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Hand 6 0 . ] Μ. PIEPEK: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern.

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wenn der Mentuhoteptempel Grab und Kenotapli unmittelbar verbindet, so geschieht


das eben unter der Einwirkung des Bautypus. Dieser aber findet für uns keine
Fortsetzung. Mit der Rückkehr der 12. Dynastie zu dem Pyramidengrab sowie der
Trennung von Grab und Kultstiltte im NR ist er, bald nachdem er von bescheidenen
Anfängen aus im Mentuhoteptempel zu voller Höhe erhoben war, erloschen.
Welche Deutung dabei das Scheingrab erfuhr, wird sich kaum mit genügender
Sicherheit ausmachen lassen. Wenn man sich aber der alten Königssitte, sich ein
oberägyptisches und ein unterägyptisches Grabmal anzulegen, erinnert und damit
zusammenhält, daß die in der Kammer der Pyramide gefundene Statue, ungewöhnlich
genug, eine unterägyptische Krone trug, so mag doch die Vermutung gestattet sein,
daß hier eine ähnliche Vorstellung waltete und das Pyramidengrab dem unterägyptischen,
das Felsengrab dem oberägyptischen König galt.
So löst sich das Widerspruchsvolle, das dem Mentuhoteptempel zunächst anzuhaften
scheint. Als nach überkommenem, aber meisterhaft fortgebildeten Typus geschaffenes
Grabmal nur eines Königs, Mentuhoteps IV., ist er in sich wie in seiner geschichtlichen
Stellung in gleicher Weise verständlich. Für die Frage nach dem Verhältnis Mentuhoteps III.
zu Mentuhotep IV., deren Lösung insonderheit von der ßaugeschichte des Tempels
aus versucht worden ist, eröffnen sich aus diesem Tatbestand freilich keine entscheidenden
Gesichtspunkte. Wir müssen uns mit dem architekturgeschichtlichen Ergebnis begnügen.

Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern.


V o n MAX PIEPEB.

W ir verdanken FLINDERS PETRIE und NEWBERRY die Grundlegung unseres


Wissens von den Skarabäen, aber die kleinen Siegel sind bisher zumeist sehr einseitig
betrachtet worden. Im Grunde interessierte man sich für sie nur, wenn sie einen
seltenen Königsnamen oder eine historisch wertvolle Inschrift enthielten, im übrigen
sammelte man sie wohl in den Museen, schenkte ihnen aber weiter keine Beachtung.
Nur die Spirale auf den Skarabäen des MR erfreute sich einer weitgehenden Auf-
merksamkeit.
Die ägyptischen Skarabäen haben aber für die Erforschung der antiken Kultur
eine nicht geringe Bedeutung, sie sind die Träger des ägyptischen Einflusses von
Spanien bis zum schwarzen Meer. In allen Mittelmeerländern haben sie sich ζ. T.
in großer Zahl gefunden; sie dienten dem Archäologen häufig als Mittel, seine Funde
zu datieren.
Über diese Skarabäen außerhalb Ägyptens ist bisher so gut wie nichts gearbeitet
worden, nur über italische Funde gibt es einige unzureichende Veröffentlichungen.
Wieviel sich hier gewinnen läßt, hoffe ich im folgenden zu zeigen. Dabei erwarte
der Leser nicht, daß ich ihm eine Zusammenstellung der Skarabäenfunde außerhalb
des Niltals gebe. Das ist zurzeit völlig unmöglich. Nur gelegentlich konnte ich
Einblicke in die spanischen Funde erhalten, das italische Material ist ebenso wie das

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46 Μ. ΡΓΕΡΕΒ: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern. [60. Band.

spanische in unzähligen Lokalsammlungen zerstreut, und wenn überhaupt, an unzu-


gänglicher Stätte veröffentlicht. Eine gute Orientierung für Italien gibt, soweit sie
fertig ist, v. D U H N S italische Gräberkunde; wenn das Werk vollendet ist, wird sich
das vorhandene einigermaßen übersehen lassen.
Viel schlimmer steht es für Nordafrika und Südrußland, da ist man auf gelegent-
liche Notizen angewiesen; aber selbst für Palästina und Griechenland, wo besser vor-
gearbeitet ist, muß man sich mühsam sein Material zusammensuchen.
So können im folgenden nur verhältnismäßig wenige Funde besprochen werden,
aber schon diese lehren genug. Die Datierungen, die ich gebe, kann ich der Natur
der Sache nach nicht immer ausführlich begründen, ich stütze mich auf eine zwanzig-
jährige, ich glaube ziemlich eingehende Beschäftigung mit dem Gegenstand.
In Palästina haben sich so ziemlich an jedem Orte, wo größere Grabungen vor-
genommen wurden, Skarabäen gefunden, die größte Zahl hat begreiflicherweise Gezer
geliefert, das ja nach alttestam entlich er Überlieferung noch in israelitischer Zeit ägyp-
tischer Besitz war. Mustert man die in der Ausgrabungspublikation zahlreich abge-
bildeten Stücke, so fallt jedem, der sich einigermaßen um diese Dinge gekümmert,
die eigentümliche Form und Anordnung der Hieroglyphen auf. Wenn auf einem
Stück eine einzige Spirale eingraviert ist oder der sogenannte Palmzweig der
in ägyptischen Stücken nur als Füllstück dient, das ganze Oval füllt, so ist das schon
verdächtig, doch könnte man sich zur Not entschließen, es als ägyptisch anzuerkennen.
Es läßt sich aber verfolgen, wie aus ägyptischen Zeichen Gebilde werden, die im Niltal
undenkbar sind, Sistrum, Löwe, Uzetange werden zu unmöglichen Gebilden. Gelegent-
lich fühlt man sich an assyrische Symbole erinnert. Gänzlich fremdartig ist ein Stück,
das einen Mann mit zwei Straußen darstellt.
Es zeigt sich also deutlich, wie Ägyptisches nachgeahmt und umgebildet wurde,
nicht nur gelegentlich, mindestens die Hälfte der in Gezer gefundenen Skarabäen ist
unägyptische Arbeit. Wie es dazu kam, ist leicht ersichtlich, doch haben wir auch
direkte Zeugnisse.
In Jericho fanden sich in Privathäusem kanaanäischer Zeit einige Weinkrüge
mit ägyptischen Skarabäen versiegelt. Die Skarabäen entstammen dem MR und der
Hyksoszeit, die Häuser und Krüge sind nach sachverständigem Urteil wesentlich jünger.
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Ein Stück trägt den Namen des Schreibers des Veziers I Jj , „Senebef des
Seligen". Der Skarabäus sollte einem Toten mit ins Grab gelegt, werden, für die Verwen-
dung, die er gefunden hat, war er nicht bestimmt. Die Leute in Jericho fanden Gefallen
an diesen Stücken ägyptischer Kleinkunst, sie siegelten ihre Krüge damit. Vielleicht,
ja wahrscheinlich nahmen sie auch die wunderlichen Gebilde als unheilverhütende
Amulette.
Der ägyptische Import deckte das Bedürfnis nicht; man fabrizierte bald auf eigene
Faust, wie wir oben gesehen haben. Außerordentlich häufig werden ägyptische Zeichen
neu gruppiert und umgebildet. Man würde nun eigentlich erwarten, daß sich auf
diesen Skarabäen und Skarabäoiden Ansätze zu einer eigenen Schrift finden. Denn
die Keilschrift ist, wie schon mehrfach betont ist, wohl in Kleinasien, aber nicht in
Syrien und Palästina zur Wiedergabe der einheimischen Sprache verwendet worden.
Aus den Hieroglyphen muß sich die phönizische Schrift entwickelt haben, und am
Sinai ist in der Hyksoszeit eine eigene, an die ägyptische sich anlehnende Schrift
entstanden. Ob die Sinaischrift wirklich die Vorläuferin der späteren phönizischen
Schrift war, ist heute noch zweifelhaft; daß bei jener die Hieroglyphen auf Skarabäen
die Vorbilder waren, habe ich in P A U L Y - W I S S O W A , Art. Skarabäus zu zeigen versucht.
Die palästinensischen Skarabäen liegen zeitlich zwischen den Sinaiinschriften und den

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Band 60.] Μ. PIEPER: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelmeerländern. 47

ältesten phönikischen Schriftdenkmälern, aber ein Bindeglied zwischen hüben und


drüben sucht man vergebens. Hoffentlich schaffen weitere Funde Klarheit.
Nur kurz sei auf die Skarabäenfunde in Mesopotamien hingewiesen. Seit langem
bekannt sind die von LAYARD in Ninive gefundenen Stücke. Auf den ersten Blick
muten sie echt ägyptisch an, sieht man näher zu, merkt man das Fremdartige. Taf. XVII.
Abb. U zeigt einen Skarabäus Amenophis III. mit unverständlicher Inschrift; der Ver-
fertiger hat seine ägyptische Vorlage ungenau kopiert. Bei einem anderen, V. der den
Namen Thutmosis III. wiedergeben soll, fehlen zwei Zeichen; die sorgfältige Arbeit
läßt den Ausweg der „orientalischen Liederlichkeit" nicht zu. Ist einmal der Ver-
dacht rege, so s'eht man in fast jedem Stück das Unägyptische.
Einige aus Babylonien stammende Stücke, die mir vor Jahren Prof. SARRE zeigte,
können ebenfalls nicht im Niltal gearbeitet sein. Der Skarabäus ist in ganz Vorder-
asien (das Chattireich scheidet aus) als Schmuckstück, Siegel oder Amulett beliebt
gewesen und darum häufig nachgeahmt worden. Das zeigen ja auch die jüdischen
Steine, die von LEVY, DALMAN, BENZINGER U. a. veröffentlicht, am bequemsten in
GRESSMANNS Bilderatlas zum Alten Testament zusammengestellt sind. Dort hat
sich ein völTger Mischstil herausgebildet, der sich auch in der Beschriftung deut-
lich zeigt.
Dieser Mischstil auf Skarabäen findet sich durch ganz Syrien; nach alter Gewohn-
heit wird er als phönizisch bezeichnet, wieweit mit Recht, wissen wir einstweilen
nicht, da das eigentliche Phönizien, die berühmten Küstenstädte, so gut wie nichts
hergegeben haben. Kennzeichnend für ihn ist, wie für die gesamte phönikische Kunst
überhaupt, der absolute Mangel jeder Originalität. Wenn man das ägyptische und
das babylonische Element abzieht, bleibt nichts. Die völlige Unproduktivität auf
künstlerischem Gebiete ist ja für diese Länder charakteristisch.
Das zeigt sich auch, wenn wir nun das Festland verlassen und nach Cypern
hinübergehen. In dem großen Schatzfund, der nach CESNOLAS Angaben in Curium
gefunden worden ist, finden sich eine ganze Reihe Sterne, die ägyptisch aussehen, aber
man brauchte ζ. B. nur auf dem Stück mit dem Namen Ramses II. die Hieroglyphen
anzusehen, um über die Herkunft im klaren zu sein. Wüßte man nicht über die
Herkunft des Stückes Bescheid, so würde man es ohne weiteres ftir eine Fälschung
erklären. Um die übrigen Skarabäen, die CESNOLA abbildet, steht es eher noch
schlimmer. Alles ist unägyptisch, und hier kann der Natur der Sache nach wohl kein
Zweifel sein, wir haben es mit phönikischer Arbeit zu tun. Das für die CESN OL Aschen
Stücke kennzeichnende: Übernahme der ägyptischen Formen unter keiner oder geringer
bewußter Veränderung, zeigen, soweit ich es beurteilen kann, auch die Funde aus den
phönikischen Kolonien. Die von EBERS in den Annali dell Istituto 1882 veröffent-
lichten Stücke sind völlig phönikisch. Ein ganz eigentümliches Bild zeigt Griechen-
land. Die ägyptischen Funde der kretisch-mykenischen Zeit siehe bei FIMMEN, die
kretisch-mykenische Kultur, 2. Aufl., S. 168 ff. Sie sind (soweit es sich nicht um kretische
Neubildungen handelt) sämtlich gut ägyptische Arbeit; neben so vielem anderen sind
sie direkte Zeugen des engen Veikehrs, der zwischen dem Niltal und dem ägäischen
Meere in kretisch-mykenischer Zeit bestanden hat.
Das ändert sich aber ganz und gar in der nachmykenischen Zeit. Als vor Jahren
G. MÖLLER und ich von verschiedenen Gesichtspunkten aus nach ägyptischen Funden
in Griechenland suchten, konnten wir in nachmykenischer Zeit kaum ein echt ägyp-
tisches Stück finden. Wo s:ch Skarabäen ägyptischer Herkunft finden, zeigt sich auf
den ersten Blick die naukratitische Arbeit, so im Heraion zu Argos1 und im Tempel

1 ) WALDSTEIN, The A r g i v e Heraion I I , Taf. C X L I 1 I .

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48 Μ. ΡΙΕΙΈΕ: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen in den Mittelnieerländern. [60. Band.

der Artemis zu Sparta 1 . Das ist 6. Jahrhundert. Da sind, wie wir aus den Über-
lieferungen wissen, enge Beziehungen zwischen Sais und Griechenland. Da ist das
Auftreten von äg. Skarabäen nicht verwunderlich. (Es wird sich zeigen, daß von
eigentlich ägyptischen Stücken auch hier nicht die Rede sein kann; s. weiter
unten.)
Die Skarabäen, die sich sonst gefunden haben, raachen einen ganz anderen Ein-
druck. Einen merkwürdigen Skarabäus haben F U R T W Ä N G L E R und L O S C H K E bekannt
gemacht 2 . Wir sehen einen Löwen, davor einen stehenden Mann, über dem Löwen
einen Vogel (so F U R T W Ä N G L E R ) . Nach der Innenzeichnung des Löwenkörpers würde
man das Stück in die Hyksoszeit oder frühe 18. Dyn. setzen, aber schon die Art der
Zeichnung macht stutzig, und die drei runden eiförmigen Zeichen, die zwischen die
Beine gesetzt sind, schließen den ägyptischen Ursprung aus. Dieses ängstliche Füllen
jeden Zwischenraumes ist nicht ägyptisch, auch nicht phönizisch, wohl aber paßt es
zu den rhodischen Vasen; der Skarabäus ist frühgriechiscli. Wie in kretisch-myke-
nischer Zeit hat man auch später in Griechenland ägyptische Skarabäen nachgeahmt.
Sie bilden die Brücke zu den ältesten griechischen Gemmen, die ja noch lange die
Skarabäenform beibehalten.
Die Zeichnung des eben besprochenen Skarabäus erinnert an andere in Ägina
und Sparta gefundene Steine, nur die Füllstücke fehlen hier. Die in Ägina gefun-
denen hat ein Ägyptologe wie v. BISSING unbegreiflicherweise für ägyptisch erklärt;
es genügt ein Blick, um die fremde Arbeit zu sehen. Eine Zusammenstellung aller
in Griechenland gefundenen Skarabäen würde es möglich machen, die einzelnen Gruppen
zu scheiden, einstweilen geht das noch nicht.
Zwei Stücke aus Eleusis, Ephem. arcliäol. 1898, könnten ägyptisch sein, ich möchte
auch sie eher für Nachahmungen halten.
Einige Stücke aus den Dipylongräbem, die ins Berliner Antiquarium gekommen
sind, sind dagegen völlig unägyptisch, ebenso zwei in Delphi gefundene Stücke.
Damit sei es einstweilen der Einzelheiten genug, das Gesamtresultat ist: Aus
nachmykenischer Zeit sind kaum echt ägyptische Skarabäen in Griechenland gefunden,
erst die Saitenzeit kennt wieder ägyptischen Import.
Es fehlen aber nicht nur die ägyptischen Skarabäen in Griechenland, auch sonst
haben sich bisher meines Wissens keine echt ägyptischen Stücke aus vorsaitischer Zeit
in Griechenland nachweisen lassen. Das dürfte schwerlich Zufall sein; vom 10. bis
ins 7. Jahrhundert ist die direkte Verbindung mit Ägypten unterbrochen. Das lehren
auch die Angaben des Epos. Homer hat von Ägypten keinerlei genaue Kenntnis, es
ist ein Wunderland, wo das Geld auf der Straße liegt, fromme Könige über ebenso
gottesfürchtige Menschen herrschen, jeder Mann ein Arzt ist u. dgl. Die fremden
Seefahrer, von denen das Epos weiß, sind die Sidonier. Die Zeit des Epos ist die
Zeit des phönizischen Handels, der in mykenischer Zeit noch nicht da ist und in
saitischer verschwindet.
Die gefundenen Skarabäen sind gewöhnlich als phönikischer Import angesehen.
Eine Publikation, die alle vorhandenen Stücke nebeneinander bringt, würde zeigen,
wie weit das richtig ist; einstweilen sehen wir noch nicht klar. Tch muß es sehr
stark bezweifeln.
Man betrachte einmal Steine von zweifellos phönizischer Arbeit, wie die von
P L E T S C H M A N N , Geschichte der Phönizier S. 273 abgebildeten Stücke. Wenn die Schrift-
zeichen nicht wären, könnte man sie fast für ägyptisch halten, freilich lehrt genauere
Betrachtung sofort die Herkunft. Aber die Formen, mit denen der Steinschneider

1) Annual of the British School of Athens XV. Taf. VIII. — 2) Mykenische Yaseu. Taf. E. 42.

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Band 60.] Μ. PIEPER: Die ägyptischen Skarabäen und ihre Nachbildungen iu den Mittelmeerländern. 49

arbeitet, sind ägyptisch, sie werden nur unägyptisch gruppiert. Der Steinschneider
arbeitet glatt und elegant wie seine ägyptischen Kollegen.
Die in Griechenland gefundenen Skarabäen zeigen in der Regel keine elegante
Arbeit. Man merkt den Anfanger, der mit den entlehnten Formen gern selbständig
arbeiten möchte und es noch nicht kann. Dazu gelegentlich wie bei dem oben er-
wähnten rhodischen Stück deutliche Kennzeichen griechischer Arbeit.
Seit Jahrzehnten geht der Streit um den phönizischen Einfluß in Griechenland.
POULSEN h a t in seinem bekannten Buch eine ziemlich starke Einwirkung angenommen.
Soweit meine Kenntnis reicht, kann sie kaum gering genug angeschlagen werden.
Phönikien ist der Vermittler so mancher Kunstformen zwischen Ägypten-Babylonien
gewesen, aber auch weiter nichts. Deutlich lassen die assyrischen Silberschalen er-
kennen, wie aus dem vom Westen Überkommenen eigenes herauswächst, wie an
Stelle der ängstlichen Einteilung des Raumes mit vollendeter Sicherheit die Verzierung
in die Fläche hineinkomponiert wird. Das ist assyrisch, mögen auch fremde Arbeiter
dabei tätig gewesen sein. Die auf Zypern gefundenen Schalen zeigen oft echt
phönizischen Charakter, Häufung entlehnter Formen, bisweilen aber auch das Bestreben,
völlig Selbständiges zu schaffen, in Bildern Geschichten zu erzählen. Da dürfte die
Hand kyprischer Griechen im Spiele sein oder wenigstens ihr Einfluß. Die Schilde der
kretischen Zeusgötter sind gewiß griechisch. Die Untersuchung: phönikisch oder
griechisch muß von neuem aufgenommen werden.
Nur wenige Worte zum Schluß über die italischen Funde. Die von EBERS ver-
öffentlichten Funde sind phönikisch, die von MILLELIRE neuerdings publizierten sind da-
gegen ägyptische Stücke der Spätzeit. Wie sie nach Tharros gekommen sind, wissen
wir nicht.
Von den etrurischen Skarabäen sei einer erwähnt, der berühmte Stein aus Tar-
quinii mit dem Namen Sobekhoteps TU.1 Er hat viel Verwirrung angerichtet, weil
man ihn für gleichzeitig mit der Regierung dieses Königs angesehen hat. Aber gerade
dieser Name Ff -nfr-r ist bis in die Spätzeit immer wieder kopiert worden 2 . Ohne
das Original zu sehen, läßt sich schwer über den Stein aus Tarquinii urteilen. Nach
der Abbildung zu schließen, kommt er erst aus der Spätzeit. Jedenfalls ist er vor-
saitisch.
Zuletzt die von GABKICI in der frühgriechischen Nekropole von Cumae gefundenen
Stücke 3 . Als ich sie zuerst sah, wußte ich nicht, wo ich sie unterbringen sollte, bis
es mir zum mindesten wahrscheinlich wurde, daß sie griechische Arbeiten sind. Die
langen Gestalten in schreitender Stellung mit der scharfen Betonung des Knochen-
gerüsts und der Gelenke sind griechisch, so etwas gibt es weder in Ägypten noch
in Phönikien. So unscheinbar sie sind, für die Entstehungsgeschichte der griechischen
Kunst dürften auch sie zu verwerten sein.
Griechisch ist auch eine ganze Gruppe von Skarabäen, die in Naukratis gefun-
den sind.
Dort fanden sich in einem Platz beim Tempel der Aphrodite eine zahllose Menge
von Fayencen in altäg. Stil., besonders Skarabäen und Skarabäoide, dazu noch ihre
Formen, man kann also .wohl von Überresten einer Fabrik sprechen. Technik und
Form gehen, wie PKINZ richtig bemerkt (S. 101), auf altäg. Muster zurück. Freilich

1) N o t dei scavi. com. all'acc. dei Lincei 1882, p. 183. — 2) Ein deutliches Zeichen, daß dieser
Königsname in der Spätzeit sich großer Beliebtheit erfreut, P E T B I E , Hist, scarabs. X V I I I , 2 5 8 . Der Stil
(die Zeichen nicht eingeritzt, sondern vertieft) schließt die Zeit des MR aus. Die Skarabäen des Königs
aus der Saitenzeit: Q U I B E L L , Excavations at Saqqara 1 9 0 5 / 0 6 , S. 3 1 , Taf. X X X V I I . — 3) Monumenti
Antichi X X I I ( 1 9 1 3 ) S. 2 9 9 / 3 0 0 , besonders Nr. 1 1 7 b L , 1 1 8 d L.
Zeltschr. f. Ä g y p t . Spr. GO. Band. 7

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50 Ν. DE G. DAVIES: The Place of Audience in the Palace. [60. Band.

sind die Zeichen der Unterseite oft sehr ungeschickt, aber doch nicht so, daß ähnliches
nicht auch in äg. Zeit vorkäme. Wenn P R I N Z die zahlreichen Skarabäoide für die nichtäg.
Provenienz anführt, so ist dem zu entgegnen: Der Käfer ist keineswegs die ausschließ-
liche Form für Siegel gewesen, und Negerköpfe, Besköpfe, Widderköpfe, liegende Löwen
sind in Äg. sehr häufig und ein Satz wie „die Skarabäoide scheinen keine äg. Er-
findung zu sein, da ja in Äg. der Skarabäus heilig war und ein solcher Prozeß bei
der Identität von Form und Inhalt dem religiösen Gefühl der Ägypter widersprechen
mußte", ist für jeden, der eine äg. Skarabäensammlung gesehen hat, unverständlich.
Trotzdem ist die Auffassung, daß hier griechische Arbeit vorliegt, richtig. Nicht nur
die von P R I N Z angeführten Beispiele: Doppelflötenbläser, Naukratis 1, pl. 2, 1 3 ' ,
Mann mit der Lyra I, 2, 13 sprechen dafür, die könnte auch ein Ägypter nachgealnnt
haben (die Äg. haben seit dem NR oft fremde Typen dargestellt), sondern auch Greifen
u. dgl., vor allem aber der für naukratitische Ware charakteristische Kreis als Füll-
stück. Das ist gänzlich unägyptisch. Schließlich auch die sofort bei der Auffindung
beobachtete Tatsache, daß die naukratitischen Fayencen durchweg aus weicherem Ton-
material gearbeitet sind als die ägyptischen. Als Verfertiger dieser Ware kommen, darin
hat P R I N Z gegen E D G A R unzweifelhaft Recht, nur Griechen in Betracht, und eine ge-
nauere Durchmusterung dürfte dazu helfen, auch in den griechischen Funden Grie-
chisches von Phönikischem zu scheiden.
Vorstehende Zeilen sollen ein Hinweis darauf sein, welche Bedeutung die Skara-
bäen für die Kulturgeschichte der Mittelmeerländer haben.
Ein Corpus Scarabaeorum ist ein Unding, aber eine Zusammenstellung der wich-
tigsten Skarabäenfunde außerhalb Ägyptens in zuverlässigen Abbildungen würde für
die Archäologie außerordentlich nützlich sein. Freilich ist dabei ein Zusammen-
arbeiten namentlich mit den italienischen und griechischen Fachgenossen unbedingt
erforderlich. Wie weit das heute möglich ist, weiß ich nicht.

The Place of Audience in the Palace.


By Ν . DE G . D A V I E S .

I propose here to discuss more fully than 1 have yet done2 the pictures of the
window in the palace at which Akhnaton appears in public, and the interesting
relation between architectural features and the depiction of them which this parti-
cular erection exemplifies.
Pictures of the public appearance of the king, other than in the temple, or in
the semi-religious act of formally smiting down his enemies, are as good as non-
existent in the earlier periods, so far as our limited knowledge of scenes of the time
goes. The impression we get, however, is that no real change of custom has been
made. The absence of such pictures does not indicate a seclusion of the king, like
1) Siehe PKINZ, Vasenfunde aus Naukratis, Klio, 7. Beiheft, Leipzig 1908. — 2) J. Ε. Α., IX, pp. 1 3 8 , 1 4 8 .

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