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Abschnitt 5.

4 Mauerwerksbau

5.4.8 Der Übergang zum erdberührten Bereich

Im Sockelbereich unterhalb der Sockellinie (Spritzwasserbereich) müssen ganz besonders


widerstandsfähige Oberflächenmaterialien eingesetzt werden, um dem dortigen Wasserangriff in
Form aller drei Aggregatzustände, aber auch erhöhten mechanischen Belastungen, zu trotzen.

Häufig zum Einsatz kommen aus diesen Gründen spezielle Sockelputze und Klinker (hart gebrannte
Ziegel). Beide können bei ordnungsgemäßem Einbau zugleich die Abdichtungsfunktion gegen nicht
drückendes Wasser und Sickerwasser übernehmen. Nach DIN 18195-4 darf nämlich oberhalb des
Geländes die eigentliche Abdichtung entfallen, wenn stattdessen ausreichend Wasser abweisende
Bauteile verwendet werden.
Die Verblendsteine sollten dann in Zementmörtel der MGIII vermauert werden.
Sockelputze bestehen meistens aus rein mineralischem Mörtel der Mörtelgruppen PII
(Kalkzementmörtel) oder PIII (Zementmörtel) gemäß DIN 18550. Sie sind bei entsprechender
Zusammensetzung sehr Wasser sperrend, je nach Hersteller bis zu 1,5 bar Wasserdruck; das
entspricht einer Wassersäule von 15 m Höhe. Ihre hohe Wasserundurchlässigkeit macht die
Sockelputze ideal für den Einsatz im erdberührten Bereich, sie haben aber auch Nachteile.
Die sperrende Wirkung ist nicht nur von außen nach innen wirksam, sondern auch auf
umgekehrtem Wege. Von innen kommendes Wasser (aus der Gebäudenutzung) diffundiert in das
Mauerwerk und konzentriert sich dort hinter der Sperrschicht. Das Wasser kann auskondensieren
und zu Feuchtigkeitsschäden führen.
Deshalb sollte der Sockelputz auf den gefährdeten Bereich beschränkt werden. Mehr als 60 cm
sollte er nicht aus dem Erdreich hochgeführt werden.
Für diese Beschränkung gibt es bei Zementputzen noch einen anderen Grund: Zementputze sind
nur bedingt elastisch dehnfähig; bei Wärmeeinwirkung (durch Sonneneinstrahlung) entstehen
Spannungsrisse an der Bauteiloberfläche. Diesen kann man entweder durch einen hellen
Farbauftrag oder durch Zugabe von Additiven entgegenwirken. Manche Sperrputze sind aus
diesem Grund Kunststoff vergütet. Dadurch werden sie dehnfähiger gemacht. Eine Alternative ist
Kalk-Zement-Putz.

Alternativ zu Sockelputzen oder Klinker-Verblendmauerwerk können die Dichtungsbahnen bzw.


Beschichtungen aus dem Kellerbereich mindestens 15 cm über OK-Terrain geführt werden. Diese
Stoffe sind aber nach DIN 18195-10 immer mit einer schützenden Abdeckung zu versehen, denn
sie sind größtenteils nicht mechanisch belastbar und teilweise nicht einmal UV-beständig.
Daher werden die Abdichtungsstoffe nach Möglichkeit hinter der schützenden Vormauerschale des
zweischaligen Mauerwerks nach oben geführt.
Hierbei ergibt sich für kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) das Problem, dass
sie nicht waagerecht in und unterhalb von Mauerwerk eingesetzt werden dürfen.
Diese Dickbeschichtungen fangen nämlich unter dem Druck des darüber liegenden Mauerwerks an
zu kriechen und lassen sich seitlich wegdrücken. Unter örtlichem Spitzendruck (Steinsplitter o.a.)
kann das ein Durchstanzen zur Folge haben. Die Dichtigkeit der Sperrschicht könnte nicht mehr
gewährleistet werden.
Als waagerechte Ergänzung zur Dickbeschichtung kommen bei Bedarf dann bitumenverträgliche
Folien zum Einsatz (siehe auch 5.4.5 Abdichtungsbahnen).

Eine weitere Variante ist die Kombination aus Dickbeschichtung und vorangegangener
Untergrundbehandlung.

Die Oberfläche der Kelleraußenwand sollte je nach Beschaffenheit vor dem Auftragen einer
Bitumendickbeschichtung egalisiert werden. Diese Forderung ist in der DIN 18195-3
festgeschrieben und ergibt sich aber auch aus der Tatsache, dass die Trockenschichtdicke der KBM
an jeder Stelle mindestens 3 mm dick sein muss (gegen stauendes Sickerwasser 4 mm) und
gleichzeitig nach DIN 18195-3 an keiner Stelle die Nassschichtdicke um 100% überschritten
werden darf (z.B. durch Lunker).

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Abschnitt 5.4 Mauerwerksbau

Quelle [101]

Nach DIN 18195-3 kommen dafür mehrere Untergrundvorbehandlungen infrage:


• Dünn- und Ausgleichsputz
• Vermörtelung
• Dichtungsschlämme
• Kratzspachtelung

Diese Verfahren sind aber keineswegs als gleichwertig zu betrachten. So besteht auch nach dem
Kratzspachteln oder dem Auftragen der Dichtungsschlämme weiterhin die Gefahr, dass die
anschließend aufgetragene Dickbeschichtung nicht an allen Stellen die geforderte Mindestdicke hat.

Links: Trotz Kratzspachtelung wird die


Mindestschichtdicke nicht eingehalten.

Quelle [101]

Das vollflächige Verputzen mit Dünn- oder


Ausgleichsputz eignet sich am besten zur
Verbesserung der Schichtdickeneinhaltung, ist
aber auch die aufwändigste Form der
Oberflächenvorbehandlung und wird deshalb
auch nicht häufig vorgenommen.

Quelle [101]

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Abschnitt 5.4 Mauerwerksbau

Von Herstellern wird auch gerne ein Gesamtpaket aus Dichtungsschlämme und
Bitumendickbeschichtung als Systemlösung offeriert:

Vorteil dieses Systems:

Die egalisierende
Dichtungsschlämme
fungiert gleichzeitig im
Bereich über
Erdgleiche als die in
DIN 18195 geforderte
Feuchtigkeitsab-
dichtung. Sie kann
ohne Bedenken unter
und in Wänden
eingesetzt werden,
weil die mineralischen
Zuschläge dem Druck
des aufgehenden
Mauerwerks
standhalten.

System HEYEN [102]

Dichtungsschlämmen bedürfen für den Einsatz als alleiniger Dichtstoff gemäß DIN 18195 einer
bauaufsichtlichen Zulassung. Sie sind als Abdichtungssystem nicht in Normen geregelt.

Bisher gibt es nur für einige wenige Produkte von bestimmten Herstellern ein allgemeines
bauaufsichtliches Prüfzeugnis. Dieses berechtigt zum Einsatz in dort festgeschriebenen,
eingeschränkten Anwendungsbereichen.

In der, je nach Hersteller und Untergrund variierenden Schichtdicke aufgetragen, sind


Dichtungsschlämmen Wasser sperrend bis etwa 0,5 bar. Dichtungsschlämmen wirken oft nur unter
permanentem Feuchtigkeitseinfluss wirklich dichtend. Wenn sie im ausgetrockneten Zustand von
Wasser „überrascht“ werden, lassen sie dieses durch.
Zurzeit stellen sie keinen adäquaten Ersatz für Dichtungsmittel nach DIN 18195 dar.

Weil kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) sehr anfällig gegen eventuelle


Verarbeitungsmängel sind, wird auf die Kontrolle der eingebauten Schichtdicke besonderes
Augenmerk gelegt.
Dazu sind Schichtdickenkontrollen und eine Durchtrocknungsprüfung durchzuführen. Diese sind bei
Abdichtungen nach DIN 18195-6 (aufstauendes Sickerwasser) zu dokumentieren.
Neben der genannten Anfälligkeit gegen Verarbeitungsfehler haben Bitumendickbeschichtungen
einen zweiten Nachteil gegenüber Abdichtungsbahnen: Bis zur Durchtrocknung vergehen einige
Tage. Grob lässt sich der Zeitbedarf mit der witterungsunabhängigen Annahme von einem mm pro
Tag überschlagen.
Daraus ergibt sich etwa folgendes Zeitfenster für die Durchtrocknung:

Untergrundbehandlung ca. 2d
KMB mit Schichtdicke ≥ 3mm ≥ 3d
Berücksichtigung von Nassschichtdickenüberschreitung ≤ 100% ≥ 3d
Mindestzeitbedarf zur Durchtrocknung ca. 8d

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Abschnitt 5.4 Mauerwerksbau

Vorteile der Bitumendickbeschichtung gegenüber Schweißbahnen sind die hohe Flexibilität (z.B.
beim Anarbeiten an Durchdringungen) und die einfachere Verarbeitbarkeit. Schweißbahnen muss
man an senkrechten Ebenen zu zweit verlegen; eine Dickbeschichtung kann auch von einer Person
aufgetragen werden (mit Hilfe einer Druckluftpistole oder auch von Hand mit dem Glätter).

Das erklärt die hohe Akzeptanz, die sie, obwohl sie erst in die neue DIN 18195:2000-08
aufgenommen wurden, besitzen.

Quelle [103]

Die Grafik zeigt die in Deutschland angewendeten Abdichtungssysteme getrennt nach Wohnungs-
und Objektbau, ohne Differenzierung nach Lastfällen.

Im Wohnungsbau wird etwa die Hälfte aller Gebäude mit Dickbeschichtung gegen Wasser
abgedichtet.

Die weitergehende Veröffentlichung dieser Erhebung zeigt zudem, dass bei drückendem Wasser
nach DIN 18195-6 (Abschnitt 8) eine deutliche Mehrheit (über 75%) der Befragten Wasser
undurchlässigen Beton (WU-Beton) eingesetzt hat bzw. einsetzt, obwohl WU-Beton kein
Abdichtungssystem ist.
Ohne zusätzliche Beschichtung gelangt Feuchtigkeit durch kapillaren Feuchtetransport zur
Raumseite. Feuchtigkeitsempfindliche Kellerräume (Wohnraum) aus WU-Beton sollten nicht ohne
zusätzliche Abdichtung hergestellt werden.

Wichtig ist bei allen zur Ausführung kommenden Beschichtungsarten, dass unmittelbar nach
Fertigstellung eine Schutzschicht aufgebracht wird. Diese Schutzschicht muss gemäß DIN 18195-10
ausgeführt werden und gegen einwirkende Beanspruchungen mechanischer, chemischer und
thermischer Art widerstandsfähig sein.
Ist die Beschichtung beschädigt, kann sie ihrer Aufgabe, der dauerhaften Wasserabweisung vom
Bauwerk, nicht mehr nachkommen.

Bauteildurchdringungen

Eine besondere Herausforderung für den Planer und bei der Bauwerkserstellung sind
Bauteildurchdringungen, die bis zur Sohlplatte oder Kellerdecke herunter gezogen sind. Dies sind
insbesondere Haustüren und Terrassentür-Elemente. Bei beiden kann die Abdichtung gemäß DIN
18195 nur bei vor gelagerten Podesten oder Stufen bis 15 cm über OK-Terrain geführt werden.
Problematisch ist es, wenn ein ebenerdiger Übergang ohne Barriere z.B. für Rollstuhlfahrer
hergestellt werden soll.
Der Spritzwasserschutz muss ebenfalls anders geartet sein, als im sonstigen Sockelbereich.

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