Stützen sind in einem regelmä-
ßigen Raster von 5,00 m beziehungsweise 6,60 m angeordnet. Zur horizontalen Gebäude-
aussteifung werden Vertikalscheiben in den Achsen des Bauwerks herangezogen.

2 Anforderungen an den Erschütterungsschutz


Die von Thermo Electron hergestellten Geräte zur Massenspektroskopie reagieren während
des Gebrauchs empfindlich gegenüber Erschütterungen. Da der Bauherr seinen Kunden die
Funktionsfähigkeit seiner Produkte an fast jedem Ort des 1. und 2. Obergeschosses der Pro-
duktionsstätte präsentieren möchte, werden für die gesamte Deckenfläche besondere Anfor-
derungen an den Erschütterungsschutz gestellt. Um die Anforderungen zu bestimmen, wur-
den am bisherigen Fertigungsgebäude in der Barkhausstrasse Schwingungsmessungen vom
Ingenieurbüro Dr. Kebe und Rosenquist durchgeführt (Rosenquist 2000). Aus der Erfahrung
war dem Bauherren bekannt, dass die Geräte bisher einwandfrei arbeiteten, ohne dass sie in
ihrer Funktionsweise von Erschütterungen gestört wurden. Die Messstationen wurden im
Erdgeschoss nahe den verschiedenen Produktserien von Massenspektrometern an sechs ver-
schiedenen Gebäudebereichen aufgestellt. Die dort gemessenen vertikalen Schwingge-
schwindigkeiten im Zeit- und Frequenzbereich werden im folgenden dargestellt.
Tabelle 1: max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende Frequenzen im vorhandenen Ge-
bäude

Gerät der Serie Triton


mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,233 5,0
1 Pers. geht 60 0,221 7,3
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,320 10,8
norm. Betrieb 600 0,065 5,8
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 125

Tabelle 2: max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende Frequenzen im vorhandenen Ge-


bäude

Gerät der Serie Element


mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,041 10,8
1 Pers. geht 60 0,307 10,8
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,161 10,8
norm. Betrieb 600 0,564 10,8

Gerät der Serie Delta


mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,143 6,5
1 Pers. geht 60 0,696 4,8
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,537 4,0
norm. Betrieb 600 1,000 100

Gerät der Serie Organik


mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,089 48,3
1 Pers. geht 60 0,072 10,8
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,207 48,3
norm. Betrieb 600 0,087 48,3

Applikation Organik
mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,046 5,0
1 Pers. geht 60 0,070 11,0
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,213 6,8
norm. Betrieb 600 0,132 11,0
126 H. Kramer, J. Lamers

Tabelle 3: max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende Frequenzen im vorhandenen Ge-


bäude

Applikation Triton
mm
Ereignis Dauer [ s ] Geschwindigkeit [ ] Frequenz [ Hz ]
s
norm. Betrieb 60 0,033 11,0
1 Pers. geht 60 0,312 11,0
2 Pers. Fersen aufsetzen 60 0,091 11,0
norm. Betrieb 600 0,215 11,0

Anschaulich lassen sich die um Ausreißer bereinigten Messergebnisse anhand von Bild 3
verdeutlichen. Dabei kann eine Trendlinie gezeichnet werden, unterhalb derer die Schwing-
geschwindigkeiten der oben genannten Decken im Neubau liegen sollten.

Bild 3: Diagramm der gemessenen max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende Frequen-


zen im vorhandenen Gebäude

3 Messungen im Baugrund
Vor Beginn der Bauphase hat das Ingenieurbüro Dr. Kebe und Rosenquist Freifeldmessun-
gen auf dem neuen Baugelände der Firma Thermo Electron GmbH durchgeführt, die Klar-
heit über die zu erwartenden Erschütterungen im Baugrund schaffen sollen (Rosenquist
2000). Insgesamt sind von 40 Ereignissen Messungen verzeichnet, die an vier verschiede-
nen Messpunkten (MP 25 – MP 28) registriert wurden. In der Regel stammen die Erschütte-
rungen von dem Verkehr der benachbarten Straße oder der weiter entfernten Straßenbahn.
Auf dem Lageplan im Bild 4 sind die Messpunkte verzeichnet.
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 127

Bild 4: Messpunkte der Geländemessung


Die Messaufnehmer an dem MP 25 und MP 26 wurden im Bohrloch ca. 4 m tief auf tragfä-
higen Boden positioniert (vgl. Bild 6), also unterhalb der Auffüllung und der Weichschicht,
in welchem später auch die Pfahlgründung abgesetzt wird. Auf der Geländeoberkante wur-
den deutlich größere Amplituden gemessen, die auf das Schwingungsverhalten der Weich-
schicht zurückzuführen sind. Vor allem die Aufzeichnungen des Messpunktes 26 im Bohr-
loch 2 sind interessant für die weiteren Untersuchungen, weil an dieser Stelle die maximalen
Amplituden der vertikalen Schwinggeschwindigkeit gemessen wurden. Die Aufzeichnung
der Ereignisse dauert 8-12 sec bei einer Abtastzeit von 0,00049 sec und die Ergebnisse lie-
gen im Zeit- sowie im Frequenzbereich vor. Die maximalen Schwinggeschwindigkeiten und
die zugeordnete dominierende Frequenz sind in der folgenden Grafik zu sehen. In diesem
Zusammenhang fällt auf, dass die zu den maximalen Geschwindigkeitsamplituden gehö-
renden dominierenden Frequenzen bei 7-12 Hz auftreten.
128 H. Kramer, J. Lamers

Tabelle 4: Auf dem Gelände gemessene max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende


Frequenzen

Messpunkt : 26
Bohrloch: 2
Nr.: Geschwindigkeit v [mm/s] Frequenz [Hz] Ereignis
1 0,03 6,5 Ruhe: Baustelle in 200, Betrieb
2 0,025 9,5 Ruhe: Baustelle in 200, Betrieb
10 0,076 9,8 LKW, 15 t, Richtung Post
11 0,039 10,3 LKW, 15 t, Richtung Post
12 0,016 7 PKW, Richtung Stadt
13 0,049 11,5 LKW, 15 t, Richtung Post
14 0,013 5,8 PKW, Richtung Stadt
15 0,028 7,5 2 PKW Richtung Post über Kanaldeckel
16 0,014 6,3 PKW, Richtung Stadt und Richtung Post
17 0,081 7,3 LKW, 2x mit Hänger, 2 x 15 t, 6x 7,5 t
18 0,038 12 LKW, 15 t, Richtung Post
19 0,075 12 LKW und Sattelschlepper Richtung Post
20 0,061 11,3 LKW, 7,5 t Richtung Post
21 0,033 9,5 LKW, 7,5 t Richtung Post
22 0,012 5,3 Straßenbahn Richtung Stadt, weit entfernt
23 0,053 12,5 LKW, 15 t, 2,8 t Richtung Post
24 0,064 12,3 2 LKW, 15 t, Richtung Post
25 0,043 6,5 LKW, 15 t Richtung Post
26 0,055 11,3 LKW, 15 t Richtung Post
27 0,021 6,5 LKW, 7,5 t Richtung Post
28 0,019 6,8 LKW, 2,8 t Richtung Post, Straßenbahn Richtung Stadt
29 0,037 9 LKW, 15 t, Richtung Stadt
30 0,032 8,5 LKW, 15 t, Richtung Stadt
31 0,047 12,3 LKW, 15 t, PKW 7,5 t, Richtung Post
32 0,082 11,8 LKW, 15 t, Richtung Stadt
33 0,014 6,8 2 PKW Richtung Post, Straßenbahn Richtung Flughafen
34 0,018 7 Straßenbahn Richtung Stadt, weit entfernt
35 0,041 11,3 LKW, 7,5 t Richtung Post
36 0,03 11 LKW, 7,5 t, 15 t, PKW 7,5 t, Richtung Post
37 0,022 7 LKW, 2,8 t Richtung Post
38 0,066 11,8 Sattelschlepper Richtung Post
39 0,053 10,3 LKW, 15 t, Richtung Stadt
40 0,034 9 2 LKW, 15 t, Richtung Post

4 Baugrund und Gründung


Das Institut für Geotechnik der Hochschule Bremen hat im Auftrag des Bauherrn die Bau-
grund- und Grundwasserverhältnisse untersucht (Harder 2000). Die Gründungssituation des
Gebäudes wird von den bis 4 m unter der Geländeoberkante anstehenden lockeren bis wei-
chen Auffüllungen und breiigen bis weichen Auenlehmen geprägt. Die Sohle des Gebäudes
liegt überwiegend in den Auffüllungsböden, teilweise über der vorhandenen Geländeober-
kante. Da die Auffüllung und die darunter liegenden Auenlehme für eine Flachgründung
nicht tragfähig sind und eine Bodenverbesserungsmaßnahme aus wirtschaftlichen Gründen
nicht in Frage kam, wurde eine Tiefgründung mit Verdrängungs-Schraub-Bohrpfählen
(VSB) gewählt. Die Pfähle haben eine Mindestlänge von 11 m, so dass die geforderte Ein-
bindelänge von 3,0 m in den tragfähigen Baugrund gewährleistet ist. Innerhalb der bindi-
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 129

gen, nicht tragfähigen Weichschicht soll es zu keiner Einleitung von Bodenschwingungen


auf die Pfähle kommen. Aus diesem Grund werden die Pfähle auf den ersten Metern über-
bohrt, um eine glatte Oberfläche zu erzeugen, was zur Folge hat, dass nur eine geringe Ver-
zahnung zwischen Pfahl und Boden auftritt. Das Bild 6 zeigt das Bodenprofil, die Druck-
sondierung und die geforderten Überbohrlängen der Pfähle. Zwischen dem Balkenrost mit
Sohlplatte und der Bodenoberfläche ist ein Luftspalt von 10 cm vorgesehen. Seitlich der
Stahlbetonbalken des Pfahlrostes werden von außen Dämmplatten angeordnet und innensei-
tig Folien angebracht, um eine Verzahnung mit dem Boden zu verhindern. Hergestellt wer-
den die runden Pfähle in den Durchmessern 0,65 m, 0,75 m und 0,85 m. Da die Pfahlgrün-
dung hoch abgestimmt werden sollte, waren mehr Pfähle erforderlich als statisch notwen-
dig.

Bild 5: Auf dem Gelände gemessene max. Schwinggeschwindigkeiten und dominierende


Frequenzen
Um eine Mindeststeifigkeit der Pfähle zu garantieren, wird ein Elastizitätsmodul des Betons
N
von 30000 gefordert. Durch eine Prüfung vor Ort konnte ein mittlerer Elastizitätsmo-
mm 2
N
dul von 30700 nachgewiesen werden. Nach dem Gründungsgutachten (Harder 2000)
mm 2
haben die Bodenschichten die in der Tabelle gezeigten Steifemodule ES und die daraus be-
rechneten mittleren Steifemodule Esm. Aus diesen Daten wird für jeden Pfahl das Bettungs-
E sm
modul E m abgeleitet, woraus die horizontale Durchbiegung bei elastischer Bettung
d
folgt, indem mit einem Stabwerksprogramm eine horizontale Last eingeprägt wird. Zum
Unterschied zwischen dem statischen und dem dynamischen Steifemodul siehe (DGGT
2002).
130 H. Kramer, J. Lamers

Bild 6: Bodenprofile und Pfahllängen


Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 131

Tabelle 5: Rechenwerte der Bodenparameter

Bodenart Tiefe unter Steifemodul E [ MN ] mittlerer Steifemodul E [ MN ]


GOK [m] s sm
m2 m2

Auffüllung 0-1 - -
weicher Auenlehm 1–4 1–2 -
lockere Sande 4–8 15 –30 22,5
mitteldichte Sande >8 80 - 160 120
Beispielhaft zeigt Bild 7 die Verschiebung u eines Pfahlkopfes mit einem Durchmesser von
d = 0,85 m und einer Kraft F = 100 kN.

Bild 7: Ermittlung der Durchbiegung unter horizontaler Last


Die horizontale Ersatzfedersteifigkeit folgt aus der einfachen Beziehung:
F
kh (1)
u
und die vertikale Ersatzfedersteifigkeit mit der Pfahllänge l aus dem Zusammenhang:
EA
kv (2)
l
In der Tabelle sind die Ergebnisse aus der Bettungsmodulberechnung abgebildet.
132 H. Kramer, J. Lamers

Tabelle 6: Bettungsmodule und horizontale Durchbiegung unter F = 100 kN

Pfahldurchmesser MN MN Durchbiegung
Em [ ] Em [ ]
m2 m3
d [m] u [m]
4m–8m >8m
0,65 34,61 184,61 0,0325
0,75 30 160 0,0227
0,85 26,47 141,176 0,0169

Das lässt auf eine rechnerische Steifigkeit der Pfähle schließen, dessen Werte in Tabelle 7
abgebildet sind. Da die Interaktion zwischen Baugrund und Bauwerk nicht direkt im Finite
Elemente Modell berücksichtigt wird, sollen die Pfähle mit den erhaltenen Steifigkeiten als
Federn modelliert werden (DGGT 2002), jedoch werden an dieser Stelle keine gesonderten
Dämpfungselemente angesetzt. Unter anderem wird durch diese Maßnahme der Rechen-
aufwand gesenkt, da weniger Knoten und Elemente generiert werden.
Tabelle 7: horizontale und vertikale Ersatzfedersteifigkeiten

Pfahldurchmesser MN MN
kh [ ] kv [ ]
d [m] m m

0,65 3,076 904,99


0,75 4,399 1205,1
0,85 5,909 1548,1

Die Pfahlköpfe binden über eine Verstärkung, die sich teilweise über mehrere Pfähle er-
streckt, in den Pfahlrost ein. Das Bild 8 zeigt einen Schnitt durch den Pfahlrost, samt Platte
und Pfahlkopfverstärkung. Diese Konstruktion wird so generiert, dass die Federn gelenkig
an den Rost anschließen. Um die Verstärkung der Köpfe zu berücksichtigen, werden die
Elementknoten in der Bodenplatte entsprechend der Abmessung der Verstärkung miteinan-
der gekoppelt. Der Referenzknoten liegt jeweils in der Mitte der Verstärkung. Bei der Last-
aufbringung wird die Masse der Pfähle und der Pfahlkopfverstärkung in dem Referenzkno-
ten angesetzt. Alternativ können im FEM Programm die horizontalen Federn ausgeschaltet
und durch horizontal unverschiebliche, gelenkige Auflager ersetzt werden.
Zunächst war eine tief abgestimmte Pfahlgründung geplant, die jedoch nicht ausführbar
war, da die erforderlichen langen Pfähle in sehr feste Böden gelangt wären.
Das Ingenieurbüro Büro Kebe + Rosenquist führte an den Pfählen schwingungs-technische
Messungen zur Ermittlung der vertikalen dynamischen Steifigkeit durch. Die Messungen
wurden vier Wochen nach Erstellung und vor dem Einbau des Pfahlrostes durchgeführt.
Untersucht wurden die Pfähle mit einem Pfahldurchmesser von d = 0,75 m. Die Ergebnisse
der Messung sind in Bild 9 dargestellt. Es zeigt sich, dass die Pfahlsteifigkeiten frequenzab-
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 133

hängig sind. Als maßgebende dynamische Einwirkungen werden die Frequenzen von 9,0 –
12.5 Hz angenommen und als Mittelwert zur Bestimmung der mittleren Steifigkeit der Pfäh-
le wird die Frequenz 10 Hz betrachtet.

Bild 8: Schnitt durch den Pfahlrost

Bild 9: vertikale dynamische Pfahlsteifigkeit bei einer mittleren Frequenz von 10 Hz


Aus der Messung ergibt sich eine mittlere Pfahlsteifigkeit kv = 983 MN/m. Für die dynami-
sche Berechnung wird bei Pfählen mit einem Durchmesser von d = 0,75 m eine vertikale
dynamische Steifigkeit von kv = 1205,1 MN/m angesetzt. Die gemessenen Werte weichen
134 H. Kramer, J. Lamers

somit von der Pfahlsteifigkeit im Berechnungsansatz ab, was im Mittel bedeutet, dass die
Eigenfrequenzen der Pfähle in der Realität um ca. 10% tiefer liegen.

5 Boden- Bauwerk Wechselwirkung


5.1 Anregung durch Bodenschwingungen
In diesem Abschnitt wird mit Hilfe der modalen Analyse die erzwungene Schwingung der
Obergeschossdecken infolge von Baugrunderregung analysiert. Grundlage für die Bodenbe-
schleunigung bilden die gemessenen Signale aus dem Abschnitt 3. Die erste Deckeneigen-
frequenz liegt bei 12,21 Hz, daher werden zwei Messreihen aus dem Bild 5 ausgewählt und
als Bodenbeschleunigung in die Struktur eingeprägt (indirekte Erregung am Fuß der Boden-
feder). Zum einen wird die Messreihe mit der maximalen Geschwindigkeit ausgewählt und
zum anderen die Messreihe, dessen Maximum am weitesten im Resonanzbereich liegt. Das
sind somit die Messung Nr. 24 und die Messung Nr. 32 aus der Tabelle 4.

Bild 10: Messung Nr. 24, gemessener Verlauf der Geschwindigkeit


Da die Daten in Form von Geschwindigkeiten vorhanden sind, müssen diese noch differen-
ziert werden, um in das Finite Elemente Programm SOFiSTiK eingelesen werden zu kön-
nen. Hierzu bietet sich das Programm DEGTRA zur Bearbeitung seismischer Signale an.
Innerhalb von DEGTRA kann nur eine bestimmte Menge an Daten eingelesen werden. Die
obere Grenze beträgt 16000 Werte, was bei einer Abtastzeit von 0,00049 sec. einem Signal
der Dauer von ca. 8 sec. entspricht. Aus diesem Grunde wird das Zeitfenster der eingelese-
nen Geschwindigkeitsdaten sinnvoll gewählt. Die Dauer der Messung Nr. 32 beträgt 12 sec.
Die ersten vier Sekunden werden beim Beschleunigungsverlauf jedoch nicht mit ausgewer-
tet. Will man nun das Ergebnis der Ableitung überprüfen, so muss bei einem Maximum des
Geschwindigkeitsverlaufes die Beschleunigung Null sein. Zur Veranschaulichung wird das
absolute Maximum der Geschwindigkeitsmessung Nr. 32 im Bild 12 und der Nullpunkt im
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 135

Beschleunigungsverlauf und im Bild 13 markiert. Der Beschleunigungs- und Geschwindig-


keitsverlauf der Reihe 24 findet sich im Bild 10 und im Bild 11.

Bild 11: Messung Nr. 24, abgeleiteter Verlauf der Beschleunigung

Bild 12: Messung Nr. 32, gemessener Verlauf der Geschwindigkeit

Bild 13: Messung Nr. 32, abgeleiteter Verlauf der Beschleunigung


136 H. Kramer, J. Lamers

5.2 Schwinggeschwindigkeitsamplituden auf den Decken


Voraussetzung für die modale Analyse ist die Kenntnis der Eigenvektoren. Mit dem Finite
Elemente Programm SOFiSTiK lassen sich die Eigenwerte der Decken berechnen. Das Bild
14 zeigt die erste Eigenform des Produktionsgebäudes bei 12,2 Hz. Bei der abgebildeten
Eigenform ist deutlich zu erkennen, dass die erste Deckenschwingung zwischen den Gebäu-
deachsen mit der größten Spannweite auftritt.

Bild 14: 1. Eigenform mit 12,3 Hz


Generell besteht die Möglichkeit die Elemente in Gruppen zu ordnen und dann die Dämp-
fung gruppenweise zu definieren. Alternativ kann die Dämpfung auch nach dem Ansatz der
proportionalen Dämpfung beschrieben werden. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass
den Schwingungseigenformen eine eigene Dämpfung zugeteilt werden kann und lässt sich
sinnvoll damit begründen, dass höhere Eigenformen oftmals mehr Schwingungsknoten auf-
weisen, die gleichzeitig zu einer steigenden Zahl an Krümmungen im Bauteil führen. Des-
wegen wird die Dämpfung mit Hilfe der Massenmatrix M und der Steifigkeitsmatrix K fol-
gendermaßen definiert:

C a˜M b˜K (3)

Praktisch wird so vorgegangen, dass das Lehrschen Dämpfungsmaßes für zwei unterschied-
liche Eigenfrequenzen festgelegt wird und daraus die Parameter a und b berechnet werden.
Die Auswertung der modalen Analyse ergibt, dass die größte Amplitude an der Position der
Baudynamische Berechnung eines Produktionsgebäudes 137

Decke des zweiten Obergeschosses auftritt, wo die Decke die maximale Bewegungsgröße
bei der ersten Eigenform erfährt. Die dominierende Frequenz 12,3 Hz der Messung Nr. 24
ist fast identisch mit der ersten Eigenfrequenz der Decke. Die Erregung versetzt die Decke
also in Resonanzschwingungen. Die Abbildungen Bild 15 zeigt beispielhaft den zeitlichen
Verlauf der Schwinggeschwindigkeit aufgrund der Erregung aus Messung Nr. 24 an der
Stelle der maximalen Verschiebung.

Bild 15 max. erzwungene Schwinggeschwindigkeit in der Decke


Insbesondere im zweiten Abschnitt der Erregungsgeschichte steigen die Amplituden stark
an. Bei Schwingungen im Resonanzbereich beeinflusst vor allem die Dämpfung die Ampli-
tuden der Bewegungsgrößen. Bei einer Eigenfrequenz von 12,2 Hz wirkt ein Dämpfungs-
grad von D = 0,016. Deutlich geringer fallen die Amplituden bei der Erregung durch die
Messung Nr. 32 aus. Hier beträgt die dominierende Erregerfrequenz 11,8 Hz. Die Schwin-
gungsreaktion bewegt sich somit zum Bereich der Hochabstimmung. Die betragsmäßig ma-
ximalen Bewegungsgrößen sind in der Tabelle 8 wiedergegeben.
Tabelle 8: Dem Betrage nach maximale Verschiebungswerte

Messung Verschiebung Geschwindigkeit Beschleunigung Übertragungsfunktion


mm mm
[mm] [ ] [ ] V4
s s2
Nr. 24 0,0418 3,25 254,75 50,78
Nr. 32 0,0192 1,5 117,44 18,29
138 H. Kramer, J. Lamers

Der angegebene Übertragungsfaktor stellt den Quotienten der maximalen Schwingge-


schwindigkeit auf der Decke zur maximalen Schwinggeschwindigkeit der Messung im
Bohrloch dar. Durch die Nähe der Erregungsfrequenz zur Eigenfrequenz der Decke fallen
die resultierenden Geschwindigkeitsamplituden höher aus, als die zulässigen.

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139

Analysis of Seismic Response


of Granular Soil Deposits

Li, Xiang- Song

Abstract
A rational treatment of the earthquake response of granular soil deposits is presented. The
paper briefly describes the framework of ground response analysis, and the experimental
findings of granular soil behavior subjected to various forms of undrained cyclic loadings. A
bounding surface sand model capable of capturing the influence of the change in shear di-
rection and a multi-directional fully-coupled ground response procedure are then intro-
duced. Predictions using the model and the procedure for the response of a test site in Lo-
tung, Taiwan, during an earthquake in 1986 are compared with the field records.

1 Introduction
The mechanisms for the response of soil to seismic loading have been studied for many
years. Over the past three decades, there have been considerable advances in predicting the
amplitude and the spectral contents of ground shaking caused by earthquake. Similar to the
analyses for the superstructures, the framework of dynamic response analyses for soil de-
posits is based on physics, constitutive laws, and certain assumptions (Biot, 1941, 1955;
Zienkiewicz, 1982; Zienkiewicz & Shiomi, 1984; Prevost, 1986). The basic physical laws
followed by the seismic analyses of soil deposits are the conservation of momentum and
mass. These physical laws are precise and leave no uncertainties within the accuracy of the
continuum assumptions. For saturated soil whose solid particles are nearly incompressible,
if geometric nonlinearity and the acceleration of pore fluid relative to the solids are negligi-
ble, the following simple expressions for these laws (under isothermal conditions) are ade-
quate.
V ij , j  U fi  U üi
(1)

vi ,i  nHvwc Hv (2)

in Eq. 1 V = the total stress, M= the bulk mass density, f = the body force function, and
u = the displacement; in Eq. 2 v = the discharge velocity of the pore fluid in soil, n = the
140 X.S. Li

porosity, Hvwc = the volumetric strain of the pore fluid caused by compression, and Hv = the
volu-metric strain of the soil.
The assumptions made for a particular procedure depend on the class of the problems to be
analyzed. For instance, the formulation of the most widely used seismic analysis program
SHAKE (Schnabel et al., 1972) is based on the assumptions that the site being analyzed is
level, free of stresses on the ground surface, and the responses of the site are caused by the
upward propagation of shear waves from its underlying rock formation. The program
DESRA (Lee & Finn, 1978) and TESS (Pyke, 1992) made the same assumptions. The pro-
gram SUMDES (Li et al., 1992) has similar assumptions but its formulation is ex-tended to
three-directional motion and fully coupled interaction between soil skeleton and pore fluid.
These procedures are used to solve so-called ground response problems. The programs
QUAD-4 (Idriss et al., 1973), FLUSH (Lysmer et al., 1975), and SUMDES2D (Ming & Li,
2002) are two-dimensional procedures, in which QUAD-4 and SUMDES2D are used pri-
marily for the seismic response of dams and FLUSH is frequently used to solve soil-
structure interaction problems. The validity of the assumptions of each procedure depends
on how closely the actual loading and boundary conditions are represented by the as-
sumptions.
The constitutive laws describe the material behavior under all possible loading conditions
prescribed by a particular procedure. Saturated soil is a two-phase material. From the ana-
lytical point of view, the behavior of the two-phase material is generally governed by three
constitutive relations: the law for the soil skeleton, the law for the pore fluid, and the law for
the interaction between the soil skeleton and the pore fluid.
The law for the pore fluid is relatively simple. Because fluid in soil can be considered iso-
tropic without shear resistance, a scalar bulk modulus is adequate to characterize it:

uw * wHvw (3)

in which uw is pore pressure; *w is the bulk modulus; and Hvw is the volumetric strain of pore
fluid. The only material parameter for pore fluid is *w, which can be found from many phys-
ics handbooks.
Flow of pore fluid through a soil element results in some force being exerted on the soil
skeleton. The law for the interaction between the soil skeleton and the pore fluid is used to
characterize the seepage force caused by water flow. If the flow is laminar, Darcy's law
holds valid. The generalized Darcy's law which governs the interaction between the soil
skeleton and the pore fluid under dynamic conditions can be expressed as follows:

vi kijc ª¬ U w f j  ü j  uw, j º¼ (4)


Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits 141

in which vi is the discharge velocity of pore fluid along direction i, Uw(fj - üj) represents the
body force (including inertia) of the fluid, and uw is the pore pressure, and k'ij is a sym-
metric tensor composed of the coefficients of permeability. By balancing linear momentum
of each phase, it is found that the interaction between the soil skeleton and the pore fluid can
be expressed in terms of a pair of drag forces as
1
f di v U w ( f j  ü j )  uw, j ª¬ kij º¼ v j (5)

The relationship shows that the interaction between the soil skeleton and the pore fluid ex-
ists only under partially drained conditions. Under completely undrained conditions, dis-
charge velocities vj are zero, the drag forces are zero. Under a completely drained situation,
the coefficients of permeability become infinity, therefore the drag forces are zero, too.
The constitutive law governing the stress strain relations of the soil skeleton can be ex-
pressed in the following general incremental form:

V ij / ijkl Hkl (6)

It is well known that the stress-strain relationship of soil skeleton is nonlinear, hysteretic,
path dependent, anisotropic, and perhaps, loading rate dependent. Therefore the stiffness
tensor /ijkl is, in general, not only a function of the material constants but also a function of
the loading history and current loading increment. At present, a hierarchy of constitutive
models with various degrees of complexity are available. These range from the simplest
equivalent linear model that considers only one shear component and treats soil as a visco-
elastic material to very complex ‘full-fledged’ elastoplastic models that characterize soil
behavior in tensorial stress/strain space and cover a wide range of loading conditions.
This paper presents a ground response analysis procedure that follows the above de-scribed
framework and incorporates a ‘full-fledged’ bounding surface sand model which takes care
of not only the commonly known effects such as soil compression and dilation, liquefaction,
etc., but also the soil response to a class of loading called rotational shear whose characteris-
tics does exist in seismic excitations.

2 Rotational Shear
When a soil deposit is subjected to upward propagating seismic shaking, the soil in the de-
posit sustains cyclic simple shear in two horizontal directions, resulting in the change of the
resultant shear stress in both magnitude and direction. As a vector, the resultant shear yields
irregular stress paths in its component plane, the characteristics of the stress paths is similar
to that of horizontal acceleration trajectories. Fig. 1 shows such an acceleration trajectory
which was recorded in Lotung, Taiwan, in 1986, during an earthquake of M=7.0. It is evi-
dent that the resultant shear possesses a widespread change in both magnitude and direction.
142 X.S. Li

0.2

Acceleration in g, N-S direction


0.1

-0.1

-0.2
-0.2 -0.1 0 0.1 0.2
Acceleration in g, E-W direction

Fig. 1: Trajectory of Acceleration Recorded in Lotung, Taiwan, Nov., 1986

Laboratory tests using bi-directional simple shear, true-triaxial, and torsional devices (Ishi-
hara & Yamazaki, 1980; Yamada & Ishihara, 1981, 1982, 1983; Towhata & Ishihara, 1985)
on loose sand have shown that change in shear direction introduces additional plastic volu-
metric strain therefore under un-drained conditions, the rate of pore pressure buildup under
multi-directional shear could be higher than that under unidirectional shear of the same
magnitude. Figs. 2 and 3 show the loading paths and the test results obtained by Ishihara
and Yamazaki (1980) using a bi-directional simple shear device. By combining two shear
components, several shearing schemes characterized by the loading paths in the horizontal
plane can be achieved. The investigators identified two types of shearing schemes: the Rota-
tional Simple Shear and the Alternate Simple Shear. For the rotational simple shear tests,
two 90 out of phase sinusoidal shears were applied simultaneously in two horizontal direc-
tions. Depending on the relative amplitudes of the two shear components, the resultant load-
ing path can be either circular or elliptic. For the tests of the alternate simple shear, cyclic
simple shear was applied alternately in two horizontal directions cycle by cycle, and the
amplitudes of the two components can also be different. It can be seen from Fig. 2 that
whens Ws/Wl = 1 the stress pattern is a circle or a symmetric cross, when Ws/Wl = 0, the shear
loading becomes unidirectional. From Fig. 3a it can be seen that from unidirectional shear to
circular shear, the resistance of the sand to failure was gradually reduced. The investigators
concluded that for the saturated loose sand being tested, under the circular loading path the
cyclic stress ratio Wl/Vv' causing failure (defined as 3 % of shear strain) at a given number of
loading cycles was approximately 65 % of that obtained under the corresponding unidirec-
tional shear loading. The alternate simple shear results shown in Fig. 3b also indicated that
under the condition of changing shear direction the soil's resistance to failure was less than
that under unidirectional shear condition. Tests aimed at examining the behavior of sand
under multi-directional cyclic shear have also been performed on true triaxial and torsional
shear devices (Yamada & Ishihara, 1981, 1982, 1983; Towhata & Ishihara, 1985), the typi-
cal results are replotted in Fig. 4. It is apparent that the trend of the influence of loading pat-
tern is very similar to that observed in the multi-directional simple shear tests.
Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits 143

τs τs
τl

τl
Circular loading

τs τ τs
l

τl
Elliptic loading

(a) Rotational Shear (a) Alternate Shear

Fig. 2: Patterns of Bi-directional Simple Shear (After Ishihara and Yamazaki, 1980)
0.3 0.3

0.25 τ s /τ l =0 0.25 τ s /τ l =0
C yclic S tress R atio, τl / σ'v
C yclic S tress R atio, τl / σ'v

0.2 τ s /τ l =.2 to .4 0.2 τ s /τ l =.2 to .4


τ s /τ l =.4 to .6 τ s /τ l =.4 to .6
0.15 τ s /τ l =.6 to .8 0.15 τ s /τ l =.6 to .8

0.1 0.1
τ s /τ l =.8 to 1 τ s /τ l =.8 to 1
0.05 0.05

0 0
1 2 5 10 20 50 100 200 500 1000 1 2 5 10 20 50 100 200 500 1000
Number of C ycles to 3% Shear Strain Number of Cycles to 3% Shea r St rain

Fig. 3a: Rotational Simple Shear Results Fig. 3b: Alternate Simple Shear Results
(After Ishihara and Yamazaki, 1980) (After Ishihara and Yamazaki, 1980)
03
Dr=31 to 39%
0 25 Unidirectional
Cyclic Stress Ratio

Elliptic
02
Crisscrossing
0 15

01
Circular
0 05

0
1 2 3 5 10 20 30 50 100

Fig. 4: Failure Resistance Averaged for Different Paths (After Yamada and Ishihara, 1982)

3 Hypoplasticity Bounding Surface Model


Wang (Wang, 1990; Wang et al., 1990) developed a constitutive model capable of simulat-
ing the rotational response. The model is based on the Dafalias’s hypoplasticity theory
(Dafalias, 1986). In the model, rotational shear is defined as a class of shear loading under
which the second invariant of the deviatoric stress tensor, J2D, is kept constant.
144 X.S. Li

In the theory of classical plasticity, the relationship between stress and strain increments can
be expressed as a function of current stress and strain, and a set of internal state variables qn,
as follows:

V ij / (V ab , H cd , qn )ijkl Hkl (7)

in which ȁijkl does not depend on the stress and strain increments thus represents an incre-
mentally linear relationship. For this reason, Eq. 7 is handicapped in accounting for the in-
fluence of the stress increment direction, as those illustrated in Figs. 2 to 4. The theory of
hypoplasticity considers that the relationship between the stress increment and the strain
increment is not only a function of the current state of stress, strain, and internal state vari-
ables, but also a function of the stress increment itself. The hypoplasticity relationship can
be expressed as follows:

V ij /(V ab ,H cd , qn , dV ef )ijkl Hkl (8)

Now ȁijkl becomes incrementally nonlinear and is dependent on the direction of stress in-
crement, thus Eq. 8 lays down a framework for accounting the influence of the change in
shear direction. The model developed by Wang was constructed within this general frame-
work therefore it is capable of capturing sand’s rotational shear behavior. Readers are re-
ferred to Wang’s original work for the details of the model’s hypoplasticity mechanism. The
model’s capability in accounting for the effect of rotational shear is shown in Fig. 5 í the
typical behavior of the model responding to unidirectional shear and rotational shear, re-
spectively. It can be seen that the rate of pore pressure buildup under the rotational shear is
significantly higher than that induced by the unidirectional shear of the same amplitude until
a characteristic (phase transformation) line is hit. In agreement with the experimental obser-
vation reported by Ishihara and Yamazaki (1980), rotational shear prevents pore pressure
from equating the initial confining pressure because of the continuous dilative tendency.
20 20
15
τ13 15
τ23 τ13
(a) (b)
10 10
Shear Stress (kpa)

Shear Stress (kpa)

5 5
0 0
-5 -5
-10 -10
-15 -15
-20 -20
0 20 40 60 80 100 120 0 20 40 60 80 100 120
Mean Normal Stress p' (kpa) Mean Normal Stress p' (kpa)

Fig. 5: Response of an isotropically confined loose sand to (a) Unidirectional Simple Shear and
(b) Rotational Simple Shear, simulated by the Hypoplasticity Model
Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits 145

4 Critical State and State-Dependent Dilatancy


It is well known that, subjected to a shear, loose sand contracts and medium-to-dense sand
dilates. Whether a sand is on a loose or dense state depends not only on the density of the
sand but also on the confining pressure applied. Furthermore, for a sand which initially is
either on the loose or dense state, there is an ultimate state upon shear failure at which the
volumetric rate is zero. This ultimate state is the well-known critical state characterized by a
unique combination of critical void ratio ec, confining pressure p, and deviatoric stress q in a
triaxial setting.
There is no doubt that a sand model for seismic analyses should be able to model the above-
described general behavior because not only the initial state of a sand may vary widely but
also the material state itself may vary drastically during loading. However, owing to the fact
that, unlike clay, the density of a sand in normal pressure range can not be changed consid-
erably by consolidation alone, most sand models in the earlier days treat a sand with differ-
ent initial densities as different materials. This approach results in multiple sets of parame-
ters for a single material and does not have a good control over a crucial change in the mate-
rial state during loading.
Attempts have been made in recent years to tackle this problem. Manzari and Dafalias
(1997) published their work on a sand model that explicitly defines a linear relationship be-
tween the state parameter ȥ (Been & Jefferies, 1985), which measures the difference be-
tween the current and critical void ratios at same confining pressure, and the phase trans-
formation stress ratio (or dilatancy stress ratio), at which response changes from contractive
to dilative. With the concepts of critical state soil mechanics as the basis, Li and Dafalias
(2000) investigated the response of sand over a wide range of densities and pointed out that
the dilatancy, i.e., the ratio of the plastic volumetric strain increment to the plastic deviatoric
strain increment, is not related only to the stress ratio = q/p but is also a function of the den-
sity state of the soil. This concept of state dependent dilatancy introduces the dependence of
dilatancy on the soil density state and allows a proper modeling of both loose and dense
sand behavior under a wide range of confining pressures.
To test the new proposition on dilatancy, the hypoplasticity sand model described earlier,
which is not critical-state based, was modified (Li et al., 1999). A comparison between the
simulations by the modified model with a single set of parameters and a sequence of test
results over a wide range of densities and loading conditions shows that the new proposition
improved the performance of the original hypoplasticity model at high strains. A typical
undrained response of the modified model is shown below.
146 X.S. Li

Fig. 6: Comparison between Undrained Triaxial Compression Test Results and the Modified Hy-
poplasticity Model Simulation for Dr = 18.5% (e = 0.907)

5 Ground Response Analysis Procedure


Aimed at exploring the influences of the rotational shear in ground response problems, a
numerical procedure named SUMDES (Site Under Multi-Directional Earth Shaking) was
developed by Li et al. (1992) following the framework described by Eqs. 1 to 6. This fully-
coupled effective stress finite element program takes the rotational shear effects into con-
sideration through the above described hypoplasticity model.

6 Ground Response Prediction


Verification of this procedure has been carried out by comparing the predictions with both
the field (Li, 1990; Li et al., 1998) and the centrifuge (Li, 1993) records. The agreements
between the predictions and the records were generally reasonable. Among the field records
we have, the most complete ones were obtained from a test site located in Lotung, Taiwan.
The site was established by the Electric Research Institute of Palo Alto, California, and
Taiwan Power Company in 1984. On the site both ground surface and downhole 3-D accel-
erometer arrays were installed. In 1985, the University of California, Davis and the Taiwan
University started to install a pore pressure monitoring system (Shen et al., 1987) on the
site. Almost immediately following the completion of the installation of the pore pressure
Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits 147

monitoring system in late May of 1986, two strong earthquakes, numbered as event 12
(M = 6.2) and event 16 (M = 7.0), shocked that area. The motions of the two events had
quite different characteristics. The major peaks of acceleration in event 12 occurred in a
relatively short duration, while the peaks in event 16 distributed more evenly over a long
time span. These two events may represent two types of earthquake waveforms, namely
shock type and vibration type as suggested by Ishihara (1977). During the two events, 3-D
acceleration time histories at the ground surface and 6m, 11m, 17m, and 47m below the sur-
face were recorded, the pore pressure time histories at various depths from 3m to 15m be-
low the ground surface were also recorded. The analyses using the earlier described multi-
directional procedure were performed for both the events using the same soil profile and
model parameters which were determined based on both the field investigation and the labo-
ratory tests (Li, 1990; Shen et al., 1987; Shen & Yang, 1990) on 'undisturbed' samples. A
total of twenty-three comparisons between the calculated and recorded acceleration and pore
pressure time histories at various depths were carried out for both the events, and the
agreements were in general reasonable (Li et al., 1998). As an example, Figs. 7 and 8 show
the comparisons of the ground surface accelerations in the E-W direction and the pore pres-
sure changes at about 6m below the ground surface, for the two events.

Fig. 7: Time Histories of Ground Surface Acceleration of Lotung Earthquakes (a) Calculated,
Event 12, E-W direction; (b) Recorded, Event 12, E-W direction; (c) Calculated, Event 16,
E-W direction; (d) Recorded, Event 16, E-W direction.
148 X.S. Li

Fig. 8: Time Histories of Excess Pore Pressure of Lotung Earthquake Events (a) Calculated, Event
12, Depth: 5.5 m; (b) Recorded, Event 12, Depth: Averaged from 5.06 m to 6.38 m; (c)
Calculated, Event 16, Depth: 6.5 m; (d) Recorded, Event 16, Depth: Averaged from 5.1 m
to 8 m.

7 Conclusions
A rational approach for ground response analysis that takes into consideration the multi-
directional shaking, the interaction between the soil skeleton and the pore fluid, and the ine-
lastic soil behavior shows promising features in its ability to capture some essential seismic
response of granular soil deposits. In particular, the introduction of incrementally nonlinear-
rity is necessary to model the behavior of granular soils subjected to changes in shear direc-
tions during earthquake, and the concepts of critical-state and state-dependent dilatancy are
necessary to take into account the influences of variations in sand density and the confining
pressure.

8 Acknowledgments
The financial support by the Research Grants Council (RGC) of the Hong Kong SAR under
Grant HKUST6084/00E is gratefully acknowledged. The author wish also to thank his col-
leagues Drs. Z.L. Wang, Y.F. Dafalias, and C.K. Shen for many years of close collaboration
and inspiring discussion along the line of constituitive modeling and seismic response.
Analysis of Seismic Response of Granular Soil Deposits 149

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153

A Numerical Approach to the Unilateral Contact


Dynamic Problem of Soil-Pile Interaction

Liolios, Asterios; Iosifidou, Constantina; Tsotsos, Stefanos;


Pitilakis, Kyriazis; Yeroyianni, Maria

Dedicated to Prof. S. Savidis, TU Berlin, for his 60th Birthday

Abstract
The paper deals with a numerical approach for the dynamic soil-pile interaction, considered
as an inequality problem of structural engineering. So, the unilateral contact conditions due
to tensionless and elastoplastic softening/fracturing behaviour of the soil as well as due to
gapping caused by earthquake excitations are taken into account. Moreover, second-order
geometric effects for the pile behaviour due to preexisting compressive loads are taken into
account. The numerical approach is based on a double discretization and on mathematical
programming. First, in space the finite element method (FEM) is used for the simulation of
the pipeline and the unilateral contact interface, in combination with the boundary element
method (BEM) for the soil simulation. Next, with the aid of Laplace transform, the problem
conditions are transformed to convolutional ones involving as unknowns the unilateral
quantities only. So the number of unknowns is significantly reduced. Then a marching-time
approach is applied and finally a nonconvex linear complementarity problem is solved in
each time-step.

1 Introduction
Dynamic soil-pile interaction can be considered [1] as one of the so-called inequality
problems of structural engineering [2,3]. As wellknown [2], the governing conditions of
these problems are equalities as well as inequalities. Indeed, for the case of the general
dynamic soil-structure interaction, see e.g. [4, 17], the interaction stresses in the transmitting
interface between the structure and the soil are of compressive type only. Moreover, due to
in general nonlinear, elastoplastic, tensionless, fracturing etc. soil behaviour, gaps can be
created between the soil and the structure. Thus, during e.g. strong earthquakes, separation
and uplift phenomena are often appeared, as the praxis has shown.
154 A. Liolios, C. Iosifidou, S. Tsotsos, K. Pitilakis, M.Yeroyianni

The mathematical treatment of the so-formulated inequality problems can be obtained by


the variational or hemivariational inequality approach [2,3]. Numerical approaches for some
dynamic inequality problems of structural engineering have been also presented, see e.g. [1-
5].
The present paper deals with a numerical treatment for the inequality dynamic problem of
soil-pile interaction where second-order geometric effects for the pile behaviour due to
preexisting compressive loads are taken also into account. In the problem formulation, the
above considerations about gapping as well as soil elastoplastic/softening behaviour are
taken into account. The proposed numerical method is based on a double discretization and
on methods of nonlinear programming. So, in space the finite element method (FEM)
coupled with the boundary element method (BEM), and in time a step-by-step method for
the treatment of convolutional conditions are used. In each time-step a non-convex linear
complementarity problem is solved with reduced number of unknowns. Finally, the
presented procedure is applied to an example problem of dynamic pile-soil interaction, and
some concluding remarks useful for the Civil Engineering praxis are discussed.

2 Method of analysis
2.1 Coupling of FEM and BEM Sub Sub Heading
A spatial discretization is applied for the soil-pile system by coupling the FEM and BEM in
the wellknown way, see e.g. Brebbia et al. [6]. For simplicity, the pile is first considered as
linearly elastic, and discretized into usual beam/frame finite elements. Each pile node is
considered as connected to the soil on both sides through two unilateral constraints
(interface soil-elements). Every such interface element consists of an elastoplastic-softening
spring and a dashpot, connected in parallel (Figure 1), and appears a compressive force r(t)
at the time-moments t only when the pile node comes in contact with the soil. Let v(t)
denote the relative retirement displacement between the soil-element end and the pile-node,
and g(t) the existing gap. Then the unilateral contact behaviour of the soil-pile interaction is
expressed in the compact form of the following linear complementarity conditions:

v t 0, r t 0, r.v = 0. (1)

The soil-element compressive force is in convolutional form [4]

r = S(t)*y(t), y = w - ( g + v ), (2a,b)

or in form used in Foundation Analysis [11]

r = cs(wy/wt) + p(y). (2c)


Unilateral Contact Dynamic Problem of Soil-Pile Interaction 155

Here cs is the soil damping coefficient, w=w(t) the pile node lateral displacement, y=y(t) the
shortening deformation of the soil-element, and p(y) the spring force. By * is denoted the
convolution operation. S(t) is the dynamic stiffness coefficient for the soil and can be
computed by the BEM [4]. Function p(y) is mathematically defined by the following, in
general nonconvex and nonmonotone constitutive relation

p(y)  ĬP(y), (2d)

where Ĭ is Clarke's generalized gradient and P(.) the symbol of superpotential nonconvex
functions [2]. So, (2d) expresses in general the elastoplastic-softening soil behaviour, where
unloading-reloading, gapping, degrading, fracturing etc. effects are included.
For the herein numerical treatment, p(y) is piece-wise linearized in terms of non-negative
multipliers as in plasticity [7,8]. So the problem conditions for the assembled soil-pipeline
system are written in matrix form according to the finite element method:
.. .
M u (t) + C u (t) + (K + G) u(t) = f(t) + AT r(t) (3)

y = ATu - ug - g - B z, r = S*y, (or r = E y), (4),(5)

Ȧ= BTr - H z - k, Ȧ d 0, z t 0, zT.Ȧ = 0, (6)


. .
u(t=0) = uo, u (t=0) = u o, g(t=0) = go (7)

Here (3) is the dynamic equilibrium condition, (4)-(6) include the unilateral and the
piece-wise linearized constitutive relations and (7) are the initial conditions. As usually, M,
C and K are the mass, damping and stiffness matrix, respectively; G is the geometric
stiffness matrix depending linearly on pre-existing stress state [8,15,16]; u, f are the
displacement and the force vectors, respectively; ug(t) is the vector of (possible) seismic
ground displacement; A, B are kinematic transformation matrices; z, k are the nonnegative
multiplier and the unilateral capacity vectors; and E, H are the elasticity and unilateral
interaction square matrices, symmetric and positive definite the former, positive
semidefinite the latter for the elastoplastic soil case. In the case of soil softening, some
diagonal entries of H are nonpositive [7]. For the case of nonlinear pile behaviour, either the
. .
linear terms C u and K u can be replaced by the nonlinear matrix functions C( u ) and K(u),
or the local nonlinearities (e.g. elastoplasticity) are included in appropriate internal
unilateral constraints [7-9].
.
Thus the so-formulated problem is to find (u,r,g,z) satisfying (1)-(7) when (f, ug, uo, u o, go)
are given.
156 A. Liolios, C. Iosifidou, S. Tsotsos, K. Pitilakis, M.Yeroyianni

2.2 Time discretization. The Convolutional LCP.


Assuming that the unilateral quantities z and T include all local nonlinearities and unilateral
behaviour, the procedure of Liolios [9] can be used. So, applying the Laplace transform to
(3)-(7), except (6)4, and after suitable elimination of unknowns and back transforming to
time domain, we arrive eventually at

Ȧ(t) = D(t) * z(t) + d(t). (8)

Thus, at every time-moment the problem of rels. (6)2,3,4 and (8) is to be solved. This
problem is called here Convolutional Linear Complementarity Problem (CLCP), has a
reduced number of unknowns and is solved by time discretization [4]. So, for the time
moment tn = n.ǻt, where ǻt is the time step, we arrive eventually at a non-convex linear
complementarity problem [6]:

Ȧn= D zn + dn, zn t 0, Ȧn d 0, zT.Ȧn = 0. (9)

Alternatively, the above inequality problem of rels. (1)-(7) can be solved in time by direct
time integration methods as in Liolios[1]. So, some algebraic manipulations and a suitable
elimination of unknowns lead to the same discretized LCP (9).
Solving problem (9) by available computer codes of nonlinear mathematical programming
[2,3,7], we compute which of the unilateral constraints are active and which not in each
time-step ǻt. Due to soil softening, matrix D is not strictly positive definite in general. But
as numerical experiments have shown, in most civil engineering applications of soil-pile
interaction this matrix is P-copositive. Thus the existence of a solution is assured [6-8].

3 Numerical example
The example problem of Liolios[1] is reconsidered here for comparison reasons. The steel
IPB300 H-pile depicted in Figure 1(a) has a length L = 12 m and is fully embedded into a
clay deposit. The pile has a stiffness EI=52857 KN.m2, is fixed at the bottom and free at the
top. The effects of the over structural framing are approximated by a lumped mass 2 KN.m-
1
.sec2 and a rotational inertia 2 KN.m.sec2. The pile is subjected to a vertical constant top
force of 120 KN and to a dynamic horizontal top force with the time history shown in
Figure 2(a). The elastoplastic-softening soil behaviour according to eqn. (2b) is shown in
Figure 2(b)-(diagramme p-y [11])- where branch OA has the exponential form p(x,y) =
pu.[1-exp(-100y)], with pu = 375[1-0.5exp(-0.55x)], and for the branch AB holds
2 3
p(x,y) = 0.75 pp. (-3ȟ +2ȟ )+pp, with ȟ = (y-0.02)/0.06. For unloading-reloading paths the
inclination is 100pu.
Unilateral Contact Dynamic Problem of Soil-Pile Interaction 157

(a) (b) (c)

Fig. 1: The numerical example: (a) The soil-pile system model, (b) Maximum horizontal pile
displacements, (c) Final soil-pile gaps.
Some response results from the ones obtained by applying the herein presented numerical
procedure are indicatively reported. So the maximum values of the pile horizontal
displacements and the final gaps along the pipeline due to permanent soil deformations are
shown in Figures 1(b) and 1(c), respectively. These results are in good agreement with those
of Liolios [1].

(a) (b)

Fig. 2: The numerical example: (a) Dynamic loading diagramme, (b) Diagramme p-y of the soil
behaviour.

4 Concluding remarks
As the above indicative results of the numerical example show, unilateral contact effects
due to tensionless soil capacity and to gapping may be significant and have to be taken into
account for the dynamic soil-pile interaction. These effects can be numerically estimated by
the herein presented procedure, which is realizable on computers by using existent codes of
158 A. Liolios, C. Iosifidou, S. Tsotsos, K. Pitilakis, M.Yeroyianni

coupling the FEM and BEM as well as optimization algorithms. Thus, the presented
approach can be useful in the praxis for the earthquake resistant construction, design and
control of piles.

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Rotterdam: Balkema.
161

A Method to Increase the Accuracy of the Green’s


Functions for Layered Media Obtained by Means
of the Thin Layer Method

Schepers, Winfried; Kausel, Eduardo

Summary
A method is proposed by means of which the Green’s functions for a layered medium ob-
tained with the Thin-Layer Method (TLM) can be improved prior to their application to
Boundary Element (BEM) formulations of soil-structure problems. The proposed technique
is especially useful in cases of high frequency loads, say a railroad track subjected to high
speed trains, for which the typical wavelengths are short and there is rapid variation of dis-
placements and stresses in the vicinity of the boundary elements. The method relies on the
observation that the Green’s functions for a layered soil near a loaded point are very similar
to those of a homogeneous medium with properties equal to those near the load, except that
they are shifted by some constant.

1 Introduction
Studies on Soil-Structure-Interaction (SSI) of shallow foundations, such as railway sleepers
and other plate-like structures, are often carried out with a hybrid sub-structuring technique.
In this computational strategy, the structure and irregular soil island (if any) is modeled with
Finite Elements (FEM) while the sub-ground is modeled with Boundary-Elements (BEM).
At the interface between these two domains, compatibility conditions are enforced by re-
quiring the nodal displacements uP , uS and tractions tP , tS to be continuous and in dynamic
equilibrium, respectively.
The fundamental solution or Green’s functions needed for the BEM model, i.e. the dis-
placement and stress field in the soil elicited by point sources at selected locations, is often
expressed in terms of Stokes’ and Lamb’s tensors for a homogeneous full space. However,
when the underlying soil exhibits layering, the full space solution ceases to be computation-
ally effective, because all material interfaces need be discretised with boundary elements.
This is so because the Green’s functions (or fundamental solutions) for the layered medium
are generally not known in closed form. One alternative to obviate this problem is to com-
pute the Green’s functions for the layered medium by numerical means, but this is known to
be a cumbersome, computationally intensive, and error prone task. A very powerful tool that
162 W. Schepers, E. Kausel

overcomes this difficulty is the Thin Layer Method (TLM), which discretises the soil in the
direction of layering and employs closed form solutions for the other directions (Kausel
1994). When this method is used in the context of the BEM, however, an issue arises as to
the accuracy of the response functions in the immediate neighborhood of the concentrated
load, but not elsewhere. Indeed, in a vicinity of the loaded point of radius r, the exact fun-
damental solutions in three and two dimensions are known to exhibit singularities of order
1/r for point loads, and log r for line loads, respectively. By contrast, the TLM solution ex-
hibits singularities of order log r for point loads and order 1 (i.e. no singularity at all) for
line loads. This is analogous to the situation that arises when a continuous medium is mod-
eled with finite elements: the displacements of loaded nodes remain finite.
As is well known, the BEM requires careful consideration of the singularities near loaded
points, because the integrals over such singular points lie on the main diagonal of the result-
ing system of linear equations. Thus, they exert an overriding influence on the accuracy and
convergence of the method, particularly at high frequencies of excitation. When using the
TLM, a seemingly effective strategy for dealing with the singularity problem would be to
use a dense system of layers near the elevation where the load is applied. However, in most
cases this choice would entail an inordinate and unnecessary computational effort.
In the light of the above considerations, in this note we evaluate the near-source conver-
gence of the Green’s functions obtained with the TLM in the context of anti-plane (SH) line
loads, and propose an effective hybrid algorithm to obtain accurate response functions
throughout the medium. In short, the proposed algorithm is based on the observation that,
near the source, the Green’s functions converge to the fundamental solution for a homoge-
nous medium with material properties equal those near the loaded point, but shifted by some
constant.
To illustrate the basic ideas behind the proposed algorithm, we consider in the ensuing the
dynamic response of a non-embedded, rigid strip footing that is underlain by either a ho-
mogenous soil stratum, or by a homogenous half-space. We express the response to SH
loads in terms of stresses at the soil-structure interface, and compare the continuum solution
against the solution obtained with the TLM.

2 Boundary Element Formulation


The governing differential equation for SH waves is

w 2u § w 2u w 2u ·
¨ ¸
ȡ  µ  b( x, z , t ) (1)
wt 2 ¨ wx 2 wz 2 ¸
© ¹

with ȡ = the mass density, u u y (x,z) = the displacements in the y-direction, G = elastic
shear modulus, µ G( 1  2 iȟ ) = the complex shear modulus, ȟ = damping ratio, b = body
Increase of the Accuracy of Green’s Functions by Means of the Thin Layer Method 163

forces in the y-direction, an i = the imaginary unit. The boundary integral equation (Brebbia
et al. 1994) in this case is

c i u i  IJ * u dī
³ ³IJu
*
dī (2)
ī ī

where u and u* are, respectively, the real and virtual displacements at the boundary (, U
and U* are the real and virtual tractions in direction of the outward normal to (, ui is the dis-
placement at node i, and ci is a constant whose value depends on the geometry and location
of the boundary. Discretising the boundary and using the fundamental solutions for source
points located on the boundary, one obtains the well known BEM equation

Hu Gq (3)

in which u is the vector of boundary displacements and q is the vector of consistent internal
nodal loads at the interface of the footing and the soil, see figure 1.

Footing
F ootin

qP Y
X
u
u
qS

Soil

Figure 1: Interface conditions of footing and soil

Also, H and G are obtained from the integrals of the virtual tractions and virtual displace-
ments (Green’s functions), respectively, that is, from the left and right-hand sides in (2). For
a smooth boundary with no sharp corners, the diagonal elements of H can be shown to be
unity, while the off-diagonal elements of H follow from integrals of the form

³ IJ si ,s N s ds
*
hij (4)
īj
164 W. Schepers, E. Kausel

with the index i denoting the source point and the index j indicating the receiver point (i. e.
BE node). N s contains the polynomial interpolation functions, while s is the dummy vari-
able of integration along the jth boundary element (j. However, since the Green’s functions
obtained with the TLM automatically satisfy the stress-free boundary conditions at the free
surface, this means that W* = 0 at this location, except for the singularity immediately below
the load. Hence, in the case of a shallow foundation, all off-diagonal terms of H are identi-
cally zero, while the diagonal elements are unity, i. e. H = I = identity matrix, in which case
only the solutions for displacements are needed. Therefore, eq. (3) simplifies to

u Gq (5)

It follows that

q G 1 u (6)

To model the plate resting on the soil, we resort to conventional finite elements. Inasmuch
as this is a problem in an anti-plane strain, the plate deforms only in the y-direction due to
shear, and is thus free from bending. Using finite elements with linear shape functions, we
obtain an equation of motion of the form

K  Ȧ M u P Q (7)

GP ˜ t P ª 1  1º
Ke « 1 1 » (8)
b ¬ ¼

ȡ P ˜ t P ˜ b ª2 1 º
Me «1 2 » (9)
6 ¬ ¼

with K = {Ke} and M = {Me} being the stiffness and mass matrices of the plate (assembled
by an appropriate overlapping of the consistent element matrices Ke, Me), GP = the shear
modulus, tP = the plate thickness, b = the element width, P = the external nodal load vector,
and Q = the vector of internal consistent nodal forces (i. e. the integral of the tractions) at
the plate-soil interface.
Enforcing equilibrium and compatibility at the interface one obtains

K  Ȧ M u P  G 1 u (10)

K  Ȧ M  G 1 u P (11)

This linear equation system can easily be solved and the tensions at the interface obtained
by evaluation of (6).
Increase of the Accuracy of Green’s Functions by Means of the Thin Layer Method 165

3 Green’s functions via the Thin Layer Method


(TLM)
As mentioned earlier, it is convenient to use the TLM to obtain approximate solutions to G,
inasmuch as closed form solutions for arbitrarily layered soils do not exist. To this effect,
the TLM subdivides the physical layers into sub-layers that are thin in the finite element
sense, which allows approximating the displacement field within the layers by means of
interpolation functions. Application of the principle of virtual displacements yields then a
system of differential equations for the stack of layers that is amenable to numerical solu-
tion.
When formulated in the frequency domain, the TLM gives the displacements due to line
loads anywhere in the medium by superposition of the normal wave propagation modes in
the layered medium, each of which has a different characteristic horizontal wave number.
When this is done, the Green’s functions for SH line sources are found to be of the form (for
details, see Kausel 1981)

1 N K i n ˜ K j n ik n x
u ij ¦
2i n 1 kn
e (12)

with u ij denoting the displacements at layer interface i due to a point load at layer interface
j , K in denotes the i-th element of the n-th eigenvector (i.e. normal mode), kn denotes the
n-th eigenvalue (characteristic wavenumber), x denotes the horizontal distance between the
receiver point to the source point, and i 1 .
In the particular case of a homogenous soil over rigid rock modelled with N equal sub-
layers, the characteristic wavenumbers for SH waves can be obtained in closed form. In-
deed, the normal modes for the discrete TLM solution are found to be

kn
6 µ N 2  BS X 2 H 2 cos(2R n )  1  3S X 2H 2 (13)
µ H 2 cos(2R n )  1

cos(2R n (m  1))
K mn (14)
µH § 2 2 ·
¨1  B sin (R n ) ¸
2 © 3 ¹

Q
Rn (2n  1) (15)
4

in which D is a parameter that defines the degree of mix of consistent and lumped TLM
mass matrices, i. e.
166 W. Schepers, E. Kausel

M B M cons  (1  B ) M lump (16)

Numerical experiments demonstrate that the accuracy of the discrete Green’s functions can
be optimized by taking B 0.55 , see Park 2002 and Park and Kausel 2004. Also, the thick-
ness of any sub-layer must not exceed some fraction of the shortest wavelength in that layer,
say 1/10 of the wavelength. This can be expressed as

X ˜ cS
hd (17)
2Q ˜10

with h = the thickness of the sub-layer and cs = shear wave velocity of the soil. Increasing
the number of layers to infinity, one obtains the exact solution for a continuous system,

S X 2 Q 2 2n  1 2
lim k n  (18)
N of µ 4H 2

§Q z ·
cos ¨ ( 2m  1) ¸
K ( z) lim K mn ©2 H ¹ (19)
N of µH
2

These results will be used as reference solution.

4 Proposed refinement
The accuracy of the TLM Fundamental Solution in the context of the BEM is particularly
important in the vicinity of the source points, because the strain gradient of the exact solu-
tion is very large, indeed infinitely large at the loaded point. Thus, a considerable number of
layers must be used to obtain sufficiently accurate boundary elements, which entails a large
computational expense. It behooves then to find a way of improving the discrete TLM
Green’s functions in the vicinity of the load. This can be achieved by observing that the so-
lution at that location is nearly independent of the geometric and material properties at
large, but depends mainly on the material in the neighborhood of the load, albeit shifted by
some constant that depends on those properties at large. The reasoning for this observation
is as follows.
Consider first an infinite, homogeneous medium with shear wave velocity cs subjected to an
antiplane line source. The exact Green’s functions for that case are known to be of the gen-
eral form f(Zr/cs), in which Z is the frequency and r is the source-receiver distance. Clearly,
as the distance r shrinks to zero at constant frequency, the argument of the function ap-
proaches zero. Conversely, if we reduce the frequency but keep the distance constant, the
argument once more approaches zero. Hence, in a vicinity r of the source, the behavior of
Increase of the Accuracy of Green’s Functions by Means of the Thin Layer Method 167

the Green’s function can be said to be quasi-static. Another way to look at this is to see that
the wavelengths of the waves elicited by the source at a fixed frequency must be much
longer than the source receiver distance once the source point is approached sufficiently
close. Still, the displacements change rapidly in magnitude, and exhibit a singularity at the
source point itself.
Next, consider an elastic half-space subjected to the same SH source as before, which is ap-
plied (at least for now) within the body of the half-space. If we solve this problem by means
of the method of virtual images, we reduce this problem to one a full space with two sources
placed at mirror locations with respect to the surface. Hence, the displacements at any point
in the medium can be obtained by superposition of the displacements due to the source and
its mirror image. Within a small neighborhood of the actual source, the effect of the image
source is to cause a smoothly varying displacement field, which can be taken to be constant
within small receiver distances r. Hence, the total displacement field in that vicinity equals
the displacement in the full space plus a “constant” that can be determined.
In a similar manner, when the elastic half-space is in turn replaced by a stratum on rigid
base, that too can be solved by the method of images, and it will be seen that there exist in-
finitely many images, each of which is progressively more distant from the actual, original
source in the medium. Hence, the aggregate of displacements in the vicinity of the actual
source caused by all mirror images is again a smoothly varying field that is “constant”
within that neighborhood.
It should by now be clear that the effects of boundaries, layers or other smooth material in-
homogeneities (e.g. the material and geometric properties at large), as far as the vicinity of a
source is concerned, is to cause modifications of the displacement field with respect to the
full space solution that is “constant” in that vicinity. Thus, if that constant can be estimated,
we can obtain accurate displacements near the source by simply adding that constant to the
full space solution.
Now, the TLM is a very convenient tool for obtaining the Green’s functions for layered me-
dia, and it provides very accurate displacements except in the close neighborhood of
sources. Thus, in the spirit of the previous discussion, we could use the TLM to obtain the
“constant” in the vicinity of the source, to which we then add the full space solution to ob-
tain an accurate representation near the source, using for this purpose the material properties
around the loaded point. In the case of boundary element nodes on the surface of a half-
space, the same reasoning applies, except that we must use the half-space solution instead of
the full space solution to make the transition to the proximity of the source,.
Figure 2 shows the fundamental solution at the loaded point in the three uppermost layers of
a homogenous soil over rigid base. The solid line is the TLM result, while the dotted line is
the reference solution. It can be seen that the deviation between the discrete and exact solu-
168 W. Schepers, E. Kausel

tions is rather local, i. e. significant discrepancies exist only in the immediate vicinity of the
loaded point where the exact Green’s functions attain infinitely large values.
– 0.4 0.0 0.4 0.8 1.2 1.6 2.0
uy(x = 0, z)
– 0.01
– 0.02

– 0.03 Layer boundaries

– 0.04
Reference TLM solution
– 0.05
Solution (50 layers)
– 0.06 z in m

Figure 2: Displacements at the load point of a homogeneous half space due to a SH line load of
unity amplitude
On the other hand, comparing the exact solution for the stratum with the closed form solu-
tion for the half-space in Fig. 3, the similarity between the two curves becomes obvious: the
curves just seem to be shifted. This suggests a way to refine the TLM fundamental solution:
an optimization domain close to the source is chosen, outside of which the Green’s func-
tions are given by the TLM while inside that domain the closed-form half-space solution is
used, but appropriately shifted to satisfy displacement continuity at the transition to the ex-
ternal domain.

x = 0.00 m

– 0.01 x = 0.01 m x = 0.02 m x = 0.05 m x = 0.08 m x = 0.1 m

– 0.02

– 0.03

– 0.04

– 0.05

– 0.06
z

z z z z z
Exact Solution Halfspace Solution TLM Solution

Figure 3: Displacements uy(x, z) at different receiver points x of a stratum with unity properties
excited by a SH line load at x = 0; exact solution, halfspace solution, and TLM solution.
Identical scaling at all receiver points
Increase of the Accuracy of Green’s Functions by Means of the Thin Layer Method 169

Our suggestion for optimization is then to consider a semi-circle with radius equal to the
thickness h of the uppermost layer, and to compute the Green’s functions as

­ g TLM ( P) if r t h
g opt ( P ) ® (20)
¯ g TLM ( P' )  ǻg HS ( P, P' ) else

with

%g HS ( P, P' ) g HS ( P )  g HS P ' (21)

in which gHS is the exact Green’s function for a homogeneous half-space, while gTLM is the
discrete counterpart for the layered medium obtained with the TLM, P is the receiver point,
r the distance of P from the origin, and P' the projection of P onto the boundary of the
optimization domain (Fig. 4).

h
0 x

P Optimization Domain
Boundary (Semi-Circle)
h P'

Layer Boundary

Figure 4: Definition of optimization domain

5 Examples
To illustrate the potential of the proposed technique, we compute the stresses at the interface
of the plate and soil with two simple models (Fig. 5). The first model is an elastic massless
plate over an elastic half-space. The soil is homogenous with mass density 1800 kg/m3, a
shear modulus of 72 MN/m² (yielding a shear wave velocity of 200 m/s), and a damping
ratio of 1 %. The plate is 5 m wide, has a shear modulus of 7200 MN/m², therefore nearly
rigid, and is loaded by a harmonic distributed load of unity amplitude and frequency of
50 Hz. The interface between plate and soil is discretized with 50 boundary elements.
The second model is a flexible plate on soil over rigid rock. The soil is the same as in the
first model, but with rigid rock 10 m under the surface. The plate is 10 m wide, 0.5 m high,
has a shear modulus of 1440 MN/m², a mass density is 2000 kg/m³, and is loaded by a SH
point load at its center.
170 W. Schepers, E. Kausel

GP → ∞ 5m 10 m
a) b) ρP = 2000 kg/m³
GP = 1440 MN/m²
0.50 m 0.50 m

10 m
cS = 200 m/s
cS = 200 m/s

Figure 5: Properties of the models. (a) model 1, nearly rigid plate on elastic halfspace. (b)
model 2, flexible plate on soil over rigid rock
Figure 6 shows the tension amplitude at the interface of plate and soil of the first model. As
a reference solution the exact Green’s functions for a half-space elicited by a SH load were
computed and integrated according to Tadeu et al. 1999 to obtain the elements of the soil
flexibility matrix. In contrast, the TLM solutions were integrated numerically with an adap-
tive integration scheme. The half-space was discretized down to a depth of approximately
twice the wavelength of a shear wave with 10 and 100 layers per wavelength, respectively.
The layer thickness was chosen to be constant.

2.5
0.5

0.4
2.0
0.3

0.2
Tensions in N/m²

1.5
0.1

0
1.0 0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5

0.5

0
0 1 2 3 4 5
Plate coordinate x in m
Exact Optimized TLM Regular TLM Regular TLM
Integration 20 Layers 200 Layers 20 Layers

Figure 6: Results of model 1: tension amplitude at the interface of nearly rigid plate and halfspace
Increase of the Accuracy of Green’s Functions by Means of the Thin Layer Method 171

As can be seen from Fig. 6 the curves match all over the plate except at the plate boundary.
There the optimized TLM yields a result nearly identical to a TLM solution with 10 times
the number of layers, which in turn is close to the exact solution.
Figure 7 shows the tension amplitude at the interface of plate and soil of the second model,
and Fig. 8 shows the corresponding displacements. For this model we computed the exact
Greens functions by means of eq. (12), (18), and (19), and solved the Boundary Element
integrals in eq. (4) analytically. The integration of the TLM solutions was performed with
the adaptive scheme as before. As in the first model, the soil was discretized with 10 and
100 layers per wavelength, respectively, and the thickness of the layers was again chosen
constant.
Again, all curves match excellently in areas with low stress gradients. At the plate bounda-
ries as well as at the source point, where high stress gradients occur, the proposed optimiza-
tion schemes yields results with an accuracy not less than that of a solution with tenfold
number of layers. Thus, the method is very accurate indeed.
By relatively straightforward modifications, the method can also be extended to embedded
structures and to plane strain (SV-P) problems, or indeed, even to 3D problems.

0.8
0.35
0.30

0.6 0.25
0.20
Tensions in N/m²

0.15
0.4 0.10
4.50 4.75 5.00 5.25 5.50

0.2

0
0 2 4 6 8 10
x in m
Exact Optimized TLM Regular TLM Regular TLM
Integration 25 Layers 250 Layers 25 Layers

Figure 7: Results of model 2: tensions between plate and soil over rigid rock due to a SH point
load at the plate’s center
172 W. Schepers, E. Kausel

1.2x10–9

–9
1.0x10
Displacements in m

0.8x10–9

0.6x10–9

0.4x10–9
0 2 4 x in m 6 8 10
Exact Optimized TLM Regular TLM Regular TLM
Integration 20 Layers 200 Layers 20 Layers

Figure 8: Results of model 2: displacements of flexible plate on soil over rigid rock due to a SH
point load at the plate’s center

References
Brebbia CA et al. [1994]. “Boundary Element Techniques”, Springer, Berlin Heidelberg
Kausel, E. [1981]. “An explicit solution for the Green’s functions for dynamic loads in
layered media”, Research Report R81-13, Department of Civil Engineering, MIT,
Cambridge, MA
Kausel E. [1994]. “Thin-layer-method: formulation in the time domain”,
Int. Journal for Numerical Methods in Engineering., Vol 37, pp 927941
Park J. [2002]. “Wave motion in finite and infinite media using the Thin-Layer Method”,
PhD Thesis, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, MA
Park, J. and E. Kausel [2004] “Numerical dispersion in the thin-layer method”, Computers
and Structures, Vol. 82, pp 617–625
Tadeu A.J.B., P.F.A. Santos and E. Kausel [1999] “Closed-form integration of singular
terms for constant, linear, and quadratic boundary elements. Part 1. SH wave
propagation”, Engineering Analysis With Boundary Elements, Vol. 23, pp 671–681
173

Kumulatives und dynamisches Verhalten


von Böden

Triantafyllidis, Theodor; Wichtmann, Torsten; Niemunis, Andrzej

Zusammenfassung
Ein Überblick über einige der letzten Forschungsergebnisse an der Ruhr-Universität Bo-
chum auf dem Gebiet der zyklischen bzw. dynamischen Belastung von Boden wird präsen-
tiert. Sowohl residuale als auch reversible Effekte in Böden unter zyklischer Belastung wer-
den untersucht. Ein hochzyklisches Akkumulationsmodell für nichtbindige Böden wurde
entwickelt. Das Modell wird zusammen mit den zugrundeliegenden Experimenten darge-
stellt. Für eine nichtlineare Beschreibung des reversiblen Verhaltens wurden Versuche zur
dynamischen Steifigkeit und zur Dämpfung von nichtbindigen, bindigen und organischen
Böden durchgeführt, welche in diesem Beitrag präsentiert werden.

1 Einleitung
Eine dynamische Belastung wird zunächst als eine Vibration des Bauwerks und nach länge-
rer Zeit als akkumulierte Setzung wahrgenommen. Diese beiden Effekte werden separat un-
tersucht.
Die Akkumulation der bleibenden Verformungen (insbesondere Setzungsdifferenzen) bzw.
der Spannungen (siehe Bild 1a) in den Gründungen kann die Gebrauchstauglichkeit eines
Bauwerks (z.B. Hochgeschwindigkeitsstrecke, Kranbahn, Schleuse, Tank) gefährden.
Übermäßige Porenwasserüberdrücke können sogar den Verlust der Standsicherheit (Ver-
flüssigung) zur Folge haben. Im Abschnitt 2 dieses Beitrags wird ein hochzyklisches Modell
für die Prognose der Setzungsakkumulation in nichtbindigen Böden vorgestellt. Experimen-
telle Ergebnisse, die dem Modell zugrunde liegen, werden zusammen mit der Simulation
der Setzungsakkumulation eines Streifenfundamentes mit der FE – Methode präsentiert.
Bei vielen bodendynamischen Problemen (z.B. der Dimensionierung von Maschinenfunda-
menten) steht zunächst der elastische Anteil der Verformungen im Vordergrund. Für boden-
dynamische Analysen werden die Kennwerte des Bodens, zumeist der dynamische Schub-
oder Elastizitätsmodul und der Dämpfungsgrad benötigt. Diese können z.B. im Resonant
Column (RC) Gerät ermittelt werden. Im Abschnitt 3 werden RC – Versuche an Sand vor-
174 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

gestellt. Weiterhin werden RC – Versuche an bindigen und organischen Böden präsentiert,


die für die ICE - Strecken Nürnberg – Ingolstadt und Hamburg – Berlin durchgeführt wur-
den.

Bild 1: a) Akkumulation von Dehnungen bzw. Spannungen b) Vorgehensweise der Akkumulati-


onsberechnung mit expliziten Modellen (Niemunis et al. 2004b)

2 Bleibende Verformungen in nichtbindigen Böden


unter zyklischer Belastung
2.1 Akkumulationsmodell
Die Struktur des expliziten Akkumulationsmodells ist der Struktur viskoplastischer Modelle
ähnlich. Die Zyklenanzahl N wird als Zeitvariable verwendet. Die allgemeine Spannungs-
Dehnungs-Beziehung lautet (Niemunis et al. 2004b)

 E : (D  Dacc  Dpl ) .
T (1)

Darin ist T die Jaumannsche Spannungsrate, E eine elastische Steifigkeit und D die Deh-
nungsrate. „Rate“ meint hier eine Ableitung nach der Zyklenanzahl N. Dacc ist die durch die
expliziten Formeln vorgegebene Akkumulationsrate und Dpl ist die Rate der plastischen
Dehnung, die für überlagerte monotone Belastungen notwendig ist. Die Akkumulationsrate
Dacc berechnet sich mit der Fliessrichtung m und der Intensität Dacc aus (Niemunis et al.
2004a):

Dacc D acc m (f ampl fNA  f ampl fNB ) f p f Y f e fS m (2)





A B
g g
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 175

Die in Tabelle 1 zusammengefassten und im Abschnitt 2.2 näher erläuterten Funktionen in


Gleichung (2) beschreiben im einzelnen die folgenden Einflüsse:
fampl: Dehnungsamplitude Hampl der Erregung
fNA ,fNB : Funktionen für die zyklische Vorbelastung (bisher aufgebrachte Zyklenanzahl N
und ihre Amplitude)
fp: mittlerer Druck p av  tr(T) / 3
av
fY: Spannungsverhältnis Y (Y av  9) /(Yc  9) mit Y = -I1 I2 / I3,
Yc = (9-sin2Mc)/(1-sin2Mc) , Ii: Basis-Invarianten von T, Mc: krit. Reibungswinkel
fe: Porenzahl e
fS: Polarisationsänderungen

Funktion Materialkonstanten
ampl 2
f ampl H ampl
/H ref ampl
H ref 10-4
3 ampl 2 1 Campl 0,54
1D-Zyklen: H ampl (H q )  (Campl H vampl ) 2
2 3
Hv = tr(H), Hq = 2 / 3 ||H*||

fNA C N1 C N2 exp g A / C N1 / f ampl CN1 2,9 · 10-4


fNB C N1 C N3 CN2 0,55
CN3 5,7 · 10-5

fp exp ª¬ Cp p av / p ref  1 º¼ Cp 0,44


pref 100 kPa
fY exp C Y Y av CY 2,05

Ce  e
2
1  e ref Ce 0,52
fe 2
1 e Ce  eref eref 0,874
G
fS 1  CS 1 (1  cos D ) cos D A H :: ʌ CS1 4,0
ampl 2
D  CS 2 D H S neu alt
= R :: S CS2 200
Rotatationsoperator R: siehe Abschnitt 2.2

Tabelle 1: Funktionen des Akkumulationsmodells und Satz von Materialkonstanten für einen Mit-
telsand
176 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

Als Maß für die zyklische Vorbelastung wird die Zustandsvariable gA = œ g A dN verwendet
(Niemunis et al. 2004a), die die Anzahl N der bisherigen Zyklen mit ihrer jeweiligen Deh-
nungsamplitude wichtet. Ein Problem für Akkumulationsprognosen stellt der unbekannte
Anfangswert von gA in situ dar (Triantafyllidis et al. 2004).
Das Bild 1b zeigt die Vorgehensweise bei Berechnungen mit einem expliziten Akkumulati-
onsmodell. Nur die ersten beiden Zyklen werden implizit (d.h. mit Dehnungsinkrementen)
berechnet (z.B. mit elastoplastischen Mehrflächenmodellen oder mit dem hypoplastischen
Materialmodell). Im zweiten Zyklus wird die Dehnungsschleife aufgezeichnet, aus der die
Dehnungsamplitude Hampl ermittelt wird (der erste Zyklus ist irregulär und eignet sich nicht
für die Ermittlung von Hampl) . Die Akkumulation infolge eines Paketes mit 'N Zyklen wird
anschließend direkt mit Hilfe expliziter Gleichungen berechnet, ohne den Dehnungspfad in
den einzelnen Zyklen zu verfolgen. Bis zur Aktualisierung der Dehnungsamplitude in einem
sog. Kontrollzyklus (notwendig z.B. infolge von Spannungsumlagerungen oder Verdich-
tung) wird Hampl = konstant gesetzt. Danach wird mit der aus dem Kontrollzyklus errechne-
ten Amplitude Hampl weitergerechnet.
Zur Erfassung der Form und der Polarisation komplexer sechsdimensionaler Dehnungs-
schleifen wurde eine tensorielle Definition der Dehnungsamplitude (Niemunis 2003) einge-
führt. Zu ihrer Ermittlung wird zunächst die größte Spanne der Dehnungsschleife mit dem
Abstand 2R(6) und der Richtung r(6) gesucht. Da eine Schleife mehrere Dimensionen im
Dehnungsraum besitzen kann, berechnet sich der vierstufige Tensor der Amplitude aus
6
AH ¦R (i)
r (i) … r (i) (3)
i 1

Das Symbol … bedeutet eine dyadische Multiplikation.


G Als skalares Maß der Amplitude
wird H ampl
= ||AH|| und als Polarisation wird A H A H / || A H || verwendet, wobei die Klam-
mern || || für die Euklidische Norm stehen.

2.2 Experimente
Zur Bestimmung der Akkumulationsrichtung m und der Funktionen in Gleichung (2) wur-
den zyklische Triaxialversuche und zyklische multiaxiale Einfachscherversuche (CMDSS –
Versuche für „cyclic multiaxial direct simple shear“) an einem Mittelsand (d50 = 0,55, U =
d60/d10 = 1,8) durchgeführt. Die Versuchsgeräte (siehe Bilder 2 und 3) und die Probenpräpa-
ration werden von Wichtmann et al. (2004a,b,c) beschrieben. In den folgenden Diagrammen
wird der Dichteindex ID = (emax – e) / (emax – emin) und das Amplitudenverhältnis ] = V1ampl /
pav (siehe Bild 2b,c) verwendet.
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 177

Bild 2: Zyklischer Triaxialversuch: a) Versuchsgerät, b) Spannungs- und Dehnungszustand, c)


Darstellung des Spannungszustandes in der p – q – Ebene, exemplarisch für einaxiale
Spannungszyklen (Wichtmann et al. 2004a,c)

Bild 3: CMDSS - Versuch: a) Versuchsgerät, b) Abfolge von Verschiebungszuständen der Probe


bei kreisförmigen Zyklen (Wichtmann et al. 2004b,c)

Es zeigte sich, dass die Akkumulationsrichtung m („zyklische Fließrichtung“, Bild 4a) als
eine einfache Funktion des mittleren Spannungsverhältnisses Kav = qav / pav (siehe Bild 2c)
beschrieben werden kann (z.B. kann die Fließregel des Modified Cam Clay Modells oder
die hypoplastische Fließregel verwendet werden). Der Einfluss der Dehnungsamplitude
(Spannweite, Form, Polarisation), des mittleren Druckes pav, der Porenzahl e und der Belas-
tungsfrequenz auf m ist vernachlässigbar.
Die akkumulierte Dehnung Hacc = ||Hacc|| nimmt mit der Anzahl der Zyklen N zu, während die
Akkumulationsrate Dacc abnimmt (Bild 4b, dargestellt sind nur die regulären Zyklen). Die
Akkumulation verläuft proportional zum Quadrat der Dehnungsamplitude (Hampl)2 (Bild 4c),
woraus für die Funktion fampl in Gleichung (2) folgt (Niemunis et al. 2004b):
178 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

Bild 4: a) Akkumulationsrichtung, dargestellt als Einheitsvektor in der pav – qav – Ebene, b) Zu-
nahme der akkumulierten Dehnung Hacc mit der Zyklenanzahl in den regulären Zyklen, c)
Quadratische Abhängigkeit der Akkumulationsrate von der Dehnungsamplitude Hampl
(Wichtmann et al. 2004a)

­° H ampl / H ampl 2 für H ampl d 103


ref
f ampl ® . (4)
°̄ 100 für H ampl ! 103

ampl
H ref 104 ist darin eine Referenzamplitude. Die Gültigkeit der oberen Zeile von Glei-
chung (4) wurde für 5 · 10-5 ” Hampl ” 10-3 nachgewiesen. Für größere Amplituden Hampl >
10-3 bleibt die Akkumulationsrate hingegen nahezu konstant.
Zyklische Triaxialversuche mit einer gleichzeitigen Variation der axialen und der seitlichen
Spannung zeigten, dass rein deviatorische Dehnungsschleifen eine ca. 3,4fach größere Ver-
dichtung als rein volumetrische Zyklen verursachen (Bild 5a, HP =1/ 3 Hv, HQ = 3/ 2 Hq).
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 179

Dies wird im Akkumulationsmodell berücksichtigt, indem der volumetrische Anteil der


Dehnungsschleife vor der Ermittlung von AH (Vorgehensweise siehe Abschnitt 2.1) mit dem
Faktor Campl (siehe Tabelle 1) skaliert wird.

Bild 5: a) Akkumulation infolge rein deviatorischer und rein volumetrischer Zyklen, b) CMDSS-
Versuche zum Einfluss der Form der Dehnungsschleife auf die Akkumulation (Wichtmann
et al. 2004b)

In CMDSS – Versuchen wurde beobachtet (Bild 5b), dass die Akkumulation bei einer kreis-
förmigen Scherung in etwa doppelt so groß ist wie bei einer Scherung in einer Richtung (bei
gleicher Amplitude, d.h. gleicher maximaler Scherdehnung in einer Richtung), d.h. die Ak-
kumulationsrate steigt mit der Rundheit der Dehnungsschleife. Diesen Einfluss der Form
der Dehnungsschleife auf die Akkumulationsrate erfasst die tensorielle Definition der Deh-
nungsamplitude.
Die Akkumulationsrate steigt mit abnehmendem mittleren Druck pav (Bild 6a), mit dem
Spannungsverhältnis Y av (Bild 6b) und mit der Porenzahl e (Bild 6c). Diese Abhängigkeiten
können durch die Funktionen fp, fY und fe in Gleichung (2) beschrieben werden (Wichtmann
et al. 2004a):
2

fp exp ª¬ Cp p av / p ref  1 º¼ fY exp CY Y av fe


Ce  e 1  e ref
(5)
2
1 e Ce  eref
Darin sind Cp, CY und Ce Materialkonstanten, pref = patm ist ein Referenzdruck und eref ist
eine Referenzporenzahl. Normiert man die Verläufe Hacc(N) mit den Funktionen fampl, fp, fY,
fe und fS (hier fS = 1), fallen die Kurven in einem Band zusammen (Bild 6d), an das die fol-
gende Funktion angepasst werden kann (Wichtmann et al. 2004a):

fN C N1 > ln(1  C N 2 N)  C N3 N @ . (6)


180 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

Bild 6: Abhängigkeit der Akkumulationsrate von a) dem mittleren Druck, b) dem Spannungsver-
hältnis, c) der Porenzahl und d) der Zyklenanzahl (Wichtmann et al. 2004a)

CN1, CN2 und CN3 sind Materialkonstanten. Gleichung (6) erfasst den in etwa logarithmi-
schen Anstieg der akkumulierten Dehnung mit der Zyklenanzahl bis N = 104 und den über-
logarithmischen Anstieg für größere Zyklenanzahlen N. In der Ratenformulierung und mit
Einführung von gA ergibt sich (Niemunis et al. 2004a)

C N1 C N2 C N1 C N2
fN  C N1 C N3  C N1 C N3 . (7)
1  CN 2 N exp g A / f ampl / C N1 


fNB
fNA

Durch die Verwendung der Zustandsvariable gA für die zyklische Vorbelastung kann die
Akkumulation infolge einer Reihe von Zyklenpaketen mit unterschiedlicher Amplitude gut
prognostiziert werden (Niemunis et al. 2004a). Ein Problem für Akkumulationsprognosen
stellt die unbekannte Vorbelastung gA in situ dar, da sie die Akkumulationsrate stark beein-
flusst (die Kenntnis von T und e reicht nicht aus, siehe Verdichtungskurven in Bild 7a). Für
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 181

die Bestimmung von gA in situ sind einfache Korrelationen aufzustellen. Eine Korrelation
der zyklischen Vorbelastung mit dynamischen Bodenkenngrößen erwies sich als nicht mög-
lich (Wichtmann und Triantafyllidis 2004a,b). Eine Korrelation mit dem Verflüssigungspo-
tential konnte erwartungsgemäß nachgewiesen werden (Triantafyllidis et al. 2004) und
könnte in situ z.B. durch zyklische Pressiometersondierungen oder Drucksondierungen ge-
nutzt werden. Eine Bestimmung von gA mit Hilfe von Probebelastungen ist ebenfalls denk-
bar (Triantafyllidis et al. 2004).

Bild 7: a) Abhängigkeit der Akkumulationsrate von der zyklischen Vorbelastung (Triantafyllidis


et al. 2004), b) temporärer Anstieg der Akkumulationsrate infolge von Polarisationsände-
rungen (Wichtmann et al. 2004b)

CMDSS – Versuche mit einer Änderung der Scherrichtung um 90° zeigten, dass Polarisati-
onsänderungen zu einem temporären Anstieg der Akkumulationsrate führen (Bild 7b). Im
Modell wird dies durch den Faktor fS berücksichtigt (Niemunis et al. 2004b):
G
fS 1  CS 1 (1  cos D ) cos D A H :: ʌ (8)

Der back polarization Tensor S (Niemunis 2003) speichert die Polarisation der G Amplitude
während der zurückliegenden Zyklen. D bezeichnet den Winkel zwischen A H und S im
sechsdimensionalen Raum. Das Zeichen :: bedeutet eine vierfacheGÜberschiebung der Ten-
soren. S passt sich durch eine Rotation der aktuellen Polarisation A H an. Die Entwicklungs-
gleichung für D hat die Form (Niemunis et al. 2004b):
2
D  CS 2 D H ampl 'D D 'N Sneu = R :: Salt
G G G G G G G G
R (cos 'D  1) ( P … P  Q …Q )  sin 'D (Q … P  P …Q )  I (9)
G G
Im Rotationsoperator R bedeuten P A H  ʌ und Q A H  ʌ , wobei die Pfeile in Glei-
chung (9) für eine Normierung stehen. I ist der Identitätstensor.
182 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

2.3 FE - Rechnung
Das Akkumulationsmodell wurde in Form der Benutzerroutine UMAT in das Finite-
Elemente-Programm ABAQUS implementiert und ein Zentrifugenmodellversuch (Streifen-
fundament unter zyklischer Belastung) wurde nachgerechnet, wobei eine gute Überein-
stimmung zwischen FE-Rechnung und Experiment erhalten wurde (Bild 8, Niemunis et al.
2004a).

Bild 8: FE – Nachrechnung eines Zentrifugen – Modellversuches: Streifenfundament unter zykli-


scher Belastung (Niemunis et al. 2004a)

3 Dynamische Bodenkenngrößen

Das Bild 9 zeigt das Resonant Column – Gerät, mit dem die bodendynamischen Versuche
durchgeführt wurden, deren Ergebnisse in den folgenden Abschnitten präsentiert werden.
Details hinsichtlich des Gerätes, der Probenpräparation, der Versuchsdurchführung und
-auswertung können bei Wichtmann et al. (2001) oder Wichtmann und Triantafyllidis
(2004c) nachgelesen werden.
Alternativ besteht die Möglichkeit, die dynamischen Steifigkeiten bei sehr kleinen Dehnun-
gen (Jampl § 10-6) auch über die Messung von Wellenausbreitungsgeschwindigkeiten in der
Triaxialprobe mit Hilfe von piezoelektrischen Elementen zu bestimmen (siehe Bild 2a). Die
auf diese Weise gemessenen Schubmoduli stimmen gut mit den Schubsteifigkeiten aus dem
RC-Versuch überein (Wichtmann und Triantafyllidis 2004c).
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 183

Bild 9: a) Schema des Resonant Column (RC) – Gerätes, b) Axiale Verformungsmessung im RC-
Gerät

3.1 Nichtbindige Böden


Der dynamische Schubmodul G und der Dämpfungsgrad D der nichbindigen Böden hängen
insbesondere von der Spannung, der Porenzahl und der Scherdehnungsamplitude ab. Bild
10a zeigt den linearen Verlauf des Schubmoduls bei kleinen Dehnungen G0 = G(Jampl § 10-6)
mit dem mittleren Druck p im doppeltlogarithmischen Maßstab für unterschiedliche An-
fangslagerungsdichten ID0. Bild 10b präsentiert die hyperbolische Abnahme von G0 mit der
Porenzahl e. Für den untersuchten Mittelsand kann die Abhängigkeit G0(p,e) durch die di-
mensionsreine empirische Gleichung von Hardin und Back (1966) beschrieben werden:
(a  e) 2 1 n
G0 A p atm p n (10)
1 e
mit A = 2750, a = 1,46, n = 0,42 und dem atmosphärischen Druck patm = 100 kPa. Eine gute
Übereinstimmung der Schubmoduli G0 nach Gleichung (10) mit den empirischen Formeln
der Empfehlungen des Arbeitskreises 1.4 „Baugrunddynamik“ der DGGT (zurückgehend
auf Hardin und Black 1966) konnte festgestellt werden (Wichtmann und Triantafyllidis
2004c). Eine Beziehung Es0(p,e) ähnlich zu Gleichung (10) ließ sich für den Elastizitätsmo-
dul bei behinderter Seitendehnung aus der Messung der P- Wellenausbreitung in der Triaxi-
alprobe aufstellen (Wichtmann und Triantafyllidis 2004c).
Während der Schubmodul G mit steigender Scherdehnungsamplitude Jampl (gemessen als
geometrischer Mittelwert über das Probenvolumen) abnimmt (Bild 10c), steigt der Dämp-
fungsgrad D (Bild 10d). Die Verläufe G/G0(Jampl) und D(Jampl) sind druckabhängig (Bilder
10c,d), variieren aber kaum mit der Lagerungsdichte (Wichtmann und Triantafyllidis 2004c)
und lassen sich durch die folgende Gleichung nach Hardin (1972) gut approximieren
(Wichtmann und Triantafyllidis 2004c):
184 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

Bild 10: a) Steifigkeit G0 als Funktion des mittleren Druckes p, b) Steifigkeit G0 als Funktion der
Porenzahl e, c) Verläufe G/G0(Jampl), d) Verläufe D(Jampl), e) Steifigkeitsänderung nach
zyklischer Vorbelastung, f) Einfluss der Kornverteilungskurve auf G0 (Wichtmann und
Triantafyllidis 2004c)
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 185

2 2
G 1 W max § 1  K0 · § 1  K0 ·
Jr W max ¨ V1 sin M  c cos M ¸  ¨ V1 ¸ (11)
G0 J ampl G0 © 2 ¹ © 2 ¹
1
Jr

Darin ist Jr eine Referenzscherdehnung und Wmax die maximal mobilisierbare Schubspan-
nung bei der vertikalen Spannung V1 und dem Seitendruckbeiwert K0 (M ist der Reibungs-
winkel und c die Kohäsion).
Das Bild 10e zeigt, dass eine zyklische Vorbelastung die Schubsteifigkeit G0 selbst bei gro-
ßen Vorbelastungsamplituden (Jampl = 5 · 10-3) und einer homogenen Verteilung der Scher-
dehnungen über den Probenquerschnitt (Hohlzylinderprobe) kaum beeinflusst (Wichtmann
und Triantafyllidis 2004a). Ähnliche Schlüsse konnten auch aus Triaxialversuchen gezogen
werden, in denen die zyklische Belastung mehrmals für die Messung der P- und S-
Wellengeschwindigkeiten unterbrochen wurde (Wichtmann und Triantafyllidis 2004b). In
den RC-Versuchen wurde lediglich im Bereich der Vorbelastungsamplitude eine Anomalie
in den Verläufen G/G0(Jampl) und D(Jampl) nach der Vorbelastung beobachtet (Wichtmann et
al. 2001).
Einen Einfluss auf G0 besitzt die Kornverteilungskurve. Während bei gleicher Ungleichför-
migkeit U = d60/d10 der mittlere Korndurchmesser d50 keine Rolle spielt (Bild 10f), sinkt die
Schubsteifigkeit bei gleichem d50 (und gleicher Porenzahl) mit zunehmender Ungleichför-
migkeit (Bild 10f). Ein zunehmender Feinanteil (hier nicht getestet) kann zu einer weiteren
Reduzierung der dynamischen Steifigkeit führen (Iwasaki und Tatsuoka 1977). Weiterhin
steigt die Steifigkeit bei konstanter Spannung infolge von Alterungsprozessen (engl. Aging,
Wichtmann und Triantafyllidis 2004c).
Eine Messung der axialen Verformung der RC – Proben (siehe Messtechnik in Bild 9b)
zeigte, dass bleibende Dehnungen ab einer Scherdehnungsamplitude Jampl § 10-4 (sog.
Grenzscherdehnung Jt, Vucetic 1994) auftreten (Wichtmann und Triantafyllidis 2004c),
während der Übergang vom linear-elastischen zum nichtlinearen Materialverhalten (Beginn
einer signifikanten Reduzierung von G mit Jampl) bei Jampl § 10-5 zu finden ist (Bild 10c).

3.2 Bindige und organische Böden


Die folgenden Versuche an ungestörten Proben bindiger und organischer Böden wurden für
die ICE – Strecken Nürnberg – Ingolstadt und Hamburg – Berlin durchgeführt.
Im Fall der Neubaustrecke Nürnberg – Ingolstadt (siehe auch Triantafyllidis und Wicht-
mann 2004) wurden Feuerlettentone des mittleren Keupers in drei unterschiedlichen Verwit-
terungsstufen (kmF-w3, kmF-w4, kmF-w5) sowie der Amaltheenton des Lias (I-w3-w4)
untersucht. Die Proben der Varietäten kmF-w3, kmF-w4 und I-w3-w4 waren ungestört,
186 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

während der kmF-w5 in gestörter Form vorlag und mit unterschiedlichen Konsistenzen (mit
der natürlichen Konsistenz sowie mit Ic = 0,75) präpariert wurde. Es wurden sowohl RC –
Versuche zur Bestimmung der dynamischen Steifigkeit und der Materialdämpfung als auch
zyklische Triaxialversuche zur Beurteilung der Akkumulation unter einer großen Anzahl
von Lastzyklen durchgeführt.
Die RC-Versuche wurden an gesättigten Proben bei geöffneter Dränage und einem mittleren
effektiven Druck von p = 35 kPa durchgeführt. Bild 11a zeigt die gemessenen Kurven des
Schubmoduls G mit der Scherdehnungsamplitude Jampl und Bild 11b die entsprechenden
Verläufe des Dämpfungsgrades D. Die geringsten Steifigkeiten (G0 = 20 und 22 MPa, Bild
11a) wies der gestörte und auf eine Konsistenz von Ic = 0,75 aufbereitete Feuerlettenton
kmF-w5 auf. Bei der natürlichen Konsistenz wurde für den kmF-w5 ein Wert von G0 = 35
MPa gemessen. Höher liegen die Steifigkeiten des kmF-w4 (G0 = 39 und 41 MPa) und des
kmF-w3 (G0 = 44 und 49 MPa). Die dynamische Steifigkeit sinkt also mit dem Verwitte-
rungsgrad. Die größte Steifigkeit (G0 = 47 und 62 MPa) wurde für den Amaltheenton ermit-
telt. Der Übergang vom linear-elastischen zum nichtlinearen Materialverhalten wurde für
die ungestörten Proben bei ca. Jampl = 10-5 und für die aufbereiteten Proben des kmF-w5 bei
Jampl = 3 · 10-5 beobachtet (Bild 11a).
Die Dämpfungsgrade lagen bei kleinen Dehnungen zwischen 4 und 8 % und stiegen auf bis
zu 20 % bei Jampl = 6 · 10-4 (Bild 11b). Die Varietäten kmF-w3 und kmF-w4 des Feuerletten
weisen höhere Dämpfungsgrade auf als die aufbereiteten Proben des kmF-w5. Die Kurven
D(Jampl) verlaufen beim Amaltheenton I-w3-w4 steiler als beim Feuerlettenton (Bild 11b).
Bild 11c zeigt, dass (ähnlich wie beim Sand, Abschnitt 3.1) signifikante Setzungen der Pro-
ben ab einer Scherdehnungsamplitude von Jampl § 10-4 auftreten (bei den gestörten Proben
lag diese Grenzscherdehnung etwas höher als bei den ungestörten Proben).
Das Langzeitverhalten der Tone wurde in undränierten zyklischen Triaxialversuchen unter-
sucht. Es wurde eine Versuchsreihe an gesättigten und eine Reihe an ungesättigten Proben
durchgeführt. In den Versuchen wurde einem isotropen Spannungszustand V1’ = V3’ eine
zyklische Belastung mit der Amplitude V1ampl überlagert, d.h. die axiale Spannung oszillierte
in einem Zyklus zwischen V1’ und V1’ + 2V1ampl. Es wurde die Mehrstufentechnik verwen-
det, d.h. es wurden zunächst 106 Zyklen mit einer Amplitude 2V1ampl = 20 kPa, anschließend
106 Zyklen mit 2V1ampl = 30 kPa und abschließend weitere 106 Zyklen mit 2V1ampl = 40 kPa
aufgebracht. Die bleibenden axialen Dehnungen H1acc in den Versuchen an ungesättigten
Proben zeigt das Bild 11d. Die geringste Verformungsakkumulation wurde für den aufberei-
teten Feuerlettenton der Varietät kmF-w5 gemessen (evtl. auch aufgrund der Probenpräpara-
tion durch lagenweises Einstampfen = zyklische Vorbelastung, s.o.). Relativ gering blieben
auch die akkumulierten Dehnungen im Fall des Feuerlettentons kmF-w3 und des
Amaltheentons I-w3-w4. Die größten Verformungen wurden für den Feuerlettenton kmF-
w4 beobachtet (H1acc = 0,84 % nach dem dritten Zyklenpaket, Bild 11d).
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 187

Bild 11: Untersuchungen an Feuerlettenton und Amaltheenton für die ICE – Neubaustrecke Nürn-
berg – Ingolstadt: a) Steifigkeit G(Jampl), b) Dämpfungsgrad D(Jampl), c) axiale Dehnung als
Funktion der Scherdehnungsamplitude, d) Akkumulation der axialen Dehnung in zykli-
schen Triaxialversuchen mit Mehrstufentechnik (Triantafyllidis und Wichtmann 2004)

Problematischer erwies sich das Materialverhalten im gesättigten Zustand. Hier kam es ins-
besondere beim kmF-w4 unter 2V1ampl = 20 kPa zu einem signifikanten Anstieg des Poren-
wasserdruckes, zu einem Zustand verschwindender effektiver Spannungen (Verflüssigung)
und damit zu großen Verformungsamplituden und auch zu großen bleibenden Verformun-
gen. Ähnliches wurde für den Amaltheenton bei 2V1ampl = 40 kPa beobachtet (Details hierzu
sind in Triantafyllidis und Wichtmann 2004 nachzulesen).

Für die Bahnstrecke Hamburg – Berlin wurden ungestörte Proben aus Kleiablagerungen in
RC – Versuchen getestet (siehe auch Triantafyllidis und Wichtmann 2003). Die Tabelle 2
enthält die Bodenansprachen für die Proben, die ermittelten Wassergehalte w, die Konsis-
tenzgrenzen wL (w an der Fließgrenze) und wP (w an der Ausrollgrenze) sowie die Plastizi-
188 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

täts- und Konsistenzzahlen IP = wL – wP bzw. Ic = (wL – w) / IP. Es wurden drei RC-


Versuche zur Bestimmung der druckabhängigen Steifigkeit G0(p) und zur Ermittlung der
Verläufe G(Jampl) und D(Jampl) durchgeführt (Proben 1 – 3). In weiteren RC-Versuchen (Pro-
ben 4 – 7) wurde die dynamische Langzeitstabilität unter einer hochzyklischen Torsionsbe-
lastung untersucht.

Probe Bodenansprache Entnahme- w wL wP Ip Ic


Nr. tiefe [m] [%] [%] [%] [%] [%]

1 Klei, Ton, schluffig mit Sandbän- 3,00 – 3,25 51,2 52,8 31,4 21,4 0,07
dern < 1 cm weich

2 Torf mit Klei, weich 3,00 – 3,25 74,4 - - - -

3 Klei, Schluff tonig, org. weich 3,00 – 3,25 69,9 - - - -

4 Klei, Schluff, tonig, sandig, weich 3,00 – 3,25 36,6 38,2 32,4 5,8 0,28

5 Klei, Ton, schluffig, stark tonhaltig, 5,75 – 6,00 93,2 120,5 41,7 78,8 0,35
weich bis breiig

6 Torf mit Klei, weich 5,75 - 6,00 108,1 107,4 34,9 72,5 -0,01

7 Klei, Ton, schluffig, torfhaltig, 5,75 – 6,00 79,1 107,6 45,2 62,4 0,46
weich

Tabelle 2: In den Versuchen für die Bahnstrecke Hamburg – Berlin getestete Proben

Zur Bestimmung von G0(p) wurden die Proben ungesättigt in das Versuchsgerät eingebaut
und zunächst unter V3 = 50 kPa konsolidiert (der leicht höhere mittlere Druck p im Bild 12a
ergibt sich aus dem Eigengewicht des Erregerkopfes des RC-Gerätes). Nach Abschluss der
Konsolidierung wurde der Schubmodul G0 = G(Jampl § 10-5) gemessen. Es folgte eine Erhö-
hung des Zelldruckes auf V3 = 75 kPa und nach der Konsolidierung wurde der Schubmodul
unter der erhöhten Spannung bestimmt. Auf die gleiche Weise wurde der Wert G0(V3 = 100
kPa) ermittelt. Der Versuch wurde bei V3 = 100 kPa mit einer Messung der Verläufe
G(Jampl) und D(Jampl) abgeschlossen.
Bild 12a zeigt den Anstieg der Schubsteifigkeit G0 mit dem mittleren Druck p. In der dop-
peltlogarithmischen Darstellung ergeben sich wie beim Sand (Bild 10a) lineare Verläufe.
Die Steifigkeiten der Proben 2 und 3 lagen im untersuchten Druckbereich zwischen 2 und 5
Kumulatives und dynamisches Verhalten von Böden 189

MPa. Die höhere Steifigkeit der Probe 1 (12 MPa ” G0 ” 23 MPa) ist vor allem auf die
Sandeinlagerungen (siehe Tabelle 2) zurückzuführen.
Das Bild 12b präsentiert die Verläufe G(Jampl). Während die Abnahme des Schubmoduls mit
der Scherdehnungsamplitude für die Proben 2 und 3 bis Jampl = 6 · 10-4 nicht mehr als 10 %
betrug, reduzierte sich G bei der Probe 1 infolge der Sandeinlagerungen wesentlich schnel-
ler mit Jampl. Die Kurve G(Jampl) der Probe 1 ähnelt den bei Sand gemessenen Verläufen
(Bild 10c). Der Dämpfungsgrad (Bild 12c) lag bei kleinen Dehnungsamplituden für alle
Proben bei ca 3 % und stieg ab Jampl = 10-4 an (z.B. auf ca. 8 % im Fall von Probe 1). Analog
zu den Kurven des Schubmoduls nahm bei der Probe 1 der Dämpfungsgrad stärker mit Jampl
zu als bei den Proben 2 und 3.

Bild 12: Untersuchungen an Klei und Torf für die ICE – Strecke Hamburg – Berlin: a) Steifigkeit
G0 als Funktion des mittleren Druckes p, b) Verläufe G/G0(Jampl) bei V3 = 100 kPa, c) Ver-
läufe D(Jampl) bei V3 = 100 kPa, d) Akkumulation axialer Dehnungen unter dynamischer
Torsionsbelastung (Triantafyllidis und Wichtmann 2003)
190 T. Triantafyllidis, T. Wichtmann, A. Niemunis

Die Akkumulation von Verformungen unter einer größeren Anzahl von Lastspielen wurde
in den Versuchen für die Strecke Hamburg – Berlin anders als in den Versuchen für Nürn-
berg – Ingolstadt nicht im zyklischen Triaxialversuch, sondern mit einer dynamischen Tor-
sionsbelastung im RC – Gerät untersucht. Die Proben wurden in der Resonanzfrequenz fR
mit einer bestimmten Scherdehnungsamplitude Jampl dynamisch tordiert und die axialen Ver-
formungen wurden gemessen. Es wurden nacheinander drei Zyklenpakete auf die Probe
aufgebracht, wobei die Amplitude Jampl von Paket zu Paket gesteigert wurde (siehe Angaben
zu Jampl in Bild 12d). Die Dauer der einzelnen Pakete betrug zumeist einen Tag. Die aufge-
brachte Zyklenanzahl ergibt sich aus dieser Dauer und fR. Bild 12d zeigt die akkumulierten
axialen Dehnungen als Funktion der Lastspielzahl. Die Akkumulationskurven der Proben 5
und 6 waren in etwa identisch (H1acc § 0,6 % nach N = 4 · 106 Zyklen). Mit sinkendem Was-
sergehalt w und abnehmender Plastizitätszahl IP (siehe Tabelle 2) wurden kleinere bleibende
Verformungen gemessen (siehe Proben 4 und 7 in Bild 12d).

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193

Influence of Water Saturation on Seismic Site


Amplification

Yang, Jun

Abstract
This paper presents a study of the seismic amplification of a soil layer overlying rock
formations due to obliquely incident SV waves. Both the soil and bedrock are modeled as a
partially saturated porous medium that is characterized by its degree of saturation, porosity,
permeability, and compressibility. Attention of the analysis is focused on the saturation
effect of the soil layer on the motion amplification in both horizontal and vertical
components and on the frequency-dependent amplitude ratios between the two components.
The results indicate that a change in degree of saturation has a significant effect on the
amplification in the vertical component but a negligible effect on the horizontal component.
Compared to a fully saturated layer, a partially saturated soil layer may generate a greater
vertical amplification as well as a greater amplitude ratio between the vertical and horizontal
components.

1 Introduction
In geotechnical engineering soil is often modeled as a water-saturated porous material
comprising solid skeleton and water-filled pore spaces. In reality, however, owing to
fluctuating water tables associated with natural or man-made processes, it is common that
surficial soils are not fully saturated. Partial saturation conditions also frequently exist in
offshore sites constructed by land reclamation or in marine sediments. A detailed analysis of
the 3-D borehole array observations at a reclaimed site during the Kobe earthquake has
revealed that pore-water saturation of shallow soils may have a significant effect on the
amplification of vertical ground motion (Yang and Sato 2000a). The study has raised a great
interest in the importance of saturation conditions to seismic ground motion (Lin et al. 2001;
Mucciarelli et al. 2003).
It has been customary in geotechnical analyses to assume that the amplification of vertical
ground motion relates to vertically propagating P waves while the amplification of
horizontal ground motion is associated with vertical SH waves. This classical assumption in
soil amplification is very simplified; in real seismic environment the amplification in either
horizontal or vertical direction may also be due to inclined SV-P waves or surface waves.
194 J. Yang

Aimed at clarifying several basic issues on the effect of saturation, Yang (2002) studied the
response of a homogeneous half-space soil medium induced by obliquely incident SV
waves, where the soil was modeled as a porous material either fully or partially saturated.
The results indicate that even a slight decrease of full saturation in the soil may, in some
situations, cause a substantial influence on the surface amplitudes in both the horizontal and
vertical components as well as the amplitude ratios between them.
A model of more practical interest is a surface soil layer of finite thickness overlying rock
formations (Fig. 1). This model has been extensively discussed in the past by assuming the
soil and bedrock as an ordinary solid (e.g., Chen et al. 1981). In the present study both the
soil and bedrock are assumed as a partially water-saturated porous medium. Attention of the
analysis is focused on the effect of the change in the saturation of the soil layer on the
ground motion amplification. Both the horizontal and vertical components and the ratios
between the two components will be considered. The results are especially expected to
provide some useful implications to the site-evaluation technique generally known as H/V
(Nakamura 1989), which is based on the interpretation of field observations on both the
horizontal and vertical components of microtremors/ground motion and has increasingly
received attention in engineering practice.

Ground surface

H Fully or partially saturated soil

x
z Saturated rock
Incident SV wave

Fig. 1: Soil-bedrock model used in analysis

2 Method of analysis
The analysis is based on Biot’s theory (Biot 1956) which models the interactions between
the solid skeleton and pore fluid using the macroscopic laws of mechanics and on the
concept of homogeneous pore fluid which assumes that the mixture of pore water and air
can be approximately treated as an equivalent homogeneous fluid that completely fills the
Influence of Water Saturation on Seismic Site Amplification 195

voids with a single pore pressure. As such, the compressibility of pore fluid is considered as
a function of the degree of saturation, the compressibility of pore water and the absolute
pore pressure, and the effective stress concept shown in Fig. 2 applies. While being a first
approximation, this treatment has been demonstrated by the case history analysis to be
effective and easy to handle in dynamic analysis (Yang and Sato 2000a).
With the aid of potential functions and with the appropriate boundary and continuity
conditions, the displacements and stresses in the layered system can be derived. An efficient
mathematical formulation for the computation has been given by Yang (2001) for a general
multi-layered soil-bedrock system. Readers may refer to that paper for more details.

'V 'V c 'p f

'V 'V c 'p f


= +

Fig. 2: A simple effective stress concept for partially saturated soil

3 Numerical examples
Consider a 30-m sand layer overlying infinite rock formations. The properties of the sand
and rock, representing typical loose sand and soft rock, are given in Table 1. In the analysis
the bedrock is assumed as completely water-saturated while the surface layer is either fully
(Sr=100%) or partially (Sr=95%) saturated (Sr is the degree of saturation).

Table 1: Properties of sand and rock used in analysis

Material Gs n G (MPa) Kb (MPa) Ks (MPa) Kw (MPa) k (m/s)

Sand 2.65 0.45 40 66.7 36000 2200 10-4

Rock 2.61 0.32 900 1500 36000 2200 10-7

Gs: specific gravity; n: porosity; G: shear modulus; Kb: bulk modulus of solid skeleton;

Ks: bulk modulus of solid grains; Kw: bulk modulus of water; k: coefficient of permeability.
196 J. Yang

Assuming the incident angle of the SV wave is 10 degrees, Fig. 3 shows the computed
amplification in the horizontal and vertical components as a function of frequency, where
the broken line represents the case of fully saturated sand layer and the solid line is for the
case of partially saturated layer. The amplification is conventionally defined as the ratio of
the displacement amplitude at the surface to the amplitude at the layer bottom. In Fig. 4 the
amplitude ratios between the vertical and horizontal component at the ground surface
(denoted by V/H) are presented against frequency.

1000
1000
Amplification in horizontal component

(a)
100
100
Amplification in horizontal component

1010

1
1

0.1
0.1

0.01
0.01

0.001
0.001
0.1 1 10 100
0.1 1 Frequency (Hz)
10 100
Frequency (Hz)

1000
1000
Amplification in vertical component

(b)
100
100
Amplification in vertical component

1010

11

0.1
0.1

0.01
0.01 Solid line: Partially saturated layer
Broken line: Fully saturated layer

0.001
0.001
0.1
0.1 11 10
10 100
100
Frequency (Hz)
Frequency (Hz)

Fig. 3: Effect of saturation on ground motion amplification in (a) horizontal and (b) vertical
components
Influence of Water Saturation on Seismic Site Amplification 197

Solid line: Partially saturated layer


100100
Broken line: Fully saturated layer
Amplitude ratio (V/H) at surface

1010
V/H at ground surface

11

0.1
0.1

0.01
0.01

0.001
0.001
0.1 1 10 100
0.1 1 Frequency (Hz) 10 100
Frequency (Hz)

Fig. 4: Effect of saturation on amplitude ratios (V/H) at ground surface


It is of interest to note from Fig. 3 that the effect of saturation on the vertical amplification
is large but is negligible on the horizontal amplification. For the horizontal amplification,
the first peak always appears at the frequency of about 1.2 Hz. The result is resonable if one
recalls the different influence of saturation on the velocities of shear and compressional
waves in soil (Yang 2002). It also deserves noting that the layerd system displays damping
effect although the constituents of both the sand and rock are assumed to be elastic. This
damping effect is due to the viscous pore-fluid flow associated with the second
compressional wave in soil (Yang and Sato 2000b).
Fig. 4 indicates that the amplitude ratios (V/H) at the surface are also significantly affected
by the saturation condition. In general, a greater (V/H) will occur in a partially saturated
layer than in a fully saturated layer. The result is in agreement with the borehole array
observations from the Kobe earthquake (Yang and Sato 2000a).

4 Conclusion
The seismic amplification of a surface soil layer overlying rock formations due to inclined
SV waves is analyzed, with particular attention on the potentail influence of saturation
conditions of the surface soil on the amplification in both the horizontal and vertical
components. The results indicate that a change of saturation state of the soil layer from full
saturation to partial saturation may impose a marked impact on seismic vertical
198 J. Yang

amplification but a negligible influence on the horizontal amplification. For typical seismic
frequencies, an unsaturated soil layer may produce a greater vertical amplification than a
saturated layer; it can also cause larger amplitude ratios between the vertical and horizontal
components. The present study suggests that it is important to take into account the
saturation condition of shallow soil in interpreting ground motion data, especially the data
involved in the vertical component.

References
Biot, M.A. [1956]. “Theory of propagation of elastic waves in a fluid saturated porous
solid”, J. Acoust. Soc. Ame., Vol. 28, pp. 168-191.
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Lin, C.H., Lee, V.W. and Trifunac, M.D. [2001]. “On the reflection of elastic waves in a
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an array site”, Bull. Seismological Soc. Ame., Vol. 90, No. 2, pp. 275-285.
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waves in vibration of water saturated soils”, Computers and Geotechnics, Vol. 27,
No. 2, pp. 79-100.
3

Geotechnik und Spezialtiefbau


201

Geotechnische Besonderheiten an ausgewählten


Bauvorhaben im Hamburger Hafen

Franke, Jörg; Eickenbrock, Christian

Zusammenfassung
Der Hamburger Hafen ist als zweitgrößter Hafen Europas der wichtigste Wirtschaftsfaktor
in Hamburg. Insbesondere durch den seit mehr als drei Jahrzehnten rasant steigenden Anteil
des Containerumschlages sind umfangreiche Baumaßnahmen für Hafenninfrastrukturmaß-
nahmen erforderlich. Als besondere geotechnische Randbedingungen sind der Untergrund
mit mehreren Metern mächtigen Weichschichten und die tideabhängigen Wasserstände in
den Hafenbecken sowie das tidebeeinflusste Grundwasser zu nennen.

Durch die Geländeaufhöhung auf einer Fläche von ca. 160 ha oberhalb von bis zu 12 m
mächtigen Weichschichten ist durch eine beispiellose ingenieurtechnische Leistung dazu
beigetragen worden, dass mit der Erweiterung des AIRBUS-Werkes der Produktionsstand-
ort Hamburg für die Flugzeugindustrie erheblich an Gewicht gewonnen hat.

Weitere außergewöhnliche geotechnische Herausforderungen ergeben sich im Rahmen ei-


nes Konversionsprojektes, bei dem eine ehemalige Freihafenfläche von 155 ha zu einem
Innenstadtgebiet, der HafenCity Hamburg, umgewandelt wird. Da sich das gesamte Gebiet
außerhalb der öffentlichen Hochwasserschutzlinie befindet, herrschen für den Bau eines
neuen Stadtteils inklusive einer innerstädtischen Infrastruktur ähnliche Randbedingungen
wie z. B. für den Bau von Containerterminals im Hafengebiet.

1 Kurzvorstellung des Hamburger Hafens


1.1 Wirtschaftliche Bedeutung
Der Hafen stellt in Hamburg den wichtigsten wirtschaftlichen Standortfaktor dar, von dem
direkt und indirekt ca. 145.000 Arbeitsplätze abhängen. Die mittleren jährlichen staatlichen
Investitionen betrugen in der Vergangenheit 88 Mio. €. Es ist vorgesehen, die Investitionen
in naher Zukunft deutlich zu erhöhen.
202 J. Franke, Chr. Eickenbrock

Der Hamburger Hafen ist nach dem von Rotterdam der zweitgrößte Europas. Aufgrund sei-
ner geografischen Lage hat seine Bedeutung seit der Öffnung Osteuropas erheblich zuge-
nommen (Freie und Hansestadt Hamburg 2004a):

8,0

7,0

6,0

5,0
Mio. TEU

4,0

3,0 Istumschlag
Prognose 1997 `Planco-Basis`
2,0 Prognose 1997 `Planco Potenzial`
Prognose 2003 `ISL-Basis`
1,0
Prognose 2003 `ISL-Potenzial`
0,0
1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006
Jahr

Bild 1: Prognosen des Containerumschlages des Hamburger Hafens aus den Jahren 1997 und 2003

Seit dem Jahr 2000 weist der Containerumschlag ununterbrochen ein zweistelliges Wachs-
tum auf. Damit hat er seit 1999 um mehr als die Hälfte zugenommen. Das wiederholte
Übertreffen der Prognosen für den Containerumschlag des Hamburger Hafens seit 1997 ist
in Bild 1 dargestellt (Freie und Hansestadt Hamburg 2004b).

Die Verwaltung des Hafens lag bisher bei verschiedenen Ämtern, die zu unterschiedlichen
Senatsverwaltungen gehören. Im Jahr 2005 werden einige davon in eine Anstalt des öffent-
lichen Rechts überführt, die unter dem Arbeitstitel Hamburg Port Authority HPA die Funk-
tionen des Amtes für Strom- und Hafenbau, des Hafenamtes und der Liegenschaftsverwal-
tung in einer Hand ausüben wird. Dies ermöglicht ein effizienteres Dienstleistungsangebot
und soll die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens weiter erhöhen.
Geotechnische Besonderheiten von Bauvorhaben im Hamburger Hafen 203

1.2 Hochwassersituation
Bei dem ca. 95 km von der Elbemündung entfernten Hamburger Hafen handelt es sich um
einen offenen Tidehafen.

Die bisher höchste Sturmflut trat am 03.01.1976 auf und erreichte eine Pegelhöhe von
+ 6,45 mNN. Das Mittlere Tidehochwasser beträgt + 2,11 mNN das mittlere Tideniedrig-
wasser – 1,49 mNN. Die Sohlhöhe des tiefsten Liegeplatzes beträgt – 17,00 mNN.

Der Hochwasserschutz wird auf unterschiedliche Art und Weise gewährleistet. Einerseits
sind Flächen auf sturmflutsicheres Niveau aufgehöht worden oder liegen hinter der Haupt-
deichlinie des öffentlichen Hochwasserschutzes. Andererseits sind in vielen Fällen Flächen
innerhalb sogenannter Polder durch Hochwasserschutzwände oder Deiche gesichert. Diese
im Rahmen des privaten Hochwasserschutzes sturmflutgeschützten Polder weisen eine Ge-
samtfläche von ca. 2.315 ha auf.

Die Hochwasserschutzanlagen der Polder sind im Rahmen des privaten Hochwasserschut-


zes auf ein Schutzziel von mindestens + 7,50 mNN auszulegen. Der öffentliche Hochwas-
serschutz ist in einigen Bereichen bis zu einer Höhe von + 9,00 mNN gewährleistet.

Insbesondere für die Planung von Baumaßnahmen ist der Umstand von großer Bedeutung,
dass außerhalb der Wintermonate vom 15.09. bis zum 01.04. eines jeden Jahres lediglich
von einem Bemessungshochwasserstand von + 4,50 mNN auszugehen ist.

1.3 Geologie
Der Hamburger Hafen liegt im Elbeurstromtal. Im Pleistozän wurden dort durch die vom
Eisrand abfließenden Schmelzwässer Sande abgelagert. Darüber stehen holozäne Sande,
Klei, Mudden und Torfe an. Diese werden im Allgemeinen von bindigen und rolligen Auf-
füllungen überlagert. Höhere oder konzentrierte Bauwerkslasten werden in der Regel über
Tiefgründungen in die unterlagernden, tragfähigen Sande abgetragen.
204 J. Franke, Chr. Eickenbrock

2 Flächenaufhöhung auf Weichschichten am Beispiel


des Mühlenberger Lochs
Die Flächenaufhöhung zur Gewinnung von ca. 140 ha Produktionsgelände für den AIRBUS
A380 stellt eines der spektakulärsten Bauvorhaben der letzten Zeit im Bereich des Wasser-
baus dar. Nur mit dem Einsatz sehr innovativer Bauverfahren konnte den sehr engen Termi-
nen und hohen technischen Anforderungen entsprochen werden.

2.1 Untergrundsituation
Aus der jüngeren Geschichte des Mühlenberger Lochs ergibt sich eine außergewöhnliche
Untergrundsituation. Nach der Abdämmung der Süderelbe 1962 ist das Gebiet relativ
schnell verschlickt, d. h. es haben sich, begünstigt durch die Tide, Elbsedimente abgesetzt.
Daraus resultiert das geringe Alter und entsprechend sehr geringe Festigkeiten der oberen
Schlickschichten, die durch ältere Schlickschichten und teilweise Torf und Klei unterlagert
werden. Darunter, ab ca. 10 m bis 12 m unterhalb der Oberkante des Schlicks, stehen trag-
fähige Sande an.

2.2 Ausführungsvarianten
Im Rahmen der Planung wurden verschiedene Optionen untersucht, das Problem der gerin-
gen Tragfähigkeit des Untergrundes zu bewältigen. Gegen einen Bodenaustausch sprach
u. a. die hohe Schadstoffbelastung des Schlickes, die eine Deponierung erforderlich ge-
macht hätte. Eine weitere denkbare Möglichkeit bestand in der Verbesserung der mechani-
schen Eigenschaften des Schlickes durch Sandzugabe.

In Bild 2 ist der charakteristische Verlauf der Erhöhung der Scherfestigkeit eines sehr jun-
gen Schlickes durch Sandzugabe dargestellt. Je nach zu verbesserndem und zugesetztem
Boden tritt der gewünschte Erfolg erst bei einem unterschiedlich hohen Verhältnis zwischen
Schlick und Sand ein. Auf der Abzisse ist das Verhältnis zwischen dem Gesamtvolumen des
Gemisches abzüglich des reines Sandkornvolumens zu dem Gesamtvolumen des Gemisches
aus Sand und Schlick aufgetragen. Dieser Wert kann als fiktiver, dem Schlick zur Verfü-
gung stehender Porenanteil des Korngerüstes des Sandes im Sand-Schlick-Gemisch betrach-
tet werden. Es ist zu erkennen, dass es zu einer deutlichen Verbesserung der Scherfestigkeit
des Gemisches erst kommt, wenn dieser Wert sich einen Betrag in der Größenordnung des
Porenanteils des Sandes bei lockerster Lagerung annähert.
Dies hätte bedeutet, dass eine Sandzugabe von mehr als 300 Vol-% erforderlich gewesen
wäre, um die undrainierte Scherfestigkeit des Schlicks signifikant zu erhöhen. Hinzu kämen
Geotechnische Besonderheiten von Bauvorhaben im Hamburger Hafen 205

baupraktische Schwierigkeiten bei der Homogenisierung des Schlick-Sand-Gemisches in


situ. Auf eine Bodenverbessung durch Sandzugabe wurde hier daher verzichtet.
Undrainierte Scherfestigkeit

0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9


Porenanteil des Sandes im Gemisch Sand-Schlick

Bild 2: Abhängigkeit der undrainierten Scherfestigkeit vom Porenanteil des Sandes im Sand-
Schlick-Gemisch

2.3 Konzept zur Flächenaufhöhung


Das Konzept zur Flächenaufhöhung bestand darin, das Areal zunächst einzupoldern, d. h.
einen weitgehend tideunabhängigen Wasserstand innerhalb eines geschlossenen Polderdei-
ches zu erreichen. Die Polderschutzlinie wurde – im Rahmen eines Sondervorschlages –
durch einen Deich realisiert, der auf geokunststoffummantelten Sandsäulen gegründet ist
(Kempfert et. al 2002, Raithel 1999). Im Schutze der Umpolderung wurde die Aufhöhung
zunächst durch die Verrieselung von Sand erreicht. Aus der Böschungsbruchsicherheit der
obersten Sandschicht am jeweiligen Ort des Arbeitsfortschrittes ergibt sich die jeweilig zu-
lässige Schichtdicke. Bei undrainierten Scherfestigkeiten der obersten Schlickschicht von
z. T. cu = 0,5 kN/m² ergaben sich Schichtdicken von • 20 cm. Bereichsweise war es auch
nötig, ein Geotextil auf der Oberkante des Schickes anzuordnen. Die bautechnische Reali-
sierung solcher Planungsvorgaben erforderte ein Maximum an Innovationsvermögen der
Ausführenden. Um mit der Flächenaufhöhung über den Wasserspiegel zu kommen, wurde
im nächsten Schritt der Sand ebenfalls von Pontons aus versprüht. Als die Fläche trockenen
Fußes zu erreichen war, konnte der Sand eingespült werden. Für die Standsicherheitsbe-
206 J. Franke, Chr. Eickenbrock

rechnungen im Rahmen der Ausführungsplanung war die Berücksichtigung der Scherfestig-


keitserhöhung durch die Konsolidierung während des Baufortschrittes erforderlich. Dazu
wurde die Gleichung (1) für den Übergang vom unkonsolidierten in den konsolidierten Zu-
stand verwendet:

Wf (t) = U(t) (V´ tan M´ + c´) + (1 – U(t)) cu…………………...(1)

Um die Restsetzungen der Fläche nach Beendigung der Bauzeit zu minimieren, war eine
Beschleunigung der Konsolidierung durch Vertikaldrainagen erforderlich (Lund et al.
2002).

Zur weiteren Beschleunigung der Konsolidation und um die Böschungsbruchsicherheit in


gewissen Bauzuständen zu gewährleisten, wurden in Teilbereichen die Tragfähigkeit der
Weichschichten mit Hilfe einer Vakuumkonsolidation verbessert. Im Gegensatz zur klassi-
schen Vorbelastung, bei der die totalen Spannungen erhöht werden, wird bei der Vakuum-
konsolidation der Porenwasserdruck reduziert und die totalen Spannungen beibehalten.
Hierzu ist es erforderlich, den atmosphärischen Druck in die Berechung einzuführen. Der
statische Nachweis erfolgte mit Hilfe der Methode der Finiten Elemente.

2.4 Diskussion zur technischen Realisierung


Das Projekt war auch hinsichtlich der technischen Machbarkeit umstritten. Dabei ging es
um die korrekte Modellierung des mechanischen Verhaltens des jungen, sehr gering tragfä-
higen Schlicks zum Zeitpunkt der Erstbelastung und um die Größenordnung der Langzeit-
setzungen. Es wurde die Ansicht vertreten, der Schlick müsse als strukturviskose Flüssigkeit
betrachtet werden und mit den entsprechenden rheologischen Gesetzen beschrieben werden.
Die Anwendbarkeit der Konsolidierungstheorie für den anstehenden Schlick wurde bezwei-
felt. Stattdessen sollte von einer Verflüssigung des Schlickes ausgegangen werden. Damit
wurde das gesamte Bauverfahren in Frage gestellt (Lindner und Greiser 2002). Das auf
Grundlage der Konsolidationstheorie geplante Bauverfahren hat sich bewährt und Befürch-
tungen bezüglich unerwarteter Kriechverformungen haben sich bislang jedoch nicht be-
wahrheitet (Reiner 2002, Taetz und Küster 2003).
Geotechnische Besonderheiten von Bauvorhaben im Hamburger Hafen 207

3 Numerische Modellierung der Wasserdruckbelas-


tung auf Uferbauwerke und Hochwasserschutz-
wände
3.1 Bestimmung der Bemessungstiden
Die tidebeeinflussten Schwankungen des Elbwasserspiegels im Hamburger Hafen bewirken
eine Grundwasserströmung und damit tideabhängige Grundwasserspiegelschwankungen.
Eingangsgrößen einer instationären Modellierung tidebeeinflusster Grundwasserströmungen
sind u. a. die Tidekurven der Elbe.

Auf Grundlage der nach Zeit und Höhe vorgegebenen Tidehochwasser- und Tideniedrig-
wasserstände wurden aus dem Verlauf der Normaltide abgeleitete Tidekurven der Kalibrie-
rungs- und Verifizierungszeiträume ermittelt. Insgesamt wurden die 4 nachfolgend genann-
ten Bemessungstidekurven berechnet:

x Normaltiden,
x extremes Niedrigwasser,
x Kettenhochwasser,
x extremes Hochwasser.

3.2 Instationäre Modellierung der tidebeeinflussten Grund-


wasserströmung
Um instationäre Fließvorgänge des tidebeeinflussten Grundwassers modellieren zu können,
ist die Abbildung einer Aufsättigung des ungesättigten Bereiches und eine Entwässerung
der Bodenporen erforderlich. Hinzu kommt, dass bei der Planung von Hochwasserschutzan-
lagen gemäß den vom Amt für Strom- und Hafenbau ausgearbeiteten Technischen Rahmen-
bedingungen ein Wellenüberschlag im Sturmflutfall zugelassen wird. Weiterhin ist ein
Sturmflutregen anzusetzen. Dadurch ggf. versickernde Wassermengen führen zu Änderun-
gen der tideabhängigen Grundwasserströmung und sind rechnerisch zu berücksichtigen.
Somit erfährt die Abbildung ungesättigter Bereiche eine besondere Bedeutung bei der nu-
merischen Modellierung der Wasserdruckbelastung auf Uferbauwerke.
208 J. Franke, Chr. Eickenbrock

Für die numerische Modellierung des Wassertransportes ist die Kenntnis der Beziehung
zwischen der Zugspannung und dem Wassergehalt erforderlich. Diese druckabhängige
Wassergehaltsfunktion weist für verschiedene Bodenarten charakteristische Verläufe auf.
Sie ist im Labor mit Hilfe eines standardisierten Verfahrens relativ leicht zu bestimmen.

Im gesättigten Bereich ist der Durchlässigkeitsbeiwert konstant, d. h. unabhängig vom


Druck. Im ungesättigten Bereich sinkt der Durchlässigkeitsbeiwert mit wachsender Zug-
spannung, auch Saugspannung genannt, weil zum einen der wassergefüllte Querschnitt, in
dem eine Wasserbewegung stattfinden kann, abnimmt und zum anderen die auf ein Wasser-
teilchen wirkenden Matrixkräfte zunehmen.

Die experimentelle Bestimmung der Funktion zwischen Durchlässigkeitsbeiwert und der


Saugspannung im ungesättigten Bereich ist sehr aufwändig, so dass empirische mathemati-
sche Funktionen entwickelt wurden, die den druckabhängigen Durchlässigkeitsbeiwert aus
der druckabhängigen Wassergehaltsfunktion ermitteln. Hinweise hierzu finden sich in (Heil
et al. 1998).

3.3 Ermittlung des Wasserüberdruckes


8,00

7,00
Außenwasserganglinie
6,00 Grundwasserganglinie
Wasserstand in mNN

5,00

4,00

3,00

2,00

1,00

0,00

-1,00

-2,00
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Zeit in Stunden

Bild 3: Ganglinien des Außen- und Grundwasserstandes einer Kaimauer in Hamburg im Fall der
Bemessungsturmflut (Heil et al. 1998)
Geotechnische Besonderheiten von Bauvorhaben im Hamburger Hafen 209

In Bild 3 ist die Tidekurve der Bemessungssturmflut gezeigt. Weiterhin ist das Ergebnis
einer Berechnung der instationären Umströmung einer Uferspundwand dargestellt. Aus den
berechneten Grundwasser- und Elbspiegelganglinien werden jeweils die höchsten Wasser-
druckdifferenzen ermittelt und zur Festlegung der maßgebenden Wasserdruckansätze he-
rangezogen.

4 Zur Planung von Baugruben im tidebeeinflussten


Grundwasser am Beispiel der HafenCity Hamburg
Die HafenCity in Hamburg ist ein auf eine Laufzeit von 25 bis 30 Jahren ausgelegtes Kon-
versionsprojekt einzigartigen Ausmaßes. 155 ha Hafenfläche sollen bis ca. 2025 in einen
innerstädtischen Bezirk umgewandelt werden, der die jetzige Hamburger Innenstadt bis zum
Flusslauf der Elbe erweitert. Der Umriss dieses Gebietes mit der dreifachen Fläche des
Potsdamer Platzes in Berlin ist in Bild 4 dargestellt. Hier sollen ca. 5.500 Wohnungen, Ar-
beitsplätze für 20.000 Beschäftigte und Einrichtungen für Kultur, Tourismus und Einzel-
handel entstehen.

Bild 4: Lage der HafenCity zwischen der Hamburger Innenstadt und der Elbe
210 J. Franke, Chr. Eickenbrock

4.1 Untergrundsituation
Das Gebiet der HafenCity befindet sich in der sogenannten Marsch mit den in Abschnitt 1.3
geschilderten Untergrundverhältnissen. In der Elbe und den Hafenbecken setzt sich mit der
Zeit Schlick ab, der je nach Mächtigkeit und Alter eine dichtende Wirkung zeigt. Darunter
stehen die sogenannten Elbsande an, die grundwasserführend sind. Somit korrespondiert das
Grundwasser unterhalb der Weichschichten in den Sanden mit dem Elbwasserstand, d. h. es
ist tidebeeinflusst. Durch die unterschiedlichen Durchlässigkeiten und die Tatsache, dass es
permanent einer durch die Tide induzierten Strömung unterliegt, stellt sich zwischen dem
Elbwasserstand und dem Grundwasserstand eine Phasenverschiebung ein. Weiterhin tritt
eine Dämpfung auf, die hauptsächlich von folgenden Parametern abhängt:

x Mächtigkeit und Durchlässigkeit der Schlickschicht an der Hafensohle,


x Einbindetiefe und Dichtigkeit der Kaikonstruktion oder weiterer unterirdischer Bau-
werke,
x Durchlässigkeit des Sandes,
x Geometrie wie z. B. die Entfernung von der Kaianlage und deren Ausbildung.

Um eine realistische Beurteilung der örtlichen Verhältnisse zu ermöglichen, ist es erforder-


lich, neben der Erfassung der Untergrundsituation den Grundwasserstand an ausgewählten
Stellen zu messen. Daran kann dann die Kalibrierung einer numerischen Modellierung er-
folgen. Diese ist erforderlich, da Bemessungswasserstände in der Regel in Hochwassersitua-
tionen auftreten, in denen jedoch nicht gemessen werden kann. Somit dienen die numeri-
schen Berechnungen der Berücksichtigung

x im Messzeitraum nicht aufgetretener Elbwasserstände,


x veränderter Bodeneigenschaften,
x anderer geometrischer Randbedingungen,
x dreidimensionaler Effekte.

Die Wirtschaftlichkeit einer Objektplanung wie z. B. einer Baugrube hängt maßgeblich von
der realistischen Ermittlung von Bemessungswasserständen ab.
Geotechnische Besonderheiten von Bauvorhaben im Hamburger Hafen 211

Für die wirtschaftliche Bemessung einer Wasserhaltungsmaßnahme und einer in der Regel
erforderlichen Enteisenungsanlage stellt die Ermittlung des Wasserandrangs eine grundle-
gende Voraussetzung dar. Tidebedingte instationäre Berechnungen sind oftmals nicht erfor-
derlich, die Verwendung numerischer Modelle aber meist hilfreich.

4.2 Baugruben
Im Rahmen der meisten bisher realisierten Bauvorhaben liegt die Baugrubensohle nicht so
tief, dass die natürlichen Weichschichten vollständig ausgehoben werden müssen. Daher
steht in der Baugrubensohle eine natürliche, in der Regel jedoch nicht auftriebssichere
Dichtschicht zur Verfügung, wenn sie keine Fehlstellen aufweist. Dies lässt sich oft nur
durch Pumpversuche feststellen. Zur Verhinderung eines hydraulischen Grundbruchs ist in
den meisten Fällen eine Entspannung bzw. Absenkung des gespannten Grundwassers in den
Elbsanden erforderlich. Zur Einleitung in die Elbe ist eine Enteisenung vorzuschalten.

Die Ausführung von Unterwasserbetonsohlen in organischen Weichschichten hat sich als


sehr problematisch erwiesen und sollte vermieden werden. Die Herstellung von Unterwas-
serbetonsohlen in den unterlagernden Elbsanden im tidebeeinflussten Grundwasser ist er-
probte Praxis.

Es ist auch dann möglich, auf eine Grundwasserhaltung zu verzichten, wenn einige tiefer
liegende Bereiche, z. B. für Fahrstuhlunterfahrten oder Kranfundamente, auf einem Aus-
hubniveau liegen, das bei Tideniedrigwasser auftriebssicher ist aber bei Tidehochwasser
ohne Gegenmaßnahmen zu einem hydraulischen Grundbruch führt. In diesen Bereichen
kann lediglich während des Tideniedrigwassers gearbeitet werden. Außerhalb dieser Zeiten
müssen ausgehobene oder betonierte Flächen ballastiert oder geflutet werden. Dies macht
die kontinuierliche Beobachtung des Wasserstandes im Bereich der Baugrube, die Beach-
tung der Wasserstandsvorhersagen sowie die Erstellung eines Havariekonzeptes erforder-
lich, das bei außergewöhnlich hohen Wasserständen greift (Franke und Woldt 2004).

Ein Havariekonzept ist auch immer dann zu entwickeln, wenn die Geländeoberkante neben
der Baugrube unterhalb des Sturmflutbemessungswasserstandes liegt. Den Fall der Über-
strömung einer Kaianlage neben einer Baugrube während einer Sturmflut ist in unmittelba-
rer Nähe der heutigen HafenCity im Jahr 1994 bei einem Elbwasserstand von + 6,02 mNN
vorgekommen. Die Baugrube musste damals geflutet werden.
212 J. Franke, Chr. Eickenbrock

Literatur

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fen-Zahlenspiegel“ 2004.
FHH Behörde für Wirtschaft und Arbeit, Amt für Strom- und Hafenbau, „Sonderprogramm
Hafenausbau“ 2004.
Franke, J. und Woldt, J. [2004] „Die HafenCity in Hamburg – das größte städtebauliche
Neubauprojekt Europas aus geotechnischer Sicht“ Vortrag auf der 28. Baugrundta-
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durch einen auf geokunststoffummantelten Sandsäulen gegründeten Deich“ Vorträ-
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07. 2002, S. 63-65.
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Werkserweiterung: Anwendung von Bodenverbesserungsmaßnahmen zur Landge-
winnung in kürzester Bauzeit“ Vorträge der Baugrundtagung 2002 in Mainz, S. 71-
79.
Raithel, M. [1999] „Zum Trag- und Verformungsverhalten von geokunststoffummantelten
Sandsäulen. Schriftenreihe Geotechnik. Universität Gh Kassel, Heft 6, 1999.
Reiner, J. und Stadie, R. [2002] „Airbus-Werkserweiterung für das Großraumflugzeug
A380 in Hamburg Finkenwerder - Geotechnisches Konzept der Flächenaufhöhung
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Reiner, J. [2002] „Stellungnahme zum Leserbrief ´Die Festigkeit von weichem Untergrund
– Grenzen bodenmechanischer Untersuchungsmethoden´“ HANSA-Schiffahrt-
Schiffbau-Hafen 07. 2002, S. 66.
Taetz, S. und Küster, V. [2003] „DA-Flächenerweiterung im Mühlenberger Loch, Hamburg
Landgewinnung auf geringtragfähigen organischen Wattböden in kürzester Zeit“
14. Tagung für Ingenieurgeologie 26. bis 29. März 2003 Kiel, S. 173-178.
213

Rechnerische und tatsächliche Verformungen


tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof in Berlin

Karstedt, Jens; Trobisch, Steffen; Mussehl, Dirk

Zusammenfassung
Im Rahmen der Errichtung der Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich Berlins waren für die
geplante Fernbahn, die Gründung von Bauwerken, die unterirdischen Bahnhofsanlagen, für
die Tunnel der U-Bahnlinie U5 und die Bundesstraße B96 acht bis zu 20 m tiefe Baugruben
(~16 m unter Grundwasserspiegel, je bis zu 20.000 m² Fläche) erforderlich.
Auf Grund der enormen Größe des Bauvorhabens und vorgegebener behördlicher Auflagen
ergab sich eine „verschachtelte“ Abfolge der Errichtung von Trogbaugruben bis hin zur
Fertigstellung der Bauwerke. Durch den Erd-, Wasser- und Auflastdruck ergaben sich in
den Einzelbaugruben je nach Bauzustand Wand- und Sohlverformungen, die bis zu 12 cm
betrugen. Resultat der „verschachtelten“ Abfolge war, dass sich die jeweiligen
Verformungen überlagerten und gegenseitig beeinflussten. Die Größenordnung dieser
möglicherweise zur Havarie (Wasser-, Bodeneinbruch) führenden Verformungen lagen
außerhalb der bisherigen Erfahrungswerte und musste bei der Planung und Herstellung der
Baugruben sowie der Bauwerke des Lehrter Bahnhofes abgeschätzt und berücksichtigt
werden.
Somit wurde bereits in der Planungsphase eine analytische Prognose erstellt, welche
während der Herstellung der Baugruben und Bauwerke des Lehrter Bahnhofes in den Jahren
1997 bis 2004 fortlaufend aktualisiert und verbessert wurde. Während der gesamten Bauzeit
wurde ein Messprogramm zur Bauwerksbeobachtung erstellt und ausgeführt. Die
Gegenüberstellung der Ergebnisse der analytischen Prognose mit den Messwerten aus den
Baugruben bzw. Bauabschnitten ergab eine gute Übereinstimmung.
Die erfolgreiche Vorgehensweise mit der Erstellung detaillierter Verformungs-
berechnungen in der Planungsphase und umfangreichen Vergleichsmessungen während der
Bauphase hat dazu geführt, dass während der Durchführung der gesamten
Tiefbaumaßnahmen keine größeren geotechnischen Probleme aufgetreten sind.
Aus unseren Erfahrungen können wir feststellen, dass diese Art der Qualitätssicherung in
Form einer rechnerischen Analyse im Vorfeld und einer messtechnischen Begleitung
während der Ausführung von Spezialtiefbaumaßnahmen eine sichere Realisierung derartiger
Bauvorhaben garantiert.
214 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

1 Überblick über den Bau der Baugruben am


Lehrter Bahnhof
1.1 Allgemeines
Am Ort des historischen Lehrter Bahnhofs entsteht zur Zeit der größte Kreuzungsbahnhof
Europas: Hier treffen sich eine West-Ost- und eine Nord-Süd-Strecke für den ICE-Verkehr;
hinzu kommen S- und U-Bahnlinien. Die Nord-Süd-Trasse verläuft 15 m unter der Erde in
einem Tunnel, der Spree und Tiergarten unterquert; die West-Ost-Linie liegt in Höhenlage
10 m über Straßenniveau. Für die Realisierung der gesamten Baumaßnahme ist eine Bauzeit
von 1996 bis 2006 vorgesehen. Die Bruttogeschossfläche beträgt ca. 180.000 m²
(5 Verkehrsebenen).
Im Rahmen der Errichtung dieser Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich Berlins waren für
die geplante Fernbahn, die Gründung von Bauwerken, die unterirdischen Bahnhofsanlagen,
für die Tunnel der U-Bahnlinie U5 und die Bundesstraße B96 acht bis zu 20 m tiefe
Baugruben (~16 m unter Grundwasserspiegel) erforderlich.
Zur Begrenzung der erforderlichen Grundwasserentnahmen auf ein wasserwirtschaftlich
und ökologisch vertretbares Maß, wurden die Baugruben in „Wand-Sohle-Bauweise“
(Trogbaugruben) hergestellt.
Dabei wurden in den jeweiligen Projektlosen die Trogbaugruben N, M1, M2/M3, A, B,
C/D1, D2 und E hergestellt, die im nachfolgenden Bild 1 dargestellt sind.

Bild 1: Trogbaugruben Lehrter Bahnhof


Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 215

1.2 Geotechnik und Spezialtiefbau


Zur Herstellung der Baugruben waren hohe Anforderungen an die Geotechnik und die
Spezialtiefbauverfahren einzuhalten. Dies begründete sich insbesondere in Hinblick auf den
Schutz des Grundwassers. Nach dem Berliner Wassergesetz ist die großräumige und
langdauernde Absenkung von Grundwasser nicht zulässig. Die Errichtung der eigentlichen
Bauwerke muss daher in rundum geschlossenen quasi wasserdichten Baugrube n
(Trogbaugruben) umweltschonend erfolgen. In den nachfolgenden Bildern 2 bis 7
(schematisch, in situ) werden die verschiedenen Bauphasen zur Herstellung einer
Trogbaugrube am Bauvorhaben Lehrter Bahnhof dargestellt:
1) Herstellung der Schlitzwände
Schematisch:

• 55.000 m² Schlitzwände

• 11.400 t Schlitzwandbewehrung

In situ:

Schlitzwandgreifer Schlitzwandfräse

Bild 2: Herstellung der Schlitzwände


216 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

2) Ankerherstellung
Schematisch:

• 110.000 m Anker

In situ:

Bild 3: Ankerherstellung
3) Bodenaushub
Schematisch:

• 1.500.000 m³ Erdaushub

• 110.000 m² Baugrubenfläche
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 217

In situ:

Bild 4: Bodenaushub
4) Herstellung der Sohlverankerung
Schematisch:

• 11.900 m Zugpfähle

In situ:

Bild 5: Herstellung der Sohlverankerung


218 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

5) Herstellung der Unterwasserbetonsohle


Schematisch:

• 91.100 m² Unterwasserbetonsohle

• 16.200 m² tiefliegende Dichtsohle

• 4.400 m² Weichgelsohle

In situ:

Bild 6: Herstellung der Unterwasserbetonsohle


6) Lenzen der Trogbaugrube
Schematisch:
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 219

In situ:

Bild 7: Lenzen der Trogbaugrube

1.3 Systembedingte Verformungen und grundbauliche


Probleme
1.3.1 Systembedingte Verformungen

Die Belastungen aus Erddruck und Wasserdruck erzeugen Verformungen in den belasteten
Bauteilen (Baugrubenwand, Sohle). Die Entlastungen beim Aushub, Lenzen, Einbau der RI-
Pfähle und die Wiederbelastung durch das Bauwerk erzeugen Verformungen im Boden. Das
nachfolgende Bild 8 zeigt schematisch die systembedingten Verformungen einer
Trogbaugrube.

Hor. Verformung: 1-2 cm (Aushub u. Lenzen)


3-4 cm (RI-Pfahlherstellung)
Sohlhebung: max 12 cm
ca. 2-3 cm aus Bodenaushub
ca. 9 cm aus Lenzen

Bild 8: Systembedingte Verformungen einer Trogbaugrube (schematisch)


Baugrubenwand
Die Baugrubenwände werden durch seitlichen Erddruck und Wasserdruck belastet, sie
verschieben sich und biegen sich durch. Die Anker als Stützelement müssen bis zu 100 t je
Stück sicher aufnehmen, sie dehnen sich dabei. Zusätzliche Verformungen der
220 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

Baugrubenwände können durch dynamische Einflüsse während des Einrüttelns der RI-
Pfähle auftreten.
Sohle
Hochliegende verankerte Sohlen werden von unten durch den Wasserdruck (Auftrieb)
belastet, sie biegen sich beim Lenzen nach oben durch. Der Auftrieb beträgt bei einer Sohle,
die 16 m unter dem Grundwasserspiegel liegt, 16 t/m². Durch die Lastaufbringung beim
fortschreitenden Rohbau der Bauwerke werden die Sohlen teilweise zurückgedrückt.
Baugrund
Durch Entfernen von Boden und Wasser wird der Baugrund großräumig entlastet und
"federt" nach - großräumige Hebungen über den eigentlichen Baugrubengrundriss hinaus
wurden festgestellt. Danach wird der Baugrund durch die Lastaufbringung beim
fortschreitenden Rohbau der Bahnhofsgebäude bzw. Tunnel teilweise zurückgedrückt und
es ergeben sich großräumige Setzungen.

1.3.2 Grundbauliche Probleme aus systembedingten Verformungen

In den nachfolgenden Bildern 9 bis 11 sind einige mögliche Probleme aus den
systembedingten Verformungen dargestellt.
1) Risse in der Unterwasserbetonsohle

Nachdichten von Rissen

Bild 9: Risse in der Unterwasserbetonsohle


Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 221

2) Risse am Übergang Unterwasserbetonsohle / Zugpfahl – Wassereintritt

Bild 10: Risse am Übergang Unterwasserbetonsohle / Zugpfahl - Wassereintritt


3) Wassereintritt zwischen Unterwasserbetonsohle und Schlitzwand
Diese Problematik kann durch die Verformung / Verschiebung der Schlitzwände beim
Einrütteln der RI-Pfähle (dynamische Einflüsse) und durch das Lenzen der Baugrube
auftreten.

Baugrube fertiger

Bild 11: Wassereintritt zwischen Unterwasserbetonsohle und Schlitzwand


222 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

Bild 12: Mögliche Verformungen zwischen Unterwasserbetonsohle und Schlitzwand

2 Geologische Randbedingungen
Der Lehrter Bahnhof ist im Berliner Urstromtal gelegen, das während der letzten Eiszeiten
gebildet wurde. Im Berliner Urstromtal stehen im wesentlichen unter Auffüllungen bis in
große Tiefen (ca. 60 m) Sande und Kiese an, welche in den oberen Bereichen locker
gelagert sind, mit zunehmender Tiefe in eine mitteldichte Lagerung übergehen und im
liegenden zumeist dichte Lagerungsverhältnisse aufweisen. Die tieferen Bodenschichten
sind durch die ehemals überlagernde Eisdecke von mehreren hundert Metern Dicke
vorbelastet. Diese Sande und Kiese stellen einen tragfähigen und gut belastbaren Baugrund
dar.
Im Urstromtal finden sich nacheiszeitlich ausgewaschene Rinnen, in denen sich in jüngerer
Zeit weiche organische Böden (z.B. Torf) abgelagert haben. Eine solche Rinne verläuft
neben der Nord-Süd verlaufenden Fernbahntrasse und reicht an der nördlichen Ausfahrt
unter das Tunnelbauwerk. Die in der Rinne vorhandenen weichen Böden sind für
Gründungen nicht geeignet und müssen entfernt oder durchfahren werden. Im Bereich der
Spree ist eine Schluffschicht in die Sande eingelagert, die jedoch hinsichtlich ihrer
Tragfähigkeit wenig problematisch ist.
Das nachfolgende Bild 13 zeigt eine geologische Skizze von Berlin mit Eintrag des Lehrter
Bahnhofes.
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 223

Lehrter
Bahnhof

Bild 13: Geologische Skizze von Berlin


In den im allgemeinen sehr gut durchlässigen Sand- und Kiesböden steht das Grundwasser
ca. drei bis fünf Meter unter der Geländeoberfläche als "freier Grundwasserspiegel" an.
Das folgende Bild 14 zeigt einen geologischen Schnitt (Nord-Süd) von Berlin.

Bild 14: Geologischer Schnitt (Nord-Süd) von Berlin


224 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

3 Rechnerische Vorgehensweise im Planungsstadium


3.1 Bauphasen
Der Lehrter Bahnhof mit einer Fläche von über 100.000 m² für die Gesamtbaumaßnahme
konnte nicht "in einem Rutsch" errichtet werden, u.a. wegen:
• Wasserbehördlicher Erlaubnis: d 20.000 m² / Baugrube
• Logistische Probleme wie z.B. Bahnverkehr auf dem Viadukt, Verkehr der Invalidenstraße
• Abriss des alten Lehrter Stadtbahnhofs
• Nähe offener Gewässer
Daraus ergab sich eine „verschachtelte“ Abfolge der Errichtung von den im Bild 1
dargestellten Trogbaugruben. Prinzipiell wurde wie folgt vorgegangen: Zunächst wurde jede
zweite Baugrube hergestellt, dazwischen war Platz für Viadukt (alter Bahnhof) /
Invalidenstraße / Baustelleneinrichtung. Dann erfolgte die Umlegung der
Verkehrseinrichtungen: Bahnverkehr auf das EÜ, die Invalidenstraße über bereits
fertiggestelltem Bahnhofsbereich. Danach wurde der "Lückenschluss" durch
Zwischenbaugruben hergestellt und das Bahnhofsgebäude komplettiert. Effekt dieses
Vorgehens war, dass sich die oben beschriebenen Verformungen überlagerten und
gegenseitig beeinflussten. Die Größenordnung dieser möglicherweise zur Havarie (Wasser-,
Bodeneinbruch) führenden Verformungen lagen außerhalb der bisherigen Erfahrungswerte
und mussten bei der Planung und Herstellung der Baugruben sowie der Bauwerke des
Lehrter Bahnhofes abgeschätzt und berücksichtigt werden.
Somit musste bereits in der Planungsphase eine analytische Prognose erstellt werden,
welche während der Herstellung der Baugruben und Bauwerke des Lehrter Bahnhofes in
den Jahren 1997 bis 2004 fortlaufend aktualisiert und verbessert wurde.
Die folgende Tabelle 1 zeigt eine Auswahl der bei der analytischen Prognose
berücksichtigten Bauphasen.
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 225

Tabelle 1 Bauphasen bei den Verformungsberechnungen Lehrter Bahnhof


phase
Bau-

Bezeichnung
Baugrubenherstellung Rohbau Fertigstellung
1 A, C/D1 - -
2 M1A, M1B, M1C A, C/D1 -
3 N, M2, M3, D2, B96 7+8 M1A, M1B, M1C -
16 N, M2, M3, D2, B96 7+8 A, C/D1
4 B - -
N, M1A, M1B, M1C, M2,
5 - B
M3, D2, B96 7+8
6 - - B
17 - - EÜ
18 - - Bügelbauten

3.2 Bodenmechanisches Modell


Die Berechnungen erfolgen mit der Methode der Finiten Elemente unter Berücksichtigung
der Steifigkeit des Bodens und der Steifigkeiten der Sohle sowie der aufgehenden Wände.
Die Berechnungen wurden mit dem Programmsystem Sofistik, der Sofistik GmbH
Oberschleißheim durchgeführt. Im Programmsystem wurden für die unterschiedlichen
Schichtbereiche (Bodenarten) und Tiefenlagen (tiefenabhängige Erhöhung der Steifigkeit)
variierende Bodensteifigkeiten entsprechend der Vorgaben durch den Gutachter des
Bauherren verwendet. Gleichzeitig wurde die Lage der Bohrungen berücksichtigt. Die
teilweise erheblich wechselnden Bodensteifigkeiten – bedingt aus unterschiedlichen
Gründungs- und Bodenarten – wurden anschließend in der Berechnung mit einer Funktion
dritten Grades für jedes FE-Element interpoliert.
Die Bodenschichten wurden bis in eine Tiefe von 90,0 m unterhalb der Sohle
berücksichtigt. Hierbei wurden – beispielhaft für ein Schichtprofil – die folgenden
Steifeziffern mit den zugehörigen Koten eingegeben:
Tabelle 2 Beispiel für ein Bodenprofil für die Berechnungen am Lehrter Bahnhof
Die Zunahme der Steifigkeit des Bodens wurde in den Berechnungen zum Lehrter
Stadtbahnhof mit dem folgenden Ansatz berücksichtigt.
Es = Es,0 (z)1/2 (1)
Es,0 = Steifigkeit an der Oberfläche
z = Kote unter OFG
In der Berechnung wird die Wiederbelastungssteifigkeit angesetzt. Dabei wird
vereinfachend die dreifache Erstbelastungssteifigkeit berücksichtigt. Nach dem Verfahren
der Finiten Elemente wird die Steifigkeit des modellierten Halbraumes zu einer
226 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

Steifigkeitsmatrix bestimmt. Diese „Bodensteifigkeitsmatrix“ wird in die Steifigkeitsmatrix


der FE-Elemente für die Bodenplatten integriert. Nachfolgend erfolgt die numerische
Lösung des Gleichungssystems mit den Lasten unter Einhaltung der Randbedingungen
(Laststellungen, Bodenschichtungen, Bauwerkssteifigkeiten usw.) nach den allgemeinen
Lösungsverfahren.
Tabelle 2 Beispiel für ein Bodenprofil für die Berechnungen am Lehrter Bahnhof

Bodenschicht von Kote bis Kote Steifeziffer


[m u. UK Sohle] [m u. UK Sohle] [kN/m²]

Übergangsschicht 0 0,5 115.000


Boden-Pfahl-Paket 0,5 18,7 115.000
Sand, tiefenabhängige Steifigkeit 18,7 38,7 396.000
Sand, tiefenabhängige Steifigkeit 38,7 49,4 650.000
Sand, tiefenabhängige Steifigkeit 49,4 90 1.138.000

Unter Berücksichtigung der genannten Randbedingungen konnten die zu erwartenden


Verformungen (Hebungen, Setzungen) der Baugruben und der Bauwerke des Lehrter
Bahnhofes für die einzelnen Bauphasen ermittelt werden. Auf der Grundlage dieser
analytischen Prognose konnte bereits in der Planungsphase eine Abschätzung des
Gefährdungspotentials erfolgen.

4 Messungen während der Bauphase


Zur Kontrolle und gegebenenfalls erforderlichen Anpassung der in den Abschnitten 3.1 und
3.2 gewählten Ansätze wurde im Rahmen des Qualitätssicherungsprogramms während der
gesamten Bauzeit u.a. durch die ARGE Lehrter Bahnhof Los 1.4 ein Messprogramm zur
Bauwerksbeobachtung nach ZTV-K 88 erstellt und ausgeführt. Die Messungen wurden für
die einzelnen Baufelder in „Einzelmessprogrammen“ in Abhängigkeit des Baufortschrittes
zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt.
Eine Messung der Hebung der Aushubsohle während des Unterwasseraushubes wurde nicht
realisiert. Mit der fortschreitenden Herstellung der Baugrube (Unterwasserbeton, Lenzen)
und der anschließenden Herstellung der Betonsohle wurden die einzelnen Messpunkte von
den RI-Pfählen (siehe Bild 15) auf Messbolzen auf der Sohlplatte bzw. anschließend auf die
Gleise und die Bahnsteigplatten umverlegt. Im Bereich der Eisenbahnüberführung wurden
Messbolzen / Stehbolzen auf den Fundamenten der Eisenbahnüberführungsstützen
angeordnet und diese in die Messprogramme integriert.
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 227

Bild 15: Messungen von Hebungen der Sohlplatte


Mit der wachsenden Anzahl der fertigen und miteinander verbundenen Baugruben sowie
der darin bereits erstellten Bauwerke erhöhte sich der mögliche Schadensumfang im Falle
einer Havarie. Die Kontrolle der Verformungen wurde in diesen Bauphasen, insbesondere
bei dem „letzten Lückenschluss“ (Herstellung Baugrube B), intensiviert.

5 Vergleich und Bewertung


5.1 Vergleich der Berechnungs- mit den Messergebnissen
Nachfolgend werden für einige Baugruben Berechnungs- und Messergebnisse
gegenübergestellt.
228 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

Beispiel: Baugruben A und C/D1


In den analytischen Prognosen bzw. den baubegleitenden Messungen wurden folgende
Verformungen prognostiziert bzw. festgestellt:
Tabelle 3 Berechnungs- und Messergebnisse für die Baugrube A und C/D1

Messpunkt in Berechnungsergebnisse Messergebnisse


Trassenachse Bg A Bg C/D1 Bg A Bg C/D1
nach Lenzen
Herstellung B Herstellung B A und C/D1

Rand Nord 1,3 cm 1,0 cm 1,2 cm 1,9 cm


Mitte Baugrube 6,5 cm 7,8 cm 10,0 cm 12,0 cm
Rand Süd 0,2 cm 1,3 cm 1,3 cm 1,3 cm
(A und C/D1

Rand Nord -1,2 cm -0,2 cm 0,2 cm 0,8 cm


fertig)
vor

Mitte Baugrube 2,5 cm 2,0 cm 5,3 cm 3,6 cm


Rand Süd 0,3 cm 1,0 cm 0,6 cm -0,4 cm
Bauwerke)

Rand Nord -1,2 cm 1,5 cm 0,2 cm 2,6 cm


(ohne
nach

Mitte Baugrube 2,7 cm 2,5 cm 5,5 cm 3,7 cm


Rand Süd 1,5 cm 1,0 cm 1,8 cm -0,4 cm
Die in Tabelle 3 aufgeführten Berechnungs- und Messergebnisse sind in den folgenden
Bildern 16 bis 18 grafisch dargestellt worden.

12 ,0
7 ,0
2 ,0

- 3 ,0 0,0 5 0,0 1 00,0 1 5 0,0 2 00,0 2 5 0,0 3 00,0 3 5 0,0 4 00,0 4 5 0,0

M es s er gebni s s e
B er ec hnungser gebni s s e

Bild 16: Berechnungs- und Messergebnisse Baugruben A und C/D1 – nach Lenzen A und C/D1
Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 229

12,0

7,0

2,0
0,0 5 0,0 1 00,0 1 50,0 200,0 2 5 0,0 3 000
, 35 0,0 4 000
, 4 50,0

-3,0

Messergebnisse
Berechnungsergebnisse

Bild 17: Berechnungs- und Messergebnisse Baugruben A und C/D1 – vor Herstellung B (A u. C/D1
fertig)

12,0

7,0

2,0
0,0 5 0,0 1 00,0 1 5 0,0 2 00,0 2 5 0,0 3 00,0 3 5 0,0 4 00,0 4 5 0,0

-3,0

Messergebnisse
Berechnungsergebnisse

Bild 18: Berechnungs- und Messergebnisse Baugruben A und C/D1 – nach Herstellung B (ohne
Bauwerke in B)
Beispiel: Differenzwand Baugrube B zu Baufeld C/D1
Von besonderer Bedeutung war dabei der „letzte Lückenschluss“ (Herstellung Baugrube B),
der bei Versagen zur Katastrophe hätte führen können, da zu diesem Zeitpunkt alle
Schottwände der einzelnen Trogbaugruben entfernt waren und somit die fertiggestellten
Bauwerke beschädigt bzw. gefährdet wären. Insbesondere am Übergang zum Baufeld C/D1
mit den dort bereits fertiggestellten Eisenbahnüberführungen (EÜ-Brücken), welche schon
der Nutzung übergeben worden waren, lag ein großes Gefährdungspotential vor.
Dementsprechend wurden die Berechnungen und die baubegleitenden Messungen besonders
230 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

detailliert betrachtet. Dabei wurden sowohl für die Differenzwand als auch für die
Trassenachse der Eisenbahnüberführung (EÜ-Brücke 12) die zu erwartenden Verformungen
infolge der Herstellung der Baugrube B ermittelt und den Messwerten gegenübergestellt.
Stellvertretend für die gesamten Berechnungen und Messungen werden in den folgenden
Bildern 19 bis 21 die Verformungen der Differenzwand dargestellt:

Verformung Differenzwand (Längsachse) bezogen auf Ausgangszustand


zum Zeitpunkt Phase 2 Abriss Lehrter Bahnhof
Vergleich Berechnungs- mit Messergebnisse
Längsachse
-35,0 Phase 2 - Berechnung
Abriss Lehrter Stadtbahnhof
Phase 2 - Messung
Abriss Lehrter Stadtbahnhof
-30,0
Hebung

-25,0
Relativverformung zum Ausgangszustand [mm]

-20,0

-15,0

-10,0

-5,0

0 10 20 30 40 50 60 70 80
0,0

5,0
Setzung

10,0

Bild 19: Berechnungs- und Messergebnisse Differenzwand – Phase 2

Verformung Differenzwand (Längsachse) bezogen auf Ausgangszustand


zum Zeitpunkt Phase 4 Unterwasseraushub 100%
Vergleich Berechnungs- mit Messergebnisse
Längsachse [m]
Phase 4 - Berechnung
-35,0 Unterwasseraushub 100%
Phase 4 - Messung
Unterwasseraushub 100%
-30,0
Hebung

-25,0
Relativverformung zum Ausgangszustand [mm]

-20,0

-15,0

-10,0

-5,0

0 10 20 30 40 50 60 70 80
0,0

5,0
Setzung

10,0

Bild 20: Berechnungs- und Messergebnisse Differenzwand – Phase 4


Verformungen tiefer Baugruben am Lehrter Bahnhof 231

Verformung Differenzwand (Längsachse) bezogen auf Ausgangszustand


zum Zeitpunkt Phase 6 Lenzen
Vergleich Berechnungs- mit Messergebnisse
Längsachse [m]
Phase 6 - Berechnung
-35,0 Lenzen
Phase 6 - Messung
Lenzen
-30,0
Hebung

-25,0
Relativverformung zum Ausgangszustand [mm]

-20,0

-15,0

-10,0

-5,0

0 10 20 30 40 50 60 70 80
0,0

5,0
Setzung

10,0

Bild 21: Berechnungs- und Messergebnisse Differenzwand – Phase 6


Fazit: Die Gegenüberstellung der Ergebnisse der analytischen Prognose mit den Messwerten
aus den Baugruben bzw. Bauabschnitten ergab eine gute Übereinstimmung.

6 Die Bedeutung von Berechnung und Messung als


Bestandteil des QS-Systems in der Geotechnik
Bei dem Großbauvorhaben des Lehrter Bahnhofs war eine Aneinanderreihung mehrerer
Trogbaugruben erforderlich, welche ein erhöhtes Gefährdungspotential bezüglich
grundbaulicher Probleme (Havarien) infolge systembedingter Verformungen mit sich
brachte. Das Ausmaß und die Kosten solcher baulichen Katastrophen, insbesondere beim
„letzten Lückenschluss“ (Herstellung Baugrube B), lassen sich nur erahnen.
Die erfolgreiche Vorgehensweise beim Großbauvorhaben des Lehrter Bahnhofs mit der
Durchführung
• detaillierter Verformungsberechnungen in der Planungsphase und
• messtechnischer Begleitung während der Bauphase
hat dazu geführt, dass während der gesamten Tiefbaumaßnahmen keine größeren Havarien
aus grundbaulichen Problemen aufgetreten sind.
Schlussfolgernd kann festgestellt werden, dass die analytische Prognoseerstellung bereits
zum Zeitpunkt der Planungsphase dazu führt, dass in Abhängigkeit der Randbedingungen
des jeweiligen Bauvorhabens entsprechende Spezialtiefbauverfahren, eventuell notwendige
Eignungsprüfungen und andere qualitätssichernde Maßnahmen geplant, koordiniert und
232 J. Karstedt, S. Trobisch, D. Mussehl

durchgeführt werden können. Die im Vorfeld erstellte analytische Prognose wird durch die
messtechnische Überwachung während der Herstellung der Baugruben und Bauwerke
abgeglichen, sodass die Ansätze der analytischen Prognose gegebenenfalls angepasst
werden können.
Aus den Erfahrungswerten am Bauvorhaben Lehrter Bahnhof Berlin gilt, dass diese Art der
Qualitätssicherung in Form einer rechnerischen Analyse im Vorfeld und einer
messtechnischen Begleitung während der Ausführung von Spezialtiefbaumaßnahmen eine
sichere Realisierung derartiger Bauvorhaben garantiert.
233

Die Entwicklung neuer Gründungstechnologien


am Beispiel der Forschungs-Kooperation der
TU Berlin mit der TU Darmstadt

Katzenbach, Rolf; Ittershagen, Marc;


Ramm, Hendrik; Werner, Anke

Zusammenfassung
Einhergehend mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Wahl Berlins zur Bundes-
hauptstadt hat Berlin seinen Standort als europäische Metropole neu zu begründen begon-
nen. Niedergeschlagen hat sich dies u.a. auch in diversen Großbauvorhaben in der alten Mit-
te der Stadt.
So standen vom Beginn an die Bauvorhaben der Deutschen Bahn im Zentralen Bereich in
Verbindung mit den Investorenbauten am Potsdamer Platz im Mittelpunkt des baulichen
Interesses, bevor schließlich die Bauvorhaben des Bundes am Spreebogen realisiert wurden.
In einer Ingenieur- und Forschungskooperation der TU Darmstadt mit der TU Berlin wur-
den Synergien bei der Umsetzung von kostenoptimierten Gründungskonzepten in den Berli-
ner Böden freigesetzt. Die neuen Konzepte sind u. a. bekannt unter dem Begriff KPP
(Kombinierte Pfahl-Plattengründung) und haben ihre Verbreitung auch im europäischen und
außereuropäischen Ausland gefunden.
Aufbauend auf der leistungsstarken Zusammenarbeit zu sicheren und kostenoptimierten
Fundamentierungstechniken für das Reichtagsgebäude und die Hochhäuser in Berlin arbei-
ten die beiden Universitäten TU Berlin und TU Darmstadt u. a. auch auf dem Gebiet des
Verkehrswegebaus intensiv zusammen. Das bereits am Reichstag erfolgreich eingesetzte
Konzept der Experimentellen Statik wurde hier zur Standsicherheitsbeurteilung von histori-
schen Bahndämmen eingesetzt. An einer anderen Eisenbahnstrecke wurden experimentelle
Grundsatzuntersuchungen (Großversuche) zur optimierten Baugrundverbesserung auf wei-
chem Untergrund, den im norddeutschen Raum großräumig anstehenden Kleiböden, durch-
geführt.
234 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

1 Forschungen zur Fundamentierung des Reichstags


und der Berliner Hochhäuser
1.1 Der Reichstag in Berlin
Der Reichstag wurde von 1884 bis 1894 nach den Plänen des Frankfurter Architekten Paul
Wallot errichtet (Bild 1). Das Gebäude hat eine Grundfläche von rd. 90 m x 130 m. Zur
Verbesserung des Baugrundes im Bereich der nördlichen Ecktürme und der zentralen Kup-
pelkonstruktion wurden in dieser Zeit rd. 3000 Holzpfähle in den Boden gerammt.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichstag fast vollständig zerstört. Nach
der Sprengung der Kuppel im Jahr 1954 wurde das Gebäude in den Jahren 1963 bis 1971
von Paul Baumgarten umgebaut (Cullen 1995).
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Entschluss, den Sitz des Bundestages
nach Berlin zu verlegen, wurde der Reichstag nach den Plänen von Sir Norman Foster wie-
deraufgebaut. Seit 1999 tagt der Bundestag im Reichstag mit der neuen, markanten Glas-
kuppel (Maetzel 1996).

Bild 1: Reichstag im Jahr 1895 und 2004

1.1.1 Die Gründung des alten Reichtags

Im Rahmen der Erkundung des Baugrundes im Jahr 1883 stellte man fest, dass der Bau-
grund im südlichen Bereich des Gebäudes fest, im nördlichen Bereich allerdings gefährlich
weich war. In Übereinstimmung zu diesen Untersuchungsergebnissen stieß man bei den
Aushubarbeiten für den nördlichen Teil des Gebäudes und den Kuppelbereich auf weiche,
schwemmsandartige Schichten in unterschiedlichen Tiefen. Tragfähige Bodenschichten
wurden erst in einer Tiefe von 4-5 m festgestellt.
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 235
Gegenbogen

Kellerwand

+33.00 mNN

Kalksteinmauerwerk
+30.55 mNN

+29.15 mNN

Holzspundwand Pfahlrost-Beton
Fein-Mittelsand
locker-mitteldicht Holzpfahl

Sand, kiesig +25.30 mNN


mitteldicht

Bild 2: Historische Gründung des Reichstags


Ausführungspläne zur Herstellung der Fundamente sind nicht verfügbar. Im Zuge der letz-
ten Umbaumaßnahmen mussten die Fundamente mit Schürfen und Kernbohrungen unter-
sucht werden.
Die Verbindung von benachbarten, unterschiedlich schweren Gebäudeteilen wurde durch
einen kontinuierlichen Übergang der Fundamentdicke sowie durch die Anwendung von Ge-
genbögen erreicht (Bild 2). Gebäudeteile mit geringer Last wurden auf Einzel- bzw. Strei-
fenfundamenten in einer Tiefe von 1,2-1,8 m gegründet.
Die südlichen Türme wurden auf Flachgründungen errichtet. Diese Fundamente liegen rd.
1 m unterhalb des Grundwasserspiegels und wurden im Schutz von Holzspundwänden her-
gestellt. Die Sohlpressung unterhalb der schweren Ecktürme beträgt bis zu 600 kN/m².
Archivunterlagen zufolge wurden zur Gründung der Kuppelkonstruktion 2232 Holzpfähle
mit einem Durchmesser von 25 cm und einer Länge von 5 m in den kiesigen Sand einge-
rammt. Weitere 832 Holzpfähle mit einer Länge von 2,5-4,0 m wurden im Bereich der
Nordtürme eingebracht. Die Pfähle wurden in einem Dreiecksraster mit einem Abstand der
Pfahlachsen von 1 m in diagonalen Reihen eingebaut. Die Pfähle wurden mit einer Beton-
schüttung von 1,4 m Dicke überdeckt, in die sie mit einer Länge von 15 cm einbinden.
1890 1910 1920 1930 1940 1950 1995
mNN

+30,0

+25,0

+20,0

Bild 3: Grundwasserganglinie 1890-1995 im Bereich des Reichstags


In den Jahren 1995 und 1996 wurden durch Mitglieder der TU Berlin und der TU Darmstadt
in enger Kooperation mit GuD, Berlin, umfangreiche Baugrunduntersuchungen innerhalb
und außerhalb des Reichstags durchgeführt. Bis zu einer Tiefe von rd. 8 m unterhalb des
Kellerfußbodens wurden Fein- und Mittelsande mit geringem Schluffanteil angetroffen.
236 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

Aufgrund der Vorbelastung durch das Gebäude und das Einrammen der Holzpfähle wurde
unterhalb des Gebäudes eine mitteldichte Lagerung festgestellt, außerhalb des Gebäudes
wurde eher locker gelagerter Boden vorgefunden. Die in den alten Dokumenten erwähnten
weichen Böden und Schlammschichten wurden bei diesen Untersuchungen nicht vorgefun-
den. Bis zum Niveau 20 mNN folgt eine 5 m dicke, mitteldicht gelagerte Sandschicht. Un-
terhalb dieser stehen vor allem dicht gelagerte Sande und Kiese an.
Der Grundwasserspiegel liegt bei rd. 31 mNN. In den Jahren 1936 bis 1942 wurde das
Grundwasser im Rahmen des U-Bahnbaus 10 m tief abgesenkt, eine Vorgehensweise, die
heute undenkbar ist (Bild 3). Die Holzpfähle des Reichstags fielen dabei trocken und waren
somit geänderten Milieubedingungen ausgesetzt.

1.1.2 Untersuchung der alten Fundamente

Im Zuge der Umbaumaßnahmen mussten die Holzpfähle untersucht werden, um ihre Lang-
zeit-Tragfähigkeit und ihre Langzeit-Gebrauchstauglichkeit im Hinblick auf die eventuell
materialschädigenden Folgen der von 1936 bis 1942 geänderten Milieubedingungen und der
damit einhergehenden Sauerstoffzufuhr beurteilen zu können.
Baugrubenverbau

Freigelegter Pfahlkopf

Pfahlprobebelastung
3,80 m
Lastplattendruckversuch

6,30 m

Bild 4: Grundriss der Versuchsgrube im Reichstag


Im Jahr 1996 wurde die Tragfähigkeit der Holzpfähle und des angrenzenden Bodens in ei-
ner Versuchsgrube im Zentrum des Reichstags -im Bereich des heutigen Plenarsaals- getes-
tet (Bild 4). Die Köpfe von 24 Holzpfählen wurden freigelegt, von diesen Pfählen wurden
sieben einer Probebelastung unterzogen (Bild 5). An einem dieser Pfähle wurde nach dem
Druckversuch ein Zugversuch durchgeführt (Steffens et al. 1997).
Die untersuchten Pfähle hatten eine Länge von 4 m. Bei einer Setzung des Pfahlkopfes von
4 cm wurde ein Pfahlwiderstand von 200-300 kN mobilisiert (Bild 6). Im Pfahlzugversuch
wurde der Bruchwert der Mantelreibung mit nur 13 kN/m² bestimmt. Der Plattendruckver-
such wurde mit einer Platte von 50 cm x 50 cm durchgeführt. Bei einer Setzung der Platte
von 4 cm wurde eine Sohldruckspannung von 600-800 kN/m² gemessen (Bild 7).
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 237

3,80m

1,10m Kalksteinmauerwerk

1,20m Pfahlrost-Beton

Fein-Mittelsand
locker-mitteldicht

Sand, kiesig
mitteldicht
Holzpfahl

Bild 5: Schnitt durch die Versuchsgrube im Reichstag


Pfahlkopflast [kN]
0 100 200 300
0

Holzpfähle
2 l=4 m
D=0,25 m

Pfahlkopfsetzung [cm]

Bild 6: Pfahlprobebelastung der Holzpfähle im Reichstag


Sohlnormalspannung [kN/m²]
0 200 400 600 800 1000
0

Setzung [cm]

Bild 7: Plattendruckversuche im Reichstag


In umfangreichen Laborversuchsserien entsprechend der in Goldscheider et al. (1992) be-
schriebenen methodischen Vorgehensweise wurde der Zustand der Holzpfähle wie folgt
analysiert:
1. Die Anteile von Kern- und Splintholz sind gleich.
238 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

2. Das Kernholz ist im Wesentlichen nicht geschädigt.


3. Das Splintholz ist infolge von Bakterienangriff unterschiedlich stark geschädigt. Die-
ser Zerstörungsprozess dauert einige Jahrzehnte.
4. Der Abbau des Splintholzgefüges verursacht eine Festigkeitsabnahme und eine
Feuchtigkeitszunahme. Unter Wasser bleibt das Holzvolumen konstant.
5. Die Gebrauchstauglichkeit des Kernholzes ist für mehr als ein weiteres Jahrhundert
gegeben.
Unter der Voraussetzung, dass die Pfähle stets unter Wasser bleiben, ist demnach eine wei-
tere Nutzung der Holzpfähle möglich. Die Eigenschaften des Grundwassers, speziell der
pH-Wert, dürfen sich allerdings nicht ändern.

1.1.3 Berechnung der Gründung

Um die infolge des Umbaus auftretenden Verformungen zu untersuchen, wurden nichtlinea-


re dreidimensionale Finite Element Berechnungen durchgeführt (Bild 8). Bei diesen Berech-
nungen wurde das Untergeschoss als ein lastabtragendes Element berücksichtigt.
Symmetrieachse

2,0
2,5

2,0 3,0
1 2,0 1
0,5 Eckturm
1,5
1,0

0,0
N

0m 10m 20m 30m 40m

Setzungen in cm

Symmetrieachse

Bild 8: Finite Element Berechnungen der Setzungen des Reichstags


Die infolge der zusätzlichen Gebäudelasten berechneten Setzungen betragen maximal 3 cm
(Bild 9). Dies ist etwa ein Drittel der Setzungen, die beim Bau des Reichstags aufgetreten
sind.
Aufgrund der langsamen Abnahme der Festigkeit der Pfähle findet eine Umlagerung der
Lasten von den Pfählen auf den Sand statt. Wenn dieser Prozess beendet ist und die gesamte
Last in den Boden eingeleitet wird, werden zusätzliche Setzungen von rd. 2 cm an den Eck-
türmen auftreten. Mit einem berechneten Kriechmaß von 0,1-0,2 mm pro Jahr ist die
Gebrauchstauglichkeit der Gründungselemente gegeben. Dieses positive Ergebnis der
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 239

durchgeführten Untersuchungen ermöglichte ein Gründungskonzept, das sowohl alte als


auch neue Gründungselemente umfasst. Aufgrund der umfangreichen, experimentellen und
theoretischen Untersuchungen der TU Berlin, der TU Darmstadt in Verbindung mit GuD
konnte auf sehr zeit- und kostenintensive Zusatzmaßnahmen zur Baugrundertüchtigung an
den Ecktürmen des Reichstags verzichtet werden.
Abstand von der Symmetrieachse [m]
0 10 20 30 40 50 60 70
0,0

2,0

4,0
Eckturm

Reichstagsgebäude

Setzung [cm]

Setzung infolge der Neubaulast


Langzeitsetzungen aus allmählichem Lasttransfer
von den Holzpfählen auf den Baugrund

Bild 9: Berechnete Setzungsmulde (Schnitt 1-1)

1.1.4 Gründungselemente des umgebauten Reichstags

Der gesamte innere Gebäudeteil wurde vor dem Umbau des Reichstags rückgebaut. Der
neue Plenarsaal und die Kuppel wurden auf 90 mantel- und fußverpressten Bohrpfählen mit
einem Durchmesser von 0,9-1,5 m und einer Länge von 15-27 m gegründet (Bild 10).
Um die Setzungen von neuen und alten Gebäudeteilen zu vergleichmäßigen, wurden Klein-
bohrverpresspfähle eingesetzt. Diese Pfähle wurden außerdem in hochbelasteten Bereichen
zur Verstärkung der bestehenden Flachgründungen im Sinne der ressourcenschonenden
Nutzung des Altbestandes verwendet (Katzenbach et al. 2003a, Katzenbach et al. 2004). In
anderen Bereichen, z. B. unter den Aufzügen, wurden bodenvermörtelte Körper nach dem
Düsenstrahlverfahren hergestellt.

1.2 Berliner Hochhäuser


Einer der entscheidenden Auslöser für die vor vier Jahrzehnten an der TU Darmstadt be-
gonnene Tiefbauforschungen für die Frankfurter Böden waren die großen Setzungen und
Verkantungen der Hochhäuser der ersten Frankfurter Hochhausgeneration, die mangels ge-
eigneter technischer Gerätschaften und wegen der fehlenden theoretischen Grundlagen flach
gegründet werden mussten. Diese Hochhäuser haben sich um bis zu 35 cm gesetzt und zum
Teil um 10 cm und mehr schiefgestellt.
240 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

60
Bestand
50
Kalksteinmauerwerk auf unbewehrter Betonplatte
40 1 und Holzpfählen

30 2 Kalksteinmauerwerk auf unbewehrter Betonplatte

20 3 Kalksteinmauerwerk

10 Neue Gründungselemente

GW 4 Verpresspfähle mit kleinem Durchmesser

-10 3 5 5 2 2
5 Bodenvermörtelung nach Düsenstrahlverfahren
1 1
-20 6 Bohrpfähle
4 4
6 6

Bild 10: Alte und neue Gründungselemente des Reichstags (Nord-Süd-Schnitt)


Um diese Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit zu minimieren, wurde an der TU
Darmstadt in enger Kooperation mit der TU Berlin und der Ingenieurpraxis ein wirtschaft-
lich optimiertes und allen Ansprüchen bezüglich Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit
und Herstellbarkeit genügendes Gründungskonzept in Form der Kombinierten Pfahl-
Plattengründung (KPP) entwickelt (Hanisch et al. 2002, Richter et al. 1996, Katzenbach et
al. 1997).

Bild 11: Sony-Center am Potsdamer Platz


Als Beispiele für die Umsetzung dieser neuen Gründungstechnologie in Berlin sollen die
Gründungen folgender Projekte vorgestellt werden:
x Hochhaus des Sony-Centers am Potsdamer Platz
x Hochhaus Treptowers an der Spree
Das Hochhaus des Sony-Centers wurde – unmittelbar benachbart zum Regionalbahnhof am
Potsdamer Platz – auf einer Grundfläche von rd. 75 m x 32 m mit etwa 103 m Höhe errich-
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 241

tet (Bild 11). Die Gründung des Gebäudes liegt 10 m tief unter der Geländeoberfläche und
8 m hoch oberhalb der Gründung des benachbarten Regionalbahnhofs. Da die Lasten aus
der Hochhausgründung auf den Bahnhof begrenzt sind und daher zum Teil in den tieferen
Untergrund transferiert werden müssen, wurde für den zentralen Hochhauskern und unter-
geordnet auch für die Tiefgaragengründung eine KPP vorgesehen. Die 1,5 m dicken Pfähle
wurden 20 m bis 25 m tief unter die Gründungsplatte geführt.

Bild 12: Hochhaus Treptowers


Direkt neben der Spree wurde im Bezirk Treptow mit einer Grundfläche von etwa 1.400 m²
das 121 m hohe Hochhaus Treptowers errichtet (Bild 12). Die Hochhausfundamentierung
(KPP) besteht aus 13 m bis 16,5 m langen Pfählen und einer abgetreppten, bis zu 3 m di-
cken Fundamenplatte. Zur Optimierung der KPP wurden an der TU Berlin und der TU
Darmstadt umfangreiche, nichtlineare, dreidimensionale Finite Element Berechnungen
durchgeführt (Katzenbach & Reul 1997) (Bild 13).

2 Verkehrswegebau
2.1 Belastungsversuch am historischen Bahndamm
Ausgangspunkt der Kooperation zwischen der TU Berlin und der TU Darmstadt im Ver-
kehrswegebau sind theoretische und experimentelle Standsicherheitsuntersuchungen an his-
242 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

torischen, etwa 100 Jahre alten Bahndämmen, die u.a. an der DB Strecke Uelzen-Langwedel
einen Streckenanteil von rd. 30% haben. Die dorten Bahndämme sind typisch für tausende
von Verkehrswegen, die auf historischen Dämmen verlaufen. Für die beispielhaft untersuch-
ten Bahndämme konnte theoretisch nach den derzeitigen technischen Regelwerken keine
ausreichende Standsicherheit nachgewiesen werden (Kvor, rechn. < 1,0), weil die Dammbö-
schungen übersteilt ausgeführt worden sind. Wegen der nach der Beobachtung zumin-
destens vorhandenen Gebrauchstauglichkeit und im Hinblick auf die –auch volkswirtschaft-
lich relevante– Zielsetzung, auf nachträgliche, kosten- und zeitintensive Ertüchtigungen der
historischen Bahndämme –falls möglich– zu verzichten, sind neue wissenschaftliche Unter-
suchungen unter Beiziehung der Methode der Experimentellen Statik in der bewährten Ko-
operation von der TU Berlin und der TU Darmstadt gemeinsam mit der Universität Kassel
und der Hochschule Bremen durchgeführt worden.

Bild 13: Finite Elemente Berechnungen Treptowers

2.1.1 Geometrie und Zusammensetzung der untersuchten Dämme

Die rd. 100 Jahre alten Dammbauwerke bestehen aus sehr locker gelagerten, enggestuften
Fein- bis Mittelsanden, die entsprechend der damaligen Möglichkeiten ohne qualifizierte
Verdichtung von Pferdefuhrwerken aus aufgeschüttet worden sind (Bild 14).
Die untersuchten Dämme sind bis zu 10 m hoch mit Böschungswinkeln bis zu 40° und be-
sitzen böschungsnahe Gleislagen. Sie weisen sowohl an der Dammböschung als auch an der
Dammkrone starken Bewuchs auf.
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 243

2.1.2 1:1 Belastungsversuch mit dem Belastungsfahrzeug BELFA


der Deutschen Bahn AG

Der 1:1 Belastungsversuch mit dem Belastungsfahrzeug BELFA der Deutschen Bahn AG
ist als Großversuch eines der zentralen Elemente der hier angewandten Methode der Expe-
rimentellen Statik, die ansonsten aus begleitenden Feld- und Laboruntersuchungen und aus
der numerischen Modellierung, Auswertung und Bewertung des 1:1 Belastungsversuchs
und der damit einhergehenden Extrapolation der Versuchsergebnisse auf den Grenzzustand
der Tragfähigkeit besteht.
10 20 30 40 50 N10
0,20
1
2,00 2

3,00 3
4
b = 37°-40° 4,20
5,20 5
6,00 6
6,80 m 6,60
7
8
9
10,00 10
0 2,5 5 7,5 10 [m] [m]

Bild 14: Baugrundverhältnisse eines beispielhaft ausgewählten Dammquerschnittes


Das Konzept der Experimentellen Statik beruht auf der Idee, durch Probebelastungen, d.h.
1:1 Bestandsuntersuchungen, den Nachweis einer ausreichenden Standsicherheit zu führen,
weil dies, insbesondere bei historischen bzw. älteren Baukörpern häufig mit einem rechneri-
schen Standsicherheitsnachweis nicht gelingt und so vorhandene standsicherheitserhöhende
Effekte wie z.B. die Durchwurzelung und Teilsättigung mit in den Standsicherheitsnachweis
einzubeziehen. Mit der Methodik der Experimentellen Statik sind bislang Straßen- und Ei-
senbahnbrücken (Steckel et al., 1995) und Einzelpfähle, wie z.B. beim Reichstag in Berlin
(Steffens et al., 1997) mit Erfolg getestet worden.
Im hier vorgestellten Fall wird der Bahndamm bis zur technischen Versuchsgrenzlast be-
lastet. Die Lastaufbringung erfolgt mit dem 31 m langen Belastungsfahrzeug BELFA (Bil-
der 15). Die Ballastierung besteht aus 10 Stahlbrammen, die gegen die Ladebrücke des
BELFA verspannt sind. Unter der Ladebrücke wurden 2 u 4 Hydraulikpressen im Abstand
von 1,6 m angeordnet, so dass über jede Hydraulikpresse eine Versuchslast von V = 225 kN
eingetragen und insgesamt als technische Versuchsgrenzlast 1.800 kN im 1:1 Belastungs-
versuch hydraulisch stufenlos aufgebracht werden konnte. Diese technische Versuchsgrenz-
last ist größer als alle Lasten, die bisher auf den Damm eingewirkt haben.
244 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

Messwagen

Stahlbrammen

Hydraulikpressen Hydraulikpressen

Bild 15: Belastungsfahrzeug BELFA


Während der steigenden Beanspruchung zeigt das Bauwerk Reaktionen, die online während
des gesamten Versuches gemessen werden. Zur Identifikation der tatsächlichen Reaktionen
des Dammkörpers auf die vom BELFA induzierten Einwirkungen sind induktive Wegauf-
nehmer auf dem Niveau UK Schotterbau, Extensometer und Inklinometer im gleisseitigen
Böschungskörper sowie Messbolzen mit Prismen für tachymetrische Messungen an der
Dammkrone und der gleisseitigen Dammböschung installiert worden (Bild 16).
Als Ergebnis des Belastungsversuchs sind unerwartet hohe Tragreserven festgestellt worden
(Katzenbach et al. 2003b). Im Bild 17 ist die im 1:1 Belastungsversuch gemessene Last-
Setzungskurve dargestellt. Die während des Versuches gemessenen Setzungen (Bild 17)
sind mit 0,4 cm 10-mal kleiner als die Prognosewerte, die mit zuvor vor Ort ermittelten
Steifigkeitsparametern mit der FEM berechnet worden sind. Die gemessenen Setzungen
können bisher nicht erklärt werden, da die vor dem Versuch durchgeführten, bodenmecha-
nischen Labor- und Feldversuche die außerordentlich lockere Lagerung, d.h. eine geringe
Scherfestigkeit und eine große Zusammendrückbarkeit des Dammschüttmaterials, zweifels-
frei ausgewiesen haben.
1 Kraftmessung

21 22 23 24 25 26 27 28 21 Induktiver
1 3 5 7 Wegaufnehmer

Extensometer
2 4 6 8
Inklinometer
11 12 13 14 15 16 17 18

Quertraversen

Krafteinleitung durch BELFA 0 2 4 6 8 [m]

Bild 16: Messinstrumentierungen für den Belastungsversuch


Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 245

Es gibt bislang keine theoretischen Nachweismodelle, mit denen es möglich ist, die im 1:1
Belastungsversuch festgestellte, große Tragfähigkeit des Dammes nachzuweisen. Dies ist
ein Grundsatzproblem von locker gelagerten, rolligen Böden bzw. von weichen bindigen
Böden, so dass die TU Berlin und die TU Darmstadt gemeinsam mit der Universität Kassel
eine weitergehende Forschungsinitiative zur Klärung der im Belastungsbereich identifizier-
ten Phänomene ergriffen haben. Dabei wird u. a. auf die an der TU Berlin entwickelten,
nichtlinearen Materialmodelle (Richter 1979, Savidis 1978) der Untersuchungen zur dyna-
mischen Bauwerk-Tragwerk-Interaktion zurückgegriffen (Savidis & Schuppe 1982, Savidis
& Vetrros 1998).
Belastung [kN/m²]

0 20 40 60 80 100 120 140


0,0

0,1
Verkehrslast Versuchsgrenzlast
pRIL = 60 kN/m² pBELFA = 125 kN/m²

0,2

0,3

0,4

Setzung [cm]

Bild 17: Gemessene Last-Setzungskurve

2.2 Experimentelle Untersuchungen zum Schwingungs-


verhalten von Bahnstrecken auf weichem Untergrund
Während des Überfahrt eines Zuges kommt es zu Schwingungen im Baugrund, die mit
anhaltenden Verformungen des Gleiskörpers verbunden sind und instabile Gleislagen mit
erheblichen Einschränkungen der Streckenverfügbarkeit zur Folge haben (Savidis et al.
1999, Katzenbach & Heineke 1999). Ziel bautechnischer Maßnahmen ist es daher, die
Schwingungen durch eine technisch und wirtschaftlich optimierte Streckenertüchtigung zu
minimieren.
Zur Erforschung des Schwingungsverhaltens verschiedener Baugrundertüchtigungs-
varianten (Bild 18) haben die TU Berlin und die TU Darmstadt gemeinsam mit GuD und
dem Fraunhofer Institut Porenwasser- und Sohldruckmessungen, kombiniert mit
Schwingungsmessungen an einem 300 m langen Testfeld durchgeführt, das auf den fünf, je
30 m langen Teststrecken TS0-TS4 besteht (Katzenbach et al. 2004). Die Baugrund-
verbesserung wurde mittels Kalk-Zement-Säulen hergestellt.
246 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner
TS0 TS1 TS2 TS3 TS4

10 m

Weichschichten (Klei)
Tragfähige Schicht (Sande)

Bild 18: Geometrische Konfiguration der Teststrecken TS0 bis TS4


Im Testfeld stehen unter einer 10 m dicken Weichschicht gut tragfähige, mitteldicht bis
dicht gelagerte Sande an; der Grundwasserspiegel befindet sich in 1 m Tiefe unter der
Geländeoberfläche. In Bild 19 ist beispielhaft das Ergebnis der Sohlspannungsmessungen
für einen Güterzug mit VGZ = 50 km/h dargstellt.
Bild 20 zeigt exemplarisch die Porenwasserdruckzunahme während der Überfahrt eines
Güterzuges mit 32 Waggons bei einer Geschwindigkeit von VGZ = 30 km/h für die
Teststrecken TS0, TS1 und TS4. Die Messungen weisen während der Zugüberfahrt für alle
Teststrecken nur sehr geringe Porenwasserdruckzunahmen aus, für die Teststrecke TS1 lie-
gen diese im Bereich von pmax d 3 kN/m², bei der Teststrecke TS4 wurden praktisch keine
Porenwasserdruckzunahmen registriert. Mit zunehmender Säulenanzahl nimmt die Poren-
wasserdruckzunahme ab, was i.W. auf den Lastabtrag über die Säulen zurückzuführen ist.

Bild 19: Ergebnis der Sohlspannungsmessungen für einen Güterzug mit VGZ = 30 km/h
Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 247

Teststrecke TS0

Teststrecke TS1

Teststrecke TS4

Bild 20: Ergebnis der Porenwasserdruckmessungen für einen Güterzug mit VGZ = 30 km/h
Zur Ermittlung des Schwingungsverhaltens des Baugrundes während der Zugüberfahrt wur-
den Beschleunigungsmessungen in Tiefen von 1 m, 3 m und 6 m durchgeführt, deren Er-
gebnisse in Scherdehnungen umgerechnet wurden. In Bild 21 ist die überlineare Zunahme
der berechneten Scherdehnung in einer Tiefe von 3 m für die maßgebenden Güterzüge für
verschiedene Zuggeschwindigkeiten dargestellt.
Die Messungen ermöglichen die Quantifizierung und Bewertung der geschwindigkeits-
abhängigen Beanspruchung eines säulenförmig ertüchtigten Baugrundes und tragen ent-
scheidend zu einer verbesserten Analyse der Baugrund-Fahrweg-Interaktion von Bahnstre-
cken auf weichem Untergrund bei. Aufbauend auf den Messungen erfolgte die Kalibrierung
eines numerischen Modells, mit dessen Hilfe eine Übertragung auf von den Feldversuchen
abweichende Baugrundverhältnisse (Schichtung, Steifigkeit, Dicke der Weichschicht etc.)
möglich ist.
Parallel zu den Schwingungsmessungen im Feld wurden auch am numerischen Modell die
effektiven Schwinggeschwindigkeiten für verschiedene Zuggeschwindigkeiten ausgewertet
248 R. Katzenbach, M. Ittershagen, H. Ramm, A. Werner

und den Messungen gegenübergestellt (Bild 22). Die in Bild 22 durchgezogenen Aus-
gleichskurven basieren auf dem exponentiellen Ansatz von Rehfeld (2000). Der beispielhaf-
te Vergleich für die verschiedenen Teststrecken TS0, TS1 und TS4 zeigt eine für dynami-
sche Berechnungen gute Übereinstimmung zwischen Messung und Simulation, das dynami-
sche Verhalten wird vom Modell gut wiedergegeben.

Bild 21: Ergebnis der Schwingungsmessungen in den Teststrecken TS0 bis TS4 für Güterzüge
Die Untersuchungen zeigen, dass sich die dynamischen Beanspruchungen des Baugrundes
durch Anordnung einer tiefen- und standortoptimierten Baugrundverbesserung mit Kalk-
Zement-Säulen ressourcenschonend und kostengünstig reduzieren lassen. Es wurde festge-
stellt, dass zusätzliche Säulen nicht den gleichen zusätzlichen Reduzierungseffekt bewirken,
so dass stets eine projektspezifische Optimierung erforderlich ist.

Teststrecke TS0 Teststrecke TS1 Teststrecke TS4

Bild 22: Vergleich der gemessenen und berechneten effektiven Schwinggeschwindigkeiten


Forschungs-Kooperation TU Berlin/TU Darmstadt 249

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251

Bodenbewehrung – offene Fragen

Kolymbas, Dimitrios

Zusammenfassung
Bodenbewehrung wird im Grundbau durch den Einbau von Ankern, Nageln,
Geokunststoffen und Dübeln erreicht. Wichtige Anwendungsgebiete sind die Sicherung von
Böschungen, Einschnitten und Untertagebauten. Die Tragwirkung der Bewehrung im
Grundbau ist - im Gegensatz zum Stahlbetonbau - nicht ganz geklärt. Viele Fragen bleiben
offen, auf einige davon wird in dieser Arbeit hingewiesen.

1 Einleitung
Der Begriff 'Bewehrung' wurde beim Stahlbeton eingeführt: Dort werden Zugkräfte durch
die Stahleinlagen übernommen. In der Bodenmechanik tritt Zug bzw. Biegung kaum auf.
Vielmehr soll die Bewehrung Blöcke zusammenhalten. Dabei kommen unterschiedliche
Wirkungsweisen in Frage (Abb. 1).
Die Ziele der Bodenbewehrung sind:
1. Erhöhung der Standsicherheit
2. Verkleinerung der Verformungen (durch Verspannung des Bodens)
Man beachte den Unterschied zwischen Anker und Nagel. Dieser Unterschied wird im
Tunnelbau oft übersehen.

Bild 1: Wirkungsweisen von Stahleinlagen


252 D. Kolymbas

Die angenommene Richtung der Ankerkraft ist parallel bzw. senkrecht zum Anker bzw.
Dübel. Ist diese Annahme kompatibel zur Kinematik? Dazu betrachte man Abb. 12, in
welcher die an einem Anker angreifenden Kräfte nach SCHLOSSER dargestellt sind.

Bild 2: Richtung der resultierenden Ankerkraft

2 Homogenisierung
Bei mehrfacher Vernagelung stellt sich die Frage: Kann der bewehrte Boden als homogener
Körper betrachtet werden? Eine alternative Formulierung ist: Lassen sich Nägel
'verschmieren'? Ab welcher Nageldichte ist dies zulässig?

2.1 Bewehrter Boden als homogenes Medium


Alternativ zur Betrachtung jeder einzelnen Bewehrungseinlage (z.B. Nagel) kann man (im
Sinne der sog. Mischungstheorie) die Bewehrung in einem Bodenbereich 'verschmieren'.
Der Boden wird so zu einem homogenen Medium, dessen Punkte simultan durch
Bodenkörner und Bewehrungseinlagen belegt sind.1 Für den Fall, daß die Bewehrung durch
parallele gerade Fasern bewerkstelligt wird, kann man den Spannungszustand V ij im
bewehrten Boden als Überlagerung des Spannungszustandes V f ij in den Fasern und des
Spannungszustandes V s ij im Boden betrachten. Sei V f die Zugspannung innerhalb jeder
Faser, P der Volumen- bzw. Flächenanteil der Faser (d.h. der Bewehrungsgrad) und
2
d d i der Einheitsvektor in Richtung der Faser, so gilt

V
f ij  PV f d … d  PV f d i d j ,

1
Siehe z.B. P. de Buhan, R. Mangiavacchi, R. Nova, G. Pellegrini, J. Salencon: Yield design of reinforced earth walls
by a homogenization method. Géotechnique 39, No. 2, 189-201 (1989)
2
Zug ist hier negativ
Bodenbewehrung – offene Fragen 253

denn der Spannungsvektor t auf einem Flächenelement mit der Einheitsnormalen n beträgt
 PV f d d ˜ n  PV f d … d n mit d ˜ n cos D (siehe Abb. 3).

Bild 3: Zur Definition der Partialspannung V f im Faserbündel


Der Spannungszustand im Boden zwischen den einzelnen Fasern sei V s ij . Wenn wir ihn
über das gesamte betrachtete Volumen verschmieren, erhalten wir

V s ij 1  P V s ij
| Vs ij

für 1  P | 1. V f ij und V s ij sind die sog. Partialspannungen im Faserbündel und im Boden.


Wenn wir für die Partialspannung im Boden die Grenzbedingung nach MOHR-COULOMB
ansetzen, so erhalten wir3
V s 1  V s 2
d sin M
V s 1  V s 2
Für die Faser muss gelten V f d V 0f , wobei V 0f die Fließspannung ist.
Für den Fall, daß die Faser in x -Richtung verläuft (siehe Abb. 4), wirken auf einer
Schnittebene, deren Normale um den Winkel D geneigt ist, infolge der Partialspannung
V f PV f im Faserbündel die Normalspannung V f n V f sin D cos D und die
Schubspannung W f V f sin 2 D . Diese Spannung überlagert sich zur Bodenspannung V s f
und W s , was einer Ursprungsverschiebung im MOHR Diagramm gleichkommt.
Die zulässigen Wertepaare V n ,W der totalen Spannung V V f  V s befinden sich im
MOHR-COULOMBschen Fächer ABC, dessen Spitze A die erwähnte Ursprungsverschiebung
erlitten hat (siehe 5). Da der Betrag der Zugspannung in den Fasern im Bereich 0 d V f d V 0f
variieren kann, kann sich die Spitze A dementsprechend auf einem Punkt der Strecke OD

3
Der Boden wird hier als kohäsionslos angenommen, d.h. c = 0
254 D. Kolymbas

befinden (siehe Abb. 6). Verschiebt man die Spitze A auf dieser Strecke, so streift der
Fächer ABC den gesamten Bereich der zulässigen Spannungszustände.

Bild 4: Normal- uns Schubspannung auf einer Schnittebene mit der Normalen n

Bild 5: Zulässiger Bereich der Totalspannungen, wenn die Fasern unter der Zugspannung V f
stehen

2.2 Faserbewehrter Boden


Sandige Böden werden beim Einbau mit Kunststofffasern in Gewichtsanteilen von ca. 0,1
bis 0,4% versetzt. Die Fasern sind gleichmäßig in alle Richtungen verteilt (sog. ungerichtete
Bewehrung) und sind entweder 'endlos' (Verfahren TEXSOL) oder haben eine Länge von
Bodenbewehrung – offene Fragen 255

10 bis 20 cm (Verfahren FILASOL). Die Bewehrung mit Fasern erhöht die Kohäsion und
die Duktilität (Peakdehnung) des Bodens. Die Kohäsion wächst in etwa linear mit dem
Fasernanteil und wird anhand von Probebelastungen in situ (Plattendruckversuch an einer
Böschungskante) bestimmt. Der gemessene Wert wird um den Faktor 1/4,4 reduziert, um
die Zeitstandfestigkeit, Beschädigungen beim Einbau und Verdichtung u.s.w. abzudecken.
Scharfkantige Brechkornfraktionen sind nicht geeignet, da sie beim Einbau die Fasern
zerstören können. Faserbewehrter Boden kann begrünt werden.

Bild 6: Erlaubte Bereiche der Spannungszustände für D t M (a) und D d M (b)

3 Vernagelte Geländesprünge
Einschnitte und Böschungen können durch den Einbau von zugfesten Rundstäben (Nägeln,
nails) stabilisiert werden. Die Herstellung einer vernagelten Wand zur Sicherung eines
Einschnitts erfolgt dadurch, dass der Aushub lagenweise vorgenommen wird. Bei jeder
Lage (von i.a. 1 bis 1,5 m Tiefe) wird das freigelegte Erdreich mit bewehrtem Spritzbeton in
einer Dicke von 10 bis 25 cm gesichert (deshalb heißt eine vernagelte Wand auch
‚Spritzbetonwand') . Danach werden die Nägel eingebaut. Sie bestehen meist aus
Gewindestahl mit Durchmessern zwischen 20 und 28 mm. Die Vernagelungsdichte beträgt
ca. 1 Nagel pro m 2 . Die Länge der Nägel beträgt üblicherweise 50 bis 70 % der
Geländesprunghöhe. Die Nägel werden entweder eingerammt (mit verdickter Spitze) oder
256 D. Kolymbas

in vorgefertigte Bohrlöcher hineingesetzt. Der Ringspalt zwischen Nagel und Erdreich wird
durchgehend mit Zementmörtel verfüllt. Anschließend wird die nächste Lage ausgehoben
und in ähnlicher Weise gesichert. Vernagelte Wände weisen Ähnlichkeiten sowohl zu
verankerten Wänden als auch zur sog. bewehrten Erde auf. Der Unterschied zu den Ankern
besteht darin, dass letztere nur im Kopf- und Fußbereich kraftschlüssig mit dem Erdreich
verbunden und meist vorgespannt sind. Sie sind daher aufwendiger in der Herstellung. Bei
der bewehrten Erde wird, genau wie bei einer vernagelten Wand, der Boden mit zugfesten
Einlagen ertüchtigt. Während aber die Vernagelung im gewachsenen Boden vorgenommen
wird, werden die Einlagen bei der bewehrten Erde in geschütteten Boden eingesetzt. Das
Profil einer vernagelten Wand ist in Abb. 7 dargestellt. Der Nagelabstand a sollte zwischen
1 und 1,5 m gewählt werden, ferner sollte die Bedingung a  h 5 eingehalten werden. Der
horizontale Nagelabstand sollte zwischen 1 und 2 m liegen.
GÄSSLER4 hat durch Modellversuche im Feld und Labor nachgewiesen, dass das Versagen
einer vernagelten Wand meist als ein Starrkörper-Bruchmechanismus mit ebenen Gleitfugen
nach Abb. 10 eintritt.

Bild 7: Profil einer vernagelten Wand. Die Nagelneigung H liegt üblicherweise zwischen 0° und
30°. U wird zwischen -20° und 10° gewählt.
Der Block ABCF gleitet monolithisch an der Gleitfuge AB, die einige Nägel schneidet. Die
durch den Erdkeil BCD an der Gleitfuge BC ausgeübte Kraft Ea ist der aktive Erddruck auf
eine Wand mit der Neigung U und der Geländeneigung E . Wir betrachten das
Gleichgewicht aller Kräfte, die auf den Block ABCF wirken (siehe Abb. 8).
Einfachheitshalber nehmen wir dabei an, dass E U 0 gilt, sowie dass der Boden
kohäsionslos ist. Da wir einen Bruchzustand voraussetzen, sind alle Gleitfugenkräfte um

4
G. Gäßler: Vernagelte Geländesprünge – Tragverhalten und Standsicherheit, Veröffentlichungen des Instituts für
Bodenmechanik und Felsmechanik der Universität Karlsruhe, Heft 108, 1987
Bodenbewehrung – offene Fragen 257

den Winkel M gegen die Gleitfugennormale dermaßen geneigt, dass sie der Bewegung
entgegenwirken.

Bild 8: Kräftegleichgewicht am Block ABCF


Bei der Ermittlung des aktiven Erddrucks Ea muss eine evtl. vorhandene Auflast P1
berücksichtigt werden. Z ist die resultierende Zugkraft aus den freigeschnittenen Nägeln. Da
der Bruchzustand betrachtet wird, ist im Krafteck der Abb. 9 nicht die tatsächliche, sondern
die zum Grenzgleichgewicht erforderliche Zugkraft Z erf eingetragen. Die Neigung - der
Gleitfuge AB ist zunächst unbekannt. Daher muß sie solange variiert werden, bis Z erf
maximal wird. Dies ist der Fall für - -0 . Anschließend muß die erforderliche Nagelkraft
Z erf der tatsächlichen Nageltragfähigkeit Z vorh gegenübergestellt werden. Das Verhältnis
Z vorh / Z erf stellt die Sicherheit K z dar.
Zur Bestimmung der vorhandenen Nageltragfähigkeit benutzt man den experimentellen
Befund GÄSSLER, dass die Grenzmantelreibung W g der Nägel annähernd konstant über die
Nagellänge verteilt ist. Die pro Einheit der Nagellänge aufnehmbare Schubkraft beträgt
demnach Tg SdW g , wobei d der Nageldurchmesser ist. Tg (bzw. W g ) läßt sich kaum
berechnen und sollte anhand von Ausziehversuchen bestimmt werden. Es gilt nun
Z vorh Tg ¦ li / b , wobei ¦ li die Summe der Nagellängen im schraffierten Bereich der Abb.
10 und b der horizontale Nagelabstand ist. Mit den Bezeichnungen aus dieser Abbildung
und unter Heranziehung des Strahlensatzes folgt
a a a a
¦l i
L
l c  2 l  3 l c  ...  n l c
L L L
mit n | L / a . Somit ist
258 D. Kolymbas

Bild 9: Zur Berechnung von ¦l i

a n a n n  1 a n 2
¦l i l c¦ i
L i1 L
lc
2
| lc
L 2 (1)
2
l L 1 l tan -0  tan H
.
2a 2a cos H
!
Aus Z vorh K z Z erf kann mit Hilfe von Gleichung 1 der Nagelabstand a berechnet werden.
GÄSSLER hat experimentell nachgewiesen, dass die vernagelte Wand ein Verbundsystem
mit relativ geringen Verformungen unter Gebrauchslasten ist. Ferner hat er nachgewiesen,
dass eine dynamische Belastung aus schwerem Straßen- bzw. Baustellenverkehr zu keiner
Beeinträchtigung der Wand führt.
Der Nachweis einer ausreichenden Herausziehsicherheit K z betrifft die innere
Standsicherheit der vernagelten Wand. Die äußere Standsicherheit ist ebenfalls
nachzuweisen. Man kann dabei berücksichtigen, dass die Nachweise gegen Kippen und
Gleiten im Grundbruchnachweis enthalten sind. Für kleinere l/h-Werte kann auch der
Nachweis der Geländebruchsicherheit kritisch werden. Es soll dabei nachgewiesen werden,
dass kein Gleitkreis, der die vernagelte Wand enthält, abgleiten kann. Ferner ist die
Außenhaut aus bewehrtem Spritzbeton für den 0,85-fachen aktiven Erddruck nach
COULOMB und rechteckförmiger Erddruckverteilung auszuführen. Nägel werden auch zur
Sanierung von historischen Stützmauern aus Steinmauerwerk herangezogen.5 Der
Nagelkopf wird dabei unterhalb der Wandoberfläche verdeckt, damit ihr äußeres
Erscheinungsbild nicht beeinträchtigt wird.

5
E. Schwing: Standsicherheit historischer Stützwände, Veröffentlichungen des Instituts für Boden- und Felsmechanik
der Universität Karlsruhe, Heft 121,1991
Bodenbewehrung – offene Fragen 259

4 Vernagelung

Bild 10: Starrkörper-Bruchmechanismus einer vernagelten Wand


Bei vernagelter Wand: Bruchmechanismus nach Gäßler ergab sich im Feldversuch durch
Kronenbelastung. Ist dies realistisch? Eine weitere Frage ist: Welche Last kriegt der
Spritzbeton ab? Hierzu gibt es unterschiedliche Erfahrungen.

Bild 11: Idealisierung der Systemankerung


Hierzu gibt es noch keine klaren mechanischen Vorstellungen.
260 D. Kolymbas

5 Kraftverteilung im Nagel
Die Kraftverteilung im Nagel ergibt sich aus dem komplizierten Wechselspiel aller dort
angreifender Kräfte. Nachfolgend wird der Versuch unternommen, dieses Wechselspiel zu
analysieren.
Mit
u(r): Verschiebung des Gesteins in Richtung r des Nagels
v(r): Verschiebung des Nagels
s:=u-v: relative Verschiebung zwischen Gestein und Nagel
N: Normalkraft im Nagel
rb2S : Querschnittsfläche des Nagels
2Srb : Umfang des Nagels
Es : E-Modul des Nagels6

H vc
vc 2
N rb S
Es
lautet das Gleichgewicht in r-Richtung

N c  2SrbW 0

d.h.
2 Es
vcc  W 0 . (2)
rb
Diese Differentialgleichung kann nur ausgewertet werden, wenn wir wissen wie W mit der
Relativverschiebung s mobilisiert wird. D.h., die Funktion W s muß vorgegeben werden.
Mögliche Beispiele dafür sind in Abb. 12 dargestellt.

Bild 12: Typen von Mobilisierung der Mantelschubspannung

6
For simplicity, the transverse strain of the bolt is here neglected, i.e.~we assume vs 0
Bodenbewehrung – offene Fragen 261

Die Radialverschiebung u(r) wird entsprechend der elastoplastischen Lösung in einem


Gestein unter hydrostatischer Spannung angesetzt.
Für volumentreues plastisches Fließen gilt:
c V  c  p r02
u r ˜ exp f ˜ a p / r (3)
2G c r
Die Beziehung W s nach Abb. 12a kann ausgedrückt werden durch
­s ½
W W l ˜ Min ® ;1¾ (4)
¯ sl ¿
Gleichungen (2), (3) und (4) ergeben:
d 2 v 2 Es ­ a p / r  v ½
 ˜ W l ˜ Min ® ;1¾ 0
dr 2 rb ¯ sl ¿
Fall I ( s  sl ):
d 2vI 2 EsW l 2 E W a p 1
 vI  s l ˜
dr 2 r sl r sl r
 b

 b

q B

B
vcIc  qvI . (5)
r
Die Lösung der Differentialgleichung (5) lautet

vI C2 sin q r  C1 cos q r 
B
q
> @
Ci q r sin q r  Si q r cos q r

Randbedingungen:
1. r r0 : s u  vI 0 o vI r0 u r0 a p / r0
! Es
2. r r0  r1 : N A A1 , r1 : noch unbestimmt , d.h. vc r0  r1 A1 ˜
rb2S

r1 erhält man aus s r0  r1 sl , d.h.

u r0  r1  sl vI r0  r1 ,
a p
o vI r0  r1  sl
r0  r1
Fall II s t sl :
d 2v
qsl
dr 2
o vcII  qsl r  K1
1
vII  qsl r 2  K1r  K 2
2
262 D. Kolymbas

Randbedingungen:
r r0  l : N 0 o vcII r0  l 0
 qsl r0  l  K1 0 o
vcII qsl r0  l  r
1 § r·
o vII  qsl r 2  qsl r0  l r  K1 qsl r ¨ r0  l  ¸  K1
2 © 2 ¹

Die Übergangsbedingung für r r0  r1 lautet:


! Es
qsl l  r1 A1 (6)
rb2S

a p
vI r0  r1  sl (7)
r0  r1

(6) und (7) sind ein Gleichungssystem zur Bestimmung von r1 und A1 . N r r0 ist die
Ankerkraft, die auf den Ausbau wirkt.
Die hier dargestellten Differentialgleichungen sowie ihre Lösungsansätze sollen nur
mögliche Vorgehensweisen andeuten. Die darin aufscheinenden Funktionen müssen erst
durch Versuche näher festgelegt werden, bevor die Lösungsansätze numerisch weiter
bearbeitet werden.
263

Probebelastungen zur Ermittlung des Tragver-


haltens von Bohrpfählen in Tonstein

Linder, Wolf-Rüdiger

Zusammenfassung
Die normativen Anforderungen zur Durchführung von Pfahl-Probebelastungen werden dar-
gestellt und erläutert. Anschließend wird die Durchführung und Auswertung einer Serie von
Probebelastungen an Großbohrpfählen beschrieben, für die hohe Anforderungen zu erfüllen
waren, um das Trag- und das Deformationsverhalten sowie den Spitzenwiderstand und die
Mantelreibung verschiebungsabhängig zu erfassen und darzustellen.

Die Versuchsserie diente dem Zweck, die Bemessungsparameter für die Pfahl-
Plattengründung einer Autobahn-Talbrücke zu ermitteln, deren Gründung auf bindigen
Überlagerungsböden und im verwitterten Schluff- und Tonstein geplant war. Es wurden drei
Bohrpfähle ‡ 0,90 m hergestellt und probebelastet, deren Pfahlsohlen in unterschiedlicher
Tiefe im anstehenden Beckensediment bzw. im verwitterten Schluffstein/Tonstein abgesetzt
waren. Auf diese Weise konnten für diese Schichten bzw. Verwitterungsgrade verschie-
bungsabhängige Parameter für die Mantelreibung und den Spitzenwiderstand ermittelt wer-
den.

Für jeden Probepfahl wurden zwei lastgesteuerte und ein weggesteuerter Belastungszyklus
ausgeführt. Die Probebelastungen wurden bis zum deutlich erkennbaren Versagen der Pfäh-
le bei Gesamtsetzungen von über 0,13 x D (D = Pfahldurchmesser) gefahren.

Es werden sowohl die Aufgabenstellung und die Randbedingungen als auch die Herstellung
der Probepfähle, deren Instrumentierung, der Belastungsaufbau und die Durchführung der
Probebelastungen dargestellt.

Die Auswertung und Analyse der Ergebnisse wird detailliert beschrieben, wobei insbeson-
dere auf die Ermittlung der Verformungsparameter, die Ermittlung des Längskraftverlaufes
im Pfahl, der mobilisierten Mantelreibungen und Spitzenwiderstände und deren Wegab-
hängigkeit eingegangen wird.
264 W.-R. Linder

1 Einleitung
Das Tragverhalten von Einzelpfählen wird allgemein durch die Widerstands-
Verschiebungslinie beschrieben, bei der der Pfahlwiderstand bei einer am Pfahlkopf aufge-
brachten Belastung (Einwirkung) in Abhängigkeit von der Verschiebung (Setzung oder He-
bung) aufgetragen wird (Bild 1).

Bild 1: vereinfachtes Modell zum Tragverhalten von Pfählen

Während für einfach gelagerte Fälle die Ermittlung des Gesamtwiderstandes meist ausrei-
chend ist, muss für eine detailliertere Betrachtung zwischen den mit den Verschiebungen
unterschiedlich stark mobilisierten Spitzenwänden und Mantelreibungen differenziert wer-
den. Dies ist insbesondere für Nachweise der Gebrauchstauglichkeit und des Zusammen-
wirkens von Gründungsplatten und Pfählen bei kombinierten Pfahl-Plattengründungen er-
forderlich. Dabei ist die Trennung von Spitzenwiderstand und Mantelreibung ein formales
Hilfsmittel, da beide sich bei fortschreitenden Verschiebungen gegenseitig beeinflussen.

Mangels allgemein gültiger und anerkannter Verfahren zur Berechnung der Widerstands-
Verschiebungslinie, legen sowohl die geltenden als auch die zukünftigen Normen DIN 1054
und EN 1997-1 fest, dass grundsätzlich Probebelastungen durchgeführt werden sollten. Die
Bestimmung aus Erfahrungswerten ist jedoch zulässig und für einfach gelagerte Fälle aus
Kosten- und Termingründen das übliche Verfahren.

DIN 1054 enthält Auflistungen solcher Erfahrungswerte und Regeln für die Ermittlung der
Widerstand-Verschiebungslinie (Bild 2). Die Erfahrungswerte sind dabei konservativ ange-
setzt und in der Norm auch nur informativ gegeben, so dass außer in einfach gelagerten Fäl-
len, bei denen die Gründung der Geotechnischen Kategorie GK1 zuzuordnen ist, ihre Bestä-
tigung durch eine Sachverständigen für Geotechnik gefordert wird
Probebelastungen von Bohrpfählen 265

Bild 2: Ermittlung der charakteristischen Widerstands-Setzungslinie nach DIN 1054


(Beispiel)

2 Projekt Hungerbachtalbrücke
Für die „Südharz Autobahn“ A 38 Göttingen - Halle ist zwischen Nordhausen und Sanger-
hausen die Hungerbachtalbrücke im Bau (Bild 3). Die Gründung dieser Brücke war als
kombinierte Pfahl-Plattengründung auf den anstehenden bindigen Überlagerungsböden und
dem verwitterten Schluff-/Tonstein vorgesehen. Zum Nachweis der inneren und der äußeren
Tragfähigkeit der Gründungspfähle sowie zur Bestimmung der Deformations-Parameter für
die Pfahl-Plattengründung waren drei Probepfähle herzustellen, Probebelastungen an diesen
auszuführen und eine Vielzahl ergänzender Bodenerkundungen durchzuführen.

Bild 3: geplantes Brückenbauwerk


266 W.-R. Linder

3 Baugrundverhältnisse
Zwei vor der Pfahlherstellung in unmittelbarer Nähe des Versuchsgeländes abgeteufte Auf-
schlußbohrungen und Beobachtungen beim Abteufen der Pfahlbohrungen ergaben folgen-
den Baugrundaufbau (Bild 4).

Bild 4: Untergrundprofil und Probepfähle

Oberflächennah stehen bis in 2 m bis 3 m Tiefe Lösslehme mit weicher Konsistenz an, ge-
folgt von tonigen Beckensedimenten mit steifer bis halbfester Konsistenz, die von Sandlin-
sen durchsetzt sein können. Ab etwa 13 m Tiefe folgen verwitterte Tonstein-, Schluffstein-
und Buntsandstein-Zersatzschichten, deren Verwitterungsgrad mit der Tiefe ab- und deren
Festigkeit entsprechend zunimmt. Bei den Pfahlbohrungen wurde bis ca. 18 m Tiefe starker
und darunter mittlerer Verwitterungsgrad mit gering verwitterten bankigen Zwischenlagen
erkannt.
Der Untergrund ist allgemein von geringer Wasserdurchlässigkeit. In zu Pegeln ausgebauten Boh-
rungen wurde der Grundwasserstand etwa 2 m unter der Geländeoberfläche registriert.

4 Vorgaben
Für die Pfahl-Probebelastungen war ein Probefeld zwischen den Achsen 60 und 70 des Brü-
ckenbauwerkes vorgegeben, in dem typische Baugrundverhältnisse erwartet wurden
(Bild 5).
Probebelastungen von Bohrpfählen 267

Bild 5: Versuchsgelände

Für die Untersuchungen waren drei verschieden lange Probepfähle herzustellen, um die
maßgebende äußere Tragfähigkeit für unterschiedliche Einbindetiefen in die Überlagerungs-
schichten und die unterliegenden verwitterten Schluffstein/Tonsteinformationen nachzuwei-
sen. Aufgrund von Voruntersuchungen waren die Pfahllängen vorgegeben und Prüflasten
abgeschätzt worden. In Tabelle 1 sind diese Angaben mit den tatsächlichen Versuchslasten
und erreichten Setzungen angegeben:
Tabelle 1: Pfahllängen, Versuchslasten und Setzungen
Pfahl Durch- Länge Pfahlfuß in Vorgesehene erreichte maximale
messer Prüflast Maximallast Setzung

1 0,90m 10,0m Beckensediment 2,5 MN 3,0 MN 138 mm


2 0,90m 14,5m Buntsand- 5,0 MN 7,3 MN 121 mm
stein/Tonstein
verwittert
3 0,90m 20,0m Buntsandstein 9,0 MN 14,5 MN 131 mm
gering verwittert

Für die Versuchsdurchführung war vorgegeben,

x die Pfähle in zwei lastgesteuerten Belastungszyklen und einem anschließenden weg-


gesteuerten Zyklus bis zur Grenzlast der äußeren Tragfähigkeit zu belasten;

x die Versuchslasten mittels hydraulischer Pressen aufzubringen und durch Kraftmess-


dosen zu kontrollieren;
268 W.-R. Linder

x die vertikalen und horizontalen Pfahlkopfverschiebungen mittels induktiver und ana-


loger Wegaufnehmer zu registrieren. Die vertikalen Verschiebungen wurden an ge-
genüberliegenden Seiten des Pfahlkopfes, die horizontalen Verschiebungen in zwei
zueinander senkrecht stehenden Richtungen erfasst;

x der Längskraftverlauf im Pfahl war indirekt über die Pfahlstauchungen zu messen.


Hierzu wurden integrale „Dehnungsgeber“ in ausgewählten Meßquerschnitten paar-
weise am Pfahlschaft angeordnet;

x der Spitzendruck war direkt mit vollflächigen ölhydraulischen Druckkissen zu erfas-


sen;

x alle elektronischen Messgeräte waren an Multiplexer anzuschließen, um sie über Da-


tenlogger zu steuern und die Daten über PC tabellarisch und in Diagrammen auszule-
sen, darzustellen und zu speichern.

In Bild 6 ist der gewählte Versuchsaufbau dargestellt.

Bild 6: Versuchsaufbau Pfahl 3


Probebelastungen von Bohrpfählen 269

5 Pfahlherstellung
Die Pfahlbohrungen wurden nach DIN 4014/ EN 1536 als verrohrte Großbohrungen
‡ 0,90m mit einem Großbohrgerät und Kelly-geführten Schnecken und Bohreimern abge-
teuft (Bild 7). Unterhalb des Grundwasserspiegels wurde mit Wasserauflast ! 1,0 m ge-
bohrt. In den Überlagerungsböden und in verwittertem Fels wurde mit voreilender Verroh-
rung gebohrt, nur in Zonen gering verwitterten Fels auch mit nacheilender Verrohrung.

Nach Erreichen der Endtiefe wurden die Bohrlöcher gereinigt, die Bewehrungskörbe einge-
setzt und die Pfähle mit fließfähigem Beton der Güte B 35 im Kontraktorverfahren bis OK-
Gelände betoniert.

Die Pfahlbewehrungen wurden als Ganzes werksmäßig vorgefertigt und angeliefert. Auf der
Baustelle wurden die Bewehrungskörbe um die Pfahlfuß-Druckmessdosen und die Deh-
nungsgeber ergänzt. Alle Messkabel wurden in Bündeln zusammengefasst, an ausgewählten
Längsstäben befestigt und am Kopf der Körbe für den Einbau und die Betonierung ver-
wahrt.

Bild 7: Bohrarbeiten

Unmittelbar nach der Betonierung der Probepfähle wurden überschüssiger Beton vom
Pfahlkopf entfernt, die Anschlussbewehrung gereinigt, die Messkabel gesichert und in
Schutzschläuchen seitlich aus dem Pfahlschaft herausgeführt.

Nach Erhärtung des Betons der Pfahlschäfte wurden dynamische Integritätsversuche ausge-
führt, die allen Pfählen eine durchgehend gute Qualität bestätigten.
270 W.-R. Linder

Da die Probebelastungen mit zwei bzw. vier parallel geschalteten hydraulischen Pressen
ausgeführt wurden, waren Pfahlkopfverbreiterungen auf 2,0 m erforderlich. Diese erhielten
eine Konsolbewehrung und wurden ebenfalls in B 35 hergestellt.

6 Instrumentierung
Die Instrumentierung der Pfahlschäfte bestand aus hydraulischen Pfahlfuß-Druckmessdosen
‡ 0,78 m und, zur Erfassung der Pfahlschaftverformungen, in entsprechend den Schicht-
grenzen des Untergrundes gewählten Tiefen angeordneten integralen Dehnungsgebern, Sys-
tem „schwingende Saite“ (Bilder 6, 7 und 8).

Zur Registrierung der vertikalen und horizontalen Verschiebungen des Pfahlkopfes wurden
jeweils zwei induktive und zwei analoge Wegaufnehmer angeordnet. Die Meßwege aller
Wegaufnehmer betrugen 100 mm bei 0,001 bzw. 0,01 mm Anzeigegenauigkeit.

Zur Erfassung der aufgebrachten Versuchslasten waren die Belastungspressen mit elektroni-
schen Kraftmessdosen ausgestattet. Zur Feinsteuerung der Pressen wurde eine hydraulische
Lastkonstanthaltung eingesetzt.

Alle elektronischen Meßgeräte wurden an Multiplex-Stationen angeschlossen, um die


Messwerte über Datalogger zu registrieren und die Daten über PC tabellarisch und in Dia-
grammen auszulesen, darzustellen und zu speichern.

Bild 8: Pfahlfuß Druckmessdose Bild 9: Integrale Dehnungsgeber

7 Widerlagerkonstruktion und Referenzsystem


Zur Verankerung der Widerlagerkonstruktionen wurden temporäre Einstabanker, St 555, ‡
63,5 mm, mit 12 m Krafteintragungslänge in stark bzw. gering verwittertem Fels symmet-
Probebelastungen von Bohrpfählen 271

risch zum Probepfahl und zur jeweiligen Widerlagerkonstruktion angeordnet (Bilder 5 und
6). Sie wurden mittels verrohrter Schneckenbohrung abgeteuft, mit geringem Druck ver-
presst und einen Tag später nachverpresst. Im Bereich der freien Ankerlänge waren durch
Fettung und ein PE-Überzugsrohr die Übertragung von Mantelreibung ausgeschlossen. Für
jeden Anker wurden Abnahmeprüfungen durchgeführt, um die sichere Aufnahme der Ver-
suchslasten zu prüfen und das Tragverhalten der Anker zu vergleichmäßigen.

Bild 10: Belastungsaufbau Pfahl 3

Als Widerlager diente für den im Beckensediment abgesetzten kürzesten Pfahl 1 eine an
vier vertikalen Ankern befestigte Belastungstraverse. Für die im stärker verwitterten bzw.
gering verwitterten Tonstein abgesetzten Pfähle 2 und 3 wurde eine radialsymmetrische Be-
lastungskrone eingesetzt und, entsprechend den vorgesehenen Versuchslasten, mit sechs
bzw. neun unter 15° zur Vertikalen nach außen geneigten Ankern gehalten (Bilder 5, 6 und
10).

Als Referenzsystem für die Verschiebungsmessungen diente ein Stahlrahmen mit Auflager-
punkten im Abstand von 4 m zur Pfahlachse. Die Kontrolle des Referenzsystems wurde
durch Fein-Nivellement (+/- 0,1 mm) von 20 m entfernten Festpunkten aus durchgeführt.
272 W.-R. Linder

8 Durchführung der Probebelastungen


Die Probebelastungen wurden fünf Wochen nach der Betonierung der Pfähle bzw. vier Wo-
chen nach der Betonierung der Pfahlköpfe durchgeführt.

Ausgehend von einer versuchstechnisch erforderlichen Vorlast von ca. 10 % der vorgesehe-
nen Versuchslast (vgl. Tabelle 2) wurde die Belastung in drei Zyklen aufgebracht. Die ers-
ten beiden Zyklen wurden lastgesteuert in 12 bis 15 Stufen bis ca. 50 % bzw. 75 % der vor-
gesehenen Versuchslast ausgeführt (Bild 11).
16000
04.11.2002 05.11.2002
15000
14000 17

13000
12000
11000 18

10000 Zyklus 1 Zyklus 2 Zyklus 3


9000 lastgesteuert lastgesteuert 16 weggesteuert
19
8000
12
7000
11
6000
10 13 20
5000 5 9
4000 4
6
3000 21
3 8 14
2000 2
1000 1 7 15
22
0
0 100 200 300 400 500 600 700 800
Zeit [min]

Bild 11: Laststufen und Belastungsvorgang Pfahl 3

Während der lastgesteuerten ersten beiden Zyklen wurden die Lasten, Verschiebungen und
Dehnungen nach 0‘, 2‘, 10‘, 15‘, 20‘, 30‘ und danach in 10 Minuten Intervallen visuell ab-
gelesen. Die elektronischen Messungen erfolgten im 1 bzw. 2-Minuten-Turnus. Die Last
wurde erst gesteigert, wenn die Setzungen einer Laststufe abgeklungen waren ('s  0,1 mm
/ 5 min).

Die Kontroll-Nivellements für die Pfahlkopfverschiebungen wurden jeweils zum Ende aus-
gewählter Laststufen ausgeführt.

Der weggesteuerte 3. Belastungszyklus wurde mit konstanter geringer Verschiebungsge-


schwindigkeit (0,5 bis 1,0 mm/min) bis zum offenkundigen Versagen der äußeren Tragfä-
higkeit des betreffenden Pfahles bei Setzungen von etwa 15 % des Pfahldurchmessers aus-
geführt. Dabei erfolgten die Ablesungen und die elektronischen Registrierungen der aufge-
brachten Lasten, der Verschiebungen und der Dehnungen in 2-Minuten Intervallen. An-
Probebelastungen von Bohrpfählen 273

schließend wurde bei der erreichten Höchstlast die Stabilisierung des erreichten Zustandes
abgewartet und danach weggesteuert bis zur Vorlast entlastet.

9 Versuchsergebnisse
Die zusammengefassten Versuchsergebnisse enthält Tabelle 2, die Widerstands-
Verschiebungslinien sind beispielhaft für Pfahl 3 in den Bildern 12 und 13 sowie zusam-
menfassend für alle Pfähle in Bild 14 aufgetragen. Die gemessenen Pfahlstauchungen sind
für Pfahl 3 in Bild 15 dargestellt.

Last [KN]
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000
0
1.Zyklus

2. Zyklus
20

40
Setzung [mm]

60
3. Zyklus

80

100

120

140

Bild 12: Widerstands-Verschiebungslinie für Pfahl 3

Um aus der aufgebrachten Versuchslast und den Pfahlstauchungen, Pfahlkopfverschiebun-


gen und Spitzendrücken die wirkende Längskraft und aus dieser die Mantelreibung und ihre
Wegabhängigkeit abzuleiten, sind genaue Kenntnisse des Pfahlquerschnittes und des Ver-
formungsmoduls des Pfahlwerkstoffes erforderlich. Während der Querschnitt ausreichend
genau über die Kontrolle des Betonierverlaufes ermittelt werden kann, muss der Verfor-
mungsmodul direkt im Pfahl gemessen werden. Messungen an Beton-Probekörpern oder die
Verwendung von Tabellenwerten gestatten erfahrungsgemäß keine ausreichende Genauig-
keit. Der Verformungsmodul wird daher am besten im Rahmen der Stauchungsmessungen
direkt ermittelt.
274 W.-R. Linder
Last [KN]
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000
0
1.Zyklus

2. Zyklus
20

40
Setzung [mm]

60
3. Zyklus
Spitzenwiderstand Mantelreibung

80

100

120

140

Bild 13: Gesamtwiderstand, Mantelreibung und Spitzenwiderstand für Pfahl 3

Last [KN]
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000
0

20

Pfahl 3
40

60 Pfahl 2
Setzung [mm]

80
Pfahl 1

100

120

140

160

Bild 14: Widerstands -Verschiebungslinien der Pfähle 1 bis 3

Hierzu wurde in einer geringen Tiefe unter dem Pfahlkopf, wo die Spannungen aus den
Pressenkräften bereits gleichmäßig verteilt waren, aber noch kein signifikanter Lastabtrag
durch Mantelreibung vorhanden war, ein zusätzlicher Messquerschnitt (MQ1 – siehe Bild 6)
angeordnet. Aus den in diesem Querschnitt gemessenen Stauchungen des Pfahles wurde der
wirksame E-Modul lastabhängig ermittelt und für die Berechnung der Längskräfte und der
tiefenabhängigen Mantelreibungen eingesetzt.

Die Kontrolle des so ermittelten Längskraftverlaufes durch die direkt gemessene Spitzenwi-
derstandsspannung ergab eine sehr gute Übereinstimmung (Bild 16).
Probebelastungen von Bohrpfählen 275

Es ist deutlich zu erkennen, dass mit wachsender Belastung der Lastabtrag zunehmend in
die Tiefe verlagert wird und dass tiefenabhängig unterschiedlich hohe Mantelreibungswerte
mobilisiert werden. Hinzuweisen ist auch auf die nach der Entlastung im Pfahl verbleibende
Vorspannung gegen den Boden. Diese ist eine der Ursachen für den flacheren Verlauf der
Ent- und Wiederbelastungsäste im Widerstands-Verschiebungsdiagramm (vgl. Bild 12).

Dehnung [x10 -6 m/m]


0
MQ0

-2 MQ1

MQ2
-4
838,97

lastgesteuert
1833,68
-6 2765
MQ3 3742,03
Tiefe [m]

-8 4547,9
5582
-10 6368,9
MQ4 7167,4
-12 8420,5

weggesteuert
10000
-14 12011,8
14579,5
-16 713,9
MQ5
-18

-20 MQ6
0 -200 -400 -600 -800 -1000 -1200 -1400 -1600

Bild 15: Pfahlstauchungen bei Pfahl 3

Längskraft [KN]
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000
0
MQ0

2 MQ1
Last:
4 MQ2
838,97
6 1833,68
2765
lastgesteuert

8 MQ3 3742,03
Tiefe [m]

4547,9
10 5582

MQ4 6368,9
12 7167,4
8420,5
weggesteuert

14 10000
12011,8
16 14579,5
MQ5
18

MQ6
20

Bild 16: Längskraftverlauf bei Pfahl 3


276 W.-R. Linder

Die aus dem Längskraftverlauf bei den unterschiedlichen Laststufen abgeleiteten Mantelrei-
bungsspannungen sind in Bild 16 aufgetragen. Es ist deutlich zu sehen, dass bei höheren
Laststufen nur noch in den tieferen Schichten signifikant Mantelreibung mobilisiert werden
konnte.

Weiterhin wurden die mobilisierten Mantelreibungs- und Spitzenwiderstandsspannungen


den jeweiligen tiefenabhängigen (d.h. um die Stauchungen des darüber liegenden Pfahlab-
schnittes bereinigten) Verschiebungen gegenübergestellt (Bilder 18 und 19).

Mantelreibung [KN/m²]
0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500
0
MQ0

2 MQ1

4 MQ2
838,97
6 1833,68
2765
8 MQ3 3742,03
Tiefe [m]

4547,9
10 5582
MQ4 6368,9
12 7167,4
8420,5
14 10000
12011,8
16 14579,5
MQ5
18

MQ6
20

Bild 17: mobilisierte Mantelreibungsspannungen bei Pfahl 3

Die Mantelreibung in den geringen und mittleren Tiefen, d.h. im Beckensediment und im
stark verwitterten Buntsandstein und Tonstein, zeigt auch bei größeren Verschiebungswe-
gen noch zunehmende Tendenz, während die Mantelreibung in größerer Tiefe und geringer
verwittertem Fels nach einem Peak bei ca. 30 mm Verschiebung bereits wieder deutlich ab-
fällt (Bild 18). Der Spitzenwiderstand zeigt dagegen bei allen Pfählen den zu erwartenden
kontinuierlich zunehmenden Verlauf (Bild 19). Dabei ist der maximal mobilisierbare Spit-
zenwiderstand bei Pfahl 1 und 2, die im Beckensediment bzw. im stark verwittertem Ton-
stein abgesetzt sind, erreicht bzw. nahezu erreicht. Der Spitzenwiderstand in Pfahl 3 war im
gering verwitterten Tonstein dagegen auch bei ca. 90 mm Verschiebung noch nicht ausge-
reizt (Bild 19).

Auffallend ist im Last-Zeitdiagramm von Pfahl 3 der Lastabfall im 3. Belastungszyklus


nach Erreichen einer maximalen Last von 14.500 kN (Bild 11). Der Pfahl war im gering
verwitterten Tonstein mit bankigen Zwischenlagen abgesetzt. Der Lastabfall ist typisches
Probebelastungen von Bohrpfählen 277

Zeichen für das Durchstanzen einer solchen Bank. Für die weitere Auswertung wurde dieser
lokale Einfluss deshalb nicht weiter berücksichtigt.

350

300
stark verwitterter
Buntsandstein/Tonstein P3 MQ 5-6
P2 MQ 4-5
250
P3 MQ 4-5
Mantelreibung [KN/m²]

P1 MQ 2-3

P1 MQ 3-4
200
gering verwitterter P2 MQ 2-3
Buntsandstein/Tonstein
P2 MQ 3-4

150 P3 MQ 2-3

Beckensediment/ P3 MQ 3-4
Ton
100

50

0
0 20 40 60 80 100 120 140 160
Verschiebung [mm]

Bild 18:: Arbeitslinien der Mantelreibung, Pfähle 1 bis 3 (Pfahldurchmesser D = 0,90 m)

12000

10000

Pfahl 3

8000
Spitzendruck [KN/m²]

6000
Pfahl 2

4000
Pfahl 1

2000

0
0 20 40 60 80 100 120 140 160
Verschiebung [mm]

Bild 19: Arbeitslinien des Spitzenwiderstandes, Pfähle 1 bis 3 (Pfahldurchmesser D = 0,90 m)


Die wesentlichsten Versuchsergebnisse der drei Probepfähle sind abschließend in Tabelle 2
zusammengestellt.
278 W.-R. Linder

Tabelle 2: Zusammenstellung der wichtigsten Versuchsergebnisse


1. Zyklus 2. Zyklus 3. Zyklus
lastgesteuert lastgesteuert weggesteuert*
Pfahl 1 Vorlast 340 kN 400 kN 400 kN
Belastungsgeschw. n.a. n.a. 1,0 mm/min.
max. Last 1.350 kN 2.150 kN 3.000 kN
max. Setzung 6.7 mm 37,9 mm 138,3 mm
bleibende Setzung 5,7 mm 35,2 mm 134,9 mm
max. Spitzenwiderst. 0,2 MPa 1,1 MPa 2,6 Mpa
max. Pfahlfußkraft 80 kN 450 kN 1.050 kN
bleib. Spitzenwiderst. 0,6 MPa 1,2 Mpa
bleib. Pfahlfußkraft 240 kN 500 kN
Pfahl 2 Vorlast 575 kN 475 kN 490 kN
Belastungsgeschw. n.a. n.a. 0,65mm/min
Max. Last 2.700 kN 5.000 kN 7.300 kN
Max. Setzung 17,14 mm 36,99 mm 121,03 mm
Bleibende Setzung 12,45 mm 31,20 mm 111,65 mm
Max. Spitzenwiderst. 0,45 MPa 2,05 MPa 5,40 MPa
Max. Pfahlfußkraft 180 kN 840 kN 2200 kN
Bleib. Spitzenwiderst. 0,70 MPa 2,80 MPa
Bleib. Pfahlfußkraft 280 kN 1.140 kN
Pfahl 3 Vorlast 830 kN 1000 kN 1.000 kN
Belastungsgeschw. n.a. n.a. 0,5 mm/min.
Max. Last 4.550 kN 7.150 kN 14.500 kN
Max. Setzung 9,10 mm 22,95 mm 130,65 mm
Bleibende Setzung 4,96 mm 14,96 mm 109,16 mm
Max. Spitzenwiderst. 0,27 MPa 0,80 MPa 9,99 MPa
Max. Pfahlfußkraft 110 kN 325 kN 4065 kN
Bleib. Spitzenwiderst. 0,08 MPa 0,15 MPa 3,34 MPa
Bleib. Pfahlfußkraft 33 kN 61 kN 1360 kN

Projektbeteiligte
Bauherr und Auftraggeber: DEGES
Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und –
bau GmbH
Zimmerstraße 54
10117 Berlin
Baugrundgutachten und GuD Ingenieurgesellschaft für Geotechnik
Bauüberwachung: und Umweltgeologie mbH
NL Leipzig
Arthur-Hoffmann-Straße 170
04277 Leipzig
Herstellung der Pfähle und Brückner Grundbau GmbH
Probebelastung: NL Süd-Ost
Cottaer Straße 2
01159 Dresden
279

Bemessung der Kombinierten Pfahl-Platten-


Gründungen (KPP) nach neuer
DIN 1054:2004-08 bzw. DIN 1045-1:2001-07
gezeigt am Beispiel
Hochhauskomplex „Föderation“ in Moskau-City

Pekoll, Oskar-H., Richter, Thomas

Zusammenfassung
Es wird im Allgemeinen die Nachweisführung für eine Kombinierte Pfahl-Plattengründung
am Beispiel eines 340 m hohen Hochhauses in Moskau unter Verwendung des neuen
Sicherheitskonzeptes in den DIN-Normen 1045 und 1054 erläutert.

Bild 1: Hochhauskomplex Föderation im geplanten Stadtteil „Miraks-City“

Hierzu werden die Grundlagen der Nachweisführung hinsichtlich der Tragfähigkeits- und
Gebrauchstauglichkeitsnachweise in beiden Normen zusammenfassend wiedergegeben.
280 O.-H. Pekoll, Th. Richter

Durch Anwendung der Pfahl-Plattengründung wird für das Hochhaus das zu erwartende
Setzungsmaß um ca. 60 % reduziert. Im Speziellen werden die Nachweise der
Gebrauchstauglichkeit und äußeren Tragfähigkeit des Gesamtsystems mit der inneren
Tragfähigkeit der Pfähle in Übereinstimmung mit den erwähnten Normen sowie der im
Jahre 2000 erschienenen KPP-Richtlinie geführt.

Im Ergebnis wird das Gesamtsetzungsmaß mit dazugehöriger Pfahlanordnung sowie der


Bewehrungsgrad der Pfahlgründung angegeben.

Im Resümee ist festzuhalten, dass durch Verwendung der neuen Sicherheitsdefinition ein
wirtschaftlich und sicherheitstechnisch konsistentes Nachweismodell existiert und
insbesondere durch die neuen Teilsicherheiten in der DIN 1045 der Bewehrungsanteil der
Pfähle um ca. 50 % im Vergleich zur alten Norm reduziert wird.

1 Allgemeines zur Kombinierten Pfahl-Platten-


gründung (KPP)
Die Kombinierte Pfahl-Plattengründung ist eine seit vielen Jahren in der Praxis bewerte
Gründungsart, bei der das kombinierte Tragverhalten einer durch Pfähle verstärkten
Gründungsplatte genutzt wird. Hierbei ist die Wechselwirkung zwischen Platte, Baugrund
und Pfahl, wie im Bild 2 skizziert, der maßgebliche mechanische Mechanismus, der durch
die verwendeten Rechenmodelle möglichst realitätsnah abgebildet werden sollte.

In der Vergangenheit wurden die ersten Hochhäuser in Frankfurt aus den praktischen
Bedürfnissen nach Setzungsreduktion mehr nach der Methode „trail and error“ als unter
Verwendung schlüssiger mechanischer Modelle realisiert. Erst in den letzten Jahren hat die
Rechentechnik in Verwendung von Messergebnissen aus realen Projekten es ermöglicht,
dieses komplexe Tragverhalten vergleichsweise realistisch abzubilden. Die Tragwirkung der
KPP lässt sich durch einen Pfahl-Platten-Koeffizienten DKPP beschreiben, welcher definiert,
welcher Anteil der Einwirkung Ftot,k über die Pfähle abgetragen wird. Der Pfahl-
Plattenkoeffizient kann zwischen dem unteren Grenzwert DKPP = 0 für eine Flachgründung
und dem oberen Grenzwert DKPP = 1 für eine Pfahlgründung liegen. Der Pfahl-Platten-
Koeffizient ist dabei wegen der hochgradigen Nichtlinearität, insbesondere des
Pfahltragverhaltens (Arbeitslinie), aber auch aus der Plattentragwirkung eine vom
Beanspruchungsniveau und daraus resultierend von der Setzung der KPP abhängige Größe.
Dieses führt in vielen Fällen dazu, dass beanspruchungsabhängig die Verteilung der
Einwirkung auf Pfahl und Platte ganz erheblich veränderlich ist.

Hinsichtlich der Einordnung dieser technisch und wirtschaftlich sehr effektiven


Gründungsmethode in das bestehende Normenwerk sind erstmals in der neuen DIN
Bemessung KPP nach neuer DIN 281

1054:2004-08 im Abschnitt 8.5.5 allgemeine Regelungen aufgenommen. Verwiesen wird


hinsichtlich der Bemessung auf die Richtlinie (KPP-Richtlinie: 2001) und den Umstand,
dass für den bauaufsichtlichen Verwendungsnachweis in der Regel eine bauliche Zulassung
oder Zustimmung im Einzelfall erforderlich ist.

2 Grundlagen der Berechnung

2.1 Allgemeine Nachweisführung - Grenzzustände

Ein Bauwerk hat während der Herstellung und der vorgesehenen Nutzungsdauer die
Anforderungen einerseits an die Tragfähigkeit und anderseits an die Gebrauchstauglichkeit
und Dauerhaftigkeit zu erfüllen.

Grenzzustände der Tragfähigkeit (GZ1)


(ULS – Ultimate Limit States)
sind Zustände deren Überschreiten rechnerisch zum Tragwerksversagen führen.

- Verlust des Gleichgewichtes des gesamten Bauwerkes oder einzelner Bauwerksteile


(Umstürzen, Gleiten, Aufschwimmen)
- Entstehung eines Mechanismus des Gesamttragwerkes oder von Tragwerksteilen
(kinematische Kette)
- Entstehung eines instabilen Zustandes des Gesamttragwerkes oder von Tragwerksteilen
(Stabilitätsverlust)
- Bruch oder dem Bruch gleichgestellte Verformungen an Tragwerksteilen
- Durch Tragwerksverformung beeinflusste Beanspruchungen

Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit (GZ2)


(SLS – Servicebillity Limit States)
sind entsprechende Bedingungen, bei deren Überscheitung die festgelegten Nutzungs-
anforderungen nicht mehr erfüllt sind.
- Unzulässig große Verformungen, Verschiebungen
- Rissbildungen
- Unzulässige Spannungen
- Unzulässige Schwingungen
- Verlust der Beständigkeit, Dichtigkeit
282 O.-H. Pekoll, Th. Richter

- Abheben von einzelnen Lagern ohne Gefahr des Umstürzens

Im Globalsicherheitskonzept der bisherigen deutschen Normen muss im Nachweis der


Standsicherheit (Tragfähigkeit) der Quotient aus Widerstand R und Beanspruchung E
größer als ein globaler Sicherheitsfaktor K sein.

Es konnte auch gleichzeitig der Widerstand mit einem globalen Sicherheitsfaktor


abgemindert werden.

Semiprobabilistisches Sicherheitskonzept

Der Eurocode und die neue DIN-Normenreihe basiert auf dem semiprobabilistischen
Sicherheitskonzept.

Die Größen der Einwirkungen und Widerstände sind keine feststehenden Werte, sondern
Zufallsgrößen.

Das Erreichen eines Grenzzustandes ist daher resultierend ebenfalls ein Zufallsereignis,
über welches mit wahrscheinlichkeitstheoretischen Überlegungen (Probabilistik) eine
quantitative Aussage gemacht werden kann.

Die Nachweisführung der neuen Normen im probabilistischen Sicherheitskonzept


berücksichtigt, dass die charakteristischen Werte der Einwirkungen Fki und die
charakteristischen Werte der Widerstände Rki aufgrund von statistischen Untersuchungen
streuende Größen sind. Es werden deshalb für Beanspruchungen und Widerstände jeweils
dem Charakter der jeweiligen Größe angepasste Sicherheiten definiert.

Für den Nachweis der Sicherheit gegen den Grenzzustand der Tragfähigkeit bzw. den
Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit ist der Nachweis zu erbringen, dass der
Bemessungswert der Beanspruchung Ed(design) nicht größer als der Bemessungswert des
Widerstandes Rd(design) ist.

Ed = Ed (6 Jfi ˜ \i ˜ Fki) d Rd = Rk/Jm (1)

Fk charakteristische Wert der Einwirkung


Jf zufällige Abweichung vom charakteristischen Wert und
Ungenauigkeiten im Rechenmodell der Einwirkungen
\ Wahrscheinlichkeit des gleichzeitigen Auftretens mehrerer voneinander
unabhängiger Einwirkungen ihrer charakteristischen Werte innerhalb
eines Bezugraumes
Rk charakteristische Wert des Widerstandes
Bemessung KPP nach neuer DIN 283

Jm(material) zufällige Abweichungen vom charakteristischen Wert und


Ungenauigkeiten im Rechenmodell für die Widerstände
Hinsichtlich der Eintrittswahrscheinlichkeit der Einwirkungen werden in DIN 1054
Sicherheitsklassen und Einwirkungskombinationen und hieraus entsprechend DIN 1055-100
Lastfälle definiert. Nachfolgende Tabellen geben die entsprechenden Regelungen der DIN
1055-100 wieder.
Tabelle 1: Unabhängige Einwirkungen für Hochbauten (DIN 1055-100, Tabelle A1.1)
Ständige Einwirkungen Veränderliche Außergewöhnliche Einwirkungen
Einwirkungen Qk,j Einwirkungen infolge Erdbeben
x Eigenlasten Gk x Verkehrs- und x Anpralllasten Ad,1 x Erdbebenein-
Nutzlasten Qk,N wirkungen AEd

x Vorspannung Pk x Schnee- und Eis- x Explosionslasten


lasten Qk,S Ad,2
x Erddruck Gk,E x Windlasten Qk,W x Bergsenkungen Ad,3
x Ständiger Flüssigkeits- x Temperaturein-
druck Gk,H wirkungen Qk,T

x Wasserdruck Qk,H
x Baugrundsetzung Qk,'

Tabelle 2: Kombinationsbeiwerte \i für Einwirkungen auf Hochbauten


(DIN 1055-100, Tabelle A1.2)
Veränderliche Einwirkungen \0 \1 \2
Nutzlasten Qk,N
Kategorie A: Wohn- und Aufenthaltsräume 0,7 0,5 0,3
Kategorie B: Büros 0,7 0,5 0,3
Kategorie C: Versammlungsräume 0,7 0,7 0,6
Kategorie D: Verkaufsräume 0,7 0,7 0,6
Kategorie E: Lagerräume 1,0 0,9 0,8
Verkehrslasten Qk,V
Kategorie F: Fahrzeuggewicht d 30 kN 0,7 0,7 0,6
Kategorie G: 30 kN < Fahrzeuggewicht d 160 kN 0,7 0,5 0,3
Kategorie H: Dächer 0 0 0
Schnee- und Eislasten Qk,S für Orte bis zu NN +1000 m 0,5 0,2 0
für Orte über NN +1000 m 0,7 0,5 0,2
Windlasten für Hochbauten Qk,W 0,6 0,5 0
Baugrundsetzung Qk,' 1,0 1,0 1,0
Sonstige Einwirkungen 0,8 0,7 0,5
284 O.-H. Pekoll, Th. Richter

Es ist für Einwirkungskombinationen, wie folgt zu superponieren.

Einwirkungskombinationen für Grenzzustände der Tragfähigkeit


(siehe DIN 1055-100, Pkt. 9.4)

Bemessungssituation für Einwirkungskombination

Ständige und vorübergehende Beanspruchung Ed ¦JG,i Gk,i † JPPk † JQ Qk,j † ¦JQ\0,i Qk,i

Außergewöhnliche Beanspruchung EdA ¦JGA,i Gk,i † JPAPk † Ad † \1,j Qk,j † ¦\2,i Qk,i

Bemessungssituation infolge Erdbeben EdAE ¦Gk,i † Pk † J1 AEd † ¦\2,1 Qk,i

† bedeutet: in Kombination mit


j: maßgebende veränderliche Einwirkung;
J1: Wichtungsfaktor für Erdbebenein-
wirkungen nach DIN 4149-1

2.2 Bemessung nach DIN 1045-1:2001-07


Im Stahlbetonbau erfolgt die Bemessung für die Tragfähigkeit als reine Querschnittsbe-
messung, was jedoch bei statisch unbestimmten Tragwerken noch nicht zu einem
Tragwerksversagen führt, da Systemreserven (z. B. Ausbildung von Fließgelenken) aktiviert
werden können, welche derzeit nur zum Teil genutzt werden.

In DIN 1045-1 sind vier Verfahren zur Schnittgrößenermittlung aufgeführt:

x Linear-elastisches Verfahren (Elastizitätstheorie)


x Linear-elastisches Verfahren mit Momentenumlagerung
x Verfahren nach der Plastizitätstheorie
x Nichtlineares Verfahren
Für die Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit (GZT) können die Schnittgrößen mit
allen vier Verfahren bestimmt werden.

Zur Ermittlung der Schnittgrößen für die Nachweise im Grenzzustand der


Gebrauchstauglichkeit (GZG) sind nur das linear-elastische Verfahren (Elastizitätstheorie)
und nichtlineare Verfahren erlaubt.

Der rechnerische Nachweis der Bemessung nach DIN 1045-1 erfolgt ebenfalls über die
Grenzzustände der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit.
Bemessung KPP nach neuer DIN 285

Grundsätzlich sind im Stahlbeton zwei unterschiedliche Bemessungssituationen zu


betrachten

- gewöhnliche Bemessungssituation
planmäßige Einwirkungen wie Eigenlasten, Verkehrslasten, Nutzlasten etc.
üblicherweise die Grundkombinationen
- außergewöhnliche Bemessungssituation
Katastrophenfälle wie Fahrzeuganprall, Explosionen, Erdbeben etc.

Der Nachweis der Tragfähigkeit erfolgt unter Verwendung von Teilsicherheitsbeiwerten auf
der Einwirkungsseite wie auch auf der Widerstandsseite.

Nachweisformat: Ed Bemessungswert der Beanspruchung (Schnittgröße, Spannung


oder Verformung), errechnet sich aus den charakteristischen
Werten der Einwirkungen bzw. Einwirkungskombinationen und
den dazugehörigen Teilsicherheitsbeiwerten (s. Tabelle 3)
Rd Bemessungswert des Tragwiderstands, errechnet sich aus den
charakteristischen Werten der Materialfestigkeiten (Nennwer-
ten) und den dazugehörigen Teilsicherheitsbeiwerten

E d d Rd (2)

Tabelle 3: Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen auf Tragwerke (DIN 1045-1 und 1055-100)
Ständige Einwirkungen Veränderliche Außergewöhnliche
Eigenlasten Gk,1 1),3),4) Vorspannung Pk Einwirkungen Gk,i 1),2) Einwirkungen Ak,i
ungünstig günstig ungünstig günstig ungünstig günstig ungünstig günstig
JG = 1,35 JG = 1,0 JP = 1,0 JP = 1,0 JQ = 1,5 - JA = 1,0 -
1)
Ermüdung : JF,fat = 1,0 für ständige und veränderliche Einwirkungen
2)
Zwang: JQ = 1,0 für linear-elastische Schnittgrößenermittlung mit
Steifigkeiten des ungerissenen Querschnitts mit dem
mittleren Elastizitätsmodul Ecm
3)
Fertigteile: JG = JQ = 1,15 für Bauzustände im Grenzzustand der Tragfähigkeit
für Biegung
4)
bei außergewöhnlichen Einwirkungen Berücksichtigung der Eigenlasten
mit JGA = 1,0

Abminderungsbeiwerte für Einwirkungen aus Nutzlasten in mehrgeschossigen Hochbauten


können gemäß DIN 1055-3:2002-10 bzw. DIN 1055-100:2001-03 mit Dn (Anzahl der Geschosse) =
0,7 + 0,6/n in Ansatz gebracht werden, wobei die Nutzlast aller Geschosse bei der
Ermittlung der Einwirkungskombination insgesamt als eine unabhängige veränderliche
Einwirkung aufzufassen ist. Wenn der charakteristische Wert der Nutzlasten in
286 O.-H. Pekoll, Th. Richter

Kombination mit anderen Einwirkungen durch einen Kombinationsbeiwert \ gemäß


Tabelle 2 abgemindert wird, darf die Abminderung mit dem Faktor Dn nicht angesetzt
werden.

Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit DIN 1045-1:2001-07

Die Nachweise in den Grenzzuständen der Gebrauchstauglichkeit umfassen:


Spannungsbegrenzung, Begrenzung der Rissbreiten und Begrenzung der Verformung

Die einzuhaltenden Grenzwerte sind in Abhängigkeit von der Bauart, der Einwirkungs-
kombination und den Expositionsklassen festgelegt.

Nachweisformat Ed Bemessungswert der Beanspruchung auf Grundlage der


Kombinationsregeln in Tafel 5.1 (siehe auch DIN 1055-
100)

Cd Bemessungswert des Gebrauchstauglichkeitskriteriums


(z. B. zulässige Spannung, Verformung, Rissbreiten)

E d d Cd (3)

2.3 Bemessung nach DIN 1054: 2004-8

Die DIN 1054: 2003-01 verwendet ebenfalls das semiprobabilistische Sicherheitskonzept.


Es ist zu beachten, dass bei der Umwandlung von charakteristischen Werten in
Bemessungswerte eine Einwirkung bzw. Beanspruchung immer als einheitliches Ganzes zu
behandeln ist. Wird eine Einwirkung bzw. Beanspruchung in Komponenten zerlegt, so sind
diese jeweils mit den gleichen Teilsicherheitsbeiwerten zu belegen.

Grenzzustände DIN 1054:2004-08


GZ 1 Grenzzustände der Tragfähigkeit DIN 1054:2004-08
(ULS – Ultimate Limit States)
x (GZ 1 A) Grenzzustand des Verlustes der Lagesicherheit
- Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen

- Nachweis der Sicherheit gegen Umkippen

- Nachweis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch

x (GZ 1 B) Grenzzustand des Versagens von Bauwerken und Bauteilen


- Nachweis der Sicherheit gegenüber Bruch im Bauwerk durch Baugrundbelastung

- Nachweis der Sicherheit gegenüber Bruch des Baugrundes (Grundbruch, Gleiten,

Versagen des Erdwiderlagers)


Bemessung KPP nach neuer DIN 287

x (GZ 1 C) Grenzzustand des Verlustes der Gesamtstandsicherheit


- Nachweis der Sicherheit gegenüber Böschungsbruch

- Nachweis der Sicherheit gegenüber Geländebruch

Tabelle 4: Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen /


DIN 1054:2004-08
Einwirkung Formelzeichen Lastfall
LF 1 LF 2 LF 3
GZ 1A: Grenzzustand des Verlustes der Lagesicherheit
Günstige ständige Einwirkungen JG,stb 0,90 0,90 0,95
Ungünstige ständige Einwirkungen JG,dst 1,00 1,00 1,00
Strömungskraft bei günstigem Untergrund JH 1,35 1,30 1,20
Strömungskraft bei ungünstigem Untergrund JH 1,80 1,60 1,35
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ,dst 1,50 1,30 1,00
GZ 1B: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken und Bauteilen
Ständige Einwirkungen allgemein a JG 1,35 1,20 1,00
Ständige Einwirkungen aus Erdruhedruck JE0g 1,20 1,10 1,00
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ 1,50 1,30 1,00
GZ 1C: Grenzzustand des Verlustes der Gesamtstandsicherheit
Ständige Einwirkungen JG 1,00 1,00 1,00
Ungünstige veränderliche Einwirkungen JQ 1,30 1,20 1,00
GZ 2: Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
JG = 1,00 für ständige Einwirkungen
JQ = 1,00 für ständige Einwirkungen
a
einschließlich ständigem und veränderlichen Wasserdruck

Es werden für Gründungen die Lastfälle LF 1 – LF 3 wie folgt definiert:

- Der Lastfall LF 1 ist, abgesehen von Bauzuständen, maßgebend für alle ständigen und
vorübergehenden Bemessungssituationen des aufliegenden Tragwerkes;

- Der Lastfall LF 2 ist maßgebend für vorübergehende Beanspruchungen der Gründung in


Bauzuständen des aufliegenden Tragwerkes;

- Der Lastfall LF 3 ist maßgebend für außergewöhnliche Bemessungssituationen des


aufliegenden Tragwerkes, soweit sich diese ungünstig auf die Gründung auswirken.

Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit GZ 2 (DIN 1054:2004-08)


(SLS – Servicebillity Limit States)
Dieser Grenzzustand wird erreicht, wenn das Bauwerk infolge Einwirkungen unbrauchbar
wird, ohne dass seine Tragfähigkeit verloren geht.
288 O.-H. Pekoll, Th. Richter

- Nachweis gegenüber einzuhaltende Verformungen bzw. Verschiebungen mit


charakteristischen Einwirkungen

3 Nachweis und Sicherheitskonzept der KPP

3.1 Anforderungen an ein Rechenmodell

In der KPP-Richtlinie (2001) wird wie folgt gefordert:

Das eingesetzte Rechenmodell muss in der Lage sein, das ermittelte Tragverhalten eines
entsprechenden Einzelpfahles rechnerisch zu simulieren und dabei sowohl den
Schervorgang am Pfahlmantel als auch den Kompressionsvorgang am Pfahlfuß qualitativ
und quantitativ richtig abzubilden.

Das eingesetzte Rechenmodell muss in der Lage sein, das Tragverhalten eines Einzelpfahles
auf das durch die Pfahl-Pfahl-Interaktion und die Pfahl-Platten-Interaktion beeinflusste
Tragverhalten der KPP zu übertragen und dabei die wesentlichen, hier im Bild 2,
dargestellten Interaktionseinflüsse und deren Auswirkungen auf das Tragverhalten der KPP
abzubilden.

Für den Entwurf und die Bemessung einer KPP stehen unterschiedliche
Berechnungsverfahren zur Verfügung, die auf verschiedenen Berechnungsansätzen und
Modellbildungen beruhen.

Das für die Bemessung einer KPP eingesetzte Berechnungsverfahren ist im Rahmen des
Entwurfs- und Bemessungsvorganges zu dokumentieren.

Bild 2: Kombinierte Pfahl-Plattengründung als geotechnische Verbundkonstruktion mit den das


Tragverhalten prägenden Interaktionseinflüssen
Bemessung KPP nach neuer DIN 289

3.2 Tragfähigkeitsnachweis [GZ1]


Äußere Tragfähigkeit Innere Tragfähigkeit
n
K˜ ¦ Fk ,i d R1, tot, k Schnittgrößenermittlung
und
i 1
Tragfähigkeitsnachweis im
Nachweis für die KPP Regelfall mit charakte-
als Gesamtsystem mit: ristischen Werten
KLF1 = 2,00 (alternativ: mit
Bemessungswerten) für
KLF2 = 1,75
Einwirkungen und Wider-
KLF3 = 1,50 standsgrößen entsprechend
den geltenden Baubestim-
mungen.

Anmerkung:
Kein Nachweis für den
Einzelpfahl erforderlich.
aus KPP-Richtlinie 2001

Zum Nachweis der äußeren Tragfähigkeit (Grenzzustand 1) der KPP sind in der Richtlinie
(KPP-Richtlinie: 2001) Bemessungsvorschriften im Abschnitt 7 angegeben. Zu erhalten
sind hieraus die folgenden Empfehlungen:

a) Bei Verwendung eines die Wechselwirkung erfassenden Rechenmodells erfolgt die


Berechnung der Widerstandssetzungslinie des Gesamtgründungskörpers unter Ansatz
globaler Sicherheiten auf die Einwirkungen. Die Beurteilung der Standsicherheit erfolgt
anhand des bei dieser Beanspruchung auftretenden Gesamtsetzungsmaßes.

b) In einfachen Fällen, d. h. bei z. B. geometrisch gleichmäßiger KPP im homogenen


Baugrund und zentrischer Einwirkung erfolgt der Nachweis der Gesamtstandsicherheit
über den Grundbruchnachweis für die Fundamentplatte unter Vernachlässigung der
vertikalen Tragfähigkeit der Pfähle und unter möglichem Ansatz der Dübelwirkung der
Pfähle in der Grundbruchfuge.

Da die in vielen Fällen in den wirklichkeitsnahen Rechenmodellen verwandten Stoffgesetze


für den Baugrund von sehr komplexer Natur sind, sollte die üblicherweise im Grundbau
mögliche Nachweisführung für den Grenzzustand der Tragfähigkeit durch Anwendung der
Felenius-Regel, d. h. Beaufschlagung des Systems mit J-fachen Einwirkungen und
Reduzierung der Scherfestigkeitsparameter bis zum Versagenszustand nicht angewendet
werden.
290 O.-H. Pekoll, Th. Richter

Als wichtiges Bemessungskriterium ist festzuhalten, dass der Nachweis der Tragfähigkeit
des Einzelpfahles, wie oben angegeben, für die Verbundkonstruktion der KPP nicht geführt
werden muss.

Für die innere Tragfähigkeit ist die ausreichende Sicherheit des Bauteilversagens anhand
den werkstoffspezifischen Bauteilwiderständen für alle maßgeblichen Beanspruchungs-
zustände nachzuweisen. Im Speziellen sind hier die Pfähle auf Druck, gegebenenfalls mit
Biegung und Schub, sowie auf resultierenden Zug aus der Bauphase oder durch negative
Mantelreibung zu bemessen. Die Fundamentplatte ist für Biegung, Schub, Durchstanzen aus
den Gründungspfählen und aufgehenden Stützen nachzuweisen.

Für die dazu notwendige Schnittlastermittlung ist wie folgt vorzugehen:

Da, wie oben angeführt, die Aufteilung der Einwirkungen in Pfahl- und
Plattenbeanspruchungen abhängig vom Einwirkungsniveau selbst ist, wird in der Richtlinie
unter Punkt 7.2 angegeben, dass die Schnittgrößenermittlung bzw. Lastverteilung auf Platte
und Pfähle für die beiden Grenzfälle der Zustände im Gebrauchs- und Versagensfall zu
führen ist. Da insbesondere bei Verwendung komplexer Stoffmodelle Bemessungswerte für
die in diesen verwendeten Stoffkonstanten nicht immer zweifelsfrei zu ermitteln sind, wird
für den Grenzzustand des Versagens in Anlehnung an die bisherige globale
Sicherheitsbetrachtung ein zweiter Gebrauchslastfall mit J-fachen Lasten bei unveränderten
Stoffkonstanten untersucht. Die Lasterhöhung beträgt hier dann für den Lastfall 1 J = 2,0.

Im ersten Fall sind dann die erhaltenen charakteristischen Beanspruchungen in


Bemessungswerte der Beanspruchungen umzurechnen und den Bemessungswerten der
Widerstände (siehe Formel 1) gegenüberzustellen, im zweiten Fall sind zuerst die
charakteristische Beanspruchung durch Division der Schnittlasten mit dem verwendeten
globalen Sicherheitsbeiwert zu ermitteln.

3.3 Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit [GZ2]

Der rechnerische Nachweis des Grenzzustandes der Gebrauchstauglichkeit wird analog zu


dem des Tragfähigkeitsnachweises geführt, jedoch werden hier die Teilsicherheitsbeiwerte
für den Gebrauchszustand zu “1“ gesetzt.

Die Gebrauchstauglichkeit des Systems ist dann mit ausreichender Sicherheit erfüllt, wenn
die rechnerische Nachweisführung für die Einhaltung der Kenngröße C, welche sich aus den
Anforderungen der für die Baumaßnahme konzipierten KPP ergibt, erbracht werden kann.
Bemessung KPP nach neuer DIN 291

Äußere Innere
Gebrauchstauglichkeit Gebrauchstauglichkeit
(Durchbiegung, Rissbreiten-
§ n · beschränkung, ...)
E¨¨ ¦ Fk , i ¸¸ d C
©i 1 ¹ Schnittgrößenermittlung und
Nachweis für die KPP Gebrauchstauglichkeitsnachweis
im Regelfall mit charakteristi-
als Gesamtsystem.
schen Werten (alternativ: mit
Bemessungswerten) für Ein-
wirkungen und Widerstands-
größen entsprechend den
geltenden Technischen
Baubestimmungen.

aus KPP-Richtlinie - 2001

Die Kenngröße C stellt dabei in den meisten Fällen die tolerable Setzung der KPP dar.
Diese definiert sich üblicherweise aus den allgemeinen Anforderungen an die Anbindung z.
B. der Versorgungsleitungen in die Gebäude, der zulässigen Mitnahme in der Nachbarschaft
stehender Bauwerke bzw. Gebäude sowie insbesondere der Verkrümmung und der
Schiefstellung des Bauwerks selbst. Bezogen auf letzteren Umstand gibt das
Grundbautaschenbuch, Teil 3 – Gründungen, Abschnitt 3.1, Hinweise, dass z. B. für hohe
starre Bauwerke Schiefstellungen von 1:250 als Grenze erkannt werden. Die Erfahrung
zeigt, dass insbesondere im Hinblick auf die Gebrauchstauglichkeit z. B. von Aufzügen,
aber auch hinsichtlich der Optik die Schiefstellungen schon auf < 1:1000 begrenzt werden
sollten. In diesem Zusammenhang ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Erfahrungen gezeigt
haben, dass selbst bei dem Vorliegen homogener Baugrundverhältnisse, symmetrischer
Gründungskörper und symmetrischer Belastungen Setzungsdifferenzen von 30 % bis 50 %
der Gesamtsetzung auftreten können, so dass sich aus den vorgenannten Kriterien
maximaler Schiefstellungen auch Grenzwerte der Gesamtsetzung errechnen lassen.

Die DIN 1054 gibt für den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit Sicherheitsbeiwerte von 1,0
für die Einwirkungen, sowohl für ständige als auch für veränderliche Lasten, an. Für die
Gebrauchstauglichkeit ist in der Regel ein Nachweis unter setzungserzeugenden Lasten
maßgeblich, so dass hier empfohlen wird, die ständigen Gebäudelasten, soweit keine
nennenswerten Zeitsetzungseffekte zu berücksichtigen sind, um die Lasten der
Fundamentplatte zu mindern und bezüglich der veränderlichen Lasten, soweit keine
genaueren Erkenntnisse vorliegen, lediglich einen Lastanteil von 30 % zu berücksichtigen.

Für den Nachweis der Gebrauchstauglichkeit der Bauelemente sind eine ausreichende
Sicherheit der Pfähle für eine Rissbreitenbeschränkung sowie für die Fundamentplatte
292 O.-H. Pekoll, Th. Richter

neben der Rissbreitenbeschränkung auch die zulässigen verträglichen Setzungsunterschiede


für die aufgehende Bebauung nachzuweisen.

4 Projektbeschreibung

4.1 Gebäude/Gründung

Bild 1 zeigt eine Fotomontage des geplanten Hochhauskomplexes und im Bild 3 ist die
Grundrisssituation eines Hochhauses dargestellt. Der Gebäudekomplex besteht insgesamt
aus zwei Türmen, die auf Platten gegründet sind, welche durch Pressfugen miteinander
gekoppelt sind. Die Gebäudehöhe des Turmes beträgt ca. 340 m. Die
Grundrissabmessungen entsprechen für jedes Hochhaus einem in etwa gleichseitigen
Dreieck mit ca. 60 m Basislänge.

Der Gesamtbereich der Bodenplatte je Hochhaus beträgt ca. 2300 m², der Bereich des
Kernes ca. 1000 m². Es war vorgesehen, 5 Untergeschosse mit einer Gründungstiefe bei ca.
–18 m zu errichten.

Bild 3: Grundriss des Hochhauses mit Pfählen

Als Architekt des Gebäude zeichnete das Büro nps tchoban voss GbR Architekten BDA
A.M. Prasch P.Sigl S.Tchoban E.Voss und als Tragwerksplaner für den Hochbau die Arge
Leonhardt, Andrä und Partner und Schüßler-Plan in der hier betrachteten Planungsphase
verantwortlich.
Bemessung KPP nach neuer DIN 293

Der Lastabtrag wurde über einen dreieckförmigen Kern sowie über Einzelstützen auf dem
Gebäudeumfang realisiert.

Die Gesamtlast des Gebäudes beträgt ca. 2400 MN, wobei 2100 MN als
Eigengewichtslasten ständig wirken. Mithin betrug die mittlere Bodenpressung unter der
Gesamtfläche mehr als 1000 kN/m². Die Lastverteilung auf Kerne und auf tragende Stützen
wurden vom Tragwerksplaner Hochbau vorgegeben. Über den Kern werden davon 1850
MN entsprechend einer Flächenpressung von 1850 kN/m² abgegeben.

Als Gründungsvarianten wurden allgemein eine reine Flachgründung auf einer i. M. 5 m


dicken Bodenplatte, eine reine Pfahlgründung sowie einer Pfahlplattengründung (KPP)
untersucht.

4.2 Baugrundverhältnisse/Bodenkennwerte
Die nachfolgend dargestellte schematische Schichtung zeigt die Art der anstehenden
Baugrundverhältnisse. Insbesondere sind hier die stark verformungswilligen Kalk- und
Tonsteinschichten 11, 12 und 14 zu nennen. Diese sind vornehmlich für das hohe
Gesamtmaß der Setzung der Flachgründung in einer rechnerischen Größenordnung unter
setzungsrelevanten Lasten von bis ca. 17 cm verantwortlich.

Bild 4: Bodenprofil

Hieraus folgend wurde planerisch vorgesehen zur Setzungsbegrenzung alternativ eine Pfahl-
oder eine Kombinierte Pfahl-Plattengründung zu untersuchen.
294 O.-H. Pekoll, Th. Richter

5 Berechnungsergebnisse

5.1 Nachweis der Tragfähigkeit

Der Nachweis der Tragfähigkeit wird gemäß Abschnitt 3.2 vereinfacht über den
Grundbruchnachweis der Bodenplatte ohne Berücksichtigung der Pfähle geführt. Dieser
ergibt sich wie folgt:

charakteristische Einwirkungen FG,k = 2100 MN

FQ,k = 300 MN

hierzu ergibt sich der Bemessungswert der Beanspruchung zu

Ed = JG ˜ FG,k + JQ ˜ FQ,k = 1,0 ˜ 2100+1,3 ˜ 300 = 2490 MN (4)

Zur Bestimmung des Grundbruchwiderstandes wird die 2300 m² große Fundamentfläche


(A) vereinfachend in ein flächengleiches Quadrat umgerechnet. Dies ergibt eine Ersatzbreite
b’ von

b' A 2300 ~ 48 m (5)

Zur Ermittlung des Grundbruchwiderstandes werden ungünstig die Bodenkennwerte der


Schicht 12 angesetzt. Diese sind

charakteristischer Wert des Reibungswinkels Mk = 35°


charakteristischer Wert der Kohäsion ck = 0
charakteristischer Wert der Wichte unter Auftrieb J’k = 10 kN/m³

Dieses ergibt den charakteristischen Wert des Grundbruchwiderstandes gemäß DIN 4017
wie folgt

R n,k A [ J 'k ˜ d ˜ N d , k ˜ Q d  J ' k ˜ b' ˜ N b , k ˜ Q b ] (6)

d = angesetzte Einbindetiefe = Plattendicke = 2,0 m


b’ = 48 m
Nd,k (Jk = 35°) = 33; Nb,k (Jk = 35°) = 23
Qd = 1 + sinMk = 1,57; Qb = 0,7
R n ,k 2300 ˜ >10 ˜ 2,0 ˜ 33 ˜ 1,57  10 ˜ 48 ˜ 23 ˜ 0,7 @ / 1000 20158 MN (6.1)
Bemessung KPP nach neuer DIN 295

Der Bemessungswert des Grundbruchwiderstands ergibt sich dann zu

Rd R n , k / J Gr 20158 / 1,4 14398 kN (7)

Der Nachweis der Tragfähigkeit lautet

Ed 2490  R N ,d 14398 MN (8)

Es zeigt sich, dass die Grundbruchsicherheit auch unter diesen sehr vereinfachten
Annahmen ganz erheblich größer als die in der DIN gefordert ist, so dass auf eine
Verfeinerung dieses Nachweises z. B. durch den Nachweis der Gründung unter
Berücksichtigung J-fachen Lasten, wie unter Abschnitt 3.2 beschrieben, verzichtet werden
kann.

Der Nachweis der Tragfähigkeit des Einzelpfahles ist im Falle der KPP nicht zu führen.

Die innere Tragfähigkeit wird für die über Abschnitt 5.2 ermittelte maximale Pfahlkraft von
20 MN nachgewiesen.

Bemessung Bohrpfahl nach DIN 1045-1: 2001-07

Geometrie: d = 1,50 m
Material: C 30/37; BSt 500

Belastung: FV = Gk + Qk = 17,32 [MN] + 2,68 [MN] = 20,00 MN (9)

NEd = JG ˜ Gk + JQ ˜ Qk (10)

NEd = 1,35 ˜ 17,32 [MN] + 1,50 ˜ 2,68 [MN] = 27,40 MN (10.1)

Bemessung: NRd = Fcd + Fsd (11)

D ˜ f ck
Fcd A C( Pfahl) ˜ (12)
Jc

S ˜ 1,50 2 [ m 2 ] 0,85 ˜ 30 [ MN / m 2 ]
Fcd ˜ (12.1)
4 1,50
Fcd = 30,04 MN > NEd ....... Mindestbewehrung erforderlich (12.2)

Da der Bemessungswert der Druckkraft im Beton alleine in der Lage ist den
Bemessungswert der Längskraft aufzunehmen, ist hier eine Mindestbewehrung erforderlich.
296 O.-H. Pekoll, Th. Richter
N Ed
A s, min 0,15 ˜ (13)
f yd
27,4 [ MN ]
0,15 ˜ 2
˜ 104 94,48 cm² (13.1)
435 [ MN / m ]
Die Mindestlängsbewehrung nach DIN EN 1536 lässt sich für Bohrpfähle von AC > 1,0 m²
wie folgt ermitteln:

A s t 0,25 % ˜ A C (14)
2
1,50
t 0,0025 ˜ ˜ S ˜ 10 4 44,18 cm 2 (14.1)
4
Auf weitere Nachweise für Biegemomente und Querkräfte wird hier verzichtet.

Alternativ könnte hier die Betongüte der Pfähle um eine Festigkeitsklasse vermindert
werden, was jedoch, wie in dem folgenden Normenvergleich gezeigt wird, eine deutliche
Erhöhung der Bewehrung zur Folge hätte.

Durch die in der bisherigen Normung zugrundeliegenden globalen Sicherheiten für


druckbeanspruchte Stahlbetonbauteile von J = 2,1 sowie der Begrenzung der
Rechenfestigkeit auf einem B 25 für Bohrpfähle würde sich eine Bewehrung von

1
zul N N b  Ns ( N bu  N su ) (15)
J
1
˜ ( A b ˜ ER  A s ˜ Vsu )
2,1

1
erf As J ˜ vorh N  A b ˜ ER ˜ (16)
Vsu
§ 1,52 ˜ S · 1
¨ 2,1 ˜ 20 > MN@  [m2 ] ˜ 17,5 [MN/m2 ] ¸ ˜ 2
˜ 104
© 4 ¹ 420 [MN/m ]

= 263,7 cm² (16.1)

errechnen lassen.

Unter der Verwendung der neuen Norm mit gleichem Ansatz der Betongüte eines C 20/25,
entspricht ca. einem B25, und der Verwendung der Teilsicherheiten läßt sich die Bewehrung
rechnerisch auf

N Ed d N Rd Fcd  Fsd (17)


Bemessung KPP nach neuer DIN 297

1,52 ˜ S 0,85 ˜ 20
Fcd ˜ 20,03 MN (18)
4 1,5

Fsd A s ˜ f yd A s ˜ 435 [MN/m 2 ] (19)

27,40 [ MN] d 20,03 [ MN]  A s ˜ 435 [ MN / m 2 ] ˜ 10 4 (17.1)

10 4
A s t (27,40  20,03) ˜ 169,4 cm² (20)
435
reduzieren.

Durch die unterschiedlichen Sicherheitskonzepte der jeweiligen Normen lassen sich am


gezeigten Beispiel Bewehrungsdifferenzen von über 50 % ermitteln.

Durch die hier gewählte Betongüte C 30/37 wird einerseits ein höherer Zementgehalt
erforderlich, jedoch wird andererseits in der Querschnittsbemessung Bewehrung eingespart,
was in Summe eine wirtschaftlichere Anwendung darstellt.

Aufgrund der für die Dauerhaftigkeit der Konstruktion gemäß neuer DIN 1045-1
zugrundezulegenden Expositionsklassen, welche die Umwelteinflüsse auf den Beton und
die Bewehrung erfassen und bewerten, sind einhergehend auch Mindestanforderungen bzw.
Grenzwerte für den Zementgehalt in der DIN 1045-2 definiert. Auf Basis der
Mindestzementgehalte resultieren auch Mindestbetonfestigkeiten bzw. Mindestbetongüten,
welche für die Konstruktion zu beachten sind.

Die Anforderungen an die Dauerhaftigkeit hat auch Eingang in die aktuelle Grundbau-DIN-
Normenreihe gefunden und es müssen die Festigkeitsklassen für Betone von Bohrpfählen
entsprechend der DIN EN 1536 zwischen einem C 20/25 und C 30/37 liegen. Falls es die
Bemessung erfordert und die Baugrundverhältnisse sowie die Herstellung es ermöglichen,
ist jetzt auch der rechnerische Ansatz von Beton mit höherer Festigkeit im Gegensatz zur
bisherigen Norm erlaubt, welche bisher mit einer maximalen Rechenfestigkeit eines B 25
(entspricht ca. einem C 20/25) begrenzt war.

5.2 Nachweis der Gebrauchstauglichkeit

Der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit wird mit charakteristischen Lasten und


charakteristischen Bodenkennwerten geführt.
298 O.-H. Pekoll, Th. Richter

Das Gebrauchstauglichkeitskriterium hierbei ist die Schiefstellung des Hochhauses. Bei


einer Basislänge des dreieckigen Hochhausgrundrisses von ca. 60 m und der Vorgabe einer
maximalen Schiefstellung von 1:1000 im Hinblick auf die Betriebssicherheit der Aufzüge
ergibt sich eine maximal verträgliche Schiefstellung, d. h. Setzungsdifferenz, von 6 cm, so
dass unter Berücksichtigung der im Abschnitt 3.3 erwähnten Abschätzung unvorhersehbarer
Schiefstellungen aus Gesamtsetzungen in einer Größe von maximal 50 % dieses Betrages,
die Gesamtsetzungen auf 12 cm beschränkt werden.

Die Berechnung der KPP wurde mit der im Bild 3 dargestellten Geometrie und dem im Bild
4 dargestellten Schichtenverlauf durchgeführt. Im Kernbereich wurden dabei 131 von
insgesamt 171 Pfähle mit einem Durchmesser 1,50 m angeordnet.

Die Berechnungen wurden alternativ mit dem Finiten-Elemente-Programm PLAXIS sowie


nach der von Vrettos modifizierten Methode von Randolph (Vrettos, 2004) geführt.

Zur Erfassung der diversen Lastfälle aus Stabilität, Wind usw. wurden aus diesen
Berechnungen charakteristische Ersatzfederkonstanten für die Pfähle und die Bodenplatte
ermittelt. Mit diesen wurden dann die maximalen Auflagerkräfte, d. h. Pfahlkräfte sowie
Plattenschnittgrößen, jeweils als charakteristische Werte mit dem Programmsystem
SOFISTIK ermittelt.

Aufgrund der komplexen Grundrissgeometrie, insbesondere hinsichtlich der Pfähle, wurde


die PLAXIS-Berechnung, in der das Hardering-Soil-Modell verwendet wurde, unter Ansatz
eines äquivalenten Piers für den Bereich der Pfahl-Plattengründung durchgeführt. Hierdurch
konnten plastische Effekte im Boden nachvollzogen werden. Um insbesondere den Einfluss
der Pfahlstellung zu untersuchen, war die modifizierte Randolph-Lösung von Vrettos/2004
besser geeignet.

Als Ergebnis der Berechnungen ergab sich (s. Bild 5):

- charakteristische Setzung unter setzungserzeugenden Lasten (Gk+Qk/2)


skmax = 5 bis 7 cm

Der Nachweis ergibt sich damit zu

sk max = 7 cm > C = 12 cm (21)

Es lassen sich weiterhin für die Berechnung der Bodenplatte unter Berücksichtigung der
diversen Lastfälle die folgenden charakteristischen Werte der Ersatzsteifigkeiten
Bemessung KPP nach neuer DIN 299

für die Pfähle cz,k (Pfahl) = 250 bis 350 MN/m

für die Bodenplatte i. M. kz,k (Platte) = 5 MN/m³

ermitteln.

In Analogie zu der neuen DIN 1054:2004-08, Bild 3 (Abschnitt 8.6.1) definierten


möglichen Streuung der zur Berechnung der Gebrauchstauglichkeit verwendeten
Arbeitslinien sollten und wurden in den nachfolgenden Berechnungen die
Ersatzsteifigkeiten in ungünstigster Kombination um r 30 % variiert. Damit soll