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B4

BAU April 16
11 3 . J A H R G A N G

Das Architektur-
Magazin

ME ISTER

Fashion
und Faschismus

Wie Rom
einen Mussolini-Bau
vermarktet

19,50 EURO
17 E U R O
15 E U R O

23 SFR
A,L

CH
D

Filme
04

Paris entwickelt Strategien


4 194673 015006

für das Überleben


seiner Programmkinos

Flüsse

Ein mäandernder
Sanaa-Bau verschmilzt
mit der Landschaft
Von hoch sensibel bis höchst privat

Sensocryl ELF

5-Liter-
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ältlich
Gebinde erh

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Editorial

F
aschismus und Architektur – ein für viele unschönes, zumindest
aber heikles Thema. Und eines, das nicht in allen Ländern mit
faschistischer Vergangenheit gleich verhandelt wird. Wie auch die
architektonischen Ausdrucksformen des Faschismus nicht überall
gleich, oder sollte man sagen: gleich banal waren. In Deutschland
überwog der pompöse und formal wie gesellschaftlich letztlich
AB SEITE uninteressante Größenwahn. Von Italien kann man dies nicht
70
so ganz sagen. Hier lassen sich vereinzelt gewisse Bindungen an
die rationalistischen Ideen der Moderne finden. Vor diesem Hin-
tergrund ist es vielleicht weniger schockierend, dass die Römer
jetzt eines der zentralen Gebäude der Mussolini-Zeit, den Palazzo
della Civiltà Italiana, einer neuen, man könnte sagen profanen Unser Coverbild
Nutzung überantworten: dem durch die Modemarke Fendi. Der zeigt den Palast in
seiner ganzen unbe-
Konzern richtet sich in dem Palast seine Zentrale ein.
haglichen Wirkmacht.
Fendi im Faschismusbau – für Kommerzkritiker alter Schule eine Man spürt schon,

Steilvorlage. Sie argumentieren schon immer, Kapitalismus und was diese Architektur
anziehend macht,
Faschismus seien dasselbe. Das ist natürlich Unsinn. Die Markt- aber ebenso wird ihre
wirtschaft ist ihrem Wesen nach antifaschistisch. Sie basiert auf gestrige Sehnsucht
nach machtvoller
radikaler Flexibilität. Der Faschismus kann mit Konzepten wie
Grandezza deutlich.
Diesen Mechanismus Flexibilität nichts anfangen. Er will 1.000-jährige Reiche bauen.
kennen wir seit den
Dennoch: Gerade die Modeindustrie spielt gern mit den architek-
provokanten Werbe-
kampagnen von tonischen Vorlagen, die die Faschisten geliefert haben. Nicht um-
Benetton und seinem sonst residiert die Berliner Modewelt mit ihren Events gern im
Art Director Oliviero
Toscani aus
Flughafen Tempelhof. Dahinter steckt eine ästhetische Strategie:
den 1990er Jahren. Das Verfeinerte der Mode und die gigantomanische Rauheit der
Faschismusbauten bilden einen Gegensatz, der für Aufmerksam-
keit sorgt. Und darum geht es im Kapitalismus: Aufmerksamkeit,
erzielt gern auch durch symbolpolitische Grenzgänge.
Übrigens beschränkt sich die Suche der Werbung nach sperrigen
Motiven als Hintergrund für Produktstilisierungen nicht auf Bauten
des Faschismus. Auch experimentelle Architekturen der Gegen-
wart geraten in den Blick. So inszeniert die Automarke Opel gera-
de ihren „GT Concept“ in Arno Brandlhubers Antivilla. Die Frage
hier ist für mich weniger der moralistische Klassiker, ob Opel „das
hier der
COVE RFOTO: HANS-CHRISTIAN SCHINK

darf“. Die Frage ist, ob man Brandlhubers Architektur nicht eine Spot:
https://
faszinierendere Marke als symbolhaften Nutzer gewünscht hätte.
youtu.be/
Ou7iLdgQ_Fg

Alexander Gutzmer
Chefredakteur
a.gutzmer@baumeister.de
4

B4 Köpfe Ideen
Unser Titel-
thema
„Fashion und
Faschismus“
ist eher dis-
kursorientiert
als bauprak-
tisch. Deshalb
finden Sie
den Beitrag in
der Rubrik
„Fragen“
(rechts unter- 10 32
strichen). Sam Bompas und Harry Parr reizt das Extreme. Anbau und Sanierung von den Architekten Von M

10 22
Bompas & Parr Fließende Linien
Bei dem englischen Duo entsteht Sanaa bauen ein Mehrzweckgebäude, das
Architektur in der Küche. sich wie ein Fluss dem Gelände anpasst.

12 32
Hevia + Urúza Spielscheune
Die Kernkompetenz des jungen Kinder- und Familienzentrum vom
chilenischen Büro sind Wettbewerbe. Stuttgarter Architekturbüro Von M

16 46
Bijoy Jain Film ab!
Sein Studio Mumbai entwickelt die Zwei Programmkinos in Paris warten mit
Projekte auf indische Art: handwerklich. einem neuen Besucherkonzept auf.

60
Hannover frönt dem
BAU
stilvollen Autismus
MEISTER. Meili, Peter Architekten erweitern das
DE Sprengel-Museum.

Mit der Baumeister Academy er-


möglichen wir Studenten Praktika
in bekannten Architekturbüros,
unterstützt von Graphisoft und der
BAU 2017. Die Stehgreifentwürfe
der Teilnehmer 2016 gibt es online.
5

Fragen Lösungen
Gast-Arbeiter

70 97
Nach einem Jahr an der Villa
Heroische Architektur in Rom wird vermarktet. Alpen-Look am Schreibtisch von Dauphin
Massimo in Rom kehrte der
Erfurter Fotograf Hans-Christian
Schink mit zwei neuen Bildse-
rien zurück, aus denen sein
70 88 Band „Fotografien aus Rom.
Mode und Fassade Aqua Claudia – EUR“ entstand.
Von ihm stammen auch die
Mussolini – passt 94 Aufnahmen für unsere Titelge-
schichte Seite 70.
das zusammen? Qualitätsschmiede
Ein Besuch bei Artemide
82
Binnenalster oder 96
Rockefeller-Center News
in Berlins Stadt-
mitte?
84 RUBRIKEN

Was bringt das 6


neue Vergabe- EIN BILD
42
recht? KLEINE WERKE
44 Der Stuttgarter Architekturfoto-
SONDERFÜHRUNG graf Zooey Braun kam eher
45 zufällig zu seinem Job: über ein
SIE UND WIR Praktikum bei einem Freund der
58 Familie. Architektur wollte er
UNTERWEGS jedenfalls nicht ablichten, da es
84 in der Familie von Architekten
ARCHITE K TUR & M ANAGE ME NT wimmelte. Das Schicksal wollte
94 es anders: Seit dem Diplom bei
QUALITÄTSSCHMIE DE den Architekturfotografen
105 Dieter Leistner und Jörg Hempel
IMPRE SSUM + VORSCHAU fotografiert er Häuser – regel-
106 mäßig auch für Baumeister.
MAIL AN...
Aufbau des Grenzzauns Slowenisch-österreichische Grenze 6
Ein Bild

FOTO: PIC TURE ALLIANCE / E RWIN SCHE RIAU / APA / PIC TURE DE SK .COM
7
Hier baut das öster-
reichische Bundes-
heer einen Zaun.
Eine Maßnahme zum
„geordneten Übertritt
der Flüchtlinge“
zwischen Steiermark
und Slowenien, wie
das Wiener Innen-
ministerium die
Maschendrahtkonst-
ruktion begründet.
Absurd ist nicht nur
die Tatsache, dass
der Zaun gerade 2,5
Meter hoch ist, die
Begründung lautet,
der Zaun wackle ja
sowieso, – sondern
auch die dauerhaft
bestehenden Löcher
im Zaun. Eines der
Löcher befindet sich
auf dem Grundstück
des ehemaligen Gra-
zer Stadtrats Helmut
Strobl – der möchte
nicht nur keinen Zaun
auf seinem Grund-
stück, er hält ihn
auch für ein falsches
Zeichen. Zu seinen
acht Metern kommen
weitere 800 Meter
Unterbrechung, die
lokale Winzer für ihre
Arbeit benötigen.
Weil ein Zaun mit
offenen Stellen kein
richtiger Zaun ist, wird
er auch als „Grenz-
managementsystem“
oder „Schleuse“ be-
zeichnet. Erklärung:
Es handele sich um
einen Wegweiser,
welcher zu einer
Zentrale führe, wo
ankommende Flücht-
linge registriert wür-
den – so sieht also
der geordnete Über-
tritt aus. Damit sich
die Flüchtlinge an
den Lücken nicht ver-
irren, wird es Infrarot-
kameras geben.
Für einen eventuellen
Ansturm liegt noch
mehr Maschendraht
bereit.

Text Maike Burk


Unerschockene Entdecker und Erfinder:
Bompas & Parr
9

5
Köpfe:
SEITE
10

Bompas S A M B O M PA S U N D
H A R RY PA R R

& Parr
SEITE
12

HeviaGUILLERMO HEVIA UND


NICOLÁS URZÚA

+ Urzúa
SEITE
16

Studio B IJOY JAI N

Mumbai
FOTO: NATHAN PASK
10 Köpfe 1 und 2

Kulinarische
Extreme

Sam Bompas und


Harry Parr sind Experten für
kulinarische Inszenie-
rungen, architektonische
Installationen und das
Ausreizen unserer Ge-
schmacksnerven. Zwei
verrückte, dennoch höchst
professionelle Jungs aus
London. Ein Einblick in eine
andere Welt 1
Bompas & Parr gießen
flüssigen Stickstoff
in ihrer Experimentier-
küche aus.

2
Noch bis Juli zu sehen:
die Ausstellung
„Alcoholic Architec-
1
ture“ in London

3
Heiße Sache:
Kochen mit Blitz

4+5

Text: Damit wurden sie


berühmt: Architektur
Nadin Heinich aus Wackelpudding.
11

B
und künstlicher Lava bisher vor allem für die Southwalk Cathedral bestimmen die Tonali-
wissenschaftliche und künstlerische For- tät und die Geschmacksrichtung. Die aus-
schung. 2014 wurde dort erstmals bei etwa balancierten Drinks sind inspiriert von den
1.500 Grad Celcius Fleisch gegart. Nicht we- von Mönchen gebrauten Spirituosen und
niger gefährlich ist der Essiggurken-Kron- Bieren. Eintritt ab 18 Jahren.
leuchter von Bompas & Parr: Essiggurken
leiten Strom. Wegen ihres hohen Wasserge-
ekannt wurden Bompas & Parr dank ihrer halts und ihrer Lichtdurchlässigkeit sind sie
außerordentlichen Fertigkeiten bei der Her- ein idealer Glühbirnenersatz. Eine kleine
stellung von Wackelpudding. Anlässlich des Gurke leuchtet bei 300 Watt, eine große be-
London Festival of Architecture 2008 such- nötigt 500. Nach einer Woche Arbeit ge-
ten sie den ultimativen Wackelpudding-Ar- meinsam mit einem Elektroingenieur – unter
chitekten. Was macht man, wenn plötzlich uns, weil der Versicherung das Risiko zu
2.000 Personen ein Ticket für ein „Architec- hoch gewesen wäre – hatten Sam Bompas
tural Jelly Banquet“ kaufen? Man denkt das und Harry Parr 50 Essiggurken verkabelt. Der
Ganze ein bisschen größer und inszeniert „Gherkin Chandelier“ war einsatzbereit – 4
ein ausschweifendes Happening. Zu den Ar- bei gleichem St romverbrauch wie zwei
chitekten, die realisierte oder ungebaute elektrische Stühle.
Entwürfe einreichten, gehörten einige der Weitaus harmloser war da die Ausstellung Welches Projekt hat Bompas & Parr bisher
bekanntesten der Stadt, unter anderem Lord „Funland“ im Museum of Sex in New York, am meisten herausgefordert? Eindeutig der
Foster mit seiner leider zu stark schwanken- die 2014 eröffnet wurde. Mittels physischer, smaragdgrüne, künstliche See, befahren
den Millennium Bridge, Sir Nicholas Grim- visueller und olfaktorischer Reize wurden von zwölf Ruderbooten, dazu eine kristalle-
shaw und Lord Rogers. Ein Expertengremium subtil, manchmal auch weniger feinfühlig, ne Insel und tausende Honigkraut-Pflanzen.
beurteilte Innovationsgrad, Ästhetik und alle unsere fünf Sinne stimuliert. Besucher Das alles wurde im Juli 2011 auf dem Dach
Wackel-Faktor. Hilfreich bei der Wertung konnten sich in „Jump for Joy“, einer Hüpf- des Kaufhauses Selfridges in London aufge-
war, dass Harry Parr selbst Architektur stu- burg aus gigantischen, überdimensionier- baut – anlässlich der britischen Produktein-
diert hat. ten Brüsten, austoben, den „Grope Moun- führung von Truvia, einem auf Honigkraut
tain“, eine Kletterwand aus diversen Körper- basierenden Süßstoff. Der technisch höchst
öffnungen und Gliedmaßen, erobern oder anspruchsvolle, konstruktive Teil der Instal-
sich im „Tunnel of Love“, einem sich bis zum lation, die Tragkonstruktion für den See,
Gräfenberg-Punkt steigernden Spiegella- blieb den meisten Besuchern verborgen,
byrinth, verlieren. Aktuell arbeiten Bompas die sich oberhalb des sechsten Stockwerks
& Parr an der Umgestaltung des gesamten mit Cocktails, Tee und Kaffee vergnügten.
Museums.

Bompas & Parr beschäftigen heute 22 Perso-


nen: Köche, Designer, Ingenieure und Archi-
tekten. Sie arbeiten nach einem straffen
FOTO 1: STE FAN BR AUN; 2: GRE TA ILIEVA; 3: SA M BOMPAS; 4: ANN CHARLOT T OM ME DAL; 5: CHRIS L ARRY

Zeitplan mit Unternehmen wie Selfridges,


5
Louis Vuitton oder Mercedes-Benz zusam-
men, inszenierten bisher Räume in Institutio-
nen wie der Serpentine Gallery, dem Victo- Solche fantastischen, ausschweifenden In-
ria & Albert Museum, dem Salone del Mobile szenierungen würde man sich auch hierzu-
in Mailand, dem San Francisco Museum of lande wünschen. Sind die Briten einfach
Modern Art oder dem Museum of Sex in New mutiger als die Deutschen? Dort gilt offen-
York. Harry ist der planende Kopf des Duos, bar: je absurder, desto besser. Bompas &
Sam der Mann für die Ideen und die richti- Parr ist noch lange nicht langweilig. Das Stu-
gen Geschichten. 3 dio wächst, von London aus exportieren sie
ihre Ideen inzwischen weltweit. Es gibt noch
Tassen im Schrank viele kulinarische Extreme, die die beiden
Nur für Erwachsene ausreizen wollen – im Zweifel unter Einsatz
Bompas & Parr haben nicht nur die Anwen- wirklich aller zur Verfügung stehenden Res-
dungsmöglichkeiten von Wackelpudding Breath carefully! Noch bis Juli 2016 kann in sourcen.
für komplexe Rauminstallationen weiterent- London „Alcoholic Architecture“, die be-
wickelt – sie lassen sie im Dunkeln leuchten gehbare Wolken-Cocktail-Bar in echt erlebt
oder in Neonfarben glühen –, sondern auch werden. Gin Tonic wird hier nicht im Glas
ganze Flughäfen damit nachgebaut. Gele- serviert, sondern direkt eingeatmet. Die Bar
gentlich kochen sie auch mit Blitzen oder befindet sich im Erdgeschoss eines viktoria-
mit Lava. An der privaten Syracuse Universi- nischen Gebäudes in Borough Market, ei-
ty im US-Bundesstaat New York experimen- nem der ältesten Lebensmittelmärkte Lon-
tierte Robert Wysocki mit einem industriel- dons, Drehort von Bridget Jones und Harry
len Bronzeofen, selbstgebauten Vulkanen Potter. Die Situation und die nahe gelegene
12

Kreative
Metallbauer
Text:
Jeannette Plaut, Marcelo Sarovic

Fotos:
Nicolás Saieh

Mit Wettbewerben und privaten Aufträgen positioniert sich das chilenische


Büro Hevia + Urzúa in der Architekturbranche ihres Landes. Im letzten Jahr
gewannen sie den Preis „YAP Constructo“ – ein Förderprogramm für junge
Architekten.
Köpfe 3 und 4 13

D
ie jungen chilenischen Architekten Guillermo
Hevia und Nicolás Urzúa haben ihre Nische
gefunden. Vor allem durch Wettbewerbsbe-
teiligungen ist es den beiden bereits gelun-
gen, sich in der Architekturszene Chiles zu
positionieren. Sie studierten an der renom-
mier ten Universidad Católica de Chile
(siehe Baumeister 2/2016) unter so einfluss-
reichen Architekten wie Fernando Pérez,
Alejandro Aravena, Smiljan Radić und
Mathias Klotz. Inzwischen unterrichten sie
auch selbst dort das Fach Entwerfen.
Das Büro mit Sitz in Santiago besteht nur aus
Hevia und Urúza; je nach Auftragslage kom-
men zwei weitere Mitarbeiter hinzu. Ein 1
Erfolg war etwa der erste Platz bei „YAP
Cons-tructo 6“ (Young Architects Program),
ein Wettbewerb zur Förderung junger Archi-
tekten in Chile in Kooperation mit dem New
Yorker MoMA. Sie gewannen ihn letztes Jahr
mit ihrem Projekt „Your Reflection“: Dabei
handelt es sich um eine Installation im Park
Araucano in Santiago, eine Art architek-
tonisches Artefakt, dessen Metallwände in
weichen Linien eine abstrakte, plastische
Skulptur bilden. Ihre spiegelnden Flächen
multiplizieren das Abbild der Umgebung.
Die Architekten beschäftigte die Reflexion
des Lichts sowie die Spiegelung, die sich
durch die Bildverzerrung des Aluminiums
ergibt. Die Arbeit ist für einen städtischen
Platz oder für einen Park mit Rasen und
Blumen vorgesehen – dank des hohen Inter-
esses bei Passanten entwickelte es sich zu
ihrem bisher einflussreichsten Werk. M THE
ZU M
R

A
H

LE
E

Private Aufträge
M

2 BAU

SE N SIE
MEISTER.
Die Realisierung des „Colegio Alianza
G.

DE
O

Francesa in Curicó“, der Erweiterung einer


L

B N
UN
Schule, fällt unter die Kategorie der privaten SE REM

Aufträge: Eine elegante Stahlkonstruktion


und die Verwendung von viel Holz schaffen
bei dem Projekt einen gelungenen atmo-
sphärischen Rahmen. Ein weiteres bemer-
kenswertes Projekt ist der Pavillon „Elige
Educar Foundation“, ein temporäres, fili-
granes Werk für den Architekturcampus
Lo Contador der Universidad Católica in
Santiago. Er nimmt Bezug auf bestehende 1
Stahlkonstruktionen vor Ort. 2 Prototyp eines Pavil-
Dagegen haben die Architekten in der lons: „Estación Cero“
Pastafabrik Carozzi in der Peripherie Santia-
gos ein Besucherzentrum eingerichtet, „Sky 2
View“ (2012), und auf spielerische Art einen Zarte Intervention:
völlig durchlässigen Raum gestaltet: Seine Das Projekt „Colegio
perforierten Wände und Decke bestehen Alianza Francesa“
aus einer doppelten Stahlhaut, so dass fügt sich still zwischen
Kinder hier bei der Produktion zuschauen die bestehenden
können. Bauten.

WEITER
14 Köpfe 3 und 4

W
ichtigstes Merkmal der Architektur von He-
via und Urzúa ist die Verwendung indus-
trieller, moderner Materialien und ein brei-
tes Repertoir an Konstruktionssystemen.
Dazu kommt die Einbindung neuer Techno-
logien in ihre Entwürfe wie die CNC-Fräse.
Das gilt sowohl für Stahl als auch für Sperr-
holz, so dass die Möglichkeiten des Materi-
als bis an seine konstruktiven Grenzen aus-
gereizt werden. Ein Beispiel: der Pavillon
„Los Bosques“, der im Rahmen des privaten
Wettbewerbs „Estación Cero“ in Kooperati-
on mit dem chilenischen Verlag Constructo
entstanden ist. Er stellt einen Prototyp gro-
ßen Maßstabs dar, eine Arbeit aus konkav
und konvex gekrümmten Platten, welche
durch ihre ausgeprägte Struktur einen In-
nenraum mit einem skelettartigen Gerüst
entstehenlassen.

D
ie jungen Architekten sind auf der Suche
nach einer eigenen materiellen und forma-
len Sprache. Sie finden neue Wege in ihren
jeweiligen Auft rägen – nichtsdestot rotz
lassen sie sich durchaus in einen globalen
Trend von Büros einordnen, die die Techno-
logie auf kreative und zielführende Weise
nutzen. Durch eine enge Zusammenar-
beit mit großen Produktionsfirmen testen
Hevia + Urúza außerdem immer neue Verar-
beitungstechniken für Stahlplatten – seien
sie zugeschnitten, gefaltet oder bemalt.
So gelingt es ihnen, von Werk zu Werk die
technischen und schöpferischen Möglich-
keiten es Materials zu erweitern.

Aus dem
Spanischen von
Josephine
Taraschkewitz
Die Installation „Your
ILLUSTR ATIONE N: HU ARCHITEC TS

Reflection“ steht seit


März in Santiago – die
Architekten nennen
es ein „Experiment“,
das die Besucher beim
Begehen mit immer
neuen Perspektiven
überrascht.
www.ton.eu

hand-crafted
for generations
leaf chair First introduced
designed by e-ggs IT at Salone del Mobile 2016
16

Zwischen
Text:
Sonne Fotos:
Yorck Förster Studio Mumbai

und
Mond
Das eigentliche kreative Herz des Studio Mumbai schlägt weitab von der
indischen Metropole im teils noch ländlichen Alibaug. Dabei handelt es
sich dort nicht um ein klassisches Architekturbüro, sondern um einen er-
staunlichen Pool aus Wissen und Fertigkeiten. Das DAM widmet dieser
Arbeitsgemeinschaft ab Mitte April die Ausstellung „Between the Sun and
the Moon – die Wiederentdeckung des indischen Handwerks“.
Köpfe 5 17

Der Chef

Bijoy Jain (*1965), der


heutige Prinzipal von
Studio Mumbai, wuchs in
der indischen Metropole
auf. In den Vereinigten
Staaten studierte er an
der Washington Universi-
ty in St. Louis Architektur.
Nach seinem Abschluss
arbeitete er zunächst
drei Jahre für das Büro
von Richard Meier,
vornehmlich bei den
Planungen für das Getty
Center. Drei weitere
Jahre verbrachte er in
Großbritannien, bevor
er 1995 nach Mumbai
zurückkehrte. Er grün-
dete dort ein erstes Das Zusammenspiel bäude entstehen, die
eigenes Büro und dann von Umgebung, mit dem Ort verwach-
2005 Studio Mumbai. Entwurfsidee und sen scheinen:
handwerklichen Mög- oben „Palmyra House“
lichkeiten lässt Ge- von 2007 in einer
Kokosnuss-Plantage,
unten „Copper House“
von 2011.
18 Köpfe 5

V
zu. In unterschiedlichen Maßstäben bilden verstanden: Die Palmkronen über den Ge-
sie Ideenskizze und Umsetzungsanleitung bäuden dienen sowohl als Sonnen- als auch
zugleich, in denen sich das Vorhaben zu Wetterschutz.
materialisieren beginnt. Die besondere Qualität einer Architektur,
Das heutige enge Zusammenspiel ist die die aus dem Zusammenspiel spezifischer
produktive Weiterentwicklung eines Schei- Bedingungen und technisch-handwerkli-
terns. Das erste Projekt, das der Bürogründer cher Fähigkeiten entsteht, zeigt auch das
on den über hundert Mitarbeitern in Alibaug Bijoy Jain nach seiner Rückkehr nach Indien „Copper House“ von 2011 (Seite 17). Der
sind nur wenige planende Architekten. Der anging, arbeitete er detailliert in Plänen Aushub eines artesischen Brunnens bildet
überwiegende Teil besteht aus Handwer- aus. Die Handwerker konnten damit aller- einen Hügel als Hochwasserschutz für das
kern wie Steinmetzen, Maurern, Zimmerleu- dings nichts anfangen. Die abstrahierte pla- Haus. Es besteht aus zwei unterschiedlich
ten, Möbelschreinern und Blechschmieden. nimetrische Darstellung entsprach nicht der breiten Blöcken, die durch einen umgrenz-
Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten decken den tradierten Kommunikation über das Objekt. ten, steinernen Innenhof miteinander ver-
gesamten materialen Umsetzungsprozess Jain behalf sich zunächst in gestenreichen bunden sind. In dem mit Kupferblech ver-
eines Projekts ab. Dieses beeindruckende Beschreibungen der Details, bis sich dann kleideten Obergeschoss liegen die Privat-
Potenzial an Fähigkeiten ist eng mit der Ar- die Kommunikation über das Modell als ide- räume, das Erdgeschoss dient als kommuni-
beitsweise des Studio Mumbai verwoben – al herausstellte. Sicherlich spielte dabei kativ-offener Lebensbereich. Durch die
es definiert, wie dort Architektur entsteht. auch eine Rolle, dass er selber mit den Dar- Patina des Blechs wird das Haus mit der Zeit
Die Gebäude sind nicht konzeptionell stellungsmöglichkeiten von Modellen seit visuell mit der Umgebung verschmelzen.
durchgeplant und werden dann anschlie- seiner Zeit bei Richard Meier bestens ver- So entsteht eine Architektur, die auf den Ort
ßend von den ausführenden Handwerkern traut ist, denn er arbeitete damals vornehm- und die klimatischen Bedingungen bezo-
realisiert, sondern charakteristisch ist viel- lich in der Modellwerkstatt. gen ist und deren Materialien Veränderun-
mehr, dass aus einer intensiven Auseinan- gen und Alterungsprozesse durchlaufen
dersetzung mit dem Ort im permanenten „Between the Sun and the Moon” können. Um noch einmal zu Bijoy Jains ar-
Wechselspiel von Studio und Workshop die chitektonischen Anfängen zurückzukom-
Projekte sukzessive entwickelt werden. Dieser eigentümliche Untertitel der Ausstel- men: Was „Between the Sun and the Moon“
Das „Agro-net House“ ist eine solche Pro- lung im DAM in Frankfurt am Main bezieht noch besser verdeutlicht, ist, dass es keinen
jektforschung: Es entstand inmitten eines sich auf genau diesen Unterschied der Pla- stärkeren Kontrast als den zwischen der ma-
dichten Mangobaumwalds, und statt einen nungskulturen – er inspirierte das Architek- terialgesättigten Architektur von Studio
Lageplan für die Platzierung der Baukörper turzentrum „Arc en Rêve“ in Bordeaux dazu, Mumbai und der konzeptionellen, immer
und die Gebäudeorganisation zu erarbei- das die Ausstellung entwickelte: „Between aber auch etwas aseptischen Retro-Moder-
ten, wurde vor Ort ein Umrissmodell des Ent- the Sun and the Moon“ ist ein Gleichnis über ne von Richard Meier gibt. Beide Haltungen
wurfs im Maßstab 1:1 gebaut. Rahmen, be- die unterschiedlichen Haltungen und Tempi t ref fen sich aber in der Detaillierungs-
spannt mit Agro-net, einem günstigen Ge- im Planungsprozess. Da ist zum einen der tiefe der Projekte.
webe für die Landwirtschaft, bildeten raum- europäisch-amerikanische Effizienzgedan-
hoch die Kubaturen ab. So konnte das Haus ke, der gewissermaßen mit dem klaren
als Lebensraum am Ort getestet werden. Schattenwurf der Ausschließlichkeit Ge-
Die Lage, der Entwurf und die Möglichkeiten wolltes von Ungewolltem in der Planung ab-
der handwerklichen Umsetzung sind ver- grenzt. Hingegen entspricht die Projektab-
schränkt, es gibt keine Dominanz der Ent- wicklung auf dem indischen Subkontinent Zu sehen im DAM
wurfsidee über die Umsetzung. Darin liegt eher der Unschärfe im Mondlicht. Wie die
die Quintessenz des Nebeneinanders von Gezeiten den Verlauf einer Küste formen, so
Studio und Workshop. Exemplarisch dafür ist entsteht aus einem Wechsel der Möglich-
auch das 2007 entstandene luxuriöse Touris- keiten und Einschränkungen die letztendli-
musressort „Leti 360“ in den indischen Aus- che Gestalt. Diese sich sonst ausschließen-
läufern des Himalayas. Mehrere Kilometer den Pole produktiv zu verbinden, ist spezi-
von der nächsten befestigten Straße ent- fisch für die Arbeit von Studio Mumbai.
fernt, ist die Anlage auf 2.300 Metern Höhe

S
nur durch einen Fußweg zu erreichen. Es
handelt sich um ein temporäres Bauwerk,
denn das Areal geht in einigen Jahren wie-
der in die Hand der Bauern über. Daher be-
diente man sich vor allem der vorhandenen
Materialien. Andere Bauteile wurden in der
Werkstatt gefertigt und zu Fuß an die Bau-
stelle gebracht (Foto rechts). Entsprechend o ist es dann auch möglich, dass vermeintli- „Between the Sun
präzise mussten die Elemente für die Monta- che Beschränkungen zur besonderen Qua- and the Moon – Studio
ge vor Ort ausgearbeitet sein. lität eines Bauwerks werden. Das am Arabi- Mumbai. Die Wieder-
schen Meer gelegene „Palmyra House“ entdeckung des
Modelle und Mock-ups (2007, Seite 17) etwa entstand inmitten einer indischen Handwerks“
Kokosnuss-Plantage, die nicht tangiert wer- wird ab 16. April bis
Weil die Details eines Projekts nicht als ge- den sollte. Die beiden Baukörper wurden 21. August im Deutschen
zeichnete Planung, sondern in einem per- deshalb entlang eines trapezförmigen Zwi- Architekturmuseum
manenten Austausch zwischen Architekten schenbereichs platziert. Ästhetisch gese- Frankfurt am Main (DAM)
und Handwerkern entstehen, kommt den hen entsteht daraus eine räumliche Span- zu sehen sein.
Modellen und Mock-ups in der Arbeit von nung, die bestehende Pflanzung wurde da-
Studio Mumbai eine besondere Bedeutung be i a l s fun k t i ona l e r Te i l des Projek t s
MEISTERSTÜCK EMERSO by Arik Levy

kaldewei.de
Schlängelt sich wie ein Fluss durchs Gelände:
Gebäude von Sanaa im Bundesstaat Connecticut
21

4
Ideen:
SEITE
22
Seminargebäude
in New Canaan
SEITE
32
Kindergarten
in Poppenweiler
SEITE
46
Zwei Kinos
in Paris
SEITE
60
Sprengel-Museum
in Hannover
FOTO: IWAN BA AN
22 Ideen 1

Fließende
Linien

„The River“ heißt ganz passend


das mäandernde Band,
das das japanische Büro
Sanaa im Auftrag einer Stiftung
auf einem ehemaligen Farm-
gelände errichtet hat. Es weckt
Erinnerungen an Philip Johnsons
„Glass House“ von 1949 am
gleichen Ort – New Canaan,
Connecticut.

Architekten:
Sanaa

Kritik:
Oliver G. Hamm

Fotos:
Iwan Baan

Das Mehrzweckgebäude ist als weiches Band konzipiert, das sich der Landschaft anpasst. Ein durchgehendes Dach fasst einzelne Funktionen zusammen.
23
24 Ideen 1

Unter dem filigranen Dachband findet auch diese Sporthalle Platz – wegen ihrer Höhe wurde sie eingegraben.
25
26 Ideen 1

Eine Kette von Pavillons. Aber auch die Landschaftsarchitekten respektieren den Charakter des Farmlands und überlassen ihm die Hauptrolle.
27
28 Ideen 1

Die Glaskörper für die einzelnen Räume wirken leicht wie Seifenblasen. Oben der Gemeinschafts-, unten der Andachtsraum
29

N
ew Canaan hat nur rund 20.000 Einwohner
und ist eine der reichsten Kommunen der
Vereinigten Staaten. Schon vor fast hundert-
fünfzig Jahren, als die Kleinstadt durch eine
Bahnlinie an New York angeschlossen wur-
de, siedelten sich dort die ersten Unterneh-
mer an, die gewissermaßen im Dunstkreis
des „Big Apple“ herrschaftliche Wohnsitze
etwa im Tudor-Stil errichten ließen. Ab den
1940er Jahren sorgten dann die so genann-
ten Harvard Five – Marcel Breuer, Landis Go-
res, John M. Johansen, Philip Johnson und
Eliot Noyes – zumindest in baulicher Hinsicht
für frischen Wind: Mit den von ihnen entwor-
fenen Wohn- und Wochenendhäusern hielt
die architektonische Avantgarde in Con-
necticut Einzug. Bis weit in die 1960er Jahre
hinein bauten sie und andere Architekten
rund einhundert moderne Wohngebäude,
von denen achtzig heute noch bewundert
werden können. Einige dieser Häuser sind in
Ang Lees Film „The Ice Storm“ (1997) ver-
ewigt – einem von gleich einem halben Dut-
zend Spielfilmen, in denen New Canaan und
seine oft als Snobs dargestellten Einwohner
wichtige Rollen spielen.

Vorbild vor Ort


1
Philip Johnsons „Glass House“, das er selbst
bewohnte, ist ohne Zweifel das bedeutends- Bekanntlich
te Werk der Harvard Five in New Canaan. hat Johnson
Seit 2007 ist dieses Manifest für ein radikal mit dem „Glass
anderes Wohnen mit offenen Grundrissen House“ das
und vollständig in Glas aufgelösten Außen- Konzept von
wänden – zwei Jahre nach Johnson Tod – öf- Mies van der
fentlich zugänglich 1. Nun erweisen Kazuyo Rohes 1945
Sejima und Ryue Nishizawa vom japani- entworfenem,
schen Büro Sanaa dem „Glass House“ und aber erst 1951
mittelbar auch Mies’ Architekturauffassung errichteten
Referenz: im selben Ort auf dem landschaft- „Farnsworth
lich reizvollen Gelände von Grace Farms. House“ in
Plano, Illinois,

S
weiterent-
wickelt. Er hat-
te ein Archi-
tekturmodell
davon bereits
1947 im Rah-
men einer
anaa macht immer wieder mit ausgespro- Mies-Ausstel-
FOTO RECHTS UNTE N: DEAN K AUFM AN

chen „grazilen und kraftvollen“, mit „klaren lung am MoMA


und fließenden“ Entwürfen (so die Jury des in New York
Pritzker-Preises 2010 bei ihrer Würdigung) präsentiert.
auf sich aufmerksam. So auch hier: Glas bil-
det die Hülle, die zwar vor Witterungseinflüs-
sen schützt, aber eine sichtbare Trennung
zwischen Innen- und Außenraum weitge-
hend aufhebt. Somit werden die Besucher
zwangsläufig mit dem räumlichen Kontext

WEITER Oben die Besprechungsinsel, unten: Seminarrunde in der Bibliothek


30
des jeweiligen Bauwerks konfrontiert, was
im Werk der Japaner eine wesentliche Rolle
lange Holzdach mit einer Haut aus eloxier-
tem Aluminium, das eine Fläche von insge- „Unter-
spielt: wie etwa beim Museum für zeitgenös- samt 7.700 Quadratmetern überspannt, da-
sische Kunst des 21. Jahrhunderts in Kanaza-
wa (Japan, 2004), beim Glaspavillon des
von fast ein Drittel Freiraum. Auch ein Teil der
Fußböden – Eichen- in der Bibliothek und
stützung von
„Museum of Art“ in Toledo, Ohio (USA, 2006),
beim „Rolex Learning Center“ in Lausanne
Ahornparkett in der Sporthalle – sowie die
Möbel sind aus Holz gefertigt, das übrigens
Initiativen
(Schweiz, 2010. Baumeister 4/2010) und ausschließlich auf dem eigenen Grund-
auch bei der Louvre-Dependance in Lens stück geschlagen und vor Ort verarbeitet in der Kunst,
(Frankreich, 2012. Baumeister 1/2013). Mit wurde.
ihrer Auffassung einer sich in einen Land- für die Ge-

O
schaftsraum geradezu anschmiegenden,
von Leichtigkeit ebenso wie von ausdrucks-
starken Formen geprägten Architektur bo- rechtigkeit,
ten sich Sanaa der 2009 gegründeten Grace
Farms Foundation als Entwurfsverfasser für die Ge-
ein ambitioniertes Bauprojekt geradezu an.

Licht und Landschaft hne Zweifel sind das als The River bezeich-
meinschaft
nete Gebäude und auch eine von Sanaa
Ursprünglich sollte auf dem 32 Hektar gro- renovierte Scheune, in der die Stiftung Bü- und den
ßen Areal der Grace Farms eine Kirche ge- ros, Seminarräume und Kinderkrippe einge-
baut werden. Doch in New Canaan regte
sich Widerstand gegen ein rein protestanti-
richtet hat, eine große Bereicherung für New
Canaan und auch für Architekturliebhaber
Glauben“
sches Refugium. Schließlich schwenkten die aus aller Welt. An ihrem inhaltlichen Pro- Erklärte Ziele der
Initiatoren Sharon Prince, heute Vorsitzende gramm wird die Grace Farms Foundation Grace Farms Foundation
der Grace Farms Foundation, und ihr Mann allerdings noch etwas feilen müssen, wenn
Robert, ein New Yorker Investmentbanker, ihr (bauliches) Werk auf Dauer mehr sein soll
um und gründeten eine überkonfessionelle als ein weiterer schöner Blickfang in land-
Stiftung, die schließlich ein multifunktiona- schaftlich reizvollem Rahmen.
les Bauwerk in Auftrag gab. Die Ziele der Erhalt der Landschaft
Stiftung sind recht vage umrissen: „Unter-
stützung von Initiativen in der Kunst, für die
Gerechtigkeit, die Gemeinschaft und den
Glauben“. Das Raumprogramm des ge-
planten Neubaus ließ folgerichtig gewisse
Spielräume, was Kazuyo Sejima und Ryue
Nishizawa beim Entwerfen durchaus entge-
genkam. Ebenso wie die Topografie des Ge-
ländes, ein harmonisches Zusammenspiel
von Wiesen, Weiden, Auen und Wäldern, das
von den Landschaftsarchitekten Olin nur
marginal angetastet wurde.

S
anaa konzipierte eine Art durchgehende
Pergola mit variabler Tiefe, die an ihren bis
Gut 30 von insgesamt
32 Hektar Farmland sind
als Wald, Weiden,
zu 46 Meter breiten Enden in zwei große Marschland und Seen
Mehrz wecksäle übergeht: in einen An- erhalten geblieben.
dachtsraum mit 700 Sitzplätzen und eine Die Landschaftsarchitek-
Sporthalle, die auch für künstlerische Dar- ten Olin haben darin
bietungen genutzt werden kann. Weitere, im die Spielfelder, einen
Grundriss jeweils amöbenförmige Räume Gemeinschaftsgarten,
sind frei in die mäandernde Struktur einge- einen Spazierweg
stellt – etwa eine Bibliothek, ein Restaurant und einen Kinderspiel-
mit separatem Versammlungsraum und ein platz eingebunden.
Besucherzentrum. Das gesamte unregel-
mäßige Band erinnert entfernt an einen
Fluss und auch ein wenig an Sanaas „Ser-
pentine-Pavillon“ in London (2009). Schma-
le Stahlstützen tragen das rund 425 Meter
Ideen 1 31

M 1:1 0 . 0 0 0
1

2 3

Querschnitt Andachtsraum

M 1:5 0 0
Lageplan

1 „The River“
2 Scheune
3 Spielfelder
4 Sumpfgebiet
5 Teich Querschnitt Sporthalle

BAUHERR:
Grace Farms Foundation,
New Canaan, CT (USA)

ARCHITE K T:
Sanaa, Tokio 1
Kazuyo Sejima,
Ryue Nishizawa,
Shohei Yoshida,
Takayuki Hasegawa,
M 1:15 0 0

2
Tommy Haddock

TR AGWERKSPL ANER:
Robert Silman Associates

LANDSCHAFTS- 3
ARCHITEKTEN:
Olin, Philadelphia 4

BAULEITUNG:
Handel Architects

HLS, LICHTPLANUNG:
Buro Happold

6
E NE RGIE KONZE PT: 1 Andacht
Transsolar 2 Bibliothek
3 Büros
5
STANDORT: 4 Gemeinschafts-
365 Lukes Wood Road, raum
New Canaan, 5 Besprechungsinsel
Connecticut (USA) 6 Sporthalle

Grundriss
32 Ideen 2
33

Spiel-
scheune

Kritik: Architekten:
Maike Burk Von M

Fotos:
Zooey Braun, Von M

Ludwigsburger Modell: Das Kinder- und Familien-


zentrum dient nicht nur der Tagesbetreuung von
Kindern – sondern auch als Beratungsstelle für Fa-
milien. Architektonisch reiht sich der fein geglie-
derte Bau sensibel in das Dorfgefüge.

Die große Stärke des


Baus ist die Kleinteilig-
keit des Volumens mit
gegenläufigen Sattel-
dächern.
34 Ideen 2

Geschlossene Seite?
Nähert man sich der
Südfassade, verändert
sich die Durchsicht.
Frontal blickt man zwi-
schen den Lamellen
hindurch bis zum Spiel-
platz auf der anderen
Seite des Grundstücks.
35

Der Neubau rückt an


die Straße heran – und
steht in einer Linie mit
dem Bestand. So wird
der Straßenraum neu
gefasst.
36 Ideen 2

Oben: im Norden be-


finden sich großzügige
Fenster, die den Blick
ins Grüne in Richtung
Spielplatz lenken.
Türen und Fenster hin-
ter den Lamellen las-
sen sich ohne Absturz-
gefahr öffnen.

Links: Ursprünglich ein


Spielzimmer – aktuell
wird der Raum aber
als Bibliothek genutzt.
Rechts: Verbindung
zwischen Kita (unten)
und Kindergarten über
einen großzügigen
Spiel- und Lichtflur. Die
Brücken oben beher-
bergen Garderoben.
37
38 Ideen 2

Das Architekturbüro
entwarf auch die
Möbel für das Kinder-
und Familienzentrum.
Dazu gehört ein Loch-
system für Regale an
der Wand, wo Spiel-
zeug flexibel unterge-
bracht werden kann.
39
sich so in die bestehende Struktur einfügt.

P
In Seiberts Worten: „Das trifft die Maßstäb-
lichkeit der Umgebung.“ Rückbau des Bestands
Was für den Stadtraum eine gute Lösung ist,
folgt auch einer inneren Logik: Die nach au-
ßen als eigenständige Volumen lesbaren
Gebäudeteile sind innen als deutliche
Raumteilungen spürbar. Im Erdgeschoss
lappern, poltern, rappeln – die Geräusch- sind die drei Gruppenräume der Unterdrei-
kulisse im Kinder- und Familienzentrum jährigen und ein Sportraum untergebracht.
Poppenweiler wird von Kita- und Kindergar- Darüber liegen die Räume des Kindergar-
tenkindern beherrscht. Beim Springen durch tens, die durch einen geschossübergreifen-
die Gänge fällt schon mal der Schuh vom den Spiel- und Lichtflur verbunden sind. Als
Fuß, schnell ist er wieder angezogen, weiter Pufferzone zwischen Bestand und Erweite-
geht’s. rung dient der Eingangsbereich.
Diese Szenen spielen sich in zwei Gebäude-

Z
teilen ab, in denen das Zentrum unterge-
bracht ist: ein Neubau und ein saniertes
Gebäude aus den 1990er Jahren. Das Einbe-
ziehen des Bestands in den Entwurf war von
der Stadt vorgegeben – sie hatte das ehe-
malige Wohnhaus von einem Privatbesitzer
aufgekauft (mehr zur Sanierung siehe Kas-
ten rechts). Anstelle des heutigen Anbaus wei dieser Räume werden durch Galerien
stand eine alte Scheune, die nicht erhalten im Dachraum erweitert – eine schöne Geste, Nicht wiederzuerkennen:
werden konnte. Trotzdem dient ihre Archi- die nötig war, um genügend Fläche zu Das ehemalige Wohn-
tektur dem Stuttgarter Architekturbüro Von schaffen: „Vom Flächenbedarf her mussten haus aus den 1990er Jah-
M als Inspiration für die Erweiterung: Auch wir über die zwei Geschosse hinaus gehen, ren wurde von der Stadt
der Neubau ist eine Holzkonstruktion. Im weil auf dem Baufeld, das wir zur Verfügung aufgekauft und in das
Gegensatz zur Scheune rückt das Kinder- hatten, die benötigten Funktionen nicht Konzept integriert. Von M
und Familienzentrum an die Straße heran: unterzubringen waren. So hat sich die Dach- Architekten haben es
„Wir haben die Straßenkante hier ausge- form letztlich ergeben: mit der vorgege- rückgebaut, energetisch
bildet, um den Neubau ganz klar zu posi- benen Traufhöhe und weil wir das Dach an saniert und die Fenster
tionieren“, erklärt der Projektleiter Daniel der Stelle nach oben drücken mussten.“ vereinheitlicht. Ein neues
Seiberts. Treppenhaus schafft die
Die Fassade zur Straße ist die geschlossene Kindgerechter Maßstab Verbindung zwischen
Seite des Baus. Ungewöhnlich, aber eine den beiden Gebäuden,
gestalterische Konsequenz aus der Ein- Man muss sich nicht lange im Kinder- und die über Halbgeschosse
gangssituation: Hier, auf der Südseite, Familienzentrum Poppenweiler aufhalten, einen Bezug zueinander
hätten die Architekten für eine eindeutige um die warme Atmosphäre des fein geglie- erhalten.
Erschließung gerne den Eingang platziert. derten Holzbaus zu spüren, der bereits im
Vorgabe der Stadt war aber, dass der Städtebau einem kindgerechten Maßstab
Zugang auf der von der Straßenseite abge- folgt und dies im Innenraum mit den weiß
wandten Nordseite liegt. Aus der Not mach- lasierten Fichtenholzwänden fortführt. Hier
ten Von M eine Tugend: Alle Öffnungen mit gibt man sein Kind gerne in fremde Hände –
freiem Ausblick und die Tür liegen auf der kein Wunder ist das Zentrum, das seit gut
Nordseite – hier schauen die Kinder aus den einem Jahr in Betrieb ist, bereits ausge-
Spielzimmern ins Grüne. Im Süden dagegen bucht. Die Leitung kann sich vor Anfragen
wurde eine durchgehende, zweischichtige kaum retten.
Fassade mit vertikalen Holzlamellen über

N
den Fenstern montiert. Diese dienen zu-
gleich als Sonnenschutz.

Städtebau und Innenräume

Gelungen ist auch die städtebauliche Ein-


bindung des Hauses: Das Raumprogramm
für gut 30 Kita- und 75 Kindergartenkinder, icht immer war das Feedback so positiv.
Verwaltung und Beratungsräumen ist kom- In der Lokalpresse wurde der Bau bereits als
plex. Die Bruttogeschossfläche bet rägt „Kinderknast“ bezeichnet – wegen der vor
1.730 Quadratmeter – das ist viel, gemessen die Fenster gesetzten Vertikallattung. Ein
an den kleinmaßstäblichen Wohn- und vorschnelles Urteil, denn tatsächlich hat die
Bauernhäusern in der Nachbarschaft. Die z weischichtige Fassade viele Vor teile:
gestalterische Antwort darauf: ein durch Neben der Funktion als Sonnenschutz kann
versetzt angeordnete Satteldächer geglie- ohne Abstu r zgefah r na tü rl ich gelü f tet
derter Bau, dessen kleine Einheiten den werden. Hinter der Lattung befinden sich
Proportionen der Nachbarn ähneln und der große Öffnungen, die den Spielflur über

WEITER
40
beide Geschosse natürlich belichten. Fens-
ter und Türen der „ersten Haut“ können Aufbau Fassade
g e ö f f n e t we rd e n , o h n e d a s s K i n d e r
unkontrolliert den Raum verlassen. Von
einem „Knast“ kann tatsächlich keine Rede
sein – viel mehr fällt die angenehm gleich- 1
mäßige Belichtung auf, sowie die Blickbe- Flachstahl t = 15 mm
ziehungen zwischen der Straßenseite und zur Verbindung der
der großen Spielfläche im Norden. Auch der horizontalen Stahl-
Arbeitstitel „Spielscheune“, den die Archi- unterkonstruktion im
tekten im Bauprozess in Anlehnung an den Bereich der auskra-
abgerissenen Bestand verwendeten und genden Fassade
den die Stadt nicht so gerne hörte, nimmt
man vor Ort als liebevolle Umschreibung 2
des Projekts wahr. Sturzbekleidung
t = 250 mm mit Kantung

V
für Sonnenschutz

3
Sonnenschutz

4
Fensterelement
om Städtebau bis zur z weischichtigen Holz-Aluminium
Fassade wirkt der Entwurf gut durchdacht. 1
Der wah rscheinlich g rößte Gewinn fü r 5
das Zentrum sind die vom Architekturbüro Leibungsbekleidung 2
entworfenen Möbel. Geplant war, wie sonst t = 250mm 3
üblich, dass die Stadt Möbel aus dem Zulie-
fererkatalog bestellt. Von M belegten aber, 6
dass der Bau von eigenen Möbeln kosten- Lamellenelement: 4
technisch im Budget liegt. So entwickelte Holzlamelle 45/40 im
das Büro unter anderem Garderoben, Spiel- Abstand 60 mm auf 5
podeste und Betten. In der Kita konnte über horizontaler Stahl-
ein eingestelltes Bettensystem auf zwei Unterkonstruktion 6
Ebenen, quasi eine Galerie im Kitakind-
Maßstab, auch ein Flächenproblem gelöst 7
werden: „Wir konnten die Räume nicht Fensterbank
größer machen, die Kosten und das Raum- t = 250 mm
programm waren vorgegeben. Also muss-
ten wir kreativ damit umgehen.“ 8 7
Einige der Möbel sind baulich integriert wie Auflagerung Lamellen- 8
ein Lochsystem, an das Möbel und Spiel- element über zweiteili-
zeug nach Belieben gesteckt werden kann. ge Winkelkonstruktion,
„Beim Möbelsystem war Frau Kunz, unsere Befestigung an Außen-
Innenarchitektin, aktiv dabei. Das Lochsys- wand
tem war eine starke Schnittstelle mit der
Hochbauplanung, weil wir das System mit
der Firma, mit der wir die Wandbekleidung
gemacht haben, ausgetüftelt haben.“
M 1: 2 5

Hier spürt man, wie vielseitig das Büro Von M


aufgestellt ist – jeder Mitarbeiter hat eine ei-
gene Kompetenz, sei es Innenarchitektur
oder Lichtplanung. Kein Wunder, dass das
Kinder- und Familienzentrum in jeglichen
Maßstäben ein kindgerechtes Projekt ist –
vom Städtebau bis zu den Möbeln.
Ideen 2 41

M 1:4 0 0 0
Querschnitt

Lageplan

Längsschnitt

M 1:5 0 0

BAUHERR:
Stadt Ludwigsburg,
vertreten durch
Fachbereich Hochbau
und Gebäudewirtschaft
Galerieebene
ARCHITEKTEN:
Von M GmbH, Stuttgart

PROJEKTLE ITUNG:
Daniel Seiberts

TR AGWERKSPL ANER:
Ingenieurgemeinschaft
Klein/Kubasch

Obergeschoss PL ANUNG TGA (HL S/E LT):


IGP GmbH

BAUPHYSIK:
BBI Bayer Bauphysik

BRANDSCHUTZ:
Schmöller Brandschutz –
Ingenieurbüro für
bautechnischen Brandschutz

FERTIGSTELLUNG:
März 2015

STANDORT:
Erdmannhäuser Straße 7,
Erdgeschoss Ludwigsburg-Poppenweiler
42 kleine Werke ( 71 )
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ZU M
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Thailändisches Knäuel

Das Gebiet entlang des thailändischen Strands „Bangsaen“ hat sich beim Durchlaufen verbrennen soll, benannte „10 Cal Tower“ inter-
in den letzten Jahren stark entwickelt: Hier erholen sich an den Wo- pretiert die Funktion eines Spielplatzes neu, indem er nicht nur für
chenenden die Einwohner der 100 Kilometer nördlich gelegenen Kinder, sondern auch für Einwohner und Touristen als gemeinschaft-
Metropole Bangkok. Die Stadt ist von Einfamilienhäusern mit Vor- liches Stadtmöbel zugänglich ist. Da sich in den asiatischen Groß-
gärten, Hoteltürmen und Souvenir-Shops geprägt – sie bilden eine städten die sozialen Beziehungen immer mehr nur auf soziale Netz-
funktionale, monotone Landschaft. werke reduzieren, sind die Gänge nur 0,6 Meter breit – um Körper-
FOTO: ARCHIV ARCHITE K TE N

Im letzten Jahr verzeichnete die Stadt eine erhebliche Aufwertung: kontakt mit Fremden zu ermöglichen.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums hat der größte Betonherstel- Durch seine auffällige Farbigkeit und seine skulpturale Form haben
ler des Landes drei Projekte finanziert – selbstverständlich aus Be- die Architekten ein faszinierendes Escher‘sches Knäuel geschaffen,
ton. Das erste stammt vom thailändischen Büro Supermaschine Stu- aus dem alle mit einem Lächeln im Gesicht herauskommen. Die
dio, ein 8.5 Meter hohes Labyrinth. Es dient als Aussichtspunkt, Kin- nächsten finanzierten Projekte haben einen größeren Maßstab: ein
derspielplatz oder Treffpunkt. Der nach der Kraftmenge, die man multifunktionaler Pavillon und eine Bibliothek.

Text Leonardo Lella


Wenn Architektur auf Freiheit beruht …
Wenn Gebäude den Menschen dienen …
Wenn Fassaden ihren Charakter zeigen …
Wenn Konzepte für Verantwortung stehen …

Dann gestalten wir die Stadt der Zukunft. Gemeinsam.

www.wicona.de
44 Sonderführung mit...
BAUMEISTER: Wie kann man Isa Genzkens
Zitat „Ich will mit meinen Skulpturen keinen
Raum wegnehmen. Ich gebe Raum dazu“
verstehen?
S U S A N N E K L E I N E : Isa Genzken sagt damit,
dass sie sich auf den einen speziellen Ort
einlässt, für den sie die Außenskulptur kon-
zipiert. Sie negiert nichts oder erschlägt
visuell vorhandenen Raum, vorhandene
Architektur, sondern sie bereichert den Ort
mit einer darauf ‚antwortenden‘ Skulptur;
sie ergänzt, fügt hinzu, kommentiert. Das
heißt, sie nimmt als Künstlerin keinen Raum
weg, sondern addiert und vor allem fügt ei-
nen ergänzenden Deutungsraum hinzu.

B: Was wollen uns die Modelle sagen?


S K: Dieses ungewöhnliche Konvolut im
Gesamtwerk, das wie eine kleine Retrospek-
tive der Außenskulpturen anmutet, ermög-
licht exemplarisch ein Verständnis für die
bildnerischen, bildhauerischen Strategien
dieser außergewöhnlichen Künstlerin. Wie
ein roter Faden ziehen sich die Modelle und
Skulpturen kontinuierlich seit 30 Jahren
durch ihr Werk und spiegeln von 1986 bis
heute zeitlich das jeweilige Interesse der
bestimmten künst lerischen Ausd rucks-
formen.
Die Modelle zeigen vor allem das große
Interesse der Künstlerin am architektoni-
schen Raum. Im Spannungsfeld zwischen
Architektur, Werbung, Kunst und Design hin-
terfragt sie Proportionen, die Beziehungen
zwischen Objekt und Betrachter, und unter-
sucht, wie die Wahrnehmung des öffentli-
chen Raums unser Bewusstsein prägt und
konditioniert.

B: Wie ist die Ausstellung konzipiert?


S K: Der chronologisch installierte Rund-
gang zeigt die Modelle der Außenskulp-
turen von 1986 bis heute. Hintergrund-
informationen gibt es an den Wänden und in
Vitrinen zu den einzelnen Projekten: Foto-
grafien, Pläne, Kataloge und Archivalien
erhellen den Kontext der Werke.
Isa Genzken bietet uns eine oft überra-
schende Wertehinter fragung und einen
Perspektivwechsel an, der häufig auch
...Susanne Kleine schmunzeln lässt. Wird zum Beispiel eine
Rose ins Überdimensionale vergrößert, ver-
ändert sich damit eigentlich die umgeben-
de Architektur und Landschaft – und eben
Kuratorin der Ausstellung
FOTO OBE N: LOTHAR SCHNE PF; FOTO UNTE N: NICK ASH

unsere Wah rnehmung dieser. Genzken


„Isa Genzken – macht sich das kollektive Bildgedächtnis
Die Ausstellung findet zunutze und spielt mit unseren Assoziatio-
Modelle für Außenprojekte“ noch bis 17. April in nen, Klischees und Wertevorstellungen. Mit
der Bundeskunsthalle ihrem Anliegen, Begriffe wie Raum, Volu-
Bonn statt. men, Größenverhältnisse immer wieder
zu hinterfragen, variiert sie konstant den
www.bundeskunst- Skulpturbegriff. Ihr manchmal versteckter,
halle.de manchmal of fenkundige r, feinsinnige r
Humor spiegelt die gesellschaftliche Rele-
vanz ihrer unangepassten, künstlerischen
Haltung, die sich kaum in Kategorien zwän-
gen lässt.

Das Gespräch führte Maike Burk


Sie und wir
„Wird das Einkaufszentrum zum Freizeiterlebnis?“
von Anja Hall in Baumeister 6/2015, Seite 84:
Dann
mach
„Nun gut… Es ist ja in, im EHZ oder der Mall zu shoppen,
weil es ja in den Städten angeblich nicht mehr geht.
Doch der leider etwas spät gelesene Beitrag von Frau
Hall ist reiner Explosivstoff. Die Sorgen um den Erhalt von
Einkaufszentren angesichts der Online-Konkurrenz mag
aus ihrer Sicht ja stimmig sein. Doch sollte dabei nicht
ganz außer Acht gelassen werden, was Walter Brune in
‚Angriff auf die City‘ beschrieben hat: wie ein EHZ eine

ich
Innenstadt trocken legt (und nicht kann). Genau das stört
am Beitrag von Frau Hall: Sie stellt keinen Bezug zum
noch immer gegebenen Versorgungszentrum Alt-/In-
nenstadt her, sieht Mall oder EHZ als schützenswert an.
Gerade die Ausgabe Juni 2016 zeigte einige großartige
Beispiele zur Innenstadt-Gestaltung. Doch Innen-/Alt-
städte können nur leben, wenn ihnen die Luft dazu gege-

es
ben wird. EHZ und Malls vor den Toren gehören eher in die
Reihen der Strangulierer denn der Beleber.
Ich empfehle damit dringend, Walter Brune zu lesen!
Michael Scheidler
Architekt, Wangen im Allgäu

Beim Beitrag
„Architekturfakultät der Universität in Granada“
in Baumeister 1/2016, Seite 45, möchte der Architekt
Víctor López Cotelo noch weitere Mitarbeiter nennen.
Diesem Wunsch kommen wir gerne nach:

ARCHITEKT:
Víctor López Cotelo
MODELL:
Juan de Dios Hernández y
selbst!
Eigeninitiativen von
Planern und Architekten
Jesús Rey
MITARBEITER PROJEKTPHASE:
Juan Manuel Vargas Funes, BAULEITER:
Jesús de la Fuente Moreno, José Antonio Valdés Moreno Unternehmerische Modelle und Projekte
Francisco García Toribio, für nachhaltiges Bauen
Alvaro Guerrero Aragoneses, RESTAURIERUNG:
Flora López-Cotelo, Kika Martín, Irene Orueta
Rafael Medina Iglesias,
Isabel Mira Pueo, TRAGWERKSPLANUNG:
Do, 19. bis Sa, 21. Mai 2016
Pedro Morales Falmouth, José María Fernández. Ingenie-
Jesús Placencia Porrero, ro de Caminos. Proyectos de
Festspielhaus Bregenz|Vorarlberg
Ana Torres Solana, Ingeniería y Arquitectura SL am Bodensee
Juan Uribarri Sánchez-Marco,
Frank Furrer, César Leal TGA-PLANUNG:
Anmeldung
Proyecto: JG Ingenieros
MITARBEITER REALISIERUNG:
www.tri-info.com
Pedro Morales Falmouth WETTBEWERB:
(Projektleiter Phase 1), 1998. Víctor López Cotelo mit
Juan Uribarri Sánchez-Marco Daniel Zarza
(Projektleiter Phase 2);
Flora López-Cotelo, BAUPHASE: 2005 – 2014
Isabel Mira Pueo, 2016
Rafael Medina Iglesias, FOTOS:
Elena Lucio Bello, Lluís Casals, V.L.Cotelo Archi-
Francisco García Toribio tekturbüro 11. Internationales
Symposium für
energieeffiziente
Architektur
46
Zu gleicher Zeit entstanden in und um Paris zwei Kinos,
die mit ihrer besonderen Atmosphäre und einem Aus-
bau in Holz den Kinobesuch wieder zum Erlebnis
machen wollen. „Les Fauvettes“ A wurde in einen ehe-
maligen Ball- und Konzertsaal eingebaut, „Le Méliès“ B
dagegen ist in einen Rohbau vom Architekturbüro
Dietmar Feichtinger eingezogen.

Film ab!
Kritik:
Jean-Philippe Hugron

„Paris, ein Fest fürs Leben“. Der Buchtitel von In diesem Zusammenhang erklärt sich der Er-
Ernest Hemingway trifft ins Schwarze. Nach folg der Multiplex-Kinos. Angesichts solch
den Terroranschlägen vom 13. November ist aggressiver Konkurrenz kämpfen die Pro-
er sogar zum Slogan geworden, denn seit den grammkinos dagegen ums Überleben. Es ist
tragischen Ereignissen, die Cafés und Konzert- also mehr als notwendig, ein neues Konzept,
hallen zum Ziel hatten, hat die Stadt es verstan- eine neue Raumtypologie für sie zu erfinden.
den, unter diesem Motto ihr Kulturleben zu Doch wer könnte das machen? Wie sich her-
fördern. Darunter auch einer ihrer stärksten ausstellt: die Architekten. Ende letzten Jahres
Vorzüge: die große Zahl Kinos. Die französische öffneten zwei Kinos ihre Pforten, die eine neue
Hauptstadt hat in ihren zwanzig Bezirken nicht Herangehensweise an den Bautypus bieten:
weniger als 404 Leinwände. Ein Weltrekord. „Les Fauvettes“ von Françoise Raynaud in
Der abendliche Gang ins Kino ist für viele Pa- Paris und „Le Méliès“ von Bernard Ropa im be-
riser mit großer Vorfreude verbunden. nachbarten Montreuil.
WEITER
Ideen 3 und 4 47

Trailer wandern über die LED-Fassade des Künstlers Miguel Chevalier und stimmen auf das
Ereignis ein: Hier werden klassische Filme gezeigt.

A
Les Fauvettes

Architekten:
Loci Anima

Fotos:
Jean-Pierre Porcher
48 Ideen 3 und 4

Freundlich-helle Töne und viel Holz statt der üblichen Black Box, die die Besucher
nach dem Film durch die Hintertür auf die Straße entlässt

Traditionsreich:

Les
Fauvettes
49

Das geräumige, zweigeschossige Foyer empfängt die Besucher mit


gläsernem Lift und grünem Innenhof.

Françoise Raynaud, Gründerin des Archi- grafischen E rlebnis werden lässt. Doch der Zuschauer. Heute haben wir wegen des
tekturbüros Loci Anima, arbeitet seit mehre- Françoise Raynaud wollte mehr. Deshalb französischen Behindertengleichstellungs-
ren Jahren daran, bestehenden Kinos ein bezieht sie sich auf den amerikanischen So- gesetzes fast die Hälfte der Sitzplätze verlo-
Ambiente zu geben, in dem man sich auf- ziologen Ray Oldenburg und sein Konzept ren“, erklärt Françoise Raynaud.
halten und treffen mag – zusammen mit Pa- der „dritten Orte“: „Wie kann man die Leute Ein Verlust? Nicht wirklich. Die neue Raum-
thé-Gaumont, einem der drei größten Pari- dazu bewegen, ins Kino zu gehen, wenn aufteilung versteht sich als „Gewinn für den
ser Kinobetreiber. Die Architektin war von heute alles zuhause möglich ist? Gegen Zuschauer“. „Wir bieten zudem reichlich
dem Unternehmen gebeten worden, seine diesen zunehmenden Rückzug ins Private Raum zum Flanieren und um sich länger auf-
schönsten Adressen aufzufrischen – darun- rebelliert unser angeborenes Bedürfnis, zu- zuhalten“, versichert die Architektin, die et-
ter Les Fauvettes, direkt gegenüber der Fon- sammen zu sein, an einem Ort zu sein, wo was gegen Kinos hat, die den Cineasten
dation Pathé von Renzo Piano, die sich hin- man andere trifft: Das ist der ‚dritte Ort‘“, er- nach Ende des Films direkt durch die Hinter-
ter der denkmalgeschützten Fassade des klärt die Architektin. Les Fauvettes will so ein tür auf die Straße entlässt. Für sie soll das
alten Kinos „Le Rodin“ verbirgt. Ort sein. Allerdings war es keine Selbstver- Kino wieder zum Lichtspielhaus werden.
Les Fauvettes wurde nun in einen Ort ver- ständlichkeit, ein neues Kinokonzept einzu- Großzügige Räume für alle, bevor sie ins
wandelt, der sich Filmvorführungen überar- führen, denn man musste die Zahl der Sitze Dunkle eintauchen. Die Eingangshalle wird
beiteter Klassiker widmet. Für diese Vorstel- reduzieren: „In den letzten zwanzig Jahren zum Foyer. Die Realisierung mit einem Holz-
lungen braucht man einen beeindrucken- hat man die Räume wegen der Rentabilität tragwerk erzeugt dafür eine warme und ge-
den Rahmen, der sie zu einem kinemato- immer dichter gepackt – zu Lasten der Sicht sellige Atmosphäre.

WEITER
50

Der Hof wird nachts, zur Hauptvorführzeit, effektvoll illuminiert.

A
BAUHERR: FASSADE NGE STALTUNG: AKUSTIK:
Les Cinémas Pathé Gaumont Miguel Chevalier Putz

ARCHITEKTEN: TR AGWERKSPL ANUNG: ERÖFFNUNG:


Loci Anima, Paris Khephren November 2015
Françoise Raynaud,
Vincent Laplante HOL Z TR AGWERK: STANDORT:
(Projektleiter), Bollinger & Grohmann Cinema Les Fauvettes,
Clémence Marguet, 58 avenue Gobelins,
Xavier Maunoury 13. Arr., Paris
Ideen 3 und 4 51

Nordsüd-Schnitt
1

Obergeschoss

Ostwest-Schnitt

3 Filmgenuss

Erdgeschoss

1 Kinosaal Les Fauvettes hat fünf


2 Zugang und Kinosäle, und in jedem
1
1 Kartenverkauf wurde die Zahl der Sitze
3 Lounge von 475 auf 199 reduziert.
4 Innenhof So haben alle Besucher
5 Verwaltung die gleiche gute Sicht,
und es war genug Platz,
Untergeschoss um sehr breite, bequeme
Sessel einzubauen.
Ökonomisch ist dies für
M 1:75 0

den Betreiber allerdings


zunächst mit einem Risiko

1 verbunden.
52

Der große Mond des Künstlers Hans Walter Müller scheint am Eingang auf die Kinobesucher herab und sendet auch ein Signal nach draußen.
Ideen 3 und 4 53

Ein simples Stahltragwerk und eine transluzente Fassade bilden das


Gerüst für den Innenausbau aus Holz.

B
Le Méliès

Architekten:
Ropa & Associés

Fotos:
Luc Boegly
54 Ideen 3 und 4

Im Obergeschoss liegt die Hauptebene des Kinos. Sie wird mit Bar, rotem Teppich
und theatralischer Beleuchtung festlich inszeniert.

Szenisch:

Le
Méliès
55

Im großen Kinosaal finden 320 Besucher Platz. Seine Beleuchtung setzt den Lichtstrahl
des Projektors abstrahiert an Wänden und Decke fort.

Zu gleicher Zeit wurde ein weiteres Kino in Besucher zwischen einem Konstrukt aus Bal- werden so wieder zu Veranstaltungsorten:
der östlichen Pariser Vorstadt Montreuil ge- ken und Stützen unter einem gewaltigen eben zu Lichtspieltheatern. Übrigens wer-
baut. „Le Méliès“ wirbt für sich als „ größtes Mond flanieren. „Wir versuchten, eine At- den sie tatsächlich jenseits des Atlantiks
öffentliches Kino Europas“. Die Stadtverwal- mosphäre zu schaffen, in der sich der Besu- „theaters“ genannt.
tung finanzierte das Projekt und vergab es cher auf der anderen Seite des Bühnenvor-
an den Architekten Bernard Ropa. Der Besu- hangs befindet“, meint Bernard Ropa. In
cher findet dort zudem ein Caféhaus und den Obergeschossen geben rote Teppiche,
eine Bibliothek, die er ohne Eintrittsgeld nut- Spiegel und hohe Decken den Fluren Größe.
zen kann. Und tatsächlich gelang es der Der Vollmond hängt im Eingang und macht
Stadtverwaltung so, mit ihrem Kino einen schon von Weitem neugierig. Er stellt eine Pläne auf der folgenden Seite
öffentlichen Raum zu schaffen. Bernard Referenz an den Filmregisseur Georges Mé-
Ropa fasste die Aufgabe vor allem als Kritik liès dar, der als Vater genialer Spezialeffek-
an den üblichen kommerziellen Multiplex- te gilt, seit er in seinen Montreuil-Studios
Kinos auf; er wollte einen Kontrast zu deren 1902 „Die Reise zum Mond“ drehte.
Ausstattung schaffen, die oft kalt und rein Fauvettes und Méliès verändern durch ihre
funktional wie eine Tiefgarage wirkt. Aufenthaltsqualitäten das Erlebnis Kinobe-
Le Méliès inszeniert sich als kinematografi- such. Sie geben ihm Raum durch Großzü-
sches Spektakel. Bereits im Foyer kann der gigkeit, aber auch ein wenig Drama. Kinos
56

Das großzügige Foyer des Kinos fungiert mit seiner warmen, freundlichen Atmosphäre
auch bei Tag als eine Art öffentliches Wohnzimnmer für das Quartier.

B
BAUHERR: TRAGWERKSPL ANUNG: WETTBEWERB:
Communauté d’Agglomération SAS Mizrahi September 2010
Est-Ensemble;
Stadt Montreuil KUNST AM BAU: ERÖFFNUNG:
Hans Walter Müller August 2015
ARCHITEKTEN:
Ropa & Associés Architectes AKUSTIK: STANDORT:
Laurent Blondel, Jean-Paul Lamoureux Place Jean-Jaurès,
Nadia Lory Balazova Montreuil bei Paris
KINOSITZE:
Signature F
Ideen 3 und 4 57

Schnitt

1. Obergeschoss

Innenausbau in Holz
M 1:5 0 0

Auf die Frage, ob sich Die Bauherren dachten,


Holz für öffentliche es wäre zu aufwendig
Innenräume eignet, in der Wartung. Hier im
antwortet der Architekt Kino haben wir ohne
Bernard Ropa: „Holz wird Probleme brandschutz-
inzwischen wegen seiner technisch behandeltes
Umweltfreundlichkeit Holz einbauen können.
Eingang Erdgeschoss und Wärme große Alles hängt vom Quer-
Sympathie entgegenge- schnitt der Holzkonstruk-
bracht. Wir haben aller- tion ab – je dicker, desto
dings in der Vergangen- besser.“
heit einige Wettbewerbe
verloren, weil wir Holz
verwendet haben.
58

Oben:
Der fast frei stehende Barbereich mit den
petrolfarbenen Säulen

Rechts:
Die Kunst im Restaurant entstand teils
als Auftragsarbeit.

Unten:
70 Gäste finden im Restaurant Platz, 30 weitere im
Private-Dining-Bereich im Obergeschoss.
Unterwegs im 59

Restaurant Phoenix
Dreischeibenhaus, Düsseldorf

Das Dreischeibenhaus ist ein


architektonischer Meilenstein der
Nachkriegsmoderne.
Im Dezember eröffnete das Lokal Phoenix –
es bietet neue Perspektiven
auf den legendären HPP-Bau.

BAUHERR Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf ist der Inbegriff einer Architektur- HAUPTGANG
ikone. Der HPP-Bau von 1960 prägt die Silhouette seiner Stadt. Er wird
Patrick
Schwarz-Schütte
von vielen geliebt, von einigen Bürgern aber auch verachtet. Und es
findet immer wieder zu Aktualisierungen seiner selbst.
z.B.
Die jüngste: das Restaurant Phoenix, zur Linken vom Eingang erdge-
schossig untergebracht. Man speist in dem nach dem ursprünglichen Entrecote,
Bauherren Phoenix-Rheinrohr AG benannten Esstempel hervorragend.
Die Frage für die Architekten Irina Kromayr und Etienne Descloux war
aber eine andere: Wie schafft man atmosphärisch etwas Eigenes und
weißes
in sich Funktionierendes, verspielt aber zugleich nicht die riesige Chan-
ce, die die großartige modernistische Architektur des Dreischeiben-
Zwiebel-
hauses bietet?
Die Architekten haben alles in allem eine überzeugende Antwort ge- püree,
funden. Ihr Design kombiniert Eigenständigkeit mit historischer Sensibi-
lität. Ihre Gestaltung spielt facettenreich mit den petrolblauen Säulen,
die das Gebäude insgesamt dominieren. Im Restaurant werden sie op-
gebacke-
tisch offensiv in Szene gesetzt. Sie sind in den ansonsten zurückhaltend
rhythmisierten Räumen das auffälligste Stück Architektur. Die bläuli- nes Bries,
che Grundstimmung setzt sich in anderen Bereichen des Restaurants
fort, wird dort aber variiert – und mitunter auch mit anderen, vorzugs- Dauphin-
weise kühl stählernen Farben kontrastiert. Auch polierter Edelstahl
kommt effekt- wie sinnvoll zum Einsatz.
Die selbstbewusst sich in den Raum lehnende Bar gibt sich qua Holzdo-
kartoffeln
minanz visuell zurückhaltend. Allerdings drängt sich in dem Etablisse-
ment, das inklusive Private-Dining-Bereich 100 Gästen Platz bietet, al-
lerdings mitunter die zeitgenössische Kunst in den Vordergrund. Fast
wirkt es, als trauten die Restaurantmacher der eigenen Gestaltung
nicht. Das ist aber unnötig. Wer hier isst, der weiß auch die Strenge der 32
1960er Jahre zu schätzen. Und wenn nicht, dann sollte er zu seinem

ADRESSE
Glück gezwungen werden.
Zu ihrem Glück zwingen muss man die Deutschen in Sachen Architektur
EURO
der 1960er Jahre scheinbar ohnehin. Baulich hat diese Ära vielen deut-
Dreischeibenhaus schen Innenstädten ihren Stempel stärker aufgedrückt als die Jahr-
40211 Düsseldorf zehnte davor oder danach. Wertschätzung bringen wir den modernis-
tischen Kernbauten deshalb aber noch lange nicht entgegen. Man
www. würde uns allen wünschen, dass wir mit diesem architektonischen Erbe
phoenix-restaurant selbstsicherer umgingen. Insgesamt ist das Dreischeibenhaus dafür ein
.de Vorbild – gerade auch mit dem neuen Restaurant.

Text Alexander Gutzmer


60 Ideen 5
61

Hannover
frönt
dem
Wer sich bei dieser
Stahlbetonfassade
an den Kubismus
erinnert fühlt, dürfte
stilvollen
so ganz falsch nicht
liegen.

Autismus

Architekten:
Meili, Peter Architekten

Kritik:
Alexander Gutzmer

Niedersachsens Landeshauptstadt
hat einen neuen Kunsttempel.
Der Erweiterungsbau des Sprengel-
Museums ist sich selbst genug.
Das klingt vielleicht nicht sympa-
FOTO: GEORG AE RNI

thisch, ist aber durchaus auch kein


Ausdruck eines architektonischen
Scheiterns.
62
Ideen
5

FOTOS SE ITE 62 BIS 67: HE RLING/GWOSE/ WE RNE R, SPRE NGE L-MUSE UM HANNOVE R
63
Links: Der neue Bau-
körper versucht nicht,
den Kontrast zur längs-
seitig verlaufenden
Pflastertsteinböschung
des alten Museums zu
verstecken.

Rechts: Unterschied-
liche Raumformate
und Deckenhöhen
von 4,80, 5,10 und 5,70
Meter dürften künfti-
gen Ausstellungsma-
chern die Chance
für rhythmusreiche
Inszenierungen liefern.
64

E
Ihre Positionierung zueinander ist jeweils Diese Härte ist Prinzip. Etwas schade an der
leicht versetzt. Angesichts der Klarheit des hermetischen Grundphilosophie ist aller-
Baukörpers als Ganzem überrascht dies. dings die Ignoranz, die zumindest teilweise
Eine klare museale Kunstordnung wird hier der Umgebung zuteil wird. Den gegenüber-
offenbar nicht mehr für möglich gehalten. liegenden Maschsee hofiert der Museums-
Von „tanzenden Räumen“ fabulier t die bau noch mit einem eigenen Ausguckraum.
Architekturlyrik auf der Museums-Website. In diesem soll künftig auch die Geschichte
igentlich soll man das nicht machen – die Richtiger wäre es wohl, von nervös zappeln- des bis 1935 als Arbeitsbeschaffungsmaß-
Architektur eines Museumsgebäudes mit den Räumen zu sprechen – was überhaupt nahme ausgebuddelten Gewässers thema-
Impressionen zeitgenössischer Kunst kom- keine Kritik ist, sondern eine Auszeichnung tisiert werden. Weniger Interesse bringt
mentieren. Schließlich arbeiten Künstler für die zeitgenössische Relevanz der ange- das Gebäude indes den schlicht-schönen
viel mit verstörenden Materialien. Und die botenen Raumfolgen. Zweckbauten des Norddeutschen Rund-
liefern eben allzu dankbare Metaphern für funks entgegen, die südlich des Museums

W
die kritische Betrachtung von Gebäuden. auftauchen. Sie werden für Autofahrer nun
Wenn dieser Text (über den Anbau des ziemlich frech abgeschirmt. Am Ende ist
Sprengel-Museums in Hannover) dennoch dieser Museumsbau wohl doch sich selbst
auf die Kunst als Bedeutungsträger verweist, genug. Das zeigt auch die lieblose Gestal-
dann nur, weil er unterstellt, dass die Aus- tung des straßenabseitigen Außenbereichs.
stellungsmacher dies antizipiert haben. Nun Dessen Tristesse kulminiert in einem schein-
denn: Das Kunstwerk, mit dem der Pariser bar willkürlich durch das Grundstück gezo-
Künstler Pierre Huyghe die Räume des ährend der Bau also im Inneren die Geome- genen Metallzaun.
Museums bespielt, arbeitet viel mit Staub. trie der Museumswelt eher unterminiert, So bleibt alles in allem der Eindruck eines
Und z war mit gesammeltem Staub aus treibt er sie von außen gesehen auf die cleveren, ästhetisch gelungenen Museums-
anderen Museen. Von den Wänden des Spitze. Die je nach Lichteinfall schwarz bis baus, der sich jedoch dem großen Projekt
Centre Pompidou, vom Boden des LACMA hellgräulich schimmernde Stahlbeton- der Kunst des 21. Jahrhunderts – Kunst für
in Los Angeles. Der Besucher trampelt auf fassade fächert sich in unterschiedliche alle – demonstrativ verweigert. Das mag
diesen im ersten Raum der Ausstellung Tiefen auf. Die reliefartigen Vor- und Rück- man ihm anlasten. Es mag aber auch ein
verstreuten Museumsrückständen herum sprünge kommen durch unterschiedliche Ausdruck eines architektonischen Realis-
und verteilt sie so im ganzen Haus. Das ist Wanddicken zustande (25, 36, 47 Zentime- mus sein. Dann wäre es eher am Architek-
natürlich eminent architektursymbolisch. ter). Hier mag, wer will, einer möglichen turdiskurs, sich von eigenen Grundannah-
Das Museum als Sammelo r t museale r Zahlenmystik hinterherforschen. In jedem men – etwa der einer sozial und kulturell
Vorbilder. Die Kunst, die am Ende zu Staub Fall spielen die Architekten an der Fassade integrativen Philosophie des Museumsbaus
zerfällt. Der Besucher, der mit seiner ganzen mit der Formensprache des abst rakten – zu verabschieden.
Unwissenheit die Erzeugnisse der Kunstwelt Expressionismus, dem sich das Museum
mit Füßen tritt. Und die Architektur, die zum ja auch widmet. Pläne auf den
Träger des musealen Verfalls wird. folgenden Seiten
Auf jeden Fall, und das können wir dem Architektonisches Schmeicheln
Künstler, den Architekten und auch dem geht anders
Museumsdirektor Reinhard Spieler einfach
mal unterstellen, ist man sich in Hannovers Die Erlebniswelt Kunst wird so in einer sym-
neuem Kunsttempel der Fragilität des hyste- bolischen Flächigkeit nach außen projiziert.
rischen Kunstbetriebs bewusst. Diese Fragili- Das ist schön bei einem Bau, der sich qua
tät reflektiert Huyghe in seiner Arbeit. Muse- Farbigkeit und auch in seiner Form als
umsikonen, zu Staub zerfallen – fragiler geht langgezogener flacher Kasten ansonsten
es nicht. Und auch die weitere Abfolge des hermetisch, fast aggressiv gibt. Man wäre
Kunstwerks „Orphan Patterns“ wirkt alles gewillt, von Brutalismus zu sprechen, würde
andere als Halt stiftend. In deren Zentrum der Terminus heute nicht allzu leichtfertig
steht ein Raum voller fetter und ziemlich verwendet. Räumlich einschmeicheln will
widerlicher Fliegen. Die werden in einem sich der hannoversche Kunstklotz jedenfalls
Kasten im Museum geboren und enden dort beileibe nicht. Die auf dem viel befahrenen
auch. Werden und Vergehen im Dienste der Rudolf-von-Bennigsen-Ufer entlangbrau-
Kunst. Dem Besucher wird dieser tragische senden Autofahrer dürfte das nicht stören.
Zusammenhang durch das unangenehme Wer hingegen glaubt, dass Museumsräume Rechts: Der „Calder-
Knacken bewusst, wenn er durch den Haupt- sich öffnen müssen und die Stadt mit einbe- Saal“ mit seiner opu-
raum über Fliegenleichen geht. ziehen sollten, der wird von Meili und Peter lenten Rampen- und
bewusst und knallhart enttäuscht. Dieses Treppenspirale. Der
Zappelnde Räume Museum verlässt radikal die Idee einer Raum bietet sich auch
Kunstlandschaft, in die man quasi beiläufig als Spielfläche für Ver-
Auch die Raumanordnung des 5.250 Quad- hineinmäandert, wie sie der Ursprungsbau anstaltungen an. Künf-
ratmeter großen Museumsanbaus spielt auf von Peter und Ursula Trint sowie Dieter Quast tig wird hier eines der
die Fragilität des Kunstsystems an. Die Er- mit seiner künstlichen Hügellandschaft berühmten Mobiles
schließung der Ausstellungsräume erfolgt vorexerzierte. Wer das von einem Sockelge- von Alexander Calder
durch eine asymmetrische doppelgeschos- schoss getragene, ab Hauptgeschoss vorra- hängen. Oben ein
sige Halle über eine Rampen- und Treppen- gende Gebäude an der Ecke anfasst, Kunstwerk von Chris-
spi rale. Die Ausstel lungs räume haben schneidet sich; wer unter dem sich durch toph Keller, „Expediti-
je unte rschiedl iche Raum fo rma te und die Anhebung ergebenden Gebäudeklotz on Bus und Shaman
Deckenhöhen (4,80, 5,10 und 5,70 Meter). hindurchwandert, stößt sich den Kopf. Travel“ (2002)

WEITER
FOTO OBE N: HE RLING/GWOSE/ WE RNE R, SPRE NGE L MUSE UM HANNOVE R © VG BILD -KUNST, BONN 2 016
Ideen
5
65
66 Ideen 5

Obergeschoss
M 1:75 0

Erdgeschoss

Untergeschoss
67

Architektur und der „Volksmund“

Glaubt man den Ausführungen un- det die „Hannoversche Allgemeine haben. Man liegt wohl nicht ganz
serer regionalen Tageszeitungen, Zeitung“. Wirklich? Die hannover- falsch, wenn man den Ursprung
gehen unsere Bürger mit großer sche Verwandtschaft des Kritikers dieser Populär-Bonmots eher in
Kreativität an das Thema Architek- weiß davon nichts. Aber das muss heiteren Redaktionsstuben verortet
tur heran. Dieser Eifer äußert sich nichts heißen. Schließlich traf auch als auf deutschen Straßen, wo
angeblich in vielen überaus heite- noch niemand einen Berliner, der feinsinnig ironische Bürger ihre
ren Wortschöpfungen, die die Axel Schultes Kanzleramt allen Meinung zur Architektur in lustige
Redakteure jeweils dem „Volks- Ernstes als „Waschmaschine“ be- Begriffsbildungen kleiden.
mund“ zuschreiben. Dieser Mund zeichnet. Oder das neue Präsidial-
des Volkes hat auch in Meili Peters amt als „Präsidenten-Ei“. Ebenso
Hannoveraner Museum offenbar exklusiv dürften die Redakteure in
wieder zugebissen. Von „Brickett“ Bad Frankenhausen (Kyffhäuser-
sprächen die Hannoveraner, mel- Kreis) den Terminus „Elefantenklo“

Querschnitt

Längsschnitt
68 Ideen 5

Sprengel und Hannover

M 1:75 0 0
Lageplan

Seinen Namen trägt das


Sprengel-Museum als

FOTO UNTE N: HE RLING/GWOSE/ WE RNE R, SPRE NGE L-MUSE UM HANNOVE R © ALICE AYCOCK, COURTE SY THOM AS SCHULTE, BE RLIN
Reminiszenz an den
letzten Eigentümer der
Süßwarenfirma, Bernhard
Sprengel. 1851 in BAUHERR UND PROJEKT- BAULEITUNG: HAUSTECHNIK:
Hannover gegründet, fiel STEUERUNG: BAL Bauplanungs- Inros Lackner AG,
das Unternehmen 1979 Landeshauptstadt Hannover und SteuerungsGmbH, Rostock, Hannover
an die Firma Stollwerck, Berlin
ein Jahr darauf wurde in ARCHITEKTEN: LANDSCHAFTS-
Hannover auch nicht Meili, Peter Architekten AG, TR AGWERKSPL ANUNG: ARCHITEKTUR:
mehr produziert. Bereits Zürich/München Drewes + Speth, Müller Illien
Jahre zuvor hatte www.meilipeter.ch Hannover; Landschaftsarchitekten,
Bernhard Sprengel seine Marcel Meili, Werner Sobeck, Zürich
eindrucksvolle Kunst- Markus Peter, Stuttgart
sammlung mit Arbeiten Matthias Rühl, WETTBEWERB:
von Miró, Klee oder Elke Eichmann, BAUPHYSIK: 2009
Chagall der Stadt ver- Christof Weber; Müller-BBM,
macht. Bedingung: der Maike Basista, Berlin FERTIGSTELLUNG:
Bau eines neuen Muse- Sarah Escher, 2015
ums. Dem kam Hannover Lukas Eschmann, LICHTPLANUNG:
nach; 1979 war Eröffnung. Elina Geibel, Licht Kunst Licht AG, STANDORT:
Patrycja Okuliar-Sowa, Bonn Sprengel Museum Hannover,
Unten: Haupteingang des Anna Poullou, Kurt-Schwitters-Platz,
Museums. Skulptur: Alice Mathias Wünsche FASSADE NPL ANUNG GL AS: Hannover
Aycock, Another Twister AMP Fassadentechnik,
(João), 2014. Leihgabe Neuss
Hannover Rück Stiftung
ELEKTRO- UND
SICHERHEITSTECHNIK:
Rathenow BPS GmbH,
Dresden
69

3
Fragen:
SEITE
70
Mode
und Mussolini –
passt das
zusammen?
SEITE
82
Binnenalster oder
Rockefeller-
Center in Berlins
Stadtmitte?
SEITE
84
Was bringt
das neue
Vergaberecht?
70 Fragen 1
1
Palazzo della Civiltà
Italiana –
Hauptsitz Fendi
TITELTHEMA
DE R K APITALISMUS
SIEGT Mode 2

und Mussolini Palazzo degli Uffici –


EUR-Verwaltung

3
–  Palazzo dell‘INPS –
INPS-Verwaltungssitz
(Sozialversicherungs-
träger)

passt
das zusammen 4
Basilica dei Santi Pietro
e Paolo – Basilika
St. Peter und Paul

?
5
Grattacielo Italia –
Büroturm „Italia“

6
Palazzo dei
Ricevimenti e dei
Congressi – Palazzo
der Empfänge und
Kongresse

1 2
3 7
Museo della Civiltá
Romana – Museum der
5 6
4 römischen Zivilisation

8 10 7
Nuovo Centro
congressi „La Nuvola“
– Neues Kongress-

9 zentrum „Die Wolke“

9
Archivio centrale dello
Stato – Staatliches
Zentralarchiv

10
Palazzo INAIL –
INAIL-Verwaltungssitz
(Sozialversicherungs-
träger)
O. M .
71

Es ist ein historisch belasteter Ort. Das ehemali-


ge Expo-Areal EUR in Rom war Mussolinis Vision
zum Jubiläum der Machtergreifung der Faschis-
ten. Es blieb unvollendet und wurde später mit
einfacher Moderne ergänzt. Jetzt wird eines sei-
ner wichtigsten Bauwerke an eine Modemarke
vermietet und löst damit eine Debatte aus: Wie
wollen die Italiener mit ihrem historischen Erbe
umgehen? Unser italienischer Autor begibt sich
auf Spurensuche.
72

9 (im Bildhintergrund) 10 (rechts)

7 (rechts im Bild) 8 (im Hintergrund)


Fragen 1 73

2 (rechts) 3 (in Bildmitte)

5 (rechts)
74 Fragen 1

6 (Bildmitte)

1
75

6 (Bildmitte)
76 Fragen 1

2 (rechts) 3 (links)

2 (rechts)
77
ten zu einem seiner Grundprinzipien erho- hier, dass die italienische faschistische Ar-
Text: ben hat, hätte das systematische Tilgen der chitektur im Gegensatz zu dem übertriebe-
Leonardo Lella eigenen Vergangenheit auf keinen Fall nen und bald abgewerteten Neoklassizis-
stattfinden können. So schwach die Begeis- mus der NS-Zeit neben den rhetorischen und
terung bei den Italienern war, sich im Krieg banalen Werken eines Piacentini – dem
zu engagieren, so gering war dort die Wut „italienischen Albert Speer“ – auch die be-
Fotos: auf die vergangene Diktatur: Man riss zwar merkenswerten Gebäude des Rationalis-
Hans-Christian Schink die auffälligeren Symbole des Faschismus mus der jüngeren Generation schuf.
ab und schloss Protagonisten des abge-
schafften Regimes aus der Politik aus, entwi- Das Gelände im Lauf der Zeit
ckelte aber neben den räumlichen Spuren
und Zeugen der Vergangenheit ein neues Der Palazzo della Civiltà Italiana vermittelt
demokratisches Leben. Die faschistischen nur ein unvollständiges Bild von dem für die
Gebäude wurden bald nicht mehr als belas- Weltausstellung von 1942 errichteten Stadt-
tet wahrgenommen und bedenkenlos wei- viertel, das von dem Architekten Marcello
tergenutzt. So ist es etwa noch möglich, im Piacentini geplant wurde. Das Prestigepro-

S
tolz und einsam steht der Bau auf seinem Hü-
„Foro Italico“, den monumentalen, von 1928
bis 1938 errichteten Sportstätten im Norden
Roms, den Mussolini gewidmeten Obelisk zu
sehen – was viele deutsche Touristen scho-
ckiert.
jekt für das zwanzigjährige Jubiläum der fa-
schistischen Machtergreifung blieb zum
größten Teil Papier: Der Kriegsausbruch
führte zur Absage der Veranstaltung, und
mit dem Ende des Faschismus einige Jahre
gel. Mit seiner imposanten Masse fällt er vie- Um die italienische Haltung zur faschisti- später wurde die Bautätigkeit eingestellt.
len Touristen auf, die vom Flughafen durch schen Vergangenheit zu verstehen, muss Ruinen und Statuen standen noch jahrelang
das Autofenster plötzlich dieses monumen- man in die örtliche Mentalität eintauchen: beziehungslos inmitten einer öden Land-
tale Stadttor vor sich haben. Fragen sie den Einerseits wollten die Italiener nach dem schaft – weit weg von der bewohnten Stadt
Taxifahrer, was das denn sei, kommt meist Ende der Diktatur das unbequeme Kapitel – und wurden bald zur metaphysischen Ku-
nur eine kurze Antwort: EUR. Den meisten ihrer Geschichte weder manipulieren noch lisse für Künstler und Regisseure: eine Art ge-
reicht das. Nur sehr wenige werden das EUR- verbergen. Man wollte anders handeln als bautes De-Chirico-Bild.
Gelände während ihres Urlaubs besuchen. die Faschisten. Die hatten ihrerseits in ihrer
Es sei denn, sie sind ausgewiesene Architek- Verherrlichung des römischen Kaiserreichs
ten und Architekturkenner.
Der „Palazzo della Civiltà Italiana“ – der Pa-
last der italienischen Zivilisation – ist zu-
nächst einmal ein faschistischer Prachtbau.
Er steht allerdings für sehr viel mehr als nur
nicht davor zurückgeschreckt, Zeugnisse
des Mittelalters oder Barocks zu zerstören.
Auf der anderen Seite begriffen die Italie-
ner, dass es um die Bildung eines kritischen
Bewusstseins angesichts ihrer Vergangen-
I
n den 50er Jahren entschieden sich die Rö-
den Größenwahn Benito Mussolinis. Mit sei- heit geht, das in den neuen demokratischen mer gegen einen klaren Bruch mit der da-
ner bewegten Geschichte ist er ein Fanal im Institutionen gefördert werden sollte. Ein maligen Planung. Die unvollendeten Ge-
Umgang Italiens mit dem Erbe seiner zwan- bloßes Gebäude konnte also keine alten bäude – unter anderem auch der Palazzo
zigjährigen Diktatur. Die Auseinanderset- Idole wieder aufleben lassen. Schließlich della Civiltà Italiana – wurden nach den Ori-
zung mit ihren Spuren war in der Nach- hätte der Abriss auch viel gekostet in einem ginalplänen fertiggestellt und das gesamte
kriegszeit probmelatisch – und ist es, nach Land, das eben durch den Krieg verwüstet Quartier mit Neubauten komplettiert. Trotz
all den Jahrzehnten, auch noch heute. worden war. Ganz pragmatisch, ganz un- großer Anstrengungen, den neuen EUR-
problematisch, sehr italienisch. Stadtteil zu integrieren, lief es nie ganz rund
Zwei Kulturen, zwei Haltungen für den Ort mitsamt seiner missglückten
Gründung. In der Nachkriegszeit hätte er als
Vor zwei Jahren hat der italienische Regis-
seur Giulio Ricciarelli dem Umgang mit dem
Faschismus-Erbe seinen letzten Film gewid-
met – allerdings mit Fokus Deutschland. „Im
Labyrinth des Schweigens“ erzählt von ei-
N
ichtsdestotrotz weigerten sich Architekten
durchgrüntes Geschäftsviertel und bürgerli-
ches Wohngebiet der Hauptstadt der neuen
italienischen Republik dienen sollen. Aber
die etwa zehn Kilometer Entfernung zur his-
torischen Altstadt und seine überdimensio-
nem jungen deutschen Staatsanwalt, der zu und Bauhistoriker der Nachkriegszeit lange, nierten Straßen gefielen nie wirklich. Als die
Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders den faschistischen Bauwerken eine gewisse Bautätigkeiten abgeschlossen waren, hat
gegen das Vergessen und Verschweigen in Schönheit zuzuerkennen. Das Kino war das man den Stadtteil als fremde, wenn auch
seinem Land kämpft. Mithilfe glänzender erste Medium, das den Wert dieser impo- faszinierende Insel in der Stadt wahrgenom-
Glasfassaden, 50-Jahre-Autos und hoch- santen Stadtkulisse wiederentdeckte. Fellini men. Die wichtigsten Kunst- und Architek-
toupierter Frisuren zeichnet Ricciarelli ein und Antonioni zeigten als Erste die Ästhetik turhistoriker der Nachkriegszeit – Zevi, Ar-
Land, das sich nur eines wünscht: vergessen, der strengen, Travertin-verkleideten Bau- gan und Tafuri –, die die Fachdebatte jahre-
nicht wissen. Da die meisten architektoni- körper, und bald wurde neben dem schon l a n g u nw i d e r s p ro ch e n b e h e r r sch t e n,
schen Spuren der brutalen Diktatur ver- geschätzten Mailänder Rationalismus von brandmarkteten das EUR und besonderes
schwunden waren, konnten oder wollten Terragni oder Pagano auch den römischen den Palazzo als künstlich und vulgär.
die Menschen im Land Adenauers – der den Werken von Libera und Ridolfi architektoni-
Wunsch seines Volkes nur zu gut kannte – die sche Qualität zuerkannt. Als Beispiel sei hier Der Palazzo
Augen verschließen und ehemalige Amts- nur das bekannte „Casa del Fascio“ in Como
träger im Nationalsozialismus bedenkenlos erwähnt – das „Haus des Liktorenbündels“ –, Im Spannungsfeld zwischen dem konserva-
eingliedern. Als ob nichts geschehen wäre. das auch nach dem Krieg hochgelobt und tiven Neoklassizismus von Piacentini und
Das ging in Italien so nicht. In einem Land, trotz seines politisch unkorrekten Namens dem Rationalismus der jüngeren Generati-
das das Bewahren der historischen Schich- nicht umbenannt wurde. Entscheidend ist on stellt der Palazzo einen interessanten

WEITER
78
Kompromiss zwischen der vom Regime ge- moderne Architektur als Kulisse für ihre Wer- einem Jahr eröffnet werden und die Attrak-
wünschten Monumentalität und einer mo- bekampagnen, und gleichzeitig haben sie tivität der Stadt für Messen und internationa-
dernen Nüchternheit dar. Bald wurde er zum ihre Marken mit großen internationalen Ar- le Kongresse steigern. Allerdings haben sich
bekanntesten Bauwerk des Quartiers, sogar chitekten verbunden – nicht zuletzt Kool- die Baukosten in wenigen Jahren verdop-
zur Ikone der faschistischen Architektur. haas selbst. Das jüngste Beispiel in der Stadt pelt, und der Glaswürfel sieht schon jetzt wie
ist an der Piazza di Spagna zu finden: ein eine egozentrische Star-Architektur aus, die
neuer zweigeschossiger, von David Chip- inklusive ihrer Stahlknäuel-Wolke, dem Kon-

T
eils wegen seiner fragwürdigen politischen
perfield entworfener Laden für die Marke
Valentino.
In Italien haben die reichen Modekonzerne
eine führende Rolle in der Förderung der
Kunst- und Architekturszene übernommen.
gresssaal, herzlich wenig mit dem komple-
xen historischen Kontext zu tun hat. Zum jet-
zigen Zeitpunkt ist es aber für eine abschlie-
ßende Beurteilung noch zu früh.

Bedeutung, teils wegen seiner riesigen Räu- Staatliche Stellen können sich diese seit
me stand das Gebäude nach einer ersten
Nutzung für Büros jahrelang leer. Sporadisch
diente es für Veranstaltungen oder als Film-
set. Dies verstärkte die öffentliche Wahrneh-
mung einer zeitlosen Ikone, die mit der Stadt
Jahren nicht mehr leisten. Vor allem in Rom,
das letztes Jahr einen der größten Korrupti-
onsskandale der Nachkriegszeit erlebte, fi-
nanzieren fast nur noch private Unterneh-
mer (zuallererst die römischen Marken Fen-
D
och zurück zum Palazzo selbst. Zwar ist das
nichts zu tun hat. Nun aber, 63 Jahre nach di und Bulgari) die Restaurierungen des un- bekannteste EUR-Symbol nun nicht mehr
seiner Fertigstellung, rückt der Palazzo della endlichen künstlerischen und kulturellen ganz öffentlich, das Erdgeschoss aber ist
Civiltà Italiana wieder ins Bewusstsein und Erbes der Stadt. Fendi selbst hat etwa die nach vielen Jahren wieder für Römer und
löst eine heftige Debatte aus. Der Grund: eben fertiggestellte Instandsetzung des Tre- Touristen zugänglich. Die Eröffnungsausstel-
Das in Rom gegründete Modeunternehmen vi-Brunnens finanziert und den französi- lung thematisiert die Rezeption des Gebäu-
Fendi hat das gesamte Gebäude für 15 Jah- schen Architekten Jean Nouvel mit dem Sitz des und des Quartiers in Kunst, Architektur,
re von der Stadt gemietet, es umgebaut und einer Stiftung für zeitgenössische Kunst in Film und Fotografie. Sie macht das Bauwerk
dort seinen Hauptsitz eingerichtet. der Stadtmitte beauftragt. Nach dem Vor- zum Hauptgebäude und Schaufenster des
bild der Stiftungen von Prada, Cartier oder Viertels.
Fendi übernimmt den Palast Luis Vuitton folgt Rom damit einem Mailän- Fazit: Der Palazzo della Civiltà Italiana ist
der und Pariser Modetrend – auch um hinter wieder einmal Zeugnis der italinienischen
Der Modekonzern hatte schon öfter den Ar- diesen Städten nicht zurückzustehen. Ob Haltung zu Leben, Politik, Erinnerung und
chitekten Marco Costanzi für seine Laden- dieser angebliche Bürgersinn der Unterneh- Kultur. Er bezeugt aber auch die zunehmen-
einbauten beauftragt. Er übernahm jetzt men zur Rettung des kulturellen Erbes nur de Kraft der Privaten in den globalisierten
auch die Planung für die sechs Geschosse ein moralisches Trostpflaster für die ver- Städten unseres Jahrhunderts. Und wie im-
des Palazzo, mit einem öffentlichen Ausstel- schwenderische Luxusbranche ist, sei dahin mer üblicher in Italien, ist die Mode wieder
lungsraum im Erdgeschoss und Büros und gestellt. Sicher ist, dass die Kommerzialisie- einmal die Triebfeder.
Atelierräumen für die Designer des Modela- rung eines solch bedeutsamen Gebäudes
bels in den Obergeschossen. In den Räu- eine Neuheit in Italien bildet.
men des (denkmalgeschützten) Bauwerks
dominieren nun schwarz glänzende Einbau-
ten, die nicht mit dem wertvollen Naturstein
des Originals harmonieren. Von außen aus
ist die neue Ausstattung glücklicherweise
nicht zu sehen. Jedoch verstärkt die neue
Beleuchtung die Monumentalität der Fassa-
I
n den letzten Jahren haben mehr und mehr
de und der Arkaden. Architekten die Beschränkungen der staat-
Da das Gebäude nach ihrer ursprünglichen lichen Denkmalpflege für einen „sachge-
Nutzung die italienische Zivilisation von der rechten Umgang“ mit den Bauwerken als
Römerzeit zur Modernität repräsentieren „Invest i t ionshemmnis“ bezeichnet. Sie
sollte, respektiere – so der Architekt – die wünschten sich mehr Freiheiten. Auf der Ge-
neue Nutzung als Hauptsitz einer der welt- genseite kämpfen die Denkmalämter ge-
bekannten „Made in Italy“-Marken die ori- gen die neoliberale Umdeutung des Staats
ginale Planung. Das Problem: Die Mode- als Dienstleister, in die die privaten Akteure
marke macht sich so natürlich indirekt eine die kommunalen Einrichtungen ihrer Mei-
Idee der Faschisten zu eigen. Es stellt sich nung nach verwandeln möchten.
also die Frage, ob diese Umnutzung tat-
sächlich den schöpferischen Geist Italiens Verdeckte Finanzierung
zelebriert – oder ob auf diese Weise nicht
vielmehr ein schwieriges Symbol bemäntelt Die private Nutzung des Palazzo della Civil-
und durch die Kommerzialisierung banali- tà Italiana hat übrigens noch ein anderes
siert wird. Ziel: Die Jahresmiete samt dem Verkauf an-
Dennoch stößt Fendi hier unfreiwillig einen derer öffentlicher Gebäude im Quartier
spannenden architektonischen Diskurs an. wird zur Deckung der Baukosten des seit
Seit Längerem schon hat sich Rem Koolhaas‘ acht Jahren im Bau befindlichen neuen Kon-
Definition vom Shopping als letzter Form öf- gresszentrums von Massimiliano Fuksas ge-
fentlicher Betätigung durchgesetzt. Viele braucht. Die sogenannte „Nuvola“ – die
Modeunternehmen nutzen inzwischen die „Wolke“ – soll samt einem Luxushotelturm in
Fragen 1 79
Der Palazzo della
Civiltà Italiana ist ein
Entwurf der Architek-
ten Ernesto Bruno
La Padula, Giovanni
Guerrini und Mario
Romano, wurde zwi-
schen 1938 bis 1943
erbaut und nach dem
Krieg vollendet.
Angeblich entspricht
die Anzahl der sechs
und neun Rundbogen-
arkaden senkrecht
dem Namen Benito
und waagerecht
Mussolini. Das Mode-
Label Fendi hat sich
nun im Erdgeschoss
eine Ausstellung ein-
gerichtet und in den
Obergeschossen
Ateliers, Büros, Kantine
und Konferenzräume.
FOTOS: FE NDI; UNTE N RECHTS UND LINKS: ANDREA JE MOLO
80
Auf dem EUR-Gelände
wird das Kongresszen-
trum von Massimiliano
Fuksas gebaut. In dem
Glaswürfel dehnt sich
eine freie Stahlskulptur
aus, in der das große
Auditorium Platz findet.
Unten: rechts im Bild
das ebenfalls gläserne
Luxushotel für die Kon-
gressgäste

FOTOS: E UR S.P. A .; OBE N: ANDREA JE MOLO


Fragen 1 81

„Partys auf dem Denkmal“

Zum Thema EUR und dem Umgang mit dem Erbe der Diktatur
befragten wir den Bauhistoriker Giorgio Muratore. Er ist Pro-
fessor für Architekturgeschichte an der römischen Universität
La Sapienza und hat über die EUR und die Architektur des
Faschismus in Rom mehrere Publikationen verfasst.

BAUMEISTER: Der einflussreiche Architekturhistoriker haltung von Denkmälern im Stadtbild zu stärken. Das
Bruno Zevi, dessen Schüler Sie waren, brandmarkte bedeutet aber nicht, dass man die Vermietung öffent-
den Palazzo della Civiltà Italiana als scheußlich und licher Denkmäler für Modenschauen oder kommerzi-
rückständig. Wie beurteilen Sie das Bauwerk so viele elle Showrooms rechtfertigen kann. Italien hat derzeit
Jahre nach dem Ende des Faschismus, und welche Be- viele finanzielle Probleme, die so nicht gelöst werden
deutung hat es für die Stadt und die italienische Archi- können. Ich möchte darauf hinweisen, dass die realen
tekturgeschichte? Kosten für die Grundmauerfestigung des Gebäudes
G I O R G I O M U R A T O R E : Der Palazzo della Civiltà Italia- vom Staat übernommen worden sind. Der Sponsor hat
na ist sicherlich das bedeutendste moderne Denkmal tatsächlich nur für den völlig geschmacklosen Innen-
der Stadt. Schon vor seiner Fertigstellung stand es un- ausbau gezahlt, kurz, um dekadente und vulgäre Par-
ter einem schlechten Stern, aber es hat sich in den tys auf der Dachterrasse zu veranstalten. Wurde schon
letzten Jahren unauslöschlich als Bestandteil der römi- jemals die Dachterrasse des Arc de Triomphe in Paris
schen Kulturlandschaft etabliert. Bruno Zevi und seine für private Veranstaltungen vermietet?
Kollegen haben zeitlebens seinen Abriss gefordert,
aber natürlich je mehr die Zeit vergeht, desto unver- B : Wie sehen Sie den Umgang der italienischen Ge-
zichtbarer wird dieses Symbol für die Selbstvergewis- sellschaft mit dem architektonischen Diktatur-Erbe?
serung des zeitgenössischen Roms. Das Bauwerk ist in G M : Der nachvollziehbare Versuch, die faschistische
diesem Sinne ein römischer Eiffelturm geworden, eine Vergangenheit zu tilgen, fand nur während einer ers-
Ikone der Stadtlandschaft. Zusammen mit der nahe ten kurzen Phase statt. In Italien zeigt die Architektur
gelegenen Basilika St. Peter und Paul sollte es als seit jeher die Schichten früherer Zeiten, und ich glau-
Zeugnis der zweifachen ruhmreichen Vergangenheit be, dass sich heute über 50 Jahre nach dem Ende des
– des römischen Kaiserreichs und des Christentums – Faschismus der Umgang mit der Diktatur vollkommen
dienen und die Gründung des neuen kolonialen Kai- normalisiert hat, und somit ist die Inschrift „Mussolini“
serreichs von Mussolini legitimieren. Das Projekt war auf einem Obelisken keinem Menschen ein Ärgernis.
also Teil eines bestimmten politischen Festprogramms Diesbezüglich erzähle ich immer, wenn ich nach die-
und von daher wichtiger als historisches und kulturel- sem Obelisken gefragt werde, dass das faschistische
les als ein architektonisches Zeugnis, wie ich glaube. Denkmal von den Amerikanern gerettet worden ist,
die nach dem Krieg das Gelände als ihr römisches
B : Wie beurteilen Sie die Vermietung dieses Bauwerks Hauptquartier ausgewählt hatten. Die Italiener haben
an einen privaten Konzern? schließlich eine wesentlich andere Beziehung zu ihrer
G M : Das war ein rücksichtsloses, heimliches Vorge- Vergangenheit als die Deutschen. Das Problem mit
hen. Nirgendwo in der Welt hätte man zugelassen, dem nationalsozialistischen E rbe scheint mi r in
dass man so ein Gebäude einer Marke überlässt. Dies Deutschland noch nicht gelöst, vor allem angesichts
entlarvt eine Zeit politisch unzivilisierter und unkon- des bundesweit wachsenden Erfolgs rechtsextremer
trollierter Verwaltung des öffentlichen Haushalts. Fen- Gruppen. Für Italien ist der Faschismus ein vollständig
di hat Rom als kommerzielles Symbol seiner Marke geschlossenes Kapitel. Natürlich gibt es einige unbe-
ausgewählt; von daher ist es erklärlich, dass sie Inter- lehrbare Nostalgiker, die aber keine Rolle mehr in der
esse haben, ihre Marke durch Finanzierungen der Er- Gesellschaft spielen.

Das Gespräch führte Leonardo Lella


82 Fragen 2
Eine epochale Aufgabe! Zehn Hektar Kern-
stadt wollen gestaltet werden, das Herz der
Stadt zwischen Rathaus, Schloss und Mari-
enkirche. Mehr Fläche als die Rekonstrukti-
on des Neumarkts in Dresden, zehn Mal so
viel wie das neu-alt-neue Quartier am Dom
zu Frankfurt am Main. Der Diskussionsmara-

Binnenalster thon in Berlin ist in vollem Gang. Und ähnlich


wie in Frankfurt werden Grundsatzdebatten
geführt.
oder Erstaunlicherweise sind die ewig Morgigen
mit ihren Hochhausfantasien hier nicht ver-
Rockefeller-Center t reten. Offenbar macht das krachende
Scheitern der Hochhauspläne am benach-
in Berlins barten Alexanderplatz mutlos (selbst ein
Gehry ließ sich am Alex nicht verkaufen).
Stadtmitte Aber es gibt die strengen Geschichtsdog-
matiker, für die die kriegsbedingte Leere,
gerahmt von DDR-Plattenbauästhetik, Folge
einer Stadthistorie ist, die wie ein gottge-
wolltes Schicksal zu tragen ist, und sei sie
? funktional und ästhetisch noch so prekär.
Vor allem ist die melancholische Atmo-
sphäre, die sich in dieser Leere ausbreitet,
alles andere als urban. Die Senatsbaudirek-
torin Regula Lüscher hingegen gehört zu de-
ren Sympathisanten und findet die ge-
schichtlichen Brüche „anregend“.
Grundsätzlich gegen eine Bebauung des
zentralen Areals argumentieren auch viele
Bürger, die sich eine Art Central Park wün-
schen oder die sich reflexhaft gegen eine
Privatisierung der Grundstücke stellen und
für die öffentlicher Raum über alles geht.
Und es gibt auf der anderen Seite die „Ge-
sellschaft Historisches Berlin“ (GHB), deren
Anhänger jedem mit Fassungslosigkeit be-
gegnen, der eine 1:1-Rekonstruktion der
Vorkriegsaltstadt nicht bezaubernd, erstre-
benswert und alternativlos findet.
Beim Schloss, dessen Wiederaufbau sie im-
merhin erreichen konnten, mussten sie noch
herbe Rückschläge wegstecken, ist dessen
rationalistisch-öde Ostfassade doch das
Gegenteil der nostalgischen Wohlfühlkulis-
se, die sie wiederhaben wollten – zu schwei-
gen vom Inhalt des Schlosses, das keines-
wegs wilhelminische Preußenglorie, son-
dern als „Humboldt-Forum“ weltkulturelle
Multikulti-Bewusstseinsbildung fördern soll.
So bringen sie ihre Geschütze frühzeitig in
Stellung, versuchen wieder das Bildermono-
pol zu erringen, was beim Schloss so erfolg-
reich war. Nun also das Rathausforum und
Der Senat von Berlin hat das Quartier um die Marienkirche in den
bunten Bildern einer Broschüre der GHB. Zu
sich mit dem Bürgerdialog sehen ist der Neue Markt, ein adretter, wil-
helminisierender Stadtplatz mit Rabatten

zur Neugestaltung der und Lutherdenkmal im Zentrum, umringt von


neobarocken Häusern mit Mansarddach

Stadtmitte keinen Gefallen sowie Geschäftshäusern im „traditionalisti-


LUF TFOTO: DIRK L AUBNE R

schen Stil“ (so nennt man in Berlin „zeitge-


nössische“ Architektur undefinierbarer Epo-
getan. chenzuschreibung, die eben irgendwie alt
aussieht und deswegen altstadtkonform zu
sein verspricht). Und damit das prächtige
Schaubild postkartenmäßig überzeugt, bril-
83
Bürgern und Experten, Planern und Histori- sungen für die Ordnung und Gestaltung
Text: kern, Anwohnern und Touristen sollen ge- konkretisieren sollen. Erfahrene Beobachter
Falk Jaeger sammelt werden. Als gemeinsame Ent- freilich wissen, die Architekten werden die
scheidungsvorbereitung für Politik, Verwal- Bürgerleitlinien nicht lesen, werden noch-
tung und Bürgerschaft sollte das Ergebnis mals ganz von vorn anfangen und von der
dem Abgeordnetenhaus demnächst als Binnenalster- bis zur Rockefeller-Center-
„Bürgerleitlinien“ vorgelegt werden. Ein Do- Lösung die vielfältigsten Vorschläge ma-
kument, das es nun den Parlamentariern chen – ganz so, als sei vorher gar nichts ge-
ganz einfach machen wird, über die künfti- wesen.
ge Struktur und Nutzung des Areals zu ent- Noch ist die hintergründige Strategie des
scheiden. Denn die Bürger hatten – wie Senats nicht deutlich geworden – wenn es
überraschend – extrem unterschiedliche denn schon eine geben sollte. Zunächst
Ideen. Und da im basisdemokratisch orga- kann man alle auch noch so vehementen
nisier ten Ver fahren keiner übergangen Initiativen und populistischen Meinungsäu-
wird, sind da so geniale Geistesblitze wie ßerungen mit dem Argument des breiten
„Speaker‘s Corner“, „Gebäude in Buddy- Dialogs ins Leere laufen lassen. Freilich be-
liert die Simulation im Lichte einer strahlen- Bär-Form“, „Garten der Sinne“, „Amphithea- steht die Gefahr, dass die kakophonische
den Sonne. Sie scheint zu diesem edlen ter“, „Naturlehrpfad“, „Forum Wasser in Ber- Meinungsvielfalt zum Weißen Rauschen
Zweck ausnahmsweise exakt aus Norden… lin“ aufgelistet, die natürlich in jedem Fall im wird, vor dem die Entscheidungsträger die
Abgesehen von derlei historistischem und Brustton des Besitzes der absoluten Wahr- Ohren verschließen. Es muss gewährleistet
traditionalistischem Mummenschanz sind heit formuliert sind: „Wenn man ganz ratio- sein, dass nicht der Lauteste am meisten
viele Thesen der GHB durchaus mehrheitsfä- nal und nicht nach subjektivem ästheti- Gehör findet, dass alle Ideen objektiv be-
hig. Eine kleinteilige Bebauung im Wesentli- schen Empfinden geht, kann nur eine Frei- wertet und eingebracht werden. Dass vor
chen mit der Berliner Traufhöhe, schmale haltung des Freiraums in Betracht kom- allem die scheinbar einfachen, genialen
Straßen ohne Priorität des Straßenverkehrs men...“ Ideen, die sich plakativ und attraktiv prä-
und Plätze mit Aufenthaltsqualität wünscht Ein „Beteiligungsprozess mit höchsten An- sentieren (lassen), auf den Prüfstand der
sich die Mehrheit. Auch Bausenator Andre- sprüchen“ in der Tat, der eine professionelle komplexen städtebaulichen Anforderun-
as Geisel, der allerdings kein Anhänger ei- Prozesssteuerung allerhöchster Güte erfor- gen kommen.
ner historischen Rekonstruktion ist. Während dert. Die Partizipationsmoderatoren der Wer auch immer den Prozess mitverfolgt und
die Senatsbaudirektorin bislang eher hin- Agentur Zebralog haben diese Aufgabe zu beeinflussen versucht, sollte sich dafür
haltend agierte, beteuert er, die Bebauung übertragen bekommen. Sie entwickelten einsetzen, dass die bisher in Berlin gut ge-
der Stadtmitte samt Alexanderplatz und die Dialoginstrumente, organisieren regel- schmiert ablaufenden Automatismen ver-
Molkenmarkt jetzt zur Entscheidung bringen mäßige öffentliche Foren und bündeln und hindert werden. Als da sind Aufteilung des
zu wollen. bereiten die eingegangenen Vorschläge Areals durch ein belangloses, fantasieloses
Was die Sache nicht einfacher macht: Der und Meinungen auf. Straßenraster, Vergabe der Grundstücke in
Senat hatte heftig Prügel bezogen für seine Hilfreich ist das nicht, denn die meisten Teil- marktgängiger Größe an potente Devel-
Planungen für das Tempelhofer Flughafena- nehmer am Dialog lassen Überblick und oper, Genehmigung von Investitionsvorha-
real, die wohl zu wenig öffentlich kommuni- Sachverstand vermissen und sehen ihre Äu- ben mit „optimiertem“ Baurecht, maximaler
ziert worden sind. Die aufmüpfigen Tempel- ßerung nicht als einen von vielen Beiträgen Grundstücksausnutzung und minimalen
hofer und Kreuzberger hatten sich hinter- zu einem überaus komplexen Entwicklungs- Auflagen – wie es am Nordostende des Are-
gangen gefühlt, eine Volksabstimmung prozess mit vielfältigsten Einflüssen und Vor- als mit dem neuen „Alea“ bereits begonnen
hatte die Pläne hinweggefegt, mit dem Er- bedingungen, sondern als einzig plausible hat. Läuft in Berlin. Für alles andere muss
gebnis, dass auf dem weiten Flugfeld über- und logische zwingende Lösung des Prob- man kämpfen.
haupt nichts gebaut werden darf. Neuer- lems. Buddy-Bär, basta! Das macht es den Zum Beispiel dafür, dass zuerst einmal die
dings kämpfen die Verteidiger der „Tempel- Verantwortlichen umso leichter, auf der Umgestaltung der Freiflächen um Marien-
hofer Freiheit“ gar gegen temporäre Flücht- Schiene ihrer schon immer gepflegten Mei- kirche und Fernsehturm gestoppt werden.
lingsunterkünfte auf dem einstigen Rollfeld. nung fortzufahren. Entsprechend autonom Der Unsinn hat nicht mal Methode. Der
Ein solches Desaster für die Stadtoberen soll werden von den schon immer mit der Stadt- Grund ist schlicht der, dass hier irgendwann
sich nicht wiederholen. Doch nun, so der entwicklung Betrauten die Beschlussvorla- einmal Fördergelder des Bundes beantragt
Eindruck, wird eher zu viel kommuniziert. gen erarbeitet. Zur Legitimation kann man worden waren, und die müssen nun ausge-
Das Bürgerforum Berlin e.V. führt eine „Pla- sich jeweils passende Bürgerrichtlinien her- geben werden. Was wiederum eine Verän-
nungsgruppe Stadtkern“ ins Feld und hat auspicken. derungssperre und damit ein Bauverbot von
sich mit der Hermann-Henselmann-Stiftung Auch die Planungsgruppe Stadtkern als Zu- 15 Jahren nach sich zieht. Demnach hätte
und der Stiftung Zukunft Berlin zusammen- sammenschluss von Historikern und Planern Senator Andreas Geisel für sein Dialogver-
getan. Ein „Kuratorium Berlin Mitte“ mit Poli- kann mit der Bürgerbefragung wenig anfan- fahren anderthalb Jahrzehnte Zeit. Ob das
tikern und angeblichen „Vertretern der Zivil- gen, weil es schlicht an Sachverstand fehlt. der Plan ist?
gesellschaft“ soll den Planungsvorberei- Die Mitte zu planen, sei „kein Laienprozess“,
tungsprozess steuern. Ein umfassendes Dia- und die Entscheidungshoheit müsse bei der
logver fahren ist angelaufen. Es werden Politik bleiben. Sie plädiert für eine Neuauf-
Foren veranstaltet und Dialogformate ent- lage des Stadtforums, eines periodischen
wickelt, Bürger-Werkstätten und Kolloquien, Fachkolloquiums, wie es Senator Volker
damit alle Ideen öffentlich präsentiert und Hassemer nach der Wende etabliert hatte,
diskutiert werden können. Das Internetfo- zur Entscheidungsvorbereitung für die poli-
rum stadtdebatte.berlin.de wurde einge- tischen Gremien und das Parlament.
richtet, auf dem schon über 700 Einträge Der offizielle Fahrplan sieht nun ein Votum
und einige Tausend Kommentare einge- des Parlaments vor. Sodann sind Städtebau-
gangen sind. Die Ideen und Wünsche von und Architekturbewerbe geplant, die Lö-
84 Architektur und Management

Was bringt
das neue
Vergaberecht

Der Bundestag hat Ende Februar die Modernisierung für „Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen“
des Vergaberechts beschlossen und nennt die neue und richtete sich an alle Freiberufler in Deutschland.
Verordnung „VergRModVO“. Was sich liest wie ein Viele Branchenbeteiligte lehnen es ab, dass die VOF in
Passwort für einen Online-Account, bezeichnet die die VgV eingegliedert wurde. Diejenigen Architekten
„Vergaberechtsmodernisierungsverordnung“. Was und Ingenieure, für die die VOF bisher ihre Bibel war,
kommt auf die Freiberufler zu? müssen sich also fortan mit wenigen Abschnitten in der
Vergabeverordnung zufriedengeben.
Mit dem Vergaberecht kommen jene Architekten in Inhaltlich betraf ein Hauptkritikpunkt der Verord-
Berührung, die an öffentlichen Ausschreibungen teil- nungsgegner die Planungswettbewerbe. Die Wettbe-
nehmen und sich beispielsweise um den Bau einer werbsinitiative e.V. sah beispielsweise keinerlei Hin-
Schule oder eines Krankenhauses bewerben möchten. weise darauf, dass die neue VgV jungen Büros eine
Die Europäische Kommission schickte sich 2014 an, Chance gebe. Solange Planungswettbewerbe nicht
das Vergabewesen in den europäischen Ländern zu zum Regelfall würden, würden kleine Architekturbüros
vereinheitlichen, die Bundesregierung setzt diese Vor- nie zum Zuge kommen. Architektenanwalt Schweer
gaben nun in deutsche Gesetze um. Doch die neue sieht die Sache bei Weitem nicht so düster. „Das Inter-
Vergabeverordnung (VgV), wie sie nun verabschiedet essanteste an der neuen Verordnung ist wohl die Stär-
wurde, stellt die Branchenbeteiligten ganz und gar kung des Planungswettbewerbs. Der Deutsche Gesetz-
nicht zufrieden. Formulierungsvorschläge und inhaltli- geber möchte den öffentlichen Auftraggeber offen-
che Kritik, vorgebracht von Kammern, Verbänden und sichtlich dazu anhalten, diesen häufiger durchzufüh-
Architekten, fanden kaum Beachtung. ren“, sagt Schweer. „Die Aufwertung spiegelt sich darin
wieder, dass ausdrücklich vorgeschrieben ist, stets die
Planungswettbewerbe als einzige Chance Durchführung des Planungswettbewerbs zu prüfen.“
für junge Büros Der Auftraggeber ist also künftig dazu verpflichtet, in
jedem Fall zu sondieren, ob der Planungswettbewerb
„Um mit einer formalen Änderung zu beginnen: Die eine gute Idee sei. Er hat dann zwei Möglichkeiten:
VOF gibt es nicht mehr. Sie geht in der neuen Vergabe- Entweder er entscheidet sich für ein Verhandlungsver-
ordnung auf“, sagt Carl-Stephan Schweer, Rechtsan- fahren mit Planungswettbewerb, oder er führt die Ver-
walt und Partner in der Berliner Kanzlei Raue. VOF steht handlungen ohne Planungswettbewerb durch.

Text: Désirée Balthasar


85

Verhandlungsverfahren mit oder ohne daran nichts geändert. „In der VgV selbst steht nichts
Planungswettbewerb davon, diesen Zeitraum zu verlängern, obwohl sich die
baukulturelle Bedeutung und Qualität eines Bauwerks
Volker Schnepel, Leiter der Rechtsabteilung der Bun- erst nach Jahren zeigen kann“, sagt BAK-Justiziar
desarchitektenkammer, weist darauf hin, dass „etwas Schnepel. „Immerhin wird in der Begründung gesagt,
prüfen“ natürlich nicht gleichzusetzen sei mit „zu et- dass sich bei Planungsleistungen die Einräumung ei-
was verpflichtet sein“. Wer keine Extrajury zusammen- nes längeren Zeitraums anbietet.“ Öffentlichen Auf-
stellen und keine Sieger küren möchte, der kommt traggebern wird also empfohlen, bei Planungsleistun-
eben nach seiner Prüfung zu dem Ergebnis, dass ein gen von Architekten einen längeren Zeitraum zu wäh-
Planungswettbewerb für diese Ausschreibung nicht in- len. Jedoch nur im Begründungstext, nicht in der Ver-
frage kommt. Die BAK begrüßt zwar die Hervorhebung ordnung selbst. Verbindlichkeit sieht anders aus.
des Planungswettbewerbs. Doch sind ihr die Neuerun-
gen bei Weitem nicht gut genug. Laut der BAK sind nur Nur nichts falsch machen!
minimale Änderungen durchgegangen, doch längst
nicht alles, was sie gefordert hätte. Ob die neuen Richtlinien die Vergabepraxis bei öffent-
Immerhin hat man bei der BAK die vage Hoffnung, dass lichen Planungsaufträgen tatsächlich ändern und den
kleinere Architektenbüros doch bessere Chancen be- Jungen eine Chance gehen, bleibt also abzuwarten.
kommen würden. „Wenn öffentliche Auftraggeber Anwalt Schweer rät jungen Architekten: „Bei offenen
künftig immer prüfen müssen, ob im Rahmen eines Verfahren, also einem Angebotsverfahren, sollte man
Vergabeverfahrens auch ein Planungswettbewerb eine ungeheure Sorgfalt auf das Angebot verwenden.
durchgeführt werden soll, könnte das zumindest etwas Denn anders als bei Verhandlungsverfahren gibt es

Diese Kolumne wird unterstützt vom ifo-Institut.


die Chance erhöhen, dass dieser tatsächlich öfters hier keine zweite Runde.“ Also: Besser alles im Detail
stattfindet.“ durchdenken und auch nicht in kleinen Einzelheiten
Dabei ist es nicht unbedingt böser Wille der Auftragge- abweichen. Ansonsten droht der Ausschluss.
ber, es kleinen Büros so schwer zu machen. „Manche „Sich sehr gut informieren, das würde ich empfehlen“,
scheuen den Anfangsaufwand und möchten sich nicht sagt BAK-Justiziar Schnepel. Vor allem diejenigen, die
dem vermeintlichen Verdikt einer Fachjury aussetzen, sich keine anwaltliche Beratung holen möchten, soll-
obwohl ohne den Bauherrn natürlich nichts geht“, er- ten wissen, wie in einem Vergabeverfahren vorzuge-
zählt Schnepel. Bei manchen gilt hingegen die Devise: hen sei. Und man sollte sich durch die neue VgV arbei-
bloß keine Fehler machen. Es gibt öffentliche Auftrag- ten: „Die VOF erschien vielen anwenderfreundlicher
geber, die sich vom Gesetzgeber unter Druck gesetzt und transparenter, weil es sich um ein geschlossenes
fühlen, möglichst vergabesichere Verfahren durchzu- Regelwerk handelte. In der Struktur der neuen Verord-
führen. nung muss man sich hingegen erst zurechtfinden.
Aber immerhin enthält sie einen eigenen Abschnitt nur
Referenzen nicht identisch, sondern für Architekten und Ingenieure.“ Ein mickriges Trost-
vergleichbar pflaster.

Deshalb wurden in der Vergangenheit oftmals über-


trieben viele Referenzen von den teilnehmenden Ar-
chitekten eingefordert. Ein Punkt, den die Wettbe-
werbsinitiative schar f kritisier t hat. BAK-Justiziar
Schnepel weist auf eine leichte Verbesserung hin: „Im- Vergabeverordnung
merhin sieht die neue VgV vor, dass Referenzen nicht
mehr identisch sein müssen mit dem konkret geplan-
ten Projekt. Die Vergleichbarkeit reiche aus.“
Wenn also eine Schule ausgeschrieben sei, müsse man
vorher nicht zwingend schon mal eine Schule gebaut
haben. Architektenrechtler Schweer: „Man könnte in
diesem Fall auf eine Kindertagesstätte verweisen, die
man gebaut hat, oder auf ein Objekt, das größenmä- Relevante Punkte für Architekten:
ßig oder in anderer Hinsicht vergleichbar ist.“ Er fügt
hinzu: „Der Auftraggeber muss die Eignungskriterien Abschnitt 2 (Unterabschnitt 1)
so gestalten, dass kleinere Büroorganisationen und § 17 Verhandlungsverfahren
Berufsanfänger sich beteiligen können. Dass das ex- allgemein
plizit so benannt wird, finde ich bemerkenswert.“ § 18 Wettbewerblicher Dialog
Zusätzlich wurden große Architektenbüros bevorzugt, allgemein
weil bei Planungsleistungen Referenzen der letzten Abschnitt 5 § 69 – § 72 Planungswettbewerbe
drei Jahre verlangt wurden. Das konnten kleine Einhei- allgemein
ten natürlich kaum leisten. Trotz lauter Kritik hat sich Abschnitt 6 § 73 – § 80 Besondere Vorschriften
für Architekten & Ingenieure
Glasfaserbeton „Öko Skin“ von Rieder für
eine Schutzunterkunft in den slowenischen Alpen
87

21
Lösungen:
SEITE
88

Fassade
SEITE
96

News
+
SEITE
94
Qualitätsschmiede:
Artemide
FOTO: OF IS ARCHITE K TE N
88 Lösungen
Fassade

Es sind nicht nur


extreme Bedin-

1
gungen wie hier
im Bild in den
slowenischen
Alpen, die eine
gute Fassaden-
planung voraus-
setzen, sondern
besonders
die alltäglichen.
Speziell wenn
der gestalteri-
WWW.RIEDER.CC

sche Ansatz
komplexe For-
men vorsieht
und dabei den
hohen Anforde-
rungen an zum
Beispiel Barrie-
refreiheit,
Brandschutz und
Energieeffizienz
gerecht werden
muss, ist das
Bauen gegen
Tropfen und
Schimmeln im-
mer wieder der
Rede wert: wie
unser Schwer-
punkt „Fassade“
im Baumeister.
Schutzunterkunft in über 2.000 Metern Höhe

von In Kooperation mit Ofis Architekten unterstütze Rieder Studierende der Harvard Universität
bei Konzeption und Realisierung eines Biwaks auf 2.118 m Höhe in den slowenischen Alpen.
Melanie
FOTO: ANZE COKL

Die Hülle der Schutzunterkunft aus „Öko Skin“-Glasfaserbeton hat mit ihren leichtgewichti-

Seifert gen 13 mm dünnen Platten einen hohen Vorfertigungsgrad. Das war für eine schnelle Mon-
tage am Berg mittels Helikopter ausschlaggebend. Das Silbergrau der Fassade sowie ihre
natürliche Oberflächenhaptik fügt sich harmonisch in die karge Berglandschaft ein.
Fassade 89

Whitney Hall NYC

Renzo Piano realisierte


einen neunstöckigen

W W W . J O S E F - G A R T N E R . P E R M A S T E E L I S A G R O U P. C O M
2
Neubau mit unter-
schiedlich geneigten
Fassaden. Gartner
hat – weitgehend in
3D abgewickelt – die
Stahlbleche der
Gebäudeform ange-
passt und um die
Ecke gestülpt. Große
Öffnungen lassen für
die mehr als 21.000
Kunstwerke natürliches
Licht ins Innere. Die
6.500 m2 Fassade be-
steht aus Aluminium
mit vorgehängten
8 mm dicken Stahl-
blechen, die teilweise
gefräst, abgekantelt,
geschweißt und
lackiert wurden.

3
WWW.SOLARLUX.DE
FOTO OBE N: K ARIN JOBST; UNTE N: SOL ARLUX

Barrierefrei im Großformat

Das Schiebefenster „Cero“ ermöglicht Glasflächen bis zu 15 m2 – mit einer Rahmenkons-


truktion, die mit 34 mm gerade einmal so schmal wie zwei Finger ist. Besonders luxuriös: Die
vollverglaste, transparente Eck-Kante sowie die ebenerdig eingelassene Schienenführung
für barrierefreie Übergänge. Cero wurde innerhalb eines Jahres mit drei Designpreisen aus-
gezeichnet: mit dem iF Gold Award, dem Iconic Award Best of Best und mit dem German
Design Award in der Kategorie „Building and Elements“.
90
W W W.OK ALUX.DE Lösungen

4
Gestreutes Licht

Das Isolierglas „Kapilux W“ – mit integrierter durch Kapillarröhrchen gleichmäßig in den


weißer Kapillarplatte – sorgt im Wirtschafts- Raum gestreut. Das verbessert die Tiefen-

FOTOS DIE SE SE ITE OBE N: WOLFGANG THALE R; UNTE N: R ATHSCHECK SCHIE FE R; RECHTE SE ITE OBE N: KS-ORIGINAL / ME STE R; UNTE N: ARNDT KÖBE LIN
park Breitensee in Wien für Tageslicht in den ausleuchtung. Bei starker Sonneneinstrah-
roh belassenen loftartigen Innenräumen. lung reduziert das Glas Blendungseffekte,
Holodeck Architects aus Wien setzten die verhindert harte Schlagschatten und eignet
Neuordnung des Areals um. Tageslicht wird sich daher gut für Arbeitsplätze.

5
WWW.RATHSCHECK.DE

Nach den Regeln des Fachs

Für den Werkstoff Schiefer bietet Rathscheck


vier neue Deckar ten an: „dynamisch“,
„linear“, „unterlegt“ und „variabel“. Sie eig-
nen sich für Außenwandbekleidungen und
können nicht nur klassisch, sondern auch
mit dem Schieferkleber „FixSklent“ oder mit
den Schrauben „DrillSklent“ befestigt wer-
den. Merkmal der „unterlegten Deckung“
(rechts) sind glänzende Edelstahlbleche.
Fassade

WWW.KS-ORIGINAL .DE
VARIANT®
DAS UNIVERSELLE
BANDSYSTEM FÜR

6
OBJEKTTÜREN

Heller Klassiker

Die hellen Kalksandsteinfassaden von KS-Original gelten als Klassi-


ker im Sichtmauerwerksbau. Der Stein kann mit einer glatten Ober-
fläche wie auch mit einer bruchrauen oder bossierten Struktur
erstellt werden. Die bruchraue Variante schafft eine warme, raue
Sichtfläche. Bei den bossierten Steinen ist sie gewölbter und tritt
stärker hervor. Die Oberfläche bleibt unbehandelt oder wird mit
einem deckenden Anstrich bzw. einer farblosen Imprägnierung
versehen. Beide Arten vermindern die Feuchtigkeitsaufnahme des
Sichtmauerwerks bei Regen und Schlagregen und wirken auf diese
Weise einer Verschmutzung wirkungsvoll entgegen.

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Das Weingut Arndt Köbelin steht in der Kulturlandschaft des Kaiser-


stuhls. Dort entwarf Architekt Thomas Martin ein puristisches
Gebäude mit einer zurückhaltenden Formensprache und ange-
VARIANT® VX
passten Materialien. Den nach drei Seiten offenen Betriebshof ließ
gBelastungswerte bis 400 kg
Arndt Köbelin um einen in den Weinberg eingelassenen, unterirdi-
gkomfortable 3D Verstellung
schen 250 m2 großen Holzfasskeller sowie einen 550 m2 großen
gvielfältige Oberflächenvarianten
Betriebshallen-Anbau ergänzen. Verarbeitet wurden Eichenholz,
gfür Holz,- Stahl- und
verzinkter Stahl und Löss. Teilbereiche der Fassade wurden mit
Aluminiumzargen
natürlichen Hanf faserdämmplat ten von Caparol gedämmt.
Entscheidendes Kriterium für die Wahl dieses ökologischen Dämm-
stoffs war die positive Ökobilanz des natürlichen Rohstoffs.

www.simonswerk.de
92
WWW.BRILLUX.DE Lösungen

8
Plastische Wirkung

In das ehemalige Barockkloster Kartaus in Freiburg ist gewachsenes Bergdorf. Gestalterisch beschränkten
eine internationale Internatsschule eingezogen. Peter sich die Architekten auf wenige Mittel, die den Häusern
Kulka hat das sanierte Ensemble um ein Wohndorf für Plastizität verleihen: den groben, vertikal aufgebrach-
Schüler und Lehrer ergänzt, das behutsam in die Topo- ten Besenstrichputz in gedeckten Farben, die glatt
grafie einpasst wurde. Mithilfe des Farbkonzeptes geputzten Faschen und das Spiel der unterschiedlich
wirken die acht Schüler- und vier Lehrerhäuser wie ein großen Fenster.

9
Brandschutzbeständige Fassadenplatte
WWW.FUNDERMAX.DE

Die Themen Barrierefreiheit, Brandschutz


und Optik hatten für Architekt Johannes
Schallhammer beim Ent wur f der neuen
Mittelschule im Salzburger Stadtteil Liefe-
ring hohe Priorität. Für die hinterlüftete
Fassade entwickelte FunderMax den Werk-
FOTO OBE N LINKS: BRILLUX

stoff „M.look“. Er ist für das Erreichen des


Nied rigstenergiegebäude-Standa rds
ebenso geeignet wie für die Senkung der
Heizkosten um 75 % gegenüber dem alten
Gebäude. Weiter ist er kratzfest und vanda-
lismussicher.
Fassade 93

W W W.NBK TE RR ACOT TA .COM


10
Terracotta-Fassade

Das Hilton-Hotel „Double Tree“ in Moskau


liegt neben dem pittoresken Khimki-Reser-
voir, einem Stausee mit Hafen und Wasser-
sportmöglichkeiten, den die Gäste von
den Balkonen aus bewundern können. Im
Vergleich zum Hauptgebäude, das sich
entlang der Hauptstraße erstreckt, ist die
Architektur von Andrey Romanov (ADM
Architectural Studio, Moskau) an dieser Stel-
le lebhafter: Variierende Fensteröffnungen,
Terracotta-Fassaden in verschiedenen To-
nalitäten und orangefarbene Balkone sind
hineingesetzt in eine ruhige, begrünte Um-
gebung – gute Voraussetzungen, um den
hektischen Alltag zu vergessen.

DIE Datenbank für Ausschreibungstexte


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94 Lösungen

W W W. ARTE MIDE .DE

Leuchte „Empatia“

Made in Italy
Besuch bei Artemide

von Maike Burk


Qualitätsschmiede 95

Handwerk und LED

Artemide besitzt einen „Stressraum“. Nicht


für die Mitarbeiter – sondern für die Leuch-
ten. Alle Neuproduktionen der Firma wer-
den dort unter extremem Bedingungen
getestet: Künstliches Licht scheint non-stop
auf die Produkte; es entsteht eine enorme
Hitze in dem nur zehn Quadratmeter großen
Raum, in dem man es als Mensch nicht
lange aushält. Die Leuchte muss. Das Pro-
dukt, dem im Testlauf der Lack abfällt,
kommt nicht auf den Markt.
Der Testraum befindet sich im Artemide- eingekauft hat.“ Seit nun über 20 Jahren
Haupt werk in Pregnana, Mailand. Hier stellt Artemide hier Glasschirme her. Nicht
findet ein Gros der Produktionsprozesse wie nur für die eigene Firma, 40 Prozent der
Lasern, Fräsen, Bohren, Schleifen, Lackieren Produktion entstehen für andere italieni-
statt. Einzelteile werden dort gefertigt und sche Marken wie Foscarini. Von außen wirkt
zusammen mit extern gefertigten Teilen die etwas morbide Halle nicht gerade so, als
zusammengebaut. „Wir produzieren selbst würden hier jährlich 32.0 0 0 qualitative
die Flechtteile und die Halter – alles hier Glasleuchtenschirme geschmiedet.
im Werk. Das ist der Unterschied zu vielen Der Prozess des Glasformens ist beeindru-
anderen Unternehmen. Die Wer tschöp- ckend: Etwa sieben Teams arbeiten in der
fungskette reicht vom Rohmaterial bis zum heißen Schmiede, wo Glas bei bis zu 1.500
Ver t rieb“, erklär t Stef fen Sailinger, Ge- Grad Celsius geschmolzen wird (der Ofen
schäftsführer der Vertriebsgesellschaften läuft die ganze Nacht). Zeitgleich arbeiten
de r A r tem ide-G roup fü r Deut sch land, etwa sieben Teams an je einem Glasschirm
Österreich und der Schweiz. – immer angeführt von einem „Master“. Die
Die Fertigung in Eigenproduktion ist das anderen drei bis fünf Teammitglieder arbei- Die Leuchte „Empatia“
Steckenpferd der Firma – neben Italien ten diesem zu. Mit Hilfe einer Stahlpfeife vereint eine traditionelle
besitzt die Artemide-Group auch Firmen in entnimmt zum Beispiel der „Kölbelmacher“ Produktionsmethode
Ungarn und Frankreich. „In Italien entsteht eine kleine geschmolzene Glasmenge aus mit neuester LED-Technik.
das Design. So sind wir geboren: als Design- dem Kristallfarbofen und bearbeitet es mit Sie entsteht mit den
leuchtenhersteller“, erklärt Sailinger weiter. einem Holzwerkzeug, so dass eine Kugel Meistern der veneziani-
Die Basis der 1960 von Ernesto Gismondi geformt wird – genannt „Maiosso“. Dieser schen Glasbläserei –
gegründeten Firma ist das Handwerk – bis Prozess wird zweimal wiederholt. Für die Glas und Transparenz
heute ist sie traditionellen Produktionsme- letzte Runde ist dann der Master verantwort- sind so abgestimmt, dass
thoden treu geblieben. Technische Fort- lich: Nur er darf der Glasschmelze die richti- das Licht gleichzeitig
schritte passierten über die Jahrzehnte ge Menge Sauerstoff verpassen, so dass reflektiert und verteilt
durch Firmeneinkäufe. Daher finden techni- sie sich in einer vorgegebenen Holz- oder wird, ohne zu blenden
sche Entwicklungen – Stichwort LED – bei- Metallform gleichmäßig ausdehnt. und ohne an Leuchtkraft
spielsweise in Frankreich statt. Artemide Über diesen Produktionsprozess ist es mög- zu verlieren. Die leis-
kaufte dort einen der renommiertesten fran- lich, Großauft räge und kleinere Stück- tungsstarke LED-Licht-
zösischen Leuchtenhersteller: Megalith. zahlen gleicher Qualität in Handarbeit ab- technik ist zugunsten der
Um die 40 Firmen sind es, die mittlerweile zur zuwickeln – 32.000 Artikel pro Jahr made in Wärme- und Lichtleistung
Artemide-Group gehören. Darunter auch Italy. Die fertigen Glasteile kommen dann vom Leuchtkörper aus
die Glasbläserei Vetrofond – die größte ins Hauptwerk, wo sie mit den anderen Teil- Glas entkoppelt.
Italiens. Sie befindet sich in der Nähe von stücken zu einer Designleuchte zusammen-
Venedig. Auch diese Firma ein Zukauf: „Die gebaut werden. Neueste Errungenschaft
Glasfabrik gehört Artemide, die Hauptan- dort ist im Übrigen das seit zwei Jahren
teile liegen bei uns – aber der alte Eigen- betriebene Hochregallager, welches über
tümer ist immer noch Miteigentümer. So ist Roboter gesteuert die Handwerksarbeit
das bei ganz vielen Firmen, die Artemide vertreibt.
96 Lösungen
News

Multitasking

WWW.SCHREDER.COM
soll out sein? Zu
schade! Denn
alleine im April
stehen viele
interessante
Ereignisse ins
Haus: die Mai-
länder Möbel-
messe (12. bis
17.4.), die Expo
2016 in Antalya
(ab 23.4.) oder
die IFH/Intherm
in Nürnberg
(5. bis 8.4.).
Unsere News
sind auch multi
– quasi. Und sie
sind sehenswert.
Vielleicht als
kleine Lektüre
für den Weg
nach Mailand
oder Antalya?
Und keine
Sorge! Out ist

1
hier gar nichts,
außer vielleicht
Outdoor-
Lösungen. Aber
man muss ja
auch nicht im- Integrationsfähig
mer „in“ sein. Die Leuchtstele „Shuffle“ von Schréder kann vieles integrieren: Tele-
management-Systeme, Lautsprecher, Überwachungskameras,
Hotspots, Elektro-Ladestationen, Verkehrsleitsysteme und viele an-
von dere Funktionen – bis zu fünf Module in jeder Stele. Sie eignet sich als
Melanie kosten- und energieeffiziente Komplettlösung, die wenig Wartung
erfordert. Mit einfachen Befestigungen, drehbaren Modulen und
Seifert Steckverbindungen gilt sie als praktisches und flexibles Gerät.
News 97

WWW.DAUPHIN.DE

Wandlungsfähig
2
Der Stuhl „Little Perillo“ wurde nach den Entwürfen des bis hin zum neuen Drehkreuz; vom edlen Lederbezug
FOTO: DAUPHIN HOME

Designers Martin Ballendat hergestellt. Durch die spiral- über moderne Kunststoffvarianten bis hin zum soge-
förmig von innen nach außen gezogene Rücken- und nannten „Kitzbühel-Look“; vom Esstischstuhl bis zum
Sitzschale aus einem gegossenen Stück, verschmelzen neuen höhenverstellbaren Bürostuhl; vom Teamplayer
Flächen und Sitzfunktionen fugenlos. Es gibt ihn in zum Solitär – der Wiedererkennungswert von „Little
verschiedenen Varianten: Vom Tellerfuß über vier Beine Perillo“ ist vor allem seine Wandlungsfähigkeit.
98
WWW.BENKERT.INFO Lösungen

3 Parkbank 2.0

Im Sortiment der Benkert-Bänke sind die


„Comfony“-Modelle schlicht, linear und
konturstark. Sie spielen mit Edelstahl und
Alu-Rohrprofilen, überzogenen mit PET, das
es in vielen Farben gibt. Mit diesen Bänken
wurde die klassische Parkbank weiterent-
wickelt. Einerseits wurde Holz durch langle-
bige Materialien ausgetauscht, die splitter-
und nahezu pflegefrei sind. Der PET-Überzug
kann leicht gewechselt werden. „Comfony“
gibt es mit und ohne Lehne oder Armstützen
sowie als Sitzgruppe mit Tisch.
WWW.FSB.DE

Eins, zwei, drei, ... zwei

4
Halten sich in Gebäuden regelmäßig Kinder
auf, gelten für Türdrücker strenge Regeln.
D iesen An fo rde rungen zu fo l ge wu rde
die Klinke „FSB 1232“ entwickelt. Der für
öffentliche Gebäude geeignete Alumini-
umbeschlag basiert in seiner Gestalt auf
den Primärformen Quadrat und Kreis. Er
eignet sich an Standardtüren gleicher-
maßen wie an Notausgangsverschlüssen.
Zum Griffprogramm zählen zudem Rahmen-
türdrücker mit und ohne Verkröpfung sowie
ein Fenstergriff.
News
Eine Kamera im
Testaufbau
dokumentiert die
Hagelsicherheit
des „E 58 Plus“.

1
1
Hagelkorn vor
dem Aufschlag

2
Hagelaufschlag

5
3
Der Ziegel weist
den Hagelschlag
ab.

Doppelschlitzrost
Gemini!

3
WWW.ERLUS.DE

Erfolgreiche Abwehr

Das Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung (IBS) in


Linz testet die Widerstandsfähigkeit von Ziegeln bei massivem
Hageleinschlag. Im Versuch prallen Körner mit einem Durchmesser
von bis zu 6 cm im rechten Winkel auf eine 1 m2 große Versuchs- • Dränage- & Entwässerungssysteme
dachfläche auf. Die erreichte Hagelwiderstandsklasse entspricht
• Entwässerungs-Schwerlastsysteme
der Größe des Hagelkorndurchmessers, dem der Ziegel im Versuch
standhalten konnte. Im Test erreichten Erlus-Ziegel sehr hohe Klas-
sen von 4, 5 und 5+. Ein Grund für das gute Abschneiden: Erlus ver- Weitere Produkte und Infos finden Sie
wendet hochwertige, kornstrukturierte Rohstoffe. Diese werden im unter: www.richard-brink.de
Ofen je nach Ziegelmodell bei 1.100°C bis 1.200°C gebrannt. Da
nicht schnell gebrannt wird, gehört etwa der Ergoldsbacher „E 58 Richard Brink GmbH & Co. KG
Plus“ zu einem der robustesten Ziegel bei Hagel. Görlitzer Straße 1
33758 Schloß Holte-Stukenbrock
Tel: 0049 (0)52 07 95 04-0
Fax: 0049 (0)52 07 95 04-20
100 Lösungen

Spül-Patent

Mit der „AquaBlade“-Technologie stellt Ide-

6
al Standard eine hohe Spülleistung bei ge-
W W W.IDEAL STANDARD.DE

ringem Wasserverbrauch vor. Diese Micro-


slot-Technologie leitet einen lückenlosen
Wasserstrom vom oberen Rand in die Toilet-
tenschüssel. Der Wasserfluss spült die ge-
samte Schüssel unterhalb des Schlitzes, der
nur knapp unter dem oberen Rand des WCs
liegt, nahezu 100-prozentig aus. Und das bei
sehr leisen Spülvorgängen. Durch die glatte,
leicht gewölbte Oberfläche ohne überste-
henden Spülrand ist das WC hygienisch. Der
Microslot ist bei herunter geklapptem Toilet-
tensitz nicht sichtbar. „AquaBlade“ ist für
WCs mit Spülkasten sowie für Wand- und
Stand-Toiletten verfügbar – langfristig für die
meisten Badkollektionen von Ideal Stan-
dard, derzeit bei „Tonic II“.
WWW.BET TE .DE

7 Wie eingegossen

„Highline“ heißen bei Bette die Wannen, die


speziell für den Einbau in Podeste entwickelt
wurden. Die Wanne wird dabei bis etwa zur
Hälfte im Podest eingebaut. Der Wannen-
rand ist dadurch nur 28 cm hoch. Die Ein-
bauvariante der „BetteLux Oval“ hat nahezu
keinen Wannenrand mehr: Nur 8 mm trägt
der gefalzte Rand in der Höhe auf. Passend
zu r Wanne gibt es ein um fang reiches
Waschtischsortiment aus Stahl und Email.
Editor’s Choice 101

WWW.CARPET-CONCEPT.DE
Ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie

Das textile Raumsystem „CAS Rooms“ kann tilen Oberflächen lassen sich mit den drei
Büroflächen flexibel strukturieren und diese Stoff-Kollektionen „Lain“, „Crep“ und „Dubl“
akustisch optimieren. Es ist eine gemeinsame realisieren. Insgesamt stehen 73 Farbnuancen
Produktentwicklung von Carpet Concept, der zur Auswahl. Gläserne Tür- und Wandele-
Lindner Group und der GiB (Gesellschaft für mente schaffen Klarheit und Licht. Das textile
innovative Bautechnologie). Das intelligente Raumsystem funktionieren wie ein Schwarm –
Raumsystem folgt einer Baukastenidee. 27 es passt sich an, wächst oder verkleinert sich.
Module schaffen dort Arbeitsbereiche, wo sie Dazu ist das freistehende Raummodul in kurzer
FOTO: NICOL A ROM AN WALBECK

nötig sind – oder verändert sie wieder. Mit drei Zeit auf- und abgebaut. In Büros können damit
Verbindungen können zahlreiche Konfigu- Herausforderungen von Digitalisierung, Schnel-
rationen kombiniert werden: Das können ligkeit und Komplexität bewältigt werden –
beispielsweise abgeschirmte Bereiche oder vom „Mein-Raum“ bis zum „Wir-Raum“, von
kommunikative Office-Einheiten sein. Die tex- Klausur – bis zur Entscheidungsbox.
Text Melanie Seifert
102
WWW.SCHINDLER.DE Lösungen

8
Sicherheit und Fahrkomfort

Die neue Aufzugsnorm EN 81-20/50 bringt -türen vorgeschrieben. Ein engmaschiger


mehr Sicherheit und Fahrkomfort in europä- Lichtvorhang an den Türen soll das Einklem-
ische Aufzüge. Sie ist verbindlich für alle men verhindern. Auch wenn die EN 81-20/50
Anlagen, die ab dem 1. September 2017 in derzeit noch nicht verbindlich ist, wird
Verkehr gebracht werden. So werden unter Schindler die Sicherheitsverbesserungen
ande rem stä rke re Kabinenwände und bereits jetzt erfüllen.
WWW.GRAPHISOFT.DE

Entwurf mit Planung verbinden 9


Besonders im frühen Stadium freier und komplexer Entwürfe eignen
sich die Software-Versionen „Rhino“ und „Grasshopper“. Mit den
beiden Werkzeugen von McNeel lassen sich viele Formen mittels
grafisch kombinierter Algorithmen modellieren. Im fortgeschrit-
tenen Planungsstadium, wenn die mit Rhino-Grasshopper generier-
ten geomet rischen Körper in ein Gebäudemodell integrier t
werden müssen, ermöglicht ein Rhino-Add-on für ArchiCAD den Im-
port von Rhino-Modellen über einen Datenaustausch.
ORTE ANDERS DENKEN.
A PR IL 2016 M A G A Z I N FÜ R L A N DS C H A FTS A R C H I TE K T UR

GARTEN +
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104
WWW.SIHL .DE Lösungen

1
Digital bedruckte Tapeten

Die „A-ja Resorts“ haben in Bad Saarow


digital bedruckbare Tapeten von Sihl einge-
setzt. Diese sind je nach Raum mit unter-
schiedlichen Motiven ausgestat tet. Im
0
Bildqualität spielen Robustheit und Langle-
bigkeit eine entscheidende Rolle. „Sihl
Design2Wall“-Tapeten eignen sich für diese
Anforderungen. Bad Saarow nutzte für die
Ruheraum des Spa (oben) beispielsweise Wandgestaltung die Tapete mit dem üppi-
strahlen barocke Verzierungen Ruhe und gen Namen „Sihl non-woven design2wall

1
E ntspannung aus. Neben eine r hohen Sol 195 satin (2511)“.

1
W W W.WINEO.DE

Sylter Sand im Geschäft

Auf Syl t wu rden im Modehaus Hel lner


1360 m2 des Wineo-Biobodens „Purline digi-
tal“ verlegt – und zwar vollflächig auf Fließ-
est rich ve rk lebt. Fü r das Sonde rdeko r
„Sand“ wurde der Sylter Strand fotografiert
und im Digitaldruckverfahren eine optisch
authentische Replik aus dem Bio-Polyure-
thanboden Purline von Wineo hergestellt.
Impressum 105
Baumeister. Das Architektur-Magazin 113. Jahrgang

REDAKTION
Anschrift wie Verlag
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7
info@baumeister.de, www.baumeister.de

CHEFREDAKTION
Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8
(verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)

REDAKTION
Sabine Schneider
Maike Burk
Tel – 146
Tel – 144
B5
Alexander Russ Tel – 172

GE STALTUNG
Stephanie Ising und Tom Ising (Artdirection)

Vorschau
Daniel Ober für Herburg Weiland, München

ALLE ILLUSTRATIONEN
Clemens Habicht, Paris

ABONNEMENTSERVICE
Leserservice Baumeister, D-65341 Eltville
Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244
leserservice@baumeister.de

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Deutsche Bank Offenburg,
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Die Inlandspreise enthalten 7% MwSt.
Inland: 169,00
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99,00 Mit Ziegel assoziert
Einzelpreis: 15,00
Bestellung: Abonnements können direkt beim Verlag oder bei jeder Buchhandlung
bestellt werden. Abonnementgebühren sind im Voraus zu begleichen. Das Abonne-
man gerne den Begriff
men t g i l t zunächs t fü r e i n Jah r und ka n n da nach jede r ze i t gekünd ig t we rden .
Die Belieferung erfolgt auf Gefahr des Bestellers. Ersatz lieferungen sind nur möglich, „Tradition“. Kein Wunder,
wenn sofort nach Erscheinen reklamiert wird.
Widerrufsrecht: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen
formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausga-
denn das Material
be erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderun-
gen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das spielt in vielen Kulturen
rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu wider-
rufen. Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen.
Der Widerruf ist zu richten an: Baumeister, Streitfeldstraße 35, 81673 München, Telefon:
dieser Erde seit Jahr-
+49-89-436005-125, Telefax: +49-89/436005-317, Email: bestellung@baumeister.de
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Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt wer-
den. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Ab bildungen und geschlämmten
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line- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine
Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab.

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Ab 1.1.2016 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 55 gültig.


Anzeigenschluss ist jeweils am 24. des Vormonats.
Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Auszeichnungen
Architekten und Bauingenieure.

ISSN 0005-674X B1547


106 Mail an …

Uwe Richrath
Oberbürgermeister
der Stadt Leverkusen

Von
Gerhard Richter, Künstler (publiziert
als offener Brief)

Betreff
Protest gegen die mögliche
Schließung des Museums Morsbroich
in Leverkusen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Richrath,

einer Fülle von Presseveröffentlichungen entnehme ich, dass in der Stadt


Leverkusen ein Papier der Unternehmensberatung KPMG diskutiert wird,
das eine Schließung des Museum Morsbroich und einen Verkauf seiner
Sammlung vorschlägt.
Dieser Vorschlag ist erschreckend!
Das Museum Morsbroich ist eine hoch angesehene Institution. Seine vor-
bildliche Arbeit wird weit über die Grenzen des Landes hinaus wahrge-
nommen und geschätzt. Eine öffentliche Sammlung ist keine Geldanlage,
die je nach Kassenlage geplündert werden kann. Sie ist ein Stück Kunst-
geschichte und repräsentiert das Gedächtnis ihrer Träger.
Im Jahr 2009 haben wir gemeinsam eine große Ausstellung meiner über-
malten Fotografien veranstaltet. Von meiner Hand befinden sich zwei
wichtige Gemälde und zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und Druck-
grafiken im Haus. Sie wurden von mir oder von anderen dem Museum
überlassen, weil wir davon ausgegangen sind, dass auch in Leverkusen
Museumsbesitz als Erbe und Gedächtnis einer Kommune geschützt ist. Es
gibt verbindliche internationale Konventionen, die die Bürger vor solchen
Übergriffen bewahren sollen.
Ich protestiere daher gegen die Pläne zur Schließung des Museums und
zum Verkauf seiner Sammlung. Bitte weisen Sie diese Überlegungen als
Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen unmissverständlich zurück. Ich
würde mich freuen, auch zukünftig noch einen guten Grund zu haben,
nach Leverkusen zu fahren.
Die Ausstellung „Sigmar Polke –

Hochachtungsvoll, Gerhard Richter. Schöne Besche-


rung“ ist bis 28. August im Museum
Gerhard Richter Morsbroich zu sehen.
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ich jederzeit beim Verlag jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1
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