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B5

BAU Mai 16
11 3 . J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin

ME ISTER
Sizas keramisches
+ Massiv
ATELIER ST GE STALTUNGSR ÄUME
DAV I D C H I PPE R F I E L D MIT ZIEGEL
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Editorial

E
insam steht er da, dieser Mensch, dieses Menschlein, auf unserem
Covermotiv. Verschwommen, vielleicht auch verloren. In jedem
Fall nicht gerade strahlend und dominant. Ein heller Schatten vor
der trutzigen Baukulisse und leicht düsterem Himmel.
Was wir sehen, ist formal gesehen eine konventionelle Architektur-
aufnahme. Und doch spiegelt sich in diesem Bild vieles von der
Wirkweise, die Architektur insgesamt hat, die sie haben kann. Der
Mensch und das Material, der Körper und der gebaute Raum, der
Körper schützen soll. Dies ist, zunächst einmal, kein harmonisches
Ganzes, keine „Einheit“. Im Gegenteil. Der Mensch trifft auf ein
Gebäude als etwas Äußeres. Er verändert die Mechanik des zu-
nächst nur still vor sich hin Stehenden. Er macht aus einer Kulisse
einen lebenden, realen, auch sozialen Kosmos. Er macht, könnte
man sagen, aus einem Bau überhaupt erst Architektur.
Die Materialität spielt in diesem Prozess eine wesentliche Rolle.
Materialien entwickeln ein Eigenleben – und zwar besonders im
Zusammenspiel mit Menschen, welche die mit ihrer Hilfe errichte-
ten Gebäude nutzen. Wir als Zeitschriftenmacher lieben diesen
Transformationsprozess. Deshalb machen wir auch heute immer
noch so gern Titelthemen, die sich mit bestimmten Materialien be-
schäftigen – Glas, Beton oder eben Ziegel. Das ist eigentlich nicht
originell. Unsere Konkurrenz setzt ähnliche Themen. Aber Titelthe-
men dieser Art geben uns die Gelegenheit, der Wirkweise der Ar-
chitektur selbst auf die Schliche zu kommen. Denn diese erkennt
man, wenn man verfolgt, wie ähnliche Grundparadigma – in die-
sem Fall eben das Material Ziegel – in unterschiedlichen Kontexten
wirken. Man erkennt dann, was flexibel ist an dem Stoff, aus dem
die Häuser sind – und was unveränderlich.
Man erkennt dann, natürlich, auch die Meisterschaft des einzelnen
Architekten, das quasi „Baumeisterliche“. Alvaro Siza, der Architekt
hinter unserem Titelbild, ist sicher so ein Meister. Auch wenn seine
Gebäude nicht immer funktional überzeugen – die Poesie des Ma-
AB SEITE terials vermag er hervorzukitzeln. Das Erzählen räumlicher Ge-
20
schichten oder der großen Metageschichte des Raumes gelingt
ihm so gut wie nicht vielen Architekten. Hören wir also zu.
COVE RFOTO: JOÃO MORGADO

Alexander Gutzmer
Chefredakteur
a.gutzmer@baumeister.de
4

B6 Köpfe Ideen
Das
traditions-
reiche
Baumaterial
Ziegel hat
auch beim
zeitgenössi-
schen Bauen
nicht an
Gültigkeit
eingebüßt.

10 Kersten Geers und David van Severen 20 Sizas Theaterbau bei Barcelona

10 20

Office KGDVS Die Handschrift


Steile Karriere: Das Brüsseler Kulturzentrum des Meisters
widmet den jungen Belgiern derzeit eine
Ausstellung. Das Auditorio Teatro bildet als keramisches
Massiv den Auftakt eines neu
erschlossenen Areals bei Barcelona.
14
32
Baukuh
Das Architekturkollektiv
Nachhaltige Geometrie
bewegt sich an der Schnittstelle Der Erweiterungsbau für die Sparkasse Ulm
zwischen Praxis und Theorie. reiht sich in das Œuvre der Stuttgarter
Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei.

44

In grauem Flanell
Wise Architecture errichteten in Seoul einen
stillen, introvertierten Ziegelbau.

54

Flickmauerwerk
BAU Innen Beton, außen geschlämmter Ziegel:
MEISTER. Erweiterung des Lutherarchiv von Atelier ST

DE 66

Wie Chipperfield Driade


neu belebt
Der Showroom in der Mailänder Innenstadt
überzeugt durch seine minimalistische For-
Zaha Hadid ist gestorben.
mensprache.
Nicht nur unsere „Mail an“ in
dieser Ausgabe widmen wir 72
der ersten weiblichen Pritzker-
Preisträgerin – auch auf
Weißer Satellit
baumeister.de finden Sie Der Münchner Flughafen baut an:
einen Beitrag. Erweiterung für den Terminal 2.
5

Fragen Lösungen

Gast-Arbeiter

Aleix Arcarons ist Architekt


und lebt in Barcelona. Studiert
und gearbeitet hat er bereits in
80 Dubai mag es – immer noch – golden 98 Tür von Teckentrup im Schloss Colditz, Sachsen Spanien und Italien – derzeit
arbeitet er an seiner Masterar-
beit zum Thema Nachhaltigkeit
und forscht im Bereich
80 90
Stadtplanung. Für uns hat er
Dämmung Sizas Theaterbau besucht.
Geht es bei der
Mipim um 96

Referenz
Architektur? Mehrzweckhalle mit Sanitärräumen
von Grohe

84 98

Geschäftslage Fenster, Türen, Tore


versus Auftrags-
bestände?

86 RUBRIKEN

Was kommt 6 Der portugiesische Fotograf


nach dem EIN BILD
42
João Morgado hat in seiner
Laufbahn die Werke bekannter
„Spatial Turn“? KLEINE WERKE
52
Architekten wie Álvaro Siza
oder Eduardo Souto de Moura
SONDERFÜHRUNG abgelichtet – und seine Bilder
64 in internationalen Magazinen
UNTERWEGS veröffentlicht. Unser Titelbild
84 und die Strecke des Siza-Baus
ARCHITE K TUR + M ANAGE ME NT Auditorio Teatro stammt von
96 ihm.
REFERENZ
106
PORTFOLIO: INTERIOR
105
IMPRE SSUM + VORSCHAU
11 4
MAIL AN...
Kreuzfahrtschiff MSC Divina Venedig 6
Ein Bild
7
„Der Tod in Venedig“
lautet Thomas Manns
Novelle von 1911,
in der Gustav von
Aschenbach sein
Leben lässt. Tod „von“
Venedig könnte man
heute schreiben: Der
Meeresspiegel steigt,
der Stadtboden rückt
ihm zwei Millimeter
pro Jahr entgegen –
keine wünschenswerte
Zusammenkunft. Die
Faktoren sind bekannt:
globale Erwärmung,
jahrelanges Abpum-
pen von Grundwas-
ser, das Eigengewicht
der Stadt (welches
sich Ende des Monats
mit Beginn der Bien-
nale wieder erhöht).
Ein Problem stellen
aber auch die Kreuz-
fahrtschiffe im Maß-
stab von Wolkenkrat-
zern dar, welche sich
an der dagegen
kleinmaßstäblichen
Struktur von Venedig
vorbeischieben, wie
hier die MSC Divina,
die einer Fußgänger-
zone gegenüber
der Basilika Santa
Maria bedrohlich
nahe kommt. Der
starke Wellenschlag
und die Vibrationen
der Schiffe schlagen
gegen Venedigs
Holzpfähle – daher
hat das Verwaltungs-
gericht von Venetien
das Passieren der
Schiffe beschränkt,
die Regulierungen
dann aber wieder
aufgehoben. Immer-
hin – einige Schiffe
laufen Alternativ-
Häfen an, weil sich
die Reedereien schon
auf die Beschränkun-
gen eingestellt haben.
De facto kommen
somit 300.000 Kreuz-
fahrttouristen
FOTO: STE FANO RE LL ANDINI

weniger in die Stadt.


Kein wirtschaftlicher
Verlust, denn die
290 Millionen Jahres-
umsatz decken sich
mit den Kosten,
die die Schiffe ver-
ursachen.

Text Maike Burk


David Van Severen...
9

8
Köpfe:
SEITE
10

Office
Kersten Geers
David Van
Severen
SEITE
14

Baukuh PAO L O C A R P I ,
S I LV I A L U P I ,
VITTORIO PIZZIGONI,
GIACOMO SUMMA,
P I E R PAO L O TA M B U R E L L I ,
UND
ANDREA ZANDERIGO
10

Leise Radikalität

Die Belgier Office


Kersten Geers
David Van Severen
bedienen sich
in ihrer Architektur
einer begrenzten
Modelle in der Ausstellung
„Everything Architecture“ in Brüssel

Anzahl von
geometrischen
Grundformen.
Das Bozar in
Brüssel widmet Wohnhaus für einen Perser

ihnen
derzeit eine
Ausstellung.
Text:
Trocknungshalle für Topfpflanzen in Brabant
Nadin Heinich
FOTO: BAS PRINCE N

Portraitfoto:
Tine Cooreman
Köpfe 1 und 2 11

...und Kersten Geers


12 Köpfe 1 und 2

A
Unbestimmte Räume eröffnet auch ihre Aus- len im historischen Stadtgefüge gefüllt, so
stellung im Bozar. Sie erschließt sich eher belebte öffentliche Orte geschaffen. Wei-
intuitiv als rational. Es handelt sich nicht wie ßes Drahtgeflecht von changierender Trans-
bei den bisherigen Ausstellungen von Office parenz umschließt jeweils einen Palmen-
KGDVS um eine Intervention eins zu eins. Zu garten mit quadratischem Grundriss. Der
sehen sind Entwürfe und realisierte Projekte von außen vorbeistreifende Blick erhascht
in Collagen, Fotos und Modellen – letztere die üppige Bepflanzung. Architektur als fein
rchitektur möchte sich zu oft neu erfinden meist Präsentationsmodelle des jeweiligen ausdifferenzierte Grenze, als Filter. Eine bei
– wir wollen vor allem präzise sein.“ In die- Projektes, nur wenige wurden extra für die Herselt in Belgien geplante Industriehalle
sem Fall ist das mehr als eine Behauptung. Ausstellung angefertigt. Dazwischen finden für das Trocknen von Pflanzen wurde so
Kersten Geers, Jahrgang 1975, und David sich Werke von Künstlern, die die Architek- leicht konstruiert, dass der Wind hindurch-
Van Severen, geboren 1978, können bereits ten inspirieren oder mit denen sie zusam- wehen kann. Die große, reduzierte, in ihren
jetzt eine außergewöhnliche Karriere vor- menarbeiten: Bas Princen, Stefano Graziani, Konturen verzogene Kiste aus perforierten
weisen. Sie kennen sich seit über 20 Jahren, Sol Lewitt, John Baldessari, Manfred Pernice, Metallplatten lässt die Konturen der Pflan-
haben zusammen studier t, zunächst in Rita McBride oder Dan Graham. Es ist ein er- zen durchscheinen. Mehr weglassen geht
Ghent, dann an der Escuela Técnica Superi- frischend natürlicher, ungezwungener Dia- nicht.
or de Arquitectura in Madrid bei Abalos und log. Zusätzlich zur chronologischen Ord- Und manchmal passiert etwas, das eigent-
Herreros. 2002 gründeten sie ihr Büro Office nung, im Zentrum Projekt Nr. 2 (Nr. 1 war die lich nie vorkommt: Jemand klingelt an der
Kersten Geers David Van Severen in Brüssel. Bürogründung), außen die neuesten Projek- Tür und bietet einen Auftrag an. Ein Wochen-
Mit „After the Party“ und Konfetti auf dem te, wurden die Arbeiten lose in drei ver- endhaus in Merchtem? In diesem kleinen
Fußboden wurden sie 2008 als Kuratoren des schiedene Bereiche – in „Boxes“, „Rooms“ Ort in Belgien, dem die meisten Menschen
belgischen Pavillons auf der Architektur- und „Urban Frames“ – gruppiert. Erklärt wird in ihrer freien Zeit lieber entfliehen möch-
biennale in Venedig bekannt. Zwei Jahre nichts. Man erfährt nicht, was realisiert, was ten? Die Anfrage kam von einem Perser, der
später gewannen sie ebenda den silbernen in Planung ist, welche Projekte bisher nur als eine vage Vorstellung von persischen Gär-
Löwen als bestes junges Architekturbüro. Entwurf existieren. Jedes Exponat steht für ten im Kopf hatte. Das Grundstück war mit 40
Seitdem ist die Zahl der Mitarbeiter stetig sich, das Modell eines Hauses als Teil einer Metern sehr lang, dabei nur 10 Meter breit.
gewachsen – auf aktuell 20 Personen. Auf Arbeit von Dan Graham neben einem Mo- Das bestehende alte Haus am Eingang wur-
eine Vielzahl von Ausstellungen und Preisen dell von Office KGDVS, ein plastisch wirken- de zum Gästehaus umfunktioniert. Das Wo-
folgte Anfang März diesen Jahres ihre Ein- des Foto von Bas Princen, eine Skulptur von chenendhaus entwickelt sich als eine Folge
zelausstellung „Everything Architecture“ im Manfred Pernice, die beinahe ein Konzept- von vier Räumen von je zehn mal zehn Me-
Brüsseler Kulturzentrum Palais des Beaux- modell von Geers und Van Severen sein tern, vier Gärten mit jeweils eigenem Cha-
Arts Bozar. Parallel dazu erscheint eine Pub- könnte. Der Kosmos, den man da durchwan- rakter. Das Zentrum bilden die beiden mitt-
likation in drei Bänden über ihre Arbeit bei dert, erinnert an die Art des Erzählens in Fil- leren Räume, einer mit einem fest installier-
Walther König. Soeben haben sie den Kunst- men von Andrey Tarkowski, irgendetwas ten Dach, der einem Schlaf- und Wohnzim-
preis der Sektion Baukunst der Akademie zwischen Realität und Traum: gestern, heu- mer am nächsten kommt, der zweite als
der Künste in Berlin erhalten (die Jury bilde- te, morgen – Modell, Kunst, Leben. „tropischer Garten“ mit Swimmingpool, Ba-
ten Volker Staab, Klaus Bollinger und Boris Diese mehrdeutige Lesart ist typisch für Of- dezimmer und einer mobilen Überdachung,
Schade-Bünsow), sie lehren an der Yale so- fice Kersten Geers David Van Severen. Das die vom ersten, als einfachen Hof konzipier-
wie der EPFL in Lausanne und sind in diesem beginnt bei ihren Collagen, die immer ein ten Raum über den zweiten gefahren wer-
Herbst die Kuratoren der Biennale Interieur bisschen entrückt wirken, jedoch nie kom- den kann. Ein Spiel zwischen Jahreszeiten,
in Kortrijk. plett der Realität entfliehen. High-End-Ren- zwischen kompakt und großzügig, innen
derings, die kaum von Fotos zu unterschei- und außen.
Everything Architecture den sind, gibt es nicht. Ihre Zeichnungen Zu den herausfordernsten aktuellen Projek-
erstellen sie mit Photoshop, früher, weil sie ten zählt das neue Gebäude für Radio Tele-
Ihre unbedingte Stärke gewinnt die Archi- sich teure Renderingprogramme nicht leis- vision Suisse. Es wird eine Verbindung zwi-
tektur von Office Kersten Geers David Van ten konnten, inzwischen als bewusstes Mit- schen dem Campus der EPFL, der Eidgenös-
Severen durch ihre Präzision, Entschieden- tel zum Zweck. Entrückt und mehrdeutig sischen Technischen Hochschule und der
heit, die Konzentration auf das Wesentliche. sind auch die Fotos des Niederländers Bas Universität von Lausanne in der Schweiz bil-
Sie entwerfen einfache, klare Formen, Qua- Princen, der alle Gebäude von Office KGDVS den, zwischen Ausbildung und Forschung,
drate, Rechtecke, Kreise, denen sie auch fotografiert, mit dem sie von Anfang an zu- klassischem Rundfunk und zeitgenössi-
bei den größer werdenden Bauvolumen treu sammenarbeiten. Es ist ein Austausch auf schen Medien. Wie sieht ein öffentliches
bleiben. „Die besten Projekte sind für mich Augenhöhe. Geerst und Van Severen geben Gebäude für so eine Institution heute aus?
die mit einem sehr begrenzten Budget. Sie nie konkrete Anweisungen, was wie foto- Wenn alles digital wird, wie kann man etwas
werden dadurch schärfer.“ so Van Severen. grafieren werden soll. Die Fotos sind keine schaffen, das auch physisch sinnlich erfahr-
Doch bei aller Beschränkung gibt es immer Dokumentation ihrer Gebäude, sondern bar ist? Der Entwurf sieht ein riesiges Gebäu-
dieses surreale Moment, diese gewisse Un- eine weitere Erzählebene. Manchmal wer- de von 90 auf 150 Meter vor, eine kleine
bestimmtheit, die ihre sehr guten Arbeiten den sie so abstrakt, dass sie beinahe selbst Stadt. Everything Architecture.
ausmacht. Sie verhindert, dass das Einfache wie Collagen wirken. Von der Realität zu-
ins Banale kippt, lässt die Radikalität ihrer rück zur Fiktion. Die Ausstellung „Everything
Entwürfe erst auf den zweiten Blick sichtbar Architecture“ findet noch
werden. Ein Wohnhaus mit einem komplett Von Nr. 1 bis Nr. 201 bis 29. Mai im Centre for Fine
runden Grundriss, eine Villa, in der alle Zim- Arts Bozar in Brüssel statt.
mer über zwei Etagen quadratisch sind, ein Alle Projekte von Office KGDVS sind genau
Lagerhaus, das auf eine Hülle aus perforier- durchnummeriert, inzwischen sind es über
tem, durchscheinendem Metall reduziert 200. Für die Kunstbiennale in Sharjah in den
wird – fast als ob das Gebäude nicht existent Vereinigten Arabischen Emiraten haben sie
wäre. mit „Oasis“, drei Gartenpavillons, Leerstel-
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14

Humanistische
Wissenschaftler

oder

Die
Generation
ohne
Meister
Interview:
Leonardo Lella

Das Mailänder Architektur-


Kollektiv Baukuh arbeitet
an der Schnittstelle zwischen
Praxis und Theorie in einer
europäisch weit vernetzten
Gruppe von Architekten.
Porträt einer in der
Superdutch-Ära aufge-
wachsenen Generation
Köpfe 3 bis 8 15
BAUMEISTER: Wofür steht „Baukuh“? definieren. Während unserer Studienzeit in
ANDREA ZANDERIGO: Baukuh wa r u r- den 1990er Jahren erlebten wir einen
sprünglich Teil eines weiteren Projekts, ein Overkill von niederländischer Baukultur,
Kollektiv für Architekturtheorie, das wir in selbstverständlich zuallererst vom Werk
einem größeren Kreis von Freunden reali- von OMA, das uns alle so stark beein-
sieren wollten. Die Gruppe sollte sich „Bunte flusst hat. Die Auswirkungen des Buchs
Kuh“ nennen, nach der Stadt des Buchs „S,M,L,XL“ waren beeindruckend in einer
„Also sprach Zarathustra“ von Nietzsche, sie Universitätswelt, die zumindest in Italien
wurde aber nie verwirklicht. Nach dem noch an Rossis Begriffe von Kontext und
Gewinn des Wettbewerbes „Europan 7“ Typologie gebunden war. Die Koohlaas-
entschieden wir dann mit dem Zusatz „Bau“ Theorien haben sich letztendlich in unse-
die Theoriegruppe in ein Architekturbüro zu rem Fall mit der Lehre der letzten italieni-
verwandeln. schen Meister vermischt: Rossi und Grassi.
Im Allgemeinen denken wir, die Archi-
B : In den letzten zehn Jahren haben sich tektur sollte immer nicht nur auf die vorhe-
Architektur-Kollektive ohne Hierarchien mit rige Generation schauen, sondern fünf,
zunehmendem Erfolg in ganz Europa gebil- zehn, 100 oder 500 Jahren zurück.
det. Kollektive gab es aber schon Ende der
60er Jahre, als Antwort auf die grundlegen- B : Ihre Texte zeichnen Ihren Entwurfspro-
den Veränderung der Gesellschaft, die zess ab. Inwiefern beeinflusst die theoreti-
durch studentische Bewegungen erforder- sche Arbeit Ihre konkreten Projekte?
lich geworden waren. Warum die Rückkehr A Z : Eine Verbindung zwischen Theorie
zur kollektiven Arbeit? und Praxis ist auf jeden Fall notwendig,
A Z : Architektur ist immer – in Bezug auf muss aber nicht unbedingt eine direkte
ihren Entstehungs- und Entwurfsprozess – ein Korrespondenz werden. Die Theorie ver-
kollektives Produkt gewesen. Wir sind über- sucht, zu untersuchen und zu erklären, was
zeugt, dass die Zusammenarbeit zu einer man konkret entwirft. Zur gleichen Zeit
rationaleren Architektur führt: Wenn man beeinflusst zwangsläufig die Praxis, was
gemeinsam entwirft, muss man einen klaren man sagt und schreibt. Wir glauben, Archi-
Ansatz im Kopf haben, um ihn überzeugend tektur ist eine „humanistische Wissen-
zu machen. Dieser Prozess steht nicht im schaft“, also eine Pseudowissenschaft, die
Konflikt mit der individuellen Kreativität, die auf eine unendliche Zahl von Fällen
auch im Rahmen rationaler Entscheidungen beruht. Von daher ist sie nicht ganz auf
herausgehen kann. Und das zeigt sich auch einen rationalen Prozess übertragbar. Wir
in unseren Gebäuden selbst. messen d ie Archi tek tu r angelsächs-
ischen Rechtssystem im Gegensatz zum
B : Ihre intensive Auseinandersetzung mit römischen. Das römische Rechtssystem
der Theorie zeigt sich in verschiedenen bestehet aus einer Reihe von a priori be-
Publikationen und dem Kuratieren der Zeit- schlossenen Gesetzen, die dann die ein-
schrift „San Rocco“. Ich habe das Gefühl, zelnen Fälle lösen sollen. Das angelsächs-
dass Architekten gerade in Krisenzeiten ische extrapoliert die Lösungen aus einer
intensiver der Theorie nachgehen. Warum Häufung von Fällen, die selbst jedes Mal
setzen Sie sich heute so intensiv mit der The- die Bedingungen und Regeln für die neuen
orie auseinander? Probleme bieten. Im Gegensatz zum typo-
A Z : Hier spielt zunächst eine spezielle Situ- logischen Prozess von Rossis Schule reden
ation der italienischen Architekturkultur wir lieber von spezifischen Gebäuden,
eine große Rolle: Unsere Generation hatte durch spezifische Bedingungen produ-
immer den Eindruck, in den letzten 30 Jah- ziert, die natürlich auf eine Typologie ver-
ren habe die italienische Architektur nichts weisen, die aber eine viel höhere Komple-
wirklich Interessantes geschaffen. Wenn xität mit sich bringen.
man keine direkten Meister hat, wenn man
sich nicht mit einer bestimmten kulturellen B: Wie haben Sie das Prinzip der Komplexi-
Umwelt identifiziert, dann muss man schließ- tät der Stadt auf Ihr aktuellstes Projekt
lich seine Meister und Referenzen in der „Casa della Memoria“ angewendet?
Vergangenheit finden. Dafür ist es erforder- A Z : Der Ausgangspunkt für dieses Projekt
lich, sich intensiv mit Theorie zu befassen. war eine Frage: Wie kann ein öffentliches
Jedoch wäre es falsch zu glauben, dass das Cover vom italieni- Gebäude das kollektive Gedächtnis dar-
ein italienischer Einzelfall ist: Wir haben schen Magazin stellen? Alle anderen Wettbewerber inter-
bereits vor der Gründung unseres Büros bei San Rocco. Der Titel pretierten die Erinnerung als Zugänglich-
jungen europäischen Architekten das Inte- stammt von einem Ort keit, Transparenz, Öffnung und schlugen
resse an der Theorie erkannt. Sogar in Län- in Monza, für den Glasboxen vor. Wir sind von einer gegen-
dern wie den Niederlanden, wo mit der Giorgio Grassi und sätzlichen Vorstellung ausgegangen: Das
entscheidenden Phase des Superdutchs Aldo Rossi 1971 an kollektive Gedächtnis ist etwas Empfindli-
kein Rückgang der Bautätigkeit stattfand, einem Wettbewerb ches, etwas zu Schützendes. Sein Zuhause
wollten die jungen Architekten einmal teilnahmen. Das muss also ein sicherer Ort sein, eine in sich
nachdenken – mit dem Ziel, den Architek- Projekt wurde nicht geschlossene Struktur. Dann wurden auf
turprozess kritisch zu betrachten und neu zu verwirklicht. dieses erste Konzept andere Suggestionen

WEITER
16 Köpfe 3 bis 8
übertragen. Die erste waren die alten euro- serer Peripherien haben den selben Wert.
päischen Kornhäuser: Zweckbauten, die Sicherlich bringt dieses Ding in Italien zu
aber wegen ihrer Wichtigkeit repräsentativ einer Art Obstruktion zur Modernität, aber
gestaltet worden sind – beispielweise das das hat im Allgemeinen mit der Haltung zur
Kornhaus von Bern. Weitere Referenzen Vergangenheit zu tun: Es ist keine Frage der
waren die Typologie der venezianischen Architektur, sondern ein allgemeines kultu-
„Scuole“, die Loggia von Orsamichele in relles Problem. Man darf aber nicht außer
Florenz und offensichtlich die lombardische Acht lassen, dass die großen italienischen
Baukultur, die schon immer gebrannte Projekte unserer Zeit – zum Beispiel der Vul-
Backsteine als Dekoration verwendet. cano Buono von Renzo Piano, das Maxxi von
Zaha Hadid, die Gebäude von Fuksas –
B : Interessant ist der Standort des Projekts eigentlich viel fortschrittlicher sind, als wir
zwischen dem ehemaligen Arbeiterviertel heute glauben.
Isola und dem neoliberalen Triumph des
Projektes Porta Nuova. Wie versöhnen Sie
die zwei verschiedenen Gebiete?
A Z : Das Casa della Memoria gehört wahr-
scheinlich mehr der kleinmaßstäbigen
Stadt von Isola, als den gläsernen Türmen
von Porta Nuova, in Hinsicht auf Maßstab,
Material und Nutzung. Das Gebäude über-
nimmt ga r nicht die Rolle der Pu f fer-
zone, die eher dem Park zukommt. Das Auf-
einanderprallen zwei so unterschiedlicher
Kontexte hat von Anfang an zu Spannungen
zwischen Bürgern, Investoren und Stadt ge-
führt und die Idee, ein öffentliches Archiv zu
bauen, kam nach langen Verhandlungen
zwischen den verschiedenen Akteuren her- TITELTHEMA
aus. An dieser Debatte nahmen wir aller- ZIEGEL
dings nicht teil, weil sie vor der Ausschrei-
bung des Wettbewerbes stattfand.

B: Der Kontext scheint mir immer der Aus-


gangspunkt Ihrer Projekte, so zum Beispiel
auch die Wohnhäuser in Tirana, wo die städ-
tische Kontinuität mit der kommunistischen
Ära durch die Verwendung einer bestimm-
ten Klotzigkeit ausgedrückt wurde. Es ist
interessant, dass Sie die Reaktion auf den
Ort als einzige Entwurfslösung würdigen und
vo n d a h e r d i e B ü rg e r b e t e i l i g u n g i m
Entwurfsprozess ausschließen.
A Z : Wir sind grundsätzlich nicht gegen
Der Ausgangs-
Bürgerbeteiligungen, aber wir glauben,
die Architektur ist ein spezifisches Wissen, punkt für dieses
das nicht jeder hat. Die Wünsche der Men-
schen zu berücksichtigen ist zwar wichtig,
es gehört aber in eine erste Phase, die mit
Projekt war
Architektur sehr wenig zu tun hat. Das Pro-
jekt selbst sollte dann die Konkretisierung eine Frage:
der Wünsche, Ängste, Bedürfnisse, Ambi-
tionen und Erinnerung eines Ortes sein, also Wie kann ein
eine Kristallisierung der Zeit im Sinne Rossis.

B: Wie viele andere italienischen Archi-


öffentliches
tekten, von der Nachkriegsmoderne bis zu
Grassi, Rossi oder die Tessiner Tendenza, Gebäude das
erwähnen Sie die Architektur der Vergan- Fassade aus Ziegel-
genheit als Schlüssel zur Lösung aller ande-
ren aktuellen architektonischen Probleme.
werk: 19 ikono-
grafische Programme
kollektive
Warum kann sich die italienische Architek-
tur von seiner Geschichte nicht trennen?
bilden die Funktion
des Gebäudes nach
Gedächtnis
A Z : Alles, was schon gebaut wurde, ist eine Außen ab. Die Motive
Ressource für heute: Konstruktivismus, Puris- basieren auf Auf- darstellen?
mus, New York Five, Bramante, Otto Wagner, nahmen aus dem
Vignola, sogar die banale Architektur un- Archiv. Andrea Zanderigo
Burdenko Building Moskau Q Sergey Skuratov Architects, Moskau

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Wie eine Festung sitzt das Auditorium
von Siza in der Landschaft
19

6
Ideen:
SEITE
20
Auditorium
in Llinars del Vallès
SEITE
32
Erweiterung
der Sparkasse Ulm
SEITE
44
Bürobau in Seoul
SEITE
54
Lutherarchiv in
Eisleben
SEITE
66
Showroom in
Mailand
SEITE
72
Flughafenerweiterung
München
FOTO: JOÃO MORGADO
20 Ideen 1
21
Das Massiv besteht
im Wesentlichen aus
zwei Volumen:
dem Auditorium mit
TITELTHEMA
300 Sitzen und einem
ZIEGEL
Verwaltungstrakt.

Architekt:
Álvaro Siza Vieira

Die
Handschrift
des Meisters Fotos:
João Morgado

Kritik:
Aleix Arcaron

40 Kilometer von Barcelona sitzt Sizas Auditorio Teatro als keramisches


Massiv in der Landschaft. Das Theater ist Teil eines Bebauungsplans und
wurde als Eingangsportal des Areals als erstes von drei Gebäuden realisiert
– schon vor Fertigstellung der weiteren Bauten fungiert der Ziegelbau als
Magnet für die Bewohner im Umkreis.
22 Ideen 1

Klarer Einschnitt: die


geschlossenen Ziegel-
flächen werden von
langgezogenen Pano-
ramafenstern durch-
brochen.
23
Treppen und Neben-
räume sind von den
beiden Hauptvolumen
entkoppelt. So entsteht
eine Serie von Gebäu-
deflügeln, die dunkle
Schatten über die
roten Ziegelwände
werfen und dem Bau
Tiefe verleihen.
24 Ideen 1
25
Keramische Masse mit
Tiefe: Zwischen den
Volumen wird der
Besucher ins Innere
des Gebäudes ge-
zogen. Die Sogwirkung
ist insbesondere von
Bedeutung, da der
Siza-Bau als Eingang
des neu erschlossenen
Areals fungiert.
26
Oben: Hinter den Kulis-
sen – die Bühnentech-
nik im nach außen als
überhöhtes Volumen
ablesbaren Luftraum

Unten: Zuschauerraum
mit Platz für 300 Besu-
cher
Ideen 1 27

Über den Sitzen befin-


det sich eine sanft ge-
schwungene Decke.
Dahinter verbirgt sich
die Lichttechnik.
28 Ideen 1
Feine Details: Siza
schreibt den Sockel im
Innenraum fort.
So entsteht eine starke
Verbindung zwischen
Innen und Außen.

Die Einschnitte zwi-


schen den Volumen
lassen Blickbezie-
hungen unter den
Räumen entstehen
und dienen der natür-
lichen Belichtung.
29
Die Elemente des Entwurfs ordnen sich um bild mit der Schaffung eines freundlichen

D
ein Kernstück: das szenische Gehäuse. Ein Innenraums für den Besucher. Das Beleuch-
Prinzip, das sich auf das gesamte Raumpro- tungskonzept zeigt sich dabei bemerkens-
gramm in Form einer terrassenartigen Staf- wert flexibel und passt sich den verschiede-
felung von Volumina und Einschnitten über- nen Anforderungen jeden Raumes stets er-
trägt. So entsteht ein geometrisches Spiel freulich neu an.
aus Licht und Schatten.
Von der Waldgrenze aus betrachtet wirkt

D
ass ein Pritzker-Preisträger in einer Kommu- der Bau schwer und massiv. Die Wahrneh-
ne plant oder baut, stellt für die Bewohner mung einer festungsartigen Architektur wird
nicht automatisch eine gute Nachricht dar. durch die Gestaltung der Wände verstärkt.
Vor allem nicht in Spanien. Zunächst einmal Eine keramische Masse – die allerdings eine
bringt ein prestigeträchtiger Neubau viel Eingliederung in den Kontext sucht.
Administrationsaufwand mit sich. Ein weite- Der Ziegelstein als Baumaterial stellt eine
res Problem vieler Projekte: von vornherein Haut dar, die aus größerer Entfernung eine
veraltete Ausstattungen. Die Befürchtung uniforme, monolithähnliche Gestalt wahr- ie Gänge im Inneren zeichnen sich durch
der Bürger: Gerade die Großmeister neh- nehmen lässt. Bei näherer Betrachtung löst Räume doppelter Höhe aus. Zugänge zu
men es mit planerischen Details nicht so ge- diese sich jedoch in eine vielteilige und va- den Aufführungssälen sind angedeutet, ent-
nau. Dementsprechend skeptisch nahm das riierende Struktur auf. Aus wirtschaftlichen wickeln aber nie eine zu aufdringliche Prä-
Dorf Llinars del Vallès, 40 Kilometer von Bar- Gründen benutzte man industriell herge- senz. Gelegentlich erscheinen fragmentar-
celona entfernt, die Ankündigung auf, der stellten Ziegel. Jedoch entschied sich Siza tige Ausschnitte, Bruchstücke der Land-
Portugiese Álvaro Siza zeichne für den Be- bewusst für die Rohansicht des Materials. Ein schaft, die durch Einschnitte zwischen den
bauungsplan „Can Marquès“ verantwort- Amalgam aus Seriennummern, Deformie- Volumina im Innern des Gebäudes wahrge-
lich. rungen und Markierungen des Produktions- nommen werden.
Der Name dieses Plans, den Siza in Zusam- prozess sprenkelt nun die Fassade des roten Ihren Höhepunkt erlangt diese Gestaltung
menarbeit mit Studio Aresta entwickelte, Klinkerbaus. im Saal „Montseny“, in dem sich zwei große
stammt von einem Landhaus an der nord- horizontale Fenster als eine Art Aussichts-
östlichen Grenze des Stadtgebiets. Es han- plattform zur Ebene hin öffnen. Die auffälli-

D
delt sich um unbebautes Terrain, das, von ge Einfachheit der Räume verdeutlicht die
Wäldern umgeben, vor dem Montseny-Ge- Aufmerksamkeit des Architekten gegen-
birgszug liegt. über den konstruktiven Details und der Ge-
Den ersten Bau hat Siza inzwischen fertig: staltung des Innenraums. Um jegliche visu-
das Teatre Auditori. Zwei weitere Projekte elle Ablenkung zu vermeiden, werden Kli-
sind in Planung – eine soziale Wohnungs- maanlagen und die indirekte, künstliche
baueinheit und die Rehabilitierung des Beleuchtung verborgen. Die Ursprünglich-
Landhauses, das in eine Musikschule für die ie selbsttragenden Wände umgeben ein keit der Räume von den administrativen Ein-
Gemeinde verwandelt werden soll. Der The- Stahlbetonskelett, das Mauerwerk schließt heiten bis zu dem Auditorium wird somit auf-
aterbau fungiert als Eingangsportal zu dem sich durch stützlose Verbundstellen direkt rechterhalten. Die Neutralität des Weißen
neuen Gebiet. Seine Fassade reicht zur an die Stahlträger an. Dies ermöglicht eine erzielt hier einmal mehr eine absolute
Hauptstraße und fügt sich harmonisch in die lückenlose Isolierung. Wärmebrücken wer- Nüchternheit.
Umgebung mit den angrenzenden Waldflä- den so vermieden. Ohne seine starke Präsenz in der Umgebung
chen ein. Die werden künftig Teil eines städ- Dieses System wird auch für das umlaufende leugnen zu wollen, strahlt das Projekt aus
tischen Parks sein. Dämmmauerwerk verwendet. Dessen Zie- der Nähe Bescheidenheit aus. Diesem Werk

Aus dem Spanischen von Josephine Taraschkewitz


Bereits ein Jahr nach Inbetriebnahme ist das gelsteinverkleidung schließt durch die Ab- gelingt es, seine Einzelelemente auf einen
Gebäude integraler Bestandteil des tägli- wesenheit eines Sockels direkt an die Ze- gemeinsamen Nenner zu bringen. Noch ist
chen Lebens vor Ort. Der Spielplan ist voll, mentierung an. Der Kontakt des restlichen es zu früh, um über die anfänglichen Zweifel
die Zahlen an der Theaterkasse gut. Die Ein- Gebäudes mit dem Untergrund wird durch der Bürger urteilen zu können. Festhalten
wohner Llinars bekommen Produktionen auf einen angedeuteten Granitsockel gelöst. kann man jedoch, dass Siza der Stadt Llinars
anspruchsvollem Niveau zu sehen. Das The- Sein Material ist von grober Textur, ähnlich einen neuen Ort des Zusammenlebens von
ater ist heute ein Anziehungspunkt auch für dem des Ziegelsteins und abgestimmt mit Stadtleben und Kultur geschenkt hat.
umliegende Gemeinden. den Pflastersteinen des zentralen Hofs, der
Man lehnt sich wohl nicht zu weit aus dem zum Theater führt. Das gleiche Material wur- Pläne auf den
Fenster, wenn man sagt: Auch die Architek- de genutzt, um die konstruktiven Besonder- folgenden Seiten
tur trägt zum Erfolg bei. Der Schlüssel liegt in heiten der Tür- und Fensterlaibungen und
der Vielseitigkeit des Baus. Von Beginn an den Abschluss der Mauern zu betonen.
wurden Leerzeiten vermieden. Theaterstü- Durch die fein abgestimmten Materialien
cke wechseln mit anderen Nutzungen durch entsteht für das gesamte Gebäude ein Ein-
die Gemeinde. druck von Kohärenz.
Zusätzlich zu Foyer und Auditorium (mit ei- Die Präsenz der Außenmaterialien steht im
ner Kapazität von 300 Personen) stehen für Kontrast zu einem eher neutralen Innen-
die Kulturaktivitäten der Gemeinde zwei raum. Das Weiß der Wände ergänzt sich mit
Versammlungssäle zur Verfügung. Bei der den cremefarbigen Mamorsockeln und ih-
Vermietung zeigen sich die Eigner flexibel. ren matten Abschlüssen. Insgesamt ist das
So steigt die soziale und wirtschaftliche Leis- Material dezent gehalten, um die Wirkung
tung des Gebäudes. des Lichts hervorzuheben, das wichtiges
Die verschiedenen Nutzungen verleihen schöpferisches Element des Entwurfs ist. Es
dem Gebäude zugleich auch seine Form. antwortet auf das einschüchternde Außen-
30

Gebrauchter Ziegel

Aus dem roten Massiv


entwickelt sich beim Nä-
herkommen ein plasti-
sches Amalgam aus Seri-
ennummern, Deformie-
rungen und Markierun-
gen. Die Anforderung,
das Gebäude in industri-
ell hergestelltem Ziegel
zu errichten, nutzte Siza,
um ihm einen eigenen
Charakter zu verleihen.

OG
A

M 1:5 0 0

B B
A

EG
Ideen 1 31

M 1:1 0 . 0 0 0
Lageplan

BAUHERR:
Teatre Llinars UTE

ARCHITE K T:
Álvaro Siza Vieira

ASSOZIIERTE:
Aresta, A+U, SLP
(Manel Somoza – Manel González,
arquitectos)

MITARBE ITE R:
Clemente Meneres, Architekt

TR AGWERKSPL ANUNG:
GOP, Gabinete de Obras e Projectos
Lda. (Leitung: Jorge Nunes da Silva)

HYDRAULIK:
Raquel Fernandes; Calefacción,
(Ventilation und Klimaanlagen:
Raul Bessa)
Schnitt A-A
FERTIGSTELLUNG:
Juli 2015

STANDORT:
Llinars del Vallès, Barcelona,
Spanien

Schnitt B-B
32 Ideen 2
33
Verwaltungsbau für
die Sparkasse Ulm:
LRO greifen bei dem
Bau auf bewährte
TITELTHEMA
Motive ihres Schaffens
ZIEGEL
zurück.

Architekten:
Lederer Ragnarsdóttir Oei

Nachhaltige
Geometrie Kritik:
Christiane Müller

Fotos:
Roland Halbe

Der Neubau für die Ulmer Sparkasse überzeugt durch kluge Materialwahl
und die Liebe zum Detail. Damit reiht sich der Bau in das Œuvre der Stutt-
garter Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei ein. Hinter dem Konzept steht
eine kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung des nachhaltigen
Bauens.
34 Ideen 2
35
Linke Seite: Übergang
zwischen den beiden
Sparkassen-Bauten
„Kloster“ und dem
„weißen Haus“

Rechts: Der Neubau


bezieht sich in seiner
Materialität auf das
sogenannte „Neue
Haus“, ein Korn-
speicher aus der Spät-
renaissance.
36

W
abgrenzt. Mit ihrem Ziegelbau leisten die
Architekten einen Beitrag zur Diskussion um „Wie bekom-
zeitgenössisches und nachhaltiges Bauen.
Dabei bewegt sie grundsätzlich die Frage, men wir
„welche Art von Häusern wir bauen wollen“.
Lederer verweist auf technikaffine Bau-
herren, die sich ein ganzjährig auf 26 Grad
die Häuser
er den Entwurfsansatz des neuen Sparkas-
sengebäudes in Ulm von Lederer Ragnars-
temperiertes Gebäude wünschen und den
vermeintlichen Vorzügen modernster Tech-
dazu, dass
dottir Oei verstehen will, muss den Neubau
von seiner Westseite her betrachten. Über
nikapparaten schnell erliegen. Wie rechnet
sich etwa eine teure Photovoltaikanlage, sie nicht
der „Großen Blau“, die sich durch das male- wenn das Haus überhaupt nur 30 Jahre
rische Fischerviertel schlängelt, erhebt sich steht? Der Architekt fordert eine kritische 30, sondern
der archaisch anmutende Ziegelbau, der Auseinandersetzung mit dem Begriff des
aus den alten Backsteinmauern des an- nachhaltigen Bauens und regt an, dabei 100 bis 200
grenzenden Gebäudes herauszuwachsen vermehrt auf die Architektur selbst zu set-
scheint. Das Ensemble ergibt eine interes-
sante Schnittfigur: Auf der einen Seite der
zen. Eine große Bedeutung misst er dabei
den ausgewählten Materialien bei: „Wie
Jahre
sogenannte „Neue Bau“, ein wuchtiger ehe-
maliger Kornspeicher aus der Ulmer Spätre-
bekommen wir die Häuser dazu, dass sie
nicht 30, sondern 100 bis 200 Jahre halten?“.
halten?“
naissance mit Spitzdach und fünfeckigem Im Fall des Ulmer Sparkassengebäudes Arno Lederer
Grundriss, auf der anderen Seite der schma- bedurfte es einiger Überzeugungsarbeit,
le siebengeschossige Verwaltungsbau, der die Bauherren für die energetischen wie
dem natürlichen Geländeverlauf folgend gestalterischen Vorteile einer Fassade aus
nach Süden hin um ein Geschoss abfällt. gebrauchten Ziegeln zu gewinnen. Neben
Den Architekten war es wichtig, die westli- der geringen grauen Energie sind dies
che Einfahrt in die Stadt durch eine neue Tor- auch die um die Hälfte niedrigeren Kosten
situation zu definieren. „Auf beiden Seiten gegenüber einer voll verglasten Fassade
der Neuen Straße stehen nun stabile Häuser, sowie der geringere Reinigungsaufwand.
so dass du merkst, dass du in die Stadt her- Stattdessen investierten die Architekten in
einkommst. Das hat etwas mit der Materiali- die aufwändig gestalteten Fensterbänder
tät zu tun und damit, wie das Haus steht“, aus poliertem Edelstahl, die in einem star-
erklärt Arno Lederer. ken Kontrast zu der rauen Patina der Ziegel-
Zugleich wirkt das Ziegelensemble aus Neu- wand stehen. Die Zickzack-förmigen Erker
bau und historischer Bausubstanz wie ein sollen symbolisieren, dass die traditionelle
Stück reparierte Stadt innerhalb der frag- Sparkasse in der heutigen Zeit angekom-
mentierten Altstadt, durch die in den 1950er- men ist. Das Alte und das Neue, die Vergan-
Jahren ohne Rücksicht auf das vormalige genheit und die Zukunft liegen hier dicht
Straßennetz und die historische Bebauungs- beieinander. Der architektonische Mehr-
struktur die Neue Straße als vierspurige Ver- wert dieser Fensterbänder offenbart sich im
kehrsschneise angelegt wurde. Erst Jahre Gebäudeinneren: Die schmalen, auf einem
später erfuhr die Diskussion um die Stadter- Raster von 1,35 Meter aufgebauten Büro-
neuerung durch die Auseinandersetzung räume erhalten durch die dreieckigen Erker
mit Richard Meiers strahlend weißem Stadt- zusätzlich Raum und Licht. Zugleich werden
haus am Münstermarkt einen wichtigen Im- seitliche Ausblicke auf die umliegende
puls, der dazu führte, dass die Neue Straße Stadtstruktur ermöglicht.
Ende der 90er-Jahre zurückgebaut wurde. Die stämmigen Arkaden der Straßenfront
Eine große Tiefgarage verläuft heute unter ziehen sich um die Stirnseite des Hauses und
der Straße und entlastet die Innenstadt. Auf verkleiden die öffentliche Nutzung des Erd-
den freigelegten Grundstücken darüber geschosses. Formal beziehen sich die Arka-
bilden zahlreiche Neubauten auf keilförmi- den auf die breiten, bunt bemalten Fassa-
gen Grundstücken die sogenannte Neue denelemente des Ulmer Rathauses oder wie
Mitte: die Kunsthalle von Wolfram Wöhr, das der Architekt mit einem Augenzwinkern
Kaufhaus Münstertor von Stephan Braunfels erklärt: „Sie sind wie die dicken, schweren
und schließlich die beiden neuen Sparkas- Beine eines gut genährten Schwaben, der
sengebäude, wovon eines aus der Feder über’s Land geht“. Der Formenkanon der
des Stuttgarter Büros stammt, die den Wett- umliegenden Renaissancebauten mit den
bewerb 2007 gewonnen hatten. spitzen Giebeln und den herzförmigen Grif-
fen in den Fensterläden scheint die Archi-
Bauen mit Substanz tekten zu diesem Spiel mit geometrischen
Grundformen angeregt zu haben. Zu den
„Wir beschäftigen uns mit der Frage des abgeschrägten Arkaden und den dreiecki-
Weiterbauens, so dass der Eindruck ent- gen Erkern gesellen sich an der Stirnseite
steht, dass etwas schon immer da gewesen k reis runde verk leidete Ö f fnungen. Sie
ist“, beschreibt Arno Lederer den Entwurfs- dienen der indirekten Beleuchtung der
ansatz, der sich von den anderen Neubau- dahinter liegenden Aufenthaltsbereiche.
ten mit ihren Sichtbeton- und Glassfassaden Der Grundriss ist als effizienter Dreibund

WEITER
Ideen 2 37
Oben: Die Architekten
bilden mit dem Neu-
bau eine Straßenkante
aus, gemeinsam mit
dem Bestand flankiert
der Bau den Eingang
der Straße.

Links: Mehr Licht und


einen starken Bezug
zum „Neuen Haus“
schaffen die Zick zack-
Fenster.

Rechts: Dachterrasse,
welche sich aus dem
abfallenden Gelände
ergibt.
38 Ideen 2
Abgerundete Wände
im Treppenhaus und an
den Aufzügen, bewusst
geführte Handläufe,
fein abgestimmte Ma-
terialien und einge-
fasste LED-Leuchten
beweisen: Das Gebäu-
de lebt von Details.
organisiert: Die Büroräume liegen an den
beiden Längsfassaden, dazwischen wurde „Wir beschäf-
ein mit Birkenfurnier verkleideter Kern hin-
eingeschoben, der die Nebenräume und tigen uns
die Erschließung beherbergt. Er wirkt mit
seiner hochwertigen glatten Oberfläche
und den sorgsam gefrästen Türleibungen
mit der Frage
mehr wie ein Möbel als eine Ansammlung
von kleinen Räumen. Statt teurer und un-
des Weiter-
praktischer Verglasungen formen günstige
Systemtrennwände mit Oberlichtern die bauens,
verschiedenen Büroeinheiten.
so dass der

I
Eindruck
entsteht, dass
etwas schon
m Gebäudeinneren zeigt sich einmal mehr,
wohin kluges Einsparen an den richtigen immer da
Stellen führen kann. Das Gebäude lebt von
seinen sorgsam gestalteten Details und gewesen ist.“
hebt sich dadurch von herkömmlichen
Bürobauten deutlich ab. Die Architekten Arno Lederer
greifen auf bewährte Motive ihres eigenen
Schaffenskanons zurück wie zum Beispiel
auf die abgerundeten Treppenaugen mit
indirekter Beleuchtung oder auf die zahl-
reichen Nischen, in denen so lästige wie
zwingend notwendige Installationen wie
Feuermelder und Fluchtwegschilder ihren
Platz finden. Selbst die Überstromöffnungen
de r Bes p rechungs räume we rden zum
leuchtend roten Blickfang. Die Lust am
Gestalten setzt sich auf der Dachterrasse
fort, wo die von der Sonne erwärmten Kupfer-
verkleidungen der Technikräume mit dem
rötlichen Ziegel bestens harmonieren. „Es ist
das erste Mal, dass wir es geschafft haben,
die Technik einzuhausen“, erzählt Arno
Lederer mit einem Schmunzeln. Auch wenn
die Architekten zunächst nur mit der Kuba-
tur den Wettbewerb gewonnen haben und
die Bauherren erst von den Details über-
zeugen mussten, zeigt das Projekt, dass
gute Architektur und ein effizienter Umgang
mit Kosten sich nicht ausschließen – sofern
zwischen Standardlösungen und hochwerti-
gen Details sorgsam abgewägt wird. Und
dass nachhaltiges Bauen bedeuten kann,
sich z wischen dem, was man wi rklich
braucht und dem, worauf man verzichten
kann, zu entscheiden. Die Angestellten der
Sparkasse haben den Ziegelbau jedenfalls
schon in ihr Herz geschlossen und bezeich-
nen ihn liebevoll als „Kloster“, während das
moderne Nachbargebäude nur als „das
weiße Haus“ gilt.

Pläne auf den


folgenden Seiten
40 Ideen 2

M 1:5 0 0 0 6. Obergeschoss

Lageplan

BAUHERR:
Sparkasse Ulm

ARCHITE K T:
Lederer Ragnarsdóttir Oei
Architekten, Stuttgart

MITARBE ITE R: 3. Obergeschoss


David Fornol, Simone Neuhold,
Wolfram Sponer, Lukas Volz

PROJEKTSTEUERUNG:
Drees & Sommer GmbH,
München,

M 1:5 0 0
nps Bauprojektmanagement
GmbH, Ulm

TR AGWERKSPL ANUNG:
Röder Ingenieure (NS West), Ulm

E LE K TRO, HL S:
ARGE Conplaning / Schreiber, 1. Obergeschoss
Ulm

BAUPHYSIK:
Kurz und Fischer GmbH,
Winnenden

BRANDSCHUTZ:
Um + T Umweltmanagement
und -technik, Ulm

GEOLOGIE:
GeoBüro Ulm

PRÜFINGENIEURE:
Stadt Ulm

VERMESSUNG:
Ingenieurbüro Wassermüller, Ulm

FERTIGSTELLUNG:
2015

STANDORT:
Neue Straße 60, 89073 Ulm Erdgeschoss
41

Fassadenschnitt

4
5

6 9

10

Längsschnitt

11

Querschnitt

1 7
Recycling-Ziegel Edelstahl hochglanz-
poliert, Zuschnitt im
2 Passepartout
Luftschicht 2 cm
„Auf beiden Seiten der 3
8
Betondecke mit Beton-

Neuen Straße stehen Dämmung 18 cm temperierung

nun stabile Häuser, so dass 4


Lautsprecher mit Ultra-
9
Holzverkleidung, weiß

du merkst, dass du in die schall gegen Tauben lackiert

5 10
Stadt hereinkommst.“ Oberfläche Edelstahl Stützen, verkleidet mit
hochglanzpoliert weiß lackiertem Holz
Arno Lederer
6 11
Sonnenschutzlamellen im Zuluftschlitz
Scheibenzwischenraum
42 kleine Werke ( 72 )

Kunstpuzzle

Architektur und Tanz. Zwei Disziplinen, die unterschiedlicher nicht Ausgangspunkt der Zusammenarbeit bildeten die Präpositionen:
sein könnten. Gebaute Architektur ist von langer Dauer, sie umgibt unter, in, auf, über. Sie gliedern das Gesamtkunstwerk in vier Ab-
uns tagtäglich, während eine Choreografie im Moment der Auffüh- schnitte, die jeweils nur fünf Minuten andauern. Gleichzeitig stellen
rung wahrgenommen wird. Was die beiden Ausdrucksformen je- die Teile die vier Jahreszeiten dar. Inspiriert von dem Film „Andrej
doch verbindet, ist die Auseinandersetzung mit Raum und Licht, sie Rubljow“ aus den 1960er-Jahren, dominieren entsprechend den
spielen mit Form und Farbe, mit Licht und Schatten. Gezeiten in den ersten Szenen dunkle Farben und geometrische
FOTO: TODD ROSE NBE RG

Mit dem Werk „Tesseracts of time“, das im November vergangenen Formen, während das Finale in einer Farbexplosion endet.
Jahres im Harris Theater in Chicago erstaufgeführt wurde, verbin- In der dritten Szene bilden Fragmente eines vierdimensionalen Hy-
den nun Jessica Lang und Steven Holl, Choreografin und Architekt, perwürfels den Mittelpunkt der Tanzperformance. Die weißgeklei-
diese zwei Felder miteinander. „Was Architektur braucht, ist eine deten Tänzer scheinen unter, in, auf und über dem dynamischen
Durchmischung mit den anderen Kunstformen. Dichtkunst, Musik Konstrukt in ihrer Mitte zu schweben, machen es sich zu eigen. Ar-
und Tanz sollten Inspirationsquellen sein“, so Holl. chitektur und Tanz verschmelzen zu einer Masse.

Text Sophie Charlotte Hoffmann


Tun sich Archi-
tekten mit Bür-
gerbeteiligung
schwer, Herr
Ingenhoven?
Architektur und Demokra-
tie widersprechen einan-
der nicht. Demokratische
Entscheidungsprozesse
sind oft mühsam und zeit-
raubend. Sie bieten aber
die Gewähr für größtmög-
liche Transparenz und
Akzeptanz sowie dafür,
dass Fehler, die fast
zwangsläufig passieren,
kleiner und damit korri-
gierbarer bleiben, als
dies bei autokratischen
Systemen der Fall ist.
Bild: Myrzik Jarisch

CHRI STOPH INGE NHOVE N, ARCH ITE K T, DÜSSE LDORF

Das Architekturmagazin, das die richtigen Fragen stellt.


LEAD
AUSGEZEICHNET! AWARDS
2015 W W W.BAUME ISTER.DE
44
Ideen 3 45
Das sechsstöckige
Bürogebäude ist einem
Gebirge nachempfun-
den. Es drängt sich
TITELTHEMA
nicht auf, sondern ent-
ZIEGEL
faltet seine Kraft auf
eine stille und ange-
nehme Art und Weise.

Architekt:
In grauem Wise Architecture

Flanell Kritik:
Wolfgang Bachmann

Fotos:
Chin Hyosook

Bei dem sechsstöckigen Architekturgebirge in Seoul von Wise Architecture


ist der Weg das Ziel: Auf jedem Geschoss wartet eine Dachterrasse auf die
Mitarbeiter – die Treppenaufgänge werden von grünen Oasen begleitet.
Der Gipfel ist die Dachterrasse. Der wuchtige Baustoff Ziegel wurde von den
Architekten elegant insziniert.
46 Ideen 3
47
Von der Dachterrasse
des Gebäudes sieht
man den Park Sunjung
Reung.

Linke Seite: Die außen-


liegende Treppe ist
hinter einer perforier-
ten Ziegelwand ver-
steckt und lässt sich
nicht von außen ab-
lesen.

Der Zugang zur Dach-


terrasse bildet eine
grüne Oase als Innen-
hof mitten im Wohnbe-
reich.
48 Ideen 3
Das Eckgrundstück des kleinen Büro-
gebäudes ABC liegt in Seoul nahe
des Parks Sunjung Reung, in dem die
Gräber der Herrscher aus der Yi-
Dynastie zu finden sind. Dieses Herr-
schergeschlecht hat von 1392 bis zum
Ende des Kaiserreichs 1910, also über
500 Jahre, Korea regiert.

Wise Architecture haben sich deshalb


an diesem Ort nicht auf einen Wett-
streit modischer Auffälligkeiten ein-
gelassen, sondern ein stilles,
introvertiertes Gebäude entworfen:
„Man kann es als Architekturgebirge
lesen, die Dachterrasse ist der Gipfel“,
erläutern sie ihr Werk.

Von der Dachterrasse des sechsstö-


ckigen Baus sieht man in den legen-
dären Park. Die Rücksprünge des
Baukörpers reagieren auf lokale
Bauvorschriften, sie bilden aber nicht
exakt die Höhenstaffelung der Ge-
schosse ab. Auch die außenliegende
Treppe, die als versetzter Schacht hin-
ter einer perforierten Ziegelwand
nach oben führt, lässt sich nicht ein-
deutig ablesen. Sie wird als verfugte,
geschlossene Fläche in größerem
Maßstab auf der Fassade abgebildet,
als hätte das Gewicht dieses Büro-
Zikkurats sich zur soliden Masse ver-
dichtet. Die Ziegel der perforierten
Wangen sind ohne Mörtel auf eine
Stahlkonstruktion montiert. Der Trep-
penweg, der ausschließlich über den
Außenraum nach oben führt, wird
schließlich von einer kleinen Garten-
insel begleitet, als sollte sie auf den
Blick in die Baumkronen des Parks von
der (zuletzt nicht öffentlichen) Dach-
terrasse vorbereiten. Auf dem Weg
nach oben erhascht der Besucher
verschiedene Ausblicke auf die um-
liegenden schmalen Gassen, die zum
Unesco-Weltkulturerbe gehören – der
geschossweise Aufstieg wird mit
dem Erreichen einer jeweils eigenen
Dachterrasse belohnt. Die Architekten
vergleichen die Stufen, die sich
schließlich nur noch als schmale Tritte
fortsetzen, mit einem Wasserfall.
Verantwortung übernehmen.

WOHN-
Belichtet werden die Büroetagen nur
über die Nordwestseite, hier öffnen
sich die Räume über die ganze Höhe
mit einer Glasfront.
GESUND
BAUEN.
Der schwarze Ziegel, wie stilsichere
Kolumnisten in den Feuilletons bereits
orakeln, hat als „grauer Flanell-
Anzug“ den „weißen Polyester-Anzug“
der 1960er- und 1970er-Jahre abge-
Wärmeschutz durch integrierte, natürliche Perlitfüllung
löst. Mit seinen geschlossenen Fassa-
Umweltschutz durch 100% Natur in Ziegel und Füllung
den ist das Gebäude dem 2012 mit Von Natur aus brandsicher.
dem Brick Award ausgezeichneten
Umspannwerk im Londoner East End
von Nord Architecture recht ähnlich.
Der schwarze Stein erfreut sich wach- POROTON®-T7®
sender Beliebtheit – nicht nur für Der Ziegel.
Industriearchitektur. „Einfachheit ist
ein sehr wichtiges Prinzip beim Ent- Beste Werte für jede Anforderung: Die U-Werte reichen von
beachtlichen 0,14 W/(m2K) bei einer Wandstärke von 49,0 cm
wurf eines Tragwerks“, erklären die bis hin zu 0,18 bei einer 36,5 cm dicken Wand! Mit der beein-
Architekten. Es gehöre zu den Tugen- druckenden Wärmeleitzahl von 0,070 W/(mK) erfüllt der neue
den, Architektur zwischen Maßlosig- POROTON®-T7® die strengen Anforderungen an KfW-Effizi-
keit und Mangel auszubalancieren. enzhäuser mit Leichtigkeit!
Deshalb beginnt dieses Haus mit ei-
nem Ziegel und endet ebenso damit.

Pläne auf der


folgenden Seite POROTON®-S9®
Der Objektziegel.

Der „massive“ Objektziegel, gefüllt mit natürlichem Perlit.


Sicherer Brandschutz, hervorragender Wärme- und guter
Schallschutz sind in einem natürlichen Baustoff für die ein-
schalige Außenwand vereint. Massive Ziegelstege geben stati-
sche Sicherheit und meistern problemlos höchste Belastungen
im mehrgeschossigen Wohnungs- und Objektbau.

Geprüftes, sicheres Produkt.


eco Institut: Unser perlitgefüllter Ziegel erfüllt
die Anforderungen an emissionsarme Baustoffe.
Der Perlit-Dämmstoff für unsere Premiumziegel
Die schmalen Holzstu-
ist mit dem Blauen Engel ausgezeichnet.
fen führen im obersten
Wohngeschoss hinauf
zur Dachterrasse.

www.schlagmann.de
50 Ideen 3

Querschnitt Dachgeschoss

5. Obergeschoss

Längsschnitt

M 1:4 0 0
4. Obergeschoss
M 1:4 0 0 0

Lageplan Erdgeschoss
51

Brick Award

Brick 16 versammelt
die Highlights der
internationalen Ziegel-
Architektur. Das Buch
erscheint am 19. Mai im
Callwey-Verlag.

Ziegel-Mantel

Bei der perforierten


Außenhaut des Büroge-
bäudes handelt es sich
um eine vorgehängte
Fassade. Die schwarzen
Ziegel sind ohne Mörtel
an einer Stahlkonstruk-
tion befestigt.

ARCHITEKTEN:
Wise Architecture
www.wisearchitecture.com

MITARBE ITE R:
Young Jang
Sook Hee Chun
Junghoon Lee

FERTIGSTELLUNG:
2012

STANDORT:
695-39, Yeoksam-dong,
Gangnam-gu, Seoul, Südkorea
52 Sonderführung mit...
B A U M E I S T E R : Der Titel der Ausstellung lautet
„Keine Angst vor Partizipation! – Wohnen
heute“. Warum spielt Partizipation aktuell
eine so große Rolle?
H I L D E S T R O B L : Es sind viel mehr die partizi-

...Hilde Strobl pativen Mittel im Planungs- und Wohnpro-


zess von ak tuel len Bauini t ia t iven, die
Grundlage und Ausgangspunkt für eine Ent-
wicklung von Wohnprojekten bilden. Diese
Kuratorin der Ausstellung entstehen als Gegenreaktion auf einen
„Keine Angst vor Partizipation! – mehr an wirtschaftlichen Faktoren als an
Wohnbedürfnissen orientierten Wohnungs-
Wohnen heute“ markt. Und gerade aufgrund der demogra-
fischen Entwicklungen und des gegenwärti-
gen Wandels der Gesellschaftsstruktur ver-
ändern sich die Wohnbedürfnisse. Gefragt
sind Bauinitiativen, die nach individuellen
Anforderungen, solidarischen Prinzipien
und selbstverantwortlichen Organisations-
formen ausgerichtet sind. Die Partizipation,
die Teilhabe der späteren Bewohner an der
Konzeptentwicklung, am baulichen Entwurf
sowie der Bau- und Wohnqualität ist letztlich
auch ein Mittel zur Identifizierung mit einem
Wohnprojekt und zielt damit auf langfristige
Perspektiven. In der Vorstellung von „mehr
als wohnen“ und einer Orientierung an Fak-
toren wie Nachbarschaft, Ökologie, Inte-
gration und soziale Durchmischung liegt die
Aktualität verschiedener gemeinschaftlich
entwickelter und getragener Bauinitiativen.

B : Die Ausstellung zeigt zwölf aktuelle Wohn-


projekte aus Dänemark, der Schweiz, Öster-
reich und Deutschland. Was zeichnet diese
Projekte aus?
Die Ausstellung in der H S : In europäischen Ballungszentren ent-
Münchner Pinakothek der stehen aufgrund ähnlicher Wohnbedingun-
Moderne dauert noch bis gen und gesellschaftlicher Veränderungen
12. Juni. Weitere Infos: gegenwärtig vergleichbare Initiativen. Kri-
www.architekturmuseum.de terien für die Auswahl waren zum einen eine
von Bürgern und späteren Bewohnern oder
jungen Genossenschaften und Vereinen
ausgehende Initiative und deren inhaltliche
Ausrichtung – das heißt, die Motivation, die
Vorstellung der gemeinschaftlichen Le-
bensform, die Bewohnerstruktur sowie der
Anspruch einer kulturell und sozial gepräg-
ten Quartiersentwicklung – und zum ande-
ren die ästhetische und bauliche Qualität
der Projekte. Die Ergebnisse sind sehr indivi-
duell in ihrer Schwerpunktsetzung, ihrem
Raumprogramm und ihrer architektoni-
schen Form. Interessant ist, dass die Wohn-
projekte voneinander lernen und bereits
umgesetzte Ideen aufgegriffen werden: wie
sogenannte Clusterwohnungen mit einem
Gemeinschaftsraum als Erschließungsbe-
reich für mehrere Wohnungen, die sich in
der Kalkbreite Zürich und im Spreefeld Berlin
bewährt haben und nun auch im Neubau
von Wagnis Art auf dem Domagkgelände
FOTOS: L AUR A STA ME R

München eingesetzt werden.

B:Wie bewegen sich die Besucher durch die


Ausstellungsräume? Was lernen sie? Was
nehmen sie mit?

Das Gespräch führte Sophie Charlotte Hoffmann


H S : Die Ausstellung lässt sich von zwei Seiten jeweils
ganz unterschiedlich lesen. Auf der einen Seite wer-
den die Wohnprojekte durch filmische Dokumentati-
onen von Lene Harbo Pedersen und Jörg Koopmann
porträtiert. Diese Aufnahmen mit feststehender Ka-
mera, wie ein filmisches Foto, sind insofern für die
Ausstellung besonders wichtig, da wir festgestellt ha-
ben, dass sich die einzelnen Projekte in der Öffent-
lichkeit ganz unterschiedlich präsentieren – und dies
meist nur mittels Fotografien, die sich auf die Bauten
konzentrieren. Uns ging es aber im Besonderen dar-
um, wie sich unabhängig oder gerade in Relation zu
den Vorstellungen während der partizipativen Pro-
jektphasen das Zusammenleben in den Bauten ent-
wickelt. Wie findet nach Abschluss der Planungspha-
sen das Wohnen dort statt? Sind die geplanten Ge-
meinschaftsräume wirklich Orte der Begegnung?
Funktionieren die Systeme der gemeinschaftlichen
Organisation? Entwickeln sich tatsächlich Engage-
ment, Eigeninitiative und Nachbarschaft?
Auf der Rückseite der eigens für die Ausstellung ent-
wickelten Aufsteller finden sich Materialien zum tie-
feren Einblick in die Wohnprojekte: Planmaterial, Fo-
tos, Fi lm inte r views und Dokumenta t ionen de r
Arbeitskreise während der Planungsphase sowie Mo-
delle – ebenfalls zum Teil als Dokumente des Entwick-
lungsprozesses. In „Steckbriefen“ werden alle Projek-
te nach denselben Faktoren erfasst und beschrieben.
Am Ende der Ausstellung zeigen wir drei Münchner
Beispiele der wichtigen jungen Münchner Genossen-
schaften: Frauen Wohnen, Wagnis und Wogeno. In
diesem Zusammenhang bieten wir Daten und Fakten
zum Standort München: Einwohnerzahlen, Statistiken
zum Zuzug nach München, zum Wohnbedarf, zur Ver-
fügbarkeit von städtischen Grundstücken und zu den
Fördermaßnahmen der Stadt München.

B : Was hat es mit dem Schema und dem Lexikon der


Partizipation auf sich?
H S : Das Schaubild gleich zu Beginn der Ausstellung
ist als Überblick zu verstehen, wann im Laufe der Pha-
sen eines Wohnprojektes – von der Idee bis zum Woh-
nen in der Gemeinschaft – welche Entscheidungen
getroffen und wann welche Beteiligten hinzugezo-
gen werden. Faktoren wie Leitziele, verbindliche
Unsichtbarer Brandschutz:
Rechtsform und Organisationsstruktur, die partizipa-
tiven Mittel, die Finanzierung, Fördermittel, Grund-
Feuerschutz-Schiebetore
stücksfindung, Festlegung eines Raumprogramms,
die Zusammenarbeit in Arbeitskreisen mit den Archi-
tekten bis zur architektonischen Umsetzung bilden
• stumpf auflaufend auf die Wand ohne
dabei eine wichtige Rolle – damit aus der Idee Reali- sichtbares Einlaufprofil
sierung wird.
Außerdem haben wir ein „ABC der Partizipation“ ver- • durch Nischenklappen unsichtbar
fasst, das sich über die gesamte rechte Wand der in die Wand integriert
Ausstellungsräume zieht. Der Begriff „Partizipation“
steht allgemein für Beteiligung, Teilhabe, Mitwirkung, • für anspruchsvolle Architektur und brei-
Mitbestimmung und Mitsprache – jedoch nicht in will- tere Durchgänge
kürlicher Form. Er bezeichnet die Teilnahme einer
Person oder Gruppe an Entscheidungsprozessen
oder an Handlungsabläufen, die in übergeordneten
Strukturen oder Organisationen stattfinden. Diese
Regelprozesse sind von spezifischen Begrifflichkeiten
T30 T90 RS MZ
geprägt, die die Planungsprozesse von Wohnprojek-
ten begleiten und ihre innere Struktur abbilden – sie
sind fast wie ein Subtext hinter den Prozessen zu lesen
und finden sich in verschiedener Form in allen Pla-
nungsprozessen der Wohnprojekte wieder.
54 Ideen 4
55
Das Bestandsgebäude
bleibt nach wie vor un-
auffälliger Teil der his-
torischen Stadtstruktur
TITELTHEMA
Eislebens. Es wurde bis
ZIEGEL
auf die vier Außen-
mauern zurückgebaut
und verbirgt im Inneren
einen Neubau.

Architekten:
Flickmauer- Atelier ST

werk Fotos:
Simon Menges
Kritik:
Bernhard Schulz

Auf seinen 410 Kilometern streift der bekannte „Lutherweg“ in Sachsen-


Anhalt selbstverständlich auch die Geburtsstadt des Reformators, Eisleben.
Jetzt wurde hier ein weiteres Haus in einer ganzen Reihe von Gedenkstätten
im Ort eingeweiht, das Lutherarchiv: mehr als eine gelungene Bestands-
erhaltung.
56

N
ach der deutschen Einheit 1990 hatte man
Eisleben nur als eine der schrumpfenden
Städte im Osten Deutschlands wahrgenom-
men. Das änderte sich ab 2010: Denn als die
Stadt im Rahmen der Internationalen Bau-
ausstellung (IBA) in Sachsen-Anhalt unter
dem Leitthema „Stadtumbau“ internationa-
le Aufmerksamkeit erfuhr, konnte sie mit
dem bereits weitgehend fertiggestellten
„Lutherweg“ aufwarten. Er verbindet die
Stationen des berühmtesten Sohns der Stadt
– Martin Luther ist hier 1483 geboren und
1546 auch gestorben – mit Kirchen, Gärten
und neu geschaffenen Einrichtungen wie
dem 2007 fertiggestellten Geburtshaus-En-
semble. Bereits abzusehen war das „Muse-
umsquartier Luthersterbehaus“, das 2012
eröffnet wurde (Baumeister 4/2014). Was
aber noch fehlte, war das Lutherarchiv.

Ein ganzes Luther-Quartier...

Das Archiv kommt nun als Nachzügler hinzu,


ermöglicht durch einen privaten Erblasser,
der der Stadt das Gebäude Seminarstraße 2
vermachte, das den bereits zugänglichen
„Schöpfungsgar ten“ abschließt. Besser
konnte es nicht kommen, liegt doch das
ortstypisch eher bescheidene Haus genau
in der Mitte zwischen Geburtshaus und Lu-
thers Taufkirche St. Petri-Pauli, vervollstän-
digt also den Lutherweg über den steinge-
fassten Bach mit dem ebenso rätselhaften
wie anziehenden Namen Böse Sieben hin-
weg zur mächtig aufragenden Kirche.
Im Zuge eines eingeladenen Wettbewerbs
wurde das Leipziger Büro Atelier ST – Sebas-
tian Thaut und Silvia Schellenberg-Thaut –
ausgewählt, den nicht eben groß bemesse-
nen Platz des Archivs darin zu schaffen. Es
galt, den städtebaulichen Denkmalschutz
zu beachten, zumal die Luther-Gedenkstät-
ten seit Ende 1996 zum Weltkulturerbe der
Unesco zählen. Auch die Umgebung der
Welterbestät te unterliegt übrigens den
strengen Anforderungen, die mit diesem Eh-
rentitel verbunden sind. Die Denkmalpflege
forderte demnach, die Außenmauern des
Hauses und seine Dimensionen, insbeson-
dere Trauf- und Firsthöhe, zu erhalten.
Atelier ST überzeugten mit einem „Haus-im-
Haus“-Konzept. „Wir sagten nicht“, erläutert Umbau und Ergänzung
Sebastian Thaut, „was müssen wir minimal des Bestands: Auf der
erhalten, sondern was können wir maximal Gartenseite wurde das
erhalten.“ Die vier Außenmauern wurden vorgelagerte alte Trep-
konserviert, das Innere vollständig entkernt; penhaus abgerissen
was allein schon aus statischen Gründen er- und um seine Kubatur
forderlich war, um die für das Archiv erfor- wieder erweitert, um
derlichen höheren Deckenlasten von 5.000 das Raumprogramm
kg/m 2 zu ermöglichen. Die Gartenseite be- unterzubringen.

WEITER
Ideen 4 57
58 Ideen 4
59
saß zuvor einen Anbau für das Treppenhaus;
Formfindung hier lag die Erschließung, während straßen-
seitig ein später eingebautes Ladenge-
schäft die vierachsige, durch leicht hoch-
rechteckige Fenster gegliederte Fassade
um ihre Symmetrie gebracht hatte. Die Ar-
chitekten sahen vor, den Raumbedarf voll-
ständig innerhalb der alten Mauern unterzu-
bringen – ohne gartenseitigen Ergänzungs-
bau, wie dies andere Wettbewerbsteilneh-
mer vorgeschlagen hatten.

Ausschlaggebend: die Erschließung

Anstelle des alten Treppenhauses musste


eine neue Erschließung geschaffen werden.
Der bestechende Gedanke der Architekten
war es, die Eingangsseite des alten Trep-
penhauses als Begrenzung des Bauwerks zu
belassen, jedoch die Seitenwände von den
Eckpunkten des Hauptgebäudes bis zu den
Eckpunkten der Treppenhauswand trapez-
förmig vorzuziehen. Der Eingang ist, wie der
Grundriss verrät, aus der Achse leicht nach
rechts verschoben, so dass die schräg dar-
auf zulaufenden Wände etwas voneinander
abweichen. Gleichzeitig wurde ein steiles,
großflächiges Satteldach in der überliefer-
„Form follows history“, ten Neigung bis auf die Treppenhausaußen-
sagen die Architekten. kanten heruntergezogen und bildet jetzt
Da das geforderte Raum- ebenfalls ein unregelmäßiges Trapez.
programm des Archivge-

D
bäudes nicht komplett
innerhalb des Altbaus
untergebracht werden
konnte, wurde er auf der
Gartenseite ergänzt:
Dazu hat man die beiden
Außenecken der garten-
seitigen Bestandswand ie ursprünglichen Fensteröffnungen auf der
zu den Eckpunkten des Straßenseite wurden wiederhergestellt. Und
ehemaligen Treppen- gleichwohl es hier keinen Eingang gibt,
hausanbaus verlängert. wirkt das Gebäude nicht abweisend. Viel-
Das neue Satteldach mit mehr erscheint es dem Passanten als klar
der historischen Neigung strukturiert. Ihr tatsächliches Alter geben
ist eine Referenz an die die Fassaden beim näheren Hinsehen zu er-
Eisleber Dachlandschaft kennen. Unter einer Schlämmschicht in ei-
mit ihren großflächigen, nem schwer zu beschreibenden Beige-
tiefgezogenen Steildä- Grau-Ton zeichnen sich die unterschiedli-
chern. chen Baumaterialien ab, von Bruch- über
Schlackestein zu Ziegel, mit all ihren leich-
ten Unebenheiten und doch durch den ein-
heitlichen Putzüberzug optisch zusammen-
gehalten. Man ist geneigt, an Valerio Olgia-
tis berühmtes, ähnlich dimensionier tes
„Gelbes Haus“ in Flims zu denken.
Das Innere ist ein vollständiger Neubau, bei
dem die historischen Wände innenseitig ge-
doppelt wurden. Die Betonwände sind ma-
terialsichtig belassen, im obersten Ge-
schoss ist sogar der frühere Dachstuhl durch
Das Lutherarchiv und ein Beton-„Dach“ ersetzt. Als kontrastieren-
der vorgelagerte des, warmes Material wurde für alle Einbau-
Schöpfungsgarten lie- ten mittelbraune Eiche verwendet, also für
gen an einem Bachlauf Türen, Rahmen, Fenstergewände, Handläu-
mit dem rätselhaften fe und Treppenbrüstungen sowie für die Ar-
Namen Böse Sieben. beitstische.

WEITER
60 Ideen 4
61
Eine weitere, überraschende Idee war es,
den geforderten Multifunktionsraum für
Gruppen, Vorträge und dergleichen nicht
etwa längs der Straßenseite anzuordnen,
sondern auf zwei Fensterachsen durch das
Gebäude hindurch von der Straßen- bis zur
Gartenseite durchzustecken. So wird der
Raum unmittelbar von dem neugeschaffe-
nen Treppenhaus – eher ein trotz geringer
Abmessungen großzügiges Foyer – betreten
und weist zudem ein großes Fenster – das
bei Weitem größte des Hauses – mit Blick
zum Garten und weiter zum Luthergeburts-
haus-Ensemble auf. Das Foyer nimmt den
kleineren Zwickel des Trapezes ein, aber in
voller Gebäudehöhe, in die sich die ge-
knickte Treppe zum 1. OG emporschraubt.
Dort und im Dachgeschoss ist das Archiv un-
tergebracht. Die Fenster, so vorhanden, sind
tageslichtdicht und wirken nur nach außen
als gewöhnliche Fenster. Ins fensterlose
Dachgeschoss führt sodann eine schmale,
doppelläufige Treppe, die nicht mehr über
dem durch das „Schleppdach“ schräg ab-
geschnittenen Gebäudezwickel, sondern
innerhalb des „Haupthauses“ Platz fand.

Ähnlich, aber nicht gleich

Das künftige Lutherarchiv unterscheidet


sich markant von den bisherigen Neubau-
ten des Lutherwegs. Die bislang tätigen Ar-
chitekten setzten durchweg auf Steinsich-
tigkeit und zeigen ihr wohlgeformtes Mau-
erwerk vor. Anders der Archivbau, der sich
in seiner neuen Erscheinung als hybrides
Bauwerk zu erkennen gibt: einerseits alt, an-
dererseits ganz neu. Auch die Eindeckung
des Dachs weicht ab: Zwar verwendeten
auch Atelier ST Zinkblech, ließen es jedoch
nicht wie bei den anderen Neubauten in
glatten Bahnen, sondern im kleinteiligen
Muster von Dachziegeln verarbeiten.
Für den mit knapp 300 Quadratmetern Nutz-
fläche und einem Bruttorauminhalt von
1.425 Kubikmetern kleinen Bau wurden rund
1,6 Millionen Euro aufgewendet. Hi-End-
Finessen haben sich die Architekten ver-
sagt; so laufen die Elektrokabel im Multi-
funktionsraum in Kabelkanälen auf der
Wand entlang, statt aufwändig im Beton
verborgen zu werden. Auch die Betriebskos-
ten galt es im Blick zu behalten. Da es weni-
ge Fenster, wohl aber dicke Wände gibt,
bleibt das Raumklima sommers wie winters
relativ konstant; geheizt und gekühlt wird
mittels einer Wärmepumpe durch Rohrlei-
tungen in den Decken, be- und entfeuchtet
Links unten: Die Depot- dezentral in den Archivräumen. Das neue
räume benötigen kein Rechts unten: Das ein- Lutherarchiv könnte ein Modell sein für den
Tageslicht, sie liegen in zige großformatige Umgang mit alter, jedoch erneuerungsfähi-
Links oben: Überra- den beiden Oberge- Fenster öffnet den ger Bausubstanz – eben auch in einer klei-
schend großzügig – schossen. Das gesamte Seminarraum zum nen Stadt mit großer Vergangenheit.
das zweigeschossige Innere dominiert die Schöpfungsgarten und
Foyer. Rechts oben: homogene Stahlbeton- richtet den Blick zu-
Blick Richtung Petri- konstruktion für Wän- dem auf das Lutherge-
kirchplatz de, Decken und Dach. burtshaus-Ensemble.
62 Ideen 4

1
2

M 1: 2 . 0 0 0
3

Lageplan 1
Schöpfungsgarten
2
Böse Sieben 1
3 Schöpfungsgarten
7
Seminarstraße 2
M 1:3 0 0

4 Foyer
Petrikirchplatz 3
Multifunktionsraum
6
4
Bibliothek und
Trockendepot
5
Arbeitsraum
6
BAUHERR: Dachgeschoss Depot
Stiftung Luthergedenkstätten 7
in Sachsen-Anhalt, Büroarchiv
Lutherstadt Wittenberg

ARCHITEKTEN:
Atelier ST, Leipzig 5
Gesellschaft von Architekten mbH
Silvia Schellenberg-Thaut,
Sebastian Thaut
www.atelier-st.de
4
MITARBE ITE R:
Fabian Onnecken (Projektleitung);
Paco Bijan Irani;
Martin Kilpper (Bauleitung)
Obergeschoss
TR AGWERKSPL ANUNG:
Dr.-Ing. Hilpert Ingenieure GmbH,
Halle/Saale

HAUSTECHNIKPLANUNG:
GW PLAN Ingenieurgesellschaft
Gebäudetechnik GbR, Leipzig
2
WETTBEWERB:
1
Juli 2012

FERTIGSTELLUNG: 3
April 2015

STANDORT:
Lutherarchiv,
Seminarstraße 2, Eisleben Erdgeschoss
63

„Dreischaliges“ Mauerwerk

Wandaufbau

Stahlbetonwand,
selbsttragend 200 mm

Wärmedämmung,
druckfest 180 mm

Bestandsmauerwerk aus
Schlacke, Ziegel und
Naturstein 360 – 550 mm

mineralische
Putzschlämme 5 – 10 mm

Silikatfarblasur, mit der


Bürste aufgetragen 2 mm
M 1: 2 0

Fußbodenaufbau
Bodenplatte

Stahlbeton, Oberfläche
flügelgeglättet 160 mm

Wärmedämmung druck-
fest 140 mm

Magerbeton 50 mm

Kapillarbrechende
Schicht 250 mm

Kiesverfüllung 510 mm

Gründung Neubau
Das Innere ist ein voll- den alten Stein- und
Stahlbeton-Balkenrost ständiger Neubau aus neuen Betonwänden
auf Mikrobohrpfählen Beton, bei dem die eingebracht; die Wände
(bis 18 m Tiefe) historischen Wände in- erreichen dadurch eine –
nenseitig gedoppelt klimatisch und energe-
wurden. Die Fassaden tisch sehr erwünschte –
liegen nun statisch am Stärke von bis zu einem
Neubau an, der seiner- Meter. Im Inneren gilt
seits auf Mikropfählen der Grundsatz „Rohbau
ruht, die erst in 18 Metern gleich Ausbau“.
Tiefe festen Halt finden.
Die notwendige Däm-
mung wurde als verlore-
ne Schalung zwischen
64

Oben:
Grundidee des Entwurfs ist der Gegensatz zwischen
den weiß gestrichenen Giebelhäusern und
den Ziegelflanken, die den schmalen Hof begleiten.

Rechts:
Der Blick aus den Zimmern fällt auf geflutete
Terrassen, grüne Höfe und Pool. Oder wie hier auf
den Fluss

Unten:
Onion Architekten orientierten sich an der
regionalen Bautechnik mit handgefertigten Ziegeln –
auch im Inneren wie etwa im Restaurant.

FOTOS: HOTE L SAL A AYUT THAYA


Unterwegs im 65

Sala Ayutthaya
in Thailand

Der Charme dieses Hotels liegt im Kontrast


zwischen weißen Giebelhäusern und
Wänden aus handgefertigten Ziegeln in der
regionalen Bautradition.
Alles lag am Geschick der Handwerker.

Es verspricht in der Regel nichts Gutes, wenn Büros sich lustige Namen geben.
www. Würden Sie Ihre Haare bei „Hair Gott“ schneiden lassen oder Fleisch in der
salaayutthaya Metzgerei „SauGut“ einkaufen? Eben. Was also bitte will uns ein Architektur-
.com büro sagen, das „Onion“, also Zwiebel, heißt? Kennt es sich mit Schichtungen
aus, mit Häuten aus Holz, Glas, Stahl oder Beton? Oder liefert es zum Hochbau
die Landschaftsplanung frei Haus gleich mit? Das ist doch zum Heulen… und
genau das ist es: Ein Gemüsename, so schreiben die beiden jungen thailändi-
schen Architekten Siriyot Chaiamnuay und Arisara Chaktranon auf ihrer Web-
seite, ist ungewöhnlich und unvergesslich und damit so, wie sie bauen – einzig-
artig und erinnerungswürdig. Das klingt selbstbewusst, und umso schöner ist
es, dass Onion in der 70 Kilometer nördlich von Bangkok gelegenen Stadt Ay-
PREISE
utthaya, einst Hauptstadt des Königreichs Siam, umflossen von drei Flüssen
und in Teilen Unesco-Welterbe, dem eigenen Anspruch an ihre Baukunst auch
tatsächlich entsprechen konnten. Zimmer
2014 hat das Büro mit Sitz in Bangkok dor t das Boutiquehotel „Sala
Ayutthaya“ erbaut und auch ausgestattet. Dem ankommenden Gast präsen-
tiert sich das Haus allerdings erst einmal wenig einladend: Eine Eisentür führt
ab
durch eine geschlossene Ziegelwand, auf der lediglich noch der Schriftzug
des Hotels zu lesen steht. 26 Zimmer verbergen sich hinter der Mauer: Ein
100 Euro
schmaler Gang führt zwischen hohen, geschwungenen Ziegelwänden in die
Tiefe des L-förmig organisierten Gebäudes. Scharf stoßen die Ziegelwellen ge- inkl.
geneinander, eine kunstvolle Tapete aus gebranntem Lehm, die – das ist an
den seitlichen Durchlässen erkennbar – sich von ihrem weißen Untergrund ab-
zulösen scheint. Staunend wandern die Blicke aus der Ziegelschlucht nach
Frühstück
ADRESSE oben in den gekurvten Himmelsausschnitt, der unterschiedliche Schattenbil-
der auf die Wände zaubert und den Gang mit seinem ebenfalls geziegelten
Sala Ayutthaya Boden gegen elf Uhr vormittags komplett verschattet. Und als wären die Sinne
9/2 Moo 4 nicht schon ausreichend angeregt von diesem wohl spektakulärsten Hotelflur
U-Thong Road der Welt, wartet am Ende des Wegs auch noch ein großartiger Ausblick: der
Pratu Chai über den Chao-Phraya-Fluss hinweg auf die 1353 erbaute Tempelanlage
Phra Nakhon Si „Phutthaisawan“ von der Terrasse des teils offenen Restaurants aus.
Ayutthaya Bei einem solchen Blick müssten die Zimmer kaum etwas bieten. Tun sie aber
13000 Thailand natürlich trotzdem: Während sich die Materialien – Estrich auf dem Boden, Holz
für das karge Mobiliar und weißer Stoff für den Sichtschutz – angenehm zurück-
nehmen, wird der kreisrunden Badewanne prominenter Platz eingeräumt. Wer
das nicht mag, kann stattdessen im gleißend weißen Innenhof in den Pool aus
weißem Marmor steigen. Oder, noch besser, eine Bootsfahrt auf dem Chao
Phraya unternehmen. Denn der Perspektivwechsel vom Fluss aus eröffnet tat-
sächlich noch einmal einen ganz anderen Blick auf das Hotel: Statt aus rotem
Ziegel gemauert, tritt es von der Wasserseite her nämlich als Ensemble aus
weiß verputzten Giebelhäusern in Erscheinung. Unvergesslich, einzigartig. TITELTHEMA
Und (beinahe) zum Weinen schön! ZIEGEL

Text Katharina Matzig


66 Ideen 5

Wie
Chipperfield
Driade
neu belebt
FOTOS: © SANTI CALECA

Der helle, puristische Showroom besticht durch seine Neutralität.


67

Ein Showroom ist, wie der Name schon sagt, ein Zeigen-was-man-hat-
Laden, ein Aushängeschild. In diesem Fall hat der Store zwar recht wenig,
aber genau das ist seine Stärke. Er überzeugt durch seine minimalistische
Formensprache, seine bewusste Zurückhaltung.

Große Öffnungen vermitteln zwischen den Ebenen, erzeugen einen Dialog.


68 Ideen 5

Architekt: Kritik: Fotos:


David Chipperfield Sophie Charlotte Santi Caleca
Architects Hoffmann

Die in ihrer Optik reduzierten Elemente wie Podien und Sockel sind flexibel bespielbar.
69

Der sterile Showroom funktioniert wie eine Galerie: Die farbenprächtigen Designojekte strahlen förmlich vor dem kahlen Background.
70

M
achen wir eine Zeitreise. Wir schreiben das
Jahr 1968. Weltweit machen Hippies psy-
chedelische Drogenerfahrungen. In Wood-
stock werden kurz darauf die Menschen se-
lig im Schlamm tanzen. Eine unruhige, krea-
tive Zeit – auch für das Design. Der Geist des
Aufbruchs wird von mutigen Gestaltern in
fließende Formen und leuchtende Farben
übersetzt. Und in neuen Unternehmen – Un-
ternehmen wie die italienische Möbelmar-
ke Driade. Genau 1968 wurde diese von
Enrico, Antonia und Adelaide Astori gegrün-
det. Mit den Drogentrips der Blumenkinder
hatte diese indirekt durchaus etwas gemein
– nämlich die Freude an synthetischen Stof-
fen. Die einen machten eben Rauschmittel
daraus, die anderen synthetischen Kunst-
stoffe – die ihrerseits das neue Design erst
möglich machten. Denken wir etwa an den
Panton Chair von Vitra aus dem Jahr 1967.
Auch bei Driade setzte man von Anfang an
auf Kunststoff: Rodolfo Bonetto entwarf 1970
den futuristisch anmutenden Plastiksessel
„Melaina“, heute ein Klassiker des italieni-
schen Wohndesigns. Es folgten Ikonen wie
der einer Theatermaske nachempfundene
Lounge Chair „Nemo“ von Fabio Novembre
und der Outdoor-Klassiker „Toy“ von Philip- Die hellen Oberflächen sorgen für eine einheitliche räumliche Fassung.
pe Starck. Zu sehen ist die Driade-Produkt-
familie, zu der bald auch Möbel aus Holz,
Glas und Metall gehören, seit letztem Jahr in Showroom von Driade. Die 500 Quadratme- Betongrau, helle Wände, Glas – vor dem die
einem eigenen Showroom in der Mailänder ter große Shopfläche erstreckt sich über Möbelstücke besonders gut zur Geltung
Innenstadt. mehrere Ebenen, die über breite Stufen mit- kommen. Die Elemente bilden in ihrer redu-
einander verbunden sind und sich dank der zierten Optik ein neutrales Bühnenbild für
Zurück auf Null st r i ngenten Gesta l tung a l s f l ießendes die ausdrucksstarken Designobjekte. Posi-
Raumkontinuum entwickeln. tiv formuliert könnte man sagen, die Neutra-
Dass es den gibt, verdanken Designfreude Besucher betreten den Laden durch die ver- lität dieser Kulisse erlaubt mehr Flexibilität
dem italienischen Mischkonzern „Italian glaste Eingangstür und gelangen über eine bei der Gestaltung der Flächen. Nicht aus-
Creation Group“. Die übernahmen 2013 die kleine abfallende Rampe auf die mittlere geschlossen indes, dass Skeptiker an dieser
Mehrheit an der zwischenzeitlich in Schief- Etage. Dieser lange aber schmale Raum Stelle kritteln, der Minimalismus von Chip-
lage geratenen Designschmiede. Und die verläuft parallel zur Straße. Durch die gro- perfield passe schlicht nicht zur expressiven
neuen Eigner brachten gleich einen illustren ßen bodentiefen Fenster dringt viel Licht in Designsprache des Unternehmens.
Chefkreativen mit – den britischen Architek- den Innenraum. Kleine Objekte wie Vasen Die zentral gelegene Treppe und die Gale-
ten David Chipperfield. Der wurde im No- oder Schüsseln werden auf hüf thohen rie, die die Level physisch sowie optisch mit-
vember 2014 zum Creative Director ernannt. Schränken präsentiert, während größere einander verbinden, sind mit einer Absturz-
Und eine seiner ersten Amtshandlungen be- Objekte auf Stufen oder Sockeln positioniert sicherung aus Drahtgeflecht in Rautenoptik
stand im Gestalten des neuen Showrooms. sind. Die Treppen und Podeste sind flexibel versehen. Die fädenartige Struktur setzt ei-
„Die Marke Driade war schon immer sehr bespielbar und können als Präsentationsflä- nen industriellen, aber zugleich überra-
experimentierfreudig, innovativ und welt- chen sowie als Aufenthaltsbereiche genutzt schend feinen Akzent. Vom Eingangsbe-
offen – ein außerordentliches E rbe“, so werden. reich führen breite Stufen hinunter zur un-
Chipperfield. „Leicht ist die Aufgabe des tersten Ebene. Strikt abgetrennt ist diese je-
Creative Di rectors demnach nicht. Ich Wie aus einem Guss doch nicht. Große Durchbrüche vermitteln
möchte zurückblicken, die Philosophie, die zwischen den Bereichen und stellen einen
DNA des Labels verstehen, bevor wir die Ge- Der Purismus des Eingangsbereiches setzt Dialog her. Die hellen, offenen Räumlichkei-
schichte fortschreiben.“ sich in den hinteren Bereichen fort. Diese mi- ten erzeugen eine Wechselwirkung zwi-
Von dieser Fortschreibung überzeugten sich nimalistische Geste lässt die farbenfrohen schen den Produkten, es entsteht eine Sym-
Designbegeisterte dieser Tage gerade wie- Objekte umso stärker wirken. Sie leuchten biose aus Alt und Neu. „Designikonen und
der. Der Salone del Mobile zog Formen- förmlich vor den kahlen Oberflächen und Neuzugänge können ihre Kraft ohne Proble-
freunde en masse nach Mailand – auch in setzten warme Akzente. Es ist gerade die re- me nebeneinander entfalten,“ freut sich ein
die Via Borgogna in den galeriear tige duzierte Farbigkeit der Inneneinrichtung – PR-Mann von Driade.
Ideen 5 71
BAUHERR:
Driade

ARCHITEKTEN:
David Chipperfield Architects Milan
www.davidchipperfield.co.uk

BETEILIGTE:
Giuseppe Zampieri,
Pietro Bagnoli,
Mario Nanni,
Sice Previt,
Viabizzuno,
Contini
Schnitt
FERTIGSTELLUNG:
2014

STANDORT:
Via Borgogna 8,
Mailand, Italien

M 1: 2 0 0

Obergeschoss

Die Decke verfügt über ein funktionales Ras-


ter: In der Schienenkonstruktion lassen sich
Möbelstücke und Leuchtelemente schnell
an- und abmontieren. Flexibilität ist Trumpf
in diesem Schauhaus.

„Early Years“

Zur Eröffnung 2014 war die Ausstellung „Ear-


ly Years“ zu sehen, mit Objekten aus den
Jahren 1968 bis 1982. Kurator der Premieren-
show war das Studio Candida Zanelli. „Als
wir anfangs über das Relaunch der Marke
im Team sprachen, war uns allen nach einer
Rückbesinnung. Statt neue Designer einzu-
stellen, beauftragten wir Studio Candida Za-
nelli eine Ausstellung über die Designge-
schichte des Hauses zu kreieren,“ so Chip-
ILLUSTR ATIONE N: © DAVID CHIPPE RF IE LD ARCHITEC TS

perfield. Man merkt: Der Architekt hat Freu-


de an der Arbeit mit der Marke Driade. Er
verhalf dieser zu einem zeitgemäßen Ge-
sicht. „Der Showroom verkörpert die Marke-
nidentität und es ist mehr als nur ein Ge-
schäft. Es ist eine echte Ausstellungsgalerie.
Es war uns wichtig einen Ort zu haben, der
uns repräsentiert“, so CEO Stefano Core. Erdgeschoss
72

Maschine der Mobilität. 19 Fluggastbrücken umfasst das Gebäude – und vier Positionen, die zwei Flugzeuge parallel oder einen A380 bedienen können.
Ideen 6 73

Weißer
Riegel
in grünem
Moos
Architekt:
Koch + Partner

Kritik:
Alexander Gutzmer

Fotos:
Flughafen München,
Stefan Müller-Naumann

Na bitte, Deutschland kann


doch Flughafen. Die Erweiterung
des Airports München ist ein
konsequentes Stück Transparenz.
Bleibt zu hoffen, dass die Nutzung
nicht zu viel Kitsch hineinsetzt.
74 Ideen 6

Oben: Die begehbare Klimafassade dient als Klimapuffer zwischen Pier und Außenbereich.
A
„Das Dach-
tragwerk um
den Tower herum
wurde so ver-
rchitekturhistorisch ist ein Flughafen ein tra- spiegelt, dass das
gisches Bauwerk. Wegen der naturgegebe-
nen Randständigkeit im städtischen Raum Tageslicht am
bieten sich Flughafenarchitekten kaum
Chancen, an baugeschichtlich relevante Tower entlang in
Nationaloper, Oslo
Umfelder anzudocken. Jeder neue Flugha-
fen ist ein Solitär. Kommt er aber in die Jahre
die Halle fließen Freistehende Kommunikationsstele
und wird erweitert, bietet sich zumindest kann. Es entsteht aus Edelstahl
seine eigene Baugeschichte als historisches
Material an. Dieses muss man aber auch zu ein Effekt der Ent- Designlinie Siedle Steel
nutzen wissen.
Wie diese Nutzung aussehen kann, macht
materialisierung Architektur Snøhetta, Oslo

die aktuelle Erweiterung des Flughafens des Towers.“ www.siedle.de/referenzen


München jetzt vor. Für die Architekten Koch
und Partner galt es schlicht, einen Erweite- Norbert Koch
rungsbau zum auch von ihnen gestalteten
Terminal 2 zu realisieren. Der steht nun öst-
lich im Vorfeld des Basisterminals – und zwar
dort, wo bisher schon einer der zwei Tower
des Flughafens die Landebahnen über-
wachte. Um diesen Tower herum haben die
Architek ten ih ren neuen Satellitenbau
effektreich herumgelegt.

Turm im Raum

Schade nur, dass der Tower verglichen mit


dem visuell durchaus präsenten weiß-glä-
sernen Balken recht niedrig ausfällt. Die
ganz große Geste entsteht so von außen be-
trachtet nicht, das Türmchen blickt eher et-
was verschämt aus dem 600 Meter langen
Riegel heraus. Von innen aber konfrontiert
diese Kombination von Introspektive und
Außensicht, von reiner Gegenwart und ge-
bauter Flughafenhistorie den Passagier auf
sehr interessante Weise mit dem Flughafen
als technisch-logistischem System. Verlän-
gert wird dieser Eindruck durch die schräge
und vor allem verspiegelte Ausprägung des
Dachtragwerkes um den Tower herum. Sie
verweist auf den Turm als raumgestaltendes
Element. Mit ihr wird das geschaffen, was
Architekt Norbert Koch eine „Entmateriali-
sierung“ des Towers nennt. Wobei der Begriff
nicht ganz absolut zu verstehen ist. Denn der
Tower bleibt natürlich höchst materiell, ge-
rade in Konfrontation mit den kuscheligen
Lounge-Bereichen drumherum. Und in ihm
wird ja auch weiterhin gearbeitet und nicht,
wie man hätte vermuten können, nur in teu-
ren Lufthansa-First-Class-Lounges gechillt.
Insgesamt ist den Architekten mit dem neu-
en Satelliten ein überzeugendes Statement
architektonischer Transparenz gelungen.
Der langgezogene Baukörper ist in ganz
weiten Teilen zu beiden Seiten geöffnet. Die
großzügigen Fenster fronten t reiben die
schon im Terminal 2 vorherrschende Trans-
parenz-Philosophie nochmals auf die Spit-

WEITER
76 Ideen 6

Unten: Rechts und links zu sehen jeweils die weiße, wellenförmige Wandverkleidung – und der ausgesparte Freiraum, in dem künftig Werbung läuft.
77
ze. Die radikale Offenheit dient aber nicht Dieser Wunsch ist aber natürlich illusorisch.
Airport-Stories nur der Atmosphäre, sondern auch der Ori- Zumal Flughäfen ja nie gestalterische Punkt-
entierung. Durch die fast omnipräsenten landungen darstellen. Jeder Flughafen ist
Durchblicke zum Terminal 2 mit seinem glä- der permanente Work in Progress. Sein Be-
sern-schrägen Bahnhofsbereich schafft der trieb stellt zugleich auch einen im Grunde
Die Ästhetik von Flughä- Satellit Orientierung. Die Architekten folgen fortwährenden Bauprozess dar.
fen ist auch Thema eines hier der eigentlich gar nicht so überra-

11
aktuellen Buches aus schenden Einsicht, dass räumliche Ver-
dem Callwey-Verlag. ständlichkeit nicht innerhalb eines Gebäu-
„Faszination Flughafen – des gestiftet wird, sondern durch dessen
die besten Airports und Beziehungen zu anderen Baukörpern.
ihre Geschichten“ erzählt

B
ebendiese Geschichten.
Drei Journalisten haben
für das 190-Seiten-Buch Millionen Passagieren bietet der Erweite-
die besten Stories rund rungsbau Kapazität. Diese ergänzt die 25
um Flughäfen und ihre Millionen, die die bisherige Kapazitätsgren-
Architektur recherchiert. ze von Terminal 2 ausmachten und die die-
Der Band (an dem der ser bereits im Jahr 2011 überschritten hatte.
Autor obiger Kritik betei- eziehungen zum Terminal 2 bestehen bei Betreiber ist wieder eine Partnerschaft aus
ligt war) präsentiert dem Satelliten ohnehin. Das neue Bauwerk Flughafen München GmbH und der Deut-
bildreich die interessan- stellt keinen unabhängig funktionierenden schen Lufthansa. Eine Airline als Flughafen-
testen Fluggebäude der Komplex dar, sondern eine funktionale Ver- betreiber ist eine krasse Ausnahme im glo-
Welt. Darunter sind Klas- längerung des Terminals. Hier wird abgeflo- balen Flugbetrieb. Die Architekten schätzen
siker wie gmps Berlin- gen, aber zum Beispiel nicht eingecheckt. nach eigener Auskunft die Airline als Input-
Tegel oder Norman Fos- Erreichbar ist der Bau ausschließlich über geber. Und es wäre ja definitiv zu begrüßen,
www.callwey.de/buecher/faszination-flughafen

ters London Stansted, eine Transferbahn. Diese Zubringung mag in wenn die Lufthansa ihr Herz für gute Gestal-
aber auch überraschen- ihrer Eindimensionalität nicht jedem gefal- tung entdecken würde. Lernen könnte sie
de Kandidaten wie der len. Es wäre durchaus denkbar gewesen, hier von der Kult-Airline PanAm, die in der
seltsam Ufo-hafte Flug- die Entfernung zwischen beiden Gebäuden Nachkriegszeit das Lebensgefühl des Jet-
hafen Daodeng Yadine auch zu Fuß zurückzulegen. Zeitalters durch das damals gewagte Cor-
im tibetischen Hochland. Wer aber aus der Bahn aussteigt – je nach porate Design und stylish gekleideten Ste-
Und auch das Prinzip des Herkunfsland in den Bereichen „Schengen“, wardessen einleitete. Der Satellit könnte
Flughafens als letztlich „Non-Schengen“ oder „Unclean“ (für Län- zumindest einen guten ersten Schritt in die-
zentralisiertes Gebäude der, deren Sicherheitssystemen der deut- se Richtung darstellen.
selbst wird hinterfragt. sche Zoll nicht traut), den erwartet ein opu-
So präsentiert das Buch lenter architektonischer Eindruck: eine be- Pläne auf der
mit dem Flughafen von wusst technoid wirkende mehrstöckige An- folgenden Seite
Mekka (SOM) eine Struk- kunftshalle mit eindrücklichen, teils sogar
tur, deren Zentralgebäu- leicht Schwindel erregenden Ein-, Durch-
de nicht der Rede wert und Ausblicken. Nur die weiße wellenförmi-
ist. Hinter dem Gebäude ge Wandverkleidung stört den an sich völlig
jedoch entspinnt sich hinreichenden Eindruck flugästhetischer
eine riesenhafte Zelt- Präzision. Gebraucht hätte es sie nicht, zu-
stadt, in der an Pilger- mal sie durch eine große Werbefläche oh-
Hochtagen bis zu 80.000 nehin nicht besonders stark zur Geltung
Gläubige zugleich Platz kommen durfte – Tribut an die Hyperkom-
finden. merzialisierung heutiger Airports.

Künstlicher Viktualienmarkt

Über mehrere Treppen und Aufzüge legt der


Passagier dann 22 Meter nach oben zurück,
um in die zentrale Halle zu gelangen. Dort
wartet dann der besagte Tower – wie auch
ein eher betuliches Verköstigungsschau-
spiel aus diversen Futterbuden. Vom Viktua-
lienmarkt wollten die Betreiber sich inspirie-
ren lassen. Natürlich ist die Rede wie in sol-
chen Fällen üblich von einer „Piazza“. Die
Architekten konnten wohl die größten simu-
lationstragischen Auswüchse verhindern.
Dennoch dürfte auch hier wieder gelten:
Weniger wäre mehr gewesen. Und es zeigt
sich erneut, dass der beste Zeitpunkt, sich
mit der Architektur eines Flughafens zu be-
fassen, immer vor seiner Eröffnung liegt.
78 Ideen 6

M 1: 2 0 0 0
Querschnitt

M 1:4 0 0 0
Grundriss

AKUSTIK:
Theater Projekte Daberto +
Kollegen

LICHTPLANUNG:
Ulrike Brandi Licht GmbH

FUNK ANL AGE N:


BAUHERR: Rücker + Schindele,
Terminal 2 Gesellschaft Beratende Ingenieure GbR
mbH & Co oHG, vertreten
durch Flughafen München FASSADE NPL ANUNG:
Baugesellschaft mbH R+R Fuchs
M 1:1 0 . 0 0 0

GENERALPLANER: VISUELLE
K+P Architekten + KOM MUNIK ATION:
Stadtplaner GmbH, Büro für Gestaltung
Koch Voigt Zschornack Wangler & Abele

OBJE K TÜBE RWACHUNG: STANDORT:


H+P Höhler + Partner Architekten + Vorfeld Ost,
Ingenieure GmbH 85356 Flughafen München

TR AGWERKSPL ANER: VOR AUSSICHTLICHE


Arge I-T-S INBETRIEBNAHME:
26. April 2016
HLS:
Ingenieurbüro Hausladen
GmbH

TECHNISCHE
GE BÄUDEAUSSTAT TUNG:
Lageplan PRO Elektroplan GmbH
79

3
Fragen:
SEITE
80
Geht es bei der
Mipim um
Architektur?
SEITE
84
Geschäftslage
versus
Auftragsbestände?
SEITE
86
Was kommt
nach dem
„Spatial Turn“?
80 Fragen 1
1 2

Geht es
auf der Mipim
eigentlich
um Architektur

3 4

Wenn in Cannes die Real-Estate-Größen zusam-


menkommen, standen die Architekten am Rand
– zumindest bisher. Doch die Präsenz zumindest
der großen Büros steigt. Und plötzlich ist auch
mal von Baukultur die Rede.
81
Als Dienstleistung orientiert sich die Archi- tig sein. Man denke an die Arbeiten des US-
Text: tektur an Investoren, aber auch an der Ge- Künstlers Alexander Calder, welche die mo-
Alexander Gutzmer sellschaft. Je selbstbewusster die Architek- dernistischen Hochhauslandschaften von
ten ihre Rolle als Problemerkenner und -lö- Downtown Los Angeles sehr gekonnt auflo-
ser spielen, desto eher können sie gegen- ckern. Weitere Beispiele liefert das Werk von
ü b e r d e m e i n e n S t a k e h o l d e r (d e n Arik Levi selbst. In Brüssel zum Beispiel hat er
Investoren) die Interessen der anderen Sta- mit einer eigenwilligen Arbeit das Atomium
keholdergruppe (der Gesellschaft) artiku- quasi von hinten aufgerollt. Die expressive
lieren. Dazu passt dann auch wieder die Skulptur, die sich an die Grundform des Ato-
Überschrift der eingangs zitierten Talkrun- miums selbst anlehnt, macht dieses nun
de: „Baukultur brings Success“. Das klingt erstmals auch von seiner Rückseite aus ge-
zwar etwas hölzern, ist aber im Kern nicht sehen attraktiv.
falsch. Logisch, dass aus der Geldgeberschaft bei
„Baukultur“ bedeutet dabei auch, die Im- solcher Gelegenheit schnell die Frage
pulse anderer Disziplinen in der Architektur kommt: Rechnet sich das Ganze denn? „Ge-
nicht von vornherein abzulehnen, sondern ben Sie uns Zahlen – irgendwelche“, fleht ein
Es ist nicht immer ganz einfach, sich Gehör mit ihnen nach Möglichkeit konstruktiv um- Manager von Colliers Prag. Levy muss pas-
zu verschaffen als Architekt. Besonders zugehen. Kleihues: „Dialog ist auch Teil von sen – nicht aber Patrick McCrae, Chef der
dann nicht, wenn um einen herum tausende Baukultur.“ Diese externen Impulse können Consultingfirma Artiq. „Um 40 Prozent lässt
präsentationssicherer Immobilienmanager in Form von unkonventionellen Nutzerideen sich“, zitiert McCrae eine Artiq-Studie, die
lautstark ihrem Tagwerk nachgehen. Den- auftreten, von zunächst seltsam erschei- Motivation von Mitarbeitern steigern, wenn
noch war genau dies das Ambiente, in dem nenden Vorstellungen der Bauherren oder sie an ihren Arbeitsplätzen mit Kunst umge-
die deutsche Architekturzunft gerade mal von politischen Besonderheiten am Ort. Sie ben sind. Das sagt zwar noch nichts über
wieder besuchte, für Qualitätsbauen und können sich aber auch auf die – natürlich oft den Wert der Immobilie aus, ist aber ein gu-
nachhaltige Architektur zu werben. Und die nervende – „Kunst am Bau“ beziehen. Auch tes Zeichen. Manuel Schupp (Wilford Schupp
Umstände wurden nochmal verschärft: Das Kunst stellt eine Externalität dar, mit der die Architekten, Stuttgart) ergänzt: „Gerade lo-
Mikro fiel nämlich immer wieder aus, just als Architektur umgehen kann und muss. Und kale Kunst hat das Potenzial, sich in die Ar-
Rainer Nagel (Bundesstiftung Baukultur) und Kunst ist ja nicht an sich schlecht. Die Frage chitektur zu integrieren“ – und damit eben
Jan Kleihues der versammelten Real-Esta- ist nur, wie sie mit der Architektur umgeht. nicht als baufremder Störkörper zu fungie-
te-Szene erläutern wollten, warum auch Man kann es insgesamt in jedem Fall für ein ren.
diese sich stärker an guter Architektur ori- gutes Zeichen halten, dass gerade eine Dis- Dass Diskussionen wie diese in Cannes ge-
entieren sollte und weshalb die Idee einer kussion zum baulichen Mehrwert von Kunst führt werden, zeigt: Die architekturbezoge-
entwickelten „Baukultur“ durchaus zu ei- in Cannes extrem gut besucht ist. Viele der ne Denkweise auf Seiten der Investoren er-
nem deutschen Exportschlager werden Geldherren (und vereinzelten -frauen) inter- weitert sich – zögerlich, bisher eher verein-
könnte. essieren sich offenbar für die Kunst in ihren zelt. Doch gerade in wettbewerbsintensiven
Ort dieser Szenerie war übrigens, der ge- Projekten. Umfeldern wie in Cannes dürften die Zeiten,
neigte Leser ahnt es vielleicht schon, die Im- Der israelische Designer und Künstler Arik in denen die Investoren jegliche Debatte
mobilienmesse „Mipim“, die jedes Frühjahr Levy hält, professionsgemäß wenig überra- über architektonische Qualität scheuten,
im französischen Cannes stattfindet. Dort schend, ein klares Plädoyer dafür, dass der Vergangenheit angehören. Gerade
präsentieren sich Immobilienfirmen, An- Kunst Architektur aufwerten kann. An die auch die immer elaborierteren Stadtmodel-
waltskanzleien, Städte und Regionen – aber Architekten gerichtet sagt er: „Seien Sie re- le, die Metropolen wie Paris, London oder
zunehmend eben auch Architekturbüros. alistisch: Die unteren zehn Meter Ihrer Ge- Istanbul auf der Mipim auffächern, zeugen
Und die Deutschland-Architektur-AG ist mit bäude wirken auf die meisten Menschen davon. Sie zeigen nämlich inzwischen gut
einem (durchaus üppig bemessenen) Ge- unattraktiv.“ Die Kunst solle und könne da erkennbar einzelne Gebäude. Das bedeu-
meinschaftsstand vertreten. Prominente Ar- vermitteln. Eine Einlassung, die in ihrer All- tet: Architektur hat einen Wert, auch einen
chitekturbüros wie Gerber, Auer + Weber, gemeinheit zwar sicherlich Unsinn ist. Die ökonomischen. Das sieht man zunehmend.
Koch & Partner oder Jürgen Mayer H. haben aber darauf verweist, dass die Kunst mit ge- Auch die Architekten sind gut beraten, die-
jeweils kleine Ständchen. Und die Bürochefs bauten Räumen sehr unterschiedlich umge- sen Wert künftig noch selbstbewusster her-
haben sichtbar gut zu tun in Gesprächen mit hen kann – und eben auch das Potenzial hat, auszustellen.
Investoren und der Politik. „Man bekommt sich bewusst mit der Architektur, die sie
hier einfach schnell alle entscheidenden letztlich ja beherbergt, auseinanderzuset-
Leute zusammen“, erklärt ein Architekt mir. zen.

Dienstleister? Ja – auch Wie hältst Du’s mit der Kunst?

Die Architektur hat inzwischen einen festen In diesem Sinne lässt sich für Architekten zu- 1
Platz auf der Mipim – nicht nur vertreten mindest die Forderung formulieren, die Zu- Arik Levy plädiert für
durch internationale Großbüros wie Kohn sammenarbeit mit Künstlern als Chance zu Kunst...
Pedersen Fox. Dennoch herrscht unter eini- sehen – und bereits im Auswahlprozess der 2
gen Architekten bisweilen noch ein etwas passenden Kunstschaffenden mit großer ...Dubai eher für
verschämter Ton – zumindest in den Gesprä- Klarheit die Stimme zu heben. Das können Opulenz.
chen untereinander. Als müsse man sich sie, wenn die Kommunikation mit dem Bau- 3
genieren, die eigenen Leistungen hier po- herren stimmt. Levi zeigt in Cannes Beispiele Istanbul baut den welt-
tenziellen oder bestehenden Kunden anzu- aus der eigenen Arbeit und aus der Archi- größten Flughafen...
dienen. Nur – warum eigentlich? Architektur tekturgeschichte, in denen ein Kunstwerk 4
ist nicht nur, aber natürlich auch eine Dienst- durchaus bereichernd auf die gebaute Um- ...London zumindest
leistung. gebung wirkt. Einige davon dürften unstrei- große Modelle.
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84 Architektur und Management

Geschäftslage
versus
Auftragsbestände

Es kommt vor, dass ich mich freue, wenn ich mich ein- wiegend gut bleibt. Gerade einmal zehn Prozent er-
mal getäuscht habe. Oder wenn ich mit einer Prognose warten eine „eher ungünstigere“ Auftragssituation in
daneben gelegen habe. Und so ist es wieder einmal etwa einem halben Jahr; etwa jeder siebte Architekt
gekommen: In meiner Kolumne vor einem Jahr meinte geht demgegenüber sogar noch von einer „eher güns-
ich, dass „Aufenthalte auf Wolke 7 immer zeitlich be- tigeren“ Entwicklung aus.
grenzt sind“. Und darunter verstand ich eher ein paar
Quartale als einige Jahre. Und heute freue ich mich, Auch Reserven vorhanden
dass die „Wolke 7“ nicht nur noch da ist, sondern sogar
ein weiteres Stück nach oben „geschwebt“ ist. Für den Die durchschnittlichen Auftragsreserven der befrag-
nicht eingeweihten Leser heißt das: Das vom ifo-Institut ten Architekten schwanken bereits seit einem Jahr nur
alle Vierteljahre bei den freischaffenden Architekten geringfügig um den Wert von 6,3 Monaten. In der
erhobene Geschäftsklima war Anfang 2016 nicht nur Boomphase nach der Wiedervereinigung waren ihre
noch besser als ein Jahr zuvor, es wurde sogar der Auftragspolster im Durchschnitt jedoch über einen
viertbeste Wert seit Bestehen dieser Umfrage erreicht. Zeitraum von fünf Jahren – 1989 bis 1994 – um rund ei-
Und diese Befragung findet immerhin bereits seit 35 nen halben Monat größer. Die Diskrepanz zwischen
Jahren statt. dem Rekordwert bei der Beurteilung der Auftragslage
Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass vor allem die einerseits und den gleichzeitig merklich kleineren Auf-
Urteile zur aktuellen Auftragssituation sichtlich günsti- tragsbeständen kann – zumindest zu einem großen Teil
ger ausfielen als noch vor einem Jahr. Diese Aussage – durch eine Analyse auf der Basis von Gebäudearten
kann sogar noch gesteigert werden: Noch nie waren aufgelöst werden.
die von uns befragten Architekten mit ihrer derzeitigen So hat sich im Verlauf der acht Jahre seit 2008 der Um-
Auftragslage so zufrieden wie zu Beginn des Jahres fang der neu hereingenommenen Aufträge zur Pla-
2016. Gut die Hälfte bezeichnete diese als „gut“, und nung von Ein- und Zweifamilienhäusern nahezu konti-
lediglich etwa jeder Achte urteilte mit „schlecht“. Ich nuierlich erhöht. Dadurch war im Durchschnitt der letz-
möchte nicht den Hinweis unterlassen, dass mit diesen ten vier Quartale das durchschnittliche Planungsvolu-
Einschätzungen selbst die guten Werte während des men in etwa doppelt so hoch wie am bislang tiefsten
Baubooms im Gefolge der Wiedervereinigung Anfang Punkt (viertes Quartal 2007). Bei einer Glättung der
der 1990er-Jahre übertroffen wurden. deutlich volatileren Planungseingänge für Mehrfamili-
Bezüglich der Geschäftserwartungen für die nächsten engebäude zeigt sich, dass der Umfang der Planungs-
sechs Monate gibt es schon seit einigen Quartalen volumina in diesem Teilsegment seit Mitte 2014 relativ
kaum noch Veränderungen. Rund drei Viertel der Ar- stabil ist. Im Vergleich zu der fast zehnjährigen „Durst-
chitekten gehen weiterhin davon aus, dass sich ihre strecke“, die die Architekten 2001 bis 2009 „durchste-
Geschäftssituation nicht verändern wird – also über- hen“ mussten, sind ihre Planungsvolumina in diesem
85

Beurteilung der aktuellen Auftragssituation durch die freischaffenden Architekten: Ursprungswerte


Saldo aus den „Gut“- beziehungsweise „Schlecht“-Urteilen geglättete
Werte

50

40

30

20

10

– 10

– 20

– 30

– 40

– 50

198 3 198 6 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2 013 2 016

Diese Kolumne wird unterstützt vom ifo-Institut.


Teilsegment derzeit rund dreimal so hoch. Betrachtet Diese Ausführungen zeigen recht schön, dass der Auf-
man den Wohnbau insgesamt, so durften sich die Ar- tragseingang bei den Architekten in den vergangenen
chitekten, nach einem jahrelangen Verharren auf Jahren im Wohnungsbau deutlich günstiger verlief als
niedrigstem Niveau, innerhalb von nur acht Jahren im Nichtwohnhochbau. Da der überwiegende Teil der
über eine durchschnittliche Verdreifachung ihrer Pla- von uns befragten Architekten schwerpunktmäßig –
nungsaufträge für Wohnungsneubauten freuen. oder sogar ausschließlich – Planungen für Wohnge-
bäude durchführt, spiegelt sich die sichtliche Zunah-
Wohnbau und der Rest me bei der Planungsvergabe auch in ihren überaus
positiven Lageurteilen wider. So liegt das derzeitige
Im Nichtwohnhochbau verlief die Entwicklung in den durchschnittliche Planungsvolumen im Wohnungsbau
vergangenen Jahren nicht so positiv. Hier befindet sich nur noch gut zehn Prozent unter dem Spitzenwert des
das durchschnittliche Planungsvolumen derzeit etwa Jahres 1993, als die Ost-Bonanza mit Sonderabschrei-
auf dem gleichen Niveau wie Mitte der 1990er-Jahre. bungen von bereits 50 Prozent im ersten Jahr die Woh-
Wobei zusätzlich zu berücksichtigen ist, dass diese Be- nungsbautätigkeit in den neuen Bundesländern nahe-
träge Nominalwerte darstellen. Das heißt, die Steige- zu zum Schäumen brachte.
rung der Preise für Materialien und Leistungen über Im von gewerblichen und öffentlichen Auftraggebern
diesen langen Zeitraum hinweg sind nicht berücksich- getragenen Nichtwohnhochbau erreichen die durch-
tigt. In einer realen Betrachtung wären also die ausge- schnittlichen Planungsvolumina dagegen seit rund
wiesenen Größen nicht unbeträchtlich kleiner. zwei Jahren gerade einmal gut die Hälfte der Spitzen-
Dabei handelte es sich natürlich nicht um einen werte von 1991/92. Denn auch der Bau etwa von Büro-
gleichmäßigen „Seitwärtsgang“. So sind beispielswei- und Geschäftszentren war damals mit üppigen Son-
se im gewerblichen Sektor der Anstieg bis 2007 sowie derabschreibungen überaus wirksam stimuliert wor-
der anschließende kräftige Einbruch bei den Pla- den. Aber auch heute dominieren umfangreiche Pla-
nungsaufträgen im Rahmen der Finanzkrise deutlich nungsaufträge für Unternehmen oder öffentliche
zu erkennen. Bei den öffentlichen Auftraggebern war Einrichtungen – ob in Form von Bürogebäuden und
demgegenüber bereits 2004 und 2005 das Ende einer Hotels oder Krankenhäusern und Universitätsgebäu-
Schwächephase zu registrieren. Die Erholung, das den – ganz wesentlich den Umfang der Auftragsbe-
heißt, wieder eine Zunahme bei den Vergaben von öf- stände. Die Diskrepanz zwischen der ausgezeichneten
fentlichen Planungsarbeiten an freie Architekten Geschäftslage und dennoch „zurückgebliebenen“
QUE LLE: IFO ARCHITE K TE NUMFR AGE

währte allerdings lediglich bis Ende 2011. Seitdem sind Auftragspolstern kann somit in einer groben Analyse
potenzielle öffentliche Auftraggeber wieder zuse- recht gut durch die unterschiedlichen Entwicklungen
hends zurückhaltender bei der Vergabe von Planungs- von Wohnungs- beziehungsweise Nichtwohnhochbau
aufträgen für öffentliche Neubauten. erklärt werden.

Text Erich Gluch


86 Fragen 3
„Now it’s time to leave the capsule if you
dare“, singt David Bowie im Jahr 1969 im
Song „Space Oddity“. Im gleichen Jahr er-
wei te r t d ie M i ssion de r Apo l lo11 den
menschlichen Handlungsraum bis zum

Was kommt nach Mond. Und sie liefert Bilder zu der Tatsache,
dass sich Raum nicht durch Wände wie ein

dem Container begrenzen lässt. Vor der be-


mannten Raumfahrt und transzendenten
Drogenerlebnissen bohrten schon Einstein
„Spatial Turn“ und Picasso mit dem Werkzeug der Wissen-
schaft und Kunst an den Wänden. Entwick-
lungen wie die neuen Medien oder die Glo-
balisierung brachten diese schließlich kom-
? plett zum Einsturz. Das Resultat vor allem,
aber nicht nur in den Geisteswissenschaf-
ten: der Spatial Turn.
Der Begriff Spatial Turn bezeichnet die Um-
bruchjahre zwischen 1990 und 2000, in de-
Der Spatial Turn hat nen Raum in allen Disziplinen und internati-
onal diskutiert wurde. Es war, als gingen die
die Kulturwissenschaften Denker unterschiedlichster Fakultäten der
Aufforderung David Bowies nach. Im Zuge
verändert – und die dessen wurde auch die Architektur für Aka-
demiker unterschiedlichster Disziplinen in-
Architektur ins Zentrum teressant. Wer Kultur verstehen will, schaut
seither in den Raum – und auf konkrete Ge-

geisteswissenschaftlicher bäude.
Doch was hilft uns das? Besser gebaut wird
damit noch lange nicht. Und die gebauten
Aufmerksamkeit sozialen Ungleichheiten sind auch nicht be-
seitigt. Die Frage stellt sich also: Wohin hat
gerückt. der Spatial Turn die Gesellschaft geführt?
Und was kommt als nächstes? Diese Fragen
diskutierten wir am Rande des Architectural
Tuesday der FH Köln mit einer der wichtigs-

Doch was hat ten Vertreterinnen des raumbezogenen Um-


denkens, der Soziologin Martina Löw.

das Umdenken wirklich BAUMEISTER: Frau Löw, 15 Jahre Spatial Turn


– Ihr Fazit?
gebracht M A R T I N A L Ö W : Nach dieser intensiven Dis-
kussionsphase in den 1990er und 2000er
Jahren über die Relevanz von Raum für sozi-
ales Leben und über unseren Raumbegriff
? wurde es erst einmal wieder ruhig um das
Thema. Heute, 15 Jahre später, sprechen wir
wieder viel über Raum. Und es gibt erneut
den Wunsch, sich theoretisch mit Raumbe-

Und was kommt griffen auseinanderzusetzen. Tatsächlich ist


es so, dass wir um 2000 herum noch nicht gut
erkennen konnten, auf welch entscheiden-
als nächstes de Weise die Umbrüche in den langen
1960er Jahren (also bis in die 70er, teilweise
die 80er Jahre hinein) das Verhältnis der
Menschen zu ihren Räumen verändert ha-
? ben. Jetzt sehen wir viel deutlicher, wie stark
soziale Umbrüche, Globalisierung und dann
später Medialitisierung durch das elektroni-
sche Netz unser Raumverständnis und unse-
re räumliche Praxis haben komplexer wer-
Wir sprachen mit der den lassen.

Soziologin Martina Löw. B:Inwiefern?


M L: Nach 2000 dachten wir zunächst, wir
müssten nicht weiter über Raum diskutieren,
weil wir nun ein relationales Verständnis von
87
vorstrukturieren. Der Behälterraum oder das falls passive Objekte, sondern immer selbst
Interview: Territorium sind selbstverständlich immer verführend. Zu klären bleibt also, wie Teile
Anna-Laura Oldenburg noch eine mögliche, wenn auch vergleichs- des Raums anderen Teilen ermöglichen zu
weise seltene Form der Raum-Konstitution. wirken. Und genau das bringt die Soziologie
und die Architektur eng zusammen. Es lässt
B : Raum ist also stets in Relation zu begrei- uns gemeinsam über das Wirken der Men-
fen. Welche Konsequenzen können wir aus schen und des Sozialen durch die Anord-
dieser Definition ziehen? nungen im Raum nachdenken – und umge-
M L : Raum wird zu einer Kategorie, die uns kehrt.
zur Kenntnis nehmen lässt, dass die Dinge
nur schwer einzeln erfahrbar sind bezie- B : Raum wird also keinesfalls irrelevanter,
hungsweise erst im Arrangement existieren. sondern bedeutender?
Dinge können zu Räumen synthetisiert oder M L : Tatsächlich müssen wir heute verstärkt
müssen sogar zu Räumen verbunden wer- mit einer Zunahme von räumlichen Ver-
den. Eine leere Schüssel auf einem Tisch flechtungen rechnen. Es wird nicht einfa-
mag zum Beispiel trostlos wirken. Stellt man cher. Wir leben in wesentlich intensivierten,
Raum entwickelt haben. Tatsächlich mer- allerdings einen Strauß Rosen daneben, er- räumlich strukturierten Abhängigkeiten, die
ken wir jetzt, dass mit der Wende zu einem strahlt dieselbe Schüssel mit einem Mal gleichzeitig auf globalen Verflechtungen
relationalen Raumverständnis die For- prächtig. Dinge sind also abhängig davon, und auf medialen Umwälzungen basieren.
schungsarbeit erst beginnt. Unklar blieb, in welches räumliche Arrangement wir sie Gegen die Intuition, dass schnelle Trans-
was Räume für uns sind, in welchen Raum- setzen. Zugleich entfalten sie erst im räumli- portmittel und neue Medien den Raum un-
konstellationen wir leben (wollen) und wel- chen Arrangement ihre jeweils spezifische bedeutend werden lassen, können wir viel-
che Art von Raumkonzepten nun unser Han- Wirkung auf uns. mehr ein „spacing-out“, eine Ausweitung
deln anleiten. von räumlichen Bezugssystemen, beobach-
ten.
B: Wie denken wir heute Raum?
M L: Wir denken heute, dass man Raum aus Architectural Tuesday B : Können wir überhaupt noch von Raum als
den Beziehungen heraus verstehen muss. Einzahl sprechen oder bewegen wir uns ei-
Raum spannt sich zwischen aufeinander be- gentlich immer in mehreren Räumen gleich-
zogenen und miteinander agierenden Ele- Die nächste zeitig?
menten auf. Wir denken Räume dynami- Runde der Talkreihe der M L : Bleiben wir bei dem Beispiel der Schüs-
scher. In der Regel wird Raum nicht als ge- TH Köln befasst sich mit der sel und der Blumen, so müssen wir feststel-
geben betrachtet, sondern die gebauten Architektur der 60er len, dass der Raum zugleich lokal und glo-
und platzierten Elemente stellen Strukturie- und 70er. „Lust oder Last“, bal ist. So wird die Rose nicht selten in Euro-
r u n g s a n g e b o t e, Au f f o rd e r u n g e n u n d so der passende Titel. pa gezüchtet, in Ecuador angebaut und in
manchmal auch Zwänge dar, die sozial re- Los geht es am Chicago verkauft. Die Schüssel wird zum
levant nur in der Nutzung oder präziser im 10. Mai. Beispiel über das Internet aus Paris impor-
performativen Akt, also in dem Moment der tiert. Das heißt, ein Esszimmer mag Grenzen
Herstellung, werden. Raum ist an Praxis ge- aufweisen, doch ist der Raum, der durch Blu-
bunden und Objekt des Wissens. men und Schüssel entsteht, kein territorialer
Raum. Allgemein werden die nicht-territori-
B : Zu welchen Erkenntnissen kann dieses alen Raumformen, wie Netzwerkbildung
Denken führen? oder Re-Skalierung von nahen und fernen
M L : Indem wir angefangen haben, stärker B: Was aber sicher nicht für alle Menschen Räumen, gesellschaftlich immer relevanter.
in Beziehungen zu denken, relationale gleich gilt... Das Soziale existiert nicht in einem einzigen
Raumbegriffe zu entwickeln und den Raum M L : Selbstverständlich ist diese Wirkung Raumtyp. An keiner Stelle haben wir es nur
nicht mehr als etwas zu betrachten, was ein- gebrochen durch Geschlecht, Milieu, Alter mit einem einzigen Raumtyp zu tun.
fach herumlungert, während die Zeit fort- und Ethnizität. Die Raumtheorie zwingt uns
schreitet, haben wir sicherlich eine neue dazu, die Rolle von Dingen in diesen Raum- B : Welche Rolle spielt für Sie die Architektur
Perspektive auf die soziale und auch auf die Verflechtungen genauso zu fokussieren wie dabei?
materielle Welt gewonnen. Zugleich wird die von Menschen. Bislang neigen wir aller- M L : Relationales Denken ist die Vorausset-
deutlich, dass die Neuformulierung des dings dazu, mit zwei Kategorien zu arbeiten. zung, um die fundamentale Abhängigkeit,
Raumbegriffs in relationalen Kategorien erst Menschliche Anordnungszusammenhänge die das Einzelne, zum Beispiel den einzelnen
der Anfang der Theoriebildung ist und nicht nennen wir Konstellation oder Figuration Bau und den einzelnen Menschen umgibt, in
das Resultat. und dingliche Anordnungszusammenhän- den Blick zu nehmen. Sozial sein erklärt sich
ge nennen wir Räume. Damit trennen wir ganz wesentlich aus diesen vielfältigen
B: In welche Richtung forschen Sie weiter? künstlich zwei Existenzformen, die über- räumlichen Figurationen. Wenn man es
M L: Mein Vorschlag war es und ist es, Raum haupt nicht trennbar sind. So wirkt nicht nur ernst nimmt, dass unsere Sozialität an den
zunächst einmal als eine relationale Anord- die leere Schüssel, sondern jeder prächtiger räumlichen Figurationen hängt, stellt sich
nung sozialer Güter und Lebewesen an Or- neben einem Strauß Rosen. hier auch die Frage der Verantwortung von
ten zu begreifen. In meinem Buch „Raumso- Architektur.
ziologie“ habe ich geschrieben, dass Raum B: Was wir sind, wer wir sind und wie wir vor
eine Dualität aufweist. Das soll zum Aus- anderen in Erscheinung treten, ist also ab-
druck bringen, dass Räume nicht nur exis- hängig von dem Raum, in den wir eingebun-
tieren, sondern auch im Handeln geschaf- den sind...
fen werden müssen und als räumliche Struk- M L : ...und den wir zugleich mit unseren Plat-
turen Handeln gleichzeitig auch wieder zierungen bilden. Dinge sind dabei keines-
T30-Ganzglastüren von
Teckentrup
89

18
Lösungen:
SEITE
90

Dämmung
SEITE
98

Fenster,
Türen, Tore
+
SEITE
96
Referenz:
Mehrzweckhalle
der Rudolf-Steiner-Schule
Berlin
90 Lösungen
Dämmung

„Dämmen lohnt
sich“ heißt eine
herstellerunab-
hängige Initiati-
ve, die über die
Vorteile der
Wärmedäm-
mung und ener-
WWW.ROCKWOOL .DE

gieeffiziente
Sanierung infor-
miert. Positive
Berichte sind
notwendig,
denn die WDVS
wurden zuletzt
sehr kritisch be-
äugt: brennen-
de Fassaden,
Schimmel in der
Wohnung,
Schießscharten-
effekt und Ein-
heitsfassaden.
Dabei gilt auch
und gerade bei
der Dämmung
in Anlehnung an
den Werkstoff

1
Beton: Es kommt
drauf an, was
man draus
macht.
Dämmplatte für hinterlüftete Fassaden

von Beim Neubau des Mathematikons der Universität Heidelberg setzte das Darmstädter Archi-
tekturbüros Bernhardt + Partner bei der Dämmung der Fassade aus Jurakalk auf die Stein-
Thomas Jakob wolle-Dämmplatten „Fixrock 033“ von Rockwool. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,033
W/(m2K) schützt Fixrock 033 vor Wärmeverlusten bei vorgehängten, hinterlüfteten Fassa-
den. Der Vorteil von Fixrock 033: Brandsperren müssen aufgrund der Brandschutzeigen-
schaften der Platten (nichtbrennbar Euroklasse A1 mit Schmelzpunkt > 1.000C°) nicht bis an
die tragende Wand geführt werden. Ein dichter Anschluss der Brandsperre an den Dämm-
stoff reicht aus.
Dämmung 91

Hanf am Haus
2
Die DAW-Firmengruppe hat ein Fassaden-
dämmsystem entwickelt, das auf europäi-
schem Nutzhanf basiert: Capatect System
Natur+. Hanfdämmstoffe weisen eine kapil-
lare Faserstruktur auf, durch die Feuchtig-
keit aktiv ausgeleitet und verdunstet wird.

W W W.DAW.DE
Zudem dämpfen Hanffaserdämmplatten
den hörbaren Schall und gestatten es, Neu-
bauten so zu planen, dass das erhöhte
Schallschutzniveau nach DIN 4109 durch
das Capatect System Natur+ mindestens er-
reicht oder sogar übertroffen wird. Zudem
verhindert Capatect System Natur+, dass im
Sommer Hitze rasch ins Haus dringt. Im Bild:
das Schulungszentrum der Firma Synthesa in
Perg (Österreich), geplant von AH3 Archi-
tekten ZT GmbH aus Horn (Österreich).

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92 Lösungen

Dämmstoff für Höchstleistungen

Nur 0,028 W/(m2K) – diese einzigartig niedri-


ge Wärmeleitfähigkeit für XPS-Dämmstoffe
erreicht „Jackodur Plus“. Damit hat Jackson
Insulation einen Hochleistungsdämmstoff
entwickelt, der die Wärmeleitfähigkeit her-
kömmlicher Dämmstoffe aus extrudiertem

3
Polystyrol-Hartschaum (XPS) deutlich unter-
bietet. Möglich wird die hohe Leistung des
durch den Einsatz eines neuen Isoliergases,

W W W. JACKON-INSUL ATION.COM
welches in der feinporigen Zellstruktur des
Dämmstoffs die Grundlage für die Energie-
effizienz schafft. Der Vorteil: Mit dem Mate-
rial lassen sich besonders schlanke Bauteile
planen und ausführen.

4 WWW.SG-WEBER.DE

Systemlösung für Fassadengestaltung

„Weber.Therm Style“ heißt das Wärmedämm-Verbund- nation verschiedener Oberflächen eignet sich das Sys-
system von Saint-Gobain Weber, das nahezu unbe- tem optimal für Teilflächen und Materialwechsel. Die
grenzte Möglichkeiten der Fassadengestaltung bietet. durchgehend gedämmte Gebäudehülle ist wärmebrü-
Auf dem Wärmedämm-Verbundsystem lassen sich Na- ckenarm und bietet ein solides, energieeffizientes Fun-
turstein, Cortenstahl aber auch Glas als Oberfläche ver- dament für architektonische Kreativität. Weber.Therm
wenden. Als geklebtes System kommt Weber.Therm Sty- Style wurde Ende Februar mit dem iF Gold Award 2016
le ohne sichtbare Befestigungen aus. Durch die Kombi- ausgezeichnet.
Editor’s Choice 93

WWW.STYLEGREEN.DE
Mit Moos was los

Es gibt echte Pflanzen, die man gießen muss. der normalerweise bei abgeschnittenen Pflan-
Es gibt Plastikpflanzen, die aussehen wie ech- zen relativ schnell eintritt, über Jahre hinweg
te Pflanzen, die muss man aber abstauben. Es hinausgezögert wird.
gibt auch echte Pflanzen, die man nicht gießen Neu ist das Verfahren nicht. Die Firma Style-
muss und die auch kein Licht brauchen. Wie green hat aber durch gute Ideen und gutes
das geht? Indem man die Pflanzen konserviert. Design großflächige Wandbilder aus konser-
In Konservierungskammern ersetzt ein Flüssig- vierten Farnen und Moosen als Designobjekt
keitsgemisch aus Glycerin, Wasser und Le- in den Gestaltungskanon von Innenarchitekten
bensmittelfarbstoffen den natürlichen Saft der eingebracht. Weiterer Vorteil des pflegefreien
Pflanzen in einem mehrtägigen Austauschpro- Grüns: Man kann sie innerhalb von Gebäuden
zess. Das bewirkt, dass der Trocknungsprozess, auch als Schallschutzwand einsetzen.
Text Thomas Jakob
94 Lösungen
Architektur mit
Besenstrich-Outfit

Mit WDVS gedämmte


Gebäude sehen
schnell alle gleich aus.
Dass es auch anders
geht, bewiesen Andre-
as Heupel Architekten
aus Münster bei einem
Bürogebäude in Müns-
ter. Passend zur mo-
dernen architektoni-
schen Gestaltung er-
hielt das Gebäude

5
eine extravagante
Oberflächenstruktur:
den Besenstrich. Der
edel-graue Putz ist mit
einer ebenerdigen W W W. K N AU F. D E
waagerechten Struktur
durchzogen. Beim „Be-
senstrich“ wird der
nicht ausgehärtete,
noch weiche Putz mit
einer Feinstruktur ver-
sehen, indem ein opti-
mierter Straßenbesen
über den Putz gezogen
wird. Zunächst wurde
das Wärmedämm-Ver-
bundsystem Knauf
„Warm-Wand Plus“ mit
Mineralwolle-Putzträ-
gerlamellen in 160 mm
Stärke auf den Beton
aufgebracht. Auf das
WDVS trugen die Fach-
handwerker Armie-
rungsmörtel „SM700
Pro“ auf, in den das Ar-
mierungsgewebe ein-
gebettet wurde. In
dessen Bindemittelma-
trix sind Mikrofasern
integriert, die den Putz
rissfrei und unbrennbar
halten. SM700 Pro wur-
de auch als Oberputz
verwendet.
Dämmung 95

7
W W W. P O R O T O N -W D F. D E

6
Keramische Wärmedämmfassade

Mit Ziegel lassen sich nicht nur neue Häuser bauen, sondern auch
alte energetisch sanieren. Schnell, einfach und sicher ist dies etwa
Keine Wärmebrücke an der Pfette

Mit der neuen Pfetten-


dämmung aus EPS von
Joma lassen sich Bau-
körper und Dachkonst-
ruktion wärmebrü-
ckenfrei anschließen.
Die Joma-Pfettendäm-
mung ist als zweiteili-
Dampfsperre dienende
Dichtband am Baukör-
per montiert, sondern
mit Holzklötzen unter-
legt. So kann von der
Traufe her das Grun-
delement der Joma-
Pfettendämmung un-
mit der massiven Wärmedämmfassade „Poroton-WDF“ möglich, ei- ges System mit Haken- tergeschoben werden.
ner Ziegelvorsatzschale ( 0,055 W/(m2K) mit bereits integrierter Wär- falz-Verbindung konzi- Auf der Dachinnensei-
medämmung aus mineralischem Perlit. Aufgrund ihrer bauphysika- piert und kann bei al- te wird die Konstrukti-
WWW.PFET TENDAEMMUNG.DE

lischen Eigenschaften eignet sich das System sowohl zur Außen- als len Steildächern ab on mit dem Schließele-
auch zur Innendämmung. einer Dachneigung ment verhakt und ge-
von fünf Grad einge- schlossen.
setzt werden. Basis ist
eine veränderte Pfet-
tenkonstruktion. Die
Fußpfette wird nicht
mehr plan auf das als

Beilagenhinweis

Einem Teil dieser Ausgabe liegt ein Prospekt der


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96
WWW.GROHE .COM Lösungen

Ein Saal, viele Möglichkeiten: Die Sport- und Mehrzweckhalle der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin-Dahlem
dient Sport, Konzerten, Zirkusaufführungen und Schulversammlungen.

Organisch funktional

Mehrzweckhalle
mit Sanitärräumen
von Grohe
FOTOS: WE RNE R HUTHM ACHE R

von Oliver G. Hamm


Referenz 97

Das Gebäude wurde in ein ansteigendes, dicht bewaldetes Gelände platziert.


Der Besuchereingang liegt auf dem oberen Niveau.

Eine kleine Sporthalle aus dem Jahr 1976 Robustheit und Eleganz zugleich prägen die
genügte der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin- Sport- und Mehrzweckhalle mit ihrer hohen
Dahlem schon lange nicht mehr. Die Wal- Nutzungsfrequenz durch Schüler und Veran-
dorfschule benötigte dringend einen Neu- staltungsbesucher – auch in den Sanitärräu-
bau als Schwerpunkt für die Fächer Sport men. Da die Rudolf-Steiner-Schule bereits
und Musik, in dem auch mal 1000 Gäste bei drei anderen Bauten gute Erfahrungen
eine Aufführung besuchen können. Seit mit Armaturen von Grohe gemacht hatte,
März 2015 ergänzt eine von den Berliner Ar- „lag es auf der Hand, eine einheitliche Linie
chitekten Kersten + Kopp entworfene Sport- in der Detaillierung zu fahren“, so die Archi- BAUHERR:
und Mehrzweckhalle das Schulbauensem- tekten. Ausgewählt wurden schließlich die Rudolf Steiner Schule
ble am Rande des Grunewalds, zu dem ne- Selbstschlussarmaturen „Euroeco CT“ für Berlin-Dahlem
ben dem Hauptgebäude und einigen Ne- die Waschtische und „Eurodisc SE“ für die
bengebäuden auch eine Backsteinvilla und Duschen und Umkleideräume. Sie stoppen ARCHITEKTEN:
ein Festsaal aus dem Jahr 1968 gehören, die den Wasserdurchfluss automatisch nach Kersten + Kopp
gemeinsam mit den beiden Hallenbauten Abgabe der voreingestellten Wassermenge Architekten BDA, Berlin
einen Grünraum mit altem Baumbestand und sind, dank ihrer Formgebung, wirksam www.kersten-kopp.de
einfassen. vor Vandalismus geschützt. Thermostate
Der Neubau mit seiner polygonalen Kubatur halten die Temperatur selbst bei schwan- PROJEKT TEAM:
und einer äußeren Verkleidung aus vertika- kendem Wasserdruck konstant auf dem Andreas Kopp, Minka
len Lärchenholzlatten schmiegt sich an ei- gleichen Niveau und schützen so die Schü- Kersten, Torsten Suschke
nen Hang an der östlichen Grundstücks- ler vor Verbrühungen.
grenze an. Zur Straße hin tritt er nur einge- Auch die in der Halle ebenfalls verwende- TR AGWERKSPL ANER:
schossig in Erscheinung. Den Zuschauern ten „Relexa Sportkopfbrausen“ sind optimal IFB Frohloff Staffa
erschließt sich seine wahre Größe erst im auf Anforderungen in öffentlichen Gebäu- Kühl Ecker, Berlin
Inneren, wenn sie von oben auf den abge- den ausgerichtet. Aufgrund ihrer „Speed-
senkten Parkettboden hinabblicken. Über- Clean-Technologie“ wird das Entfernen von OBJEKTE
spannt wird die Halle von einer Dachkons- Kalkablagerungen erheblich vereinfacht; FÜR SANITÄRR ÄUME:
truktion aus Holzleimbindern mit OSB-In- zudem gewährleisten sie durch eine spezi- Grohe, Düsseldorf
nenschalung und einer Trapezblechde- elle Sicherung einen effektiven Diebstahl- www.grohe.com
ckung, die ebenso wie die Sichtbetonwände schutz. Bei den Toiletten mit ihren modern
der Längsseiten in einem harmonischen designten „Skate Cosmopolitan“-Betäti- FERTIGSTELLUNG:
hellgrünen Farbton gestrichen ist. Polygo- gungsplatten kann der Nutzer selbst wäh- März 2015
nale Glasflächen akzentuieren die Gebäu- len, welche Spülmenge er benötigt. Die Uri-
deecken mit den Zugängen und gewähr- nale wurden mit den besonders wider- STANDORT:
leisten einen Bezug zwischen Innen- und standsfähigen „Arena Cosmopolitan“-Be- Auf dem Grat 3, Berlin
Außenraum. tätigungen ausgestattet.
98 Lösungen
Fenster, Türen,
Tore

Fenster, Türen

W W W.WICONA .COM
und Tore
sind nüchtern
betrachtet Öff-
nungen. An der
Fassade galten
sie lange Zeit als
Schwachstelle
der Dämmung.
Inzwischen
haben sie im

1
Fenster-Allrounder
U-Wert aufge-
Mit nur 95 mm Blendrahmentiefe und 125 mm Ansichtsbreite hat Wi-
holt und errei- cona mit dem „Wicline 95“ ein Fenstersystem entwickelt, das den
chen mitunter strengen Kriterien für Passivhäuser gerecht wird. Wicline 95 erzielt
einen Uf-Wert von 0,80 W/(m2K) und Uw von 0,80 W/(m2K) – ohne
Passivhausstan- Dämmeinschübe im Flügel- oder Rahmenprofil. Wicona verzichtet
auf die marktübliche Überdämmung von außen. Der Hauptisolator
dard. Glück- sitzt im Inneren des Fensters. Er lässt sich wie ein Flügelrahmen ferti-

licherweise gen und durch intelligente Cliptechnik montieren.

haben sich mit


der Technik
auch die Ma-
terialien und
das Design wei-
W W W . T E C K E N T R U P. B I Z

terentwickelt.
Architekten und
Planern steht
deshalb ein An-
gebot zur Verfü-
gung. Zuletzt zu
sehen auf der
Fensterbau
Frontale in Nürn-
berg.

2
Transparenz und Tradition

Bei der Renovierung von Schloss Colditz in Sachsen setzte das


von Dresdner Architekturbüro Jens Fischer auf rahmenlose T30-Ganz-
glastüren von Teckentrup. Sie verbinden modernen Brandschutz mit
Thomas hohen ästhetischen Anforderungen. Die Ganzglastür gibt es in ein-

Jakob und zweiflügeliger Ausführung. Sie passt sich spezifischen bauli-


chen Gegebenheiten an. Im Schloss Colditz sind dies neben altem
Mauerwerk und Trockenbauwänden auch Porphyrgewände.
Fenster, Türen, Tore

3
W W W.WINKHAUS.COM

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INNOVATION AND DESIGN

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Rahmenkonstruktionen und
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innovativen Verglasungen
Im Hauptquartier der Europäischen Organisation für Astronomische
Forschung in der südlichen Hemisphäre ESO (European Southern STEUERN SIE ENERGIE
Observatory) organisiert „BlueSmart“ von Winkhaus den Zutritt. Ins- mit stufenlos zu dimmenden LED-
besondere der hohen Fluktuation von Gastwissenschaftlern wäre Lichtleisten bei abnehmendem
ein mechanisches System nicht gewachsen gewesen. In dem von Tageslichteinfall
Auer Weber geplanten Gebäudekomplex wurden etwa 400 Türbe-
schläge installiert, außerdem sechs Aufbuchleser, 30 Online- und 15 PLANEN SIE 3D
Offline-Leser. Sie bilden zusammen ein virtuelles Netzwerk, das die bim
mit virtuellen BIM-Objekten
Außenhaut und die Innenbereiche sichert. Dabei arbeitet es teil-
weise offline und drahtlos zwischen den installierten elektronischen
Komponenten, die über das Identmedium miteinander kommuni- LICHTKUPPELN | FLACHDACHFENSTER | LICHTBÄNDER
zieren, Informationen verarbeiten und diese weitergeben. BlueS- GLASDACHKONSTRUKTIONEN | RWA | GEBÄUDEAUTOMATION
mart wird bei der ESO mit Hilfe der Winkhaus Software „BlueControl
Professional virtuell“ zentral gesteuert. LAMILUX HEINRICH STRUNZ GMBH
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4
naltor ALR F42 mit Aluminium-Rahmenkonstruktion und
F42“ von Hörmann lässt sich mit nahezu jedem Werkstoff PU-Sandwichfüllung. Die Beplankung wird auf den waa-
flächenbündig beplanken. Die Torbasis für die Fassa- gerechten Profilen montiert. Optional sind senkrechte
denbeplankung bildet das Hörmann-Industrie-Sectio- Montageprofile erhältlich.

5
W W W.WARE M A .DE

Sonnenlichtmanager

Wer mit großen Glasflächen Sonnenenergie nutzen möchte, muss


auch an die Verschattung denken. Der Bauherr eines Passivhauses
im baden-württembergischen Ingelfingen und das Architekturbüro
Rast – Planen Bauen Wohnen aus Großbottwar setzten auf Lösungen
von Warema: Rollläden im Obergeschoss lassen im Winter ein wär-
mendes Luftpolster entstehen und halten im Sommer die Innenräu-
me kühl. Die Lamellen passen sich automatisch dem einfallenden-
Sonnenlicht an. Eine intelligente Sonnenschutzsteuerung greift auf
die Werte verschiedener Sensoren zurück und erzeugt thermische
Behaglichkeit. Für die Ganzglasflächen auf der Terrasse wurden
zwei Pergola-Markisen vom Typ „P40“ über der Verglasung anbrin-
gen. Durch eine einseitige Verlängerung der Führungsschiene wur-
de der Wandvorsprung optisch integriert und die Führungsschienen
und Kassetten der Markisen an die Fassade angepasst.
Fenster, Türen, Tore

DER PLATZBEDARF VERSCHIEDENER


TÜRLÖSUNGEN

6
^ĐŚŝĞďĞƚƺƌ͗ ƌĞŚŇƺŐĞůƚƺƌ͗
minimaler Platzbedarf hoher Platzbedarf

Folienschutz für Fensterprofile


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Unter der Bezeichnung „Renolit Enolit EXOFOL PX“ hat die
Renolit SE eine neue Generation von Außenfolien entwi- Spiegellose Schiebetürzarge für
ckelt, die intensiver Sonneneinstrahlung länger stand-
hält. Eine transparente Deckschicht aus speziell entwi-
ein großzügiges Raumgefühl. Für
ckeltem Polyacrylat schützt die Druckfarbe und die in der Wand laufende Schiebetüren.
weichmacherfreie Basisfolie, was die Witterungsbestän-
digkeit verbessert und die Lebensdauer verlängert. Die in
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der Druckfolie enthaltenen Pigmente reduzieren die Wär-
meentwicklung und besitzen eine höhere Farbstabilität, www.BestOfSteel.de
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102 Lösungen

Über Eck geöffnet

Mit dem „Iglo-HS“-Sys-


tem von Drutex sind
Verglasungen bis zu ei-
ner Größe von 6,50 x
2,60 m möglich. Das
Schiebetürsystem eig-
net sich vor allem für
Niedrigenergie- und
Passivhäuser und bie-

7
tet viele Gestaltungs-

WWW.DRUTEX.DE
optionen. So lässt sich
die Glastür über Eck
öffnen. Dank zweier
maßgefertigter, pass-
genauer Führschienen
lassen sich die bis zu
400 kg schweren
Schiebeflügel mit we-
nig Kraft öffnen und
schließen. Die Türen
haben eine Boden-
schwelle aus Alumini-
um. Das Design und die
thermische Trennung
sowie die Verstär-
kungsprofile verbes-
sern nicht nur die Wär-
me-Isolierung, sondern
verhindern auch Wär-
mebrücken.

Ein System für die Fensterbank

Mit dem „Gima primusDPS“-Fensterbank-


system hat Gima eine Lösung entwickelt,

8
die einen rationellen WDVS-Anschluss im
Bereich von Laibung, Brüstung und Fenster
gewährleistet. Zentrales Element ist das
„primusDPS Drainboard“. Es wird auf den
„Gima Dämmkeil DP 50“ aufgeklebt und
WWW.GIMA-SPEZIAL .DE

dient als Ebene und wasserabweisende


Platte zur Montage der Drainpads. Vorteil für
den Architekten: Durch das Fensterbank-
system ist eine klare Trennung von Fenster-
bauern und WDVS-Verarbeiters möglich.
Das spart aufwendige Koordinationsarbeit
und damit Zeit und Geld.
Fenster, Türen, Tore

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Fenstern, Haustüren und groß-
flächigen Glaskonstruktionen:

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tonische Akzente s zen wollen.
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9
die WERU
U
Gruppe.

Weniger ist mehr

Mit der „HPL Urban-Collection“ möchte Jeld-Wen Planern bei der


Gestaltung von Türelementen mehr Möglichkeiten bieten, Räume
zu inszenieren. Jeld-Wen setzt auf eine kompakte Kollektion moder-
ner, häufig eingesetzter Oberflächen. Besonderen Einfluss auf die
Kollektionsgestaltung nahmen dabei neue Farbkonzepte im Institu-
tionsbau. Zu der Kollektion gehören dezente sowie farblich intensi-
ve Uni-Dekore, die sich gut miteinander kombinieren lassen und
beispielsweise in Kindergärten und -tagesstätten sowie Schulen
eingesetzt werden. Die HPL Urban-Collection besteht aus zusam-
men 20 Uni-Dekoren und 5 Holzrepro-Oberflächen.

www.weru.de | www.unilux.de
104
WWW.BESTOFSTEEL .DE Lösungen

Wandbündige Tür-/Rahmenkombination

In den meisten Hotelfluren schlagen Türen in die Räume


hinein auf. Ausnahmen sind barrierefreie WCs, die vor-
schriftsmäßig nach außen öffnen müssen sowie kleine
Abstellräume. Die Folge: ein unruhiges Bild durch vor-
10
Steel realisieren. Dazu werden alle Türen mit Öffnung
zum Raum mit Planar-Zargen versehen, die Türen mit
Öffnung zum Flur dagegen stumpf ausgeführt. Die Zarge
wird entsprechend für die Aufnahme von verdeckt lie-
und zurückspringende Türen. Eine einheitliche Optik genden Bändern vorgerichtet.
lässt sich mit den Leibungszargen Planar von BOS Best Of

Kombiniere Tageslicht und Kunstlicht

Lamilux kombiniert Tageslicht und LED-Licht

11
in einem neuen Oberlichtkonzept. In den
WWW.LAMILUX.DE

Aufsatzkranz des Oberlichts „Lamilux CI-


System Prismen-LED“ sind im oberen Seg-
ment umlaufend LED-Lichtleisten integriert,
die sich stufenlos dimmen lassen. Mithilfe
eines Lichtsteuersystem ersetzen sie bei zu-
nehmender Dunkelheit Zug um Zug den feh-
lenden Anteil des Tageslichts. Verantwort-
lich für eine höhere Ausbeute an natürli-
chem Licht ist das „Lamilux CI-System Re-
flect ive“, bei dem die Innensei te des
Aufsatzkranzes mit einem hochreflektieren-
den Material beschichtet ist. Damit steigt
die Lichtausbeute am Tag um bis zu 50 %.
Impressum 105
Baumeister. Das Architektur-Magazin 113. Jahrgang

REDAKTION
Anschrift wie Verlag
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7
info@baumeister.de, www.baumeister.de

CHEFREDAKTION
Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8
(verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)

REDAKTION
Sabine Schneider
Maike Burk
Tel – 146
Tel – 144
B6
Alexander Russ Tel – 172

GE STALTUNG
Stephanie Ising und Tom Ising (Artdirection)

Vorschau
Daniel Ober für Herburg Weiland, München

ALLE ILLUSTRATIONEN
Clemens Habicht, Paris

ABONNEMENTSERVICE
Leserservice Baumeister, D-65341 Eltville
Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244
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Die Belieferung erfolgt auf Gefahr des Bestellers. Ersatz lieferungen sind nur möglich, Über die nächste Archi-
wenn sofort nach Erscheinen reklamiert wird.
Widerrufsrecht: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen
formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausga-
tekturbiennale wurde
be erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderun-
gen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das schon vieles geschrieben
rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu wider-
rufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen.
Der Widerruf ist zu richten an: Baumeister, Streitfeldstraße 35, 81673 München, Telefon:
– auch von Münchner Ar-
+49-89-436005-125, Telefax: +49-89/436005-317, Email: bestellung@baumeister.de
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Tel – 159 in diesem Jahr vom Deut-
Andreas Schneider Tel – 197
(verantwortlich für den Anzeigenteil) schen Architekturmuseum
DISPOSITION
Kirstin Freund-Lippert Tel – 123, Fax 4 36 11 61
DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT
in Frankfurt. Dass es poli-
Christian Keck
VERTRIEB
Tel –178
tisch wird, liegt angesichts
Marion Bucher Tel – 125, Fax – 317
HERSTELLUNGSLEITER
Mark Oliver Stehr Tel – 167
der momentanen Welt-
(alle Adressen wie Verlag)
Für die Zukunft gestalten.
lage auf der Hand. Wir ge-
DRUCK, BINDUNG
OPTIMAL : MEDIA, Glienholzweg 7, D – 17207 Röbel / Müritz währen, gewissermaßen
Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt wer-
den. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Ab bildungen am Vorabend der Bienna-
sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlages. Mit der Einsendung von
Manus kripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese
le, erste Einblicke.
vollständig oder teilweise in der Zeitschrift Baumeister publiziert werden. Ebenso stimmt
er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Off-
line- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine
Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab.

Erfüllungsort und Gerichtsstand München

Ab 1.1.2016 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 55 gültig.


Anzeigenschluss ist jeweils am 24. des Vormonats.
Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Auszeichnungen
Architekten und Bauingenieure.

ISSN 0005-674X B1547


B 5

Portfolio
2 016

Interior

Innenräume leben von Details – von den Facetten unserer Umgebung wie
Bodenbeläge, flächenbündige Türelemente und elektronischem Schnick-
schnack. Um ein einheitliches Design zu kreieren, benötigt man durch-
dachte Lösungen. Dabei spielt vor allem auch die automatisierte
Gebäudetechnik eine große Rolle.
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Individuelle Licht-
stimmungen als Mix
aus Tageslicht und
indirekter Beleuchtung
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Intelligente Küchen-
ausstattung macht
schon das Kochen zum
Genuss

Raumübergreifende
Komfortlösungen live

Der Film: Was sagen


die Marken?

Entertainment-Lösun-
gen mit faszinierender
Ausstrahlung und
Klangqualität
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Gewerkeübergreifend vernetzte und ganz- Miele, Revox, Vaillant, Loewe und Brumberg
Quelle heitlich steuerbare Haustechnik für Wohn- setzt damit neue Maßstäbe und bringt
komfort und Sicherheit in einer neuen gemeinsam mehr Intelligenz in das Zuhau-
der Dimension – dafür steht Connected Com-
fort. Der neue Wohnstandard für gehobe-
se. Ob private oder halb öffentliche Premi-
um-Immobilien, ob Modernisierung oder

Inspiration nen Wohnraum ermöglicht die Umsetzung


individueller Komfortlösungen auf höchs-
Neubau: Connected Comfort bietet smarte
Gebäudetechnik für besondere Ansprü-
tem Niveau. So lassen sich mit einem che. Wie das konkret aussehen kann, wird
Tastendruck mehrere Komfortfunktionen anschaulich im „Luxury Private Loft“ bei
connected-comfort.de gleichzeitig und raumübergreifend aus-
lösen. Diese sind sowohl als vorprogram-
München demonstriert. Dort wird auf
160 m2 ein breites Spektrum der vernetzten
mierte Szenarien als auch als individuell Möglichkeiten präsentiert. Im Fokus des
konfigurierbare Lösungen realisierbar und komplett ausgestatteten Lofts mit offener
je nach Stimmung abrufbar. Connected Küche, Wohn- und Schlafbereich steht in-
Comfort bietet dafür eine Vernetzung von telligent aufeinander abgestimmte Gebäu-
Funktionen verschiedener Geräte und detechnik. Ein Beispiel: die Dornbracht
Marken, die bisher nur als Insellösungen „Horizontal ShowerATT“ mit drei abrufbaren
Das Haus denkt mit existierten. Ergänzend steht ein Netzwerk Massage-Szenarien. Dieser Ort dient als In-
dank zentraler von Beratungs- und Integrationspartnern spirationsquelle und kann von Architekten
Steuereinheit für das für die fachgerechte Realisierung bereit. und Planern auf Wunsch zum Probewohnen
Gebäude Die Markenallianz aus Gira, Dornbracht, gebucht werden.
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Objectflor unter-
streicht mit „Artigo
Screed“, zwei weiteren
neuen Kautschukbelä-
gen und einer aktuell
erweiterten Farbrange
seine Kompetenz bei
Architekten-Böden.

Das Highlight beim Relaunch 2016 ist der Belag durch Ton in Ton abgestimmte,
Imperfektion neue Kautschukboden „Artigo Screed“, eingestreute Granulate, die lebendig wir-
der in seiner Struktur an gestrichenen Beton ken, ohne in den Vordergrund zu treten.
perfekt gemacht erinnert und Imperfektion perfekt in Szene
setzt. Er zeigt Struktureffekte, doch die
Der dritte Artigo Neuzugang zeichnet sich
durch eine kräftige Marmorierung, expres-
Oberfläche selbst ist gleichmäßig glatt. sives Farbspiel und eine glatte Oberfläche
Der Beton-Eindruck resultiert aus einem aus. Der Bodenbelag „Artigo Natura“ greift
objectflor.de innovativen Produktionsverfahren, bei dem auf die Kautschuk klassische, dezente
das Kautschukpulver aufgetragen und ver- Marmorierung zurück und interpretiert sie
spachtelt wird. In sechs neutralen Farben neu: Die Farbabstufungen und Kontraste
zwischen hellem Elfenbein und schwarz- nehmen zwölf Themen aus der Natur auf,
grauer Kohle gibt er dem Raum eine mini- von gelben Sommertönen bis hin zu dunk-
malistisch moderne Optik. Sein ökologi- len Walnusshölzern. Der Artigo Relaunch
sches Profil ist außerdem bemerkenswert: 2016 umfasst neben diesen neu entwickel-
Der Bodenbelag enthält 10 % schnell nach- ten Böden auch eine Erweiterung und Aktu-
wachsende Rohstoffe, 60 bis 65 natürliche alisierung der Farbrange von zwei gefrag-
Rohstoffe und ca. 3 % Recyclingmaterial. ten Kautschuk-Kollektionen. Die Qualitäten
Neu hinzugekommen ist zudem die Stein- UNI und CLASSIC BS (klassische Noppenop-
optik „Artigo Lava“ mit einer geprägten, tik) erhalten eine Vielzahl an neuen Farben.
matt wirkenden Oberfläche. Seinen Aus- Der Schwerpunkt liegt hier auf einem noch
druck erhält der heterogene Kautschuk- breiteren Angebot neutraler Töne.
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Dezent, geradlinig und


fast unsichtbar können
Türelemente mit der
hochwertigen Band-
technik Tectus akkurat
in flächenbündige
Raumkonzepte einge-
bunden werden.

Im geschlossenen Zustand einer Tür ist das z.B. flächenversetzte und nicht sichtbare
Unsichtbar & Bandsystem Tectus für den Betrachter voll- Zargen. Die Modellvariante Tectus Energy
kommen unsichtbar und verborgen. mit integrierter Energieübertragung
Vielseitig Erst wenn die Tür geöffnet wird, ist die kom-
plett verdeckt liegende Bandtechnik und
ermöglicht den gesicherten Einsatz von
elektronischen Sicherheits- und Komfort-
seine Funktion erkennbar. Simonswerk komponenten in Türen ohne sichtbare
bietet mit der Produktmarke Tectus ein viel- Kabeltechnik.
simonswerk.com schichtiges Sortiment von Modellvarianten
für hochwertige Objekt-, Wohnraum- und
Haustüren. Bandtechnik und Qualitätspro-
dukte „Made in Germany“ für spannende
Gestaltungsideen und eindrucksvolle Ar-
chitekturkonzepte. Dezent, geradlinig und
fast unsichtbar können Türelemente mit der
hochwertigen Bandtechnik Tectus akkurat
in flächenbündige Raumkonzepte einge-
bunden werden. Technisch überzeugt das
Türbandsystem mit Belastungswerten bis
300 kg, wartungsfreier Gleitlagertechnik,
180° Öffnungswinkel, 3D Verstelltechnik
und Ausführungen für Sonderlösungen wie
114 Mail an …

Zaha Hadid

Das kannst Du doch nicht machen, Zaha, so eine bauliche Sensation auf die andere: das
einfach zu verschwinden! Phaeno in Wolfsburg, das Zentralgebäude für
Entschuldige das plumpe Du – es ist dem Keu- BMW in Leipzig, die Sprungschanze in Inns-
lenschlag und dem Schock zu schulden, den bruck, das MAXXI in Rom, die Schwimmhalle
ich empfand, als die Nachricht Deines Todes in London – und dann – der Olymp des Ar-
kam. chitektendaseins: der Pritzker-Preis 2004. Und
schon wieder: Auch hier die erste Frau, Pio-
Liebe Zaha Hadid, nierin durch und durch.
Als müsste man dies demontieren, rührten
nun – Stunden später, sortieren sich die Ge- sich die Nörgler, hinterfragten Talent und Ge-
fühle und ich kehre zurück zum deutschen, nie dieser ‚Person’: Diese oft spitzwinkligen
Gebilde seien doch völlig alltagsuntauglich,
gesitteten ‚Sie’, denn ein einziges Treffen, das
viele Jahre zurückliegt, reicht wohl nicht ganzIhr Auftreten zu durchsetzungsfähig, der Ton
aus für diese Vertrautheit. Damals waren Sie etwas zu harsch – und schau mal, was Die
eine Exotin, gemessen an Gender-Kriterien. wieder anhat! Es erübrigt sich hinzuzufügen:
Sie waren auf weiter Flur die einzige promi- Einem Mann wäre das nicht passiert. Erst kürz-
nente Architektin und man unterstellte Ihnen lich sagten Sie, Frauen hätten es nach wie vor
wohl so etwas wie Unverfrorenheit, sich dies schwer in der Branche. Wie schlimm muss es
überhaupt ‚anzumaßen’. Als ich Sie damals um die berufliche Gleichstellung stehen,
fragte, wie der Wunsch und der Mut entstan- wenn eine wie Sie das sagt!
den sei, als Frau diesen männerdominierten Exotin sind Sie immer geblieben – was Ihre
Beruf zu ergreifen, reagierten Sie einigerma- Herkunft, Ihr Aussehen, Ihr Auftreten, die Klei-
ßen empört. Im Irak sei es selbstverständlich dung, die tiefe Stimme – sagen wir doch ein-
gewesen, als Frau Architektur zu studieren! fach – das Gesamtkunstwerk Zaha Hadid
Tempi passati... anlangt. Dies ist keineswegs eine ikonenhaf-
Durch Ihre Prominenz haben Sie eine Lanze te Überhöhung – sondern eine zutreffende
für die weibliche Verstärkung des Architek- Beschreibung.
tenstandes gebrochen. Sie wurden zum gro- In die Architekturgeschichte werden Sie ein-
ßen Vorbild junger Frauen, die ins Berufsleben gehen als visionär, stilprägend, avantgardis-
starteten. Ihr Werdegang ist weitgehend Le- tisch, dekonstruktivistisch und exzentrisch.
gende: Das Exil in London, das Studium an der Als die Architektin, die den Häusern bei-
AA, der Schliff bei OMA. Dann die papiernen brachte, zu explodieren und zu zersplittern.
Anfänge, der Sieg beim ‚Hongkong-Peak’- Danke liebe Zaha Hadid, dass Sie Vorkämp-
Wettbewerb. Der erste Bauauftrag durch den ferin waren, so Manchem das Fürchten ge-
mutigen Rolf Fehlbaum – ausgerechnet ein lehrt haben – und genauso viele Ecken und
Feuerwehrhaus – und damit der Durchbruch, Kanten hatten wie Ihre Bauten!
dem sie letztlich verdanken, doch keine Pa-
per-Architektin geworden zu sein. Es folgte- Ihre Christina Haberlik
ORTE ANDERS DENKEN.
A PR IL 2016 M A G A Z I N FÜ R L A N DS C H A FTS A R C H I TE K T UR

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