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S. Becht · R. C. Bittner · A.

Ohmstede
A. Pfeiffer · R. Roßdeutscher Hrsg.

Lehrbuch
der radiologischen
Einstelltechnik
7. Auflage
Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
Stefanie Becht
Roland C. Bittner
Anke Ohmstede
Andreas Pfeiffer
Reinhard Roßdeutscher
(Hrsg.)

Lehrbuch
der ­radiologischen
Einstelltechnik
7. Auflage

Mit 705 Abbildungen und 28 Tabellen

123
Herausgeber
Stefanie Becht Andreas Pfeiffer
Unfallkrankenhaus Berlin, Institut für Radiologie Servicecenter Informationstechnik Klinikum
und Neuroradiologie, Berlin, Deutschland Stuttgart, Stuttgart, Deutschland

Roland C. Bittner Reinhard Roßdeutscher


Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin, Abteilung für Röntgendiagnostik Johanniter
Deutschland ­Krankenhaus in Fläming, Treuenbrietzen,
Deutschland
Anke Ohmstede
MTRA-Schule Klinikum Oldenburg AöR,
Oldenburg, Deutschland

Ursprünglich erschienen unter dem Titel:


Lehrbuch der röntgendiagnostischen Einstelltechnik –
Begründet von Marianne Zimmer-Brossy

ISBN 978-3-662-56255-0 ISBN 978-3-662-56256-7 (eBook)


https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7

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V

Danksagung

Die Herausgeber danken den Autoren der 6. Auflage Matthias Berndt, Dr. Klaus Boots-
veld, Hans Hermann Dumont, Cornelia Haupt, Karl-Friedrich Kamm, Dr. rer. nat. Tho-
mas Plecko und Thomas Winter für die Überlassung ihrer Beiträge zur weiteren Bearbei-
tung für diese 7. Auflage.
Vorwort zur 7. Auflage

57 Jahre nach der ersten Auflage des Zimmer-Brossy haben die Herausgeber der 6. Auf-
lage eine erneute Überarbeitung des Standard-Lehrwerks vorgenommen. Mit großem
Aufwand haben die MTRA aus dem Unfallkrankenhaus Berlin einen Großteil der auf-
nahmetechnisch veralteten Abbildungen gegen neue Röntgenbilder, auch im angio­
graphischen Bereich, ausgetauscht. Die Projektionsradiographie ist nach wie vor das
Herzstück dieses Buches. Was sich in all den Jahren am wenigsten verändert haben dürf-
te, ist die Röntgeneinstelltechnik. Die Lagerung der Patienten für die Röntgenaufnahmen
am Körperstamm und den Extremitäten steht immer noch im Mittelpunkt der Projek­
tionsradiographie. Als wenig dosisintensive Methode und dazu noch kostengünstig,
dürfte die Projektionsradiographie weiterhin viele Indikationen abdecken.
Nach wie vor hat die medizinisch-technische Entwicklung einen großen Einfluss auf
die tägliche Arbeit in der Radiologie. MTRA und Radiologen sind gefordert, sich kon­
tinuierlich fortzubilden. Bildempfänger wie der Flachdetektor sind bereits dabei, die
­Speicherfolie abzulösen und man darf gespannt sein, wann die letzte Dunkelkammer
ihren Dienst einstellt. Spätestens, wenn es keine Röntgenfilme mehr zu kaufen gibt,­
dürfte dies wohl der Fall sein.
Durch die verschiedenen Modalitäten in der Bildgebung steht eine Fülle an bildgebenden
Verfahren zur Verfügung. In vielen Bereichen hat sich die radiologische Diagnostik
­weiter ausdifferenziert. So nimmt in vielen radiologischen Abteilungen die interven­
tionelle Radiologie einen großen Raum ein. Patienten können mit minimal-invasiven
Methoden mittels Ultraschall, MRT, CT und Angiographie diagnostiziert werden.
Die Digitalisierung in der konventionellen Röntgendiagnostik hat Bildaufnahme und
-verarbeitung nachhaltig verändert. Über- und Unterbelichtungen können im Vergleich
zu einem analogen Röntgenbild nahezu ausgeschlossen werden. Das digitale Bild kann
unbegrenzt reproduziert und bearbeitet werden. Flachdetektoren, RIS und PACS haben
auch den Workflow verändert. Zu analogen Zeiten waren Heerscharen von Ärzten und
Pflegekräften in der radiologischen Abteilung unterwegs, um Röntgentüten zu suchen.
Betritt man heute eine Röntgenabteilung, ist es gespenstisch ruhig. Wenn der Schaltraum
auch noch in den Röntgenraum integriert ist, sieht man kaum noch eine MTRA. Das
Wort Dunkelkammer hat eine ganz neue Bedeutung bekommen: Während früher MTRA
dort die Filme entwickelten, sitzen heute die Radiologen für die Befundung in abge­
dunkelten Räumen vor ihren Monitoren. Per Knopfdruck stehen alle Bilddaten zur Ver-
fügung, der Gang ins Röntgenarchiv ist Geschichte.
Die Herausgeber danken ihren Mitautoren dafür, dass sie ihre fachliche Expertise bei der
Bearbeitung der jeweiligen Kapitel eingebracht haben. Dem Springer-Verlag sei Dank für
die Unterstützung bei der Realisierung der 7. Auflage, insbesondere Herrn Quinones und
Frau Beisel.
Möge das Buch allen an der Röntgentechnik Interessierten eine Hilfe im Alltag sein und
als Leitfaden in der Aus- und Weiterbildung dienen.
Die Herausgeber
Sommer 2018
VII

Inhaltsverzeichnis

I Allgemeiner Teil
1 Der Beruf des/der Medizinisch-Technischen
Radiologieassistenten/-in (MTRA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
A. Ohmstede
1.1 Auszug aus dem Deutschen Strafgesetzbuch (StGB) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.2 Der Patient . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

2 Die Röntgenabteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
A. Ohmstede
2.1 Wie funktioniert eine R
­ öntgenabteilung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.2 Untersuchungsraum und Röntgenuntersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.3 Kinder in der Radiologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.4 Zubehör im Röntgenraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.5 Hygiene in d
­ er Röntgenabteilung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

3 Strahlenschutz in der r­ adiologischen Diagnostik . . . . . . . . . . . . . . . . . 21


A. Ohmstede
3.1 Ionisierende Strahlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.2 Rechtsgrundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

4 Qualitätssicherung und K
­ onstanzprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
A. Ohmstede
4.1 Qualitätssicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.2 Konstanzprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
4.3 Ärztliche Stellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

5 Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31


A. Ohmstede
5.1 Schwächung von Röntgenstrahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
5.2 Zentralprojektion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.3 Abstandsquadratgesetz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5.4 Direktradiographische ­Vergrößerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.5 Kontaktaufnahme und N ­ ahdistanzaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
5.6 Brennfleck und B
­ rennflecknennwert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

6 Faktoren, die die Röntgenbildqualität bestimmen . . . . . . . . . . . . . . . . 41


A. Ohmstede
6.1 Spannung = Strahlenqualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
6.1.1 Hartstrahltechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
6.1.2 Weichstrahltechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
6.1 Röhrenstrom = Strahlenquantität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
6.1.1 Änderung der Spannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
6.1.2 Änderung des mAs-Produkts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
VIII Inhaltsverzeichnis

6.2 Belichtungsautomatik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
6.3 Streustrahlenraster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

7 Digitale Bildentstehung und -verarbeitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51


J. Hausmann
7.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
7.1.1 Geschichtlicher Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
7.1.2 Grundbegriffe der digitalen Radiographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
7.1.3 Digitale Bildempfänger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
7.2 Digitale Lumineszenzradiographie (DLR) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
7.3 Digitale Flachdetektorradiographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
7.3.1 Prinzip der Flachdetektortechnologie mit Cäsiumjodid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
7.4 Bildverarbeitungssoftware . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

8 Archivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
J. Hausmann
8.1 Rechtliche Aspekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
8.2 Konventionelle Archivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
8.3 Digitale Archivierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
8.3.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
8.3.2 Das digitale Archiv – PACS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65

9 Bildwiedergabesysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
G. Schüler
9.1 Bildwiedergabesysteme für die Befundung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
9.2 Bildwiedergabesysteme für die Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

10 Reproduzierbarkeit, ­Identifikation und Z


­ eichenlegung . . . . . . . . . . . . 71
A. Ohmstede, C. Verloh
10.1 Reproduzierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
10.2 Identifikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
10.3 Zeichenlegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
10.3.1 R und L in der Röntgen­aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
10.3.2 Seitenrichtige Betrachtung von Röntgenaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
10.3.3 Unterschiede für analoge und digitale Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
10.3.4 Zeichenlegung bei ­Durchleuchtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
10.3.5 Seitenrichtige Bezeichnung von Röntgenaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
10.3.6 Schreibgerechte oder ­spiegelverkehrte Kenn­zeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
10.3.7 Die Zeichenlegung ist ­verbindlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
10.3.8 Einführung kurz nach ­Entdeckung der Röntgenstrahlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

11 Röntgenologische Standardprojektionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
A. Ohmstede
11.1 Zentralstrahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
11.2 Senkrechtstrahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
11.3 Strahlengang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
11.4 Richtungs- und L­ agebezeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
IX
Inhaltsverzeichnis

II Skelettdiagnostik
12 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
S. Becht

13 Hand und Handwurzel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91


S. Becht, S. Heyl
13.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
13.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

14 Unter- und Oberarm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123


S. Becht, S. Heyl
14.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
14.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125

15 Schultergelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
S. Becht, S. Heyl
15.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
15.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

16 Schultergürtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
S. Becht, S. Heyl
16.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162
16.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

17 Brustkorb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
S. Becht, S. Heyl
17.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
17.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180

18 Schädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
S. Becht, S. Heyl
18.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
18.1.1 Hirnschädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
18.1.2 Gesichtsschädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
18.1.3 Messlinien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
18.1.4 Empfehlungen der Strahlenschutzkommission zur ­Röntgenuntersuchung
des Schädels in der Unfall­diagnostik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
18.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190

19 Zähne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233
A. Pfeiffer
19.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235
19.2 Röntgentechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
19.2.1 Bildempfänger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237
X Inhaltsverzeichnis

20 Wirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
S. Becht, S. Heyl
20.1 Halswirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
20.1.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
20.2 Brustwirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
20.2.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
20.3 Lendenwirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276
20.3.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276

21 Becken, Hüftgelenk und Oberschenkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291


S. Becht, S. Heyl
21.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292
21.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292

22 Oberschenkel, Kniegelenk und Unterschenkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317


S. Becht, S. Heyl
22.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318
22.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 320

23 Sprunggelenk und Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349


S. Becht, S. Heyl
23.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350
23.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352

III Pädiatrische ­Radiologie


24 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 385
E. Steinhilber

25 Schultergürtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389
D.E. Heupel
25.1 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 390

26 Ellenbogengelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 395
D.E. Heupel
26.1 Anatomische Besonder­heiten am kindlichen Ellenbogen . . . . . . . . . . . . . . . . 396

27 Schädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399
D.E. Heupel
27.1 Anatomische ­Besonderheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400
27.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400

28 Wirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407
E.-J. Beck, E. Steinhilber
28.1 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 408

29 Becken und Hüftgelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419


E.-J. Beck, E. Steinhilber
29.1 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 420
XI
Inhaltsverzeichnis

30 Ganzbeinaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
E.-J. Beck, E. Steinhilber
30.1 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428

31 Sprunggelenk und Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 433


Y. Röhlk
31.1 Der kindliche Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434
31.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434

32 Thorax, innere Organe und Urogenitalsystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 443


Y. Röhlk, E. Steinhilber
32.1 Thoraxorgane und Abdomen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 444
32.2 Gastrointestinaltrakt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 453
32.3 Urogenitalsystem (­ Urographie, MCU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455

33 Sonstige Aufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 459


D.E. Heupel, E. Steinhilber
33.1 Linke Hand zur Knochen­alterbestimmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 460
33.2 Durchleuchtung bei ­Verdacht auf Fremd­körperingestion . . . . . . . . . . . . . . . . 461
33.3 Untersuchung bei Verdacht auf Kindesmisshandlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 463

IV Innere Organe
34 Thoraxorgane . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
34.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 468
34.2 Röntgenuntersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
34.3 Aufnahmetechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
34.4 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469

35 Halsweichteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477
A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
35.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
35.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478

36 Bauchraum (Abdomen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481


A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
36.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 482
36.2 Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 483

37 Gastrointestinaltrakt (­ Speiseröhre, Magen und Dünndarm) . . . . . . . . 489


A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
37.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 490
37.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 491

38 Dickdarm (Kolon, Intestinum crassum) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 501


A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
38.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 502
38.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 503
XII Inhaltsverzeichnis

39 Gallenblase und Gallenwege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513


A. Pfeiffer, R. Roßdeutscher
39.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 514
39.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 514

V Spezielle ­röntgen­diagnostische ­Methoden


40 Radiologische Unter­suchungen der weiblichen (und männlichen)
Brust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 519
C. Verloh
40.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 520
40.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 520
40.2.1 Inspektion und Palpation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 520
40.3 Ergänzende Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 543

41 Röntgendiagnostik der G
­ elenke (Arthrographie mit
­Röntgenkontrastmittel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 549
R. Bittner, R. Roßdeutscher
41.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 550
41.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 551
41.3 Arthrographien der übrigen Gelenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 556

42 Röntgendiagnostik d
­ es Urogenitalsystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 557
R. Bittner, R. Roßdeutscher
42.1 Anatomie der harnableitenden Organe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558
42.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558

43 Röntgendiagnostik von G
­ ängen, Höhlen und Fisteln . . . . . . . . . . . . . . 561
R. Bittner, R. Roßdeutscher
43.1 Sialographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 562
43.2 Dakryozystographie oder Nasolakrimographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 563

VI Interventionelle­ ­Radiologie
44 Röntgendiagnostik d
­ er Arterien (Arteriographie, Angiographie) . . . . 567
R. Bittner, U. Kraemer
44.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 568
44.2 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 568
44.3 Röntgenuntersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571
44.4 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571

45 Gefäßintervention, p
­ erkutane transluminale ­Angioplastie (PTA) . . . . . 593
R. Bittner, U. Kraemer

46 Angiographische ­medikamentöse Thrombolyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . 601


R. Bittner, U. Kraemer
XIII
Inhaltsverzeichnis

47 Angiographische E
­ mbolisation und mechanische Thrombektomie . . . 605
R. Bittner, U. Kraemer

48 Röntgendiagnostik d
­ er Venen (Veno- oder P
­ hlebographie) . . . . . . . . . 609
R. Bittner, U. Kraemer
48.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 610
48.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 611

49 Radiologische Diagnostik der Lymphgefäße u


­ nd -knoten . . . . . . . . . . 619
R. Bittner, U. Kraemer

50 Röntgendiagnostik ­­des Rückenmarks ­(Myelographie) . . . . . . . . . . . . . 621


R. Bittner, U. Kraemer
50.1 Anatomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 622
50.2 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 622

51 Sonstige bildgesteuerte ­Interventionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 627


R. Bittner, U. Kraemer
51.1 Perkutane transhepatische Cholangiographie (PTC) und Drainage (PTCD) . . . . . 628
51.2 Perkutane Nephrostomie (PTN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 628
51.3 Perkutane Drainage und Biopsie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 628
51.4 Perkutane Schmerztherapie, lumbale Sympathikolyse, Plexusblockade,
Neurolyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 630
51.5 Radiofrequenzablation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 630

VII Spezielle bildgebende Verfahren


52 Computertomographie (CT) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 637
A. Riemer
52.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 638
52.1.1 Spiral-CT-Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 638
52.1.2 Mehrzeilen-Spiral-­C T-Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 638
52.1.3 Detektorsystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 639
52.1.4 Pitch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 639
52.1.5 Bildqualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 640
52.1.6 HU-Werte und ­Bildfensterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 641
52.1.7 Nachteile der CT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 642
52.1.8 Durchführung ­der Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 642
52.1.9 Perorale Kontrastmittel­anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 644
52.1.10 Intravenöse Kontrast­mittelanwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 645
52.1.11 Strahlenbelastung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 646
52.1.12 Dokumentation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 646
52.1.13 Alternative ­Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 646
52.2 Wesentliches vor d ­ er Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 647
52.3 CT-Untersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 648
XIV Inhaltsverzeichnis

53 Ultraschalldiagnostik ­(Sonographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 663


C. Vockelmann
53.1 Physikalische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 664
53.2 Medizinische Anwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 666
53.3 Aufbau und Funktionsweise eines Sonographiegerätes . . . . . . . . . . . . . . . . . . 667

54 Magnetresonanz­tomographie (MRT) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 671


R. Bittner, V. Diehl

VIII Kontrastmittel
55 Röntgenkontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 681
P. Kuvvetli

56 Eigenschaften der kontrastgebenden Substanzen und ihre


Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 687
P. Kuvvetli
56.1 Kontrastgebende ­Substanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.1.1 Gase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.1.2 Bariumsulfat (BaSO4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.1.3 Jodierte Öle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.1.4 Suspensionen jodierter ­Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.1.5 Wasserlösliche ­Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 688
56.2 Physikalische und chemische Eigenschaften wasser­löslicher Kontrastmittel . . . 691
56.2.1 Niederosmolare, nicht­ionische Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 693
56.2.2 Nierengängige (nephro­trope) Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694
56.2.3 Intravenöse, gallengängige (hepatotrope) Kontrast­mittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694
56.2.4 Orale, wasserlösliche, ­jodhaltige Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694

57 Intravasale Kontrastmitteluntersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 697


P. Kuvvetli
57.1 Vorbereitung von intra­vasalen Kontrastmitteluntersuchungen . . . . . . . . . . . . 699
57.2 Vorbereitung des Patienten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 699
57.3 Kontraindikationen u ­ nd Risikofaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 700
57.4 Kontrastmittel während Schwangerschaft und S ­ tillzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 700
57.5 Nebenwirkungen und K ­ omplikationen von wasserlöslichen Kontrastmitteln . . . 700
57.6 Ursachen und Häufigkeit von Nebenwirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 701
57.7 Mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702
57.7.1 Überempfindlichkeits­reaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702
57.7.2 Herz-Kreislauf-­Erkrankungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702
57.7.3 Nierenfunktionsstörungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702
57.7.4 Diabetes mellitus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702
57.7.5 Thromboembolische ­Ereignisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 703
57.7.6 ZNS-Störungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 703
57.7.7 Beeinflussung der ­Schilddrüsenfunktion durch Röntgenkontrastmittel . . . . . . . . . 703
57.8 Prophylaxe des Kontrast­mittelzwischenfalls . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 703
57.9 Prophylaxe und Therapie der kontrastmittelinduzierten Nephropathie (CIN) . . . 704
XV
Inhaltsverzeichnis

57.10 Verhaltensmaßregeln bei Kontrastmittelanwendungen und Komplikationen . . . 704


57.11 Vorbereitung für den Notfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 704

58 Kontrastmittel in der MRT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 707


P. Kuvvetli
58.1 Bedeutung der M ­ RT-Kontrastmittel und i­ hre Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . 708
58.2 Hepatobiliäre ­MRT-Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 708
58.3 Gadoliniumhaltige ­Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 710
58.3.1 Wirkmechanismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 710
58.3.2 Wirkmechanismus ­hepatobiliärer Kontrast­mittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 712
58.3.3 Pharmakologische ­Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 712
58.3.4 Pharmakokinetische ­Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 713
58.4 Struktur und K ­ omplexstabilität ­der Gd-Chelate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 713
58.4.1 Lineare Gd-Chelate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 714
58.4.2 Makrozyklische Gd-Chelate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 715
58.5 Physikochemische ­Eigenschaften der G ­ d-Chelate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 716
58.6 Sicherheit und ­Verträglichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 719
58.6.1 Anaphylaktoide Reaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 719
58.6.2 MRT-Kontrastmittel u­ nd ­nephrogene systemische ­Fibrose . . . . . . . . . . . . . . . . . 720
58.6.3 Gadolinium im Gehirn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 721
58.7 MRT-Kontrastmittel in Schwanger­schaft und ­Stillzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 723
58.7.1 Kontrastmittelexposition in der Schwangerschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 724
58.7.2 Kontrastmittelanwendung bei Stillenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 724

59 Ultraschallkontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 725
P. Kuvvetli
59.1 Wirkungsprinzip d­ er US-Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 726
59.2 Sicherheit von US-Kontrastmitteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 727

Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 729
Empfehlungen zur Prophylaxe und Behandlung von Kontrastmittelzwischenfällen 730
Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 735
Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 739
Verzeichnis der Einstellungen

Skelettdiagnostik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85

Hand und Handwurzel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91


Hand, dorsopalmar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
Hand, schräg in „Zitherstellung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
Hand, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
Daumen, dorsopalmar und palmodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
Daumen und 1. Mittelhandknochen, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
Daumengrundgelenk, Stressaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
Daumensattelgelenk, Stressaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
Finger II–V, dorsopalmar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
Finger II, seitlich, ulnoradial und Finger III, IV und V seitlich, radioulnar . . . . . . . . . . . . . . 106
Handwurzel und Handgelenk, dorsopalmar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
Handwurzel und Handgelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
Kahnbein, Spezialaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
Kahnbein, weitere Spezialeinstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
Handwurzel, schräg, dorsopalmar (Dreieckbein) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
Handwurzel, schräg, palmodorsal (Erbsenbein) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
Mittelhandknochen I, II und Handwurzel palmodorsal, Os trapezium und Os trapezoide . . . 118
Handwurzel, schräg und Darstellung des Hamulus ossis hamati . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
Handwurzel, axial (Karpaltunnel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120

Unter- und Oberarm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123


Unterarm, mit zwei Gelenken ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
Unterarm mit zwei Gelenken, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
Ellenbogengelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128
Ellenbogengelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Oberarm (Olekranonaufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . 132
Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Unterarm (Sulcus-ulnaris-Aufnahme) . . . . . . . . . . . . 133
Radiusköpfchen, schräg, mediolateral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
Kronenfortsatz der Ulna (Processus coronoideus ulnae), schräg, lateromedial . . . . . . . . . . 136
Oberarm, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138
Oberarm, seitlich, mediolateral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139

Schultergelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
Schultergelenk, ventrodorsal (Glenoid-Tangentialaufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 144
Schultergelenk, „Schwedenstatus“ (I–III) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
Schultergelenk, axial, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
Schultergelenk, axial, im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150
Schultergelenk, transskapular (Y-Aufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152
Supraspinatus- oder subakromiale Tunnelaufnahme („outlet view“) . . . . . . . . . . . . . . . . 153
Schulter, tangential, Bizepssehnenkanal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
Schultergelenk, Nachweis eines Hill-Sachs-Defekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
Schultergelenk, Nachweis einer Bankart-Läsion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
XVII
Verzeichnis der Einstellungen

Schultergürtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Schlüsselbein, dorsoventral, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
Schlüsselbein, Tangentialaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
Akromioklavikulargelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166
Akromioklavikulargelenk, Belastungsaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
Schulterblatt, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170
Schulterblatt, axial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171
Brustbein, dorsoventral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
Brustbein, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
Sternoklavikulargelenke, dorsoventral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176

Brustkorb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179
Rippen (Hemithorax), dorsoventral und ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
Rippen, schräg (RAO, LAO) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182

Schädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
Schädel, okzipitofrontal (p.-a.), in Bauchlage oder im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Schädel, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193
Hinterhaupt, bregmatikookzipital, Aufnahme nach Towne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
Gesichtsschädel, Profilaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198
Nasenbein, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
Schädel, okzipitonasal: Gesichtsschädel („Waters view“), Nasennebenhöhlen-(NNH-)
Aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
Orbita, Vergleichs- oder Brillenaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
Jochbogen, submentobregmatikal („Henkeltopfaufnahme“) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
Jochbogen, Aufnahme nach Zimmer durch den geöffneten Mund . . . . . . . . . . . . . . . . . 206
Schädel, axial, mit hängendem Kopf, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209
Schädel, axial, submentobregmatikal (Schädelbasisaufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210
Schädel, überkippt axial, Aufnahme nach Welin, im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214
Felsenbein, Aufnahme nach Stenvers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215
Felsenbein, Aufnahme nach Mayer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
Felsenbein- und Warzenfortsatz, Kiefergelenk, Aufnahme nach Schüller . . . . . . . . . . . . . 223
Felsenbein, Aufnahme nach Chaussé III . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
Pyramiden- oder Felsenbein, Vergleichsaufnahme nach Altschul-Uffenorde . . . . . . . . . . . 228
Kiefergelenk dorsoventral, Vergleichsaufnahme nach Clementschitsch . . . . . . . . . . . . . . 229
Unterkiefer, schräg, isolierte Unterkieferaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230

Zähne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233
Intraorale Röntgenzahnaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
Paralleltechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
Halbwinkeltechnik nach Cienszynski-Dieck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240
Bissflügelaufnahmen nach Raper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
Aufbiss- oder Okklusalaufnahmen des Oberkiefers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
Aufbissaufnahme des Unterkiefers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
Mundbodenaufnahme, Kinn axial mit Bissfilm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243
Extraorale Röntgenzahnaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
Panoramaschichtaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
Fernröntgenaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248
XVIII Verzeichnis der Einstellungen

Wirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
Halswirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250
Halswirbelsäule, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252
Atlas und Axis, ventrodorsal, transoral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
Halswirbelsäule, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258
Halswirbelsäule, seitlich: Funktionsaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261
Halswirbelsäule, schräg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262
Brustwirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264
Hals-Brustwirbelsäulen-Übergang (zervikothorakaler Übergang), seitlich, „Wasserskifahrer“ 265
Hals-Brustwirbelsäulen-Übergang (zervikothorakaler Übergang) seitlich, bei hängenden
Schultern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
Hals-Brustwirbelsäulen-Übergang (zervikothorakaler Übergang), seitlich, im Liegen . . . . . 267
Hals-Brustwirbelsäulen-Übergang (zervikothorakaler Übergang), seitlich, im Liegen, mit
angestelltem Bildempfänger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
Hals-Brustwirbelsäulen-Übergang (zervikothorakaler Übergang), schräg,
Fechterstellung (= RAO) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
Brustwirbelsäule, ventrodorsal, im Liegen oder Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
Brustwirbelsäule, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272
Brustwirbelsäule, schräg, 45° (= Kostotransversalgelenke) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274
Brustwirbelsäule, schräg, 75° (= Zwischenwirbelgelenke) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275
Lendenwirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 276
Lendenwirbelsäule, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278
Lumbosakraler Übergang, ventrodorsal, im Liegen, nach Barsoni . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280
Lendenwirbelsäule, seitlich, im Liegen, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
Lendenwirbelsäule, schräg, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283
Kreuzbein, ventrodorsal, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
Steißbein, ventrodorsal, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288
Kreuz- und Steißbein, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289

Becken, Hüftgelenk und Oberschenkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291


Beckenübersicht, ventrodorsal, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292
Beckenübersicht, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296
Symphyse, dorsoventral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298
Kreuz-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk), ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299
Kreuz-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk), schräg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 301
Hüftgelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 302
Schenkelhals, seitlich, kaudokranial (Sven Johansson) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 304
Hüftgelenk, nach Lauenstein I und II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 306
Hüftgelenk, schräg, Foramen-obturatum-Aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308
Hüftgelenk, schräg, Ala-Aufnahme (Judet-Aufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309
Hüftgelenk, schräg, „Faux-Profil“ (Falsch-Profil-Aufnahme) nach Lequesne . . . . . . . . . . . . 310
Hüftgelenk, Aufnahme nach Schneider . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
Hüftgelenk, Funktionsaufnahmen in Ab- und Adduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314

Oberschenkel, Kniegelenk und Unterschenkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317


Oberschenkel mit Hüftgelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 320
Oberschenkel mit Hüftgelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
Oberschenkel mit Kniegelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323
XIX
Verzeichnis der Einstellungen

Oberschenkel mit Kniegelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 324


Kniegelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 325
Kniegelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327
Kniegelenk, ventrodorsal, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329
Ganzbeinstandaufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331
Kniegelenk, ventrodorsal, nach Frik (Tunnelaufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333
Kniegelenk, Stressaufnahme, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334
Kniegelenk, Stressaufnahme, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
Kniescheibe, dorsoventral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337
Kniescheibe, axial, in Bauchlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
Kniescheibe, axial, kaudokranial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339
Kniescheibe, axial, En-Défilé-Aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341
Unterschenkel mit Kniegelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343
Unterschenkel mit Kniegelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 344
Unterschenkel mit Sprunggelenk, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345
Unterschenkel mit Sprunggelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347

Sprunggelenk und Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349


Oberes Sprunggelenk (OSG), ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352
Oberes Sprunggelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354
Sprunggelenk, schräg, in Innenrotation und Außenrotation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
Spezialaufnahmen des hinteren unteren Sprunggelenks, nach Brodén . . . . . . . . . . . . . . 357
Oberes Sprunggelenk, schräg, zur Darstellung des Außenknöchels . . . . . . . . . . . . . . . . . 359
Oberes Sprunggelenk, Stressaufnahme, ventrodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360
Oberes Sprunggelenk, Stressaufnahme, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 362
Unterschenkel-Sprunggelenk, im Stehen, von hinten, Alignment-Aufnahme . . . . . . . . . . 363
Ganzaufnahme des Fußes (Doppelaufnahme), dorsoplantar, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . 364
Fuß, seitlich, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 366
Fuß, seitlich, im Stehen (Einbeinstand) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367
Fersenbein, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
Fersenbein, axial, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 370
Fersenbein, axial, im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371
Mittel- und Vorfuß, dorsoplantar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
Mittel- und Vorfuß, plantodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 374
Fuß, schräg, lateromedial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375
Zehen, dorsoplantar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377
Zehen, schräg, mediolateral, plantodorsal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 378
Großzehe, dorsoplantar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379
Großzehe, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380
Vorfuß, tangential oder axial (Darstellung der Sesambeine der Großzehe) . . . . . . . . . . . . 381

Pädiatrische Radiologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383

Schultergürtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389
Schultergelenk, a.-p. (Glenoid-Tangentialaufnahme) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 390
Schultergelenk, Y-Aufnahme im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392
Klavikula, a.-p. im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393
XX Verzeichnis der Einstellungen

Ellenbogengelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 395
Ellenbogengelenk, a.-p. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 396
Ellenbogengelenk, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397

Schädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399
Schädel, a.-p. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400
Schädel, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 401
Cochlea-View . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 402
Ventildarstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 403
Liquorableitendes System (ventrikulo-peritonealer Shunt) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404

Wirbelsäule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 407
Wirbelsäule, Ganzaufnahme p.-a. oder a.-p. im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 408
Wirbelsäule, Ganzaufnahme lateral im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 410
Wirbelsäule, Ganzaufnahme a.-p. im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412
Wirbelsäule, Ganzaufnahme lateral im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 413
Wirbelsäule, Ganzaufnahme a.-p. im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
Wirbelsäule, Ganzaufnahme lateral im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416
Wirbelsäule, Ganzaufnahme a.-p. im Liegen, Bending-Aufnahmen
(alternativ: Traktionsaufnahmen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 417

Becken und Hüftgelenk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419


Beckenübersicht, a.-p. im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 420
Beckenübersicht, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 421
Beckenübersicht, Innenrotation und Abduktion p. im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422
Hüftgelenk, schräg, „Faux-Profil“ (Falsch-Profil-Aufnahme) nach Lequesne . . . . . . . . . . . . 423
Hüftgelenk, Bestimmung des Antetorsionswinkels nach Rippstein . . . . . . . . . . . . . . . . . 425

Ganzbeinaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427
Ganzbeinstandaufnahme beidseits . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428
Ganzbeinaufnahme bei Säuglingen und Kleinkindern im Liegen a.-p. . . . . . . . . . . . . . . . 430
Ganzbeinaufnahme bei Säuglingen und Kleinkindern im Liegen lateral . . . . . . . . . . . . . . 431

Sprunggelenk und Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 433


Fuß, dorsoplantar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434
Fuß, seitlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 435
Fuß, seitlich, maximale Plantarflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 436
Fuß, gehaltene Aufnahme in zwei Ebenen beim Säugling (Klumpfußaufnahme) . . . . . . . . 437
Fuß, weitere Aufnahmen bei Fehlstellungen, ggf. unter Belastung, Fuß dorsoplantar,
im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 439
Fuß, seitlich im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 439
Coleman-Block-Aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 440
Fersenbein axial, im Stehen (Harris-Beath-View) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 441

Thorax, innere Organe und Urogenitalsystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 443


Thorax im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 444
Thorax im Sitzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 446
Thorax im Hängen bei Neugeborenen und Säuglingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 447
XXI
Verzeichnis der Einstellungen

Thorax im Liegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 448


Thorax seitlich und schräg (RAO/LAO) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 450
Thoraxaufnahmen in der Neonatologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 451
Abdomenaufnahmen in der Neonatologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 452

Sonstige Aufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 459


Hand links d.v. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 460
Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 462

Innere Organe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465

Thoraxorgane . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467
Thorax, p.-a., im Stehen, Herz-Lungen-Aufnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 469
Thorax, seitlich, im Stehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 472
Thorax, im Liegen („Bettaufnahme“, „Stationslunge“, „Intensivthorax“) . . . . . . . . . . . . . . . 474

Halsweichteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477
Halsweichteile nativ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 478
Halsweichteile nach peroraler Kontrastierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479

Bauchraum (Abdomen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481


Abdomen in Rückenlage, vertikaler Strahlengang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 483
Abdomen in Linksseitenlage, horizontaler Strahlengang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 484
Abdomenübersicht im Stehen, dorsoventral . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 486

Gastrointestinaltrakt (Speiseröhre, Magen und Dünndarm) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 489


Speiseröhre, Magen, Duodenum (Doppelkontrastmethode) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492
Ösophagus, Magen, Duodenum (wasserlösliches, jodhaltiges Kontrastmittel) . . . . . . . . . . 496
Dünndarm (Doppelkontrastuntersuchung mit Sonde, Methode nach Sellink/Herlinger) . . . 497

Dickdarm (Kolon, Intestinum crassum) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 501


Dickdarm, Doppelkontrastmethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 503
Dickdarm, wasserlösliches, jodhaltiges Kontrastmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507
Dickdarm über Anus praeter (künstlicher Darmausgang) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 508
Defäkographie (Evakuationsproktographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 509

Gallenblase und Gallenwege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513


Intraoperative Cholangiographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 514
Postoperative Cholangiographie über T-Drainage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 515
Endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 516

Spezielle röntgendiagnostische Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 517

Radiologische Untersuchungen der weiblichen (und männlichen) Brust . . . . . . . . . . . . 519


Mammographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 522
Zusatzaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 537
XXII Verzeichnis der Einstellungen

Mammasonographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 543
Magnetresonanztomographie der Mamma . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 544
Mamma-Interventionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545

Röntgendiagnostik der Gelenke (Arthrographie mit Röntgenkontrastmittel) . . . . . . . . 549


Arthrographie des Schultergelenks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 551
Arthrographie des Hüftgelenks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 553
Arthrographie des Kniegelenks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 553
Bursographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 556

Röntgendiagnostik des Urogenitalsystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 557


Urographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558
Retrograde Zystographie, Miktionszysturethrographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 559
Retrograde Urethrographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 560

Röntgendiagnostik von Gängen, Höhlen und Fisteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 561


Fistulographie (Fisteldarstellung mit Röntgenkontrastmittel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 563

Interventionelle Radiologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 565

Röntgendiagnostik der Arterien (Arteriographie, Angiographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . 567


Übersichtsaortographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577
Angiographie der Aorta thoracalis, des Aortenbogens und der supraaortalen Äste
(Halsgefäße) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 578
Selektive Angiographie der hirnversorgenden Gefäße: A. carotis interna, A. vertebralis . . . 580
Arteriographie der Viszeralarterien (Eingeweidearterien): Zöliakographie, Mesenteriko­
graphie und indirekte Spleno-/Mesenterikoportographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 583
Selektive Nierenarteriographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585
Arteriographie der Becken- und Beinarterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 587
Arteriographie der oberen Extremitäten (inkl. Shuntdarstellung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 590
Pulmonalarteriographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 591
Pharmakoangiographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 592

Gefäßintervention, perkutane transluminale Angioplastie (PTA) . . . . . . . . . . . . . . . . . 593


Supraaortale Gefäße, Karotisgabel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 594
Nierenarterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 595
Mesenterialarterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 596
Beckenarterien, Extremitätenarterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 597
Nahtverschluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 599

Angiographische medikamentöse Thrombolyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 601

Angiographische Embolisation und mechanische Thrombektomie . . . . . . . . . . . . . . . 605

Röntgendiagnostik der Venen (Veno- oder Phlebographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 609


Aszendierende Phlebographie des Beins (direkte Phlebographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 611
Obere bzw. untere Kavographie mit Stenteinlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 614
Schulter-Arm-Phlebographie und obere Kavographie (direkte Phlebographie) . . . . . . . . . 616
XXIII
Verzeichnis der Einstellungen

Selektive (Organ-)Phlebographie bzw. selektive Venenblutentnahme . . . . . . . . . . . . . . . 618

Radiologische Diagnostik der Lymphgefäße und -knoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 619

Röntgendiagnostik des Rückenmarks (Myelographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 621


Lumbale/thorakale Myelographie ohne/mit Funktionsaufnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . 622
Aszendierende Panmyelographie mit Post-Myelo-CT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 625

Sonstige bildgesteuerte Interventionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 627

Spezielle bildgebende Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 635

Computertomographie (CT) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 637


CT des Schädels (CCT), Erwachsener, Standard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 648
CT des Schädels (CCT), Erwachsener, Trauma/Gesichtsschädel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 649
CT des Schädels (CCT) bei Kindern, Standard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 650
CT des Halses, Weichteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 651
CT des Thorax, Standard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 652
CT des Thorax – Angio-CT (Aorta, Pulmonalarterien) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 654
CT des Thorax, HR (High Resolution) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 655
CT des Abdomens, Standard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 656
CT von HWS, BWS, LWS, Sakrum und knöchernem Becken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 658
CT der Extremitäten und Gelenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 660
Ganzkörper-CT, Polytrauma (AUDI) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 661

Ultraschalldiagnostik (Sonographie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 663

Magnetresonanztomographie (MRT) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 671


Mitarbeiterverzeichnis

Becht, Stefanie Kraemer, Ulrich, Dr. med.


Leitende MTRA Institut für Interventionelle und
Institut für Radiologie Diagnostische Radiologie
Unfallkrankenhaus Berlin HELIOS Klinikum Emil von Behring GmbH
Warener Straße 7 Walterhöferstraße 11
Berlin Berlin
stefanie.becht@ukb.de ulrich.kraemer@helios-gesundheit.de

Beck, Eike-Johannes Kuvvetli, Petra, Dipl.-Med.


MTRA und Lehr-MTRA Bayer Vital GmbH
Klinikum Stuttgart BV-PH-MED-RAD, Radiology
Radiologisches Institut Olgahospital/Frauenklinik Geb. K56, R 4.E283
Kriegsbergstraße 62 Leverkusen
Stuttgart petra.kuvvetli@bayer.com
e.beck@klinikum-stuttgart.de
Heupel, Doris Elise
Bittner, Roland, Dr. MTRA
Institut für Interventionelle und Klinikum Stuttgart
Diagnostische Radiologie Radiologisches Institut Olgahospital/Frauenklinik
HELIOS Klinikum Emil von Behring GmbH Kriegsbergstraße 62
Walterhöferstraße 11 Stuttgart
Berlin
roland.bittner@helios-gesundheit.de Ohmstede, Anke
Lehr-MTRA
Diehl, Volker, Dr. h.c. Unterm Berg 91
ZEMODI Oldenburg
Schwachhauser-Heerstraße 63 a
Bremen Pfeiffer, Andreas
volker.diehl@zemodi.de Klinikum Stuttgart
Servicecenter Informationstechnik
Hausmann, Jens, (MSc / MTRA) Kriegsbergstraße 60
Unfallkrankenhaus Berlin Stuttgart
Institut für Radiologie und Neuroradiologie
Warener Straße 7 Riemer, Alex
Berlin Applikationsspezialist
jens.hausmann@ukb.de Dozent für Computertomographie und
Bildnachverarbeitung
Heyl, Sascha Wilhelm-Maubach-Straße 4
MTRA Mönchengladbach
Unfallkrankenhaus Berlin
Institut für Radiologie und Neuroradiologie
Warener Straße 7
Berlin
sascha.heyl@ukb.de
XXV
Mitarbeiterverzeichnis

Röhlk, Yannick
MTRA
Klinikum Stuttgart
Radiologisches Institut Olgahospital/Frauenklinik
Kriegsbergstraße 62
Stuttgart

Roßdeutscher, Reinhard
Johanniter-Krankenhaus im Fläming
Abteilung Radiologie
Johanniterstraße 1
Treuenbrietzen

Schüler, Gabriele, (Dipl. Physikerin)


Unfallkrankenhaus Berlin
Institut für Radiologie und Neuroradiologie
Warener Straße 7
Berlin
gabriele.schueler@ukb.de

Steinhilber, Elfi
Leitende MTRA und Lehr-MTRA
Klinikum Stuttgart
Radiologisches Institut Olgahospital/Frauenklinik
Kriegsbergstraße 62
Stuttgart
e.steinhilber@klinikum-stuttgart.de

Verloh, Claudia
Lehr-MTRA Schwerpunkt Mammadiagnostik
Hagemannstraße 6
Recklinghausen

Vockelmann, Christel, Dr. med.


Akademisches Lehrkrankenhaus der
Universität Münster
Christophorus Kliniken  GmbH
Südring 41
Coesfeld
Abkürzungsverzeichnis
A. Arterie Cu Kupfer
Aa. Mehrzahl von A. Cv Conjugata vera
AC-Gelenk Akromioklavikulargelenk
Al Aluminium D Dorsalwirbel
a.-p. anterior-posterior DD Differenzialdiagnose
APL Anthropological Line DHC Ductus hepatocholedochus
ARO Außenrotation (­Gallengang)
AT-Winkel Antetorsionswinkel DHS dynamische Hüftschraube
atm Atmosphäre (physikalische DICOM Digital Imaging and Communica-
­Druckmessung) tions in Medicine
AUR Ausscheidungsurographie DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
a.v. arteriovenös DIP distales Interphalangealgelenk
(Endgelenk)
AVK arterielle Verschlusskrankheit
d.p. dorsopalmar
B Bronchus DLR Digitale Lumineszenzradiographie
B(-Bild) Brightness (= Helligkeit, DR Digital Radiography (Detektor-
7 Ultraschall) technik)
B/s Bild(er) pro Sekunde DSA digitale Subtraktionsangiographie
BaSO4 Bariumsulfat DSI Digital spot imaging (= digitale
Zielaufnahmetechnik)
BF Belichtungsfaktor
d.v. dorsovolar; dorsoventral
BL Belichtung
DVT digitale Volumentomographie
BLP Belichtungspunkt
BPS Belichtungspunktesystem
ECA A. carotis externa
BV-TV Bildverstärker-Fernsehmonitor
EEG Elektroenzephalographie
BW(K) Brustwirbelkörper
EK Empfindlichkeitsklasse (Film-
BWS Brustwirbelsäule Folien-System)
EKG Elektrokardiogramm
C Zervikalwirbel
ERC endoskopisch-retrograde
CAD Computer aided diagnostic ­Cholangiographie
­system (computergestützte
ERCP endoskopisch-retrograde
­Diagnostik)
­Cholangiopankreatikographie
CCA A. carotis communis
CCD-Winkel Zentrum-Collum-Diaphysen- F French (Maßeinheit für Angio­
Winkel graphiekatheter)
CCT Cranial computerized tomo­ FDI Fédération Dentaire Internationale
graphy (= Computertomographie
FDA Fokus-Detektor-Abstand
des Schädels)
FFA Fokus-Film-Abstand
CEA karzinoembryonales Antigen
(­Tumorantigen)* FNP Feinnadelpunktion
CD-ROM digitale Bildplatte (= Compact FOA Fokus-Objekt-Abstand
disc Read only memory) FOV Field of view
CD-Winkel Collum-Diaphysen-Winkel
CO2 Kohlendioxid Gy Gray (Einheit der Energiedosis; Gray
hat „rad“ abgelöst: 1 rad = 0,01 Gy)
CR Computed Radiography
(­Speicherfolientechnik)
h Stunde
CT Computertomographie
HD High density
CTA Computertomographie-Angio-
graphie
XXVII
Abkürzungsverzeichnis

HE Hounsfield-Einheit(en) (Einheit MHz Megahertz


für die Absorptions- bzw. Dichte- MIP Maximum intensity projection
messung in der CT) ml Milliliter
HL7 Health language 7 Mm. Mehrzahl von M.
HRCT High resolution CT Mo Molybdän
HU Hounsfield unit (7 HE) MPG Medizinproduktegesetz
HW(K) Halswirbel(körper) MPR Multiplanare Rekonstruktion
HWS Halswirbelsäule MRA Magnetresonanzangiographie
Hz Hertz (Einheit der Frequenz) MRI Magnetic resonance imaging
MRT Magnetresonanztomographie
i.a. intraarteriell
ms Millisekunden
ICA A. carotis interna
mSv Millisievert (7 Sv)
I.E. internationale Einheit(en)
MTRA medizinisch-technische(r)
i.m. intramuskulär Radiologieassistentin/-assistent
IRO Innenrotation
ISG Iliosakralgelenk N. Nervus
i.v. intravenös NaCl Natriumchlorid (Kochsalz)
NMRT Nukleare Magnetresonanz­
J Jod tomographie
Nn. Mehrzahl von N.
KE Kontrasteinlauf (des Kolons) NNH Nasennebenhöhlen
kHz Kilohertz (Frequenz im Ultraschall) NPP Nucleus pulposus prolabs
KIS Krankenhausinformationssystem (­Bandscheibenvorfall)
KM Kontrastmittel
kp Kilopond OBB Oberbauch
kV Kilovolt (Aufnahmespannung) ODA Objekt-Detektor-Abstand
o.f. okzipitofrontal
L Linie; Lumbalwirbel OFA Objekt-Film-Abstand
l Liter o.m. okzipitomental
LAO Left anterior oblique (2. schräger OPG Orthopanthomogramm
Durchmesser) OS Oberschenkel
lat. lateral OSG oberes Sprunggelenk
Lig. Ligamentum OT Obertisch
Ligg. Mehrzahl von Lig.
LIH Last image hold (Durchleuchtung) PACS Picture archiving and communi-
LK Lymphknoten cation system
Lp Linienpaare p.-a. posterior-anterior
LWK Lendenwirbelkörper p.d. palmodorsal
LWS Lendenwirbelsäule PEEP positiv-endexspiratorischer Druck
(„pressure“)
m Meter p.i. post injectionem
M. Musculus PIP proximales Interphalangeal­
mA Milliampère gelenk (Mittelgelenk)
mAs Milliampèresekunde/-n, Produkt Proc. Processus (Fortsatz)
aus Milliampère und Sekunde PTA perkutane (transluminale) Angio-
(­Belichtungswert) plastie
MDCT Mehrzeilen-Spiral-CT PTC perkutane transhepatische
MDP Magen-Darm-Passage ­Cholangiographie
mg Milligramm PTC-D perkutane transhepatische
MHK Mittelhandknochen ­Cholangiographie und Drainage
PTCA perkutane Nephrostomie
XXVIII Abkürzungsverzeichnis

PTT Partial thromboplastin time


(= Thromboplastinzeit,
­Gerinnungszeit)
Px Pixel

Qf Querfinger

R. Ramus; „Ratio“ (Schachtverhält-


nis, Lamellenhöhe zu Lamellen­
abstand)
RF Radiofluoroskopie (Durchleuch-
tung)
Rh Rhodium
RIS Radiologieinformationssystem
RIVA Ramus interventricularis anterior
ROI Region of interest
RöV Röntgenverordnung
Rr. Mehrzahl von R.

S Sakrum (Kreuzbein)
s Sekunde
SAR Subarachnoidalraum
s.c. subkutan
SC Speed Class (Empfindlichkeit
­digitaler Bildempfänger)
SC-Gelenk Sternoklavikulargelenk
SE seltene Erden (Folien); Spin-Echo-
Sequenz
StGB Strafgesetzbuch
StrlSchV Strahlenschutzverordnung
Sv Sievert (Äquivalentdosis im
­Strahlenschutz)

T Tesla (Maß der Magnetfeldstärke)


Th Thorakalwirbel
T1 longitudinale Relaxationszeit
(Zeitkonstante in der MRT)
T2 transversale Relaxationszeit
(­­Zeitkonstante in der MRT)

US Ultraschall; Unterschenkel
UT Untertisch

V. Vene
v.d. ventrodorsal; volodorsal
VF Verstärkungsfaktor
Vol. Volumen
VUR vesikoureteraler Reflux
Vv. Mehrzahl von V.

W Wolfram
1 I

Allgemeiner Teil
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Der Beruf des/der Medizinisch-Technischen


Radiologieassistenten/-in (MTRA) – 3
A. Ohmstede

Kapitel 2 Die Röntgenabteilung – 9


A. Ohmstede

Kapitel 3 Strahlenschutz in der radiologischen


Diagnostik – 21
A. Ohmstede

Kapitel 4 Qualitätssicherung und Konstanzprüfung – 27


A. Ohmstede

Kapitel 5 Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik – 31


A. Ohmstede

Kapitel 6 Faktoren, die die Röntgenbildqualität


bestimmen – 41
A. Ohmstede

Kapitel 7 Digitale Bildentstehung und -verarbeitung – 51


J. Hausmann

Kapitel 8 Archivierung – 63
J. Hausmann

Kapitel 9 Bildwiedergabesysteme – 67
G. Schüler
Kapitel 10 Reproduzierbarkeit, Identifikation
und Zeichenlegung – 71
A. Ohmstede, C. Verloh

Kapitel 11 Röntgenologische Standardprojektionen – 79


A. Ohmstede
3 1

Der Beruf des/der


Medizinisch-Technischen
Radiologieassistenten/-in
(MTRA)
A. Ohmstede

1.1 Auszug aus dem D


­ eutschen Strafgesetzbuch (StGB)  – 5

1.2 Der Patient  – 6

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_1
4 A. Ohmstede

Der MTRA-Beruf hat unter den nichtärztlichen ­ ähigkeiten und Kenntnisse die selbstständige
F
1 Gesundheitsfachberufen eine lange Tradition und eigen­verantwort­liche Berufsausübung
und ist im Laufe der Zeit immer wieder in der ­zulassen. Die erfolgreich bestandene Prüfung
Ausbildungsstruktur verändert worden. Diese berechtigt zur Führung der Berufsbezeich-
Veränderungen gingen einher mit der techni- nung  Medizinisch-Technische/r Radiologie­
schen Entwicklung in der Radiologischen Dia- assistent/in und zur Ausübung der diesem
gnostik, Strahlentherapie und Nuklearmedizin. ­Beruf vor­behaltenen ­Tätigkeiten (§  9 Nr. 2
Nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen von MTA-Gesetz).
W.C. Röntgen am 8. November 1895 wurde be- Vorbehaltene Tätigkeiten dienen dem Pa­
reits im Januar 1896 mit der Ausbildung der tientenschutz und sollen dafür Sorge tragen,
Röntgenfotografin an der Lette-Schule in Ber- dass Patienten nur von qualifiziertem Personal
lin begonnen. Seitdem wurde die Ausbildung untersucht und behandelt werden. Von allen
kontinuierlich verändert. Mit der Novellierung nichtärztlichen Gesundheitsfachberufen haben
des MTA-Gesetztes 1993 wurde die bislang um- nur MTA aller 4 Fachrichtungen und Hebam-
fassendste Änderung der MTA-Ausbildung men Vorbehaltstätigkeiten. Die Vorbehalt­ s­
vollzogen, nämlich die Verlängerung von 2 auf tätigkeiten der MTRA umfassen:
3 Jahre und die konsequente Trennung von 55Durchführung der technischen Arbeiten
­Laboratoriumsmedizin und Radiologie. Seit- und die Beurteilung der Qualität in der
dem gibt es unter dem Dach des MTA-Gesetz- Radiologischen Diagnostik und anderen
tes 4 MTA-Berufe (Radiologie [MTRA], Labo- bildgebenden Verfahren einschließlich der
ratoriumsmedizin [MTLA], Funktionsdiagnos­ Qualitätssicherung
tik [MTFA] und Veterinärmedizin [VMTA]). 55Technische Mitwirkung in der nuklear­
Mit der Novellierung des MTA-Gesetzes medizinischen Diagnostik und Therapie
wurde 1994 auch die Ausbildungs- und Prü- einschließlich der Qualitätssicherung
fungsverordnung geändert. Dem Gesetzgeber 55Technische Mitwirkung in der Strahlen-
war wichtig, dass die Verlängerung nicht zu therapie bei der Erstellung des Bestrah-
­einer weiteren Verschulung der Ausbildung lungsplans und dessen Reproduktion am
führen sollte. So wurden die Inhalte in den the- Patienten einschließlich der Qualitäts­
oretischen und praktischen Unterricht an der sicherung
Schule und die praktische Ausbildung in 55Durchführung messtechnischer Aufgaben
­Radiologischer Diagnostik, Strahlentherapie in der Dosimetrie und im Strahlenschutz
und Nuklearmedizin in Krankenhäusern und in der Radiologischen Diagnostik, Strah-
privaten Instituten gegliedert. Von insgesamt lentherapie und Nuklearmedizin
4 400 Stunden sind allein 1.600 Stunden (ein-
schließlich 230 Stunden Krankenpflege) als Das MTA-Gesetz erfüllt damit auch Artikel 14
praktische Ausbildung zu absolvieren. der Richtlinie 2013/59/EURATOM vom 5. De-
Das MTA-Gesetz regelt u. a. auch das zember 2013. Danach haben die Mitgliedstaa-
­Ausbildungsziel und die vorbehaltenen Tätig- ten der EU einen geeigneten rechtlichen und
keiten. Die MTRA-Ausbildung soll dazu administrativen Rahmen zur Gewährleistung
­befähigen, unter Anwendung geeigneter Ver- einer angemessenen Ausbildung zu schaffen,
fahren in der Radiologischen Diagnostik und die Fortbildung und Unterweisung im Strah-
anderer bildgebender Verfahren die erforder­ lenschutz für alle Personen, deren Aufgaben
lichen Untersuchungsgänge durchzuführen spezielle Fachkenntnisse im Strahlenschutz er-
­sowie bei der Erkennung und Behandlung­ fordern. Die Fortbildung und Unterweisung ist
von Krankheiten in der Strahlentherapie und in geeigneten Abständen zu wiederholen und
Nuklearmedizin mitzuwirken. In den schrift­ zu dokumentieren. (Durch die Neufassung der
lichen, praktischen und mündlichen Prüfun- Euratom von 2013 ändert sich auch das deut-
gen wird letztlich g­eprüft, ob die erlernten sche Strahlenschutzrecht. Zum 31.12.2018 wird
Der Beruf des/der Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten/-in (MTRA)
5 1
ein neues Strahlenschutzgesetz zum Schutz vor 1. Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder
der schädlichen Wirkung ionisierender Strah- Angehöriger eines anderen Heilberufes,
lung (Strahlenschutzgesetz – StrlSchG) und die der für die Berufsausübung oder die Füh-
Strahlenschutzverordnung-StrlSchV in Kraft rung der Berufsbezeichnung eine staatlich
treten. Die neue StrlSchV regelt u.a. die Anwen- geregelte Ausbildung erfordert,
dung von ionisierenden Strahlen auf den 2. Berufspsychologen mit staatlich anerkann-
­Gebieten der Radiologischen Diagnostik, Nu­ ter wissenschaftlicher Abschlussprüfung,
klearmedizin und Strahlentherapie.). 3. Rechtsanwalt usw.
In radiologischen Abteilungen stehen eine
Reihe von bildgebenden Modalitäten zur Ver- anvertraut worden oder sonst bekannt gewor-
fügung, an denen MTRA entweder eigenstän- den ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1  Jahr
dig auf Anforderung des Arztes Röntgenunter- oder Geldstrafe bestraft.
suchungen durchführen oder aber dem Arzt § 203 Abs. 3: Den in Abs. 1 Genannten ste-
assistieren, wie z. B. in der Angiographie. Bei hen ihre berufsmäßig tätigen Gehilfen und die
allen Tätigkeiten steht der Patient im Mittel- Personen gleich, die bei ihnen zur Vorbereitung
punkt. MTRA haben gewissermaßen eine auf den Beruf tätig sind.
Schlüsselposition hinsichtlich der verschiede- § 203 Abs. 4: Die Absätze 1–3 sind auch an-
nen Tätigkeiten in der Radiologie. Im Umgang zuwenden, wenn der Täter das fremde Geheim-
mit Patienten sind Hilfsbereitschaft, Einfüh- nis nach dem Tode des Betroffenen unbefugt
lungsvermögen und Anpassungsfähigkeit, aber offenbart.
auch Geduld, Zurückhaltung und Verschwie- Der Patient kann allerdings den Arzt und
genheit erforderlich. andere von der Schweigepflicht entbinden.
Wie in jedem medizinischen Beruf muss Neben der Betreuung der Patienten hat die/
ein/eine MTRA im Umgang mit Schwerver­ der MTRA eine Reihe von technischen Auf­
letzten und Schwerkranken, mit Erste-Hilfe- gaben zu erledigen. Die Qualität einer Rönt-
Maßnahmen, Hygiene und Sauberkeit sowie genaufnahme hängt im Wesentlichen von der
Instrumentenpflege vertraut sein. Ein gesunder technischen Durchführung ab, d. h. die Lage-
Menschenverstand und ein klares, rasches rung des Patienten, die Auswahl der Auf­
Denken, v.  a. in Notfallsituationen, gehören nahmeparameter einschließlich des Bildemp-
dazu. MTRA stehen wie Ärzte, Rechtsanwälte fängersystems, das Zentrieren und Begrenzen
und Geistliche unter der Schweigepflicht. Ärzte des Nutzstrahls sowie die Anwendung geeigne-
und nichtärztliches Personal, die ein Geheim- ter Strahlenschutzmittel liegen in der Verant­
nis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufs wortung der/des MTRA. MTRA haben einen
anvertraut worden ist und das sie in dessen wesentlichen Anteil an der Begrenzung der be-
Ausübung wahrgenommen haben, werden be- nötigten Dosis für eine Röntgenaufnahme. Die
straft. Die Verletzung des Berufsgeheimnisses Digitalisierung in der Radiologie in den letzten
ist auch nach Beendigung der Berufsausübung Jahren führte zu weiteren Einflussgrößen auf
oder des Studiums strafbar. die Bildqualität. Mithilfe von Bildbearbeitungs-
programmen können digitale Bilder nachbear-
beitet werden und in einem digitalen Archiv
1.1 Auszug aus dem Deutschen gespeichert werden.
Strafgesetzbuch (StGB) Die Digitalisierung der Projektionsradio-
graphie, Röntgeninformationssysteme (RIS)
§ 203, Abs. 1: Wer unbefugt ein fremdes und elektronische Archive (PACS) veränderten
­Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen die alltäglichen Anforderungen und setzen eine
Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein hohe Bereitschaft für Fort- und Weiterbildung
Betriebs- und Geschäftsgeheimnis, offenbart, voraus. Dies gilt auch für Computertomogra-
das ihm als phie (CT), Magnetresonanztomographie MRT
6 A. Ohmstede

und Angiographie. Darüber hinaus gehört die g­ ewünscht wird, und ist dankbar für jede
1 Durchführung der vielfältigen Qualitätskon­ Aufmerksamkeit, die ihm entgegenge-
trollen in der Radiologie ebenso zum Auf­ bracht wird. Er kann seine Dankbarkeit
gabengebiet der/des MTRA wie die administra- auch in Worten zum Ausdruck bringen.
tiven Aufgaben. Bei diesem Patienten ist darauf zu achten,
dass er möglicherweise sein Unbehagen
oder seine Angst nicht äußert.
1.2 Der Patient 55Der wortkarge, dankbare Patient ist nicht
weniger dankbar, findet aber die richtigen
MTRA haben eine Brückenfunktion zwischen Worte nicht so leicht.
Mensch und Technik, denn die Tätigkeit in der 55Der wortkarge, mürrische Patient hadert
Radiologie bringt es mit sich, auf der einen evtl. mit seinem Schicksal, ist unzufrieden
­Seite hochkomplexe Technik zu bedienen und wegen seiner Krankheit und den damit
auf der anderen Seite den Patienten durch die verbundenen Unannehmlichkeiten, z. B.
Untersuchung zu führen. Ein angemessener der Anfertigung einer Röntgenaufnahme.
Ton und ein freundlicher Umgang mit den Er wirkt in seiner Art oft verletzend, wahr-
­Patienten gehören zum Wichtigsten in der Tä- scheinlich ohne sich dessen bewusst zu
tigkeit eines Arztes und des nichtärztlichen sein. Vielleicht drückt der Patient sich so
Personals, seien es MTRA oder Pflegepersonal. aus, weil er mit seiner Situation nicht zu-
Patienten haben ein Recht darauf, unabhängig rechtkommt. Es kann sein, dass er, wenn er
ihres sozialen Status, ihrer Religionszuge­ mit dem rechten Wort zur rechten Zeit an-
hörigkeit, ihrer Rasse, Geschlecht, Alter oder gesprochen wird und mit Freundlichkeit,
womöglich einer Behinderung behandelt zu aber dennoch dezidiert behandelt wird,
werden. beim Verlassen des Instituts eine andere
Der erste Eindruck der Röntgenabteilung Miene macht und vielleicht seine Ein­
prägt sich dem Patienten ein. Er beurteilt­ stellung geändert hat.
die Abteilung nicht nach gut zentrierten 55Verängstigte Menschen bedürfen beson-
­Röntgenaufnahmen, sondern danach, wie er ders entgegenkommender Betreuung. In
behandelt und betreut wird. Das nötige Ver- diese Kategorie fallen meistens Kinder.
ständnis und das richtige Einfühlungsver­ ­Gerade in Abteilungen, in denen überwie-
mögen für die psychische Situation, in der­ gend Erwachsenenradiologie betrieben
sich der Patient befindet, sind insbesondere wird, muss das Bewusstsein vorhanden
dem Berufsanfänger nicht angeboren und sein, dass eine Untersuchung auch einmal
­stellen selbst erfahrene MTRA immer wieder länger als geplant gehen kann und mehr
vor neue Herausforderungen. Anleitung durch Personal erfordert. Kinder sind in der
berufserfahrene MTRA und der Besuch ge­ ­Radiologie keine kleinen Erwachsenen
eigneter Fortbildungen sind daher unerläss- und möchten außerdem nicht belogen
lich. In ein Röntgeninstitut kommen viele werden. Falls eine i.v.-Injektion nötig sein
Menschen, die unterschiedlich auf uns wirken sollte, ist es zwecklos, zu verheimlichen,
und unterschiedlich auf­treten. Ob ein Patient dass der Piks weh tut. Eine Erklärung in
z.  B. sympathisch oder unsympathisch auf­ einfachen Worten vor jeder Handlung er-
uns wirkt, hängt z. T. vom Patienten, z. T. aber zeugt die nötige Kooperationsbereitschaft
auch von uns selbst ab. Im Folgenden sollen für eine gelungene Untersuchung. Ein Ein-
einige Möglichkeiten angesprochen werden, heitsrezept für den Umgang mit Kindern
welche Patienten uns im Alltag begegnen gibt es nicht, hier ist viel Geduld und Er-
­können: fahrung nötig.
55Der dankbare Patient tritt freundlich und 55Der nervöse und verängstigte Patient
bescheiden auf, befolgt, was von ihm ­beobachtet oft argwöhnisch genau jede
Der Beruf des/der Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten/-in (MTRA)
7 1
­ ewegung, jeden Blick, jedes Wort und be-
B menschliche Wärme und Einfühlungsver­
zieht alles auf sich. Er versucht evtl. durch mögen ausgleichen. Gerade weil dies bei zu-
geschickte, vielleicht auch überrumpelnde nehmendem Zeit- und Leistungsdruck schwie-
Fragen von der/dem MTRA etwas über riger wird, muss man sich diesen Grundsatz
seine Erkrankung zu erfahren. Es ist mög- immer wieder ins Gedächtnis rufen. Besonders
lich, dass sich dieser Patient so verhält, ist darauf zu achten, ob die Patienten Hilfe be-
weil er befürchtet, eine Krebserkrankung nötigen, um ihnen dann beim Aus- und Anzie-
zu haben. Der Umgang mit diesen Patien- hen, über die Türschwelle, auf die Fußbank
ten ist schwierig und erfordert viel Finger- oder den Hocker am Durchleuchtungsgerät zu
spitzengefühl. helfen. Besonders bei den fernbedienbaren
55Der gesprächige oder geschwätzige Patient Röntgengeräten ist die Mithilfe des Personals
interessiert sich schon nach dem zweiten wichtig: Dem möglicherweise verängstigten
Satz für die persönlichen und privaten Patienten muss erklärt werden, dass trotz Fern-
­Angelegenheiten der Angestellten. Die steuerung Arzt und MTRA hilfsbereit in der
­verbale Verletzung des Patienten durch Nähe sind.
barsche Antworten sollte auf jeden Fall Privatgespräche mit Kollegen/-innen vor
vermieden werden. Mit einer sachlichen Patienten sollten vermieden werden. Der Pa­
Gesprächsführung ist dem Patienten am tient empfindet dies in der Regel als unhöflich.
besten zu begegnen. Bei technisch schwie- Im Hörbereich des Patienten sollten Bemer-
rigen Aufnahmen kann der Patient darauf kungen wie: „Der Magen sitzt in der Kabine“,
hingewiesen werden, dass die einzustellen- „die Lunge kann sich anziehen und gehen“ oder
de Röntgenaufnahme eine gewisse Ruhe ähnliches unterbleiben. Und schließlich: Es
und Konzentration verlangt. mag nur eine Äußerlichkeit sein, aber das ge-
55Die Zahl der alten Menschen nimmt zu. pflegte Erscheinungsbild des Personals ist für
Im Umgang mit ihnen ist höchste Umsicht den Patienten nicht ohne Bedeutung.
geboten. Der alte Mensch hat häufig Mühe,
sich einzuordnen, um so mehr, wenn er
plötzlich krank wird, in eine fremde Um-
gebung kommt und mit unpersönlicher
Technik konfrontiert wird. Ein Röntgen­
apparat wird als etwas Fremdes empfun-
den. Eine auf seine Bedürfnisse angepasste
Kommunikation erleichtert ihm die Unter-
suchung. Bei gehörlosen oder sehr schwer-
hörigen Patienten kann auch einmal mit-
hilfe eines Notizzettels der Ablauf erklärt
werden. Es versteht sich von selbst, dass
die Umgangsformen respektvoll bleiben
müssen. Kein Patient soll – so alt und so
gebrechlich er auch sein mag – auf sein
­Alter oder seine Behinderung „gestoßen“
werden. Auch alte und behinderte Patien-
ten werden nicht geduzt.

Das im Krankenhaus tätige Personal muss die


Kühle und Sterilität, die viele Krankenhäuser
ausstrahlen, und das Unpersönliche eines
Untersuchungsapparats wenigstens durch
­
9 2

Die Röntgenabteilung
A. Ohmstede

2.1 Wie funktioniert eine R


­ öntgenabteilung?  – 10

2.2 Untersuchungsraum und Röntgenuntersuchung  – 11

2.3 Kinder in der Radiologie  – 13

2.4 Zubehör im Röntgenraum  – 15

2.5 Hygiene in der Röntgenabteilung  – 15

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_2
10 A. Ohmstede

Anhand der folgenden Unterkapitel wird der Danach obliegt es dem Facharzt (Radiologe),
Weg eines Patienten durch eine Röntgenabtei­ die rechtfertigende Indikation festzustellen. In
lung von der Anmeldung bis zur fertigen Un­ der Routine findet sich jedoch meist das Vor­
2 tersuchung exemplarisch dargestellt. gehen, dass der anfordernde Arzt bereits das
gewünschte Untersuchungsverfahren angibt.
Dies ändert nichts daran, dass die Anforderung
2.1 Wie funktioniert eine vom Radiologen zu prüfen ist. Verfahren, die
­Röntgenabteilung? ohne die Anwendung ionisierender Strahlung
zur Beantwortung der Fragestellung führen,
Um einen reibungslosen Untersuchungsablauf sind vorzuziehen.
mit kurzen Wartezeiten zu gewährleisten, ist Vor der Röntgenuntersuchung sind von
eine gute Organisation Voraussetzung. Mit ­jedem Patienten die Personalien aufzunehmen:
­einer kompetent besetzten Anmeldung steht Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnort und
und fällt der Erfolg des Betriebsablaufes, erst Kostenträger, bei Kindern auch der Name des
recht in einer digitalen Abteilung. Das wird versicherten Elternteils. Wichtig ist auch die
häufig unterschätzt. Die Zeiten, zu denen ein Telefonnummer, falls eine Terminänderung er­
Durchleuchtungsgerät und mehrere konven­ forderlich wird. Wurde der Patient vorher in
tionelle Bucky-Arbeitsplätze vorhanden waren, einem Krankenhausinformationssystem aufge­
sind vorbei. Eine moderne Abteilung muss nommen, werden diese Stammdaten idealer­
konventionelle Arbeitsplätze, Durchleuchtungs­ weise an das Radiologieinformationssystem
geräte, C-Bogenanlagen für die Angiographie, übermittelt.
Schockraum und Großgeräte wie CT und MRT Das Strahlenschutzrecht verpflichtet zur
im Blick haben. sog. „Strahlenanamnese“, d. h. der Patient muss
Eine MTRA in der Anmeldung, die die nach entsprechenden vorausgegangenen rönt­
­Untersuchungsabläufe, deren Zeitbedarf und genologischen oder nuklear­ medizinischen
die apparative Ausstattung der Abteilung kennt, ­Untersuchungen befragt werden. Ein Röntgen-
kann entsprechend Geräte- und Untersuchungs­ nachweisheft (Röntgenpass des P ­ a­tienten) er­
zeiten buchen. Unklare, unplausible oder tech­ leichtert die Befragung. Vor der Durch­führung
nisch sinnlose Anforderungen werden bereits einer Röntgenuntersuchung muss zumindest
bei der Anmeldung zuverlässig aussortiert. Das nach dem Röntgennachweisheft gefragt wer­
Personal ist hier sehr gefordert und in Abtei­ den. Eine Verpflichtung zur Führung des Rönt­
lungen mit vielen stationären und ambulanten genpasses besteht allerdings nicht. Wird jedoch
Patienten sind Konfrontationen, häufig mit vom Patienten ein Pass vorgelegt, so müssen die
dem Personal anderer Abteilungen, nicht aus­ nachfolgenden Röntgenuntersuchungen einge­
zuschließen. Trotzdem soll jedem Patienten, tragen werden. Für Patienten, die noch keinen
Stationspersonal und allen „Fragenden“ stets in Röntgenpass besitzen, sind der­artige Pässe vor­
gutem Ton begegnet werden; dies gilt insbeson­ zuhalten und anzubieten. Bei Frauen im gebär­
dere für den Patienten, der sich fragend und fähigen Alter ist eine Schwangerschaft vor An­
Hilfe suchend in einer neuen Umgebung be­ wendung ionisierender Strahlung auszuschlie­
wegt. Der Patient soll das Gefühl haben, dass er ßen. Wird eine Magnet­reso­nanz­tomographie
willkommen ist. durchgeführt, können ein Herzschrittmacher,
In den seltensten Fällen findet sich der Pa­ ein Defibrillator oder ähn­liche Implantate (z. B.
tient aus freien Stücken in der Abteilung ein. Cochleaimplantat) eine Kontraindikation dar­
Grundlage für die Röntgenuntersuchung ist stellen.
eine konkrete Fragestellung eines zuweisenden War der Patient bereits für frühere Unter­
Arztes. Idealerweise stellt der Zuweiser eine suchungen in der Abteilung, sind die vorhan­
Verdachtsdiagnose und notiert eine Frage­ denen Röntgenbilder vorher anzusehen. Die
stellung, z. B. Verdacht auf Sinusitis maxillaris. Voraufnahmen werden auch zur Feststellung
Die Röntgenabteilung
11 2
der rechtfertigenden Indikation benötigt. Es ist weitere Untersuchung in seinem eigenen Inte­
dafür zu sorgen, dass notwendige Unterlagen resse rasch durchgeführt werden kann. ­Verletzte
zügig am Arbeitsplatz ankommen, um die werden auf einer Unfallliege oder im Rollstuhl
­Untersuchung optimal durchzuführen. möglichst umgehend in einen Röntgenraum
Wird in der Abteilung mit einem RIS und gefahren. Bei schwersten Verletzungen, z. B.
einem PACS (Picture Archiving and Commu­ der Wirbelsäule, muss zur Lagerung ein Arzt
nication System, 7 Kap. 8) gearbeitet, wird zu­ geholt werden.
nächst die Untersuchung eingebucht und die
Daten elektronisch an den Arbeitsplatz über­
mittelt. Die Kommunikation zwischen RIS und 2.2 Untersuchungsraum und
PACS erfolgt mit dem sog. HL7-Standard Röntgenuntersuchung
(Health Level 7). Am Arbeitsplatz sind die Pa­
tientendaten vor Untersuchungsbeginn über Der Patient wird erst unmittelbar vor der Un­
die Modality Worklist aufzurufen. Damit wer­ tersuchung in die Kabine gerufen oder geführt.
den die angefertigten Aufnahmen dem Patien­ Das Wartezimmer ist zum Warten da und die
ten zugeordnet. Bei Speicherfolienkassetten Kabinen zum Aus- und Ankleiden! Das Warten
müssen die Kassetten vor dem Auslesen mittels in der engen, halbdunklen Kabine ist für den
Kassettenbarcode und Modality Worklist des entkleideten Patienten unangenehm. Leider
Auslesesystems dem untersuchten Patienten kommt es immer wieder vor, dass Patienten in
zugeordnet werden. Sind Voraufnahmen vom der Kabine vergessen werden oder die im an­
Patienten vorhanden, müssen diese aus dem grenzenden Untersuchungsraum geführten
digitalen Bildarchiv an der Workstation auf­ Arzt-Patienten-Gespräche und die Unter­
gerufen werden. Dies wird bei den meisten suchung miterleben müssen. Der/die aufmerk­
PAC-Systemen durch eine Prefetch-Funktiona­ same MTRA begleitet ältere, geh- und seh­
lität (automatisches Vorladen relevanter Bilder behinderte Patienten in die Kabine und fragt,
aus dem Archiv) erleichtert. ob er/sie beim Aus- und Ankleiden behilflich
Die Wartezeit wird dem Patienten in einem sein kann.
hellen, freundlichen, aufgeräumten und saube­ Schwerkranke und Schwerverletzte, die
ren, gelüfteten und gut temperierten Warte­ ­direkt in die Röntgenabteilung eingeliefert wer­
zimmer mit Lektüre und möglichst bequemer den, werden vordringlich untersucht. Patienten
Sitzgelegenheit verkürzt. Sitz- und Spielgele­ mit Schulter-Arm-Verletzungen müssen vor­
genheiten für Kinder sollten vorhanden sein. sichtig ausgekleidet werden: zuerst die gesunde,
Bei unvorhergesehen langer Wartezeit wird unverletzte Seite von Kleidern befreien, dann
dem Patienten der Grund mitgeteilt und um das Hemd oder den Pullover bis zum Hals auf­
sein Verständnis gebeten. Ganz entscheidend rollen und über den gebeugten Kopf nach vor­
ist an diesem Punkt, dass der Patient wirklich ne abstreifen. Beim Ankleiden beginnt man mit
kompetent informiert wird. Meistens haben die der verletzten Seite, dann folgt die gesunde
Patienten für Wartezeiten im Klinikbetrieb ­Seite. Beim Auskleiden der Hose geht man ent­
Verständnis. Kein Verständnis hat ein Patient sprechend vor. Sie wird weit heruntergestülpt,
jedoch dafür, dass er nicht informiert wird und dann zunächst am gesunden Bein weggezogen
nicht weiß, wie lange er warten muss. Je nach und äußerst vorsichtig am kranken Bein. ­Bei
Grund der Verzögerung ist der Wartende über schwerverletzten Patienten werden die Klei­
den Fortgang der Arbeit zu informieren, so­ dungsstücke aufgeschnitten. Dabei ist ­Sorge zu
dass  er das Gefühl bekommt, nicht vergessen tragen, dass der Patient so gelagert wird, dass
worden zu sein. ihm wenig Schmerzen und wenig Anstrengung
Schwerverletzte und Verletzte haben Vor­ zugemutet werden.
rang. Wichtig ist ein gezieltes Vorgehen und Bei Erbrechen und schweren Blutungen aus
den Patienten um Mithilfe zu bitten, damit die Mund und Nase müssen die Patienten in Seiten­
12 A. Ohmstede

lage gebracht werden, damit sie Erbrochenes chung benötigt wird. Es macht einen schlechten
oder Blut nicht aspirieren. Eine hohe Anforde­ Eindruck auf den Patienten, wenn der/die
rung wird an die Arbeit im interdisziplinären MTRA zu Beginn der Untersuchung fortläuft,
2 Team gestellt. Bei Unfallpatienten muss sich um verschiedenes Zubehör zu holen.
die/der MTRA den Weg zum Patienten häufig Damit der Patient keinen Schrecken be­
am Anästhesisten, Chirurgen und am Pflege­ kommt, wird darauf hingewiesen, dass sich z. B.
personal vorbei regelrecht freikämpfen. Beim die Röntgenröhre über dem Patienten oder der
Anfertigen der Aufnahmen muss immer auch Untersuchungstisch mit dem Patienten wäh­
auf den Strahlenschutz der umstehenden Per­ rend der Untersuchung bewegt. Der Patient
sonen geachtet werden. Das Drängeln nach den sollte möglichst nur kurz im Röntgenraum
ersten Bildern ist dabei an der Tagesordnung ­allein gelassen werden. Schwerverletzte oder
und kein Grund, sich verunsichern zu lassen. In verwirrte Patienten, Unruhige, Bewusstlose
großen Kliniken werden Unfallpatienten mitt­ oder Patienten mit starkem Erbrechen dürfen
lerweile in sog. Schockräumen erstversorgt, die nicht ohne Aufsicht bleiben.
für die interdisziplinäre Zusammenarbeit kon­ Muss eine misslungene Aufnahme wiederholt
zipiert sind und über umlagerungsfreie Trans­ werden, sollte der/die MTRA dem Patienten den
portsysteme verfügen. In Schockräumen wahren Grund für die Notwendigkeit einer Wie­
kommt meist ein CT und eine konventionelle derholung der Untersuchung angeben. Wenn es
Röntgeneinrichtung zum Einsatz. das Verschulden der/des MTRA ist, sollte er/sie
Der/die MTRA muss sich die Zeit nehmen, dies eingestehen. Das Personal macht sich un­
dem Patienten zu erläutern, was für eine Unter­ glaubwürdig, wenn es immer dem Patienten die
suchung durchgeführt wird, wie sie abläuft und Schuld zuschiebt, z. B. mit der Bemerkung, er
evtl. wie lange sie dauert. Damit Frauen nicht habe die Röntgenaufnahme „verwackelt“ oder
mit entblößtem Oberkörper dem Arzt oder „veratmet“. Da sich der Pa­tient in der Regel
dem/der MTRA im Untersuchungsraum entge­ ernsthaft bemüht, bei der Untersuchung alles
gentreten müssen, erhalten die Patientinnen richtig zu machen, schätzt er sein Fehlverhalten
ein praxis- oder krankenhauseigenes Hemd. oder das des/der MTRA richtig ein und möchte
Auf das Schamgefühl pubertierender Patienten nicht „für dumm verkauft“ werden.
muss ebenfalls Rücksicht genommen werden.
>>Wiederholungsaufnahmen sind aus
Untersuchungen wie die Mammographie soll­
strahlenhygienischen Gründen mög­
ten nach Möglichkeit von weiblichem Personal
lichst zu vermeiden. Zudem ist die recht­
durchgeführt werden.
fertigende Indikation zu beachten.
Der Untersuchungsraum muss sauber, auf­
geräumt und belüftet sein. Es dürfen keine Nach dem Auslesen der Röntgenbilder erfolgt
­gebrauchten oder gar verschmutzten Gegen­ die Dokumentation und Archivierung im
stände herumliegen. Der Patient soll den Ein­ PACS.
druck haben, dass man ihn erwartet und er
>>Sind die Röntgenaufnahmen fertig oder
nicht die nächste „Nummer“ ist. In den ab­
die Röntgenuntersuchungen vom Arzt
gedunkelten Röntgenuntersuchungsräumen
abgeschlossen, so ist das Interesse des
können sich ältere Patienten (ohne Brille und
Patienten am Ergebnis der Untersuchung
ohne Gehstock) oft schlecht orientieren und
verständlich. MTRA sind jedoch zu einer
sind daher für Hilfe dankbar.
Auskunft über das ­Resultat nicht be­
Langes Liegen auf einem harten Unter­
rechtigt.
suchungstisch kann durch eine saubere, weiche
Unterlage und Kissen, ggf. noch durch eine Das Personal sollte auch keine Andeutungen
­Decke, erleichtert werden. Im Untersuchungs­ mit Worten oder Mimik machen. Unter­
raum muss alles vorhanden sein, was ge­wöhn­ suchungsergebnisse teilt ausschließlich der un­
lich oder in Ausnahmefällen für die Untersu­ tersuchende oder der behandelnde Arzt mit.
Die Röntgenabteilung
13 2
Die Röntgenbilder bleiben Eigentum des sprechen eingehalten werden. Untersuchungen
Arztes oder der Abteilung. Sie werden dem Pa­ bei Kindern verlangen ein besonderes Einfüh­
tienten nur in begründeten Fällen ausgehändigt lungsvermögen, viel Zeit und Geduld. Dies
oder dem behandelnden Arzt, Gutachter und sollte auch bei der Terminplanung berücksich­
krankenhausähnlichen Institutionen überge­ tigt werden. Für Wartezeiten haben Kinder kein
ben. Hierfür ist allerdings das Einverständnis Verständnis!
des Patienten einzuholen. Werden aus einem Aufgrund der größeren Strahlensensibilität
PACS Archiv-CDs erstellt, soll auf DICOM- der Kinder ist zwingend eine große Sorgfalt im
Konformität (DISCOM = Digital Imaging and Hinblick auf den Strahlenschutz notwendig
Communications in Medicine, 7 Kap. 8) geach­ und die Strahlenexposition ist mit allen zur
tet und die Aufnahmen nicht in einem simplen Verfügung stehenden Mitteln zu reduzieren
Grafikformat (z. B. JPG oder TIFF) gespeichert (z. B. Aufhärtung der Strahlung durch Zusatz­
werden. Dies führt sonst dazu, dass die Auf­ filter, enges Einblenden des Strahlenfeldes,
nahmen beim Betrachter ggf. nicht in ein etc.). Insbesondere bei Mädchen ist zu beach­
­vorhandenes PACS als Fremdaufnahmen über­ ten, dass sich die Gonaden während der Ent­
nommen werden können. Abschließend wird wicklung von kranial nach kaudal verschieben
der Patient freundlich verabschiedet und zur (. Abb. 2.1). Sehr strahlensensibel ist das blut­
Tür begleitet. Damit wird der sympathische bildende rote Knochenmark. Beim Kind be­
Eindruck, den der Patient vom Institut erhalten steht immer die Gefahr, dass mit dem Strahlen­
hat, noch verstärkt. feld ein größerer Teil des roten Knochenmarks
exponiert wird als beim Erwachsenen. Die Ver­
teilung des roten Knochenmarks ist in . Abb.
2.3 Kinder in der Radiologie 2.2 dargestellt. In Bereichen mit viel rotem
Knochenmark muss eng eingeblendet werden.
Kinder haben in dunklen Räumen Angst und Zur Belichtungssteuerung beim Kind ist
lassen sich gerne an die Hand nehmen oder tra­ ­darauf hinzuweisen, dass eine größere Schwär­
gen. Durch ein Glockenspiel, einem Teddybär zung des Bilds mit einer höheren kV-Zahl
oder ein besonderes Bild an der Wand können ­erreicht werden soll, und nicht mit einer höhe­
sie abgelenkt werden. Bei der Untersuchung ren mAs-Zahl. Wird eine geringere Schwärzung
kann die Anwesenheit eines begleitenden benötigt, ist vornehmlich die mAs-Zahl zu redu­
­Elternteils auf das Kind beruhigend wirken. zieren. Dabei ist abzuwägen, ob der ­dadurch ge­
­Allerdings darf sich der/die MTRA auch das ringere Kontrast der Aufnahme die Befundung
Recht herausnehmen, die Eltern aus dem Raum zu sehr beeinträchtigt. Können Auf­ nahmen­
zu schicken, wenn dadurch eine bessere Auf­ von Frakturen etc. ohne konventionellen Gips
nahme gewährleistet wird. Der/die einfühl­ angefertigt werden, ist dies zu tun, da sich die
same MTRA soll dem Kind in angemessenen Dosis bei nassem Gips etwa viertelt und bei
Worten erklären, was gemacht wird, dass die ­trockenem Gips etwa halbiert! Bei Baycast oder
Untersuchung nicht schmerzhaft ist und selbst Polyurethan ist der Unterschied nicht mehr so
der Stich mit einer Injektionsnadel rasch vorbei groß, es kann etwa eine kV- oder eine mAs-
ist. Sofern in der Abteilung vorhanden, kann Stufe gespart werden. Gleiches gilt für die
mit einem Lokalanästhetikum in Salbenform Streustrahlenraster. Bei Aufnahmen ohne Ras­
die Injektion sogar schmerzfrei durchgeführt ter kann ein Viertel der Dosis gespart werden.
werden. Werden kalte Röntgenkassetten als Falls noch Film-Folien-Systeme verwendet
­unangenehm empfunden, können diese vorher werden, ist eine Besonderheit zu beachten. Für
angewärmt werden. Dies empfiehlt sich beson­ die Pädiatrie sind Kassettensysteme mit einem
ders für Aufnahmen auf einer neonatologi­ Karbondeckel vorhanden, der besonders strah­
schen Station. Wird dem Kind eine kleine lendurchlässig ist. Damit lassen sich nochmals
­Belohnung in Aussicht gestellt, muss das Ver­ 1–2 kV- oder mAs-Stufen Dosis einsparen.
14 A. Ohmstede

a b

..Abb. 2.1a,b  Entwicklung der Gonaden während der Entwicklung von kranial nach kaudal

..Abb. 2.2  Verteilung des blutbildenden, roten Knochenmarks beim Kind und beim Erwachsenen
Die Röntgenabteilung
15 2
2.4 Zubehör im Röntgenraum 55Blutdruckmessgerät und Stethoskop
55Stauschlauch
Außer dem erforderlichen Strahlenschutz­ 55Schere und Pinzette
zubehör (7 Kap. 3) gehören zu einer Rönt­ 55Einmalhandschuhe
genuntersuchung verschieden große Blei­ 55Hautdesinfektionslösungen
gummi­ab­deckungen für Kassetten oder Blei­ 55Tupfer und sterile Kompressen
gummi­abdeckungen für den Patienten, um 55Einmalspritzen und Kanülen einschließ­
Überbelichtungen durch Streustrahlen an den lich Verweilkanüle
Körperkonturen zu vermeiden. Weitere uner­ 55Infusionen (Volumenersatz)
lässliche Hilfsmittel sind Bleibuchstaben zur 55Infusionsständer
Seitenbezeichnung sowie Zahlen und Schrift­ 55Klebestreifen
zeichen zur Aufbelichtung auf das Bildemp­
fängersystem (7 Kap. 10.1). Verschieden große Je nach Funktion des Röntgenraums können
und unterschiedlich geformte Lagerungshil­ häufig benötigte Medikamente (z. B. Spasmoly­
fen aus Schaumstoff und Holz, Bänder und tikum oder Antihistaminikum) im Röntgen­
Sandsäckchen zum Fixieren, Reismehlsäck­ raum aufbewahrt werden. Für die sonst in einer
chen zum Dickenausgleich oder Ausgleichfil­ Röntgenabteilung erforderlichen Medikamente
ter (z. B. Keil-, Schulter- oder ­Schädelfilter) sollte ein sicherer Aufbewahrungsort bestimmt
und ein Kompressionsband dürfen nicht feh­ werden. Röntgenkontrastmittel werden außer­
len. Gerade Kompressionsbänder sind an halb des Röntgenraums dunkel gelagert.
­neuen Anlagen aus der Mode gekommen, lie­ ­Medikamente, die dem Betäubungsmittelgesetz
fern jedoch z. B. bei adipösen Patienten einen ­unterliegen, müssen unter Verschluss gehalten
wertvollen Beitrag zur Verbesserung der werden.
Bildqualität. Zum Zubehör gehören auch spe­
zielle Lagerungs- und Fixierungshilfen für
Säuglinge (z. B. Babixhülle) und Kleinkinder 2.5 Hygiene in ­
sowie technische Geräte für gehaltene Auf­ der Röntgenabteilung
nahmen und Gewichte für Belastungsaufnah­
men. Werden häufig Aufnahmen im Stehen In den vergangenen Jahrzehnten haben Ärzte,
angefertigt, kann eine Halterung am Raster­ MTA und die Öffentlichkeit erneut lernen
wandstativ hilfreich sein, an der sich der Pa­ ­müssen, dass der Patient im Krankenhaus un­
tient festhält. Auf weiteres spezielles Zubehör abhängig von seiner Grunderkrankung spezifi­
wird bei den entsprechenden Untersuchungen schen Gefahren infektiöser Natur ausgesetzt ist.
eingegangen. Diese im Krankenhaus erworbenen Infektions­
Abwaschbare, strahlendurchlässige Schaum­ krankheiten werden heute als Krankenhaus-,
stoffunter­lagen und Tücher aus Stoff oder Pa­ Hospital- oder Nosokomialinfektionen bezeich­
pier sowie Kopfkissen liegen für den Untersu­ net. Eine sorgfältige Hygiene gewinnt daher
chungstisch bereit. Der Patient erhält ggf. ein zunehmend an Bedeutung.
Abdecktuch, eine Decke oder ein Hemd. Eine In den Richtlinien des Robert-Koch-­
Rolle unter den Knien erleichtert das ruhige Instituts werden radiologische Einrichtungen
Liegen. Das Zubehör muss pfleglich behandelt, in die Bereiche mit mittlerem Infektionsrisiko
mit geeigneten Desinfektionsmitteln gereinigt eingestuft. In Abhängigkeit von Unter­
und täglich auf Vollständigkeit und Funktions­ suchungsart und Erkrankungen sind differente
fähigkeit überprüft werden. antiinfektiöse Maßnahmen erforderlich.
In Unfallröntgenräumen (Schockraum) sind
eine Sauerstoff- und Absaugeinrichtung wich­ kkKonventionelles Röntgen
tig. Außer den Notfallmedikamenten (7 An- Im Untersuchungsablauf kommt es zum
hang) sollen vorhanden sein: ­Kontakt der Hände des Personals mit der Kör­
16 A. Ohmstede

peroberfläche des Patienten, Lagerungshilfen, 55Wischdesinfektion aller Kontaktflächen


Bedienelementen der Röntgenanlage, digitale (z. B. Bildempfänger)
Ausleseeinheiten, Türklinken, PC-Tastaturen 55Sterile Abdeckung für patientennahe Teile
2 etc. Die hygienische Händedesinfektion ist die der Röntgenanlage
entscheidende Maßnahme zur Vermeidung
von Kreuzinfektionen. Leicht zugängliche kkPatienten mit MRSA
Waschbecken mit Seife und Desinfektionsmit­ Entscheidend ist die Händedesinfektion (mind.
tel sind obligat, das Tragen von Handschuhen 30 Sekunden) vor und nach dem Patientenkon­
bei Infektionsgefährdung angezeigt. Eine ge­ takt. Die Umgebungskontamination durch
zielte Apparatedesinfektion ist nach Konta­ MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus)
mination mit Sekreten, Exkreten und Blut kann reduziert werden, wenn sich auch der Pa­
­erforderlich. Untersuchungsliegen und Lage­ tient vor der Untersuchung die Hände mit alko­
rungshilfen werden über­ wiegend durch holischem Händedesinfektionsmittel desinfi­
Einweg­abdeckungen vor Verschmutzung und ziert. Durch das Tragen eines chirurgischen
Kontamination geschützt, ebenso Bildempfän­ Mundschutzes soll verhindert werden, dass der
ger bei der Röntgenauf­nahme am Patientenbett. Patient seine Hände durch Berühren der eige­
nen Nase (natürliches Reservoir von S. aureus)
kkInterventionelle Radiologie immer wieder kontaminiert.
Mit zunehmender Dauer und Komplexität der Darüber hinaus sollten Personen, die direk­
invasiven Eingriffe unter Durchleuchtung ten Kontakt zum Patienten haben, Handschuhe
nimmt nicht nur die Strahlenbelastung, und einen langärmeligen Schutzkittel tragen.
­sondern auch die Infektionsgefährdung zu. Ein Mundschutz ist dann erforderlich, wenn
­Interventionsdiagnostische Verfahren mit Im­ die Möglichkeit besteht, dass man direkt ange­
plantation von Stents, Prothesen, Filtern und hustet wird (Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt).
Embolisationen sowie bildgesteuerte Biopsien Eine Händedesinfektion ist zudem auch nach
verlangen chirurgische Händedesinfektion, Berührung von Bett oder Oberflächen not­
­sterile Schutzkleidung, Kopfbedeckung, Mund- wendig, die mit dem Patienten unmittelbar in
Nasen-Schutz, bei zu erwartenden Blutsprit­ Berührung kamen.
zern Schutzschirm oder -brille sowie adäquate In der Regel werden zwei Personen benö­
Patienten- und Apparatepräparation. Opera­ tigt. Ein Mitarbeiter bedient die Geräte, öffnet
tionsähnliche Hygienestandards (Schleuse, oder schließt Türen und führt alle Tätigkeiten
Materiallager, Klimatechnik) sind allein schon ohne Patientenkontakt aus. Der andere trägt
wegen der potenziellen Notwendigkeit der die oben angegebene Schutzkleidung, lagert
Fortsetzung von Eingriffen durch offene und betreut den Patienten und ist für die
­Chirurgie im Fall von Komplikationen wün­ Wischdesinfektion der vom Patienten berühr­
schenswert. ten Flächen zuständig. Er entsorgt nach Unter­
suchungsende auch evtl. verwendetes Abdeck­
kkImmunsupprimierte Patienten papier in einem geschlossenen Abfall­eimer
Bei Aufnahmen bei immunsupprimierten Pa­ (normaler Klinikmüll). Nicht unbedingt zwin­
tienten mit Knochenmarktransplantation sind gend, aber empfehlenswert ist die Einbestellung
folgende Maßnahmen zu prüfen: des Patienten am Ende des jeweiligen Tagespro­
55Einzelzimmer: Schutzkittel bei Patienten­ gramms.
kontakt (Schutzkittel verbleibt im Zimmer
oder in der Schleuse) kkAnsteckungsfähige Tuberkulose
55Hygienische Händedesinfektion vor Betre­ Patienten mit offener, also ansteckungsfähiger
ten des Zimmers, vor aseptisch durchzu­ Lungentuberkulose, sollten einen chirurgi­
führenden Maßnahmen, nach Kontakt mit schen Mundschutz tragen. Eine spezielle Kli­
infektiösem Material matisierung wäre ideal, ist aber in der Regel
Die Röntgenabteilung
17 2
nicht ­verfügbar. Daher sollten TBC-Patienten kkVerwendung von Perfusorspritzen
am Schluss des Tagesprogramms ohne Warte­ ­(Injektoren) und Kontrastmittelgebinden
zeit im allgemeinen Wartebereich einbestellt für mehrere Patienten in Folge
werden. Alle Personen, die sich im gleichen Die Verwendung derartiger Infusionssysteme
Raum mit dem Patienten befinden, müssen für mehrere Patienten in Folge kann aus kran­
eine ­Maske mindestens der Schutzstufe FFP2 kenhaushygienischer Sicht ohne Validierung
tragen. Beim Anlegen ist auf sorgfältigen Dicht­ durch den Hersteller nicht generell zugelassen
sitz zu achten (vorher trainieren!). werden. Für das jeweilige System (Perfusor und
Bei mechanischer Belüftung des Untersu­ Überleitungssystem mit Rückschlagventilen)
chungsraumes muss die Klimaanlage entweder muss daher individuell durch Gutachten belegt
auf Unterdruck um- oder ganz abgeschaltet werden, dass auch die Rückdiffusion kleiner
werden, um eine Erregerausbreitung in umlie­ Partikel mit ausreichender Sicherheit ausge­
gende Räume zu vermeiden. Dementsprechend schlossen werden kann.
müssen die Türen zum umliegenden Bereich
geschlossen gehalten werden, auch in benach­ kkHygiene
barten Räumen sollten sich keine Patienten Grundsätzlich gelten für die Händehygiene die
mehr aufhalten. Nach Beendigung der Untersu­ 5 Momente: vor Patientenkontakt, vor einer
chung kann nach einer 30-minütigen Lüftung aseptischen Tätigkeit, nach Kontakt mit poten­
bei geöffnetem Fenster zum Freien hin von tiell infektiösem Material, nach Patientenkon­
­einer ausreichenden Verdünnung evtl. im Raum takt und nach Kontakt mit der unmittelbaren
schwebender Tröpfchenkerne ausgegangen Patientenumgebung (Robert Koch-Institut).
werden. Danach kann der Raum wieder normal Für alle hygienischen Maßnahmen sind die
benutzt werden. Eine Wischdesinfek­tion der Empfehlungen der Kommission für Kranken­
Oberflächen ist nicht routinemäßig, aber nach haushygiene und Infektionsprävention beim
Kontamination z. B. mit Sekret, erforderlich. Robert Koch-Institut sowie der Berufsgenos­
senschaft für Gesundheitsdienst und Wohl­
kkHIV, Hepatitis B und C fahrtspflege zu beachten.
Bei diesen und anderen im Krankenhaus­ Einen exemplarischen Hygieneplan für eine
bereich durch Blutkontakt übertragenen Er­ Röntgenabteilung zeigt . Tab. 2.1.
krankungen gelten die universellen Vorsichts­
maßnahmen zum Schutz vor Stichverletzungen
und sonstigem Blutkontakt einschließlich des
Impfschutzes gegenüber Hepatitis B.
18 A. Ohmstede

..Tab. 2.1  Hygieneplan für eine Röntgenabteilung

Was Wann Womit Wie


2
Händereinigung Nach Arbeiten mit Gefahr- Flüssigseife aus Hände waschen, mit Einmal-
stoffen, auch wenn bei der Spender handtuch abtrocknen
Tätigkeit Handschuhe getra-
gen wurden. Bei sichtbarer
Verschmutzung und nach
Toilettenbesuch
Hygienische z. B. vor Verbandswechsel, Alkoholisches ca. 3 ml Händedesinfektions-
­Händedesinfektion Injektionen, Blutabnahmen, Händedesinfek­ mittel 30 Sek. in die tro-
Anlage von Blasen- und tionsmittel ckenen Hände einreiben,
Venenkathetern; nach Konta- Problemzonen einbeziehen
mination (bei grober Ver- (Fingerkuppen, Daumen,
schmutzung vorher Hände Fingerzwischenräume, Fin-
waschen), nach Ausziehen gerseitenkanten, Nagelfalze,
der Handschuhe Handgelenke)
Chirurgische Vor OP-ähnlichen Eingriffen Alkoholisches Händedesinfektionsmittel: Hände
­Händedesinfektion und Unterarme 1 min waschen und (bei sichtbarer
Verschmutzung) Nägel und Nagelfalze bürsten,
anschließend Händedesinfektionsmittel während
3 min portionsweise auf Händen und Unterarmen
verreiben
PVP-Jod-Seife: Hände und Unterarme 1 min wa-
schen und dabei Nägel und Nagelfalze bürsten
(nur bei sichtbarer Verschmutzung), anschließend
4 min waschen, unter fließendem Wasser abspülen,
mit sterilem Handtuch abtrocknen
Hautdesinfektion Vor Punktionen, bei Verband- z. B. (alkoho- Hautantiseptikum sprühen
wechsel usw. lisches) Hautdes- oder mittels keimarmen
infektionsmittel Tupfer applizieren. Risiko­
oder abschätzung im Hygieneplan
punktionsspezifisch hinter­
legen.
Vor radiologischen Eingriffen, PVP-Jod-Alkohol- Mit sterilen Tupfern mehrmals
bei denen der Katheter nur Lösung auftragen und verreiben;
durch eine Punktion einge- Dauer: 1 min
führt wird
Vor radiologischen Eingriffen, Mit sterilen Tupfern mehrmals
bei denen der Zugang zum auftragen und verreiben;
Gefäß über eine chirurgische Dauer: 3 min
Inzision erfolgt
Schleimhautdes­ z. B. vor Anlage von Blasenka- z. B. PVP-Jod- Unverdünnt auftragen
infektion thetern Lösung ohne ­(Dauer: 30 s)
Alkohol
Instrumente Nach Gebrauch Reinigungs- und Desinfektionsautomat, verpacken,
autoklavieren oder in Instrumentenreiniger ein­
legen, reinigen, abspülen, trocknen, verpacken,
autoklavieren. Bei Verletzungsgefahr: Zusatz von
(aldehydischem) Instrumentendesinfektionsmittel
Die Röntgenabteilung
19 2

..Tab. 2.1 (Fortsetzung)

Was Wann Womit Wie

Blutdruckman- Nach Kontamination Mit Flächendesinfektionsmittel bzw. Isopropyl­


schette, Kunststoff alkohol (70%) abwischen, trocknen, oder Reini-
gungs- und Desinfektionsautomat

Blutdruck­ Nach Kontamination In Instrumentenreiniger einlegen, abspülen,


manschette, Stoff ­trocknen, autoklavieren, oder Reinigungs- und
Desinfektionsautomat
Stethoskop Bei Bedarf und nach Patien- Isopropylalkohol Abwischen
tenkontakt (70%)
Sauerstoffanfeuch- Bei Patientenwechsel Reinigungs- und Trocken und staubfrei
ter (Gasverteiler, Desinfektions­ ­auf­bewahren oder reinigen,
Wasserbehälter, automat trocknen, autoklavieren
Verbindungs-
schlauch, Maske)
Geräte, Mobiliar Einmal täglich Umweltfreund- Abwischen
licher Reiniger
Beatmungsbeutel Nach Gebrauch Reinigungs- und Desinfektionsautomat
Röntgentische, Nach Patientenkontakt; nach Flächendesinfek- Abwischen
Röntgenscheiben, Kontamination tionsmittel
Röntgenkassetten
Waschbecken Einmal täglich Mit umwelt- Abwischen
freundlichem
Reiniger
Strahlregler Einmal pro Woche Reinigen, entkalken (z. B. Essigwasser, Spül­
maschine)
Steckbecken, Nach Gebrauch Steckbeckenspülautomat
Urinflasche
Fußboden Einmal täglich Umweltfreund- Hausübliches Reinigungs­
licher Reiniger system
Nach Kontamination Flächendesinfek- Wischdesinfizieren
tionsmittel
Abfall, bei dem Direkt nach Gebrauch (bei Entsorgung in durchstichsichere und fest ver-
Verletzungsgefahr Kanülen kein Recapping) schließbare Kunststoffbehälter
besteht (z. B. Skal-
pelle, Kanülen)
21 3

Strahlenschutz in der
­radiologischen Diagnostik
A. Ohmstede

3.1 Ionisierende Strahlung  – 22

3.2 Rechtsgrundlagen  – 22

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_3
22 A. Ohmstede

3.1 Ionisierende Strahlung liche Strahlenexposition erhöht sich das vor­


handene Risiko, an Krebs zu sterben, um 0,4%.
Röntgenstrahlen gehören zu den ionisierenden Dieses zusätzliche Risiko durch Strahlen­
Strahlen und können bei der Anwendung am wirkungen ist noch geringer als die äußerst
Menschen sowohl körperliche (somatische) als ­geringe Wahrscheinlichkeit, einen tödlichen
auch Schäden an den Keimzellen (genetische) Unfall zu erleiden.
3 hervorrufen. Trotzdem ist der Nutzen der Die besondere Sensibilität des ungeborenen
Röntgendiagnostik in der Medizin unbestrit­ Lebens gegenüber Strahlung ist bekannt. Bei
ten, sofern die Anwendung der Röntgenstrah­ vorschriftsmäßiger Anwendung des Strahlen­
lung aus medizinischer Sicht geboten erscheint schutzes in der Radiologie kann eine schwange­
und mit fachlicher Kompetenz erfolgt. re MTRA weiterhin Röntgenaufnahmen anfer­
Die Wirkung der Röntgenstrahlung auf den tigen, d. h. ihrem Beruf nachgehen, ohne das
Organismus hängt von der übertragenen Strah­ werdende Leben zu gefährden.
lendosis und der Art des betroffenen Gewebes Zur Strahlenwirkung auf die Keimzellen,
ab. Die Einheit für die Äquivalentdosis im also zum genetischen Risiko, gibt es bislang in
Strahlenschutz ist das Sievert (Sv). Um diese keiner der bekannten Untersuchungen Hin­
Größe anschaulich zu machen, kann man auf weise auf durch Strahlung hervorgerufene,
den Wert der jährlichen natürlichen Strahlen­ ­vererbbare Wirkungen am Menschen. Nicht
belastung aus dem Boden, der Umgebung einmal bei den Atombombenopfern in Japan
­(Gebäude) und dem Kosmos zurückgreifen: zeigten sich derartige Wirkungen. Eine Zunah­
Die natürliche Belastung liegt in Deutschland me von Erbschädigungen bei Kindern von
im Jahresmittel bei 2,4 Millisievert (mSv). Je ­Radiologen wurde ebenfalls niemals nachge­
nach Wohnort und Lebensgewohnheit wiesen.
schwankt der Wert zwischen 1–5 mSv. Das Strahlenrisiko wird demnach häufig
Beruflich strahlenexponierte Personen aus Unwissenheit überschätzt. Dies zeigt sich
­unterliegen der gesetzlich vorgeschriebenen v. a. dann, wenn das Strahlenrisiko mit anderen
Personendosisüberwachung. Die Ergebnisse Risiken des täglichen Lebens verglichen wird.
der Auswertung der Personendosimeter über Das Gefährdungspotenzial durch liebgewonne­
viele Jahrzehnte zeigt, dass bei 50 % der beruf­ ne Gewohnheiten wie Rauchen und Alkohol
lich strahlenexponierten Personen keine nach­ oder sportliche Betätigung in der Freizeit ist um
weisbare Dosis auftritt. Dennoch wird im ein Vielfaches höher als durch die berufliche
­statistischen Mittel die mehr hypothetische Strahlenexposition.
jährliche Dosisbelastung aus beruflicher Strah­
lenexposition in der Medizin mit 1 mSv ange­
geben. E­ twas vereinfacht bedeutet das, dass die 3.2 Rechtsgrundlagen
Strahlenbelastung der MTRA in der Schwan­
kungsbreite der natürlichen Strahlenbelastung Es ist die Aufgabe des Strahlenschutzes, durch
liegt. geeignete Schutzmaßnahmen dafür zu sorgen,
Die Wirkung derartig kleiner Strahlen­ das mit der Anwendung von Röntgenstrahlen
dosen ist z. T. statistischer Natur, d. h. Strahlen­ verbundene Strahlenrisiko für Patienten, Perso­
folgen werden in einem großen Kollektiv nach nal und Umwelt so gering wie möglich zu hal­
dem Zufallsprinzip hervorgerufen. Jede ten. Eine Reihe von Gesetzen, Verordnungen
­Abschätzung der Strahlenfolgen ist mit einer und Richtlinien bilden die Rechtsgrundlagen
beträchtlichen Unsicherheit versehen. Eine für die Anwendung von Röntgenstrahlen in der
mögliche somatische Strahlenwirkung ist das Medizin. Durch die Neufassung der Euratom
Auftreten maligner Tumoren. In Deutschland von 2013 ändert sich auch das deutsche Strah­
stirbt jeder Fünfte an Krebs, d. h. das Risiko, an lenschutzrecht. Zum 31.12.2018 wird ein neues
Krebs zu sterben, beträgt 20%. Durch die beruf­ Strahlenschutzgesetz zum Schutz vor der schäd­
Strahlenschutz in der r­ adiologischen Diagnostik
23 3
lichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strah­ Strahlenexposition  Die Einwirkung ionisie­
lenschutzgesetz – StrlSchG) und die Strahlen­ render Strahlung auf den menschlichen Körper
schutzverordnung-StrlSchV in Kraft treten. Die wird als Strahlenexposition bezeichnet. Es wird
neue StrlSchV regelt u.a. die Anwendung von unterschieden zwischen der Ganzkörperexpo­
ionisierenden Strahlen auf den Gebieten der Ra­ sition und der Teilkörperexposition. Die Teil­
diologischen Diagnostik, Nuklearmedizin und körperexposition betrifft einzelne Organe,
Strahlentherapie. Die bisherigen Verordnungen Gewebe oder Körperteile. Beruflich strah­
­
(RöV und StrlSchV) sind ab dem 01.01.2019 lenexponiert sind Personen, die sich zwecks
nicht mehr gültig. Auf einige wichtige Punkte Durchführung von Röntgenuntersuchungen
soll im Folgenden eingegangen werden. im Strahlenbereich aufhalten. Medizinische
Strahlenexposition hingegen bezieht sich auf
Strahlenschutzverantwortlicher  Die Verant­ Patienten, die sich einer Röntgenuntersuchung
wortung für die Anwendung von Röntgen­ unterziehen.
strahlen trägt der Strahlenschutzverantwortli­
che (SSV). Der SSV muss keine Fachkunde im Strahlenschutzbereiche  In der Regel hält sich
Strahlenschutz besitzen, es kann eine juristi­ beruflich strahlenexponiertes Personal im
sche Person sein oder eine rechtsfähige Perso­ Überwachungsbereich auf. Der Grenzwert für
nengesellschaft. Personen für die effektive Dosis im Über­
wachungsbereich beträgt 1 mSv–6 mSv pro
Strahlenschutzbeauftragter  Der Strahlen­ ­Kalenderjahr (Kategorie B), während die effek­
schutzbeauftragte (SSB) muss Fachkunde im tive Dosis für den Kontrollbereich (Kategorie A)
Strahlenschutz besitzen. SSB werden vom SSV >6 mSv beträgt. Der Kontrollbereich ist nur
ernannt und sollten in ausreichender Zahl (ent­ Kontrollbereich bei eingeschalteter Röntgen­
sprechend den radiologischen Arbeitsplätzen in strahlung und muss eindeutig gekennzeichnet
einem Krankenhaus oder einer Praxis) einge­ sein mit „Kein Zutritt – Röntgen“. Der Aufent­
setzt werden. Der SSB ist für alle Fragen des halt im Kontrollbereich ist auf das erforderliche
Strahlenschutzes zuständig und organisiert in Mindestmaß an Zeit zu beschränken und die
enger Abstimmung mit dem SSV, Betriebsrat/ Einschaltzeit des Röntgenstrahlers so kurz­
Personalrat und Arbeitsschutz den Strahlen­ wie möglich zu halten. Ist der Aufenthalt im
schutz vor Ort. Dazu gehören beispielsweise ­die Kontrollbereich unumgänglich, sollte ein mög­
Organisation der Personendosimetrie, Bereit­ lichst großer Abstand zum Strahler eingehalten
stellung von Strahlenschutzmitteln wie Blei­ werden.
schürze und Hodenkapsel und die jährliche Un­
>>Die Intensität der Strahlung nimmt mit
terweisung im Strahlenschutz für das Per­sonal.
dem Quadrat der Entfernung (Abstands-
quadratgesetz) ab, somit ist Abstand der
Teleradiologie  Bei der Teleradiologie ist­
beste Strahlenschutz.
der verantwortliche Arzt mit Fachkunde im
Strahlenschutz nicht am Ort der technischen
Durchführung. Ein Arzt mit Kenntnissen im Grenzwerte (. Tab. 3.1)  Für beruflich strah­
Strahlenschutz erhebt die Anamnese für die lenexponiertes Personal darf die effektive Dosis
Röntgenuntersuchung und klärt die rechtferti­ von 20 mSv pro Kalenderjahr nicht überschrit­
gende Indikationen mithilfe elektronischer ten werden. Im Einzelfall kann die zuständige
­Datenübermittlung und Telekommunikation Behörde eine effektive Dosis von 50 mSv für ein
mit dem verantwortlichen Arzt ab. Die Durch­ Jahr zulassen, wobei für 5 aufeinander folgende
führung der Röntgenuntersuchung ist Aufgabe Jahre 100 mSv nicht überschritten werden dür­
der/des MTRA, sie/er ist verantwortlich für den fen. Die Berufslebensdosis ist die Summe aller
technischen Teil. Die Teleradiologie muss von ermittelten effektiven Dosen beruflich strah­
der zuständigen Behörde genehmigt werden. lenexponierter Personen und darf 400 mSv
24 A. Ohmstede

..Tab. 3.1  Grenzwerte für beruflich strahlenexponierte Personen im Kalenderjahr § 78 StrlschG

mSv mSv
Personen über 18 Jahre Personen unter 18 Jahre

Effektive Dosis 20 1
3 Organ-Äquivalentdosis
Augenlinse 20 15
Haut, Extremitäten 500 50
Gebärmutterdosis bei gebärfähigen Frauen 2 mSv/Monat
ungeborenes Kind 1 mSv1

1 Vom Zeitpunkt der Mitteilung der Schwangerschaft bis zu deren Ende, wöchentliche Messung

nicht überschreiten. Bei gebärfähigen Frauen schutz die rechtfertigende Indikation gestellt
darf die über einen Monat kumulierte Dosis hat. Andere Verfahren, mit vergleichbarem
von 2 mSv nicht überschritten werden. Es gibt ­gesundheitlichem Nutzen, die mit keiner oder
kein Tätigkeits- und Aufenthaltsverbot für geringerer Strahlenexposition für den Patien­
Schwangere im K ­ ontrollbereich. Mit ausdrück­ ten verbunden sind, sind bei der Abwägung zu
licher Genehmigung des SSB und der wöchent­ berücksichtigen. Die rechtfertigende Indika­
lichen Messung der Dosis an der Gebärmutter tion muss auch gestellt werden, wenn die An­
darf 1 mSv vom Zeitpunkt der Mitteilung bis forderung eines überweisenden Arztes vorliegt.
zum Ende der Schwangerschaft nicht über­ Die Vermeidung von unnötigen Strahlenexpo­
schritten werden. Für Personen unter 18 Jahren sitionen gehört zu den Strahlenschutzgrund­
gelten geringere Grenzwerte. sätzen.

Fachkunde im Strahlenschutz  Fachkunde im Technische Durchführung  Die technische


Strahlenschutz erwerben MTRA während der Durchführung von Röntgenaufnahmen obliegt
Ausbildung und weisen diese mit dem bestan­ der/dem MTRA. Dazu gehören Einstellen der
denen Examen nach. Ärzte mit der Erlaubnis technischen Parameter an der Röntgenanlage,
für das Gesamtgebiet der Röntgenuntersuchun­ Lagern des Patienten unter Beachtung der Ein­
gen oder Teilgebiete der Röntgenuntersuchun­ stelltechnik, Zentrieren und Begrenzen des
gen erwerben die Fachkunde im Strahlenschutz Nutzstrahls, Durchführen von Strahlenschutz­
durch gesonderte Kurse. Personen mit einer maßnahmen, Auslösen der Strahlung und die
medizinischen Ausbildung können Kenntnisse Beurteilung der Bildqualität.
im Strahlenschutz in speziellen Kursen erwer­
>>Das Stellen der rechtfertigenden Indika-
ben. Sie dürfen Röntgenuntersuchungen nur
tion, Erheben der Anamnese und die
unter ständiger Aufsicht und Verantwortung
­Befundung gehören ausdrücklich nicht
eines Arztes mit Fachkunde im Strahlenschutz
zu den Tätigkeiten der MTRA.
durchführen. Fachkunde und Kenntnisse im
Strahlenschutz müssen in einem 8-Stunden-
Kurs alle 5 Jahre aktualisiert werden. Personendosimetrie  Beruflich strahlenexpo­
nierte Personen unterliegen der gesetzlich vor­
Rechtfertigende Indikation   Röntgenstrah­ geschriebenen Personendosisüberwachung,
lung darf am Menschen nur angewendet wer­ d. h. sie tragen während ihrer Arbeit ein amt­
den, wenn ein Arzt mit Fachkunde im Strahlen­ liches Personendosimeter. Die Dosimeter wer­
Strahlenschutz in der r­ adiologischen Diagnostik
25 3
den unter der Schutzkleidung (Bleischürze) und Röntgenaufnahmen müssen 10 Jahre auf­
getragen und von amtlichen Messstellen ausge­ bewahrt werden. Für Personen, die das 18.
wertet. Bei Dosisüberschreitungen wird die zu­ Lebens­jahr noch nicht vollendet haben, müssen
ständige Behörde darüber informiert. Das Do­ die Unterlagen bis zum 28. Lebensjahr aufbe­
simeter wird in der Regel an der Vorderseite des wahrt werden. Zu den aufzubewahrenden Auf­
Rumpfes getragen. Die ermittelte Personendo­ zeichnungen gehören beispielsweise Angaben
sis entspricht der effektiven Dosis. Die zustän­ zur rechtfertigenden Indikation, Zeitpunkt und
dige Behörde kann im Einzelfall für ein einzel­ Art der Anwendung und der erhobene Befund.
nes Jahr eine effektive Dosis von 50 Millisievert Ebenso ist die Strahlenexposition des Patienten
zulassen, wobei in fünf aufeinander folgenden anzugeben, soweit sie erfasst worden ist, oder
Jahren insgesamt 100 Millisievert nicht über­ die zu deren Ermittlung erforderlichen Daten
schritten werden dürfen. Für Auszubildende und Angaben. Röntgenbilder und die Aufzeich­
und Studierende im Alter zwischen 16 und 18 nungen können auf einem Bildträger oder auf
Jahren kann die zuständige Behörde einen anderen Datenträgern aufbewahrt werden. Es
Grenzwert von 6 Millisievert im Kalenderjahr muss sichergestellt sein, dass sie während der
für die effektive Dosis und jeweils 150 Millisie­ Dauer der Aufbewahrungsfrist verfügbar sind
vert im Kalenderjahr für die Organ-Äquiva­ und jederzeit in einer angemessenen Zeit lesbar
lentdosis der Haut, der Hände, der Unterarme, gemacht werden können. Während der Aufbe­
der Füße und Knöchel zulassen, wenn dies zur wahrungszeit dürfen keine Informationsverän­
Erreichung des Ausbildungszieles notwendig derungen oder -verluste eintreten. Patienten
ist. Mit einem elektronischen Personendosime­ haben Anspruch auf einen Röntgenpass, in dem
ter kann die Dosis direkt abgelesen werden. Angaben zu Zeitpunkt und Art der Anwen­
Elektronische Personendosimeter sind zur dung, untersuchte Körperregion und zum un­
Überwachung nicht strahlenexponierter Per­so­ tersuchenden Arzt zu machen sind.
nen (Pflegepersonal oder Angehörige, die einen
Patienten während der Röntgenaufnahme hal­ Strahlenschutzvorkehrungen   Der Schutz
ten) geeignet. strahlenexponierter Personen vor Strahlung­
ist vorrangig durch bauliche oder technische
Unterweisung  Vor dem ersten Zutritt zu Vorrichtungen oder durch geeignete Arbeits­
e­inem Kontrollbereich ist das strahlenexpo­ verfahren sicherzustellen. Im Kontrollbereich
nierte Personal über die Arbeitsmethoden, die ist unbedingt Schutzkleidung zu tragen. Die
möglichen Gefahren, die anzuwendenden Si­ Strahlenschutzkleidung für beruflich strahlen­
cherheits- und Schutzmaßnahmen und die exponiertes Personal ist in der DIN 6857-2
­wesentlichen Inhalte der Röntgenverordnung ­geregelt. Die Strahlen­schutzkleidung und Ab­
zu unterweisen. Die Unterweisung ist mindes­ deckungen für Patienten bis 150 kV ergeben
tens einmal im Jahr zu wiederholen und kann sich aus der DIN EN 61331-3.
auch im Zusammenhang mit anderen arbeits­
>>Strahlenschutzschürzen schützen vor
schutzrechtlichen Vorschriften verbunden wer­
­ ekundär-(Streu-)Strahlung! Sie sind
S
den. Andere Personen, denen der Zutritt zum
kein ausreichender Schutz vor direkter
Kontrollbereich gestattet wird, sind ebenfalls
(Primär-)Strahlung.
über mögliche Gefahren und ihre Vermeidung
zu unterweisen. Inhalt und Zeitpunkt der Körperbereiche, die bei der Anwendung von
­Unterweisung sind zu dokumentieren, von den Röntgenstrahlen nicht von der Nutzstrahlung
Unterwiesenen zu unterzeichnen und 5 Jahre getroffen werden, sind von einer Strahlenexpo­
aufzubewahren. sition so weit wie möglich zu schützen.
Das strahlenexponierte Personal sollte sich
Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten  niemals leichtsinnig im direkten Strahlenkegel
Aufzeichnungen über Röntgenuntersuchungen aufhalten (z. B. um einen Patienten zu stützen
26 A. Ohmstede

oder eine Kassette zu halten). Kinder sollen


möglichst nicht vom strahlenexponierten Per­
sonal der Röntgenabteilung gehalten werden,
allenfalls von Angehörigen, die eine Strahlen­
schutzschürze tragen. Nicht zulässig ist, dass
der ­kleine Patient auf dem Schoß einer helfen­
3 den Person sitzt, die dadurch direkter Strahlung
ausgesetzt wird.
Für Patienten werden Pa­tientenschürzen,
Gonadenschürzen, Patientenschutzschilde zum
Schutz vor Streustrahlen mit einem Bleigewicht
von 0,4–0,55 mm gefordert. Zum Schutz vor
­direkter Strahlung ist zur Gonadenabdeckung
(Hoden- und Ovarienschutz) ein Bleigleichwert
von mindestens 1 mm Vorschrift.
Bei jeder Anwendung von Röntgenstrahlen
am Menschen muss mit Sorgfalt vorgegangen
werden und die besonderen Schutzmaß­
nahmen für Keimdrüsen, Leibesfrucht, Klein­
kinder und Säuglinge beachtet werden.
Auf sorgfältige Einblendung bei allen Rönt­
genuntersuchungen, nicht nur im Kindesalter,
Abdeckung der Gonaden im Kindes-, zeu­
gungs- und gebärfähigen Alter ist unbedingt zu
achten.
>>Jede Einblendung vermindert das Dosis-
flächenprodukt und damit die Knochen-
markdosis!
27 4

Qualitätssicherung und
­Konstanzprüfung
A. Ohmstede

4.1 Qualitätssicherung  – 28

4.2 Konstanzprüfung  – 28

4.3 Ärztliche Stellen  – 29

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_4
28 A. Ohmstede

4.1 Qualitätssicherung Die aktuellen gesetzlichen Grundlagen für die


Qualitätssicherung im Bereich der bildgebenden
Die Qualitätssicherung von Röntgeneinrich- Diagnostik sind die in das deutsche Normen-
tungen zur Untersuchung am Menschen wird werk übernommenen Europäischen Normen
durch den § 105 der StrlSchV definiert. Die (DIN EN 61223-3-1ff.) sowie die Normenreihe
Durchführungsbestimmungen ergeben sich DIN 6868 „Sicherung der Bildqualität in rönt-
aus der Qualitätssicherungsrichtlinie (QS-RL) gendiagnostischen Betrieben“.
und der Sachverständigenrichtlinie (SV-RL).
4 Bei Röntgeneinrichtungen zur Unter­
suchung von Menschen ist vor der Inbetrieb- 4.2 Konstanzprüfung
nahme und nach jeder Änderung, die die
Bildqualität beeinflusst oder die Exposition der Vom Anwender muss in regelmäßigen Abstän-
Strahlung erhöhen könnte, eine Abnahmeprü- den, mindestens jedoch monatlich, eine Kon­
fung durch den Hersteller oder Lieferanten stanzprüfung durchgeführt werden. Ziel der
durchzuführen. Das Ergebnis der Abnahme- Konstanzprüfung ist die Feststellung, ob reprä-
prüfung ist zu dokumentieren. Zu den Auf- sentative Parameter, die die Bildgüte und die
zeichnungen gehören Prüfkörperaufnahmen Strahlenexposition beschreiben, innerhalb der
und ihre visuelle und messtechnische Auswer- zulässigen Toleranzen der Bezugswerte liegen.
tung. Integraler Bestandteil jeder Abnahme- Der Strahlenschutzverantwortliche darf zur
prüfung ist die Definition von Bezugswerten Durchführung der Konstanzprüfungen nur
für die Konstanzprüfung (s. u.). Personen beauftragen, die im Besitz der Fach-
Nach erfolgter Abnahmeprüfung ist vor der kunde im Strahlenschutz sind. Konstanzprü-
Inbetriebnahme durch den Strahlenschutzver- fungen müssen an allen Komponenten der
antwortlichen eine Sachverständigenprüfung zu Bilderzeugung, -verarbeitung, -übertragung
­
veranlassen. Bei wesentlichen Änderungen ent- und -wiedergabe vorgenommen werden. Die
sprechend SV-RL spätestens aber nach 5 Jahren Ergebnisse der Konstanzprüfungen sind aufzu-
muss sich ein Sachverständiger vergewissern, zeichnen. Zur Dokumentation gehören die
dass die sicherheitstechnischen Funktionen Aufnahmen der Prüfkörper, die Protokollie-
und der Strahlenschutz eingehalten werden. rung der visuellen und rechentechnischen Aus-
Wesentliche Änderungen entsprechend der wertung der Bilder sowie aller gemessenen
SV-RL können sein: ­Parameter (Dosis, Dosisleistung, Leuchtdichte,
55Austausch der gesamten Röntgeneinrich- optische Dichte). Alle betrachteten Größen
tung müssen mit den Bezugswerten der Abnahme-
55Änderung des Aufstellungsortes stationä- prüfung korreliert werden. Entspricht die
rer Systeme erforderliche Bildgüte, die Strahlenqualität
­
55Austausch des Röntgenstrahlers, wenn der oder -exposition nicht den zulässigen Toleran-
neue Strahler nicht bauartzugelassen bzw. zen, ist unverzüglich die Ursache zu ermitteln
nicht CE-gekennzeichnet ist oder eine Er- und zu beseitigen.
höhung der Röhrenspannung ermöglicht Die Aufzeichnungen der Konstanzprüfung
55Austausch des Schaltgeräts oder Generators sind mindestens 2 Jahre, die der Abnahme­
55bauliche Veränderungen prüfung 10 Jahre aufzubewahren und der zu-
55Änderung der Betriebsdaten ständigen Behörde bzw. der Ärztlichen Stelle
55Änderung der Aufenthalts- oder Arbeits- auf Verlangen vorzulegen. Der Gesetzgeber
plätze innerhalb des Röntgenraums, soweit gestattet die digitale Archivierung aller in der
es den Kontrollbereich betrifft Röntgendiagnostik erzeugten Bilder entspre-
55Film- und/oder Folienwechsel chend der DIN 6878-1.
55Umstellung auf digitale Bildempfänger Die Qualität einer Röntgenaufnahme wird
55Wechsel der digitalen Bildempfänger bestimmt von den Aufnahmeparametern, den
Qualitätssicherung und ­Konstanzprüfung
29 4
Eigenschaften des Detektorsystems und des Komponente zuzuordnen und schnellstmög-
­Patienten, der Bildnachverarbeitung, dem Bild- lich optimale Maßnahmen zu ergreifen.
wiedergabesystem und den Betrachtungs­ Bildwiedergabegeräte müssen vom Strah-
bedingungen. Somit ist eine Konstanzprüfung lenschutzverantwortlichen entsprechend ihres
nur dann sinnvoll, wenn alle prüffähigen Kom- Einsatzes für die Befundung bzw. Betrachtung
ponenten kontrolliert werden. gekennzeichnet werden. Alle Monitore von
Die Bildgüte bestimmenden physikalischen Bildarbeitsplätzen haben die nichtlineare
Parameter sind die Orts- und Kontrast­auf­ ­Graustufenwahrnehmung des menschlichen
lösung, der Graustufenumfang sowie Artefakte. Sehvorgangs zu berücksichtigen. Somit muss
Diese Parameter müssen Bestandteil j­eder die Monitorkennlinie (Grauwertwiedergabe)
Komponente der Konstanzprüfungskette s­ ein. nach DICOM erfolgen. Die Wahrnehmung der
Konstanzprüfung der Projektionsradio­ Bildschärfe hängt in großem Umfang von der
graphie mit Film-Folien-Systemen wird durch Anpassung des Auges an die Helligkeit ab
die DIN 6868-3 definiert. Im Rahmen dieser (Adaptation). Aus diesem Grund sind der
­
Prüfung sind folgende Parameter zu ermitteln: Leuchtdichteumfang des Monitors sowie die
55Dosis Umgebungshelligkeit von entscheidender Be-
55Optische Dichte deutung. Im Rahmen der Konstanzprüfungen
55Ortsauflösung nach DIN 6868-157 wird die minimale und
55Kontrastauflösung maximale Leuchtdichte bestimmt. Angaben
55Abweichungen zwischen Licht- und Nutz- zum Messprotokoll 7 Kap. 9.
strahlenfeld
55Artefakte
4.3 Ärztliche Stellen
Nach einer Abnahmeprüfung der Entwick-
lungsmaschine durch den Hersteller werden Die Qualitätssicherung bei der Anwendung
zur Sicherung der Bildqualität in röntgendia­ von Röntgenstrahlung am Menschen regelt
gnostischen Betrieben arbeitstägliche Qualitäts- § 117 StrlSchV. Die jeweils zuständige Behörde
kontrollen in der Filmverarbeitung gefordert: eines Bundeslandes bestimmt ärztliche Stellen,
Mithilfe eines Sensitometers, durch das ein die Prüfungen durchführen, mit denen sicher-
­Stufenkeil auf einen Röntgenfilm aufbelichtet gestellt wird, dass bei der Anwendung von
wird, und eines Densitometers, das der Messung Röntgenstrahlung am Menschen die Erforder-
der optischen Dichte dient, werden Empfind- nisse der medizinischen Wissenschaft beachtet
lichkeitsindex, Kontrastindex und Grund- werden und die angewendeten Verfahren und
schleier ermittelt und auf einem Formblatt eingesetzten Röntgeneinrichtungen den nach
­festgehalten. dem Stand der Technik jeweils notwendigen
Die Konstanzprüfung der Röntgenanlage Qualitätsstandards entsprechen, um dessen
mit digitalem Bildempfänger (Speicherfolie, Strahlenexposition so gering wie möglich zu
Flachdetektor) beschreibt die DIN 6868-13. halten. In der Regel sind die ärzt­lichen Stellen
Der Verlust der Dosis-Schwärzung-Beziehung bei den Landesärztekammern angesiedelt. Die
erfordert zusätzliche Prüfparameter: Durchführungsbestimmungen sind in der
55Dosisindikator Richtlinie zur Qualitätssicherung durch
55Pixelwerte oder Leuchtdichte ärztliche und zahnärztliche Stellen geregelt.
Grundsätzlich ist die Strahlenexposition
Der Einsatz der Speicherfolientechnik erfordert der Patienten so gering wie möglich zu halten
zusätzliche Messungen gemäß QS-RL, um die und alle Qualitätssicherungsmaßnahmen ein-
Ausleseeinheit und die Qualität der Speicher­ zuhalten. In festgelegten Zeitabständen fordert
folien zu beurteilen. Nur auf diese Art ist es die ärztliche Stelle geräte- und patientenbezo-
möglich, die Reduktion der Bildqualität einer gene Unterlagen an. Überprüft werden
30 A. Ohmstede

55die rechtfertigende Indikation,


55die erforderlichen Qualitätsstandards bei
medizinischen Strahlenanwendungen,
55Aufzeichnungen über Strahlenanwendun-
gen sowie formale Anforderungen an den
Befund,
55Bilddarstellungs-, Bildbearbeitungs- und
Auswertemethoden einschließlich Doku-
4 mentation,
55die Einhaltung der diagnostischen Refe-
renzwerte des Bundesamtes für Strahlen-
schutz,
55die Qualitätssicherung der Röntgenein-
richtungen nach Stand von Wissenschaft
und Technik,
55die Umsetzung von Verbesserungsvor-
schlägen zu Optimierungsmaßnahmen,
mit dem Ziel, die Strahlenexposition zu
senken.

Die primäre Aufgabe der Ärztlichen Stelle ist


eine Begutachtung und Überprüfung der in der
Richtlinie festgelegten Kriterien, aber auch Be-
ratung der Strahlenschutzverantwortlichen.
Sollte es zu Verstößen gegen den Strahlenschutz
kommen oder wesentliche Empfehlungen zur
Optimierung der Qualität nicht befolgt werden,
muss die Ärztliche Stelle die zuständige Lan-
desbehörde informieren. Die Landesbehörden
haben Vollzugsgewalt und können beispiels-
weise Bußgeld erheben oder auch den Betrieb
einer Anlage entziehen.
31 5

Physikalische Grundlagen
der Röntgentechnik
A. Ohmstede

5.1 Schwächung von Röntgenstrahlen  – 32

5.2 Zentralprojektion  – 34

5.3 Abstandsquadratgesetz  – 35

5.4 Direktradiographische ­Vergrößerung  – 36

5.5 Kontaktaufnahme und N


­ ahdistanzaufnahme  – 37

5.6 Brennfleck und B


­ rennflecknennwert  – 40

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_5
32 A. Ohmstede

Diese Aufstellung soll weder ein physikalisches


noch ein aufnahmetechnisches Kapitel sein,
sondern lediglich die/den MTRA an einige
Grundregeln erinnern, die auch über das
­Examen hinaus ihre Bedeutung für die Praxis
behalten.

5.1 Schwächung von Röntgen-


strahlen
5
Röntgen selbst stellte bereits klar, dass die
Schwächung von Röntgenstrahlen in der Mate­
rie einerseits auf Absorption, andererseits auf
Streuung beruht.
..Abb. 5.1  Das Strahlungsrelief zeigt unterschiedli-
Röntgenstrahlen entsprechen einer Mi­
che „Stufenhöhen“ gegenüber der gleichmäßigen
schung von harten bis weichen Strahlen. Grei­ Treppe des Objekts bei Durchtritt von Röntgenstrah-
fen wir aus dieser Mischung nur ein Bündel von lung (1–5), da die monochromatische Strahlung je-
Röntgenstrahlen einer genau festgesetzten Wel­ weils nur um den gleichen Bruchteil geschwächt wird
lenlänge (monochromatische Strahlung) heraus
und durchdringen damit ein Objekt, so werden
die Röntgenstrahlen geschwächt, und zwar bei
einer dicken Schicht stark, bei einer dünnen
­wenig. Die Schwächung von Röntgenstrahlen
hängt also von der Dicke eines Objekts ab.
Die Schwächung der Röntgenstrahlen steht
jedoch nicht in einer einfachen Proportionali­
tät zur Objektdicke, wie aus . Abb. 5.1 hervor­
geht. Während die Größenzunahme der­
Stufen 1–4 des Objekts gleich groß ist, sind die
Stufen des resultierenden Reliefs (Strahlenpro­
fil) in ihrer Höhe unterschiedlich: Von 1 nach 2
ist die Stufe höher als von 3 nach 4. Die Höhe der
Stufe nimmt zwar kontinuierlich ab, je dicker
das Objekt wird; aber die Schwächung beträgt
von Stufe zu Stufe stets nur den gleichen, für die
Strahlung charakteristischen Bruchteil. Beträgt
also z. B. die Höhe der 1. Stufe 16 Einheiten und
der charakteristische Bruchteil 1/4, so beträgt
die Höhe der 2. Stufe noch 4 Einheiten, die der
3. Stufe 1 Einheit, der 4. Stufe 1/4 Einheit.
Röntgenstrahlen werden also beim Durch­ ..Abb. 5.2  Beschickt man ein Objekt mit (mono-
gang durch Materie geschwächt. Harte Rönt­ chromatischer) Röntgenstrahlung (1–6), so wird ein
genstrahlen (hohe Spannung [kV]) werden weiches Strahlenbündel einen starken Kontrast geben,
weniger, weiche (niedrige Spannung) ungleich da es nur Strahl 1 und 2 gelingt durchzudringen. Ein
hartes Strahlenbündel dringt bis 5 durch und ergibt
mehr geschwächt. Der resultierende Strahlen­ feinere Nuancen, aber ein kontrastärmeres Bild
kontrast des sog. Strahlenreliefs ist somit ver­
schieden (. Abb. 5.2).
Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik
33 5
von Silber, von Silber stärker als von Kupfer,
von Kupfer stärker als von Eisen, von Eisen
stärker als von Aluminium, von Aluminium
stärker als von Sauerstoff. Röntgenstrahlen
werden z. B. von Barium und von Jod relativ
stark geschwächt und Knochen schwächen
Röntgenstrahlen stärker als Weichteile.
Weiche Strahlung wird vom Objekt stark
absorbiert, harte Strahlung dagegen stark ge­
streut. Die Streuung ist im Verhältnis zur Ab­
sorption aber auch um so höher, je geringer die
oben erwähnte Dichte der schwächenden Sub­
stanz ist. Aluminium oder Weichteilgewebe
streuen stark. Wie sich die Streuung auswirkt,
..Abb. 5.3  Die Röntgenstrahlen 1–5 ergeben bei
demonstriert . Abb. 5.4.
gleich dicken, aber verschieden dichten Objekten ein
stark unterschiedliches Strahlenrelief, z. B. Strahl 2 bei >>Ein Röntgenbild ist das Ergebnis von
Aluminium, 3 bei Eisen, 4 bei Blei, 1 und 5 bei Luft
­ bsorptionsdifferenzen, die sich aus der
A
Dicke, der Dichte und der Ordnungszahl
der durchstrahlten Gewebe ergeben.
Röntgenstrahlen werden beim Durchgang
Eine optimale Objektwiedergabe ist nur
durch Materie umso mehr geschwächt, je höher
bei der Strahlenqualität gegeben, bei
das Atomgewicht des durchstrahlten Objekts
der ein günstiges Strahlenrelief entsteht.
ist. Besteht ein Objekt aus verschiedenen Sub­
Das Strahlenrelief oder Strahlenbild ist
stanzen, nebeneinandergereiht und alle gleich
die Gesamtheit der aus dem Körper aus-
dick, so werden die Röntgenstrahlen im Gebiet
tretenden Strahlungsintensitätsunter-
von Substanzen großer Dichte oder hoher
schiede.
­Ordnungszahl stärker geschwächt als bei Sub­
stanzen geringer Ordnungszahl und geringer . Abb. 5.5 zeigt die bildmäßige Darstellung
Dichte1 (. Abb. 5.3); z. B. von Blei stärker als ­eines Strahlenreliefs.

>>Um ein kontrastreiches Röntgenbild zu


1 Ordnungszahl und Dichte sind zwar beides Schwä-
chungsfaktoren, haben aber nichts miteinander erhalten, wird die Spannung (Härte der
zu tun. Strahlung) objektbezogen gewählt:

..Abb. 5.4  Weiche Röntgenstrahlen (1–7) werden tengrenze der stark geschwärzten Stelle in der Film-
stark absorbiert, das Bild wird kontrastreich. Harte mitte ist wegen der Streustrahlung nicht so scharf wie
Röntgenstrahlen (8–14) werden stark gestreut. Der bei der Verwendung weicher Strahlung
Bildkontrast ist dementsprechend schwach. Die Schat-
34 A. Ohmstede

5
a
..Abb. 5.5  Vom Brennfleck (F) ausgehendes Rönt-
genstrahlenbündel (R) und durch die Objektform (O)
hervorgerufenes Strahlenrelief (SR)

­ ünnes Objekt – unterer Spannungsbe-


D
reich, dickes Objekt – oberer Spannungs-
bereich (Hartstrahltechnik).

Das gleiche Objekt kann sich, abhängig von sei­


ner Stellung im Raum, verschieden im Relief
und in der Kontrasttiefe, also der Filmschwär­
zung, abbilden. . Abb. 5.6 zeigt das Strahlen­
relief eines Metallstabs, das je nach dessen Stel­
b
lung verschieden ausfällt.
Es sei auch an die Projektionsstudie von
Stieve erinnert, der bildlich demonstrierte, dass
man von einem kegelförmigen, von einem
­zylindrischen Objekt und ebenso von einem
Ball bei geeigneter Projektion röntgenologisch
ein absolut gleiches Bild erzielen kann.

5.2 Zentralprojektion

In der Radiologie haben alle abzubildenden


Objekte eine räumliche Ausdehnung. Daher
gilt: Details, die im Bereich des Zentralstrahls c
liegen (bei nicht gekippter Röhre), werden
ohne Verzeichnung abgebildet. Der Zentral- ..Abb. 5.6a–c  Strahlenrelief (SR) eines Metallstabs
(O) bei verschiedenen Stellungen in dem vom Brenn-
strahl verläuft als Achse des Strahlenbündels fleck (F) ausgehenden Röntgenstrahlenbündel (R).
durch die Mitte des Strahlenaustrittfensters ­Tiefe und Randzone der Reliefmulde entsprechen der
(DIN 6814, Teil 9, s. auch röntgenologische Stellung des Stabs
Standardprojektionen, 7 Kap. 12).
Ein runder Körper bildet sich also
nur bei Zentralprojektion rund ab (. Abb. 5.7a),
Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik
35 5

a b

..Abb. 5.7a,b  Abbildung einer Kugel (O) in dem genbild (B). a Der Zentralstrahl fällt senkrecht auf den
vom Brennfleck (F) ausgehenden Röntgenstrahlen- Bildempfänger und bildet die Kugel kreisrund ab. b In
bündel (R) als Strahlenrelief (SR) bzw. auf einem Rönt- Schrägprojektion wird die Kugel oval abgebildet

bei schräg auffallendem Strahlenbündel dage­ 5.3 Abstandsquadratgesetz


gen oval verzeichnet (. Abb. 5.7b). Daraus ist
abzuleiten, dass zur richtigen Projektion der Für die Radiologie ist das Abstandsquadratge­
Zentralstrahl durch die Objektmitte gehen und setz von fundamentaler Bedeutung. Die Inten­
senkrecht auf dem Bildempfänger auftreffen sität der Strahlung und damit ihre bildgebende
muss. Er trifft damit auch, was ebenso wichtig Wirkung nimmt, genau wie bei Lichtstrahlen,
ist, senkrecht auf das Streustrahlenraster. Folg­ mit dem Quadrat der Entfernung ab, d. h. eine
lich sind Patienten, bei denen eine Untersu­ Aufnahme in 2 m Entfernung (Brennfleck zu
chung in Schrägprojektion vorzunehmen ist, Film) benötigt nicht nur die doppelte Belich­
prinzipiell schräg zu lagern; nur in Ausnahme­ tung gegenüber der Aufnahme in 1 m Abstand,
fällen soll der Zentralstrahl durch Kippen der weil der FBA (Fokus-Bildempfänger-Abstand)
Röntgenröhre schräg einfallen. Wo möglich, doppelt so groß ist, sondern eine 4-fache Be­
kann die Zentralprojektion bei angestellten lichtung (22=2×2=4).
Aufnahmen dadurch hergestellt werden, dass Viele Fehlbelichtungen resultieren daraus,
sich Röntgenröhre und Bildempfänger parallel dass statt einer vorgeschriebenen Distanz, z. B.
gegenüberstehen. von 1 m, ein leicht veränderter Abstand von z. B.
140 cm genommen wurde: Dies reicht aber be­
>>Eine Projektion ist die Abbildung eines reits nicht mehr zur guten Belichtung aus. Eine
Körpers z. B. durch zentrale Strahlung graphische Darstellung der Ergebnisse des Ab­
auf eine Ebene. Alles, was im Bereich des standsquadratgesetzes kann dies veranschauli­
senkrecht auf den Bildempfänger auf- chen (. Abb. 5.8 und . Abb. 5.9).
treffenden Zentralstrahls liegt, wird ohne Der Fokus-Bildempfänger-Abstand (FBA)
Verzeichnung abgebildet. muss genau eingehalten werden. Für Rasterauf-
36 A. Ohmstede

..Abb. 5.8a,b Abstandsquadratge-
setz. a Alle Röntgenstrahlen treffen auf
das Objekt mit dem Fokusabstand r1. ­
b Auf das Objekt mit dem größeren
Abstand (r2) trifft nur ein Teil der Strah-
len; die Intensität nimmt ab

nahmen zur ­größenrichtigen Darstellung z. B.


zur OP-­Planung in der Kiefer- und Gesichts­
chirurgie.
Übertischaufnahmen werden mit einem
FBA von 1 m angefertigt. Begründung: Bei­
FBA =100 cm und einem Brennflecknennwert
von 1 ergibt sich eine geometrische Unschärfe
von ca. 0,2 mm.
Da es bei der Übertischaufnahmetechnik
normalerweise keinen Objekt-Bildempfänger-
Abstand auszugleichen gilt, bietet eine Ver­
größerung des FBA keinen Vorteil. Aus einer
Distanzvergrößerung resultiert nur eine Ver­
längerung der Belichtungszeit (erhöhte Strah­
lenbelastung).
Wird aus irgendeinem Grund eine andere
Distanz gewählt, kann man sich am Belichtungs­
..Abb. 5.9  Ändert sich der Abstand zu einer Strah- punktesystem (BLP) orientieren (. Tab. 5.1).­
lenquelle, dann ändert sich die Strahlenintensität im 1 BLP ist der Logarithmus aus der Belichtung
Quadrat des Abstands, weil mit der gleichen Dosisleis-
(I·t); 1 BLP=0,1, log (I×t).
tung die 4-fache Fläche belichtet wird
Eine Erhöhung bzw. Verringerung des FBA
um 10 cm bedeutet 1 BLP mehr bzw. weniger.
nahmen unter Tisch oder am Rasterwandstativ Eine Verdoppelung bzw. eine Halbierung des
gilt ein Abstand von 1,15 m. Dieser Abstand FBA muss mit 6 BLP korrigiert werden.
erklärt sich aus dem normalen Fokus-Bildemp­
fänger-Abstand von 1 m plus des Ausgleichs für
den größeren Objekt-Bildempfänger-Abstand 5.4 Direktradiographische
von ca. 15 cm, der durch die Rasteraufnahme­ ­Vergrößerung
technik zustande kommt. Eine Ausnahme
­bilden Lungenaufnahmen mit einem FBA von Je kleiner der Brennfleck der Röntgenröhre ist,
2 m, Herzfernaufnahmen mit einem FBA von umso günstiger wird die Verhältniszahl des
3 m (Teleaufnahme) sowie weitere Fernauf­ Schärfeindex. Es gibt Feinstfokusröhren mit
Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik
37 5

..Tab. 5.1 Belichtungspunktesystem

FBA (m) 0,50 0,55 0,65 0,70 0,80 0,90 1,00


BLP –6 –5 –4 –3 –2 –1 ±0
FBA (m) 1,00 1,10 1,25 1,40 1,60 1,80 2,00
BLP ±0 +1 +2 +3 +4 +5 +6

e­ iner fast punktförmigen Strahlenquelle und unscharfen Bildern führt. Die Abhängigkeit des
einem Schärfeindex von rund 2:1. Schärfeindex von der Brennfleckgröße hat An­
Ein 0,3-mm-Brennfleck gestattet es, alles, lass zu anderen Aufnahmetechniken gegeben.
was innerhalb der bildempfängernahen Hälfte
des FBA liegt, scharf abzubilden. Er erlaubt
dementsprechend auch, ein Objekt, das 5.5 Kontaktaufnahme und
üblicher­weise dem Bildempfänger angelagert ­Nahdistanzaufnahme
aufgenommen werden muss, vom Bildempfän­
ger wegzurücken, bis zur Mitte zwischen Das Prinzip der Kontaktaufnahme ist aus
Brennfleck und Bildempfänger: Dabei wird es . Abb. 5.12 zu entnehmen. Sie wurde z. B. bei
nicht nur scharf gezeichnet dargestellt, sondern Aufnahmen des Kiefergelenkes nach Parma
auch auf das Doppelte vergrößert (. Abb. 5.10 und des Brustbeins angewandt.
und . Abb. 5.11).
>>Die Kontaktaufnahme ist wegen der ho-
Bei Verwendung des Feinstfokus sind lange
hen Strahlenbelastung der Haut nicht
Belichtungszeiten erforderlich. Heute gibt es
mehr zulässig. Sie wird hier lediglich zum
Feinstfokusröhren mit einem optischen Brenn­
besseren Verständnis der Aufnahmegeo-
fleck von 0,03–0,2 mm Kantenlänge, die Anwen­
metrie noch gezeigt.
dung in der Vergrößerungsangio- und -mam­
mographie finden. Es darf nicht übersehen wer­ Bei der Nahdistanzaufnahme wird im Gegen­
den, dass eine übertriebene Vergrößerung zu satz zur Kontaktaufnahme ein möglichst klei­

a b
..Abb. 5.10a,b  Vergrößerungsdarstellung eines Ob- größertes, jedoch unscharfes Bild. b Nur der Feinst­
jekts. a Mit üblichem Brennfleck erhält man ein ver­ fokus erlaubt die direkte Vergrößerung
38 A. Ohmstede

..Abb. 5.11a–c Röntgenvergrößerungsstudie. a Die Stahlwolle wurde


a
bei großem FBA und bildempfängernah aufgenommen. b Die Stahlwolle
lag in der Mitte zwischen Fokus und Bildempfänger, wurde aber mit
­großem Fokus aufgenommen. c Die Anordnung (b) wurde beibehalten,
es kam aber ein Feinstfokus zur Verwendung, wodurch eine Vergröße-
rung auf das Doppelte (wie bei b), jedoch bei hoher Bildschärfe resultiert

5
b c

ner Brennfleck benutzt (z. B. 0,3 mm), um eine Objektdetails noch gut beurteilbar abgebildet.
gute Detailerkennbarkeit und eine scharfe Durch die unterschiedlichen Vergrößerungs­
­Abbildung zu ermöglichen. Der FBA ist bei faktoren von bildempfängernahen und bild­
­bildempfängernaher Lagerung des aufzuneh­ empfängerfernen Elementen erleichtert die
menden Objekts nicht so klein wie bei der Kon­ Nahdistanzaufnahme bei der Wiedergabe kom­
taktaufnahme. Dadurch werden sowohl bild­ plizierter, sich vielfach überlagernder Struktu­
empfängernahe als auch bildempfängerferne ren oft die Zuordnung und Lokalisation.
Physikalische Grundlagen der Röntgentechnik
39 5

a b c

..Abb. 5.12a–d  Prinzip einer Kontaktaufnahme. a, b bildempfänger- und damit objektnahem Brennfleck
Ein bildempfängernahes Objekt (On), das sich inner- (nB) sogar ein überaus stark vergrößertes, aber kon­
halb der Schärfegrenze (↓) befindet, ergibt auf dem trastarmes, damit kaum sichtbares, verwaschen un-
Bildempfänger (B) ein kontrastreiches und relativ scharfes Bild (d), also keine reale Abbildung mehr. Aus
scharfes Bild sowohl bei bildempfängerfernem Brenn- a–d geht also hervor, dass bei kleinem FBA, wenn der
fleck (bB) wie in a als auch bei bildempfängernahem Brennfleck ganz nahe an das Objekt herangebracht
Brennfleck (bB) wie in b, c. Ein bildempfängerfernes wird (Kontaktaufnahme), nur unmittelbar bildemp-
Objekt (Ob) ergibt bei bildempfängerfernem Brenn- fämgernahe Bezirke bildlich dargestellt werden (b), im
fleck (bB) ein vergrößertes und unscharfes Bild und bei Gegensatz zu bildempfängerfernen (d)
40 A. Ohmstede

5.6 Brennfleck und


­Brennflecknennwert

Mitentscheidend für die geometrische Un­


schärfe ist die Größe des optisch wirksamen
Brennflecks. Den Begriff „Brennfleck“ ver­
anschaulicht . Abb. 5.13. Brennflecke werden
folgendermaßen definiert (DIN 6814):
55Der elektronische Brennfleck ist die
Schnittfläche des Elektronenstrahlenbün­
..Abb. 5.13 Brennfleck
5 dels mit der Anodenoberfläche.
55Der thermische Brennfleck ist der vom
Elektronenstrahlenbündel getroffene Teil
der Anodenoberfläche. Bei Fest- oder
Stehanoden sind thermischer und elektro­
nischer Brennfleck identisch. Bei Dreh­
anodenröhren entsteht eine Brennfleck­
bahn.
55Der optische Brennfleck oder „Brennfleck“
ist die rechtwinklige Parallelprojektion des
elektronischen Brennflecks auf eine zum
Zentralstrahl senkrechte Ebene.
55Der optisch wirksame Brennfleck ist die
Projektion des Brennflecks auf die Bildauf­
fangebene. Der Brennflecknennwert ist als
Produkt der Nennwerte für Brennfleck­
breite und Brennflecklänge anzugeben
(z. B. 1,0×1,0). Sind beide Nennwerte
gleich groß (quadratischer Brennfleck), so
genügt eine Zahlenangabe.
55Der Fokus ist der Mittelpunkt des elektro­
nischen Brennflecks und der Zentralstrahl
der vom Fokus ausgehende, durch die
­Mitte des Strahlenaustrittsfensters verlau­
fende Strahl.
55Das Nutzstrahlenbündel ist die Gesamtheit
der vom elektronischen Brennfleck ausge­
henden Strahlen.
41 6

Faktoren, die die Röntgen-


bildqualität bestimmen
A. Ohmstede

6.1 Spannung = Strahlenqualität  – 42


6.1.1 Hartstrahltechnik  – 44
6.1.2 Weichstrahltechnik  – 44

6.1 Röhrenstrom = Strahlenquantität  – 44


6.1.1 Änderung der Spannung  – 47
6.1.2 Änderung des mAs-Produkts  – 47

6.2 Belichtungsautomatik  – 47

6.3 Streustrahlenraster  – 48

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_6
42 A. Ohmstede

Überbelichtete, zu dunkle Aufnahmen ebenso Bei niedriger Spannung überwiegt die


wie unterbelichtete, zu helle Aufnahmen sind ­ bsorption und bei hoher Spannung die
A
eine diagnostische Fehlerquelle und müssen bei ­Streuung.  Die weichen Strahlen werden vom
rechtfertigender Indikation wiederholt werden. Ge­webe stark absorbiert, d. h. geschwächt oder
Folgende Komponenten bestimmen die gänzlich „geschluckt“. In einem mäßig di-
Aufnahmequalität: cken  Körper verschwinden sie hauptsächlich
55Spannung (kV) – verantwortlich für die durch Absorption und nur wenigen harten
Strahlenqualität (Härte der Strahlung, Strahlen gelingt es, den ganzen Körper zu
Durchdringungsfähigkeit) durch­dringen.
55mAs-Produkt (Produkt aus Belichtungszeit Objekte mit stark unterschiedlichen Ord-
[s] und Röhrenstrom [mA] – verantwort- nungszahlen und damit stark unterschiedlicher
lich für die Strahlenquantität (Menge der Schwächung im Objekt ergeben gute Kontraste.
Strahlung) Auch Stoffe unterschiedlicher Dichte ergeben
6 55Abstand des Bildempfängers vom Brenn- einen guten Kontrast. Im menschlichen Körper
fleck (Fokus-Bildempfänger-Abstand = gibt es – vereinfacht dargestellt – nur 3 große
FBA) und des Objekts zum Bildempfänger Dichtegruppen:
(7 „Abstandsquadratgesetz“, 7 Kap. 5.2) 55Knochen
55Weichteile
Neben diesen 3 Hauptkomponenten spielen 55Luft
noch andere Faktoren eine Rolle:
55Art des Röntgengenerators und der Röhre Zwischen diesen einzelnen Dichtegruppen sind
(Anodenart und Brennfleckgröße) die Kontraste sehr gut. Innerhalb dieser Dich-
55Netzspannungsabfall im Gerät tegruppen sind keine großen Schwächungs­
55Blenden, Streustrahlenraster, Tubus und differenzen zu erwarten. Die Knochen-Weich-
Filter teil-Kontraste ergeben sich in erster Linie durch
die verschiedenen Ordnungszahlen. Die
Weichteil-Luft-Kontraste beruhen auf der un-
6.1 Spannung = Strahlenqualität terschiedlichen Dichte.
Bei Anwendung einer niedrigen Röhren-
Die Spannung ist maßgebend für die Strahlen- spannung (kV), d. h. weicher Strahlung, sind
qualität. Sie ist auf dem Schalttisch an einer die Absorptionsunterschiede im Objekt groß.
­kV-Skala direkt einzustellen. Mit der Spannung Das bedeutet, dass bei niedriger Spannung die
regelt man die Härte der Röntgenstrahlen, d. h. Kontraste im Röntgenbild hoch sind. Hiervon
ihre Fähigkeit, ein Objekt zu durchdringen wird bei der Mammographie Gebrauch ge-
(. Abb. 5.13). Weiche Strahlen erhält man mit macht. Die Spannung darf aber nie so gering
niedriger Spannung; hohe Spannung bewirkt sein, dass die gesamte Strahlung im Objekt ab-
harte Strahlen. sorbiert wird.
Bei hoher Röhrenspannung (kV), d. h. har-
> 55 Weiche Strahlen: niedrige Spannung
ter Strahlung, wird das Strahlenrelief hinter
= wenig durchdringend, langwellig
dem Objekt abgeflacht: Hohe Röhrenspannung
55 Harte Strahlen: hohe Spannung =
hat weniger Einfluss auf die Ordnungszahlen,
stark durchdringend, kurzwellig
d. h. die Schwächung. Auch der Einfluss der
Der Spannungsbereich wird in 3 Stufen unter- Schichtdicke auf die Intensitätsdifferenzen ist
teilt: Von 40–60 kV spricht man vom unteren kleiner. Daher werden bei hoher Röhrenspan-
Spannungsbereich, von 60–90 kV vom mittle- nung die Kontraste im Röntgenbild geringer.
ren; der obere Spannungsbereich erstreckt sich Es ist aber nicht angebracht, mit möglichst
von 90–150 kV, wobei man ab 110 kV von niedriger Spannung zu arbeiten, um gute
Hartstrahltechnik spricht. ­Kontraste zu erzielen und eine bestmögliche
Faktoren, die die Röntgenbildqualität bestimmen
43 6

a b

..Abb. 6.1a,b  Beispiel für die Durchdringungsfähig- nicht mehr durchdringen können, sondern restlos ab-
keit von Röntgenstrahlen bei niedriger und bei hoher sorbiert werden. b Die gleiche Springerin vom hohen
Spannung. a Eine Springerin, die vom niedrigen Sprungbrett aus (= hohe Spannung = hohe kV-Zahl)
Sprungbrett (= niedere Spannung = niedrige kV-Zahl) taucht tief ein, durchdringt das Wasser bis zum Grund,
aus startet, vermag das Wasser nicht bis zum Grund zu also ähnlich wie harte Röntgenstrahlen bei hoher
durchdringen, ähnlich wie weiche Röntgenstrahlen, Spannung einen Körper durchdringen können
die bei niedriger Spannung ein Objekt überhaupt

Objektdetailwiedergabe zu erreichen. Denn: einer Spannungserhöhung bedeuten, dass we-


Niedrige Spannung bedeutet höhere Hautdosis. sentlich mehr Streustrahlen entstehen. Die Ab-
Im Interesse des Strahlenschutzes gilt das hängigkeit der Streustrahlung von der Spannung
Minimierungsgebot: So viel wie nötig, so wenig ist jedoch verhältnismäßig gering. Die haupt-
wie möglich! Aus diesem Grund sollte bei der sächlichen Einflussfaktoren für die Entstehung
Wahl der Aufnahmespannung der Trend i­ mmer von Streustrahlen sind die Dicke, die Dichte und
zu höheren kV-Zahlen gehen. Die S­ pannung die Ordnungszahl der absorbierenden Objekte.
sollte so hoch wie möglich, jedoch immer noch Da die Streustrahlung stark kontrastmin-
objektbezogen gewählt werden, damit ein güns- dernd wirkt, werden verschiedene Mittel zur
tiges Strahlenrelief entsteht und das Röntgen- Eliminierung oder Reduktion von Streustrah-
bild die erforderliche Infor­mation enthält. len eingesetzt:
Rein physikalisch werden harte Strahlen 55Kompression des Objekts
mehr gestreut als weiche Strahlen. Dies würde bei 55Streustrahlenraster
44 A. Ohmstede

55Tubus Der Hauptnachteil der Hartstrahltechnik


55Doppelschlitzblenden liegt in der im Verhältnis zur Absorption grö-
55Vor allem exakte Einblendung ßeren Streuung der Strahlen. Den Streustrahlen
versucht man mit Hartstrahlrastern mit einem
hohen Schachtverhältnis (Lamellenhöhe zu
6.1.1 Hartstrahltechnik ­Lamellenabstand) entgegenzuwirken. Exakte
Einblendung unterstützt auch hier das Niedrig-
Die wesentlichen Vorteile dieser Technik liegen halten von Streustrahlen, genauso wie die Kom-
in der Verminderung der Strahlenbelastung, in pression dicker Objekte.
der Verringerung der Bewegungsunschärfe
(durch kurze Schaltzeiten) und im Verwischen
der Absorptionsunterschiede bezüglich der 6.1.2 Weichstrahltechnik
Ordnungszahl der Materie, nicht aber der Dich-
6 te. Dichteunterschiede bleiben auch bei harten Aus den zuvor besprochenen Fakten wird klar,
Strahlen in ihrer Auswirkung auf die Schwär- dass für die Untersuchung der Weichteile (z. B.
zung eines Films (optische Dichte) erhalten. Mamma, Weichteile der oberen oder unteren
Man kann also sagen, dass bei Anwendung der Extremitäten) die Weichstrahltechnik geeignet
Hartstrahltechnik der Schwächungskontrast – ist. Das Kontrastoptimum liegt bei 25–35 kV.
beruhend auf der unterschiedlichen Ordnungs- Die Weichstrahltechnik ist bei allen Verän-
zahl von Einzelelementen der Organe – zurück- derungen zu empfehlen, die mit Verkalkungen
tritt gegenüber dem Kontrast, der sich aus einhergehen. Sie eignet sich z. B. bei
­verschiedener Dichte und Dicke eines Organs 55Verkalkungen der Muskeln (Myositis
ergibt. ­ossificans)
Bei der Thoraxaufnahme z. B. schwächen 55Verkalkungen der Gefäße, parasitären
die Rippen die Strahlung nicht mehr so sehr – ­Erkrankungen
sie treten in den Hintergrund, sind sozusagen 55Hämangiomen
„überstrahlt“ und überlagern nicht die 55Verkalkungen in der Gelenkkapsel
­Lungenstruktur. Die Dichteunterschiede zwi- ­(Calcinosis localisata)
schen Lungengewebe (1,01 g/cm3) und Luft 55Kalkdepots bei Milchtrinkern
(0,0013 g/cm3) bleiben erhalten. Dadurch sind 55Zur Fremdkörperlokalisation
die Lungenstruktur und kleine pathologische 55Zur Frühdiagnostik rheumatischer
Veränderungen gut darstellbar. ­Erkrankungen
Ein weiterer Vorteil liegt in der kurzen Be-
lichtungszeit: Je kürzer die Belichtungszeit, desto Sie eignet sich auch gut zur Erfassung von
weniger wirken sich willkürliche und unwillkür- ­Aufhellungen in den Weichteilen, z. B. bei Fett­
liche Bewegungsabläufe auf die Bildqualität aus. geschwülsten (Lipomen), Ödemen und Gas­
Zusätzlich kann wegen der hohen Spannung, einschlüssen bei Gangrän und Blutergüssen.
zumindest für die a.-p./p.-a.-Lungenaufnahme,
der kleine Brennfleck ausgewählt werden, was
zu einer höheren Detailerkennbarkeit und­ 6.1 Röhrenstrom = Strahlen-
zur Darstellung auch kleinster wichtiger Bildde- quantität
tails führt; Qualitätsanforderung: rundliche
(0,7–1 mm) und streifige (0,3 mm) Strukturen Die Quantität der Röntgenstrahlen hängt von
müssen erkennbar sein. der Belichtung ab. Maßgebend für die Belich-
Außerdem wird bei exakter Organeinblen- tung sind:
dung die Strahlenbelastung für den Patienten 55Strahlenmenge (mA) als Maß der Strom-
geringer gehalten, da nur absorbierte Strahlung stärke
biologische Wirksamkeit zeigt. 55Dauer (s) ihrer Verwendung
Faktoren, die die Röntgenbildqualität bestimmen
45 6

a b
..Abb. 6.2a,b  Beispiel für den hervorgerufenen Bildkontrast bei geringem (a) und bei großem (b) mAs-Produkt

Die Belichtung wird errechnet aus dem Pro- orientiert schematisch . Abb. 6.3. Die resultie-
dukt der Strahlenmenge in Milliampère × Zeit renden Sandhaufen sind dann gleich groß,
in Sekunden (mAs×s = mAs-Produkt). Das ­­ wenn man den Trichter mit engem Hals lange
mAs-Produkt beeinflusst weitgehend die Bild- offen lässt, jenen mit weitem Hals nur kurz. Für
güte, d. h. den Kontrast. Weitere Komponenten, unseren Fall heißt das:
die den Bildkontrast beeinflussen, s. unten. Im mAs-Produkt können wir den einen
Eine wichtige Teilkomponente für die Be- Faktor (mA) z. B. vergrößern und den anderen
lichtung und damit die Kontrastgebung ist die Faktor umgekehrt proportional verkleinern
Stromstärke („Strahlenmenge“ in mA), wie sich (und umgekehrt), und erhalten ein gleiches Bil-
dies durch den in . Abb. 6.2 dargestellten Ver- dergebnis. Mit anderen Worten:
gleich zeigen lässt.
Ein mageres Individuum löst, vom Sprung- >>Eine hohe Stromstärke (mA), kurzzeitig
brett in das Wasser springend, nur flache Wogen angewandt, führt zum gleichen mAs-Pro-
aus. Startet dagegen ein „Bonvivant“ von glei- dukt wie eine niedrige Stromstärke,
cher Sprungbretthöhe aus, dann kommt es zu langzeitig angewandt.
mächtigen Wellen. Die Masse des Springers ent-
spricht dabei der höheren oder geringeren An einem praktischen Zahlenbeispiel erläutert:
Stromstärke (mA), die zu einem schlechteren 300 mA während 1 Sekunde ergibt 300 mA ×
oder besseren Kontrast (analog den kleineren 1 s = 300 mAs. Das Gleiche erhält man aber
oder größeren Wogen) führt. auch, wenn man 100 mA während 3 Sekunde
Die andere wichtige Teilkomponente für die nimmt: 100 mA × 3 s = 300 mAs. Es würden
Belichtung ist die Zeit. Über die Wechselbezie- auch 50 mA in 6 Sekunde wiederum zum glei-
hungen zwischen der Stromstärke und der Zeit chen Produkt führen.
46 A. Ohmstede

..Abb. 6.3a–f  Wechselbeziehungen beim mAs-Pro-


dukt. a, b Beispiel für eine Belichtung bei gleich langer
Zeit. In gleicher Zeit, z. B. in 1 s, fließt durch den dün-
nen Trichterhals (= Stromleiter = mA) weniger durch
(a) als durch den Trichterhals mit großem Querschnitt
(=hohe Stromstärke; b). Der resultierende Bildkontrast,
als Sandhaufen dargestellt, ist im ersten Fall (a) klein,
im letzteren groß (b); bei a ist das mAs-Produkt klein,
bei b ist es groß. Die gleiche Belichtungszeit bei
­verschieden hoher mA-Zahl ergibt ein ungleiches
mAs-Produkt, dementsprechend wenig oder viel Bild-
a b kontrast. Bei gleichbleibender Belichtungszeit kann
der Bildkontrast (mAs-Produkt) durch Erhöhung oder
Erniedrigung der Stromstärke reguliert werden. ­
c,d Beispiel für eine Belichtung mit gleichbleibender
6 Stromstärke. Der Trichterhals in c und d ist gleich groß
und lässt die gleich große Menge Sand pro Zeiteinheit
durch. Öffnet man den Hahn am Trichter während
­einer Sekunde, so resultiert ein kleiner Sandhaufen (c),
öffnet man ihn mehrere Sekunden, so entsteht ein
großer Sandhaufen (d). Bei gleicher Stromstärke
(Querschnitt des Trichterhalses) und kurzer Belich-
tungszeit entsteht weniger (c), bei langer Belichtungs-
zeit ein größerer (d) Bildkontrast; bei c ist das mAs-
Produkt klein, bei d groß. Bei gleicher Stromstärke
c d
kann der Bildkontrast (mAs-Produkt) durch Änderung
der Belichtungszeit reguliert werden. e,f Beispiel für
die Wechselbeziehung Belichtungszeit und Strom­
stärke bei gleichem mAs-Produkt. Einen gleich großen
Sandhaufen (=ein gleiches mAs-Produkt = ein gleich
großer Bildkontrast) erhält man bei einem Trichter mit
engem Hals (geringe Stromstärke), wenn der Strom-
durchfluss, in Sekunden gemessen, lang anhält (e),
ebenso aber auch bei einem Trichter mit weitem Hals
(große Stromstärke), wenn der Stromdurchfluss in
­Sekunden entsprechend kurzzeitig (f) gehalten wird.
Lange Belichtungszeit bei geringer Stromstärke ergibt
das gleiche mAs-Produkt, also einen gleichen Bildkon-
e f trast, wie kurze Belichtungszeit bei hoher Stromstärke

Theoretisch könnte man also mit einer Zeitfaktor oft wichtig: Manche Aufnahmen
enorm hohen Stromstärke arbeiten, um viel müssen mit möglichst kurzer Belichtungszeit
Kontrast zu erhalten, bei extrem kurzer Zeit, gemacht werden (z. B. Lungen- und Magenauf-
um kein unscharfes Bild hervorzurufen. Die nahmen bei unruhigen Kindern), bei anderen
Geräte- und Röhrenbelastbarkeit bezüglich der Aufnahmen müssen lange Expositionszeiten
Stromstärke schränkt diese Entscheidungsfrei- gewählt werden (z. B. a.-p. Halswirbelsäule mit
heit aber ein. Deshalb müssen beide Faktoren in bewegtem Unterkiefer).
eine zweckmäßige Relation gebracht werden, Bei vielen Röntgengeräten lässt sich die Zeit
wobei vorwiegend auf die Spannungskorrektur frei wählen. Es gibt auch Röntgenapparate, bei
zu achten ist. Eine Spannungserhöhung poten- denen man bezüglich der Stromstärke, der Be-
ziert die Stromstärke. lichtungszeit und der Spannung vollständig
Soll nun aber eher die Stromstärke oder die freie Wahl hat. Sie sind für Geübte ideal. Zum
Zeit verändert werden? In der Praxis ist der Schutz vor Überlastung des Röntgengeräts ist
Faktoren, die die Röntgenbildqualität bestimmen
47 6
eine Blockierung eingebaut, die mit einem akus- 6.1.2 Änderung des mAs-Produkts
tischen oder optischen Signal verbunden ist.
Bei vielen Röntgengeräten kann man­ Eine Erhöhung des mAs-Produkts auf das
die Stromstärke nur innerhalb bestimmter ­Doppelte wird im mittleren Spannungsbereich
Grenzen in sog. mA-Gruppen regulieren, z. B. durch Herabsetzen der Spannung um 10 kV
100, 200, 400 mA. Am einfachsten zu bedienen kompensiert. Eine Erniedrigung des mAs-Pro-
sind die vollautomatischen Röntgengeräte, bei dukts auf die Hälfte wird durch Erhöhung der
denen ein Belichtungsautomat zwischen Pa­ Spannung um 10 kV ausgeglichen.
tient und Film geschaltet ist, der auf Röntgen-
>>Änderung um 3 BLP = doppeltes bzw.
strahlen anspricht und bei Erreichen der
halbes mAs-Produkt (. Tab. 7.2).
­notwendigen Schwärzung den Strom automa-
tisch abschaltet. Im Übrigen liefern die Röntgenapparateher-
Zusammenfassend ist folgendes festzu­ steller Belichtungstabellen mit, deren Studium
halten: Das mAs-Produkt ist besonders wichtig jedem/r MTRA empfohlen wird.
für die Bildgüte und den Kontrast- und Schwär-
>>Strahlenschutz: Wie bereits im Text er-
zungsumfang. Es ist also mitverantwortlich für
klärt, ist insbesondere das mAs-Produkt
ein „schönes“ Bild.
für das Dosisflächenprodukt verantwort-
Was passiert, wenn dieses mAs-Produkt
lich, also für die Strahlenmenge, die dem
unter- oder überschritten wird? Zu wenig mAs
Patienten appliziert wird. Es sollte nach
ergibt Unterbelichtung und, ebenso wie zu ge-
Möglichkeit versucht werden, die Belich-
ringe Spannung, ein flaues, kontrastarmes Bild.
tung insbesondere über eine höhere
Zu viel mAs, ebenso wie zu hohe Spannung,
­kV-Zahl und niedrigere mAs-Zahlen zu
führt zur Überbelichtung, zu einem grauen und
beeinflussen.
dunklen Bild.
Um die Ursache einer Überbelichtung fest-
zustellen, betrachtet man die Stellen, an wel-
chen die Strahlen durch Blei oder stark kontras- 6.2 Belichtungsautomatik
tierende Stoffe absorbiert wurden (z. B. hinter
Buchstaben, Zahnplomben, an den Rändern Mithilfe eines Dosismessgeräts wird die auf
hinter der Bleiabdeckung). Wenn diese Zonen dem Bildempfänger auftreffende Strahlen­
nicht rein weiß sind, sondern einen grauen menge gemessen. Nach Erreichen einer genau
­Unterton aufweisen, so ist dies das Zeichen, definierten Strahlenmenge (Dosis), die für die
dass das Blei oder das Metall von Strahlen richtige Schwärzung einer Aufnahme notwen-
durchdrungen wurde; das ist nur aufgrund er- dig ist, schaltet der Generator automatisch ab.
höhter bzw. zu hoher Spannung möglich und Auf jeder Röntgenaufnahme gibt es einen
nicht wegen eines zu hohen mAs-Produkts. bildwichtigen Bereich. Diese Zone bezeichnet
man als Dominante. Das Dosismessgerät
(Messfeld) ermittelt die mittlere Schwärzung
6.1.1 Änderung der Spannung für die Dominante.

Für die Praxis gilt, dass im mittleren Span- >>Die Dominante einer Lungenübersichts-
nungsbereich eine Erhöhung um 10 kV das aufnahme a.-p./p.-a. liegt im oberen Ab-
mAs-Produkt annähernd halbiert. Eine Verrin- schnitt der rechten und linken Lunge.
gerung um 10 kV bedingt knapp eine Verdop- Also werden die äußeren Messfelder
pelung des mAs-Produkts. ­angewählt. Die Dominante einer Wirbel-
säulenaufnahme a.-p./p.-a. liegt in der
Mitte des Bilds, also wird das mittlere
Messfeld angewählt.
48 A. Ohmstede

Das Messfeld muss also der Lage der Dominan- kkFehlermöglichkeiten bei der Anwendung
ten angepasst werden. Dazu hat sich eine 3-Fel- einer Belichtungsautomatik
der-Messanordnung bewährt. Die Bezeichnung 55Bei sehr dicken Objekten, z. B. für die seit-
der Messfelder ist: L, M, R (links, Mitte, rechts). liche Aufnahme der Lendenwirbelsäule
Die Messfelder können einzeln oder mitein­ ­eines korpulenten Patienten, muss eine
ander kombiniert zur Messung verwendet entsprechend hohe Spannung gewählt
­werden. Sie sind auf der Platte des Universal­ werden, sonst reicht infolge hoher Strah-
rasteraufnahmestativs markiert. Am Raster- lenabsorption die Dosisleistung an der
blendentisch sind solche Markierungen nicht Messkammer nicht aus, um den Generator
möglich, da das Aufnahmesystem bei den abzuschalten. Die Überlastungsautomatik
­jeweiligen Aufnahmen seine Lage verändert. des Generators beendet dann die Belich-
Man verwendet daher eine Einstellhilfe: Vor tung und die Aufnahme ist unterbelichtet.
das Lichtvisier werden Plexiglasscheiben mit 55Die zu kleine Einblendung in das Messfeld
6 aufgezeichneten Messfeldmarkierungen ge- führt zu überbelichteten Aufnahmen.
schoben, die sich als Schablone auf das Objekt 55Ist das Objekt kleiner als die Messkammer,
projizieren. Bei verschiedenen Fokus-Bild­ entstehen unterbelichtete Aufnahmen, weil
empfänger-Abständen müssen unterschiedlich die Messkammer von ungeschwächter
große Schablonen eingesetzt werden. Strahlung getroffen wird und die Belich-
Das Messorgan eines Belichtungsautoma- tungsautomatik zu früh abschaltet.
ten berücksichtigt alle auf die Belichtungsdosis 55 Wenn das Messfeld ungeeignet ist, so führt
einflussnehmenden Faktoren zwischen Brenn- das zu Unter- oder Überbelichtung relevan-
fleck und Dominante. Das sind: Fokus-­ ter Bildabschnitte; liegt es z. B. über e­ inem
Bildempfänger-Abstand (FBA), Patienten­dicke, kontrastmittelgefüllten Darm­ab­schnitt oder
Strahlenhärte, Art und Schachtverhältnis des über Metallteilen (Hüftprothesen), so ent-
Rasters. Diese Faktoren werden bei der auto- stehen überbelichtete Aufnahmen.
matischen Bestimmung der Schaltzeit berück- 55Feuchter Gips bewirkt überbelichtete Auf-
sichtigt. nahmen. Aufnahmen mit feuchtem Gips
Für die praktische Anwendung eines Be- dürfen deshalb nicht mit Belichtungsauto-
lichtungsautomaten müssen daher folgende matik gemacht werden.
Regeln beachtet werden: 55Die Auswahl des falschen Hilfsgeräts kann
55Die Messkammer muss hinter der bild- zur Überbelichtung führen, wenn z. B. die
wichtigsten Stelle liegen. Sie darf nicht von Röntgenröhre auf das Wandstativ gerichtet
ungeschwächter Strahlung getroffen wer- ist, aber die Messfelder am Untersuchungs-
den, aber auch nicht durch Einblendung tisch angewählt werden.
oder sonstige Abschirmung des Nutzstrah- 55Bewegte Objekte (willkürliche Bewegun-
lenbündels beeinträchtigt werden. gen) können die Messgenauigkeit beein-
55Der Streustrahlenanteil muss so gering wie trächtigen.
möglich gehalten werden, da Streustrah-
lung sich auf das Messorgan eines Belich-
tungsautomaten auswirkt. 6.3 Streustrahlenraster

Die Vorteile eines Belichtungsautomaten sind: Will man Aufnahmen mit einem hohen Detail-
55Das Röntgenbild wird optimal geschwärzt. kontrast erzielen, muss die im Körper entste-
55Die Bildqualität ist bei möglichst kurzer hende Streustrahlung eliminiert werden. Der
Belichtungszeit optimal. Anteil der Streustrahlung hängt im Wesentli-
55Die Dosisbelastung des Patienten ist mini- chen von der durchstrahlten Schichtdicke und
mal. dem durchstrahlten Volumen ab. Bei einer Ab-
domenübersichtsaufnahme in Linksseitenlage
Faktoren, die die Röntgenbildqualität bestimmen
49 6
kann der Streustrahlenanteil bis zu 80% betra-
gen, d. h. die Strahlung hinter dem Objekt
­enthält bis zu 8-mal so viel Streustrahlung wie
Primärstrahlung. Die Abhängigkeit der Streu-
strahlung von der Röhrenspannung kann dem-
gegenüber vernachlässigt werden.
Neben einer exakten Einblendung und ­einer
guten Kompression des zu durchstrahlenden
Objekts gelten Streustrahlenraster als das wich-
tigste Mittel, um Streustrahlung zu vermindern.
>>Streustrahlenraster dienen nicht der Ver-
hinderung von Streustrahlung, sondern
ausschließlich der Verminderung!
..Abb. 6.4  Streustrahlenraster: Fokussierter beweg-
Da Streustrahlen kontrastmindernd schwär- ter Linienraster. Die Neigung der Absorberlamellen
zen, werden Raster zwischen Patient und Bil- stimmt mit der Divergenz des Primärstrahlenbündels
überein. Die im Objekt auftretende Streustrahlung
dempfänger angebracht (. Abb. 6.4). Raster wird von den Lamellen absorbiert (aus Laubenberger
bestehen aus dünnen Blei- oder Wolframlamel- 1990). 1 Objekt, 2 fokussierte divergente Lamellenan-
len, die in einem bestimmten Abstand angeord- ordnung, 3 Primärstrahlung, 4 Streustrahlung, 5 Film
net sind. Die einzelnen Lamellen sind in ein
strahlendurchlässiges Material eingebettet, z. B.
Pressspan oder Kunststoff. Insgesamt werden
sie von einer Aluminiumschicht, der Raster­
ebene, umgeben.
Die Wirksamkeit eines Rasters hängt von
seinen Konstruktionsfaktoren ab. Diese sind:
55Linienzahl (L): Die Linienzahl bezeichnet ..Abb. 6.5  Streustrahlenraster: Schachtverhältnis ­
die Anzahl der Absorberlamellen pro cm h
r � (aus Laubenberger 1990)
D
Rasterebene. Im Routinebetrieb werden
Raster mit 40 Linien/cm verwendet.
55Schachtverhältnis (r = ratio): Es gibt das 55Belichtungszeitverlängerungsfaktor oder
Verhältnis von Lamellenhöhe zu Lamel- Blendenfaktor: Er gibt die Beziehung zwi-
lenabstand an. Bei modernen Rastern liegt schen Belichtungszeiten von Aufnahmen
das Schachtverhältnis zwischen 5 und 12.­­ mit und ohne Raster an. Der Verlänge-
r=12 bedeutet, dass die Lamellenhöhe rungsfaktor kommt weniger durch den
­12-mal größer ist als der Abstand zwischen rasterbedingten Verlust von Primärstrah-
den einzelnen Lamellen. Je höher das lung zustande als vielmehr durch die ge-
Schachtverhältnis, desto besser die Raster- ringere Menge der den Film treffenden
wirkung (. Abb. 6.5). Streustrahlen.
55Selektivität: Sie charakterisiert die Wirk- 55Rasterfokussierung: Unter Fokussierung
samkeit eines Rasters durch Angabe des versteht man, dass die Neigung der Absorb-
Prozentverhältnisses von Primärstrahlen- erlamellen in einem bestimmten Abstand
durchlässigkeit zu Streustrahlendurchläs- mit der Divergenz des Primärstrahlen­
sigkeit. Die Primärstrahlendurchlässigkeit bündels übereinstimmt (. Abb. 6.4). Der
beträgt bei den meisten Rastern 60–70%. Fokussierungsabstand, dessen Toleranzen
Ein Raster ist um so wirksamer, je größer nach vorne ca. 20 cm und nach hinten ­
die Selektivität ist. Bei hoher Spannung ca. 30 cm betragen, muss auf dem Raster
nimmt die Selektivität ab. angegeben sein.
50 A. Ohmstede

Wird der Fokussierungsabstand nicht beachtet, dem Bildempfänger nicht zu sehen. Die Ablauf-
kommt es zu einer sog. Defokussierung. Dies geschwindigkeit wird so geregelt, dass bei jeder
bedeutet einen Dosisabfall der Primärstrahlung Aufnahmezeit eine optimale Verwischung zu-
in den Bildrandgebieten (. Abb. 6.6a). stande kommt.
Neben fokussierten Rastern mit geneigten Stehraster (die Lamellen sind auf der Auf-
Rasterlamellen gibt es auch die sog. Parallelras- nahme zu sehen), finden hauptsächlich für
ter. Diese haben einen prismatischen Quer- Thorax- oder Beckenaufnahmen im Bett Ver-
schnitt, um auch bei größeren Formaten am wendung.
Rand noch eine ausreichende Schwärzung zu Auf jedem Raster sind die Kenngrößen an-
erreichen. gegeben:
Röntgenaufnahmen mit schräg einfallen- 55Schachtverhältnis
den Strahlen sind mit Raster nur dann möglich, 55 Linienzahl L oder Lamellenzahl N (pro cm)
wenn der Zentralstrahl in Richtung der Raster- 55Fokussierungsabstand in cm
6 lamellen gekippt wird. Eine Dezentrierung des 55 Stoffliche Beschaffenheit der Rasterlamellen
Rasters bewirkt einen ungleichmäßigen Dosis- 55Röhrenseite, damit es bei fokussierten
abfall in der Bildebene (. Abb. 6.6b). ­Rastern nicht zu einer Einstrahlung von
Bei der Rastertypisierung unterscheidet der Gegenseite kommt
man zwischen bewegten Rastern und Stehras-
tern. In fast jedem Rasteraufnahmetisch und Beispiel: 12/40, 150 cm, Pb, Röhre bedeutet:
Rasterwandstativ befinden sich Raster, die Das Raster hat ein Schachtverhältnis r=12, eine
durch ihre Bewegung (Schwingung = Schwing­ Linienzahl von 40 Rasterlamellen/cm. Der
raster) eine Verwischung der Absorberlamellen ­Fokussierungsabstand beträgt 1,5 m. Die Ras-
hervorrufen1. Die Rasterbewegung erfolgt par- terlamellen bestehen aus Blei (Pb), und die be-
allel zum Film. Die Rasterlamellen sind auf zeichnete Seite muss der Röhre zugewandt sein.

1 Bucky-Blende (Gustav Bucky, 1880–1963, Röntge-


nologe in Berlin und New York) war ursprünglich
die Bezeichnung für eine Mulden- bzw. eine be-
wegte Aufnahmeblende. Heute werden damit alle
objektnah bewegten Raster im Lagerungstisch
und Wandstativ bezeichnet

..Abb. 6.6a,b Defokussierung
und Dezentrierung. a Defokussie-
rung. Befindet sich die Strahlen-
quelle außerhalb des angege­
benen Fokussierungsabstands,
bedeutet dies Dosisabfall der
­Primärstrahlung in den Bildrand-
gebieten. b Dezentrierung. Befin-
det sich der Zentralstrahl außer-
halb des Rastermittelpunkts,
kommt es zur Absorption von
­Primärstrahlung und damit zu
­einer ungleichmäßigen Belich-
tung (Fehlbelichtung)
a b
51 7

Digitale Bildentstehung ­
und -verarbeitung
J. Hausmann

7.1 Grundlagen  – 52
7.1.1 Geschichtlicher Überblick  – 53
7.1.2 Grundbegriffe der digitalen Radiographie  – 53
7.1.3 Digitale Bildempfänger  – 55

7.2 Digitale Lumineszenzradiographie (DLR)  – 56

7.3 Digitale Flachdetektorradiographie  – 59


7.3.1 Prinzip der Flachdetektortechnologie mit Cäsiumjodid  – 59

7.4 Bildverarbeitungssoftware  – 60

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_7
52 J. Hausmann

7.1 Grundlagen Zustände (z. B. Strom an/Strom aus) realisieren


lässt.
Die radiologische Technik hat durch die vielfäl­ Zur Darstellung größerer Zahlen im Binär­
tigen Möglichkeiten leistungsstarker Rechner system werden mehrere Bit zusammengefasst.
neue Impulse erfahren. So verdanken manche So sind mit 2 bit 4 binäre Zahlen möglich: 00,
Untersuchungsmethoden – wie CT und MRT 01, 10 und 11. Allgemein gilt, dass mit n bit 2n
– der Digitaltechnik ihre Existenz, da das Bild verschiedene Zahlen dargestellt werden kön­
bei diesen Verfahren durch die Verarbeitung nen. Die Anzahl n der zur Zahldarstellung be­
der Messwerte in einem Bildrechner entsteht. nutzten Bit wird vielfach auch als Bittiefe oder
Aber auch die konventionelle Projektionsradio­ Digitalisierungstiefe bezeichnet. Um die Zahlen
graphie und die Röntgendurchleuchtung wer­ in Bildinformationen zu wandeln, wird jedem
den bzw. wurden in zunehmendem Maße Zahlenwert eine entsprechende Graustufe zu­
durch entsprechende digitale Verfahren ersetzt. geordnet. . Tab. 7.1 gibt eine Übersicht, wie
Die digitale Lumineszenzradiographie (DLR), viele verschiedene Zahlen (bzw. Zustände,
oft auch Computed Radiography (CR) genannt, Grauwerte usw.) sich mit jeweils wie viel Bit
7 steht seit 1984 zur Verfügung, die Flachdetek- darstellen lassen.
torradiographie seit Anfang 2000. Die Vorteile Eine Gruppe von 8 bit hat den Namen Byte.
dieser Techniken sind: Diese Einheit wird insbesondere für die Orga­
55Getrennte Optimierung von Bildaufnahme nisation von Datenspeichern verwendet. So
und Bildwiedergabe werden Pixelwerte mit einer Bittiefe von 8 bit in
55Verbesserung der Bilddarstellung durch einem Byte, solche mit Bittiefen von 9 bis 16 bit
Bildverarbeitung in zwei Byte gespeichert. Als Angaben für
55Sofortbild und Monitorbefundung ­größere Datenmengen sind Kilobyte (1 KB =
55Digitale Speicherung und Bildübertragung 1024 Byte), Megabyte (1 MB = 1024 kB), Giga­
55Verlustfreie Archivierung byte (1 GB = 1024 MB) und Terabyte (1 TB =
55Bei Flachdetektoren eine hohe Bildqualität 1024 GB) gebräuchlich. Ein digitales Bild mit
einer Bildmatrix von 2048×2048 Pixel und
Digitale Bildgebungsverfahren beruhen im ­einer Bittiefe von 12 bit hat einen Speicherbe­
Wesentlichen auf der Speicherung und Ver­ darf von 8 Megabyte (MB). Die Bilddatenmen­
arbeitung der Bildinformation in einem Com­ ge, die in der volldigitalen Radiologieabteilung
puter. Zum besseren Verständnis sind daher eines größeren Krankenhauses pro Jahr pro­
einige Grundkenntnisse der Datenverarbeitung duziert wird, liegt in der Größenordnung Ter­
notwendig. abyte. Die Datenmenge steigt weiter, wenn
Digitalrechner benutzen intern das Binär- ­Abteilungen, die bis vor wenigen Jahren das
oder Dualsystem. Die elementare Einheit dieses PACS (Picture Archiving and Communication
Systems ist das Bit (engl.: binary digit). Ein Bit System) ausschließlich für Bilder der Röntgen­
kann nur die Werte 0 oder 1 annehmen. Es ent­ abteilung nutzten, nun zusätzlich abteilungs­
spricht der Ziffer im bekannten Dezimalsys­ fremde Bilddaten in das PACS integrieren. Hier
tem, die die Werte 0–9 annehmen kann. Der sei insbesondere der Herzkatheter erwähnt, der
Vorteil des binären Zahlensystems ist, dass sich pro Untersuchung durchaus 1 GB an Speicher­
seine Einheit 0 und 1 leicht durch 2 elektrische platz benötigen kann.

..Tab. 7.1  Zusammenhang zwischen Bittiefe und Anzahl der darstellbaren Graustufen

Bittiefe 1 2 3 4 5 6 7 8 ... 10 12 ... 16

Anzahl Graustufen 2 4 8 16 32 64 128 256 1024 4096 65536


Digitale Bildentstehung ­und -verarbeitung
53 7
7.1.1 Geschichtlicher Überblick trennung der Funktionen ergibt sich die Mög­
lichkeit, jede Stufe des Bildgebungsprozesses
Das erste digitale System war die Computerto­ einzeln zu optimieren.
mographie. Ab 1973 gab es einen Computerto­
mographen, der mit einer Matrix von 64×64 kkBildaufnahme
Pixeln für Kopf-CTs eingesetzt werden konnte. Im ersten Schritt wird die Strahlung durch
Der erste Ganzkörperscanner besaß eine Pixel­ ­einen geeigneten Detektor in ein elektrisches
matrix von 128×128. Die Kontrastauflösung Signal umgesetzt, das dann einem Analog-­
war deutlich höher als bei Film-Folien-Syste­ Digital-Wandler zugeführt wird. Dieser erzeugt
men. für jeden Bildpunkt (Pixel) einen Zahlenwert,
1976 kam der erste MRT (Magnetresonanz­ der die detektierte Intensität wiedergibt – erst
tomograph) zum klinischen Einsatz. Der Tomo­ hier wird aus dem analogen Signal ein digitales
graph hatte eine Matrix von 512×512 Pixeln Signal erzeugt. Die Gesamtmenge der Pixel er­
und eine Bildtiefe von 10 bit. gibt eine in Zeilen und Spalten angeordnete
Die konventionelle Radiographie wurde Bildmatrix. Je nach Anwendungsbereich und
schließlich 1984 digitalisiert. Die Speicherfo­ Technologie liegt die Größe der Bildmatrix
liensysteme hatten zunächst eine Matrix von heute zwischen 512×512 Pixel (z. B. CT) und
2000×2000 Pixeln und eine Bildtiefe von 10 bit. bis zu 3000×3000 Pixel (digitale Projektions­
Seit dem Jahr 2000 halten die Flachdetektoren radiographie mit elektronischen Flachdetekto­
Einzug in die konventionelle Radiographie. Sie ren) sowie 4000×4000 Pixel bei hochauflösende
zeichnen sich gegenüber den Film-Folien- und Speicherfolien. Bei Ganzwirbelsäulen bzw.
Speicherfoliensystemen insbesondere durch Ganzbeinaufnahmen hat die Bildmatrix eine
eine höhere Dosisquanteneffizienz (DQE; Maß Größe von bis zu ca. 3000×9000 Pixel. Es wird
für die Dosisausbeute) aus. nur die Matrix gespeichert, die dem belichteten
Zusätzlich ist die Arbeit mit Flachdetekto­ Feld entspricht.
ren hinsichtlich des Workflows deutlich effizi­
enter als vergleichsweise die Arbeit mit Speich­ kkBildverarbeitung
erfoliensystemen. Im zweiten Schritt können die digitalen Bild­
daten durch mathematische Operationen
­(Algorithmen) bearbeitet werden. Ziel hierbei
7.1.2 Grundbegriffe der digitalen ist eine Aufbereitung für die optimale Bilddar­
Radiographie stellung, die im dritten Schritt der Bildgebungs­
kette erfolgt.
Ein wesentliches Kennzeichen digitaler Ver­ Grundsätzlich wird im Bereich der Bild­
fahren der Radiologie ist die Aufteilung des verarbeitung zwischen dem sog. Preprocessing
Bildgebungsprozesses in mehrere Schritte. So und dem Postprocessing unterschieden. Im
besteht die Bildgebungskette aus den 3 Funk­ Preprocessing werden die Kalibrierdaten des
tionsschritten: Detektors auf das Rohdatenbild angewendet.
55Bildaufnahme Ziel ist an dieser Stelle, defekte Pixel zu maskie­
55Bildverarbeitung ren und das Verhalten der Pixel bei unter­
55Bildwiedergabe und Bildbearbeitung schiedlichen Strahlenqualitäten und ohne
Strahlung auszugleichen. Im Gegensatz dazu
Zudem können mit den digitalen Daten auch dient das Postprocessing zur Darstellungsopti­
die Funktionen Bildspeicherung und Bildüber- mierung hinsichtlich der diagnostischen Aus­
tragung bedient werden. Dies steht im Gegen­ sagekraft mittels Fensterung, Rauschunter­
satz zur konventionellen Aufnahme, bei der der drückung etc. Diagnostisch wichtige Details,
Film gleichzeitig als Detektor, Darstellungs- wie z. B. Rundherde, Gefäße oder Mikrokalk,
und Speichermedium dient. Durch die Auf­ sollen hervorgehoben werden.
54 J. Hausmann

..Abb. 7.1 Film-Folien-Sys-
tem: Die Belichtung ist direkt
dosisabhängig

7
Außerdem ist die Digitalisierung des Bildes Um einen gleichartigen Bildeindruck bei
eine Voraussetzung für die digitale Kommuni­ unterschiedlichen Strahlenexpositionen zu er­
kation und Speicherung der Bildinformation in zeugen, wird bei digitalen Radiographiesyste­
einem PACS (Picture Archiving and Commu­ men eine Signalnormierung vorgenommen.
nication System). Hierunter versteht man eine automatische
­Optimierung des wiedergegebenen Graustu­
kkBildwiedergabe fenumfangs, unabhängig vom aktuell verwen­
Der dritte Schritt erfordert schließlich eine deten Dosisniveau. Bei digitalen Systemen
Rückwandlung des digitalen in ein analoges ­besteht also im Gegensatz zur konventionellen
Bild, das für das Auge des Betrachters erfassbar Radiographie kein unmittelbarer Zusammen­
ist. Hierfür werden Monitore, Beamer oder La­ hang zwischen Bildempfängerdosis und Bild­
serkameras eingesetzt. helligkeit (. Abb. 7.2). Eine zu niedrige oder
kkSignalnormierung und Dosisindikator deutlich zu hohe Dosis macht sich vor allem
durch ein erhöhtes Rauschen im Bild bemerk­
Digitale Bildempfänger haben einen sehr gro­
bar (. Abb. 7.3).
ßen Dynamikbereich, der Aufnahmen mit ganz
Das Verfahren zur Signalnormierung ist je
unterschiedlichen Expositionsniveaus erlaubt.
nach Hersteller unterschiedlich, beruht aber
Dadurch können Über- und Unterbelichtun­
auf einer Auswertung des Bildhistogramms.
gen wie in der konventionellen Radiographie
Dieses beschreibt die Häufigkeitsverteilung der
nahezu ausgeschlossen werden (. Abb. 7.1).
vorkommenden Dosiswerte im gesamten Bild­
Daraus ergeben sich wichtige Anwendungs­
feld. Aus der Analyse der Minima, Maxima und
vorteile, wie beispielsweise die konsequente
charakteristischen Häufungen kann die Lage
Anwendung des ALARA-Prinzips (= As Low As
der bildwichtigen Bereiche im Dynamikbereich
Reasonably Achievable).
erkannt und die Darstellung entsprechend an­
>>Digitale Systeme sind in der Lage, be­ gepasst werden. Die Signalnormierung ent­
fundfähige Bilder aus Aufnahmen zu be­ spricht in etwa einer automatischen Fensterein­
rechnen, bei denen die Dosis um ein Viel­ stellung auf die bildwichtigen Pixelwerte.
faches erhöht wurde. Umso wichtiger ist
das hohe Maß an Verantwortung hin­ >>Das digitale Röntgenbild ist die Voraus­
sichtlich der Belichtung in Abhängigkeit setzung für eine erweiterte Erfassung
von der Fragestellung. der Wirklichkeit. Die hieraus resultie­
Digitale Bildentstehung ­und -verarbeitung
55 7
..Abb. 7.2  Digitaler Detektor:
Hier wird trotz unterschiedlicher
Dosiswerte immer ein Bild mit
den gleichen Grauwerten er-
zeugt. Lediglich das Rauschen
ist in Aufnahmen mit niedrigen
Dosiswerten stärker

rende höhere Flexibilität führt zu Frei­ der Bildaufnahme, wie beispielsweise die Laser­
heitsgraden bei Bearbeitung, Darstel­ abtastung und Lichtdetektierung (7 Lumines-
lung und Übertragung, die dem Aspekt zenzradiographie) während des Auslesevor­
der Verantwortung für den, der damit gangs der Speicherfolie eine Rolle. Er ist daher
umgeht, eine wachsende Bedeutung in der täglichen Arbeitsroutine nur begrenzt
gibt. (K.F. Kamm) für quantitative Rückschlüsse auf die Dosis
tauglich. Eine große Bedeutung hat der Dosis­
Da es bei digitalen Systemen nicht ohne weite­ indikator im Rahmen der Konstanzprüfung.
res möglich ist, das Dosisniveau im Bild zu er­ Hier ist der Stellenwert als Indikator und­
kennen, wird zu jedem Bild ein Dosisindikator zur Eingrenzung eines Fehlers ebenso wichtig,
angegeben, der ebenfalls aus dem Bildhisto­ wie der Pixelwert und die anderen Bildgüte­
gramm gewonnen wird. Dieser Dosisindikator parameter.
hängt außer von der Dosis auch noch von an­
deren Parametern wie Strahlungsqualität, Aus­
lesemodus, Einblendung oder Objektumfang 7.1.3 Digitale Bildempfänger
ab. Zudem spielen Faktoren aus dem Bereich
Grundlegend wird die Strahlung in der ersten
Stufe eines digitalen Radiographiesystems von
der strahlenempfindlichen Schicht des Detek­
tors aufgenommen. Erst danach setzt die Digi­
talisierung ein. Dazu sind 3 Hauptschritte
­erforderlich:
55Bei der Rasterung erfolgt eine zeilen- und
spaltenweise Aufteilung des Bildes in ein­
zelne Bildelemente (Bildpunkte, Pixel).
55Bei der Quantisierung wird das mittlere
..Abb. 7.3  Axiale Hüftaufnahme: Hier erkennt man ­Signal je Pixel gemessen und es erfolgt eine
gut das Zusammenspiel Dosis und Rauschen. Im Zuordnung zu einer vorgegebenen Anzahl
­Bereich des Hüftkopfes, wo wenig Strahlung auf den
Detektor getroffen ist, ist das Rauschen gut sichtbar, möglicher Signalstufen (Grauwerte). Alle
während es im Bereich des Oberschenkels deutlich Pixelwerte werden zu einer Matrix zusam­
­geringer ist mengefasst.
56 J. Hausmann

55Bei der Kodierung erfolgt die Umwandlung höher als bei konventionellen Film-Folien-
des Grauwertes in einen binären Zahlen­ Kombinationen. Betrachtet man nun den digi­
wert, das Ergebnis ist eine digitale Bild­ talen Detektor, so wird trotz unterschiedlicher
matrix mit binären Pixelwerten. Dosiswerte immer ein Bild mit den gleichen
Grauwerten erzeugt. Lediglich das Rauschen ist
Die Größe eines Bildpunktes ergibt sich aus in den Aufnahmen mit niedrigen (oder auch
dem Quotienten von Detektordurchmesser deutlich zu hohen) Dosiswerten stärker. In
und Anzahl der Bildelemente pro Zeile oder manchen Fällen kann aufgrund des günstigen
Spalte der Bildmatrix. Die Pixelgröße beein­ Dynamikbereichs in der digitalen Radiogra­
flusst die räumliche Auflösung der digitalen phie eine geringere Dosis gewählt werden
Bildgebung, deshalb muss sich die erforderliche (7 Abschn. 7.1.2).
Ortsauflösung im digitalen Bild nach der Grö­
ße des diagnostisch relevanten Details im
menschlichen Körper richten. Die Bildgüte in 7.2 Digitale Lumineszenzradio-
der Projektionsradiographie wird durch die graphie (DLR)
7 geometrische Unschärfe (Fokus), durch Ob­
jektbewegungen, Streustrahlung und das be­ Um die Vorteile der digitalen Bildgebung
grenzte Quantenangebot bestimmt. Deshalb ist ­anwenden zu können, wurde die digitale Lumi­
es nicht sinnvoll, ein sehr feines Abtastraster zu neszenzradiographie (Synonyme sind Spei­
wählen, um eine höhere Ortsauflösung zu er­ cherfolienradiographie oder auch Computed
reichen. Hinzu kommt, dass der Speicherbedarf ­Radiography [CR]) entwickelt. Statt einer Film-
eines digitalen Bilds quadratisch zu seiner Folien-Kombination enthält die Kassette eine
­Seitenlänge steigt. So beansprucht ein Bild mit wiederverwendbare Folie, die sog. Speicher­
einer Matrix von 2048×2048 Bildelementen be­ leuchtstofffolie. Diese gleicht im äußeren Auf­
reits den vierfachen Speicherplatz eines Bildes bau einer herkömmlichen Verstärkerfolie. Der
mit einer Matrix von 1024×1024 Pixels. Mit Leuchtstoff besteht aus europiumdotierten
dem Speicherbedarf steigen entsprechend die ­Bariumsalzkristallen (BaF:Eu). Auf die Spei­
Speicherkosten pro Bild und der Zeitbedarf, cherleuchtstoffschicht während der Röntgen­
um die Bilder zu digitalisieren, auf einen aufnahme auftreffende Röntgenstrahlen ver­
­Datenträger zu schreiben oder sie über eine setzen bei einer entsprechenden Wechselwir­
­Datenleitung zu übertragen. kung die Valenzelektronen im Kristallgitter in
einen höheren Energiezustand, in dem sie zu­
>>Kurz erwähnt: Die Zeit der Datenübertra­
nächst verweilen. Das auf diese Weise gespei­
gung ist für die Durchführung der Telera­
cherte latente Bild oder Ladungsbild wird im
diologie durch die Norm DIN 6868-159
Reader im Rahmen des Auslesens mit einem
geregelt. Laut dieser Norm darf die
roten Laserlicht zeilenförmig abgetastet. Die
Übertragung der Bilder nicht mehr als ­
„Dicke“ des abtastenden Laserstrahls und die
15 Minuten in Anspruch nehmen. Das
Präzision des Vorschubs der Speicherfolie beim
gilt für die Thoraxübersichtsaufnahme
Lesevorgang bestimmen die Auflösung des
­genauso wie für das Polytrauma-Ganz­
­digitalen Bildes. Die Energie des Laserstrahles
körper-CT.
bewirkt, dass die Elektronen aus ihrem meta­
Digitale Detektoren besitzen, im Vergleich zur stabilen Zustand wieder in ihren Grundzustand
Gradationskurve eines Film-Folien-Systems, fallen und dabei die Energiedifferenz in Form
eine lineare Kennlinie. Dadurch kann selbst bei von Licht abgeben. Dieses Lumineszenzlicht
sehr ungünstig gewählten Bedingungen ein wird von einem Photomultiplier aufgenom­
­diagnostisch auswertbares Röntgenbild entste­ men, anschließend digitalisiert und dem Bild­
hen. Der Belichtungsumfang wird als Dyna- prozessrechner zugeführt. Während des ab­
mikbereich bezeichnet. Er ist um den Faktor 100 schließenden Löschvorgangs werden durch
Digitale Bildentstehung ­und -verarbeitung
57 7
Rönthenstrahlung
Bestrahlen
angeregter Zustand
Grundzustand

Licht Laserstrahl
stimulierte Lumineszenz

Löschen Auslesen

Polygon-Spiegel

Laser
Ablenkspiegel

Photo-
vervielfacher Analog
Signal- Digital
verstärker Wandler

Lichtsammler

b Speicherfolie

Laserlicht
ANGEREGTER Belichten Auslesen
ZUSTAND
HAFT-
STELLE Lumineszenz

Röntgen-
strahlung
GRUND-
ZUSTAND

• Speicherleuchtstoff: BaFBr: Eu
• Belichtung und Lumineszenz zeitlich voneinander getrennt
c • Lumineszenz durch Laseranregung lokal stimuliert

..Abb. 7.4a–c Speicherfolienradiographie. a Kern- ­ iner Speicherfolie beteiligten Komponenten. c Funk-


e
prozesse in der Anwendung von Speicherfolien. ­ tionsprinzip der Speicherfolie
b Schematische Darstellung der am Ausleseprozess
58 J. Hausmann

..Abb. 7.5  Konventionelle Aufnahme eines Thorax ..Abb. 7.6  Digitale Aufnahme eines Thorax
7 mit besserer Darstellung der mediastinalen Strukturen
im digitalen Bild

intensive Lichtstrahlung die noch im metasta­ Lungen- und Mediastinalstrukturen gut darge­
bilen Zustand befindlichen Elektronen in den stellt werden (. Abb. 7.5 und . Abb. 7.6).
Grundzustand zurückgebracht. Die Speicher­ Der Vorteil des großen Dynamikbereiches
folie steht für eine weitere Aufnahme zur Ver­ digitaler Verfahren besteht in seiner Sicherheit
fügung (. Abb. 7.4). gegen Über- und Unterbelichtung. Eine gerin­
Zu erwähnen ist der Prozess des sog. gere als die von den Film-Folien-Systemen
­Fadings. Dabei kommt es zu einem kontinuier­ ­gewohnte Bilddosis führt nicht zu einem unter­
lichen Informationsverlust im Zeitraum von belichteten, sondern zu einem Bild normaler
der Belichtung bis zum Auslesen der Speicher­ Grauwertverteilung mit einem allerdings (der
folie. Es fallen kontinuierlich Elektronen spon­ geringeren Dosis entsprechend) höheren
tan aus dem metastabilen Energieniveau ­zurück Quantenrauschen. Bei Problemaufnahmen,
in den Grundzustand. Die durch dieses Elek­ z. B. Bettaufnahmen auf Intensivstationen, lie­
tron gespeicherte Information zur detektierten fert das Verfahren hinsichtlich der Grauwerte
Röntgenstrahlung geht dabei verloren. stets, d. h. ohne Wiederholungsaufnahmen,
Ein Vorteil der digitalen Lumineszenz- und brauchbare Bilder.
Detektorradiographie besteht – wie bei allen Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch
digitalen Bildverfahren einschließlich der ein solches Verfahren Verstöße gegen die
­digitalen Bildverstärkerradiographie und der Grundlagen der Aufnahmetechnik nicht kom­
digitalen Subtraktionsangiographie (DSA) – pensiert; z. B. können Abschattungseffekte
darin, dass ohne Änderung der klassischen durch Dezentrierung des Streustrahlenrasters
Röntgentechnik (aber: Anpassung der Genera­ nicht ausgeglichen werden.
torkennlinie) mittels geeigneter Fenster- und Da sich das Röntgenbild elektronisch spei­
Filtertechniken und nachträglicher Kanten- chern lässt, ist das System im Grundsatz mit
und Kontrastanhebung („post-processing“) der modernen Bildarchivierungs- und Kommuni­
Bildumfang und damit der Informationsgehalt kationssystemen kompatibel.
des Röntgenbilds bei hoher Bildqualität und
unter Reduktion der Strahlendosis erheblich
verbessert wird. So können auf Extremitäten­
aufnahmen sowohl Knochen als auch Weich­
teilstrukturen oder auf einer Thoraxaufnahme
Digitale Bildentstehung ­und -verarbeitung
59 7
7.3 Digitale Flachdetektorradio- 7.3.1 Prinzip der Flachdetektor-
graphie technologie mit Cäsiumjodid

Im Vergleich zur digitalen Lumineszenzradio­ Das Prinzip der Flachdetektortechnologie mit


graphie mit Speicherfolien wird in der digitalen Cäsiumjodid soll am Beispiel des Detektors der
Radiographie (DR) mit der Flachdetektortech­ Firma Trixell beschrieben werden.
nik gearbeitet. Die Röntgenstrahlen belichten
einen elektronischen Flachdetektor. Dieser er­ kkAufbau des Flachdetektors
zeugt ein hochaufgelöstes digitales Bild, das im Dieser Flachdetektor besteht prinzipiell aus­
angeschlossenen Bildrechner mehrstufig wei­ 2 Schichten (. Abb. 7.7):
terverarbeitet wird. Ein elektromechanischer 55Absorberschicht für Röntgenstrahlung
Lesevorgang wie bei der Speicherfolie entfällt. (z. B. mit CsJ-Szintillator, CsJ = Cäsium­
Dabei erkennt das System automatisch das be­ jodid)
lichtete Feld und die applizierte Dosis. Umfang­ 55Aktive Sensormatrix aus amorphem Sili­
reiche Bildverarbeitungssoftware berechnet zium
und optimiert das Bild automatisch, d. h. die
Kontraste diagnoserelevanter Strukturen wer­ In der Absorberschicht erzeugen die Röntgen­
den angehoben. Wenige Sekunden nach der quanten Photonen des sichtbaren Lichtes. Der
Aufnahme ist das Bild auf dem Bildschirm zur besondere Vorteil von CsJ ist die Nadelstruktur,
Begutachtung verfügbar. die als Lichtleiter wirkt und Lichtstreueffekte
Der Anwender hat heute die Wahl, der minimiert (. Abb. 7.8). Mittlerweile werden
Flachdetektor ist entweder mobil und kann bei neben CsJ auch andere Absorbermaterialien
Bedarf in die Rasterlade des Buckytisches oder wie Gadoliniumoxysulfid (= GOS) oder kristal­
des Rasterwandgerätes (RWG) eingelegt wer­ lines Silizium genutzt. Unterschiede finden sich
den, oder die Flachdetektoren sind, zusätzlich u. a. in der Struktur und in der Dosisquantenef­
zum mobilen Detektor, fest in den Tisch und fizienz (DQE).
das RWG integriert. Auch Kombinationslösun­ In der nächstfolgenden Halbleiterschicht
gen sind möglich, sodass sich, je nach Auslas­ aus amorphem Silizium sind Photodioden inte­
tung und Arbeitsablauf, verschiedene Konzepte griert, die das Licht empfangen und in elektri­
entwickeln lassen. Mit dem aktiven Detektor­ sche Signale umwandeln. Diese werden beim
format von z. B. 43×43 cm² werden alle sonst Auslesen des Flachdetektors verstärkt und in
konventionell mit Film-Folie-System oder mit digitale Signale umgewandelt.
Speicherfolie hergestellten Aufnahmen durch­ Das daraus entstehende digitale Bild besteht
geführt, einschließlich der orthopädischen aus ca. 9 Mio. Pixeln mit einer 14 bit Informa­
Sonderaufnahmen Ganzbein- und Ganzwir­ tionstiefe pro Pixel. Die 3k-Matrix hat eine
belsäulenaufnahmen. Größe von 43×43 cm². Die Auflösung macht
Es gibt zwei unterschiedliche Detektortech­ auch feinste Strukturen sichtbar. Die hohe
nologien: Empfindlichkeit, der große Dynamikumfang
55Direkte Umwandlung von Röntgenquan­ des Flachdetektors und die projektionsange­
ten (auf Selen basierende Detektoren) in passten Verarbeitungsparameter zeigen eine
elektrische Signale sehr gute Bildqualität.
55Indirekte Umwandlung von Röntgenstrah­ Bei digitalen Detektoren lässt das Bild für
len über einen Szintillator und eine licht­ den Anwender ohne weiteres keine exakten
empfindliche Siliziumschicht (Szintillator Rückschlüsse auf die gewählte Dosis zu. Der
basierend auf Bariumfluorid bzw. Cäsium­ Exposure Index (EI) zeigt den Maßstab für die
jodid) in elektrische Signale eingesetzte Dosis (siehe Dosisindikator).
60 J. Hausmann

..Abb. 7.7  Aufbau eines


Flachdetektors

kkBilddarstellung
Die Bilddarstellung wird in 4 Schritten opti­
miert:
55Direkt auf den Flachdetektor abgestimmte
Bildvorverarbeitung.
55Erfassen des entsprechenden Bildberei­
ches: der eingeblendete Bildbereich auf
dem Detektor wird automatisch erfasst
und für die weitere Verarbeitung ausge­
wählt; nur der relevante, belichtete Bild­
bereich wird archiviert.
..Abb. 7.8  Struktur von Cäsiumjodid 55Applikationsabhängige Bildverarbeitung:
das Bild wird in Abhängigkeit von der
kkSchritte zum digitalen Röntgenbild ­klinischen Fragestellung und der anatomi­
55Rasterung: zeilen- und spaltenweise Auf­ schen Region weiterverarbeitet; diese Bild­
teilung des Bilds in einzelne Bildelemente verarbeitung läuft automatisch ab.
55Ergebnis: Bildpunkte (Pixel) 55Anpassung auf das Ausgabemedium:
55Quantisierung: Messung des mittleren das Bild wird für die Darstellung auf dem
­Signals je Pixel und Zuordnung zu einer jeweiligen Ausgabemedium – Monitor
vorgegebenen Anzahl möglicher Signal­ oder Film – optimiert.
stufen (Grauwerte)
55Ergebnis: mittlerer Intensitätswert pro
Pixel, alle Pixelwerte werden zu einer 7.4 Bildverarbeitungssoftware
Matrix zusammengefasst
55Kodierung: Umwandlung des Grauwerts Die sog. Multifrequenzverarbeitung stellt den
in einen binären Zahlenwert aktuellen Stand der Technik im Bereich der
55Ergebnis: digitale Bildmatrix mit Pixel­ Bildverarbeitung dar. Solch eine Software
werten kombiniert größte Dichteunterschiede mit
­
Digitale Bildentstehung ­und -verarbeitung
61 7
höchstem Detailkontrast. Der zentrale Vorteil
liegt in der noch weiter verbesserten Bildquali­
tät. Um alle Bereiche eines Bildes zu optimie­
ren, werden folgende Arbeitsschritte durch­
geführt:
55Zunächst wird das Originalbild in mehrere
Einzelbilder unterschiedlicher Frequenzen
aufgeteilt.
55Jedes Einzelbild wird dann entsprechend
seiner Struktur optimiert.
55Zum Schluss werden die optimierten Ein­
zelbilder wieder miteinander verschmol­
zen.

Der Autoshutter sucht zunächst den relevanten


Bildteil, indem die Kanten der Tiefenblende auf
der Aufnahme detektiert werden. So werden
unwesentliche Informationen gefiltert. Der
Ranger ist für die Festlegung der wichtigsten
Strukturen im Bild zuständig. Durch die Lage
und Größe werden Knochenstrukturen bzw.
Lungenparenchym und Abdomen detektiert.
Die Bildverarbeitung schließlich erfolgt mittels
Kontrast- und Helligkeitsanpassung des Bildes
sowie der Verstärkung von kleinen Details und
schwachen Kontrasten im Bild.
Die Bildverarbeitungssoftware
55harmonisiert Kontraste,
55hebt schwache Details hervor und erzielt
Detailgenauigkeit in allen Bereichen,
55vermeidet Prozessierungsartefakte, z. B.
bei Prothesen,
55ermöglicht einen optisch einheitlichen
Eindruck für unterschiedliche Aufnahme­
verfahren,
55liefert konstant hohe Bildqualität auch bei
variierenden Untersuchungsbedingungen.

Zusätzlich gibt es bereits Hersteller, die Soft­


ware anbieten, die die bei rasterlosen Aufnah­
men entstandene Streustrahlung herausrech­
net. Im Ergebnis soll die rasterlose Aufnahme
einen ähnlichen Bildeindruck vergleichbar
­einer Rasteraufnahme hinsichtlich Schärfe und
Kontrast bieten. Die Vorteile gegenüber der
Anwendung eines Rasters sind der vereinfachte
Workflow bei der Bilderstellung und die bes­
sere Bildqualität der rasterlosen Aufnahme.
63 8

Archivierung
J. Hausmann

8.1 Rechtliche Aspekte  – 64

8.2 Konventionelle Archivierung  – 64

8.3 Digitale Archivierung  – 65


8.3.1 Grundlagen  – 65
8.3.2 Das digitale Archiv – PACS  – 65

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S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_8
64 J. Hausmann

8.1 Rechtliche Aspekte >>Im Hinblick darauf, dass weitere Schaden­


ersatzansprüche von Patienten erst nach
Die Archivierung von Röntgenaufnahmen 30 Jahren verjähren (§ 199 Abs. 2 BGB),
wird in der RÖV im § 28 geregelt. Grundsätz­ kann es zweckmäßig sein, Aufzeichnun­
lich müssen Röntgenbilder mindestens 10 Jahre gen einschließlich der Röntgenbilder bis
aufbewahrt bleiben. Es darf sowohl auf Bild­ zu 30 Jahre aufzubewahren.
trägern als auch auf Datenträgern archiviert
werden.
Es müssen dabei die Wiedergaben bzw. die 8.2 Konventionelle Archivierung
Daten mit den Bild- und Aufzeichnungsdaten
bildlich und inhaltlich übereinstimmen und Röntgenfilme werden bei der konventionellen
innerhalb der Aufbewahrungsfrist verfügbar Archivierung in Röntgentüten gesammelt. In
und sichtbar gemacht werden können (§ 28 Abteilungen, in denen noch kein RIS vorhanden
Abs. 4 S. 1 Nr. 1f. RÖV). Letzteres ist heute bei ist, werden z. T. noch Patientenkarteikarten ge­
der Nutzung von CD- und DVD-Datenträgern führt. Diese Karten enthalten alle gewünschten
und wegen des Einsatzes von PAC-Systemen Daten über Röntgenuntersuchungen inklusive
(siehe digitale Archivierung) mit RAID-Fest­ der Patientennummer, die zugleich Ablage­
plattenverbunden keine unlösbare Herausfor­ kennzeichen der abgelegten Röntgenfilme ist.
8 derung. Die Karteikarten werden entsprechend den An­
Speziell für die digitale Archivierung wird fangsbuchstaben der Patienten alphabetisch
im § 28 Abs. 5 RÖV u. a. definiert, dass nach­ eingeordnet. Dieses Verfahren ist auch heute
trägliche Änderungen oder Ergänzung erkenn­ noch in kleinen Instituten üblich. Bei der num­
bar sein müssen. Auch wird die Komprimie­ merischen Sortierung eignen sich das Geburts­
rung der Bilddaten genehmigt, solange die datum des Patienten und der Anfangsbuchstabe
diagnostische Aussagekraft erhalten bleibt.
­ des Nachnamens als Sortierungskriterium. Mit­
­Interessant ist dies besonders mit dem Blick auf hilfe von Randreitern oder farbigen Randmar­
die Modalitäten, die im Zuge des technischen kierungen werden die Röntgenfilmtüten im
Fortschritts immer größere Datenmengen Archiv für den schnellen Zugriff geordnet.
­liefern können. Die Bereitstellung der Bild­ Durchschnittlich werden pro laufenden Meter
daten in einer für den Anforderer geeigneten eines Archivregals etwa 500 Röntgentüten auf­
Form (§ 28 Abs. 6 Satz 1 RÖV) ist vorgeschrie­ gereiht. Archivraum und Bearbeitung groß­
ben, die herausgegebenen Daten müssen dabei räumiger Archive sind sehr kostspielig. Daher
den Ursprungsdaten entsprechen und zur Be­ werden Röntgenfilme z. T. auf kleinere Film­
fundung geeignet sein. formate kopiert oder mikroverfilmt.
Sowohl die konventionelle Archivierung als Bei der Umstellung auf ein digitales Archiv
auch die digitale Archivierung finden heute empfiehlt es sich, bei Kontrolluntersuchungen
noch Anwendung, wobei die digitale Archivie­ nur die unmittelbaren Voraufnahmen und ggf.
rung im Zuge der Digitalisierung von Röntgen­ die Unfallaufnahmen der Patienten digital zu
abteilungen und -praxen bereits deutlich an scannen und im PACS abzulegen. Jedoch sei
Gewicht gewonnen hat. darauf hingewiesen, dass die Originalfilme
Abschließend an dieser Stelle sei erwähnt, ­resultierend aus RÖV § 28 Abs. 4 weiterhin auf­
dass die Pflicht zur Aufbewahrung beim Strah­ zubewahren sind, da während des Scanvor­
lenschutzverantwortlichen verbleibt (Richtlinie gangs i. d. R. Informationsverluste auftreten.
„Aufzeichnungen nach RöV“). Eine dauerhafte Zusätzlich empfiehlt es sich, nach Einführung
Überlassung der Daten an den Patienten bzw. des PACS auf das pauschale Ausdrucken der
den Anforderer ist nicht statthaft. Röntgenfilme innerhalb des Krankenhauses
oder der Praxis zu verzichten.
Archivierung
65 8
8.3 Digitale Archivierung womit die fehleranfällige Neueingabe an der
Gerätekonsole entfällt (Modality-Worklist).
8.3.1 Grundlagen Die Übergabe der Patienten- und Unter­
suchungsdaten aus dem RIS an das digitale
Digitale Modalitäten einer radiologischen Ab­ Bildarchiv erfolgt mittels HL7, einem weiteren
teilung tauschen untereinander Daten aus­ Kommunikationsstandard. So wird der Num­
und verwenden dabei als gemeinsame Sprache mernkreis RIS-Modalität-PACS geschlossen.
DICOM (Digital Imaging and Communica­
tions in Medicine). Dieser internationale Stan­
dard legt für alle Modalitäten fest, wie die Daten 8.3.2 Das digitale Archiv – PACS
aufbereitet werden müssen, sodass der Emp­
fänger sie auch richtig versteht. DICOM bietet >>Der Begriff PACS (Picture Archiving and
verschiedene Dienste und somit verschiedene Communication System) bezeichnet in
Funktionalitäten, z. B. Store, Printmanagement der Medizin Bildarchivierungs- und Kom­
und das Worklist Management. Für die Nut­ munikationssysteme auf Basis digitaler
zung der Funktion müssen beide Kommunika­ Rechner und Netzwerke.
tionspartner den Dienst unterstützen. Ob und
in welcher Form der DICOM-Dienst unter­ Im Unterschied zu herkömmlichen Verfah­
stützt wird, wird seitens der Hersteller in den rensweisen, bei dem Bilder auf Röntgenfilmen
sog. Conformance Statements veröffentlicht. dokumentiert und archiviert werden, arbeiten
Diese gelten als erste Orientierungshilfe zur PAC-Systeme mit digitalen Bilddaten. Wesent­
­Beantwortung der Frage nach der Interoperabi­ liche Vorteile sind sowohl die abrupte Verfüg­
lität. barkeit als auch die Möglichkeiten der Bearbei­
Der Aufbau eines DICOM-Datensatzes tung der Bildansicht durch z. B. Veränderung
wird an einem digitalen Röntgenbild deutlich. von Helligkeit und Kontrast, Zoomen, Messun­
Damit ein Bild vom Empfänger verarbeitet wer­ gen oder die Kantenanhebung im Rahmen der
den kann, genügt nicht die reine Übertragung Befundung. Dabei ist die Verfügbarkeit nicht
der Bildpunkte. Es muss neben der Bildübertra­ auf einen Zugriff pro Zeiteinheit beschränkt.
gung auch die Information zum Aufbau des Auch entfällt der doch erhebliche Aufwand bei
Bildes mitgeliefert werden. Zu jedem Bild­ der Bereitstellung von Voraufnahmen und der
datensatz gibt es außerdem Tabellen, die Aus­ Archivierung selbst. Ein PACS steigert somit
kunft über die Serie, die Studie und den Patien­ die Effizienz in einer radiologischen Abteilung.
ten geben. Damit jedes Bild immer einem
­Patienten, einer Studie und einer Serie zuge­ k kAufbau eines PACS
ordnet werden kann, werden diese Tabellen Der Aufbau eines PACS kann, je nach Herstel­
eindeutig identifiziert: ler und Herstellungsjahr, sehr unterschiedlich
55die Studien und Serien durch UID (Unique aussehen. Wichtig ist, dass die Daten für die
Identifier), eine einmalige eindeutige vorgeschriebene Zeit zur Verfügung stehen.
­Zahlenkombination Dafür werden heute oft RAID-Systeme genutzt.
55Der Patient durch eine im Krankenhaus Ein RAID-System (Redundant Array of Inex­
eindeutige Patienten-ID, die bereits im KIS pensive/Independent Disks) dient zur Organi­
(Krankenhausinformationssystem) ange­ sation von mehreren Festplatten bei einem
legt und in das RIS übertragen wurde. Computer und ist in der Lage, Daten redundant
zu speichern. Im Fall eines Festplattendefekts
Der DICOM-Standard ermöglicht einem bild­ gehen keine gespeicherten Daten verloren.
gebenden Gerät, eine Liste von Arbeitsauf­ Ggf. unterscheidet das PACS zwischen
trägen zusammen mit demographischen Pa­ Kurzzeit- und Langzeitarchivierung, wobei die
tientendaten direkt vom RIS zu übernehmen, Kurzzeitarchivierung auf einem schnellen Fest­
66 J. Hausmann

..Tab. 8.1  Vergleich der Bilddatenvolumina, Matrixgrößen, Kompressionsfaktoren und des erforder-
lichen Speicherplatzbedarfs für einzelne digitale Systeme (mod. nach Loewenhardt 2006)

Unter­ Bilder/­ Matrix Bildtiefe Kompres­ Speicherplatz Speicherplatz ­


suchung Unter­ (Bit) sionsfaktor pro Bild (kom­ pro Bild (unkom­
suchung primiert [MB]) primiert [MB])

CT 40–60 512 12 2:1 0,25 0,5


MRT 60–80 512 12 2:1 0,25 0,5
Angiogra- 10–20 1 024 8 2:1 0,52 1,05
phie
Skelett (DLR) 4 2 048 10 2:1 4 8
Skelett (DR) 4 3.000 14 2:1 9 18

platten-RAID erfolgt, die Langzeitarchivierung


dann entweder auch auf einem RAID oder
8 ­einem anderen Speichermedium wie Speicher­
bändern durchgeführt werden kann.
Aktuell haben RAID-Systeme eine Spei­
cherkapazität von mehreren TB (1 Terabyte =
1012 Byte). Werden radiologiefremde Daten wie
beispielsweise Herzkatheteruntersuchungen
im PACS abgelegt, so kann das Volumen unter
Beachtung weiterer Parameter auf mehrere
hundert TB anwachsen. Zur Minimierung des
Speicherbedarfs können die Daten problemlos
verlustfrei komprimiert werden, womit sich – je
nach Kompressionsfaktor – der Speicherbedarf
erheblich reduzieren lässt. Letztendlich ent­
scheidend für die Größe des RAID ist somit das
erwartete Datenvolumen (. Tab. 8.1).
67 9

Bildwiedergabesysteme
G. Schüler

9.1 Bildwiedergabesysteme für die Befundung  – 68

9.2 Bildwiedergabesysteme für die Betrachtung  – 70

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S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_9
68 G. Schüler

9.1 Bildwiedergabesysteme für stanzprüfung muss diese Größe halbjährlich


die Befundung kontrolliert werden.
>>Mit Inbetriebnahme einer Röntgenein-
Im Sinne der Qualitätssicherungs-Richtlinie
richtung fordert die Qualitätssicherungs-
bezeichnet „Befundung die Erkennung, Be-
Richtlinie, die neu erschienenen bzw.
schreibung und Beurteilung der diagnoserele-
überarbeiteten Normen zur Abnahme-
vanten Bildinhalte mit den organtypischen
prüfung spätestens nach dem Ablauf von
Bildmerkmalen, Details und kritischen Struk-
sechs Monaten nach dem Erscheinen der
turen durch den Arzt oder Zahnarzt mit der
Norm anzuwenden.
erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz
zur Beantwortung der diagnostischen Frage- Wird im Laufe des Betriebes einer Röntgenein-
stellungen und als Grundlage für ärztliche oder richtung eine Teilabnahmeprüfung erforder-
zahnärztliche Entscheidungen.“ lich, so ist unabhängig vom Zeitpunkt der Inbe-
Der Strahlenschutzverantwortliche ist ver- triebnahme der Röntgeneinrichtung ebenfalls
pflichtet, alle Bildwiedergabesysteme entspre- spätestens sechs Monate nach der Veröffent­
chend ihrer Zweckbestimmung – den Tätig- lichung der neu erschienenen oder überarbeite-
keitsarten der Mediziner – in Raumklassen, wie ten Norm (siehe Anlage II 1 der Sachverständi-
sie in der DIN 6868-157 aufgeführt sind, einzu- gen-Richtlinie) die neue Norm anzuwenden.
ordnen (. Tab. 9.1). Diese Einordnung hat für Für die Bildwiedergabesysteme zur Befun-
alle Röntgeneinrichtungen unabhängig vom dung bedeutet diese Aussage, dass für alle Rönt-
9 Alter der Anlage bzw. der Inbetriebnahme zu geneinrichtungen, die nach dem 01. Mai 2015 in
erfolgen. Wesentlich für diese Zuordnung sind Betrieb genommen wurden, die DIN 6868-157
die Tätigkeiten des Arztes. Damit verbunden ist anzuwenden ist. Aufgrund der hohen Anforde-
die Einhaltung einer maximalen Beleuchtungs- rungen wurden umfangreiche Übergangsrege-
stärke. Diese ist vor Inbetriebnahme des Bild- lungen als Ergänzung zur Qualitätssicherungs-
wiedergabesystems zu messen und Bestandteil Richtlinie veröffentlicht. Am 1. Januar 2025
der Abnahmeprüfung. Im Rahmen einer Kon- enden alle Übergangsbestimmungen und­­

..Tab. 9.1  Definition der Raumklassen mit ihren jeweiligen Anforderungen nach DIN 6868-157

Raum- Raum zur Tätigkeiten Klassi­fi­ Beleuchtungs-


klasse kation stärke [Lx]

RK 1 Befundung Bildbeurteilung durch fachkundige Befundung ≤50


Ärzte

RK 2 Sofortigen Untersuchungsraum, wo therapie­ Befundung ≤100


­Befundung relevante Entscheidungen getroffen
werden (Niedrigkontrast)

RK 3 Führen der Mittels Dialogmonitor erfolgt die Unter- Befundung ≤500


­Untersuchung suchungsführung (Hochkontrast)

RK 4 Betrachtung & Bekannter und beurteilter Befund muss Betrachtung ≤1000


Behandlung repetitiv nachvollzogen werden

RK 5 Dentalen Befundung außerhalb des Behand- Befundung ≤100


­Befundung lungsarbeitsplatzes

RK 6 Dentalen Befundung am Behandlungsarbeits- Befundung ≤1000


­Behandlung platz
Bildwiedergabesysteme
69 9

..Tab. 9.2  Mindestanforderungen an Bildwiedergabegeräte (auszugsweise)

Methoden Maximale Maximales Matrix des Homogenität inner-


Leuchtdichte Leuchtdichte- BWG halb BWG (zwischen
[cd/m2] verhältnis mehreren BWG)

Projektionsradiographie ≥250 ≥250 ≥1600 × ≥1200 <25 % (<20 %)


(Thorax, Skelett, Abdomen)
Durchleuchtung (Fluoros- ≥150 ≥100 ≥1024×≥1024 <25 % (<20 %)
kopie), alle Anwendungen
Computertomographie ≥150 ≥100 ≥1024×≥1024 <25 % (<20 %)
RK 5 inkl. dentaler CBCT ≥200 ≥100 ≥1024×≥768 <30 % (<30 %)
RK 6 ≥300 ≥100 ≥1024×≥768 <30 % (<30 %)
Mammographie ≥250 ≥250 ≥2048×≥2048 <25 % (<10 %)

..Tab. 9.3  Prüfparameter für die Konstanzprüfung (ohne Mammographie)

Prüfparameter Intervall Messmittel Testbild

Gesamtbildqualität Arbeitstäglich Visuell TG18-QIC


Homogenität Halbjährlich Visuell TG18-UN80
Farbeindruck und Gleichmäßigkeit Halbjährlich Visuell TG18-UN80
Minimalleuchtdichte Halbjährlich Messen TG18-LN8-01
Maximalleuchtdichte Halbjährlich Messen TG18-UN8-18
Schleierleuchtdichte f. RK 1 und2 Halbjährlich Messen
Alternativ Beleuchtungsstärke Halbjährlich Messen
Homogenität von Mehrfachanzeigen Halbjährlich Messen TG18-UN10
Leuchtdichtekennlinie Halbjährlich Messen 18 Testbilder -N8-01 bis -18

die obengenannte Norm ist umfassend anzu- Raumklasseneinordnung zu kennzeichnen und


wenden. regelmäßig zu überprüfen. In . Tab. 9.3 sind die
Auf der Basis der unterschiedlichen Metho- Parameter für die Konstanzprüfung aufgelistet.
den der Bilderzeugung sowie der diagnostisch Die Anforderungen variieren entsprechend der
erforderlichen Bildgüte definiert oben genann- verwendeten Raumklasse. Bedeutsam ist, dass
te Norm Mindestanforderungen an die Bild- einige Bundesländer von den Vorgaben dieser
wiedergabegeräte (BWG). In . Tab. 9.2 sind Norm abweichen. So kann z. B. auf die mess-
auszugsweise die Parameter der minimalen technische Überprüfung der Leuchtdichte-
Anforderungen aufgeführt. Die Mindestpixel- kennlinie in einigen Bundesländern verzichtet
größe wird für alle digitalen Methoden in bei- werden. Die Überprüfung erfolgt visuell an
den Dimensionen auf 140 μm festgelegt. ­definierten Testbildern.
Entsprechend der DIN 6868-157 sind Bild- Nach wesentlichen Änderungen am Bild-
wiedergabesysteme zur Befundung mit ihrer wiedergabesystem, wie z. B. der Änderung der
70 G. Schüler

Raumklasse, wird eine erneute Abnahmeprü-


fung erforderlich. Diese Maßnahmen sind in
der Norm ausführlich beschrieben.
>>Grundsätzlich gilt, wenn nach Änderun-
gen eine erforderliche Konstanzprüfung
nicht bestanden wurde, ist eine erneute
Abnahmeprüfung vorzunehmen. Diese
Prüfung stellt die Einhaltung der Minde­st­
anforderungen sicher.

9.2 Bildwiedergabesysteme für


die Betrachtung

Bei der „Bildbetrachtung“ im Sinne der Quali-


tätssicherungs-Richtlinie werden „die Bild-
merkmale und -inhalte von (ggf. schon befun-
deten) Bildern im Rahmen der ärztlichen oder
zahnärztlichen Information, Demonstration
9 oder Kontrolle, aber nicht zum Zweck der Be-
fundung, erfasst. Die Darstellung diagnoserele-
vanter Bildinhalte kann bei der Betrachtung
durch verringerte Orts- oder Kontrastauf­
lösung oder geringere Leuchtdichte einge-
schränkt sein. Geräte, die nur zur Betrachtung
eingesetzt werden, unterliegen nicht der Quali-
tätssicherung nach § 16 RöV.“
Die DIN 6868-157 fordert für die Bild­
wiedergabesysteme zur Betrachtung keine Ab-
nahmeprüfung: „Vor der ersten Verwendung …
sollte eine visuelle Prüfung … durchgeführt
und nach Ermessen des Anwenders wiederholt
werden.“
Eine Kennzeichnung der Raumklassifizie-
rung ist jedoch in jedem Fall erforderlich. Dies
ist vor allem für den Betreiber im Hinblick auf
die Überprüfung durch die Ärztlichen Stellen
von Bedeutung.
71 10

Reproduzierbarkeit,
­Identifikation ­
und ­Zeichenlegung
A. Ohmstede, C. Verloh

10.1 Reproduzierbarkeit  – 72

10.2 Identifikation  – 72

10.3 Zeichenlegung  – 73
10.3.1 R und L in der R
­ öntgenaufnahme  – 73
10.3.2 Seitenrichtige Betrachtung von Röntgenaufnahmen  – 73
10.3.3 Unterschiede für analoge und digitale Systeme  – 73
10.3.4 Zeichenlegung bei D ­ urchleuchtung  – 75
10.3.5 Seitenrichtige Bezeichnung von Röntgenaufnahmen  – 75
10.3.6 Schreibgerechte oder s­ piegelverkehrte Kenn­zeichnung  – 75
10.3.7 Die Zeichenlegung ist v­ erbindlich  – 75
10.3.8 Einführung kurz nach E­ ntdeckung ­
der Röntgenstrahlung  – 77

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https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_10
72 A. Ohmstede und C. Verloh

10.1 Reproduzierbarkeit

A. Ohmstede

Die Röntgenuntersuchung eines Skelettab­


schnitts besteht aus mindestens 2 Aufnahmen,
die in 2 senkrecht zueinanderstehenden Ebe­
nen angefertigt werden. Standardaufnahmen
können durch Spezialprojektionen ergänzt
werden. Eine einzelne Spezialaufnahme ist für
die Diagnostik meist nicht ausreichend. Die
röntgenologischen Standardprojektionen und
die standardisierten Spezialaufnahmen ge­
währleisten reproduzierbare Aufnahmen. Die
Reproduzierbarkeit gilt jedoch nicht nur für die
Projektion (Einstelltechnik), sondern auch für
die technischen Daten (Aufnahmetechnik). ..Abb. 10.1  Ellenbogengelenk eines 8-jährigen
­Kindes mit Knochenkernen (Epiphyse, Apophyse) und
Das bedeutet in der Praxis, dass die/der MTRA Wachstumsfugen. 1 Apophyse, 2 Epiphyse, 3 Epiphy-
sich frühere Aufnahmen vor der Röntgenunter­ senfuge
suchung ansieht und bei guter Bildqualität die
protokollierten Belichtungsdaten übernimmt
(Voraussetzung sind Röntgengeräte gleicher ­etektoranliegende Körperseite bezeichnet.
d
10 Leistung) bzw. bei schlechten Aufnahmen ent­ Gerade in der Speicherfolien- und geräteab­
sprechende Korrekturen vornimmt. hängig bei der Direktradiographie ist die Ver­
Bei Skelettaufnahmen von Kindern können wendung der Bleibuchstaben für die Seitenbe­
Vergleichsaufnahmen der Gegenseite erfor­ zeichnung während der Aufnahme notwendig.
derlich sein, wenn es darum geht, Wachstums­ Durch die Möglichkeit der Bildnachverarbei­
störungen, Lage und Formveränderungen von tung (darunter fällt u. a. auch die Spiegelung
Epiphysen (gelenknahe Knochenkerne), Epi­ der Aufnahme) kann es sonst zu nicht mehr
physenfugen (Wachstumsfugen) und Apophy­ nachvollziehbaren Projektionen kommen.
sen (Knochenkerne an Sehnenansätzen) oder
Apophysenfugen nach einem Unfall festzustel­
len (. Abb. 10.1). 10.2 Identifikation
Organe und Skelettabschnitte müssen mit
einer Seitenbezeichnung versehen werden. Der Grundsätzlich können aber alle Informationen,
Buchstabe zur Seitenbezeichnung wird in der die eine eindeutige Seitenbezeichnung und
Regel an die Außenseite des zu bezeichnenden Spezialprojektion betreffen, nachträglich an
Organ- oder Skelettabschnitts so positioniert, der Workstation oder im PACS vermerkt wer­
dass die Basis des Buchstabens fußwärts zeigt den. Die Identifikation enthält Name, Vorname
(also nicht auf dem Kopf steht). In den Leitli­ und Geburtsdatum des Patienten, Herstel­
nien der Bundesärztekammer wird die korrekte lungsort (z. B. Krankenhaus, Röntgenpraxis)
Seitenbezeichnung während der Aufnahme ge­ und Datum der Röntgenaufnahme. Sie wird bei
fordert, die Aufbelichtung erfolgt also mit Röntgenfilmen mithilfe eines Aufbelichtungs­
Röntgenstrahlen. Der Buchstabe wird leserlich gerätes so aufgebracht, dass sie bei der üblichen
angebracht, wenn der Patient mit dem Rücken Betrachtung des Röntgenbilds leserlich, also
zum Detektor sitzt und spiegelbildlich, wenn nicht spiegelverkehrt ist und keine Röntgen­
sich die Vorderseite des Patienten detektornah bildabschnitte verdeckt. Außerdem werden,
befindet. Bei seitlichen Aufnahmen ist die wie bereits oben erwähnt, die Seitenbezeich­
Reproduzierbarkeit, ­Identifikation ­und ­Zeichenlegung
73 10
nung oder andere Zusatzbezeichnungen (z. B. werden entsprechend dem aufzunehmenden
„im Stehen“, „im Liegen“, „nach Miktion“ usw.) Objekt gewählt.
aufbelichtet. Korrekt eingesetzt, steht das Zeichen für
Die Identifikation in der digitalen Radiologie 55die Körperseite des Skeletts,
erfolgt über den DICOM-Standard. DICOM 55die Organseite,
verarbeitet sowohl Bilddaten von Modalitäten 55die laterale Seite des Objektes,
als auch Organisationsdaten (z. B. Arbeitslisten 55und zuletzt für die ganzheitlichen fundier­
an den Modalitäten). Die Modalität, an der die ten Kenntnisse der MTRA in der radiolo­
Untersuchung durchgeführt wird, liefert alle gischen Diagnostik.
Daten, die zu einer nicht mehr veränderbaren
Identifikation der Aufnahme führen. In der
Speicherfolienradiographie werden die Patien­ 10.3.2 Seitenrichtige Betrachtung
tendaten, die eindeutige Patienten-Identifika­ von Röntgenaufnahmen
tionsnummer, das Datum, die Uhrzeit und die
Art der Untersuchung mittels eines Barcodes Röntgenaufnahmen werden immer so betrach­
der Speicherfolie zugeordnet. tet, als stünde einem der Patient aufrecht mit
Bei der Prozessierung werden Empfindlich­ dem Gesicht gegenüber. Die Sicht entspricht der
keitswerte (die auch als Dosisindikator dienen) anatomischen Normalposition (. Abb. 10.2a):
registriert und z. B. auch das Kassettenformat in 55Patient steht aufrecht.
dem sog. DICOM-Header abgelegt. Die Nach­ 55Gesicht, Augen und die Handinnenflächen
verarbeitung (post-processing) dieses Röntgen­ sind nach vorne gerichtet.
bilds erfolgt an einer Workstation, die ein ent­ 55Arme sind abhängend.
sprechendes Verarbeitungsprotokoll über die 55Füße sind geschlossen, parallel nebenein­
Bilddaten legt. Das so prozessierte Bild kann an ander.
einem Laserdrucker ausgedruckt oder in einem
PACS gespeichert werden. In der Flachdetektor­ Das heißt, auf der zu betrachteten Röntgenauf­
radiographie entfällt der Prozess der Barcode­ nahme ist immer links die rechte Körperseite
zuordnung. Hier werden nach Auswahl des Pa­ abgebildet und rechts schaut man auf die linke
tienten und der Untersuchung an der Modalität, Körperseite!
die i. d. R. vorher im RIS gebucht wird, alle rele­ Eine Ausnahme bilden die Aufnahmen der
vanten Werte mit der detektierten und prozes­ Hände, der Handgelenke mit Unterarmen­
sierten Aufnahme im PACS ab­gelegt. und der Füße. Hier zeigen die Finger- und
­Zehenspitzen bei der Betrachtung nach oben
(. Abb. 10.2d,e).
10.3 Zeichenlegung

C. Verloh 10.3.3 Unterschiede für analoge


und digitale Systeme
10.3.1 R und L in der Röntgen­
aufnahme Bei Film-Folien-Systemen und CR-Systemen
(z. B. Speicherfolie) erfolgt die Kennzeichnung
Die korrekte Zuordnung der linken und rech­ über die Aufbelichtung von Bleizeichen wäh­
ten Seite einer Röntgenaufnahme zu den be­ rend der Exposition. Die Zeichen sind vor dem
treffenden Patienten muss für jeden Betrachter Auslösen der Strahlung korrekt auf der strah­
zweifelsfrei nachvollziehbar sein. Die Kenn­ lendurchlässigen Vorderseite (Kassettenboden)
zeichnung erfolgt mittels röntgendichten Zei­ der Röntgenkassette anzubringen.
chen R (= rechts) und L (= links). Die Zeichen Bei DR-Systemen mit konfigurierter Zei­
sind in verschiedenen Größen erhältlich und chenlegung wird die korrekte Kennzeichnung
74 A. Ohmstede und C. Verloh

R L L R
R L L R L R

R L L R

R L L R L R

R L L R
L R

a b c

10 L R

L R

d e

L R

L R
f

..Abb. 10.2a–f  Positionierung der Zeichen R und L. Kennzeichnung beim Strahlengang dorsovolar, in
a Darstellung und Sichtweise der anatomischen Nor- ­Anlehnung an die anatomische Normalposition auf
malposition. Schreibgerechte Kennzeichnung beim der radialen Seite. e Schreibgerechte Kennzeichnung
Strahlengang anterior-posterior. b Spiegelverkehrte beim Strahlengang dorsoplantar. f Spiegelverkehrte
Kennzeichnung beim Strahlengang posterior-anterior. Kennzeichnung beim Strahlengang volodorsal
c Schreibgerechte Kennzeichnung der anliegenden und plantodorsal bei gewohnter Betrachtungsweise
Seite beim seitlichen Strahlengang. d Schreibgerechte (d.-v. und d.-p.)
Reproduzierbarkeit, ­Identifikation ­und ­Zeichenlegung
75 10
vor dem Belichten der Aufnahme im System gekennzeichnet und das Zeichen nach
aktiv angewählt. Das System schreibt die Seiten­ ventral (bauchseitig, z. B. Thorax lateral)
bezeichnung mit der Exposition in den DICOM- oder nach frontal (gesichtsseitig, z. B.
Header und auf die digitale Röntgenaufnahme. ­Nasenbein) angebracht (. Abb. 10.2c). Zur
Entscheidend ist, dass die Bildinformationsda­ sicheren Identifikation müssen gegebenen­
ten während der Exposition eingetragen wer­ falls Bezeichnungen für Schrägprojektio­
den. Dargestellte Informationen auf dem Bild nen (z. B. Halswirbelsäule schräg) um die
(Overlay) und die Informationen hinter dem Aufnahmeregion ergänzt werden.
Bild (DICOM-Eintrag) sind identisch. 55Abweichungen von der Standardeinstel­
lung oder besondere Techniken werden
>>Bezüglich der Einstelltechnik ist die Rich-
durch ergänzende Angaben gekennzeich­
tungslagerung des Patienten im Raum zu
net, z. B. stehend, liegend, unter Belastung
beachten!
(kg), Kontrastmittelgabe (min. p.i.).

10.3.4 Zeichenlegung bei 10.3.6 Schreibgerechte oder


­Durchleuchtung ­spiegelverkehrte Kenn­
zeichnung (. Tab. 10.1)
Auch Zielaufnahmen unter Durchleuchtung
müssen mit einem korrekten Seitenzeichen 55Bei a.-p. und seitlichem Strahlengang
­versehen sein. Dazu zählen auch intraoperative schreibgerechte (= leserliche) Kennzeich­
Durchleuchtungsuntersuchungen. Wie die nung (. Abb. 10.2a,c)
­Zeichen eingeblendet werden, ist hersteller­ 55Bei p.-a. Strahlengang (Vorderseite des
abhängig. Im Idealfall kann die Seitenbe­ ­Patienten detektornah) spiegelverkehrte
zeichnung am Bedienfeld des Gerätes gewählt Kennzeichnung (. Abb. 10.2b)
werden. 55Bei axialen Aufnahmen schreibgerechte
Kennzeichnung

10.3.5 Seitenrichtige Bezeichnung


von Röntgenaufnahmen 10.3.7 Die Zeichenlegung ist
­verbindlich
55Grundsätzlich gilt: Das Zeichen wird an
die Außenseite des aufzunehmenden Jede Röntgenaufnahme muss eindeutig identi­
­Objektes gelegt (. Abb. 10.2a–f). Für ein fizierbar sein. Sie ist als Teil der Krankenge­
Zeichen muss nicht aufgeblendet werden. schichte ein rechtliches Dokument und muss
55Ein Zeichen darf keine Bildinformation konform der Leitlinie der Bundesärztekammer
überdecken. Droht das Zeichen während dauerhafte Angaben beinhalten:
der Aufnahme zu verrutschen, kann es mit 55Name und Anschrift der ausführenden
Klebeband fixiert werden. Stelle
55Das Zeichen R oder L muss aus Sicht der 55Name, Vorname, Geburtsdatum und des
anatomischen Normalposition aufrecht ­ Geschlechts des Patienten
auf der Röntgenaufnahme lesbar sein 55Untersuchungsdatum
­(Zeichenbasis nach unten). Bei Aufnah­ 55Korrekte Kennzeichnung der aufzuneh­
men der Extremitäten muss zur Orientie­ menden Region
rung mindestens eines der angrenzenden
Gelenke mit dargestellt sein. Weitere Vorgaben finden sich in der DIN Nor­
55Bei seitlichen oder schrägen Aufnahmen menreihe 6862. Diese beinhaltet ebenfalls die
wird die detektornahe (anliegende) Seite Weitergabe der Röntgenaufnahmen sowie
76 A. Ohmstede und C. Verloh

..Tab. 10.1  Schreibgerechte oder spiegelverkehrte Kennzeichnung

Strahlengang Kennzeichnung Beispiel

a.-p. Schreibgerecht Ellbogen a.-p., OSG a.-p.


p.-a. Spiegelverkehrt NNH, Thorax p.-a.
Seitlich Schreibgerecht Ellbogen lateral, OSG lateral, WS lateral
Axial Schreibgerecht Hüfte axial, Patella axial
Schräglage Entsprechend der Grundlagerung Beispiel: bei der Schulter nach Neer (p.-a.)
(Bauch- oder Rückenlage), aus der wird aus einer Grundlagerung p.-a. heraus
die Schräglage erfolgt begonnen. Entsprechend erfolgt die Zei-
chenlegung spiegelverkehrt
Hände und Füße
d.-v. und d.-p. Schreibgerecht Hand d.-v., Fuß d.-p.
Dorsovolare und dorsoplantare Ansichten von Händen und Füßen bilden eine
Ausnahme und werden abweichend von der Strahlengangsrichtung schreibgerecht
gekennzeichnet (. Abb. 10.2d,e)
Soll die gewohnte Betrachtungsweise der d.-v./d.-p.-Aufnahmen auch für den
v.-d./p.-d.-Strahlengang übernommen werden (Hand- oder Fußrücken detektor-
nah), muss das Zeichen spiegelverkehrt gelegt werden (. Abb. 10.2f )

10
­ erücksichtigt die digitale Aufzeichnung im
b !! Zu beachten ist, dass eine Wiederho-
DICOM-Standard. lungsaufnahme aufgrund einer fehlen-
Hinsichtlich der Strahlungsrichtung sind die den oder falschen Kennzeichnung eine
Leitlinien der Bundesärztekammer ausschlag­ vermeidbare Strahlenexposition ist und
gebend, z. B. Wirbelsäulen in p.-a. Strahlungs­ damit den Tatbestand der Körperverlet-
richtung in der Pädiatrie. zung erfüllt.
Grundsätzlich orientiert sich die Zeichen­
legung an den anatomischen Gegebenheiten Tip
und der Strahlenhygiene. Es empfiehlt sich, die
Größe der Zeichen dem Objekt anzupassen Zur Qualitätssteigerung können die
(z. B. Aufnahmen der Finger). Zusätzlich zur ­Bleibuchstaben R/L zusätzlich mit einer
seitenrichtigen Kennzeichnung der Röntgen­ Kennung für die/den erstellenden MTRA
bilder ist eine Aufnahme nach wie vor objekt­ verwendet werden. Die MTRA setzt ihr
bezogen einzublenden. Die Einblendung muss ­Zeichen!
auf allen vier Seiten sichtbar sein, bzw. von den
ärztlichen Stellen nachvollzogen werden
­können. Liegt das richtige Seitenzeichen nicht Die Röntgenverordnung fordert für häufig
vollständig im Nutzstrahlenbündel, kann eine ­verlangte Untersuchungen Standardarbeitsan­
nachträgliche Markierung in dessen Nähe weisungen (SOP). In die SOP sollten auch die
­erfolgen. Das ursprüngliche Zeichen soll nicht Regeln für eine korrekte Zeichenlegung aufge­
einfach mit einem Overlay überlagert werden. nommen werden. Besondere Vorgehensweisen
Bei Film-Folien-Systemen kann die nachträg­ sollten hier vermerkt sein.
liche Markierung mit einem dokumentenech­
ten Röntgenmarker erfolgen.
Reproduzierbarkeit, ­Identifikation ­und ­Zeichenlegung
77 10
10.3.8 Einführung kurz nach
­Entdeckung der Röntgen­
strahlung

Bereits zu Beginn der medizinischen Bildge­


bung wurde auf die Kennzeichnung der Auf­
nahme großen Wert gelegt. Dies erfolgte zu­
nächst nachträglich mit Tusche, was bald durch
die Einführung der Kennzeichnung mit Blei­
buchstaben abgelegt wurde. Aus Quellen des
Deutschen Röntgenmuseums Remscheid lässt
sich entnehmen, dass bereite 1914 der Radio­
loge Alban Köhler eine Bleimarke immer auf
die rechte Seite beim Doppelplattenverfahren
empfahl.
79 11

Röntgenologische Standard-
projektionen
A. Ohmstede

11.1 Zentralstrahl  – 80

11.2 Senkrechtstrahl  – 80

11.3 Strahlengang  – 80

11.4 Richtungs- und L­ agebezeichnung  – 82

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_11
80 A. Ohmstede

Die Nomenklatur für die Einstelltechnik orien- 11.3 Strahlengang


tiert sich an der Richtung des Zentralstrahls
(Mittelstrahl des Röntgenstrahlenbündels) Mit Strahlengang wird die Richtung und ggf.
durch den menschlichen Körper. der Einfallwinkel benannt, in dem der Zentral-
strahl den Körper durchdringt und auf den
­Bildempfänger trifft:
11.1 Zentralstrahl 55 a.-p. (= anterior-posterior): der Zentral-
strahl fällt von vorne (anterior oder ventral,
Der Zentralstrahl entspricht dem Mittelstrahl Venter = Bauch) ein und tritt hinten (pos-
(Achse) des Strahlenbündels. In der Einstell- terior oder dorsal, Dorsum = Rücken) aus
technik ist der Punkt benannt, auf den der und trifft dann auf den Bildempfänger auf.
­Zentralstrahl auf den Körper (Fußpunkt des 55p.-a. (= posterior-anterior): der Zentral-
Zentralstrahls) auftritt. strahl tritt hinten am Menschen ein und
vorne aus. Streng genommen muss es d.v.
(dorsoventral) statt p.-a. heißen.
11.2 Senkrechtstrahl 55Bei Handaufnahmen bedeutet d.v. ­
(= dorsovolar, Dorsum = Rücken, Vola =
Der Senkrechtstrahl ist der senkrecht (im Lot = Innenfläche der Hand = Hohlhand). Am
im Winkel von 90°) auf den Bildempfänger tref- Fuß spricht man von d.p. (= dorsoplantar,
fende Röntgenstrahl. Häufig entspricht der Planta = Fußsohle). Der missverständliche
Senkrechtstrahl dem Zentralstrahl (. Abb. 11.1). Ausdruck „sagittal“ statt a.-p. bzw. p.-a.
In folgender Situation übernimmt der Senk- sollte nicht benutzt werden, ebenso wenig
rechtstrahl die Funktion des Zentralstrahls: Für der Ausdruck frontal oder auch transversal
die Röntgenaufnahme des Unterarms mit für eine seitliche Aufnahme.
Handgelenk wird der Zentralstrahl auf die Mit- 55Würde man den Körper in zwei gleiche
11 te des Unterarms gerichtet. Infolgedessen stel- Hälften (eine rechte und eine linke) zer­
len sich die Gelenkflächen nicht planparallel legen, so entspräche dies einem Schnitt
dar und der Handgelenkspalt ist nicht einseh- durch die Medianebene (. Abb. 11.2).
bar. Zentriert man aber auf das Handgelenk ­Medial ist alles, was zur Mitte, zur Median-
und kippt dann die Röhre so weit in Richtung ebene hin liegt, lateral alles, was zur Seite
Unterarm, bis der Bildempfänger ausgeleuchtet hin liegt. Die Medianebene (auch als medi-
ist, nimmt der Senkrechtstrahl in Bezug auf das ane Sagittalebene bezeichnet) teilt den
Handgelenk die Funktion des Zentralstrahls menschlichen Körper in zwei symmetri-
ein; das Gelenk wird orthograd getroffen, d. h. sche Hälften. Die Sagittalebene (= laterale
es ist einsehbar. Sagittalebene) liegt parallel zur medianen
Sagittalebene. Eine Röntgenaufnahme der
Median- oder Sagittalebene bedeutet ein
Profilbild = seitliche Aufnahme. Es gibt
Aufnahmen von links nach rechts (s.d. =
sinistrodextral) oder von rechts nach links
(d.s. = dextrosinistral, dexter = rechts,
a b c ­sinister = links).
..Abb. 11.1a–c  Der Senkrechtstrahl (unterbrochene 55Die Frontalebene erstreckt sich senkrecht
Linie) ist das Lot von der Strahlenquelle auf den Bild­ zur Sagittalebene (= Aufnahme von vorne
empfänger. Durch Verkippung des Zentralstrahls zur oder hinten).
Projektionsebene übernimmt jeweils ein anderer
Strahl des Strahlenbündels die Position des Senkrecht­
55Von einem axialen Bild, einem Bild in der
strahls. b Der Senkrechtstrahl entspricht dem Zentral­ Transversalebene (= Horizontalebene),
strahl; F Fokus spricht man, wenn die Strahlengangrich-
Röntgenologische Standardprojektionen
81 11
..Abb. 11.2 Strahlengangrichtungen

tung mit der Längsachse des Körpers zu- ne oder an die linke Schulter hinten ange-
sammenfällt. Eine axiale Schädelaufnahme lehnt wird. Jedes Mal werden die Strahlen
z. B. wird vom Mundboden zum Schädel- den Körper im 1. schrägen Durchmesser
dach bzw. umgekehrt zentriert. Auch die (ob von rechts vorne nach links hinten
computertomographischen Schnittbilder oder von links hinten nach rechts vorne)
stellen axiale Schnittebenen dar. traversieren.
55Bei Schrägaufnahmen werden Aufnahmen 55Unter tangentialer Aufnahme versteht man
im 1. und im 2. schrägen Durchmesser eine Aufnahme, bei der der Zentralstrahl
­unterschieden. Diese Ausdrücke werden die Hautstelle des Körpers nur so streift,
oft verwechselt, je nachdem, ob der Patient wie die Tangente an einem Kreisbogen
mit der Brust oder mit dem Rücken am liegt. Dadurch, dass die Körperoberfläche
Bildempfänger liegt. Aus diesem Grund ist gerundet ist, kann jeder Punkt der Ober-
es einfacher, statt vom 1. schrägen Durch- fläche randständig getroffen werden.
messer von Fechterstellung zu sprechen, 55Eine transbukkale Aufnahme (z. B. des
und statt vom 2. schrägen Durchmesser ­Atlas) wird durch den offenen Mund vor-
von Boxerstellung. Aus dem Angloameri- genommen.
kanischen stammt die Bezeichnung RAO 55Einige Aufnahmen müssen genauer be-
(right-anterior-oblique) für den 1. schrä- zeichnet werden, wenn es verschiedene
gen Durchmesser oder die Fechterstellung Möglichkeiten bei der gleichen Strahlen­
(rechte Schulter vorne) und LAO (left-­ gangrichtung durch den Körper gibt. Bei
anterior-oblique) für den 2. schrägen ­einer Aufnahme des Schädels im dorso-
Durchmesser oder die Boxerstellung (linke ventralen Strahlengang kann man diese
Schulter vorne). . Abb. 11.3 soll dies z. B. in okzipitofrontaler (Os occipitale =
­veranschaulichen. Sie zeigt auch, dass es Hinterhauptsbein, Os frontale = Stirnbein)
bei Fechterstellung völlig egal ist, ob der oder okzipitonasaler (Os nasale = Nasen-
Bildempfänger an die rechte Schulter vor- bein) Richtung vornehmen. Diese genauere
82 A. Ohmstede

mit Streckseite, am Bein jedoch mit der Beuge-


seite, am Kopf mit dem Okziput (Hinterhaupt).
Am Bein wird statt medial tibial und statt
lateral fibular gesagt, am Arm statt medial ulnar
und statt lateral radial (Handfläche schaut
„anatomisch“ nach vorne).
Statt kopfwärts wird auch kranial (Crani-
um), statt fußwärts kaudal (Cauda = Schwanz)
gesagt.
Herzwärts gelegene Teile werden als proxi-
mal bezeichnet, nach der Peripherie, also extre-
mitätenwärts gelegene als distal. Eine Stelle, die
oberhalb einer anderen liegt, trägt die Vorsilbe
supra-, unterhalb gelegene infra- bzw. sub-.
Beugt man sich, so vollzieht man eine
­Flexion, streckt man sich nach hinten, eine
­Extension.
Bei der Wirbelsäule sprechen wir bei einer
Buckelbildung von Kyphose, bei einem hohlen
a b
Kreuz von Lordose, bei einer seitlichen Krüm-
..Abb. 11.3a,b  Bezeichnung der schrägen Durch­ mung von Skoliose.
messer. a Fechterstellung oder 1. schräger Durchmes­ Die Hand kann man in verschiedene Rich-
ser, RAO (Merkhilfe: Fechter/Erster), b Boxerstellung
tungen bewegen und drehen. Legt man die
oder 2. schräger Durchmesser, LAO
Handfläche flach auf den Tisch und winkelt das
Handgelenk dann stark kleinfingerwärts ab, so
11 Bezeichnung für bestimmte Aufnahmear- ist dies eine Abduktion, daumenwärts dagegen
ten verdrängt den allgemeiner gehaltenen eine Adduktion. Führt man mit der Hand eine
Ausdruck dorsoventral. Drehbewegung aus, sodass die Handfläche
nach oben schaut (wie ein Suppenlöffel), so
Die besprochenen Strahlengangrichtungen spricht man von Supination. Dreht man sie in
sind in . Abb. 11.2 festgehalten. der Gegenrichtung, sodass der Handrücken
nach oben schaut, also in der Art, wie man eine
Brotschnitte hält, so spricht man von Pronation.
11.4 Richtungs- und Dreht man das Bein so, dass die Großzehe
­Lagebezeichnung nach innen schaut, so handelt es sich um eine
Innenrotation, dreht man den Fuß nach außen,
Die Bezeichnungen sind verschieden, je nach- so spricht man von Außenrotation. Unter
dem, ob sie Kopf (Cranium = Schädel), Körper- ­Varusstellung, z. B. beim Knie, ist ein O-Bein­
stamm (Corpus) oder Gliedmaßen (Extremitä- zu verstehen, im Gegensatz zur Valgusstellung
ten) betreffen. (X-Bein).
Die Vorderfläche des Körperstamms nen- Bei einem Röhrenknochen wird der Schaft
nen wir ventral (Bauchseite, Venter = Bauch); als Diaphyse, das Ende als Epiphyse bezeichnet.
sie entspricht auch der Volarseite (Beugeseite, Zwischen beiden wird die Übergangszone
Vola = Hohlhand) der Arme und der Hände ­Metaphyse benannt. Die Epiphyse beim Kind
und der Fazialseite (Gesichtsseite, Facies = Ge- wird als Knochenkern angelegt, der später an
sicht) des Kopfs. der Knorpelfuge (Epiphysenfuge) mit dem
Die Rückseite ist die Dorsalseite (Dorsum = Knochen verschmilzt. Die Knorpelseite der
Rücken), an Arm und Hand gleichbedeutend Epiphyse sieht man im Röntgenbild nicht, da
Röntgenologische Standardprojektionen
83 11
Knorpel (also auch Menisken im Knie) keinen
Schatten geben. Ein gelenkbildender Knochen-
kern heißt Epiphyse. Ein Knochenkern am Seh-
nenansatz heißt Apophyse (. Abb. 11.3). Ein
Knochen gliedert sich in einen weitmaschigen
Innenraum, die Spongiosa, und in die harte
Randzone, die Kortikalis oder Kompakta, die
von der Knochenhaut, dem Periost, überdeckt
wird.
Ein kleiner überzähliger Knochen ist ein
Akzessorium; ist er in die Sehne eingelagert,
wird er als Sesambein bezeichnet.
Ein Knochenfortsatz ist ein Processus, ein
Höcker ist ein Tuber, ein kleiner Höcker ein
­Tuberculum. Man bezeichnet einen kugelför-
migen Knochenteil als Caput, einen kleinen
kugelförmigen Knochenteil als Capitulum und
einen rollenförmigen Knochenteil als Trochlea.
Die lateinische Bezeichnung für eine Ent-
zündung endet auf -itis, eine degenerative Er-
krankung auf -osis. Statt von Krebs spricht man
von Karzinom (Ca.) oder Malignom.
85 II

Skelettdiagnostik
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 12 Einleitung – 87
S. Becht

Kapitel 13 Hand und Handwurzel – 91


S. Becht, S. Heyl

Kapitel 14 Unter- und Oberarm – 123


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 15 Schultergelenk – 141


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 16 Schultergürtel – 161


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 17 Brustkorb – 179


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 18 Schädel – 185


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 19 Zähne – 233


A. Pfeiffer

Kapitel 20 Wirbelsäule – 249


S. Becht , S. Heyl

Kapitel 21 Becken, Hüftgelenk und Oberschenkel – 291


S. Becht, S. Heyl

Kapitel 22 Oberschenkel, Kniegelenk und Unterschenkel – 317


S. Becht, S. Heyl

Kapitel 23 Sprunggelenk und Fuß – 349


S. Becht, S. Heyl
87 12

Einleitung
S. Becht

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_12
88 S. Becht

Die Besprechung der einzelnen Röntgenein-


stellungen folgt der angegebenen anatomisch-
topographischen Reihenfolge (. Abb. 12.1),
beginnend mit der oberen Extremität und dem
Brustkorb bis hin zum Schädel. Es folgen Hals-,
Brust-, Lendenwirbelsäule mit dem Becken
und die unteren Extremitäten. Nach den Stan-
dardaufnahmen werden Spezialaufnahmen an-
geführt.
Den Röntgenuntersuchungen oder Rönt-
genaufnahmen der einzelnen Skelett- und Kör-
perabschnitte ist ein anatomischer Überblick
vorangestellt, der durch anatomische Skizzen
ergänzt wird. Den technischen Aufnahmedaten
liegen die Leitlinien der Bundesärztekammer
zur Qualitätssicherung in der Röntgendiagnostik
und die Qualitätskriterien röntgendiagnosti-
scher Untersuchungen in der überarbeiteten
und ergänzten Fassung aus dem Jahr 2007 zu-
grunde.
Die Leitlinien fassen die ärztlichen Quali-
tätsanforderungen, die Empfehlungen für die
Aufnahmetechnik und die physikalischen und
technischen Parameter des Bilderzeugungs­
systems zusammen, mit denen eine gute diag-
nostische Qualität zu erreichen ist. Weiter ver-
öffentlicht das Bundesamt für Strahlenschutz in
12 regelmäßigen Abständen diagnostische Refe-
renzwerte (Dosiswerte) für Untersuchungen
am Körperstamm, die dem Anwender als
Richtwert dienen und nur in begründeten Fäl-
len überschritten werden sollten.
>>Unter Leitlinien versteht man systema-
tisch entwickelte Entscheidungshilfen
über eine angemessene Vorgehensweise
bei speziellen diagnostischen und thera-
peutischen Fragestellungen. Im Gegen-
satz zu Richtlinien, deren Nichtbeach-
tung Sanktionen nach sich ziehen
­können, lassen Leitlinien dem Arzt die
Möglichkeit, in begründeten Einzelfällen
davon abzuweichen.
Die folgenden Aufnahmedaten beziehen sich
meist auf erwachsene Patienten. Außer bei Auf-
nahmen von Hand, Finger, Fußwurzel, Vorfuß
und Zehen wird bei Kindern grundsätzlich ein
Zusatzfilter (1 mm Al, 0,1 mm Cu) verwendet. ..Abb. 12.1a
Einleitung
89 12

..Abb. 12.1a,b  Schema der Richtungs- und Lagebe- Reihenfolge der Besprechung der einzelnen Röntgen-
zeichnungen am menschlichen Körper. Blaue Pfeile: aufnahmen für die verschiedenen Körperabschnitte
90 S. Becht

a b
..Abb. 12.2a,b  Anlegen des Gonadenschutzes. a Beim Mann (die Hodenkapsel liegt parallel zu den Beinen). ­
b Bei der Frau

In den Leitlinien der Bundesärztekammer wer-


den die für Neugeborene, Säuglinge und Kinder
geltenden Kriterien als pädiatrische Besonder-
heiten aufgeführt. Sie modifizieren die für die
Untersuchung erwachsener Patienten gültigen
Kriterien oder sind zusätzlich zu beachten.
In Anlehnung an die SV-RL (Sachverständi-
gen-Richtlinie) und die Leitlinien der Bundes-
ärztekammer wird die Bildempfängerdosis mit
12 Bezug zur Empfindlichkeitsklasse des Film-
Folien-Systems angegeben.
Die Einstelltechnik und v. a. die Lagerun-
gen des Patienten werden durch Fotografien
verdeutlicht. Ein Röntgenbild erläutert das Ein-
stellergebnis. Auf den Fotografien wurde v. a.
für die Aufnahmen der unteren Wirbelsäule
und des Beckens auf das Anlegen eines Gona-
denschutzes verzichtet. Das richtige Anlegen
des Gonadenschutzes ist exemplarisch in
. Abb. 12.2 illustriert.

kkZeichenerklärung
= Fußpunkt des Zentralstrahls auf der Haut
des Patienten bei senkrecht einfallendem
Zentralstrahl
= Fußpunkt des Zentralstrahls auf der Haut
des Patienten bei schräg einfallendem
Zentralstrahl
= Strahlengang
91 13

Hand und Handwurzel


S. Becht, S. Heyl

13.1 Anatomie  – 92

13.2 Einstellungen  – 93
13.2.1 Hand, dorsopalmar  – 93
13.2.2 Hand, schräg in „Zitherstellung“  – 95
13.2.3 Hand, seitlich  – 96
13.2.4 Daumen, dorsopalmar und palmodorsal  – 98
13.2.5 Daumen und 1. Mittelhandknochen, seitlich  – 101
13.2.6 Daumengrundgelenk, ­Stressaufnahme  – 102
13.2.7 Daumensattelgelenk, ­Stressaufnahme  – 103
13.2.8 Finger II–V, dorsopalmar  – 104
13.2.9 Finger II, seitlich, ulnoradial und Finger III, IV ­
und V seitlich, radioulnar  – 106
13.2.10 Handwurzel und Handgelenk, dorsopalmar  – 108
13.2.11 Handwurzel und Hand­gelenk, seitlich  – 110
13.2.12 Kahnbein, Spezialaufnahmen  – 112
13.2.13 Kahnbein, weitere Spezialeinstellungen  – 114
13.2.14 Handwurzel, schräg, dorsopalmar (Dreieckbein)  – 116
13.2.15 Handwurzel, schräg, p ­ almodorsal (Erbsenbein)  – 117
13.2.16 Mittelhandknochen I, II und Handwurzel palmodorsal, ­
Os trapezium und Os trapezoideum  – 118
13.2.17 Handwurzel, schräg und Darstellung ­
des Hamulus ossis hamati  – 119
13.2.18 Handwurzel, axial (Karpaltunnel)  – 120

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_13
92 S. Becht und S. Heyl

Allgemeine Strahlenschutzmaßnahmen bei Die Finger haben drei Glieder (Phalanx pro­
Röntgenaufnahmen der oberen Extremitäten: ximalis, Phalanx media und Phalanx distalis)
Der Patient sitzt immer seitlich am Untersu­ und drei Gelenke (Articulationes), nämlich das
chungstisch zum Schutz vor direkter Strahlung Grund- (Metakarpophalangealgelenk), das
und trägt eine Strahlenschutzschürze zum Mittel- und das Endgelenk (proximales und
Schutz vor Streustrahlen. Der Kopf wird wegen ­ istales Interphalangealgelenk = PIP und DIP).
d
der strahlenempfindlichen Augenlinse zur Ge­ Der Daumen bildet eine Ausnahme, da er nur
genseite gedreht. aus zwei Gliedern besteht, nämlich der Phalanx
proximalis und der Phalanx distalis.
>>Der erste Mittelhandknochen (Os meta-
13.1 Anatomie
carpale I) darf nicht irrtümlich als Dau-
mengrundglied angesehen werden!
An der Hand unterscheidet man die Hand­
wurzel (Carpus) mit den kleinen Handwurzel­ Die Grund- und Mittelglieder werden unter­
knochen (Ossa carpi), die Mittelhand mit den teilt in Basis, Schaft und Köpfchen (Capitu­
Mittelhandknochen (Ossa metacarpalia) und lum); beim Endglied heißt das Köpfchen Nagel­
die Finger (Phalanges; . Abb. 13.1). kranz (Tuberositas unguicularis). Die langen

13

..Abb. 13.1  Anatomie der Hand und des Handgelenks


Hand und Handwurzel
93 13
Mittelhandknochen (Ossa metacarpalia) wer­ wurzelknochen (Ossa carpi, auch Carpalia)
den ebenfalls unterteilt in Basis, Schaft und grenzt an die Speiche (Radius) auf der Seite des
Köpfchen. Die Gelenke zwischen der Hand­ Daumens und an die Elle (Ulna) auf der Klein­
wurzel (Carpus) und der Mittelhand (Metacar­ fingerseite.
pus) werden als Karpometakarpalgelenke
­bezeichnet. Am Daumengrundgelenk findet Tipp
man meist 2 erbsengroße Sesambeine.
Merkvers für die Handwurzelknochen von
Die Handwurzel (Carpus) setzt sich aus­
radial nach ulnar, an der proximalen Reihe
8 Knochen zusammen, die in zwei Reihen an­
beginnend: „Ein Schifflein fuhr im Mon-
geordnet sind. In der distalen Reihe (finger­
denschein dreieckig um das Erbsenbein.
wärts) grenzen das große Trapezbein (Os trape­
Vieleck groß und Vieleck klein, der Kopf,
zium = Os multangulum majus) und das kleine
der muss beim Haken sein“.
Trapezbein (Os trapezoideum = Os multangu­
lum minus) an den 1. Mittelhandknochen­
(Os metacarpale I). Es folgen das Kopfbein (Os An der Hand wird „handrückenseitig“ mit dor-
capitatum) und das Hakenbein (Os hamatum) sal und „hohlhandseitig“ („Handteller“ und
mit einem hakenförmigen Fortsatz (Hamulus). Fingerbeugeseite) mit palmar (oder auch volar)
In der proximalen Reihe (armwärts) liegen von bezeichnet (Palma = Hohlhand).
medial nach lateral das Kahnbein (Os scaphoi­ Alle Hand- und Unterarmaufnahmen wer­
deum = Os naviculare manus), das Mondbein den zum Schutz des Patienten so eingestellt,
(Os lunatum), das Dreieckbein (Os triquetrum) dass weder Oberschenkel noch Gonaden des
und vor diesem palmar das Erbsenbein (Os pi­ Patienten im Strahlengang liegen! Deshalb soll­
siforme). Das Os pisiforme ist ein Sesambein te der Patient auf dem Untersuchungstisch
(in Bänder oder Sehnen eingelagertes Schalt­ ­liegen oder seitlich neben dem Untersuchungs­
knöchelchen). Die proximale Reihe der Hand­ tisch sitzen.

13.2 Einstellungen

13.2.1 Hand, dorsopalmar

kkIndikationen kkEinstelltechnik
Frakturen, Luxationen, Verlaufskontrollen jjVorbereitung des Patienten
nach Frakturen, Arthrosen, Entzündungen, Tu­ Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
moren, Fremdkörper, Knochenalter. Strahlenschutz anlegen.

kkAufnahmedaten jjLagerung des Patienten


Aufnahmeart Ohne Raster Patient liegt auf oder sitzt neben dem Unter­
Belichtungsautomatik Ohne suchungstisch. Der Unterarm liegt bequem­
Objektbezogene Einblendung auf dem Tisch. Die Handfläche wird flach auf
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital) dem Bildempfänger gelagert; Finger und
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm ­Daumen sind leicht gespreizt. Das Grundge­
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5) lenk des ­3. Fingers (Mittelfinger) liegt in der
Aufnahmespannung 50–60kV Bild­empfängermitte. Der Unterarm wird gege­
Belichtungswert 1 mAs benenfalls mit einem Sandsack fixiert. Finger
evtl. mit Reismehlsäckchen abdecken oder
Ausgleichsfilter zum Ausgleich des Dickenun­
94 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 13.2a,b  Hand dorsopalmar

a Lagerung
b

b
1 Mittelhandknochen I–V (Os metacarpale I–V)
2 Grund-, Mittel- und Endglied (Phalanx)
13 3 Handwurzel (Carpus)
4 Speiche (Radius)
5 Elle (Ulna)

terschieds von Fingern und Mittelhand einset­


Qualitätskriterien und Bildmerkmale
zen (. Abb. 13.2a).
55 Die ganze Hand einschließlich Weich-
teilmantel ist vollständig abgebildet
jjZentrierung
und gut beurteilbar.
55Zentralstrahl: senkrecht auf Mittelfinger­
55 Die Fingergelenke müssen einsehbar
grundgelenk und Bildempfängermitte
sein.
55Strahlengang: dorsopalmar
55 Die Finger sollten nicht verkippt
55Einblenden auf Objekt
(schräg) dargestellt sein (. Abb. 13.2b).
55Seitenbezeichnung
Hand und Handwurzel
95 13

13.2.2 Hand, schräg in „Zitherstellung“

kkIndikationen jjZentrierung
55Als Ergänzung (2. Ebene) zur Aufnahme 55Zentralstrahl: senkrecht auf die Köpfchen
„Hand, dorsopalmar“ des 2. und 3. Mittelhandknochens (Ossa
55Zur seitlichen Betrachtung der Finger- und metacarpalia II–III) und die Bildempfän­
Mittelhandknochen, auch als 2. Ebene bei germitte
Mittelhandtrauma geeignet 55Strahlengang: dorsopalmar
55Einblenden auf Objekt
kkAufnahmedaten 55Seitenbezeichnung
Siehe oben, „Hand, dorsopalmar“.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
kkEinstelltechnik
Die Mittelhandknochen und die Fingerge-
jjVorbereitung des Patienten
lenke müssen trotz der Schrägstellung
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
möglichst seitlich projiziert sein, wobei ­
Strahlenschutz anlegen.
je nach Fragestellung die Finger leicht
­gebeugt oder gestreckt aufgenommen
jjLagerung des Patienten
werden (. Abb. 13.3b und . Abb. 13.4c).
Der Patient liegt auf oder sitzt neben dem Un­
tersuchungstisch. Hand und Unterarm liegen
auf dem Untersuchungstisch bzw. Bildempfän­
ger auf. Die Hand wird radial (daumenseitig) Tipp
45° angehoben; Daumen und Zeigefinger wer­
Bei chronischer Polyarthritis (cP) wird die
den gegebenenfalls auf ein Keilkissen gestützt
sog. Ballspieleraufnahme nach Nørgaard
und die Finger II–V in schräger bis seitlicher
empfohlen: Beide Handrücken liegen auf
Lage fächerförmig (Zitherstellung) angeordnet.
dem Tisch und werden daumenseitig
Die Fingergrundgelenke liegen etwa auf Bild­
­angehoben und unterstützt. Dabei ist der
empfängermitte (. Abb. 13.3a).
Gelenkspalt zwischen Os lunatum und
Os pisiforme einsehbar.
96 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 13.3a,b  Hand schräg in Zitherstellung

a Lagerung

b
1 Mittelhandknochen I–V (Os metacarpale I–V)
13 2 Grund-, Mittel- und Endglied (Phalanx)
3 Handwurzel (Carpus)
4 Speiche (Radius)
5 Elle (Ulna)

13.2.3 Hand, seitlich

kkIndikationen kkEinstelltechnik
55Stellungskontrollen bei Mittelhand- jjVorbereitung des Patienten
(Metakarpal-)Frakturen Schmuck im Aufnahmebereich ablegen, Strah­
55Fremdkörperlokalisation lenschutz anlegen.
552. Ebene zur Aufnahme „Hand, dorso­
palmar“ jjLagerung des Patienten
55Beurteilung der Achse von Os capitatum, Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Os lunatum und Radius Der Unterarm liegt bequem auf dem Tisch. Die
Hand wird mit der Außen- oder Kleinfinger­
kkAufnahmedaten seite streng seitlich auf den Bildempfänger ge­
Siehe oben, „Hand, dorsopalmar“. legt. Die Finger II–V sind gestreckt und liegen
Hand und Handwurzel
97 13
..Abb. 13.4a–c  Hand seitlich

2
3
4
5

a
6
a Lagerung 7 9
8

b
1 Mittelhandknochen (Os metacarpale I)
2 Mittelhandknochen (Os metacarpale II)
3 Mittelhandknochen (Os metacarpale III)
4 Mittelhandknochen (Os metacarpale IV)
5 Mittelhandknochen (Os metacarpale V)
6 Großes Trapezbein (Os trapezium)
senkrecht übereinander. Der Daumen wird 7 Kahnbein (Os scaphoideum)
leicht abgespreizt und auf ein Keilkissen 8 Mondbein (Os lunatum)
9 Dreieckbein (Os triquetrum)
­gestützt. Das 5. Fingergrundgelenk liegt auf
­Bildempfängermitte. Der Unterarm kann zu­
sätzlich wird mit einem Sandsack fixiert werden
(. Abb. 13.4a). Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Die Mittelhandknochen II–V sowie­
jjZentrierung die Phalangen des 2.–5. Fingers sind
55Zentralstrahl: senkrecht auf das Grundge­ deckungsgleich abgebildet.
lenk des 2. Fingers und auf Bildempfänger­ 55 Daumen und 1. Mittelhandknochen
mitte sind in dorsopalmarer Projektion dar-
55Strahlengang: radioulnar gestellt, Weichteilkonturen erkennbar
55Einblenden auf Objekt (. Abb. 13.4b).
55Seitenbezeichnung
98 S. Becht und S. Heyl

Tipp

Wenn der Patient die Finger fächerartig


spreizt mit leichter Abstützung der Finger
II–IV an einem Keilkissen, gelingt eine Dar-
stellung der Finger 2–5 seitlich mit guter
Beurteilbarkeit der proximalen und dista-
len Interphalangealgelenke (PIP und DIP;
. Abb. 13.4c).

c
1 Fingerendgelenk (distales Interphalangealgelenk = DIP)
2 Fingermittelgelenk (proximales Interphalangealgelenk = PIP)
3 Mittelhandknochen II–V (Os metacarpale II–V)
4 Mittelhandknochen (Os metacarpale I)
c 5 Daumengrund- und -endglied (5‘)

13.2.4 Daumen, dorsopalmar und palmodorsal

kkAnatomie
Der Daumen besteht aus dem Grundglied (Pha­
lanx proximalis) und dem Endglied (Phalanx
distalis). Der 1. Mittelhandknochen (Os meta­
carpale I) und das Daumengrundglied (Phalanx
13 proximalis) bilden das Daumengrundgelenk
(Metakarpophalangealgelenk I). Das Karpome­
takarpalgelenk (Daumensattelgelenk) wird
durch den 1. Mittelhandknochen (Os metacar­
pale I) und das große Trapezbein (Os trapezium
= Multangulum majus) gebildet. Daneben liegt
das kleine Trapezbein (Os trapezoideum =
­Multangulum minus, . Abb. 13.5).

kkIndikationen
55Frakturen
55Luxationen ..Abb. 13.5  Anatomie des Daumens
Hand und Handwurzel
99 13
Typische Verletzungen bei Skifahrern sind die kkEinstelltechnik Daumen und 1. Mittel-
ulnare Bandverletzung und/oder der knöcher­ handknochen, palmodorsal
ne Ausriss an der Basis des Daumengrund­ jjVorbereitung des Patienten
glieds (7 Kap. 12) sowie Luxationsfrakturen der Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
Basis des 1. Mittelhandknochens (Bennett- Strahlenschutz anlegen.
Fraktur).
jjLagerung des Patienten
kkAufnahmedaten Patient liegt auf oder sitzt neben dem Untersu­
Aufnahmeart Ohne Raster chungstisch. Die Hand des Patienten wird so
Belichtungsautomatik Ohne weit nach innen gedreht, dass der Daumen mit
Objektbezogene Einblendung der dorsalen Seite auf dem Bildempfänger liegt
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital) (. Abb. 13.6a). Rückseite der Hand, falls not­
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm wendig, mit Sandsäcken abstützen. Unterarm
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5) und Handgelenk können mit einem Sandsack
Aufnahmespannung 50–60 kV fixiert werden.
Belichtungswert 0,8–1 mAs Oder: Der Patient sitzt mit dem Rücken
zum Untersuchungstisch und legt bei nach hin­
ten gestrecktem Arm den abgespreizten Dau­
kkEinstelltechnik Daumen, dorsopalmar men handrückenseitig auf den Bildempfänger.
jjVorbereitung des Patienten
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen, jjZentrierung
Strahlenschutz anlegen. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Daumen­
grundgelenk und Bildempfängermitte
jjLagerung des Patienten 55Strahlengang: palmodorsal
Patient liegt auf oder sitzt neben dem Unter­ 55Einblenden auf Objekt
suchungstisch. Der Daumen wird abgespreizt 55Seitenbezeichnung spiegelbildlich
und flach mit der palmaren Seite auf den Bild­
empfänger gelegt. Der Bildempfänger sollte
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
leicht erhöht auf dem Aufnahmetisch liegen,
Der 1. Mittelhandknochen (Os metacarpa-
z. B. auf einem Holzklotz, sodass die übrigen
le I), Daumengrund- und Daumenendglied
Finger die Unterlage umfassen können.
sowie die angrenzenden Handwurzelkno-
chen – großes Trapezbein (Os trapezium)
jjZentrierung
und kleines Trapezbein (Os trapezoideum)
55Zentralstrahl: senkrecht auf Daumen­
– sollen vollständig (einschließlich Weich-
grundglied und Bildempfängermitte
teilmantel) und scharf abgebildet sein
55Strahlengang: dorsopalmar
(. Abb. 13.6b).
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


Daumengrund- und -endglied einschließ-
lich Weichteilmantel sollen vollständig ab-
gebildet und die Gelenke einsehbar sein
100 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 13.6a,b  Daumen, dorsopalmar

1
a b

a Lagerung b
1 Kahnbein (Os scaphoideum)
2 Großes Trapezbein (Os trapezium)
3 Mittelhandknochen (Os metacarpale I)
4 Daumengrundglied (Grundphalanx, Phalanx
13 ­proximalis)
5 Endglied (Endphalanx, Phalanx distalis)
6 Sesambein

kkAlternative Einstelltechnik
jjLagerung des Patienten Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Die Hand liegt seitlich, etwas dorsal flektiert auf Daumenend- und -grundglied sowie ­
dem Untersuchungstisch, der Daumen wird 1. Mittelhandknochen und angrenzende
mäßig abgespreizt und unterpolstert, sodass Handwurzelknochen (großes und kleines
der 1. Mittelhandknochen und Daumen paral­ Trapezbein) kommen nicht verkippt zur
lel zum Untersuchungstisch positioniert sind Darstellung. Die Gelenke sind gut einseh-
(vergrößerter Objekt-Bildempfänger-­Abstand). bar und die Weichteile mit ihren Konturen
gut erkennbar. Durch den vergrößerten
jjZentrierung Objekt-Bildempfänger-Abstand müssen
55Zentralstrahl: senkrecht auf Daumen­ eine geringe Vergrößerung des Daumens
grundgelenk und Bildempfängermitte sowie gewisse Struktur- und Kon-
55Strahlengang: dorsopalmar turunschärfen in Kauf genommen oder
55Einblenden auf Objekt der Fokus-Bildempfänger-Abstand ver­
55Seitenbezeichnung größert werden (. Abb. 13.4a,b).
Hand und Handwurzel
101 13
13.2.5 Daumen und 1. Mittelhandknochen, seitlich
kkIndikationen zusätzlich mit einem Sandsack fixiert werden
552. Ebene zur dorsopalmaren oder palmo­ (. Abb. 13.7a).
dorsalen Aufnahme
jjZentrierung
kkAufnahmedaten 55Zentralstrahl: senkrecht auf Daumen­
Siehe oben, „Daumen, dorsopalmar“. grundgelenk
55Strahlengang: ulnoradial
kkEinstelltechnik 55Einblenden auf Objekt
jjVorbereitung des Patienten 55Seitenbezeichnung
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
Strahlenschutz anlegen.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
1. Mittelhandknochen (Os metacarpale I),
jjLagerung des Patienten
Daumengrund- und Daumenendglied
Patient liegt auf oder sitzt neben dem Unter­
­sowie Handwurzel-Mittelhand-Gelenk
suchungstisch. Unterarm wird auf den Unter­
(Karpometakarpalgelenk) sollen überlage-
suchungstisch gelagert. Daumen mit der
rungsfrei abgebildet und die Weichteile
lateralen (radialen) Seite gestreckt auf den
­
erkennbar sein (. Abb. 13.7b).
­Bildempfänger legen; Finger II–V kleinfinger­
wärts (ulnar) abbiegen und gegebenenfalls mit
einem Keilkissen anheben. Der Unterarm kann

..Abb. 13.7a,b  Daumen und 1. Mittelhandknochen, seitlich

3
4

a b

a Lagerung b
1 Daumenendglied (Phalanx distalis)
2 Daumengrundglied (Phalanx proximalis)
3 Mittelhandknochen I (Os metacarpale I)
4 Sesambein
102 S. Becht und S. Heyl

13.2.6 Daumengrundgelenk, ­Stressaufnahme

kkIndikationen spreizten Daumen so über den Bildempfänger,


55Bandverletzungen dass das Daumengrundglied mit der palmaren
55Instabilität Seite parallel zum Bildempfänger ausgerichtet
55Subluxationen ist. Der Untersucher übt mit einer Hand nach
dem Dreipunkteprinzip Druck auf den 1. Mit­
Die ulnare Seitenbandverletzung am Daumen­ telhandknochen nach ulnar und auf das Dau­
grundgelenk ist eine typische Skifahrerverlet­ menendgelenk nach radial aus. Mit der anderen
zung. Hand hält er die Hand oder den Unterarm des
Um eine Abrissfraktur im Bereich der Patienten fest (. Abb. 13.8a).
Grundphalanxbasis auszuschließen, werden Der Untersucher trägt Strahlenschutzhand­
zunächst Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen schuhe und Bleigummischürze
gemacht. Die Stabilität des Grundgelenkes wird
in der Regel im Rahmen einer klinischen Un­ jjZentrierung
tersuchung durchgeführt. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Daumen­
grundgelenk
kkAufnahmedaten 55Strahlengang: dorsopalmar
Siehe oben, „Daumen, dorsopalmar“. 55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung, Beschriftung der Auf­
kkEinstelltechnik nahme mit „Stressaufnahme“
jjVorbereitung des Patienten
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
Strahlenschutz anlegen. Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Das Daumengrundgelenk muss exakt
jjLagerung des Patienten dorsopalmar dargestellt sein und so
Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. gehalten werden, dass die Gelenke
Der Unterarm und die ulnare Handkante liegen nicht vom Strahlenschutzhandschuh
13 bequem auf dem Untersuchungstisch. Der ge­ überdeckt werden (. Abb. 13.8b).
genübersitzende Untersucher hält den abge­

a b

..Abb. 13.8a,b  Daumengrundgelenk (1)


Hand und Handwurzel
103 13

13.2.7 Daumensattelgelenk, ­Stressaufnahme

kkIndikationen 55Eng auf das Objekt einblenden


55Instabilität 55Seitenbezeichnung, Aufnahme als „Stress­
55Subluxation aufnahme“ kennzeichnen
55Kleine knöcherne Ausrisse aus der Basis
des 1. Mittelhandknochens
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Seitenvergleichbare Darstellung der
kkAufnahmedaten
Daumensattelgelenke (Karpometakar-
Siehe oben, „Daumen, dorsopalmar“.
palgelenk I)
kkEinstelltechnik
jjVorbereitung des Patienten
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
Strahlenschutz anlegen.

jjLagerung des Patienten


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Beide Hände liegen mit der Handinnenfläche
auf dem Bildempfänger. Die Daumen werden
in Bildempfängermitte seitlich gegeneinander
gepresst (. Abb. 13.9).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht zwischen die bei­
den Daumensattelgelenke
55Strahlengang: dorsopalmar ..Abb. 13.9  Daumensattelgelenk, Stressaufnahme
104 S. Becht und S. Heyl

13.2.8 Finger II–V, dorsopalmar

kkIndikationen Bildempfänger, sodass sich das Mittelgelenk


55Frakturen und Luxationen, degenerative des zu untersuchenden Fingers auf der
und entzündliche Gelenkveränderungen ­Bildempfängermitte befindet; übrige Finger ab­
55Tumoren spreizen. Das Handgelenk und der Unterarm
können zusätzlich mit Sandsäcken fixiert wer­
kkAufnahmedaten den (. Abb. 13.10a–d).
Aufnahmeart Ohne Raster
Belichtungsautomatik Ohne jjZentrierung
Objektbezogene 55Zentralstrahl: senkrecht auf Fingermittel­
­Einblendung gelenk
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital) 55Strahlengang: dorsopalmar
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm 55Auf Objekt einblenden
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5) 55Seitenbezeichnung, Bezeichnung des auf­
Aufnahmespannung 50–60kV zunehmenden Fingers
Belichtungswert 0,8–1mAs

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


kkEinstelltechnik 55 Exakt dorsopalmare Einstellung der
jjVorbereitung des Patienten Phalangen mit überlagerungsfreier
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen, Darstellung der Fingergelenke
Strahlenschutz anlegen. 55 Scharfe Abbildung des Nagelkranzes
und der erkennbaren Weichteile
jjLagerung des Patienten 55 Bezeichnung des aufzunehmenden
Patient liegt auf oder sitzt neben dem Unter­ Fingers nicht vergessen (z. B. DI, DII;
suchungstisch. Der Unterarm liegt auf dem Un­ . Abb. 13.10e–h).
tersuchungstisch. Die Finger II–V liegen mit
13 der Palmarseite flach und gestreckt auf dem
Hand und Handwurzel
105 13
..Abb. 13.10a–h ­
Finger II–V, dorsopalmar

a b
a,b Lagerung, 2.+3. Finger

c d
c,d Lagerung, 3.+4. Finger

e 2. Finger
1 Endglied (Phalanx 3
­distalis)
2 Mittelglied (Phalanx
medialis)
3 Grundglied (Phalanx
proximalis)
4 Mittelhandknochen 4 e f g h
(Os metacarpale)
f 3. Finger g 4. Finger h 5. Finger
106 S. Becht und S. Heyl

13.2.9 Finger II, seitlich, ulnoradial und Finger III, IV ­


und V seitlich, radioulnar

kkIndikationen jjZentrierung
55Frakturen und Luxationen 55Zentralstrahl: senkrecht auf Fingermittel­
55Tumoren gelenk
55Entzündliche und degenerative Gelenkver­ 55Strahlengang: ulnoradial für Finger II,
änderungen ­radioulnar für Finger III, IV und V
55Einblenden auf Objekt
kkAufnahmedaten 55Seitenbezeichnung, Bezeichnung des auf­
Siehe oben, „Finger II–V, dorsopalmar“. zunehmenden Fingers

kkEinstelltechnik
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
jjVorbereitung des Patienten
55 Exakt seitliche Einstellung der Finger-
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen,
glieder mit überlagerungsfreier Dar-
Strahlenschutz anlegen.
stellung der Gelenke einschließlich des
Grundgelenks
jjLagerung des Patienten
55 Die überlagerungsfreie Darstellung
Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
des 4. und 5. Fingergrundgelenkes ge-
Unterarm und Hand liegen für die Aufnahmen
lingt aus anatomischen Gründen
des 2. Fingers mit der radialen Seite (daumen­
kaum. Gute Darstellung der Weichteile
seitig), für den 3., 4. und 5. Finger mit der ulna­
(. Abb. 13.11e–h).
ren Seite (kleinfingerseitig) auf dem Unter­
suchungstisch (. Abb. 13.11a–d).
Für die seitliche Aufnahme des 2. Fingers
wird dieser gestreckt auf den Bildempfänger Tipp
gelegt, der Daumen abgespreizt und die übri­
Die willkürliche Streckung eines Fingers
gen Finger zur Faust geschlossen.
und die Beugung der übrigen Finger sind
13 Für die seitliche Aufnahme des 3. Fingers
oft schwierig, sodass eine Fixierung mit­
werden die übrigen Finger ebenfalls zur Faust
hilfe der anderen Hand oder eines Hilfs-
geschlossen. Der 3. Finger muss mit einem
mittels (z. B. Spatel) vorgenommen werden
Polster unterlagert werden, damit er sich paral­
muss. Der zu untersuchende Finger sollte
lel zur Kassette befindet.
nicht passiv in Streckstellung fixiert wer-
Für die seitliche Aufnahme des 4. Fingers
den, da so Strecksehnenverletzungen, die
wird der 5. Finger gebeugt und vom Daumen in
mit einer Beugestellung im betroffenen
der Beugestellung gehalten. Der 4. Finger liegt
Gelenk einhergehen, in der Röntgenauf-
gestreckt und unterpolstert auf dem Bildemp­
nahme nicht erkennbar sind.
fänger. Der 2. und 3. Finger werden nach dorsal
abgespreizt.
Für die seitliche Aufnahme des 5. Fingers
werden die übrigen Finger einschließlich des
Daumens gebeugt und unterpolstert.
Hand und Handwurzel
107 13
..Abb. 13.11a–h  Finger II,
seitlich, ulnoradial und
­Finger III, IV und V seitlich,
radioulnar

a Lagerung, 2. Finger
b Lagerung, 3. Finger a b

c Lagerung, 4. Finger
c d
d Lagerung, 5. Finger

e 2. Finger
1 Endglied (Phalanx­
3
­distalis)
2 Mittelglied (Phalanx
medialis)
3 Grundglied (Phalanx
proximalis)
4
4 Mittelhandknochen
e f g h
(Os metacarpale)
f 3. Finger g 4. Finger h 5. Finger
108 S. Becht und S. Heyl

13.2.10 Handwurzel und Handgelenk, dorsopalmar


kkAnatomie jjLagerung des Patienten
. Abb. 13.12. Der Patient liegt auf oder sitzt neben dem Un­
tersuchungstisch. Der Unterarm liegt flach auf
kkIndikationen dem Tisch, die Hand mit der palmaren Seite auf
55Frakturen und Luxationen der Hand­ dem Bildempfänger. Der 2.–5. Finger werden
wurzel und der distalen Unterarmknochen im End- und Mittelgelenk ganz leicht gebeugt.
55Lunatummalazie (Morbus Kienböck) Der Daumen liegt seitlich auf dem Bildempfän­
55Kahnbeinfrakturen ger (. Abb. 13.13a).

kkAufnahmedaten Tipp

Aufnahmeart Ohne Raster


Für die bessere Darstellung des proxima-
Belichtungsautomatik Ohne
len Handgelenkspaltes (Art. radiocarpalis)
Objektbezogene
kann unter das Handgelenk ein 15° Keil
­Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital)
geschoben werden.
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5)
Aufnahmespannung 50–60 kV jjZentrierung
Belichtungswert 1,3–2 mAs 55Zentralstrahl: senkrecht auf Mondbein ­
(Os lunatum)
55Strahlengang: dorsopalmar
kkEinstelltechnik 55Einblendung auf Handwurzel und Hand­
jjVorbereitung des Patienten gelenk
Schmuck im Aufnahmebereich entfernen, Arm 55Seitenbezeichnung
frei machen, Strahlenschutz anlegen.

13

..Abb. 13.12  Anatomie der


Handwurzel und des Handgelenks
Hand und Handwurzel
109 13
..Abb. 13.13a,b  Handwurzel und Handgelenk dorsopalmar

11
10

8
7 9
6

5
4
3

2
1
a b

a Lagerung b
1 Speiche (Radius)
2 Elle (Ulna)
3 Kahnbein (Os scaphoideum)
4 Mondbein (Os lunatum)
5 Dreieckbein (Os triquetrum)
Qualitätskriterien und Bildmerkmale 6 Erbsenbein (Os pisiforme)
55 Scharfe Darstellung der Handwurzel- 7 Großes Trapezbein (Os trapezium)
knochen einschließlich distalem Un- 8 Kleines Trapezbein (Os trapezoideum)
9 Kopfbein (Os capitatum)
terarm und proximalem Abschnitt der
10 Hakenbein (Os hamatum mit Hakenfortsatz
Mittelhandknochen ­(Hamulus)
55 Weichteile und Fettstreifen am Hand- 11 Mittelhandknochen
gelenk erkennbar (. Abb. 13.13b)
55 Bei Verdacht auf Fissuren können Auf-
nahmen bei gleich bleibender Lage-
rung des Objekts, jedoch mit geringer
Änderung der Einfallsrichtung des
Zentralstrahls, weiterhelfen:
–– Leicht schräg von distal
–– Leicht schräg von proximal
–– Leicht schräg von radial
–– Leicht schräg von ulnar
55 Bei Kindern ist zur Beurteilung der
Knochenkerne und des Skelettalters
gelegentlich eine Vergleichsaufnahme
der Gegenseite erforderlich.
110 S. Becht und S. Heyl

13.2.11 Handwurzel und Hand­gelenk, seitlich

kkIndikationen Buch, das längs am Handrücken und Unterarm


552. Ebene zur dorsopalmaren Aufnahme angestellt wird. Der Daumen darf nicht abge­
55Zur Beurteilung der Längsachse von Os spreizt werden. Die Untersuchung muss am
capitatum, Os lunatum und Radius nach sitzenden Patienten mit dem Oberarm am Kör­
Luxationsfrakturen der Handwurzel und per (nicht abduziert) durchgeführt werden.
des Radius (karpale Instabilität)
55Entzündliche und rheumatische Gelenk­ Tipp
veränderungen
Für die bessere Darstellung des proxima-
55Distale Unterarmfraktur
len Handgelenkspaltes (Art. radiocarpalis)
kkAufnahmedaten kann unter das Handgelenk ein 15° Keil
geschoben werden.
Siehe oben, „Handwurzel und Handgelenk,
dorsopalmar“.

jjVorbereitung des Patienten jjZentrierung


Schmuck im Aufnahmebereich entfernen, Un­ 55Zentralstrahl: senkrecht auf Handgelenk
terarm frei machen, Strahlenschutz anlegen. (radiokarpaler Gelenkspalt) und Bildemp­
fängermitte
jjLagerung des Patienten 55Strahlengang: radioulnar
Patient liegt auf oder sitzt neben dem Untersu­ 55Einblenden auf Objekt
chungstisch. Der Unterarm liegt so auf dem 55Seitenbezeichnung
Tisch, dass das Handgelenk mit der ulnaren
Seite (Kleinfingerseite) auf dem Bildempfänger
ruht; Daumen und Finger sind gestreckt. Hand­ Qualitätskriterien und Bildmerkmale
wurzel und Handgelenk werden so gelagert, 55 Radius und Ulna sollen deckungs-
dass Daumen und Kleinfingerballen sowie Elle gleich zur Darstellung kommen und
13 und Speiche übereinander liegen. Das Hand­ Weichteilkonturen erkennbar sein
gelenk ist dabei ca. 5° nach dorsal gekippt (. Abb. 13.14b).
(. Abb. 13.14a).
Bei Verdacht auf Radiusfraktur wird der dis­
tale Unterarm auf Bildempfängermitte gelegt. Tipp
Unterarm sowie Finger und Daumen können
mit Sandsäcken fixiert werden. Bei Verdacht auf Subluxation des Mond-
Zur Achsenbestimmung und -berechnung beins (Os lunatum) wird die seitliche
der Handwurzelknochen und des Radius nach ­Aufnahme bei Flexion (Beugung) oder
Frakturen und/oder Luxationen ist eine äußerst ­Retroflexion (Überstreckung) der Hand an-
korrekt eingestellte seitliche Aufnahme erfor­ gefertigt.
derlich: Dies gelingt mit einem Brettchen oder
Hand und Handwurzel
111 13
..Abb. 13.14a,b  Handwurzel und Handgelenk,­­seitlich

3
4

a b

a Lagerung b
1 Mittelhandknochen II–V (Os metacarpale II–V)
2 Kopfbein (Os capitatum)
3 Kahnbein (Os scaphoideum)
4 Speiche (Radius), überdeckt die Elle (Ulna)
112 S. Becht und S. Heyl

13.2.12 Kahnbein, Spezialaufnahmen

kkIndikationen jjZentrierung
55Frakturen des Kahnbeins (Os scaphoide­ 55Zentralstrahl: senkrecht auf Kahnbein
um oder Os naviculare manus = Kahnbein 55Strahlengang: dorsopalmar
der Hand im Gegensatz zum Os naviculare 55Sehr eng auf Objekt einblenden
pedis am Fuß) 55Seitenbezeichnung

kkAufnahmedaten
Aufnahmeart Ohne Raster Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Belichtungsautomatik Ohne 55 Das Kahnbein stellt sich scharf kontu-
Objektbezogene Einblendung riert, lang gestreckt und weitgehend
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital) überlagerungsfrei dar (. Abb. 13.15b).
Fokus-Detektor-Abstand 105cm
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5)
Aufnahmespannung 50–60 kV Tipp
Belichtungswert 1,3–2 mAs
Eine übersichtliche Darstellung des Kahn-
beins wird durch Röhrenverschiebung fin-
kkEinstelltechnik gerwärts und Kippung der Röntgenröhre
jjVorbereitung des Patienten um ca. 20° aus der Vertikalen erzielt. Der
Hand und Unterarm von Kleidung und Zentralstrahl ist auf das Kahnbein (Os sca-
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen. phoideum) gerichtet. Das Kahnbein stellt
sich lang gestreckt und weitgehend über-
jjLagerung des Patienten lagerungsfrei dar (. Abb. 13.15c). Bei glei-
Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. cher Röhrenverschiebung und -kippung
Der Unterarm liegt flach auf dem Tisch und das mit Zentralstrahl auf das Handgelenk er-
Handgelenk mit der palmaren Seite auf dem hält man eine Röntgenaufnahme, auf der
13 Bildempfänger. Die Finger II–V werden stark die Gelenkfläche des Radius orthograd ge-
im End- und Mittelgelenk gebeugt und die troffen und überlagerungsfrei zur Darstel-
Hand kräftig ulnar (kleinfingerwärts) abdu­ lung kommt.
ziert. Der Daumen liegt seitlich auf dem Bild­
empfänger; Handwurzel bzw. Kahnbein in
­Bildempfängermitte. Unterarm mit Sandsäcken
fixieren (. Abb. 13.15a).
Hand und Handwurzel
113 13
..Abb. 13.15a–c  Kahnbein (Skaphoid)-Spezialaufnahme

a a Lagerung

b c

b,c
1 Kahnbein (Os scaphoideum)
2 Mondbein (Os lunatum) 3 Dreieckbein (Os triquetrum)
4 Erbsenbein (Os pisiforme)
5 Großes Trapezbein (Os trapezium)
6 Kleines Trapezbein (Os trapezoideum)
7 Kopfbein (Os capitatum)
8 Hakenbein (Os hamatum) mit Hakenfortsatz (Hamulus)
9 Speiche (Radius)
10 Elle (Ulna)
114 S. Becht und S. Heyl

13.2.13 Kahnbein, weitere Spezialeinstellungen

kkIndikationen 3. und 4. Aufnahme wird das Handgelenk ulnar


Die Spezialeinstellungen sind zum Nachweis (kleinfingerseitig) zunächst um 20° und an­
versteckter Frakturen am Kahnbein erforder­ schließend um 40° angehoben (. Abb. 13.16b).
lich. Nicht diagnostizierte Kahnbeinfrakturen Lagerungshilfe mit Keilkissen vornehmen.
können Pseudarthrosenbildungen (Falschge­
lenkbildung durch ausbleibende Knochen­ jjZentrierung
bruchheilung) und Beschwerden zur Folge ha­ 55Zentralstrahl: senkrecht auf Kahnbein
ben. 55Strahlengang: dorsopalmar
55Auf Objekt einblenden
kkAufnahmedaten 55Seitenbezeichnung
Siehe oben, „Kahnbein, Spezialaufnahmen“.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
jjVorbereitung des Patienten
55 Scharfe, weitgehend überlagerungs-
Schmuck im Aufnahmebereich ablegen, Strah­ freie Darstellung des Kahnbeins und
lenschutz anlegen. der angrenzenden Handwurzelkno-
chen in unterschiedlichen Projektio-
jjLagerung des Patienten
nen (. Abb. 13.16c–f ).
Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Der Unterarm liegt flach auf dem Tisch, das
Handgelenk befindet sich mit der palmaren Tipp
Seite (Hohlhand) auf dem Bildempfänger. Die
Finger II–V sind im Mittelgelenk gebeugt. Die Vielzahl der empfohlenen Kahnbein-
­Damit wird eine günstigere Projektion des aufnahmen belegt die Notwendigkeit
Kahnbeins zur Erkennung von Querfrakturen ­eines sicheren Nachweises oder Aus-
erreicht. Das Handgelenk wird bei leichter schlusses einer Kahnbeinfraktur. Die
­ulnarer Abduktion radial um 20° (Schreib­ ­Computertomographie wird zur weiteren
13 federhaltung, . Abb. 13.16a) und für die Diagnostik eingesetzt.
­nächste Aufnahme um 40° angehoben. Für die
Hand und Handwurzel
115 13
..Abb. 13.16a–f  Kahnbein, weitere Spezialeinstellungen

a b

a,b Lagerung

a b

c d

c d
c–f Os-scaphoideum-Quartett; c 20° radial angehoben,
d 40° radial angehoben, e 20° ulnar angehoben, f 40°
ulnar angehoben
1 Kahnbein (Os scaphoideum)
2 Großes Trapezbein (Os trapezium)
3 Kleines Trapezbein (Os trapezoideum)
4 Mondbein (Os lunatum)
e f
5 Dreieckbein (Os triquetrum)
6 Kopfbein (Os capitatum)
7 Hakenbein (Os hamatum)
e f
8 Erbsenbein (Os pisiforme)
116 S. Becht und S. Heyl

13.2.14 Handwurzel, schräg, dorsopalmar (Dreieckbein)

kkIndikationen Keilkissen unterstützt. Das Dreieckbein liegt in


55Spezialaufnahme des Dreieckbeins (Os Bildempfängermitte, sodass seine Dorsalseite
triquetrum) bei dorsalseitigen knöchernen tangential getroffen wird (. Abb. 13.17a). Un­
Ausrissen terarm mit einem Sandsack fixieren.

kkAufnahmedaten jjZentrierung
Siehe oben, „Kahnbein, Spezialaufnahmen“. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Dreieckbein
(ulnarseitig)
kkEinstelltechnik 55Strahlengang: dorsopalmar, das Dreieck­
jjVorbereitung des Patienten bein tangential streifend
Schmuck im Aufnahmebereich ablegen, Strah­ 55Einblenden auf Objekt
lenschutz anlegen. 55Seitenbezeichnung

jjLagerung des Patienten


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Hand und Unterarm liegen bequem mit der 55 Überlagerungsfreie Darstellung der
Handinnenfläche auf dem Tisch; die Finger sind dorsalen Fläche des Os triquetrum
gestreckt. Hand und Handgelenk werden radial (. Abb. 13.17b)
(daumenseitig) 45° angehoben und mit einem

..Abb. 13.17a,b  Handwurzel, schräg, dorsopalmar

13

a b

a Lagerung b
1 Dreieckbein (Os triquetrum)
2 Mondbein (Os lunatum)
3 Kahnbein (Os scaphoideum)
4 Elle (Ulna) mit Griffelfortsatz (Processus styloideus
ulnae)
5 Speiche (Radius)
Hand und Handwurzel
117 13

13.2.15 Handwurzel, schräg, ­palmodorsal (Erbsenbein)

kkIndikationen gestreckt. Hand und Handgelenk werden 30°


55Isolierte Fraktur nach dorsal gekippt und mit Keilkissen unter­
55Degenerierte oder entzündliche Verände­ polstert. Das Erbsenbein befindet sich auf
rungen am Erbsenbein (Os pisiforme) ­Bildempfängermitte. Fixierung des Unterarms
ggf. mit Sandsäcken (. Abb. 13.18a).
kkAufnahmedaten
Siehe oben, „Kahnbein, Spezialaufnahmen“. jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht auf Erbsenbein
kkEinstelltechnik 55Strahlengang: palmodorsal
jjVorbereitung des Patienten 55Einblenden auf Objekt
Unterarm und Hand von Kleidung und 55Seitenbezeichnung
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.

jjLagerung des Patienten Qualitätskriterien und Bildmerkmale


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. 55 Das Erbsenbein stellt sich überlage-
Unterarm und Hand liegen ulnar (kleinfinger­ rungsfrei dar (. Abb. 13.18b).
seitig) auf dem Tisch; Finger und Daumen sind

..Abb. 13.18a,b  Handwurzel, schräg, palmodorsal (Erbsenbein)

a b

a Lagerung b 1 Erbsenbein (Os pisiforme)


118 S. Becht und S. Heyl

13.2.16 Mittelhandknochen I, II und Handwurzel palmodorsal, ­


Os trapezium und Os trapezoideum

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Frakturen und Luxationen an der Basis Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
des 1. und 2. Mittelhandknochens, Die Hand liegt mit dem Handrücken auf­
Os trapezium und Os trapezoideum dem Tisch und wird dann so weit daumen­
(großes und kleines Trapezbein) wärts   überdreht (Hypersupination), dass der
Handrücken mit der Unterlage einen nach
kkAufnahmedaten dorsal offenen Winkel von ca. 30° bildet­
­
Siehe oben, „Kahnbein, Spezialaufnahmen“. (. Abb. 13.19a). Der Handrücken wird mit
­einem flachen Keilkissen abgestützt, Unterarm
kkEinstelltechnik und Handgelenk mit einem Sandsäckchen
jjVorbereitung des Patienten ­fixiert. Die Finger und das Handgelenk bleiben
Handgelenk und Finger von Schmuck und gestreckt (7 Abschn. „Daumen“ und „1. Mittel-
Kleidung frei machen, Strahlenschutz anlegen. handknochen“).

..Abb. 13.19a,b  Mittelhandknochen I, II und Handwurzel palmodorsal, Os trapezium und Os trapezoideum

13

a b

a Lagerung b
1 Basis 1. Mittelhandknochen (MHK, Os metacarpale I)
2 Basis 2. Mittelhandknochen (MHK)
3 Großes Trapezbein (Os trapezium)
4 Kleines Trapezbein (Os trapezoideum)
5 Kahnbein (Os scaphoideum)
Hand und Handwurzel
119 13
jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht auf radiale Hand­ Qualitätskriterien und Bildmerkmale
wurzel 55 Os trapezium und Os trapezoideum
55Strahlengang: palmodorsal sowie die Basis des 1. und 2. Mittel-
55Einblenden auf Objekt handknochens kommen überlage-
55Seitenbezeichnung spiegelbildlich rungsfrei zur Darstellung.
55 Die Karpometakarpalgelenke I und II
sind gut einsehbar (. Abb. 13.19b).

13.2.17 Handwurzel, schräg und Darstellung ­


des Hamulus ossis hamati

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Frakturen des Hakenfortsatzes am Haken­ Der Patient sitzt neben dem Untersuchungs­
bein (Hamulus ossis hamati) tisch, der Unterarm liegt kleinfingerseitig auf.
Die Hand wird radialseitig adduziert und mit
kkAufnahmedaten einem 45°-Keilkissen kleinfingerseitig abge­
Aufnahmeart Ohne Raster stützt. Die Finger bleiben gestreckt und der
Belichtungsautomatik Ohne Daumen wird abduziert. Unterarm mit Sand­
Objektbezogene sack fixieren (. Abb. 13.20a).
­Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital) jjZentrierung
Fokus-Detektor-Abstand 105cm 55Zentralstrahl: schräg von den Fingerspit­
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5) zen nach proximal, auf die ulnare Seite der
Aufnahmespannung 50–60kV Handwurzelknochen gezielt
Belichtungswert 2 mAs 55Strahlengang: 30–40° akroradioulnar
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung
kkEinstelltechnik
jjVorbereitung des Patienten
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Unterarm und Hand von Kleidung und
55 Zwischen dem 1. und den übrigen Mit-
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
telhandknochen projizieren sich der
Hamulus ossis hamati und das Erbsen-
bein (Os pisiforme, . Abb. 13.20b).
120 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 13.20a–d  Handwurzel, schräg und Darstellung des Hamulus ossis hamati

a Lagerung

b
1 Basis des 5. Mittelhandknochens
2 Hakenfortsatz am Hakenbein (Hamulus ossis hamati)
3 Erbsenbein (Os pisiforme)
4 Mittelhandknochen I (Os metacarpale I)

13.2.18 Handwurzel, axial (Karpaltunnel)


13
kkAnatomie kkEinstelltechnik
. Abb. 13.21 zeigt die Handwurzelknochen bei jjVorbereitung des Patienten
einer axialen Aufnahme der Handwurzel zur Unterarm und Hand von Kleidung und
Darstellung des Karpaltunnels (Handwurzel­ Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
bogen für den Durchtritt von Sehnen und Die Aufnahme des Karpaltunnels axial
­Nerven). kann in 2 Positionen durchgeführt werden.

kkIndikationen
55Verletzungen, Nervenschädigungen, dege­
nerative und entzündliche Erkrankungen,
v. a. der Beugesehnen
55Spezialaufnahme des Erbsenbeins (Os pisi­
forme) und des Hakens (Hamulus) am
­Hakenbein (Os hamatum)

kkAufnahmedaten
Siehe oben, „Handwurzel, schräg und Darstel­
lung des Hamulus ossis hamati“. ..Abb. 13.21  Anatomie der Handwurzelknochen
Hand und Handwurzel
121 13
jjLagerung des Patienten im Sitzen jjLagerung des Patienten im Stehen
Patient sitzt am Untersuchungstisch. Der Un­ Der Patient steht am Untersuchungstisch und
terarm liegt flach mit der Beugeseite auf dem stützt die Handinnenfläche auf den Bildemp­
Tisch. Die Hand wird stark (ca. 80° zur Tisch­ fänger. Der Unterarm steht senkrecht zur Hand
ebene) nach dorsal abgewinkelt, wobei der Pa­ (. Abb. 13.22c).
tient mit der anderen Hand oder mit einem
Kompressionsband die Finger nach hinten jjZentrierung bei stehender Position
zieht. Distale Handwurzelreihe in Bildempfän­ 55Zentralstrahl: 45° tangential auf die Hand­
germitte (. Abb. 13.22a,b). wurzel
55Strahlengang: von proximal nach distal
jjZentrierung bei sitzender Position 55Einblenden auf Objekt
55Zentralstrahl: ca. 45° tangential auf Hand­ 55Seitenbezeichnung
wurzelbogen und Bildempfängermitte
55Strahlengang: von distal nach proximal. Bei
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
ungenügender Überstreckung im Handge­
55 U-förmige Darstellung des Karpal­
lenk muss der Winkel des Zentralstrahls
tunnels
zur Tischplatte kleiner als 45° sein.
55 Überlagerungsfreie Darstellung des ­
55Einblenden auf Objekt
Os pisiforme, des Hamulus ossis hamati
55Seitenbezeichnung
und des Daumensattelgelenkes
(. Abb. 13.22d)

..Abb. 13.22a–d  Handwurzel, axial (Karpaltunnel)

a b

a,b Lagerung, Aufnahme im Sitzen


R

5 1
4 2
3

c d
122 S. Becht und S. Heyl
a b

5 1
4 2
3

c d

c Lagerung, Aufnahme im Stehen d


1 Erbsenbein (Os pisiforme)
2 Hakenfortsatz am Hakenbein (Hamulus ossis hamati)
3 Kahnbein (Os scaphoideum)
4 Großes Trapezbein (Os trapezium)
5 Daumensattelgelenk (Karpometakarpalgelenk)

13
123 14

Unter- und Oberarm


S. Becht, S. Heyl

14.1 Anatomie  – 124

14.2 Einstellungen  – 125


14.2.1 Unterarm, mit zwei Gelenken ventrodorsal  – 125
14.2.2 Unterarm mit zwei Gelenken, seitlich  – 127
14.2.3 Ellenbogengelenk, ventrodorsal  – 128
14.2.4 Ellenbogengelenk, seitlich  – 130
14.2.5 Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Oberarm
­(Olekranonaufnahme)  – 132
14.2.6 Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Unterarm ­
(Sulcus-ulnaris-Aufnahme)  – 133
14.2.7 Radiusköpfchen, schräg, mediolateral  – 135
14.2.8 Kronenfortsatz der Ulna (Processus coronoideus ulnae),
schräg, lateromedial  – 136
14.2.9 Oberarm, ventrodorsal  – 138
14.2.10 Oberarm, seitlich, mediolateral  – 139

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_14
124 S. Becht und S. Heyl

14.1 Anatomie

Der Unterarm besteht aus 2 Knochen: Speiche


(Radius) und Elle (Ulna; . Abb. 14.1). Die
­Speiche ist distal (handwärts) breit und bildet
mit den Handwurzelknochen das Handgelenk
(Radiokarpalgelenk). Proximal (ellenbogen-
wärts) befindet sich das zierliche Köpfchen
(Caput radii). Die Elle weist dagegen distal ein
schmales Ende auf und proximal den vorderen
Fortsatz (Kronenfortsatz = Processus coronoi-
deus) und den großen hinteren Fortsatz, den
Ellenbogen (Hakenfortsatz = Olekranon).
Das Ellenbogengelenk ist ein Winkel- oder
Scharniergelenk. Es besteht funktionell aus drei
Gelenken, die aus den drei miteinander artiku-
lierenden Knochen gebildet werden: dem ..Abb. 14.1  Anatomie des Unterarms
­Radiusköpfchen (Caput radii), dem sattelför-
mig ausgebildeten proximalen Ulnaabschnitt
(Olecranon) und dem gelenkbildenden Teil des Oberhalb der Gelenkrolle des Oberarms be-
Oberarmknochens (Condylus humeri). finden sich medial und lateral höckerige Aus-
Die Gelenkfläche des flachen Radiusköpf- wüchse. Sie werden als Epicondylus ulnaris
chens ist so gestaltet, dass sie Drehbewegungen oder medialis und Epicondylus radialis oder
einerseits gegenüber der Elle (radioulnares lateralis bezeichnet.
­Gelenk), andererseits gegenüber dem Oberarm- Bei starker Streckung des Arms findet das
knochen (radiohumerales Gelenk) erlaubt. Im Olekranon Platz in der Fossa olecrani, die
radioulnaren Gelenk wird die Hand supiniert ­dorsalseitig zwischen den beiden Epikondylen
(Handinnenfläche nach oben) und proniert des Humerus liegt. An den gelenkbildenden
(Handrücken nach oben). Das Radiusköpfchen Abschnitten des Oberarmknochens schließt
artikuliert mit dem Capitulum humeri. sich der Humerusschaft an. Am proximalen
Das halbmondförmige proximale Ende der Ende des Oberarms befindet sich der Oberarm-
Elle umgreift die rollenförmige Gelenkfläche kopf (Caput humeri, 7 Abschn. 14.2.10).
14 des Oberarmknochens (Trochlea humeri) =
humeroulnares Gelenk.
Unter- und Oberarm
125 14
14.2 Einstellungen

14.2.1 Unterarm, mit zwei Gelenken ventrodorsal

kkIndikationen ben werden. Konventionelle Bildempfänger wie


55Frakturen und Luxationen Film- oder Speicherfolienkassetten werden
55Entzündliche und tumoröse Knochen­ dazu mit Lagerungshilfsmitteln unterlegt Zur
erkrankungen Fixierung kann gegebenenfalls ein Sandsack
auf die Hand oder den Unterarm gelegt werden
Bei Darstellung des gesamten Unterarmes mit (. Abb. 14.2a).
einer Aufnahme muss berücksichtigt werden,
dass die beiden Gelenke durch die Divergenz jjZentrierung
der Strahlen nicht orthograd getroffen werden. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Unterarm­
In Abhängigkeit der klinischen Fragestellung mitte, bei getrennten Aufnahmen Zentrie-
kann es notwendig sein, den proximalen und rung etwas proximal des Handgelenkes
distalen Anteil des Unterarmes getrennt zu oder distal des Ellenbogengelenkes
röntgen. 55Strahlengang: ventrodorsal
55Einblenden auf Objekt
kkAufnahmedaten 55Seitenbezeichnung
Aufnahmeart Ohne Raster
Belichtungsautomatik Ohne Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Objektbezogene Einblendung
55 Überlagerungsfreie parallele Darstel-
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital)
lung beider Unterarmknochen
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm
55 Bei getrennter Aufnahmetechnik or-
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,3)
thograde Darstellung des Hand- oder
Aufnahmespannung 50-60 kV
Ellenbogengelenkes
Belichtungswert 1,6–2,0 mAs
55 Skelettnahe Weichteile vollständig
­abgebildet und gut erkennbar­
kkEinstelltechnik
(. Abb. 14.2b)
jjVorbereitung des Patienten
Unterarm von Kleidung und Schmuck frei ma-
chen, Strahlenschutz anlegen. Häufige (schmerzbedingte) Fehleinstellung: Un-
terarm in Pronation (Handfläche auf Kassette).
jjLagerung des Patienten In dieser Position kreuzen sich die Unterarm-
Patient sitzt neben oder liegt auf dem Unter­ knochen ellenbogennah (. Abb. 14.2c). Projek-
suchungstisch. Der Unterarm wird mit ge- tionsbedingt stellt sich das Handgelenk auf der
strecktem Ellenbogengelenk mit der Dorsalsei- Standardaufnahme des Unterarms nicht über-
te flach und bequem auf dem Bildempfänger lagerungsfrei dar. Eine orthograde Darstellung
gelagert. Damit Unterarm und Oberarm beim des Handgelenkes und Ellenbogengelenkes
sitzenden Patienten in einer Ebene liegen, muss ­erreicht man auf der Unterarmaufnahme nur
entweder der Patient tief sitzen oder der Unter- dadurch, dass die Aufnahmen getrennt durch-
suchungstisch oder der Bildempfänger angeho- geführt werden.
126 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 14.2a–c  Unterarm ventrodorsal

a b c

a Lagerung b c Fehleinstellung
1 Speiche (Radius)
2 Elle (Ulna)
3 Griffelfortsatz der Speiche
(Processus styloideus radii)
4 Griffelfortsatz der Elle (Pro-
cessus styloideus ulnae)
5 Kahnbein (Os scaphoideum)
6 Mondbein (Os lunatum),
14 Dreieckbein (Os triquetrum,
verschmolzen)
7 Erbsenbein (Os pisiforme)

Tipp
dem 90° gewinkelten seitlichen Ellen­
Bei Kindern, die klinisch nur schwer zu un- bogen auf den Bildempfänger gelegt.
tersuchen sind, empfiehlt sich die Darstel- Wie beim Ellenbogen seitlich ist darauf
lung mit beiden Gelenken auf einer Auf- zu ­achten, dass sich Handgelenk und
nahme. Dazu wird für die erste Ebene der ­Ellenbogengelenk auf Schultergelenk­
gesamte Arm mit der Handfläche und höhe befinden.
Unter- und Oberarm
127 14

14.2.2 Unterarm mit zwei Gelenken, seitlich

kkIndikationen dem Tisch. Der Arm wird im Ellenbogen 90°


552. Ebene zur ventrodorsalen Aufnahme gebeugt. Der Unterarm liegt seitlich (Daumen
nach oben) auf dem Bildempfänger. Daumen
kkAufnahmedaten und Finger sind gestreckt. Unterarmmitte auf
7 Abschn. 14.2.1. Bildempfängermitte. Gegebenenfalls Fixierung
mittels Kompressionsband über dem Ellen­
kkEinstelltechnik bogen (. Abb. 14.3a).
jjVorbereitung des Patienten
Unterarm von Kleidung und Schmuck frei jjZentrierung
­machen, Strahlenschutz anlegen. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Unterarmmitte
55Strahlengang: radioulnar
jjLagerung des Patienten 55Einblenden auf Objekt
Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. 55Seitenbezeichnung
Ober- und Unterarm liegen in einer Ebene auf

..Abb. 14.3a,b  Unterarm seitlich

a b

a Lagerung b
1 Speiche (Radius)
2 Elle (Ulna)
3 Kahnbein (Os scaphoideum)
4 Mondbein (Os lunatum)
5 Großes Trapezbein (Os trapezium)
128 S. Becht und S. Heyl

des Unterarms nicht überlagerungsfrei dar.


Qualitätskriterien und Bildmerkmale Eine orthograde Darstellung des Handgelenkes
55 Elle und Speiche überlagern sich und Ellenbogengelenkes erreicht man auf der
­­weitgehend im distalen Bereich, bei Unterarmaufnahme nur dadurch, dass die Auf-
getrennter Aufnahmetechnik sind nahmen getrennt durchgeführt werden.
Handgelenk und Ellenbogen seitlich
abgebildet Tipp
55 Skelettnahe Weichteile sind vollstän-
dig abgebildet und gut erkennbar Bei Kindern, die klinisch nur schwer zu un-
(. Abb. 14.3b). tersuchen sind, empfiehlt sich als zweite
Ebene die seitliche Darstellung des Hand-
gelenkes und die volodorsale Darstellung
Projektionsbedingt stellt sich das Hand- und des Ellenbogens bei gestrecktem Arm.
Ellenbogengelenk auf der Standardaufnahme

14.2.3 Ellenbogengelenk, ventrodorsal

kkAnatomie
. Abb. 14.4.

kkIndikationen
55Frakturen und Luxationen im Ellenbogen-
gelenk (typische Frakturen: suprakondy­
läre und perkondyläre Oberarmfraktur,
Frakturen des Olekranons)
55Abrisse oder Ausrisse an den Oberarm­
epikondylen
55Entzündliche („Tennisarm“) und tumoröse
Erkrankungen

kkAufnahmedaten
14 Aufnahmeart Ohne Raster
..Abb. 14.4  Anatomie des ventrodorsalen Ellen­
Belichtungsautomatik Ohne bogengelenkes
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm jjLagerung des Patienten
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,3) Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Aufnahmespannung 50-60 kV Das Ellenbogengelenk liegt mit gestrecktem
Belichtungswert 1,6–2,5 mAs Unterarm – Handfläche nach oben – auf dem
Pädiatrische Besonderheiten Zusatzfilterung 1 mm Bildempfänger. Damit Oberarm, Ellenbogen
Al + 0,1 mm Cu und Unterarm in einer Ebene sind, muss der
Ellenbogen auf Schulterhöhe (z. B. einem Holz-
kkEinstelltechnik klotz oder ähnlichem) gelagert werden; Hand
jjVorbereitung des Patienten und Finger strecken. Gegebenenfalls Fixierung
Unterarm und Ellenbogengelenk von Schmuck mit Kompressionsband über den Oberarm­
und Kleidung frei machen, Strahlenschutz an- und mit Sandsäcken auf dem Unterarm­
legen. (. Abb. 14.5a–c).
Unter- und Oberarm
129 14
..Abb. 14.5a–f  Ellenbogengelenk ventrodorsal

a c

a–c Lagerung
a c

4 e
53

24
e
3
2
1

d f

d f

d e,f Fehleinstellungen
1 Speichenköpfchen (Caput radii)
2 Hakenfortsatz (Olecranon)
3 Oberarm (Humerus)
4 Epicondylus lateralis (radialis)
5 Epicondylus medialis (ulnaris)
130 S. Becht und S. Heyl

jjZentrierung orthograd getroffen. Bei Patienten mit einer


55Zentralstrahl: senkrecht auf Ellenbogen­ Streckhemmung oder Aufnahmen im Gipsver-
gelenkmitte (Beugeseite) band wird die Aufnahme in Abhängigkeit der
55Strahlengang: ventrodorsal klinischen Fragestellung in „Mittelstellung“
55Einblenden auf Objekt oder mit Flachlagerung des Unter- oder
55Seitenbezeichnung ­Oberarmes angefertigt. Bei bekannter Fraktur-
lokalisation beschränkt man sich auf eine
gezielte Aufnahme auf den Unterarm bei­
­
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
einer Radiusköpfchenfraktur bzw. auf den
55 Orthograde Darstellung des Gelenk-
Oberarm bei einer suprakondylären Oberarm-
spalts
fraktur.
55 Gute Transparenz des Oberarm­
kondylus, sodass auch das Olekranon
Tipp
beurteilt werden kann.
55 Außerdem erkennbare Weichteil­
Bei Kindern und Jugendlichen kann in
konturen
Zweifelsfällen zur Beurteilung der
­Knochenkerne eine Vergleichsaufnahme
Liegen Ober- und Unterarm nicht gestreckt auf der Gegenseite erforderlich sein.
einer Ebene, wird das Ellenbogengelenk nicht

14.2.4 Ellenbogengelenk, seitlich


kkAnatomie
. Abb. 14.6.

kkIndikationen
552. Ebene zur ventrodorsalen Aufnahme

kkAufnahmedaten
7 Abschn. 14.2.3.

14 jjVorbereitung des Patienten


Ober und Unterarm von Schmuck und Klei-
dung frei machen, Strahlenschutz anlegen.

jjLagerung des Patienten


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. ..Abb. 14.6  Anatomie des seitlichen Ellenbogens
Ober- und Unterarm ggf. mit Lagerungshilfe
auf Schultergelenkhöhe anheben. Ellenbogen-
gelenk 90° beugen und mit ulnarer Seite (klein- jjZentrierung
fingerseitig) auf die Bildempfängermitte legen. 55Zentralstrahl: senkrecht auf Ellenbogen­
Handgelenk liegt seitlich dem Bildempfänger gelenk
auf. Der Daumen zeigt nach oben. Wenn nötig, 55Strahlengang: radioulnar
kann der Unterarm mit einem Sandsack fixiert 55Einblenden auf Objekt
werden (. Abb. 14.7a,b). 55Seitenbezeichnung
Unter- und Oberarm
131 14
kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten
jjVorbereitung des Patienten Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Ober und Unterarm von Schmuck und Klei- 55 Überlagerungsfreie Darstellung des
dung frei machen, Strahlenschutz anlegen. humeroulnaren Gelenks
55 Die Oberarmkondylen projizieren sich
jjLagerung des Patienten exakt aufeinander.
Bei Unfallpatienten, die auf dem Rastertisch 55 Gute Darstellung des Radiusköpfchens
oder auf der Untersuchungstrage liegen, wird 55 Weichteilstrukturen (Fettstreifen) und
folgendermaßen verfahren: Der Arm wird 90° -konturen müssen erkennbar sein
abduziert, auf der Unterlage unterpolstert und (. Abb. 14.7c).
im Ellenbogengelenk ca. 90° gebeugt. Eine
Hilfsperson hält den Arm in dieser Position.
Kopfwärts wird ein Bildempfänger an Ober- Tipp
und ­Unterarm angestellt.
Fehleinstellungen: Hand in Pronation statt
jjZentrierung streng seitlich (. Abb. 14.7d). Oberarm
55Zentralstrahl: auf Ellenbogengelenk schräg herabhängend statt horizontal lie-
55Strahlengang: horizontal, von medial nach gend (. Abb. 14.7e). Bei sehr kräftigem
lateral durch das Ellenbogengelenk Oberarm wird das Herabhängen des Un-
terarms durch Unterlegen der Hand mit
­einem flachen Keilkissen vermieden oder
der Patient schiebt die Finger der Gegen-
seite unter das Handgelenk.

..Abb. 14.7a–e  Ellenbogengelenk seitlich

a b

a,b Lagerung

c
132 S. Becht und S. Heyl

a b

6 5 4 3 2 1
c
1 Speiche (Radius)
2 Elle (Ulna)
3 Hakenfortsatz (Olecranon)
4 Oberarm (Humerus)
5 Gelenkrolle (Condylus humeri)
e
6 Humeroulneares Gelenk
d,e Fehleinstellungen

14.2.5 Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Oberarm


­(Olekranonaufnahme)

Die axiale Aufnahme des Ellenbogens kann in kkAufnahmedaten


zwei unterschiedlichen Armpositionen und Aufnahmeart Ohne Raster
Strahlengangrichtungen angefertigt werden, Belichtungsautomatik Ohne
die trotz sehr ähnlicher Einstellung verschie­
14 dene Bildergebnisse liefern. Die Einstellung
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤10 µGy (digital)
richtet sich nach der klinischen Fragestellung. Fokus-Detektor-Abstand 105 cm
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,3)
kkAnatomie Aufnahmespannung 50–60 kV
Zwischen der Gelenkrolle (Trochlea humeri) Belichtungswert 2,5 mAs
für das Olekranon und dem ulnaren (medialen)
Gelenkhöcker (Epicondylus ulnaris = medialis)
verläuft die Rinne (Sulcus nervi ulnaris) für den kkEinstelltechnik
N. ulnaris, der bei Kondylenbrüchen verletzt jjVorbereitung des Patienten
werden kann. Ober- und Unterarm von Kleidung und
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
kkIndikationen
Olekranonverletzungen, Läsionen des N. ulna- jjLagerung des Patienten
ris nach Verletzungen, Epikondylitis („Tennis- Patient sitzt am Untersuchungstisch. Rückseite
arm“). des Oberarms (z. B. durch Unterlegen von Holz-
klötzen) auf Schulterhöhe anheben. Der Unter-
Unter- und Oberarm
133 14
..Abb. 14.8a,b  Ellenbogengelenk axial (Olekranonaufnahme)

a Lagerung
b

b
1 Speichenköpfchen (Caput radii)
2 Epicondylus lateralis (radialis)
3 Hakenfortsatz (Olecranon)
4 Knochenrinne für N. ulnaris (Sulcus nervi ulnaris)
5 Epicondylus medialis (ulnaris)
arm wird maximal gebeugt (die Finger berüh-
ren die Schulter). Fixierung mit Sandsack über
dem Oberarm wenn notwendig (. Abb. 14.8a).
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
jjZentrierung 55 Gute Darstellung von Olekranon,
55Zentralstrahl: senkrecht auf Ellenbogen­ Trochlea und Capitulum humeri sowie
gelenk des radialen und ulnaren Epikondylus
55Strahlengang: axial, durch Unter- und 55 Die Unterarmknochen projizieren ­
Oberarm sich auf den Oberarmknochen ­
55Einblenden auf Objekt (. Abb. 14.8b).
55Seitenbezeichnung

14.2.6 Ellenbogen, axial, bei aufliegendem Unterarm ­


(Sulcus-ulnaris-Aufnahme)

kkIndikationen kkEinstelltechnik
Darstellung des Sulcus nervi ulnaris (knöcher- jjVorbereitung des Patienten
ne Rinne für den N. ulnaris), der bei dieser Ein- Ober- und Unterarm von Kleidung und
stellung gut abgebildet wird. Beurteilung der Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
Oberarmhöcker bei Epikondylitis („Tennis­
ellenbogen“). jjLagerung des Patienten
Patient sitzt seitlich am Untersuchungstisch.
kkAufnahmedaten Die Rückseite des Unterarms und der Hand
7 Abschn. 14.2.5. ­liegen auf dem Untersuchungstisch. Die Hand­
innenfläche ist nach oben gerichtet. Der Ellen-
134 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 14.9a–c  Ellenbogengelenk axial (Sulcus- bogen wird so weit wie möglich angewinkelt
ulnaris-Aufnahme) (Oberkörper nach vorn beugen) (. Abb. 14.9a).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht auf Ellenbogen­
gelenk
55Strahlengang: axial, durch Ober- und Un-
terarm
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung

a Lagerung

14 b c

b,c
1 Speichenköpfchen (Caput radii)
2 Epicondylus lateralis (radialis)
3 Epicondylus medialis (ulnaris)
4 Knochenrinne für N. ulnaris (Sulcus nervi ulnaris)
5 Hakenfortsatz (Olecranon)
6 Oberarm (Humerus)
7 Elle (Ulna)
Unter- und Oberarm
135 14
Tipp
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Gute Darstellung des ulnaren (media- Besonders gut lässt sich der Sulcus nervi
len) und radialen (lateralen) Epikondy- ulnaris durch Verschiebung der Röntgen-
lus sowie der an der Rückseite des röhre nach lateral und Kippen um 10°
Oberarms gelegenen Rinne für den ­ ­gegenüber der Vertikalen darstellen
N. ulnaris ­(Zentralstrahl auf das Ellenbogengelenk).
55 Den Sulcus nervi ulnaris erkennt man Mit dieser Aufnahme kommt der Epicon-
neben dem stark vorspringenden dylus ulnaris (medialis) am übersichtlichs-
­Epicondylus ulnaris (medialis). ten zur Darstellung (. Abb. 14.9c). Außer-
55 Nur ein Teil des Olekranons ist – dem erhält man eine gute Abbildung ­
­tangential getroffen – dargestellt des humeroradialen Gelenkes mit Radius-
(. Abb. 14.9b). köpfchen.

14.2.7 Radiusköpfchen, schräg, mediolateral

kkAnatomie
. Abb. 14.10.

kkIndikationen
55Frakturen des Radiusköpfchens, die die
Drehbewegungen des Unterarms (Prona­
tion und Supination) einschränken

Typische Frakturen sind die Meißelfraktur des


Radiusköpfchens und die Radiushalsfraktur.
..Abb. 14.10  Anatomie des Radiusköpfchens
kkAufnahmedaten
7 Abschn. 14.2.5. jjZentrierung
55Zentralstrahl: auf Radiusköpfchen bzw.
kkEinstelltechnik bei Aufnahme ­ Mitte der Ellenbeuge
in Supination 55Strahlengang: mediolateral im Winkel von
jjVorbereitung des Patienten 45° zur Tischebene
Oberarm- und Unterarm von Kleidung und 55Einblenden auf Objekt
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen. 55Seitenbezeichnung

jjLagerung des Patienten kkEinstelltechnik bei Aufnahme ­


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch. in Hypersupination
Ober- und Unterarm liegen gestreckt in jjLagerung des Patienten
­Supination (Handfläche nach oben) auf dem Der in Supinationsstellung auf dem Unter­
Untersuchungstisch. Ellenbogengelenk evtl. suchungstisch liegende Arm wird im Ellen­
leicht beugen („en couvette“) und Unterarm bogengelenk leicht gebeugt und so weit nach
mit Sandsäcken stützen. Fixierung mit außen gedreht (Hypersupination), bis das
Kompressionsband über dem Handgelenk
­ ­Olekranon und der laterale Epicondylus hu­
(. Abb. 14.11a). meri dem Bildempfänger anliegen. Ellenbogen
innenseitig mit Keilkissen abstützen.
136 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 14.11a–c  Radiusköpfchen schräg jjZentrierung bei Hypersupination


55Zentralstrahl: auf Mitte der Ellenbeuge
55Strahlengang: senkrecht, ventrodorsal
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Überlagerungsfreie Darstellung des
Radiusköpfchens
a
55 Gute Beurteilung des humeroradialen
a Lagerung Gelenkes (. Abb. 14.11b,c)

b,c
1 Speichenköpfchen (Caput radii)
2 Hakenfortsatz der Elle (Olecranon)
14 3 Gelenkrolle (Capitulum humeri)
4 Oberarmschaft (Humerus) c

14.2.8 Kronenfortsatz der Ulna (Processus coronoideus ulnae),


schräg, lateromedial

kkAnatomie
. Abb. 14.12.

kkIndikationen
55Fraktur des Processus coronoideus ulnae

kkAufnahmedaten
7 Abschn. 14.2.5.

..Abb. 14.12  Anatomie des Kronenfortsatzes der Elle


Unter- und Oberarm
137 14
kkEinstelltechnik ..Abb. 14.13a,b  Kronenfortsatz der Ulna (Processus
jjVorbereitung des Patienten coronideus ulnae, schräg, lateromedial
Ober- und Unterarm von Schmuck und Klei-
dung frei machen, Strahlenschutz anlegen.

jjLagerung des Patienten


Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Ober- und Unterarm liegen gestreckt in Supi-
nation (Handfläche nach oben) auf dem Unter-
suchungstisch. Das Ellenbogengelenk liegt auf
Bildempfängermitte, lateral (daumenseitig) mit
Keilkissen leicht angehoben, Hand durch einen a
Sandsack leicht abgestützt. Gegebenenfalls
a Lagerung
­Fixierung mittels Kompressionsband über der
Hand und dem Oberarm (. Abb. 14.13a).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: auf Processus coronoideus
bzw. in Ellenbeuge
55Strahlengang: 45°-Winkel von lateral nach
medial
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Überlagerungsfreie Darstellung ­
des Processus coronoideus ulnae
(. Abb. 14.13b)
b

b
Tipp 1 Kronenfortsatz der Elle (Processus coronoideus
­ulnae)
2 Gelenkrolle (Condylus) medialis (ulnaris)
Zur Vermeidung einer verzerrten und 3 Gelenkrolle (Epicondylus) medialis (ulnaris)
­vergrößerten Aufnahme des Ellenbogen- 4 Hakenfortsatz (Olecranon)
gelenkes wird der gestreckte Arm im 5 Oberarm (Humerus)
Schultergelenk 45° einwärts gedreht und
die Aufnahme ohne Röhrenkippung ange-
fertigt.
138 S. Becht und S. Heyl

14.2.9 Oberarm, ventrodorsal

kkIndikationen Oder: Patient steht mit dem Rücken am


55Oberarmfrakturen ­ asterwandstativ. Oberarm leicht abgespreizt.
R
55Knochen- und Weichteilprozesse Hand in Supination (Handfläche nach vorn);
Oberarm auf Bildempfängermitte. Der Kopf
kkAufnahmedaten soll für den Strahlenschutz der Augenlinse zur
Aufnahmeart Ohne Raster oder mit Gegenseite gedreht werden
Rastertechnik
Belichtungsautomatik Mittleres Feld jjZentrierung
Objektbezogene Einblendung 55Zentralstrahl: senkrecht auf Oberarm- und
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) Bildempfängermitte
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm 55Strahlengang: ventrodorsal
Brennflecknennwert 0,6 (≤1,5) 55Einblenden auf Objekt
Aufnahmespannung 50–60 kV 55Seitenbezeichnung
Belichtungswert 2,5 mAs 55Aufnahme in Atemstillstand
Pädiatrische Besonderheiten Zusatzfilter, ohne
Raster
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Überlagerungsfreie Darstellung des
kkEinstelltechnik
Oberarmknochens (Humerus) mit
jjVorbereitung des Patienten
Schulter- und Ellenbogengelenk
Ober- und Unterarm von Kleidung und
55 Wichtig ist die freie Darstellung des
Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
Oberarmkopfes und -halses mit dem
Tuberculum majus, das als kleiner
jjLagerung des Patienten
­Höcker lateral am Oberarmkopf er-
Patient befindet sich in Rückenlage auf dem
kennbar ist.
Untersuchungstisch. Oberarm, Unterarm und
55 Die Weichteile sollen erkennbar sein
Hand liegen in Supination (Handfläche nach
(. Abb. 14.14b).
oben), gestreckt und leicht vom Körper abge-
spreizt auf dem Bildempfänger; Oberarm auf
Bildempfängermitte. Fixierung mit Sandsack
14 über dem Handgelenk (. Abb. 14.14a).
Unter- und Oberarm
139 14
..Abb. 14.14a,b  Oberarm ventrodorsal

2
3
4
5
a b

a Lagerung b
1 Oberarmschaft (Humerus) mit Fraktur und Prévot-
Nagel-Versorgung
2 Epicondylus medialis (ulnaris)
3 Gelenkrolle (Capitulum humeri) mit Wachstumsfuge
4 Speichenköpfchen (Caput radii) mit Wachstumsfuge
5 Hakenfortsatz der Elle (Olecranon)
6 Oberarmkopf (Caput humeri) mit Wachstumsfuge
7 Großer Gelenkhöcker (Tuberculum majus)
8 Schultereckgelenk (AC = Akromioklavikulargelenk,
Articulatio acromioclavicularis)

14.2.10 Oberarm, seitlich, mediolateral

kkAnatomie kkEinstelltechnik
. Abb. 14.15. jjVorbereitung des Patienten
Ober- und Unterarm von Kleidung und
kkIndikationen Schmuck frei machen, Strahlenschutz anlegen.
552. Ebene zur ventrodorsalen Aufnahme
jjLagerung des Patienten
kkAufnahmedaten Patient befindet sich in Rückenlage auf dem
7 Abschn. 14.2.2. Untersuchungstisch. Der Oberarm wird 90° zur
Körperlängsachse abgespreizt und streckseitig
140 S. Becht und S. Heyl

mit einer Lagerungshilfe etwas hochgelagert jjZentrierung


(damit der Oberarm bei angestelltem Bildemp- 55Zentralstrahl: senkrecht auf Oberarm- und
fänger mittig abgebildet wird). Unterarm und Bildempfängermitte
Hand in Supination (Handinnenfläche nach 55Strahlengang: horizontal und mediolateral
oben), Ellenbogengelenk wenig gebeugt und 55Einblenden auf Objekt
mit einem Keil abgestützt. Der Bildempfänger 55Seitenbezeichnung
wird an der radialen Seite des Oberarms ange-
stellt und mit Sandsäcken fixiert.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Oder: Patient steht am Rasterwandstativ,
Gute Darstellung des Oberarmknochens
der Oberarm wird rechtwinklig abduziert und
mit Weichteilen, mindestens ein Gelenk
im Ellenbogengelenk gebeugt, die Hand steht
muss mit abgebildet sein. Auf einer kor-
in Supination. Eine Halterung am Stativ er-
rekt seitlichen Aufnahme des Oberarms ist
leichtert die Armstellung. Der Kopf ist zur
auch das Ellenbogengelenk exakt seitlich
­Gegenseite gedreht (. Abb. 14.16a).
getroffen. Der Weichteilmantel soll er-
kennbar sein (. Abb. 14.16b).

..Abb. 14.15  Oberarm seitlich, medio­lateral

..Abb. 14.16a,b  Oberarm seitlich 1

b
14 2 3 4
b
1 Oberarmschaft (Humerus) mit Fraktur und Prévot-
Nagel-Versorgung und Kallusbildung
2 Hakenfortsatz der Elle (Olecranon)
3 Speichenköpfchen (Caput radii)
a 4 Oberarmkopf (Caput humeri)

a Lagerung
141 15

Schultergelenk
S. Becht, S. Heyl

15.1 Anatomie  – 142

15.2 Einstellungen  – 142


15.2.1 Schultergelenk, ventrodorsal
­(Glenoid-Tangentialaufnahme)  – 144
15.2.2 Schultergelenk, „Schwedenstatus“ (I–III)  – 146
15.2.3 Schultergelenk, axial, im Liegen  – 149
15.2.4 Schultergelenk, axial, im Sitzen  – 150
15.2.5 Schultergelenk, transskapular (Y-Aufnahme)  – 152
15.2.6 Supraspinatus- oder subakromiale Tunnelaufnahme ­
(„outlet view“)  – 153
15.2.7 Schulter, tangential, Bizepssehnenkanal  – 154
15.2.8 Schultergelenk, Nachweis e ­ ines Hill-Sachs-Defekts  – 156
15.2.9 Schultergelenk, Nachweis einer Bankart-Läsion  – 158

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_15
142 S. Becht und S. Heyl

15.1 Anatomie Übergang vom Schaft zum Kopfgebiet (subka-


pitale Oberarmfraktur), also distal von Tuber-
Das Schultergelenk (Humeroglenoidalgelenk) culum majus und minus am Collum chirurgi-
ist als Kugelgelenk angelegt, wobei ein Missver- cum. Der Humeruskopf artikuliert mit der
hältnis zwischen dem großen Kopf und der Schulterpfanne (Fossa glenoidalis). Das knö-
kleinen Pfanne besteht (. Abb. 15.1). Die Stabi- cherne Dach des Schultergelenkes wird von
lität des Schultergelenkes ist durch Muskeln ­einem Fortsatz des Schulterblatts (= Schulter-
und Sehnen (Rotatorenmanschette) gewähr- höhe, Acromion) und dem Schlüsselbein
leistet. Das Schultergelenk bildet mit dem ­(Clavicula) gebildet.
Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk
= AC-Gelenk) und dem Brustbein-Schlüssel-
bein-Gelenk (Sternoklavikulargelenk) eine 15.2 Einstellungen
funktionelle Einheit. Das proximale Ende des
Oberarmschafts (Humerus) weist lateral einen . Tab. 15.1 soll die Indikationen für die zahl­
großen Höcker (Tuberculum majus) und vorne reichen Einstellungen am Schultergelenk und
einen kleinen Höcker (Tuberculum minus) auf. Schultergürtel aufzeigen und bei der Entschei-
Die dazwischen liegende Rinne (Sulcus bicipi- dung helfen, welche Röntgenaufnahmen für
talis) nimmt die Sehne des M. biceps brachii welche Fragestellung geeignet sind. Abwei-
auf. Der Übergang zur knorpelüberzogenen chungen von diesem Schema und in der Ein-
Halbkugel des Humeruskopfes (Caput humeri) stelltechnik einzelner Aufnahmen sind je nach
wird durch einen zirkulären Einschnitt, den Fragestellung, z. B. in der Akutdiagnostik,
Hals (Collum anatomicum), markiert. Wenn möglich und/oder nötig.
der Humeruskopf bricht, dann meistens am

..Abb. 15.1  Anatomie des


Schultergelenkes

15
Schultergelenk
143 15

..Tab. 15.1  Indikationen der Röntgenaufnahmen des Schultergelenkes und Schultergürtels

Indikation/Fragestellung Röntgenaufnahme

Traumatologie

Basisdiagnostik Schultergelenk in 2 Ebenen:


1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­
nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
2. Axiale Schulteraufnahme (7 Abschn. 15.2.3)

Subkapitale Oberarmfraktur: 1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­


Beurteilung der Fragmentdislo- nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
kation und Achsenabweichung 2. Axiale Aufnahme im Liegen, ggf. gehalten oder mit Lagerungshilfe
(7 Abschn. 15.2.3)

Schulterluxation: vordere und 1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­


hintere Luxation, Stellungs­ nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
kontrolle nach Reposition 2. Transskapulare oder Y-Aufnahme (7 Abschn. 15.2.5)

Fraktur des Tuberculum majus 1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­


(häufig kombiniert mit subka- nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
pitaler Oberarmfraktur oder 2. Aufnahme in Innenrotation (IRO, 7 Abschn. 15.2.2) und/oder
Schulterluxation) 3. Aufnahme in Außenrotation (ARO, 7 Abschn. 15.2.2)
4. Axiale Aufnahme im Liegen, ggf. gehalten oder mit Lagerungshilfe
(7 Abschn. 15.2.3)

Fraktur des Tuberculum minus 1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­


nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
2. Axiale Schulteraufnahme (7 Abschn. 15.2.3)
3. Schulter, tangential (7 Abschn. 15.2.7)

Lockerung oder Sprengung 1. Aufnahme des Schultereckgelenks


des Schultereck-(AC-)Gelenks 2. „Schwedenstatus“ III (7 Abschn. 15.2.2)
3. Stressaufnahme des Schultereckgelenkes (7 Abschn. 16.2.4)

Schlüsselbeinfraktur 1. Schlüsselbeinaufnahme dorsoventral oder im Liegen ventrodorsal


2. Tangential- oder Axialaufnahme des Schlüsselbeins ­
(7 Abschn. 15.2.3)

Schulterblattfraktur 1. Schulterblatt ventrodorsal (7 Abschn. 16.2.5)


2. Axiale Schulterblattaufnahme (7 Abschn. 16.2.6)

Fraktur des Acromions, Fraktur 1. Aufnahme des Schultergelenkes (7 Abschn. 15.2.1)


des Processus coracoideus 2. „Schwedenstatus“ III (7 Abschn. 15.2.2)
3. Axiale Schulteraufnahme (7 Abschn. 15.2.3)
4. Subakromiale Tunnelaufnahme („outlet view“, 7 Abschn. 15.2.6)

Hill-Sachs-Defekt (Impressions- 1. Aufnahme in Innenrotation (IRO, 7 Abschn. 15.2.2)


fraktur am Oberarmkopf dorso- 2. Axiale Schulteraufnahme (7 Abschn. 15.2.3)
lateral) nach Schulterluxation 3. Spezialaufnahmen (7 Abschn. 15.2.8)
4. Weiterführende Diagnostik: Sonographie, MRT, Arthro-CT

Bankart-Läsion (knöcherne 1. Spezialaufnahmen (7 Abschn. 15.2.9)


Absprengung am Pfannenrand 2. Weiterführende Diagnostik: Arthro-CT, Sonographie, MRT
ventrokaudal) nach Schulter­
luxation

Rotatorenmanschettenruptur Schultersonographie, Arthro-CT, MRT


144 S. Becht und S. Heyl

..Tab. 15.1 (Fortsetzung)

Orthopädie/Rheumatologie
Degenerative, entzündliche, 1. Glenoid-Tangentialaufnahme in Neutralstellung (= Standardauf­
rheumatische oder destruie- nahme, 7 Abschn. 15.2.1)
rende Veränderungen am 2. Aufnahme in Innenrotation (7 Abschn. 15.2.2)
Schultergelenk, Sehnenansatz- 3. Aufnahme in Außenrotation (ARO, 7 Abschn. 15.2.2)
verkalkungen (Periarthropathia 4. Axiale Schulteraufnahme (7 Abschn. 15.2.3)
humeroscapularis) 5. Subakromiale Tunnelaufnahme („outlet view“, 7 Abschn. 15.2.6)
Degenerative und deformie- 1. Aufnahme des Schultereckgelenkes (7 Abschn. 16.2.3)
rende Veränderungen am 2. Subakromiale Tunnelaufnahme („outlet view”, 7 Abschn. 15.2.6)
Akromion und Schulter-(AC-)
Gelenk, Beurteilung des Subak-
romialraums

Degenerative Veränderungen Schultersonographie, CT, MRT


der Rotatorenmanschette

15.2.1 Schultergelenk, ventrodorsal (Glenoid-Tangentialaufnahme)


Die Röntgenuntersuchung der Schulter (Hu- kkEinstelltechnik bei stehendem Patienten
meroglenoidal- und Akromioklavikulargelenk) jjVorbereitung des Patienten
besteht aus wenigsten 2 Aufnahmen in unter- Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
schiedlicher Projektion, je nach Fragestellung. mebereich entfernen, Strahlenschutz anlegen.

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Frakturen und Luxationen Patient steht mit flach anliegendem Schulter-
55Entzündliche, degenerative und tumoröse blatt am Rasterwandstativ, d. h. Gegenseite­
Erkrankungen (z. B. Periarthropathia ca. 45° nach vorne gedreht. Neutralstellung,
­humeroscapularis = schmerzhafte ­außenrotiert: Der Oberarm hängt nach unten
­Schultersteife) mit nach vorne gerichteter Handinnenfläche.
55Nachweis von Kalkablagerungen in der Der Kopf wird zur Gegenseite gedreht (Schutz
Rotatorenmanschette (. Tab. 15.1) der strahlenempfindlichen Augenlinse). Fixie-
15 rung des Patienten mit 45°-Keilkissen zwischen
kkAufnahmedaten Schulter der Gegenseite und Wandstativ
Aufnahmeart Mit oder ohne Raster (. Abb. 15.2a).
Streustrahlenraster r8 (12)
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer jjZentrierung
Objektbezogene Einblendung 55Zentralstrahl: 3 Querfinger unterhalb des
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) Schlüsselbeins auf Schultergelenk und
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm ­Bildempfängermitte
Brennflecknennwert ≤1,3 55Strahlengang: ventrodorsal und 15–20°
Aufnahmespannung 60–75 kV kraniokaudal
Belichtungswert 10–12,5 mAs 55Auf Hautgrenze einblenden
55Seitenbezeichnung
55Aufnahme in Atemstillstand
Schultergelenk
145 15
..Abb. 15.2a,b  Schultergelenk im Stehen, ventrodorsal

6
7
8

1 9

2 10

a b

a Schultergelenk, Neutralstellung b Schultergelenk (Glenoid-Tangentialaufnahme),


­Neutralstellung
1 Großer Muskelansatzhöcker (Tuberculum majus)
2 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum minus)
3 Oberarmkopf (Caput humeri)
4 Schulterblatt (Scapula)
5 Schlüsselbein (Clavicula)
6 Schulterhöhe (Acromion)
7 Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk,
­AC-Gelenk)
8 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
9 Subakromialraum
10 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)

kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten jjZentrierung


jjVorbereitung des Patienten 55Zentralstrahl: 3 Querfinger unterhalb des
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah- Schlüsselbeins auf Schultergelenk gerichtet
mebereich entfernen, Strahlenschutz anlegen. 55Strahlengang: 25° kraniokaudal und 15°
mediolateral
jjLagerung des Patienten 55Seitenbezeichnung
Das Schulterblatt muss durch Anheben der Ge- 55Aufnahme in Atemstillstand
genseite und Unterstützen mit Keilkissen flach
auf dem Bildempfänger liegen. Der Arm wird
etwas abgespreizt und die Handinnenfläche
schaut nach oben (. Abb. 15.3a).
146 S. Becht und S. Heyl

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Überlagerungsfreie Darstellung des
Humeruskopfes und des Schulterge-
lenkes mit strichförmiger bis schmal-
ovalärer Abbildung der Gelenkpfanne
(Glenoid-Tangentialaufnahme)
55 Der Subakromialraum ist gut einsehbar
55 Weichteilstrukturen und Verkalkungen
müssen erkennbar sein. a
55 Akromioklavikulargelenk und lateraler
Klavikulaabschnitt sind auf dieser Auf-
nahme nicht überlagerungsfrei darge-
stellt (. Abb. 15.3b).

Tipp

Bei polytraumatisierten Patienten be-


gnügt man sich in der Akutdiagnostik mit
einer großformatigen Übersichtsaufnah- b
me mit Darstellung des Schlüsselbeins
und des Schulterblatts ohne Röhrenkip- ..Abb. 15.3a,b  Schultergelenk im Liegen, ventro-
pung (. Tab. 15.1). dorsal, Patientenlagerung

15.2.2 Schultergelenk, „Schwedenstatus“ (I–III)


kkIndikationen jjLagerung des Patienten
55Entzündliche und degenerative Erkran- Wie bei Standardaufnahme: Schulterblatt dem
kungen der Schulter und des Schultereck- Bildempfänger oder dem Stativ anliegend, d. h.
gelenks Gegenseite ca. 45° angehoben. Oberarm addu-
55Impressionsfrakturen am Oberarmkopf ziert (dem Körper anliegend), Ellenbogenge-
15 nach Schulterluxation lenk 90° gebeugt, Unterarm liegt dem Ober-
55Frakturen (. Tab. 15.1) bauch an und die Hand befindet sich in Supina-
tionsstellung, d. h. Handinnenfläche schaut
kkAufnahmedaten nach oben. Kopf zur Gegenseite drehen (Strah-
7 Abschn. 15.2.1. lenschutz der Augenlinse, . Abb. 15.4a).

Einstelltechnik bei Aufnahme jjZentrierung


in Innenrotation (IRO = I) 55Zentralstrahl: 3 Querfinger unterhalb des
jjVorbereitung des Patienten Schlüsselbeins auf Schultergelenk und Bil-
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah- dempfängermitte
mebereich entfernen, Strahlenschutz anlegen. 55Strahlengang: ventrodorsal und 15–20°
kraniokaudal
55Seitenbezeichnung
55Aufnahme in Atemstillstand
Schultergelenk
147 15
..Abb. 15.4a,b  Schultergelenk, Innenrotation (IRO)

4
5

2
3 8
9

b
1 Großer Muskelansatzhöcker (Tuberculum majus)
2 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum minus)
3 Oberarmkopf (Caput humeri)
4 Subakromialraum
a 5 Schulterhöhe (Acromion)
6 Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk,
a Lagerung ­AC-Gelenk)
7 Schulterblatt (Scapula)
8 Schlüsselbein (Clavicula)
9 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)

Einstelltechnik bei Aufnahme in Einstelltechnik bei Aufnahme in


Außenrotation (ARO = II) Außenrotation und Elevation (= III)
jjVorbereitung des Patienten jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­ Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
nahmebereich entfernen, Strahlenschutz an­ mebereich entfernen, Strahlenschutz an­legen.
legen.
jjLagerung des Patienten
jjLagerung des Patienten Aus der Grundstellung wird der Arm 90° abdu-
Aus der IRO-Stellung wird der Arm nach au- ziert und außenrotiert, im Ellenbogengelenk
ßen rotiert. Der Unterarm bleibt dabei in Supi- 90° gebeugt; damit befindet sich die Hand­
nation und liegt dem Wandstativ an. Kopf zur innenfläche in Höhe des Kopfes. Kopf zur Ge-
Gegenseite drehen (. Abb. 15.5a). genseite drehen (. Abb. 15.6).

jjZentrierung jjZentrierung
55Zentralstrahl: 3 Querfinger unterhalb des 55Zentralstrahl: 3 Querfinger unterhalb des
Schlüsselbeins auf Schultergelenk und Schlüsselbeins auf Schultergelenk und
­Bildempfängermitte Bild­empfängermitte
55Strahlengang: ventrodorsal und 15–20° 55Strahlengang: ventrodorsal und ca. 10°
kraniokaudal kaudokranial
148 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 15.5a,b  Schultergelenk, Außenrotation (ARO)

a Lagerung ..Abb. 15.6  Schultergelenk, Außenrotation (ARO)


und Elevation, Lagerung

55Seitenbezeichnung
55Aufnahme in Atemstillstand

1 Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Überlagerungsfreie Darstellung des
2 Oberarmkopfes und des Gelenkes mit
15 strichförmiger bis schmal ovalärer Ab-
3 bildung der Gelenkpfanne
4 55 Der subakromiale Raum ist auf der
Aufnahme in Innen- und Außenrota­
tion (. Abb. 15.4b und . Abb. 15.5b)
gut einsehbar
55 Auf der Aufnahme in Außenrotation
und Elevation überlagert der Ober-
b armkopf das Akromion, trotzdem ist
das Schultereckgelenk (Akromioklavi-
b kulargelenk) gut zu beurteilen.
1 Großer Muskelansatzhöcker (Tuberculum majus)
2 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum minus)
55 Der Weichteilmantel der Schulter muss
3 Subakromialraum mit Verkalkung erkennbar sein.
4 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
Schultergelenk
149 15
Tipp
a­ nderes ist als eine Glenoid-Tangential­
Wird der Arm so hoch gehoben, dass er aufnahme mit eleviertem Arm. Das Akro-
bei gebeugtem Ellenbogengelenk auf mioklavikulargelenk kommt auf dieser
dem Kopf ruht, erzielt man eine Aufnah- Aufnahme gut zur Darstellung (7 Ab-
me, die auch als „halbaxiale Schulterauf- schn. 16.2.3).
nahme“ bezeichnet wird, aber nichts

15.2.3 Schultergelenk, axial, im Liegen


kkIndikationen Bild­empfängerhalterung fixiert. Frauen sollen
552. Ebene zur Schulterstandardaufnahme: mit der anderen Hand die Brust der aufzu­
entzündliche und degenerative Gelenk­ nehmenden Seite zur Körpermitte drücken
erkrankungen (. Abb. 15.7a,b).
55Frakturen. Bei Frakturen und Luxationen
lässt sich diese Aufnahme nur mit einer jjZentrierung
ärztlichen Halteperson durchführen. 55Zentralstrahl: auf Mitte der Achselhöhle,
parallel zur lateralen Thoraxwand und
kkAufnahmedaten senkrecht auf die Bildempfängermitte
Aufnahmeart Ohne Raster 55Strahlengang: horizontal bzw. auf die Kör-
Belichtungsautomatik Ohne perlängsachse bezogen kaudokranial
Objektbezogene Einblendung 55Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) 55Seitenbezeichnung
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm 55Aufnahme in Atemstillstand
Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 60–75 kV
Belichtungswert 10–12,5 mAs Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Übersichtliche Darstellung von Ober-
armkopf, Gelenkpfanne, Processus
kkEinstelltechnik ­coracoideus und des vom Oberarm-
jjVorbereitung des Patienten kopf überlagerten Akromioklavikular-
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah- gelenks
mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen. 55 Die Schulterweichteile müssen er-
kennbar sein (. Abb. 15.7c).
jjLagerung des Patienten
Patient liegt mit dem Rücken auf einem festen
Schaumstoffpolster auf dem Untersuchungs- Tipp
tisch. Oberarm rechtwinklig abspreizen und
ebenfalls auf Schaumstoffkissen betten, damit Zum Nachweis einer dorsalen Instabilität
das Schultergelenk auf Filmmitte abgebildet kann mit Druck auf den Oberarm von
wird. Kopf zur Gegenseite drehen. Der Bild­ oben eine Luxation nach hinten provoziert
empfänger wird senkrecht an der Schulter­ und dokumentiert werden.
oberkante angestellt, oder in einer mobilen
150 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 15.7a–c  Schultergelenk, axial, im Liegen

a b

a,b Lagerung

c
1 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
2 Schlüsselbein (Clavicula)
3 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)
4 Schulterhöhe (Acromion)
5 Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk,
­AC-Gelenk)
6 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum minus)
7 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum majus)
c
8 Oberarmkopf (Caput humeri)

15.2.4 Schultergelenk, axial, im Sitzen

kkIndikationen kkEinstelltechnik
15 7 Abschn. 15.2.3. jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen und Schmuck ablegen,
kkAufnahmedaten Strahlenschutz anlegen.
Aufnahmeart Ohne Raster
Belichtungsautomatik Ohne jjLagerung des Patienten
Objektbezogene Einblendung Patient sitzt neben dem Untersuchungstisch.
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) Der abduzierte Arm wird im Ellenbogengelenk
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm rechtwinklig gebeugt. Oberarm und Unterarm
Brennflecknennwert ≤1,3 werden bis Schulterhöhe mit Holzklötzen und
Aufnahmespannung 60–75 kV Schaumstoffkeilen auf dem Tisch hochgelagert.
Belichtungswert 10–12,5 mAs Der Unterarm liegt in Pronationsstellung
(Hand­rücken nach oben) tischparallel. Der
Bildempfänger wird so in die Achselhöhle
­
­gelegt, dass sich das Schultergelenk über dem
Schultergelenk
151 15
..Abb. 15.8a,b  Schultergelenk, axial, im Sitzen
7 1 2

3
4
5
6

a b

a Lagerung b
1 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
2 Schlüsselbein (Clavicula)
3 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)
4 Schulterhöhe (Acromion)
5 Oberarmkopf (Caput humeri)
6 Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk,
AC-Gelenk)
7 Kleiner Muskelansatzhöcker (Tuberculum minus)

Bildempfänger befindet. Der Bildempfänger 55Seitenbezeichnung


wird zwischen Rechteckkeil und 45°-Keil ge- 55Aufnahme in Atemstillstand
legt. Der Kopf wird zur Gegenseite gedreht
(. Abb. 15.8a). Frauen müssen zur Vermeidung
von Überlagerungen ggf. die Brust mit der an- Qualitätskriterien und Bildmerkmale
deren Hand weghalten. 55 Unverzerrte Darstellung des Schulter-
(Humeroglenoidal-)Gelenkes mit
jjZentrierung ­überlagerungsfreier Darstellung des
55Zentralstrahl: senkrecht oder leicht (10°) Processus coracoideus
nach lateral gerichtet auf Schulter- und 55 Auf den Oberarmkopf projiziert ­
­Bildempfängermitte sich das Akromioklavikulargelenk.
55Strahlengang: kraniokaudal Weichteilmantel erkennbar ­
55Mindestens auf Kassettenformat ein­ (. Abb. 15.8b).
blenden
152 S. Becht und S. Heyl

15.2.5 Schultergelenk, transskapular (Y-Aufnahme)

kkIndikationen kkEinstelltechnik bei stehendem Patienten


55Vordere und hintere Schulterluxationen jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
kkAufnahmedaten mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
Aufnahmeart Rastertechnik, am Wand-
stativ jjLagerung des Patienten
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer Wie zur axialen Schulterblattaufnahme (7 Ab-
Streustrahlenraster r8 (12) schn. 16.2.6). Der Patient steht seitlich mit der
Objektbezogene zu untersuchenden Schulter am Stativ und lässt
­Einblendung die Arme hängen. Aus der Profilstellung wird
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) die zu untersuchende Schulter 30–45° nach
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm hinten gedreht (gesunde Schulter nach vorne),
Brennflecknennwert ≤1,3 sodass der platte Schulterblattknochen senk-
Aufnahmespannung 70–77 kV recht zur Filmebene steht (. Abb. 15.9a).
Belichtungswert 10–12,5 mAs

..Abb. 15.9a,b  Schultergelenk, transskapular (Y-Aufnahme)

15
5
6

a b

a Lagerung b
1 Oberarmkopf (Caput humeri)
2 Schulterhöhe (Acromion)
3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
4 Schlüsselbein (Clavicula)
5 Schulterblatt (Scapula)
6 Oberarmschaft
Schultergelenk
153 15
jjZentrierung 55Seitenbezeichnung
55Zentralstrahl: auf Schulterblatt- und Bild­ 55Aufnahme in Atemstillstand
empfängermitte
55Strahlengang: horizontal, quer durch das
Schulterblatt und tangential zur Thorax- Qualitätskriterien und ­
wand Bildmerkmale
55Einblenden auf Objekt 55 Das Schulterblatt (Scapula) stellt sich
55Seitenbezeichnung Y-förmig ohne Rippenüberlagerung
55Aufnahme in Atemstillstand dar. Die kurzen Schenkel der Y-Figur
entsprechen dem Processus coracoi-
kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten deus und dem Akromion. Der lange
jjVorbereitung des Patienten Schenkel ist das tangential ge­trof­
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah- fene Schulterblatt. Im Schnittpunkt
mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen. der ­3 Schenkel kommt die Gelenk­
pfanne in Aufsicht („en face“) zur Dar-
jjLagerung des Patienten stellung.
Bei nicht stehfähigen Patienten wird die Auf- 55 Auf die Pfanne projiziert sich der Ober-
nahme auf dem Rastertisch in Rückenlage an- armkopf. Im Falle einer Luxation ist die
gefertigt. Der Patient wird auf der betroffenen Pfanne „leer“ (. Abb. 15.9b).
Seite 30–45° angehoben, dadurch stellt sich das
Schulterblatt senkrecht zum Rastertisch ein.
Tipp
jjZentrierung
55Zentralstrahl: auf Schulterblatt- und Bild­ Die Y-Aufnahme des Schulterblatts lässt
empfängermitte sich auch als Zielaufnahme unter Durch-
55Strahlengang: vertikal, lateromedial durch leuchtungskontrolle anfertigen.
das Schulterblatt

15.2.6 Supraspinatus- oder subakromiale Tunnelaufnahme ­


(„outlet view“)
kkIndikationen Brennflecknennwert ≤1,3
55Verkalkungen im Bereich der Rotatoren- Aufnahmespannung 70–77 kV
manschette Belichtungswert 5–6,4 mAs
55Beurteilung der Form des Akromions, das
bei einer ausgeprägten hakenförmigen kkEinstelltechnik
(„hook“) Konfiguration den subakromia- jjVorbereitung und Lagerung ­
len Raum einengt und zum sog. Impinge- des Patienten
ment-Syndrom führt Wie Y-Aufnahme (7 Abschn. 15.2.5). Darauf
achten, dass der Patient aufrecht steht und die
kkAufnahmedaten Schulter hängen lässt.
Aufnahmeart Ohne Raster
Belichtungsautomatik Ohne jjZentrierung
Objektbezogene Einblendung 55Zentralstrahl: auf die Schulterhöhe
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) ­(Akromion)
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm 55Strahlengang: 10–15° kraniokaudal
­zwischen Schulterblatt und Thoraxwand
154 S. Becht und S. Heyl

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Das Schulterblatt (Scapula) stellt sich 1
Y-förmig ohne Rippenüberlagerung 2
dar. Auf den Kreuzungspunkt des „Y“
3
projiziert sich der Oberarmkopf. Die
kurzen Schenkel des „Y“ werden vom
4
Schultereck-(Akromioklavikular-)Ge-
lenk flachbogig überspannt. Darunter
befindet sich der subakromiale Raum, 5
der von den Rotatoren ausgefüllt ist.
55 Die Belichtung muss so sein, dass
Form und Konturen des Akromions,
aber auch kleine Verkalkungen im sub-
akromialen Raum erkennbar sind
(. Abb. 15.10).

Tipp

Bei sehr breitschultrigen, kräftigen oder


untersetzten Patienten, die etwas krumm
..Abb. 15.10  Supraspinatus- oder subakromiale
am Stativ stehen, muss ein steilerer Tunnelaufnahme („outlet view“)
­kraniokaudaler Einfallswinkel gewählt 1 Schulterhöhe (Acromion)
werden. Bei zu steilem Winkel kommt es 2 Schlüsselbein (Clavicula)
allerdings zu einer stark verzerrten Pro­ 3 Oberarmkopf (Caput humeri)
4 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
jektion des Akromions und des Subakro-
5 Subakromialraum
mialraums.

15.2.7 Schulter, tangential, Bizepssehnenkanal


kkAnatomie kkAufnahmedaten
15 Die lange Bizepssehne des zweiköpfigen Arm- Aufnahmeart Ohne Raster
muskels (M. biceps brachii) verläuft in einer Belichtungsautomatik Ohne
knöchernen Rinne (Sulcus bicipitalis) ventrola- Objektbezogene Einblendung
teral zwischen großem und kleinem Muskelan- Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
satzhöcker (Tuberculum majus und minus) am Fokus-Detektor-Abstand 105 cm
Oberarmkopf (. Abb. 15.11a). Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 70 kV
kkIndikationen Belichtungswert 3 mAs
55Frakturen des Oberarmkopfes, des kleinen
und großen Muskelansatzhöckers (Tuber- kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten
culum majus und minus) mit Verletzung jjVorbereitung des Patienten
der knöchernen Rinne für die Bizepssehne Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
und schmerzhafter Einschränkung der mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
­Innen- und Außenrotation
Schultergelenk
155 15
..Abb. 15.11a–c  Schulter tangential und mit Keilkissen oder Sandsäcken fixiert. Für
die Fixierung eines mobilen Detektors bietet
sich eine fahrbare Detektorhalterung an. Kopf
zur Gegenseite drehen (. Abb. 15.11b).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: parallel am Oberarm entlang
leicht von unten, den Oberarmkopf ven­
a
trolateral tangierend, d. h. zwischen Tuber-
a aAnatomie culum minus und majus senkrecht auf die
Bildempfängermitte zielend.
55Strahlengang: horizontal, leicht von kaudal
c
parallel zur Oberarmachse
5c 5Auf Objekt einblenden
55Seitenbezeichnung

kkEinstelltechnik bei sitzendem Patienten


jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
b mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
b
jjLagerung des Patienten
b Lagerung Patient sitzt seitlich neben dem Untersuchungs-
tisch und legt den Unterarm in Supinationsstel-
lung auf den Tisch. Der Bildempfänger liegt
flach auf der Hand. Der Ellenbogen wird so
weit zurückgenommen, dass sich der Oberarm-
kopf bei von oben einfallendem Röntgenstrahl
auf Bildempfängermitte projiziert. Kopf zur
Gegenseite drehen.

jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht, den Oberarmkopf
ventrolateral tangierend auf Bildempfän-
c germitte
55Strahlengang: kraniokaudal
c 1 Bizepssehnenkanal (Sulcus bicipitalis)
55Seitenbezeichnung

jjLagerung des Patienten Qualitätskriterien und Bildmerkmale


Patient in Rückenlage auf dem Untersuchungs- 55 Zwischen Tuberculum majus und
tisch. Arm in Supination, d. h. Handrücken auf ­minus stellt sich der Bizepssehnen­
dem Tisch, Schulter evtl. etwas unterpolstern. kanal (Sulcus bicipitalis) dar ­
Der Bildempfänger wird senkrecht auf dem (. Abb. 15.11c).
Tisch an der Oberkante der Schulter aufgestellt
156 S. Becht und S. Heyl

15.2.8 Schultergelenk, Nachweis ­eines Hill-Sachs-Defekts

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Schulterinstabilität nach Luxation Patient in Rückenlage auf dem Untersuchungs-
55Beurteilung der Stellung des Oberarm­ tisch, Arm erhoben, Hand am Kopf (Außen­
kopfes zur Pfanne rotation, . Abb. 15.12b).
55Impressionsfraktur am Humeruskopf
­dorsolateral (Hill-Sachs-Defekt) nach jjZentrierung
Schulterluxationen 55Zentralstrahl: 45° kaudokranial auf Ober-
armkopf und Bildempfängermitte. Andere
Auf einer Schulteraufnahme in Innenrotation Autoren geben eine Röhrenkippung von
kommt die Impressionsfraktur am Humerus- nur 10° an.
kopf nicht immer zur Darstellung. Zum besse-
ren Nachweis dienen Spezialprojektionen. Einstelltechnik bei Tangential­
aufnahme nach Hermodsson
kkAufnahmedaten jjVorbereitung des Patienten
Aufnahmeart Ohne Raster Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah-
Belichtungsautomatik Ohne mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
Objektbezogene Einblendung
jjLagerung des Patienten
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm Patient in Rückenlage, Arm innenrotiert und
Brennflecknennwert ≤1,3 retroflektiert (unter dem Rücken), Bildempfän-
Aufnahmespannung 70–73 kV ger zwischen Hals und Schulter aufstellen
Belichtungswert 3,2 mAs (. Abb. 15.12c), für mobile Detektoren fahr­
bare Detektorhalterung verwenden.

Einstelltechnik bei 45° jjZentrierung


­kraniokaudaler Aufnahme 55Zentralstrahl: 30° zur Oberarmlängsachse,
jjVorbereitung des Patienten senkrecht auf Kassette
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah- 55Strahlengang: horizontal, tangential
mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen. 55Seitenbezeichnung

jjLagerung des Patienten Einstelltechnik bei


15 Patient in Rückenlage auf dem Untersuchungs- ­Didiee-Aufnahme
tisch, Arme am Oberkörper (. Abb. 15.12a). jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
jjZentrierung bei nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
55Zentralstrahl: 45° kraniokaudal auf Ober-
armkopf und Bildempfängermitte jjLagerung des Patienten
Patient in Bauchlage, der Arm liegt auf dem
Einstelltechnik bei 45° ­Rücken (innenrotiert und retroflektiert), der
­kaudokranialer Aufnahme Kopf ist zur Gegenseite gedreht (. Abb. 15.12d).
­(Stryker-Aufnahme)
jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck ablegen,
Strahlenschutz anlegen.
Schultergelenk
157 15
..Abb. 15.12a–f  Schultergelenk, Nachweis eines Hill-Sachs-Defekts

a b

a b

c d e

c d e
a–e Projektionen in der konventionellen Schultergelenkdiagnostik (nach Rosenthal u. Galanski 1988)

f
1 Oberarmkopf (Caput humeri)
f
2 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)
3 Schulterhöhe (Acromion)
f
4 Hill-Sachs-Defekt

jjZentrierung jjVorbereitung des Patienten


55Zentralstrahl: 45° kaudokranial auf Ober- Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
armkopf und unteres Drittel der unter der nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
Schulter liegenden Bildempfänger zielend
55Strahlengang: dorsoventral jjLagerung des Patienten
55Seitenbezeichnung Patient neben dem Untersuchungstisch sitzend,
den Oberarm etwas eleviert, d. h. nach vorne
Einstelltechnik bei Mukherjee-­ geschoben. Unterarm abgewinkelt auf dem
Sivaya-Aufnahme Tisch und dem Bildempfänger liegend; in
. Abb. 15.12e,f. Diese Aufnahme dient auch­ ­
Supination (Handinnenfläche nach oben,
zur Bestimmung des Rotationswinkels des . Abb. 15.12e).
­Humerus.
158 S. Becht und S. Heyl

jjZentrierung
55Zentralstrahl: von kranial durch die Schul- defekts in den meisten Fällen. Eine wichtige
ter senkrecht auf Bildempfängermitte Ergänzung der konventionellen Röntgen-
55Seitenbezeichnung aufnahmen in Standard- und Spezialpro-
jektionen sind MRT, CT und Arthro-CT d. h.
Tipp CT nach Einbringen von Kontrastmittel zur
Erkennung kleiner und kleinster knöcher-
Auf durchleuchtungsgezielten Aufnahmen ner Verletzungen sowie von Knorpel-,
des 70° innenrotierten, leicht abduzierten ­Kapsel- und Bandläsionen. Auch sono­
und retroflektierten Oberarms gelingt die graphisch lässt sich ein Hill-Sachs-Defekt
Darstellung des typischen Humeruskopf- nachweisen.

15.2.9 Schultergelenk, Nachweis einer Bankart-Läsion


kkIndikationen jjLagerung des Patienten
55Knöcherne Absprengung am Pfannenrand Mit erhobenem, nach außen rotiertem und­
ventrokaudal (Bankart-Läsion) nach im Ellenbogengelenk um 90° gebeugtem Arm
Schulterluxation steht der Patient dem Stativ zugewandt in­
55Schulterinstabilität einem Winkel von 70° zwischen der frontalen
55Beurteilung der Stellung von Oberarmkopf Ebene und der Filmebene, wobei die zu unter-
zu Pfanne suchende Schulter dem Stativ anliegt. Der
andere Arm wird nach vorne genommen
­
kkAufnahmedaten (. Abb. 15.13a).
Aufnahmeart Rastertechnik, am
Wandstativ jjZentrierung
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer 55Zentralstrahl: 20° kraniokaudal aus der
Streustrahlenraster r8 (12) Horizontalen auf Schultergelenk und Bild­
Objektbezogene Einblendung empfängermitte
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) 55Strahlengang: von dorsal zwischen
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm ­Wirbelsäule und medialer Schulterblatt­
Brennflecknennwert ≤1,3 begrenzung, transthorakal auf das
Aufnahmespannung 70–7 7kV ­Schultergelenk
15 Belichtungswert 10–12,5 mAs
Einstelltechnik bei West-Point-­
Einstelltechnik bei Bernageau-­ Aufnahme
Aufnahme jjVorbereitung des Patienten
jjVorbereitung des Patienten Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­ nahmebereich ablegen, Strahlenschutz an­
nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen. legen.
Schultergelenk
159 15
jjLagerung des Patienten
Patient in Bauchlage, beide Schultern mit stabi- Qualitätskriterien und Bildmerkmale
len Schaumstoffkissen unterpolstert. Der zu 55 Der vordere, untere Pfannenrand stellt
untersuchende Arm wird 90° abduziert und sich als spitzer Schnabel dar.
hängt über dem Tisch herab. Der Bildempfän- 55 Die West-Point-Aufnahme ist auch zum
ger wird über der Schulter angestellt. Der Kopf Nachweis eines Hill-Sachs-Defekts ge-
ist zur Gegenseite gedreht (. Abb. 15.13b). Bei eignet (. Abb. 15.13c,d).
mobilen Detektoren fahrbare Detektorhalte-
rung verwenden.
Tipp
jjZentrierung
55Zentralstrahl: Röhre aus der Vertikalen 65° Besser als mit konventionellen Röntgen-
nach kaudal und 25° nach lateral gekippt aufnahmen lassen sich kleine knöcherne
55Strahlengang: von kaudolateral auf die Absprengungen, Knorpelabrisse, Kapsel-
Achselhöhle durch das Schultergelenk, und Bandläsionen computertomogra-
möglichst auf Bildempfängermitte (Varian- phisch und/oder mithilfe der CT oder MRT
te der axialen Schultergelenkaufnahme) feststellen.
55Seitenbezeichnung

..Abb. 15.13a–d  Schultergelenk, Nachweis einer Bankart-Läsion

a b

a,b Lagerung
160 S. Becht und S. Heyl
a b

d West-Point-Aufnahme
1 Schlüsselbein (Clavicula)
2 Schulterhöhe (Acromion)
3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
4 Vorderer unterer Gelenkpfannenrand
5 Oberarmkopf (Caput humeri)
c
6 Hill-Sachs-Region
c Aufnahme nach Bernageau
1 Schultergelenkpfanne (Fossa glenoidalis)
2 Vorderer unterer Pfannenrand
3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
4 Schlüsselbein (Clavicula)
5 Schulterblatt (Scapula)
6 Oberarmkopf (Caput humeri)

15
161 16

Schultergürtel
S. Becht, S. Heyl

16.1 Anatomie  – 162

16.2 Einstellungen  – 163


16.2.1 Schlüsselbein, dorsoventral, ventrodorsal  – 163
16.2.2 Schlüsselbein, Tangentialaufnahme  – 164
16.2.3 Akromioklavikulargelenk, ventrodorsal  – 166
16.2.4 Akromioklavikulargelenk, Belastungsaufnahme  – 167
16.2.5 Schulterblatt, ventrodorsal  – 170
16.2.6 Schulterblatt, axial  – 171
16.2.7 Brustbein, dorsoventral  – 173
16.2.8 Brustbein, seitlich  – 174
16.2.9 Sternoklavikulargelenke, dorsoventral  – 176

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_16
162 S. Becht und S. Heyl

16.1 Anatomie merartig auf der Dorsalseite des Schulterblatts


(Schulterblattgräte = Spina scapulae), biegt
Der Schultergürtel (. Abb. 16.1) besteht aus: nach vorne um und bildet die Schulterhöhe.
55Schulterblatt (Scapula) Das Akromion ergibt mit dem Schlüsselbein
55Schlüsselbein (Clavicula) das Schultereckgelenk (Akromioklavikularge­
55Brustbein (Sternum) lenk).
55Schultereckgelenk (Akromioklavikular­ Das flach S-förmig gebogene Schlüsselbein
gelenk, AC-Gelenk) (Clavicula) überbrückt die oberen Rippen und
55Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk (Sterno­ bildet medial mit dem Brustbein das Sterno­
klavikulargelenk, SC-Gelenk) klavikulargelenk.
Das Brustbein (Sternum), das vordere Stück
Die symmetrische Anordnung dieser Knochen des Schultergürtels, ist ein dünner, platter
bildet zusammen einen unvollständigen Ring ­Knochen, der aus 3 Abschnitten besteht: Manu­
oder Gürtel, den Schultergürtel. Er ist hinten brium (Handgriff) sterni, Corpus (Körper)
offen. Der Oberarm ist durch den Schulter­ sterni und Processus ensiformis oder Processus
gürtel mit dem Rumpf verbunden. xiphoideus (Schwertfortsatz). Die 1. Rippe setzt
Das Schulterblatt (Scapula) ist ein großer, am Manubrium an, die 2. Rippe am Übergang
dreieckiger, platter, dünner Knochen, der dem vom Manubrium zum Corpus (Synchondrosis
Rippengitter des Rückens frei beweglich auf­ sternalis). Für den Ansatz des 3.–7. Rippen­
liegt und die kleine, ovale und flache Schulter­ paars befinden sich kleine Gruben an den Sei­
pfanne trägt. Das Schulterblatt besitzt 2 Fort­ tenrändern des Corpus sterni. Das Manubrium
sätze: der hakenförmige Rabenschnabelfortsatz sterni weist nach kranial eine muldenförmige
(Processus coracoideus) zieht nach vorn; der Vertiefung auf, die als Drosselgrube (Jugulum)
große Fortsatz, das Akromion entspringt kam­ bezeichnet wird.

16

..Abb. 16.1  Anatomie des Schultergürtels


Schultergürtel
163 16
16.2 Einstellungen

16.2.1 Schlüsselbein, dorsoventral, ventrodorsal


kkIndikationen kkEinstelltechnik bei stehendem Patienten
55Schlüsselbeinfrakturen, entzündliche und jjVorbereitung des Patienten
tumoröse Veränderungen Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
kkAufnahmedaten
Aufnahmeart Rastertechnik, am jjLagerung des Patienten
Wandstativ Der Patient steht am Rasterwandstativ und
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer lehnt sich mit dem zu untersuchenden Schlüs­
Streustrahlenraster r8 (12) selbein eng an den Bildempfänger an; Kopf zur
Objektbezogene Einblendung Gegenseite drehen. Der Arm der zu unter­
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) suchenden Seite wird nach innen rotiert (pro­
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm niert), sodass der Handrücken zum Stativ zeigt
Brennflecknennwert ≤1,3 (. Abb. 16.2a).
Aufnahmespannung 70 kV
Belichtungswert 3,2 mAs jjZentrierung
Pädiatrische Besonderheiten Zusatzfilterung 1 mm 55Zentralstrahl: ca. 3 Querfinger unterhalb
Al + 0,1 mm Cu
der Schulter-Haut-Grenze auf die Mitte
≤2,5 µGy (digital)
der Klavikula und Bildempfänger zielend

..Abb. 16.2a,b  Schlüsselbein dorsoventral im Stehen

4 3 2 1

a b

a Lagerung b
1 Schlüsselbein (Clavicula) mit lateraler Fraktur
2 Schulterhöhe (Acromion)
3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
4 Oberarmkopf (Caput humeri)
164 S. Becht und S. Heyl

55Strahlengang: horizontal, dorsoventral jjZentrierung


55Einblenden auf Objekt 55Zentralstrahl: auf die Mitte des Schlüssel­
55Seitenbezeichnung (ventrodorsal in beins und auf Bildempfängermitte
­Normalschrift, dorsoventral in Spiegel­ 55Strahlengang: vertikal, ventrodorsal
schrift) 55Aufnahme in Atemstillstand
55Aufnahme in Atemstillstand 55Seitenbezeichnung

kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten


jjVorbereitung des Patienten Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Oberkörper frei machen, Schmuck ablegen, 55 Darstellung des gesamten Schlüssel-
Gonadenschutz anlegen. beins mit guter Beurteilbarkeit der
Knochenstrukturen und -konturen
jjLagerung des Patienten 55 Nur der mediale Abschnitt des Schlüs-
Der Patient liegt mit dem Rücken auf dem selbeins darf von der Lungenspitze
Raster­aufnahmetisch. Arm am Körper; Schul­ überlagert sein (. Abb. 16.2b).
ter etwas unterpolstern.

16.2.2 Schlüsselbein, Tangentialaufnahme


kkAnatomie kkEinstelltechnik bei stehendem Patienten
. Abb. 16.3. jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
kkIndikationen nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen.
552. Ebene zur Standardeinstellung, Beurtei­
lung der Fragmentstellung bei Frakturen jjLagerung des Patienten
und der Knochenbruchheilung Der Patient steht mit dem Rücken am Raster­
wandstativ, dreht den Kopf zur Gegenseite und
kkAufnahmedaten rotiert den Oberarm der zu untersuchenden
7 Abschn. 16.2.1. Seite nach außen.

..Abb. 16.3  Schlüsselbein von vorn


und schräg unten

16
Schultergürtel
165 16
jjZentrierung ..Abb. 16.4a–c  Schlüsselbein tangential
55Zentralstrahl: auf Schlüsselbein- und Bild­
empfängermitte
55Strahlengang: ventrodorsal, 25–35° kaudo­
kranial
55Seitenbezeichnung

Diese Aufnahme muss – im Gegensatz zur


Standardeinstellung – in ventrodorsalem Strah­
lengang angefertigt werden, damit sich das
Schlüsselbein überlagerungsfrei darstellt. a b

kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten a Lagerung. Das Keilkissen unter der Schulter ist nicht
abgebildet
jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen,

jjLagerung des Patienten


Der Patient liegt in Rückenlage auf dem Raster­
aufnahmetisch, die Arme neben dem Körper.
Die zu untersuchende Seite wird mit einem c
Keilkissen unterpolstert, damit sie parallel zum
4
Tisch liegt. Der Kopf ist zur Gegenseite gedreht
und
a geneigt. Der Bildempfänger steht senk­ b
recht auf dem Tisch, d. h. er wird der Schulter­
höhe
a angelegt und mit Keilkissen fixiert­ bbLagerung
(. Abb. 16.4a,b). Bei Verwendung mobiler
­Detektoren Fixierung in einer Detektorhalte­
rung.

jjZentrierung
55Zentralstrahl: evtl. leicht mediolateral,
­entlang der vorderen Brustkorbwand auf
Klavikulamitte. Der Zentralstrahl trifft c
zwischen den Rippen und dem darüber
liegenden Schlüsselbein hindurch auf die c 4 3 2 1
Bildempfängermitte. 4 3 2 1
55Strahlengang: ca. 65° kaudokranial und
tangential c
1 Schlüsselbein (Clavicula) mit lateraler Fraktur
55Einblenden auf Objekt 2 Schulterhöhe (Acromion)
55Seitenbezeichnung 3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
55Aufnahme in Atemstillstand 4 Oberarmkopf (Caput humeri)
166 S. Becht und S. Heyl

Tipp
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Vollständige und mit Ausnahme des Bei korpulenten Patienten können Schwie-
sternalen Endes überlagerungsfreie rigkeiten bei der Zentrierung entlang der
Darstellung des Schlüsselbeins vorderen Brustkorbwand auftreten. In die-
(. Abb. 16.4c) sem Fall wird der Bildempfänger nach hin-
ten geneigt, sodass der Zentralstrahl in
­einem Winkel von ca. 25° kaudokranial
senkrecht auf die Filmmitte trifft.

16.2.3 Akromioklavikulargelenk, ventrodorsal


kkIndikationen kkEinstelltechnik bei Aufnahme mit
55Knöcherne Verletzungen im Bereich des ­abduziertem Arm
Akromioklavikulargelenkes (AC-Gelenk) jjVorbereitung des Patienten
55Zerreißungen (Sprengungen) des Akro­ Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah­
mioklavikulargelenks mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen,
Sternum und Schilddrüse mit Bleigummi ab­
kkAufnahmedaten decken.
7 Abschn. 16.2.1.
jjLagerung des Patienten
kkEinstelltechnik bei Aufnahme mit Patient steht ganz gerade am Rasterwandstativ.
­gestrecktem, anliegendem Arm Arm 90° abduzieren und Ellenbogen beugen,
jjVorbereitung des Patienten sodass sich die Handinnenfläche in Höhe­
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah­ des Kopfes befindet. Hand am Kopf oder (Infu­
mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen, sions-)Ständer abstützen.
Sternum und Schilddrüse mit Bleigummi ab­ Eine gute Darstellung des Processus coraco­
decken (Strahlenschutz). ideus wird erzielt, wenn der Arm über die
­Horizontale gehoben wird.
jjLagerung des Patienten
jjZentrierung
Patient steht ganz gerade mit dem Rücken am
55Zentralstrahl: senkrecht auf das Schulter­
Rasterwandstativ oder befindet sich in Rücken­
eckgelenk und die Bildempfängermitte
lage auf dem Untersuchungstisch. Arm am
(7 Abschn. 15.2.2, „Schwedenstatus“ III)
Körper, Handinnenfläche am Oberschenkel.
55Strahlengang: horizontal oder 10° kaudo­
16 jjZentrierung kranial
55Seitenbezeichnung
55Zentralstrahl: senkrecht auf Schultereck­
gelenk und Bildempfängermitte
55Strahlengang: ventrodorsal wie für die Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Schulterstandardaufnahme ohne Kippung 55 Bei senkrecht auf das AC-Gelenk
der Röhre oder: Röhrenkippung mit ­einfallendem Röntgenstrahl wird das
­15–25° kaudokraniale Strahlengang, Ein­ Akromioklavikulargelenk orthograd
blenden auf Objekt getroffen, ist aber vom Akromion
55Seitenbezeichnung überlagert (. Abb. 16.5a).
55Aufnahme in Atemstillstand
Schultergürtel
167 16
..Abb. 16.5a,b  Akromioklavikulargelenk ventrodorsal
54 32 1 5 4 3 2 1

a b

a b
1 Schlüsselbein (Clavicula) 1 Schlüsselbein (Clavicula)
2 Schultereckgelenk (AC-Gelenk, Akromioklavikular­ 2 Schultereckgelenk (AC-Gelenk, Akromioklavikular­
gelenk) gelenk)
3 Schulterhöhe (Acromion) 3 Schulterhöhe (Acromion)
4 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus) 4 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
5 Oberarmkopf (Caput humeri) 5 Oberarmkopf (Caput humeri)

Tipp
55 Bei 25° kaudokranial einfallendem
Röntgenstrahl (. Abb. 16.5b) oder bei Aufnahmen des Akromioklavikular­
90° abduziertem Arm stellt sich das gelenkes können auch im p.-a.-Strahlen-
AC-Gelenk überlagerungsfrei dar. gang angefertigt werden (Akromioklavi-
Weichteilkonturen sollen erkennbar kulargelenk bildempfängernah) mit
sein. ­horizontalem Strahlengang oder mit 10°
kraniokaudal auf Akromioklavikulargelenk
und Bildempfängermitte gerichtetem
Zentralstrahl.

16.2.4 Akromioklavikulargelenk, Belastungsaufnahme


kkIndikationen kkAufnahmedaten
55Verletzungen des Schultereckgelenks, ins­ Aufnahmeart Ohne Raster
besondere im Hinblick auf das therapeuti­ Belichtungsautomatik Ohne
sche Vorgehen bei Lockerung oder Spren­ Objektbezogene Einblendung
gung des AC-Gelenks Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 105 cm (150–180 cm)
Die Verletzungen werden nach Tossy in drei Brennflecknennwert ≤1,3
Grade und nach Rockwood in sechs Schwere­ Aufnahmespannung 60–75 kV
grade eingeteilt. Belichtungswert 3,2 mAs
168 S. Becht und S. Heyl

kkEinstelltechnik ..Abb. 16.6a,b  Belastungsaufnahme des AC-Gelenkes


jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah­
mebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen,
Sternum und Schilddrüse mit Bleigummi ab­
decken.

jjLagerung des Patienten


Der Patient steht mit dem Rücken am Raster­
wandstativ mit maximal zurückgezogenen
Schultern. Er hält, entsprechend seiner Belast­
barkeit, in jeder Hand einen 5–10 kg schweren
Sandsack (oder gefüllten Kanister oder ein Eisen­
gewicht, wie es in der Traumatologie zur Exten­
sion verwendet wird). Die Gewichte müssen Zug
auf die Schultern ausüben und dürfen nicht zur
Entlastung der Schultern mit angewinkelten
­Ellenbogen gehalten werden (. Abb. 16.6a).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: annähernd senkrecht auf
Akromioklavikulargelenk und Bild­
empfängermitte
55Strahlengang: ventrodorsal, horizontal
oder 10° kaudokranial
55Einblenden auf Objekt
55Zum Seitenvergleich werden Röntgenauf­
nahmen beider AC-Gelenke unter Belas­
tung mit einer Aufnahme angefertigt: Der
Zentralstrahl ist auf das mit Bleigummi
a
­abgedeckte Jugulum zum Strahlenschutz
des Brustbeins (Sternum) gerichtet ­ a Lagerung
(. Abb. 16.6a).
55Seitenbezeichnung, auf der Röntgenauf­
nahme Belastung in Kilopond (kp) ver­ Aufnahme nach Alexander als
zeichnen ­zweite Ebene
kkIndikationen
16 55Aufnahme in Atemstillstand
5b5Auffällige AC-Belastungsaufnahme bei
unauffälliger axialer Aufnahme des Schul­
1 2
Qualitätskriterien und Bildmerkmale tergelenkes (7 Abschn. 15.2.3). Bei einer
55 Überlagerungsfreie Darstellung des Rockwood-IV-Verletzung (. Abb. 16.7a)
Schultereckgelenks kommt es zu einer horizontalen Verschie­
55 Zieht der Patient zur Entlastung die bung der Klavikula.
Schulter hoch, wird diese am Hoch-
stand des Oberarmkopfes, der sich auf kkAufnahmedaten
das Akromion projiziert, erkennbar Aufnahmeart Ohne Raster
(. Abb. 16.5b und . Abb. 16.6b). Belichtungsautomatik Ohne
Objektbezogene Einblendung
Schultergürtel
169 16
a

1 2
b
1 Schultereckgelenk (AC-Gelenk, Akromioklavikulargelenk)
2 Schilddrüsenschutz

..Abb. 16.7a,b  Aufnahme nach Alexander


4 2 3 1 2 1

a b

a Röntgenaufnahme mit horizontaler Verschiebung b Röntgenaufnahme ohne horizontale Verschiebung


bei Rockwood-IV-Verletzung (Normalbefund)

Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) entspricht der Y-Aufnahmetechnik (7 Ab-


Fokus-Detektor-Abstand 105cm (150-180cm) schn.  15.2.5). Der Arm der betroffenen Seite
Brennflecknennwert ≤1,3 wird horizontal maximal adduziert und durch
Aufnahmespannung 75 – 80 kV den gesunden Arm fixiert.
Belichtungswert 8 mAs
jjZentrierung
kkEinstelltechnik 55Zentralstrahl: auf das detektornahe
jjVorbereitung des Patienten ­AC-Gelenk
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­ 55Strahlengang: ventrodorsal
nahmebereich ablegen, Strahlenschutz anlegen. 55Einblenden auf Objekt, wobei die Scapula
und die Clavicula nicht vollständig abge­
jjLagerung des Patienten bildet sein müssen
Der Patient steht mit dem Rücken am Raster­ 55Seitenbezeichnung
wandstativ, die nicht aufzunehmende Seite 55Aufnahme in Atemstillstand
wird 45° angehoben (Patientenpositionierung
170 S. Becht und S. Heyl

16.2.5 Schulterblatt, ventrodorsal

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Frakturen und tumoröse Veränderungen Patient steht mit dem Rücken zum Raster­
des Schulterblatts wandstativ, die zu untersuchende Seite ein
55Übersichtsaufnahme der gesamten Schulter ­wenig zum Stativ gedreht, damit das Schulter­
blatt parallel zum Bildempfänger liegt. Der
kkAufnahmedaten Oberarm der zu untersuchenden Seite wird
7 Abschn. 15.2.1. leicht abduziert und die Hand in die Hüfte
­gestemmt. Auf diese Weise lassen sich der
kkEinstelltechnik ­laterale Schulterblattrand und die Schulter­
jjVorbereitung des Patienten blattspitze von den Rippen frei projizieren
Oberkörper entkleiden, Schmuck im Aufnah­ (. Abb. 16.8a).
mebereich entfernen, Strahlenschutz anlegen.

..Abb. 16.8a,b  Schulterblatt ventrodorsal


4 7 2 1 3 5 6 8 9 10

 b
  1 Schulterblatt (Scapula)
  2 Schultergelenkpfanne (Cavitas glenoidalis)
  3 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
16   4 Schulterhöhe (Acromion)
  5 Schultergräte (Spina scapulae)
  6 Schlüsselbein (Clavicula)
a
  7 Oberarmkopf (Caput humeri)
  8 Schulterblattspitze (Angulus inferior)
a Lagerung
  9 Rippe (Costa)
10 Zustand nach Spondylodese (Wirbelsäulenver­
blockung) bei BWK-Fraktur
Schultergürtel
171 16
jjZentrierung
55Zentralstrahl: ca. 3 Querfinger unterhalb Qualitätskriterien und Bildmerkmale
des Schlüsselbeins auf die Medioklaviku­ 55 Übersichtliche Darstellung der Schul-
larlinie, senkrecht auf Schulterblatt- und ter und des Schulterblatts, dessen me-
Bildempfängermitte (oberer Kassettenrand dialer Rand von den Rippen überlagert
in Höhe der Schulterhautgrenze) ist (. Abb. 16.8b)
55Strahlengang: ventrodorsal
55Objektbezogene Einblendung
55Aufnahme in Atemstillstand Tipp
55Seitenbezeichnung
Bei nicht gehfähigen Patienten wird die
55Aufnahme in Exspiration und Atemstill­
Aufnahme auf dem Rasteraufnahmetisch
stand
angefertigt.

16.2.6 Schulterblatt, axial


kkAnatomie
. Abb. 16.9.

kkIndikationen
552. Ebene zur ventrodorsalen Aufnahme

kkAufnahmedaten
Aufnahmeart Rastertechnik, Wand-
stativ
Belichtungsautomatik Mittleres Messfeld
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm
Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 60–75 kV
Belichtungswert 3,2 mAs

kkEinstelltechnik bei stehendem Patienten


jjVorbereitung des Patienten ..Abb. 16.9  Anatomie des Schulterblatts von axial
Oberkörper entkleiden, Schmuck im Aufnah­
mebereich entfernen, Strahlenschutz dorsal ­ urücknehmen des Arms hebt sich das Schul­
Z
und ventral anlegen. terblatt an der Spitze vom Thorax ab.
Oder: Patient steht mit der zu untersuchen­
jjLagerung des Patienten den Seite am Rasterwandstativ. Der bildemp­
Patient steht mit der zu untersuchenden Seite fängernahe Arm wird hochgehoben und der
am Rasterwandstativ (. Abb. 16.10a). Der bild­ Unterarm auf den Kopf gelegt. Der Arm der
empfängerferne Arm wird hochgehoben und Gegenseite hängt herunter oder wird etwas
der Unterarm auf den Kopf gelegt, der Arm der nach vorne genommen. Nun wird der Patient
Gegenseite etwas nach hinten genommen und mit der zu untersuchenden Schulter so weit
die Hand in die Hüfte gestemmt. Durch das nach hinten gedreht, bis das Schulterblatt senk­
172 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 16.10a,b  Schulterblatt axial

3
6

5
2

a b

a Lagerung b
1 Schulterblatt (Scapula)
2 Schultergräte (Spina scapulae)
3 Schulterhöhe (Acromion)
4 Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)
5 Oberarmkopf (Caput humeri)
6 Schlüsselbein (Clavicula)

recht zum Bildempfänger steht. Dies wird bei kkEinstelltechnik bei liegendem Patienten
einem Winkel von ca. 45° zwischen Stativwand jjVorbereitung des Patienten
und vorderer Thoraxwand erreicht. Oberkörper entkleiden, Schmuck entfernen,
16 jjZentrierung
Strahlenschutz dorsal und ventral anlegen.

55Zentralstrahl: senkrecht auf die Mitte des jjLagerung des Patienten


bildempfängernahen medialen Schulter­ Am liegenden Patienten wird der Arm der zu
blattrands und auf Bildempfängermitte untersuchenden Seite quer über die Brust
55Strahlengang: horizontal zwischen Schul­ ­herübergezogen, sodass sich auch der Thorax
terblatt und Rippen hindurch mit dreht. Das Schulterblatt stellt sich so senk­
55Einblenden auf Objekt, recht zur Aufnahmerichtung (lateromedialer
55Seitenbezeichnung in Spiegelschrift Strahlengang) dar. Diese Einstellung lässt sich
55Aufnahme in Exspiration und Atemstill­ auch bei polytraumatisierten Patienten vor­
stand nehmen.
Schultergürtel
173 16
jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht auf lateralen Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Schulterblattrand und auf Bildempfänger­ 55 Tangentiale Aufnahme des Schulter-
mitte blatts
55Strahlengang: lateromedial durch das 55 Die Rippen dürfen das Schulterblatt
Schulterblatt nicht überlagern (. Abb. 16.10b).
55Seitenbezeichnung in Spiegelschrift
55Aufnahme in Exspiration und Atemstill­
stand

16.2.7 Brustbein, dorsoventral


kkIndikationen kkEinstelltechnik
55Frakturen jjVorbereitung des Patienten
55Entzündliche und tumoröse Veränderun­ Oberkörper entkleiden, Schmuck im Aufnah­
gen mebereich entfernen, Strahlenschutz dorsal
anlegen.
kkAufnahmedaten
Aufnahmeart Rastertechnik, Wand-
stativ
Belichtungsautomatik Mittleres Messfeld
Streustrahlenraster r8 (12)
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm
Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 70–75 kV
Belichtungswert 3,2 mAs

..Abb. 16.11a,b  Brustbein dorsoventral

a b

a Lagerung b
1 Griff (Manubrium sterni)
2 Synchondrosis manubriosternalis
3 Brustbeinkörper (Corpus sterni)
4 Schwertfortsatz (Processus xiphoideus oder
­Processus ensiformis)
174 S. Becht und S. Heyl

jjLagerung des Patienten 55Strahlengang: dorsoventral


Damit das Brustbein nicht von der Wirbelsäule 55Einblenden auf Objekt
und dem Herzen überlagert wird, liegt der 55Seitenbezeichnung spiegelbildlich
­Patient in Bauchlage auf dem Rasteraufnahme­ 55Aufnahme in Exspiration und Atemstill­
tisch, linker Arm längs des Körpers. Die rechte stand oder bei flacher Atmung zur Ver­
Körperseite wird 10–15° angehoben und durch wischung der Rippen
Keilkissen unterstützt. Den Kopf zur rechten
Seite drehen und die Körperdrehung durch
Qualitätskriterien und ­
­Abstützen mit dem rechten Arm einhalten
Bildmerkmale
(. Abb. 16.11a).
55 Das Brustbein projiziert sich neben die
Wirbelsäule.
jjZentrierung
55 Die Rippenüberlagerung muss in Kauf
55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt
genommen werden (. Abb. 16.11b).
ca. 2 Querfinger rechts paravertebral in
Höhe des 7. Brustwirbels und auf Bild­
empfängermitte

16.2.8 Brustbein, seitlich


kkIndikationen jjZentrierung
552. Ebene zur dorsoventralen Aufnahme 55Zentralstrahl: senkrecht auf Brustbein-
und Bildempfängermitte
kkAufnahmedaten 55Strahlengang: horizontal, tangential zur
Aufnahmeart Rastertechnik, Wand- vorderen Brustwand
stativ 55Einblenden auf Objekt
Belichtungsautomatik Mittleres Messfeld 55Seitenbezeichnung
Streustrahlenraster r8 (12) 55Aufnahme in Inspiration und Atemstill­
Objektbezogene Einblendung stand
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm
Brennflecknennwert ≤1,3
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Aufnahmespannung 75–85 kV
55 Seitliche Darstellung des gesamten
Belichtungswert 20 mAs Brustbeins einschließlich Schwert­
fortsatz (Processus ensiformis oder
­xiphoideus)
kkEinstelltechnik
55 Gut einsehbares Gelenk zwischen
16 jjVorbereitung des Patienten
­Manubrium und Corpus sterni ­
Oberkörper entkleiden, Schmuck im Aufnah­
(. Abb. 16.12b)
mebereich entfernen, Strahlenschutz seitlich
anlegen.
Tipp
jjLagerung des Patienten
Patient steht seitlich am Rasterwandstativ. Beide Die Aufnahme kann ebenso im Liegen mit
Arme werden hinter dem Rücken verschränkt, horizontalem Strahlengang angefertigt
sodass die Schultern weit nach hinten gezogen werden.
sind. Außerdem wird der Patient aufgefordert,
die Brust vorzustrecken („Brust raus“), damit
das Brustbein vorne frei ist (. Abb. 16.12a).
Schultergürtel
175 16
..Abb. 16.12a,b  Brustbein seitlich

a Lagerung

b
1 „Handgriff“ des Brustbeins (Manubrium sterni)
2 Straffes Gelenk zwischen Manubrium und Corpus
sterni (Synchondrosis sternalis)
3 Brustbeinkörper (Corpus sterni)
4 Schwertfortsatz (Processus xiphoideus oder Pro­
b
cessus ensiformis)
176 S. Becht und S. Heyl

16.2.9 Sternoklavikulargelenke, dorsoventral

kkIndikationen Tipp
55Frakturen
55Luxationen Eine gute Darstellung des Sternoklaviku-
55Entzündungen largelenkes erzielt man mit leichter
Schräg­aufnahme bei dorsoventralem
kkAufnahmedaten Strahlengang: Durch Anheben der rechten
7 Abschn. 16.2.7. Seite (ca. 20°) wird das rechte Sternoklavi-
kulargelenk einsehbar und umgekehrt.
kkEinstelltechnik Da die Sternoklavikulargelenke von den
jjVorbereitung des Patienten ­Rippen überlagert sind, wird zur weiteren
Oberkörper entkleiden, Schmuck im Aufnah­ Abklärung eine CT empfohlen. Von
mebereich entfernen, Strahlenschutz dorsal ­Zimmer wurde die Doppelaufnahme der
anlegen. ­Sternoklavikulargelenke empfohlen, die
allerdings bei Verwendung von Flach­
jjLagerung des Patienten detektoren nicht möglich ist.
Patient liegt in Bauchlage auf dem Rasterauf­
nahmetisch, beide Arme längs am Körper.
Schultern weit nach vorne ziehen. Der Bild­ Einstelltechnik bei Doppelauf­
empfänger wird mit einem Keilkissen um nahme der Sternoklavikulargelenke
­15–20° kranial angehoben und so unter den (nach Zimmer)
oberen Thorax geschoben, dass die Sterno­ jjLagerung des Patienten
klavikulargelenke auf die Bildempfängermitte Wie zur Übersichtsaufnahme.
liegen. Kopf über den Kassettenoberrand hän­
gen lassen (. Abb. 16.13a). jjZentrierung, 1. Aufnahme ­
(. Abb. 16.13c)
jjZentrierung 55Zentralstrahl: ca. 2 Querfinger rechts para­
55Zentralstrahl: in Höhe des 3.–4. Brust­ vertebral, in Höhe des 2.–3. Brustwirbels,
wirbels, senkrecht auf den Bildempfänger senkrecht auf den Bildempfänger
55Strahlengang: dorsoventral, 15–20° kaudo­ 55Strahlengang: dorsoventral, transthorakal,
kranial 15–20° kaudokranial
55Einblenden auf Objekt 55Seitenbezeichnung
55Seitenbezeichnung spiegelbildlich
55Aufnahme in Exspiration und Atemstill­ jjZentrierung, 2. Aufnahme ­
16 stand (. Abb. 16.13c)
55Zentralstrahl: Verschiebung der Röhre
oder der Tischplatte, ca. 2 Querfinger links
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
paravertebral in Höhe des 2.–3. Brust­
55 Seitengleiche Darstellung der Sterno-
wirbels
klavikulargelenke (. Abb. 16.13b)
55Strahlengang: dorsoventral, transthorakal,
15–20° kaudokranial
55Eng auf das jeweilige Sternoklavikular­
gelenk einblenden. Die Brustwirbelsäule
wirkt bei dieser Aufnahmeanordnung als
Scheidewand.
Schultergürtel
177 16
..Abb. 16.13a–c  Sternoklavikulargelenk nach Zimmer

a a Lagerung

b
1 Brustbeinnahes (sternales) Ende des Schlüsselbeins
2 Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk (Sternoklavikular­
gelenk)
3 Brustbein (Sternum)
b
4 4. Brustwirbel

c Prinzip der Doppelaufnahme der Sternoklavikulargelenke. Erste


Aufnahme von Position I aus, zweite Aufnahme von Position II aus,
beide senkrecht auf denselben Film bzw. dieselbe Speicherfolie zen­
triert. Diese Aufnahmetechnik ist bei Verwendung von Flachdetek­
toren nicht möglich
179 17

Brustkorb
S. Becht, S. Heyl

17.1 Anatomie  – 180

17.2 Einstellungen  – 180


17.2.1 Rippen (Hemithorax), dorsoventral und ventrodorsal  – 180
17.2.2 Rippen, schräg (RAO, LAO)  – 182

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_17
180 S. Becht und S. Heyl

17.1 Anatomie Das Köpfchen der Rippen II–X artikuliert mit­


2 benachbarten Wirbeln, während die 1., 11.
Der Brustkorb (Thorax) besteht aus 12 Rippen­ und 12. Rippe nur mit dem entsprechenden
paaren, 12 Brustwirbeln und dem Brustbein. Wirbel gelenkig verbunden ist.
Nach oben und unten ist der Brustkorb offen Die Rippen sind verschieden lang. Am
(obere und untere Thoraxapertur). längsten sind die 7. und 8. Rippe, am kürzesten
Die Rippe (Costa) ist ein mit der Brust­ die 1. und 12. Rippe. Die 1. Rippe ist kürzer,
wirbelsäule gelenkig verbundener, langer, breiter und stärker gekrümmt und ihr knorpe­
­bogenförmiger, abgeplatteter Röhrenknochen. liger Anteil stark verknöchert.
Jede Rippe besteht aus einem knöchernen Teil Die ersten 7 Rippenpaare erreichen mit
(Os costale) und einem knorpeligen Teil, dem ­ihrem ventralen Anteil das Brustbein und wer­
Rippenknorpel (Cartilago costalis). An den den als Costae sternales bezeichnet. Das 8­ ., 9.
Rippenknochen sind 3 Abschnitte zu unter­ und 10. Rippenpaar beteiligt sich mit ­seinem
scheiden: der Kopf (Caput), der Hals (Collum) knorpeligen ventralen Abschnitt an der Bildung
und der Körper (Corpus costae). Die Rippen des Rippenbogens (Arcus costarum). Die 11. und
sind durch 2 Gelenke mit dem Brustwirbel ver­ 12. Rippe enden frei in der dorsalen Bauchwand.
bunden: am Köpfchen (Articulatio capitis) und Die Rippen einer Seite werden als Hemitho-
am Höcker (Articulatio costotransversaria). rax bezeichnet.

17.2 Einstellungen

17.2.1 Rippen (Hemithorax), dorsoventral und ventrodorsal

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Frakturen Patient liegt in Bauchlage auf dem Rasterauf­
55 Entzündliche und tumoröse Veränderungen nahmetisch. Die zu untersuchende Seite befin­
det sich in der Tischmitte. Die Arme etwas ab­
kkAufnahmedaten spreizen, Handrücken an der Hüfte. Der Kopf
Aufnahmeart Rastertechnik, Wand- wird zur anderen Seite gedreht (. Abb. 17.1).
stativ
Belichtungsautomatik Mittleres Messfeld
Streustrahlenraster r8 (12)
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm
Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 60–75 kV
17 Belichtungswert 3,2 mAs

kkEinstelltechnik, vordere
­Rippenabschnitte, dorsoventral
jjVorbereitung des Patienten
..Abb. 17.1  Vordere Rippenabschnitte, dorsoventral,
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah­ Patientenlagerung
mebereich ablegen, evtl. Markierung der
schmerzhaften Stelle mit Bleimarke, Strahlen­
schutzanlegen.
Brustkorb
181 17
..Abb. 17.2a,b  Hintere Rippenabschnitte, ventrodorsal

a Lagerung

b
1 Schlüsselbein (Clavicula)
2 Hinterer Rippenabschnitt (2. Rippe)
3 Schulterblatt (Scapula)
4 Vorderer Rippenabschnitt (2. Rippe)
b
5 Brustwirbel

jjZentrierung schmerzhaften Stelle mit Bleimarke, Strahlen­


55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt in schutz anlegen.
Höhe der Schulterblattspitze und in der
Mitte zwischen Wirbelsäule und äußerer jjLagerung des Patienten
Thoraxwand Der Patient liegt in Rückenlage auf dem Raster­
55Strahlengang: dorsoventral, transthorakal aufnahmetisch, mit der zu untersuchenden
55Einblenden auf Objekt Thoraxhälfte in der Tischmitte. Die Schulter
55Seitenbezeichnung spiegelbildlich der zu untersuchenden Seite wird auf ein Keil­
55Aufnahme in Atemstillstand kissen hoch gelagert, der Arm nach innen
­rotiert, damit schiebt sich das Schulterblatt seit­
kkEinstelltechnik, hintere lich weg (. Abb. 17.2a).
­Rippenabschnitte, ventrodorsal
jjVorbereitung des Patienten
Oberkörper frei machen, Schmuck im Aufnah­
mebereich ablegen, evtl. Markierung der
182 S. Becht und S. Heyl

jjZentrierung Tipp
55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt
handbreit über der Brustbeinspitze und in Die Rippenaufnahmen können bei steh­
die Mitte zwischen Brustbein und äußerer fähigen Patienten auch am Rasterwand-
Thoraxwand stativ angefertigt werden.
55Strahlengang: ventrodorsal
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung Die Hartstrahltechnik ist für die Rippen unge­
55Aufnahme in Atemstillstand eignet. Sie dient der Darstellung der Lungen­
struktur und soll die Rippen durchstrahlen
(„unsichtbar“) machen.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Die Rippen müssen vollständig abge- Tipp
bildet und die Knochenstrukturen und
-konturen gut erkennbar sein. Bei der Aufnahme der hinteren Rippenab-
55 In Abhängigkeit von der Fragestellung schnitte, ventrodorsal, lassen sich die un-
sollen die skelettnahen Weichteile mit teren Rippen durch Drehung des Patien-
dargestellt sein (. Abb. 17.2b). ten um 30–40° zur Gegenseite und durch
Neigen des Rumpfes zur Gegenseite aus
dem Zwerchfell heraus und freiprojizieren.

17.2.2 Rippen, schräg (RAO, LAO)


kkIndikationen jjLagerung des Patienten
55Frakturen Aus der Rückenlage wird bei Zielaufnahmen
55Entzündliche und tumoröse Verände­ der Rippen rechts die betroffene Seite um­
rungen ca. 45° angehoben und mit Keilpolstern abge­
stützt. Der Patient dreht den Kopf zur Gegen­
Da sich der laterale Rippenabschnitt bei der seite.
ventrodorsalen und dorsoventralen Rippenauf­
nahme verkürzt darstellt, werden zur Diagnos­ jjZentrierung
tik der Rippen Schrägaufnahmen im 1. schrä­ 55Zentralstrahl: senkrecht, auf die Mamille
gen Durchmesser (RAO) und im 2. schrägen zielend und auf Bildempfängermitte tref­
Durchmesser (LAO) bevorzugt. fend
55Strahlengang: ventrodorsal, transthorakal
kkAufnahmedaten 55Einblenden auf Objekt
7 Abschn. 17.2.1. 55Seitenbezeichnung
17 55Aufnahme in Atemstillstand
kkEinstelltechnik bei Aufnahme ­
im 1. schrägen Durchmesser (RAO) kkEinstelltechnik bei Aufnahme ­
jjVorbereitung des Patienten im 2. schrägen Durchmesser (LAO)
Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­ jjVorbereitung des Patienten
nahmebereich ablegen, evtl. Bleimarke auf Oberkörper frei machen, Schmuck im Auf­
schmerzhafte Stelle legen, Strahlenschutz nahmebereich ablegen, evtl. Bleimarke auf
­anlegen. schmerzhafte Stelle legen, Strahlenschutz an­
legen.
Brustkorb
183 17
..Abb. 17.3a,b  Rippen, schräg

3
1
2

a b

a Rippen, schräg (RAO) b


1 Vorderer Rippenabschnitt Rippen, schräg (LAO)
2 Hinterer Rippenabschnitt
3 Querfortsatz des Brustwirbels (Processus transversus)
4 Schlüsselbein (Clavicula)
5 Schulterblatt (Scapula)
6 Brustwirbel

jjLagerung des Patienten jjZentrierung


Aus der Rückenlage wird die Gegenseite­ 55Zentralstrahl: senkrecht auf Brustbein­
ca. 30–45° angehoben und der Rücken mit Keil­ spitze zielend und auf Bildempfängermitte
kissen stabilisiert. Der Patient dreht den Kopf treffend
zur nicht betroffenen Seite. 55Strahlengang: ventrodorsal, transthorakal
55Einblenden auf Objekt
55Seitenbezeichnung
55Aufnahme in Atemstillstand
184 S. Becht und S. Heyl

Tipp
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Die Rippen sollen gut beurteilbar zur Die Röntgenaufnahmen der Rippen kön-
Darstellung kommen. nen auch am Rasterwandstativ angefertigt
55 Ein Problem ist die unterschiedliche werden: Der Patient nimmt den Arm über
Strahlenabsorption im oberen den Kopf oder spreizt ihn in Innenrotation
­Thoraxabschnitt durch die Lunge und ab. Die RAO-Aufnahme wird am besten
im unteren Abschnitt durch die Bauch- mit dorsoventralem und die LAO-Auf­
organe (. Abb. 17.3). nahme mit ventrodorsalem Strahlengang
angefertigt, damit der große Rippen­
abschnitt bildempfängernah liegt. Für die
Diagnostik ist es hilfreich, wenn auf die
schmerzhafte Stelle mit einer röntgen-
dichten Markierung (z. B. Bleikügelchen
oder auch Büroklammer) hingewiesen
wird.

17
185 18

Schädel
S. Becht, S. Heyl

18.1 Anatomie  – 187


18.1.1 Hirnschädel  – 187
18.1.2 Gesichtsschädel  – 187
18.1.3 Messlinien  – 189
18.1.4 Empfehlungen der Strahlenschutzkommission zur
­Röntgenuntersuchung ­des Schädels in der Unfall­
diagnostik  – 189

18.2 Einstellungen  – 190


18.2.1 Schädel, okzipitofrontal (p.-a.), in Bauchlage ­
oder im Sitzen  – 190
18.2.2 Schädel, seitlich  – 193
18.2.3 Hinterhaupt, bregmatikookzipital, ­
Aufnahme nach Towne  – 196
18.2.4 Gesichtsschädel, Profilaufnahme  – 198
18.2.5 Nasenbein, seitlich  – 199
18.2.6 Schädel, okzipitonasal: G­ esichtsschädel („Waters view“),
­Nasennebenhöhlen-(NNH-)Aufnahme  – 201
18.2.7 Orbita, Vergleichs- oder Brillenaufnahme  – 204
18.2.8 Jochbogen, submentobregmatikal
­(„Henkeltopfaufnahme“)  – 205
18.2.9 Jochbogen, Aufnahme nach Zimmer durch ­
den geöffneten Mund  – 206
18.2.10 Schädel, axial, mit hängendem Kopf, im Liegen  – 209
18.2.11 Schädel, axial, submentobregmatikal
­(Schädelbasisaufnahme)  – 210
18.2.12 Schädel, überkippt axial, Aufnahme nach Welin, ­
im Sitzen  – 214

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019


S. Becht et al. (Hrsg.), Lehrbuch der radiologischen Einstelltechnik
https://doi.org/10.1007/978-3-662-56256-7_18
18.2.13 Felsenbein, Aufnahme nach Stenvers  – 215
18.2.14 Felsenbein, Aufnahme nach Mayer  – 220
18.2.15 Felsenbein- und Warzenfortsatz, Kiefergelenk, ­
Aufnahme nach Schüller  – 223
18.2.16 Felsenbein, Aufnahme nach Chaussé III  – 226
18.2.17 Pyramiden- oder Felsenbein, Vergleichsaufnahme ­
nach Altschul-Uffenorde  – 228
18.2.18 Kiefergelenk dorsoventral, Vergleichsaufnahme ­
nach Clementschitsch  – 229
18.2.19 Unterkiefer, schräg, isolierte Unterkieferaufnahme  – 230
Schädel
187 18
Aufnahmen des Schädels in der Unfalldiagnos- (Sella turcica) für die Hypophyse, eine lebens-
tik werden – auch nach den Empfehlungen der wichtige innersekretorische Drüse. Über ihn
Strahlenschutzkommission – durch die Com- hinweg ragen vorne und hinten zwei Fortsätze,
putertomographie ersetzt. Allerdings sind nach Processus clinoides anteriores et posteriores.
wie vor bestimmte Einstelltechniken am Schä- Unter dem Sellaboden liegt die Keilbeinhöhle
del indiziert, weshalb die Autoren eine Auswahl (Sinus sphenoidalis), ebenfalls eine Nasenne-
der konventionellen Röntgenaufnahmen aus benhöhle. Links und rechts des Türkensattels
der Vorauflage übernommen haben. Ein be- befinden sich Löcher, durch die Nerven und
sonderes Augenmerk wird auf die Anatomie Gefäße ziehen. Röntgenologisch sind folgende
des Schädels gelegt, die durch Zeichnungen Gefäß- und Nervenaustrittslöcher bedeutsam:
verdeutlicht werden und bei der Interpretation Foramen rotundum für den 2. Ast (V2 = N.
der unterschiedlichen Aufnahmen behilflich maxillaris) des 5. Hirnnervs (N. trigeminus),
sein können. Foramen ovale für den 3. Ast (V3 = N. mandi-
bularis) des 5. Hirnnervs, Foramen spinosum
für die A. meningea media.
18.1 Anatomie Den Übergang von der mittleren zur
hinteren Schädelgrube bildet das Felsenbein
Der menschliche Schädel (Cranium) setzt sich (Pars petrosa) oder Pyramide, ein Teil des
aus 2 Hauptteilen zusammen, dem sog. Hirn- Schläfenbeins. Die beiden Felsenbeinpyrami-
schädel (Neurocranium) und dem Gesichts- den liegen einander V-förmig in einem Winkel
schädel (Viscero- oder Splanchnocranium; von 45° zur Medianlinie gegenüber. Die Spitze
. Abb. 18.1). des V zeigt gegen den Hypophysensattel. Im
Inneren der Felsenbeine sind der Gehör- und
der Gleichgewichtsapparat untergebracht.
18.1.1 Hirnschädel Durch das große Hinterhauptloch (Foramen
occipitale magnum), eine Öffnung in der hinte-
Der Hirnschädel besteht aus dem Stirnbein (Os ren Schädelgrube, tritt das Rückenmark in den
frontale), das die Stirnhöhle (Sinus frontalis) Wirbelkanal ein.
umschließt, den beiden Scheitelbeinen (Os pa-
rietale), dem Hinterhauptbein (Os occipitale)
und den beiden Schläfenbeinen (Os temporale). 18.1.2 Gesichtsschädel
Die Innenseiten der Schädelknochen weisen
Vertiefungen auf, die von Gefäßkanälen und Der Gesichtsschädel lässt sich in 4 Abschnitte
von den fingerförmigen Eindrücken (Impres- gliedern. Der erste Abschnitt besteht aus der
siones digitatae) der Hirnwindungen gebildet Stirnhöhle (Sinus frontalis), einem Teil der
werden. Die gezähnelten Knochennähte heißen ­Nasennebenhöhlen. Es folgt das Mittelgesicht
Suturen. Die Schädelknochen oder Schädel­ mit der Augenhöhle (Orbita), dem Nasengerüst
kalotte umschließen das Gehirn (Cerebrum). (Os nasale), der Kieferhöhle (Sinus maxillaris),
Das Gehirn liegt der Schädelbasis (Basis umschlossen von Jochbein (Os zygomaticum)
­cranii) auf, die ihrerseits 3 muldenförmige Ver- und Oberkiefer (Maxilla). An den Boden­
tiefungen bildet, die vordere, mittlere und hin- der Kieferhöhle schließt sich der Oberkiefer
tere Schädelgrube. In der Mitte der vorderen (Maxilla) an, der die Zähne trägt. Sie stecken in
Schädelgrube befindet sich das Siebbein (Os den Zahnfächern (Alveolen) des Oberkiefers.
ethmoidale) mit kleinen luftgefüllten Hohlräu- Vorne sind die Schneidezähne (Incisives),
men, den Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales), ­daran anschließend der Eckzahn (Caninus), die
die zu den Nasennebenhöhlen gehören. vorderen Backenzähne (Prämolaren) und die
Im Zentrum der mittleren Schädelgrube be- hinteren Backenzähne (Molaren; 7 Kap. 19).
findet sich der Türken- oder Hypophysensattel Der Unterkiefer (Mandibula) ist durch das
188 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.1a,b  Anatomie des Schädels

a
a Medianschnitt durch den Schädel

18 b

b Schädelseitansicht
Schädel
189 18
­ iefergelenk (Articulatio temporomandibula-
K Mithilfe definierter Messlinien wird der Schä-
ris) gelenkig mit der Schädelbasis verbunden. del oder werden einzelne Schädelknochen in
Der aufsteigende Ast des Unterkiefers (Ramus verschiedenen standardisierten, d. h. allgemein
mandibulae) wird vom Processus condylaris mit anerkannten Strahlengangrichtungen aufge-
Kieferköpfchen (Caput mandibulae) und vom nommen. Jede dieser Einstellungen dient der
Processus coronoideus für den Ansatz eines Darstellung bestimmter Skelettabschnitte und
Kaumuskels (M. temporalis) gebildet. Das Kinn hat ihre eigene Indikation.
(Protuberantia mentalis) bildet die Mitte des
­horizontalen Unterkieferastes (Corpus mandi-
bulae). Unterhalb des Eckzahns befindet sich im 18.1.4 Empfehlungen der Strah­
Unterkiefer ein kleines Loch (Foramen menta- lenschutzkommission zur
le), durch das der N. mandibularis austritt. ­Röntgenuntersuchung ­
des Schädels in der Unfall­
diagnostik
18.1.3 Messlinien
Tipp
Die röntgendiagnostische Einstelltechnik be-
dient sich mehrerer Messlinien am Schädel. Die In vielen Einrichtungen wird auf die
bekanntesten sind: Durchführung von Schädelaufnahmen
55Die Deutsche Horizontale (APL = „anthro- nach einem Trauma mittlerweile verzich­
pological line“, Messlinie für die Einstel- tet. Die im folgenden aufgeführten Indika­
lung von Schädelaufnahmen): Sie verbin- tionen zur Durchführung einer konventio­
det den unteren Orbitarand mit dem nellen Röntgenuntersuchung werden
Oberrand des äußeren Gehörgangs. heute in der Regel durch die Computer­
55Die orbitomeatale Linie: Sie verbindet den tomographie ersetzt. Da die Autoren aber
äußeren Gehörgang mit dem mittleren la- die Durchführung von konventionellen
teralen Orbitarandabschnitt. Aufnahmen nicht ausschließen können,
55Die Chamberlain-Linie: Sie verbindet den ­wurde das Schädelkapitel gegenüber der
hinteren oberen Rand des harten Gaumens Vorauflage nicht wesentlich gekürzt.
mit dem Hinterrand des Foramen mag-
num (palatookzipitale Linie; . Abb. 18.2).
Als Grundlage der Röntgendiagnostik dienen
Aufnahmen des Schädels in 2 senkrecht zuein-
ander stehenden Ebenen. Folgende Richtlinien
gelten für die Untersuchung bei Schädelver­
letzungen:
Wenn ein leichtes Schädeltrauma ohne
­wesentliche klinische Symptome vorliegt, der
Patient voll orientiert ist, keine Amnesie und
keine neurologischen Defizite hat, die die Rönt-
genaufnahme kontraindiziert. Liegt ein mittel-
..Abb. 18.2 Medianschnitt hohes Risiko einer intrakraniellen Verletzung
1 Nasenbein (Os nasale) vor, das eine Bewusstlosigkeit und Amnesie
2 Türkensattel (Sella turcica) bewirkt und mit neurologischen Defiziten ein-
3 Protuberantia occipitalis interna hergeht, ist die Durchführung einer Computer-
4 Kieferköpfchen (Caput mandibulae)
5 Zahn des 2. Halswirbels (Dens axis)
tomographie Pflicht. Hier ist die Durchführung
6 Harter Gaumen (Os palatinum) einer Röntgenaufnahme des Schädels kontrain-
7 Chamberlain-Linie diziert.
190 S. Becht und S. Heyl

Bei Kindern wird nach einem Schädel­ ten und bringt selten eine zusätzliche Infor­
trauma ohne klinische Symptomatik kein radio­ mation.
logisches Untersuchungsverfahren empfohlen. Zur Diagnostik von Mittelgesichtsfrakturen
Im Säuglingsalter kann alternativ eine Ultra- eignet sich eine Gesichtsschädelaufnahme
schalluntersuchung erfolgen. (7 Abschn. 18.2.6) Auf dieser Aufnahme kön-
Bei kindlichen Schädeltraumen mit neuro- nen Stirnhöhle, Orbitakonturen, Kieferhöhle
logischen Defiziten ist die Durchführung einer und Jochbein mit Jochbogen sowie der Unter-
Computertomographie indiziert, in Abhängig- kiefer beurteilt werden. Die Orbitavergleichs-
keit der klinischen Dringlichkeit kann ggf.­ aufnahme (7 Abschn. 18.2.7) dient der Beur­
auch auf die MRT-Diagnostik ausgewichen teilung von Orbita und Stirnhöhle.
werden. Da ca. ein Drittel der schweren Schädel-
In der Notfalldiagnostik und zur Akutver- Hirn-Verletzungen mit Verletzungen der Hals-
sorgung eines Patienten sind keine Spezialauf- wirbelsäule einhergehen, müssen bei schwer-
nahmen erforderlich. Die Anfertigung einer verletzten Patienten neben der Schädeldiagnos-
axialen Schädelbasisaufnahme ist bei Schwer- tik auch die Halswirbelsäule in mindestens zwei
verletzten oft schwierig, gefährdet den Patien- Ebenen radiologisch untersucht werden.

18.2 Einstellungen

18.2.1 Schädel, okzipitofrontal (p.-a.), in Bauchlage oder im Sitzen


kkIndikationen jjLagerung des Patienten
55Ergänzung zur Profil- (seitlichen) Schädel- Patient in Bauchlage auf dem Rasteraufnahme-
aufnahme tisch (oder sitzend am Rasterwandstativ). Arme
55Frakturen der Schädelkalotte am Körper. Der Kopf liegt mit der Nase dem
55Beurteilung der Stirnhöhlen und Siebbein- Tisch bzw. dem Bildempfänger auf und das
zellen sowie der Felsenbeine (. Abb. 18.3a) Kinn ist bildempfängernah. Die Medianebene
des Schädels verläuft senkrecht zur Tischebene.
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. Beide Gehörgänge müssen gleich weit vom
Tischrand entfernt sein. Nasenwurzel in Tisch-
kkAufnahmedaten bzw. Bildempfängermitte (. Abb. 18.3b,c).
Aufnahmeart Mit Raster Fixierung des Patienten bei Bedarf. Das
Streustrahlenraster r8 (12) ­Anlegen einer anmodellierbaren Bleilamelle
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer („Indianer“, „Strahlenkranz“) verbessert die
Objektbezogene Einblendung Streustrahlenabsorption.
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm jjZentrierung
Brennflecknennwert ≤1,3 55Zentralstrahl: Der Zentralstrahl trifft­
Aufnahmespannung 70–85 kV ­senkrecht auf den Hinterhaupthöcker auf.
Belichtungswert <100 ms Sein Austrittspunkt ist in Höhe des Sinus
18 Dosisreferenzwert (2016) 60 cGy × cm2 frontalis (was äußerlich ungefähr der
­Nasenwurzel entspricht) und trifft auf
kkEinstelltechnik Bild­empfängermitte.
jjVorbereitung des Patienten 55Strahlengang: okzipitofrontal
Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent- 55Objektbezogene Einblendung
fernen, Kragen öffnen, Knöpfe entfernen, 55Aufnahme in Atemstillstand
Strahlenschutz anlegen. 55Seitenbezeichnung spiegelbildlich
Schädel
191 18
..Abb. 18.3a–f  Schädel, okzipitofrontal (p.-a.)

a Anatomie des Schädels, Ansicht von p.-a.

b c

b,c Lagerung des Patienten


192 S. Becht und S. Heyl

d
1 Stirnbein (Os frontale)
2 Stirnhöhle (Sinus frontalis)
3 Felsenbein-(Pyramiden)-Ober­
kante, die sich in die Augen­
höhle (Orbita) projiziert
4 Siebbeinzellen (Cellulae
­ethmoidales)
5 Warzenfortsatz (Processus
mastoideus)
6 Kieferhöhle (Sinus maxillaris)
7 Kieferast mit Weisheitszahn
(Ramus mandibulae mit Dens
serotinus)
8 Foramen rotundum (für ­
N. maxillaris)
9 Linea innominata
10 Augenhöhlendachspalte
(Fissura orbitalis superior, für
Hirnnerven III, IV, VI, V/1)
11 Kleiner Keilbeinflügel (Ala
minor ossis sphenoidalis)
12 Nasenscheidewand ­
(Septum nasi)
13 Zahn des 2. Halswirbels
(Dens axis)

18
e f

e Man beachte die richtige Stellung des Kinns! f Falsche Stellung


Schädel
193 18
höhle. Um eine bessere Übersicht über die
Qualitätskriterien und Bildmerkmale Stirnhöhle, die Siebbeinzellen und die unteren
55 Symmetrische Darstellung der Schädel­ Anteile der Kieferhöhle zu bekommen, lässt
kalotte und der Siebbeinzellen, Nasen­ man die Stirn des Patienten vom Tisch abstehen
scheidewand streng in der Mitte oder richtet den Zentralstrahl ca. 15° kranio-
55 Die Felsenbeine projizieren sich in das kaudal (Aufnahme nach Caldwell). Bei dieser
untere bis mittlere Drittel der Orbita Einstellung projiziert sich das Felsenbein in den
und die Felsenbeinspitze in den mittle­ Orbitaboden oder etwas darunter.
ren Abschnitt der medialen Orbitawand Bei traumatisierten oder nicht kooperations-
(. Abb. 18.3d). fähigen Patienten wird die Aufnahme in Rü-
ckenlage angefertigt. Das Kinn möglichst weit
anziehen lassen oder den Zentralstrahl entspre-
chend der Lage des Patienten kraniokaudal
Tipp
winkeln (. Abb. 18.3e; falsche Einstellung:
Die okzipitofrontale Schädelaufnahme . Abb. 18.3f).
eignet sich besonders gut zur Beurteilung
der Felsenbeine. Von oben und unten ein­ Tipp
geblendet handelt es sich um eine trans­
orbitale Felsenbeinvergleichsaufnahme. Bei Kindern muss das Kinn eher ange­
hoben werden, da Kinder eine physio­
logische Kyphose der Halswirbelsäule
Legt man bei der okzipitofrontalen Aufnahme ­haben, im Gegensatz zur Lordose der
den Patienten auf den oberen Stirnbereich, so ­Erwachsenen.
projiziert sich das Dorsum sellae in die Stirn-

18.2.2 Schädel, seitlich


kkIndikationen jjLagerung des Patienten
55Frakturen, postoperative Verlaufskontrol- Der Patient befindet sich in Bauchlage auf dem
len, Frakturheilung Rasteraufnahmetisch; die zu untersuchende
55Fehl- und Missbildungen Schädelseite liegt dem Tisch auf. Das Kinn und
55Fremdkörperlokalisation im Bereich der die dem Gesicht zugewandte Schulter werden
Schädelkalotte und des Gesichtsschädels mit Keilkissen so unterpolstert, dass sowohl die
55Generalisierte und umschriebene Medianebene des Schädels als auch die Längs-
­Knochenveränderungen achse des Gesichtsschädels parallel zur Tisch-
ebene verlaufen (. Abb. 18.4a,b).
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. Fixierung des Patienten bei Bedarf.

kkAufnahmedaten jjZentrierung
7 Abschn. 18.2.1. 55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt 1
Querfinger oberhalb und 1 Querfinger vor
kkEinstelltechnik dem äußeren Gehörgang auf Bildempfän-
jjVorbereitung des Patienten germitte
Haarklammern, Schmuck, Hals- und Kopf­ 55Strahlengang: vertikal von rechts nach
bekleidung (auch Perücke) sowie Zahnersatz links oder umgekehrt
entfernen, Strahlenschutz anlegen. 55Objektbezogene Einblendung, evtl.
­„Strahlenkranz“ zur Kontrastanhebung
194 S. Becht und S. Heyl

der Schädelkalotte durch Streustrahlenab- Tipp


sorption
55Aufnahme in Atemstillstand Die Profilaufnahme des Schädels kann
55Die Seitenbezeichnung wird nach der dem auch am sitzenden Patienten durchgeführt
Bildempfänger anliegenden Seite vorge- werden. Dabei ist ebenfalls auf eine exakt
nommen. seitliche Lagerung zu achten. Strahlen-
55Anschließend den Zahnersatz zurückge- gang: horizontal, von rechts nach links
ben! oder umgekehrt.

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


Bei (poly-)traumatisierten oder nicht koopera­
55 Der Schädel darf an keiner Stelle
tionsfähigen Patienten kann die Profilaufnahme
­„abgeschnitten“ sein.
mithilfe eines angestellten Bildempfängers­
55 Weitgehende Deckung der Konturen
ggf. mit Raster angefertigt werden. Der Bild­
der vorderen und hinteren Schädel­
empfänger wird rechts oder links der zu unter-
grube, des Gesichtsschädels mit Unter­
suchenden Seite angestellt, wobei darauf zu
kiefer und Kieferköpfchen, Orbita,
achten ist, dass der Kopf des Patienten auf einer
Jochbein, Kieferhöhle
röntgendurchlässigen Unterlage liegt, um ein
55 Deckungsgleiche Darstellung der klei­
„Abschneiden“ des Hinterhaupts zu ver­meiden.
nen Keilbeinflügel und der äußeren
Die Profilaufnahme mit angestelltem Bildemp-
Gehörgänge
fänger und horizontalem Strahlengang hat den
55 Scharfe Konturen des Sellabodens und
Vorteil, dass Flüssigkeits- und Blutansammlun-
keine doppelkonturige Darstellung der
gen in Kiefer- und Keilbeinhöhle als „Flüssig-
Klinoidfortsätze
keitsspiegel“ zu erkennen sind.
55 Erkennbar scharfe Wiedergabe der
­Tabula interna und externa der
­Schädelkalotte, der Gefäßkanäle und
der Trabekelstruktur der Knochen
(. Abb. 18.4c)

..Abb. 18.4a–c  Schädel, seitlich

18
a b

a,b Lagerung
Schädel
195 18
a b

c Schädel seitlich mit angestelltem Bildempfänger 16 Schläfenbein (Os temporale) mit Felsenbein­
1 Unterkiefer (Mandibula) pyramide, (Pars petrosa [Pyramis])
2 Oberkiefer (Maxilla) 17 Kieferköpfchen (Caput mandibulae/Processus
3 Harter Gaumen (Os palatinum) condylaris)
4 Kieferhöhle (Sinus maxillaris) 18 Mittlere Schädelgrube (Fossa cranii media)
5 Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis) 19 Hinterwand der Kieferhöhle mit Flügelfortsatz
6 Türkensattel (Sella turcica), für die Hypophyse (Processus pterygoideus)
7 Augenhöhle (Orbita) 20 Kieferwinkel
8 Stirnhöhle (Sinus frontalis) 21 Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales)
9 Stirnbein (Os frontale) 22 Äußerer Gehörgang (Meatus acusticus externus)
10 Kranznaht (Sutura coronalis) 23 Hinterhaupthöcker (Protuberantia occipitalis
11 Verkalkung des Plexus choroideus ­externa)
12 Scheitelbein (Os parietale) 24 Chamberlain-Linie (palatookzipitale Linie)
13 Hinterhauptnaht (Sutura lambdoidea) 25 Deutsche Horizontale (Verbindung zwischen
14 Hinterhauptbein (Os occipitale) unterem Orbitarand und oberem Rand des äußeren
15 Warzenfortsatz des Schläfenbeins (Processus Gehörgangs [Porus acusticus externus])
­mastoideus)
196 S. Becht und S. Heyl

18.2.3 Hinterhaupt, bregmatikookzipital, Aufnahme nach Towne

kkIndikationen 55Strahlengang: bregmatikookzipital, d. h.


55Darstellung des Hinterhauptlochs (Fora- vom Scheitel (Bregma) zum Hinterhaupt
men magnum) und des hinteren Atlas­ (Occiput) und schräg auf den Bildempfän-
bogens sowie vergleichende Betrachtung ger einfallend
der Pyramiden und des inneren Gehör- 55Abschließend den Fokus-Detektor-­
gangs (z. B. bei Akustikusneurinom) Abstand von 115 cm nochmals korrigieren
55Frakturen im Bereich des Hinterhaupts 55Aufnahme in Atemstillstand
und der Scheitelbeine 55Seitenbezeichnung

7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission.


Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Freie Darstellung der Hinterhaupt­
kkAufnahmedaten
schuppe mit Hinterhauptloch, in das
7 Abschn. 18.2.1.
sich der hintere Atlasbogen projiziert
55 Symmetrische Darstellung der Pyrami­
kkEinstelltechnik
den (. Abb. 18.5c)
jjVorbereitung des Patienten
Haarklammern, Schmuck, Zahnersatz und
Knöpfe entfernen, Strahlenschutz anlegen.
Tipp
jjLagerung des Patienten
Die ursprünglich von Grashey beschrie­
Patient in Rückenlage auf dem Rasteraufnah-
bene Aufnahme wird als Aufnahme nach
metisch. Das Kinn bei geschlossenem Mund
Towne bezeichnet; dieser Autor empfiehlt
auf die Brust ziehen lassen. Kopf bzw. Hinter-
einen Einfallswinkel von 30°. Die Auf­
kopf mit 15°-Keilkissen unterpolstern, bis die
nahme nach Altschul-Uffenorde mit einem
Deutsche Horizontale senkrecht zum Bildemp-
Einfallswinkel von 35° ist eine gute Ver­
fänger steht. Bei Belichtungsautomatik Raster-
gleichsaufnahme der Pyramiden und
lade mit Bildempfänger fußwärts verschieben,
­erlaubt, wenn der Zentralstrahl handbreit
damit Messfeld im Zentralstrahlbereich bleibt.
tiefer, d. h. weiter kaudal einfällt, eine Be­
Der untere Bildempfängerrand liegt in Höhe
urteilung der Jochbögen und der Kiefer­
der Schulterblätter (. Abb. 18.5a,b).
köpfchen (7 Abschn. 18.2.17).
Fixierung des Patienten bei Bedarf. Strah-
lenkranz kann angelegt werden.

jjZentrierung
55Zentralstrahl: Röhre kopfwärts verschieben
und um 45° kraniokaudal kippen, sodass
der Zentralstrahl auf einen Punkt am
Übergang vom Stirn- zum Scheitelbein –
18 auf die Medianebene des Scheitels gerich-
tet – zum Hinterhauptloch auf Bildemp-
fängermitte zielt.
Schädel
197 18
..Abb. 18.5a–c  Hinterhaupt, bregmatikookzipital, Aufnahme nach Towne

a b

a,b Lagerung

c
1 Hinterhauptschuppe (Squama
­occipitalis)
2 Felsenbeinpyramide (Pars petrosa
[Pyramis])
3 Warzenfortsatz-(Mastoid-)Zellen
4 Hinterhauptloch (Foramen
­magnum)
c
5 Hinterer Atlasbogen

kkEinstelltechnik, Schädel, nuchofrontal, richtet  und trifft etwa 3–4 Querfinger unter-
nach Haas halb des Hinterhaupthöckers (Protuberantia
Die Hinterhauptaufnahme lässt sich auch im occipitalis externa) auf. Sein Austrittspunkt
dorsoventralen Strahlengang (p.-a.) in Bauch- liegt ­ 3–4 Querfinger oberhalb des oberen
lage des Patienten oder am Rasterwandstativ ­Orbitarands. Die Seitenbezeichnung wird in
anfertigen: Das Kinn ist dann stark angezogen, diesem Fall spiegelbildlich angebracht. Bei
Stirn und Nase liegen dem Untersuchungstisch ­dieser Einstellung ­projiziert sich der hintere
auf bzw. dem Rasterwandstativ an. Der in ­Atlasbogen in die obere Hälfte des Hinter-
der Medianebene verlaufende Zentralstrahl hauptlochs (Foramen magnum). Das Dorsum
ist ­mit einem Winkel von 35–40° kranial ge- sellae wird dabei vom Atlasbogen überlagert.
198 S. Becht und S. Heyl

18.2.4 Gesichtsschädel, Profilaufnahme

kkIndikationen jjZentrierung
55Entzündliche Erkrankungen der Stirn- 55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt
und Kieferhöhlen sowie der Keilbeinhöhle knapp unterhalb der Mitte des Jochbogens
55Ergussbildungen oder Blutansammlungen und auf Bildempfängermitte
in den Nasennebenhöhlen 55Strahlengang: horizontal
55Frakturen des Gesichtsschädels 55Seitenbezeichnung wie bei Aufnahme im
55Fremdkörperlokalisation Liegen

kkAufnahmedaten kkEinstelltechnik in Rückenlage


7 Abschn. 18.2.1. jjLagerung des Patienten
In Rückenlage mit angestelltem Bildempfänger.
kkEinstelltechnik
jjVorbereitung des Patienten jjZentrierung
Haarklammern und Zahnersatz entfernen, 55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt
Kragen öffnen, Kragenknöpfchen entfernen, knapp unterhalb der Mitte des Jochbogens
Strahlenschutz anlegen. und auf Bildempfängermitte
55Strahlengang: horizontal
jjLagerung des Patienten 55Seitenbezeichnung wie oben
Schädel seitlich (7 Abschn. 18.2.2).
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
jjZentrierung
55 Scharfe Konturen des Gesichtsschä­
55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt
dels und der Weichteile
knapp unterhalb der Mitte des Jochbogens
55 Vordere Schädelbasis und harter
und auf Bildempfängermitte
­Gaumen in einer Ebene
55Strahlengang: vertikal, von rechts nach
55 Deckungsgleiche Darstellung des
links bzw. umgekehrt
schmalen V-förmigen Processus
55Aufnahme in Atemstillstand
­pterygoideus, des Jochbeins und der
55Seitenbezeichnung: Es wird die dem Bild­
Kieferköpfchen (. Abb. 18.6)
empfänger anliegende Gesichtsseite ge-
kennzeichnet. Auf dem Röntgenbild wird
vermerkt, wenn die Aufnahme im Liegen
angefertigt wurde. Tipp

kkEinstelltechnik im Sitzen Prinzipiell sollen Nasennebenhöhlenauf­


jjLagerung des Patienten nahmen im Sitzen angefertigt werden, da
sich Flüssigkeitsansammlungen in den
Der Patient sitzt seitlich am Rasterwandstativ.
­Nasennebenhöhlen am Flüssigkeitsspiegel
Die Medianebene des Schädels bzw. die Längs-
zu erkennen geben. Am liegenden Patien­
achse des Gesichtsschädels verläuft parallel
18 zum Rasterwandstativ. Anliegende Schulter ten wird daher die Profilaufnahme bei
­horizontalem Strahlengang und angestell­
etwas zurücknehmen und Kinn wenig an­
­
tem Bildempfänger angefertigt.
heben.
Schädel
199 18
..Abb. 18.6 Gesichtsschädel,
­Profilaufnahme
1 Stirnhöhle (Sinus frontalis)
2 Vordere Schädelgrube (Planum
Sphenoidale)
3 Lateraler Orbitarand (Processus
frontalis) des Jochbeins (Os zygoma­ 1
ticum)
13 2
4 Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales)
5 Augenhöhle (Orbita)
14
6 Orbitaboden 3
7 Kieferhöhle (Sinus maxillaris) 4
8 Hintere Kieferhöhenwand, be­ 12 5
grenzt durch den Processus pterygo­
11
ideus (markanter Knochenfortsatz 6
des Keilbeins) 8 7
9 Harter Gaumen (Os palatinum)
10 Unterkiefer (Mandibula) 9
11 Kieferköpfchen (Caput
­mandibulae)
12 Äußerer Gehörgang (Maetus
acusticus externus)
13 Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis)
14 Hypophysensattel (Sella turcica)
10

Tipp
lung der Stirnhöhlenvorder- und -hinter­
Die Profilaufnahme verträgt keine Über­ wand bei Frakturen wird auf einen Punkt
belichtung, da Stirn- und Kieferhöhlenvor­ über der Augenbraue zentriert und auf die
derwand sowie Schleimhautschwellungen Stirnhöhle eingeblendet.
sonst nicht beurteilbar sind. Zur Beurtei­

18.2.5 Nasenbein, seitlich

kkAnatomie Die Spina nasalis anterior geht aus dem


Die beiden Nasenbeine bilden das knöcherne Gaumenfortsatz (Processus palatinus) des
Gerüst für den Nasenrücken. Das Nasenbein Oberkiefers hervor. Verletzungen der Spina
(Os nasale) ist ein kleiner, viereckiger Knochen. ­nasalis anterior sind äußerst schmerzhaft.
Sein Oberrand steht mit dem Stirnbein, sein
lateraler Rand mit dem Processus frontalis des kkIndikationen
Oberkiefers in Verbindung. Der untere Rand 55Frakturen
beteiligt sich an der knorpeligen Umrandung. 55Profildarstellung der Nasenweichteile (vor
Die Nasenbeine bilden das knöcherne Dach der Nasenplastik)
beiden Nasenhöhlen, die durch das knorpelige
Nasenseptum voneinander getrennt sind 7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission.
(. Abb. 18.7a).
200 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.7a–c  Nasenbein, seitlich

a
a Anatomie

c
1 Nasenbein (Os nasale)
2 Sulcus ethmoidalis
3 Nasenweichteile
4 Nasenöffnung
5 Spina nasalis anterior
b c
6 Sutura frontonasalis
b Lagerung

kkAufnahmedaten kkEinstelltechnik
Streustrahlenraster Ohne oder r8 (12) jjVorbereitung des Patienten
Belichtungsautomatik Ohne oder mittlere Schmuck entfernen, Strahlenschutz anlegen.
Messkammer
Objektbezogene Einblendung jjLagerung des Patienten
18 Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) Der Patient sitzt seitlich am Rasterwandstativ
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm oder liegt in Bauchlage auf dem Untersu-
Brennflecknennwert ≤1,3 chungstisch mit zur Seite gedrehtem Kopf.
Aufnahmespannung 50–60 kV ­Anliegende Schulter zurücknehmen und tisch-
Belichtungswert <50 ms ferne Schulter mit einem Keilkissen unterpols-
Schädel
201 18
tern. Die Augen-Ohr-Linie steht senkrecht zum
Bildempfänger (. Abb. 18.7b). 55 Sutura nasomaxillaris, Sutura frontona­
salis und Sulcus ethmoidalis für den
jjZentrierung gleichnamigen Nerv sowie die Spina
55Zentralstrahl: senkrecht auf Nasenwurzel nasalis anterior sind dargestellt
und Bildempfängermitte (. Abb. 18.7c).
55Strahlengang: horizontal von rechts nach
links bzw. umgekehrt
55Aufnahme in Atemstillstand
Tipp

Qualitätskriterien und Bildmerkmale Zur Beurteilung des Nasenskeletts in einer


55 Die Aufnahme darf nicht zu hart sein. 2. Ebene wird die okzipitonasale Gesichts­
55 Die Nasenweichteile sollen beurteilbar schädelaufnahme (7 Abschn. 18.2.6) her­
sein. angezogen.

18.2.6 Schädel, okzipitonasal: ­Gesichtsschädel („Waters view“),


­Nasennebenhöhlen-(NNH-)Aufnahme

kkIndikationen offen gehalten werden. Durch den offenen


55Entzündliche und tumoröse Erkrankungen Mund wird der Blick auf den hinteren Ab-
der Stirn- und Kieferhöhlen (von den schnitt der Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis)
­Siebbeinzellen wird bei dieser Projektion frei (. Abb. 18.8a,b).
nur der untere Abschnitt dargestellt) Auf eine symmetrische Einstellung achten.
55Frakturen des Gesichtsschädels Obere Zahnreihe in Bildempfängermitte. Die
55Darstellung des unteren Anteils der Keil- „Deutsche Horizontale“ bildet einen Winkel
beinhöhle von 45° zur Bildempfängerebene. Fixierung des
bei Bedarf.
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission.
jjZentrierung
kkAufnahmedaten 55Zentralstrahl: 2 Querfinger oberhalb des
7 Abschn. 18.2.1. Hinterhaupthöckers senkrecht auf Bild­
empfängermitte
kkEinstelltechnik 55Strahlengang: okzipitonasal
jjVorbereitung des Patienten 55Bei nicht ausreichender Reklinationsfähig-
Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent- keit muss die Röntgenröhre nach kranial
fernen, Kragen öffnen, Knöpfe entfernen, verschoben und der Zentralstrahl 15–20°
Strahlenschutz anlegen. kaudal gerichtet werden.
55Objektbezogene Einblendung
jjLagerung des Patienten 55Aufnahme in Atemstillstand
Patient in Bauchlage oder besser am Raster- 55Seitenbezeichnung spiegelbildlich. Auf ­
wandstativ sitzend. Kinn liegt auf, die Nasen- der Aufnahme vermerken, ob sie am
spitze berührt die Tischunterlage oder die Sta- ­liegenden oder sitzenden Patienten ange-
tivwand. Der Mund ist weit offen und kann fertigt wurde.
mithilfe eines Korkens zwischen den Zähnen
202 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.8a–d  Schädel, okzipitonasal

a b

a,b Lagerung, R muss spiegelbildlich aufgelegt werden!

c d

c Richtig: ohne Überdeckung der Kieferhöhlen d Falsch: Der Kieferhöhlenboden wird von den Felsen­
beinen verschattet.

Tipp
Qualitätskriterien und ­
Bildmerkmale Zahnlose Patienten müssen besonders
55 Symmetrische Abbildung des Ge­ stark auf dem Kinn aufliegen und erhalten
sichtsschädels: seitengleiche Distanz einen hohen Korken zwischen Ober- und
zwischen lateralem Rand der Augen­ Unterkiefer geklemmt. Patienten mit kur­
höhle und äußerer Schädelkontur zem Kinn sollten das Kinn weniger aufle­
55 Die Pyramidenoberkanten projizieren gen als Patienten mit stark vorstehendem
18 sich unmittelbar unterhalb des Kiefer­ Kinn. Um eine symmetrische Aufnahme zu
höhlenbodens (. Abb. 18.8c), also in erzielen, darf man sich nicht nach der Nase
die obere Zahnreihe, sodass die Kiefer­ des Patienten richten (sie ist meistens
höhlen überlagerungsfrei zur Dar­ schief ), sondern sollte sich an den äußeren
stellung kommen (im Gegensatz zur Gehörgängen (mit den Fingern ertasten),
Fehleinstellung, . Abb. 18.8d). der Stirn oder den Jochbeinen orientieren.
Schädel
203 18
..Abb. 18.9a–c  Beurteilung der Nasennebenhöhlen

a b

a Aufnahme bei liegendem Patienten: homogene Ver­ b Aufnahme am sitzenden Patienten: Der Erguss zeigt
schattung der Nebenhöhlen durch den Erguss Spiegelbildung

c
1 Linea innominata
2 Jochbeinkörper ­
(Os zygomaticum)
3 Jochbogen ­
(Arcus zygomaticus)
4 Stirnhöhle (Sinus frontalis)
5 Augenhöhle (Orbita)
6 Nasenhöhle (Cavum nasi) ­
mit Siebbeinzellen (Cellulae
­ethmoidales)
7 Unterer Orbitarand (Margo
­infraorbitalis)
8 Orbitaboden
9 Kieferhöhle (Sinus maxillaris)
10 Zähne im Oberkiefer (Dentes
maxillaris)
11 Kieferköpfchen (Caput
­mandibulae)
12 Keilbeinhöhle (Sinus spheno­
idalis)
13 Unterkiefer (Mandibula)
14 Nasenscheidewand (Septum
c
nasi osseum)
204 S. Becht und S. Heyl

Zur Beurteilung der Nasennebenhöhlen wird die angefertigt werden. Ein Flüssigkeitsspiegel
Aufnahme (. Abb. 18.9c) immer am sitzenden stellt sich in der schräggestellten Kiefer- oder
Patienten vorgenommen, da nur bei parallel Stirnhöhle wieder horizontal ein.
einfallenden Röntgenstrahlen ein Flüssigkeits-
niveau als solches zur Darstellung kommt (Luft kkFehleinstellungen
über dem Sekretspiegel am Boden der Höhle; Projizieren sich die Felsenbeine in die Kiefer-
. Abb. 18.9b). Auf der Aufnahme in Bauchlage höhle, ist der Kopf zu wenig rekliniert. Projizie-
sammelt sich das Sekret im vorderen Ab- ren sich die Felsenbeine weit unterhalb der
schnitt  der Nebenhöhlenkammer an und die ­oberen Zahnreihe, ist der Kopf zu weit rekli-
Röntgenstrahlen treffen senkrecht auf das Flüs- niert (überkippte Aufnahme nach Tittering-
sigkeitsniveau, sodass kein Flüssigkeitsspiegel ton). Beachte: Nicht jede Fehleinstellung ist
erkennbar ist, sondern nur eine homogene Ver- eine Fehlaufnahme! Der Radiologe sollte jede
schattung (. Abb. 18.9a). Fehleinstellung auf ausreichenden Informa­
Eine einheitliche Technik (z. B. alle Neben- tionsgehalt prüfen, bevor die Aufnahme ver-
höhlen prinzipiell sitzend, alle sonstigen worfen und wiederholt wird.
­Schädelaufnahmen liegend anzufertigen), ist Da die Aufnahme zur Beurteilung der
hilfreich. Zur Unterscheidung eines Ergusses Nasen­nebenhöhlen angefertigt wird, ist auf eine
von einer Schleimhautschwellung kann eine symmetrische Darstellung des Gesichtsschädels
weitere Aufnahme mit gleicher Strahlen­ zu achten. Eine Verdrehung zur Seite verursacht
gangrichtung, aber mit Seitneigung des Kopfes eine scheinbare Verschattung der Siebbeinzellen.

18.2.7 Orbita, Vergleichs- oder Brillenaufnahme

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


55Fremdkörperlokalisation Wie bei okzipitonasaler Einstellung, aber Mund
55 Frakturen der vorderen Schädelgrube ­ bleibt geschlossen. In Bauchlage das Kinn leicht
(= frontobasale Frakturen und Orbita­ unterpolstern.
frakturen, z. B. Blow-out-Fraktur des Am sitzenden Patienten: Kinn und Nase am
­Orbitabodens) Rasterwandstativ anlegen, die Nase dabei stär-
55 Darstellung der Fissura orbitalis superior, ker belasten.
des großen und kleinen Keilbeinflügels und Fixierung des Patienten bei Bedarf.
der Siebbeinzellen sowie der Stirnhöhlen
jjZentrierung
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. 55Zentralstrahl: senkrecht auf einen Punkt 2
Querfinger oberhalb des Hinterhaupt­
kkAufnahmedaten höckers und auf Bildempfängermitte
7 Abschn. 18.2.1. 55Strahlengang: okzipitoorbital
55Seitenbezeichnung in Spiegelschrift
kkEinstelltechnik
18 jjVorbereitung des Patienten
Haarklammern und ggf. Schmuck entfernen,
Strahlenschutz anlegen.
Schädel
205 18
..Abb. 18.10  Orbita, Vergleichs- oder Brillenaufnahme

1 Stirnhöhle (Sinus frontalis)


2 Augenhöhle (Orbita)
3 Linea innominata
4 Orbitaboden
5 Kieferhöhle (Sinus maxillaris)
6 Felsenbein (Pars petrosa)

Tipp
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Überlagerungsfreie Darstellung der Bei Frakturen des Orbitadachs oder bei
Augenhöhlen Blow-out-(Orbitaboden-)Frakturen emp­
55 Die Felsenbeine projizieren sich in die fiehlt sich eine CT, die Röntgenaufnahme
Kieferhöhle. Der Orbitaboden und ­ des Gesichtsschädels als Spezialaufnahme
der Orbitarand (Margo infraorbitalis) nur nach gezielter fachärztlicher Anforde­
bilden eine Linie (. Abb. 18.10). rung, oder wenn kein CT verfügbar ist

18.2.8 Jochbogen, submentobregmatikal („Henkeltopfaufnahme“)

kkAnatomie kkEinstelltechnik
Der Jochbogen (Arcus zygomaticus) ist eine jjVorbereitung des Patienten
Brücke, die von den Knochenfortsätzen des Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent-
Schläfenbeins und des Jochbeins gebildet wird. fernen, Strahlenschutz anlegen.

kkIndikationen jjLagerung des Patienten


Frakturen des Jochbogens Der Patient liegt auf dem Rücken, Kissen unter
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. den Schultern, Kopf so weit wie möglich nach
hinten gestreckt. Bildempfänger wird hinter
kkAufnahmedaten dem Kopf aufgestellt, um 10–15° nach hinten
Streustrahlenraster Ohne geneigt und mit Keilkissen und Sandsäckchen
Belichtungsautomatik Ohne fixiert. Fixierung des Patienten bei Bedarf.
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) jjZentrierung
Fokus-Detektor-Abstand 70 cm 55Zentralstrahl: Der Zentralstrahl trifft am
Brennflecknennwert ≤1,3 Übergang vom Hals zum Mundboden auf
Aufnahmespannung 70 kV und zielt zum oberen Stirnbereich. Er zielt
Belichtungswert 10 mAs senkrecht auf den Bildempfänger. Der
­Neigungswinkel des Bildempfängers richtet
206 S. Becht und S. Heyl

sich nach dem Ausmaß der Reklination


des Kopfes. In jedem Fall muss der Zent-
ralstrahl senkrecht auf den Bildempfänger
treffen.
55Strahlengang: submentobregmatikal
55Aufnahme in Atemstillstand
55Seitenbezeichnung

Qualitätskriterien und Bildmerkmale ..Abb. 18.11  Jochbogen, submentobregmatikal


Die Aufnahme darf nicht zu hart sein, um („Henkeltopfaufnahme“)
die frei projizierten Jochbögen nicht zu 1 Jochbeinkörper (Os zygomaticum)
überstrahlen. Durch die Divergenz des
Strahlenbündels bei verkürztem Fokus-De­
Bildempfänger im unteren Drittel berührt. Die
tektor-Abstand projizieren sich die Jochbö­
Deutsche Horizontale verläuft parallel zur
gen außerhalb des Schädels (. Abb.
­Bildempfängerebene.
18.11).
Der Zentralstrahl zielt in einem Winkel von
45–50° zur Horizontalen von kaudal nach kra-
Die Vergleichsaufnahme der Jochbögen kann nial auf die Kinnspitze. Auch bei dieser Auf-
auch im Sitzen am Rasterwandstativ angefertigt nahme bewirkt der Fokus-Detektor-Abstand
werden: Der Patient sitzt mit dem Rücken am von 70 cm, dass sich die Jochbögen durch die
Stativ und beugt den Kopf weit nach hinten, Divergenz des Strahlenbündels außerhalb des
sodass der Scheitel den senkrecht stehenden Schädels frei projizieren.

18.2.9 Jochbogen, Aufnahme nach Zimmer durch ­


den geöffneten Mund

kkIndikationen bogenmitte und durch einen zweiten Punkt am


55Frakturen des Jochbogens Unterrand des Unterkiefers der gleichen Seite
in Höhe des Eckzahns verläuft. Der Bildemp-
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. fänger wird senkrecht zum Zentralstrahl aufge-
kkAufnahmedaten stellt und mit Keilkissen und Sandsäcken fixiert
(. Abb. 18.12a–c).
7 Abschn. 18.2.8.
Schaut man in Richtung des Zentralstrahls,
kkEinstelltechnik ergibt sich ein Bild wie in . Abb. 18.12d. Lässt
jjVorbereitung des Patienten man den Patienten den Mund öffnen, rückt der
Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent- Unterkiefer weg und gibt die Sicht auf den Joch-
fernen, Strahlenschutz anlegen. bogen frei (. Abb. 18.12e). Dem Patienten wird
dazu bei Bedarf ein Korken zwischen die Zähne
18 jjLagerung des Patienten geschoben. Um eine Überlagerung des Joch­
Patient liegt auf dem Untersuchungstisch in bogens durch den Unterkiefer zu vermeiden,
­Rückenlage, Arme am Körper entlang. Die lässt man den Patienten nicht nur den Mund
­Medianebene des Kopfes steht senkrecht zur öffnen, sondern den Unterkiefer durch einen
Tischebene. Das Kinn leicht nach vorne stre- sog. „Schrägbiss“ maximal zur anderen Seite
cken lassen. Die Röntgenröhre ist so zu schwen- hin verschieben.
ken, dass der Zentralstrahl durch die Joch­ Fixierung des Patienten bei Bedarf.
Schädel
207 18
jjZentrierung ..Abb. 18.12a–h  Jochbogen, Aufnahme nach Zim­
. Abb. 18.12f–h. mer durch den geöffneten Mund

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


(. Abb. 18.12i)
55 Überlagerungsfreie und übersichtliche
Projektion des Jochbogens
55 Die Strahlendivergenz bei verkürztem
Fokus-Detektor-Abstand bewirkt eine
Projektion des Jochbogens nach late­
ral (. Abb. 18.12a–h).

a
Tipp

Die Einstellung für die isolierte Jochbo­


genaufnahme lässt sich vereinfachen, in­
dem der Kopf mit angehobenem Kinn ge­
rade liegen bleibt, der Bildempfänger hin­
ter dem Scheitel wie zur Jochbogenver­
gleichsaufnahme aufgestellt und 10–15°
nach hinten gekippt wird. Die Röhre wird
aus der Medianebene um einige Zentime­ b
ter zu der zu untersuchenden Jochbogen­
seite verschoben und um ca. 5° nach late­
ral gekippt, sodass der Zentralstrahl senk­
recht auf die Mitte des Jochbogens und
die Mitte des exzentrisch hinter dem Kopf
aufgestellten Bildempfängers trifft. Der
Fokus-Detektor-Abstand beträgt 70 cm.

Tipp

c
Bei Kleinkindern sind die Jochbögen noch
nicht so prominent. Es empfiehlt sich, zu­ a–c Grundeinstellung bei geschlossenem Mund
nächst eine Gesichtsschädelaufnahme im
okzipitonasalen Strahlengang (7 Ab­
schn. 18.2.6) durchzuführen, auf der die
Jochbögen meist gut beurteilbar sind.
208 S. Becht und S. Heyl

d e

d Bei geschlossenem Mund ist der Jochbogen groß­ e Bei Öffnung des Munds, aber gleichbleibender Lage
teils überdeckt des übrigen Schädels, wird der Jochbogen vollständig
frei projiziert

i
1 Vorderer Joch­
bogenansatz

g
i

18

f–h Nach der Grundeinstellung soll der Patient, ohne


h
Bewegung des übrigen Schädels, den Mund öffnen
Schädel
209 18

18.2.10 Schädel, axial, mit hängendem Kopf, im Liegen

Tipp kkEinstelltechnik
jjVorbereitung des Patienten
Die CT liefert mit der axialen Schnittebene Haarklammern, Schmuck, Zahnersatz, Knöpfe
Aufnahmen der Schädelbasis, sodass sie entfernen, Kleider weit öffnen, Strahlenschutz
die konventionelle Schädelbasisaufnahme anlegen.
ersetzen kann. Bei Schwerverletzten ist die
konventionelle Aufnahme kontraindiziert, jjLagerung des Patienten
da sie den Patienten gefährdet, selten eine Patient in Rückenlage auf dem Rastertisch,
zusätzliche Information bringt und eine Arme entlang des Körpers. Der Kopf muss so
unnötige Strahlenbelastung bedeutet weit nach hinten hinunterhängen, dass er mit
dem Scheitel auf dem darunter liegenden Bild­
empfänger aufliegt, wobei die Schädelbasis
kkIndikationen (Deutsche Horizontale) parallel zum Bild­
55Frakturen der Schädelbasis empfänger liegt. Der Bildempfänger wird, z. B.
55Patienten, die nicht sitzen können oder mittels Holzbrettern, auf die entsprechende
­Patienten mit schmerzhaften Trigeminus- Höhe eingestellt (. Abb. 18.13a).
neuralgien Dieses Hintenüberhängen des Kopfes ist
schon für den Gesunden unangenehm. Bei
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. Schwerverletzten mit Schädelbasisbrüchen ist
die Untersuchung kontraindiziert. Bei Patien-
kkAufnahmedaten ten mit Trigeminusneuralgien, die zu den
Streustrahlenraster Mindestens 60l/cm schmerzhaftesten Affektionen gehören, ist eine
Belichtungsautomatik Mittlere Messkammer besonders umsichtige Vorbereitung nötig.
Objektbezogene Einblendung Der Patient wird über den oberen Tisch-
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital) rand gezogen, wobei sein Kopf aber in der
Fokus-Detektor-Abstand 100 cm bzw. 115 cm ­Tischebene gehalten wird, um dann ganz lang-
Brennflecknennwert ≤1,3 sam nach hinten unten gesenkt zu werden, bis
Aufnahmespannung 75–85 kV der Schädel vollständig hängt und sich die
Belichtungswert 16 mAs bzw. <100 mAs Schädelbasis (Deutsche Horizontale) ungefähr
in die Horizontalebene einstellt.

a b

..Abb. 18.13a,b  Schädel, axial, mit hängendem Kopf, im Liegen


210 S. Becht und S. Heyl

In dieser Einstellung erreicht der Scheitel jjZentrierung


seinen tiefsten Punkt, der Bildempfänger wird 55Zentralstrahl: auf Mundboden- und Bild­
mittels mobiler Bildempfängerhalterung oder empfängermitte
sonstiger geeigneter Unterbauung bis auf diese 55Strahlengang: axial, submentobregmatikal,
Höhe gehoben. Der Kopf des Patienten wird, in d. h. vom Kinn zum Scheitel
den Händen ruhend, sofort wieder nach oben 55Objektbezogene Einblendung, Seitenbe-
bewegt. Jetzt werden am Apparat alle Belich- zeichnung
tungsdaten eingestellt und die Röhre in die
richtige Zentrierung gebracht.
Qualitätskriterien und ­
Erst kurz vor der Aufnahme wird der Kopf
Bildmerkmale
nach hinten hängend mit dem Schädeldach auf
55 Symmetrische Darstellung der
den Bildempfänger gelegt. Nach erfolgter Ex-
­Schädelbasis
position wird der Kopf des Patienten sofort
55 Das Kinn projiziert sich auf die Stirn­
wieder in eine bequemere Lage gebracht.
höhle.
Bei Patienten mit starken Schmerzen ge-
55 Die Kieferköpfchen sind beidseits
lingt es oft nicht, den Kopf so tief zu lagern.
gleich weit von Schädelkalotte ent­
Nach einer Probe, die Auskunft gibt, wie tief
fernt.
der Patient den Kopf hängen lassen kann, plat-
55 Foramen ovale und spinosum müssen
ziert man den Bildempfänger in der Halterung
sichtbar und die Felsenbeine gut beur­
bzw. mittels der Unterbauung (. Abb. 18.13b)
teilbar sein.
und in seiner Neigung gerade so, dass er zur
Schädelbasis weitgehend parallel verläuft. Der
Zentralstrahl wird entsprechend eingestellt.

18.2.11 Schädel, axial, submentobregmatikal


­(Schädelbasisaufnahme)

kkAnatomie kkIndikationen
Die Schädelbasis besteht aus 3 muldenförmigen 55Frakturen (nicht für Akutdiagnostik geeig-
Abschnitten: der vorderen Schädelgrube, unter net!) der Schädelbasis
der die Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales) an-
geordnet sind; der mittleren Schädelgrube, die 7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission.
in ihrem zentralen Abschnitt den Türkensattel
(Sella turcica) enthält. Darunter liegt die Keil- kkAufnahmedaten
beinhöhle (Sinus sphenoidalis). Lateral davon 7 Abschn. 18.2.10.
befinden sich 2 Löcher, Foramen ovale für den
N. mandibularis (V3) und Foramen spinosum kkEinstelltechnik
für die A. meningea media. Die Grenze zur hin- jjVorbereitung des Patienten
teren Schädelgrube bildet das Felsenbein. In Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent-
18 der hinteren Schädelgrube – aus dem Hinter- fernen, Kragen öffnen, Strahlenschutz anlegen.
haupt (Occiput) bestehend – befindet sich das
große Schädelloch (Foramen occipitale mag- jjLagerung des Patienten
num, . Abb. 18.14a,b). Patient sitzt aufrecht am Rasterwandstativ.
Arme hängen lassen, Kopf so weit nach hinten
neigen, dass die Deutsche Horizontale (unterer
Orbitarand – äußerer Gehörgang) parallel zur
Schädel
211 18
Bildempfängerebene verläuft. Patient lehnt sich
mit dem Vertex (dem höchsten Punkt des Schä- Qualitätskriterien und Bildmerkmale
deldachs) auf den Bildempfänger bzw. an das 55 Symmetrische Darstellung der
Rasterwandstativ. Einstellhilfe: Die Nasenspitze ­Schädelbasis
wirft ihren Schatten auf den Bildempfänger. 55 Das Kinn projiziert sich auf die Stirn­
Auf eine symmetrische Schädeleinstellung höhle.
muss geachtet werden (. Abb. 18.15a). 55 Die Kieferköpfchen sind beidseits
Gegebenenfalls kann der Patient mit Pelot- gleich weit von Schädelkalotte ent­
ten auf beiden Seiten fixiert werden. fernt.
55 Foramen ovale und spinosum müssen
jjZentrierung sichtbar und die Felsenbeine gut beur­
55Zentralstrahl: senkrecht auf das Zentrum teilbar sein (. Abb. 18.15b).
des Mundbodens und auf Bildempfänger-
mitte
55Strahlengang: horizontal axial, submentob- Tipp
regmatikal, also vom Mundboden zum
Scheitel Wenn der Patient den Kopf nicht so weit
55Einblendung nicht zu eng nach hinten fallenlassen kann, dass sich
55Der Patient sollte durch die Nase atmen, die Deutsche Horizontale parallel zum
um die Weichteile des Nasopharynx dar- Bild­empfänger befindet, wird die Rönt­
zustellen. genröhre fußwärts verschoben und der
55Seitenbezeichnung

..Abb. 18.14a,b Schädelbasis

a Anatomie
212 S. Becht und S. Heyl

1 2 3 4

b 12 Porus acusticus internus


1 Chiasma opticum im Sulcus chiasmatis 13 Foramen jugulare, Sinus sigmoideus und Sinus
2 Canalis opticus (Durchgang für N. opticus, ­ ­petrosus inferior (Durchgang für V. jugularis interna)
A. ophthalmica) 14 Öffnung des Canalis condylaris zum Sinus
3 Kleiner Keilbeinflügel (Ala minor) ­sigmoideus (beidseits)
4 Mittlere Schädelgrube (Fossa cranii media) 15 Clivus
5 Foramen rotundum (Durchgang für N. maxillaris) 16 Großes Hinterhauptloch (Foramen occipitale
6 Dorsum sellae mit seitlichem Vorsprung ­magnum)
7 A. carotis interna, dorsal mit Foramen lacerum (Aus­ 17 Condylus occipitalis
tritt der A. carotis) 18 Varietät
8 Foramen ovale (Durchgang für N. mandibularis) 19 Processus clinoideus posterior, der in eine Sella­
9 Foramen spinosum (Durchgang für A. meningea, ­ brücke übergeht
R. meningeus) 20 Fissura orbitalis superior, V. ophthalmica superior
10 Felsenbeinspitze 21 Processus clinoideus anterior
11 Oberkante der Pyramide mit Sulcus sinus petrosi 22 Vordere Schädelgrube (Fossa cranii anterior)
superior

Die Kopfhaltung für die axiale Schädelbasisauf-


Strahlengang kaudokranial gerichtet. Da nahme auf . Abb. 18.15c ist falsch: Der Kopf
der Zentralstrahl schräg von unten nach hängt nicht genügend nach hinten; der Patient
oben zielt, muss der Bildempfänger in der sitzt nicht aufrecht, sondern schräg nach hinten
Rasterlade nach oben über die Stirn hin­ geneigt und gleitet deshalb mit dem Gesäß zu
18 aus eingelegt werden. weit nach vorne. Die gestrichelten Linien geben
an, wie in einem solchen Fall zentriert werden
muss. Zentralstrahl immer senkrecht zur Deut-
>>Achtung: Die Schädelbasisaufnahme ­ist schen Horizontalen!
nicht für die Akutdiagnostik von Schädel-
Hirn-Verletzten geeignet. Die Reklination
kann den Patienten gefährden!
Schädel
213 18
..Abb. 18.15a–c  Schädel, axial, submentobregmatikal (Schädelbasisaufnahme)

a c

a Ansicht von der Seite her: Patient sitzt aufrecht c Falsche Kopfhaltung
­gerade, nur der Kopf hängt stark nach hinten über

b
1 Kinn (Mentum)
2 Kieferhöhle (Sinus maxillaris)
3 Siebbeinzellen/Nasenhaupthöhle
4 Keilbeinhöhle (Sinus
­sphenoidalis)
5 Foramen ovale, für N. mandibu­
laris (V3)
6 Foramen spinosum, für ­
A. meningea media
7 Äußerer Gehörgang (Meatus
acusticus externus)
8 Vorderer Atlasbogen
9 Felsenbeinpyramide (Pyramis)
10 Dens axis (C2)

Bei gleicher Einstellung und geringerer Be- zustellen, verkürzt man den Fokus-Detektor-
lichtung erzielt man eine Vergleichsaufnahme Abstand auf ca. 70 cm. Hierbei wird die Strah-
der Jochbögen, die sich bei symmetrischer lendivergenz dazu genutzt, die Jochbögen frei
Schädeleinstellung lateral der Schädelwand
­ zu projizieren. Dosisverringerung beachten!
darstellen. Um die Jochbögen noch besser dar-
214 S. Becht und S. Heyl

18.2.12 Schädel, überkippt axial, Aufnahme nach Welin, im Sitzen

kkIndikationen
55Entzündliche und tumoröse Erkrankungen Qualitätskriterien und Bildmerkmale
der Nasennebenhöhlen, v. a. der Stirn­ 55 Zahnreihen und Kinn projizieren sich
höhle und der Siebbeinzellen vor das Stirnbein.
55Tumoren der Schädelbasis 55 Stirnhöhle und Ethmoidalzellen wer­
den so überlagerungsfrei dargestellt
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. (. Abb. 18.16b).

kkAufnahmedaten
7 Abschn. 18.2.10. Tipp

kkEinstelltechnik Da die Patienten den Kopf meist nicht ge­


jjVorbereitung des Patienten nügend nach hinten neigen können, wird
Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent- die Röntgenröhre fußwärts verschoben
fernen, Kragen weit öffnen, Strahlenschutz an- und nach kranial gekippt, sodass der Zent­
legen. ralstrahl schräg von unten auf die Mitte
der Schädelbasis zielt.
jjLagerung des Patienten
Patient sitzt aufrecht am Rasterwandstativ
(Stuhl mit niedriger Lehne, auf der sich der Pa- ..Abb. 18.16a,b  Schädel, überkippt axial, Aufnahme
tient abstützen kann). Kopf so weit wie möglich nach Welin, im Sitzen
nach hinten neigen, sodass das Kinn maximal
weit nach oben ragt. Auf symmetrische Einstel-
lung achten. Das Kinn soll sich beim Blick von
der Röhre her vor das Stirnbein projizieren,
d. h. mit dem Lichtvisier wirft das Kinn seinen
Schatten auf den Bildempfänger. Bildempfän-
ger, ggf. mit Raster, weit nach oben schieben
(. Abb. 18.16a).

jjZentrierung
55Zentralstrahl: senkrecht auf Mundboden-
und Bildempfängermitte
55Strahlengang: horizontal axial, submentob-
regmatikofrontal, d. h. vom Kinn zum
Scheitel
55Objektbezogene Einblendung
55Seitenbezeichnung
18 a

a Lagerung
Schädel
215 18
a

b
1 Kinn (Mentum)
2 Stirnhöhle (Sinus frontalis)
3 Zähne des Ober- und Unterkiefers
4 Lamina perpendicularis, Vomer
5 Siebbein (Os ethmoidale)
6 Molaren
7 Jochbogen (Arcus zygomaticus)
8 Seitliche Schädelwand
9 Kieferast (R. mandibulae)
10 Keilbeinhöhle (Sinus
­sphenoidalis)
11 Kieferköpfchen (Caput
­mandibulae/Processus condylaris)
12 Vorderer Atlasbogen (Arcus
­anterior)
13 Dens axis
14 Warzenfortsatz (Processus
b
­mastoideus)

18.2.13 Felsenbein, Aufnahme nach Stenvers

kkAnatomie chernes und ein häutiges Labyrinth unterteilt,


Das Felsenbein (Pars petrosa, Pyramis) ist ein wobei das häutige Labyrinth vom knöchernen
Teil des Schläfenbeins (Os temporale) und hat Labyrinth umschlossen ist. Das knöcherne
seinen Namen daher, dass es hart wie Stein ­Labyrinth besteht aus: innerem Gehörgang
­(Petrus = Fels) sein kann. Die V-förmige Fel- (Meatus acusticus internus), Vorhof (= Mittel-
senbeinpyramide (Pyramis) bildet die Grenze stück des Labyrinths; Vestibulum), knöchernen
zwischen mittlerer und hinterer Schädelgrube. Bogengängen (Canales semicirculares ossei)
Die Pyramidenspitze (Apex partis petrosae) ist und knöcherner Schnecke (Cochlea). Zum In-
in einem Winkel von 45° zur Medianebene auf nenohr zieht durch den inneren Gehörgang
den Hypophysensattel (Sella turcica) gerichtet (Meatus acusticus internus) der VIII. Hirnnerv
(. Abb. 18.17a,b). (N. vestibulocochlearis oder N. statoacusticus)
Im Inneren der Felsenbeinpyramide befin- für das Gleichgewichts- und Hörorgan. Durch
den sich 2 funktionell eine Einheit bildende das Felsenbein zieht auch der Fazialiskanal für
Sinnesorgane: das Hör- und das statische ­Organ den N. facialis.
(= statoakustisches Sinnesorgan). Das stato- An das Felsenbein schließt sich ein nach
akustische Sinnesorgan umfasst das äußere Ohr kaudal gerichteter warzenartiger Fortsatz, der
mit Trommelfell, das Mittelohr mit Pauken- sog. Warzenfortsatz (Processus mastoideus) an.
höhle und Gehörknöchelchen (Hammer, Am- Er befindet sich hinter dem Ohr und enthält in
boss und Steigbügel) und das Innenohr oder der Regel kleine, mit Luft gefüllte Hohlräume.
Labyrinth. Die Gehörknöchelchen verbinden Die Felsenbeinpyramide mit Warzenfort-
das Trommelfell mit der Labyrinthwand der satz kann röntgenologisch in verschiedenen
Paukenhöhle. Das Labyrinth wird in ein knö- Projektionen aufgenommen werden. Man er-
216 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.17a,b Felsenbein

a
a Anatomie des Felsenbeins

18

b Felsenbeinpyramide in Stenvers-Position und Ansicht der Hinterfläche


Schädel
217 18
hält so, je nach Fragestellung, eine Ansicht von für die Aufnahme die Medianebene des Kopfes
hinten, von vorne, von oben oder von der ebenfalls in einen Winkel von 45° gebracht
­Felsenbeinspitze zur Felsenbeinbasis. Hierbei ­werden, damit die Felsenbeinachse parallel zur
handelt es sich um einseitige Darstellungen des Bildempfängerebene verläuft. Dies geschieht
Felsenbeins. Es sollten aber zu Vergleichs­ folgendermaßen: Zunächst werden Stirn und
zwecken immer Aufnahmen beider Seiten an- Nase aufgelegt, dann erfolgt die Kopfdrehung
gefertigt werden. um 45°, sodass die Sagittalebene mit dem Bild­
empfänger einen Winkel von 45° bildet und die
kkIndikationen zu untersuchende Seite plattenparallel liegt.
55Hör- und Gleichgewichtsstörungen Um diese 45°-Stellung beizubehalten, legt
55Frakturen der Pyramide man ein 45°-Keilkissen aus Schaumgummi un-
55Entzündliche Erkrankungen des Warzen- ter die aufzunehmende Seite. Das Kinn ganz
fortsatzes wenig anziehen lassen.
55Fehl- und Missbildungen des Innenohrs Fixierung des Patienten bei Bedarf.

Heute wird meist eine Schnittbilddarstellung jjZentrierung


angewandt (CT, für das Innenohr und Tumoren 55Zentralstrahl: 12° kaudokranial auf den
auch MRT). Weil aber diese nicht in allen Fällen Hinterhauptknochen und zwar 2–3 Quer-
verfügbar ist, werden die konventionellen finger hinter dem detektorfernen Ohr
Untersuchungen des Schläfenbeins hier im
­ ­einfallend, auf die Mitte einer gedachten
­Folgenden noch dargestellt. 7 Richtlinien der
Strahlenschutzkommission.
..Abb. 18.18a–c  Felsenbein, Aufnahme nach
kkAufnahmedaten ­Stenvers

Streustrahlenraster r8 (12)
Belichtungsautomatik Mittleres Messfeld
Objektbezogene Einblendung
Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
Fokus-Detektor-Abstand 115 cm
Brennflecknennwert ≤1,3
Aufnahmespannung 70–80 kV
Belichtungswert <100 mAs

a
kkEinstelltechnik
jjVorbereitung des Patienten
Haarklammern, Schmuck, Knöpfe und Zahn-
ersatz entfernen, Kragen öffnen, Strahlenschutz
anlegen.

jjLagerung des Patienten


Patient in Bauchlage auf dem Rastertisch, wo-
bei besonders darauf zu achten ist, dass die
Wirbelsäulenachse geradlinig verläuft. Hals-
wirbelsäule nicht beugen! Arme an den Körper
legen (. Abb. 18.18a,b). b
Da das Felsenbein zur Medianebene des
Schädels in einem Winkel von 45° liegt, muss a,b Lagerung
218 S. Becht und S. Heyl
b

c
1 Felsenbeinspitze
2 Innerer Gehörgang (Meatus
acusticus internus)
3 Vorhof (Vestibulum)
4 Eminentia arcuata
5 Oberer Bogengang
6 Horizontaler Bogengang
7 Schnecke (Cochlea)
8 Crista occipitalis interna
9 Kieferköpfchen (Caput
mandibulae)
10 Dens axis

Verbindungslinie zwischen äußerem


­Augenrand und äußerem Gehörgang der
aufzunehmenden Seite zielend und auf
­Bildempfängermitte
55Strahlengang: schräg, kaudokranial
55Aufnahme in Atemstillstand
55Seitenbezeichnung spiegelbildlich

Qualitätskriterien und Bildmerkmale


55 Die Felsenbeinpyramide stellt sich in
gesamter Länge von der Spitze bis
zum Warzenfortsatz dar.
..Abb. 18.19  Felsenbein, Aufnahme nach Stenvers:
55 Die Crista occipitalis interna projiziert
Fehleinstellung
sich direkt lateral des horizontalen
­Bogengangs.
55 Der Warzenfortsatz ist randständig.
55 Innerer Gehörgang, Bogengänge,
­Vestibulum und Schnecke sind erkenn­
bar (. Abb. 18.18c).
..Abb. 18.20a–j  Felsenbein, Aufnahme nach
­Stenvers: Fehlprojektionen und Fehleinstellungen
Tipp (C.o.i. = Crista occipitalis interna)
a,b Fehlprojektionen durch falsche Winkeleinstellung
c Stenvers-Normaleinstellung: Zentralstrahl 12° kaudo­
Fehlhaltungen (. Abb. 18.20): Die Median­
kranial kippen. Die Crista occipitalis interna projiziert
ebene des Kopfes liegt nicht im 45°-Winkel sich zwischen Mastoidzellen und horizontalem Bogen­
18 zur Tischebene. Fehlaufnahmen entstehen gang
unweigerlich, wenn Brust- und Halswirbel­ d,e Fehlprojektionen durch falsche Winkeleinstellung
säule nicht in einer Achse liegen, d. h. (aus Brusis u. Mödder 1984)
f,g Fehleinstellungen durch falsche Kopfdrehung
­sobald der Kopf etwas nach der Seite
h Stenvers-Normaleinstellung: Drehung des Kopfes
­geschwenkt wird. Fehlprojektionen: ­ um 45°. Die Crista occipitalis interna projiziert sich
. Abb. 18.20a–j. zwischen Mastoidzellen und Labyrinth
i,j Fehleinstellungen durch falsche Kopfdrehung
Schädel
219 18

a b

c d

e f

g h

i j

..Abb. 18.20a–j
220 S. Becht und S. Heyl

kkEinstelltechnik bei Darstellung des des Zentralstrahls 25° anstelle der üblichen 12°
­Warzenfortsatzes in Stenvers-Projektion beträgt.
Auf einer Stenvers-Aufnahme stellt sich der . Abb. 18.20a–c verdeutlichen die ver­
Warzenfortsatz (Processus mastoideus) gut dar änderte Darstellung des Innenohrs und der
und kann durch die digitale Bildverarbeitung ­Pyramidenspitze bei geändertem Einfallwinkel
mit beurteilt werden. Die Aufnahme nach des Zentralstrahls. Bei der korrekten Stenvers-
­Sonnenkalb, bei der Stirn und Nase fest dem Aufnahme projiziert sich die Crista occipitalis
Bildempfänger aufliegen und der Zentralstrahl interna (C.o.i.) zwischen Mastoidzellen und
auf den detektornahen Warzenfortsatz zielt, ist horizontalem Bogengang.
damit für die Beurteilung des Warzenfortsatzes . Abb. 18.20d–j verdeutlichen die von der
überflüssig. korrekten Aufnahme abweichende Projektion
Auch Felsenbeinaufnahmen, die technisch der Crista occipitalis interna (C.o.i.) bei unter-
nicht einwandfrei sind, können unter Umstän- schiedlicher Drehung des Kopfes.
den diagnostische Bedeutung haben, da „atypi- Die computertomographischen axialen
sche Aufnahmen“ eine bestimmte Region Schnitt­bilder des Schädels verdeutlichen die von
manchmal besser darstellen oder zumindest der Schädelform abhängige Lage der Felsen­
noch aussagekräftig genug sind. Diese „Fehl- beine. Je schlanker der Schädel, desto spitzer ist
aufnahmen“ sollen also immer einem Arzt vor- der Winkel, den die Felsenbeine miteinander
gelegt werden. bilden. Es empfiehlt sich daher, bei einem sehr
Eine „Stenvers-Variante“ stellt die Auf­nahme schmalen Kopf die Kopfdrehung um mehr als
nach Wullstein dar. Es handelt sich um eine 45° (>60°) und bei einem runden Schädel eine
­steile Stenvers-Aufnahme, bei der der Winkel Kopfdrehung von weniger als 45° vorzunehmen.

18.2.14 Felsenbein, Aufnahme nach Mayer

kkAnatomie Diese Einstellung ist praktisch vollständig


Bei dieser Aufnahme stellt sich das Felsenbein durch Schnittbildverfahren verdrängt.
in seiner Aufsicht dar: Die Längsachse der
Felsenbeinpyramide liegt bei Drehung des
­ kkAufnahmedaten
Schädels um 45° in der Senkrechten. Bei dieser 7 Abschn. 18.2.13.
Schädellage stellt sich der Außenrand der
Augenhöhle auf der gegenüberliegenden
­ kkEinstelltechnik
­Schädelseite an höchster Stelle ein. Der Warzen­ jjVorbereitung des Patienten
fortsatz der aufzunehmenden Seite liegt auf Haarklammern, Schmuck und Zahnersatz ent-
dem Bildempfänger. Die Felsenbeinpyramide fernen. Kragen öffnen, Strahlenschutz anlegen.
zielt damit direkt zum lateralen Augenrand der
anderen Seite (. Abb. 18.21). jjLagerung des Patienten
Patient in Rückenlage auf dem Rastertisch.
kkIndikationen Arme an den Körper legen. Kopf um 45° nach
18 55Entzündliche Erkrankungen des Warzen- der zu untersuchenden Seite drehen und mit
fortsatzes und der Paukenhöhle (z. B. einem 45°-Keilkissen unterstützen. Kinn kräftig
­Cholesteatom nach Mittelohreiterung) an den Hals anziehen lassen (. Abb. 18.22a,b).
55Störungen im Hör- und Gleichgewichts­ Fixierung des Patienten bei Bedarf ­(. Abb.
apparat 18.22a,c).
Schädel
221 18
jjZentrierung 55Aufnahme in Atemstillstand
55Zentralstrahl: 40° kraniokaudal (fußwärts) 55Einblendung beachten
auf einen Punkt 3 Querfinger oberhalb ­ 55Seitenbezeichnung
des detektorfernen lateralen Orbitarands
auf den Stirnhöcker, auf detektornahen
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
Warzenfortsatz und Bildempfängermitte
55 Lang gestreckte Darstellung der Pyra­
zielend.
midenoberkante senkrecht von oben,
55Bildempfänger ggf. exzentrisch fußwärts in
durch Warzenfortsatzzellen überlagert
die Rasterlade einlegen. Um eine Fehl­
55 Am Rand erkennt man die Pauken­
belichtung, v. a. eine Unterbelichtung zu
höhle (Cavum tympani) in Projektion
vermeiden, wird am Ende der Zentrierung
auf den äußeren Gehörgang ­
der Fokus-Detektor-Abstand von 115 cm
(. Abb. 18.22d).
nochmals kontrolliert!
55Strahlengang: schräg von oben einfallend,
kraniokaudal
Tipp

Kommt der Gehörgang nicht überlage­


rungsfrei zur Darstellung, muss die Nasen­
spitze etwas mehr zum Bildempfänger ge­
dreht werden. Bei verkürzter Darstellung
der Pyramide lässt man das Kinn stärker
an den Hals anziehen.

..Abb. 18.21a,b  Anatomie des Felsenbeins, Aufnahme nach Mayer


222 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.22a–d  Felsenbein, Aufnahme nach Mayer

b
b

a–c Lagerung

c
c

d
1 Sutura occipitomastoidea
2 Warzenfortsatz (Processus
mastoideus)
3 Bereich des inneren Gehör­
gangs
4 Jochbogenansatz
5 Antrum mastoideum
6 Pyramidenhinterkante
7 Felsenbeinpyramide ­(Pyramis)
8 Hinterhauptloch
9 Bereich des äußeren Gehör­
gangs
18 10 Kieferköpfchen (Caput
­mandibulae)
11 Pyramidenspitze (Foramen
d magnum)
d 12 Hinterer Atlasbogen
Schädel
223 18

18.2.15 Felsenbein- und Warzenfortsatz, Kiefergelenk, Aufnahme


nach Schüller

kkAnatomie kkEinstelltechnik
Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandi- jjVorbereitung des Patienten
bularis) wird aus dem Köpfchen (Caput mandi- Haarklammern, Schmuck, Zahnersatz und
bularis) des Gelenkfortsatzes (Processus con- Knöpfe entfernen, Kragen öffnen, Strahlen-
dylaris) des Unterkiefers und der Gelenkpfanne schutz anlegen.
(Fossa mandibularis) sowie dem Gelenkhöcker
(Tuberculum articulare) des Schläfenbeins jjLagerung des Patienten
­gebildet. Zwischen Gelenkpfanne und Kiefer- Der Patient sitzt seitlich am Rasterwandstativ
köpfchen liegt die aus Faserknorpel bestehende oder liegt in Bauchlage auf dem Rastertisch,
Knorpelscheibe (Discus articularis). Das Kie- die Wange am Rasterwandstativ bzw. auf
fergelenk befindet sich unmittelbar vor dem dem ­Untersuchungstisch. Das darzustellende
äußeren Gehörgang und ist von diesem nur Schläfenbein befindet sich detektornah. Die
durch eine dünne knöcherne Wand getrennt dem Hinterkopf zugewandte Schulter liegt
(. Abb. 18.23). fest auf dem Tisch bzw. am Stativ, die andere
wird ­mittels Keilkissen so angehoben, dass
kkIndikationen sich die Medianebene des Schädels parallel
55Zur Beurteilung der Ausdehnung und Be- zur Tischebene befindet. Das Kinn mit Keil­
schaffenheit des pneumatisierten Warzen- kissen etwas anheben, damit auch die Längs-
fortsatzes achse des Gesichtsschädels parallel zur Tisch-
55Entzündliche Erkrankungen des Mittel- ebene zu liegen kommt. Die Ohrmuschel, auf
und Innenohrs sowie des Warzenfortsatzes der der Patient liegt, wird nach vorne um­
(Mastoid), Mastoiditis, Cholesteatom geklappt, da sie sonst störende Schatten im
(knöcherne Destruktion bei chronischer Mastoidzellsystem ver­ursacht. Zum Schluss
Mittelohreiterung) und entzündliche Er- wird der Mund weit g­ eöffnet (Korken zwischen
krankungen des Kiefergelenks die Zähne), damit die Pyramidenspitze vom
Gelenkfortsatz ­des Unterkiefers nicht überla-
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. gert wird (­ . Abb. 18.24a).
Fixierung des Patienten bei Bedarf.
kkAufnahmedaten
7 Abschn. 18.2.13.

..Abb. 18.23  Anatomie des


Kiefergelenks
224 S. Becht und S. Heyl

..Abb. 18.24a,b  Felsenbein- und Warzenfortsatz, Kiefergelenk, Aufnahme nach Schüller

a Lagerung

b
1 Kieferköpfchen (Caput mandi­
bulae)
2 Gleitlager des Kieferköpfchens
(Tuberculum articulare)
18 3 Kiefergelenkpfanne (Fossa
mandibulae)
4 Äußerer und innerer
Gehörgang (Meatus acusticus
externus und internus)
5 Mastoidzellen (Cellulae mastoi­
b
deae)
Schädel
225 18
jjZentrierung
55Zentralstrahl: Auf einen Punkt, der ­
4 Querfinger oberhalb des äußeren Gehör-
gangs der Gegenseite liegt und auf die
­Bildempfängermitte zielt. Bildempfänger
ggf. mit Raster ggf. exzentrisch (fußwärts)
einlegen. Bei Belichtungsautomatik Raster-
lade Bildempfänger fußwärts verschieben,
damit das Messfeld im Zentralstrahl liegt.
55Strahlengang: 25–30° kraniokaudal
55Nach beendeter Einstellung Fokus-Detek-
tor-Abstand (115 cm) nochmals kontrol-
lieren!
55Aufnahme in Atemstillstand
55Seitenbezeichnung

Qualitätskriterien und Bildmerkmale ..Abb. 18.25  Aufnahme Runström II bei geschlosse­


nem Mund
55 Übersichtliche Darstellung der
­Warzenfortsatz-(Mastoid-)Zellen
55 Äußerer und innerer Gehörgang
tralstrahl in einem Winkel von 35° ein. ­Diese
­projizieren sich ineinander.
Aufnahmetechnik wird zur Darstellung des
55 Keine Verschattung der pneumati­
Kiefergelenkes herangezogen (. Abb. 18.25):
schen Zellen durch den Ohrknorpel
Die Ohrmuschel, im Gegensatz zur Aufnahme
55 Das Kiefergelenk und das Dach des
des Felsenbeins nach Schüller nicht umklap-
­äußeren Gehörgangs liegen in einer
pen. Bei Frakturen nicht zu sehr einblenden,
Ebene.
um Frakturlinien in der Schläfenbeinschuppe
55 Die Pyramidenspitze ist abgrenzbar
(laterobasale Schädelfrakturen) zu erfassen.
(. Abb. 18.24b).

Tipp

kkVarianten der Felsenbeineinstellung Funktionsaufnahmen der Kiefergelenke


nach Schüller ­werden mit offenem und geschlossenem
Bei der sog. „flachen“ Schüller-Aufnahme, auch Mund angefertigt. Zahnprothesen nicht
bekannt als Runström-I-Aufnahme, fällt der herausnehmen lassen, um eine physiolo­
Zentralstrahl in kraniokaudaler Richtung nur gische Okklusion zu gewährleisten. Zu
in einem Winkel von 15° statt von 25–30° ein. Vergleichszwecken immer Aufnahmen
Die Oberkante des Felsenbeins überdeckt dabei beider Seiten durchführen. Als weiter­
die Kiefergelenkpfanne. Die Pyramidenspitze führende Untersuchung kommen die CT,
wird vom Kieferköpfchen überlagert. die MRT, aber auch die Kiefergelenkarthro­
Bei der „steilen“ Schüller-Aufnahme, be- graphie zur Anwendung.
kannt als Runström-II-Aufnahme, fällt der Zen-
226 S. Becht und S. Heyl

18.2.16 Felsenbein, Aufnahme nach Chaussé III

kkAnatomie kopf liegt dem Stativ oder dem Tisch auf. Der
. Abb. 18.26. Kopf wird um 15° zur gesunden Seite gedreht.
Das Kinn etwas anziehen lassen, damit die
kkIndikationen Deutsche Horizontale senkrecht zur Bildemp-
55Entzündliche Erkrankungen mit knöcher- fängerebene verläuft (. Abb. 18.27).
ner Beteiligung des Mittel- und Innenohrs Den Bildempfänger exzentrisch in die Ras-
(z. B. Cholesteatom = knöcherne terlade einlegen und weit fußwärts verschieben.
Destruktion bei chronischer Bei Belichtungsautomatik die Rasterlade mit
Mittelohreiterung) dem Bildempfänger fußwärts verschieben, da-
55Labyrinthfisteln im horizontalen Bogen- mit der Zentralstrahl auf die Messkammer
gang trifft.
Fixierung des Patienten bei Bedarf.
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission.
jjZentrierung
kkAufnahmedaten 55Zentralstrahl: auf die Mitte zwischen äuße-
7 Abschn. 18.2.13. rem Orbitarand und Gehörgang (Tragus)
und auf Bildempfängermitte
kkEinstelltechnik 55Strahlengang: 25–30° kraniokaudal
jjVorbereitung des Patienten 55Objektbezogene Einblendung
Haarklammern, Schmuck, Zahnersatz und 55Zu Vergleichszwecken immer Aufnahmen
Knöpfe entfernen, Strahlenschutz anlegen. beider Seiten anfertigen
55Seitenbezeichnung lesbar
jjLagerung des Patienten
Patient sitzt am Rasterwandstativ oder liegt in
Rückenlage auf dem Rastertisch. Der Hinter-

18

..Abb. 18.26  Anatomie des Felsenbeins, Aufnahme nach Chaussé III


Schädel
227 18
..Abb. 18.27a,b Felsenbein,
Aufnahme nach Chaussé III,
­Patientenlagerung

a b

..Abb. 18.28  Felsenbein, Auf­


nahme nach Chaussé III

1 Oberer Bogengang
2 Antrum mastoideum
3 Horizontaler Bogengang
4 Attiksporn
5 Äußerer Gehörgang (Meatus
acusticus externus)
6 Paukenhöhle (Cavum tympani)
7 Hammer und Amboß (Malleus
und Incus)
8 Vorhof (Vestibulum)
9 Schnecke (Cochlea)
10 Innerer Gehörgang (Meatus
acusticus internus)
11 Laterale Orbitawand

Tipp
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55 Gute Beurteilbarkeit des Innenohrs mit Aufnahmen nach Chaussé I–IV sind Felsen­
Bogengängen, Vestibulum, Schnecke beinaufnahmen in verschiedenen Projek­
und innerem Gehörgang, des Mittel­ tionen: Chaussé II dient der Darstellung
ohrs mit Paukenhöhle (Cavum tympa­ des unteren Anteils des Foramen lacerum
ni) und Gehörknöchelchen sowie des und wird mit bukkookzipitalem Strahlen­
äußeren Gehörgangs gang bei geöffnetem Mund angefertigt.
55 Ein markanter Punkt auf der Chaussé-
III-Aufnahme ist der „Attiksporn“, der
durch das knöcherne Dach des äuße­
ren Gehörgangs und den lateralen
­Anteil der Attikwand gebildet wird
(. Abb. 18.28).
228 S. Becht und S. Heyl

18.2.17 Pyramiden- oder Felsenbein, Vergleichsaufnahme ­


nach Altschul-Uffenorde

kkIndikationen
55Frakturen des Kieferköpfchens Qualitätskriterien und Bildmerkmale
55Styloidsyndrom (verlängerter Processus 55 Seitengleiche Darstellung der Pyrami­
styloideus oder Verkalkungen des Liga- den und des inneren Gehörgangs
mentum stylohyoideum) 55 Die Pyramiden projizieren sich über
die Augenhöhlen.
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. 55 Seitengleiche Darstellung des Proces­
sus styloideus, des Kieferköpfchens
kkEinstelltechnik und -halses (Caput und Collum mandi­
Wie bei Hinterhaupt, bregmatikookzipital bulae)
(7 Abschn. 18.2.3; Rückenlage, Kinn anziehen, 55 Das Dorsum sellae wird vom hinteren
Mund geschlossen). Der einzige Unterschied Atlasbogen überlagert. Beide pro­
besteht darin, dass der Zentralstrahl statt in ei- jizieren sich in das Hinterhauptloch
nem Winkel von 45° nur in einem Winkel von (Foramen magnum, . Abb. 18.29).
35° kraniokaudal auf einen Punkt am Übergang
vom Stirn- zum Scheitelbein (Haargrenze) ge-
richtet ist.

..Abb. 18.29  Pyramiden- oder


Felsenbein, Vergleichsaufnahme
nach Altschul-Uffenorde
1 Hinterhauptloch (Foramen
­magnum)
2 Sattellehne (Dorsum sellae)
3 Felsenbeinspitze
4 Kieferköpfchen (Caput
­mandibulae)
5 Mastoidzellen (Cellulae
­mastoideae)
6 Jochbogen (Arcus z­ ygomaticus)
7 Lambdanaht (Sutura lambdoi­
dea)

18
Schädel
229 18

18.2.18 Kiefergelenk dorsoventral, Vergleichsaufnahme ­


nach Clementschitsch

kkAnatomie jjZentrierung
7 Abschn. 18.2.15. 55Zentralstrahl: auf einen Punkt 2 cm unter-
halb des Hinterhaupthöckers und auf
kkIndikationen ­Bildempfängermitte
55Unterkieferfrakturen und Luxationen 55Strahlengang: dorsoventral, 10–15° kaudo-
kranial
7 Richtlinien der Strahlenschutzkommission. 55Aufnahme im Atemstillstand
55Seitenbezeichnung spiegelbildlich
kkAufnahmedaten
7 Abschn. 18.2.1.
Qualitätskriterien und Bildmerkmale
kkEinstelltechnik 55 Übersichtliche Darstellung des gesam­
jjVorbereitung des Patienten ten Unterkiefers mit seitengleich gut
Haarklammern, Schmuck, Zahnersatz entfer- einsehbarem Kiefergelenk
nen, Strahlenschutz anlegen. 55 Gute Darstellung des Processus
­styloideus (. Abb. 18.30b)
jjLagerung des Patienten
Der Patient liegt in Bauchlage auf dem Unter-
suchungstisch oder sitzt mit dem Gesicht zum Tipp
Bildempfänger aufrecht (!) am Rasterwandsta-
tiv. Stirn und Nase werden dem Stativ aufgelegt, Die Kieferköpfchen kommen nur bei maxi­
d. h. der Patient zieht das Kinn an. Auf seiten- maler Mundöffnung gut zur Darstellung.
gleiche, exakte Einstellung achten, damit es­ Der Patient muss aufrecht sitzen, damit
zu einer symmetrischen Darstellung beider die Halswirbelsäule gestreckt wird und das
Kiefergelenke kommt. Der Patient öffnet den Kinn nicht von einem „Buckel“ überlagert
Mund maximal (. Abb. 18.30a). wird.
Fixierung des Patienten bei Bedarf.

..Abb. 18.30a,b  Kiefergelenk dorsoventral, Vergleichsaufnahme nach Clementschitsch

a Lagerung
230 S. Becht und S. Heyl
a

b
1 Kieferköpfchen (Caput mandibulae)
2 Kieferhals (Collum mandibulae)
3 Processus coronoideus
4 Unterkiefer (Mandibula)

Tipp
10–20°-Winkel kraniokaudal auf Nasen­
Die Aufnahme kann auch in Rückenlage mitte. Der Bildempfänger wird dem
durchgeführt werden. Man lässt den ­Patienten dabei tief unter den Rücken
­Pa­tienten dabei das Kinn anziehen und ­geschoben. Zentrierung beachten!
richtet den Zentralstrahl in einem

18.2.19 Unterkiefer, schräg, isolierte Unterkieferaufnahme

kkAnatomie kkAufnahmedaten
. Abb. 18.31. Streustrahlenraster Ohne
Belichtungsautomatik Ohne
kkIndikationen Objektbezogene Einblendung
55Frakturen und Luxationen, tumoröse oder Bildempfängerdosis (KB) ≤5 µGy (digital)
entzündliche Erkrankungen des Unterkie- Fokus-Detektor-Abstand 100 cm
18 fers Brennflecknennwert ≤1,3
55Beurteilung der Backenzähne (Prämolaren Aufnahmespannung 70–80 kV
und Molaren) Belichtungswert 4–8 mAs
55Entzündliche und tumoröse Erkrankungen
der Unterkieferdrüse (Glandula submandi-
bularis; z.