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B8 11 3 .

J A H R G A N G

Das Architektur-
Aug 6 Magazin

+ ...trotz
FLORIS
ALKEMADE allem
GRABER UND
STEIGER
europäisch
ZAHA HADID

ANNE Europas
HOLTROP
beliebtestes
HENNING Kunstmuseum
LARSEN
baut an
HERZOG &
DE MEURON

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cero ist die Evolution des Fensters. Raumhohe Verglasungen mit dezenten Profilen
und Elementgrößen bis zu 15 m2 definieren Transparenz gänzlich neu. cero vereint
puren Minimalismus und technische Perfektion mit flexiblem Systemdesign – und ist
so einzigartig wie Ihr Architekturkonzept. Wir nennen es das Innenaußen. www.cero.de
Editorial

AB SEITE
18
S
o ganz allmählich haben wir alle uns von dem Brexit-Schock erholt.
Und ein Schock war es. Noch als meine Kollegin Sabine Schneider
zur Eröffnung der Tate Modern-Erweiterung nach London flog, wa-
ren wir beim Baumeister sicher, dass Britannien „drinnen“ bleiben
würde. Doch es kam anders. Umso richtiger war unsere Entschei-
dung – die wir freilich vor der Volksabstimmung auf der Insel treffen
mussten –, London und die Tate-Modern-Erweiterung von HdM in
dieser Ausgabe auf den Titel zu heben.
Natürlich sind das politische Votum eines Landes dafür, die EU zu
verlassen, und die Eröffnung eines Museumsbaus zwei verschie-
dene Dinge. Aber beides hängt eben auch zusammen. Die Tate
Modern ist nicht nur für London eine Ikone. Sie ist auch ein europä-
isches Gebäude. Kein europäisches Museum zieht mehr Besucher
an. Und keines hat eine solche Anziehungskraft speziell auf junge
Menschen aus ganz Europa, für Schüler aus der deutschen Provinz
etwa, die auf Klassenreise oder Billigflieger-Trip in London erstmals
Weltstadtluft atmen.
London ist für Europa wichtig. Das Selbstverständnis dieser Stadt
als europäische Metropole hat das Projekt der Grenzöffnung in
Europa immer mit ausgemacht. Wenn sich London nun aus dem
Gefüge der europäischen Metropolen verabschiedet – zumindest
ein Stück weit –, dann verändert das eben auch das gesamte
Übrigens munkelt europäische Projekt.
man auch, Ernö Gold-
Wobei man natürlich die Kirche im Dorf lassen muss und St. Paul‘s
fingers Trellick Tower
sei die Inspiration in Europa. Denn europäisch bleibt London ja. Der Dialog über die
für Ben Wheatleys europäische Stadt und das, was wir von ihr erwarten, wird sich
sehenswerten Film
„High-Rise“ gewesen.
weiterhin auch an der Themse abspielen. Und ich kann allen
Neben der Buchvor- Architekturfreunden raten, London nicht aus dem Reisekalender
lage des fantasti-
zu streichen. Denn nicht nur ist die Tate Modern sehenswert.
schen JG Ballard
natürlich... In London lässt sich auch beobachten, wie sich die Kombination
www.highrisefilm.com
aus architektonischem Geltungswillen, sehr viel Kapital und
gewachsener Bausubstanz sich in einem nicht immer schönen,
aber doch vitalen Geflecht niederschlägt. Und dann ist da noch
der Brutalismus: Barbican Centre, The Brunswick, Trellick Tower...
Kurzum, wir sollten uns nicht von enervierenden Populisten wie
Nigel Farage verschrecken lassen. London is still calling.
COVE RFOTO: IWAN BA AN

Alexander Gutzmer
Chefredakteur
a.gutzmer@baumeister.de
4

B8 Köpfe Ideen
Auch nach
der Erweite-
rung immer
noch das
populärste
Museum
der Gegen-
wartskunst?
Anbauen an
die Tate
Modern in
London
16 48
Nachdenklich: Rijksbouwmeester Floris Alkemade Thun-Panorama: Anbau in weichen Schwüngen

10 20
Anne Holtrop Bizarrer Backstein-
Zwischen Bau und Kunst: Der nieder-
ländische Architekt findet einen Weg.
berg
Erst von Herzog & de Meuron umgebaut und
nun von ihnen erweitert: die Tate Modern
14
Something fantastic 36
Das junge Berliner Büro kommt durch ihr
Biennaleprojekt zu schnellem Ruhm.
Eispalast
Same procedure as every year:
der Serpentine-Pavillon in London
16
Floris Alkemade 48
Der niederländische Reichsbaumeister
macht sich Gedanken über die Rolle der
Anlehnung

FOTOS V.L .N.R .: M A ARTE N KOOL S; DOM INIQUE M ARC WE HRLI; IWAN BA AN; BRUNNE R
Architekten heute. und Differenz
Der Museumsanbau von Graber und Steiger
am Thuner See soll Besucherzahlen mehren.

BAU
58
MEISTER.
Hof halten
DE Siemens eröffnet die neue Zentrale von
Henning Larsen Architects in München.

66
Die EM ist gerade vorbei. Die Urbanes
Bilder der Kathedralen des Fuß-
balls haben wir aber noch im
Wohnzimmer
Kopf. Auf www.baumeister.de Zaha Hadid verwandelt einen Hamburger
finden Sie die französischen Hochwasserschutz in Architektur.
EM-Stadien zum Nachlesen.
5

Fragen Lösungen

Gast-Arbeiter

Olaf Bartels studierte Archi-


tektur an der Hochschule für
bildende Künste in Hamburg.
74 94
Während des Studiums fokus-
Die Zukunft der britischen Hauptstadt liegt im Dunst. Loungemöbel aus der Qualitätsschmiede Brunner
sierte er sich vor allem auf
Geschichte und Theorie.
Er lebt zeitweise in Istanbul,
kommt aber gerne an seinen
74 86 Studienort zurück, um für uns
London – Ende Fenster, Türen, Tore über Neues aus der Stadt zu
berichten.
einer europäi- 94
schen Metropole? Qualitätsschmiede
Besuch beim Objektmöbelhersteller
78 Brunner

Warum Turin,
Herr Nietzsche? 96
Dach
82
Wie sehen die
Handelsflächen RUBRIKEN

der Zukunft aus? 6 Ursprünglich hat Jane Szita in


EIN BILD Oxford Englisch studiert, bevor
34 sie sich dort Kunst und Architek-
SONDERFÜHRUNG tur zuwandte. Dann zog es sie
46 in die Niederlande, wo sie seit-
KLEINE WERKE her für zahlreiche Design- und
56 Architekturzeitschriften gear-
UNTERWEGS beitet und Bücher verfasst hat –
82 immer mit Schwerpunkt Mode,
ARCHITE K TUR + M ANAGE ME NT Design und Architektur.
94
QUALITÄTSSCHMIE DE
103
IMPRE SSUM + VORSCHAU
104
PORTFOLIO: BEST PRODUCT
11 4
KOLUMNE
Millennium Bridge, London 6
Ein Bild

FOTO: ANTONY CAIRNS


7
Dichte Nebelschwa-
den verschleiern die
Sicht auf das Objekt
im Zentrum unseres
Bilds. Wir nähern uns
auf dem vorgege-
benen Pfad unserem
Titelthema – der Tate
Modern in London.
Die hellen Streifen am
Horizont? Das ist der
gläserne Dachauf-
bau von Herzog &
de Meuron auf dem
weltweit größten
Museum für moderne
Kunst. Im Vorder-
grund zeichnet sich
das abgerundete
Geländer der „Mil-
lennium Bridge“
von Foster and Part-
ners ab.
Bei den Werken des
Fotografen Antony
Cairns könnte man
meinen, es handele
sich um Röntgenauf-
nahmen oder um
Aufzeichnungen
einer Wärmebild-
kamera. Cairns,
geboren in Londons
East End, hält das
„Zentrum seines Uni-
versums“ in unwirkli-
chen Bildern fest:
Schlieren und Makel
überziehen die Por-
träts seiner Heimat-
stadt, und genau die-
se Unvollkommenheit
und Kuriosität seiner
Kunst zeichnet ihn
aus. Er versucht, die
rasende Entwicklung
seiner sonst immer
farbenfroh und glit-
zernd dargestellten
Metropole in schlich-
ten, düsteren Bildern
festzuhalten und
uns ihre andere Seite
dadurch ein wenig
näher zu bringen.

Sein neuer Bildband


LA-LV, erschienen im
Mai und herausgege-
ben von Kominek
Books, Berlin, zeigt
seine experimentel-
len Arbeiten aus den
Jahren 2014 und 2015
in den Städten Los
Angeles und Las Ve-
gas.

Text Sophie Charlotte Hoffmann


Auf der Suche nach dem Unerwarteten:
der niederländische Architekt Anne Holtrop in Bahrain
9

5
Köpfe:
SEITE
10

Anne
Holtrop
SEITE
14

Something
fantastic
ELENA SCHÜTZ, JULIAN SCHUBERT
UND LEONARD STREICH

SEITE
16

Floris
Alkemade
FOTO: FABIAN FRINZE L
10
Köpfe
1

FOTO: FABIAN FRINZE L


11
„ Linke Seite: Anne
Holtrop in Bahrain.

Für mich Unten: Glatter, weißer


Beton umschließt
üppig grüne Höfe:

ist
der Expo-Pavillon für
Bahrain in Mailand.
Viele Besucher waren
dankbar für diesen

Architektur Rück zugsort im Ge-


tümmel.

eine
künstlerische
Tätigkeit.

Kritik:
Jane Szita

Für Anne Holtrop ist das ist kein hohler Satz. Kaum ein Architekt versteht
diese Haltung so wörtlich wie der Niederländer. Architektur bedeutet für
ihn Kunst – er nimmt sich alle Freiheiten in Form, Material und Ausführung.
Seine poetischen Installationen gleichen daher eher begehbaren Skulp-
turen. Geschätzt wird seine Arbeit vor allem im Nahen Osten.
12 Köpfe 1

D
Für all diese Beispiele finden sich unter den
Biennale-Pavillon für Bahrain Projekten Holtrops entsprechende Exem-
plare: Das „Trail House“, eine temporäre Ins-
tallation, entwarf er 2009 für die Ausstellung
„Unknown Territory“ im niederländischen
Almere; er platzierte es entlang ausgetre-
tener Pfade, die bereits auf dem Gelände
er Kronprinz von Bahrain hat natürlich Vor- existierten. Die Wege bestimmten die sich
rang. Wegen ihm muss das Treffen mit dem windende Gestalt des Gebäudes.
niederländischen Architekten Anne Holtrop Einen ähnlich labyrinthhaften Grundriss
verschoben werden. „Es ging um ein neues wies sein „Temporary Museum“ (Lake) von
Projekt, über das ich noch nicht reden darf“, 2011 auf. Hier waren zufällig entstandene
sagt Holtrop entschuldigend. Es ist nur eine Zeichnungen der Ausgangspunkt der Konst-
von mehreren Aufgaben, hätte er hinzu- ruktion: „Mit Hilfe des Zufalls konnte ich eine
fügen können, die er gegenwärtig in dem freie Arbeit entwickeln, die nicht auf etwas
Land am Arabischen Golf übernommen Spezifisches Bezug nimmt“, sagt Holtrop.
hat – darunter die Renovierung eines histori-
schen Markts, eines „Souks“, mit Gebäuden Von der Skulptur zum Gebäude
aus handgemeißeltem Stein. Sein Bahrainer
Büro umfasst bisher vier Mitarbeiter, das Holtrops erstes dauerhaftes Gebäude, das
Stammbüro in Amsterdam drei Mitarbeiter. „Fort Vechten“-Museum, ist kein bisschen
weniger experimentell. Das überwiegend
Weißer Beton für Mailand unter der Erde gelegene Bauwerk widmet
sich der neuen holländischen Wasserlinie,
2015 rückte Holtrop ein wenig mehr ins einer Kette von gigantischen Verteidigungs-
Rampenlicht, als er zur Expo in Mailand den anlagen, die zwischen 1815 und 1870 errich-
Bahrain-Pavillon beisteuerte: Der Entwurf tet wurde. Holtrop zeichnete die topografi-
lehnt sich typologisch an das Motiv des ge- schen Linien des hügeligen Festungsge-
schlossenen Gartens an und trägt den Na- ländes nach und umgrenzte diese dann
men „Archaeologies of Green“. Die schlüs- mit einem Rechteck. Die Landschaftslinien
sige Anordnung von weißen, geschwunge- wurden als Ortbetonwände wiedergegeben
nen Betonwänden, Beeten und Höfen mit und verleihen dem Bau so seine Form.
Obstbäumen wurde vielfach gelobt: Drei- „Bei jedem Gebäude erfinde ich einen Ent-
hundertfünfzig Wandelemente fügen sich wurfsprozess auf der Grundlage meiner
wie Teile eines Puzzles zusammen und Ausgangsidee“, sagt Holtrop. „Jeder Schritt
lassen im Innern eine Abfolge von intimen basiert auf dem vorhergehenden. Für mich
Ausstellungs- und Gartenräumen entste- ist Architektur eine künstlerische Tätigkeit.
hen, die den Besucher zum Entspannen und Jeder neue Auftrag ist eine Gelegenheit,
Ausruhen motivieren und zu vielfachen in diese Richtung voranzuschreiten. Wir be-
Interpretationen inspirieren – eine Qualität, treiben keine aktive Akquisition und lehnen
die für Holtrops Arbeiten charakteristisch ist. viele Projekte ab.“ Holtrops jüngste Installa-
„Architekten aus Nordeuropa spazierten tion, der Bahrain-Pavillon für die Biennale
herum und sagten ‚Oh, das ist ja sehr in Venedig, verwendet nur ein einziges Ma-
barock’“, erzählt Holtrop, „während die terial: Aluminium, denn es ist ein industriel-
Bahrainis sagten, ‚Wie minimalistisch!’“ ler Schwerpunkt des Landes. Die Herstellung
Ausgangspunkt für den „Poetisch“ ist die Bezeichnung, die sich auf- im Sandgussverfahren in einer offenen (für
Entwurf ist nur ein einzi- drängt, wenn man die Arbeiten Holtrops den Boden) und einer geschlossenen Vari-
ges Material: Aluminium. beschreiben möchte – das Wort „Gebäude“ ante (für Wände und Decke) hat das eher
Oben: Guss der Platten. wäre hier zu prosaisch. 1977 im niederländi- prosaische Material bis zur Unkenntlichkeit
Unten: Anne Holtrops schen Tiel geboren, machte er seinen verändert und ihm neue, assoziationsreiche
Gestaltung des Bahrain- Abschluss an der Architekturakademie Eigenschaften verliehen. „Derartig unregel- FOTO OBE N: STUDIO ANNE HOLRTOP; UNTE N: AR M IN LINKE & GIULIA BRUNO (2)
Pavillons ist in Venedig Amsterdam. Es dürfte kein Zufall sein, dass mäßige Muster habe ich noch nie vorher
noch bis Ende November er danach fünf Jahre für den Künstler Krijn gesehen“, sagt Holtrop. Die Entscheidung,
auf dem Arsenale-Ge- de Koning arbeitete, der für seine architek- die Platten „unbearbeitet und rau“ zu belas-
lände zu sehen. turähnlichen Skulpturen bekannt ist. „Von sen, fiel leicht. Vor allem die archaischen
ihm habe ich gelernt, dass man alles, was Techniken und Materialien sind es, die das
man schaffen möchte, auch schaffen kann“, Arbeiten in Bahrain für Holtrop besonders
sagt Holtrop. „Ich verstehe mich nicht als attraktiv machen. „Es ist aufregend, außer-
Teil einer bestimmten Generation holländi- halb von Europa beschäftigt zu sein“, sagt
scher Architekten, denn meine Arbeiten er, „man ist hier in Zusammenhängen, in
haben keine rationale Basis – auch wenn sie denen alles sehr anders ist, und mir gefällt
in ihrer Wirkung sehr direkt sind, was eine diese Unvorhersehbarkeit. Ich mag das,
holländische Eigenschaft ist. Meine Inspira- worüber man keine Kontrolle hat.“
tionsquellen sind etwa ein Tintenklecks oder
die Linien einer Landschaft, ein abstraktes Aus dem Englischen von
Bild oder Beton, der in die Landschaf t Michael Wachholz
gesetzt wurde.“
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B M M A B O 2 016
14

Die Aneignung
der Welt
Text:
Nadin Heinich

Porträtfoto:
Zara Pfeifer

Viel ist über den Deutschen Pavillon auf der diesjährigen Architektur-
biennale in Venedig geschrieben worden. Der gestrenge Entwurf, 1938
umgebaut von Ernst Haiger, war durchlässig geworden. Die Idee dazu
stammt von den jungen Berlinern Architekten Something Fantastic.
Köpfe 2 bis 4 15

E
und Räume entworfen, einige davon auch werden im einjährigen Rhythmus gemein-
realisiert: Bei „The Wood“ wurde in einer Ak- sam mit den Studenten in Büchern publiziert.
tion am frühen Morgen eines der üblichen Nach den informellen Siedlungen in Ägyp-
Bauschilder für Luxuswohnungen in Berlin ten ist das nächste Buch über die Expansion
Mitte mit dem Bild eines Waldes verhüllt. Mit Kairos, der größten Stadt Afrikas, bereits
dem „Dumpling Express“, einem gebrauch- in Planung. Von Kairo zur Berliner Fashion
ten Dreirad mit darauf montiertem Parabol- Week – denn „immer, wenn etwas über-
in Dachgeschoss haben sie bisher keines spiegel, kann ohne Strom oder den Ver- handnimmt, versuchen wir es einzudäm-
ausgebaut und auch kein Einfamilienhaus brauch sonstiger Rohstoffe Essen zubereitet men“. Seit Something Fantastic für die
entworfen. Doch das erste Buch, das sie werden. Einfach, kostengünstig, mobil, Modenschauen des Berliner Avantgarde-
2009 herausgegeben haben, ist gleich auf- Hightech und Lowtech zugleich – eine un- Minimal-Labels Perret Schaad verantwort-
gefallen: „Something Fantastic – A Mani- mittelbare Manifestation ihrer Vorstellung lich sind, zeigen diese nicht mehr klassisch
festo by Three Young Architects on Worlds, von Architektur. im Zelt, sondern an wechselnden Orten
People, Cities, and Houses“. Spätestens seit „off-site“.
der diesjährigen Architekturbiennale in Im Deutschen Pavillon in Venedig waren
Venedig, wo sie für die Ausstellungsarchi- Something Fantastic dieses Jahr für die gra-
tektur und die grafische Gestaltung des fische wie auch die räumliche Gestaltung
Ausstellungskatalogs des deutschen Bei- der Ausstellung verantwortlich. Für die vier
trags verantwortlich waren, sind sie über großen Öffnungen wurden mehr als 48 Ton-
den Status „Berliner Insider-Tipp“ hinaus und nen Ziegelsteine aus den denkmalge-
einem breiteren Publikum bekannt. Ihre schützten Wänden des Pavillons gebrochen
Offenheit und uneitle Neugier, die Lust am (Baumeister 6/2016). Die Ziegelsteine, die
Experiment und die Konsequenz, mit der sie später dazu genutzt werden, die Löcher wie-
ihren eigenen Weg gehen, statt die Sicher- der zuzumauern, sind jetzt als Tresen im
heit des üblichen Werdegangs zu wählen, Pavillon aufeinander gestapelt. Mit einem
ist wohltuend erfrischend und lässt auf noch Flaschenzug werden abends alle Wert-
viel mehr hoffen. sachen nach oben gefahren, wie auf der
Baustelle. Auf den Punkt, einfach und kon-
sequent. Wir sind gespannt, was als nächs-
tes kommt.

Modeschau für das Berliner Modelabel


Perret Schaad

Ihre Diplomarbeit veröffentlichten sie als


Buch bei Ruby Press, ursprünglich unter dem
Titel „Ways of Worldmaking – Ansichten, An-
regungen and Something Fantastic für eine
schöne Zukunft“. Daraus wurde „Something
Fantastic“ und der Start des eigenen Büros
direkt nach der Uni. Den Druckkostenzu-
schuss der Universität der Künste investier-
ten sie – angeregt von der Lektüre von Marx
und dessen Überlegungen zu Produktions-
Durchlässiger als sonst: der Deutsche mitteln – in einen Drucker, mit dem sie das
Pavillon in Venedig Buch selbst druckten und der bis heute im
Büro zum Einsatz kommt.
FOTO LINKS: Z AR A PFE IFE R; M IT TE: LEA NIE L SE N; RECHTS: ARCHIV ARCHITE K TE N

Eine spezielle Arbeitsteilung innerhalb des


Something Fantastic sind Elena Schütz (1983 Trios gibt es nicht. Ihre Arbeiten bewegen
geboren), Julian Schubert (1982 geboren) sich inzwischen innerhalb eines breiten
und Leonard Streich (1981 geboren). Sie Spektrums zwischen Theorie und Praxis. Da- „The Wood“: Vermummung des
kennen sich vom Architekturstudium an der bei verausgaben sie sich nicht in formalen Investoren-Bauschilds
Universität der Künste in Berlin, haben gleich Entwürfen, sondern „wollen Dinge machen,
am ersten Tag nebeneinander gesessen, die Menschen Ideen davon geben, wie sie
seitdem immer wieder zusammen gear- besser zusammenleben können“. Eine Viel-
beitet und schließlich zusammen Diplom zahl von Büchern ist hinzugekommen, dazu
gemacht. Ihre Diplomarbeit war Abschluss Ausstellungen, Modenschauen, Studien,
und Neustart zugleich: eine Auseinander- Bühnen, Objekte etc. An der ETH Zürich, am
setzung darüber, was ein Architekt heute ist, Lehrstuhl von Marc Angélil, lehren sie einen
sein kann und sein sollte – und wie sie dazu postgraduier ten „Master for Advanced
stehen. Sie haben Texte gelesen zu allem, Studies in Urban Design“ und forschen zu
was sie dafür für relevant hielten, von Karl urbanen Regionen, die sich im schnellen
Marx, Robert Venturi bis Richard Sennett und Transformationsprozess befinden. Die For-
Rem Koolhaas, Interviews geführt, neun prä- schungsergebnisse, etwa zu den Slums und
gnante, subversive Installationen, Objekte Neubaugebieten in Brasilien oder in Kairo,
16 Köpfe 5
Der Rijks-Sozialarbeiter

„The Next Economy“ war


Thema der Rotterdamer Archi-
tektur-Biennale IABR zwischen
dem 16. April und dem 10. Juli.
Ein Beitrag kam vom derzeiti-
gen holländischen „Rijksbouw-
meester“ Floris Alkemade:
zu „schnellem und smartem
Wohnungsbau“. Wir sprachen
mit ihm über sein soziales
Engagement.

Interview:
Klaus Englert
FOTO LINKS: M A ARTE N KOOL S; RECHTS: KL AUS E NGLE RT

B A U M E I S T E R : Floris Alkemade, Sie beteili- wickeln, nicht allein für Flüchtlingsheime, Neue Technologien und Entwürfe können
gen sich als neuer holländischer Reichsbau- sondern für gut gestaltete Wohnungen, die dabei helfen. Aus diesem Grund haben wir
meister an der diesjährigen Rotterdamer sich jeder leisten kann. Wir haben den Architekturwettbewerbe veranstaltet und
Architektur-Biennale mit einem Beit rag vorhandenen Wohnraum untersucht und kürzlich ein Gebäude in Den Haag für einen
(Foto rechte Seite), der einen Anstoß in der festgestellt, dass es in Holland nicht nur Umbau ausgewählt: Herman Hertzbergers
gegenwärtigen Flüchtlingsdebatte geben im Office-Sektor sehr viel Leerstand gibt. „Ministerium für Arbeit und Soziale Angele-
will. Entdecken Sie die soziale Rolle des In Zahlen ausgedrückt sind das 50 Millionen genheiten“, das seit einigen Jahren leer
Reichsbaumeisters? Quadratmeter leer stehende Räume. Dieser steht. Als Strukturalist schuf Hertzberger
F L O R I S A L K E M A D E : Mit meinem Beitrag gravierende Leerstand hat uns dazu veran- flexible Gebäude, die Veränderungen ver-
möchte ich neue Wege des Wohnungsbaus lasst, nach neuen Wohnformen zu suchen. tragen. Doch von Beginn an gab es Pro-
einschlagen, die möglichst schnell und Das ist nicht immer einfach – besonders bei bleme, weil es sich kaum in die Umgebung
smart sind. Ich bin dabei, neue Pläne zu ent- Bürogebäuden. Dennoch ist es möglich. integrierte. Später kam hinzu, dass sich das
17
Ministerium im Verlauf zunehmender Priva- Veränderungen braucht es? Die Quartiere B: Es ist sicherlich nicht zufällig, dass Sie an
tisierungen überflüssig machte, sein sozia- wurden oft in der Nachkriegszeit errichtet, einer Architektur-Biennale teilnehmen, die
les Programm aufgab und dann auszog. als viele junge Leute dorthin zogen. Aber nicht in einem traditionellen Kulturzentrum,
Wir haben nun ausgehandelt, dass der neue d i e w i r t scha f t l ichen Vo rausset zungen sondern in einer alten Lagerhalle des Rotter-
Eigentümer Flüchtlinge für mindestens fünf haben sich heute verkehrt. Kurz : Wir wollen damer Hafens gezeigt wird. Als Reichsbau-
Jahre aufnehmen muss. Das sind selbstver- halbjährlich neue Leitthemen lancieren, meister haben Sie doch bestimmt das Expe-
ständlich außergewöhnliche Bedingungen die sowohl für die Gesellschaft als auch für rimentierlabor „Katendrecht“ und die vielen
für einen Käufer. Weil wir Fakten schaffen Architekten zentral sind. Start-ups im Rotterdamer Hafen im Visier?
mussten, begannen wir bereits mit dem F A : Es ist wirklich faszinierend, was derzeit
Umbau und organisierten mit einem Archi- B: Meinen Sie, die traditionellen Forde- hier passiert. Die Leute kommen hierhin und
tekturstudenten bereits ein Probe-Wohnen. rungen nach gut gestalteten Innen- und probieren alles Mögliche aus. Katendrecht
Mittlerweile haben sich auch einige Kauf- Außenräumen sind nicht mehr so dringend? ist der geeignete Ort für neue Ideen, ein
interessenten gefunden. Labor für unbekannte Dinge. Rotterdams
Süden galt immer als die falsche Seite, weil
B :Erklären Sie doch einmal das Modell, das Architektur und Politik ja alles auf der anderen Seite des Flusses vor
Sie auf der Biennale ausstellen. sich ging. Doch dann kamen die neuen
F A : Es handelt sich um ein Modell, das wir Brücken. Und mit den neuen Stadtentwick-
ausgehend von Hertzbergers Ministeriums- lungsprogrammen stellten sich die Verän-
gebäude entwickelten. Es stellte sich dann derungen ein.
heraus, dass es im Verlauf unverkennbar Die Leute kommen zwar nicht mit viel Geld,
Ähnlichkeiten mit Constants utopischem aber mit großartigen Ideen. Auf diese Weise
Wohnmodel l „New Babylon“ annahm. kann man viel bewegen. Diese Situation
Mit dem Biennale-Beitrag verbinde ich noch findet sich nicht häufig. Zumeist stellt sich
ein anderes Ziel: Das Studio des Reichsbau- ihnen die Gentrifizierung von Stadtvierteln
meisters untersucht außerdem, welche entgegen, wodurch sich das Leben verteu-
neuen Wohnformen gerade in den Nieder- ert. In Katendrecht gibt es dagegen eine
landen entstehen. Wir kontaktieren die Mischung: Einerseits haben sich Start-ups
Leute, sprechen mit ihnen und unterstützen angesiedelt, andererseits begann eine
sie. Unser ziemlich utopisches Biennale- Floris Alkemade arbei- Gentrifizierung, die sich das vorherrschen-
Modell ist aus der kreativen Zusammen- tete ab 1989 fürs Office de Klima zunutze macht. Ich glaube aber
arbeit mit diesen Leuten entstanden. for Metropolitan nicht, dass die Gentrifizierung die neuen
Architecture (OMA) Initiativen blockier t. Die Stadt braucht
B: Ihre neue Aufgabe beschränkt sich ja und war etwa für den solche Flächen, wo Leute etwas Neues aus-
nicht nur darauf, Modelle für Biennalen in Euralille-Masterplan probieren können, etwas, das glücken oder
Auftrag zu geben. Skizzieren Sie doch ein- verantwortlich. Als er auch misslingen kann. All das ereignet sich
mal das Spektrum Ihrer Tätigkeiten. 2001 zum Partner auf- gerade in Katendrecht, wovon Rotterdam
F A : Der holländische Reichsbaumeister stieg, entwarf er den ungemein profitiert. Ich freue mich, diesen
muss verschiedene Aufgaben er füllen. Masterplan für das Wandel miterleben zu können. Denn es han-
Zunächst ist er für sämtliche Regierungsge- Weltkulturerbe Zeche delt sich nicht um einen Masterplan, der von
bäude verantwortlich – von Gefängnissen Zollverein in Essen. oben herab dirigiert, wie die Stadt auszu-
bis zum Königspalast. Das allein füllt norma- 2008 gründete er sein sehen hat. Vielmehr erlebt man hier ein
lerweise mehr als einen Fulltime-Job aus. eigenes Büro – Floris Spiel von Kräften, deren überraschende
Daneben kann er seine eigenen Schwer- Alkemade Architect Elemente die Stadt bereichern.
punk te in Archi tek tu r, Landscha f tsge- (FAA). Er unterrichtet
staltung oder Städtebau setzen. In meiner auch und ist seit dem B : Erfindet sich Rotterdam derzeit neu, seit-
Agenda stehen derzeit die Flüchtlingsunter- 1. September 2015 dem das riesige Hafenareal von einem
künfte ganz oben. Mir geht es um eine Reichsbaumeister. Umbau erfasst wird und seitdem sich hier
verbesserte soziale Integration dieser Men- landwirtschaftliche Kooperativen, Öko-
schen – keine leichte Aufgabe. Wir ver- Institute und Forschungslabore eingerichtet
suchen herauszufinden, wie Architektur haben?
weiterhelfen kann. In diesem Fall sehen wir F A : Es ist faszinierend, Arbeit, Leben und
uns mit einem Immobilienmarkt konfron- Produktion wieder in die Stadt zu bringen.
tiert, der uns bei der Suche nach geeigneten F A : Design für sich genommen ist bedeu- Nachdem der Hafen verlagert worden war,
Lösungen nur wenig behilflich ist. Deswegen tungslos. In der heutigen Zeit drängen wurde keine neue Monokultur installiert.
arbeiten wir mit Architekten und anderen andere Themen in den Vordergrund. Gute Stattdessen gibt es hier städtisches Leben –
Kreativen zusammen, um neue Ideen zu E nt wü r fe reichen n icht aus, denn wi r dank neuer Technologien und nachhaltiger
entwickeln. Soziale Innovation steht im müssen uns die Frage stellen, wie sich die Prozesse. Vielleicht ist das aber gar nicht
ersten Halbjahr meiner Tätigkeit als Reichs- Gesellschaft und die Städte entwickeln einmal so neu, denn die Verbindung von
baumeister im Vordergrund. Im folgenden sollen. Architekten müssen sich auch mit Leben und Arbeit ist ja etwas, was die mittel-
Halbjahr werde ich mich der Gesundheits- sozialer Integration und Segregation ausei- alterlichen Städte auszeichnete.
vorsorge widmen, weil in Holland einerseits nandersetzen. Holland zeichnet sich durch
die öffentliche Hand mehr und mehr abbaut so viele gute Architekten aus, deren Entwür-
und andererseits die Menschen immer älter fe nicht nur preiswert und funktionell sein
werden. Für uns Architekten stellt sich dabei sollten. Diese Entwurfshaltung war lange
die Frage: Wie lässt sich Gesundheitsfür- Zeit losgelöst von der sozialen Rolle des
sorge besser in Wohnviertel, nicht unbe- Architekten. Das können wir uns immer
dingt in Wohnhäuser, integrieren? Welche weniger leisten.
Die Erweiterung der Tate Modern steht auf Teilen
des Bestands, das ihr als Fundament dient.
19

5
Ideen:
SEITE
20
Erweiterung der
Tate Modern
SEITE
34
Serpentine-Pavillon
und vier Sommer-
häuser in London
SEITE
48
Thun-Panorama
SEITE
58
Siemens-Hauptver-
waltung München
SEITE
66
Hochwasserschutz-
anlage in Hamburg
FOTO: IWAN BA AN
20 Ideen 1
21

Bizarrer
TITELTHEMA
L O N D O N , E U R O PA U N D
DIE TATE

Architekten:
Herzog & de Meuron

Kritik:
Sabine Schneider

Fotos:
Iwan Baan

Die Londoner Tate Modern ist das populärste Museum für die Kunst der
Gegenwart – fünf Millionen Besucher kommen im Jahr in die von Herzog &
de Meuron umgebaute, im Jahr 2000 eröffnete „Bankside Power Station“
direkt an der Themse. Denselben Architekten fiel nun die Aufgabe zu, sie
auf ihrer Südseite um ein weiteres Monument zu ergänzen.
22
Ideen 1 23

Der ärmere Teil Londons liegt südlich der Themse, aber mit Projekten wie der Tate beginnt auch hier die Gentrifizierung.
24 Ideen 1

Direkter Nachbar der Tate sind die Luxusapartments von Rogers Stirk Harbour links im Bild.
25

Ein Gewinn für Touristen und Einheimische: die Aussichtsterrasse ganz oben in der gekappten Pyramide mit grandiosem Rundumblick
26 Ideen 1

Wie in einem Schneckenhaus windet sich eine breite Betontreppe hinauf zu den Galerieräumen.
27

Unten: Das Untergeschoss des Tate-Anbaus gehört zum Bestand und bildet sein Fundament. Oben: Sichtbeton ist das Erkennungsmerkmal des Kerns.
28

Einer von vielen Seminar-, Club- und Veranstaltungsräumen direkt an der Fassade. Die durchlässige Ziegelhaut sorgt für eine angenehme Lichtstimmung.
Ideen 1 29

Nicht nur ein Treppenhaus: Die Erschließung hält dramatische Blickbeziehungen bereit. Die Orientierung fällt leicht.
30 Ideen 1

Die Werke der Künstlerin Louise Bourgeois haben einen eigenen Raum mit Tageslicht bekommen.

D
Anschein von Normalität geben. Gleichzei- breitet“, wie Mergenthaler meint. In der
tig verwächst die singuläre geometrische Höhe dreht sich die Pyramide dann wieder
Figur mit dem alten Ziegelkoloss, will nicht parallel zum Altbau. Die Neigung ist außer-
eigenständig sein, sondern dazu gehören. dem den geforderten Sichtlinien auf die
Auch die Wahl eines Klinkers als Fassaden- Kathedrale am gegenüberliegenden Ufer
material legt dies nahe: dort der alte, inzwi- geschuldet – in London spielt der freie Blick
schen schwarz gewordene Backstein, hier auf St Paul’s eine große Rolle. Außerdem
„ie Form ist etwas zwischen einer sehr ratio- eine Vorhangfassade mit Lochmuster, das musste der ikonische Kraftwerksturm seine
nalen und einer sehr irrationalen Form, eine die Pyramide umhüllt. Die solide Ausführung Bedeutung behalten, trotzdem „das Dahin-
pyramidenartige Gestalt“, meint Jacques mit den hell definierten, strukturierten Fens- ter vorne sichtbar“ werden.
Herzog, offenbar selbst etwas ratlos, wie terstürzen erinnert ein wenig an Bauten der
man das neueste Bauwerk aus seinem Büro britischen Nachkriegsmoderne, Werke aus Innere Windungen
beschreiben soll. Die Aufgabe bestand der Zeit des Brutalismus – das Hallfield
darin, an der Südwestecke des mächtigen, Housing Estate von Denys Lasdun etwa. Erlebt man die Pyramidenform auch im
symmet risch aufgebauten ehemaligen Jedenfalls handelt es sich nicht um einen Inneren? Nicht unmittelbar, um es vorweg-
Kraftwerks1 anzudocken – nicht etwa mit modischen Bau. zunehmen. Dennoch sind hier auf jegliche
einem unauffälligen Annex, denn der Bau- Der für das Projekt zuständige Seniorpartner Zweifel an der Bauform verflogen. Eine Viel-
herr forderte nichts weniger als ein Museum Ascan Mergenthaler erklärt die Entwicklung zahl an Räumen entfaltet sich für die Kunst
für das 21. Jahrhundert. Die Industrie-Kathe- so: Man habe den westlichen Teil des beste- und ihre Besucher: intime Kabinette, große
drale von 1963 beherrscht mit ihrem mar- henden Umspannwerks (englisch: Switch Hallen, schmale und weite, hohe und niedri-
kanten Turm unbestritten das Themse-Ufer House) abgerissen und neu ergänzt, es soll- ge Bereiche wechseln sich ab – schlicht
an dieser Stelle – daneben sollte jetzt also te ein einziger „Organismus“ entstehen. Was weiß gestrichene Wände und sägerauer Ei-
eine zweite Kathedrale platziert werden. Jacques Herzog anfangs mit rationalen chenboden lenken nicht vom Wesentlichen
Kann das gut gehen? Vorgaben meint, sind die städtebaulichen ab. Wie in einem überdimensionalen Schne-
Etwas ungläubig steht man zunächst vor Bedingungen, die die Bauform bestimmen: ckenhaus winden sich breite Treppen immer
dem gewaltigen, schroffen Ziegelmassiv, Das Kraftwerk sollte durchlässig werden und weiter hinauf – es gibt aber keine Ähnlich-
das dort in den letzten Jahren emporge- auf der Themse-abgewandten Rückfront keit etwa zum Guggenheim-Museum; der
wachsen ist: eine widersprüchliche Erschei- eine Schauseite mit neuem Eingang erhal- Erschließungskern aus Sichtbeton bildet an-
nung. Da ragt eine verformte, kantige und ten – wie schon im Wettbewerb um die Tate genehme Aufenthaltsräume aus, mit hölzer-
zudem oben gekappte Pyramide in den Modern 1995 angedacht. Statt hier also mit nen Sitzbänken und Information zur Kunst.
grauen Himmel, wird aber horizontal getak- der Erweiterung im rechten Winkel auf den Die Orientierung fällt leicht, denn zahlreiche
tet durch lange Fensterbänder, die neun Altbau zu treffen, wählten sie einen stump- Öffnungen nach oben, unten und nach
Stockwerke ablesen lassen, dem fremd- fen Winkel, so dass sich das Gebäude am draußen lassen erkennen, wo man sich
artigen Massiv einen Maßstab, ihm den Eingang einladend öffnet, „die Arme aus- im Gebäude befindet. Neben den klimati-
31

Verschiedene Künstler sind in dieser Halle mit industriebau-Charme zu sehen.

sierten Ausstellungssälen gibt es auffallend wie im Bauch eines riesigen Tankers; das
viele Seminar- und Veranstaltungsräume, Frühere Variante Rund schafft dennoch eine konzentrierte
ein Café, Restaurants und Büros, nur mit Stimmung. Mit großem Aufwand haben die
Glasscheiben abgetrennt, so dass man sich Architekten den ruppigen Industrie-Charme
auch weiter oben im Haus, wo es in der Pyra- der vorhandenen Betonstruktur erhalten.
midenspitze enger zugeht, nicht eingesperrt Was vielen Besuchern entgeht: Der Anbau
fühlt. Das umfangreiche zusätzliche Raum- wird nicht nur aus Nostalgie heute „Switch
angebot wurde an die Fassaden gelegt, House“, Umspannstation, genannt, sondern
wo sich die Fenster einfach öffnen lassen. es wurde tatsächlich noch ein Rest des
Hier direkt an der Außenhaut dominiert das Kraftwerks in einem kleinen Teil integriert
Lochmuster aus Ziegeln als grob gewebte und ist in Betrieb.
Sonnenschutzschicht; es herrscht eine an- Die Rundungen der beiden Tanks zeichnen
genehme Lichtstimmung. Die Backsteine sich übrigens auch oberirdisch als ge-
sind an Edelstahlstiften aufgefädelt, in der schwungene Umfassungsmauern des Tate-
Präzision eine Hightech-Fassade und der Geländes in Sitzhöhe ab. Innen wie außen
Beweis, dass sich im 21. Jahrhundert zeitge- wird der Übergang von Alt zu Neu kaum
mäß mit Ziegeln bauen lässt. Als Idee für das Auswahl- spürbar, beides geht nahtlos ineinander
Trotz der E r weiterung bleibt die Haupt- verfahren 2005 lieferten über; es wächst tatsächlich zusammen, ob-
attraktion der Tate Modern nach wie vor die die Schweizer gestapelte wohl der Altbau aus einem mit Ziegeln aus-
spektakuläre Turbinenhalle im Bestand Kuben aus Glasbaustei- gefachten Stahlskelett besteht und der Neu-
– eine grandiose Platzverschwendung und nen ab – eine „radikale bau ein Stahlbetontragwerk aufweist. Das
ein seltenes Beispiel für einen wahrhaft Vereinfachung“ des Kon- Material Beton war im bestehenden Tank-
öffentlichen (Straßen-)Raum im Inneren zepts. Zusammen mit fundament schon angelegt.
eines Gebäudes. Der Anbau ist mit dieser dem Bauherrn, der sehr
Halle über das durchgehende Unterge- stark involviert werden Der Raum draußen
schoss und zwei Brücken im ersten und vier- wollte, haben sie dann
ten Obergeschoss verbunden. später herausgefunden, Trotzdem: Die zur Themse gerichtete Nord-
Wie sehr die Tate-E r weiterung mit dem dass Backstein die rich- seite ist und bleibt die Postkartenansicht der
Bestand verwurzelt ist, lässt sich vor allem in tige Lösung ist. Institution. Denn leider wächst der neue
diesem Untergeschoss feststellen: Sie steht Backsteinberg nicht jäh aus dem Asphalt,
auf einem Fundament aus zwei gewaltigen wie es wünschenswert wäre, damit die Bau-
Öltanks, die in eindrucksvolle runde Säle für form ihre Eigenständigkeit unterstreicht,
Tanz-, Musik- und Videoperformance ver- sondern an der Westseite des Neu- und
wandelt wurden. Man fühlt sich hier unten der Südseite des Altbaus wird der Sockel

WEITER
32 Ideen 1
umzäunt, der Zaun mit dürren Büschen fast
schamhaft getarnt. Was sich dort verbirgt,
sind unter anderem die Anlieferung der
Kunst, Abstellflächen für Müllcontainer und
Parkplätze. Da hilft weder das neue Café auf
dem so geschaffenen Platz, noch die Geste
„der ausgebreiteten Arme“ – der Eindruck
des armen Hinterhofs Londons bleibt.
Ganz im Gegenteil als großer Gewinn für
Londoner und Besucher kann dagegen die
stumpfe Spitze der Pyramide gewertet wer-
den, der Höhepunkt des Museumsbesuchs:
Eine Aussichtsterrasse gewährt einen Rund-
umblick und lässt die Tate Modern zur wah- 8. OG
ren Mitte der britischen Hauptstadt werden
– zwischen Renzo Pianos Shard-Wolken-
kratzer, der Tower Bridge, der Finanzwelt mit
ihren im Dunst verblassten Hochhäusern
im Osten und dem (von Gebäuden verdeck-
ten) Westminster im Westen, der St Pauls

M 1: 2 0 0 0
Cathedral im Norden und dem – noch –
armen Süden der Stadt, der auf seine Gentri-
fizierung wartet. Um die Tate herum hat sie
natürlich schon begonnen; ganz nah rücken
die schmalen, gläsernen Hightech-Luxus-
wohntürme von Richard Rogers: Von der
Terrasse aus blickt man den offenbar nicht
vorhandenen Bewohnern in die Designer-
Kaffeetassen. Alle Apartments sind ver-
dächtig ähnlich wie Schaufenster in einem 5. OG
Möbelhaus eingerichtet, und man kommt
darüber ins Grübeln, wie transparent sich
der private Luxus zur Schau stellt, während
sich das öffentliche Gebäude hinter einem
Ziegelvorhang verbirgt.
Der Londoner Stadtforscher Richard Burdett
behauptet, „Städte sind sensible Ökosys-
teme, die dahingehend beeinflussbar sind,
nachhaltig zu sein oder eben nicht…“ Im
Idealfall sei es „die Rolle des Architekten
und seines Bauherrn – sei es der Bürgermeis-
ter oder Minister, Projektentwickler oder
Investor – Architektur als räumliche und
ethische Kunst aufzufassen.“2 In dieser Hin-
sicht erscheint die Tate Modern als Glücks-
fall, vor allem wenn man das Schicksal des
älteren Schwestergebäudes mit den vier 2. OG
berühmten Kaminen, die Battersea Power
Station, betrachtet: Dort hat sich die Stadt
London selbst verscherbelt, wie es Saskia
Sassen neulich in einem Vortrag ausdrückte3.
Das seit 1983 leerstehende Industriedenk-
mal liegt ebenfalls am Südufer der Themse
und wird inzwischen mit gelockerten Bau-
vorschriften von malayischen Investoren
zu Luxusapartments umgebaut. Das Projekt
mit dem poetischen Namen „Nine Elms“,
neun Ulmen wie das Viertel, sieht 20.000
Wohnungen als Anlageobjekt für Betuchte
aus Malaysia, Singapur und Hongkong vor.
Im Gegensatz zum Publikumsmagneten für
Millionen weiter östlich wird da wohl kein
lebendiges Stadtquartier entstehen. UG

Siehe auch Essay Seite 74


33
9. OG Terrasse
8. OG Restaurant
7. OG Clubräume
6. OG Mitarbeiter
5. OG Veranstaltung
4. OG Tate-Austausch-
M 1: 2 0 . 0 0 0

Programm
3. OG Galerie
2. OG Galerie
1. OG Galerie
EG Bar, Laden
UG „The Tanks“

Querschnitt „Switch House“ „Turbine Hall“ „Boiler House“


Lageplan

BAUHERR:
Tate
Kerstin Mogull (Direktorin)

ARCHITEKTEN:
Herzog & de Meuron, London
Jacques Herzog, Pierre de Meuron,
Ascan Mergenthaler (Projekt-
partner), Harry Gugger (bis 2009)
16 14

MITARBE ITE R:
John O‘Mara
(Associate, Project Director), Südansicht und Schnitt Anbau
Kwamina Monney
(Project Manager),
Ben Duckworth (Associate),
Christoph Zeller

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN:
Vogt Landschaftsarchitekten,
Zürich

MÖBLIERUNG:
Jasper Morrison, London

FASSADE NPL ANUNG:

M 1: 2 0 0 0
Billings Design Associates, Dublin;
Ramboll UK, London

LICHTPLANUNG:
Arup Lighting, London

HLS:
Max Fordham Consulting Engineers,
London; Arup, London

TR AGWERKSPL ANUNG:
Arup, London

AU S WA H LV E R FA H R E N : EG
2005

ERÖFFNUNG:
Juni 2016 1 Die Bankside Power Station wurde von Giles Gilbert Scott in den 1950er-Jahren entworfen,
1963 fertig gestellt und 1981 wieder geschlossen.
STANDORT: 2 Richard Burdett in „Richard Rogers“, Royal Academy of Arts, London 2013
Tate Modern, Southwark, London 3 Saskia Sassen in einem Vortrag im Oskar-von-Miller-Forum, München, am 9. Juni 2016
34 Sonderführung mit ...

FOTO: W W W.FR ANKVINKE N.COM

Das Gespräch führte Maike Burk


35
... John Jaspers

Direktor des Zentrums für


Internationale Lichtkunst
Unna

BAUMEISTER: Man betritt das Museum durch


das Untergeschoss – dient die Erschließung
bereits als Einleitung zur Lichtkunst im Keller- Links: Joseph
geschoss? Kosuth – Die Signatur
J O H N J A S P E R S : Genau. Schon auf den ers- des Wortes (Licht
ten Treppenstufen in die Kellergewölbe und Finsternis), 2001
erahnen die Besucher: hier ist etwas anders,
als in anderen Museen. Lichtkunst braucht Oben: Mischa Kuball –
Dunkelheit, und dafür sind die alten Gär- Space-Speech-Speed,
und Eiskeller der ehemaligen Lindenbraue- 1998 / 2001
rei einfach perfekt!

B: Wie kam die Stadt Unna zu solch einem


Museum mit internationalem Format?
J J : Der Anstoß kam durch die Internationale
Bauausstellung Emscher Park Ende der
1990er Jahre – die vorhandenen Keller nut-
zen, ohne ihren besonderen Charakter zu
zerstören. Uwe Rüth entwickelte dann die
Idee eines Kompetenzzentrums für Licht-
kunst und stieß damit nicht nur bei den
Licht künsten au f g roße Begei ste rung.
So wurde das Haus 2001 eröffnet und ist seit-
dem weltweit einmalig.

B: Was wird in der Dauerausstellung im Zen-


trum für Internationale Lichtkunst gezeigt?
J J : Tatsächlich vereinen wir auf 2.400 Qua-
d ratmete rn die wicht igsten Posi t ionen
zeitgenössischer Lichtkunst. Mario Merz,
Joseph Kosuth, Mischa Kuball, Rebecca
Horn, Christina Kubisch, Keith Sonnier, Jan
van Munster, François Morellet, Christian
Boltanski, Brigitte Kowanz und Olafur Eliasson
haben Rauminstallationen nur für Unna
erschaffen. Das Highlight unserer Daueraus-
stellung bilden aber die beiden Werke von
James Turrell.

B : Wie wird der Besucher durch die Ausstel-


lung geführt?
J J : Unser Haus ist im Rahmen von Führun-
gen zu besuchen, da man mit dem Museum

Türen
auch ein Labyrinth aus Kellergewölben
betritt. Ein Besuch im Zentrum für Internatio-
nale Lichtkunst ist ein Erlebnis für alle Sinne:
Sie sehen einen Tunnel voller Tränen, hören Ruhe liegt im Detail
© Walter Luttenberger
sphärischen Walgesang, fühlen die Tropfen
eines unterirdischen Wasserfalls… und er-
Lindner Türen beweisen hohe Qualität, zum Beispiel bei Schallmessungen.
leben natürlich Lichtkunst in all seinen faszi- Und jedes Mal, wenn Sie eine der Türen schließen.
nierenden Ausprägungen.
www.Lindner-Group.com
36 Ideen 2
37

Der Palast der Eiskönigin

Seit dem Jahr 2000 wird


jeden Sommer ein neuer
Pavillon vor der Serpentine
Gallery in den Londoner
Kensington Gardens aufge-
baut. Wie immer wird er in
nur sechs Monaten von einer
anderen Architekturgröße
geplant – dieses Jahr vom
dänischen Büro BIG.

Architekten:
BIG

Kritik:
Die Fiberglaskisten,
die BIG zum Pavillon Anna Schabel
aufstapelt, wirken
kühl und erfrischend
wie Eiswürfel. Fehlt
Fotos:
nur noch ein heißer
Londoner Sommer. Iwan Baan
38 Ideen 2

Der Raum, der so ent-


steht, hat fast sakrale
Wirkung. Die Nutzung
ist allerdings profan:
Drinnen findet man
eine Cafébar und Holz-
bänke zum Ausruhen.
FOTO: IAIN AITCHISON
39
40 Ideen 2

Die beiden, weich


geformten Wände
scheinen sich an-
einander zu lehnen
und in einem fragi-
len Gleichgewicht
auszuharren.

Begonnen hat der Pavillon-Reigen mit Galler y, visuell eingerahmt. Der Boden chen Blickwinkeln aus kann man durch die
Zaha Hadid. Ohne ihre Imagination und innen besteht aus rötlichem Zedernholz, Struktur ganz hindurchsehen, von anderen
Kraft wäre das Programm nicht fortgesetzt an den Seiten sind Bänke im selben Holz wirkt sie massiv und solide. Ingels zählt die-
worden. Diesmal läuft es das letzte Mal montiert, die in eine Theke übergehen. Hier se Gegensätze auf: die geschlossene Wand
unter Direktorin Julia Peyton-Jones, die finden abends Lesungen, Vorträge und und die Öffnung, Transparenz und Trans-
zusammen m i t Hans U l rich Ob rist d ie Performances statt, tagsüber gibt es Kaffee luzenz – es sei ein Thema, mit dem sein Büro
Serpentine Gallery seit 26 Jahren leitet. Als von Harrods. viel experimentiere.
Abschluss dieser Zeit hier wurden nun nicht Die Architekten stellten sich als erste Frage
nur einer, sondern vier zusätzliche Pavillons vor Ort: Was ist das größte Problem, und was
errichtet – die „Summer Houses“. Hauptat- hat das größte Potenzial? Ganz offensicht-
traktion ist natürlich trotzdem BIGs Skulptur lich hat der diesjährige Pavillon das Poten-
vor der Galerie. zial der Höhenentwicklung bis zur Dramatik
Von außen ein riesiger Stapel länglicher ausgeschöpft und folglich das Problem der
Fiberglaskisten – was erwartet uns im In- Statik mit den geringsten Mitteln gelöst.
neren? Durch einen Spalt in der schmalen Und das innerhalb von sechs Monaten.
Seite tritt man ein, graugrünes Licht umfängt Die Idee der Fiberglaskisten stammt aus
einen selbst an einem sonnigen Morgen, einem Regalsystementwurf: Sie sind versetzt
und anstelle von Wänden sieht man sich von gestapelt, tragen sich selbst und sind mit
kantig gebrochenen Eisflächen umgeben. Tempietto von William Kent, der Königin Aluminiumelementen verschraubt. Für die
Sie streben mit vierzehn Metern Höhe nach Caroline von Ansbach gewidmet Quer-Stabilität sorgen diskrete Plexiglas-
oben. Durch seine perspektivisch wirksame scheiben. Regenwasser fließt nach außen
Verjüngung scheint der Innenraum viel grö- Der Architekt Bjarke Ingels bezeichnet sein ab. Durch das Versetzen der Kästen entste-
ßer als von außen erwartet. In der Eingangs- Werk als „eine Wand, die wie mit einem hen geometrische Muster, konturierende
achse liegt das Türmchen der Serpentine Reißverschluss geöffnet wird“. Von man- Schatten, Blickverbindungen ins Grüne.
41

RE STAUR ANT
„THE M AGA ZINE“ SERPE NTINE SACKLER GALLERY
VON ZAHA HADID

„THE ARCH“
VON HE NRY MOORE

SERPENTINE-BRÜCKE
SERPENTINE-SEE

SOMMERHAUS
2
YO NA F R I E D M AN

SOMMERHAUS
3
ASIF KHAN

SOMMERHAUS
1
KUNLÉ ADEYEMI (NLÉ)

SOMMERHAUS
4
BARKOW LE IBINGE R

KÖNIGIN CAROLINE S
TEMPEL

S E R P E N T I N E - PAV I L L O N 2 0 16

SERPE NTINE GALLERY BJARKE I NGE L S GROU P (B I G)

Die Stapelkisten sind stark genug, um auch setzung mit einem nahen Tempietto, der im
die Handwerker zu tragen, die sie montier- 18. Jahrhundert von William Kent für Königin
ten. Übrigens haben die Architekten die Caroline von Ansbach gebaut wurde. Sie
Idee der Stapelung schon einmal getestet – scharen sich locker um diesen Steinbau.
bei BIGs frühem Projekt „Bjerget“ in Kopen- Jedes würde alleine auf weiter Flur mehr
hagen, den „Berg-Wohnungen“, die sich Wirkung entfalten, aber die Wiesen des
über einem Parkhaus auftürmen. Pa rks si nd unte r Na tu rschut z gestel l t.
Über den einundvierzigjährigen Architek- Peyton-Jones spricht von einer Gruppen-
ten Bjarke Ingels hat sein ehemaliger Chef ausstellung. Architektur soll man nicht im
Rem Koolhaas einmal gesagt, er wäre der Modell, sondern als gebauten Raum besich-
erste Architekt ohne Angst und ohne Ballast: tigen. So kann man nun vier verschiedene
„Er wirft sich ohne Rückhalt in internationale Interpretationen des Originals gleichzeitig
Riesenprojekte.“ Der Serpentine-Pavillon ist sehen.
das erste gebaute Projekt von BIG in Eng-
land. Die Eröffnung des Pavillons wird auch Die Sommerhäuser finden Sie auf
gleichzeitig eine Feier zur Büroeröffnung den folgenden Seiten.
in London sein – neben den Standorten der
Architekten in Kopenhagen und New York,
denn BIG plant zur Zeit zwei neue Haupt-
quartiere für Google, sowohl in London
Kings Cross als auch in Kalifornien.
Dieses Jahr hat der Hauptpavillon nun auch
noch Junge bekommen: Vier weitere Lust-
bauten entstanden in der Auseinander-
42 Ideen 2

Architekt: 1
Kunlé Adeyemi

Gekippt

Der erste Pavillon reagiert ganz offensicht- schen Gartenkunst. Als Antwort auf die es in eine luxuriöse Gartenlandschaft ge-
lich auf die historische Vorlage: Es ist der Bauaufgabe hat Adeyemi den Innenraum setzt. Seine Außenseiten sind mit Sandstein-
Entwurf von Kunlé Adeyemi aus Nigeria. des Pavillons kopier t, aus einem Block platten verkleidet, das Innere ist mit weißem
Adeyemi und sein Studio NLÉ haben dieses geschnitten und auf die Seite gekippt. Als Kunstleder ausgeschlagen. Besucher sind
Jahr auf der Biennale in Venedig für den Teile einer künstlichen Ruine liegen weitere eingeladen, den neu geschaffenen Raum
Nachbau seiner schwimmenden Schule Stücke im Gras. Adeyemi sagt: „Klassische zur Entspannung und Rast zu genießen.
in Lagos den Silbernen Löwen gewonnen. Architektur ist eigentlich nicht unser Ding,
Das Original ist leider vor Kurzem durch wir sind moderne Architekten, aber bei
einen Sturm zerstört worden. Hier in den längerer Beschäftigung waren wir immer
Londoner Kensington Gardens baut er ein mehr von dem bestehenden Pavillon faszi-
typisches Folly auf, einen Zierbau der engli- niert.“ Das Sommerhaus wirkt, als habe man
43

Architekt: 2
Yona Friedman

Das
Gestänge

Der französische Architekt Yona Friedman hatte er keinen Plan, er habe improvisiert: Blickpunkt immer neue Kurven und Bögen
ist gerade 93 Jahre alt geworden, und in „Ein Kind könnte dieses Objekt bauen.“ Sein vor dem blauen Himmel, den Bäumen und
seinem Sommerhaus geht es um dieselben Sommerhaus ist als mobiler Wechselaus- den Wiesen. Man wünscht nur, die Konstruk-
Themen, die ihn schon sein ganzes Archi- stellungsraum gedacht. Im unteren Bereich tion würde eigenständig im Park stehen,
tektenleben, seit den 1950er-Jahren be- hängen Drucke von Friedmans „La Ville so dass man sie ohne die Konkurrenz der
schäftigen: Freiheit, Kunst, Architektur. Spaciale“ (Raumstadt) auf Plexiglas aufge- anderen Skulpturen im Blickfeld von allen
Bei der Präsentation seines Werks zieht druckt. Diese Stadt baut sich vertikal auf, um Seiten erkunden könnte.
er aus einer kleinen Pappschachtel das Fläche zu sparen; die Bewohner sollen ganz
Modell heraus: aus Papier gefaltete Stan- flexibel ihre Wohnungen gestalten können.
gen, die man in verschiedenen Anordnun- Die Stahlringe, die sich im Sommerhaus
gen stapeln kann. Er meint dazu, wie immer zu Kuben formen, ermöglichen je nach
44 Ideen 2

Architekt: 3
Asif Khan

Der
Sonnenpfad

Der einzige Londoner der Runde ist der Die Klarheit und verspielte Einfachheit Überlegungen entstand eine reflektierende
36-jährige Asif Khan. Er erinnert sich, wie er dieser Struktur erinnert an den vorherigen runde Aluminiumscheibe im Zentrum des
jeden Sonntag mit seinem Großvater durch Serpentine-Pavillon von Sanaa aus Japan. nach allen Seiten offenen Raums, der den
den Hyde Park spazieren ging. Sein Pavillon Durch Analyse des Sonnenstands und der Blick in verschiedene Richtungen lenkt.
ist minimalistisch in Weiß gehalten – selbst Positionierung von Carolines Pavillon fand Der Moment des Sonnenaufgangs, der
der Kies darunter ist weiß. Unter den vier Khan heraus, dass er genau an ih rem ursprünglich in Stein gefasst wurde, wird hier
Sommerhäusern lädt es am ehesten zur Ein- Geburtstag, am 1. März 1683, auf der Achse vervielfältigt.
kehr und Ruhe ein. Wenn man sich auf dem der aufgehenden Sonne liegt. Die Spiege-
runden Freisitz mit Dach in seiner Mitte nie- lung des neu geschaf fenen Sees hatte
derlässt, geht der Blick durch die gefächer- an jenem Tag damals die Strahlen der auf-
ten, weiß lackierten Holzstangen ins Grüne. gehenden Sonne noch verstärkt. Aus diesen
45

Architekten: 4
Barkow Leibinger

Holzspäne

Frank Barkow vom Berliner Büro Barkow Der Entwurf basiert auf historischen Bildern funktioniert dieses kleine Objekt am besten.
Leibinger beschreibt den Ablauf von Auf- von einem künstlichen Hügel im Park, auf Das Dach spendet Schatten wie eine Baum-
trag zu Entwur f, Bau und Nachnutzung. dem William Kent einen rotierenden Pavillon krone, um den Stamm herum sind Sitze
Er erzählt, wie er sofort mit Koffern voller gebaut hatte, der sich um 360 Grad drehte. angeordet, die sich wie Holzspäne ringeln
Modelle am Flughafen Heathrow ankam, Der Grundriss des Pavillons entstand aus und die zum Ausruhen einladen.
sobald er den Auftrag hatte. Die Bauphase einer Konturenzeichnung: Man zeichnet
war kurz, und er hofft, dass der Pavillon ein ohne den Stift abzusetzen. Das Material ist
Nachleben an anderen Orten haben wird. durchgehend unbehandeltes Schichtholz,
Gleichzeitig kann er aber für die Architek- das sich in Kurven und Schlangen windet,
ten auch als Prototyp dienen, als Basis für ein innen von Stahl ausgesteift. Ganz ohne
Möbelstück oder für ein kleines Gebäude. Zweifel – zur entspannten Rast in einem Park
46 kleine Werke ( 75 )

M THE
ZU M
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BAU
SE N SIE

MEISTER.
G.

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SE REM

Städtische Baustelle

Unter dem Titel „Rennes 2030“ plant die Hauptstadt der Bretagne, ihr eine Bürgersteigspitze vor der Kirche mit neun Sitzmöglichkeiten
städtebauliches Konzept innerhalb der nächsten 15 Jahre stark zu revitalisiert. Die bunten Bänke verfügen auf einer Seite über ein
wandeln. Bevor der neue Masterplan umgesetzt und die neuen Schubkarrenrad. Somit können die Sitze gruppiert, getrennt oder
Großprojekte gebaut werden können, finanziert die Stadt klein- bewegt werden, um sich unterschiedlichen Sitz-Angelegenheiten
maßstäbliche Interventionen. Und Aktionen, um den Einwohnern anzupassen. Mit den Bänken drehen sich auch gelbe Buchstaben,
FOTO: E NOR ME STUDIO

die Planungen häppchenweise zu präsentieren und die Aufent- die wie Fahnen daran montiert sind. Zusammen bilden sie den Be-
haltsqualität der öffentlichen Räume schon mal mit geringen Kos- griff „Rennes 2030“ – sichtbar für vorbeikommende Autofahrer und
ten zu verbessern. Passanten. Die neun roten „Sitzschubkarren“ inszenieren außerdem
Vor der Kirche Sainte Jeanne d’Arc befindet sich zum Beispiel schon eine kleine Baustelle. Ein Vorgeschmack auf das, was die Einwoh-
so eine Intervention. Hier hat das spanische Büro Enorme Studio ner von Rennes zu erwarten haben.

Text Leonardo Lella


BAUMEISTER ePAPER
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B7
BAU Juli 16
11 3 . J A H R G A N G

Das Architektur-
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48 Ideen 3

Der transparente Anbau heißt Besucher willkommen und beherbergt zudem nützliche Räume wie temporäre Ausstellungsräume und den Museumsladen.
49

Anlehnung
und
Differenz

Architekten:
Graber und Steiger

Kritik:
Hubertus Adam

Fotos:
Dominique Marc Wehrli

Ein Besuch des „Thun-Panoramas“ ist ein Ausflug in die Vergangenheit.


Das Rundbild gilt als das älteste erhaltene – doch trotz dieser Attraktion
blieben die Besucherzahlen lange weit hinter den Erwartungen zurück. Erst
ein neuer, eleganter Anbau von Graber und Steiger stattete den Rundbau
mit allen Annehmlichkeiten – wie einem Café – aus, die auch der schönen
Lage am Thuner See gerecht werden.
50 Ideen 3

Das Gewölbe der Rotunde wird durch radiale Betonpfeiler getragen, im Anbau bilden Stützen des Kerns und astförmige Unterzüge das statische System.
51

Außerdem ist der offene Anbau ein Gegenpol zum introvertierteren Nachkriegsbau, wo die Konzentration auf dem Kunstwerk liegt.
52 Ideen 3

Der Pavillon wächst subtil aus der Rotunde heraus und entwickelt sich zu einem Rechteck.
53

Museumsshop, Garderobe, WCs und ein Café bieten nun mehr Annehmlichkeiten für die Besucher.
54 Ideen 3

I
die Gattung des Panoramas, als dessen drei Metern zu erzielen; und schließlich das
ältestes erhaltenes Beispiel das Rundbild von den beiden konkaven Glasflächen
in Thun gilt. begrenzte Vestibül, die eigentliche Verbin-
Der Thuner Stadtbaumeister Karl Keller dung zum Altbau der Panoramarotunde.
erbaute im Park der Villa Schadau eine mit Diese wurde saniert und erdbebensicher
einer Oberlichtkuppel versehene Rotunde ertüchtigt.
von 12 Metern Höhe und 14 Metern Durch-
m Jahre 1814 eröffnete am Sternengässlein messer, deren Betonskelett mit Backstein
in Basel eine neue Attraktion: In einem ausgefacht ist. 1961 öffnete das „Wocher-
eigens erstellten Rundbau präsentierte der Panorama“, und heute kann Kellers schlich-
zuvor vornehmlich durch Veduten bekannte ter Bau für eine nach dem Zweiten Weltkrieg
Maler Marquard Wocher ein 280 Quadrat- wahrlich unzeitgemäße Bauaufgabe als
meter messendes Riesenwandbild der Stadt bedeutendes Zeugnis der Nachk riegs-
Thun – nur gut 20 Jahre, nachdem Robert moderne gelten. Die Besucherzahlen blie-
Barker die Gattung des Panoramas in London ben indes auch hier hinter den Erwartungen
gleichsam erfunden hatte. Das gewaltige zurück, wofür unter anderem die zwar land-
Gemälde hatte Abmessungen von 7,5 mal schaftlich attraktive, aber etwas abseitige
38 Metern; Wocher hatte es, basierend auf Lage südlich der Altstadt und nahe der
in der Altstadt von Thun angefer tigten Nordspitze des Thunersees verantwortlich
Skizzen, in den vergangenen sechs Jahren ist. Daran ließ sich nichts ändern, wohl
angefertigt. aber an anderen Faktoren. Im Vorfeld des
20 0-jährigen Jubiläums entschied man
sich, den offiziellen Namen von „Wocher-
Panorama“ in „Thun Panorama“ zu ändern –
und führte 2008 einen Studienauftrag für ein ... ist das älteste existierende der Welt.
neues Eingangsbauwerk durch. Denn der
schuppenähnliche Zugang zu Kellers Zylin- Im Erdgeschoss informiert eine von dem in
derbau war einerseits ästhetisch unbefriedi- Zürich und Chur ansässigen Team Gasser
gend und bot andererseits nicht genügend Derungs gestaltete Ausstellung über die
Platz für Funktionen, ohne die heutzutage Geschichte des Wocherschen Rundbilds.
kein noch so kleines Museum auszukom- Von hier aus gelangt man über eine halb-
men vermag: Sonderausstellungsfläche, kreisförmige Treppe auf die aus vier konzen-
Café, Garderobe, Empfang, Toiletten. trischen Ebenen bestehende Besucher-
Das Projekt von Graber und Steiger aus plattform in der Mitte des Panoramas. Durch
Luzern, das 2014 eingeweiht wurde, bezieht eine erneuer te Lichtkuppel und einen
sich auf Kellers Panoramarotunde und Baldachin mit integrierter Beleuchtung ist
nimmt doch eine komplementäre Haltung dieses nun perfekt ins Licht gerückt. Auf eine
ein. Ohne Fuge schließt das Dach des neuen Klimatisierung wurde aus konser vatori-
eingeschossigen Flachbaus an das Beton- schen Gründen verzichtet, lediglich die
Das Rundbild von Marquard Wacher... band an, welches das Eingangsgeschoss Luftfeuchtigkeit wird reguliert. Demgegen-
der Rotunde von dem sich darüber erhe- über folgt der Anbau mit seiner Dreifach-
Es passte mit seiner Mischung aus Stadtan- benden Ziegelmantel trennt. Auf die Verti- verglasung dem Minergie-Standard.
sicht, Gebirgspanorama und Genredarstel- kalität des Bestandsbaus antworten Graber Graber und Steiger beweisen mit ihrem
lung gut in die Zeit des frühen 19. Jahrhun- und Steiger mit der Horizontalität des An- Projekt, wie Gegensätze auf höherer Ebene
derts: Die Schweiz hatte sich seit Albrecht nexes, auf den Kreis des Grundrisses mit zu einer Einheit werden können. Die Analyse
von Hallers Alpen-Dichtungen, Goethes zwei konkaven Fronten, die zu einem Recht- des Bestands hat zu einer intelligenten und
Reiseberichten und Schillers „Tell“ als Sehn- eck überleiten, auf die Massivität von Back- atmosphärisch stimmigen Lösung geführt,
suchtsland etabliert, auch wenn die mühsa- stein und Beton mit gläsernen Fassaden. die eigenen Charakter besitzt, aber doch
men Reisen privilegierten Personen vorbe- Und während Keller die Tragstruktur seiner dem bestehenden Gebäude den Vortritt
halten blieben. So zeugte das Thun-Panora- Rotunde zur Rhythmisierung der Fassade lässt. Seine klare Form tritt weder in Konkur-
ma in Basel von der fernen Welt des Berner nutzte, konzentrierten die Luzerner Archi- renz mit dem Bestand, noch wird er durch
Oberlands. Wochers Kalkül ging allerdings tek ten die ebenfalls mit Betonpfeilern eine ausufernde Umbauung relativiert. Wie
nicht auf, sein Unternehmen geriet zum bewerkstelligte Lastabtragung auf ein in- seinerzeit Keller arbeiten die heutigen
Misserfolg, und er selbst starb 1830 in Armut. neres Geviert. Bis zu acht Meter auskragend, Architekten mit klaren und präzisen Set-
Testamentarisch der Stadt Thun vermacht, tragen Unterzüge die Dachplatte – eine zungen und nur wenigen Materialien. Ein
gelangte das Rundbild lange Zeit nach Lösung, welche die Eliminierung von Stützen gelungener Dialog.
Wochers Tod dorthin, allerdings zu einer Zeit, aus der Fassadenebene ermöglichte und im
da Panoramen als Illusionsmaschinerien Inneren trotz beschränkter Räumlichkeiten
der Vergangenheit angehörten. Eingela- eine flexible Bespielung garantiert.
gert geriet es in Vergessenheit und wurde Funktional gliedert sich das neue Eingangs-
erst nach dem Zweiten Weltkrieg wiederent- bauwerk in drei Teile: das Stützengeviert,
deckt. Die Entscheidung, für das Wandbild das mit Einbauten aus weiß beschichtetem
Wochers einen dauerhaften Bau zu errich- Holzwerkstoff versehen ist und mit Empfang,
ten, erklärt sich nicht nur aus lokalhistori- Bist rotheke, Ga rderoben und Toilet ten
schen Motiven; sie ist auch ein Indikator für ausgestaltet wurde; den anschließenden
die sukzessive Rehabilitierung für die zuvor Ausstellungs- oder Vortragsbereich, der
geschmähte Kunst des 19. Jahrhunderts und leicht abgesenkt ist, um eine Raumhöhe von
55

M 1:4 0 0 0

Lageplan Schnitt

BAUHERR:
Amt für Stadtliegenschaften
Thun

M 1: 2 5 0
ARCHITEKTEN:
Niklaus Graber & Christoph Steiger
Architekten ETH/BSA/SIA, Luzern

MITARBE ITE R:
Urs Schmid (Projektleitung),
Karin Ohashi

ÖRTLICHE BAUAUFSICHT:
Gassner & Leuenberger AG,
Thun
Obergeschoss
BAUINGENIEUR:
Dr. Schwarz Consulting AG,
Zug

HAUSTECHNIKPLANER:
Peter Hanimann, Zweisimmen

BAUPHYSIK:
Ragonesi, Strobel & Partner,
Luzern

FASSADE NPL ANUNG:


Metallprojekt GmbH, Kerns

RE STAUR ATOR:
Michael Fischer, H.A. Fischer AG,
Bern

WETTBEWERB:
2009

FERTIGSTELLUNG:
September 2014

STANDORT:
Seestrasse 45F,
Schadaupark, Thun,
Schweiz Erdgeschoss
56

Oben:
Das Restaurant ist für Hostel-Gäste und die Öffent-
lichkeit zugänglich. Jede Woche finden hier auch
Konzerte statt.

Rechts:
An der „Drinx“-Bar fragt man am besten nach dem
Bier des Tages – und zahlt stolze acht Euro.

Unten:
Den Schlafsaal teilt man sich mit drei, fünf, sieben,
neun oder auch 15 anderen Reisenden. Duschen darf
man gegenüber der Schlafsäle ohne Zuschauer.

FOTO: KEX HOSTE L


Unterwegs im 57

Kex
Reykjavík

Günstige Unterkünfte gibt es in Island nicht.


Sogar in der Hostelliga spielt das Kex im Preis-
Leistungsverhältnis des Landes in einer
der oberen Ligen.

Hermann Bahlsen haben wir es zu verdanken, dass das Wort Keks im Duden
steht. 1891 bringt er den „Leibniz Cakes“ auf den Markt – nur eines von
vielen süßen Rezepten, die im 19. Jahrhundert aus England nach Europa
kommen. Irgendwann geht der Begriff den Deutschen auf den Cakes, und
Bahlsen transformiert ihn 1911 in das deutscher klingende Wort Keks
(Plural: „die Keks“).
PREISE
Bei den Isländern heißt das „Kex“. Im Zentrum von Reykjavík ist der Begriff
Namensgeber einer Unterkunft – benannt nach der Fabrik, die dort zuvor
Kekse produzierte. Lage: schräg gegenüber des Konzerthauses von Ólafur 215
Elíasson.
Für Backpacker-Maßstäbe ist das Hostel riesig: drei Stockwerke, 215 Bet-
ten, Lounge, öffentliche Bar plus Restaurant, Fitnessraum, Gästeküchen,
Betten
Tagungsräume. Alles auf sehr großzügigem Raum. Das heißt aber auch,
dass die Backpacker-Kuscheligkeit fehlt: Die meisten Gesichter sieht man
nur einmal – dann verschwinden sie in der 215-Betten-Masse. Dafürbegeg-
net man aber Einheimischen, die das öffentliche Restaurant oder die Bar ab
besuchen. Außerdem findet einmal pro Woche ein Konzert statt – Reykja-
víks Bevölkerung lässt sich diesen Happen vom Kex nicht entgehen.
Von Außen wirkt das Gebäude recht unspektakulär. Spektakulär ist im
47 Euro
Winter nur der kurze, aber extrem glatte Weg vom Shuttlebus zur Haustür,
der selbst mit dicken Winterstiefeln eine Herausforderung ist. Innen kann
man dann wieder normalen Schrittes voranschreiten – und die Aufmerk-
samkeit wandert von der Rutschgefahr zum Interieur. Trotz wiederverwer-
tetem Material und Möbeln wirkt das Hostel nicht ramschig, sondern – wie
viele zeitgenössische Interieure – vintage-industriell. Wenn keine Band
spielt, läuft das Album von The Growlers.
Wer Gesichtern wieder begegnen will, ist im Schlafsaal gut aufgehoben.
Es gibt gemischte, aber auch reine „Male“- oder „Female-Dorms“ mit vier,
sechs, zehn oder 16 Betten. Dass man sich für eine dieser Varianten
ADRESSE entscheidet, ist bei den isländischen Preisen recht wahrscheinlich.
Ein Sechsbettzimmer kostet mit Badezimmer am Gang schon 47 Euro. Ohne
Skúlagata 28 Frühstück. Luxuriöser ist die Variante Einzelzimmer mit eigenem Bad für 215
101 Reykjavík Euro. An solche Summen muss man sich in Island gewöhnen. Ablenken
Island lassen kann man sich durch die vierstelligen Beträge der Landeswährung:
1.000 isländische Kronen sind sieben Euro wert. Wer den Wechselkurs nicht
+354 561 6060 verdrängen kann, spült den Kummer mit einem acht Euro teuren Bier runter.
www.kexhostel.is Die Drinx-Bar des Hostels schafft mit täglich wechselndem Lager, Craft und
Ale Abhilfe. Da freut sich auch der deutsche Gaumen. Und auch die Islän-
der haben in Sachen Bier einiges aufzuholen, denn bis 1989 war das
Getränk im Land verboten.
Bei Ankunft in der Nacht bekommt man vom Ausblick des Hostels nichts
mit. Spätestens auf dem Weg zum Frühstück am Morgen erblickt man dann
Reykjavíks Tafelberge, die direkt gegenüber liegen. Ein Vorgeschmack
auf die bizarre Landschaft, die einem bei der Erkundung des Landes noch
begegnen wird.

Text Maike Burk


58
Ideen
4

ALLE FOTOS: SIE ME NS AG


59
Architekten: Kritik:
Henning Larsen Alexander Gutzmer
Architects

Komm
Guck mal da links:
Eher dezent rückt
sich der Neubau am
Wittelsbacher Platz
ins Bild.

in den Hof,
spielen!

Siemens eröffnet in München seinen neuen Firmensitz. Ein leichtes Ensemble


aus Innenhöfen und Atrien lädt die Münchner ins Firmeninnere ein – we-
nigstens ein bisschen. Eine große architektonische Geste sieht zwar anders
aus. Aber die Stadt wird von der neuen Offenheit nördlich der Innenstadt
profitieren.
60 Ideen 4

Horizontale Bänder
konturieren die Fassa-
den.
61

45.000 Quadrat-
meter oberirdische
Geschossfläche
hat das Gebäude
geschaffen.
62
Ideen 4 63

Insgesamt 1.200 Mit-


arbeitern bietet der
Neubau Arbeitsplätze.
Sie verteilen sich auf
drei Untergeschosse,
Erd- sowie vier Büro-
geschosse und zwei
Dachgeschosse.
64

E
sen Innenhöfen aufhält; Restaurants und Doch Zeichen der suk zessiven Öf fnung
Cafés sollen dies nochmals unterstreichen. formuliert die Architektur hier definitiv. Das
Die in der Tat neue Erfahrung, dass am Wit- Atrium, in herkömmlichen Firmenzentralen
telsbacher Platz Stadttouren nicht enden, der Or t, an dem sich geltungssüchtige
sondern dass diese in Richtung des Kunst- Sicherheutsleute austoben können, wird
areals weiter geführt werden können, sind zu einem Ort der Begegnung zwischen Kom-
definitiv eine topografische Bereicherung merz, Kunde und dem Rest von uns. Sicher,
iner der abgenutztesten Begriffe im Archi- für München. Die visuellen oder atmosphä- die Security-Kräfte müssen sich noch ein
tekturjournalismus ist der des „Tempels“. rischen Impulse, die die Architektur des wenig an das neue Freundlichkeitsdogma
Wann immer Journalisten nicht recht etwas Gebäudes unterwegs setzt, untermauern gewöhnen. Aber: Man kann von hier aus in
einfällt, nennen sie ein Gebäude einen Tem- dies allerdings nur bedingt. Es scheint, als der Tat den Siemensianern beim Arbeiten
pel. Tempel der Macht, Tempel der Kunst, hätten die Architekten in ihrer skandina- zuschauen. Das hat seinen Reiz – zumal die
offener, grader, nüchterner, grüner Tempel. vischen Tendenz zum Maßhalten ein wenig zentralen Verbindungswege zwischen den
Oder aber, wie vom Tagesspiegel gerade zaghaft agiert. Jedenfalls lässt sich nicht an Abteilungen in den oberen Geschossen
bezogen auf die neue Siemens-Zentrale jeder Stelle ein durchgehendes gestalteri- allesamt am Atrium entlang geführt werden.
in München getitelt – „lichter Tempel“. sches Konzept erkennen. Was etwa ist die „Baut keine Atomkraftwerke mehr“, könn-
Das ist, bei aller Wertschätzung den Berliner ästhetische, was die architektonische Funk- ten Kapitalismuskritiker den Anzugträgern
Kol legen gegenübe r, Qua tsch. D ieses tion der oft ins Beige tendierenden, seltsam an den Brüstungen zurufen. (Von Schlips-
Gebäude ist alles Mögliche, aber ganz diffusen Farbigkeit? Warum genau wird an trägern darf in diesem Zusammenhang übri-
sicher kein Tempel. Es bildet keine extrover- Stellen, an denen die Architektur keine gens nicht mehr gesprochen werden. Denn
tierte Strahlkulisse nach außen, entfaltet Bezüge zu vorhandener Bausubstanz her- CEO Kaeser verkündete auf der Eröffnung
keine bedeutungsgeschwängerte Symbol- stellen muss, plötzlich auf metallenes Grau- auch die künftige Krawattenfreiheit seiner
kraft und stellt auch keinen selbstbewussten blau gesetzt? Angestellten – selber allerdings noch ele-
Ausdruck unternehmerischen Machtbe- gant beschlipst.)

U
wusstseins dar. Nein, dieses Gebäude ist zu Wenn die Krawatte das Prinzip vertikaler
allererst introvertiert. Strenge im Bereich der Mode formuliert,
dann tun außen liegende Fahrstühle dies
München duckt sich mal wieder häufig in der kapitalistischen Büroarchi-
tektur. Da im Siemens-Gebäude das Außen
Das ist einerseits der Lage in der Stadt innen liegt, sind diese Fahrstühle logischer-
geschuldet. München hält sich, wie wir alle weise innen, vier technoide Striemen, die
wissen, viel zugute auf die eigene Tradi- nd weshalb, vor allem, knicken die nach der farblichen Lieblichkeit und auch dem
tionsbewusstheit und auch das eigene innen gerichteten Fassaden an den Innen- schönen Licht in dem angenehmen Atrium
gewachsene Stadtbild. Stichwort Frauen- höfen immer wieder quasi leicht nach einen Kontrapunkt entgegen setzen. Ein
kirche. Exaltiertes Ausreißertum ist nicht hinten weg? Eine Geste, die durch die wenig fragend steht man vor ihnen. Denn in
erwünscht, zu viel Modernes ebenso wenig. demonstrative Betonung der die gesamte ihrer Massivität nehmen sie dieser Geste der
Die in der Stadt anwesenden Weltkonzerne Gebäudehöhe bespielenden Stützen, die Offenheit, die das Atrium ja formulieren
halten sich an die verordnete Zurückhal- ebenfalls zwischen Etage zwei und drei zu möchte, doch einiges von ihrer nonchalan-
tung, vielleicht mit Ausnahme von BMW. kippen beginnen, noch augenfälliger wird. ten Freundlichkeit. Zumal die Schächte
In München sitzt die Macht, aber man sieht Klar, hier sollte ein gemäßigt expressiver in ihrer bruchfreien Linearität eben mit dem
sie nicht. Für Siemens hieß diese Zurückhal- Akzent gesetzt werden. Nur leider wirkt er er wähnten Abknicken der Rest fassade
tung, dass die Sichtachsen am Wittels- ein wenig halbherzig – und kommt auch an kollidieren. Das passt einfach nicht, so der
bacher Platz nicht durch einen allzu mar- unpassender Stelle. Die Idee der Innenhöfe Eindruck.
kanten Neubau gestört werden sollen. Letzt- ist es doch gerade, dass sie bei einem Ge- So bleibt alles in allem eine schöne städte-
lich hält die Stadt eben das dortige histori- bäude, das zumindest nach Norden und bauliche Geste, die in der Fassadengestal-
sche Palais Ludwig Ferdinand fü r den Westen von viel befahrenen Straßen umge- tung zwar nicht überall ihre Entsprechung
Inbegriff ästhetisch wertvoller Baukunst. ben wird, Schutz bieten. Diese Funktion wird findet, in der Architektur in großen Linien
Und so eröffnet sich denn auch eher ver- durch den bewussten Verzicht auf gestalte- aber von dieser unterstützt wird. Dieses Ge-
schämt ein Blick auf das dahinter liegende rische Gradlinigkeit an dieser Stelle zurück bäude wird unter Freunden der architekto-
Gebäudeensemble, das Henning Larsen genommen. Es hätte doch völlig gereicht, nisch großen Geste vielleicht nicht zu Trä-
jetzt zwischen Innenstadt und Kunstareal mit den meist abgerundeten Ecken zu nen der Rührung führen. Aber es wird die
in die Stadtlandschaft pflanzten. signalisieren, dass hier die Welt der harten Bewegungsmuster der Flaneure in Mün-
Globalwirtschaft sich freundlich der Stadt chens Innenstadt verändern. Und das ist
Schöne begrünte Innenhöfe und ihrer Bevölkerung zuwendet. schon mal etwas für einen Konzern, der sich
ja nicht zuletzt der Gestaltung globaler
Kerngedanke der an vielerlei Stellen mit der Entsteht hier etwa der Logistikprozesse verschrieben hat.
gegebenen Gebäudesubstanz verschmol- hierarchiefreie Kapitalismus?
zenen Architektur sind keine expressiven
Außenfassaden, sondern die Ideen des Und das tut sie. Es ist bemerkenswert, wie
Innenhofes und der räumlichen Durchläs- weit sich hier der Konzern öffnet. Es ist von
sigkeit. Diese werden mit einer Mischung daher gar nicht nur wohlfeile PR-Rhetorik,
aus Glas-Stahl-Architektur und hier mil- wenn Vorstandschef Joe Kaeser auf der
dernd wirkenden Beton- und Steinakzenten Eröffnung verkündete, das Gebäude sei ein
umgesetzt. Drei begrünte Innenhöfe und ein Schritt hin zum „hierarchiefreien Dialog“.
offen einseh- und besuchbares Atrium for- Zwar dürfte die komplette Hierarchielosig-
mulieren eine einladende Geste. Siemens keit für global agierende Konzerne wie
will, dass sich die Stadtbevölkerung in die- Siemens auch künftig eine Illusion bleiben.
Ideen 4 65

BAUHERR: PROJE K TL AUFZE IT:


Siemens Real Estate 2010 bis 2016

ARCHITEKTEN: OBERIRDISCHE
Henning Larsen Architects, GESCHOSSFL ÄCHE:
Kopenhagen Rund 45.000 Quadratmeter

INNE NARCHITE K T: STANDORT:


Landau + Kindelbacher Siemens-Konzernzentrale,
Architekten – Innenarchitekten Wittelsbacherplatz 2,
GmbH, München München
66

Urbanes
Wohnzimmer
Architekten:
Zaha Hadid Architects

Kritik:
Olaf Bartels

Fotos:
Martin Zitzlaff,
Klaus Frahm

Die neue Hamburger


Hafenpromenade
verbindet Stadt und
Hafen miteinander.
Die mäandernde
Uferkante spielt mit
wiederkehrenden
Buchten und passt sich
so den Gegebenheiten
an.
Ideen 5 67

Für die neue von


Zaha Hadid Architekten
entworfene Hochwasser-
schutzanlage am Hamburger
Hafen spielt Lichtdesign
eine entscheidende
Rolle, um den Hafen
an die Stadt anzubinden.
Der Entwurf inszeniert
die Großstadt- und
Hafenlichter als Schau-
spiel und zeigt gleich-
zeitig neue Möglichkeiten
der Lichtgestaltung für
die Stadt auf.
68 Ideen 5

Felsformation Nr. 1

Einer der zwei geplanten begehbaren Struktur her- der Promenade setzen sich
Pavillons von Zaha Hadid auszuwachsen und fügt auch in der Gestaltung des
Architects wurde vor sich so in die mäandernde Pavillons fort und ver-
Kurzem fertiggestellt und Flusspromenade ein. schmelzen so zu einer ge-
beherbergt ein Café. Das Auch hier wurde das Motiv bauten Einheit. Dunkle
Gehäuse erinnert an einen Wasser verfolgt: Alle For- Ziegel lassen den eigent-
Felsbrocken, scheint men fließen parallel zum lich filigranen Pavillon
aus der lang gezogenen, Elbufer. Die Oberflächen massiv wirken.
69

Oben: Das Café


Balzac sorgt für das
leibliche Wohl der
Besucher und ermög-
licht durch bodentiefe
Fenster Ausblicke
über die Hafenland-
schaft.

Rechts: Wechsel zwi-


schen dunklen und
hellen Oberflächen.
Letztere werden auch
genutzt, damit man
sich eine kleine Sitz-
pause gönnen kann.
70 Ideen 5

Rückseite der Anlage.


Die Straßenseite wirkt
eher geschlossen –
parzielle Einblicke
in das Café bleiben
Passanten und Autos
durch Klebefolien ver-
schlossen.
BAUHERR:
LSBG Landesbetrieb
Straßen, Brücken und
Gewässer

ARCHITEKTEN:
Zaha Hadid Architects,
London
Zaha Hadid mit
Patrik Schumacher

TEAM:
Jan Hübener (Projektleiter),
Niels Kespohl,
Cornelius Schlotthauer,
Rassul Wassa,
Walentina Tradowski,
Gonzalo Carbajo,
Eren Ciraci

BAUZE IT:
2006 bis 2014

STANDORT:
Uferpromenade Hamburg
71
Oben: Luftaufnahme
mit Lageplan der Pro-
menade. Hamburg er-
neuert schrittweise sei-
ne Hochwasserschutz-
anlagen am Hafen.

Unten: Die „Amphi-


theater" dienen natür-
lich auch der Erschlie-
ßung.
72 Ideen 5

E
Hafengebiete am Nordufer der Elbe wieder burg selbst kommen. Wohnquartiere sind
zur Stadt. Sie haben sich vom Hinterhof zum nur wenige in der Nähe, und die angrenzen-
Salon gewandelt – und Hamburg denkt de HafenCity verfügt selbst über eine Viel-
darüber nach, wie sich die Stadtentwick- zahl öffentlicher Orte. An der Norderelbe
lung ausgehend von der HafenCity über die werden in Zukunft also vor allem Touristen zu
Norderelbe weiter nach Süden orientieren finden sein, weshalb ein zusätzliches gas-
kann. Die Internationale Bauausstellung in tronomisches Angebot sinnvoll und in den
s sieht leer aus im Hamburger Hafen. Noch den Stadtvierteln Veddel, Wilhelmsburg und folgenden Bauabschnitten auch vorge-
vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich Harburg, aber auch die Bewerbung um die sehen ist. Insgesamt verspricht die Anlage
hier auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Olympischen Spiele 2024 waren Bausteine zu einem vielfältig kommunikativen Raum
Frachter und Passagierschiffe – jetzt liegen für einen „Sprung über die Elbe“ und sind es zu werden, der die Stadt und ihre Wasser-
hier vor allem Museums- und Ausflugsschiffe. noch immer. Das Hochwasserschutzbau- flächen miteinander verbindet und der als
Das Leben am Nordufer der Elbe hat sich werk hat dadurch den Charakter einer Promenade gut funktioniert.
verändert. Noch in den frühen 1930er-Jah- Grenzlinie zwischen Stadt und Hafen einge-
ren diente das Elbufer an den Straßen „Vor- büßt, auch wenn es weiter seine Funktion Der Hafen als Schauspiel
setzen“ und „Baumwall“ dem Hafenbetrieb erfüllen muss.
und dem Güterumschlag. Hier in der Nähe Das Lichtdesign von Tom Schlotfeldt ergänzt
der Alstermündung lag der Maschinenraum Ein neues Stadtmöbel den Architekturentwurf – und das nicht nur
der Hansestadt – der Hafen hatte hier seinen durch die Lichtsetzung, sondern auch durch
Ursprung. 20 06 wurde der Hochwasserschutz am das Design der Leuchten selbst: Die vom
Niederhafen im Rahmen einer „Architektur- Lichtplaner entworfenen, schief aufragen-
Trennung und Vereinigung Olympiade“ zum Thema der Stadterneue- den Lichtmasten nehmen die vertikalen
rung. Geplant war ein signifikanter Wandel, St ruk turen der Kräne, Ladebäume und
Mit der Stadtbefestigung zur Zeit der Renais- um das Wasser stärker in den öffentlichen Schiffsmasten in der Umgebung auf und
sance wurde der Binnenhafen vom Nieder- Raum der Stadt zu integrieren, dabei aber generieren differenzierte Lichträume, die
hafen getrennt und nachts durch einen Wall gleichzeitig auch die hohen Sturmfluten von wiederum mit den Treppenbuchten und
aus Baumstämmen, dem sogenannten der Stadt fernzuhalten. Zaha Hadid Archi- dem Weg auf der Promenade korrespon-
„Baumwall“, gegen mögliche Angreifer ver- tekten aus London stellten sich dieser Auf- dieren.
schlossen. Mit dem Zollanschluss 18 8 8 gabe. Mit den für das Büro typischen organi- Es ist also nicht nur ein großes Stadtmöbel
verlagerte sich der Hauptumschlag der schen Formen entwarfen die Architekten entstanden, es hat auch noch die angemes-
Waren in den Freihafen und in die neue Spei- eine neue Promenade, deren erster Bauab- sene Wohnzimmerbeleuchtung bekommen
cherstadt, dem Niederhafen blieb aber schnitt, der sich in unmittelbarer Nähe der – im Zweifel eher zu viel als zu wenig. Damit
trotzdem noch genügend Umschlag von Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron bietet es aber auch eine wunderbare, ro-
Waren aus innerdeutschem Verkehr. Spä- befindet, fertig gestellt worden ist. Konzep- mantische Kulisse. Davon profitiert auch die
testens mit dem Bau der Hochbahn 1911 ver- tionell folgt der Entwurf wieder dem Prinzip Kultgaststätte Strandperle in Övelgönne,
schwanden die Spuren des Baumwalls und einer breiten hohen Schutzwand, in die aber dem alten Lotsen- und Kapitänsquartier
der Bastionen in der Stadtbefestigung. Nur wechselseitig zur Hafen- und Stadtseite weiter westlich direkt am Strand der Elbe.
St raßennamen wie „Johannisbollwerk“ t ribünena r tige Treppenbuchten einge- Mit diesem neuen Kulturraum verschiebt
ode r de r Name de r Hochbahnsta t ion schnitten sind. Farbe und Materialität heben sich die Grenze zwischen Stadt und Hafen
„Baumwall“ erinnern heute noch daran. Ha- die geometrische Struktur der Buchten zu- einmal mehr. Die schiefen Masten der Hoch-
fen und Stadt bildeten seitdem eine Einheit. sätzlich hervor. Die Schutzwand ist dadurch wasserschutzanalage sind deshalb nicht
Hamburg hatte hier seinen Motor – mit allen zu einer Art Deich geworden und lässt sich nur eine Reminiszenz an eine alte Seefahrer-
Nachteilen einer exponierten Lage. Nach im Unterschied zu früher nicht nur flussauf- stadt, sondern auch eine Tribüne für eine
zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und und -abwärts beschreiten, sondern auch moderne Hafenstadt.
1976 trennte eine erste Hochwasserschutz- überqueren. Die Stadt hat dadurch ein neues
anlage die Stadt wiederum vom Hafen und Möbelstück bekommen. Stadtflaneure kön-
vom Wasser ab. Sie hatte den Charakter ei- nen hier wie auf einem überdimensionalen
ner modernen Stadtmauer, unter der ge- Sofa verweilen und das Stadtleben oder das
parkt und auf der promeniert wurde. Hafengeschehen wie auf einer Bühne ver-
folgen – mit dem Unterschied, dass dieses
Vom Hinterhof zum Salon Schauspiel nicht inszeniert wird. Jedenfalls
nicht im Regelfall. Spätestens bei einer
Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden die Sturmflut dürften sich besonders die Plätze
Container des Hafens verstärkt außerhalb in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen.
des Stadtzent rums umgeschlagen, der Die Assoziation vom Wasser ausgespülter
Stückgutverkehr spielt fast keine Rolle mehr. Buchten, die dem Entwurfsgedanken der
Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Treppenanlagen zugrunde liegt, spielt mit
Frachtschiffe ist zur Attraktion geworden der gestalterischen Kraft des Wassers, aber
und längst kein Tagesgeschäft mehr. Auch gleichzeitig auch mit der Angst vor der Flut,
die Sportboote, Restaurant- und Museums- die hinter dem funktionalen Zweck der An-
schiffe sowie die Musical-Theater am Süd- lage steht.
ufer der Norderelbe gehören mittlerweile
mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb, der Form und Funktion
südlich der Norderelbe immer mehr in
den Hintergrund tritt. Die Freihafengrenze In diese erste Teilstrecke ist auch ein Café
wurde verlegt, und die HafenCity wächst mit integriert worden, das für das leibliche Wohl
großen Schritten. Seitdem gehören die alten der Besucher sorgt, die nicht nur aus Ham-
73

3
Fragen:
SEITE
74
London – Ende
einer europäischen
Metropole?
SEITE
78
Warum Turin,
Herr Nietzsche?
SEITE
94
Wie sehen die
Handelsflächen der
Zukunft aus?
74 Fragen 1

TITELTHEMA
L O N D O N , E U R O PA
UND DIE TATE

London

Ende einer
europäischen
Metropole

Der Schock der Brexit-Entscheidung sitzt tief.


Auch das Gefüge europäischer Weltstädte
wird sich verändern. Frankfurt könnte das
neue London werden, frohlocken EU-phoriker.
Die Realität sieht anders aus. Mit dem Brexit
verliert die Europäische Union ihre vielleicht
faszinierendste und vielfältigste Metropole.
75

Text: Irrtum. Das hämische Anti-UK-Klima, das


Alexander Gutzmer sich seit der Brexit-Entscheidung in den
sozialen Medien verbreitet, stellt nicht
mehr dar als das sprichwörtliche Pfeifen
im Walde. Oder sollte man sagen, ein
Pfeifen auf dem Friedhof der EU? Mit „whist-
ling on the graveyard“ würden nämlich
Engländer die Redewendung übersetzen.
Nun, vom Friedhof zu sprechen wäre natür-
lich zu dramatisch. Der Brexit zerstört nicht
„Don’t mention the war!“ Dieser Satz stellt die EU. Aber er wird nicht nur Großbritan-
einen Höhepunkt britischer Fernsehge- nien treffen, sondern auch Europa – und
schichte dar. Um ihn kreist eine ganze dort nicht zuletzt Deutschland. Die beiden
Folge der legendären BBC-Comedyserie Volkswirtschaften sind eng verflochten.
„Fawlty Towers“. John Cleese spielt darin Und mit den Briten geht eines jener Länder,
den neurotischen, immer leicht hysteri- die – wie mittlerweile auch Deutschland
schen Hotelbesitzer Basil Fawlty, der mit – einen Kurs der Liberalisierung vertreten.
Wonne die klassisch britischen Lieblings- Von diesem dürfte Europa jetzt mehr denn
themen durchdekliniert. Eines dieser The- je abrücken, denn in enger Gemeinschaft
men: England und sein Verhältnis zu den der Strukturkonservativen lassen sich un-
Deutschen. Und dazu gehört eben der War angenehme Reformen natürlich leichter
– den Basil seinen arglosen germanischen verhindern. Auch deutsche Politiker dürf-
Gästen wieder und wieder auf den Butter- ten der Ausrede, man habe ja reformieren
toast schmiert. wollen, aber leider wollten die anderen
Die Serie Fawlty Towers hatte ihre beste nicht mitmachen, anheim fallen. Das Re-
Zeit in den späten 1970er Jahren. Ein wenig sultat: Europa igelt sich in seiner Reform-
fühlt man sich dieser Tage in diese Zeit schwäche ein – und merkt es noch nicht
zurückversetzt. Auch wenn es beim Brexit mal.
nicht um den War ging. Doch das Thema
waren sicher alte Ressentiments – und die Think Tanks an der Themse – nicht nur Zufall
Ressentiments alter Menschen. Denn vor
allem die haben sich ja, wie wir wissen, Übrigens hat das Ganze auch einiges mit
gegen die EU ausgesprochen. Ähnlich Architektur zu tun. Auch hier sind reale
ressentimentgeladen fielen übrigens auch Effekte zu befürchten. Schließlich war und
viele Reaktionen auf den Brexit in Deutsch- ist London ein zentraler Standort für den
land aus. Vergleichbar mit dem immer architektonischen Diskurs. Die Architec-
etwas zu arroganten Gezeter über die tural Association ist immer noch einer der
vermeintlich bildungsfernen Amerikaner, bedeutendsten architektonischen Impuls-
fielen dieses Mal ziemlich selbstverliebt geber der Welt. Think Tanks wie das
die Kommentatoren über die ach so pro- „Forensic Architecture“-Laboratorium, das
vinziellen Briten her. Doch was sollte am Goldsmiths College im Süden Londons
provinzieller sein als solches Denken? das Verhältnis von Architektur und globa-
Des Zeters Kern: Die Behauptung, der Bre- len Konflikten erforscht, sind eben auch für
xit schade den Briten, nütze im Zweifel ganz Europa wichtige diskursive Treiber.
dem Rest des Kontinents. Das ist aber ein Auf der Architekturbiennale in Venedig
76 Fragen 1

konnte man sich davon gerade überzeu- sibleren kontextuellen Lösungen für
gen. Natürlich wird Eyal Weizman, Chef Kleinstädte, wie wir es etwa in Mekkas
von Forensic Architecture, seine Forschung traditioneller Architekturkritik wie Vor-
fortan weiter im europäischen Rahmen arlberg immer wieder sehen, ist gut –
stattfinden lassen. Aber der Austausch aber es stellt eben keine Auseinander-
könnte weniger eng werden. Und das setzung mit den globalen Kräften der
wäre, für Großbritannien wie für ganz möglicherweise ja wirklich wild gewor-
Europa, bitter. denen Ökonomie dar. Zeilen wie „Rem
Systemkritische Forschungen wie jene Koolhaas bändigt eine Bank“, wie wir sie
Weizmans sind immer auch das Resultat im Baumeister vor einigen Jahren publi-
von gesellschaftlichen oder kulturellen zierten, lassen sich eben nur in Bezug auf
Konfrontationen. Und die gibt es in London London formulieren.
zuhauf. Das macht die Stadt nicht kusche-
liger – aber interessanter. Wer sich mit den ...und Frankfurt?
vielen Gesichtern des globalen Kapitalis-
mus befassen will, sollte eher in London Und was ist mit Frankfurt? Die Stadt dürfte
nachschauen als in Berlin. Denn an der vom Brexit profitieren, glauben viele Regi-
Spree bekommt er diese Gesichter gar onalökonomen. Wie stark, weiß bisher
nicht erst zu sehen. Das macht die Ver- niemand. Fest steht der Umzug der Euro-
suche zur ganz großen Systemkritik, wie päischen Bankaufsichtsbehörde EBA „in
sie etwa die Berliner Volksbühne immer eine europäische Metropole“, wie es heißt.
wieder unternommen hat, letztlich ein Frankfurt dürfte hier zumindest Favorit
wenig aseptisch – inklusive dem momen- sein – wenngleich sich auch andere Städte
tanen Aufbegehren der Volksbühnen- wie Paris oder Dublin momentan für den
Mitarbeiter gegen den neuen (Ex-Londoner) Wettbewerb um heimatlose Firmenzen-
Intendanten Chris Dercon. Welchen Part tralen positionieren.
des Kapitalismus wollte das ach so wilde Am Main boomt die Baubranche unter-
Volksbühnen-Theater denn kritisieren? Der dessen ohnehin schon. Längst nicht immer
globale Finanzkapitalismus findet in Berlin aber hat man den Eindruck, dass die Stadt
Mitte schließlich gar nicht statt. mit den neuen Investmentgeldern archi-
Und das gilt auch architektonisch. Die Tür- tektonisch klug umzugehen wüsste.
me der Finanzwirtschaft stehen nun einmal Gleichwohl –  ein Innehalten dürfte es in
in London. Die Stadt ist ein Sammelbecken den kommenden Jahren sicher nicht
an teils gelungenen, häufig natürlich auch geben. Frankfurt wird sein Gesicht weiter
komplett missratenen Versuchen, globa- rasant verändern. Und im Nachhinein
len Finanzkonzernen qua Architektur ein könnte man fast vermuten, Wolf Prix hätte
wie auch immer geartetes Gesicht zu ver- mit seinem noch einmal aus vollem Hals
leihen. Das macht diese Stadt für die dekonstruktivierenden Neubau für die EZB
architekturdiskursive Anschauung inter- auch diese Veränderung und die Irritatio-
essant. Wenn man der Architektur ein nen, die sie auslöst, mit reflektieren wollen.
kritisches Potenzial zuschreibt, dann wird
sie dieses nur dort entfalten können, wo sie Turm gleich Turm?
von den zu kritisierenden Mächten auch
zur Kenntnis genommen wird. Das sicher London baut Türme, Frankfurt baut Türme.
anerkennenswerte Feilen an immer sen- Gibt es da überhaupt einen Unterschied?
77

Ich denke schon. Frankfurt ist eben letzt- Überhaupt wird die Verflechtung zwischen
lich eine verhältnismäßig kleine Stadt. London und deutschen Architektenmetro-
Dadurch haftet den Turmbauten am Main polen an Intensität verlieren. Zum einen
immer etwas Surreales an. Das gilt für die könnte es natürlich sein, dass der Bau-
bisherigen Hochhäuser, in ganz massiver boom in London abebbt und damit ein
Weise etwa für die Doppeltürme der Deut- paar Aufträge weniger an deutsche Büros
schen Bank, gebaut nach Entwürfen von gehen. Für wichtiger hält Welter aber eine
Walter Hanig, Heinz Scheid und Johannes mögliche Krise britischer Immobilienfinan-
Schmidt. Und es wird auch für die vielen zierer und Investoren. Diese würde alle
momentan laufenden Neuprojekte gelten. großen Büros schädigen, die um derlei
UN Studio aus Amsterdam etwa planen Aufträge buhlen – und damit auch die
gerade vier neue Hochhäuser, eines deutschen.
davon 228 Meter hoch. Doch das sind konjunkturelle Verschie-
Zur Weltmetropole wird Frankfurt dadurch bungen. Eine globale Immobilienkrise
nicht. Schon heute jammern die Hessen dürften sie nicht auslösen. Insofern ist der
ja über die vielen Veränderungen. Doch primäre Verlust durch den Brexit doch
vielleicht kommt es ja gar nicht so wild. darin zu sehen, dass die europäische
Wie dramatisch die Verschiebungen von Metropole London nun eben ein bisschen
der Themse an den Main letztlich werden, weniger europäisch wird. Basil Fawlty
ist nämlich noch keinesfalls ausgemacht. hätte das wohl nicht gestört. Aber der
Denn London bietet Investoren eben auch lebte ja auch nicht in London. Wobei – sein
einfach ein sehr freundliches Wirtschafts- Darsteller John Cleese dürfte schon eher
klima – und den Reiz einer Weltmetropole, als Londoner bezeichnet werden. Und als
inklusive spektakulären Museumsbauten Brexiter gilt auch er.
wie der erweiterten Tate Modern, die wir
ab Seite 18 diskutieren. Der Brexit dürfte
Londons Anstrengungen um ein attraktives
Profil noch verstärken. Ich bin daher noch
gar nicht sicher, dass London überhaupt
die ganz große Abwanderung von Unter-
nehmen erleiden wird.
Anders sieht es womöglich mit Arbeits-
kräften aus Kontinentaleuropa aus. Denen
dürfte das Leben in London schwerer
gemacht werden als bisher. Könnte also
sein, dass künftig weniger Architekten aus
Spanien, Griechenland oder auch
Deutschland in den großen Büros Londons,
bei Foster, Rogers, Hadid und Co. arbeiten
werden. Was schon bei der Anerkennung
als Architekt beginnt, erklärt mir BDA-Ge-
schäftsführer Thomas Welter. „Bisher galt
die Berufsanerkennungsrichtlinie. Die ent-
fällt nun.“ Es braucht also eine neu verhan-
delte vertragliche Basis.
78

Warum Turin,
Herr
Nietzsche

Wenig bekannt ist Friedrich Nietzsches Begeis-


terung für Turin. Dort eröffnete sich ihm ein ganz
neuer Kosmos: die Architektur. Seine Euphorie
steckt an und macht Lust, die Stadt wieder ein-
mal zu besuchen.
Fragen 2 79

Text: vards, mit dem rechtwinkligen Straßenraster,


Jörg H. Gleiter den Passagen, Arkaden und dem Klassizismus
der Gebäude so etwas wie ein Paris en minia-
ture war. „Das ist wirklich die Stadt, die ich jetzt
brauchen kann.“
Die Turiner Zeit wäre falsch verstanden, wollte
man sie als einen Endpunkt des intellektuellen
Lebens Nietzsches bezeichnen. Die Zeit in
Turin ist alles andere als das. Im Gegenteil,
Im April 1888, kurz nach seiner Ankunft in Turin, es scheint sich in den Monaten vor dem Zu-
berichtete Friedrich Nietzsche in einem Brief, sammenbruch etwas zu vollziehen, das die
dass dies die erste Stadt sei, die mehr „ein Turiner Zeit als Wendepunkt erkennen lässt.
Paradies für die Füße“ als für die Augen sei. Es ist Nietzsches Abwendung von der Musik als
In Turin könne man „halbe Stunden in Einem „Sonderkunst” des 19. Jahrhunderts und der
Athem durch hohe Bogengänge gehen“. Von Hinwendung zur Architektur als „Leitkunst” der
sich selbst nicht wenig überrascht, schrieb er Moderne.
am Ende des Jahres: „Neulich sagte ich mir:
einen Ort zu haben, wo man nicht heraus will, Von der Musik zur Architektur
nicht einmal in die Landschaft, wo man sich
freut, in den Straßen zu gehn! – früher hätte 1888 stellte sich für Nietzsche die Frage der
ich’s für unmöglich gehalten.” Kunst in neuer Dringlichkeit. Es sind die Zweifel
Nietzsches Beschreibungen von Turin wider- an der Musik Richard Wagners. Schon ein Jahr
sprechen dem bis heute geltenden Klischee zuvor hatte er formuliert, dass er von der Musik
vom Philosophen, der die Städte gemieden eine „Erleichterung des Lebens“ fordere,
und nur „auf einsamen Bergen, am Meer“ er wollte eine Musik, „bei der man das Leiden
seine Gedanken ergangen haben soll. Von vergißt; bei der das animalische Leben sich
der Nietzscheforschung bisher übersehen, vergöttlicht fühlt und triumphirt“. Wagners Mu-
wandelte sich Nietzsche in seinen letzten sik sei ihm dagegen zu intellektuell und Wagner
Monaten vor dem geistigen Zusammenbruch selbst „unmöglich geworden, weil er nicht
vom Spaziergänger der Oberengadiner Berg- gehen kann, geschweige denn tanzen“, wäh-
welt in jenen „philosophischen Flaneur” der rend er, Nietzsche, nach einer Musik verlange,
modernen Metropole, als den er sich schon „bei der man tanzen möchte; bei der man viel-
gut zwanzig Jahre zuvor vorgestellt hatte. leicht, cynisch gefragt, gut verdaut?“ Seine
Damals, Anfang 1869, hatte er mit seinem „Einwände gegen die Musik Wagner’s” führen
Freund Erwin Rohde nach dem Ende des Nietzsche dann zur Erkenntnis: „Ästhetik ist
Studiums in Leipzig einen längeren Aufenthalt ja nichts als eine angewandte Physiologie.“
in Paris geplant. Wie „ein paar philosophische In „Der Wille zur Macht” hatte er sogar ein
Flaneurs“ hatten sie „mit ernstem Auge und Kapitel „Zur Physiologie der Kunst” geplant.
lächelnder Lippe, mitten durch den Pariser In diesem wollte er die Architektur und nicht
Strom hindurch schreiten“ wollen, wie Nietz- die Musik behandeln. „Wohin die Architektur
sche in seinem Brief schrieb, in dem er die gehört?”, fragte sich Nietzsche in diesem
Reise absagte. Die Berufung als Professor nach Zusammenhang. Kritisch wollte er dort Stellung
Basel war dazwischengekommen. Umso mehr nehmen gegen die intellektuelle „Auszehrung,
war jetzt 1888 Turin „eine capitale Entde- Verarmung, Ausleerung“ der Musik Wagners
ckung“, also die Stadt, die mit ihren Boule- und forderte die „Mitarbeit der künstlerischen

WEITER
80 Fragen 2

Vermögen am normalen Leben“. Rückführung sein autobiografisches Buch Ecce homo, das
der Kunst ins Leben, das wird später eines der er in jenem Herbst beendet hatte, und den Ar-
Motive der Avantgarde der Moderne sein. chitekten des beeindruckenden Gebäudes in
Vor diesem Hintergrund muss man Nietzsches eine Beziehung.
Äußerungen über Turin lesen. In den folgenden Eine ähnliche Verknüpfung zwischen dem Tod
Monaten riss das Lob an der Stadt nicht ab. eines Künstlers und einem seiner Bücher hatte
Unter den „herrlichen hochräumigen Portici, Nietzsche einige Jahre zuvor schon gemacht.
Säulen- und Hallengänge[n]“ Turins, deren Im Februar 1883 wollte er die Arbeit an seinem
Ausdehnung „10020 Meter (d. h. zwei Stunden Buch „Zarathustra“ in jenem Moment beendet
gut zu marschiren)“ betrage, könne man „halbe
Stunden in Einem Athem“ gehen. Er sei auch
„nirgendswo mit so viel Vergnügen spazieren
gegangen als in diesen vornehmen unbe-
schreiblich würdigen Straßen“. In Turin rückte
die Architektur in leibphänomenologischer
Perspektive in den Fokus von Nietzsches philo-
sophischem Interesse.

Die Mole Antonelliana

In diesem Wandel spielte die Turiner Mole


Antonelliana (der Turm links im Bild) eine nicht
zu vernachlässigende Rolle. Die Mole Anto-
nelliana ist bis heute das höchste Bauwerk Tu-
rins. Sie war 1863 als Synagoge begonnen
worden und ursprünglich 47 Meter hoch ge-
plant. Aufgrund des „absoluten Höhentriebs“
ihres Architekten Alessandro Antonelli wurde
sie dann im Jahr 1900 in 168 Metern Höhe be-
endet. In Ermangelung einer eindeutigen
Funktion und Typologie hat man für die Mole
keinen Namen gefunden, bis heute heißt sie
nach ihrem Architekten, also Großer Bau des
Antonelli.
„Vorhin gieng ich an der mole Antonelliana
vorbei, dem genialsten Bauwerk, das vielleicht
gebaut worden […] Ich habe es ‚Ecce homo‘
getauft“, schrieb Nietzsche am 30. Dezember haben, als ihn die Nachricht vom Tod Wagners
1888. Dann, kurz vor dem Zusammenbruch am erreicht habe. Zarathustra wurde „genau in der
6. Januar 1889, erwähnte er das Gebäude heiligen Stunde fertig gemacht, in der Richard
noch einmal. Er sei „beim Begräbniß des ur- Wagner in Venedig starb“, so Nietzsche. Indem
alten Antonelli zugegen [gewesen], diesen er Zarathustra und den Tod Wagners, Ecce
November. – Er lebte genau so lange, bis Ecce homo und den Tod Antonellis in einen Zusam-
homo, das Buch fertig war. – Das Buch und der menhang brachte, spannte Nietzsche seine
Mensch dazu…“ Nietzsche stellte demnach eigene Existenz in einen Zyklus von Geburt und
81

Wiedergeburt ein. Beide Male sah Nietzsche knüpfen, indem er sich zu dem wandelte, was
eines seiner Bücher als Vermächtnis eines er gut zwanzig Jahre zuvor in Paris schon als
Künstlers – erst der Philosoph und der Musiker,„philosophischen Flaneur“ bezeichnet hatte.
jetzt, mit der Erfahrung Turins und der Mole Tatsächlich besaß Turin, wie Paris, nur kleiner,
Antonelliana, der Philosoph und der Architekt. die ganze Ausstattung einer modernen Me-
Als Flaneur in Turin vollzog sich das, was man tropole: einen gerasterten Stadtgrundriss,
Nietzsches leibphänomenologische Wende Arkaden, Passagen und Boulevards mit weiten
in der Verschränkung von Architektur und Blicken, „nicht zu reden von den Omnibus und
menschlichem Körper bezeichnen kann. Aber Trams, deren Einrichtung hier bis ins Wunder-
bare gesteigert ist!“ Mit der Mole, die von
Antonelli als steinernes Pendant zum stähler-
nen Eiffelturm geplant war, stand Turin in
einem direkten Konkurrenzverhältnis zu Paris.
Dennoch war, wie Nietzsche feststellte, in den
Straßen von Turin die „Stille […] noch die
Regel“. Es scheint sich mit den Arkaden seine
frühe Vision erfüllt zu haben, als er „stille und
weite, weitgedehnte Orte zum Nachdenken,
Orte mit hochräumigen langen Hallengän-
gen” gefordert hatte. Ganz im Sinne Nietzsches
hatte in den Arkaden Turins die vita contemp-
lativa, die bisher eine vita religiosa war, ihre
Deklination ins Säkulare erfahren.
Damit lassen sich auch einige Notizen Nietz-
sches vom Herbst 1888 deuten: „Nicht Brille in
der Straße aufsetzen! Keine Bücher kaufen!
Nicht in die Menge gehen!“ Anschließend
dann die Beschreibung eines der Spazier-
gänge; „Abends durch Garten V<alentino> bis
Schloß, dann wieder hinein bis Ende piazza
Vitt<orio Emanuele I> und ins Café Livorno.“
Dann wieder: „keine Briefe schreiben! keine
Bücher lesen! ins Café etwas mitnehmen zum
Lesen! Notizbuch“. Nietzsche beschreibt hier
die Technik des Flanierens! Nur der Bezug auf
die eigene Körperlichkeit, ohne Bücher und in
Distanz zur Menge, eröffnet dem Flaneur einen
schon in „Die fröhliche Wissenschaft“ hatte er Zugang zum Unbewussten. Dazu muss der
„Bauwerke und Anlagen [gefordert], welche Flaneur allein bleiben, in „aristokratischer
als Ganzes die Erhabenheit des Sich-Besin- Absonderung von der Menge“.
nens und Bei-Seitegehens ausdrücken […] Wir
FOTO: BOLOGNA/ TURISMO TORINO

Alle Quellen in:


wollen uns in Stein und Pflanze übersetzt „Der philosophische Flaneur – Nietzsche

haben, wir wollen in uns spazieren gehen, und die Architektur“ von Jörg H. Gleiter
ISBN 978-3-8260-3758-0
wenn wir in diesen Hallen und Gärten wan- Verlag Königshausen & Neumann GmbH,
deln.“ Daran schien Nietzsche in Turin anzu- Würzburg 2009
82 Architektur und Management

Wie sehen
die
Handelsflächen
der Zukunft
aus

Einkaufszentren und Einkaufsstraßen werden bald Der Trend zu neuen oder abgewandelten Standort-
überflüssig, weil der Kunde dank Online-Handel ohne- konzepten bewegte das Research-Team der Immobili-
hin alles im Internet bestellt. So lautete eine These vie- engesellschaft Catella dazu, sich mit der Frage zu
ler Marktbeobachter, doch mittlerweile zeigt sich: Das beschäftigen, ob der zunehmende digitale Handel die
stimmt nicht. Denn die stationären Einzelhändler ha- eu ropäischen E inzelhandelsflächen mit tel f ristig
ben längst Maßnahmen ergriffen, um der Konkurrenz obsolet macht. „Fakt ist: Digitalisierung und demogra-
aus dem Internet zu begegnen. Sie entwickeln neue fischer Wandel werden Nachfragemuster verändern
Retail-Konzepte und Formate, die eines gemeinsam und zu einer Reduktion der Einzelhandelsflächen
haben: Geschäfte, wie wir sie bisher kannten, sind das führen“, fasst Thomas Beyerle, Leiter Research der
eigentlich nicht mehr. Immobiliengesellschaft, die Ergebnisse zusammen.
83

Aktuell verfügen die 28 EU-Staaten insgesamt über an markanten Standorten ein. So liegt die weltweit
circa 590 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche, größte Niederlassung, das Eataly Alti Cibi, an der Fifth
davon werden nach der Prognose von Catella im Jahr Avenue in New York, direkt gegenüber dem Flatiron
2030 noch 510 bis 550 Millionen Quadratmeter er- Building.
halten sein. Ob Uhrenwerkstatt, Restaurant oder Kochschule – das
Nach einem gewaltigen Ladensterben klingt das also gemeinsame Ziel dieser Retail-Konzepte ist es, einen
nicht. Denn der Einzelhandel findet auch neue Allein- sinnlichen Gegenpol zum nüchternen Online-Shop-
stellungsmerkmale im Wettbewerb mit den E-Com- ping zu schaffen. Und die Formate sind dabei durchaus
merce-Anbietern – beispielsweise das, was Beyerle flächenintensiv, sie umfassen meist an die tausend
die „Festivalisierung“ des Einkaufens nennt: Immer Quadratmeter oder wie im Fall von Eataly in München
mehr Anbieter, insbesondere von hochwer tigen sogar ein Vielfaches davon.
Produkten, setzen auf den Erlebnischarakter des Ein- Die Zukunft des Handels zeigt sich jedoch auch auf
kaufens. Viele Händler beginnen deshalb damit, Kleinflächen, auf denen bevorzugt die Verbindung
neben dem eigentlichen Produkt auch das Kauf-Event zwischen Offline- und Online-Handel geprobt wird.
und die Marke zu zelebrieren. Der Sportartikelhändler Decathlon beispielsweise,
Konsequent auf derartige Überlegungen ausgerichtet bekannt durch seine riesigen Filialen in Autobahn-
ist ein derzeit in Bau befindliches Großprojekt in der nähe, hat im Februar 2016 mit einem ersten City-Store
Schweiz, „The Circle at Zurich Airport“: Riken Yamamoto am Münchner Stachus sein neues Konzept namens
hat für den Flughafen einen Gebäudekomplex ent- „Decathlon Connect“ lanciert. In den Geschäften
worfen, der nicht nur das derzeit größte Hochbau- dieses Formats steht die Vernetzung mit dem Online-
projekt des Landes ist, sondern auch neue Maßstäbe Shop und anderen digitalen Dienstleistungen im Vor-
setzen will, was die Nutzung betrifft. „The Circle“ dergrund: Kunden können sich die über den Webshop
ist keine gewöhnliche Flughafen-Mall, sondern soll wie gekauften Sportartikel in die Connect-Filiale liefern

Die Kolumne wird unterstützt vom Ifo-Institut.


eine Innenstadt funktionieren, mit schmalen Gassen, lassen. Dort kann die Ware direkt bei der Abholung
kleinen Plätzen und hoher Aufenthaltsqualität. Ein getestet, anprobiert und bei Nichtgefallen umge-
erheblicher Unterschied zur typischen Innenstadt wird tauscht werden. Über Tablets vor Ort lässt sich nach
allerdings der Bereich sein, in dem die Einzelhändler weiteren Kollektionen, Farben oder Modellen suchen,
sich ansiedeln sollen. Konsequenterweise heißt er bei die auch gleich im Laden bestellt werden können.
The Circle nicht etwa „Shopping Mall“, sondern „Brands Dafür reichen Decathlon vergleichsweise winzige Flä-
& Dialogue“ – denn es geht hier gar nicht um das Ein- chen: Die Filiale am Stachus ist 220 Quadratmeter
kaufen, vielmehr sollen neue Formate zur Kundenbin- groß; inzwischen eröffnete auf der Stuttgarter König-
dung erprobt werden. Beispielsweise wird hier die straße ein weiterer Decathlon Connect mit nur 50 Qua-
Luxusuhrenmarke Omega ein „Brand House“ eröffnen. dratmetern Fläche. Vergleichbare Formate haben un-
Der Verkauf von Uhren steht dabei nicht im Vorder- ter anderem auch der Elektronikhändler Saturn und
grund, es ist nur ein ganz kleiner Laden geplant. Einen die Spielwarenkette Toys’R’Us eingeführt.
großen Teil der 800 Quadratmeter soll indes eine Mit Blick auf diese neuen Handelskonzepte liegt
Schauwerkstatt belegen. Bis zu 40 Angestellte werden die Vermutung nahe, dass Malls, Shopping Center
dort den Besuchern die Schweizer Uhrmacherkunst oder innerstädtische Einkaufsstraßen in den nächsten
nahe bringen und zeigen, wie ein Keramikwerk funkti- Jahren ihr Gesicht verändern werden; davon gehen
oniert oder wie Zifferblätter hergestellt werden. auch die Catella-Researcher aus. Doch eine ihrer
Ein weiteres Trend-Thema und Alleinstellungsmerkmal wichtigsten Funktionen werden die Zentren des statio-
des stationären Einzelhandels, über das Immobilien- nären Handels behalten, ist Beyerle überzeugt:
Profis derzeit häufig sprechen, ist die Verbindung von „Zunehmende Digitalisierung und stetige Vernetzung
Handel und Gastronomie. Als Paradebeispiel hierfür werden das Bedürfnis nach physischem, sozialem Kon-
gilt vielen Branchenbeobachtern das italienische takt nicht ersetzen, sondern ergänzen und mehr denn
Konzept Eataly, das im vergangenen November in der je einfordern.“ Auf den Handelsflächen der Zukunft
umgebauten Münchner Schrannenhalle den ersten wird der Aspekt des Einkaufens also nur noch ein Teil-
europäischen Standort außerhalb Italiens eröffnete. element darstellen. Sie werden im besten Falle Orte
Auf 4.600 Quadratmetern sind 16 Restaurants und sein, an denen das städtische Leben pulsiert.
Essensstände untergebracht, eine Einkaufsfläche mit
10.000 Feinkostprodukten sowie eine Kochschule –
und sogar ein kleiner Shop der Traditions-Radmarke
Bianchi. Eataly wurde 2007 gegründet, und es gilt als
eines der am schnellsten wachsenden und erfolg-
reichsten Gastronomie- und Handelsunternehmen
mit einem Umsatz von zuletzt rund 400 Millionen Euro.
Das Konzept vereint Märkte, Restaurants, Lehreinrich-
tungen und Schau-Produktionen italienischer Lebens-
mittel unter einem Dach – und mietet sich bevorzugt

Text Anja Hall


Modulares Oberlicht-System von Velux
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sind für Fensterelemente gedacht, die unter die gefor-
derte Brüstungshöhe reichen. Das Glasgeländer lässt
sich als Absturzsicherung für französische Fenster ein-
fach und schnell montieren. Windoorail ist eine fixe Ein-
heit und besteht aus einem unteren und einem oberen
Metallprofil sowie einem Glaselement. Die vorgefertig-
ten Module werden am Stockrahmen der Fenstertür und
nicht wie üblich an der Fassade montiert. Dadurch bleibt
die Wärmedämmung des Gebäudes vollkommen intakt
in ihrer Funktion. Die „Bubbles“, jene weißen Blasen auf
den Glasgeländern der Fenster sind mehr als Dekorati-
WWW.GLASMARTE . AT

on. Neben der Absturz sichernden Funktion durch das


sich aushängende System wurde ermittelt, wie viel Son-
nenenergie durch die Fenster in die hoch gedämmten
Räume fallen darf, ohne dass sich die Zimmer aufheizen.
Im Falle einer starken Belastung gibt das Glasgeländer
kontrolliert nach. Der Mechanismus federt die Impuls-
kräfte ab, das Glasgeländer nimmt die Beanspruchung
auf und leitet sie in die Unterkonstruktion ein.
Fenster, Türe, Tore

9
Panoramafassade im System

Unilux bietet mit „FineLine“ die Möglichkeit,


Fenster, Fassade, Schiebetür und Festver-
glasung im System zu planen. Dabei kommt
außen eine Aluminium-Aufsatzkonstruktion
zum Einsatz. Die innen liegende, tragende
Pfosten-Riegelkonst ruktion kann in fünf
verschiedenen Holzarten und 187 Holzfarb-
tönen ausgeführt werden. Beim Bau eines
Unsichtbarer Brandschutz:
eingeschossigen Flachdach-Bungalows im
niedersächsischen Varel suchte die Gruppe
Feuerschutz-Schiebetore
omp Architektengesellschaft aus Rastede
nach einer Lösung, die Holz im Innenbe-
reich, Alu im Außenbereich sowie eine ex-
• stumpf auflaufend auf die Wand ohne
trem schlanke Form miteinander vereint. sichtbares Einlaufprofil
Sie entschieden sich für eine FineLine-Holz-
Alu-Fassade, die sich exakt mit den Eichen- • durch Nischenklappen unsichtbar
dielen des Bodens abgleichen ließ. Im in die Wand integriert
Außenbereich schütz t eine wet ter feste
Alu-Schale, die auch die Glasscheiben hält, • für anspruchsvolle Architektur und brei-
das Gesamtsystem. tere Durchgänge

T30 T90 RS MZ
WWW.UNILUX.DE
94

W W W . B R U N N E R - G R O U P. C O M

von
BRUNNER
BESUCH BEIM
Lösungen

Die
OBJEKTMÖBELHERSTELLER

Alexander Gutzmer
denken
in Prozessen
Die neue Universitätsbibliothek Freiburg (Architekt Heinrich Degelo). Für das Projekt
entwickelte Brunner das modulare Loungesystem „banc“.
Qualitätsschmiede 95
Das nennt man wohl Firmenhistorie zum geplant. Stattdessen gilt: Konzentration
Anfassen. „Hier ist der Ursprungsort von aufs Kerngeschäft. Bei dem sprechen Marc Brunner und Design
Brunner“ erläutert Marc Brunner bei der Brunner und sein Bruder quasi täglich mit
Führung durch die Werkshallen. Eine Weile Bau-Investoren – und mit deren Architekten.
waren wir schon unterwegs, jetzt befin- „Dafür muss man etwas davon verstehen,
den wir uns in einem eher alt wirkenden wie Architekten ticken.“
Gebäudeteil. „Gleich dahinten war unsere Und man man muss verstehen, wie die eige-
Wohnung. Hier habe ich schon als Kind nen Kunden als Unternehmen funktionieren.
gespielt.“ Folgerichtig beschäftigt der promovierte
Die Möbelfabrikation als Kinderzimmer – Betriebswirt Brunner sich viel mit Arbeits-

Marc Brunner
wer so aufwächst, dem muss der Möbelbau forschung. „Arbeiten und Wohnen werden
irgendwann im Blut liegen. So ist es nur kon- künftig noch enger zusammenrücken.“
sequent, dass Marc Brunner vor zwölf Jahren Mit Produkten wie dem bequemen wie
in die Leitung des Unternehmens einstieg. nüchternen A-Chair positioniert sich das
Offiziell fungiert er heute als einer von drei Unternehmen dafür.
Geschäftsführern neben dem Vater und sei- Letztlich aber sind vordefinierte Standard-
ner Mutter. Sein Bruder Philip ist ebenfalls in produkte nicht der Kern dessen, was die
Leitungsfunktion mit dabei, der Onkel ver- Rheinauer ausmacht. „Unsere Stärke liegt
antwortet den Prototypen. Möbelherstel- in der individualisierten Lösung.“ Deshalb
lung als Familienbusiness. ist der Dialog mit Bauherren so wichtig.
Brunner, das steht für gut designte, aber im- Das können Hotelmanager genauso sein
mer funktionale Qualitätsstühle, andere wie die Verwaltungschefin eines Kranken-
Sitzgelegenheiten und Tische. 1977 wurde hauses. „Es gilt, sich auf unterschiedliche
das Unternehmen von Rolf Brunner gegrün- Nutzungskonzepte einzulassen.“ „
det. Seither standen die Zeichen auf Expan- Mit dieser Philosophie hat Brunner gerade
sion. Im vergangenen Jahr übertrafen die die erfolgreichsten 12 Monate der Firmen- Designpreise
Badener erstmals die 100-Millionen Euro-
Schwelle im Umsatz. Damit zählt Brunner im
geschichte hingelegt. Den Zuwachs erzielte
man dabei gegen den Branchent rend.
werden
Objektmöbelbereich zu den fünf größten Die Frage ist aber, ob nicht doch irgend- überschätzt
Herstellern Europas. Der Exportanteil liegt wann der Wachstumsdruck so stark wird,
inzwischen bei 40 Prozent. dass Zukäufe anstehen könnten. Für die “
Der Ausbau schlägt sich momentan auch nähere Zukunft schließt Marc Brunner derlei
räumlich nieder. Gerade wird der Firmensitz drastische Schritte aus.
um ein 8.000 Quadratmeter großes Hybrid- Auch die Verlagerung der Produktion ins
Gebäude erweitert, das Herstellung, Pro- Ausland hält er nicht für zielführend. Und
duktentwicklung und Vertrieb neu sortiert. das, obwohl Möbelproduktion immer noch Wie viele deutsche Qua-
Zusätzlich realisiert das Unternehmen ein viel Handarbeit erfordert. „Auslagern bringt litätshersteller, heimst
neues Logistikzentrum. uns nichts. Bei unserem Spezialisierungs- auch Brunner immer
Für den Ausbau ausgewählt: Henn Architek- grad brauchen wir qualifizierte Leute, die wieder Preise für die
ten. Kein Büro für Signature Architecture. Die in intensivem Austausch mit der Entwicklung nutzerfreundliche oder
war aber auch nicht gefragt. Marc Brunner: und dem Vertrieb stehen. Diese Bedingun- ästhetische Gestaltung
„Henn haben unsere Anforderungen am gen findet man nicht überall“, sagt Brunner, seiner Produkte ein.
besten verstanden. Sie haben sich in uns während wir durch die Fabrikation laufen, Marc Brunner freut das.
hineingedacht.“ Momentan liegen noch in der mehrere Dutzend Mitarbeiter (oder Aber er warnt zugleich
drei unterschiedliche Gestaltungskonzepte vielmehr meist Mitarbeiterinnen) Polster auf davor, die Bedeutung
auf dem Tisch. Im Konfi hängen während die hölzernen Rohlinge spannen. von derlei Auszeichnun-
unseres Interviews noch die Charts vom Wer im Objektbereich Erfolg haben will, gen zu hoch zu bewerten.
letzten Architekturmeeting. muss Design mit Intelligenz in Bezug auf die „Solche Preise werden
Bei dem wurde durchaus kontrovers disku- Kundenprozesse verbinden. Als Firmen- überschätzt. Außerdem
tiert. „Das Gebäude muss funktionieren, leitung mag man das noch hinbekommen. ist hier inzwischen eine
aber auch unsere Werte transportieren“, Doch bei Kreativzulieferern wie Designern richtige Award-Industrie
so Brunner. So wird es wohl eine Modulbau- wi rd es schwierig. Momentan a rbeitet am Werk.“ Mit dieser
weise werden, ein Anklang an die oft eben- Brunner viel mit dem Stuttgarter Büro Jehs Einschätzung liegt er auf
falls modularen Systemmöbel der Marke und Laub zusammen. Das heißt nicht, dass Linie vieler Designer, die
Brunner. Möbel wie das Lounge-System immer alles sofort passt. Man feilt lange an sich momentan für einen
„banc“, das man gerade für die Bibliothek jedem Produkt. Stühle, so Brunner, gibt es unabhängigen Design-
der Universität Freiburg eigens entwickelt seit 3.000 Jahren. Neue Produkte müssen preis stark machen.
und ausgeliefert hat. da schon sehr genau definierte Nutzungs- Brunner: „Das kann eine
Die Zusammenarbeit mit bekannten Archi- profile erfüllen. „Wichtig bei Jehs und Laub: gute Idee sein. Allerdings
tekten hat für Brunner Tradition. Das drei- Die wissen, was wir brauchen – und sie ver- sollte man die Komplexi-
eckige Kommunikationszentrum, in dem stehen unsere Kunden.“ tät neuer Award-Initiati-
man wichtige Kunden empfängt, haben Im Grunde ein ähnliches Argument wie ven nicht unterschätzen.“
Schneider & Schumacher im Jahr 2005 reali- jenes, das den Ausschlag für Henn gab:
siert. „Architektur liegt uns in der DNA“, sagt Gestaltungsbrillanz ist eine Sache. Das Ver-
Marc Brunner. Folglich fühlen sie sich bei ständnis von Kundenprozessen eine andere.
Brunner im Objektmöbelbereich wohl. Beides zusammen ergibt exzellentes Design
Eine groß angelegte B2C-Expansion ist nicht – und gute Architektur.
96 Lösungen
Dach

Bei der Gestal-


tung von Dach-
eindeckungen
stehen weiterhin
dunkle Farben
wie Schwarz
und Anthrazit im
Mittelpunkt. Das
gilt umso mehr
für schmutz-
abweisende

1
Materialien, die
das Dach lange
makellos aus-
sehen lassen.
Passend zum
Retrotrend wer-
den verstärkt
auch klassische
Dacheinde-
ckungen neu
aufgelegt oder
Dachziegel auf-
wendig rekon-
struiert. Und
wie schon am
Boden und an
der Fassade
sind Großforma-
te im Kommen.

von
Sophie
Charlotte Dachdesign im Großformat
Hoffmann
Die Prefa-Dachplatte „R.16“ erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in der Dachab-
deckung. Durch das große Format mit 70 cm Elementlänge ist es nun möglich, das Dach mit
3,4 Aluminium-Dachplatten pro Quadratmeter zu decken und damit optische Akzente
zu setzen. R.16 gibt es in acht Standardfarben. Die Sichtseite ist mit einer farbigen Alumini-
umlegierung beschichtet, die Rückseite mit einem Schutzlack.
Dach

W W W.PRE FA .DE

Fassadenschutz fängt
im Vorfeld an!
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• Dränage- & Entwässerungssysteme
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33758 Schloß Holte-Stukenbrock
Tel.: 0049 (0)52 07 95 04-0
Fax: 0049 (0)52 07 95 04-20
Editor’s Choice

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Mehr Skulptur denn Treppe

Klar, man kann die „Cut it!“-Treppe von Spitz- ten, etwa mit farbiger Beschichtung, Gelän-
bart Stufe für Stufe nach oben gehen – und dern oder Handläufen. Auswahl und Stärke des
auch wieder hinunter. Man kann sich aber Materials werden auf die individuelle Nutzung
genauso in den Wohnzimmersessel fläzen und der Treppe abgestimmt, deshalb eignet sie sich
die Treppe ansehen. Wie ein Bild. Wie eine auch für schwerere Lasten. Die Schnittgut-
Skulptur. Cut it ist aus einem einzigen Stück Treppe wird in der Regel in einem Stück ange-
unbehandeltem Stahl geschnitten. Die Treppe liefert und montiert. Ein Nachziehen der
besteht aus einer etwa 10 Millimeter dicken Verschraubung, wie man es beispielsweise von
Stahlblechtafel, die mit einem Lasercutter zu- Holztreppen kennt, entfällt. Cut-it ist mit dem
geschnitten und anschließend in einem mehr- Stahl-Innovationspreis 2015 in der Kategorie
stufigen Prozess zu einer dreidimensionalen „Stahl im Bauwesen“ ausgezeichnet worden,
Treppe gebogen wird. Das Konstruktionsprinzip nun erhielt sie den Iconic Award. Der Entwurf
erlaubt auch die Fertigung in weiteren Varian- stammt von Max Wehberg.

Text Sophie Charlotte Hoffmann


Dach 99

2
Dachaufbau konfigurieren mit
dem Flachdach-Navigator

Autos, PCs bis hin zu Türsprechanlagen


lassen sich auf Websites von Herstellern
individuel l zusammenstel len. Die Paul
Bauder GmbH & Co. KG hat diese Möglich-
keit jetzt für Flachdächer geschaffen: Unter
WWW.BAUDER.DE

w w w. f l a ch d a ch - n a v i g a t o r.d e kö n n e n
Architekten den optimalen Dachaufbau
konfigurieren. Mit wenigen Klicks gibt der
Navigator die Empfehlung für den opti-
malen Dachaufbau entsprechend Situation
und Wünschen sowie mögliche Alterna-
tiven. Zusätzlich lassen sich Produktinforma-
tionen und Ausschreibungstexte abrufen.

GESCHAFFEN FÜR
MODERNE ARCHITEKTUR

Das dynamische Deckbild der Fassade bildet einen


ästhetischen Kontrast zur Gradlinigkeit moderner
Architektur. Die Dynamische Deckung erinnert an die
Optik eines Schichtmauerwerks und entfaltet in be-
sonderer Weise die urwüchsige Kraft des Schiefers.

Dynamische Deckung mit InterSIN ®

NATÜRLICH WERTVOLL
RATHSCHECK-LIVINGSTYLE.DE
100 Lösungen

3
Macht das Dach dicht

Auf der Basis seiner Kunststoffdachbahn „Rhepanol“ hat


FDT mit „Rhepanol hfk“ und „Rhepanol hfk-sk“ die Palette
an hochwertigen PIB-Premiumdachbahnen erweitert.
Grundlage für alle Rhepanol-Bahnen ist Polyisobutylen.
Es ist verantwortlich, dass die Bahn selbst –40 Grad Cel-
sius aushält, hagelschlagfest, langlebig, dämmstoff-
neutral und bitumenverträglich ist. Auch die Premium-
dachbahnen sind widerstandsfähig gegen Flugfeuer
und strahlende Wärme. Rhepanol hfk eignet sich für alle
Verlegear ten außer unter begrünten Dachflächen.
Die Rhepanol hfk-sk verfügt über eine Kaschierung aus

WWW.FDT.DE
Glas-Polyestervlies sowie eine Selbstklebeschicht und
eignet sich daher für den verklebten Schichtenaufbau.

4
Vollkeramisches Dach

Eine vollkeramische
Lösung am First stellte
Wienerberger auf der
Dach+Holz 2016 mit
seinen Firstanschluss-
Lüfterziegel „Plano 11“
vor. Aufgrund seiner
besonderen Struktur im
W W W.WIE NERBE RGER.DE

Kopfbereich garantiert
der Formziegel eine
ausreichende Entlüf-
tung am First. Zugleich
verhindert die Verfal-
zung, dass Feuchtig-
keit eindringt. Damit
kann der First ohne zu-
sätzliche Maßnahmen
wie First- oder Gratrol-
le ausgeführt werden.
FOTOS: FDT/SVE N-E RIK TORNOW; WIE NE RBE RGE R/STUDIO 3 0 01

Passend zu einer voll-


keramischen Lösung
gibt es ganze und
halbe Firstanschluss-
Lüfterziegel sowie ent-
sprechende ganze
linke und rechte First-
anschluss-Lüfter-Ort-
gangziegel. Neben
Naturrot wird er in den
Engoben Rot, Schiefer-
grau und Schwarz
sowie als Edel-Engobe
Anthrazit angeboten.
Dach

Die Details
machen das
Ganze.
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Achteinhalber für ganz oben


5 Muss man
Mit einem neuen Großziegel haben die
Dachziegelwerke Nelskamp ihre Produkt-
wirklich rausgehen,
palette erweitert. Der „F 8 ½“ wiegt nur
4,5 Kilogramm, pro m2 Dachfläche sind 8,5
um richtig
Ziegel notwendig. Mit 36 mm Verschiebe-
spiel in der Höhenüberdeckung ist er sehr
durchzuatmen?
flexibel und für nahezu jede Dachsanierung
einsetzbar. Die geringe Wasseraufnahme JET-LICHTKUPPEL-GLAS: die perfekte Symbiose
von unter 3% macht den Achteinhalber aus Lichtkuppel- und Isolierglastechnik
frostbeständig und aufgrund der Verfalzung
Licht, Luft und Ausblick für höchste Ansprüche
kann der Ziegel regen- und sturmsicher natürliche Raumausleuchtung durch optimale
bereits ab einer Dachneigung von 10° ein- Tageslichtnutzung
gesetzt werden. Der Achteinhalber ist in vier schneller Einbau durch den Dachdecker möglich
optionale Anbindung an JET-SMARTCONTROL zur
Farbtönen erhältlich: Rot engobiert, Alt-
Automatisierung
schwarz engobiert, Anthrazitgrau engobiert
und Schwarz edelengobiert. JET. Erweitert Perspektiven.
102 Lösungen

6
Macht das Dach grün
und dicht

Kern des Dachabdich-


tungssystems „Evalon“
von Alwitra ist die ho-
mogene Dichtschicht
der Kunststoff-Dach-
und Dichtungsbahn
Evalon. Mit ihrer Hoch-
polymerlegierung aus
Ethylen-Vinyl-Acetat-
Terpolymer und Polyvi-
nylchlorid kommt sie
weltweit in allen Klima-
zonen bei einlagigen
Abdichtungen zum
Einsatz. Evalon ist
W W W. ALWITR A .DE

durchwurzelungs- und
rhizomfest und kann
ohne zusätzliche
Wurzelschutzbahn im
begrünten Dachauf-
bau verlegt werden.
Je nach Dachaufbau
oder Nutzung sind die
Dach- und Dichtungs-

7
bahnen auf der Unter-
seite mit Polyestervlies,
mit Glas-Polyestervlies
sowie kaschiert und
mit einer unterseitigen
Selbstklebeschicht
erhältlich. Zusätzliche
Sicherheit und erwei-
terte Funktionalität Hagelschlaghärtetest
bietet die selbstkle- bestanden
bende „Evalon VGSK“
mit ihrer integrierten Mit einer Maximal-
Brandschutzlage. schlagkraft von über
700 kg kann ein Hagel-
korn einen Fahrrad-
helm durchschlagen.
Da sich eine hochwer-
tige hagelschlagfeste
Dachbedeckung als
künftig immer wichti-
geres bauliches Quali-
tätsmerkmal erweist,
hat Erlus 2013 die ers-
ten zehn Dachziegel-
modelle beim Institut
für Brandschutztechnik
und Sicherheitsfor-
schung (IBS) in Linz
prüfen lassen. Das
Ergebnis: Alle Modelle
WWW.ERLUS.COM

der „E 58“-Familie
zeichnen sich mit einer
FOTO: ALWITR A/SVE N-E RIK TORNOW

zertifizierten Hagelwi-
derstandsfähigkeit
der Klasse (HWK) 4 aus.
Die „E 58 Plus“ zertifi-
DIE Datenbank für Ausschreibungstexte zierte das BVS als ers-
• 730.000 kostenlose Ausschreibungstexte ten und bisher einzigen
• über 480 Produkthersteller Dachziegel in Europa
in der HWK 5.
Impressum 103
Baumeister. Das Architektur-Magazin 113. Jahrgang

REDAKTION
Anschrift wie Verlag
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 14 7
info@baumeister.de, www.baumeister.de

CHEFREDAKTION
Prof. Dr. Alexander Gutzmer Tel – 11 8
(verantwortlich für den redaktionellen Inhalt)

REDAKTION
Sabine Schneider
Maike Burk
Tel – 146
Tel – 144
B9
Alexander Russ Tel – 172

GE STALTUNG
Stephanie Ising und Tom Ising (Artdirection)

Vorschau
Daniel Ober für Herburg Weiland, München

ALLE ILLUSTRATIONEN
Clemens Habicht, Paris

ABONNEMENTSERVICE
Leserservice Baumeister, D-65341 Eltville
Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244
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KONTO FÜR ABONNE ME NT ZAHLUNGE N


Deutsche Bank Offenburg,
IBAN DE04 6647 0035 0044 8670 00, BIC DEUTDE6F664

ERSCHEINUNGSWEISE
monatlich.
Unverbindlich empfohlene Bezugspreise (alle Preise in Euro):
Die Inlandspreise enthalten 7% MwSt.
Inland: 169,00
Studenten: 90,00
Ausland: 178,00
Studenten: 99,00
Einzelpreis: 15,00
Bestellung: Abonnements können direkt beim Verlag oder bei jeder Buchhandlung
bestellt werden. Abonnementgebühren sind im Voraus zu begleichen. Das Abonne-
men t g i l t zunächs t fü r e i n Jah r und ka n n da nach jede r ze i t gekünd ig t we rden .
Die Belieferung erfolgt auf Gefahr des Bestellers. Ersatz lieferungen sind nur möglich,
wenn sofort nach Erscheinen reklamiert wird.
Widerrufsrecht: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen
formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem Sie die erste bestellte Ausga-
be erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anforderun-
gen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das
rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu wider-
rufen. Sie können hierzu das Widerrufsmuster aus Anlage 2 zu Art. 246 a EGBGB nutzen.
D e r W i d e r r u f i s t z u r i c h t e n a n : L e s e r s e r v i c e B a u m e i s t e r, D - 6 5 3 41 E l t v i l l e,
Tel +49 (0) 6123 / 92 38-225, Fax +49 (0) 6123 / 92 38-244, leserservice@baumeister.de

VERL AG
Verlag Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Streitfeldstraße 35, D 81673 München, Postfach 80 04 09, D 81604 München
Tel +49 (0) 89 / 43 60 05 – 0, Fax +49 (0) 89 / 43 60 05 – 113
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ALLEINIGER GESELLSCHAFTER
Helmuth Baur-Callwey, Verleger in München Dämmbeton sozusagen
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Helmuth Baur-Callwey und Dr. Veronika Baur-Callwey, Verleger in München;
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Tel – 159 dem beidseitig Sichtbe-
Andreas Schneider Tel – 197
(verantwortlich für den Anzeigenteil) tonflächen möglich sind
DISPOSITION
Kirstin Freund-Lippert Tel – 123, Fax 4 36 11 61
DIRECTOR BUSINESS DEVELOPMENT
– und die Konstruktion
Christian Keck
VERTRIEB
Tel –178
zur Schau gestellt wird.
Marion Bucher Tel – 125, Fax – 317
HERSTELLUNGSLEITER
Mark Oliver Stehr Tel – 167
Während der Dämmbeton
(alle Adressen wie Verlag)
Für die Zukunft gestalten.
aber auf dem Vormarsch
DRUCK, BINDUNG
OPTIMAL : MEDIA, Glienholzweg 7, D – 17207 Röbel / Müritz ist, sind leider viele bruta-
Sonderdrucke einzelner Beiträge dieser Ausgabe können beim Verlag angefragt wer-
den. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Ab bildungen listische Bauten vom Ab-
sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des
Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlags. Mit der Einsendung von
Manus kripten und Bildmaterial erklärt sich der/die Autor/in einverstanden, dass diese
riss bedroht.
vollständig oder teilweise in der Zeitschrift Baumeister publiziert werden. Ebenso stimmt
er/sie der Verwertung im Wege der digitalen Vervielfältigung und Verbreitung über Off-
line- oder Online-Produktionen zu (z.B. CD-ROM oder Datenfernübertragung). Falls eine
Vergütung vereinbart wird, deckt diese die genannten Verwertungsformen ab.

Erfüllungsort und Gerichtsstand München

Ab 1.1.2016 ist die Anzeigenpreisliste Nr. 55 gültig.


Anzeigenschluss ist jeweils am 24. des Vormonats.
Mitglied der agla a + b, Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse Auszeichnungen
Architekten und Bauingenieure.

ISSN 0005-674X B1547


B 8

Portfolio
2 016

Best Products

Das Bessere ist des Guten Feind, heißt es. Die Unternehmen tun sogar ihr
Bestes, um den Architekten ihre Arbeit zu erleichtern. Neue Produkte ver-
fügen in der Regel entweder über noch mehr Funktionen, sie halten länger
und sind widerstandfähiger oder sie lassen sich schneller und damit kos-
tengünstiger einbauen. Auf den folgenden Seiten stellen wir einige dieser
Schätze vor.
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Ein kardanisches Ge-


lenk macht es möglich:
Die Leuchte „Allround“
von Top Light lässt sich
um 360 Grad drehen
und kann damit jede
Ecke ausleuchten.
Allround wurde 2016
mit dem „Plus X Award“
ausgezeichnet.

Letztes Jahr gewann die „Puk“-Leuchte von 1600 lm mit durchgängig 2700 k) lassen
Hell bis in den Top Light den „Plus X Award“, den Innovati- sich die Leuchten für viele Anwendungen
onspreis für Produkte aus den Bereichen im Privat- oder Objektbereich einsetzen.
letzten Winkel Technologie, Sport und Lifestyle, als beste
Leuchte und bestes Produkt. Dieses Jahr
Allround ist mit energiesparenden LEDs
ausgestattet; es gibt sie in den Farben
erhielt die „Allround“-Leuchte den Preis. Chrom, Chrommatt, Nickelmatt, Weiß,
Die Leuchte, die sowohl für die Montage Schwarz und Anthrazit. Als Aufbau-, Ein-
top-light.de an der Wand als auch an der Decke konst- bau- und als Schienenvariante (Eutrac)
ruiert wurde, erzeugt ein angenehmes, eignen sich die Leuchten sowohl für Büro-
warmweißes Licht und ist zudem dimmbar. und Gewerbe- als auch Wohnräume.
So lässt sich die Lichtintensität der ge- Außerdem kann die gesamte Serie, bis
wünschten Stimmung anpassen und dem auf die Schienenvariante, auch in IP 44
Anlass entsprechend regulieren. Mit zwei für den Außenbereich geordert werden.
kardanisch aufeinander abgestimmten
Gelenken lassen sich die LED-Leuchten-
köpfe um über 360 Grad drehen. Dadurch
kann jeder Winkel ausgeleuchtet werden,
und das Licht gelangt immer dorthin, wo
es gebraucht wird. Mit dreierlei Leuchten-
kopfdurchmessern (120 mm/8 W/920 lm,
160 mm /12 W/1300 lm und 240 mm/16 W/
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FOTO: THOM AS M ARTIN


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„Das Capatect System


Natur+“ basiert auf
einer Dämmplatte,
die zu 89 Prozent aus
natürlichem Hanfstroh
sowie zu 11 Prozent
aus synthetischem
(Bicofaser-/PE-Binde-
faser-) oder pflanzli-
chem (Maisfaser-)
Stützgewebe besteht.

Linke Seite: Neubau


Weingut Arndt Köbelin
des Architekten
Thomas Martin mit
einer Hanffaser-
gedämmten Fassade.

Caparol hat als weltweit erster Anbieter ein Das Capatect System Natur+ lässt sich an
Hanf dämmt Fassadendämmsystem entwickelt, das auf der Fassade nach Wunsch gestalten.
europäischem Nutzhanf basiert: „Capatect Caparol bietet dazu passende Kleber und
grüner System Natur+“ heißt die neue Art, Häuser
gegen Wärmeenergieverluste nachhaltig
Armierungsmasse, Putz und Fassadenfar-
ben an.
zu dämmen. Die Vorteile von Hanf: Es ist Für das Capatect Hanffaser-WDVS liegt
eine genügsame Pflanze, wächst auf dem eine Europäisch Technische Zulassung vor
caparol.de Feld viermal schneller nach als Nadelholz – das System lässt sich daher auch in
im Wald und kommt dabei völlig ohne Dün- Deutschland anbringen.
ger und Pflanzenschutzmittel aus. Dämm-
platten aus Hanffasern verfügen über eine
geringe Wärmeleitfähigkeit. Sie dämpfen
den hörbaren Schall und gestatten es,
Neubauten so zu planen, dass das erhöhte
Schallschutzniveau nach DIN 4109 durch
das Capatect System Natur+ mindestens
erreicht oder sogar übertroffen wird. An der
Fassade fachgerecht montiert, verhindert
das System, dass die Hitze rasch ins Haus
vordringt. Die Phasenverschiebung reicht
bis in den späten Abend hinein.
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Im Zusammenspiel
mit dem Raster des
Glasdachs erzeugt
die Lamellendecke
eine harmonische
Optik.

Die leichte Bearbeit-


barkeit der Lamellen-
decke von Nagelstutz
und Eichler ermöglicht
präzise Anpassung
bis ins Detail.

Das niederländische Architekturbüro scher Schutz der dahinter liegenden


Lernlandschaft Benthem Crouwel hat mit dem neuen Hör- Installationen und suggerieren Durchläs-
saalgebäude der Hochschule Osnabrück sigkeit und Offenheit nach oben. Die
mit Wohlfühl- eine Lernlandschaft geschaffen, die für
jeden Lerntyp den passenden Platz bietet.
Abstände der Lamellen folgen dem Achs-
system des Gebäudes. Dabei erleichterte

charakter Die Architektur ist spektakulär: ein quader-


förmiger, dreigeschossiger Baukörper, an
die eingesetzte „NE-Lamelle“ mit ihren
frei wählbaren Abständen und den schma-
dessen nordöstlicher Seite unten ein Keil len Profilen den Architekten die Gestaltung
herausgeschnitten ist. Vom Foyer aus ent- und den Verlegern den Einbau.
ne-paneeldecken.de wickelt sich das Herzstück des Gebäudes,
die sogenannte Lernlandschaft, rund um
Die gesamte Bauhöhe ab Unterkante Roh-
decke bis Unterkante Lamellendecke
den Lichthof. durfte eine Einbauhöhe von 100 mm nicht
Raumfunktionen und Zonierungen lassen überschreiten. Im Flur lagen die Lüftungs-
sich an den umgebenden Flächen ablesen. und Installationsschächte so dicht bei-
Die Deckenlandschaft spiegelt die Zonie- sammen, dass eine Abhängung nicht mög-
rung ebenfalls wider: in den Vorlesungs- lich war. Stattdessen wurden Weitspann-
räumen eine glatte Deckenoptik mit träger aus Stahl unterhalb der Installatio-
Deckensegeln, über der Lernlandschaft nen über die knapp zwei Meter breiten
Baffeln und in den Durchgangsbereichen Flure gespannt und daran die Tragschiene
weiße Aluminium-Lamellendecken von der Lamellendecke befestigt.
Nagelstutz und Eichler. Sie dienen als opti-
Anzeige

Links: Der Fasenstein


schafft durch seine
umlaufenden, abge-
schrägten Kanten eine
ebene Wandfläche, Oben: Im Lobbybe-
die den besonderen reich bringt das Sicht-
Fugencharakter sicht- mauerwerk mit glatter
bar in Szene setzt. Oberflächenstruktur
Durch eine abge- als Szenenbildner Be-
stimmte Lichtplanung wegung in den Raum.
wird das Spiel von Licht Es wirkt wie ein ab-
und Schatten auf der straktes Kunstwerk und
Wand zusätzlich stilvoll verleiht ihm Atmo-
inszeniert. sphäre.

Der Fabrik-Chic ist mittlerweile ein salon- gende, individuelle Gestaltungspotenziale


Räume fähiger Wohntrend. Markante Wände, kraft- eröffnen. Besondere Akzente können mit
voll und ohne Putz- oder Tapetenschicht, dem Fasenstein gesetzt werden. Er verleiht
mit Charakter zieren die Hintergründe von Werbemotiven
bedeutender Modelabels. Auch in der
dem Raum durch seine unverwechselbare
Fugenoptik eine wohl-tuende Dynamik, die
Architektur spielen authentische und natür- ästhetische Ansprüche mit Wertbeständig-
liche Materialien eine immer wichtigere keit und zeitloser Schönheit verbindet.
ks-original.de Rolle. Fast wie eine Hommage an die Kulti-
viertheit der Baukunst und das Handwerk,
rücken traditionelle Wandbaustoffe wieder
FOTOS: THOM AS POPINGE R/KS-ORIGINAL GMBH

in das Bewusstsein der Planer. Denn ein


modern interpretiertes Sichtmauerwerk
ermöglicht ausdrucks-starke und selbstbe-
wusste Gestaltungsmöglichkeiten. 
Mit seiner Formen- und Variantenvielfalt
bietet das Kalksandstein-Sichtmauerwerk
von KS-Original vielfältige Lösungen, Fas-
saden individuell zu gestalten. Dafür stehen
gebrochene, bruchraue und glatte Ober-
flächenstrukturen zur Verfügung, die spezi-
ell auch für Innenräume optisch überzeu-
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FOTO LINKS: JOCHE N STÜBE R; RECHTE SE ITE: THOM AS OT T (2)


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Linke Seite: Das Büro-


gebäude „Neuer
Pferdemarkt“ nutzt
„roseus“ als Zitat des
Altbaubestands. Oben:
Das Baumaterial unter-
streicht die freundliche
Atmosphäre des „Hau-
ses im Burggarten“.

Jeder Stein ein Unikat – das ermöglicht Im Wohnpflegeheim „Haus im Burggarten“


Unikate für das Wasserstrichverfahren, mit dem die in Breitenbach am Herzberg ist die Trans-
Ziegelei Hebrok Natrup-Hagen ihre „Origi- parenz zwischen innen und außen ein
die Wand nal Wasserstrich Backstein Klinker“ her-
stellt. „roseus“ heißt einer dieser Klinker,
Schwerpunkt: Waechter + Waechter Archi-
tekten aus Darmstadt kombinierten die
mit dem Architekten deutschland- und Klinkerfassade mit hellen Holzelementen
europaweit gerne arbeiten – zum Beispiel und Glas. So werden Innenräume nach
ziegelei-hebrok.de das Hamburger Architekturbüro Störmer außen erweitert, der äußere Naturraum
Murphy and Partners beim Bau des Büroge- wird Teil des Innenraums. Aufgrund seiner
bäudes „Neuer Pferdemarkt“ in Hamburg. sanften Rottöne und der warmen Optik
Der Neubau nimmt die typische Industrie- setzten Waechter + Waechter Architekten
Architektur des frühen 20. Jahrhunderts roseus auch innen ein. Das Objekt erhielt
auf: Große, unterteilte Stahlfenster werden die Auszeichnung „Iconic Awards 2015
durch eine Backsteinklinkerfassade um- Winner (Kategorie Domestic)“.
fasst. Die Architekten wählten roseus, da
er die Altbauten zitiert und zugleich eine
hellere, moderne Optik zeigt. Die struktu-
rierte Oberfläche des Klinkers wird durch
die teilweise Verwendung von Fußsortie-
rung unterstrichen. Zudem nimmt die feine
Reliefierung Bezug auf den Bestand.
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Der Abstandshalter
(Spacer) von ZinCo
eröffnet Raum für die
Wasserspeicherung,
während oberhalb
davon jede Form
von Dachbegrünung
und Dachnutzung
denkbar ist.

Dachbegrünung speichert Regenwasser verwendet, dessen Höhe variabel wählbar


Wasserrück- und lässt es zeitverzögert abfließen bezie- ist. Ein 10 cm hoher Spacer kann rund
hungsweise verdunsten. Das neue Reten- 80 l/m2 Wasser speichern. Dieses Wasser
halt auf dem tions-Gründach von ZinCo vervielfacht
diesen Rückhalte-Effekt und gleicht damit
fließt dann über ein im Gully verankertes
Drossel-Element langsam in einem defi-

Gründach Niederschlagsspitzen aus. Eine gewöhnli-


che Extensivbegrünung speichert zwischen
nierten Zeitraum (zwischen 24 Stunden und
mehreren Tagen) in die Kanalisation ab.
20 und 40 l/m2 Wasser, eine Intensivbegrü- Der über dem Spacer positionierte Be-
nung zwischen 50 und 100 l/m2. Um die grünungsaufbau stellt alle für das Funktio-
zinco.de Hochwassergefahr zu reduzieren soll mög-
lichst viel Wasser auf dem Dach gespei-
nieren der Dachbegrünung wichtigen
Aspekte sicher, wie Luft-Wasser-Haushalt
chert werden; doch dann besteht die im Wurzelraum, Dränage und Wasser-
Gefahr, dass sich dort die Vegetation än- speicherung für die Pflanzen. So sind alle
dert, sich der Pflegeaufwand erhöht oder Dachbegrünungs- und Nutzungsformen
es sogar zu Staunässe und Wurzelfäulnis möglich, auch Geh- und Fahrbeläge.
kommt. Daher hat ZinCo das neue Reten-
tions-Gründach zweiteilig aufgebaut –
Retentions-Volumen und der eigentliche
Begrünungsaufbau sind getrennt. Unter-
halb des Begrünungsaufbaus wird ein
sogenannter Abstandshalter (Spacer)
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Verschmutztes Ober-
flächenwasser ablei-
ten ohne Verluste:
Die Übergänge der
Rinnenkörper der „Aco
Drain Multiline Seal in“
verfügen serienmäßig
über eine integrierte
zweikomponentige
Dichtung aus EPDM.

Bei herkömmlichen Rinnensystemen geht Zeitspanne von 30 Minuten hinaus. In einem


Kein Tropfen wegen undichter Rinnenstöße ein Teil des Langzeittest des IKT in Gelsenkirchen wurde
Wassers auf dem Weg zur Regenwasserbe- für die serienmäßig mit einer integrierten
geht verloren handlung unkontrolliert verloren. Aco hat
nun eine Entwässerungsrinne mit serien-
Dichtung ausgestatteten Entwässerungs-
rinnen eine Dichtheit von über 72 Stunden
mäßiger Dichtung entwickelt. Mit der „Aco nachgewiesen. Durch die glatten Über-
Drain Multiline Seal in“ für die Belastungs- gänge am Rinnenstoß und die glatte Ober-
aco-tiefbau.de/sealin klassen A15 bis E600 gemäß DIN EN 1433 fläche des Aco Polymerbetons erhöht sich
lässt sich Wasser kontrolliert und komplett die Selbstreinigungsfunktion der Rinne
in einem dichten System ableiten. noch einmal deutlich. Die verbesserte Geo-
Aco Drain Multiline Seal in nimmt belaste- metrie macht den Rinnenkörper robuster.
tes Oberflächenwasser auf und leitet es Ein weiterer Vorteil bei Handling, Transport
ohne Verluste zur Behandlung oder (Wie- und Einbau der neuen Rinne: Aco Polymer-
der-)Verwendung weiter. Die Seal in Tech- betonprodukte sind bei gleicher Belastbar-
nologie besteht aus dem wasserdichten, keit leichter als Betonprodukte.
frostsicheren Polymerbeton-Rinnenkörper
und einer serienmäßig integrierten zwei-
komponentigen Dichtung aus EPDM. Diese
Kombination gewährleistet die notwendige
Wasserdichtheit der Entwässerungsrinnen
über die von der DIN EN 1433 geforderte
114 Kolumne MetroPolis

Was genau ist „Stadt-


architektur“
?

Gerade kommt mir ein Buch in die Hände: „Stadt- ist facettenreicher. Stadt ist nicht überall gleich.
architektur“ von Klaus Theo Brenner. Darin, wenig Weder sind alle Städte identisch, noch alle Stadt-
überraschend: aktuelle Brenner-Bauten, die teile, noch alle Straßen. Und auch ein und die-
nach Ansicht des Autors unter dieses Siegel selbe Straße kann je nach Tageszeit komplett
fallen. Fein strukturierte Bürgerbauten, viele aus unterschiedlich daher kommen.
Berlin, je eines aus Braunschweig oder Kon- Mit diesen urbanen Vielheiten befasst sich die
stanz. Ich musste beim Durchblättern Architektur meines Erachtens nach
über das Siegel der „Stadtarchitektur“ noch recht wenig. In der Chiffre
nachdenken. Was besagt es? Ge- „Stadtarchitektur“ wird hingegen
meint ist für Brenner eine Architek- meist von einem klar definierten
tur, die städtisch in dem Sinne daher Gesamtbild von Stadt ausgegan-
kommt, dass sie die neuen städti- gen. Und zwar von einem, das,
Alexander Gutzmer

schen Bauten mit ihrem Kontext gerade in Bezug auf sich rasant
verknüpft. Brenner denkt die von verändernde Metropolen wie
ihm propagierten urbanen Berlin, oft auch einem Wunschbild
Lösungen von ihrem unmittel- entspricht. Wünsch Dir Deine Stadt!
baren Umfeld her: der Straße, Ein Ansatz, welcher der Architektur
dem Platz. Gute „Stadtarchitek- zwar Halt gibt, aber dem, was sich in
tur“ lässt sich also von den sie unseren Metropolen real abspielt,
umgebenden Bewegungen und nicht unbedingt gerecht wird.
Affekten beeinflussen. Dies führt uns, zum versprochen letz-
ten Mal, zurück zum deutschen Bien-
Wie viel Ordnung nale-Beitrag des Architekturmuseums
von

verträgt „Stadt“? Frankfurt. Was die Frankfurter näm-


lich bezogen auf das Konzept „Stadt-
Ein fraglos stimmiger Grundansatz. Aller- architektur“ geleistet haben, ist, zu zeigen,
dings lohnt es sich, den Begriff der Stadtar- dass sich „Stadt“ je nach Perspektive komplett
chitektur noch weiter zu durchdenken. Die Frage unterschiedlich darstellt. Aus der Perspektive von
ist nämlich, was dieses Attribut „Stadt-“ eigent- Migranten erhalten auch unsere vermeintlich
lich transportiert. Meinem Eindruck nach wird es geordneten deutschen Städte plötzlich einen
oft lediglich als Chiffre für eine herkömmliche komplett anderen, häufig auch ungeordneten
Splittung baulicher Realität in Straße und Haus Charakter – oder einen, der einer subtilen
gesehen. Den Blockrand möglichst ordentlich an Ordnung gehorcht, die wir „Ur-Städter“ gar nicht
die städtischen Bewegungen heran geschoben, sehen. Das heißt: Wahre Stadtarchitektur ist
eine schützende und repräsentative Fassade eine, die uns sensibel hält für die Vielschichtig-
davor – fertig. Doch Urbanität als Einflussfaktor keit des Urbanen.

An dieser Stelle schreibt Baumeister-Chefredakteur Alexander Gutzmer im Wechsel mit der Architektin Regine Leibinger
und dem Architekturtheoretiker Friedrich von Borries.
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