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Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3

Ludwig Huber:
Selbstständiges Lernen im Unterricht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Felix Winter:
Mitplanung des Unterrichts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Annett Taßler:
Mitschreiben und Mitschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Felix Winter:
Kleingruppenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Uwe Horst:
An einer Diskussion aktiv teilnehmen und sie leiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Karin Volkwein:
Mit dem Portfolio das eigene Lernen reflektieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

Wolfgang Emer/Felix Rengstorf:


Projektarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

Uwe Horst/Karl Peter Ohly:


Raus aus der Schule – Der Besuch von Museen und Ausstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Uwe Horst:
Interviewleitfaden – Konstruktion und Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Vortragstexte zum Kapitel „Mitschreiben und Mitschrift“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Lösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Anhang: Portfolio-Reflexionsbogen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

Literaturhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

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MITSCHREIBEN UND MITSCHRIFT

Mitschreiben und Mitschrift


ANNETT TASSLER

Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen, sagte bereits Goethe. Mitschrei-
ben bedeutet, das Gehörte nicht nur passiv aufzunehmen (und dann leider leicht zu vergessen), sondern es
gedanklich zu verarbeiten und in eine sprachliche Form zu bringen – der erste Schritt, um sich etwas intensiv
einzuprägen. Insofern erleichtert das Mitschreiben das Lernen und spart auch noch Zeit.

INFO KOMPAKT
Wie, was und wofür mitgeschrieben wird, ist bei einer Mitschrift von großer Bedeutung. Zu allen drei Teilbereichen, die
Sie in der untenstehenden Tabelle im Überblick vor sich haben, werden anschließend im Einzelnen praktische Hinweise
gegeben.

1 Wie wird mitgeschrieben? 2 Was wird mitgeschrieben? 3 Wofür wird mitgeschrieben?


Vorgehensweise Inhaltliche Auswahl Verwendungszweck

 Vor der Mitschrift:  Nur das Wesentliche mit-  Gesprächsnotizen, gedacht


Lose DIN A4-Blätter, Stifte schreiben! für kurzzeitige Aufbewah-
bzw. Notebook bereit halten; rung
Einzelblattvorbereitung  Gliederungshinweise des
Vortragenden beachten.  Unterrichts- und Seminar-
 Während der Mitschrift: notizen für längere Aufbe-
Treffende Stichworte formu-  Nicht zu voreilig mitschrei- wahrung
lieren, Abkürzungen nutzen, ben, sondern den Gedan-
Namen, Daten, Zahlen kengang abwarten.  Vortrags-, Vorlesungsnotizen
mitschreiben für die „ewige“ Aufbewah-
rung
 Nach der Mitschrift:
Ergänzungen, Fragen formu-
lieren, Lücken schließen

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1. Wie wird mitgeschrieben? 2. Was wird mitgeschrieben?
Vorgehensweise und Gestaltung einer Inhalt einer Mitschrift
Mitschrift
Man kann unmöglich alles mitschreiben, darum muss man
eine Auswahl aus dem Gehörten treffen. Die größte Schwie-
Vor der Mitschrift: rigkeit besteht darin, Wichtiges und Unwichtiges voneinan-
der zu trennen. Hören Sie deshalb genau zu, denken Sie mit
 Lose DIN A4-Blätter sind für eine Mitschrift geeigneter als und achten Sie auf Gliederungshinweise, die die oder der Vor-
Hefte, da je nach Verwendungszweck geordnet und ergänzt tragende selbst gibt, z. B. Überschriften, Überblicke, Zusam-
werden kann. Sie sollten nur einseitig beschrieben und mit menfassungen oder gliedernde Redewendungen (erstens ...
einem breiten Rand versehen werden, um Platz für Ergän- zweitens; hervorzuheben ist ...). Wird gerade ein Hauptgedan-
zungen zur Verfügung zu haben. Auch ein Notebook eignet ke ausgeführt oder ein Beispiel erläutert? Schreiben Sie nicht
sich, um Mitschriften anzufertigen, doch Handschriftliches zu schnell mit, sondern warten Sie, bis der Sinnabschnitt ab-
wird meistens schneller verfasst als Getipptes. geschlossen ist!
Blattvorbereitung: Jedes (!) Blatt sollte mit dem Da- Ergänzen Sie Handouts oder Power-Point-Präsentationen mit
tum, dem Thema, dem Namen der oder des Vortragen-
Ihren Notizen oder fertigen Sie unabhängig von diesen Hand-
den und einer Seitenangabe gekennzeichnet werden,
reichungen eine eigene Mitschrift an.
um es später in jedem Fall korrekt einordnen zu können.

Während der Mitschrift:

 Beschränken Sie sich auf Stichworte! Ausnahmen: Defini-


3. Wofür wird mitgeschrieben?
tionen oder Zitate. Formulieren Sie so, dass Sie Ihre Auf- Verwendungszweck
zeichnungen später problemlos entschlüsseln können.
Wozu wird eine Mitschrift erstellt? Der Verwendungszweck
 Normalerweise wird eine Mitschrift linear gestaltet, d. h. Zei- und die geplante „Aufbewahrungsdauer“ haben auf die Ge-
le für Zeile von oben nach unten. Sie können jedoch auch staltung einer Mitschrift einen starken Einfluss.
eine sogenannte Mindmap anlegen, in der die Schlüssel- Beabsichtigen Sie, Ihre Notizen lediglich kurzzeitig für eine
begriffe grafisch übersichtlich mit Pfeilen, Einrückungen Diskussion oder ein Gespräch zu benutzen, genügt es, Fra-
usw. angeordnet werden. Dadurch kann ein Thema relativ
gen, Kritikpunkte und Unverstandenes bzw. eigene Vorschlä-
leicht überschaut werden.
ge aufzuschreiben.
Möchten Sie Ihre Mitschrift für eine etwas längere Zeitspan-
 Benutzen Sie offizielle Abkürzungen und entwickeln Sie
ein eigenes Abkürzungssystem (z. B. Pfeile, Symbole, ...) ne – bis z. B. eine Klausur ansteht – zur Verfügung haben, so
für häufig verwendete Begriffe. sollten Sie im Unterricht oder Kurs das Datum, das Thema,
Tafelanschriebe und Hausaufgaben notieren.
 Namen, Daten, Begriffe, Zahlen, Literaturhinweise sollten Für Mitschriften, die Wichtiges auf unbestimmte Zeit bewahren
Sie sorgfältig notieren, um sie später nachschlagen oder sollen, wie Vorträge, Vorlesungen usw., gilt das oben Gesag-
sich genauer darüber informieren zu können. te: Hier sollten Sie so sorgfältig wie möglich alle angeführten
Arbeitsschritte vollziehen.

Nach der Mitschrift:

 Möglichst bald nach dem Ende der Mitschrift sollten Sie die
Mitschrift nacharbeiten: Ist sie vollständig? Sind Ergänzun-
gen nötig? Unterstreichen Sie wichtige Stellen und schla-
gen Sie Unklares nach, fügen Sie Fragen und Kommentare
ein. Günstig hierfür ist die Benutzung einer anderen Farbe.

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MITSCHREIBEN UND MITSCHRIFT

BEISPIEL
Lesen Sie den Vortrag der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 450. Todestag Philipp Melanchthons (Æ Seite 42)
und vergleichen Sie dazu die unten stehende Mitschrift.

Ref.: Bundeskanzlerin Angela Merkel


Ort: Wittenberg, Schlosskirche
Seite 1 1 19.04.2010

Rede der Bundeskanzlerin zum Gedenken an Philipp Melanchthon


- Gedenken an Philipp Melanchthon, Bildungsreformer 2
- in Schlosskirche Wittenberg (Ausgangsort für Reformation)
- Reformation ging einher mit Bildungsaufbruch/Wissen für mehr Menschen
zugänglich (Verdienst des Buchdrucks!)
- Melanchthon: Gelehrter, Pädagoge, Schulgründer; für ihn wichtig:
Bildung – Schlüssel zur Mündigkeit
- Forderung: elementare Bildung für alle (Bibel selbst lesen!),
unabhängig vom Stand
3 Erfolg: Bildungsschub durch Reformation; Menschen urteilsfester
- Heute: Bildung für alle selbstverständlich; Existenz eines guten
Bildungssystems – Grundlage für stabile Demokratie und
Wirtschaftskraft in Dtl. 4
!! – Aber: 5
1. Erfolg im Bildungssystem zu oft herkunftsabhängig
2. unzureichende Kenntnisse bei Schulabgängern
- daher: Auftrag Melanchthons durchsetzen: Bildung für alle, denn:
Bildungschancen sind Lebenschancen!
- Historie: Melanchthon, Jesuiten, Pietisten, Humboldt große Bedeutung
für Bildung – auch für uns heute wichtig, daher
- Notwendigkeiten: - gute Lehrer, öffentl. Voraussetzungen
(z. B. 10% des BIP bis 2015 für Bildung)
- Verbesserung vorschulischer Sprachförderung
- Unis verbessern; Studium unabh. von Finanzen
- größere Durchlässigkeit des Bildungssystems
- zu Lehrern: schon Mel. klagte über Leiden der Lehrer
(harte Arbeit, Verachtung)!
Dank an Lehrer heute

1 Gute Vorbereitung des Blattes: Es enthält den Namen des Referenten,


den Ort, das Datum und die Seitenzahl.

2 Die Mitschrift wurde nachbearbeitet und enthält nun mit Marker gekennzeichnete,
besonders wichtige Stellen.

3 Einsatz eigener Symbole.

4 Dtl. = Deutschland, Beispiel für eigene Abkürzungen, wie sie häufiger in der Mitschrift vorkommen.

5 Unterstreichungen als Mittel zur Hervorhebung.

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BEISPIEL

Ref.: Bundeskanzlerin Angela Merkel


Ort: Wittenberg, Schlosskirche
Seite 2 19.04.2010

- Aktuell: Diskussion Kindesmissbrauch; aber: Mehrzahl der L arbeitet gut;


Vertrauen von S und Eltern; Dtl. benötigt engagierte L (Weltwandel
durch Vernetzung)
- Zukunft:
- neue Technologien etc.
- daher Chancen nutzen, Bildung für alle als Voraussetzung (Vermächt-
nis Melanchthons): „Kein Bollwerk und keine Befestigung macht eine
Stadt stärker als gebildete, kluge und mit anderen Tugenden begabte
Bürger.“ 6

6 Um gut nachbereiten und sich später ausführlicher informieren zu können, wurde das Zitat mitgeschrieben.

ÜBUNGEN FREIE AUFGABEN

1) Eine Mitschrift anfertigen: Bitten Sie einen 2a) Besuchen Sie einen Vortrag und fertigen Sie eine
Lehrer oder Mitschüler, Ihnen den Text „Alexi- lineare Mitschrift an!
thymie − Das Phänomen der Gefühllosigkeit“ 2b) Fertigen Sie anschließend eine Mitschrift in Form
(S. 44) vorzutragen, und fertigen Sie dazu einer Mindmap an!
eine Mitschrift an! 2c) Vergleichen Sie beide Arten der Mitschrift und über-
legen Sie, mit welcher Form Sie persönlich besser
umgehen können!

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