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16 Α. SCHABFE: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. [61. Band.

Vorgeschichtliches zur Libyerfrage.


V o n ALEXANDER SCHARFF.

meines Aufenthaltes in Luxor im Sommer 1924 erwarb ich u. a. vier vor-


geschichtliche Tongefäße für das Berliner Museum, die ich zunächst hier veröffentliche.
Sie sollen, wie mir der alte Mohareb Todrus versicherte, aus der Nekropole von
El Chozam (der ersten Bahnstation nördlich von Luxor) stammen, die leider völlig
den einheimischen Raubgräbern anheiingefallen zu sein scheint. Sie gehören sämtlich
jener ältesten Gattung an, die PETRIE mit C (Cross-lined) bezeichnet; sie sind rot
gestrichen und poliert, das eine zudem innen und am Rand außen geschwärzt (black
topped), und sämtlich mit einer ζ. T. recht dick aufgetragenen weißen Farbe bemalt.
Berlin 22 388 (Taf. I, 1). Schlankes Gefäß mit Standfläche. H. 20,5 cm, Dm. der
Öffnung 10,5 cm, Dm. der Standfl. 6 cm. Auf dem Rand waren plastisch drei hinter-
einander herschreitende Elefanten aufgesetzt, von denen jetzt nur noch zwei erhalten
sind. Die Länge der beiden Tiere beträgt 8,1 und 6 cm, ihre Höhe 5,5 und 4 cm.
Die Dickhäuter sind auf den ersten Blick an ihren Rüsseln deutlich erkennbar. Bei
beiden Tieren ist über dem Ansatz des Rüssels eine jetzt beschädigte Stelle wahr-
nehmbar, die so aussieht, als sei hier eine hornartige Verlängerung der Stirn abge-
brochen. Was an dieser Stelle zu denken ist, vermag ich nicht zu sagen; für unser
Gefühl würde hier jede Verlängerung der Rücken- und Kopflinie den naturwahren
Eindruck der Tiere nur stören. Die Außenfläche des Gefäßes ist sehr abgerieben,
so daß' das gitterartig aufgemalte Zickzackmuster teilweise nur schlecht erkennbar ist;
doch lassen sich Anfang und Ende des Musters und zwar in nicht verbundenen Parallel-
streifen deutlich feststellen. Im unteren Teil ist das Gefäß ebenfalls mit dem üblichen,
hier fast völlig verblaßten Dreieckmuster bemalt.
Das Gefäß mit den plastisch aufgesetzten Tieren ist eins der wenigen Beispiele
seiner Art·. Bekannt sind mir aus vorgeschichtlicher Zeit, und zwar derselben Gefäß-
gruppe zugehörig, nur noch zwei Beispiele: Kairo, Cat. Gén. Nr. 11 570 aus Negade
(Taf. II, 1, vgl. QUIBELL, Arch. Obj. S. 1 2 0 u. Taf. 2 4 ) und AYRTON-LOAT, Pre-Dynastic
Cemetery at El-Mahasna 1911, Taf. XI Nr. 3 aus Grab H 29. In beiden Fällen handelt
es sich um Nilpferde, einmal um zwei, das andere Mal um vier Tiere, von denen je
zwei sich entgegenlaufen. Außerdem kann noch ein Gefäß, wiederum der Gattung
der weißflgurigen Gefäße angehörig, dazugestellt werden, an dessen Außenfläche vier
plastisch aufgesetzte Krokodile heraufzukriechen scheinen (Kairo, Cat. Gén. 18 804;
vgl. BISSING, Tongefäße S. 2 3 und Taf. VII). Die Verzierung mit auf dem Rand
oder an der Außenfläche plastisch aufgesetzten Tieren kommt in der Vorgeschichte
allein bei der weißflgurigen Keramik vor. Hier können wir in grauer Vorzeit die
Anfänge sehen, aus denen sich die von SCHÄFER eingehend behandelten Prunkgefäße
des NR mit aufgesetzten Rand Verzierungen entwickelt haben 1 .

1) SETHE, Untersuchungen IV, Iff. Zu der dort auf S. 14 abgebildeten Tonschale aus Dendereh möchte
ich noch folgende weitere Beispiele stellen: PETRIE, Gizeh and Rifeh S. 14, § 33 und Taf. X I A unten links,
auch Taf. X I I I , D 171 (Tongefäß des MR mit aufgesetzten Tieren) und PETKIE, Hyksos and Israelite Cities
Taf. X X X I I unten (Fayenceschale mit Fröschen innen und auf dem Rand, 22. Dyn.).

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Band 61.] A. SCHARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 17

Berlin 22 891 (Taf. I, 2). Großer Topf, von bei dieser Gruppe1 gewöhnlicher Form.
H. 19,5 cm, Dm. der Öiinung 18 cm, Dm. der Standfläche 7,5 cm. Er ist im Gegen-
satz zu den Töpfen 22 388 und 22 389 innen bis zum Anfang des ausladenden Randes
nicht poliert, sondern nur geglättet. Dieser ist leicht beschädigt und mit einem weißen
Zickzackmuster verziert. Der Topf ist dadurch besonders bemerkenswert, daß sich unter

/
Abb. 1.

den weiß aufgemalten Tieren, die zusammen mit einem Baum(?) und senkrechten Wasser-
linien (?) die Fläche bedecken (Abb. I a ) zweifellos das Sethtier und zwar in der deutlichen
1) Vgl. ζ. B. PETRIE, Prehistoric E g y p t Corpus 1 9 2 1 , Taf. X X I , 2 0 L und 2 7 Β, Taf. X X I I , 3 2 Ν. —
2) Die den Abb. 1 — 3 zugrundeliegenden Zeichnungen verdanke ich Fräulein C. SIEMENS. ^
Zeitschr. f. Agypt. Spr., 61. Band. 3

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18 A . SCHARFF: V o r g e s c h i c h t l i c h e s z u r L i b y e r f r a g e . [61. Band.

Gestalt eines Esels befindet. Das große, schräg aufwärts gerichtete Tier zeigt klar die
Merkmale des Sethtiers: das lange, spitze Maul, die beiden langen Ohren und den langen,
nach oben gerichteten Schwanz, der allerdings zum Bilde des Esels, wie wir es uns von
diesem Tiere zu machen pflegen, schlecht passen will. Herr Dr. H I L Z H E I M E R , der mich
hier wie auch bei andern, in diesem Aufsatz zur Sprache kommenden Tierbildern
freundlichst beriet, äußerte sich aber trotzdem dahin, daß angesichts der löckchenartig
angegebenen Mähne mit der Zeichnung nur ein Esel gemeint sein könne. Vielleicht
war das den geschichtlichen Ägyptern sicher nicht mehr bekannte und daher später
so vielseitig gedeutete Tier des Seth 1 ein in geschichtlicher Zeit ausgestorbener Vor-
fahre des uns bekannten Esels2. Wir hätten also in dem Bilde unseres Topfes eines
der ältesten Beispiele des Sethtiers. Zu ihm paßt nun aufs beste eine andere, ebenfalls
eselähnliche Darstellung vorgeschichtlicher Zeit, ein aus Knochen geschnitztes Tier-
figürchen, abgebildet bei A Y R T O N - L O A T , Pre-dyn. Cemetery at El-Mahasna Taf. XII, 2,
das wahrscheinlich den Schmuck des neben ihm sichtbaren Kammes gebildet hat und
schon von den Ausgräbern (S. 27) mit Wahrscheinlichkeit als das Tier des Seth be-
zeichnet worden ist. Von der Bedeutung des Sethtiers für die älteste Zeit wird weiter
unten (S. 23) die Rede sein.
Berlin 22 390 (Taf. I, 3). Becher, ebenfalls auf drei Füßen, die aber im Gegensatz
zu dem folgenden Stück auf einer Platte stehen. H. 13,8 cm, Dm. der Öffnung 8,8 cm;
die Standfläche ist unregelmäßig, etwa 5 , 2 x 5 , 6 cm; H. der Füße 2,5 cm. Der Rand
ist leicht bestoßen. Das Gefäß ist innen und außen am Rand bis durchschnittlich 3,5 cm
herab in der bekannten Weise der sogenannten „ black-topped "-Ware geschwärzt, im
übrigen rot gestrichen und poliert. Außen ist eine unregelmäßige, weiße Bemalung
unverhältnismäßig dick aufgetragen. Ein richtiges Muster ist in dem Gewirr von Drei-
ecken und krummen Linien — einige sehen wie Baumzweige aus — nicht zu erkennen.
Oben, in die Schwärzung hineinlaufend, eine Reihe einfacher Dreiecke. Ein dicker
weißer Strich faßt die Füße auf der Standfläche ein. — Auch dieser Typ ist selten;
ich kenne nur ein ähnliches Stück in Kairo, Cat. Gén. 2008 (vgl. B I S S I N G , Tongefäße
S. 21 und Taf. I), das wie das unsrige geschwärzt und weiß bemalt ist, die Fußplatte
aber nicht aufweist.
Berlin 22 389 (Taf. I, 4), Schale auf drei Füßen. H. 11 cm, Dm. der Öffnung 18 cm,
H. der Füße 3,7 cm. Die am Rand kreisrunde Schale ist innen und außen rot gestrichen
und poliert, aber nur innen mit einem in zwei Reihen übereinander angeordneten
Muster unverbundener, gitterartiger Vierecke bemalt; die obere Reihe zählt deren 15,
die untere 9. Eine genaue Parallele zu dieser Dreifußform kenne ich nicht, doch
sei an die gerade bei dieser Gruppe vorkommenden länglichen, auf vier Füßen ruhenden
Schalen erinnert (z. B . PETRIE, Preh. Eg. Corpus Taf. XXIII, 7 1 , 72 Β , 72 H ) .

Die weißfigurige Tonware der Vorgeschichte ist schon des öfteren zusammen-
hängend besprochen worden, und man hat in ihr gewiß mit Recht auf Grund der
hauptsächlichsten Formen wie auch häufiger Bemalungsarten eine Nachahmung von Korb-
flechterei erkannt 3 . Ferner hat schon der erste Entdecker, PETRIE, in ihr libysche
1) Zuletzt zusammengestellt bei KEES, Art. „Seth" in Pauly-Wissowa's Realenzyklopädie, Spalte 1897.
— 2) Ein recht altes Beispiel für die Darstellung des Seth als Esel hätten wir, sofern die Beobachtung
richtig ist, auf mehreren Särgen der 11. Dyn., wo nach DARESSY das Schriftzeichen des Seth deutlich einen
Eselskopf zeigen soll (Bull, de l'Inst. 13 (1917) S. 88); an den Drucktypen läßt es sich nicht erkennen
CHASSINAT-PALANQUE, Fouilles d'Assiout S. 187 Côté 4 Ζ. 2 und S. 219 ebenso). Eine Photographie der
fraglichen Zeichen, die mir Herr ALLEN von Chicago freundlicherweise zuschickte, bestätigt in der Tat
DARESSYS Angaben, soweit sie Maul und Mähne des Tiers betreffen. — 3) PETRIE, Prehistoric Egypt
1920, S. 14 § 25 und FRANKFORT Studies in early Pottery of the Near East I 1924, S. 94 ff., vor

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Band 61.] A. SCHAEFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 19

Keramik sehen wollen und zwar auf Grand von Vergleichen mit modemer, kabylisclier
Keramik 1 . Was ich davon an Abbildungen gesehen habe2, scheint mir indessen doch
nur sehr oberflächlich zu unserer weißfigurigen Ware zu passen. Auch sollte der
gewaltige Zeitraum zwischen der ägyptischen Vorgeschichte und den Verhältnissen
im heutigen Algerien vor übereilten Schlüssen warnen. Weiter hat man 3 mit Recht
die enge Zusammengehörigkeit unserer weißfigurigen Ware mit der rot poliert — schwarz
gebänderten und der nur rot polierten Tonware betont. Ein Beispiel für diesen
Zusammenhang mit der schwärz gebänderten AVare hatten wir ja oben (Berlm 22 390),
die Zusammengehörigkeit mit der rot polierten Ware dagegen ist an sich klar, da
jede weiße Bemalung auf einem rot polierten Gefäß angebracht ist. Allerdings müßte
hier eine Scheidung der Formen vorgenommen werden; denn, wie ein Blick auf die
Formentafeln des PETRiEschen Corpus4 lehrt, hat die weißfigurige Ware teilweise ihre
völlig eigenen, niemals ohne Bemalung vorkommenden Typen. Diesen drei eng ver-
wandten Gefäßarten stehen die Wellenhenkeltöpfe und die rotfigurigen Gefäße gegen-
über, die wiederum für sich zusammengehören. Um den Gegensatz dieser beiden
Gruppen zu kennzeichnen, sei nur darauf hingewiesen, daß ζ. B. niemals ein Wellen-
henkeltopf mit weißer Bemalung nach Art der auf Taf. I abgebildeten Gefäße oder ein
rot polierter, schwarz gebänderter Topf mit Wellenhenkeln vorkommt. Eine solche
Vermengung der beiden gegensätzlichen Gruppen wäre einfach undenkbar.
In P E T R I E S System der Staffeldaten (Sequence Dates, abgekürzt S. D.), mit dem
ich mich hier nicht weiter auseinander setzen will5, stehen denn auch die drei durch
die rote Politur gemeinsam gekennzeichneten Gefaßarten zusammen am Anfang (S. D.
80—88) und bilden das Hauptmerkmal für seine erste Kultur 6 . Diese umfaßt die
S. D. 30—38 und hat ihre ganz bestimmten Kennzeichen, die P E T R I E übersichtlich
zusammengestellt hat 7 . Als besonders wesentlich hebe ich davon hier folgende Dinge
hervor:
1. Häufige Doppelbestattungen,
2. in Tierhäute eingewickelte oder eingenähte Leichen,
8. Mitbestattung von Hunden,
4. Keramik: rot polierte, rot poliert — schwarz gebänderte und rot poliert —
weißfigurige Ware,
δ. rautenförmige Schminkt afein,
6. langzackige Kämme, häufig mit Tieren verziert,
7. tellerförmige Keulen,
8. viele Pfeilspitzen, überhaupt Mitgabe von Waffen,
9. Schnitzereien aus Nilpferdhauern (tusks) und Elfenbeinarbeiten,
10. Männerfiguren und bärtige Idole aus Elfenbein oder Knochen,
11. Steatopyge Frauenfiguren aus Ton oder Nilschlamm.

allem S. 95, Anm. 6; F. kommt es aber hier weniger auf die Darstellung der Ware im Rahmen der ägypt.
Vorgeschichte, als auf ihre Gegenüberstellung zur Keramik von Susa an.
1) Schon Naqada and Bailas, S. 63, § 100, später in Preh. Eg. S. 47, § 119. — 2) MACIVEE-WILKIN,
Libyan Notes 1901, Frontispiece und S. 57, Kap. X, Pl. 12—14. O. BATES bringt in seinem trefflichen Buche
„The Eastern Libyans" 1914 im Abschnitt über die Töpferei (S. 152/3) nichts über libysche Beziehungen zu
unserer ägyptischen Ware; er hat diese also wohl ebenfalls abgelehnt. — 3) PETEIE, FEANKFOET a. a. 0.
— 4) Vgl. Corpus Taf. 9—15 und 20—25. — 5) Siehe PETEIE, Diospolis Parva S. 4 und Preh. Eg. S. 3.
— In der bevorstehenden Publikation der Ausgrabung des vorgeschichtlichen Friedhofs von Abusir el-Meleq
wird eine bessere Gelegenheit zu einer Besprechung des S. D.-Systems sein. — 6) Über die Einteilung
der Vorgeschichte durch PETEIE in drei Kulturen vgl. Preh. Eg. S. 46, Chapter XIV. — 7) Preh. Eg.
S. 47, § 119.
3*

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20 A. SCHABFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. [61. Band.

Nicht kann ich PETRIE folgen bei seinen Ansichten über das Auftreten dieser
Kultur als Folge einer libyschen Invasion. Wenn er in den Frauenfiguren, nur weil
sie anders aussehen als die elfenbeinernen Männerbilder, Angehörige des unterjochten
Urvolkes sehen will, so scheint mir dies durch nichts bewiesen, pflegen doch in vielen
ältesten und primitiven Kulturen die Frauenfiguren mit besonders stark betonten Ober-
schenkeln und Brüsten gebildet zu werden1. Überhaupt ist PETRIE bei seiner Dar-
stellung der ägyptischen Vorgeschichte viel zu sehr beherrscht von der Vorstellung,
daß einzig feindliche Invasionen die ägyptische Kultur gebildet und gefördert hätten,
wohingegen wir doch gerade aus der geschichtlichen Zeit wissen, wie stete, boden-
ständige Weiterentwicklung dem Lande Segen brachte, während in Zeiten wirklicher
Invasionen, also etwa während der Hyksoszeit, alle höhere Kultur daniederlag. Ich glaube,
wir müssen die Entwicklung zur Kultur vielmehr als einen langsam fortschreitenden
Prozeß im Lande selbst betrachten, und ich stelle mir daher auch die Träger jener
ersten Kultur als eingesessene Oberägypter vor. Wann und unter welchen Anlässen
sie auf einmal mit einer so vollendeten Keramik wie der schwarz gebänderten und
als Hockerleichen bestattet aus dem völligen Dunkel einer reinen Steinzeit, von der
sich nur Steingeräte ohne Spuren von Bestattungen fanden, in das trübe Licht der
Vorgeschichte treten, wird wohl immer eine offene Frage bleiben.
Während bei der PETRiEschen Darstellung der ersten und der beiden folgenden
vorgeschichtlichen Kulturen Ägypten immer als Ganzes, oder zum mindesten das
gesamte langgestreckte Oberägypten als Einheit eine Eolle spielt, möchte ich besonders
betonen, daß sich die zur ersten Kultur gehörigen Funde nur auf einen ganz bestimmten
Teil Oberägyptens beschränken. Die Nekropolen, denen die Funde entstammen, ver-
teilen sich auf das Gebiet etwa von Abydos bis Theben: El Mahasnah und El Amrah
bei Abydos, Diospolis Parva (d. h. Abadijeh und Hu) bei Dendera, Negade und Bailas
gegenüber von Koptos, El Chozam nördlich von Luxor, schließlich Gebelèn, südlich
von Luxor, von wo verschiedene in unsern Kreis gehörige Stücke im Museum zu
Kairo stammen2. Weiter südlich ist bisher kein Friedhof vorgeschichtlicher Zeit
aufgedeckt worden bis hin zu dem schon zu Nubien gehörigen El Kubanieh, dessen
Friedhöfe in ihren ältesten Teilen durchaus mit den ägyptischen verwandt sind, aber
doch auch schon früh ihre nubischen Eigenarten zeigen3.
Der räumlich so umgrenzten ersten Kultur des südlichen Oberägyptens stehen
schroff die im nördlichen Teil Oberägyptens gelegenen Nekropolen von Abusir el-Meleq,
Gerzeh4 und Harageh5 gegenüber, die sämtlich unter PETRIES zweite Kultur6
fallen. Diese zweite Kultur beginnt bei PETRIE mit S. D. 88 und findet sich von
da an, wenn wir einmal in den relativen Staffeldaten ein wirkliches, zeitliches Auf-
einanderfolgen àehen wollen, auch in den oben genannten Nekropolen Oberägyptens.
Ihre Eigenarten festzustellen, wird eine Hauptaufgabe der Veröffentlichung der
Funde von Abusir el-Meleq sein. Schwierig ist es, die beiden Kulturen, wenn wir sie
örtlich betrachten, gegeneinander abzugrenzen, da auf der weiten Strecke zwischen
Abusir el-Meleq und der Gegend von Abydos bis jetzt keine vorgeschichtlichen

1) Man denke etwa an die berühmte „Venus von Willendorf" aus dem Jungpaläolithikum, zuletzt ab-
gebildet bei HÜB. SCHMIDT, Vorgeschichte Europas I, 1 9 2 4 , Taf. II, 5 ( A u s Natur und Geisteswelt, Bd. 571).
— 2 ) Die Kartenskizze bei DE MOEGAN, Recherches I, S. 68, Fig. 3 3 hebt unsere Südgruppe deutlich
heraus. Daß auch die Gegend von E l Kab wahrscheinlich hinzugehört, wird weiter unten (S. 25) erörtert
werden. — 3) JUNKEB, Kubanieh-Süd 1919. — F ü r den Zusammenhang mit der ersten ägyptischen Kultur
sprechen vor allem die beiden Scherben weißfiguriger Gefäße auf S. 48 der gen. Pubi. — 4 ) G. WAIN-
WKIGHT bei PETRIE, The Labyrinth, Gerzeh und Mazghuneh 1912, S. Iff. — 5 ) R. EKGELBACH, Harageh
1 9 2 3 , S. 6. — 6) Preh. E g . S. 48, § 120.

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Band 61.] A. SCKARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 21

Friedhöfe mit reichen Beigaben gefunden oder untersucht worden sind. Einige im
Museum von Kairo neu ausgestellte Fundstücke aus der letzten Grabung PETRIES bei
Gau el-Kebir 1 , bei der auch vorgeschichtliche Gräber aufgedeckt wurden, zeigen die
Zugehörigkeit zur ersten Kultur unserer Friedhöfe um Abydos, so daß mir zur Zeit
Gau el-Kebir als der nördlichste Punkt für das Vorkommen der ersten Kultur erscheint.
Im folgenden soll uns nur die erste Kultur im südlichen Oberägypten, also nach
PETRIE der die S. D. 8 0 — 3 8 umfassende Zeitraum beschäftigen, und es soll dargetan
werden, daß trotz Ablehnung einer libyschen Invasion und irgendwelcher Beziehungen zu
moderner algerischer Keramik in dieser Kultur mancherlei Funde und Eigenarten auf
einen Zusammenhang mit libyschen Funden oder aus späterer Zeit als libysch be-
kannten Dingen hinweisen, und zwar in dem Sinne, daß wir hier im südlichen Ober-
ägypten Spuren des Teiles der seit der 2. Dyn. scharf umrissen vor uns stehenden
ägyptischen Kultur finden, die dem libyschen oder vielleicht besser hamitischen Element
angehören, im Gegensatz zum semitischen, das wir in der Kultur von Abusir el-Meleq
kennen lernen werden.
Wieder nehmen wir als Ausgangspunkt eine rot polierte, weißfigurige Schale,
die infolge ihrer nur russischen Veröffentlichung weiteren Fachkreisen unbekannt
geblieben sein dürfte 2 (Taf. II. 2). Die Schale ist 21,4 cm lang, 16 cm breit und 5 cm
hoch. TURAJEFF möchte in den dargestellten vier Tieren Stiere sehen und in der
ganzen Szene das älteste Beispiel für das Darbringen der vier Kälber durch den König
erblicken 3 . Die Erklärung erscheint mir unrichtig, ich sehe vielmehr einen Jäger, der
mit vier Hunden auf die Jagd geht. In den vier Tieren Kälber oder Stiere zu sehen,
geht wegen des deutlichen Gebisses, der spitzen Ohren und des aufrecht stehenden
Schwanzes unmöglich an. Die durch diese Kennzeichen deutlich bestimmten Hunde
tragen Halsbänder, wie ich die bei drei Tieren erkennbaren, beutelartigen Gebilde
unter dem Hals erklären möchte, an denen die in der Hand des Jägers zusammen-
laufenden Leinen befestigt sind. Hunde dieser A r t mit Halsbändern, und gerade ihre
Vierzahl, spielen auch sonst bei der weißfigurigen Keramik eine Rolle; wir sehen
sie zum mindesten auf drei von PETRIE abgebildeten Gefäßen und zwar ganz deutlich
einen Steinbock umstellend, also wieder wie bei unserer Schale als Jagdtiere 4 . Unwill-
kürlich denkt man bei diesen halsbandgeschmückten, vorgeschichtlichen Hunden an
die berühmte Stele des Königs Antef der 11. Dyn., der sich mit seinen fünf ebenso
gezierten Lieblingshunden hat darstellen lassen5. Diese haben bekanntlich wegen ihrer
fremdartigen Namen von jeher das Interesse auf sich gezogen, und MASPERO hat
wohl zuerst in dem Namen des einen den noch heute in libyschen Gegenden vor-
kommenden Hundenamen Abaikur erkannt®. Es ist doch wohl mehr als ein Spiel

1) Auf dem Ostufer zwischen Assiut und Sohag. Das neuste Heft von Anc. Eg., in dem PETBIE über
diese Ausgrabung berichtet, lag zur Zeit der Abfassung dieses Aufsatzes noch nicht in Berlin vor. — Naga
ed-Dèr, ebenfalls auf dem Ostufer, bei Guirgeh gelegen, scheidet bei unseren Betrachtungen aus, weil die
dortigen Funde sämtlich der frühgeschichtlichen und noch späteren Zeit angehören. — 2) Schale Ν 2947 der
Slg. GOLENISCHEFF, veröff. von TURAJEFF, Musée des beaux arts Alexandre I I I à Moscou, Heft 1,2, Taf. I I
links und S. 19/20. Herr Prof. LOUKIAKOFF, z. Zt. in Kairo, hatte die große Freundlichkeit, mir den russischen
Text ins Französische zu übersetzen. — 3 ) W i e z. B. SCHÄFER, Kunst 2 S. 168, Abb. 138. — 4 ) Corpus
Taf. X X V , 92, 93 M, 96 L ; letzteres größer in Preh. Eg. Taf. X V I I , 69; wahrscheinlich gehören auch einige
Tiere der Gefäße von Corpus Taf. X X V , 91 und 98 D hierher. Auf dem Bilde der bei CAP AKT, Primitive
A r t S. 112, Fig. 84 und Preh. Eg. Taf. X X I I I , 2 wiedergegebenen Schale in Kairo greift ein den hier be-
sprochenen ähnlicher Hund einen größeren Vierfüßler an. Auch die beiden Hunde unter dem mit zwei
Löwen kämpfenden Manne auf dem Messergriff vom Gebel el-Arak (gegenüber von Abydos, also südl. Ober-
ägypten) dürften hierhergehören, s. SCHÄFER, Propyläenkunstgesch. I I 179 links. — δ ) Kairo, Cat. Gén.
20 512 (LANGE-SCHÄFER, Grab- und Denksteine des M R Bd. I I , S. 99 ff.). — 6) Vgl. R. BASSET in Sphinx
Bd. I (1897), S. 87.

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22 A. ScHARFF: Vorgeschichtliches zar Libyerfrage. [61. Band.

des Zufalls, daß gerade dieser Abaikur — es ist der mittelste Hund vor dem König —
in den beiden wesentlichen Kennzeichen, den steifen, spitzen Ohren und dem nach
oben gebogenen, kurzen Schwanz mit unsern vorgeschichtlichen Hunden genau über-
einstimmt, wie mir auch Herr Dr. HILZHEIMER bestätigte. Die Annahme ist also wohl
nicht zu kühn, in den Vorfahren des libyschen Abaikur ebenfalls libysche, d. h. mit
Sicherheit zu dem hamitischen Nordafrika gehörige Hunde zu sehen. Die vorgeschicht-
lichen Hunde sind nach Dr. HILZHEIMER eine Windhundart und die Ahnen des von
den späteren Ägyptern edler gezüchteten tsm-Windhunds. Wie sich der Abaikur von
dem über ihm dargestellten Jagdhund nur durch die aufrechten Ohren unterscheidet,
so sind auch die vorgeschichtlichen Windhunde nahe Verwandte des auch schon in früh-
geschichtlicher Zeit durch seine Hängeohren charakterisierten Jagdhunds, der ebenfalls
gerade in der uns hier beschäftigenden Gegend Oberägyptens, in Hierakonpolis, belegt
ist 1 . Wir haben also Windhunde in früh vorgeschichtlicher, den Jagdhund in frühgeschicht-
licher Zeit in * einem bestimmten Teil Oberägyptens, dann beide Hundearten zusammen
in der 11. Dyn. auf dem Denkmal eines Königs, der gerade über diesen Teil Ober-
ägyptens geherrscht hat. Angesichts des auf Libyen weisenden Hundenamens wird
man vollends nicht zweifeln können, daß diese beiden oberägyptischen Hundearten
von jeher zu der hier seit der Urzeit eingesessenen hamitischen Bevölkerung gehört
haben. Auch bleibe nicht unerwähnt, daß die bei den zu unserer ersten Kultur
gehörigen Gräbern mehrfach — und ζ. B. in völligem Gegensatz zu Abusir el-Meleq2 —
vorkommenden Hundebestattungen doch gewiß auf eine besondere Vorliebe jener
Bevölkerung für Hunde schließen lassen 3 .
Kehren wir zu der weißfigurigen Schale der Sammlung GOLENISCHEFF zurück
und betrachten wir den die Hunde führenden Jäger. Haben wir in jenen mit Sicher-
heit einen Zusammenhang mit dem hamitischen Element in Oberägypten erkannt, so
paßt das Aussehen des Jägers aufs beste hierzu, denn er ist durch Phallustasche und
Feder auf dem Kopf deutlich als Libyer gekennzeichnet. MÖLLER hat die Straußen-
feder, die auch bei den mit den Ägyptern und Libyern ux-verwandten südlichen
Nachbarn Ägyptens vorkommt, für die geschichtliche Zeit gerade als Hauptmerkmal
für die Libyer neben der als solches schon länger bekannten Phallustasche bezeichnet 4 .
Für die Form des Bogens wage ich etwas Ähnliches noch nicht auszusprechen, da
wir bislang noch zu wenig über libysche Bogen wissen. Vielleicht werden wir aus
dem von FROBENIUS im Atlasgebirge gesammelten Material von alten Felszeichnungen
neue Vergleichsmöglichkeiten gewinnen 5 . Auf den bis jetzt vorliegenden Blättern
sieht man Bogenschützen, die man mit unserm Jäger wohl zusammenbringen könnte,
und Männer mit deutlichen Phallustaschen. Doch ist bei solchen Vergleichen größte
Vorsicht geboten, da die nordafrikanischen Felsbilder, soviel ich sehe, noch der
Grundlage zu einer einigermaßen sicheren Datierung entbehren. . Der als Libyer
gekennzeichnete Jäger steht in unserm ältesten oberägyptischen Kulturkreis übrigens
nicht vereinzelt da. Auf dem oft abgebildeten Gefäß der weißfigurigen Gattimg, auf

1) CAP ART, Primitive Art S. 184, Fig. 145, aus Elfenbein, wohl 1. Dyn. Hierzu gehören offenbar auch
die drei Hunde auf der Vorderseite der kleineren Prunkschminktafel von Hierakonpolis, QUIBELL-GBEEN, Hiera-
konpolis II Taf. 28. — 2) Die in Abusir el-Meleq gefundenen elfenbeinernen Hundefigürchen (Mitt. DOG 30,
S. 23) müssen nach Dr. HILZHEIMEBS Urteil wegen zu starker Stilisierung bei unsern Hundebetrachtungen
völlig ausscheiden; Hundebestattungen kommen in Abusir el-Meleq überhaupt nicht vor. — 3) z. B.
PETBIE, Naqada and Bailas S. 13, § 2 9 ; S. 26, Grab 2 8 6 ; S. 62, wo ein Grab "full of dogs" erwähnt ist.
— 4 ) ZDMG 78 (1924), S. 41. — 5) L.FBOBENIUS und H. OBEBMAIEB, Hádschra máktuba, 1924. Bis jetzt
habe ich eine Lieferung mit 31 Tafeln gesehen; Bogenschützen auf Taf. 79, Männer mit Phallustasche auf
Taf. 7 2 und 1 2 5 .

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Band 61.] A. SCHARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 23

dem anscheinend ein Zweikampf dargestellt ist 1 , scheint der größere Mann rechts
ebenfalls die Phallustasche zu tragen. Weit deutlicher aber ist die .Elfenbeinfigur
eines Mannes aus dem Grabe Η 29 von El-Mahasnah 2 , der unverkennbar eine Phallus-
tasche trägt. Dieser hat wiederum seine Parallelen einerseits in einer von PETRIE
nach S. D. 34 versetzten, also in die Mitte der uns hier beschäftigenden Periode
gehörigen Elfenbeinfigur3, andrerseits in den zahlreichen aus Hierakonpolis stammenden
und der Frühzeit angehörigen Elfenbeinfiguren 4 . Da die Phallustasche bei den späteren
Libyerdarstellungen als libysches Abzeichen gilt und zuweilen sogar, wie MÖLLER
gezeigt hat 5 , in geschichtlicher Zeit noch von Ägyptern getragen wird, so scheint mir
bei diesen Figuren unsres alten Kulturkreises, den gemalten wie den elfenbeinernen,
die Verwandtschaft mit Libysch-Hamitischem besonders klar.
Die erwähnte Elfenbeinfigur aus El-Mahasnah entstammt einem unberührten
Grab6, das ein treffliches Beispiel für die uns hier beschäftigende Gruppe abgibt.
Ich zähle aus der Menge nur ein paar besonders bezeichnende Dinge auf: es enthielt
zwei Leichen, die erwähnte Elfenbeinfigur, das oben erwähnte weißfigurige Gefäß mit
plastisch aufgesetzten Nilpferden, eine rautenförmige Schminktafel, 2 Elfenbeingefäße,
einen Haarpfeil mit geschnitztem Vogel, einen langzackigen Kamm und wahrscheinlich
als Verzierung dazu gehörig eine Tierfigur, die schon die Finder als Tier des Seth
deuteten (vgl. oben S. 17).
Mit dem Sethtier stehen wir vor einer besonders schwierigen Frage, die auch
in unsern Betrachtungskreis hineinspielt. Schon oben bei dem neuen Berliner Topf
Nr. 22391 konnte ich zum mindesten eines der Tiere wegen seiner spitzen Ohren,
seiner langen, abwärts gebogenen Schnauze und seines langen, aufrechten Schwanzes
als Sethtier bezeichnen. Die Deutung lag aber auch abgesehen vom Aussehen des
Tieres nahe, war doch Seth, der Gott von Ombos (beim heutigen Bailas), mit
größter Wahrscheinlichkeit der alte Hauptgott des hier behandelten Gebiets. Für
die uns hier beschäftigende Frage wäre es also von größter Wichtigkeit, wenn sich
etwaige älteste Beziehungen des Seth zu Libyen, d. h. in unserm Sinne zur ältesten
hamitisch-oberägyptischen Kultur feststellen ließen. Und diese sind meiner Meinung
nach vorhanden gewesen, wenn auch das wesentliche Zeugnis dafür erst aus der
2. Dyn. stammt. Bekannt ist die Darstellung eines Libyergottes 3s auf dem großen
Relief mit der libyschen Beute aus dem Tempel des Sahure 7 . In den Erläuterungen zu
diesem Bilde haben schon BORCHARDT und SETHE bemerkt, daß dieser Gott is auf
Siegelabdrücken von Weinkrügen der ersten Dynastien, gefunden in den Königs-
gräbern von Abydos, vorkommt. Er kommt vor auf Siegeln der 2. (Perjebsen und
Chasechemui) und 3. Dyn. (Zoser).

Auf den ältesten Abdrücken (König Perjebsen)


er trägt die oberägyptische weiße Krone und bei der ersten Schreibung deutlich den
Kopf des Seth 8 .
Unter Chasechemui sehen Schreibung und Darstellung folgendermaßen aus:

1) Preh. Eg. Taf. XVIII, 74. — 2) AYBTON-LOAT, El-Mahasnah Taf. XI, 1. — 3) Preh. Eg. Taf. II, 23.
— 4) QUIBELL-GKEEN, Hierakonpolis Taf. VII, 1, VIII, 1—3, Χ, 1—3, 6. — δ) ZDMG 78 (1924), S. 41;
vgl. BLACKMAN, Meir I, Taf. 6. — 6) a. a. O. S. 11, Abbildung auf Taf. 2, Nr. 10. — 7) L. BORCHABDT,
Grabdenkmal des Sahure II (Tafelband), Bl. 1, (Textband) S. 14 und 74 (SETHE). — 8) I I : QUIBELL,
Arch. Obj. Taf. 8 Nr. 179 (z. B. Cat. Gén. 1 1 2 4 3 — 6 u. ö.) = WEILL, 2 m e et 3 m e Dyn. S. 114, Fig. 179.
i i : a. a. 0. Nr. 178 (z. B. Cat. Gén. 11238—42; das angebliche im ist sicher in ¿ i zu verbessern) = WEILL
a. a. 0. S. 114, Fig 178 (hier in einem Falle deutlich i i ) .

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24 A. SCHARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. [61. Band.

a) a j j , Falkenkopf mit Straußenfeder 1 ;


b) t z z i " ^ , FalkenkopfY?) ohne Feder 2 ;
c)
Schließlich glaube ich das von W E I L L mit Hr shtj umschriebene Beispiel
aus der Zeit des Zoser auf Grund der Ähnlichkeit der ganzen Darstellung auch als
v ^ ι—ι deuten zu dürfen. Der Gott trägt auch hier anscheinend einen Falkenkopf
oline Feder 4 .
Das Wichtige an dieser Übersicht ist, daß dieser Gott 3s oder s35 der Wein-
güter, die wir uns in den westlichen Oasen6 zu denken haben, in älterer Zeit sichtbar
dem Hauptgott Seth von Oberägypten angeglichen ist, oder vielleicht bloß eine Form
desselben war, später dagegen zu einem Falkengott (anfangs noch mit der libyschen
Feder geschmückt) wird. Hierbei mag der Falkengott von Küs beeinflussend gewirkt
haben, das vielleicht schon in so alter Zeit den gegenüberliegenden Hauptort Ombos
(Bailas) überflügelte. Daß auch die Spätzeit noch die Beziehung des Gottes 31 zu
Seth kannte, zeigen Stellen, in denen 3s, und zwar mit dem Sethtier ^¿J deter-
miniert, als einer der vielen Namen des Unholdes Seth auftritt 7 . Ferner ist kürzlich
von SHORTER im Journ. Eg. Arch. XI, 78 und Taf. 9 die Malerei auf einem späten,
vielleicht ψschon römischen Sarge veröffentlicht worden, die einen dreiköpfigen Dämon
„3$ mit vielen Gesichtern" zeigt. Die Köpfe sind die eines Löwen,
I I I I I
einer Uräusschlange und eines Geiers: die Schlange trägt die Krone des Südreichs,
ebendahin könnte auch der Geier = Nechbet von El Kab deuten. Wenn die Beischrift
Avas S E T H E nicht für ausgeschlossen hält, in ΑΡ A dsds „zu
Gaste^ in der Oase Bahrije" aufgelöst werden darf, so hätten wir hier in allerspätester
Zeit abermals ein Zeugnis für den Zusammenhang des Gottes 3$ mit dem südlichen
Oberägypten und den westlichen Oasen.
Hieran sei unter allem Vorbehalt noch eine Überlegung geknüpft, die nahe-
liegend ist und viel Verlockendes für sich hat, aber bis jetzt fern von jeder Beweis-
barkeit liegt. Nach den ältesten Schreibungen des Gottesnamens können wir also
zweifeln, ob der Gott 3s oder s3 geheißen hat 5 , und vielleicht wußten die Ägypter
der geschichtlichen Zeit bis hin zu den Verfassern der späten Tempeltexte, die sich
dann für 3s entschieden, selbst nicht mehr, welche Lesung die richtige war. Nehmen
wir einmal die Lesung S3 an, dem nichts im Wege steht, so denkt man unwillkürlich
an die bekannte Darstellung des Sethtiers in Beni Hasan 8 , wo es unter den Fabel-
1 ) QÜIBELL a. a. 0 . T a f . 9 , N r . 1 9 9 (ζ. B . Cat. Gén. 1 1 1 1 5 — 1 6 u . ö . ) — 2 ) WEILL a. a. 0 . S. 1 0 5 , F i g . 1 9 9 . —
3) QÜIBELL a. a. 0 . Taf. 9, Nr. 200 (ζ. Β. Cat. Gén. 11052, 11054 u. Ö.; das angebliche ws ist sicher in 31Í zu
lverbessern) = W E I L L a. a. O. S. 1 0 6 , F i g . 2 0 0 (deutlich i i ) . — 4 ) WEILL a. a. O. S. 7 6 , Κ 1 , 4 = GABSTANG,
Mahasnah and Bet Khallaf Taf. IX, 4. Die Verlesung 3htj wird aus der auch bei den andern Abdrücken üb-
lichen doppelten Umrahmung des zu erklären sein; daß ^ ^ statt steht, ist ja bei dem falken-
köpfigen Gotte leicht verständlich. — 5) Beide Lesungen sind möglich nach den Regeln der „Metathèses
apparentes" LACAU'S in Ree. XXV, 139ff.; so schon SETHE in BOECHABDT, Sahure II a. a. 0 . —
6) Vgl. die Kartenskizze WAINWBIGHT'S im Journ. Eg. Arch. IX, S. 30; auch sei daran erinnert, daß heut-
zutage die Eisenbahn nach der Oase Chargeh nicht allzuweit nördlich von Bailas das Niltal in westlicher
Richtung verläßt, weil hier die nächste Verbindung nach den westlichen Oasen ist. — 7) ROCHEMONTEIX,
Edfou I, 557 und Philae Phot. 291; beide Stellen verdanke ich dem Berliner Wörterbuch. —
8) NEWBERBY, Beni Hasan II, Taf. IV.

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Band 61.] A. SCHARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage.

tieren erscheint und s3 (hier aber mit dem Zeichen JtTtT geschrieben) heißt. Aus der
Ähnlichkeit dieses Wortes s3 (für das Sethtier und, wenn die Hypothese sich
bewähren sollte, für den Gott) mit dem Worte $3j „Schwein" wäre dann leicht die
bekannte Anspielung im Totenbuch Spruch 112 auf Seth als das schwarze Schwein
zu erklären 1 .
Von dem über Seth und Sethtier Gesagten scheint mir für die uns hier
beschäftigenden ältesten Beziehungen Oberägyptens zu Libyen im Kähmen einer ein-
heitlichen hamitischen Kultur das gesichert zu sein, daß es mindestens in der Zeit
der 2. Dyn. eine Form des alten Hauptgottes jener Gegend, des Seth von Ombos,
gab, die 3 s oder s 3 hieß und noch im Alten Reich (Sahure) als Libyergott, hier
allerdings ohne Beziehung zu Seth, auftritt, während umgekehrt in der Spätzeit 3s
als Beiname des Seth, ohne Beziehung zu Libyen, vorkommt. Daß der Gott
Seth (oder 3s: s3) wirklich schon in jener grauen Vorzeit vorauszusetzen ist, zeigen
die beiden oben angeführten, in unsern Kulturkreis gehörigen Darstellungen des
Sethtiers.
Indirekt von Bedeutung für unsere Frage ist weiter ein anderer Name, der auf
dem gleichen Relief wie der Gott 3s im Sahuretempel vorkommt; ich meine den als
libysch bezeichneten Ländernamen b3s. Schon BORCHARDT2 hat dabei
an das auf zwei großen Steingefaßen des Königs Chasechem der 2. Dyn. in Hiera-
konpolis vorkommende Wort J erinnert 3 . Dort ist nach Art der Jahrestäfelchen
c=]
rechts angegeben: Jahr des Schlagens der Nordvölker. Links davon knotet die
geiergestaltige j ^ j J © „die an der Spitze von El Kab befindliche" (also die Göttin
Nechbet), nach links gewendet, mit der einen Kralle die beiden Wappenpflanzen
um das Zeichen der Vereinigung; mit der andern steht sie auf dem Zeichen des
Ringes (Ω), in welches die beiden Zeichen J hineingeschrieben sind. Links, ihr
ι—ι
gegenüber, steht der Horusname des Chasechem. Die meisten Erklärer 4 haben
nun in der Gruppe bS einen andern Namen des Königs Chasechem erblicken
wollen, der ihm anläßlich des Sieges über die Nordvölker von der Geiergöttin
verliehen wurde; bestimmend für diese Annahme wird es wohl gewesen sein,
daß das Zeichen des Ringes, das an sich doch alles mögliche bedeuten oder um-
schließen kann, zufällig in der folgenden 3. Dyn. tatsächlich hinter dem Königs-
namen steht 5 und daß aus ihm sich der langgezogene Königsring entwickelt
hat. BORCHARDT2 will dagegen in bs den Namen des unterworfenen Landes er-
kennen, das die Geiergöttin dem König gefesselt (d. h. im Ringe) übergibt. Hier-
gegen ist zu sagen, daß sich bs nicht mit dem in der Inschrift erwähnten „Schlagen
der Nordvölker" verträgt, denn bs liegt, wie wir sehen werden, in oder angrenzend an
Oberägypten. SETHE 6 hat bei seiner Auseinandersetzung darüber, daß das libysche, also im
1) Auch KEES b e m e r k t , wie ich sehe, daß der Name des „Herrn von L i b y e n " an den Namen des
Sethtiers stark anklingt (PAÜLY-WISSOWA, Seth, Spalte 1898). — Sollte etwa auch, worauf mich GRAI'OW
hinweist, der Ortsname Schashotep (Hypselis), eine alte Kultstätte des Seth, durch unser S3 als S3-shtp
zu erklären sein? — 2) a. a. O. S. 11, besonders Anm. 4. — 3 ) QUIBELL, Hierakonpolis I, Taf. 3 6 / 8 . —
Übersicht über die sich an diese Gefäße und ihre Inschriften knüpfende Literatur bei "WEILL, 2 m e et 3 m e
Dyn., S. I l l Remarque. — 4 ) ζ. Β. SETHE, Untersuchungen III, S. 3 4 / 3 5 ; SETHE lehnt, wie er mir gegen-
über mündlich äußerte, eine Beziehung zu dem b3S des Sakurereliefs vor allem wegen des F e h l e n s des
Auges in der Schreibung auf den Steingefäßen von Hierakonpolis ab und sieht in bi einen nach Art etwa
des dn = w d j mw gebildeten Königsnamen. — 5 ) Vgl. die Inschrift auf der Tür aus der Stufenpyramide
von Sakkaia, Berlin 1 1 8 5 und LEPSIUS, Denkm. II, 2f. — 6) Sahure II, S. 75/76.
Zeitschr. f. Ägypt. Spr., 61. Band. 4

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26 A. SCHABFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. [61. Band.

Westen zu suchende Land bis oder bih später zum Ostland (bihw der Ostberg) wurde, auch
die Völkerliste Thutmosis' III. zitiert, in der, übrigens nicht weit hinter thnw ,,Libyen",
die Namen „Kopf von El Kab" und ^ ^ ^ ^ (Var. ^ C D C ^ ) aufgeführt
1
werden . Man wird sich doch wohl denken dürfen, daß zur Füllung einer solchen
Siegesliste, die mit möglichst vielen Namen prangen sollte, auch Namen mit auf-
genommen wurden, die keine Beziehungen zu den tatsächlichen Siegen Thutmosis' III.,
sondern nur historische Bedeutung hatten; wie sollte sonst tp-nhb, das man doch
wohl bei dem friedlich in Oberägypten liegenden El Kab zu suchen hat, in einer
Liste unterworfener Südvölker erscheinen? Da die Liste fast nur unbekannte Namen
enthält, ist eine geographische Anordnung nicht möglich, so daß man bis ebensogut,
wie SETHE es wegen der textlichen Nachbarschaft mit tp-nhb auf dem Ostufer suchen
möchte, auch auf dem Westufer annehmen kann oder, um wieder auf das bs des
Steingefaßes zu kommen, ganz allgemein für eine Bezeichnung der Gegend von El
Kab. Meine Deutung der Inschrift wäre dann folgende: Wie der Horusfalke auf dem
Namen des von ihm beschützten Königs, so sitzt die Geiergöttin auf dem Namen
des von ihr beschützten Landes bs2. In den unendlich häufigen Darstellungen der
über dem König schwebenden Geiergöttin 3 hält sie diesen Ring in den Krallen, stets
ohne Inschrift, wohl als Überbleibsel jener alten Darstellung; es ist übrigens bei
den später üblichen Bildern niemals gesagt oder angedeutet, daß sie dem König
mittels des Hinges einen neuen Namen oder gar ein unterworfenes Land zureiche.
Wir werden, um nun wieder auf die Vorgeschichte zurückzukommen, in dem bei
Hierakonpolis lokalisierten libyschen Lande bs oder bis wieder eine Erinnerung
daran haben, daß gerade dieser Teil Oberägyptens einstmals libysch-hamitisch war
und dem nördlichen Oberägypten nebst dem Delta, auf welche Gegenden sich das
„Schlagen der Nordvölker" in der Gefäßinschrift bezieht, ursprünglich feindlich gegen-
überstand. Dazu stimmt nun noch zweierlei bestens. Der von SETHE4 angeführte
Gott Sobk, der Herr von J j wohl sicher unser biS(w): bih(w), der
ebenfalls mit Göttern „die vor Libyen sind" (hntjw thnw) zusammen genannt ist 5 ,
könnte mit einem sonst m. W. unbekannten Sobk, der zu Gaste (hrj-ib) in El Kab
ist, zusammengestellt werden 6 , was wiederum zu der Aufzählung der Völkerliste
stimmt und für den Zusammenhang mit Libyen in der Gegend von El Kab spricht.
Ferner sei nochmals darauf hingewiesen, daß in derselben Völkerliste die aus dem
Sahurerelief als libysch bekannten Länder bìk.t und bis zu den s ü d l i c h e n Ländern,
wieder im Zusammenhang mit thnw „Libyen", gerechnet werden 7 . Die Nachbarschaft
mit Nubien, dessen Bewohner ursprünglich zum gleichen hamitischen Stamm wie
die Oberägypter und Libyer gehörten, spricht sich auch darin aus, daß umgekehrt

1) Urk. IV, 8 0 0 Nr. 91/92. — D i e Gleichsetzung dieses Ländernamens bii mit dem bi des Stein-
gefäßes scheint mir, abgesehen von den gemeinsamen Beziehungen zu nhb, wegen des Fehlens des A u g e s
in der Variante der Völkerliste erlaubt. Trotz dieser Übereinstimmung lehnt SETHE auch diese Gleich-
setzung ab, weil man den W - V o g e l auf dem Steingefäß erwarten müßte. Wer will aber wissen, ob
diese Schreibung schon in der 2. Dyn. üblich gewesen ist? — 2 ) Schon WIEDEMANN schlug eine ähn-
liche Deutung vor (OLZ III, 333). — 3 ) z. B. Farbtafel am Anfang von ERMAN-RANKE, Ägypten. —
4 ) Sahure II. S. 75/86. — 5 ) Pyr. 4 5 6 a . — 6 ) CHAMPOLLION, Notices I, 2 6 5 . — Ich verdanke den
Hinweis dem Geographiekolleg SETHES. — 7 ) Urk. IV 8 0 0 , Nr. 9 2 und 1 0 8 . , — Auch sei in diesem
Zusammenhang daran erinnert, daß der jüngere, von MÖLLER Tuimah vokalisierte Name für Libyen
und seine Bewohner bei seinem ersten Vorkommen (Herchufinschrift, Urk. I, 125) eine Gegend westlich vom
südlichen Oberägypten nnd von Unternubien bezeichnen muß; MÖLLER denkt an die Oase Kurkur (ZDMG 78
( 1 9 2 4 ) S. 45).

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Band 61.] A. SCHABFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 27

der nubische Gott Dedwen „zu Gaste in den westlichen Ländern" heißt1. Schließlich
sei daran erinnert, daß das Libyerrelief im Sahuretempel auf der Südwand des
Säulenhofs angebracht war — und zwar mit bewußtem Sinn2 — und daß auf dem
Relief desselben Tempels, auf dem Götter dem Könige Gefangene vorführen, gerade
„der von Ombos" (Seth) einen Puntmann und einen Libyer, also zwei Vertreter des
Südens oder je einen des Südens und Westens vorführt 3 . Sollte sich die Gleich-
setzung des Wortes ¿>s auf dem Steingefäß der 2. Dyn. aus Hierakonpolis mit dem
libyschen Ländernamen bis des Sahurereliefs und der Yölkerliste auf Grund der an-
geführten Tatsachen bewähren, so hätten wir in diesem Ländernamen bs = bis
ähnlich dem Gottesnamen 3s : S3 wieder ein Zeichen für den uralten Kulturzu-
sammenhang des südlichen Oberägyptens mit dem libysch-hamitischen Nordafrika.
Neben die GOLENlsCHEFFsche Schale mit dem Jäger und den Hunden, die zu-
sammen mit der weißfigurigen Keramik den Ausgangspunkt bei unserer Suche nach
hamitischen Elementen in Oberägypten gewesen ist, seien noch einige weitere archäo-
logische Funde gestellt, die auf denselben Zusammenhang hinweisen. Da ist zunächst
die aus Negade stammende Scherbe eines schwarzgebänderten Tongefäßes mit dem
deutlichen Bilde der unterägyptischen Krone die G. WAINWRIGHT einer eingehenden
Betrachtung unterzogen hat 4 . Das Gefäß gehört nach S. D. 3 5 — 3 9 , also durchaus in
den Bereich der hier besprochenen PETKiEschen ersten Kultur. WAINWRIGHT gibt,
ohne sich zu entscheiden, drei Erklärungen für das seltsame Erscheinen dieses unter-
ägyptischen Zeichens in so alter Zeit in Oberägypten, von denen mir aber die beiden
ersten ausscheiden zu müssen scheinen. Yon einem so frühen Reich im Delta, aus dessen
Hauptstadt Sais der Topf als Geschenk nach Negade gekommen sein könnte, wissen wir
nichts; auch wird sich bei der Veröffentlichung der Abusir el-Meleq-Funde zeigen, daß
die schwarzgebänderte Keramik in diesem nördlichen Kreis viel seltener und in andern
Formen auftritt als in ihrem Heimatland, dem südlichen Oberägypten. Aus demselben
Grund scheidet auch die zweite Erklärung aus, zumal irgendeine Beziehung des Zeichens
auf unserm Topfe zur Göttin Neith 5 nur wegen der unterägyptischen Krone mehr als
zweifelhaft ist. So bleibt die dritte Erklärung übrig, die in der Topfscherbe einen
Überrest libyscher Kultur in Oberägypten sehen will. Das Zeichen der unterägyptischen
Krone wird ein allgemein libysches gewesen sein, das uns im westlichen Delta mit der
Göttin Neith von Sais viel länger erhalten geblieben ist als in Oberägypten*, weil sich
die libyschen Hamiten dort bis in die geschichtliche Zeit hinein selbständig hielten.

1) Urk. IV, 338 (Puntexpedition der Hatschepsut). — 2) BOBCHABDT, Sahure II, S. 12. — 3) Ebenda
S. 19 und Tafelband, BL. 5. — Es ist mir unerfindlich, wieso KEES, Horus und Seth I, S. 26, in den von
Seth geführten Gefangenen Vertreter des Ostens sehen will. Mag der dem Seth in der oberen Götterreihe ent-
sprechende zerstörte Gott Horus gewesen sein oder nicht, jedenfalls führt dieser Gott dieselben Leute wie Seth,
nur den Libyer an erster, den Puntmann an zweiter Stelle. In der Anordnung der Gefangenenreihen im
Ganzen liegt überhaupt kein Gegensatz zwischen Nord und Süd oder Ost und West, denn der Libyer
z. B. kommt in beiden Reihen vor. Wollen wir diesen Gefangenengruppen einen Sinn unterlegen, so läßt
sich allerdings ein sinnvoller Gegensatz zwischen den beiden allein erhaltenen, hintereinander schreitenden
Göttern Seth und Sopdu und ihren Gefangenenpaaren feststellen, indem Sopdu, der Gott des Ostens, zum
mindesten einen, wahrscheinlich zwei Semiten, also die Vertreter des Ostens führt im Gegensatz zu Seth,
dem Gott des Westens, mit den Vertretern des Südens und Westens. Leider läßt sich diese Gegen-
sätzlichkeit wegen des Fehlens der Köpfe und Abzeichen aller übriger Götter nicht weiter fortführen.
— 4) Journ. Eg. Arch. IX· S. 2 6 — 3 3 . — 5) Oder sollte etwa in so alter Zeit schon an die später in
Theben verehrte Göttin Amaunet zu denken sein, die merkwürdigerweise fast immer die unterägyptische
Krone trägt? Das Vorkommen dieser Krone bei der libyschen Neith im westlichen Delta und der Amaunet
in Theben deutet auch auf jene ältesten Zusammenhänge, denen wir hier nachspüren. — 6) Hier nur bei
den recht seltenen Darstellungen der Göttin Amaunet (z. B. LANZONE, Diz. Taf. XXV, 1 u. 3).
4*

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28 A. SCHABFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. [61. Band.

So ist es j a auch gekommen, daß man sich die Libyer früher überhaupt nur an der
Grenze des westlichen Deltas vorstellen konnte, wo in geschichtlicher Zeit immerwährend
Zusammenstöße zwischen ihnen und den geeinigten Ägyptern stattfanden. Hätten wir
auch nur einen vorgeschichtlichen Fund aus dem westlichen Delta, so würden sich
gewiß weitere Zusammenhänge mit dem ältesten oberägyptischen Kulturkreis ergeben.
Ich möchte also die Scherbe mit dem Bilde der unterägyptischen Krone als ein einzelnes
Anzeichen fassen, das sich aufs beste den übrigen oberägyptisch-libyschen Zügen anpaßt.
Wir kommen zu einem unscheinbaren, aber doch sehr bezeichnenden Zeugnis
für die Verbreitung jener alten hamitischen Kultur in Teilen Nordafrikas einschließlich
Ägyptens: es ist die Feuersteinpfeilspitze mit Widerhaken (Abb. 2). Zwei Haupt-
typen kommen nebeneinander vor, ein breiterer ohne und ein schlankerer Typ mit
einem zungenartigen Stiel zwischen den Widerhaken1. Ich gebe
eme Übersicht über das Vorkommen:
1) Mauretanien; unter den Beigaben in einem Packbautumulus2.
Algerien und algerische Sahara 3 . Hier nur der Typ mit Stiel, Form
breit und schlank.
2) Oase Siwa; ebenfalls mit Stiel 4 .
3) Fajjum; beide Typen5.
4) Abydos und Umgebung6, Diospolis7, Negade8, also unser älte-
Abb. 2. ster oberägyptischen Kulturkreis; beide Typen.
5) El-Kurü in Nubien; beide Typen9.
Die Verbreitung dieser Pfeilspitzen über einen großen Teil des libysch-hami-
tischen Nordafrikas einschließlich unsrer ältesten oberägyptischen Kultur erscheint
danach völlig gesichert. Wir dürfen also in diesen Pfeilspitzen, die in unsern ober-
ägyptischen Friedhöfen gefunden sind, wiederum Anzeichen für den in jener Gegend
wurzelnden ältesten Zusammenhang mit dem hamitischen Nordafrika erblicken.
Eine ähnliche Verbreitung wie die Pfeilspitzen, aber ein der Kostbarkeit des
Gegenstandes entsprechendes, selteneres Vorkommen könnte eine besondere Gruppe
von Steingefäßen gehabt haben, die schon PETRIE mit ähnlichen libyschen zusammen-
gestellt hat1". Es handelt sich um Gefäße aus Basalt, die sich durch ihre breite
Standfläche und die annähernd kegelstumpfähnliche Form von allen ägyptischen
Gefäßen unterscheiden. BATES hat ein solches Basaltgefäß bei der Untersuchung

1 ) E s soll keineswegs behauptet werden, daß diese Pfeilspitzen lediglich nordafrikanisch seien ; vor allem der
an sich für eine Pfeilspitze so selbstverständliche Typ mit Stielansatz kommt in vielen andern Gegenden, z. B . in
Nordeuropa (HÜB. SCHMIDT, Vorgeschichte Europas I, 1 9 2 4 , Taf. IV, 4 und 5 (Aus Natur und Geisteswelt,
Bd. 5 7 1 ) , auch vor und ohne jede Beziehung zu Nordafrika. Wesentlich ist nur, daß diese Pfeilspitzen inner-
halb Nordafrikas an den bezeichneten Stellen und nicht z. B. in Abusir el-Meleq und den Friedhöfen dieser
Gegend oder in den östlichen Nachbarländern (Palästina) vorkommen. — 2 ) L . FBOBENIUS, Der kleinafrikanische
Grabbau ( P r ä h i s t . Z t s c h r . VIII, Iff.), S . 6 1 , A b b . 2 8 , zeitlich unbestimmt. — 3 ) BONSTETTEN, E s s a i sur les Dol-
mens, 1 8 6 5 , Pl. IV F i g . 4 (Dolmen in Algerien) und E . F . G A U T I E E , Sahara Algérien I, 1 9 0 8 , Pl. X I X F i g . 3 7 .
Ich verdanke diese Hinweise F r a u E . BAUMGÄETEL. — 4 ) 0 . BATES, The Eastern Libyans S. 1 4 5 , F i g . 5 6 .
— 5 ) O.BATES, The E a s t e r n Libyans T a f . 8 , 1 — 3 1 ; SETON-KABB in Annales V S. 1 5 3 — 1 6 0 ; PETBIE,Kahun
Taf. X V I ; DE MOEGAN, Recherches I, S. 1 2 6 , Fig. 1 8 5 — 1 9 1 . — 6 ) GAESTANG, Mahasnah and Bet Khallaf
PI. 3 ; DE MOEGAN, Recherches I, S. 1 2 7 , Fig. 1 9 9 — 2 0 1 , S . 1 2 8 / 9 , F i g . 2 0 2 — 2 2 3 , S. 1 3 0 , F i g . 2 2 4 — 2 2 5 . Lehr-
reich ist der vollkommene Gegensatz zu den von Heluan, also vom Norden stammenden Stücken F i g . 2 2 6 — 2 3 1
auf derselben Seite. — 7 ) PETEIE, Diospolis P a r v a Taf. VII, U 3 9 7 . — 8 ) PETEIE, Naqada and Bailas
S. 5 6 u. Taf. 72, 5 7 — 5 8 u. 73, 6 9 . — 9) REISNEB im Museum of F i n e A r t s Bulletin, Boston 1921,
Vol. X I X , 2 8 ; R. erwähnt diese auch nach ihm libyschen Pfeilspitzen im Zusammenhang mit einer ebenfalls
in den nubischen Pyramiden gefundenen Inschrift, nach der er die äthiopischen F ü r s t e n von den Libyern
ableitet. — 1 0 ) Preh. E g . S. 3 6 , § 8 9 und Taf. 3 6 , Nr. 5 2 u. 54, Taf. 42, Nr. 2 1 5 , 2 1 6 .

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Band 61.] A. ScHARFF: Vorgeschichtliches zur Libyerfrage. 29

libyscher Gräber in der Gegend von Marsa Matrüh (150 engl. Meilen westl.
von Alexandrien) gefunden, deren Alter er auf Grund verschiedener Anzeichen
schätzungsweise auf 2 0 0 0 — 1 5 0 0 v. Chr. angibt 1 (Abb. 3). Die Schwierigkeit des
Zusammenhangs mit den von P E T R I E daneben gestellten ägyptischen Gefäßen besteht
darin, daß diese nicht aus seinen Grabungen stammen, also nicht dem S. D.-System
eingegliedert sind, sodaß ihre Einreihung in die Vorgeschichte mehr gefühlsmäßig vor-
genommen wurde. Aber PETKIE bemerkt, daß REISNEII inzwischen ein seinem Typ 2 1 5
ähnliches, sicher vorgeschichtliches Gefäß gefunden hat; auch verweist er auf die
ebenfalls vorgeschichtlichen schwarzen Tongefäße von kegelstumpfähnlicher Form, die
wohl als Nachbildungen der kostbaren Steingefäße aufzufassen sind2. Das eine von
diesen Tongefäßen gehört nach S. D. 34, also mitten
in die uns hier beschäftigende Kultur hinein. Daß
man die fraglichen Steingefäße weniger ihrer Form
als ihres Materials und ihrer Bearbeitung wegen
sicherlich in die Vorgeschichte wird einreihen dürfen,
zeigt, wie ich glaube, ein ebenfalls im Antikenhandel
in Luxor erworbenes ähnliches Steingefäß, das ich
hier mit der freundlichen Erlaubnis seines Besitzers,
des Herrn Dr. A. YON GWINNER in Berlin, zum ersten
Male abbilden darf (Taf. II, 7). Es ist 9,3 cm hoch,
der obere Dm. beträgt 12,2 cm, der Dm. der Stand-
fläche 13,4 cm, die Breite des beschädigten Randes
2 , 2 cm. Es besteht nach der Angabe Prof. BELOWSKYS
aus Diorit mit eingesprengten Teilen von Plagioklas
und Hornblende. Am Bodeninnern befindet sich ein
Kranz unregelmäßiger Vertiefungen, die von der rohen Bearbeitung mit dem Meißel
herrühren und dem Gefäß eine sehr alte, höchstwahrscheinlich vorgeschichtliche Ent-
stehungszeit zusichern. Da es in Luxor gekauft ist, liegt die Vermutung nahe, daß
es wie so Vieles aus einem der vorgeschichtlichen Friedhöfe jener Gegend, etwa aus
El Chozam, stammt. Es ergäbe sich dann angesichts der Ähnlichkeit mit dem libyschen
Steingefäß von selbst wieder die Zugehörigkeit zu unserm oberägyptisch-hamitischen
Kulturkreis 3 .
Schließlich sei auf ein Anzeichen für die Verwandtschaft unsrer oberägyptischen
Kultur mit Nordafrika hingewiesen, auf das die Ethnologen und Anthropologen mehr
Wert legen dürften als die Archäologen, das aber darum doch nicht verschwiegen
werden soll: die schon zur Zeit der PETRlEschen Ausgrabung bei Negade vor-
genommene Schädeluntersuchung, die Ähnlichkeit mit modernen algerischen Schädeln
ergeben hat 4 .

Das ist alles und wenig genug, was ich für die Verwandtschaft der ältesten
oberägyptischen Kultur, der „Negadekultur" 5 oder PETRIES erster Kultur mit Libyen
1) Ancient Egypt 1915, S. 163, 1'2 und S. 164, 13; dazu stellt PETRIE im gleichen Band die in der
vor. Anm. nach Preh. Eg. zitierten beiden Basaltgefäße, S. 167, 26 u. 27. Die beiden hier ebenfalls von PETRIE
verglichenen Gefäße Nr. 22 u. 23 scheinen mir nicht zu der in Frage stehenden libyschen Gruppe zu gehören.
— 2) Preh. Eg. Corpus Taf. 19 Typ. 96 b, c und g. — 3) Erst nach Abfassung des Aufsatzes sehe ich, daß ein
in Byblos gefundenes Alabastergefäß mit dem Namen des Unas (also 6. Dyn., um 2500 v. Cr.) die Form der
hier besprochenen Gefäße zeigt (MONTET in Fondation Piot XXV Taf. 19,5); der neue Fund macht die
Frage nach der Herkunft dieser Steingefäße nur noch verwickelter. — 4) PETRIE, Naqada and Bailas S. 53.
— 5) Als Ausdruck für den hier allein behandelten Teil der ägyptischen Vorgeschichte mit dem Haupt-
friedhof Negade, nicht wie z. B. bei WIEDEMANN, Ägypten S. 44 für die ganze ägyptische Vorgeschichte.

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30 L. BORCHABDT: Jubiläumsbilder. [61. Band.

oder dem hainitischen Nordafrika vorzubringen habe 1 . Um kurz zusammenzufassen,


halte ich die folgenden sechs Punkte für gesichert:
1) Zusammenhang der Windhunde der weißfigurigen Keramik mit dem libyschen
Hund Abaikur.
2) Ägyptische Männerfiguren in Elfenbein und gemalt tragen die als libysch
bekannten Phallustaschen.
3) Der als Libyergott bekannte Gott is ist eine Form des Seth des Herrn
von Ombos.
4) Das als libysches Land bekannte Land ¿>1$ ist in der Gegend von El Kab
zu suchen.
δ) Verbreitung bestimmter Feuersteinpfeilspitzen von Mauretanien und Algerien
über die Oasen nach Negade und Nubien.
6) Annahme ähnlicher Verbreitung der kegelstumpfahnlichen Steingefäße.
Wir wünschen und hoffen, daß weitere Funde in Oberägypten und vor allem
in dem archäologisch noch viel zu wenig durchforschten Nordafrika eine Vermehrung
dieser Tatsachen bringen, die ja nur einen bescheidenen Anfang bedeuten. Wie sich zu
der hier allein behandelten libysch-oberägyptischen Kultur der nördliche Teil Ober-
ägyptens und wahrscheinlich der größte Teil des Deltas — vor allem das östliche Delta —
verhielten, wie sich beide Kulturen vermischten und die südliche in der stärkeren
nördlichen teilweise aufging, das soll in der Veröffentlichung der Funde des Gräber-
feldes von Abusir el-Meleq im einzelnen dargelegt werden. V

Jubiläumsbilder
Von LUDWIG BORCHARDT

1. Zusammengesetzte Blöcke aus dem Re'-Heiligtum von Abu Gurab


mit Jubiläumsszenen Ne-woser-re's2.
Hierzu Blatt IIa.

Die Bruchstücke aus unseren Grabungen im Re'-Heiligtume von Abu Gurab, die
in der Veröffentlichung 3 die Unterschrift tragen: „Der König weist die Opfer den
Priestern an", sind nach einigen einfachen Überlegungen richtig zusammengesetzt
recht wesentlich anders zu erklären.
1 ) Vgl. dazu, was MÖLLEE ZDMG 78, S. 4 2 / 4 3 über den Sprachzusammenhang zwischen dem Ä g y p -
tischen und den Berbersprachen u n d , ebenda an verschiedenen Stellen seines Aufsatzes, über die noch
in geschichtlicher Zeit erkennbaren Ähnlichkeiten (ζ. B. in der Kriegertracht S. 41) zwischen Ägyptern
und Libyern vorbringt. Auf S. 4 3 spricht er davon, „daß ganz Nordafrika einst von einer ziemlich
homogenen hamitischen Bevölkerung bewohnt w a r , die sich erst im Laufe des 3. Jährt, erheblich differen-
ziert hat".
2 ) D i e s e r erste Teil meines Aufsatzes mag ADOLF EBMAN, dem dieser Band gewidmet ist, auch an
seine Besuche in Abu Gurab im Januar und Februar 1 8 9 9 erinnern. — 3) Bd. 2 , die kleine Festdar-
stellung von v. BISSING U. KEES, Bl. 2 3 , 56a, 5 6 b , 5 1 — 5 9 , S. 7 und Untersuchungen zu den Reliefs usw.,
1. Teil von v. BISSINO unter Mitarbeit von KEES, Kapitel 6, S. 90/1.

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