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Humboldt zur Sprache

WILHELM VON HUMBOLDT war der Meinung, dass die Sprache die „äußerliche Erscheinung
des Geistes der Völker“ sei. „Ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sich
beide nie identisch genug denken.“ Ihre „Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und
Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst“.

Er bemühte für seine Theorie zwei zentrale Begriffe, die zugleich das Denkgerüst
HUMBOLDTS kennzeichnen: Ergon (= Werk): Das Zeichensystem des Menschen, mittels
dessen er sich verständigt (Sprache an sich) Energeia (= die wirkende Kraft): die geistig
produktive Tätigkeit des Menschen (Geist an sich)

HUMBOLDT studierte Jura in Frankfurt/Oder und Göttingen. Er besuchte während


seines Studiums die Vorlesungen von CHRISTIAN GOTTLOB HEYNE (1729–1812),
einem damals sehr bekannten Philologen.

HUMBOLDT begann sich unter dem Einfluss seiner Lehrer schon sehr früh für die
Struktur von Sprachen zu interessieren, u.a. angeregt durch das Studium der
klassischen Philologie und Naturwissenschaften in Göttingen. 1790 schrieb er an seine
spätere Frau CAROLINE VON DACHERÖDEN:

„Ich lerne jetzt Hebräisch bei Spaldings jüngstem Sohn ... Die Sprache interessiert mich
bloß um ihrer selbst willen. Sie weicht so erstaunlich von allen andern ab, und sie trägt
noch so viele Spuren von der ersten rohen Ideenentwickelung. Das ist mir überhaupt
beim Sprachstudium fast allein wichtig, daß man die vielfältigen Arten kennen lernt, in
welcher die Ideen ausgedrückt werden können. Der eigne Ausdruck in der Sprache, in
der man nun selbst schreibt oder spricht, erhält nicht bloß dadurch mehr
Geschmeidigkeit und eine mannigfaltigere Bildung, sondern die Klarheit der Ideen
selbst gewinnt, je mehrere und verschiedenere Formen man davon
lernt.“ (HUMBOLDT)

Bereits hier äußerte HUMBOLDT eine seiner grundlegenden Thesen, dass nämlich erst


durch die Entwicklung der Sprache die Klarheit der Ideen wächst.
Unter anderem sprach HUMBOLDT

 Französisch,
 Englisch,
 Italienisch,
 Latein,
 Griechisch und
 Spanisch

Sprachforschungen
Einige Forscher gehen davon aus, dass sich HUMBOLDT erst seit seiner Reise ins
Baskenland im Frühjahr 1801 intensiver mit der Sprache auseinandergesetzt habe
(erste Sprachforschungen sind niedergeschrieben in: „Prüfung der Untersuchungen
über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der vaskischen Sprache“).

Nachdem er Ende 1819 aller Ämter enthoben worden war, zog sich HUMBOLDT auf
sein Gut in Tegel zurück und widmete sich intensiv seinen Sprachforschungen.

„Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und
die Entfremdung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten und
leichtesten, wenn auch am leisesten vor sich.“ (WILHELM VON HUMBOLDT).

  Zwei zentrale Begriffe kennzeichnen das Denkgerüst HUMBOLDTS:

 Ergon (gr. érgon =Werk): Das Zeichensystem des Menschen, mittels dessen er


sich verständigt (Sprache an sich)
 Energeia (gr. enérgeia =Tätigkeit, wirkende Kraft): die geistig produktive Tätigkeit
des Menschen (Geist an sich)

HUMBOLDT dachte diese beiden Begriffe stets gemeinsam:

„Man muß die Sprache nicht sowohl wie ein todtes Erzeugtes, sondern weit mehr wie
eine Erzeugung ansehen, mehr von demjenigen abstrahieren, was sie als Bezeichnung
der Gegenstände und Vermittlung des Verständnisses wirkt, und dagegen sorgfältiger
auf ihren mit der inneren Geistesthätigkeit eng verwebten Ursprung und ihren
gegenseitigen Einfluß zurückgehen" ( HUMBOLDT).

Sprache ist demnach ein dynamischer Prozess, wobei HUMBOLDT den Fokus auf die
Rede, das Sprechen legte:

„Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken“,

formulierte er in „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren


Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts“

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Sprechen und Verstehen bilden demnach bei HUMBOLDT eine Einheit: „Verstehen und


Sprechen sind nur verschiedenartige Wirkungen der nämlichen (= der gleichen,
d.V.) Sprachkraft.“  In ihrer dialektischen Einheit widerspiegelt sich die Arbeit des
Geistes.
Sprachen sind „verschiedene Methoden, diese Verrichtungen (das Sprechen,
d.V.) immer ganz, aber verschieden zu vollbringen", So unterteilt er in 

 Individualität und
 Universalität

Individualität ist dabei als besondere Sprache definiert, Universalität dagegen als die


Fähigkeit aller Menschen, sich in einer Sprache auszudrücken (Sprache ist „Eigenthum
des ganzen Menschengeschlechts“, sagt HUMBOLDT). Bezogen auf die
Nationalsprachen bedeutet dies:

„Eine Nation hat freilich im Ganzen dieselbe Sprache, allein schon nicht alle Einzelnen
in ihr ... ganz dieselbe, und geht man noch weiter in das Feinste über, so besitzt
wirklich jeder Mensch seine eigene.“ (HUMBOLDT)

So ist die Sprache für HUMBOLDT die „äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker.
Ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sich beide nie identisch
genug denken.“ Ihre „Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und Zeichen, sondern
eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst“ (HUMBOLDT, 1820). Sprache
dokumentiert demnach die Entwicklung des menschlichen Geistes. Um diese These zu
belegen, stellte er Untersuchungen zur „Kawisprache auf der Insel Java“ (1836–39),
dem Altjavanischen, an. Diese erschien ihm so sehr nichtverwandt mit europäischen
Sprachen, dass seine Thesen beweisbar wären. Die Einleitung dieses Werkes trägt den
Titel: „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf
die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts“ (Auszüge daraus in PDF 1).

HUMBOLDT wird wegen seiner Forschungen auch als Vater


der allgemeinen Sprachwissenschaft bezeichnet. Einen weiteren kleinen Überblick über
sein sprachwissenschaftliches Schaffen vermittelt seine Schrift „Über die Natur der
Sprache im allgemeinen“