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Chemotherapie: «Giftkur Hat schon bald

ohne Nutzen» (laut Spiegel) jeder Krebs?


Bei der Chemotherapie kommen Exponentielles Krebs-Wachstum
bs-Wachstum
toxische Mittel zum Einsatz, die werer
trotz milliardenschwerer
Tumorzellen abtöten sollen. Bekämpft Forschungsetats. Was
as läuft hier
die moderne Krebsmedizin den Tumor, schief?
Seite 76 anstatt den Patienten zu heilen? Seite 6

EXPRESSZEITUNG
Ausgabe 34, August 2020 CHF 11.00 / Euro 9.00

Krebsdiagnose:
Wie mit Statistik
getäuscht wird
In Sachen Krebs-Früherkennung
zeigen viele Studien eine
ernüchternde Nutzen-Schadens-
Bilanz auf.
Seite 36

Alternative Ansätze
zur Krebsbehandlung

Boombranche Krebs
Stimmt die Behauptung der
Medizin-Branche, an «Chemo»,
Strahlen und Operation führe kein
Weg vorbei?
Seite 92

und ihr tumorhaftes Wachstum


Was stimmt hier nicht? Laut einer Prognose der WHO dürfte sich die Anzahl der jährlichen
Krebsfälle bis 2040 fast verdoppeln. Der Krebs wächst weltweit exponentiell. Inzwischen wird
jeder dritte Europäer im Laufe seines Lebens daran erkranken. Dennoch spricht die Branche
von «grossen Fortschritten». Diese sind im medizinischen Bereich nur schwer zu erkennen, im
betriebswirtschaftlichen dagegen allzu offensichtlich: Tatsächlich gibt es enorme Fortschritte
finanzieller Natur für den medizinisch-industriellen Komplex, in erster Linie für Pharmafirmen. Die Methoden
Fortschritte bei der Eindämmung von Krebs gebe es allerdings auch, das behauptet zumindest
ebendieser medizinisch-industrielle Komplex. Die fortschreitende Explosion der Krebszahlen
des Pharma-Kartells
Wie Medikamentenhersteller
wird so erklärt: Je mehr Krebs man entdecke, desto mehr Menschen würden vom Krebs geheilt. ihre Konkurrenz ausschalten.
Der Frage, ob diese und zahlreiche weitere Verlautbarungen der Schulmedizin zum Thema
Seite 10
«Krebs» wirklich zutreffen, gehen wir in der vorliegenden Ausgabe auf den Grund.

«[Man muss feststellen, dass] bei den meisten Organkrebsen keinerlei Belege dafür existieren,
dass die Chemotherapie - speziell auch die immer mehr um sich greifende Hochdosistherapie
- die Lebenserwartung verlängert oder die Lebensqualität verbessert.»
Prof. Dr. med. Ulrich Abel von der Universität Heidelberg
Liebe Leser

Vom Arzt mit der Diagnose Krebs konfrontiert zu wer-


den, wird von vielen Betroffenen als Todesurteil verstanden
oder zumindest als Anbeginn einer schlimmen und unab-
sehbaren Leidenszeit. Doch ist eine solche Reaktion tat-
sächlich begründet und worauf stützt sie sich?
In dieser Ausgabe befassen wir uns ausführlich mit
grundlegenden Aspekten zu Krebs, dessen Diagnose und
Behandlung, und beleuchten ebenso die dahinterstehende
Industrie, ihre Interessen, ihr Vorgehen und die teils dra-
matischen Widersprüche und Unwahrheiten, welche Be-
troffene schnell in Sklaven der Angst verwandeln.
Mit einem Volumen von jährlich weit über 1.000 Milli-
arden Dollar und hunderttausenden Mitarbeitern hat sich
in den letzten Jahrzehnten ein nicht mehr wegzudenkender
Wirtschaftszweig entwickelt, welcher vom Krebsleiden der
Betroffenen „lebt“ und damit direkt von dessen Existenz
abhängig ist. Diesen Umstand als systembedingte Folge
unseres marktwirtschaftlichen Systems zu begründen und
damit zu legitimieren, und gleichzeitig davon überzeugt zu
sein, dass von eben derselben Industrie mit aller Anstren-
gung nach einer „Heilung“ gesucht wird, das passt nicht
zusammen, ja könnte widersprüchlicher nicht sein. Gerade
bei näherer Betrachtung der einzelnen Teilaspekte werden
Widersprüche zu ehrlichem Bemühen nach Krebsheilung
offensichtlich. Wie sonst lässt es sich erklären, dass jegliche
alternativen, sprich natürlichen Heilverfahren von Krebs
nicht nur nicht gefördert, sondern gar mit allen Mitteln be-
kämpft werden? Ist es nicht erstaunlich, dass die Wissen-
schaft vielversprechende Ansätze natürlicher Therapien
nicht aufgreift und auch keinerlei Forschung an ihnen be-
treibt? Wie kann man an ergebnisoffene Forschung glauben,
wenn Lehrstühle an Universitäten direkt von Pharmaun-
ternehmen mit zweistelligen Millionenbeträgen finanziert
werden? Wessen Interessen dient ein Gesundheitssystem,
welches vornehmlich teure schulmedizinische Therapi-
en bezahlt und gleichzeitig günstigere Alternativen aus-
schliesst?
Auch weitere grundlegende Beobachtungen werfen
Fragen auf: Was bedeutet die Erkenntnis, dass bei fast 70%
aller Männer über 60 „Prostatakrebs“ im diagnostischen
Sinne besteht, jedoch unerkannt und ohne Beschwerden
für die "Betroffenen" bleibt? Kann es sein, dass in diesem,
wie auch in anderen („Krankheits“-)Fällen nur aufgrund
von Diagnosen therapiert wird, ohne welche der/die Be-
troffene beschwerdefrei weitergelebt hätte? Wem nützen
Vorsorgeuntersuchungen, wenn statistisch nachweislich
keinerlei Unterschied zu Nichtuntersuchten feststellbar ist?
Was schliesst man daraus, wenn laut einer Studie an 182.000
Männern 97% der Prostatakrebs-Behandlungen unnötig
gewesen sind? Dass etwa nur der Behandlung wegen be-
handelt wird und somit nur des Umsatzes und des Profits
wegen? Darauf deutet ebenso der Umstand hin, dass trotz
verbesserter Diagnoseverfahren für Hautkrebs und des da-
mit verbundenen massiven Anstiegs von Fallzahlen die Zahl
der Toten nicht gesunken ist. Also verbesserte Früherken-
nung von Hautkrebs und damit verbundener dramatischer
Anstieg von Fallzahlen (Behandlung, Therapie, Martyrium
für den Patienten) OHNE Senkung der Sterberate! Man neigt
zur Frage: Wozu dann der ganze Aufwand?
Diese und zahlreiche weitere in dieser Ausgabe zusam-
mengefasste Beobachtungen ergeben ein Bild, das grund-
legende Fragen aufwirft und am offiziellen Krebs-Narrativ
zweifeln lässt. (ab)
Ausgabe 34, August 2020 3

Thema der Ausgabe:

Kampf gegen den Krebs: Wo sind die Erfolge?


Je weiter die Krebs-Medizin „voranschreitet“, desto mehr scheinen die Kosten für
eine Therapie zu explodieren. Mediziner aus den USA errechneten 2015: Eine
Krebsbehandlung kostete im Schnitt 100.000 Dollar, und sie ist bestimmt bis
heute nicht günstiger geworden. Seit 2014 hat sich der Umsatz durch Präparate
zur Krebsbekämpfung fast verdoppelt. Die Onkologie gehört zum wichtigsten
„Wachstumsmarkt“ überhaupt. Während sich die Unternehmen über den
wachsenden Profit freuen, wachsen bei immer mehr Patienten die Zweifel: Sind
die steigenden Kosten angesichts der erbrachten Leistungen gerechtfertigt?
Schliesslich wachsen auch die Krebszahlen immer weiter. Die Krebsmedizin
behauptet: Die Forschung werde immer aufwändiger und komplexer. Die Folge
seien hohe Behandlungskosten. Doch wo sind dann die Erfolge?
Quelle: focus.de, Teurer Kampf gegen den Krebs: So verdient die Pharmaindustrie 4
Milliarden mit dem Krebsleiden, 09.09.2015

Gesundheit Milliardenumsätze
für Big Pharma durch den
Exponentielles Wachstum 25
6
Versicherungszwang
ohne Ende in Sicht?
Der gesetzliche Zahlungszwang in eine Kran-
Obwohl die Krebszahlen seit Jahrzehnten kenversicherung fördert die Dominanz der
steigen, geht es laut Schulmedizin im Kampf Pharmakonzerne.
gegen den Krebs immer weiter aufwärts.

Unsichtbare Macht
Wie das Pharmakartell seine
10
Konkurrenz ausschaltet
Chemotherapie & Co.: 76
Pharmakonzerne bedienen sich des staatli-
Trügerische Zulassungsstudien
chen Gesetzgebungsmonopols, um Konkur-
renten zu verdrängen. Zulassungsstudien zu millionenfach prakti-
zierten Krebstherapien haben sehr oft auf-
grund grober wissenschaftlicher Mängel kei-
nerlei Aussagekraft über deren Nutzen.
Gesundheit
Alternative Ansätze
Hinweise und Erklärungen 92
zur Krebsbehandlung
zum Verständnis der Ausgabe 30
Während die Schulmedizin den klaren Beweis
Ein kleiner Grundkurs in Sachen Krebs für die Nützlichkeit ihrer Vorsorgemethoden
und Therapien schuldig bleibt, führen alter-
native Ansätze zur Vorbeugung und Behand-
Krebs-Früherkennung: Wie mit lung von Krebs ein Schattendasein.
Prüfstellen: Erfüllungsgehilfen Statistiken getäuscht wird 36
der Industrie? 15
In Sachen Krebs-Früherkennung zei-
Fast nur die Pharma-Giganten sind in der gen viele Studien eine ernüchternde Nut-
Lage, ihre Medikamente und Therapien mit zen-Schadens-Bilanz auf. Überdiagnosen
Manipulation und Lobbyismus durch das Zu- und unnötige Behandlungen sind im heutigen
lassungsverfahren zu manövrieren. Medizin-Betrieb Alltag.

Verlag InfoXpress GmbH, Hohestr. 130, CH-4104 Oberwil Redaktion Tilman Knechtel (tk), André Barmettler (ab),
Herausgeber André Barmettler Gerhard Wisnewski (gw), Alexander Schnarf (as)
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Gesundheit : Krebs

Diagnose
4 Ausgabe 34, August 2020

Wie Angst selbstständige

D
ie Diagnose Krebs empfinden Wenn es dann zur Mitteilung der Krebs-
fast ausnahmslos alle Menschen diagnose kommt, hat dies meistens eine
Blindes Vertrauen
als einen brutalen Schicksals- emotionale und kognitive Überforderung Nach einem Paukenschlag wie einer
schlag, dem sie zuerst einmal des Gefühls- und Denkapparates zur Folge Krebsdiagnose sind sogar eigentlich kri-
machtlos gegenüberstehen. – ein Psychotrauma. Laut dem Psychoana- tisch denkende Menschen kaum mehr in
Ein Schock, der die meisten im ersten Mo- lytiker Ralf Hillebrandt handelt es sich bei der Lage, einen vernünftigen Gedanken zu
ment überwältigt, da sie mit Krebs vor allem einem Psychotrauma nämlich um ein fassen, da sie der Schock in einen primi-
Schmerzen, Leid und Tod in Verbindung • das Ich «überwältigende[s] Erlebnis tiven Zustand versetzt, in dem sie sich an
bringen. Assoziationen dieser unangeneh- von Hilflosigkeit und Angst [...], jeden Halt klammern, den sie finden. Ein
men Art werden schliesslich seit Jahren in • das mit einer passiven Erstarrung des Patient ist in dieser Situation maximal auf-
Bildung und Medien erzeugt, sodass mit dem Ichs sowie einem nahmebereit für die Ratschläge seines Arz-
Wort «Krebs» automatisch Bilder von ausge- • Ausfall der höheren Ich-Funktionen tes, der naturgemäss die erste Person ist,
mergelten Patienten, die verzweifelt um ihr einhergeht». (1) die mit ihm direkt nach der vermeintlichen
Überleben kämpfen, in unseren Gedanken Überwältigung? Passive Erstarrung? Hiobsbotschaft in Kontakt tritt. In dieser Si-
entstehen. Da Krebs stets als Hiobsbotschaft Ausfall der höheren Ich-Funktionen? Ist tuation ist er bereit für jeglichen Ratschlag,
verstanden wird, kann man sich vorstellen, das nicht der Idealzustand, um die Kont- der schliesslich im Glauben des Patienten
dass eine Diagnose bei den meisten Emp- rolle über den Patienten zu gewinnen und auch noch von einem absoluten «Experten»
fängern ein nicht unbedeutendes psycholo- ihn in eine bestimmte Richtung zu lenken? kommt. Da Panik und Angst das rationale
gisches Trauma auslöst. Dabei spielt es im In der Tat. Der Schock natürlich auch, denn Denken lähmen, nehmen viele Menschen
Schockzustand eine untergeordnete Rolle, der Schock ist der akute Zustand des Trau- im Schockzustand die Ratschläge ihres Arz-
dass «Krebs» nicht gleich «Krebs» ist und in mas. Während Letzteres langfristig wirkt tes sofort unkritisch an, ohne sich genauer
der Mehrheit der Fälle nicht zum Tod führt und wir es kaum jemals wieder loswerden mit seinen Behandlungsmethoden ausein-
(67% der betroffenen Frauen und 62% der können, klingt der akute Schock nach einer andergesetzt zu haben.
Männer überleben). Das Wort «Krebs» an sich gewissen Zeit wieder ab. Unter Schock sind So werden viele Patienten erst einmal
hat bereits eine ungeheure Angstwirkung, die wir jedoch besonders hilflos und steuerbar psychologisch daran gehindert, ihren ei-
sich fest im Kopf des westlichen Normalbür- - und das Wort «Krebs» ist so angstbesetzt, genen Verstand einzuschalten und eine
gers verankert hat. dass es sofort blinden Aktionismus auslöst. unabhängige Entscheidung zu treffen, so
Krebs
Ausgabe 34, August 2020 5

Entscheidungen blockiert
wie sie es eigentlich in jedem anderen Be- Autos und sei ein absoluter «Experte» auf zum anderen Erwachsenen-Ich gegeben
reich ihres Lebens tun. Nur zu oft geben diesem Gebiet? Nirgendwo kann eine fal- sein. Das gilt genauso für den Dialog zwi-
wir fahrlässigerweise die Verantwortung sche Entscheidung so verheerende Fol- schen Patient und Arzt. Ein Patient hat das
für unsere Gesundheit in andere Hände, gen haben wie bei der Gesundheit, doch Recht, kritische Fragen sowie Bedingungen
seien es nun die Ärzte, die Krankenkassen gleichzeitig ist es in kaum einer anderen und auch Forderungen zu stellen. Vor allem
oder die Medien. Das ist eigentlich un- Branche verpönter, als Kunde bzw. Pati- die Frage nach Beweisen für die Wirksam-
verantwortlich: Haben Erwachsene nicht ent kritische Fragen zu stellen. Warum? keit seiner bevorstehenden Behandlung ist
gelernt, im Alltag ständig ganz und gar Hat man etwa kein Interesse daran, dass für einen mündigen Patienten unabding-
selbstständige Entscheidungen zu tref- der Patient Verantwortung für sein eige- bar. Wenn ein Arzt jedoch auf die Fragen
fen? Nicht nur wenn wir schwer erkrankt nes Wohlergehen übernimmt? der Patienten beleidigt und/oder arrogant
sind, sondern von Jugend an, müssen wir Kritische Vergleiche und Abwägungen reagiert, dann wird dies leider von vielen
lernen, unseren Verstand einzuschalten, sind bei Krebstherapien ganz besonders not- Patienten ohne Murren akzeptiert – u.a.
wenn es um unsere Gesundheit bzw. um wendig: Jede Frau wälzt Kataloge, bevor sie dadurch, dass ihr rationales Denken oft von
unser Lebensglück geht (Berufswahl, sich für eine Küche entscheidet, von Männern Schock und Angst gelähmt wird.
Wohnungseinrichtung, Autokauf, Part- und Autos ganz zu schweigen. Doch wenn es Sie, lieber Leser, haben jedes Recht, ein
nerwahl usw.). Warum sollte man also bei um eine Krebsbehandlung geht, dann infor- unbequemer Patient zu sein. Mit «unbe-
einer Krebsdiagnose die Empfehlungen miert sich fast kein Patient im Detail über quem» ist nicht arrogant oder laut gemeint,
seines Arztes blind hinnehmen, ohne sich seine Krankheit, sondern verlässt sich auf sondern fordernd. Von einem Arzt sollte
eine zweite, dritte oder vierte Meinung wenige Aussagen seines Arztes. Doch um es man fordern, was einem zusteht – nämlich
einzuholen? Das Argument «Die behan- klar zu sagen: Wer nicht bereit ist, an Ärzte dass er einem so gut wie möglich hilft. Gute
deln doch jeden Tag Krebspatienten, die dieselben Standards wie an Küchen- oder Ärzte fühlen sich durch berechtigte Fragen
müssen doch wissen, was sie da tun.» mag Autoverkäufer anzulegen, der handelt absolut niemals genervt und wissen, wie verängs-
nicht ganz falsch sein, doch damit erüb- unverantwortlich und gefährdet sein Leben. tigt Patienten vor allem kurz nach der Diag-
rigt sich nicht die Suche nach dem besten nose sind. Sollte Ihr Arzt sich also nicht die
Angebot bzw. Preis-Leistungs-Verhält- nötige Zeit nehmen und Ihre Fragen abwei-
nis. Oder hat Sie der Autoverkäufer etwa
Unabdingbare Fragen sen, sollten Sie skeptisch werden.
schon mit dem Argument überzeugt, der Bei jedem Verkaufsgespräch muss ein Die vorliegende Ausgabe der Express-
Autohersteller produziere seit 80 Jahren offener Dialog von einem Erwachsenen-Ich Zeitung erteilt keine medizinischen Rat-
schläge. Sie sucht lediglich nach Antworten
auf die naheliegendsten Fragen überhaupt,

Ärzte Berufsgruppe mit zweithöchstem


die jeder Krebsmediziner im Handumdre-
hen beantworten können sollte – aber es
Ansehen in Deutschland leider oft nicht tut. Z.B. auf die Gretchen-
frage: «Wo ist der Beweis, dass die von
Ihnen empfohlene Krebsbehandlung die
Feuerwehrmann 94% wirksamste ist, die es gibt?»
Eine genauere Betrachtung dieser «Be-
Arzt 88%
weise» und der Gesundheitsbranche allge-
 .UDQNHQSñHJHU  mein könnte kritische Patienten durchaus
dazu bringen, noch einmal zu überdenken,
 $OWHQSñHJHU 
ob sie den typischen Empfehlungen ihres
Polizist 84% Arztes bei einer Krebserkrankung folgen
wollen. Letztendlich sind wir als Zeitung
Erzieher 80%
aber auch nur eine von vielen Quellen, aus
 5LFKWHU  denen Sie sich informieren sollten. Die
 0şOOPDQQ  Entscheidungen, die Sie persönlich für
Ihre eigene Gesundheit treffen, kann Ihnen
 3LORW  letztendlich niemand abnehmen – auch
 +RFKVFKXOSURIHVVRU  wenn genau dies in unserem Gesundheits-
system (siehe S.15 ff) immer wieder ver-
sucht wird. (tk)
Der Deutsche Beamtenbund hat 2019 eine Befragung in der deutschen Bevölkerung durchge-
führt, um herauszufinden, welche Berufsgruppen in Deutschland hoch angesehen sind. Ärzte
rangieren auf Platz 2, was dazu führt, dass viele Patienten mit den Empfehlungen ihres Arztes
relativ unkritisch umgehen. Quellen:
1. Hillebrandt, Ralf: Das Trauma in der Psychoanalyse,
Quelle: de.statista.com, Die angesehensten Berufe Deutschlands, 21.08.2019
Giessen, 2004
6 Gesundheit Ausgabe 34, August 2020

Krebs: Exponentielles
WHO-Prognose für
weltweite Krebsneuerkrankungen
pro Jahr
W eltweit erhält jeder
fünfte Mann und jede
sechste Frau im Leben
eine Krebsdiagnose. Jeder achte
Mann und jede elfte Frau sterben
an Krebs. Tendenz steigend.
Quelle: rp-online.de, Weltweit gibt es immer
mehr Krebsdiagnosen, 12.09.2018

I n Deutschland erkrankt
jeder Zweite im Laufe
seines Lebens an Krebs.
Fast jeder Vierte stirbt daran.
Quellen:
spiegel.de, Jeder Zweite erkrankt im Laufe des Lebens
an Krebs, 07.12.2017
Quelle: spiegel.de, Zahl der Krebsfälle wird sich
spiegel.de, Fast jeder Vierte stirbt an Krebs, 19.01.2017
weltweit fast verdoppeln, 04.02.2020

«M
edizin macht grosse Fort- aufwärts. Andere Faktoren würden diese
schritte, trotzdem werden Erfolge für den oberflächlichen Betrachter
künftig mehr Menschen allerdings verzerren – mag sein.
an Krebs sterben», titelte Wie ist es aber zu erklären, dass in Län-
da vor kurzem die Frankfurter Rundschau dern mit nicht wachsender Bevölkerung
zum Weltkrebstag am 04. Februar 2020. «Es wie Deutschland die Krebszahlen weiter
mag zunächst wie ein Paradoxon klingen: steigen? Oder dass die Lebenserwartung in
Seit der Jahrtausendwende hat die Krebs- Deutschland seit Jahren mehr oder weniger
medizin grosse Fortschritte gemacht, die stagniert, aber die Anzahl der Krebserkran-
Diagnostik kann bereits kleinste Tumore kungen immer weiter zunimmt? Ist für die
erkennen und besser differenzieren, bei Krebsmedizin nicht die steigende Lebens-
der Therapie existieren mehr und oft scho- erwartung in den europäischen Ländern
nendere Optionen als früher. Gleichwohl der Hauptfaktor für die steigenden Krank-
ist weltweit nicht nur mit deutlich mehr heitsziffern? Während die Lebenserwartung
Neuerkrankungen zu rechnen, sondern von 1970 bis 2020 um grob 15% gestiegen ist
auch mit einer zunehmenden Zahl von (bei Männern von 67 auf 79 Jahre, bei Frau-
Menschen, die an Krebs sterben werden.» en von 73 auf 84 Jahre), hat sich die Zahl der
Die Anzahl der Krebserkrankungen steigt Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland
von Jahr zu Jahr und die Branche spricht seit 1970 mehr als verdoppelt: Bereits 2013
dennoch von «grossen Fortschritten». Die erkrankten laut dem Robert Koch Institut
Frankfurter Rundschau klärt das «Parado- etwa doppelt so viele Menschen an Krebs
xon» auf: «Für den von Experten prognosti- wie 1970. (2) Nur einige von vielen offenen
zierten Anstieg gibt es im Wesentlichen drei Fragen.
Gründe: die wachsende Weltbevölkerung,
die alternden Gesellschaften in den Indus-
trienationen sowie der veränderte Lebens-
Niederschmetternde
stil in vielen Ländern Asiens und Afrikas, Zahlen
Die andauernd durch die wo der Tabakkonsum zugenommen hat und
mehr verarbeitete Produkte gegessen wer- Die Zahl der Krebskranken in Deutsch-
Krebsmedizin verlautbarten
den als früher.» (1) land wird trotz stagnierender Lebenser-
Fortschritte wirken anhand Obwohl die Krebszahlen seit Jahrzehn- wartung weiter steigen. Krebs ist inzwi-
der fortlaufenden Explosion der ten steigen und dies auch weiter tun wer- schen nach Herz-Kreislauferkrankungen die
den, geht es laut Schulmedizin (siehe S.30) zweithäufigste Todesursache in Deutsch-
Krebszahlen recht befremdlich.
im Kampf gegen den Krebs immer weiter land. Von der Babyboomer-Generation der
Ausgabe 34, August 2020 7

Wachstum ohne Ende in Sicht?


Mensch im Verlaufe seines Lebens daran er-
Jährliche Todesfälle «aufgrund von» Krebs krankt und Krebs als häufigste Todesursache
gelten wird.
 in Deutschland (2000 bis 2017) Angeblich haben wir in den letzten Jahr-
zehnten mehr über Krebs gelernt als in der
ganzen Menschheitsgeschichte zuvor. Bei

Anzahl der Krebstoten

keiner anderen Krankheit habe es grössere


Erkenntnisgewinne gegeben, keine wurde
 intensiver untersucht. An Krebs forschen
mehr Spitzenwissenschaftler aller Diszip-

linen als an jeder anderen Krankheit. Ein
Grossteil der Medizinnobelpreise der letz-
ten dreissig Jahre ging an Krebsforscher,
 und weitere werden folgen. Keiner anderen
Erkrankung widmet die Pharmaindustrie
0 und die akademische Forschung grössere
Aufmerksamkeit, nirgendwo sind derzeit
mehr neue Medikamente in der Zulassungs-
Dass die Krebs-Todeszahlen in Deutschland stagnieren, während die Krebserkrankungen an- schleife. Warum kann die Ausbreitung die-
steigen, mag auf den ersten Blick als Erfolg der Onkologie (Krebsforschung) gewertet werden. ser Krankheit nicht signifikant eingedämmt
Warum diese optimistische Interpretation der Zahlen ein Irrtum ist, erfahren Sie auf den kom- werden?
menden Seiten (siehe S.36 ff.).

Jahrgänge 1950 bis 1970, insgesamt rund wird sich nach einer Prognose der Weltge-
Milliardenindustrie
25 Millionen Menschen, wird die Hälfte im sundheitsorganisation (WHO) bis 2040 fast Krebs
Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Für verdoppeln. Das geht aus dem Weltkrebsre-
einen Babyboomer liegt die Wahrscheinlich- port hervor, den die Internationale Agentur Richten wir unseren Blick auf betriebs-
keit, dass weder er noch sein Partner noch für Krebsforschung (IARC, Teil der WHO) wirtschaftliche Kennzahlen, erkennen wir
seine Eltern an Krebs erkranken, unter zehn alle fünf Jahre veröffentlicht. 2018 erkrank- eine absolute Boombranche, die ihresglei-
Prozent. Damit wird eine komplett krebsfreie ten demnach weltweit 18,1 Millionen Men- chen sucht, mit schier unbegrenzten Wachs-
Familie in Zukunft eher die Ausnahme sein. (3) schen neu an Krebs, im Jahr 2040 dürften tums- und Gewinnaussichten. Eine riesige
Auch weltweit gibt es immer mehr Krebs- es etwa 29 bis 37 Millionen sein. (4) Vielleicht
diagnosen. Die Zahl der Krebserkrankungen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis jeder

Krebs laut Medien seit Jahren fast geheilt: Alles nur PR?
10 Unsichtbare Macht : Lobbyismus Ausgabe 34, August 2020

Wie das Pharmakartell


seine Konkurrenz ausschaltet

Foto: Shutterstock/ Florin Gabriel

Auf einen Blick


Ziel eines Kartells: Mehr Geld für weniger Leistung. Ausserdem hilft dem Kartell der gesetzliche
Kartell-Unternehmen treffen deshalb Absprachen, nicht Zahlungszwang in eine Krankenversicherung.
in gegenseitigen Wettbewerb zu treten. Zudem bedie- So werden die hohen Medikamentenpreise ver-
nen sie sich des staatlichen Gesetzgebungsmonopols, schleiert und auf die Krankenkassen-Einzahler
um Konkurrenten auszuschalten – so auch das Phar- umgeleitet. Die gesunden Krankenkassen-Mit-
makartell. glieder bezahlen die oft überteuerte Behand-
lung der Kranken. Für den Patienten ist die Be-
Zulassungsbehörden sind Erfüllungsgehilfen des Phar-
handlung «kostenlos», in Wahrheit wird sie von
makartells, da Millionen-Kosten für Zulassungsstudien
anderen bezahlt.
gewöhnlich nur von den grossen Medikamentenher-
stellern gestemmt werden können. Fast nur die Phar- Ärzte bewegen sich in einem gesetzlich sehr
ma-Giganten sind in der Lage, mit Manipulation und engen Rahmen, der ihnen kaum eine andere
Lobbyismus ihre Studien durch das Zulassungsverfah- Wahl lässt, als ein von den Behörden zugelasse-
ren zu manövrieren. nes Medikament zu verordnen.
Wenn das Medikament zugelassen ist, kann der Phar- Durch dieses System ergeben sich für die Phar-
makonzern den Preis sehr hoch ansetzen. Das Medika- makonzerne gigantische Gewinne auf Kosten
ment erwartet wenig Konkurrenz, da kaum andere Me- der Allgemeinheit. Preise werden sinnlos in die
dikamente durch den kostspieligen Zulassungsprozess Höhe getrieben, Eigenverantwortung abgebaut.
geschleust wurden. Das Kartell einigt sich meist durch
Absprachen darauf, die etablierten Märkte seiner Mit-
glieder nicht anzugreifen.
Ausgabe 34, August 2020 25

Wie der Versicherungszwang


Milliardenumsätze für Big Pharma
ermöglicht

W
er heutzutage krank wird,
muss nicht zwingend
zum Arzt gehen. Es gibt
bei jeder körperlichen
Beschwerde auch alter-
native Möglichkeiten für eine Behandlung,
ohne dafür einen Arzt zu konsultieren.
Doch der Weg zum staatlich anerkann-
ten Doktor ist für den Normalbürger der
bequemste, günstigste und somit nahe-
liegendste. Schliesslich ist jeder Bürger
gesetzlich verpflichtet, sich bei einer Kran-
kenkasse versichern zu lassen. Zwar ist das
System von Land zu Land unterschiedlich,
das Ergebnis ist aber immer dasselbe: Die
überwiegende Mehrheit zahlt in eine ge- Wem nützt es?
setzliche Krankenversicherung ein, die Erfahrungsgemäss wissen wir, dass vie-
ihren Mitgliedern Arztbesuche, grund- le Ärzte nicht zufriedenstellend auf die Pa-
legende Behandlungen und bestimmte tienten eingehen, die sie täglich durch ihre
Medikamente im Krankheitsfall kostenlos Praxis «schleusen». Das liegt daran, dass
zur Verfügung stellt. Wie so vieles in un- sie von den Krankenkassen zwar meist pro
serer Welt klingt die Idee einer staatlichen Patient und zumindest teilweise auch pro
Pflichtversicherung erst einmal sozial und Zeiteinheit, die sie mit ihm verbringen, be-
sogar notwendig, um auch die schwächsten zahlt werden, doch eben nicht danach, ob
Mitglieder der Gesellschaft gesundheitlich es dem Patienten danach besser geht oder
abzusichern und zu versorgen. Jedoch ist nicht. Zwar kann der Patient bei schlech-
«gut gemeint» des Öfteren nunmal das Ge- ter Leistung den Arzt wechseln, doch die
genteil von «gut»: Gemeinnützig klingende meisten zugelassenen Ärzte unterscheiden
Ideen haben sich im Laufe der Geschichte sich kaum in ihrer Leistung, da sie sich in
häufig zu Ungunsten derer ausgewirkt, de- sehr engen rechtlichen Grenzen bewegen,
nen sie von Nutzen sein sollten. Bei einem die das staatliche Gesundheitssystem ihnen
Blick auf unser heutiges Gesundheitssys- vorgibt. Jeder Arzt ist sich bewusst, dass er
tem ergibt sich ein ähnliches Bild. rechtlich am sichersten fährt, wenn er dem
Momentan ist jeder Bürger dazu ver- In unserem Gesundheitssystem werden Ärzte Patienten ein von den Arzneimittelbehör-
pflichtet, in das staatliche Gesundheits- von einem sehr engen gesetzlichen und finan- den zugelassenes verschreibungspflichtiges
ziellen Rahmen eingeengt, der ihnen fast keine
system einzuzahlen, um darüber gegen Medikament verordnet. So wird der Pati-
andere Möglichkeit lässt als die Verschreibung
Unfall und Krankheit versichert zu sein. So ent möglichst schnell abgefertigt, der Arzt
von zugelassenen Medikamenten.
konsultieren die Bürger im Notfall entspre- kriegt den Pauschalbetrag pro Patient von
chend diejenigen Ärzte, Therapeuten oder der Krankenversicherung und der Kranke
ganz allgemein Institutionen, welche durch dem wird eine Krankschreibung vom Ar- sein Medikament bezahlt, von dem er sich
die Beiträge (bereits) finanziert werden beitgeber nur akzeptiert, wenn sie von ei- erhofft, dass es ihm helfen wird. Auf den
und somit Teil dieses staatlich verordneten nem zugelassenen (approbierten) Arzt oder ersten Blick scheinen alle Seiten zufrie-
Gesundheitssystems sind. Es ist durchaus Therapeuten stammt. Diese gesetzlichen dengestellt, doch bei genauerer Betrach-
nachvollziehbar, dass die Bürger diejenigen Anreize veranlassen den Patienten fast tung ist dieses System weder für viele Ärz-
Leistungen «kostenfrei» beanspruchen, die zwangsläufig, sich bei Beschwerden an die te noch Patienten wirklich von Vorteil: Die
sie mit ihren gesetzlich vorgeschriebenen staatlich anerkannte Schulmedizin (siehe
Beiträgen sowieso schon finanzieren. Zu- S.30) zu wenden.
30 Gesundheit : Krebs Ausgabe 34, August 2020

Hinweise und Erklärungen


zu m Ver s tä n d n is d er Aus g a b e
Um Sie als Leser nicht ins kalte Wasser zu werfen und um Missverständnissen vorzubeugen,
folgen an dieser Stelle einige Begriffsklärungen und ein kleiner Grundkurs in Sachen Krebs. Wir
beschränken uns dabei auf absolute Basics, die jeder kennen sollte, der sich mit dem Thema
Krebs auseinandersetzen will oder muss.

Schul- Alternativ-
medizin medizin

Wie definieren wir Wie definieren wir


«Schulmedizin»? «Alternativmedizin»?
Der Begriff «Schulmedizin» kann bei unter- Unter «Alternativmedizin» verstehen wir im Gegensatz zur «Schulme-
schiedlichen Personen unterschiedliche Asso- dizin» die heutzutage eben nicht von Staaten und Behörden anerkannte
ziationen hervorrufen, deshalb ist es wichtig, an und damit auch normalerweise nicht krankenkassenfinanzierte Behand-
dieser Stelle kurz und knapp zu definieren, wie lung von Patienten. Eigentlich sind die Bezeichnungen «Schulmedizin»
er in der vorliegenden Ausgabe zu verstehen ist: und «Alternativmedizin» künstliche Begriffe. Das, was wir heute «Al-
Für uns ist die «Schulmedizin» schlicht die mo- ternativmedizin» nennen, wird nachweislich schon seit Jahrhunderten
mentan von Staaten und Behörden anerkannte, praktiziert, die Methoden der medikamentenbasierten «Schulmedizin»
damit auch mit Abstand am meisten gelehrte, verbreiteten sich erst am Anfang des 20. Jahrhunderts. Daher ist die
praktizierte, finanziell unterstützte und deshalb Schulmedizin eigentlich eher als «alternativ» zu bezeichnen. Das nur als
auch am weitesten verbreitete Form der medizi- Nebenbemerkung, wir werden in dieser Ausgabe die übliche Trennung
nischen Behandlung. zwischen «Schulmedizin» und «Alternativmedizin» beibehalten.
Ausgabe 34, August 2020 31

Zellteilung

Zelltod

Was ist eigentlich eine Zelle?


Eine Zelle ist die kleinste lebende Einheit aller Organis- Zelle spaltet sich eine neue Zelle desselben Typs ab. Die
men – oft spricht man auch vom «kleinsten Baustein des Zelle verdoppelt sich. So erneuern sich die Zelle bzw. das
Lebens». Im Menschen sind Zellen zu funktionellen Ein- gesamte Körpergewebe ständig: Ältere Zellen spalten
heiten verbunden und bilden dadurch Gewebe (Muskel- neue Zellen ab. Es ergibt sich ein Gleichgewicht aus Zell-
gewebe, Knochengewebe, Bindegewebe, Nervengewebe). teilung und Zelltod.
Im menschlichen Körper entstehen durch die Zusam-
menarbeit verschiedener Gewebe wiederum grössere Erwachsene Menschen bestehen aus mehr als 30.000
Strukturen, die Organe. Miteinander verbundene Organe Milliarden Zellen. Aber nur die wenigsten dieser einzel-
fügen sich zum menschlichen Körpersystem zusammen. nen Zellen begleiten sie ein Leben lang. Denn es werden
nicht nur pro Sekunde etwa 50.000 neue Zellen gebildet,
Um zu überleben, benötigt die Zelle Energie. Zur Ener- sondern gleichzeitig gehen auch ebenso viele von ihnen
gieproduktion braucht sie Nährstoffe und Sauerstoff aus zugrunde. Der Organismus erneuert sich ständig. Die
dem Blut. Aus ihnen produziert sie ihren wichtigsten Dauer der Erneuerung variiert allerdings stark: Der Aus-
Energieträger Adenosintriphosphat, kurz ATP. Als Rest- tausch des gesamten Knochensystems dauert zehn Jah-
produkte entstehen Wasser und Kohlenstoffdioxid. Zel- re, dann ist alles runderneuert. Die Hautzellen wechseln
len erhalten ihren Bestand durch Zellteilung. Aus einer dagegen sogar alle zwei bis drei Wochen.

Was ist Krebs laut Schulmedizin?


Bei gesunden Menschen herrscht laut Schulmedizin im
Körper ein Gleichgewicht zwischen Zellteilung und Zelltod.
Wenn eine gewisse Anzahl an Zellen stirbt, wird etwa die
gleiche Menge an neuen Zellen gebildet. Von Krebs spre-
chen Ärzte, wenn bestimmte Zellen beginnen, sich stärker
zu vermehren. Aufgrund unterschiedlicher Ursachen (sie-
he S.33) würden Zellen «entarten» und ihre Aufgabe nicht
mehr «ordnungsgemäss» erfüllen. Bei Krebs entstehen
mehr neue Zellen, als Zellen absterben. Dadurch kann sich
eine Ansammlung von Zellen bilden, die man als «Tumor»
bezeichnet. Ein Tumor ist die Volumen-Zunahme von Ge-
Ein Gleichgewicht zwischen Zellteilung und Zelltod macht laut Schul- webe durch die erhöhte Zellteilung bzw. dem gehemmten
medizin einen gesunden Organismus aus. Krebs ist eine Vermehrung
bestimmter Zellen, die parallel nicht in derselben Anzahl absterben.
36 Gesundheit Ausgabe 34, August 2020

Krebs-Früherkennung:

B
ei der Früherkennung – sei es
Kampagnen für beim allgemeinen Gesundheit-
Krebs-Früherkennung scheck oder bei der Krebs-Frü-
aus dem deutschen herkennung– versuchen Ärzte,
Sprachraum. Krankheiten in Vor- oder Frühstadien
zu entdecken. Und sie versprechen dem
Untersuchten, dass man in diesen Früh-
stadien besser kurieren kann. Oder bei
entdeckten Vorstadien sogar den Aus-
bruch der Krankheit verhindern kann.
Das klingt durchaus überzeugend. Was
könnte auch sinnvoller sein?
Bei genauerem Hinsehen wird al-
lerdings sehr schnell klar, dass diese
Betrachtungsweise naiv ist. Gefährlich
naiv. Der Kern des Problems liegt in der
Frage: Wo fängt die Krankheit an? Denn
bei diesen Untersuchungen an Gesun-
den werden in der Regel keine Krankhei-
ten diagnostiziert, sondern Grenzwert-
verletzungen. Ihr Arzt sagt Ihnen: «Sie
haben zu hohen Blutdruck.» Oder: «Ihr
Cholesterin ist deutlich über dem Gren-
zwert, da müssen wir etwas machen.»
Oder der Radiologe stellt nach zwei
Mammografien (Röntgen der Brust), ei-
nem Ultraschall und letztendlich nach
der Analyse der Gewebeprobe aus der
Brust fest: «Es ist Krebs.» Und dann fügt
er vielleicht noch hinzu: «Gut, dass wir
den so früh gefunden haben. Da haben
wir gute Heilungschancen.»
Tatsächlich aber können all diese Be-
funde völlig unproblematisch für die Ge-
sundheit des Patienten sein. Das macht
die Früherkennung gefährlich! Sie er-
kennt nämlich auch Abweichungen vom
Ideal, die für die Betroffenen in ihrem
Leben vielleicht niemals zu einem ge-
sundheitlichen Problem geworden wä-
ren. Der Fachbegriff dafür heisst «Über-
diagnose». Viele Menschen werden mit
hohen Blutdruckwerten steinalt. Ähnli-
ches gilt für den Cholesterinwert, der im
Alter natürlicherweise ansteigt. Selbst
Krebs (eigentlich sollte man zunächst
von «Gewebeveränderungen» sprechen,
denn das Wort «Krebs» ist so angstbe-
setzt, dass es sofort blinden Aktionismus
auslöst) ist nicht generell der «Killer», als
der er allgemein wahrgenommen wird.
Die meisten Männer haben an ihrem Le-
bensende beispielsweise Prostatakrebs.
An Prostatakrebs stirbt jedoch nur etwa
Ausgabe 34, August 2020 37

Wie mit Statistiken


getäuscht wird
jeder dreissigste Mann in Deutschland,
und das zumeist in einem Alter, das deut-
lich über der durchschnittlichen Lebens-
erwartung von Männern liegt. Sehr viele
Menschen tragen Gewebeveränderungen
mit sich herum, von denen sie nichts wis-
sen. Und das ist auch gut so, denn diese
Angebote zur Krebsfrüherkennung für Männer
Gewebeveränderungen werden nicht un- und Frauen in Deutschland
bedingt zu einem aggressiven Tumor her- Stand: Januar 2020
anwachsen.

Krank durch
Früherkennung?
So können klinisch gesunde Menschen
durch die Früherkennung zu Kranken
werden, obwohl sie im Leben vielleicht
nie einen gefährlichen Krebs bekommen
hätten. «Moment mal. Früherkennung
hilft aber auch. Es werden doch Leben
gerettet», mag man anmerken. Völlig zu
Recht – nur leider nicht immer. Es gilt,
eine vernünftige Entscheidung zu treffen.
Den Nutzen und den Schaden der Früher-
kennungsmassnahmen abzuwägen. Wie
gross ist die Chance auf einen Nutzen?
Wie sehr wird durch Früherkennung mein
Risiko gesenkt, an einer Krankheit zu
sterben oder ernsthaft daran zu erkran-
ken? Wie gross ist auf der anderen Seite
mein Risiko, Opfer von unnötiger Medizin
zu werden? Nur, weil ich als Gesunder zur
Sicherheit an einem Screening oder an ei-
ner individuellen Früherkennungsmass-
nahme teilgenommen habe?
Eigentlich müsste es die besten In-
formationen ja bei den Ärzten geben, die
Früherkennung anbieten. Der Gedan-
ke liegt nahe: Diese müssten sich doch
wirklich auskennen und uns nach bes-
tem Wissen und Gewissen beraten. Dazu
muss man aber leider feststellen: Über
den Schaden sprechen die meisten Medi-
ziner nicht so gerne. Es ist ganz einfach:
Ärzte und Krankenhäuser verdienen nicht
nur an der Früherkennung. Sie verdienen
auch noch an der gegebenenfalls folgen- Quelle: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
den Behandlung. Für viele Mediziner ist
Früherkennung eine willkommene Ge-
legenheit, ihren Kundenkreis auszuwei- «früh erkannte» Krebspatient ist - über den entstehen - auch Krebs. Mehr dazu
ten. Und natürlich auch für den gesam- die Krankenversicherung - ein solventer auf den folgenden Seiten. (tk)
ten medizinisch-industriellen Komplex, Neukunde. Fatal ist, dass nun häufig erst
einschliesslich Pharmaindustrie. Jeder durch die Behandlung Gesundheitsschä-
Ausgabe 34, August 2020 65

Auf einen Blick


Einführung des Hautkrebs-Scree-
nings 2008 in Deutschland, basie-
rend auf einer Studie aus dem Jahr
Beispiel 3: Hautkrebs
2003: 360.288 Teilnehmer.

Foto: Shutterstock/ Pixel-Shot


6 WXGLH QLH YHUÓIIHQWOLFKW .UDQNHQ-
kassen bekamen nur «Projektbe-
ULFKW˜YRUJHOHJW
Skandal: Autor des «Projektbe-
richts» wurde von den Krankenkas-
sen gleichzeitig mit dessen Über-
prüfung beauftragt.
Autor des «Projektberichts» im Vor-
stand einer Lobbyorganisation für
+DXWÁU]WH(UZDUHLQ+DXSWSURĸWHXU
des Screenings.
Der «Projektbericht» zeigt lediglich,
dass mehr Hautkrebs durch das
Screening gefunden wird. Das be-
deutet, wie bereits aufgezeigt,
überhaupt nichts für die reale Ge-
sundheit. zur Hautkrebs-Früherkennung durchgeführt in Praxen ambulant tätigen Ärzte und Psycho-
wurde. Allerhand! Klingt nach einer grossen therapeuten wahr. Sie gibt ihnen gegenüber
Genauere Betrachtung des «Pro-
«Studie». Sie bildete denn auch das wissen- Politik und Öffentlichkeit eine Stimme und
jektberichts» erschreckend: Extrem
schaftliche Zentrum des Antrags der KBV bringt ihren Sachverstand in die gesundheits-
hohe Anzahl an Fehldiagnosen; Nut- (Kassenärztliche Bundesvereinigung) beim politische Diskussion ein.» (1) Man könnte es
zen für den Patienten kaum erkenn- Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur auch so ausdrücken: Die KBV hat die Pfründe
bar, eher sogar das Gegenteil. Trotz- Einführung des Hautkrebs-Screenings. Ein- der Ärzte zu schützen und wenn möglich zu
dem reichte dieser «Projektbericht» gereicht am 5. Januar 2005. maximieren. Und das hat sie mit der erfolg-
für die Einführung des Hautkrebs- Um die Institutionen kurz zu kennzeich- reichen Einbringung des Antrags zur Einfüh-
Screenings 2008 aus. nen: Der Gemeinsame Bundesausschuss rung des Hautkrebs-Screenings auch getan.
(G-BA) ist die höchste medizinische Ent-
scheidungsinstanz in Deutschland. Der G-BA
Fragwürdiges

A
m 1. Juli 2008 war der Stichtag. Da- entscheidet, welche Medikamente und me-
mals wurde das allgemeine Haut- dizinischen Prozeduren die Kassenzulassung Studiendesign
krebs-Screening in Deutschland bekommen beziehungsweise, noch besser, in
eingeführt. Seitdem können sich den Rang eines Massenscreenings erhoben Aber was wurde in der «Breitbart-Stu-
Menschen über 35 alle zwei Jahre bei einem werden. Die KBV ist die Standesvertretung die», die ganz wesentlich zur Einführung des
Hausarzt mit spezieller Fortbildung oder bei der freiberuflichen Ärzte. Auf ihrer Internet- Hautkrebs-Screenings geführt hat, eigentlich
einem Hautarzt auf Hautkrebs hin untersu- präsentation bringt es die KBV folgender- gezeigt? Das wissen im Detail tatsächlich nur
chen lassen, und die Krankenkassen über- massen auf den Punkt: «Die KBV nimmt die
nehmen die Kosten. Mittlerweile folgt ein Interessen der rund 172.000 freiberuflichen,
Drittel der angesprochenen Bevölkerungs-
gruppe der Aufforderung. 15 Millionen neue
Kunden! Tendenz steigend. Was für ein Coup!
Allerdings hat die Dermatologen-(Haut-
arzt)-Lobby auch hart und gerissen dafür
gearbeitet. Allen voran die «Arbeitsgemein-
schaft Dermatologische Prophylaxe», die
ADP e.V., in deren Vorstand Prof. Dr. Eckhard
Breitbart führend aktiv ist. Ihm müssen die
Mediziner, die jetzt mit den lukrativen Vor-
sorgeuntersuchungen ihr schmales Gehalt Der Gemeinsame Bundesaus-
aufbessern können - eine Untersuchung schuss (G-BA) ist die höchste
medizinische Entscheidungsin-
pro Tag, 5000 Euro mehr im Jahr - beson-
stanz in Deutschland. Der G-BA
ders dankbar sein. Denn er hat in Schles- entscheidet, welche Medikamente
wig-Holstein zwischen Juli 2003 und Juni und medizinischen Prozeduren
2004 eine «Studie» durchführen lassen, in die Kassenzulassung bekommen.
der bei 360.288 Personen eine Untersuchung
70 Gesundheit Ausgabe 34, August 2020

Beispiel 5:
Gebärmutterhalskrebs
IV eine Entfernung des Gewebes durch
eine sogenannte Konisation. Ein «kleiner
Eingriff» am Gebärmuttermund, bei dem
ein kegelförmiger Gewebeschnitt mit den
veränderten Zellen entnommen wird. Da-
mit sei die Gefahr gebannt.
Das klingt alles sehr überschaubar
und rational: Ein kleiner harmloser Ein-
griff (Konisation) und die Krebsgefahr ist
gebannt. Was sollte an dieser Früherken-
nung
nungsmedizin, die sogar das Potenzial hat,
Kre
Krebserkrankungen zu verhindern, falsch
Beim PAP-Test werden s
sein? Prof. Ingrid Mühlhauser, die an
mit einem Spatel oder einer der Universität Hamburg Gesund-
Bürste Zellabstriche vom heitswissenschaften lehrt, prangert
Gebärmutterhals und dem
die negativen Seiten des PAP-Tests
Muttermund genommen.
Die Abstriche werden unter dennoch seit vielen Jahren an, zu-
dem Mikroskop auf mindest bezüglich der Praxis des
Veränderungen hin P
PAP-Tests, wie sie in Deutschland ge-
Foto: Shutterstock/Iryna Inshyna
untersucht. üb wird: nämlich inflationär.
übt

Deutsche Gynäkologen

I
m Jahr 2016 erkrankten etwa 4.380 Der PAP-Test unterscheidet fünf verschie-
Frauen von rund 40 Millionen Frauen den schwere Grade der Zellveränderung. sind «PAP-hyperaktiv»
in Deutschland an Gebärmutterhals- PAP I ist ein normaler Befund, PAP V be-
krebs (Zervixkarzinom). Für etwa ein deutet Krebs. Der Grund für diese Verän- In anderen europäischen Ländern wird
Drittel davon verlief die Krankheit tödlich. derungen liegt laut Schulmedizin zumeist der medizinischen Tatsache Rechnung ge-
Damit stand das Zervixkarzinom in der in einer Infektion mit Humanen Papillom- tragen, dass sich bei jungen Frauen häu-
Rangfolge der krebsbedingten Todesursa- viren (HPV). Etwa 80% aller Frauen würden fig auffällige Befunde ergeben. In der ganz
chen auf Platz 12. (1) sich im Laufe ihres Lebens bei sexuellen überwiegenden Mehrzahl der Fälle bilden
Beim PAP-Test (so benannt nach dem Kontakten mit diesen Viren anstecken. sich diese Befunde allerdings in einem
griechischen Arzt Dr. George Papanicola- Demzufolge ergeben sich auch bei etwa Zeitraum von zwei bis drei Jahren wieder
ou, der den Test schon vor über 80 Jahren 80% der untersuchten Frauen irgendwann zurück. Deutsche Gynäkologen greifen je-
entwickelte) werden mit einem Spatel oder einmal auffällige PAP-Befunde, deren wei- doch oft sehr schnell zum Skalpell, wenn
einer Bürste Zellabstriche vom Gebärmut- tere Entwicklung in der Regel engmaschig sie eine Gewebeveränderung entdecken
terhals und dem Muttermund genommen. überprüft wird. Meist empfehlen die Gynä- und sie diese nach einem Jahr immer noch
Die Abstriche werden unter dem Mikros- kologen nach einem Jahr ohne Besserung nachweisen können. Dabei herrscht ei-
kop auf Veränderungen hin untersucht. ab PAP-Stufe III D, spätestens aber ab PAP gentlich kein Grund zu übertriebener Eile:

Ein weiterer Geschäftszweig auf Kosten der Patientinnen? U.a. fast 3.000 japanische Frauen waren anscheinend wegen Nebenwirkungen von HPV-Impf-
stoffen («Humane Papillomaviren» (HPV), die angeblich Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen) dauerhaft erkrankt und bedurften einer ständigen medi-
zinischen Versorgung. Es handelte sich dabei um die Impfstoffe «Gardasil» von Merck und «Cervarix» von Glaxosmithkline.
Quelle: japantimes.co.jp, Suit opens in Tokyo court over cervical cancer vaccine side effects, 13.02.2017
90 Gesundheit Ausgabe 34, August 2020

Ergebnisse von Studien und


anderen Recherchen:
Vorsorgeuntersuchungen/Screenings Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs,
allgemein nutzlos? Auch in Bezug auf Haut- und Nierenkrebs: Mit Einführung
Krebs? (siehe S.38 f.) der Screenings steigt die Anzahl der
diagnostizierten Fälle, ohne Auswirkungen auf
Kein Gesamtüberlebensvorteil bei
das Gesamtüberleben. Ergo: Wer suchet, der
Brustkrebsscreenings (S.40 ff.)
ĸQGHWXQGEHKDQGHOWVHKURIWXQQÓWLJHUZHLVH
Innerhalb von zehn Jahren werden Man spricht von einer «Überdiagnose».
15.000 Frauen allein in Deutschland (S.55 u. 58)
einer sinnlosen Brustkrebsbehandlung
Einführung des Hautkrebs-Screenings
unterzogen. (S.45)
2008 in Deutschland ohne aussagekräftige
Screenings und Vorsorge-Eingriffe sind Zulassungsstudie (S.65 ff.)
gefährlich: Metastasen durch Abtasten
Nachteil für das Gesamtüberleben bei
und Biopsie (S.49), durch Biopsie (S.51)
Eierstockkrebs-Screenings. Härter ausgedrückt:
oder Konisation (S.70 f.) teilweise schwere
Patienten wurden durch das Screening
gesundheitliche Schäden, Röntgenstrahlen
umgebracht. (S.68 f.)
nachweislich krebserregend (S.44 u. S.48
f.). Teilweise sogar unnötige Amputation Fünf von sechs gescreenten Frauen werden durch
der Brüste und Eierstöcke (vorsorgliche Überdiagnose sinnlos Eierstöcke entfernt. (S.68 f.)
Verstümmelung, S.47 f.).
Der Anstieg der Krebs-Fallzahlen erklärt sich
Zwischen 1976 und 2008 wurden allein also u.a. durch über- bzw. fehldiagnostizierte
in den USA 1,3 Millionen Frauen grundlos Patienten (andere Faktoren ab S.92).
gegen Brustkrebs behandelt. (S.46)
Dutzende Grundlagenstudien zu Krebs-
Kein Gesamtüberlebensvorteil bei Prostata- EHKDQGOXQJHQZLVVHQVFKDIWOLFKZHUWORV(S.24)
Krebs-Screenings (S.51 ff.)
Schwere Langzeitschäden durch die
Zwischen 1986 und 2005 eine Million Behandlung: Dauerhafte Schmerzen,
Amerikaner unnötig an der Prostata Entzündungen, Geschwüre, Unfruchtbarkeit,
operiert. Mindestens 5000 starben direkt Impotenz, Herz- und Kreislaufprobleme,
nach der Operation. (S.55 f.) Schädigung der Nervenbahnen und vieles mehr
(S.83 f.). Studie ergab, dass 95% ehemaliger
97% aller Prostatakrebs-Behandlungen
Kinderkrebspatienten an chronischen
unnötig (S.56 u. 59)
Beschwerden leiden. (S.85) «Krebsfrei» bedeutet
allzu oft eben nicht «gesund».
Ausgabe 34, August 2020 91

Wie die Ergebnisse auf der linken Seite


(und andere negative Ergebnisse)
verzerrt (oder gar nicht) dargestellt
werden (können):
Wissenschaftlich katastrophal, doch durchaus Nennung relativer Zahlen (20% Risiko-Reduktion/
JHOÁXĸJEHL6WXGLHQ$OOH7HLOQHKPHUZHUGHQ höhere Überlebenschance) anstatt absoluter
derselben Diagnose/Behandlung unterzogen. Keine Zahlen (In einer Gruppe von 1000 erhöht sich
.RQWUROOJUXSSH$XVVDJHNUDIW1DKH1XOO die Anzahl der Überlebenden von 4 auf 5, 0,1%
(S.65 ff. u. S.77) Risiko-Reduktion/höhere Überlebenschance).
(S.40 f., S.60 u. S.72)
Fehlerhafte Randomisierung, keine dreifache
Verblindung, zu geringe Laufzeit. (S.16 ff. u. S.78 f.) 1LFKW(UZÁKQXQJGHU$Q]DKOÙEHUĹÙVVLJHU
Eingriffe durch Überdiagnosen oder falsch-
Selektive Auswahl von positiven Studien, Nicht-
positive Tests. (S.60 f.)
Erwähnung negativer Studien. (S.16 ff.)
Herunterspielen der psychischen und körperlichen
Kein Vergleich Diagnostizierter/Behandelter nicht
Tortur bei Screenings: Psychisch extrem
mit Nicht-Diagnostizierten/Behandelten. Z.B. alte
Diagnose/Behandlung wird mit neuer Diagnose/ belastend (S.42 f.), Biopsien (S.49 u. S.51) und
Behandlung verglichen. (S.81 u. S.87 f.) Vorsorgeeingriffe wie die Konisation (S.70 f.)
schmerzhaft.
Untersuchung von Ersatzparametern wie
Gewebeveränderungen (S.36 ff.), PSA- (S.51 ff.) Herunterspielen des Gesundheits-Risikos durch
oder PAP-Wert (S.70 f.), Tumorwachstum (S.77 ff.), Screenings (S.47 f., 48 f., 49, 51 u. 70 f.)
um vom eigentlichen Gesundheitszustand des Herunterspielen der psychischen und körperlichen
Patienten abzulenken. Tortur einer Behandlung: Extreme körperliche
Nicht-Untersuchung des Gesamtüberlebens, und seelische Leiden bei den drei herkömmlichen
sondern des Überlebens einer Krankheit. Selbst Krebsbehandlungen, die auf der Zerstörung bzw.
wenn die Diagnostizierten/Behandelten im Entfernung des Tumors basieren. (S.80 ff.)
Durchschnitt keinen Tag länger leben, werden sie Herunterspielen der schweren Langzeitschäden
als «vom Krebs geheilt» gewertet. (S.41 ff.) durch die Behandlung (S.80 ff.)
Wertung von «Fünf Jahre weiterleben» Wenn Diagnostizierte/Behandelte mit nicht
als «geheilt». Es wird nicht untersucht, ob mit Nicht-Diagnostizierten/Behandelten
Diagnostizierte/Behandelte im Durchschnitt länger verglichen wurden und dabei tatsächlich das
leben als Nicht-Diagnostizierte/Behandelte. Doch Gesamtüberleben untersucht wurde, reicht eine
GDUDXINRPPWHVDQ(S.54 ff.) längere Lebenszeit von einem oder wenigen
Wertung harmloser Gewebeveränderungen, die Monaten bei den Diagnostizierten/Behandelten
niemals zu behandlungswürdigen Symptomen bereits als Nützlichkeitsnachweis aus. Was ist
geführt hätten, als «Krebs» bzw. «Krankheit». Nach «ein paar Monate mehr leben» wert, wenn man
deren Entdeckung fünf Jahre weiterzuleben, wird die Leiden einer herkömmlichen Krebsbehandlung
DOVˆJHKHLOW˜JHZHUWHW¹EHUGLDJQRVH(S.36 ff.) durchlaufen muss? (S.78 ff.)
92 Gesundheit Ausgabe 34, August 2020

Alternative Ansätze

Foto: Lightspring/Shutterstock
Auf einen Blick
Während die Schulmedizin den kla-
ren Beweis für die Nützlichkeit ih-
rer Vorsorgemethoden und Therapi-
en schuldig bleibt (siehe S.38 ff.),
führen alternative Ansätze zur Vor-
beugung und Behandlung von
Krebs ein Schattendasein. Das Geheimnis
Alternative Krebsvorsorge und -be-
handlung wird nicht weiterverfolgt,
totgeschwiegen oder diffamiert.
Von einfachen Wahrheiten wird ab-
der «Krebs-Diät»
gelenkt oder sie werden kompli-

W
ziert dargestellt, um Verwirrung zu ir schreiben das Jahr 2024. lauferkrankungen ist Krebs hierzulande
Endlich ist es so weit: Pünkt- die zweithäufigste Todesursache. Und was
stiften.
lich zum 60. Jubiläum des passiert? Nichts! Jedenfalls nicht in Bezug
Obwohl die Schulmedizin manchen Deutschen Krebsforschungs- auf eine entscheidende Eindämmung der
alternativen Ansätzen zustimmt zentrums (DKFZ) in Heidelberg verkündet Krankheit. Trotz aller Chemo- und High-
(meist im Kleingedruckten), wer- dessen Leiter auch den endgültigen Sieg tech-Therapien steigt die Zahl der Krebs-
den diese den Patienten nicht aus- über den Krebs und die Schliessung des fälle an. Die Zahl der Krebsfälle weltweit
reichend vermittelt. Sie gehen in DKFZ. Nach 60 Jahren und vielen Milliarden dürfte sich nach einer Prognose der Welt-
D-Mark bzw. Euro ist die «Bestie Krebs» gesundheitsorganisation (WHO) bis 2040
der Hauptbotschaft unter, an Vor-
endlich besiegt, und die rund 3.000 Mitar- fast verdoppeln. Das geht aus dem alle fünf
sorge-Screenings und den her-
beiter des DKFZ können sich beglückt an- Jahre erstellten Weltkrebsreport der In-
kömmlichen Behandlungsmetho- deren Aufgaben zuwenden. Der Aufwand ternationalen Agentur für Krebsforschung
den führe kein Weg vorbei. hat sich also gelohnt. (IARC) hervor. 2018 erkrankten demnach
Eigentlich bauen die meisten alter- Aber das ist natürlich eine Utopie. Ob weltweit 18,1 Millionen Menschen neu an
nativen Ansätze auf jahrtausen- wir dieses Szenario oder etwas Ähnliches Krebs, 9,6 Millionen Menschen starben
dealten Binsenweisheiten auf, die noch erleben werden? Ihre Verwirklichung daran. Im Jahr 2040 dürften etwa 29 bis 37
ist kaum vorstellbar! Denn der Trend zeigt Millionen Menschen neu an Krebs erkran-
LQ GHU 6FKXOPHGL]LQ VWUÁĹLFK YHU-
in eine andere Richtung: Trotz solch vor- ken, berichtete die IARC zum Weltkrebstag
nachlässigt werden: Zucker ist un-
trefflicher Grossforschungseinrichtungen im Februar 2020. (1)
gesund, Übergewicht auch. Gemü- steigen die Krebsraten dramatisch an. Irgendetwas kann hier also nicht stim-
se ist gesund. Bewegung tut gut. Jedes Jahr rafft die tückische Krankheit men: Wie ist das trotz all der schulmedizi-
Eine angeschlagene Psyche kann weltweit Millionen Menschen dahin, und nischen Therapien möglich? Trotz all der
sich auf die Gesundheit auswirken. es werden immer mehr. Rein rechnerisch Götter in Weiss in ihren festungsartigen
Wahrheiten, die auch die Schulme- erkrankt heute jeder dritte Europäer im Termitenbauten voller medizintechnischer
dizin kennt, die sie jedoch meist zu Laufe seines Lebens an Krebs. In Deutsch- Fetische? Wird die Menschheit langsam
Randaspekten degradiert. land sind es jedes Jahr fast eine halbe Mil- vom Krebs aufgefressen? Oder eher vom
lion Menschen. Nach den Herz- und Kreis- medizinisch-industriellen Komplex?
Ausgabe 34, August 2020 93

zur Krebsbehandlung
Deutsches Krebsforsch
Krebsforschungszentrum
Geheilt und trotzdem tot
Nicht doch – das Ganze liege nur daran,
dass wir immer älter werden und damit die • Mitarbeiter: 3.047 (Stand September 2018)
Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkran- • Gesamtbudget: 280 Mio. Euro
kung bei jedem Einzelnen zunehme, behaup-
tet die Krebsmedizin. Was im Umkehrschluss • Beteiligung an neun Firmen
bedeutet, dass in Wirklichkeit zumindest «al- • Über 90 Abteilungen und Forschungsgruppen
tersbereinigt» Stillstand an der Krebsfront
herrscht. Keineswegs, denn schliesslich sei • Ergebnisse bei der Eindämmung von Krebs:
man heute so weit, «dass wir jeden zweiten Kaum wahrnehmbar
Patienten und jede zweite Patientin heilen
können», rühmte sich 2014 DKFZ-Vorstand
Otmar D. Wiestler aus Anlass des 50. Jubilä-
ums seiner Wissenschaftsfestung. «Das ist Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg forscht an der Entstehung und
ein erheblicher Fortschritt, verglichen zu den Behandlung von Krebs. Die Ergebnisse sind allerdings mehr als ernüchternd.
Foto: Rudolf Stricker (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heidelberg_DKFZ_Neuenheimer_Feld_20120501.jpg) https://
sechziger Jahren, als das Krebsforschungs- www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html
zentrum gegründet worden ist.» Aber was be-
deutet schon «geheilt»? Wie bereits aufgezeigt
(siehe S.38 ff.) kann man von Krebs «geheilt» für weitere Jahrzehnte in die Länge zie- nächsten 100 Jahren über 200 Millionen
werden und trotzdem keine gesundheitliche hen, sondern wirkliche Durchbrüche. Kann Euro pro Jahr haben möchte. Da stellt sich
Besserung erfahren. Denn um als «geheilt» zu es sein, dass ganze Forschergenerationen die Frage: Ist die moderne Krebsmedizin
gelten, muss ein Patient in der Regel nur fünf immer noch keine Ahnung haben, wie man wirklich Teil der Lösung? Oder eher Teil des
Jahre krebsfrei bleiben. den Krebs wirklich «besiegen» kann? Oder Problems?
Die vermeintlichen Erfolge dienen le- leben sie einfach zu gut davon? Offenbar
diglich dazu, den enormen finanziellen Auf- ja. Und so «versterben immer noch vie- Krebs erfreut sich
wand zu rechtfertigen, und verstellen den le Menschen an Krebs», räumte Wiestler
Blick auf eine simple Tatsache: Gemessen ein, und so werde man «noch erhebliche bester Gesundheit
an dem Gesamtproblem hat die Krebsfor- Forschungsanstrengungen brauchen, um Milliardenschwere Forschungs- und
schung bis heute noch immer nichts Ent- auch denjenigen zu helfen, die wir heute Pharmaetats haben den Krebs bislang nicht
scheidendes geleistet. Gefragt sind nämlich noch nicht erfolgreich behandeln können». besiegen können. Aber will man das über-
nicht nur marginale Verbesserungen und (2)
Im Klartext heisst das, dass das Deut- haupt? Denn was würde dann mit den milli-
statistische Tricks, welche die Forschung sche Krebsforschungszentrum auch in den ardenschweren Etats für die gesamte Kreb-
sindustrie geschehen? Eben. Also erfreut
sich der Krebs weiter bester Gesundheit,
Der hochqualifizierte Radiologe Dr. med. Gerd Reuther schreibt und die Medizin kommt einfach nicht da-
in seinem Spiegel-Bestseller Der Betrogene Patient: rauf, wie man ihn endlich besiegen könn-
te. Es ist ja auch einfach zu kompliziert.
«Hierzulande werden immer wieder Forschungs- Was nicht alles Krebs erregt: Alkohol, Zi-
schwerpunkte mit viel öffentlichem Geld geschaf- garetten, Grillfleisch, Übergewicht, Bewe-
gungsmangel, Sonnenlicht (UV-Strahlung),
fen. So das Deutsche Krebsforschungszentrum Luftschadstoffe, Radioaktivität, aber auch
(DKFZ) in Heidelberg, das vor der Angstkulisse einer Aus- Farben, Reinigungsmittel, Möbelpolituren
löschung der Menschheit durch Krebserkrankungen 1964 und anderes mehr. Kurz, unser gesam-
ter moderner Lebenswandel steht unter
ins Leben gerufen wurde. Ein halbes Jahrhundert nach sei- Krebsverdacht. Eigentlich können wir den
ner Gründung sind fast alle Krebserkrankungen unverändert Krebs nur besiegen, indem wir uns gleich
selbst umbringen. Das heisst … Doch dazu
XQKHLOEDU7URW]HLQHV%XGJHWVYRQLQ]ZLVFKHQPHKUDOV gleich mehr.
Millionen Euro und fast 3.000 Mitarbeitern in mehr als 90 Zunächst: Die Forschung über die Kreb-
Abteilungen und Forschungsgruppen sind Meilensteine zum sentstehung sieht den Wald vor lauter Bäu-
men nicht. Sie verirrt sich immer tiefer im
Segen der Menschheit nicht zu vermelden.» Mikrokosmos: Ist es nun dieses oder jenes
Quelle: Reuther, G.: Der betrogene Patient. München, riva Verlag, 2017, S.95 Gen? Welche Rolle spielen Zellstoffwechsel