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AUSWERTUNG VON EXPERIMENTELLEN ERGEBNISSEN EINES

MODULAREN HLFC-PLATTENMODELLS IM DNW-NWB


H. Lüdeke, C. Breitenstein
DLR, Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik,
Lilienthalplatz 7, 38108 Braunschweig

Zusammenfassung

Ein aktueller Forschungsschwerpunkt zukünftiger Flügelkonfigurationen liegt in der Entwicklung von Laminar-
Technologien und der aktiven Strömungskontrolle (HLFC). In diesem Zusammenhang gestaltet das Institut für
Aerodynamik und Strömungstechnik Windkanal- und Flugversuche zur Laminarhaltung verschiedenen
Modellkonfigurationen durch Grenzschichtabsaugung [1][2]. Dazu wird die Oberfläche des umströmten Körpers mit
einer Mikroperforation versehen, durch die ein Teil der Grenzschicht abgesaugt und in der Folge eine Transition an
dieser Position unterdrückt wird. Dies erfordert sowohl die Bestimmung der Durchflusscharakteristik solcher
mikroperforierten Oberflächen, als auch die Sicherstellung einer hinreichenden Oberflächen-Qualität. Um diese
Eigenschaften unter Windkanalbedingungen zu überprüfen wurde das modulare Modell einer ebenen HLFC-Platte
für den DNW-NWB Windakanal gefertigt, das die Untersuchung solcher Charakteristiken auch unter
Berücksichtigung einer realistischen Grenzschichtströmung erlaubt. Nach ersten erfolgreichen Messreihen werden
im Rahmen der Auswertung experimentelle Ergebnisse mit theoretischen Ansätzen verglichen und
Schlussfolgerungen aus dieser ersten Messkampagne vorgestellt.
Die Grenzschichtabsaugung entlang der Modelloberflache erfolgt kontinuierlich durch ein lasergebohrtes,
mikroperforiertes Absaugblech. Die HLFC-Platte ist mit zwei Druckmess-Schnitten versehen, mithilfe von
Infrarotkameras lässt sich die Transitionslage bestimmen und ein verfahrbarer Hitzdraht ermöglicht die
zeitaufgelöste Messung der Grenzschichtprofile. Der modulare Aufbau der Platte erlaubt den Austausch einzelner
Panels verschiedener Funktion und damit das Verändern von Größe und Position der Absaugfläche. Mithilfe eines
hochgenauen Laminar Flow Meters (LFM) wird der zugehörige Volumenstrom gemessen und daraus die Absaugrate
ermittelt. Anströmgeschwindigkeiten zwischen 20 und 60m/s ermöglichen einen Reynoldszahlbereich von 6.8 bis
20.6 Millionen bei variabler Absaugrate. Ferner ließen sich Klebestreifen aufbringen, um den Einfluss von Stufen
verschiedener Hohe und Position zu untersuchen [3]. Den experimentellen Ergebnissen werden CFD-Simulationen
des Modells in der Messstrecke und die Vorhersage der zugehörigen Transitionslinie aus linearer Stabilitätstheorie
(LST) gegenübergestellt. Vergleiche zwischen Druckverteilungen, Grenzschichtprofilen bzw. Transitionspositionen
auf der Modelloberfläche mit Simulationsergebnissen der nominellen Geometrie erlauben eine Validierung
verschiedener Vorhersagetechniken. Aus den Hitzdrahtmessungen lassen sich auch Amplitudenverhältnisse von
stark angefachten Tollmien-Schlichting-Wellen extrahieren die im Weiteren mit numerischen Ergebnissen verglichen
werden. Letztlich wird aus diesen grundlegenden Betrachtungen deutlich, welchen primären Einfluss die
Grenzschichtabsaugung an einem solchen Modell auf den Vorgang der Transition hat, sowie die Rolle, die auch
sekundäre Effekte dabei spielen können.
[1] C.-H. Rohardt, A. Seitz, et.al.: Simplified-HLFC/ Entwurf eines Seitenleitwerks mit Hybrid-Laminarhaltung für den Airbus
A320. Deutscher Luft- und Raumfahrt Kongress, 27.-29.9.2011, Bremen.
[2] G. Schrauf, H. v. Geyr, Simplified Hybrid Laminar Flow Control for the A320 Fin Aerodynamic and System Design. First
Results. AIAA Scitech Forum 2020, Jan 6-10, Orlando Florida.
[3] K. Backhaus, H. Lüdeke: Direct Numerical Simulation of TS-Waves behind a Generic Step of a laminar Profile in the DNW-
NWB wind tunnel. Greener Aviation Conference 2016, Oct. 11-13 2016, Brussels, Belgium.

Absaugpanel

Ohne Absaugung

Absaugung 2.5 l/s


Abb. 1: HLFC-Plattenmodell mit Absaugpanel Abb. 2: Infrarotbild des laminaren Bereichs mit- und
im DNW-NWB. ohne Absaugung bei 60m/s.