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Politik und Ratgeber der Königin

Maria von Ungarn in den Jahren 1521—1531


Von Gernot H e i ß *)

I n h a l t : I. Habsburgische Heiratspolitik; Andrea da Burgo; Johannes Schneid-


pöck S. 119. — Das ungarische Leibgedinge der Königin; ihr Einfluß auf die ungari-
sche Politik vor Mohäcs S. 128. — II. Der Hof der Königin-Witwe in Preßburg 1526/27;
ihre Statthalterschaft für Ferdinand S. 143. — III. Maria, Ferdinand und die Frage
der ungarischen Besitzungen der Königin S. 167; zu ihrer religiösen Gesinnung S. 173;
die Übernahme der Statthalterschaft in den Niederlanden (1S31) S. 175.

I.

Seit Albrecht I. bemühten sich die Habsburger, ihre Macht in Mittel-


europa nach Norden, Osten und Südosten durch den Erwerb der böhmi-
schen und der ungarischen Krone zu erweitern. N a c h den Mißerfolgen Fried-
richs III. und Maximilians I. versuchte letzterer die habsburgischen An-
sprüche durch familiäre Bande abzusichern; Verwandtschaft sollte politi-
sche Bündnisse erleichtern und festigen. Dazu wurde bereits 1506 beschlos-
sen, die a m 17. September 1505 in Brüssel geborene Enkelin des Kaisers,
Erzherzogin Maria, mit dem noch ungeborenen Thronerben v o n Ungarn
und B ö h m e n zu verheiraten^).
Demnach war der Erzherzogin eine zwar wichtige, jedoch nur passive
Rolle in der habsburgischen Politik zugedacht. Wohl hatte Maria bereits
sehr früh temperamentvoll ihre Hartnäckigkeit bei der Durchsetzung des

*) Die vorliegende Studie beruht auf meiner phü. Dissertation: Königin Maria
von Ungarn und Böhmen (1505—1558). Ihr Leben und ihre wirtschaftlichen Inter-
essen in Österreich, Ungarn und Böhmen (masch. Wien 1971). Eine weitere Arbeit
von mir, über die Beamten und Besitzungen der Königin Maria in Ungarn, Böhmen
und Österreich, wird in den Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 1974/76
erscheinen. Besonders danken möchte ich meinem akademischen Lehrer, Herrn Univ.-
Prof. Dr. Erich Z ö l l n e r , und Herrn Univ. Prof. Dr. Herwig W o l f r a m , die immer
bereit waren, mich bei meiner Arbeit zu unterstützen, Dr. Gerhard R i l l vom Haus-,
Hof- und Staatsarchiv Wien, der mich auf dieses Forschungsgebiet hinwies, und Univ.-
Doz. Dr. Ludwig G o g o l ä k für seine wertvollen Ratschläge.
Der Vertrag wurde von Maximilian in Wiener Neustadt am 20. März, durch
Wladislaw in Ofen am 27. März 1506 unterzeichnet. Dazu und zum Zustandekommen
der Doppelhochzeit von 1515 siehe noch immer Xaver L i s k e , Der Congress zu Wien
im Jahre 1515. Eine kritisch-historische Studie. Forschungen zur deutschen Geschichte
7 (1867) 520.

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eigenen Willens gezeigt^), aber wegen ihrer Jugend war von ihr noch kein
selbständiges politisches Handeln zu erwarten, als sie im Juni 1521 nach
Ungarn kam. An ihrem Hofe wurden deshalb jene Personen untergebracht,
die die Interessen ihrer Brüder wahren sollten: Gegen den Einspruch der
eifersüchtigen Ungarn, die die Hofämter für sich beanspruchten®), hatte
Maria einen großen Teil ihrer Höfhnge aus Österreich behalten und ließ
noch in den folgenden Jahren wichtige Beamten von dort kommen*).
Die wichtigste Persönlichkeit in der Umgebung der jungen Königin
war in den ersten Jahren der „ambaxatore di Cesare apresso la Regina"®)
Andrea da Burgo. Als Kenner der ungarischen Verhältnisse durch frühere
Missionen®) war er im Geleit Marias 1521 nach Ofen gekommen, fand so-
gleich Aufnahme in den Kronrat') und gewann entscheidenden Einfluß auf
die böhmisch-ungarische Innen- und Außenpolitik. Noch mehr als zwei
Jahre nach seiner Abreise (Ende 1523) fürchteten die Ungarn, daß wieder
ein ausländischer Gesandter — diesmal ging es um den päpstlichen Nuntius
Giovanni Antonio Pulleone Baron Burgio — so mächtig bei Hofe werden
könnte®).
Durch die innerungarischen Machtkämpfe und die Bedrohung von Sei-
ten der Osmanen (gerade 1521 zeigte sich wieder deutlich die völlige Un-

Maria widersetzte sich im August 1520 hartnäckig der Neuordnung ihres Hof-
staates durch das Imisbrucker Regiment, wobei mit Zustimmung des Kaisers einige
Höflinge entlassen werden sollten, während Anna (die beiden Schwägerinnen hielten
seit 1515 gemeinsam Hof) rasch bereit war nachzugeben: Regiment in Innsbruck an
Wilhelm von Wolkenstein, Innsbruck, 12. 8. 1520, Landesregierungsarchiv Innsbruck
(LA Innsbruck), Copialbücher, Missiven 1519—21, fol. 87 ff.
') Auf den Reichstagen wurde mehrmals die Entlassung der „Deutschen" ge-
fordert: Reichstagsbeschluß von 1523, Art. 14 ed. Martin Georg K o v a c h i c h , Sup-
plementum ad vestigia comitiorum etc. 2 (Ofen 1798/1801) 515 ff. und siehe unten
über die Reichstage von 1524 und 1525; bereits bei Marias Ankunft in Ofen gab es
eine Auseinandersetzung mit der Frau des Ofener Burggrafen Johann Bomemisza, die
Hofmeisterin Marias werden wollte: Hans Schweinpeck, ein deutscher Adeliger im
Gtefolge Marias, an seinen Sohn, s. d. (Sommer 1521) bei Karl S t o e g m a n n , Über die
Briefe des Andrea da Burgo, Gesandten König Terdinands an den Cardinal und Bi-
schof von Trient Bernhard Cles. Sonderabdruck aus den Sitzungsberichten der phU.-
hist. Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien 24 (1857) 68.
*) Vgl. dazu ausführlicher meine Dissertation (Personenregister) z. B. über Frau
von BaiUeul, Fräulein Fuchs, Christoph Kreuzer, Katharina von Poitiers, Hans
Selnauer; aus Innsbruck kam 1524 ihr wichtigster Beamter, ihr Oberkammergraf
Bernhard Beheim.
') Giovanni Antonio PuUeone, Baron Burgio an Jacopo Sadoleto, 13. 4. 1525 ed.
Wilhelm F r a k n ö i , Prolegomena ad oratorum pontificiorum relationes 1524—1526.
Monumenta Vaticana historiam regni Himgariae illustrantia, Serie II, 1 (Budapest
1884) 160.
') Stoegmann a. a. 0 . 7.
') Bericht des venezianischen Gesandten Lorenzo Orio, Ofen, 14. 9. 1521 bei
Marino S a n u t o , I diarii, herausg. v. Federico Stefani - Guglielmo Berchet - Nicol6
Barozzi 31 (Venezia 1879—1903) col. 480.
') Tagebuch Burgios, Ofen, 24. 4. 1526 bis 8. 5. 1526 ed. Georg P r a y , Epistolae
procerum regni Hungariae 1 (Posonia« 1806) 410—420 und Fraknöi, Prolegomena
372 ff.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 121

fähigkeit der ungarischen Regierung, die wirtschaftlichen und militärischen


Kräfte des Landes rasch und geordnet zu mobilisieren) mußte es als vor-
dringlich erscheinen, schnell die Heiratspolitik zu Ende zu führen, um die
Früchte, die Kronen von Ungarn und Böhmen, im Falle eines Unglücks
beanspruchen zu können®). Deshalb beschloß die Königin — wohl auf Rat
der beiden Gesandten ihrer Brüder, Bischof Bernhard Cles von Trient und
Andrea da Burgo — ihre Reise nach Ofen fortzusetzen, gegen den Vor-
schlag ihrer ungarischen Begleiter, die Weiterreise wegen der Türkengefahr
abzubrechen^'). Auch die Reise zur Krönung nach Prag Anfang 1522, wo-
hin Ludwig nach dem Tode seines Vaters noch nicht gekommen war, er-
folgte aus diesem Grund auf Rat Andrea da Burgos^^) und durch das „eif-
rige Bemühen" der Königin J^).
Das Anwachsen des Einflusses der Habsburger auf die Politik des
böhmisch-ungarischen Hofes zeigte sich deutlich, als Ludwig seine Haltung
zur Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Ritterorden und Polen
änderte: Bisher hatte der ungarische König für seinen Onkel, Sigismund
von Polen, Partei ergriffen und diesem im letzten Krieg gegen den Orden
1200 Söldner gesandt^®); der Kaiser und die Reichsstände hingegen unter-
stützten den Hochmeister, da sie die Gebiete des Ritterordens als zum
Reiche gehörig ansahen. Gerade wegen ihres geteilten Engagements sollten
König Ludwig und Kaiser Karl nach den Bestimmungen des Waffenstill-
stands vom 5. April 1521 einen endgültigen Vergleich vermitteln"). Als
der Hochmeister Albrecht von Brandenburg im Frühjahr 1522 nach Prag
kam, um Ludwig für sich zu gewinneni®), konnte er nun nicht mehr nur
mit seinem Bruder Markgraf Georg — Erzieher Ludwigs und durch seine
erste Ehe mit Beatrix Frangepän, der Witwe des Johannes Corvin, einer
der reichsten ungarischen Feudalherrn i®) —, sondern auch mit der Unter-
stützung durch die habsburgische Diplomatie rechnen"). Leicht gewann er

') Sigismund von Polen argumentierte ähnlich, als er Maximilian 1516 zum Voll-
zug der Ehe mit Anna drängte, edl Stanislaus G o r s k i , Acta Tomiciana. Epistolae,
legationes, responsa, actiones, res geste, Serenissimi prinoipis Sigismundi, ejus nominis
primi, regis Polonie etc. 4 (Posnaniae 1852—1960) 43.
" ) Lorenzo Orio, Ofen, 6. 7. 1521 bei Sanuto 31, col. 73.
" ) Ders., Ofen, 14. 2. 1522 ebd. 32, col. 495 und Finalrelation desselben, 21. 12.
1523 ebd. 35, col. 296.
« ) Pranz P a l a c k ; ^ , Geschichte von Böhmen 5/2 (Prag 1836—67) 453 zit. Be-
richt des Gesandten der böhmischen Stände aus Ofen, vom 24. 1. 1522.
" ) Wilhelm F r a k n ö i , Ungarn vor der Schlacht bei Mohdcs (1524—1526), auf
Grund der päpstlichen Nuntiaturberichte (Budapest 1886) 74.
" ) Johann V o i g t , Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Un-
tergang der Herrschaft des Deutschen Ordens 9 (1837—39) 476—632.
« ) Palack^ 5/2, 465 ff.
" ) Louis N e u s t a d t , Markgraf (Jeorg von Brandenburg als Erzieher am unga-
rischen Hofe (1883) 11.
" ) Sigismund dankt Bfetislav Swihovski für die Nachricht von den Intrigen der
Leute Ferdinands am böhmischen Hof gegen ihn, Wilna, s. d. (Juni 1522) ed. Gorski 6,
118.

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so die Zuneigung des Königs und der Königini®), und König Sigismund
mußte sich bei seinem Neffen beklagen, daß sein Feind bei Hof in Prag
so gute Aufnahme gefunden habe^'); unter diesen neuen Voraussetzungen
schien dem polnischen König eine Vermittlung Ferdinands (als Vertreter
des Kaisers) und Ludwigs wenig erfolgversprechend®").
Zu einem Skandal kam es im folgenden J a h r : Nach einer Reise zum
Nürnberger Reichstag (von wo er an Königin Maria Schriften Luthers
sandte)®!) kehrte Albrecht im Februar 1523 nach Prag zurück®®) und be-
mühte sich zur Tilgung der Schulden aus dem letzten Krieg um ein ein-
trägliches Amt. Auf Betreiben Andrea da Burgos kam es zu geheimen Ab-
sprachen mit Ferdinand, und Ludwig wollte ihm den Oberbefehl im Feld-
zug gegen die Türken übertragen®®). König Sigismund erfuhr davon, und
nach seinem heftigen Protest und wegen des Widerstandes der Ungarn, die
keinen Ausländer in diesem Amt wollten, wurde dieses Vorhaben aufge-
geben®^). Dadurch hatte der Polenkönig freilich jedes Vertrauen in die Ein-
stellung seines Neffen verloren, und er lehnte in den folgenden Jahren alle
Bemühungen Ludwigs ab, die im Waffenstillstandsvertrag vorgesehenen
Verhandlungen einzuberufen. Nach dem Fehlschlagen des letzten Versuches
von Ende 1524 — die Verhandlungen sollten am 6. Januar 1525 in Preß-
burg stattfinden®®) — sandte der Hochmeister seinen Bruder Georg und
den Herzog Friedrich von Liegnitz mit neuen Vorschlägen nach Krakau,
die schnell zu einem Vergleich führten®®).
Zur Rechtfertigung der königlichen Politik wurden freilich auch in
diesem Fall Argumente angeführt, die sie im Interesse Ungarns zur Abwehr
der Osmanen als vorteilhaft erscheinen ließen: So konnten die Ungarn erst
nach einem Frieden zwischen Polen und dem Orden Hilfe von Polen und
Einsatz der Deutschordensritter gegen die ,,Ungläubigen" erhoffen®'); der

") Peter Tomicki an Ladislaus Szalkai, s. d. (1523) ed. Gorski 6, 304ff.; Burgio
an Sadolet, Ofen, 6. 2. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena 135.
Andrea da Burgo an Ferdinand, Kuttenberg, 18. 3. 1523, Orig. im Haus-,
Hof- und Staatsarchiv Wien (HHSta), Große Korrespondenz 25 a.
Sigismund an Ludwig, Wilna, s. d. (Juni 1522) ed. Gorski 6, 76 f.; ders. an
Christoph Szydlowiecki, Wilna, 3. 6. 1522 ed. ebd. 79 f.
''i) Bericht des Hans von der Planitz an den Kurfürsten Friedrich von Sachsen,
Nürnberg, 15. 10. 1523 ed. Ernst W ü l c k e r - H a n s V i r c k , Des kursächsischen
Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg 1521—23
(Leipzig 1899) 556 f.
Wilhelm S t r a c k e , Die Anfänge der Königin Maria von Ungarn, späteren
Statthalterin Karls V. in den Niederlanden (1940) 42.
Burgo an Ferdinand, Kuttenberg, 18. 3. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25 a;
ders. an Gabriel de Salamanca, Kuttenberg, 18. 3.1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25b.
2») Burgo an Salamanca, Olmütz, 8. 4. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25 b.
") Ludwig an Sigismund, 3. und 21. 11. 1524 ed. Gorski 7, 86 ff.; Berufungs-
schreiben Ferdinands an Ludwig, Sigismund, Kardinal Matthäus Lang, s. d., an den
Hochmeister, 10. 11. 1524, und ohne Adresse, Innsbruck 24. 12. 1524, Kopien im
HHSta, HS. weiß 286, fol. 7 ff.
Voigt a. a. O. 750.
") Ebd. 643.

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Hochmeister hatte außerdem versprochen, Ludwigs Wahl zum römischen


König vorzuschlagen^®), wodurch jener eine Aufwertung seiner Gesuche um
Reichshilfe gegen die Türken hätte erwarten dürfen (auch hatte dies alten
Wünschen der ungarischen Herren, ihren König als Kaiser zu sehen, wieder
Auftrieb gegeben)^®). Es waren jedoch die Interessen einzelner ungarischer
Herren und mächtiger Fürsten, die den Gang der königlichen Politik unter
einem machtlosen, kindlichen Herrscher bestimmten; je nachdem, wessen
Einfluß gerade der stärkste war, wurde ein neuer Weg beschritten und
meist nach kurzem wieder verlassen.
Auch der Umschwung in Böhmen Anfang 1523 schien zwar einzig dazu
angetan, die Macht des Königs zum Nachteil der Herren zu mehren, wurde
aber durch den Gegensatz zwischen den hohen böhmischen Beamten um
Zdenek Lev von Rozmital und den nichtböhmischen Räten Ludwigs aus-
gelöst: Die böhmischen Würdenträger widersetzten sich dem Einfluß der
Fremden, die auch in Prag ihren Sitz im königlichen Rat behalten hatten®®).
Diese wieder waren an einer Stärkung der Autorität Ludwigs in Böhmen
interessiert; so verlangten die Ungarn von den Böhmen finanzielle und
militärische Hilfe, die jene nicht ohne eigenen Vorteil geben wollten, und
erwarteten, daß ein in Böhmen mächtiger, ihnen aber gehorchender König
die Ansicht durchsetzen werde, Mähren und Schlesien seien seit der Er-
oberung durch König Matthias Kronländer Ungarns®^). Markgraf Georg
von Brandenburg, einer der einflußreichsten Räte, bemühte sich um die
Bestätigung seiner Erbrechte in den schlesischen Herzogtümern Oppeln
und Ratibor durch die böhmischen Stände®^), konnte dies aber nur von
einem gegenüber den Wünschen des Königs nachgiebigen Landtag erwar-
ten. Der kaiserliche Gesandte schließlich wollte den Sturz der Partei des
Zdenek Lev, als ihm bekannt wurde, daß jener gegen den Kaiser und
Reichsfürsten mit den Franzosen und mit Franz von Sickingen konspi-
rierte®®).
Zdenek Lev von Rozmital und seine Parteigänger wurden auf den
beiden Prager Landtagen im Januar und Februar 1523 entlassen und durch
neue Beamte ersetzt. Gleichzeitig wurde hier auch die Rückgabe der könig-
lichen Güter und Einkommen gefordert und wurden Steuern, HiKe für
Ungarn und Friede der Böhmen mit den Reichsfürsten beschlossen; König
und Stände anerkannten die Vereinbarungen zwischen Markgraf Georg

Ebd. 730.
Vgl. 1519: Xaver L i s k e , Zwei Beiträge zur Wahlgeschichte Kaiser Karl V.
Forschungen zur deutschen Geschichte 8 (1868) 166 ff.
Instruktion Ludwigs für Jakob Piso an Sigismund, s. d. (Anfang 1523) ed.
Gorski 6, 238—248; Instruktion Ludwigs für Nikolaus Gerendy an Sigismund, Olmütz,
17. 4. 1523 ed. ebd. 278—284.
" ) Vgl. Palacky 5/1, 196 ff. und 5/2, 213 und 450.
Zum Ursprung seiner Anrechte vgl. Neustadt, Markgraf Georg 11 und Palacky
5/2, 490 f.
" ) Siehe Anm. 30; Bürge an Ferdinand, Prag, 14. 3. 1523, Orig. im HHSta, Gr.
Korr. 25 a.

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und Herzog Hans von Oppeln und Oberglogau, wonach der Markgraf in
den Herzogtümern als Erbe nachfolgen sollte®*).
Diese Ereignisse und die Nachricht, Ludwig sei charakterlich und gei-
stig reif geworden, gaben allen jenen Hoffnung, die auch in Ungarn ein
Ende des Parteienstreites durch die Machtübernahme des Königs wünsch-
ten. Ihre Erwartungen richteten sich auf den kommenden Reichstag®®), zu
dem Erzherzog Ferdinand als Sonderbeauftragten Sigismund von Herber-
stein nach Ofen sandte®®). Die Magnaten wurden durch heftige Angriffe
von Seiten des niederen Adels in die Defensive gedrängt — so wurden dem
Palatin Stefan Bathori und dem Woiwoden Johann Zapolya korrupte
Amtsführung und Falschmünzerei vorgeworfen®') —, und sie mußten sich
Beschlüsse gefallen lassen, die ihre Macht einschränkten®®); auch der nie-
dere Adel gab einige Ansprüche zugunsten des Königs auf®®), und mit 2 fl.
pro Feuerstelle wurde eine recht hohe Steuerleistung zugesagt*"). Andrea
da Burgo war deshalb der Meinung, schon lange sei kein so günstiger
Reichstag mehr gehalten worden"). Zuversichtlich schrieb er, es seien meh-
rere Neuerungen beraten und beschlossen worden, um dem König den Ge-
brauch der Macht zu ermöglichen*^), doch schon nach wenigen Wochen
mußte er erkennen, daß die gefaßten Beschlüsse nicht ausgeführt wurden,
bereits wieder aus Geldmangel kaum der Schutz der Grenzen aufrecht-

" ) Burgo an Ferdinand, Prag, 7. 3.1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a; Palack^
5/2, 486; Markgraf Georg konnte aber schließlich sein Anrecht nicht durchsetzen:
Palack^ 5/2, 491 und Neustadt, Markgraf Georg 71.
" ) Johannes Bornemisza an Burgo, Ofen, 2. und 3. 3. 1523, Orig. im HHSta,
Gr. Korr. 25a; Burgo an Ferdinand, Sintava, 24. 4. 1523, Orig. ebd.; Burgo an Sala-
manca, Olmütz, 8. 4. 1523, Orig. ebd. 25b: . . . habuimus bonam fortunam in Bohe-
mia, velit Deus ut ita hic succedat et in Ungaria; Herberstein an Salamanca, Ofen,
5. 5. 1523, Orig. ebd.: . . . si comitia haberent regem maturum, haberet ex eis quic-
quid vellet, faceret cum eis quod vellet; Johann Goszthony an Ludwig, Ofen, 25. 2.
1523, Kopie im HHSta, Ungarn 1: alle bitten den König, zurückzukehren und die
B«gierung machtvoll zu übernehmen.
") Seine Berichte im HHSta, Gr. Korr. 25a und 25b; Elfriede R e n s i n g , Sigis-
mund von Herberstein am Hofe König Ludwig II. von Ungarn. A B6csi magyar tör-
teneti int^zet evkönyve. Jahrbuch des Wiener Ungarischen Historischen Instituts 1
(Budapest 1931) 72—97.
" ) Der Palatin wurde seines Amtes enthoben. Vgl. dazu und zu den Klagen ge-
gen ihn, seinen Bruder Andreas Bäthori und Zdpolya: Bericht des venezianischen
Gesandtschaftssekretärs Francesco Massaro, 5. 10. 1523 bei Sanuto 35, 104 f.; Burgo
an Ferdinand, Prag, 14. 3. 1523 und Ofen, 14. 5. und 30. 5./3. 6. 1523, Originale im
HHSta, Gr. Korr. 25a; Burgo an Salamanca, Ofen, 25. 5. und 24. 6. 1523, Originale
ebd. 25b; Herberstein an Salamanca, Wiener Neustadt, 22. 5. 1523, Orig. ebd.
'«) Reichstagsbeschluß von 1523 ed. Kovachich, Supplementum 2, 515 ff.
" ) So das Recht, die Hauptleute des Komitatsaufgebotes zu ernennen: ebd.,
Art. 43 ff.; vgl. Äkos von T i m o n , Ungarische Verfassungs- und R«chtsgeschichte
(»1909) 783, 698 f.
«) Burgo an Ferdinand, Ofen, 14. 5. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a.
Burgo an Bernhard Cles, Bischof von Trient, Ofen, 14. 5. 1523 zit. bei Stoeg-
mann a. a. O. 69.
«) Burgo an Salamanca, Ofen, 25. 5. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25 b.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 125

erhalten werden konnte und sein ganzes Bemühen nur geringen und kurzen
Erfolg gehabt h a t t e « ) .
Auch der Machtwechsel in Böhmen hatte nicht das gewünschte Er-
gebnis : Der König hatte zwar die Untersuchung der Amtsführung der ent-
lassenen Herren angedroht^), doch war es nicht dazu gekommen, da Lev
v o n Rozmitäl sowohl die Fürsprache Ferdinands*®) und König Sigismunds*®)
als auch vor allem die des ungarischen Kanzlers und Primas Ladislaus
Szalkai gewonnen hatte. Szalkai bemühte sich gerade um eine Union zwi-
schen Utraquisten und Katholiken, die ihm die Kardinalswürde eingebracht
hätte*'); dazu verbündete er sich mit Lev von Rozmital und seinen „katho-
lischen" Parteigängern, die erfolgreich unter dem Deckmantel der religiösen
Auseinandersetzung gegen die fast durchwegs utraquistisch gesinnten
neuen böhmischen Würdenträger agierten*®). I m Januar 1525 erhielten
schheßlich Lev von Rozmital und seine Freunde wieder ihre Ämter
zurück*®).
Die Schuld a m Fehlschlagen der königlichen Politik in Böhmen und
Ungarn wurde der Unfähigkeit des jugendlichen Königs gegeben®®), den
die Ungarn mehrmals aufforderten, doch endlich die Regierimg in die Hand

Bürge an Salamanca, Ofen, 1. 6. 1523, Orig. ebd.; Burgo an Ferdinand, Ofen,


3., 10. 7. und 9. 8. 1523, Originale ebd. 25a.
") Palack^ 5/2, 485 und 507.
" ) Empfehlungsschreiben Ferdinands für ihn an Schneidpöck, Nürnberg, 26. 12.
1523, Orig. im HHSta, Ungarn 1; Schneidpöck an Ferdinand, Preßburg, 23. 1. 1524,
Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25 a; Ferdinand an Maria, Wien, 2. 10. 1524, Orig. im
HHSta, Ungarn 1 ed. Friedrich F i r n h a b e r , Vincenzo Guidoto's Gesandtschaft am
Hofe Ludwigs von Ungarn 1523—1525. Quellen und Forschungen zur vaterländischen
Geschichte, Literatur und Kunst (1849) 114 und teilweise ed. Wilhelm B a u e r , Die
Korrespondenz Ferdinand I. Familienkorrespondenz bis 1526. Veröffentlichungen der
Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 11 (1912) 222 f.
Sigismund an Lev von Roimitäl, Krakau, s. d. (Februar/März 1523) ed.
Gorski 6, 285; Sigismimd an Ludwig, s. d. (1523) ed. ebd. 276; Burgo an Ferdinand,
Ofen, 6. 8. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a. Zum Einfluß Sigismunds in Böhmen
vgl. Palack^ 5/2, 25 f. und 92 f.: Wladislaw II. hatte 1502 seinen Bruder Sigismund
zum Statthalter in Ober- und Niederschlesien und Hauptmann der Fürstentümer
Schweidnitz und Jauer ernannt, und 1504 bekam er noch Troppau, Glogau und die
Niederlausitz unter der Bedingung, sie Wladislaw zurückzugeben, sollte Sigismund
König von Polen werden.
" ) Fraknöi, Ungarn vor Mohacs 86; Burgio an den Eb. v. Capua, Ofen, 19. 9.
1524 ed. Fraknöi, Prolegomena 34 f.
" ) Josef J a n ä c e k , Zur Entstehung der Habsburgischen Monarchie im Jahre
1526. Renaissance und Reformation in Polen und Ungarn (1450—1650). Studia
Historica Academiae Scientiarum Hungaricae 53 (Budapest 1963) 425—430 ist auch
der Meinung, daß die religiöse Auseinandersetzung nur den Vorwand für den Macht-
kampf im Hochadel bot.
•») Burgio an Sadolet, Ofen, 20. 1. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 116 ff.;
Palack^ 5/2, 533 f.
Burgo und Herberstein an Ferdinand, Ofen, 5. 5. 1523, Orig. im HHSta,
Gr. Korr. 25a; Campeggio an Sadolet, Ofen, 8. 5. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena
180 f.

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zu nehmeii®^), ohne ihm aber dazu die nötige Macht zu übertragen. Zur
Stärkung der königlichen Autorität sollte eine Zusammenkunft Ludwigs
mit Ferdinand und Sigismund von Polen dienen®"). Nachdem Sigismund
seine Teilnahme abgesagt hatte — bei dem Treffen sollte auch der Streit
zwischen Polen und dem Orden geschlichtet werden®®) —, fanden sich im
Oktober 1523 nur Ferdinand und Ludwig mit ihren Gemahlinnen und ihren
Räten, mit dem polnischen Kanzler Christoph Szydlowiecki, den Gesand-
ten des Papstes Kardinal Thomas de Vio und Antonio Giovanni Pulleone
Baron Burgio, dem böhmischen Landeshauptmann Karl von Münsterberg,
dem böhmischen Kanzler Adam von Neuhaus und Adalbert von Pemstein
zu den Gesprächen und Festen in ödenburg und Wiener Neustadt ein®^).
Das zentrale Thema der Beratungen war die Rüstung gegen die Tür-
ken, doch kam es in dieser Sache zwischen den beiden Fürsten nur zu einer
völlig unrealistischen Vereinbarung®®); auch die Beilegung der alten öster-
reichisch-ungarischen Grenzstreitigkeiten wurde auf später verschoben®®).
Ohne Ferdinand und Ludwig besprachen sich Szydlowiecki, Salamanca,
Burgo und Szalkai und klagten über Lebenswandel und Regierungsstil des
Königs®'). Sie sahen den einzigen Ausweg in einer Neuordnung des Hofes:
Bereits im Mai des Jahres hatte Herberstein mit der Königin darüber ge-
sprochen, die er für klüger als den König hielt, und sie hatte Zusagen ge-
macht®'). In Wiener Neustadt und in Preßburg wurde nun eine neue Hof-
staatsordnung ausgearbeitet®®), die die Einsetzung eines „Geheimen Rates"
des Königs vorsah, Dadurch wurde aber, aus Mißtrauen in die Fälligkeiten
Ludwigs, dieser noch mehr der Kontrolle der mächtigen Oligarchen unter-
worfen.
In der Machtstellung der Königin und in der habsburgischen Politik
am böhmisch-ungarischen Hof kam es hingegen Ende 1523 und Anfang
1524 zu entscheidenden Veränderungen. Ende des Jahres 1523 wurde der
kaiserliche Gesandte Andrea da Burgo, der in europäischen Dimensionen

" ) Burgo und Herberstein an Ferdinand, Ofen, 12. 5. 1523, Orig. im HHSta,
Gr. Korr. 25 a; Andreas Krzycki, polnischer Gesandter und Bischof von Pfemisl an
Peter Tomicki, polnischer Vizekanzler und Bischof von Krakau über den ungarischen
Reichstag, Ofen, 6. 10. 1524 ed. Gorski 7, 84.
" ) Burgo an Ferdinand, Ofen, 3. 7. und 9. 8. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr.
25 a; Szydlowiecki an Sigismund, Preßburg, 30. 10. 1523 ed. Gorski 6, 327—337.
Burgo an Ferdinand, Ofen, 10.7. und 6.8.1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a.
" ) Fraknöi, Ungarn vor Mohäcs 24; Palack;^ 5/2, 508 f.
" ) Ferdinand an Karl, Nürnberg, 18. 12. 1523 ed. Bauer, Korrespondenz 89;
vgl. Stoegmann a. a. O. 168.
" ) Anton L e g i e r , Grenzlandstreitigkeiten zwischen Österreich und Ungarn
1491—1526 (masch. phil. Diss. Wien 1955) 70 ff.
" ) Hans A n k w i c z - K l e e h o v e n , Der Wiener Humanist Johannes Cuspinian,
Gelehrter und Diplomat zur Zeit Kaiser Maximilian I. (1959) 216 ff. zit. Tagebuch
des Szyldowiecki, Kopie aus dem Moskauer Archiv in Budapest.
" ) Herberstein an Salamanca, Wiener Neustadt, 22. 5. 1523, Orig. im HHSta,
Gr. Korr. 25b.
»») Szydlowiecki an Sigismund, Preßburg, 30. 10. 1523 ed. Gorski 6, 327—337.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 127

kaiserlicher Politik gedacht und beraten hatte, durch Dr. Johannes Schneid-
pöck, Baron in Schönkirch abgelöst®"). Nach Ansicht der Räte Ferdinands®^)
und vorerst auch des ungarischen Königspaaressollte zwar Bürge sogleich
nach Erledigung seiner persönlichen Angelegenheiten wieder zurückkehren,
doch die von Burgo erwarteten Intrigen der Ungarn gegen seine neuerli-
che Berufung®®) erreichten, daß Maria selbst schließlich ersuchte, Schneid-
pöck möge im Amte bleiben®^). Die Königin dürfte dabei von Markgraf Georg
von Brandenburg beraten worden sein®®), der in Schneidpöck mehr einen
gehorsamen Gefolgsmann als einen gleichberechtigten Verbündeten hatte.
Schneidpöck war vor dieser Mission Kanzler im vielumstrittenen nie-
derösterreichischen Regiment gewesen®®). Er hatte nun keinesfalls den
poUtischen Überblick des erfahrenen Diplomaten Andrea da Burgo®') und
sah seine Aufgabe vor allem darin, die Eigeninteressen der Königin zu
unterstützen®®) und damit die Macht der habsburgischen Partei am unga-
risch-böhmischen Hof zu stärken. Sein Wirkungsbereich war dabei die Hof-
intrige, sein Verbündeter der in diesen Jahren bei der Königin allmächtige
Markgraf Georg®®), der durch Karl bereits 1519 mit dem Versprechen einer
Jahrespension von 3000 fl. für Habsburg gewonnen worden war'®). Auch
Schneidpöck dürfte in seinem Handeln sehr auf den eigenen finanziellen
Vorteil bedacht gewesen sein'^), und mit dem Markgrafen verband ihn
außerdem noch seine lutherische Gesinnung'").
Am 15. 12. 1523 schreibt Burgo an Salamanca bereits von seinem Schloß E n n
südlich von Bozen, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25 b.
" ) Burgo an Salamanca, Ofen, 2. 8. 1523, Orig. ebd.; Herberstein an Salamanca,
Ofen, 5. 5. und Wiener Neustadt, 22. 5. 1523, Originale ebd.
•2) Burgo an Cles, 7. 8. 1524, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 8.
«s) Ebd.; Burgo an Cles, Enn, 7. 6. 1524, Orig. ebd.
" ) Burgo an Cles, Wien, 20. 8. 1524, Orig. ebd.; Ferdinand an Maria, 18. 8.
(1524) ed. Bauer, Korrespondenz 212.
Auch Burgo war dieser Meinung, denn der Markgraf gebe ihm die Schuld,
daß der Kaiser nicht die (1519) versprochene Pension bezahle: Stoegmann a. a. O.
169 f.
Vgl. Alphons L h o t s k y , Das Zeitalter des Hauses Österreich. Die ersten
Jahre der Regierung Ferdinands I. in Österreich (1520—1527). Veröffentlichungen der
Kommission für Geschichte Österreichs 4 (1971) 84 f. und 126; der erste Brief zu sei-
ner Mission in Ungarn: Ferdinand an Schneidpöck, Nürnberg, 6. 12. 1523, Orig. im
HHSta, Ungarn 1.
•') Siehe dazu die Briefe Schneidpöcks an Ferdinand im HHSta, Gr. Korr. 25 a
und an Salamanca, ebd. 25 b.
»») Schneidpöck an Ferdinand, Ofen, 5. 4. und 5. 6. 1524, Originale im HHSta,
Gr. Korr. 25a; Schneidpöck an Salamanca, Ofen, 4. 5. 1524, Orig. ebd. 25b.
"') Bericht des Gesandten Ferdinands zum ung. Reichstag Kaspar (Ursinus
Velius?), 19. 9. 1524, Auszug im HHSta, Gr. Korr. 8.
'») Ebd.; Burgo an Ferdinand, Ofen, 27. 5. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr.
25a; vgl. Mgf. Georg an Mgf. Kasimir von Brandenburg, Ofen, 28. 4. 1519 teils ed.
August K l u c k h o h n , Deutsche Reichstagsakten, jüngere Reihe. Deutsche Reichs-
tagsakten unter Kaiser Karl V. 1 (1893) 612.
'1) Campeggio an Sadolet, Wien, 17. 11. 1524 ed. Fraknöi, Prolegomena 75;
Burgio an Sadolet, Ofen, 6. 2. 1525 ed. ebd. 134.
" ) Campeggio an Sadolet, Wien, 17. 11. 1524 ed. ebd. 75.

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128 Gemot Heiß

Eine neue Richtung und großes Gewicht bekam die Politik der Köni-
gin dadurch, daß Maria jetzt auch zu einem der reichsten Grundherrn
Ungarns wurde, ihr also nicht mehr der wirtschaftliche Rückhalt für ihr
politisches Handeln fehlte wie dem König, der durch die Verpfändung aller
Einkommen finanziell völlig von den Feudalherren abhängig war. Den Be-
stimmungen des Heiratsvertrages vom 22. Juli 1515'^) und den Rechten
der ungarischen und böhmischen Königin'^) entsprechend, schenkte Lud-
wig am 2. Februar 1522 seiner Gemahlin als Morgengabe auf Lebenszeit
königliche Güter und Rechte in seinen Ländern. Aus dem Ertrag sollte sie
die Kosten ihrer Hofhaltung decken. Genannt wurden die Bergwerksstädte
Kremnitz (Körmöcbänya / Kremnica), Schemnitz (Selmecbanya / Banska
Stiavnica), Neusohl (Besztercebanya / Banska Bystrica), Pukkanz (Baka-
banya / Pukanec), Königsberg (Üjbänya / Nova Bana), Libethen (Libet-
banya / L'ubjetova), Dilln (Belabanya / Banska Bela), Bries (Breznö-
bänya / Brezno) und Karpfen (Korpona / Krupina), die Burg Altsohl
(Zölyom / Zvolen), Burg und Stadt Altofen (Öbuda), die Insel Csepel, die
Salzbergwerke um Maramarossziget (Sighetul Marma^iel), Burg Hust
(Huszt / Chust), Burg Röna, die Städte Hust, Visk (Vyskovo), Tecsö (Tja-
öev) und. Maramarossziget, Burg und Stadt Munkacs (Munkaöevo), die
Städte Beregszäsz (Beregovo) und (Mez6-)Vari (Vary), Burg und Stadt
Diosgyor und die Städte Miskolc, Mezokövesd, Mezokeresztes und Mohi;
alle königlichen Rechte in diesen Besitzungen und die zu den genannten
Burgen gehörenden Grafschaften Überheß der König seiner Gemahlin
Maria'®).
Es gelang nicht, die Beamten der Königin noch vor ihrer Reise nach
Prag (1522) in die Verwaltung dieser Güter einzusetzen, obwohl dazu so-
gleich die nötigen Schritte unternommen wurden. So erhielten Graf Karl
von Bailleul und der Sekretär Wilhelm noch im Februar 1522 Vollmachten
zur Übernahme der Kremnitzer Kammer und der Grafschaft Altsohl'®),
deren Verpfändung an die Thurzös bereits abgelaufen sein sollte"). Alexius

'») Heiratsvertrag, Wien, 22. 7. 1515, HHSta, Familienurkunde 976A ed. Georg
P r a y , Annales regum Hungariae, ab anno Christi 997 ad annum 1567 deducti 5
(1763/70) 381 ff.
'*) Schenkungsurkunde Kaiser Sigismunds für Barbara von CiHi, 1424 (1428),
Kopien im Hofkammerarchiv Wien (HKA), Vermischte ungarische Gegenstände 2,
fol. 36—65 ed. Gustav Wenzel, Okmänyi adalek Borbäla es Erzsebet magyar kiraly-
n6k birtokäröl. Magyar törtenelmi tär 12 (Pest 1863) 268 und Günther P r o b s z t ,
Königin Maria und die niederungarischen Bergstädte. Zeitschrift für Ostforschung 15
(1966) 694 ff.
Schenkungsurkunde Ludwigs für Maria, Ofen, 2. 2. 1522, Kopie von Karl V.
beglaubigt im HHSta, Familienurkunde 1150 ed. Mihaly H a t v a n i , Magyar törte-
nelmi okmänytär a Brüsseli orszägos leveltärböl es a burgundi könyvtarböl. Monu-
menta Hungariae historica, Diplomataria 1 (Pest 1857) 22 ff.
" ) Peter R a t k o s , Die Entwertung der ungarischen Kleinmünze im Jahre 1521
und ihre Folgen in der Slowakei bis 1526. Studia historica Slovaca 1 (Bratislava 1963)
48 f. zit. Vollmacht Marias, Ofen, 15. 2. 1522.
" ) Ratkos, Entwertung 49 zit. Marias Brief an die Bergstädte, Brünn, 23. 3. 1522.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 129

Thurzö blieb aber noch zwei weitere Jahre Kammergraf und Graf von Alt-
sohl, und auch die Inhaber und Verwalter der anderen Maria zugesprochenen
Städte, Burgen und Grafschaften verpfhehteten sich der Königin erst nach
ihrer Rückkehr aus Prag 1523'8).
Im Vergleich zu diesen ungarischen Besitzungen, deren Wert auf über
50.000 rh. fl. jährlich geschätzt wurde'®), fiel Marias Leibgedinge in den
Ländern der böhmischen Krone gering aus. Hier gebührten ihr als Königin
die Städte Königgrätz (Hradec Kralovö), Chrudim, Königinhof (Dvur
Kralove), Jaromef, Hohenmauth (Vysoke M^o), Pölitz a. d. Mettau (Police
nad Metujl), Melnik und Trautenau (Trutnov), und mit Ausnahme von
Trautenau bezog Maria aus diesen Städten auch Einkünfte®®), nachdem ihr
der König Ende 1522 und im März 1523'^) diese Rechte zuerkannt hatte.
Der Ertrag daraus war aber nie sehr groß, da Marias böhmischer Unter-
kämmerer Peter Rasin von Riesenberg die Herrschaft darüber nur nach
und nach, nur zum Teil und mit großen Schulden belastet übernehmen
konnte®®). Weiters überließ Ludwig der Königin Steuereinkommen in der
" ) Vgl. Urkunde zur Huldigung der Vertreter von Miskolc, Visegräd, 3. 9. 1523
teils ed. Gusztäv W e n z e l , Diösgyör egykori törtenelmi jelent6sege. firtekezesek a
tört^nelmi tudomänyok köreböl 2/7 (Pest 1873) 77; Urkunde, in der Paul i r t a n d y
und Stefan Bathori von Somlyö sich Maria für Burg und Herrschaft Munkäcs ver-
pflichten, Ofen, 13. 9. 1524, Orig. im HHSta, Ungarn 342.
" ) Burgio schätzt ihre Einkünfte auf jährlich 40.000 Dukaten: Burgio an Sado-
let, Ofen, 13. 4. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 161; zu den Schätzungen siehe wei-
ters: Aufstellung des Wertes der Güter Marias nach Meinung der Räte Ferdinands,
s. d., HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 403, Aufstellung der Forderungen Marias
an Ferdinand, s. d. (1540), HHSta, Familienakten 9 ed. Hatvani 2, 32 und Denk-
schrift über die Güter Marias von Marias Räten, s. d., HHSta, Ungarn 346, s. d.,
fol. 48. Vgl. dazu ausführlich meinen Aufsatz über Beamte und Besitzungen der
Königin Maria in Ungarn, Böhmen und Österreich, der 1974/76 in den Mitteilungen
des österreichischen Staatsarchivs erscheinen wird.
'") Zu den Rechten der Königin von Böhmen vgl. Stadt und Urkundenbücher
aus Böhmen, herausg. im Auftrag des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böh-
men 7. Quellen und Urkunden zum Bezirk Teplitz-Schönau bis zum Jahre 1500 (Prag
1929) 129 ff. (Anmerkung); Trautenau war jedoch wieder im Besitz der Königin
Anna: Verzeichnis der nach Annas Tod in Linz vorgefundenen Akten und Urkunden
zu den an sie verpfändeten Herrschaften in Görz, zu Neuburg am Inn, Wolkersdorf
und den sieben Städten mit der Herrschaft Trautenau in Böhmen, Linz, 1. 7. 1547,
Kopie im HHSta, Familienakten 70; Maria verweist Sebastian von der Weitmühl
mit einer Forderung von 4000 böhmischen Schock auf ihre Einkommen aus den ge-
nannten Städten, Preßburg, 5. 11. 1526, Kopie im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1,
fol. 117.
" ) Revers Marias für Peter Rasin bei dessen Abrechnung über die Einnahmen
seit 1522 (in diesem J a h r aus den Städten noch sehr wenig), Ofen, 10. 3. 1525, Orig.
im HHSta, Familienakten 8.
»2) Burgo an Salamanca, Prag, 9./10. 3. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25b.
Revers Marias für Peter Rasin bei dessen Abrechnung über die Einnahmen
seit 1522, Ofen, 10. 3. 1525, Orig. im HHSta, Familienakten 8; Maria an Ferdinand,
s. d. (vor dem 22. 11. 1530) ed. Wilhelm B a u e r - Robert L a c r o i x , Die Korrespon-
denz Ferdinands I. Familienkorrespondenz 1527 bis 1530. Veröffentlichungen der
Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 30 und 31 (1937/38) 629 ff. Wohl des-
halb gab Maria 1531 dem Wunsch ihres Bruders nach und trat die böhmischen Städte

9 MIÖG., B d . 8 2 Brought to you by | Nanyang Technological University


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130 Gemot Heiß

Ober- und Niederlausitz, die jedoch jahrelang uneinbringlich waren und


bereits 1527 zur Tilgung von Schulden Marias an Ferdinand fielen®^). In
Schlesien bekam Maria Münzrechte in Breslau und in Schweidnitz, die sie
ihrem Münzmeister Konrad Saurman und Heinrich von Witte abtrat®®),
und in Mähren 1523®®) Schloß, Stadt und Herrschaft Znaim. Der Wert die-
ser Güter und Einkommen dürfte kaum ein Fünftel der ungarischen be-
tragen haben®').
Erst Anfang des Jahres 1524 konnten die Beamten der Königin die
Verwaltung der ertragreichsten ihrer Besitzungen übernehmen, der im
damaligen Nordungarn (in der Mittelslowakei) gelegenen sieben Bergstädte
mit den königlichen Kammern in Kremnitz und Schemnitz und mit der
Grafschaft Altsohl. Der bisherige Münzmeister von Hall in Tirol®®) Bern-
hard Beheim von Friedsheim wurde auf Empfehlung Erzherzog Ferdi-
nands®®) Kammergraf von Kremnitz und Oberster Burghauptmann von
Altsohl. Eine königliche Kommission, deren Mitglieder Stefan Amade
(könighcher Gerichtsbeisitzer, Hofrichter der Königin und ihr Graf von
Ungarisch-Altenburg / Magyarövar), der königliche Stallmeister Markus
Horvath von Dubravicz und der Vizeschatzmeister Emmerich Szerencses
waren, übernahm von Alexius Thurzö de Bethlenfalva die Kammer und
die Spanschaft und installierte Beheim®").
Damit verlor die Fugger-Thurzö-Gesellschaft die Alleinherrschaft in
diesem Gebiet, und ihre Interessen kollidierten mit jenen der Königin; in
der folgenden Auseinandersetzung war Beheim der Exponent Marias. So-
gleich nach der Übernahme dieser Ämter, noch Anfang 1524, kam es zu
Differenzen mit Alexius Thurzo und mit der Fugger-Thurzö-Gresellschaft,

an Anna ab: Maria an Ferdinand, Linz, 13./14. 3. 1531 ed. Herwig W o l f r a m - Chri-
stine T h o m a s , Die Korrespondenz Ferdinands I. Familienkorrespondenz 1531 und
1532. 1. Lieferung. Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Öster-
reichs 58 (1973) 61 ff.
Paul A r r a s , Regestenbeiträge zur Geschichte König Ludwigs II. von Un-
garn und Böhmen, zusammengestellt auf Grund von Urkunden, welche sich im Baut-
zener Ratsarchiv vorfinden. Wissenschaftliche Beilage zu dem Programm des Gymna-
siums zu Bautzen (Ostern 1893) 13 zit. Maria an die sechs Städte der Oberlausitz,
Prag, 18. 6. 1522 u. a.; Aufzeichnungen Marias über Ferdinands Antwort auf ihre
Denkschrift vom 2. 11. 1527, s. d. (vor dem 2. 12. 1527) ed. Bauer-Lacroix 162/7:
Zur Tilgung von Schulden an Mgf. Georg.
Urkunde Marias für Konrad Saurman und dessen Sohn, Preßburg, 15. 11.
1523, Kopie im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 7 6 f . ; Urkunde Marias für
Konrad Saurman und Heinrich von Witte, Ofen, 10. 7. 1525, Kopie ebd. fol. 86 ff.;
vgl. Johann Newald, Das österreichische Münzwesen unter Ferdinand I. (1883) 31 f.
««) Burgo an Salamanca, Ofen, 2. 8. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25b.
") Vgl. auch zu Marias Besitzungen in den Böhmischen Ländern ausführlich
meinen Aufsatz in den MitteUungen des Österreichischen Staatsarchivs 27/29(1974/76).
") David Ritter von S c h ö n h e r r , Franz Schweygers Chronik der Stadt Hall
1303 bis 1572 (1867) 57.
«») Probszt, Königin Maria 627.
"') Johann K a c h e l m a n n , Geschichte der ungarischen Bergstädte und ihrer
Umgebung 3 (Schemnitz 1867) 150; RatkoS, Die Entwertung 49.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 131

die weiterhin den ergiebigen Neusohler Kupferbergbau besaß. Maria ver-


langte von Thurzö noch Geld®i). Vermutlich sollte er ihren Beamten Rech-
nung legen, wozu er sich aber nicht verpflichtet fühlte, da die Kammer
mit der Münze, den Bergwerken und Bergwerksbetrieben und der Span-
schaft Altsohl den Thurzös seit 1498 zur Tilgung von Forderungen ver-
pachtet war®2). Außerdem war nach Meinung der Beamten der Königin das
Recht des Kammergrafen, die Verwaltung verschiedener Besitzungen und
Einkommen zu überprüfen, in der Amtszeit der Thurzös zugunsten der
Gesellschaft verschleiert und aufgehoben worden Als Maßnahme gegen
die Fugger könnte gewertet werden, daß der König den Bürgern von Neu-
sohl am 7. August 1524 die Privilegien bestätigte, worum sie sich bisher
vergeblich bemüht hatten®^).
Auf Rat Schneidpöcks ging die Königin nun auch Bündnisse mit den
Gegnern der Thurzös ein®®). Ein gemeinsames Vorgehen mit dem ungari-
schen Adel, der am Reichstag im September 1524 wieder gegen die Gesell-
schaft Beschuldigungen erhob, ihre Privilegien einzuziehen forderte und
verlangte, die Gold-, Silber- und Viehausfuhr zu unterbinden und die Leute
der Fugger des Landes zu verweisen®®), war für die Königin jedoch noch
nicht möglich; denn die Reichstagsversammlung forderte auch, daß alle
Ausländer binnen vier Wochen den Hof zu verlassen hätten®^), was gegen
die Höflinge und Dienstleute der Königin gerichtet war. Gegen den Ein-
fluß des kaiserlichen Gesandten wollten die Ungarn außerdem durchsetzen,
daß keine ständigen Gesandten mehr geduldet sein soUten, auch keine des
Kaisers und des Erzherzogs, außer Karl und Ferdinand würden ebenfalls
ungarische Gesandte akzeptieren, die zu ihren Ratssitzungen Zutritt hätten.
Schneidpöck aber sollte auf alle Fälle entlassen werden®®), und zukünftig
sollte allen Nichtungarn die Teilnahme an den Sitzungen des könighchen
Rates verboten sein®®). Die Divergenzen innerhalb des ungarischen Adels
waren aber diesmal so groß, daß die Versammlung ohne rechtskräftige Be-
schlußfassung auseinanderging 1"®), doch vom kommenden ungarischen
Reichstag mußten harte Auseinandersetzungen erwartet werden.

" ) Schneidpöck an Salamanca, Ofen, 4. 5. 1524, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25b.
Für ein Darlehen von 200.000 fl.: Ratkos, Die Entwertung 31; Götz Prh. von
P ö l n i t z , Jakob Fugger. Kaiser, Kirche und Kapital in der oberdeutschen Renais-
sance 2 (1949/51) 56 und 96 f.
" ) Vgl. Max J a n s e n , Jakob Fugger der Reiche. Studien und Quellen 1. Studien
zur Fugger-Geschichte 3 (1910) 181. '*) Kachelmann a. a. 0 . 150.
" ) Bericht des Gesandten Ferdinands zum ung. Reichstag Kaspar (Ursinus
Velius), 23. 9. 1524, Auszug im HHSta, Gr. Korr. 8, fol. 82.
" ) Bericht des Gesandten Ferdinands (Kaspar Ursinus Velius) über die Absich-
ten der Ungarn beim Reichstag, s. d. (Anfang September 1524), Auszug ebd., fol. 80;
Jansen, Jakob Fugger 178; vgl. Hans v. d. Planitz an Kf. Friedrich v. Sachsen, Nürn-
berg, 27. 6. 1524 ed. Wülcker-Virck 626. »') Siehe Anm. 95.
" ) Ebd. und Bericht desselben über die Absichten der Ungarn, s. d. (Anfang
September 1524), Auszug ebd., fol. 80.
»») Bericht desselben, 18. 9. 1524, Auszug ebd., fol. 81.
'<•») Krzycki an Tomicki, Ofen, 6. 10. 1524 ed. Gorski 7, 84.

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Trotz aller Angriffe und Beschuldigungen konnte sich Schneidpöck


wieder im Amte halten. Dies war umso verwunderlicher, als auch mehrere
Herren, der päpstliche Nuntius und sogar Ferdinands Sonderbevollmächtig-
ter bei diesem Reichstag — der in den Akten nur Kaspar Genannte war
vermutlich Ursinus Velius, der Ungarn gut kannte und zu dieser Zeit Uni-
versitätsprofessor in Wien war^"^) — über ihn klagten und auch Lud-
wig den Schwager um die Abberufung Schneidpöcks ersuchen ließi®®).
Schon seit Monaten hatte Schneidpöck in seinen Berichten an Ferdinand
betont, daß er sich zahlreiche Feinde mache, da er die Königin bei der
Durchsetzung ihrer wirtschafthchen Rechte unterstütze (mußte er doch
auch die bei Ferdinand einflußreichen Fugger fürchten), und daß ihn diese
mit allen Mitteln beim Erzherzog anschwärzen würden'"^). Wegen dieser
Vorbereitung und wegen der Unterstützung von Seiten Marias und des
Markgrafen Georg i®®) beließ Ferdinand Schneidpöck in Ungarn.
Der päpstliche Nuntius Baron Burgio schreibt über die Machtverhält-
nisse in Ungarn, daß der Kanzler und Erzbischof von Gran Ladislaus
Szalkai, der Hofrichter Ambros Särkäny und der Schatzmeister und Bi-
schof von Erlau Paul Värday sich zur Ausbeutung des Landes verbündet
und über Schneidpöck auf die Königin Einfluß gewonnen hätten. Schneid-
pöck habe erreicht, daß Maria die Verwaltung ihrer Finanzen einem be-
reits bankrott gegangenen Innsbrucker (damit meinte er wohl Bernhard
Beheim) und einem konvertierten Juden (Emmerich Szerencses = Fortu-
natus) übertrug und nun trotz ihrer Einkünfte von jährlich 40.000 Dukaten
ständig Geldmangel leide und auf Rat der beiden Darlehen mit großen
Zinssätzen aufnehme; dadurch sei sie völlig von ihnen abhängig gewor-
den i®®). Dieses pessimistische Bild des von egoistischen Oligarchen und
Finanzbeamten regierten Landes gewann noch dadurch an Ausweglosig-
keit, daß Burgio gerade in der Einflußnahme auf die an politischem Ge-
schick ihren Gatten weit übertreffende Königin eine Möglichkeit zur Wie-
derherstellung der königlichen Autorität und inneren Ruhe sah. Dazu müß-
te, meinte Burgio, ein ,,ehrenwerter" kaiserlicher Gesandter mit dem
päpstlichen und dem polnischen Gesandten zusammenarbeiten^®').
Ungewarnt durch die Ereignisse des letzten Reichstages, sah der Füh-
rer der Hofpartei Ladislaus Szalkai dem für den 7. Mai 1525 einberufenen
Reichstag gelassen entgegen. Er war der Ansicht, daß der Adel wirtschaft-
lich von den Magnaten und Prälaten abhängig sei und ihnen deshalb auch

Gustav B a u c h , Caspar Ursinus Velius, der Hofhistoriograph Ferdinands I.


und Erzieher Maximilians II. (Budapest 1886) 48 ff.
Bericht des Gesandten Ferdinands zum ung. Reichstag Kaspar (Ursinus
Velius), 19. 9. 1524, Auszug im HHSta, Gr. Korr. 8, fol. 82.
"») Campeggio an Sadolet, Wien, 17. 11. 1524 ed. Fraknöi, Prolegomena 75.
1") Schneidpöck an Ferdinand, Ofen, 4. 5. und 5. 6. 1524, Originale im HHSta,
Gr. Korr. 25a; Schneidpöck an Salamanca, Ofen, 4. 5. 1524, Orig. ebd. 25b.
»»«) Siehe Anm. 95.
"») Burgio an Sadolet, Ofen, 13. 4. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 161.
"') Burgio an Sadolet, Ofen, 26. 12. 1524 und 6. 2. 1525 ed. ebd. 96 und 134.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 133

politisch gehorchen w ü r d e A u c h die Königin schien vorbereitet zu sein;


sie erwartete einen vorteilhaften Ausgang und wünschte dazu den Mark-
grafen Georg aus Polen zurück, wo er den Vergleich zwischen Polen und
dem Hochmeister aushandelte i®®).
Es kam jedoch anders: Der niedere ungarische Adel war bewaffnet
und in großer Zahl am Rakosfeld erschienen, war durch die katastrophale
Wirtschaftslage des Landes, hervorgerufen durch die Prägung schlechter
Kleinmünze und die Verpfändung aller Regalien, aufgebracht und zu radi-
kalen Schritten bereit. Er forderte mit Nachdruck die Rechnungslegung
über die Münzprägung, die Ausweisung der Fugger und aller Ausländer.
Kein Fremder sollte mehr bei Hofe dienen, denn bisher habe Erzherzog
Ferdinand erreicht, daß die ungarischen durch deutsche Höflinge ersetzt
wurden, um mehr Einfluß auf die ungarische Politik zu gewinnen. Außer-
dem seien die Deutschen Anhänger der ketzerischen Lehren Luthers und
schon deshalb nicht länger im Lande zu dulden. Unbedingt sollte der
kaiserliche Gesandte entlassen werden, der sich in innere Angelegenheiten
Ungarns mische und das Land zum eigenen Vorteil beraube. Die an Aus-
länder gegebenen königlichen Burgen sollten an den König zurückfallen
luid die Neuerwerbungen des Markgrafen Georg überprüft werden Die
Hauptschuld an der prekären Wirtschaftslage des Reiches wurde Emmerich
Szerencsfe gegeben, dem langjährigen Vizeschatzmeister, Diener des Pri-
mas Szalkai^) und der Königin Im Juden hatte man rasch den Schul-

Campeggio an Sadolet, Ofen, 8. 5. 1525 ed. ebd. 180 f.; bes. aufschlußreich
über die sozialen Unterschiede im Adel: Ignäcz A c s ä d y , A magyar nemesseg 68
birtokviszonyai a mohdcsi v^sz utän. !ßrtekez6sek a törtenelmi tudomdnyok köreböl
14/9 (Budapest 1890) zit. bei Harold S t e i n a c k e r , Über Stand und Aufgaben der
ungarischen Verfassungsgeschichte. Austro-Hungarica. Ausgewählte Aufsätze und
Vorträge zur Geschichte Ungarns und der österreichisch-ungarischen Monarchie
(Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission 8) (1963) 59.
10») Tivadar O r t v a y , Märia, I I . Lajos magyar kiraly neje (1505—1558) (Buda-
pest 1910) 120 zit. Vilmos F r a k n ö i , Brandenburgi György, I I . Lajos nevelöje. Buda-
pesti Szemle 33 (1883) 355; der Markgraf war aber Anfang Mai noch in Oels: Louis
N e u s t a d t , Aufenthaltsorte des Markgrafen Georg von Brandenburg. Archiv f ü r
Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 15/3 (1883) 240.
"») Reichstagsbeschluß von Mai 1525, Art. 2, 4, 5, 7, 20 f. ed. Martin Georg
K o v a c h i c h , Vestigia comitiorum etc. (Ofen 1790) 5 7 5 f f . ; Tagebuch Burgios vom
Reichstag, Ofen, 10.—22. 5. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 188—195.
Bericht des Antonio de Zuanne, Ofen, 13. 5. 1525 (falsch! sicherlich nach
dem 25. 5. 1525, da bereits über die Plünderung des Hauses des Szerencs6s gesprochen
wird s. u.) bei Sanuto 38, col. 375 ff.
"2) E b d . ; Burgio an Sadolet, Ofen, 13. 4. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 161;
Campeggio an Sadolet, Ofen, 5. 6. 1525 ed. ebd. 210. Weiters beweist seine Abhängig-
keit von ihr, daß die Königin Szerencses nach dessen Tod im August/September 1526
beerbte; mit Zustimmung des Königs h a t t e er ihr alles vermacht und die „schlussel
zu allem seinem guet und brieflichen gerechtigkaiten zu banden gestellt": Denkschrift
Bernhard Beheims und Sebastian Pempflingers über Marias Rechte auf den Preß-
burger Dreißigstzoll, s. d. (September 1527), Kopie im H K A , Verm. ung. Gegenstände
1, fol. 125; vor aUem fielen große Forderungen Szerencses' an den König aus 1526
gewährten Darlehen, die aus den Einnahmen des Preßburger Dreißigstzolls gedeckt

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134 Gernot Heiß

digen gefunden, und der Adel forderte seine Verbrennung. König Ludwig
mußte ihn verhaften lassen und versprechen, den Forderungen des Adels
weitgehend nachzugeben ^i®).
Durch das bedrohliche Verhalten des niederen Adels geeint, schlössen
die Magnaten und Prälaten am 22. Mai 1525 ein Bündnis, dem, nach dem
Versprechen, der Rechtsstreit um das Erbe des Herzogs Laurenz Ujlaki
werde zu seinen Gunsten entschieden, sich auch der Woiwode von Sieben-
bürgen Johannes Zapolya, der mächtigste Herr im Lande und „geheime
König" des niederen ungarischen Adels, anschloßt"). Im Vertrauen auf
diese Einigung zwischen der Hofpartei und Zapolya befahl Maria die Frei-
lassung des Emmerich Szerencs^s. Von den Höflingen der Königin — unter
ihnen ihr Hofmeister Hans Pock von Labris (oder Johann Lengyel) und
ihr Kammergraf Bernhard Beheim — wurde Szerencses am Abend des
25. Mai nach Hause geleitet Die deutschen Höflinge provozierten da-
bei den unter dem Adel und im Volk soeben noch geschürten Judenhaß,
das Volk rottete sich zusammen, stürmte das Haus des Szerencses, der nur
mit Mühe entkam, plünderte dann das Haus Bernhard Beheims (ein Zei-
chen für die exponierte Stellung dieses wichtigsten Finanzbeamten der
Königin!) und anschließend das Ghetto. Nur zögernd griffen der Palatin
Stefan Bäthori und Georg Zapolya, der Bruder des Woiwoden, mit ihren
Truppen ein und zerstreuten die Menge i^®).
Im Juni 1525 wurden in Ungarn neue Bündnisse geschlossen, die Ende
dieses Monats zum pohtischen Umschwung und zur sensationellen Enteig-
nung der Fugger führten. Der Hof gab den Forderungen des Adels teilweise
nach: Markgraf Georg von Brandenburg verließ Mitte Juni Ofen^"), der
venezianische Gesandte Vincenzo Guidoto wurde fortgesandt ^i®) und auch

werden sollten, auf die Königin: Vgl. dazu ausführlich meinen Aufsatz über die Be-
sitzungen und Beamten Marias in Ungarn, Böhmen und Österreich, der 1974/76 in
den Mitteüungen des Österreichischen Staatsarchivs erscheinen wird.
Tagebuch Burgios vom Reichstag, Ofen, 10.—22. 5. 1525 ed. Fraknöi, Pro-
legomena 188 ff.
Vgl. ebd.; Campeggio an Sadolet, Ofen, 5. 6. 1525 ed. ebd. 209; Fraknöi,
Ungarn vor Mohäcs I I I f. zit. Orig. des Vertrages im ung. Landesarchiv; Auszüge des
Vertrages im Bericht Guidotos, fälschlich mit 22. 6. 1525 datiert, ed. Firnhaber,
Vincenzo Guidoto's Gesandtschaft 58 ff.
Zur Datierung: Burgio an Sadolet, Ofen, 25. 5. 1525 (Nachsatz!) ed. Fraknöi,
Prolegomena 187 f.
Denkschrift des Hans Demschwamm vom Jahre 1563 ed. Peter R a t k o s ,
Dokumenty k banickemu povstaniu na Slovensku (1525—1526). Slovensk^ historicky
Archiv 1 (Bratislava 1957) 463 ff.; siehe auch Anm. I I I ; Bericht Guidotos, Ofen,
29. 5. 1525 bei Sanuto 39, col. 64; Guidoto an Francesco Giovanni Contarini, 25. 5.
1525 ebd. col. 66 und 91 ff.
'1') Campeggio an Sadolet, Stuhlweißenburg, 18. 6. 1525 ed. Fraknöi, Prolego-
mena 224; zu seiner Entlassung dürfte auch beigetragen haben, daß er ein Gegenspieler
Szalkais war, Gterüchten zufolge seit einem Wettstreit der beiden um die Gunst einer
böhmischen Dame: Burgio an Sadolet, Ofen, 13. 4. 1525 ed. ebd. 160.
1") Seine Abreise verzögerte sich bis 26. 7. 1525: Burgio an Sadolet, Ofen, 30. 7.
1525 ed. ebd. 250; vgl. Firnhaber, Vincenzo Guidoto's Gresandtschaft 66.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 135

Schneidpöck reiste, bei Nacht, um nicht erkannt zu werden, ab^^*). Vor-


ersthatten zwar die Herren und der König den vom Adelsausschuß beschlos-
senen Gesetzesartikeln die Bestätigung versagt^®) und den vom Adel für
den 24. Juni nach Hatvan berufenen Reichstag verboten^^), doch nach-
dem es über Vermittlung Szalkais zwischen dem Königspaar und Zapolya^)
und dem geistigen Führer des ungarischen Adels Stefan Verboczy"^) zu
Kontakten gekommen war, wurde nichts mehr gegen den Hatvaner Reichs-
tag unternommen, und schließlich fand sich sogar der König persönlich und
auf Rat der Königin dort ein^).
Dieses neue Bündnis führte noch kurz vor dem Hatvaner Reichstag
zum Erfolg der Politik der Königin, zum Vorgehen gegen die Fugger-
Thurzo-Gesellschaft. Jetzt hatten sich alle Gegner der Gesellschaft ge-
einigt : Die ungarischen Herren erwarteten von der Enteignung der Fugger
eine schlagartige Besserung der Finanzen des Reiches auf Kosten anderer,
Szalkai konnte alle Anschuldigungen wegen der schlechten Wirtschaftslage
auf die vielgehaßte Gesellschaft abwälzen (ihm war als Primas von Ungarn
die oberste Finanzkontrolle übertragen), der Hof konnte auf altbewährte
Weise durch Aburteilung der mit dem Makel des „unreinen" Geldgeschäf-
tes behafteten Geldgeber die alten Schulden loswerden^®), und die Königin
war zur Hebung ihrer Einnahmen aus der Kremnitzer Kammer an der Ein-
ziehung der Privilegien der Gesellschaft (Befreiung sowohl von der Pfhcht,
alles in Ungarn abgebaute Gold und Silber zu festgesetzt niedrigen Preisen
an die königliche Kammer abzuliefern, als auch von der Bezahlung des
Urbars, d. h. der Bergbausteuer) interessiert^^).
Campeggio an Sadolet, Stuhlweißenburg, 18. 6. 1525 ed. Fraknöi, Prolego-
mena 224; Burgio an Sadolet, Ofen, 20. 6. 1525 ed. ebd. 224.
Kovachich, Supplementum 3, 2 f.
i'^i) Ein Reichstag wvirde für den 29. 9. 1525 nach Ofen berufen: Dekret des
Königs, Ofen, 5. 6. 1525 ed. Greorg P r a y , Bpistolae procerum regni Hungariae 1
(Posoniae 1806) 190 ff.
Campeggio an Sadolet, Stuhlweißenburg, 18. 6. 1525 ed. Ftaknöi, Prolego-
mena 224; Burgio an Sadolet, Ofen, 23. 6. 1525 ed. ebd. 228.
i"') Mehrere Vermerke über Ausgaben für Botengänge zu Verböczy in den kgl.
Rechnungsbüchern von Ende Juni/Anfang Juli 1525: Wilhelm F r a k n ö i , II. Lajos
kiräly szämaddsi könyve. 1525. januär 12—jülius 16. Magyar törtenelmi tär 22
(Budapest 1877) 212.
Burgio an Sadolet, Ofen, 11. 7. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 234; Final-
relation Guidotos, August 1525 ed. Fimhaber, Vincenzo Guidoto's Gesandtschaft 68.
12®) Über von den Fuggem noch 1525 an ung. Würdenträger bezahlte Beste-
chungsgelder und Darlehen: Pölnitz, Jakob Fugger 2, 560; die Schulden Marias an
die Fugger beliefen sich 1525 auf 9755 fl.: Götz Frh. v. P ö l n i t z , Anton Fugger 1.
Studien zur Fuggergesohichte 13 (1958) 427; lt. Jakob Fugger schuldete ihm das
Königspaar etwa 50.000 fl.: Jakob Fugger an Hzg. Georg von Sachsen-Leipzig, 6. 7.
1525 ed. Götz Frh. v. P ö l n i t z , Jakob Fuggers Zeitungen und Briefe an die Fürsten
des Hauses Wettin in der Frühzeit Karl V. 1519—1525. Nachrichten von der Akademie
der Wissenschaften in Göttingen, philol.-hist. Kl. 2 (1941) 147.
12') „Nachdem ihr die Fugger und Thurzö die Kammer Kremnitz abgetreten
hatten, hätte die Königin auch gerne den Kupferhandel in Neusohl gehabt. Dazu ver-
bündete sich ihr Kammergraf Bernhard Beheim mit dem Juden Emmerich Szeren-

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136 Gemot Heiß

Als Ansatzpunkt für das Vorgehen gegen die Gesellschaft bot sich die
auf den beiden letzten Reichstagen vom Adel erhobene Forderung, die Ab-
rechnung der mit der Prägung geringwertiger Silbermünze betrauten Be-
amten zu überprüfen: Von Alexius Thurzö wurde verlangt, für seine Amts-
zeit als Schatzmeister in den Jahren 1522 und 1523 Rechnung zu legen.
Dabei ergab sich eine Schuld Thurzös an den König von 100.000 Dukaten
aus dem Münzgewinn. Thurzö behauptete jedoch, er habe von den Fuggern,
denen die Münzprägung des Königs übertragen worden war, nicht mehr
als verrechnet erhalten. Deshalb wurde jetzt von den Vertretern der Augs-
burger Firma die Abrechnung über die Münzverwaltung und zugleich auch
über die Verwaltung der Kupfer- und Silbergruben verlangt. Der Fugger-
Faktor Hans Alber wurde zum König gerufen und verhaftet, die Ofener
Faktorei inventarisiert, und schließlich wurden alle Bergwerks- und Han-
delsbetriebe und alle Waren der Gesellschaft beschlagnahmt^').
Wenige Tage nach diesem großes Aufsehen erregenden Vorfall —
Jakob Fugger setzte sogleich alle seine Verbindungen und sein Ansehen
ein, um die Enteignung als widerrechtlichen Anschlag der räuberischen
Ungarn gegen seine Geschäftsehre verurteilen zu lassen — erfolgte am
Hatvaner Reichstag der Machtwechsel: Verboczy ersuchte in seiner ein-
leitenden zweistündigen Rede den König, die schlechten Räte zu entlassen,
imd seine Anhängerschaft forderte die Enthebung des Palatins Stefan
Bathori und des Hofrichters Ambrosius Sarkäny; beide verließen in der
folgenden Nacht fluchtartig Hatvan, und der Adel setzte daraufhin die
Wahl Verboczys zum neuen Palatin durch. Während der Adel Bathori und
Särkany gar nicht recht hatte zu Worte kommen lassen, wurde die Recht-
fertigung des Erzbischofs von Gran fast allgemein gebiUigt, was wohl die
Wirksamkeit des neuen Bündnisses zeigte^®). Auch sein Diener Emmerich
Szerencs^s, den der Adel kurz zuvor noch auf dem Scheiterhaufen sehen wollte,
wurde nun in allen Ehren empfangen: Er führte die Anklage gegen die
Fugger, denen er große Geldunterschlagungen vorwarf^®), und die Reichs-
tagsversammlung war bereit, ihm die Verwaltung des Kupferhandels zu
übertragen^®®). Er dürfte im Auftrag der Königin nach Hatvan gekommen
sein, von der er gemeinsam mit Bernhard Beheim aus den verfallenen
Privilegien der Fugger-Thurzö belohnt wurde
Nach dem Erfolg des niederen Adels am Hatvaner Reichstag wurde
ein Gewaltstreich Johann Zapolyas erwartet. Der päpstliche Nuntius be-

cs6s, dem Erzbischof Ladislaus Szalkai und mehreren ungarischen Herrn", schrieb
der damalige Kassier der Ofener Fuggerfaktorei Hans Dernschwamm in seinen Er-
innerungen im Jahre 1663 ed. Ratkoä, Dokumenty 464.
1") Vgl. ebd.; Burgio an Sadolet, Ofen, 23.6.1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 225 ff.
Burgio an Sadolet, Ofen, 11. 7. 1525 ed. ebd. 232.
Ii") Burgio an Sadolet, Ofen, 2. 7. 1525 ed. ebd. 230.
"») Burgio an Sadolet, Ofen, 30. 7. 1525 ed. ebd. 248.
Beheim und Szerencses erhielten die Ziment in Kremnitz; ihren Ertrag hatte
bisher Christoph Thurzö in Augsburg bekommen: Urkunde Marias, 6. 8. 1525, Kopie
im HKA, Verm. ung. Gegenstände 11, fol. 12 zit. bei Ratkos, Die Entwertung 44.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 137

richtet von Plänen, den König zu töten und den Woiwoden mit der Köni-
gin zu vermählen und zu krönen. Es sei auch wirklich zu befürchten,
sehreibt er weiters, daß Zapolya nun die Güter des Herzogs Laurenz Ujlaki
bekomme und in ihm dadurch die Begierde, König zu werden, noch ge-
steigert würde. Denn Macht habe er sowieso bereits mehr als der König:
Der Palatin wurde mit seiner Hilfe eingesetzt, der Erzbischof von Gran
stehe nun in völliger Abhängigkeit zu ihm, Kanzler solle der Bischof von
Veszprem Thomas Szalahazy werden, der Szalkai gehorche, und Schatz-
meister ebenfalls nur einer, der ihnen genehm sei; die acht adeligen Bei-
sitzer im Kronrat seien entweder Diener oder Anhänger des Woiwoden.
Der Königin habe man die Augen verschlossen, indem ihr ein Viertel der
Steuereinnahmen versprochen wurde und weil sie ihre deutschen Höf-
linge behalten dürfe. Auch die 42 Hauptleute der Komitatsaufgebote seien
Parteigänger Zapolyas. Die Macht des Woiwoden — nun Liebling des
Königs und der Königin! — nehme ständig zu, und es bestehe der Ver-
dacht, daß er im Bunde mit dem Pernstein von Mähren (Johann, dem
Landeshauptmann) und dem Pernstein von Böhmen (Adalbert) den Um-
sturz plane
Zapolya unternahm jedoch nichts. Vielmehr ließ er, als Verboczy im
Ujlakischen Erbfolgestreit zugunsten des Königs entschied, ,,seinen" Pala-
tin fallen Die neuen Beamten hatten sich viele zu Feinden gemacht,
so die Prälaten, da der niedere Adel am Reichstag auch die Einziehung des
Kirchenzehents zur Landesverteidigung gefordert hatte und vor allem
die ihrer Ämter enthobenen Herren; an die 200 Barone und Adelige verbün-
deten sich gegen den neuen Palatin und gegen Zapolya in der Kalandos-
Bruderschaft^®®), und sie gewannen bald auch wieder die geheime Unter-
stützung des Primas Ladislaus Szalkai^') und des K ö n i g s p a a r e s V e r -
boczy konnte sich nicht durchsetzen. Nicht einmal die Hälfte der in Hatvan
votierten Steuern ging ein; die Rückgabe der Krongüter konnte nicht er-
reicht werden, und so behielten die Herren der Gegenpartei die wirtschaft-

In Hatvan wurde eine Steuer von 1 fl. pro Feuerstelle beschlossen, wovon
der Adel 34 dem neuen Palatin geben wollte; Verb6czy leimte jedoch ab und schlug
vor, diesen Teil der Königin zu geben, da nur ihr zu verdanken sei, daß der König
zum Reichstag kam und den Wünschen des Adels nachgab: Siehe Anm. 124.
"») Burgio an Sadolet, Ofen, 11. und 30. 7. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 234
und 249; von derartigen Gerüchten wußten die päpstlichen Gesandten in diesen Jahren
mehrmals zu berichten: Campeggio an Sadolet, Wien, 23. 9. 1524 ed. ebd. 40; Burgio
an Sadolet, Ofen, 16. 11. 1525 und 2. 2. 1526 ed. ebd. 283 und 312 f.
1") Burgio an Sadolet, Ofen, 2. 2. 1526 ed. ebd. 312 f.; Fraknöi, Ungarn vor
Mohäcs 105 ff.
Herberstein an Salamanca, Ofen, 7. 8. 1525, Orig. im HHSta, Gr. Korr.
25b.
"«) Ebd.; Burgio an Sadolet, Ofen, 30. 7. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 249.
Der Name kommt vom lateinischen ,,calendae", bezieht sich also darauf, daß die
Ligisten jeweils zu Monatsbeginn zusammenkamen.
Burgio an Sadolet, Ofen, 30. 7. 1525 ed. ebd. 249.
Burgio an Sadolet, Ofen, 16. 11. 1625 ed. ebd. 282.

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138 Gemot Heiß

liehe Macht. Auch im Adel setzte sich, als er bezahlen sollte, die Ansicht
durch, der König habe seine Versprechen nicht gehalten und sie seien des-
halb nicht gewillt, für Deutsche und andere Ausländer bei Hof Steuern zu
bezahlen. Ohne Geld konnten die neuen Beamten weder die dringend not-
wendige Neuordnung des Münzwesens und Einlösung der schlechten
„Kupfermünzen", noch eine bessere Verteidigung der Grenzen durch-
führen i®®). Mühelos wurde Stefan Verboczy am nächsten Reichstag (April
1526) von Stefan Bathori und seinen in der Kalandos-Bruderschaft organi-
sierten Parteigängern gestürzt"®).
Auch das Ergebnis der Enteignung der Fugger-Thurzö-Gesellschaft
entsprach keinesfalls den hohen Erwartungen. Vielmehr ergaben sich große
Schwierigkeiten, sodaß auch dieser Schritt bald wieder rückgängig ge-
macht wurde: Der Neusohler Faktor Hans Plaß war gewarnt worden und
konnte die wichtigsten Geschäftspapiere und die leitenden Angestellten fort-
senden, noch bevor die königliche Kommission in Neusohl eintraf. Dadurch
wurden sowohl die Anklage als auch die Fortführung des Betriebes wesent-
lich erschwert. Am 24. Juni 1525 wurde dem Kremnitzer Kammergrafen
Bernhard Beheim (als dem obersten Beamten in der Finanzverwaltung die-
ses Gebietes) provisorisch die Verwaltung des Kupferhandels übertragen.
Überraschend lehnten die Bergarbeiter aber vorerst ab, den königlichen
Beamten zu dienen und bedrohten jene sogar; sie behaupteten, den Fug-
gern die Treue geschworen zu haben "i). Dies kam besonders deshalb un-
erwartet, da es noch im Frühjahr zu einem Aufruhr der Bergarbeiter gegen
die Gesellschaft gekommen war. Hans Plaß hatte aber damals der Forde-
rung nachgegeben, den Lohn im Nennwert wegen der Münz Verschlechterung
um 100% zu erhöhen, und dieses Zugeständnis wurde jetzt für die Gesell-
schaft vorteilhaft, da sie die Arbeiter gewonnen hatte, die Lasten der Lohn-
erhöhung jedoch von den Nachfolgern getragen werden mußten"^). Hans
Alber und Alexius Thurzo, die in Ofen unter Druck gesetzt wurden, gaben
Befehl, den königlichen Kommissären zu gehorchen i^®), und schließlich
konnten am 16. Juli 1525 die Bergwerke in Neusohl wieder in Betrieb ge-
nommen werden

"») Fraknöi, Ungarn vor Mohäcs 168 ff.; vgl. Burgio an Sadolet, Ofen, 9. und
30. 8. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 257 und 259 f.
Fraknöi, Ungarn vor Mohacs 238 f.; für Burgio bei diesem Reichstag ver-
faßtes Tagebuch, Ofen, 24. 4 . - 8 . 5. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena 372 ff.
"') Denkschrift des Hans Dernschwamm aus dem Jahre 1563 ed. Ratkos, Doku-
menty 464.
Ratkos, Die Entwertung 49 f . ; Günther P r o b s z t , Die sozialen Ursachen
des niederungarischen Bergarbeiteraufstandes von 1525/26. Zeitschrift für Ostfor-
schung 10 (1961) 401 ff.; Gusztäv H e c k e n a s t , A besztercebänyai bänyaszfelkeles
(1525—1526). Szäzadok 86 (Budapest 1952) 364—396.
An Hans Plaß, der aber bereits abgereist war: Maria an Bernhard Beheim,
Ofen, 3. 7. 1525, Kopie im HHSta, Ungarn 342; und an den langjährigen Kremnitzer
Unterkammergrafen und Diener der Fugger Hans Hueb: Maria an die Richter und
Räte der Stadt Neusohl, Ofen, 17. 7. 1525 ed. Ratkos, Dokumenty 51 f.
>") Pölnitz, Anton Fugger 1, 402 Anm. 52.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 139

Für die Anschuldigungen, die gegen die Fugger-Thurzö-Gesellschaft er-


hoben worden waren, konnten nicht genug Beweise erbracht werden; des-
halb nahm man zu einer konstruierten Anklage Zuflucht"®), auf Grund
derer, zur Rechtfertigung bereits vollzogener Schritte, am 1. August ein
Urteil gegen die Gesellschaft gefällt wurde"®). Aber auch Jakob Fugger
war inzwischen nicht untätig geblieben und veranlaßte seine fürstlichen
Schuldner zur diplomatischen Intervention. Ferdinand hatte bereits An-
fang August Sigismund von Herberstein und Stefan Pempflinger nach Ofen
gesandt"'), doch der ungarische Hof blieb vorerst entschlossen und unbe-
irrbar. Zum Ärgernis Jakob Fuggers"') war Alexius Thurzö bestrebt, sich
persönlich reinzuwaschen, brachte nur wenig zugunsten der Gesellschaft
vor, distanzierte sich vielmehr von ihr und wälzte auch einige Beschuldi-
gungen auf die Augsburger Firma und ihren Faktor Hans Alber ab"®).
Auf diese Weise konnte Thurzo aber schnell wieder seinen Einfluß bei Hof
zurückgewinnen und sich in Ungarn für die Fugger einsetzen: Im folgenden
Jahr schloß er im Auftrag des Königs den neuen Vertrag mit den Fuggern
ab^®®) und trat mit ihnen wieder in ein Bündnis, nachdem er Anfang Mai
1526 von neuem ungarischer Schatzmeister geworden war^^).
Im August 1525 stand die Sache der Fugger jedoch noch sehr schlecht:
Ihren Faktoren Konrad Mair, Hans Alber und Jakob Hendl sowie Alexius
Thurzö wurde in Ofen eine Mindestschuld der Gesellschaft an den König
von 604.105 fl. und an die Königin aus dem Urbar von 400.000 fl. vorge-
rechnet^®^), und jene ließen sich zur Unterzeichnung eines Vergleiches be-
wegen: Am 26. August 1525 versprachen die Vertreter der Fugger, über
die bisherigen und künftigen Geschäfte der Gesellschaft mit Edelmetall
und über die Münzprägung alle Bücher und Abrechnungen vorzuweisen,
und Alexius Thurzö wollte auch über seine Verwaltung des Schatz- und
Münzmeisteramtes genaue Rechnung legen. Weiters wurde festgelegt, daß
die Darlehen Thurzös und der Fugger an den König getilgt seien und daß
der König über die beschlagnahmten Lebensmittel und Seidenwaren sowie
die EdelmetallVorräte in Pest und Neusohl verfügen könne. Die übrigen
Güter der Fugger und der Gesellschaft, mit Ausnahme der Bergwerks-
betriebe in Neusohl und ihres Inventars, sollten den Fuggern und Thurzös

Burgio an Sadolet, Ofen, 30. 7. 1525 ed. Fraknöi, Prolegomena 248.


»«) Herberstein an Salamanca, Ofen, 7. 8. 1525, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25b
zit. bei Rensing a. a. O. 94 f.
" ' ) Ebd.; Stefan Pempflinger an Salamanca, Ofen, 3. 8. 1525, Orig. ebd.
Jakob Fugger an seinen Faktor in Krakau Högel, s. d. (Augsburg Mitte
September 1525) zit. bei Pölnitz, Jakob Fugger 1, 622.
" ' ) Verteidigung Alexius Thurzös gegen die Anschuldigungen, s. d. (1525),
Kopie im HKA, Verm. ung. Gegenstände 5, 1255—1547, fol. 246 ff.
150J Vertrag über die Pacht des Neusohler Kupferhandels zwischen Anton Fug-
ger und Alexius Thurzö als dem Bevollmächtigten König Ludwigs, s. d. (vor dem
15. 4. 1526) ed. Hatvani 1, 27 ff.
"1) Pölnitz, Anton Fugger 1, 403 Anm. 55.
Jansen, Jakob Fugger 181 zit. Staatsarchiv München, Brandenburg CCV,
Fasz. 26.

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140 Gemot Heiß

zurückgegeben werden. Sie hätten jedoch an den König in guter Münze


und zu festgelegten Terminen 200.000 fl. zu bezahlen, wofür Ludwig mit
Zustimmung der Magnaten und Prälaten alle seine Forderungen an die
Thurzö und Fugger aus deren Verwaltung der Bergwerke in Neusohl, des
Schatz- und Münzmeisteramtes und des Silberhandels als getilgt erklären
wollteiss). Am selben Tag erhielt König Ludwig bereits 125.000 fl.i»«). Da-
mit war das Verfahren gegen die Gesellschaft abgeschlossen, und die Köni-
gin setzte Bernhard Beheim mit Urkunde vom 11. September 1525 als Ver-
walter „ihres" Kupferhandels in Neusohl ein^), dem noch Johann Lengyel
(er war auch Hofmeister der Königin) imd Peter Bornemisza zur Seite ge-
stellt wurden 1®®).
Der Betrieb des Kupferhandels wurde trotzdem zusehends schwieriger,
denn Jakob Fugger, der den Vergleich keineswegs anerkennen wollte^®'),
gewann die Unterstützung seiner mächtigen Geschäftsfreunde. So konnten
zwar Interessenten für den Kauf des Kupfers gefunden werden, doch hat-
ten sie mit Maßnahmen der mächtigen Augsburger Handelsfirma im Reich
zu rechnen 1®®) und erhielten auch vom Kaiser nicht die Handelsprivilegien,
wie sie die Fugger gehabt hatten"®). In Ferdinands Ländern wurden sogar
Kupfertransporte aus Ungarn beschlagnahmt""). Am 25. November 1525
intervenierten gemeinsam die Gesandten des Kaisers, des Königs von
Polen, des Erzherzogs und des Papstes bei König Ludwig zugunsten der
Fugger und konnten dabei auch Schreiben des Pfalzgrafen vom Rhein, des
Kurfürsten von Sachsen, der bayrischen Herzöge und der Mitglieder des
Schwäbischen Bundes vorlegen"i).
Dazu kamen noch um die Jahreswende wachsende Probleme der Ver-
waltung mit den Bergwerksarbeitern, denn Bernhard Beheim wollte sich

Vertrag zwischen Ludwig und den genannten Vertretern der Fugger-Thurz6-


Gesellschaft, 26. 8. 1525, Kopie im HHSta, Ungarn 342 ed. Ratkos, Dokumenty
72 ff.
Jansen, Jakob Fugger 182 f.
Vollmacht Marias für Bernhard Beheim, Ofen, 11. 9. 1525, Kopien im
HHSta, Ungarn 342 und im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 21; Vollmacht
Ludwigs für Beheim und Lengyel zur Verwaltung des Neusohler Kupferhandels,
Ofen, (13.) 9. 1525, Kopie im HHSta, Ungarn 342.
Denkschrift des Hans Dernschwamm vom Jahre 1563 ed. Ratkos, Doku-
menty 466.
1") Jakob Fugger an Hzg. (Jeorg v. Sachsen, Augsburg, 14. 9. 1525 ed. Pölnitz,
Jakob Fuggers Zeitungen 159.
158j Ygj (jazu die Bemühungen der Stadt Nürnberg und einiger Kaufleute von
Nürnberg: Pölnitz, Jakob Fugger 2, 559 f.
Ludwig bemühte sich (vergeblich) beim Kaiser für Wolfgang Soldner um die
Privilegien, wie sie die Fugger hatten, Ofen, 3. 11. 1525, Kopie im HHSta, Ungarn
342.
'•») Bericht der niederösterreichischen Räte Ferdinands über Verhandlungen mit
Emmerich Szerencses, Wien, 15. 11. 1525, Orig. im HKA, Verm. ung. Gegenstände 5,
1255—1547, fol. 91 f. und 119 f.
"') Fraknöi, Ungarn vor Mohdcs 166; Pölnitz, Jakob Fugger 1, 613 ff. und 2,
563 ff.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 141

nicht an die Zusagen des F u g g e r f a k t o r s u n d den Erlaß des Königs^®®)


halten, wonach der Lohn in schlechter Münze im doppelten Nennwert aus-
bezahlt werden sollte. Die unzufriedenen Bergarbeiter von Neusohl organi-
sierten im Februar 1526 einen bewaffneten Aufstand, besetzten die Stadt
am 24. auf neun Tage und kerkerten den Kammergrafen ein^®^). Auch nach
der Übergabe der Gruben an die Fugger blieb Beheim den Hauern noch
Greld schuldig und trug damit nicht unwesentlich zur Verschärfung der
Spannungen und zum Ausbruch des Aufstandes der Hauer am 27. Juli
1526 beii«5).
Diese Schwierigkeiten bewogen den König und seine Räte, sich um
einen neuen Vertrag mit dem Augsburger Handelshaus zu bemühen. Gegen
die Intrigen der Königin — denn trotz allem konnte Beheim (wohl durch
den Verkauf der Vorräte) einen beachtlichen Gewinn erzielen^®®) — wurde
am 15. April 1526 mit den Fuggern der neue Pachtvertrag geschlossen"')
und bereits am 22. desselben Monats übergab Bernhard Beheim den Be-
vollmächtigten der Gesellschaft die Neusohler Bergwerke i®®).
Schon jetzt begannen die Intrigen der Fugger gegen ihren Haupt-
widersacher in Ungarn Bernhard Beheim. Sie zweifelten die Zahlen an, die
er für zurückgegebene Erz- und Metallvorräte eingesetzt hatte"®), und er-
reichten zur Überprüfung und zur Feststellung ihres Schadens aus der Ent-
eignung die Entsendung einer königlichen Kommission""). Außerdem wur-

Siehe oben Anm. 142; Pölnitz, Jakob Fugger 1, 607.


1") In der Absicht, die schlechten Münzen einzulösen und nur noch gute Münze
prägen zu lassen, hatte der König Ende August befohlen, für Ware und Lohn in
schlechter Münze den doppelten Nennwert zu bezahlen: Peter B a t k o ä , Povstanie
banlkov na Slovensku roku 1525—1526, dt. Zusammenfassung auf Seite 313—325:
Bergarbeiteraufetand in der Slowakei (1525—1526) (Bratislava 1963) 319f.; vgl.
Dekret Ludwigs vom 22. 1. 1526 bei Päl K r i z s k ö , A körmöozi regi kamara es gröfjai.
firtekezesek a törtenelmi tudomanyok köreb61 8/10 (Budapest 1879) 51.
Ratkos, Bergarbeiteraufstand 320; Burgio an Sadolet, Ofen, 9. und 12. 3.
1526 ed. Fraknoi, Prolegomena 333 f.
"») Ratkos, Bergarbeiteraufstand 321 f.
"«) In den 30 Wochen seiner Verwaltung (September 1525 bis April 1526) be-
zahlte er an Ludwig 19.117 fl. ung. 7% d. und an Maria als Urbar 7042 fl. ung. 50 d.:
Abrechnung Beheims über die Verwaltung des Neusohler Kupferhandels, Ofen, 30. 8.
1526, Auszug im HHSta, Ungarn 343 und im HKA, Verm. ung. Gregenstände 5,
1255—1547, fol. 77 ff.
»') Vertrag, Gran, 15. 4. 1526, durch Karl V. am 30. 11. 1543 beglaubigte Kopie
im HHSta, Familienurkunde 1260/2 und Kopien im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1,
fol. 38ff. ed. Ratkos, Dokumenty 163ff.; Zusatzvertrag, s. d. (Gran, 15. 4. 1526)
Kopie im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 43 ff. zit. bei Pölnitz, Anton Fugger 1,
71 und 400 Anm. 42.
" ' ) Inventar des Neusohler Kupferhandels bei dessen Übernahme durch die
Fugger, Neusohl, 22./23. 4. 1526 ed. Ratkos, Dokumenty 269 ff.; vgl. Pohlitz, Anton
Fugger 1, 402 Anm. 52. "») Pohlitz, Anton Fugger 1, 402 Anm. 52.
1'») Ludwig an den Stadtrat von Neusohl, Ofen, 17. 5. 1526 ed. Ratkos, Doku-
menty 177; Maria an die Stadträte der Bergstädte, Ofen, 20. 5. 1526 ed. ebd. 178f.;
rekonstruiertes Inventar des Neusohler Kupferhandels bei der Enteignung 1525, Neu-
sohl, 30. 5.—1. 6. 1526 ed. ebd. 280 ff.

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142 Gemot Heiß

den in Beheims Abrechnung die hohen Lohnkosten kritisiert, und der


König beauftragte schließlich zur Überprüfung der Beschuldigungen und
der Abrechnung den Bischof von Erlau Paul Vardayi'i). Durch die Flucht
vor den Türken wurde die Untersuchung unterbrochen und Beheim er-
klärte sich in der Folge außerstande, die Belege zu erbringen, da er die
Bücher und Register teils Värday gegeben, teils auf der Flucht verloren
habe^'^). Solange die Königin ihren Diener stützte — und sie anerkannte
am 15. September 1526 die umstrittene Abrechnung i'®) —, konnte man
Beheim nichts anhaben. Erst als in den Niederlanden durch Darlehen und
über ihren einstigen Faktor und jetzigen Schatzmeister Marias WoUgang
Haller der Einfluß der Fugger auf die Königin gewachsen war, hatten sie
gegen Beheim Erfolg (1536), und im Laufe des Prozesses der Königin gegen
ihren Kammergrafen wurde auch diese Abrechnung wieder angezweifelt"^).
Die Teilnahme an den Hofintrigen und am zur Stärkung persönlicher
Wirtschaftsinteressen geführten innenpolitischen Machtkampf charakteri-
sieren die Politik der Königin in Ungarn seit 1524; dabei spielten Schneid-
pöck, Szerencses und Beheim eine gewichtige Rolle. Die europäischen Ver-
bindungen Marias hatten in diesen Jahren wenig Bedeutung, da auch ihre
Brüder keinen wesentlichen Beitrag zur Abwendung der drohenden Türken-
gefahr leisteten. Deshalb versuchten die Königin und ihre Ratgeber auf
sich alleine gestellt, im Intrigenspiel die Parteien, die Ungarn spalteten,
gegeneinander auszuspielen und alle Macht an sich zu ziehen"®). Dazu
fehlte allerdings auch der Königin und ihren Ratgebern ein über den Ein-
zelinteressen stehendes politisches Konzept, und ein letzten Endes immer
wieder inkonsequentes Verhalten führte zum Scheitern dieser Bestrebun-
gen"®). Im Sommer 1526 bheb nur noch, alle Geldquellen für den Feldzug
des Königs zu öffnen"'), die aber bei weitem nicht ausreichten, um die
Katastrophe am 29. August 1526 zu verhindern.

1") Auftrag Ludwigs für Paul Värday, Feldlager bei Batta, 19. 8. 1526 ed. ebd.
205 f.
„Ain auszug der Handlung im Neusoll, wie ichs verrait und alle puecher und
register ains thails den verordneten geben auf bevelch meiner gnedigisten Frawen
Khunigin, das ander thail in der thürckhenflucht sambt mer dann vier thausent gul-
dine meiner guetter zu Offen gelassen und verloren", Ofen, 30. 8. 1526, HHSta, Ungarn
343 und HKA, Verm. ung. Gegenstände 5, 1255—1547, fol. 77 ff.
1") Pölnitz, Anton Fugger 1, 413 Anm. 101.
Siehe zum Prozeß gegen Beheim ausführlich meinen Aufsatz über die Be-
sitzungen und Beamten der Königin Maria in Ungarn, Böhmen und Österreich in den
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27/29 (1974/76).
1") Burgio an Sadolet, Ofen, 13. 6. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena 397.
" ' ) Auch Marias Absicht, beim Reichstag im April 1526 dem Erzbischof von
Gran die Macht zu entziehen, mißlang, da jener sich ohne ihr Wissen ebenfalls mit
Stefan Bdthori verbündet hatte: Fraknöi, Ungarn vor Mohäcs 238 ff.
Sie verschob auf Ludwigs Ersuchen die Verhandlungen über ihre Ansprüche
auf einen Teil der Pachtsumme der Fugger bis nach dem Feldzug und gab sich mit
25.000 fl. von den 200.000 fl. zufrieden, die die Fugger und Thurzö gemäß Vertrag
vom 26. 8. 1525 als Schadenersatz bezahlt hatten: Sohuldurkunde Ludwigs für Maria
über 25.000 fl. mit einer Anweisung auf den Münzgewinn, Ofen, 3. 5. 1526, beglau-

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 143

II.
Von Seiten der christlichen Fürsten hatten die Ungarn keine Hilfe be-
kommen, da jene gerade wieder einmal um die Vormacht in Italien gegen-
einander Krieg führten; der Papst, Florenz, Venedig, Sforza, Franz I. und
insgeheim auch Heinrieh VIII. hatten sich in der Ligue von Cognac gegen
die hegemonialen Bestrebungen des Kaisers verbündet, und nachdem ein
Vergleich zwischen Karl V. und Clemens VII. gescheitert war, hatte von
neuem der Krieg in Itahen begonnen. Selbst Erzherzog Ferdinand war mit
dem Nachschub für die Truppen des Bruders beschäftigt, als ihn die Nach-
richt vom Sieg der Türken bei Mohacs erreichte, und gab damit offensicht-
lich noch der west- und südwesteuropäischen Politik den Vorrang^).
Durch den Tod König Ludwigs war nun die Situation eingetreten, mit
der die habsburgische Heiratspolitik gerechnet hatte. Fraglich war freilich,
ob die Habsburger diesmal ihre Vertrags- und erbrechtlich mehrfach abge-
sicherten Ansprüche auf die Kronen von Böhmen und Ungarn durchsetzen
könnten^). In Ungarn war zu erwarten, daß Johann Zapolya sich gestützt
auf die Mehrheit im ungarischen Adel um die Krone bemühen würde. Die
von Ferdinand und seinen Anhängern wiederholt vorgebrachte Behauptung,
nur er könne mit seinen großen Besitzungen und seinen weiten familiären
Beziehungen die gegen die Türken notwendige Hilfe erwirken, Zapolya hin-
gegen habe als nationaler König viel zu wenig Macht®), war unglaubwürdig
bigte Kopien im HHSta, Ungarn 342 und Familienurkunde 1185 a ed. Hatvani 2,
33 f.; durch Beheim ließ sie Geld aufbringen und gab ihm vermutlich als Sicherstel-
lung Schmuckstücke: Vgl. Beheim an Hans Prenner, Richter von Schemnitz, Altsohl,
17. 5. 1526 ed. Ratkos, Dokumenty 177 f. und Aufstellung der Schmuckstücke, die
Maria an Beheim übergab, 8. 8. 1526, HHSta, Ungarn 342 und 354, fol. 239 f.; sie
gab Ludwig Meßgeschirr im Werte von 4000 fl. ung. und erhielt dafür eine Anweisung
auf den Preßburger Dreißigstzoll: Aufstellung der Forderungen Marias an Ferdinand,
8. d. (1540), HHSta, Familienakten 9; sie verpfändete zur Anwerbung von 500 Fuß-
kneohten Znaim: Burgio an Sadolet, Ofen, 13. 6. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena 394.
') Der Plan eines norditalienischen Königreiches, entstanden vor Karls Regie-
rungsantritt in Spanien, beeinflußte ihn noch später, so ersuchte er Karl noch 1536
um das Herzogtum Mailand: Vgl. Heinrich K r e t s c h m a y r , Geschichte von Vene-
dig 3. Geschichte der europäischen Staaten 45/3 (1934) 10; Instruktion Ferdinands
für Kardinal Bernhard Cles v. Trient, (Ende) 1535 ed. Franz Bernhard Ritter v.
B u c h o l t z, Geschichte der Regierung Ferdinand I. 9 (1838) 128 ff.; vgl. Andreas
C o r n a r o , Eine Reise des Kardinals Bernhard v. Cles zu Kaiser Karl V. nach Neapel
im Jahre 1536 nach seinen Briefen an Ferdmand I. Röm. Hist. Mitt. 2 (1957/58) 57 f.
Über die Ereignisse in den ersten Monaten nach der Schlacht bei Mohacs gibt
es — ihrer Bedeutung für die Entstehung der Habsburgermonarchie entsprechend •—
mehrere ausführliche Darstellungen aus der Zeit vor 1918. Verweisen möchte ich beson-
ders auf die ausgezeichnete Arbeit von Stanislaus S m o 1 k a , Ferdinand des Ersten Bemü-
hungen um die Krone vonUngarn.Archivf.österr.Geschichte57 (1878), 1-172,wo mehrere
hier nur angedeutete Fragen ins Detail gehend behandelt werden, und hinsichtlich der
Entwicklung in Böhmen und Kroatien auf Anton R e z e k , Geschichte der Regierung
Ferdinands I. in Böhmen 1: Wahl und Regierungsantritt (Prag 1878) und auf Ferdinand
V. Sisic, Die Wahl Ferdinands I. von Österreich zum König von Kroatien (Zagreb 1917).
•) Rede des Gesandten Ferdinands am Reichstag in Preßburg (16. 12. 1526),
Konzept im HHSta, Ungarn 2.

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144 Gemot Heiß

geworden, hatte doch zuletzt nicht einmal Erzherzog Ferdinand die Un-
garn unterstützt, obwohl er sich des Ernstes der Lage bewußt war^) und
bisher zum Schutze der eigenen Länder wenigstens etwas zur Verteidigung
Kroatiens beigetragen hatte®). Die schlechten Erfahrungen der Ungarn mit
den „fremden" Fürsten am Königsthron — mit Kaiser Sigismund, die
Niederlage Wladislaws I. bei Varna 1444 und die letzten Verluste unter den
beiden Jagellonen — standen dem Idealbild des nationalen Königs, ge-
prägt durch den Erfolg Johann Hunyadis vor Belgrad 1456 und durch
seinen Sohn Matthias Corvin, gegenüber.
Verbündete hatte Ferdinand in den Magnaten der „Hofpartei", die
nicht ihresgleichen zum König wollten und die durch das Bündnis zwischen
Zapolya und dem niederen Adel ihre Entmachtung befürchten mußten;
unter dem Habsburger konnten sie hingegen damit rechnen, daß sie weiter-
hin zur Regierung des Landes benötigt würden. Die wichtigsten Persönlich-
keiten dieser „deutschen" Partei waren der Palatin Stefan Bathori, der
Schatzkanzler Alexius Thurzö und (nach dem Tode des Erzbischofs Ladis-
laus Szalkai bei Mohäcs) der Bischof von Veszprem Thomas Szalahazy; sie
wurden die Hauptstützen der Königin Maria bei der Durchsetzung der An-
rechte ihres Bruders auf die Stephanskrone.
Auf die Nachricht von der Niederlage des ungarischen Heeres war die
Königin — wie es bereits für diesen Fall geplant gewesen war®) — aus Ofen
geflohen und hatte damit die Panik und die Flucht aller wohlhabenden
Bürger ausgelöst'). Um Ferdinand und dessen niederösterreichische Statt-
halter rasch über die drohende Gefahr zu informieren, schrieb sie an ihren

*) Ferdinand an Karl, Tübingen, 30. 4. 1526 ed. Bauer, Korrespondenz 384;


Ferdinand an Margarethe, Speyer, 10. und 15. 8. 1526 ed. ebd. 431 und 433 ff.
') Zur Verbindung der E i o a t e n mit Ferdinands Statthaltern in den Jahren vor
der Schlacht bei Mohacs vgl. die Aktenedition von Lajos T h a l l ö c z y - Antal H o -
d i n k a , Magyarorszäg mellektartomänyainak okleveltära. A horvät veghelyek ok-
leveltära 1, 1490—1527. Monumenta Hungariae historica, Diplomataria 31 (Budapest
1903) 493 ff.; Günther E. R o t h e n b e r g , Die österreichische Militärgrenze in Kroatien
1522 bis 1881 (1970) 24 ff.
®) Praknöi, Ungarn vor Mohacs 297 zit. Urkunde Ludwigs f ü r Alexius Thurzö,
11. 8. 1526, Orig. im ung. Landesarchiv: Befreit Thurzö von der Teilnahme am Feld-
zug, damit er der Königin in Ofen diene und sie bei Gefahr in die „oberen Teile" des
Landes bringe; vgl. Burgio an Sadolet, Ofen, 26. 7. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena
424; vgl. Bericht des Statthalters von Udine über eine Nachricht aus Ungarn, Ven-
zone, 28. 8. 1526 ed. bei Sanuto 42, col. 512 f.; vgl. Nikolaus Oläh an Kaspar Ursinus
Velius, Brüssel, 10. 3. 1532 ed. Arnold I p o l y i , Oläh Miklös, I I . Lajos es Maria kiräly-
titkdra, utöbb magy. orsz. oancellar, esztergomi ersek-primas es kir. helytartö
Ievelez6se. Monumenta Hungariae historica, Diplomataria 25 (Budapest 1875) 209.
') Dieses Verhalten wurde der Königin vorgeworfen: Paul Värday an Sigismund
V. Polen, Erlau, 13. 9. 1526 ed. Gorski 8, 215 ff.; Christoph Frangepän hätte auch zur
Verteidigung Ofens geraten: Ch. Frangepän an Franz Joiefic, Bischof v. Zengg, den
er in Ofen bei Kg. Ludwig vermutete. Agram, 5. 9. 1526, lat. Übersetzung des kroat.
Briefes im H H S t a , Ungarn 2; vgl. Sisic a. a. O. 7. Ganz anders verhielt sich Maria
1543, als Franz I. gegen Brüssel vorzustoßen drohte; sie eilte aus (Jent nach Brüssel:
Henri P i r e n n e , Histoire de Belgique 3 (Brüssel '1923) 134.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 145

Vertrauten, Ferdinands R a t Johann v o n Lamberg, Herrn zu Saustein®),


der in Niederösterreich 1515—1517®) und auf der Reise von Innsbruck
nach Ungarn 1521^®) ihr Hofmeister gewesen war. Die Wiener R ä t e ließen
daraufhin 1000 bis 1500 Fußknechte zum Schutz der Königin werben und
empfahlen ihr, in Ungarn in einer Stadt nahe der Grenze zu bleiben"),
wozu sie Preßburg wählte. Ferdinand erteilte Bereits jetzt Instruktionen für
das Vorgehen nach Ludwigs möglichem Tod^). Als dann die Hiobsbotschaft
davon bestätigt worden war, hielt er es für nötig, die Schwester auf seine
und seiner Gemahlin Rechte hinzuweisen i®). Demnach dürfte er nicht ganz
sicher gewesen sein, ob Maria für ihn eintreten oder, ihrer eigenwiUigen
Politik der letzten Jahre folgend, womöglich den Gegner heiraten und mit
jenem die Herrschaft in Ungarn übernehmen würde"). Diese Befürchtun-
gen blieben jedoch unbegründet^®).
D a s Wirken der Königin-Witwe beschränkte sich bereits Ende 1526
auf Ungarn. I m September galt zwar Marias Hof noch als Zentrum der
könighchen böhmisch-ungarischen PoHtik, u n d die böhmischen Stände"),
der polnische K ö n i g " ) u n d die kroatischen und slawonischen Stände^®)

') Maria an Hans v. Lamberg, Neszmely, 31. 8. 1526 ed. Karl O b e r l e i t n e r ,


Österreichs Finanz- und Kriegswesen unter Ferdinand I. vom Jahre 1522 bis 1564.
Archiv für Kunde österr. Gesohichts-Quellen 22 (1860) 124.
•) Maximilian an das Regiment in Innsbruck, Antwerpen, 10. 3. 1517, Kopie im
LA Innsbruck, Copialbücher, Geschäfte von Hof 1517.
1») Wolkenstein und Semtein an das Regiment in Innsbruck, Regensburg, 17. 1.
1521, Orig. ebd., Pestarchiv-Akten 1/26; Regiment in Innsbruck an den Landhof-
meister (Wolkenstein), Innsbruck, 7. 5. 1621, Kopie ebd., Copialbücher, Missiven
1519—21.
" ) Niederösterr. Räte an Ferdinand, Wien, 1. 9. 1526 ed. Oberleitner a. a. O.
125 ff.
Ferdinand an die niederösterr. Räte, Innsbruck, 8. 9. 1526 ed. Josef C h m e l ,
Actenstücke zur Geschichte Croatiens und Slavoniens in den Jahren 1526 und 1527.
Habsburgisches Archiv 2 (1846) 16 ff.
") Ferdinand an Maria, Innsbruck, 9. 9. 1526 ed. Bauer, Korrespondenz 445 f.
") Theodor O r t v a y , Geschichte der Stadt Preßburg 4/1 (Preßburg 1912)
858 f.; Ortvay, Maria 249 ff.
" ) Sie lehnte dieses Angebot ebenso wie jene der böhmischen Thronwerber (vgl.
Rezek a. a. O. 20 und 32) und alle ihr später gemachten ab, verzögerte nur aus takti-
schen Gründen diesmal eine eindeutige Antwort: Vgl. die klare Ablehnung im Brief
Kaspar Horvdth v. Vingräd an Zäpolya, Preßburg, 28. 10. 1526, Orig. im HHSta,
Ungarn 2, der jedoch nicht abgesandt wm-de; vermutlich um Zdpolya hinzuhalten,
dürfte er durch den Brief Marias an Zapolya, s. d. (Preßburg, 25. 10. 1526) ed. Pray,
Epistolae 1, 274 f. ersetzt worden sein, der darauf nicht eingeht. Dazu auch Smolka
a. a. O. 35 und 44.
1") Sie sandten Johann Dobfensky: Rezek a. a. O. 10; Mathes Hieserle von
Chodau an den Rat der Stadt Eger, Prag, 22. 9. 1526 ed. ebd. 160.
" ) Sigismund an Maria, s. d. (Anfang September 1526) und s. d. (Mitte Septem-
ber 1526) ed. Gorski 8, 213 ff.; Nikolaus Nipczicz (Lypchich), der bereits im Mai 1526
als polnischer Gesandter in Ofen war (,,fragmentum libri rationarii super erogationi-
bus aulae regis Hungariae Ludovici II. de anno 1526" ed. Johann Christian E n g e l ,
Monumenta Ungarica, Viennae 1809, 191), dürfte auch im September 1526 in Preß-
burg gewesen und dann nach Ungarn gegangen sein: Instruktion für ihn, Warschau

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146 Gemot Heiß

sandten dorthin ihre Boten; auch flohen viele der ungarischen Herren aus
Mohacs nach Preßburg Nachdem aber deutlich geworden war, daß sich
um Maria die habsburgische Partei sammeln werde, wogegen viele Ungarn
Zapolya als nationalen ungarischen König unterstützen würden, gingen die
Gesandten fremder Fürsten direkt zu Ferdinand oder zu Zapolya; der
päpstliche Nuntius nahm Mitte September von der Königin Abschied, um
nicht zu einer Parteinahme gezwungen zu werden^"). Nur in Einzelfällen
konnte Maria die Bewerbung ihres Bruders um die böhmische Krone unter-
stützen: So dürfte sie den Kanzler Adam von Neuhaus für Habsburg ge-
wonnen haben^^), der Anfang September in Preßburg wai^) und mit dem
sie als dem Führer der Gegner des Lev von Rozmital (seines Schwieger-
vaters!) bereits bisher verbündet gewesen war^). Außerdem wurde Mark-
graf Georg von Brandenburg noch im September aus Preßburg nach Böh-
men gesandt, um dort gemeinsam mit seinem Bruder Markgraf Kasimir
für Ferdinand zu werben^). Die meisten der böhmischen Herren waren je-
doch der Königin wegen ihrer früheren politischen Aktivität nicht ge-
neigt®). Nur einige Städte, die ihr als Leibgedinge gehörten, setzten sich
auf ihr Betreiben für Ferdinand ein^®). Der Vergleich dieser geringen Be-
deutung der Königin Maria für Ferdinands Wahl zum böhmischen König

(28. 8. 1526) ed. Gorski 8, 211 ff.; Mitte November 1526 kehrte aus Preßburg derpoln.
Gesandte Zoravinski zurück: Tomicki an Krzycki (um den 20.) II. 1526 ed. Gorski
8, 262.
") Sisic, Die Wahl Ferdinands I. 15.
!•) Zum Beispiel der Palatin Stefan Bathori und der Kanzler Stefan Brodarics:
Vgl. Brodarics an Tomicki und Krzycki, Preßburg, 6. 9. 1526 ed. Gorski 8, 221 und
der Bericht Brodarics' „de conflictu etc." ed. ebd. 231—253.
Maria an Clemens VII., s. d. ed. Pray, Epistolae 1, 271; Burgio an Sadolet,
Venzone, 30. 9. 1526 ed. Fraknöi, Prolegomena 454.
Oscar G l u t h , Die Wahl Ferdinands I. zum König von Böhmen 1526. Mit-
theilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 15 (Prag 1877) 217.
Er hatte sich mit Hilfstruppen aus Böhmen, gemeinsam mit Mgf. Georg, ver-
spätet und war nur bis in die Nähe von Raab (Gy6r) gekommen: Bericht des Stefan
Brodarics über die Schlacht bei Mohäcs ed. Gorski 8, 252.
ii») Palack:^ 5/2, 557.
Instruktion der niederösterr. Räte für Wilhelm v. Zelking und Erasmus v.
Domberg an Mgf. Georg, Wien, (8.) 9. 1526, Konzept im HHSta, österr. Akten,
Böhmen 1, fol. 51 f.: Soll zum Hzg. Karl v. Münsterberg gehen, dem er ein einmaliges
Geschenk von 6000 bis 10.000 fl. geben dürfe. Dazu war Mgf. Georg nun besonders ge-
eignet, da er in den letzten Jahren seine ungarischen Güter verkauft, und dafür Güter
in Schlesien erworben hatte, imd weil er seit kurzem Schwiegersohn des böhmischen
Landeshauptmanns Hzg. Karl v. Münsterberg war: Vgl. über den Verkauf von zwei
Burgen zur Tilgung von Schulden in Schlesien Burgo an Ferdinand, Ofen, 30. 5./
3. 6. 1523, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a; Neustadt, Markgraf Georg 58 und 78 f.
"») Bericht der Gesandten Ferdinands aus Böhmen, 3. 10. 1526 zit. bei Rezek
a. a. O. 22 f.; Bericht des Sigismund Stachi v. Pürgles nach München, Prag, 26. 9.
1526 zit. ebd. 32.
") Rezek a. a. O. 9 und 51; dahinter dürfte Peter Rasin v. Riesenberg gestanden
sein, dem als Unterkämmerer Marias in Böhmen auch die Vertretung ihrer Städte bei
den Land- und Gerichtstagen zukam: Bericht für Maria zur Abrechnung Peter Rasins
über dessen Sondereinkünfte, 26. 8. 1529, HHSta, Familienakten 8.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 147

mit ihrer wichtigen Rolle als Befürworterin und Statthalterin des Bruders
in Ungarn dürfte die These bestärken, daß Marias politischer Einfluß nicht
auf ihrer hohen Würde als Königin, sondern vielmehr auf ihrer feudalherrh-
chen Machtstellung in Ungarn beruhte, auf die oben auch ihr persönliches
Engagement in die ungarischen Politik seit 1524 zurückgeführt wurde. Die
Nebenländer der ungarischen Krone bildeten wegen ihrer Randlage und
ihrer bereits bisher sehr starken Bindung zu den Erbländern der Habs-
burger (als Ergebnis der militärischen Zusammenarbeit) ebenfalls eine Aus-
nahme, und Ferdinand hielt vor allem zu den Herren Kroatiens seine Kon-
takte über die Räte in Wien, Graz und Laibach aufrecht^').
Wie in Ungarn vorzugehen und was dort zu erwarten sei, mußte vor-
erst geklärt werden. Dazu gingen Unterhändler von Wien nach Preßburg,
um sich mit Maria und „ihren ungarischen Räten" — die ungarischen
Herren in Preßburg wurden bereits 1526 so genannt — zu beraten^®), und
dazu wurden aus Wien Michael Premarthon"®) und aus Preßburg Nikolaus
Gerendy und Kaspar Horvdth von Vingärd®") zu Zapolya gesandt, um des-
sen Absichten zu ergründen. Der Woiwode sandte das Heiratsangebot
und empfahl der Königin, einen Wahlreichstag einzuberufen®^).
Gerade diese Frage wurde jedoch nun zum Hauptproblem für die
Partei Ferdinands, denn der Erzherzog war der Meinung, daß er durch die
Verträge und als Gemahl Annas der einzige rechtmäßige Nachfolger Lud-
wigs sei, die Krönung ohne Wahl der Stände erfolgen sollte, die neuen Unter-

") Siehe Anm. 5; Beglaubigungsschreiben Ferdinands für Sigismund v. Dietrioh-


stein und Hans Auersperg zu Schönberg in die windischen Lande, 10. 9. 1526, Kon-
zept im HHSta, Österr. Akten, Böhmen 1 und Instruktionen und Beglaubigungs-
schreiben für die beiden, 15. 9. 1526, Konzept im HHSta, Ungarn 2; Ferdinand be-
vollmächtigt Gf. Christoph Frangepän, Nikolaus Jurischitsch (Hptm. serner Truppen
in Kroatien) und Hans Puchler (Hptm. über 500 leichte Reiter Ferdinands) zu Ver-
handlungen mit den Kroaten, 10. 9. 1526, Konzept im HHSta, österr. Akten, Böh-
men 1.
2') Der Hochmeister des St. Georgs-Ordens und Niklas Gf. Salm d. J . : Bericht
des Niklas Gf. Salm an Ferdinand, Hainburg, 23. 9. 1526 ed. Oberleitner a. a. 0 . 128
und siehe Anm. 12; Verzeichnis der nach Ludwigs Tod von den niederösterr. Räten
ausgestellten Verhandlungsvollmachten, s. d., HHSta, Ungarn 2, Nachtrag 1526, fol.
53 ff. ed. Ghmel, Actenstücke 30 ff.; Instruktion der niederösterr. Räte für Zelking
und Dornberg zu Verhandlungen mit Mgf. Georg, Wien, (8.) 9. 1526, Konzept im
HHSta, österr. Akten, Böhmen 1; Instruktion Ferdinands für Hans Lamberg an
Maria, Linz, 17. 9. 1526 Regest bei Bauer, Korrespondenz 449 und ed. Anton G e v a y ,
Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Verhältnisse zwischen Österreich-
Ungarn und der Pforte im 16. und 17. Jahrhundert 1 (1838) 11 f.
" ) Ferdinand an Zapolya, Linz, 21. 9. 1526, Konzept im HHSta, Ungarn 2;
Ferdinand an Michael Premarthon, Wien, 26. 9. 1526, Konzept ebd.; vgl. Christine
Möschl, Dr. Markus Beck von Leopoldsdorf, ein Staatsmann Ferdinands I. (1491 bis
1553) (masch. phil. Diss. Wien 1969) 68.
">) Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 65 f.
" ) Vgl. Anm. 15; Smolka a. a. O. 35 und 44.
»2) Maria an Zapolya, Preßburg (25. 10.) 1526 ed. Pray, Epistolae 1, 274f.;
Maria an die ungarischen Stände, Preßburg, s. d. (Anfang November 1526) ed. ebd.
281 ff.

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148 Gemot Heiß

tanen ihm bei erster Gelegenheit zu huldigen hätten®®). Die Rechtsentwick-


lung hatte jedoch auch in Böhmen und in Ungarn dazu geführt, daß die
Stände die freie Wahl ihres Königs beanspruchten. Die Stände beider
Königreiche hatten auch bereits mehrmals ihre Auffassung gegen die An-
rechte der Habsburger durchsetzen können. Um dieser Gefahr diesmal zu
entgehen, erwog Ferdinand in Böhmen sogar die Einsetzung durch den
Kaiser®^), doch die Gesandten hielten sich dort nicht an seine Instruktionen,
um die Stände nicht in prinzipielle Opposition zu drängen, und der Erfolg
gab ihnen recht. In Ungarn mußten nach den Erfahrungen der letzten Jahre
von der Reichstagsversammlung — in der wohl die Partei Verboczys und
Zäpolyas die Mehrheit hatte — unkontrollierbare Eigenmächtigkeiten be-
fürchtet werden; deshalb war der Erzherzog entschieden gegen die Einbe-
rufung der Stände, wenn diese auch nach Meinung der Räte in Preßburg
nur die Möglichkeit gehabt hätten, Ferdinand als rechtsmäßigen Erben der
Stephanskrone anzuerkennen. Die ungarischen Herren bei der Königin tra-
ten nämlich ebenfalls für die Ausschreibung eines Reichstages ein, rechneten
wohl auf die Manipulierbarkeit des niederen Adels, dürften sich auch dabei
einige Privilegien vom neuen König erwartet haben®®) und insbesondere
mußten sie, die den unpopulären Kandidaten befürworteten, bemüht sein,
sich rechtlich abzusichern®®). Diese Frage sollte bei den Besprechungen in
Hainburg gelöst werden, wo sich Maria und Ferdinand am 14. Oktober 1526
trafen®').
Die Entscheidung wurde erleichtert, denn gleichzeitig kamen die An-
hänger Johann Zäpolyas und des Erlauer Bischofs Paul Värday in Tokaj
zusammen, wollten den Woiwoden sofort zum König erheben, beriefen aber
dann für den 5. November einen Wahlreichstag nach Stuhlweißenburg®®).
Ein gemeinsamer Reichstag, bei dem vielleicht Zäpolyas Anhänger den
Gang der Dinge zuungunsten Ferdinands bestimmt hätten, war dadurch nicht
mehr möglich, und um den Gegensatz zu verdeutlichen, wollten Maria und
'») Rede des Gesandten Ferdinands am Reichstag in Preßburg (16. 12. 1526),
Konzept im HHSta, Ungarn 2; „Ad Ferdinandum Hungariae Bohemiaeque regem,
archiducem Austriae etc. memoria deductio et justificatio jurium regiae Majestatis
ad coronam Hungariae competentium" von Beatus Widmann (1527) ed. Pray, An-
nales 5, 135 ff.; Smolka a. a. O. 23; vgl. Ferdinand an die niederösterr. Räte, Inns-
bruck, 8. 9. 1526 ed. Chmel, Actenstücke 16 ff.
«) Karl an Ferdinand, Granada, 23./30. 11. 1526 ed. Bauer, Korrespondenz
486 ff.
") Er mußte ja auch den böhmischen Ständen für seine Wahl große Zugeständ-
nisse machen: Vgl. Rezek a. a. O. 105 f.
") Vgl. die darauf Bedacht nehmenden Formulierungen im Schreiben der unga-
rischen Herren in Preßburg an die deutschen Reichsstände in Eßlingen, 8. 12. 1526
zit. bei Pal J ä s z a y , A magyar nemzet napjai a mohacsi vesz utän 1 (Pest 1849) 50 f.
") Smolka a. a. O. 36 ff.; Ortvay, Märia 245 ff.
") Smolka a. a. O. 32; ,,Der verordneten ausschüs ratslag von wegen der chron
Hungern", s. d. (Mitte Oktober 1526) ebd. 150ff.; Sendschreiben der Tokajer Ver-
sammlung vom 17. 10. 1526, HHSta, Ungarn 2 ed. Wilhelm Fraknöi, Monumenta
comitialia regni Hungariae 1. Monumenta Hungariae historica Abt. 3A (Budapest
1874) 9 f.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 149

Stefan Bäthori zuerst den Reichstag für denselben Tag nach Komorn be-
rufen39).
Der Versuch, die Bürger von Stuhlweißenburg zu überreden, die Stadt
vor Zapolya zu schließen und Truppen Ferdinands aufzunehmen, schei-
terte^®). Ferdinands Anhänger in Preßburg argumentierten, daß laut Reichs-
tagsbeschluß von 1485 nach dem Tode des Königs nur der Palatin die
Ständeversammlung ausschreiben dürfe, der Stuhlweißenburger Reichstag
demnach unrechtmäßig berufen sei*^). Militärische Vorkehrungen wurden
gegen einen möglichen Angriff Zapolyas auf die westungarischen, habsburg-
freundlichen Gebiete und zur Demonstration der eigenen Macht getroffen:
die Schüttinseln^^) und ödenburg^®) wurden durch deutsche Landsknechte
besetzt; Graf Christoph Frangepän lagerte mit 2000 Fußknechten und 1000
Reitern bei Raab**); und Ferdinand selbst ging zu seinen Truppen nach
Hainburg*®). Die niederösterreichischen Räte Beck, Weichselberger und
Breuner sandte er nach Stuhlweißenburg, wo sie vor der Versammlung
seine Rechte darlegen sollten, jedoch nicht gehört wurden*®). Am 10. No-
vember 1526 wurde Johann Zapolya zum ungarischen König gewählt und
bereits am folgenden Tag gekrönt*').
Dadurch sahen sich viele Ungarn vor vollendete Tatsachen gestellt
und gingen zu König Johann. Besonders schmerzlich für Ferdinands Partei
war der Übertritt des Grafen Christoph Frangepan, der den Habsburgern
bereits unter Maximilian I. gedient hatte*®). Im September 1526 organi-
sierte er die Verteidigung der westlichen Teile Ungarns und Slawoniens, wo-
für ihn die slawonischen Stände zum „Regenten und Beschützer" Slawo-

") „Der verordneten ausschüs ratslag von wegen der chron Hungern", s. d
(Mitte Oktober 1526), HHSta, Ungarn 2, Nachtrag 1526, fol. 44 ff. ed. bei Smolka
a. a. 0 . 150 ff.; Instruktion Ferdinands für Andreas Swardelat an Paul Värday, Wien,
25. 10. 1526, Konzept im HHSta, Ungarn 2.
") Die Königin hatte dazu Johann Thahy gesandt: Stefan Pempflinger an Fer-
dinand, Preßburg 2. 11. 1526, HHSta, Ungarn 2.
") Ferdinands Instruktion für Beck, Weichselberger und Breuner nach Stuhl-
weißenburg, Wien, 27. 10. 1526, Konzept im HHSta, Ungarn 2 ed. Fraknöi, Monu-
menta comitialia 23 ff.; Maria an den ungarischen Adel, Preßburg, 31. 10. 1526 ed.
ebd. 25 f. und Pray, Epistolae 1, 277 ff.; vgl. Timon a. a. 0 . 666 ff.
«) Bucholtz 3, 205.
") Briefe Marias an die Stadt ödenburg, Preßburg, 13., 23. und 24. 11. 1526 ed.
Fraknöi, Monumenta comitialia 58 f.
") §isi<5. Die Wahl Ferdinands I. 21.
*') Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 73 und Anton G6vay, Itinerar
Kaiser Ferdinands I. 1521—1564 (1843). Über die Stärke seiner Truppen (etwa 8000
Mann): Berichte des Carlo Contarini, Wien, 11. und 24. 11. 1526 bei Sanuto 43, col.
325 und 475 und Bericht eines ungarischen Händlers in Villach, 9. 12. 1526 ebd. col.
428 f.
") Ferdinands Instruktion, Wien, 27. 10. 1526, Konzept im HHSta, Ungarn 2
ed. Fraknöi, Monumenta comitialia 23 ff.
•') Alfons Huber, Geschichte Österreichs 3 (1885/96) 552 ff.; Ortvay, Ge-
schichte der Stadt Preßburg 4/1, 76 ff.
") Fraknöi, Ungarn vor Mohdcs 133 ff.

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150 Gemot H e i ß

niens und der Komitate Zala, Sümeg und Baranya ernannten*®). Er galt
als Anhänger der Habsburger, schloß noch am 10. November 1526 mit
Ferdinand einen Vertrag®®), huldigte aber wenige Tage später gemeinsam
mit seinem Verbündeten Simon Erdödy, Bischof von Agram, Zapolya®^).
Sogar Johann Thahy, der vom niederen Adel auf den beiden Reichstagen
von 1525 heftig angegriffen worden war und daraufhin sein Amt als Banus
von Kroatien verlor, entschied sich im November 1526 für König Johann.
Die meisten der nach Preßburg gekommenen Herren blieben aber auch jetzt
Habsburg treu, obwohl Zapolya sogar seinem langjährigen Gegner, dem
Palatin Stefan Bathori versprach, ihm Ämter und Güter zu lassen, sollte er
ihm rasch h u l d i g e n D e r unüberbrückbare Gegensatz der Barone, die eine
Entmachtung wie zu Zeiten des Königs Matthias befürchteten, aber auch
das politische Geschick der Königin-Witwe vermochten es, daß sie sich im
November trotz der schwierigen politischen Lage Ferdinand verpflichte-
ten«).
Der vom Palatin und von der Königin berufene Ausschuß-Reichstag
mußte nach dem Parteiwechsel des Hauptmanns von Komorn und Totis
(Tata) Franz Simonyi von Endröd®*) nach Preßburg verlegt und wegen zu
geringer Beteiligung auch noch mehrmals verschoben werden. Die Zahl der
Verbündeten und Gefolgsleute der Königin und ihrer ungarischen Räte
war zwar sicherlich nicht gering, doch für viele Feinde des „Woiwoden"
war es nicht ratsam, offen zugunsten Ferdinands Partei zu ergreifen®®)
und nach Preßburg zu ziehen, anstatt im eigenen Machtbereich nach dem
Rechten zu sehen®®). Zapolyas Leute sperrten auch die Zufahrtswege nach
" ) Smolka a. a. 0 . 27.
Vereinbarung zwischen Ferdinand und Christoph Frangepän, Hainburg,
10. 11. 1526, Kopie im H K A , Gedenkbuch 25 ed. Ferdo von S i s i 6 , Acta comitialia
regni Croatiae, Dalmatiae et Slavoniae 1 (1526—1536). Monumenta spectantia
historiam slavorum meridionalium 33 (Zagreb 1912) 23 ff.
" ) Smolka a. a. O. 27 f.; Sisic, Die Wahl Ferdinands I . 21.
Bericht über die Wahl und Krönung Zapolyas, s. d. (November 1526) ed.
Pray, Epistolae 1, 290.
Verträge zwischen Ferdinand und Stefan Bathori, Franz Batthyany, Stefan
Brodarics, Alexius Thurzö, J o h a n n Thahy, Kaspar Horväth von Vingärd, s. d. (nach
dem 11. 11. 1526), Konzept im H H S t a , Ungarn 2; Ferdinand verspricht Stefan
Bäthori, Thomas Szalahäzy, Stefan Brodarics, Franz Batthyany, Alexius Thurzö,
Johann Thahy, Kaspar H o r v ä t h von Vingärd, Ladislaus Macedöniay, Nikolaus Ge-
rendy, Thomas Nädasdy, Nikolaus Olah, Emmerich Nagy von Varjas, Franz Revay,
daß er sie f ü r alle ihnen durch Anhänger Zapolyas zugefügten Schäden entschädigen,
und ihnen die an die Krone fallenden Güter geben werde, Wien, 30. 11. 1526 ed. Pray,
Annales 5, 129 f.; Versprechen Ferdinands f ü r J o h a n n Lengyel, Marias Hofmeister,
und Stefan Amade, Marias Grafen von Ungarisch-Altenburg, Wien, 27. 12. 1526, f ü r
J a k o b Piso, Propst von St. Sigismund zu Ofen, Wien, 17. 12. 1526 und f ü r Franz
Graf von Bösing-Bazin (Pezinok), Wien, 23. 12. 1526, Kopien im H H S t a , Reichs-
registerbücher Ferdinands I. 1. Ortvay, Maria 264.
Vgl. Valentin Ecchius, Richter der Stadt Bartfeld (Bardejov), an Alexius
Thurzö, Bartfeld, 18. 4. 1527, Orig. im H H S t a , Ungarn 4.
" ) Vgl. J o h a n n Thahy an Stefan Bathori, 24. 11. 1526, Orig. im H H S t a , Un-
garn 2 : Die Untertanen würden zu Zapolya abfallen, wenn er sie alleine ließe.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 151

Preßburg®'). So kamen nur aus den westlichen Randgebieten Ungarns


einige Magnaten, Adelige und Vertreter der Städte zu den bereits in Preß-
burg anwesenden Herren^®), und sie wählten am 16. Dezember 1526 Erz-
herzog Ferdinand zum König von Ungarn®').
Aber auch Zapolyas Anhänger behaupteten, das ,.bessere Recht" zu
haben, beriefen sich auf den Reichstagsbeschluß von 1505, wonach kein
ausländischer Fürst König von Ungarn werden konnte, und auf die bereits
vollzogene Krönung mit der Krone des Heiligen Stephan. Mehr als alle
rechtlichen Argumente zählte, daß Zapolyas Leute nach dem Abzug der
Türken in Ungarn die Macht übernommen hatten. Deshalb war Ferdinand
bemüht, Zeit zu gewinnen, in Ruhe die böhmischen Kronländer in Besitz
zu nehmen und umsichtig den Feldzug gegen Zäpolya vorzubereiten®"). Es
war für ihn dabei besonders günstig, daß sich Zäpolya zu keinem offensiven
Vorgehen gegen seine Anhänger in Preßburg und gegen Österreich ent-
schließen konnte, wozu ihm Bosic Radic und Graf Christoph Frangepan ge-
raten hatten
Ferdinand unternahm rasch einige Schritte zur Veröffentlichung, Aus-
wertung und Festigung seiner Wahl zum ungarischen König, sandte Boten
mit dieser Nachricht an die königlichen freien Städte Ungarns und Sieben-
bürgens®^), empfing die offizielle Delegation des Preßburger Reichstages
unter dem Palatin Stefan Bathori®®) und erließ ein Manifest an die Un-
garn®^). Am 19. Januar übertrug er der Schwester für die Zeit seiner Ab-
wesenheit die Statthalterschaft in Ungarn, wo sie gemeinsam mit dem
Palatin Stefan Bathori, dem Bischof von Veszpr^m Thomas Szalahazy,
" ) Bericht des Kaspar Winzer nach München, Wien, 8. 12. 1526 ed. Karl August
M u f f a t , Correspondenz und Aktenstücke zur Geschichte der politischen Verhältnisse
der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern zu König Johann von Ungarn. Quellen
und Erörterungen zur bayrischen und deutschen Geschichte 4 (1857) 17 ff.
" ) Ortvay, Maria 282; vgl. Anordnung, an die ungarischen Herren und Adeligen
nahe der Grenze Einladungen zum Reichstag nach Komora zu senden, s. d. (um den
20. 10. 1526), HHSta, Ungarn 2; vgl. Ferdinands Räte an den Grafen Wolfgang von
Bösing-Bazin (Pszinok) und St. Georgen-Szentgyörgy (Svät^ Jur), Preßburg, (6.) 11.
1526 cd. Pray, Epistolae 1, 291 f.
" ) Ortvay, Maria 283 ff.; Bericht eines Anhängers Ferdinands vom Reichstag
für den englischen Gesandten, ed. Friedrich F i r n h a b e r , Urkunde zur Greschichte
des Anrechtes des Hauses Habsburg auf Ungarn. Archiv für Kunde österr. Geschichts-
Quellen 24 (1860) 25 ff.
'") Ferdinands Räte empfahlen das: ,,Der verordneten ausschüs ratslag von
wegen der chron Hungern", s. d. (Mitte Oktober 1526) HHSta, Ungarn 2, Nachtrag
1526, fol. 44 ff. ed. bei Smolka a. a. 0 . 150 ff.
" ) GustÄv W e n z e l , Szeremi György, II. Lajos es Janos kiralyn^k häzi käp-
länja: Emlekirata Magyarorszäg romldsäröl 1484—1543 — Georgii Sirmiensis epistolae
de perdicione regni Hungariae. Monumenta Hungariae historica, Scriptores 1 (Pest
1857) 142 ff.
«2) Konzept für mehrere Schreiben, Wien, 1. 1. 1527, HHSta, Ungarn 3.
•ä) Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 95.
Manifest Ferdinands an die Ungarn, Wien, 19. 1. 1527 ed. in deutscher Über-
setzung Christian S c h ö t t g e n - Georg Christoph K r e y s i g , Diplomataria et scrip-
tores historiae Germanicae medii aevi etc. 2 (1755) 1 ff.

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152 Gemot Heiß

dem Kanzler Stefan Brodarics, dem Schatzmeister Alexius Thurzö und dem
Obertruchseß Kaspar Horvath von Vingärd regieren sollte®®). Zu Verhand-
lungen mit ungarischen Würdenträgern, Adeligen und Städten stellte Fer-
dinand zahlreiche Vollmachten für Maria und ihre Gesandten aus®®). Am
21. Januar 1527 reiste Ferdinand schließlich aus Wien zur Krönung nach
Prag ab®').
Aufgabe der Preßburger Statthalterschaftsregierung war es, in den
folgenden Monaten die Macht Zapolyas in Ungarn zu untergraben, Partei-
gänger für Ferdinand zu gewinnen und dadurch für die zu erwartende Aus-
einandersetzung eine günstige Basis zu schaffen. Das war jedoch sehr schwie-
rig, da es den Anhängern Ferdinands in Preßburg völlig an Macht- und an
finanziellen Mitteln fehlte. Zwar hatte die Königin auf Rat Thurzös vor
ihrer Flucht aus Ofen den Rest des eingesammelten Kirchensilbers, die frisch
geprägten Münzen und einige Werke der Corvina auf Schiffe laden lassen®®),
und wenn auch diese Schiffe in Gran zum Teil geplündert und versenkt wor-
den waren®®), so erreichten schließlich doch Kisten mit Kirchensilber, Mün-
zen, Schmuckstücken und anderen Wertgegenständen Preßburg. Aber eini-
ges davon wurde sogleich nach Wien gebracht'"), und den Rest hielt Johann
Bornemisza auf der Burg zurück; er entschied sich bis Sommer 1527 für
keiaen der beiden Könige und wollte die Schätze nur an den rechtmäßigen
König ausliefern'^). Die Königin Maria konnte also nicht über diese ver-
fügen und hatte ihr Geld rasch im Dienste des Bruders aufgebraucht'^).

" ) Regierungsvollmacht Ferdinands, Wien, 19. 1. 1527 ed. Bauer-Lacroix 8 f.


" ) 77 VerhandlungBvolImachten Ferdinands für Maria und ihre Bevollmächtig-
ten an Prälaten, Magnaten, Adelige und Städte (Adresse freigelassen), Kuttenberg,
3. 2. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 3 ed. Istvdn Rügonfalvi K i s s , A magyar
helytartötanäcs I. Ferdinänd koräban 1549—1551 (Budapest 1908) 334 f.
" ) Gevay, Itinerar; Beschreibung der Reise, des Einzuges und der Krönung Ferdi-
nands in Prag von einem Zeitgenossen, Kopie im HHSta, österr. Akten, Böhmen 1.
" ) Ortvay, Maria 190 ff.; Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 3 ff.
" ) Vgl. Klage gegen Paul Kun von Rozsaly aus dem Komitat Szatmar in einer
Urkunde Ferdinands vom 21.4.1533 zit. bei Ortvay, Märia 199 und teils ed. bei Jdszay
a. a. 0 . 13; vgl. Stefan Brodarics „De conflictu etc." ed. Gorski 8, 252; Kundschafter-
bericht, Venzone, 8. 1. 1527 bei Sanuto 43 col. 638.
'") Inventar der Schätze des Klosters St. Maria Magdalena in Ofen, die nach
Wien gebracht und in der Burg verwahrt wurden, Wien, 30. 9. 1526, Kopie im HHSta,
Ungarn 343, fol. 8 f.
" ) Inventar der Schmuckstücke in Preßburg, Preßburg, 19. 9. 1527, Kopie ebd.,
fol. 38—65; Aktenstücke betreffend die Juwelen auf Schloß Preßburg, 19. 9.—16. 11.
1527, HHSta, Familienakten 103; dasselbe von Mai 1528, HKA, Verm. ung. Gegen-
stände 1, fol. 137—214; vgl. Aufzeichnungen Marias über Ferdinands Antwort auf
ihre Denkschrift vom 2. 11. 1527, s. d. (vor dem 2. 12. 1527) ed. Bauer-Lacroix 161 f.
Aufstellxmg der Ausgaben von Marias „Kämmerling Hänigkan Gels" auf der
Flucht aus Ofen und in Preßburg, s. d. (1526), HKA, Verm. ung. Gegenstände 1,
fol. 113 ff. teils ed. Oberleitner a. a. 0 . 128; Verzeichnis des Goldes und Silbers, das
Thomas Beheim im Auftrag Marias vom 9. 9.—^29. 10. 1526 (als Münzmeister von
Wien) vermünzen ließ, HHSta, Ungarn 354, fol. 241 ff.; Verzeichnis des Gold- und
Silbergeschirrs, das Thomas Beheim ausmünzen ließ und dem Kammergrafen Marias
(Bernhard Beheim) und „Henneke" gab, s. d. (1526/27) ebd., fol. 257 ff.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 153

Die Mittellosigkeit der Königin'®) war besonders bedrückend, da die


ungarischen Herren, die durch die Türken und durch König Johann ihre
Einkünfte verloren hatten, von ihr Unterhalt und Bezahlung verlangten
Ferdinand hatte zwar Befehl gegeben, die Wiener Hofkammer solle die
finanziellen Bedürfnisse der Preßburger Regierung decken, doch diese war
dazu wegen der großen Ausgaben beim Erwerb der böhmischen Krone und
für die Rüstung gegen Zapolya nicht in der Lage. Es gelang aber, die Bitt-
steller und Gläubiger so lange hinzuhalten — Gesuche blieben lange un-
erledigt, da sich alle Stellen für unzuständig erklärten -—, bis durch den Er-
folg der Truppen Ferdinands im Sommer 1527 eine neue Situation entstan-
den war. Nur der Banus Franz Batthyäny kündigte Ferdinand den Dienst'®),
als er die versprochenen Gelder nicht erhielt'*); doch er ging auch nicht zu
Zäpolya") und konnte sich im Sommer, ohne sich zu sehr zu kompromit-
tieren, wieder für Ferdinand erklären'®).
Finanziell und militärisch waren aber Maria und ihre Räte auf diese
Art völlig von der Regierung in Wien abhängig. Zur Regelung der Bezie-
hungen zwischen Preßburg und Wien hatte Ferdinand bereits am 29. Ok-
tober 1526 den Bischof von Laibach und Administrator von Seckau Chri-
stoph Rauber und dessen Schwager Stefan Pempflinger bestellt") — wohl
auch, um die Königin nicht ganz dem Rat der ungarischen Herren zu über-
lassen —, dennoch ergaben sich mehrfach Kompetenzstreitigkeiten. Wieder-
holt protestierten die ungarischen Statthalter dagegen, daß die österreichi-
schen Truppen, die zum Schutz der Anhänger Ferdinands in die den Habs-

" ) Bereits Anfang September 1526 berichtet Niklas Gf. Salm d. J . von der Ar-
mut des Hofes Marias: Niklas Gf. Salm d. J . an Ferdinand, Hainburg, 23. 9. 1526 ed.
Oberleitner a. a. O. 128.
" ) Maria an Ferdinand, (Preßburg), 9. und 23. 2. (1527) ed. Bauer-Lacroix
16 ff. und 21 ff.; vgl. Ferdinand an Maria, Prag, 5. 3. 1527 ed. ebd. 23 ff.: Klagt über
die hohen Forderungen der Ungarn.
" ) Maria an Ferdinand, Preßburg, 8. 5. 1527, ed. ebd. 6 4 f f . ; Stefan Bdthori,
Alexius Thurzö und Kaspar Horvath von Vingdrd an Ferdinand, Preßburg, 8. 5.
1527, Orig. im H H S t a , Ungarn 4 ed. Thallöozy-Hodinka a. a. O. 665 ff.; Christoph
Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg, 8. 5. 1527, Orig. ebd., teils ed. ebd. 668.
'•) Vertrag mit Franz Batthyany, Preßburg, 16. 2. 1527, Orig. im H H S t a , Un-
garn 7, Nachtrag 1527, fol. 24 ff. ed. Chmel, Actenstücke 44 ff. und Thallöczy-Hodin-
ka a. a. 0 . 606 ff.; Ferdinand an Maria, Prag, 5. 3. 1527 ed. Bauer-Lacroix 23 ff.
" ) Vgl. Franz Batthyäny an seine Mutter, Güssing, 20. 5. 1527, Kopie im
H H S t a , Ungarn 4 : Keine klare Antwort über Parteinahme; vermutlich ging er auch
deshalb nicht zu König Johann, da auf dessen Seite sein Gegenspieler Gf. Christoph
Frangepdn stand.
" ) Franz Batthyäny an Stefan Bäthori, (6. 7.) 1527, H H S t a , Ungarn 4 ed.
Thallöczy-Hodinka a. a. O. 682 ff.
" ) ,,Mandatum pro episcopo Laibacense et collegis in Hungariam", Wien,
29. 10. 1526, Kopie im H H S t a , Reichsregister Ferdinands I. 1; zeitweise, so am Preß-
burger Reichstag, wurden sie durch Wilhelm v. Zelking, Erasmus v. Dornberg, Hans
V. Lamberg und Georg v. Herberstein unterstützt: Instruktion Ferdinands f ü r Rauber,
Dornberg, Zelking, Pempflinger, Lamberg und Georg v. Herberstein, Wien, 5. 12.
1526, H H S t a , Ungarn 2 ed. Fraknöi, Monumenta comitialia 65; Vollmacht Ferdinands
f ü r diese, Wien, 5. 12. 1526, Kopie im H H S t a , Reichsregister Ferdinands I . 1.

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154 Gemot Heiß

burgern ergebenen Städte und Burgen Westungarns gelegt worden waren®®)


und vorerst auch der Königin Maria Treue schworen sich nur nach den
Befehlen ihres Oberbefehlshabers Niklaa Graf Salm d. Ä. und der nieder-
österreichischen Räte richteten.
Mit Ferdinands Gespan und Hauptmann in Ödenburg Dietrich von
Hartisch, der sich gegen den Grafen Christoph Frangepan und die Um-
triebe seiner Anhänger vorzusehen hatte kam es deshalb zu heftig ge-
führten Diskussionen. Als er Johann Patscha, einen Pfarrer von ödenburg,
und dessen Kaplan wegen angeblicher Konspiration mit Zapolyas Anhän-
gern verhaften und auf Befehl der niederösterreichischen Räte nach Wien
und nach Melk bringen ließ, klagten die ödenburger Bürger über die Vor-
gangsweise®®), die kirchlichen Stellen über die Verurteilung Geistlicher
durch weltliche Gerichte®^), und vor allem die ungarischen Herren und die
Statthalterin gegen diese Mißachtung der durch Ferdinand bereits garan-
tierten ungarischen Freiheiten®®); nur die Preßburger Regierung wäre da-
für zuständig gewesen®®). Dagegen wandten die niederösterreichischen Räte
ein, daß es sich hier um militärische Angelegenheiten handle, worin die
Hauptleute ihnen unterstellt seien®'). Die Differenzen mit Hartisch ver-
schärften sich noch, als er mit Maria persönlich in Konflikt geriet: Nach
Meinung der österreichischen Statthalter sollte ihm die Einnahme des Öden-
burger Dreißigstzolles übertragen werden, der mit dem Dreißigstamt Preß-
burg aber an die Königin-Witwe verpfändet war®®), und auf seinen Befehl

Siehe Anm. 43; vgl. Bericht eines venezianischen Kundschafters, weitergege-


ben durch den Statthalter von Udine Johann Moro, 26. 12. 1526 bei Sanuto 43, col. 578.
Maria an die Stadt Ödenburg, Preßburg, 24. 11. 1526 ed. Praknöi, Monumenta
oomitialia 58 f.
Vgl. Aufzeichnung über eine Sitzung der niederösterr. Räte, (Wien), 5. 2.
1527, HHSta, Ungarn 3.
Franz Subnburger und Natwalasch, Bürger von Ödenburg, an Thomas Szala-
häzy, 26. 2. 1527, Kopie im HHSta, Ungarn 3.
Christoph Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg, 1. 3. 1527, Orig. ebd.,
teils ed. Thallöczy-Hodinka a. a. 0. 625 f.
Ferdinand verpflichtet sich gegenüber den ungarischen Herren in Preßburg,
die Freiheiten Ungarns zu bewahren und zu beschützen, Wien, 30. 11. 1526, Kopie
im HHSta, Reichsregister Ferdinands I. 1.
««) Maria an die niederösterr. Rät«, Preßburg, 11. 3. 1527, Orig. im HHSta,
Ungarn 3; Christoph Rauber und Stefan Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preß-
burg, 11. 3. 1527, Orig. ebd. Im Streit der ödenburger mit den Juden ihrer Stadt
hatte kurz zuvor Maria denselben Fehler begangen, Nichtungarn als Richter einzu-
setzen, widerrief aber diese Anordnung: Maria an Ernst Fürst (Hptm. in Eisenstadt),
Matthias Teufel (Hptm. auf Forchtenstein) und Kaspar Ritschauer (Hptm. der deut-
schen Fußknechte in Ödenburg), Preßburg, 5. 2. 1527 ed. Kiss a. a. O. 335; dieselbe
an dieselben, Preßburg, 28. 4. 1527 ed. ebd. 301 ff.
" ) Die niederösterr. Räte an Maria, Wien, 13. 3. 1527, Konzept im HHSta,
Ungarn 3.
«») Dieselben an Maria, Wien, 2. 3. 1527, HHSta, Ungarn 3; Christoph Rauber
und Stefan Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 16. 3. 1527, Orig. ebd.;
die niederösterr. Räte an Rauber und Pempflinger, Wien, s. d. (nach dem 21. 3. 1527),
Konzept ebd.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 155

wurde in Ödenburg Zehentwein der Königin in Beschlag genommen®®).


Die Entscheidungen wurden verschoben, bis sich die Lage im Sommer mit
den Erfolgen der habsburgischen Truppen beruhigte.
Rein militärische Belange überheßen die ohnmächtigen Ungarn ohne
Widerspruch den niederösterreichischen Räten und den mihtärischen Be-
fehlshabern Ferdinands. Brauchte einer der ungarischen Anhänger der
Habsburger Hilfstruppen, so mußten sich Maria und ihre Räte nach Wien
wenden®"), und nur selten konnten sie die Kriegsvorbereitungen gegen
Zäpolya direkt unterstützen So kam es zu keinen Schwierigkeiten, als
sich die österreichischen Statthalter um eine Verbesserung der Verwaltung
von Burg und Stadt Ungarisch-Altenburg (Magyarövar) bemühten, das
durch den Gespan Stefan Amade vernachlässigt und durch böhmische
Söldner unter Nikolaus Wischrewitz schlecht geschützt war®^). Die nieder-
österreichischen Räte nahmen außerdem in diesem Fall auf die Rechte und
Interessen der Königin Maria Rücksicht, der Herrin dieser Burg und Graf-
schaft ®3).
Ein Problem, das bis zum Sommer nicht gelöst werden konnte, bildete
die Sicherheit der Statthalterschaftsregierung in Preßburg selbst. Bereits
im September 1526 waren deutsche Fußknechte in die Stadt gelegt wor-
den®*), doch der Graf von Preßburg, Johann Bornemisza, hatte sich mit
seinen Truppen, mit denen er der Königin auf ihrer Flucht aus Ofen das
Geleit gegeben hatte, auf die gut versorgte Burg®®) zurückgezogen, und
konnte weder vor, noch nach der Wahl eindeutig für Ferdinand gewonnen

»») Maria an Dietrich Hartisch, Preßburg, 16. 5. 1527 (fälschlich 16. 4. 1527),
Kopie ebd. 4; die niederösterr. Räte an Wilhelm v. Reiohenbaoh und Ernst v. Fürst,
Wien, 23. 5. 1527, Konzept ebd.; Hartisch an die niederösterr. Räte, ödenburg, 27. 5.
1527, Orig. ebd.; Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg, 29. 5. 1527, Orig.
ebd.
'") Vgl. wegen Hilfe für Franz Gf. v. Bösing-Bazin, der von Zapolya bedroht
wurde: Rauber, Domberg und Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 29. 1.
1527, HHSta, Ungarn 3.
So konnten sie einen im Bau von Nassaden (Donauschiffen) geübten Zim-
mermami beschaffen: Rauber und Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg,
7. 3. 1527, Orig. ebd.; die niederösterr. Räte an Rauber und Pempflinger, Wien, 9. 3.
1527, Konzept ebd.
Instruktion der niederösterr. Räte für Stefan Pempflinger und Jakob Stams,
Wien, 22. 2. 1527, Konzept ebd.; die niederösterr. Räte an Rauber, Wien, 20., 29. 3.
und 11. 5. 1527, Konzepte ebd. 3 und 4; Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg,
23. 3. und 8. 5. 1527, Originale ebd.; ausführlich dazu meine Dissertation 153 f.
" ) Ebd.; vgl. zu Ungarisch-Altenburg meinen Aufsatz über die Beamten und
Besitzungen Marias in Ungarn, Böhmen und Österreich, der in den Mitteilungen des
österreichischen Staatsarchivs 1974/75 erscheinen wird.
") Die niederösterr. Räte an Ferdinand, Wien, 1. 9. 1526 ed. Oberleitner a. a. O.
125 ff.; Ferdinand an Margarethe, Linz, 18. 9. 1526 ed. Bauer, Korrespondenz
452.
o^) Thomas Nädasdy an Ferdinand, Preßburg, 11. 10. 1526, Orig. im HHSta,
Ungarn 2: auf der Burg sei Vorrat f ü r ein J a h r ; außerdem sandte Ferdinand ihm
selbst noch Mehl, Gewehre und Munition: ebd. und Nädasdy an Ferdinand, Preß-
burg, 18. 10. 1526, Orig. ebd.

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156 Gemot Heiß

werden®®). Bornemisza war einst als wichtiges Mitglied der Vormundschafts-


regierung für Ludwig gegen Zapolya aufgetreten®') und hatte als Partei-
gänger der Habsburger gegolten®®). Doch war er in den letzten Jahren be-
müht, sich aus dem Parteienstreit herauszuhalten®®) und bheb auch jetzt
im Streit um die Krone neutral. Die Anhänger Ferdinands mußten dadurch
aber ständig befürchten, daß er sich für König Johann entscheiden und
von der Burg aus die Stadt und die Statthalter Ferdinands angreifen
würde
Daraus entstanden Spannungen zwischen der Burgbesatzung und den
in der Stadt untergebrachten deutschen Truppen; die Bürger, die sich als
Parteigänger Ferdinands durch die Haltung des Burggrafen bedroht fühl-
ten i®^), standen auf der Seite der deutschen Fußknechte. Am 21. Novem-
ber 1526 kam es zu einer blutigen Auseinandersetzung, als Johann Szalay
(ein Unterhauptmann Bornemiszas) mit seinen Leuten eine Kanone von
der Donau auf die Burg bringen wollte und dabei von den Preßburgern
tätlich angegriffen wurde Da daran auch deutsche Knechte teilgenom-
men hatten und sich die Stadtverwaltung keinesfalls bemühte, die Teil-
nehmer zu bestrafen, trug dies freilich nicht zu einer Verständigung mit
Bornemisza bei^"®).
Als Ausweg aus dieser gefahrvollen Situation — ein Aufruhr der deut-
schen Fußknechte wegen des Soldes am 22. Januar 1527, den die Haupt-
leute Sigismund imd Maximihan Leuser auch durch Zugeständnisse nicht
beruhigen konnten, zeigte deutUch, wie unsicher der Aufenthalt des Hofes

'•) Für Ferdinand verhandelte vor allem der königlich-ungarische Sekretär


Thomas Nddasdy: Siehe Anm. 95; Nädasdy an Ferdinand, 14. 1. 1527, HHSta, Un-
garn 3; Ferdinand an Bornemisza, Linz, 24. 9. 1526, Kopie im HHSta, Eeichsregister
Ferdinands I. 1; Ferdinand an Bornemisza, Wien, 15. 1. 1527, Konzept im HHSta,
Ungarn 3.
") Er vereitelte 1517 den Plan ZApolyas, Ludwig aus Ofen zu entführen: Huber
3, 517.
•») Vgl. Maximilian de Berghes an Margarethe, Augsburg, 18./19. 2. 1519 ed.
(Andr6 Joseph Ghislaine) Le Glay, N6gociations diplomatiques entre la France et
l'Autriche durant les premieres annees du XVI® si^cle. Gollection de documents in^dits
sur l'histoire de France, 1. serie XXVI/2 (Paris 1845) 242 ff.
") Auszug aus dem Bericht des Gesandten Ferdinands zum ungarischen Reichs-
tag Kaspar (Ursinus Velius), Ofen, 23. 9. 1524, HHSta, Gr. Korr. 8, fol. 82.
"») Vgl. Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 130: Die Preßburger lie-
ßen (vermutlich aus Angst vor der Burgbesatzung) im Juli 1527 die feuergefährdeten
Dächer abtragen.
i»i) Ebd.
"2) Johann Szalay an Thomas Nddasdy, Preßburg, 21. 11. 1526, HHSta, Un-
garn 2.
Noch 1527 verlangte Bornemisza mehrmals die Bestrafung der beteiligten
Söldner und Bürger als Bedingung für eine Verständigung: Rauber an Ferdinand,
Preßburg, 1.1. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 3; Nädasdy an Ferdinand, Preßburg,
6.1. 1527, Orig. ebd.; Rauber versprach den Burgherren 480 Dukaten als Schaden-
ersatz und Bußgeld: Rauber und Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg
6. 2. 1527, Orig. ebd.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 157

in der Stadt war^®^) — erwogen die Königin und ihre Räte, durch Verrat
und Mord in den Besitz der Burg zu kommen. Peter Vit^z, ein Unterhaupt-
mann Bornemiszas, hatte um die Jahreswende Verbindung zu Alexius
Thurzö gesucht und sich bereit erklärt, mit seinen Freimden gegen Beloh-
nung die Burg den Söldnern Ferdinands zu öffnen^®®); der Plan scheiterte
nur kurz vor seiner Ausführung"®). Auch Johann Szalay, der 1527 für den
alten und kranken Bornemisza — er starb noch im Herbst dieses Jahres —
die Verhandlungen führte, war offen für Versprechungen und soll sogar be-
absichtigt haben, Bornemisza mit Gift aus dem Wege zu räumen"'). Aber
ein Vertrag wurde erst im Juli 1527 geschlossen: Bornemisza und seine
Leute sollten die Burg den Truppen Ferdinands öffnen, sobald er Ofen er-
obert hätte"»).
Unter diesen Bedingungen war es in den ersten Monaten des Jahres
1527 sehr mühsam, v o n Preßburg aus für Ferdinand in Ungarn zu wirken.
Außerdem drohten den Boten und den Empfängern v o n Briefen aus Preß-
burg schwere Strafen i"'), wenn auch dadurch die Verbreitung v o n Auf-
rufen Marias und Ferdinands in Ungarn nicht unterbunden werden konnte,
ebensowenig wie die Propaganda für Zäpolya in Preßburg Böhmen ^i^)

Domberg und Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 22. 1. 1527,


HHSta, Ungarn 3; die niederösterr. Räte an Sigismund und Maximilian Leuser, Wien,
26. 1. 1527, ebd.; Sigismund und Maximilian Leuser an die niederösterr. Räte, Preß-
burg, 30. 1. 1527, Orig. ebd.; vgl. Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 105 ff.
Sie wurden von Hans Katzianer als Hauptmann abgelöst, der mit Giewalt die
Disziplin wieder herstellte: Maria an die niederösterr. Räte, Preßburg, 8. 5. 1527,
Orig. im HHSta, Ungarn 4; Katzianer an dieselben, Preßburg, 23. 4. 1527, Orig.
ebd.
1«) Rauber an Ferdinand, Preßburg, 1. und 6. 1. 1527, Originale im HHSta,
Ungarn 3; Vollmacht Ferdinands für Alexius Thurzö zu Verhandlungen mit Peter Vit6z
wegen der Burg Preßburg, Wien, 7. 1. 1527, Kopie im HHSta, Reichsregister Ferdi-
nands I. 1; vgl. Smolka a. a. O. 90.
"•) Alexius Thurzö an Ferdinand, Preßburg, 9. 2. 1527, Orig. im HHSta, Un-
garn 3: Vitez wurde — vermutlich aus einem anderen Grund — verhaftet.
Er sandte Johann Iwanzi nach Venedig, um Büchsenmeister und Gold-
schmiede zu werben und anscheinend auch um Gift zu kaufen, womit er Bornemisza
töten wollte; Iwanzi wurde auf der Rückreise bei ViUach verhaftet und zweieinhalb
Monate festgehalten: Rauber an Ferdinand, Preßburg, 7. 3. 1527, Orig. im HHSta,
Ungarn 3; ausführlich über diese Angelegenheit meine Dissertation 157 ff. Vgl. auch
Smolka a. a. O. 89 ff.
1»») Vertrag, ausgehandelt am 13. 7. 1527, bestätigt und beschworen durch
Nddasdy im Namen der Burghauptleute, Wien, 14. 7. 1527, HHSta, Ungarn 5 und
Reichsregister Ferdinands I. 1.
"») Zäpolya an die Adeligen der Grafschaften etc., Gran, (11. 1.) 1527, Kopie
im HHSta, Ungarn 3; Reichstagsbeschluß, Ofen, 23. 3. 1527, Art. 22 ed. Fraknöi,
Monumenta comitialia 121.
"») Nädasdy an Ferdinand, Preßburg, 6. 1. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 3;
Rauber und Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 6. 2. 1527, Orig. ebd.
Johann v. Kolovrat und Heinrich Kienast waren Agenten Zäpolyas in
Prag: Kaspar Winzer an die bayrischen Herzöge, Landshut, 31. 3. 1527 ed. Muffat
a. a. 0 . 17 ff.; John Wallop an Wolsey, Prag, (12. 3. 1527) ed. Firnhaber, Urkunden
5 ff.

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158 Gemot H e i ß

und Deutschland^^). Die ersten Versuche, die Hauptstützen König Johanns,


seinen Kanzler und künftigen Palatin Stefan Verboczy und den durch ihn
eingesetzten Erzbischof von Gran Paul Värday für Habsburg zu gewinnen,
schlugen fehP^^), und am Ofener Reichstag im März 1527 schien es, als habe
Zapolya seine Macht endgültig gefestigt. Sogar die Räte Marias empfahlen,
dorthin Boten zu senden, um den Standpunkt der habsburgischen Partei zu
verteidigen und die Auflösung der Kalandos-Bruderschaft zu verhindern^"),
nur wollte keine geeignete Persönhchkeit diesen Auftrag übernehmen i^®).
Ferdinand erließ ein Mandat, um die Ungarn von der Teilnahme am Reichs-
tag abzuhalten 11®), dieser war jedoch sehr gut besucht, und selbst aus dem
Preßburger Komitat waren Delegationen des Adels in Ofeni"). Die Ver-
sammlung bewilligte König Johann den Zehent von allem beweglichen Gut,
ächtete jene, die auf Einladung des Königs nicht gekommen waren, nament-
lich alle Parteigänger Ferdinands in Preßburg mit Ausnahme Franz Bat-
hyanys^i®), und wies die Ansprüche Ferdinands wieder mit Bezug auf den
Reichstagsbeschluß von 1505 zurück i^®).
Es war nicht verwunderlich, daß nun die Forderungen der Parteigän-
ger Ferdinands für ihre Treue und ihre Dienste stiegen i^®) — selbst Stefan
Bäthori verlangte Anfang Februar Sicherheiten i^^) — und daß mehrere
Die bayrischen Herzöge verhinderten eine Reichshilfe für Ferdinand: vgl.
Instruktion Zdpolyas f ü r seine Gesandten nach Regensburg, 5. 3. 1527 ed. Bela
P e t t k o , Adalekok Jänos kiräly uralkodasänak tört6netehez. Kassa väros leveltardbol.
Törtenelmi t ä r 6 (Budapest 1883) 289 ff.; Hieronymus Laski bemühte sich in Deutschland,
jede Hilfe des Schwäbischen Bundes f ü r Ferdinand zu verhindern: 2 Berichte Laskis,
München/Venedig, 8./9.5.1527, Originale chiffriert mit Auflösung im H H S t a , Ungarn 4.
Smolka a. a. O. 142 ff. über die Kontakte Leonhard v. Harrachs mit Ver-
böczy und über die Sendungen des Hans Schwarz und des Andreas Swardelat.
>») Thomas Szalahdzy an Ferdinand, Preßburg, 24. 2. 1527, Orig. im H H S t a ,
Ungarn 3; vgl. Zäpolyas Einberufungsschreiben (für den 17. 3. nach Ofen), Gran,
6. 2. 1527, Kopie ebd. ed. Kovachich, Supplementum 3, 104 und Fraknoi, Monu-
menta comitialia 110 f.
"5) Maria an Ferdinand, Preßburg, 14. 3. 1527 ed. Bauer-Lacroix 39 ff.
"«) Ferdinand an die ungarischen Stände, Prag, 7. 3. 1527, H H S t a , Ungarn 3
ed. Kovachich, Supplementum 3, 105 ff. und Fraknöi, Monumenta comitialia I I I ff.
" ' ) Rauber und Stefan Pempflinger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 16. 3.
1527, Orig. im H H S t a , Ungarn 3.
"8) Auszug aus dem Reichstagsbeschluß, Ofen, 23. 3. 1527, ebd.; Maria an
Ferdinand, Preßburg, 27. 3. 1527 ed. Bauer-Lacroix 46 ff.
1") Die Reichstagsversammlung an Ferdinand (Antwort auf sein Mandat vom
7. 3. 1527), Ofen, 24. 3. 1527, Kopie im H H S t a , Ungarn 3 ed. Fraknoi, Monumenta
comitialia 125 ff.
120) Vgl. die hohen Forderungen B a t t h y ä n y s : Vertrag mit Franz Batthyäny,
Preßburg, 16. 2. 1527, Orig. im H H S t a , Ungarn 7, Nachtrag 1527, fol. 24 ff. ed.
Chmel, Actenstücke 44 ff. und Thallöczy-Hodinka a. a. O. 606 ff.
Ferdinand an Maria, Prag, 9. 2. 1527 ed. Bauer-Lacroix 15 f. Er verlangte
f ü r seine Familie als Unterkunft Schloß Hartberg: Ferdinand an Bathori, Prag, 9. 2.
1527, Konzept im H H S t a , Ungarn 3, wurde aber vertröstet; erst im Mai wurde auf
seine Forderungen eingegangen: Ferdinand an Bathori, Brünn, 15. 4. 1527, H H S t a ,
Reichsregister Ferdinands I . 1; Ferdinand an Bathori, Breslau, 15. 5. 1527, Konzept
im H H S t a , Ungarn 4.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 159

Herren am Hofe Marias den Parteiwechsel erwogen. Nikolaus G e r e n d y ^ )


und Stefan Brodarics^) erbaten die Fürsprache des Königs von Polen bei
Zapolya; Gerendy konnte noch durch Lob und Versprechungen Ferdinands
zurückgehalten werden der Kanzler des ungarischen Königs und Bi-
schof von Sirmium (Mitrowieza / Sremska Mitrovica) Stefan Brodarics
ging jedoch Mitte März nach Ofen und unterwarf sich König Johann. In
Preßburg, wohin er aus Mohacs geflohen war^^®), waren seine angebotenen
Dienste^®) kaum genützt und belohnt w o r d e n D a s scheint verwunder-
lich, da er früher gute Kontakte zu Erzherzog Ferdinand gehabt h a t t e
der Grund dafür dürfte ein aus der Bewerbung ums Kanzleramt entstande-
ner Gegensatz zu Bischof Thomas Szalahäzy gewesen sein und eventuell
auch zur Königin, die damals ihren Hofkanzler Bischof Johann Goszthony
vorgeschlagen hatte i^'). In Zapolyas Diensten übernahm er in den folgen-
den Jahren wichtige Gesandtschaften^®®).
Aber auch im Gefolge König Johanns herrschte Unzufriedenheit: Graf
Christoph Frangepan klagte, er habe die deutschen Güter durch seine
Parteinahme für Zapolya, seine kroatischen Besitzungen durch die Türken
verloren; Zehent xmd Dreißigstzoll seien jetzt ohne Ertrag, und König
Johann habe ihn so lange zurückgehalten, gegen Zengg (Senj) vorzugehen,
bis Peter Kruzic Truppen Ferdinands e i n l i e ß B e r e i t s am 25. Januar
war Thomas Podwinay — er sollte in Gran Schiffssoldaten (Nassadisten)
werben und kundschaften — nach Preßburg zurückgekehrt und hatte be-
richtet, daß mehrere wichtige Anhänger Johann Zapolyas bereit seien,
zu Ferdinand überzugehen. Namentlich nannte er den Despoten von Ser-
bien Stefan Berislavic, Peter Keglevic von Buzin, Johann Kenderessy von
Malomwyz, Paul Podwinay, Franz Apafy und Alexius von Bethlen und
überbrachte auch bereits ihre Wünsche i®^). Kundschafter des Alexius Thurzö

Sigismund an Zapolya, s. d. ed. Gorski 9, 208.


>2») Brodarics an Krzycki, 12. 4. 1527 ed. ebd. 125.
Von Marias Räten erwirkt, als sie von seinem Schwanken erfuhren: Szala-
hazy an Ferdinand, Preßburg, 7. 3. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 3; Ferdinand an
Maria, Prag, 17. 3. 1527 ed. Bauer-Lacroix 43 f.
125) Brodarics an Tomicki und Krzycki, Preßburg, 6. 9. 1526 ed. Gorski 8, 221.
12«) Brodarics an Ferdinand, Preßburg, 15. 10. 1526, Orig. im HHSta, Ungarn 2.
12') Brodarics an Ferdinand, Deveny, 18. 3. 1527 zit. bei WUhelm F r a k n ö i ,
Magyarorszäg törtenetet erdeklö okiratok a külföldi piaczon. Szazadok 11 (Budapest
1877) 58 ff.; Brodarics an Krzycki, 12. 4. 1527 ed. Gorski 9, 125.
12») Vgl. Brodarics an Ferdinand, Rom, 3. 5. 1524, Orig. im HHSta, Ungarn 1;
Schneidpöck an Ferdinand, Ofen, 5. 6. 1524, Orig. im HHSta, Gr. Korr. 25a.
12») Vgl. Jozsef F 6 g e l , II. Lajos udvartartäsa 1516—1526 (Budapest 1917) 24;
Fraknöi, Ungarn vor Mohäcs 47 und 188 ff.
130) Vgl. nach Frankreich etc.: Nikolaus Oläh an Burgio, Brüssel, 16. imd 29. 10.
1531, bei den Friedensverhandlungen 1533: Oläh an Brodarics, 2. 2. 1533, zum Kaiser:
Brodarics an Oläh, Neapel, 26. 2. 1536 und Rom, 22. 4. 1536 ed. Ipolyi a. a. 0 . 158 f.,
164, 277, 300, 569, 574.
i"i) Christoph Frangepan an Franz Joiefic, Bischof v. Zengg, 29. 5. 1527,
HHSta, Ungarn 4 ed. Thallöczy-Hodinka a. a. O. 672 ff.
i»2) Maria an Ferdinand, Preßburg, 26. 1. 1527 ed. Bauer-Lacroix 9 ff.

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160 Gemot Heiß

berichteten ebenfalls von der Unzufriedenheit der Ungarn mit Zapolya^),


und Hans Schwarz, der zu Verböczy nach Gran gesandt worden war, er-
zählte nach seiner Rückkehr, daß der „Woiwode" wenig Hofgesinde habe,
niemanden entlohne imd Getreide, Wein und andere Waren, wenn sie bei
Bürgern gefunden würden oder nach Gran kämen, mit Gewalt und ohne Be-
zahlung in Beschlag nehmen lasse Diese Mißstimmung gegen Zäpolya,
der freilich nicht fähig war, sogleich alle Ubelstände abzustellen und allen
Wünschen seiner Anhänger nachzukommen, mußte durch die Königin und
ihre Räte zugunsten Ferdinands ausgenützt werden. Wenn auch die ersten
Verhandlungen mit Peter Perön}^ Peter Erdody, Freiherrn zu Eberau i®®),
Paul Bakic^®'), Paul Varday und den Richtern und Räten der Stadt Kaschau
(Kassa / Kolice) nicht sofort zu einem Erfolg führten, so bahnten sie
jenen doch bereits den Weg zum späteren Parteiwechsel.
In dieser für Unterhandlungen in Ungarn noch recht ungünstigen Zeit
(Februar/März 1527) konnte für Ferdinand der serbische Volksführer
Johann Nenada, genannt Iwan Öarni, der „Schwarze Mann", gewonnen
werden, den Maria und die ungarischen Herren in Preßburg für einen mäch-
tigen Verbündeten hielten^®). Als Bote ging im Frühjahr Johann Habar-
danecz zu ihm"®), der 1528 die erste Gesandtschaft Ferdinands nach Kon-
stantinopel leitete. Nenada konnte sich vorerst gut gegen Zapolya be-
haupten, der bereits Ende Mai gegen ihn rüsten ließi^^), wurde aber schließ-
lich am 25. Juli von Emmerich Czibak besiegt und auf der Flucht getö-
tet"^) und konnte so nicht mehr die ihm von Ferdinand zugedachte Rolle
im Sommerfeldzug übernehmen i^). Sein Unterführer Radslav Chelnicki
blieb ein wichtiger Parteigänger Ferdinands
1») Thurzö an Ferdinand, Preßburg, 9. 2. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 3.
Bericht des Cyriak v. Polheim und des Felician v. Petschach über diese
Sendung an Ferdinand, Wien, 23. 2. 1527, Orig. ebd.
Ferdinand an Perenyi, Wien, 15. 1. 1527, Konzept ebd.
"«) Smolka a. a. O. 73.
Die niederösterr. Räte an Rauber, Wien, 7. und 22. 2. 1527, Konzepte ebd.:
Bosiö Radio und Paul Bakic könnten gewonnen werden (Radi6 blieb jedoch Anhänger
Zapolyas: vgl. die ung. Statthalter an Ferdinand, Ofen, 24. 3. 1528, Orig. ebd. 8).
Ferdinand an den Rat und an die Bürger von Kaschau, Prag, 15. 3. 1527,
Konzepte im HHSta, Ungarn 3.
Ferdinand an Bathori, Prag, 15. 2.1527, Konzept ebd.; Rauber und Pempf-
linger an die niederösterr. Räte, Preßburg, 16. 3. 1527, Orig. ebd.; Brodarics an
Krzycki, s. d. (Ende Februar/Anfang März 1527) ed. Gorski 9, 110 f.; Maria an Fer-
dinand, Preßburg, 13. 4. 1527 ed. Bauer-Lacroix 54 ff.
"») Ferdinand an Nenada, Olmütz, 19. 4. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 4.
1") Rauber an Ferdinand, Preßburg, 23. 5. 1527, ebd.; Maria an Ferdinand,
Preßburg, 23. 5. 1527 ed. Bauer-Lacroix 77 ff.
1«) Zäpolya an Tomicki, Ofen, 26. 7. 1527 ed. Gorski 9, 234 f.; vgl. Stanislaus
Smolka, „Fekete" Ivan. Szäzadok 17 (Budapest 1883) 1 ff.
Er sollte aus Südosten gegen Ofen vorstoßen: Ferdinand an Nenada, Wien,
16., 20. und 27. 7. 1527, Konzepte im HHSta, Ungarn 5.
' " ) Schenkungsurkunden Ferdinands für Chelnicki, Wien, 25. 6.1527 und Krems,
27. 10. 1529, Kopien im HHSta, Reichsregister Ferdinands I. 1; Schenkungsurkunde
Ferdinands für Chelnicki, Augsburg, 9. 9. 1530, Kopie ebd. 33.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 161

Wesentlich erleichtert wurde die Arbeit der Preßburger Regierung für


Ferdinand durch den Ende März in Prag zwischen Bischof Bernhard Cles
von Trient und Leonhard Harrach und dem polnischen Kanzler Christoph
Szydlowiecki als Vermittler für Zäpolya ausgehandelten Waffenstillstands-
vertrag Nun durfte die Königin ihre Witwengüter in Ungarn frei und
ungehindert genießen, Ferdinands Anhänger sollten nicht verfolgt
werden und bis auf weiteres im Besitz ihrer Güter und Ämter bleiben.
Zapolya bestätigte diesen Vertrag Er dürfte an einen Erfolg der für den
I.Juni nach Olmütz berufenen Friedensverhandlungen geglaubt und ge-
hofft haben, durch einen Verzicht auf Mähren, Schlesien und die Lausitz,
die er als König von Ungarn auf Grund der Verträge von 1478 beanspruch-
te^^'), Ferdinand zur Aufgabe seiner Ansprüche auf Ungarn bewegen zu
können Ferdinand wollte mit dem Waffenstillstand nur Zeit und Er-
leichterungen für seine Anhänger gewinnen; nachteilig wirkte er sich für
ihn nur insofern aus, als der Vertrag Gerüchten Auftrieb gab, er werde auf
Ungarn verzichten"®).
Im April nahm die Tätigkeit der Unterhändler, die von Preßburg nach
Ungarn gingen, deuthch zu. Jetzt versprach Ferdinand Thomas Podwinay
und den von ihm genannten Herren Güter und bevollmächtigte sie zu Ver-
handlungen in seinem Namen mit ihren Freunden i®"). Ohne Gewalt soUten
Paul Podwinay und seine Freunde die Szekler und die Siebenbürger Sachsen
für König Ferdinand gewinnen ^^i) und ebenso die Städte, Magnaten und
Adeligen S i e b e n b ü r g e n s i®®) (-^^Q außerdem die Famihen auffallend vieler

»') Waffenstillstand, Prag, 26. 3. 1527, Konzept und Kopien im HHSta, Un-
garn 3; vgl. Smolka a. a. O. 148 f., der in seiner Arbeit die Ereignisse von September
1526 bis März 1527 behandelt.
»«) Bestätigung Zäpolyas, Ofen, 16. 4. 1527 ed. Gorski 9, 127 ff.
147) Vgl. Zdpolya an den mährischen Landtag in Olmütz, Stuhlweißenburg, 14. 11.
1526 zit. bei Rezek a. a. O. 77 f.
"8) Anni Domini MDXXVII memorabüia, ed. Gorski 9, 1 ff.
"") Er beeUte sich diese zu dementieren: Ferdinand an die ung. Herren in Preß-
burg, Brünn, 15. 4. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 4.
Schenkungsurkunde Ferdinands für Thomas Podwinay, Brünn, 7. 4. 1527,
Kopie im HHSta, Reichsregister Ferdinands I. 1: Güter Zdpolyas in Poiega und
Slawonien; Schenkungsurkunde Ferdinands, für Thomas Podwinay und Blasius Kecheti
Brünn, 14. 4. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 4: Die Burgen Fogaras, Thoma
(Thorenburg / Torda / Turda ?) und Zaard (Zärind?).
i'i) Ferdinand an Paul Podwinay, Brünn, 11. 4. 1527, Konzept ebd.: Verspricht
ihm Burg „Wech" (Duna-Veose?); Ferdinand an Paul Podwinay, Brünn, 13. 4. 1527,
Konzept im HHSta, Ungarn 431a, fol. 15: Verspricht ihm die Herrschaft Saj6 (Groß-
schogen / §ieu).
162) Eerdinand bevollmächtigt Paul Podwinay zu Verhandlungen mit den Städten
Kronstadt (Brassö / Bra§ov), Hermannstadt (Nagyszeben / Sibiu), Schässburg (Seges-
vär / Sighisoara), Klausenburg (Kolozsvär / Cluj), Bistritz (Beszterce / Bistrite),
„Meges" (Mediaa?), Mühlbach (Szäszsebes / Sebe§ Sasesc), Broos (Szäszvdros / Orästie)
und acht weitere, Brünn, 11. 4. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 4; Ferdinand be-
vollmächtigt Paul Podwinay zu Verhandlungen mit Alexius Bethlen, Franz Apafy,
Franz Läzar, Benedikt Czako, Laurenz Komis, Peter Myhälfi, Blasius Kecheti, Alexius
de Harangläb, Michael Balathfii, Valentin Török, Ladislaus Möre, Markus Pempflinger,

11 M I Ö G „ Bd. 82. Brought to you by | Nanyang Technological University


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162 Gemot Heiß

Herren der Umgebung der Königin — Pempflinger, Gerendy, Oläh und


Horvath — großen Einfluß hatten). Thomas Podwinay dürfte auch Ladis-
laus Möre, einen der reichsten Magnaten Ungarns^®®), und die Hauptleute
der Nassadisten, Bernhard Henyey, Franz Kapolnay, Sigismund Levay
und Nikolaus Herzeg gewonnen haben, die nun ihre Bedingungen für einen
Abfall von Zapolya sandten i®^); Emmerich Nagy versprach, sich nicht an
den Zapolya geleisteten Treueschwur zu halten i®®), der ihm abgezwungen
worden war, nachdem ihn Franz Simonyi im November 1526 getäuscht, ge-
fangen und ausgeliefert hatte Stefan Berislavic^®') und auch Valentin
Töröki®®) sandten Unterhändler nach Preßburg.
Erfolge in Ungarn hatte auch der Palatinal-Protonotar Franz Revay.
Als er Anfang Juni von einer Reise aus Ungarn zurückkehrte, hatte er
von Ladislaus Möre sogar ein Darlehen von 15.000 Dukaten erwirkt, die-
ses freilich sogleich wieder an Anhänger Ferdinands weitergegeben, und
hatte auch Georg Bathori (den Bruder des Palatins) gesprochen i®®). Bereits
am 18. Juni ließ Ferdinand für eine neuerliche Sendung Revays Briefe aus-
stellen, an die Stadt Stuhlweißenburg, an Valentin Török und Ladislaus
Möre, an Stefan Berislavic, an die Donauschiffer und an seinen Bruder
Stefan Revay^®"). Als Agenten bei den Siebenbürger Sachsen nahm Ferdi-
nand auf Empfehlung der Schwester — er war seit 1525 ihr Sekretär ge-
wesen^®!) — am 2. Juni Georg Reicherstorffer in seine Dienste^®^) und
sandte ihn Ende Juni nach Siebenbürgen i®®).

Kaspar de Somi und acht weitere Magnaten und acht Adelige, Brünn, 11. 4. 1527,
Konzept ebd.; Ferdinand an Peter Per6nyi und an den Bischof von Siebenbürgen
(Johann Goszthony), Brünn, 11. 4. 1527, Konzept ebd.; Ferdinand an die Witwe des
Emmerich Perenyi, Olmütz, 19. 4. 1527, Konzept ebd.
Seine zweite Gemahlin war die Witwe des Herzogs Laurenz Ujlaki und er
bekam durch Urkundenfälschung einen Teil von dessen Gütern: Denkschrift des
Hans Dernschwamm aus dem J a h r e 1563 ed. Eatkos, Dokumenty 459 f.; Fraknöi,
Ungarn vor Mohäcs 206.
Liste dieser Adeligen, ihrer Forderungen und Bemerkungen zur Erledigung,
s. d., H H S t a , Ungarn 4, April, fol. 27 ff.; Ferdinands Versprechen für sie, Brünn,
7. 4. 1527 und Olmütz, 19. 4. 1527, Kopien im H H S t a , Reichsregister Ferdinands I. 1.
1«) E b d . ; vgl. Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 73.
Vgl. Ortvay, Maria 264.
Maria an Ferdioand, Preßburg, 26. 3. 1527 ed. Bauer-Lacroix 44 f.; Be-
dingungen, s. d. (Anfang April 1527), H H S t a , Ungarn 4.
"8) Ferdinand an Török, Brünn, 13. 4. 1527, ebd.; Bedingungen Töröks mit
Randbemerkungen Ferdinands, s. d., ebd. fol. 92; Alexius Thurzo verhandelte mit
seinem Boten mehrere Wochen lang: Rauber an Ferdinand, Preßburg, 23. 5. 1527,
Orig. ebd.; Ferdinand an Thurzo, Prag, 28. 5. 1527, Konzept ebd.
"») Maria an Ferdinand, Preßburg, 30. 5. 1527 ed. Bauer-Lacroix 83.
"») Ferdinand an die Genannten, Wien, 18. 6. 1527, Konzept im H H S t a , Un-
garn 4.
Maria an Bürgermeister und R a t von Hermannstadt, Ofen, 12. 10. 1525 zit.
bei J o h a n n Karl S c h u l l e r , Georg Reicherstorffer und seine Zeit, ein Beitrag zur
Geschichte von Siebenbürgen in den Jahren 1527—1536. Archiv f ü r Kunde österr.
Geschichts-Quellen 21 (1859) 232.
Die niederösterr. R ä t e stellen Reicherstorffer im Namen Ferdinands als

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 163

Die Dienstleute der Königin Maria waren in diesen Monaten nach der
Schlacht bei Mohacs politisch nicht sehr aktiv. Ein Teil ihrer Untertanen
in Ungarn mußte sich wohl Zäpolya unterwerfen oder konnte zumindest
eine Parteinahme gegen ihn nicht offen zeigen. Zapolyas Truppen hatten
auch noch 1526 Besitzungen der Königin-Witwe eingenommen i®^), und
selbst die Fugger anerkannten die Herrschaft König Johanns im Gebiet
der Bergstädte, bezahlten ihm für 1527 die Pacht für den Kupferhandel
und erhielten dafür am 10. März 1527 den Pachtvertrag bestätigt i®®). Ein-
zelne Untertanen der Königin nützten die Situation zum eigenen Vorteil
und zur Untreue gegen ihre Herrin, so der Stadtrichter von Kremnitz
Johann Krueg, der deutsche Landsknechte nicht in die Stadt einließ, den
Unterkammergrafen der Königin (Johann Dobraviczky) absetzte, als er
für Ferdinand eintrat, und schließlich mit Geld, das Ladislaus Szalkai der
Königin hinterlassen hatte und mit einem auf 40.000 fl. geschätzten Vor-
rat an Silbergeld nach Deutschland floh^®®). Dennoch konnte Marias Haupt-
mann Christoph von Thum nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in den
Bergstädten berichten, daß dort alle auf die Ankunft Ferdinands warten und
hoffen. Zapolya habe mehrmals vergeblich versucht, den Zehent einzutreiben
und von den Bergstädten 4000 Mark Silber aus der Münze zu bekommen^®').
Wichtig für die Zusammenarbeit der ungarischen und der österreichi-
schen Beamtenschaft in diesen und in den folgenden Jahren wurden die
engen familiären Verflechtungen unter den Höflingen Ferdinands, Annas
und Marias. Als signifikantes Beispiel soll hier auf die Familie Pempflinger
eingegangen werden: Bereits in der Beschreibung des Innsbrucker Hof-
staates Marias und Annas wird ein sehr tüchtiges Kammerfräulein Pempflin-
ger, „Tochter eines reichen Ofener Bürgers", lobend erwähnti®®). Dorothea
Pempflinger verwaltet seit 1522 als Kammerfräulein Annas den Schmuck
ihrer Herrini®^), bis sie 1525 den Vorschneider Annas, Hans von Thum,
Sekretär ein, Wien, 2. 6. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 4; Ernennungsurkunde
Ferdinands, Wien, 23. 6. 1527, Konzept ebd.
Schüller a . a . O . 232 ff.; vgl. J. U r s u , Die auswärtige Politik des Peter
Rares, Fürst von Moldau (1527—1538) (1908) 25.
164) Ygj Krzycki und Stanislaus v. Sprowa an Sigismund, Gran, 4. 12. 1526 ed.
Gorski 8, 268 und 270.
Pölnitz, Anton Fugger 1, 88 ff. und 422 Anm. 156.
Schenkungsurkunde Marias für Sebastian Pempflinger über den halben
Scheidgaden von Schemnitz, den Krueg durch seinen Verrat verlor, Neusiedl, 4. 2.
1528 ed. Franz Anton S c h m i d t , Chronologisch-systematische Sammlung der Berg-
gesetze der österreichischen Monarchie, 2. Abt.: Chronologisch-systematische Samm-
lung der Berggesetze der Königreiche Ungarn, Kroatien, Dalmatien, Slavonien und
des Großfürstenthums Siebenbürgen 1 (1834) 102 ff.; vgl. zu Krueg auch Ratkos,
Dokumenty 68 und 82 ff.
"') Rauber an Ferdinand, Preßburg, 23. 5. 1527, HHSta, Ungarn 4.
Hofstaatsverzeichnis, s. d. (März 1520), LA Innsbruck, Codex 2470.
189) Inventar (nur Deckblatt) des Schmuckes Annas bei der Übergabe durch
Dorothea Pempflinger an Katharina v. Maidburg 1525, mit dem Verzeichnis des Zu-
wachses bis zum 3. 7. 1528, als Regina Plamekner den Schmuck übernahm, HHSta,
Familienurkunde 1183.
II«
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164 Gemot Heiß

heiratet, der bereits auf der Reise von Innsbruck nach Linz 1521 im Ge-
folge der Prinzessinnen war"®). Als Mitgift bekamen die beiden von Anna
und Ferdinand 2000 rh. fl., wofür ihnen Schloß Arnfels verpfändet wurde
Eine Anna Pempflinger, die ebenfalls Kammerfräulein Annas gewesen war,
heiratete Johannes Fanch de Cordoba"^). Im Dienste Marias in Ungarn
stand Katharina Pempflinger, die 1523 mit Valentin Török verheiratet
wurde"®).
Mehr Bedeutung als diese Kammerfräulein Annas und Marias hatten
Ursula Pempflinger und ihre beiden Söhne Stefan und Sebastian"*). Sie
war in zweiter Ehe mit Leonhard Gahnzer (Kallnitzer) verheiratet und ver-
waltete mit diesem in der schwierigen Zeit nach Mohäcs im Namen Marias
die Burg Diösgyör und die Grafschaftsrechte im Komitat Borsod"®). Stefan
war 1520 Vorschneider Almas geworden, nachdem Ludwig, Anna und Maria
sich vergeblich um seine Anstellung am Hofe des Kaisers bemüht hat-
ten"®). 1521 bUeb er am Hofe Ferdinands und Annas"'), ging im März
1525 nach Böhmen, um im Auftrage Ferdinands die von französischen
Agenten verbreiteten Gerüchte, der Erzherzog rüste gegen die böhmischen
Herren, zu dementieren"®), und Ende Juli 1525 mit Sigismund von Herber-
stein nach Ofen, um sich im Namen Ferdinands für die Fugger einzuset-
zen"®). Nach Ferdinands Krönung zum König von Ungarn wurde er Rat
der ungarischen Kammer und Burghauptmann von Ofen^®®). 1528 ver-
handelte er mit Maria wegen der Übergabe ihrer ungarischen Güter an Fer-

Karl an das Iimsbrucker Regiment, Worms, 27. 4. 1521, LA Innsbruck,


Copialbücher, Karl V. Registratur 1519—22 und Missiven und Bevelh von Hof 1519
bis 1522.
i'i) Anna an Ferdinand, s. d. (1525), Orig. im HHSta, Belgien PA 13, wird von
mir im Anhang zur Edition von Wolfram-Thomas ediert; Anna verspricht Dorothea
Pempflinger und Hans v. Thurn eine Mitgift, s. d. (1525), Orig. ebd.
"2) Ferdinand an die ung. Kammer, 1534, Kopie im HKA, Gedenkbuoh 301,
Index.
"') Fögel a . a . O . 26; Wenzel, Georgii Sirmiensis 99 f.: Török heiratete eine
deutsehe Kammerjungfrau Marias, eine Lutheranerin; dafür setzte sich Maria für eine
Begnadigung Töröks ein, dem eine Mitschuld am Verlust Belgrads gegeben worden
war; lt. Nicolaus I s t v ä n f i Pannoni, Historiarum de rebus Ungaricis libri XXXIV
etc. (1622) 100 war sie eine Tochter des Markus Pempflinger.
"«) Stefan Pempflinger an Anna, Ofen, 24. 5. 1529, Orig. im HHSta, Ungarn 11;
sie pflegte nach 1526 mehrmals Anna im Wochenbett: Siehe ebd.
"') Vgl. Ferdinand an Maria, Gran, 5. 12. 1527 ed. Bauer-Lacroix 163f.; vgl.
meinen Aufsatz über Marias Beamte und Besitzungen in Ungarn, Böhmen und Öster-
reich, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 27/29 (1974/76).
" ' ) Karl an das Innsbrucker Regiment, Brüssel, 31. 8. 1520, LA Innsbruck,
Copialbücher, Karl V. Registratur 1519—22.
Laut Denkschrift Dernschwamms von 1563, ed. Ratkos, Dokumenty 467,
war er Stallmeister Annas.
1'®) Ferdinand an Maria, Innsbruck, 12. 3. (1525) ed. Bauer, Korrespondenz
271 f.
"») Siehe oben 139.
"») Urkunde Ferdinands, Linz, 25. 11. 1529, Kopie im HHSta, Reichsregister
Ferdinands I. 1.

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Politik und Eatgeber der Königin Maria von Ungarn 165

dinandi®^). Sein Bruder Sebastian war Oberstallmeister Marias bis 1531"®)


und diente ihr noch danach als Burghauptmann von Bruck a. d. Leitha
und von Diösgyor"®). Schon vor Mohacs hatte er ein Fräulein von Puch-
heim geheiratet, die wie er im Dienste Marias stand Er war auch mit
Ulrich von Ejrtzing, nach 1531 einer der wichtigsten Beamten Marias in
Österreich und Ungarn, verschwägert"®), Stefan mit Christoph Rauber"®),
mit dem er am 29. Oktober 1526 zu Ferdinands Vertreter bei Maria in Preß-
burg ernannt wurde"'). Außerdem war der Graf der Siebenbürger Sachsen
Markus PempfUnger ein Onkel der beiden"®), ebenso der kaiserliche Ge-
sandte in Ungarn 1524/25, Dr. Johannes Schneidpöck"®). Wegen der
deutschen Herkunft dieser Familie hatten zwar sicherUch schon früher
über die Grenzen Ungarns reichende Beziehungen bestanden, sie waren
aber nach der Doppelhochzeit von 1515 bedeutend erweitert worden.
Nach Abschluß des Waffenstillstandes hatten die Unterhändler, die
aus Preßburg nach Ungarn gingen, ungehindert für Ferdinand werben
können. Im Gegensatz dazu Heß Ferdinand mehrmals Boten aus Ungarn
festnehmen — in Preßburg wurde auf Befehl johann Katzianers, des Haupt-
manns der deutschen Truppen, ein Küster aus Waitzen wegen Spionage
für Zäpolya verhaftet^®®), in Krems wurden die Gesandten Z4polyas zum
Reichstag nach Regensburg, Johann Bänffy und Dr. Andreas, am 9. April
angehalten und an der Weiterreise gehindert und ebenso am 11. April
in St. Veit a. d. Glan Matthias von Bautzen, der im Auftrag Vardays und

"1) Ferdinand an Maria, Ofen, 3. 2. (1528) ed. Bauer-Lacroix 186.


Bauer-Lacroix X und 5.
188) Verkaufsurkunde Sebastian Pempflingers über einen Viertelanteil am Schem-
nitzer Scheidgaden an Bernhard Beheim, 5. 4. 1533 ed. Schmidt a. a. O. 110 ff.
Verzeichnis der Schulden Marias für Mitgift ihrer Hoffräulein, s. d. (Februar
1531), HHSta, FamUienakten 97. "s) Siehe Anm. 183.
"«) Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg, 8. 5. 1527, HHSta, Ungarn 4.
Siehe oben 153.
18») Stefan Pempflinger an Ferdinand, Ofen, 12. 4. und 7. 5. 1528, Orig. im
HHSta, Ungarn 431a, fol. 19 und Ungarn 8. Die Pempflinger stammten aus Regens-
burg: J . S z ä c s , Das Städtewesen in Ungarn im 15.—17. Jahrhimdert. Renaissance
und Reformation in Polen und Ungarn (1450—1650). Studia Historica Academiae
Scientiarum Hungaricae 53 (Budapest 1963) I I I .
1") Schneidpöck an Salamanca, Ofen, 31. 3. und 5. 9. 1524, Orig. im HHSta,
Gr. Korr. 25b.
"») Katzianer an die niederösterr. Räte, Preßburg, 25. 5. 1527, Orig. im HHSta,
Ungarn 4.
Ferdinands Räte hatten dazu Befehle ausgegeben: Die niederösterr. Räte an
Richter und Räte von St. Pölten, Wien, 23. 3. 1527 ed. B61a I v d n y i , Oklevelek
Magyarorszäg 6s az alsöausztriai Sanct-Pölten varos összeköttetöseihez. Tört6nelmi
tar NF 9 (Budapest 1908) 159; Bürgermeister und Rat der Städte Krems/Stein an die
niederösterr. Räte, Krems, 9. 4. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 4; die niederösterr.
Räte an die von Krems/Stein, Wien, 11. 4. 1527, Konzept ebd.; Bericht der Gesandten
der niederösterr. Räte, Dr. Deinhart Dpmborhost und Wolfgang Treu an die nieder-
österr. Räte, (Krems 12.) 4. 1527, ebd.; Kaspar Winzer an Zäpolya, München, 22. 4.
1527, Orig. ebd.; Sigismund an Ferdinand, Krakau, 16. 5. 1527, Orig. ebd.: Protestiert
dagegen; Ferdinand an Sigismund, Prag, 31. 5. 1527, Konzept ebd.

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166 Gernot H e i ß

Zapolyas nach Rom reisen sollte"^) —, und die ungarischen Statthalter be-
fürchteten ähnliche Maßnahmen Zapolyas in Ungarn gegen ihre Agen-
ten i»»).
Weiters befürchteten sie trotz der Zusicherungen Ferdinands ein Nach-
geben ihres Königs und drängten ihn, nicht länger abzuwarten und
Zapolya Zeit zu geben, sondern endlich nach Ungarn zu kommen; die Ver-
handlungen mit den Ungarn würden durch sein Zögern immer schwieri-
ggj.196) Alexius Thurzö, dem wegen seiner großen Gefolgschaft und politi-
schen Erfahrung besonders schwierige Aufgaben übertragen wurden^®®),
empfahl, endlich Paul Podwinay auch mit Geld nach Siebenbürgen zu sen-
den und dort als Sonderbevollmächtigten Kaspar Sehumy einzusetzen^®');
vom Ausbau der geheimen Kontakte versprach er sich weit mehr als von
den Verhandlungen in Olmütz, wohin er in der Gesandtschaft Ferdinands
gehen mußte. An Ferdinand schrieb er, er soll nur mit einem Heer nach
Ungarn kommen, dann würde er die Früchte ihrer Arbeit sehen i®®). Ferdi-
nand wiederum versprach, er werde von seinen Rechten nicht abgehen, sie
nicht einmal zur Diskussion stellen lassen i®®), doch die Vertröstungen und
auch der Geldmangel^"") ermüdeten seine Statthalter in Preßburg, die auf
Ablösung drängten^®^).
Ferdinand ließ sich jedoch dadurch nicht beirren, sorgfältig in den Vor
bereitungen für den Feldzug fortzufahren, nahm die Länder der böhmi
sehen Krone in Besitz, deren Stände für die Rüstung Steuern bewilligten

Veit Welzer, Landeshauptmann in Kärnten, an die niederösterr. Räte


Prauenstein, 12. 4. 1527, Orig. ebd.; die niederösterr. Räte an Welzer, 19. 4. 1527
Konzept ebd.; deshalb finden sich im HHSta, Ungarn 3 auch viele Schreiben (März
1527), die er nach Rom bringen sollte.
Rauber an die niederösterr. Räte, Preßburg, 29. 5. 1527, Orig. im HHSta,
Ungarn 4.
IM) Vgl. die Briefe Ferdinands an Thurzö, Breslau, 15. 5.1527, Prag. 28. 5. 1527,
Neuhaus, 9. 6. 1527, Konzepte ebd.; auch die niederösterr. Räte warnten Ferdinand,
nachzugeben: Wien, 26. 5. 1527, Orig. ebd.
Die ungarischen Räte und Vertreter der Stände an Ferdinand, Preßburg,
20. 5. 1527, Orig. ebd.; Maria an Ferdinand, Preßburg, 20. 5. 1527 ed. Bauer-
Lacroix 74 f.
196) Wege zu suchen, wie man gewaltlos in den Besitz der Burgen Totis (Tata),
Tyrnau (Nagyszombat / Tmava) und Komorn kommen könnte, ständige Spione am
Hofe Zapolyas zu haben: Ferdinand an Thurzö, Breslau, 15. 5. 1527 und Wien, 29. 6.
1527, Konzepte im HHSta, Ungarn 4.
1") Leonhard v. Harrach an Ferdinand, Olmütz, 4. 6. 1527, Orig. ebd.
Thurzö an Ferdinand, Olmütz, 1. 6. 1527, Orig. ebd.
"«) Ferdinand an Thurzö, Prag, 28. 5. 1527, Konzept ebd.
2°") Die niederösterr. Räte an Rauber und Pempflinger, Wien, 25. 5. 1527, Kon-
zept ebd.; Maria an Ferdinand, Preßburg, 25. 4. und 30. 5. 1527 ed. Bauer-Lacroix
60 f. und 83 f.
äioi) Rauber an Ferdinand, Preßburg, 23. 5. 1527, HHSta, Ungarn 4; Maria an
Ferdinand, Preßburg, 20. und 25. 6. 1527 ed. Bauer-Lacroix 92 f. und 95.
Vgl. Ferdinand an Szalahazy, Bäthori, Thurzö etc., Brünn, 7. 4. 1527, Kon-
zept im HHSta, Ungarn 4: Sie wollen, daß er sofort nach Ungarn komme und die
Verhandlungen hier aufschöbe, doch er bekam bereits beachtliche Hüfsgelder.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 167

und traf Vorkehrungen zum Schutze Österreichs und Mährens vor einem even-
tuellen Angriff Zäpolyas^"®). Mitte Juni kehrte er nach Wien zurück^"^),
brach aber nicht sogleich nach Ungarn auf, nachdem der Waffenstillstand
durch das Scheitern der Olmützer V e r h a n d l u n g e n a u s g e l a u f e n war und
er mit einem Manifest an die Ungarn den Krieg gegen Zapolya begonnen
hatte^®'). Er sandte vielmehr sein Heer unter dem Oberbefehl des Mark-
grafen Kasimir von Brandenburg voraus^®'), und erst nachdem sich die er-
sten Erfolge gezeigt hatten, überschritt Ferdinand am 1. August 1527 bei
Kittsee die Grenze Ungarns und wurde hier von mehreren ungarischen
Magnaten und Adeligen empfangen2®®).
Unbehindert konnte Ferdinand im August 1527 bis nach Ofen ziehen,
das Zapolya kampflos räumen mußte, denn viele seiner vermeintlichen An-
hänger huldigten nun dem Habsburger. Es war der Erfolg der Tätigkeit
der Preßburger Statthalter und ihrer Agenten, aber auch der klugen Politik
Ferdinands, der jedem der Herren den Weg zum Übertritt offen ließ und
jeden Abtrünnigen in Gnade aufnahm, einer Politik freihch, die sich beide
ungarischen Könige in den folgenden Jahren zu eigen machten, und die das
opportunistische Verhalten der Ungarn ermöglichte und bedingte, das
damals für viele das einzige Mittel zum Überleben war.

III.
Die persönlichen wirtschaftlichen Interessen der Königin Maria be-
dingten, daß sich die junge Witwe auch in den folgenden Jahren nicht ganz
aus dem politischen Leben Ungarns zurückzog, obwohl sie in den Monaten
seit König Ludwigs Tod mehrmals deutlich psychische und physische Er-
schöpfung gezeigt hatte 1). Diese finanzielle Bindung an Ungarn war um so
stärker, als sie nicht nur gelernt hatte, im politischen Machtkampf alle
Rechte und Ziele mit zäher Ausdauer zu verfolgen, sondern da sie nun wie-
der unter großem Geldmangel litt.

Erlaß Ferdinands zum Schutz der österr. Grenzen, Wien, 1. 6. 1527, Kon-
zept ebd.
2»«) Gevay, Itinerar: 9. 6. Neuhaus, 14. 6. in Wien.
Vgl. Bucholtz 3, 193 ff.
208) Manifest Ferdinands an die Ungarn, Wien, 29. 6. 1527, gedruckt in dt. Spra-
che HHSta, Ungarn 4 ed. (lateinisch) Gorski 9, 223 f.
2°') Erlaß Mgf. Kasimirs v. Brandenburg, 7. 7. 1527, HHSta, Ungarn 5; „Dif-
fidatio contra Wayvodam Transylvaniensem", Wien, 7. 7. 1527, Kopie im HHSta,
Reichsregister Ferdinands I. 1.
20») Ortvay, Geschichte der Stadt Preßburg 4/1, 133 ff.; vgl. Ferdinand an Peter
Keglevic v. Buzin, Prellenkirchen, 31. 7. 1527, Konzept im HHSta, Ungarn 5.
1) Sie klagte über Atemnot, Herzflattern und hatte geschwollene Hände und
Füße: Rauber an Ferdinand, Preßburg, 7. und 27. 5. 1527, HHSta, Ungarn 4; Maria
an Ferdinand, Preßburg, 8. 5. 1527 ed. Bauer-Lacroix 67 f.; Ferdinand an Maria,
Breslau, 14. und 17. 5. 1527, Schweidnitz, 21. 5. 1527 und Prag, 27. 5. und 2. 6. 1527
ed. ebd. 72 ff., 80, 89; Oläh an Szalahäzy, Brüssel, 2. 5. 1533 ed. Ipolyi a. a. O. 361:
Sie litt auch später noch mehrmals daran.

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168 Gemot Heiß

Nachdem der Waffenstillstand am 1. Juli 1527 abgelaufen und ein


weiterer Aufenthalt der Königin in Preßburg unnötig und gefährlich ge-
worden war^), übersiedelte sie mit ihrem Hofstaat Anfang Juli nach Wien®)
und weiter nach Wiener Neustadt, wo sie bis Oktober dieses Jahres blieb^).
Ferdinand hatte ihr — wie seinen anderen Anhängern®) — an den König
gefallene Güter geschenkt und verpflichtete sich ihr gegenüber auch zu
Rentenzahlungen: Bereits am 29. Dezember 1526 hatte er versprochen,
ihre Besitzungen in Ungarn vor Zapolya zu schützen und, sollte das nicht
möglich sein, sie ihr zu ersetzen. Denn mit ihrer Hilfe sei er zum König
von Ungarn gewählt worden®). Bis zur Rückgewinnung ihrer Güter hatte
er ihr außerdem eine Monatsrente von 1500 fl. versprochen'). Im Sommer
1527 beglaubigte er für sie eine Abschritt des Heiratsvertrages vom 22. Juli
1515 mit den Bestimmungen über ihre Aussteuer — anerkannte also ihre Be-
sitzrechte in Ungarn®), — erhöhte die Rente auf monatlich 2000 rh. fl. und
schenkte ihr als Residenz Burg und Stadt Cilli'). Seine Erben verpflichtete
er, ihr die im Heiratsvertrag festgelegten 200.000 ung. fl. Mitgift oder jähr-
lich 25.000 ung. fl. zu bezahlen, sollte er vor der Rückgewinnung ihrer
Güter sterben, und ihr weiterhin die böhmischen Güter zu belassen^»).
Die niederösterreichische Kammer bezahlte jedoch nicht die von Fer-
dinand versprochenen Beträge^^), und Maria war deshalb gezwungen, nach
den Erfolgen des Sommerfeldzuges sich um eine rasche Rückgabe ihrer
Besitzungen zu bemühen und ihre Einkommen selbst zu ordnen und zu
verbessern. Schon im September sandte sie Andreas Sarson von Tyrnau
mit dem Auftrag nach Ungarn, die Stadt Altofen und die Insel Csepel für
Ferdinand an Maria, Wien, 25. 6. 1527 ed. Bauer-Lacroix 94.
Vgl. JohnWallop an (Wolsey), Wien, 11. 7. 1527 ed. John Sherren Brewer,
Letters and papers, foreign and domestic, of the reign of Henry VIII. Calendar of
State Papers, Serie 5, 4/2 (London 1870/76) 1478.
*) Vgl. Maria an Ferdinand, Wiener Neustadt, 5. 10. 1527 ed. Bauer-Lacroix
141 ff.
') Vgl. Kopien im HHSta, Reichsregister Ferdinands I. 1; vgl. Aufstellung der
Schenkungen und Bestätigungen Ferdinands 1526 bis 1532, IgnAcz A c s ä d y , R6gi
magyar birtokviszonyok. firtekez^sek a törtfeelmi tudomänyok kör^böl 16 (Budapest
1897).
•) Ferdinands Urkunde für Maria, Wien, 29. 12. 1526, Orig. und Kopie im
HHSta, Ungarn 343, fol. 10 ff. ed. Hatvani 1, 50 f.
') Aufstellung der Forderungen Marias an Ferdinand, s. d. (1540) ed. Hatvani
2, 30 f.
») Von Ferdinand beglaubigte Kopie des Vertrages vom 22. 7. 1515, Wien, 20. 7.
1527, HHSta, Ungarn 342 ed. Hatvani 1, 54 ff.; Ferdinand bestätigt den Vertrag vom
22. 7. 1516 bezüglich der Heiratsgüter Marias, Gran, 25. 11. 1527, von Karl beglau-
bigte Kopie im HHSta, Familienurkunde 1196a. Festzuhalten ist, daß er bereits jetzt
nur die Urkimde von 1515, nicht aber die Ludwigs vom 2. 2. 1522 bestätigt, vermut-
lich, da nur in letzterer ausdrücklich Neusohl genannt ist.
») Urkunde, Wien, 1. 8. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 343, fol. 18 ed. Hatvani 1,
64 ff. Cilli wird später nie mehr erwähnt.
1°) Urkunde, Wien, 3. 8. 1527, Orig. im HHSta, Ungarn 343, fol. 37.
Maria an Ferdinand, Wiener Neustadt, 14. 9. und 2. 10. 1527 ed. Bauer-
Lacroix 125 f., 135; Ferdinand an Maria, Ofen, 5. 10. 1527 ed. ebd. 140 f.

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Politik vmd Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 169

sie in Besitz zu nehmen Selbst fuhr sie mit Anna Mitte Oktober donau-
abwärts nach Ofen^®), und sie war Ende desselben Monats im Gefolge Fer-
dinands, als er zur Krönung nach Stuhlweißenburg zog^^).
In einer ausführlichen Denkschrift ersuchte sie hier am 2. November
1527 den Bruder nochmals um Anerkennung ihrer Besitzrechte in Ungarn :
Er sollte ihr zur Deckung ihrer Forderungen weiterhin die Einkünfte aus
dem Preßburger Dreißigstzoll überlassen, ihr bei der Einbringung der
Steuern in der Ober- und der Niederlausitz helfen, denn damit müsse sie
den Markgrafen Georg für Warasdin (Varasd / Varazdin), Medwed (Medved-
grad), Rockonock (Rakovec) und Lukawetz (Lukavec) bezahlen, die sie
bereits an Ferdinand abgetreten habe. Weiters ersuchte sie ihn, mit Paul
Ärtandy und seinen Genossen (Stefan Bathori von Somlyo)") wegen der
Rückgabe und Abrechnung über die Verwaltung der Herrschaften Marias
Munkacs (Mukaöevo) und im Komitat Maramaros und mit Kaspar Raskay
wegen V^gles (Viglas) zu verhandeln und bat um Aufklärung, von wem sie
das Urbar von den Neusohler Kupferbergwerken verlangen soUte sowie um
den persönlichen Nachlaß Ludwigs und um ihren eigenen Schmuck"). Wie
immer in finanziellen Angelegenheiten, versprach Ferdinand in seiner Ant-
wort weitere Verhandlungen und eine zufriedenstellende Erledigung der
Wünsche Marias, ohne sich aber festzulegen^®).
Veranlaßt durch seine ungarischen Räte bemühte sich Ferdinand viel-
mehr in den folgenden Jahren um eine Rückgabe aller Witwengüter an die
königliche Kammer; zum ersten Mal bereits 1528, nachdem Maria abgelehnt
hatte, nochmals die Statthalterschaft in Ungarn zu leiten, sie demnach hier
mit ihrer wirtschaftlichen Macht für ihn keine politischen Aufgaben mehr
tragen wollte^®). Im Februar und Juni sandte er zu ihr nach Ungarisch-
Altenburg und verlangte die Freigabe der Maramaroser Salzkammer, des
Preßburger Dreißigst, des Münzamtes in Kremnitz und der Bergwerks-
städte^®). Maria gelang es jedoch, den Bruder von dieser Forderung abzu-
") Maria an Ferdinand, Wiener Neustadt, 6. und 14. 9. 1527 ed. ebd. 117 f.,
125 f.
Caspari Ursini Velii de hello Pannonico libri decem etc., herausg. Adam
Franz Kollar (1762) 34; Ortvay, Maria 322.
") Darüber Bucholtz 3, 210.
Denkschrift Marias an Ferdinand, Stuhlweißenburg, 2. 11. 1527 ed. Bauer-
Lacroix 144 ff.
1») Vgl. Maria an Ferdinand, Znaim, 18. 8. 1529 ed. Bauer-Laeroix 471.
") Siehe Anm. 15; vgl. zu Marias Beamten und Besitzungen in Ungarn, Böhmen
und Österreich ausführlich meinen Aufsatz in den Mitteilungen des österreichischen
Staatsarchivs 27/29 (1974/76).
Aufzeichnungen Marias über Ferdinands Antwort auf ihre Denkschrift vom
2. 11. 1527, s. d. (vor dem 2. 12. 1527) ed. Bauer-Lacroix 161 f.
") Ferdinand an Maria, Gran, 7. 2. 1528 ed. ebd. 188 ff.; Maria an Ferdinand,
Neusiedl a. S., 9. 2. 1528 ed. ebd. 190f.; Denkschrift Marias über ihre Gründe, die
Statthalterschaft abzulehnen, s. d. (Februar 1528) ed. ebd. 191 f.
Instruktion Ferdinands für Hans Lamberg und Stefan Pempflinger an Maria,
Ofen, 4. 2. 1528 zit. ebd. 187 f.; Instruktion Ferdinands für Melchior oder Hans Lam-
berg, Prag, 2. 6. 1528 ed. ebd. 229 f.

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170 Gernot Heiß

b r i n g e n V e r m u t l i c h wollte er ihr keine sicheren Einkommen in seinen


anderen Länder für diese vom Feind bedrohten und durch Schulden be-
lasteten Güter geben, auf die die Königin selbst in diesen Jahren nur sehr
schwer Geld geliehen bekam. Immer schwieriger wurde es für sie, die Aus-
gaben ihrer Hofhaltung zu decken, und sie mußte Ferdinand bitten, Schul-
den zu übernehmen oder für Darlehen zu bürgen Ihre Höflinge blieben
häufig ohne Entlohnung
Die Sorge um den Unterhalt der Schwester belastete Ferdinand, und
wohl um diese loszuwerden, entwarf und förderte er Pläne, Maria wieder
zu verheiraten. Maria hätte dann die Witwengüter zurückgeben müssen^),
und wenn auch Ferdinand als ungarischer König verpfüchtet gewesen wäre,
ihr eine Mitgift von 200.000 Dukaten zu bezahlen^®), so hätte doch er-
fahrungsgemäß der Bewerber bei den Verhandlimgen darauf verzichtet.
König Jakob V. von Schottland^®) und Pfalzgraf Friedrich — bei ihm wäre
damit gleichzeitig ein Teil seiner Forderungen abgegolten worden^') —
bemühten sich um die Hand der jungen Königin-Witwe. Sie wollte jedoch
nicht mehr heiraten^®).
In Ferdinands Ungarnpolitik fungierte Maria noch weiterhin als kluge
Ratgeberin und Vermittlerin'''), und die Kontakte ihrer Höfhnge nach
Aufzeichnungen Marias über ihre Antwort an Lamberg, 12.6.1528 ed. ebd. 247.
Vgl. wegen der Übernahme einer Forderung des (Johann) v. Pernsteüi: Maria
an Ferdinand, Znaim, 26. 12. 1528 und 1 . 1 . 1529 ed. ebd. 359 f. und 363; Ferdinand
an Maria, Innsbruck, 23. 1. 1529 und Linz, 12. 5. 1529 ed. ebd. 375 f. und 403 ff.
und siehe unten, vor ihrer Abreise in die Niederlande.
23) Vgl. Maria an Ferdinand, Linz, 8. und 13. 2. 1530 ed. ebd. 597 ff. und 600ff.;
vgl. Verzeichnis der Schulden Marias, zu deren Deckung sie Ferdinand um sichere
Einkommen ersucht, (Augsburg), 15. 11. 1530, H H S t a , Famüienakten 97: z. B.
schuldete sie ihrer Oberhofmeisterin Margarethe v. Ungnad an Lohn bereits 3582 rh. fl.
2«) Siehe Anm. 18.
25) Vertrag zwischen Wladislaw I I . und Maximilian I., Wien, 22. 7. 1515, H H S t a ,
Hausarchiv, Familienurkunde 976 A ed. Pray, Annales 5, 381 ff.
2«) Ferdinand an Maria, Prag, 28. 6. 1528 ed. Bauer-Lacroix 250 f.; Instruktion
Ferdinands f ü r Hans Lamberg an Maria, Prag, 29. 6. 1528 ed. ebd. 251 ff.
2') Karl an Ferdinand, Madrid, 9. 10. 1528 ed. ebd. 309ff./12; Pfalzgraf Fried-
rich an Karl, s. d. (Anfang 1531) ed. Karl L a n z , Correspondenz des Kaisers Karl V.,
aus dem königlichen Archiv und der Bibliotheque de Bourgogne mitgeteilt 1 (1844)
419 f.: Klagt über das Verzögern einer endgültigen Antwort; gibt seine familien-
politischen Gründe an (Nachkommen). E r heiratete schließlich eine Nichte Marias.
2») Maria an Ferdinand, Ödenburg, 9./10. 7. 1528 ed. Bauer-Lacroix 261 f.
Maria dürfte sich f ü r unfruchtbar gehalten und sich deshalb allen Eheplänen so vehe-
ment widersetzt haben. Von einer Unfruchtbarkeit der Königin sprachen häufig ihre
Gregner: Heinrich v. Schwihau an Hzg. Wilhelm v. Bayern, Prag, 9. 1. 1527 ed. Muffat
3—6; Bericht des venezianischen Gesandtschaftssekretärs Massaro, 5.10.1523 bei Sanuto
35, c d . 107. Die Kinderlosigkeit ihrer Ehe mit Ludwig schien dies auch zu bestätigen.
2') Wünsche und Klagen der ungarischen Herren gab sie mit Empfehlungen wei-
ter: Thurzö an Maria, 1. und 10. 8. 1528, H H S t a , Ungarn 9; Szalahazy an Maria,
10. 8., 10. und 20. 9. 1528, ebd.; Maria an Ferdinand, 26. 6., 11. 7., 4. 8. und 14. 9.
1528, 22. 1. und 22. 2. 1530 ed. Bauer-Lacroix 249 f., 265 ff., 275 f., 288 f., 613,
618 ff.; die ungarischen Statthalter an Maria, Preßburg, 24. 4. 1530, Orig. im H H S t a ,
Ungarn 14.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 171

Ungarn dürften mehrmals zur Gewinnung von Parteigängern genützt wor-


den sein®®). Die Lage der Statthalterschaftsregierung unter dem Palatin
Stefan Bathori verschlechterte sich nach Ferdinands Abreise aus Ungarn
im März 1528 rasch, denn es zeigte sich, daß auch Ferdinand seine Ver-
sprechen nicht halten konnte, alle Anhänger ihren Wünschen gemäß zu be-
lohnen, die bedrohten Grenzen Ungarns zu schützen und die verlorenen
Gebiete zurückzuerobern. Die ungarischen Herren klagten in Briefen an
Maria über ihre Ohnmacht und Mittellosigkeit und daß sie ihnen zur Wahl
Ferdinands geraten habe®^).
Als 1529 die Türken und Zäpolya — in Polen und mit französischen
Hilfsgeldern — gegen Ferdinands Anhänger und Länder rüsteten, be-
mühte sich Maria vergeblich, von Ferdinand Hilfe und Schutz für Ungarn
zu erlangen. Nur vereinzelt konnte sie Erleichterungen für ihre Untertanen
erreichen, so die Vertagung des Prozesses Peter Erdodys gegen die Stadt
Karpfen (Korpona / Krupina) mit der Begründimg, die Bürger hätten nun
die Abwehr der Truppen Zapolyas unter Albrecht von Sternberg zu besor-
gen®^). Als Hans Katzianer die Söldner abzog, die die Bergwerksstädte be-
schützen hätten sollen®®), ließ Maria den bisherigen Hauptmann von Un-
garisch-AItenburg Leonhard Hauser als Befehlshaber für die Truppen der
Bergstädte anwerben®^). Bei seinen Verhandlungen mit den Räten in Wien
um militärische Hilfe wurde er noch durch die Königin-Witwe und ihre
Beamten unterstützt, blieb aber schließlich in der belagerten Stadt®®). Alle
Truppen Ferdinands waren zur Verteidigung der österreichischen Länder
zurückgezogen worden, Ungarn wurde seinem Schicksal überlassen und
blieb auf lange Zeit Kriegsgebiet. König Ferdinand sollte nach 1528 erst
1542 wieder ungarischen Boden betreten und auch dann nie mehr weiter
als bis Preßburg oder ödenburg kommen®®).
Königin Maria war Ende 1528 von Ungarisch-Altenburg nach Znaim
übersiedelt, wo sie 1529 hofhielt. Im September kam sie nach Linz, um mit
Ferdinand den Schutz ihrer ungarischen Besitzungen zu besprechen®'),
ohne dabei Erfolg zu haben. Ihre Beamten in den Bergwerksstädten erhiel-
ten wohl jetzt (vielleicht auch schon 1526/27) die Weisung, ,,das man den
feindt, wie man khan, mit glimpffen solt ablaiten unnd sich schmiegen und
Vgl. die Briefe ihres Sekretärs Nikolaus Oläh, ed. Ipolyi a. a. O.
") Siehe Anm. 29.
Maria an Ferdinand, Znaim, 9. 4. 1529 ed. Bauer-Lacroix 394 f.
") Maria an die 7 Bergstädte, Znaim, 21. 4. 1529 ed. A. Fürst O d e s c a l c h i ,
Königinnen Briefe aus dem Archiv einer ungarischen Bergstadt. Jahrbuch Adler NF.
19 (1909) 16 f.
Wolf Puchler, Marias deutscher Sekretär, an Bernhard Beheim, Znaim, 21. 4.
1529, Orig. im HHSta, Ungarn 11; Leonhard Hauser an Ferdinand, Lager vor Orava,
21. 5. 1529, Orig. ebd.
Maria an Ferdinand, Znaim, 7. und 18. 8. 1529 ed. Bauer-Laoroix 464 f.,
471; er wurde hier verwundet: Ferdinand S t ö l l e r , Soliman vor Wien. Mitteilungen
des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 9/10 (1929/30) 73.
Gevay, Itinerar.
") Ferdinand an Maria, Linz, 8. 9. 1529 ed. Bauer-Lacroix 494.

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172 Gemot Heiß

piegen, bis die rom. ku. Mt. mit einer rechten macht ins landt mocht
komen", woran sie sich hielten und weshalb sie weitgehend verschont blie-
ben®®), da auch Zäpolya nicht daran interessiert war, den Bergbau zu
schädigen, solange er daraus Einnahmen erhoffen konnte®®). Maria verließ
nach dem Beginn der Belagerung Wiens aus Sicherheitsgründen mit Anna
und den Kindern Ferdinands Linz, doch bereits in Passau erreichte sie die
Nachricht vom Rückzug der Türken*®). Die Königin-Witwe kehrte sogleich
wieder mit ihrem Gefolge nach Linz zurück^i) und blieb hier bis Ende April
1530«).
Die Verhandlungen mit den obderennsischen Ständen im Januar 1530
überließ Ferdinand der Schwester^®), während er selbst mit den böhmischen
Ständen in Budweis und Prag um Steuern zur Türkenabwehr verhandelte.
Er dürfte sich im Eindruck der Belagerung Wiens eine größere Nachgiebig-
keit der Stände erwartet haben, doch jene machten Schwierigkeiten, da sie
gemeinsam tagen wollten, um nicht eine im Verhältnis zu einem der anderen
Länder Ferdinands zu hohe Steuer zu bewilligen. Das wieder wollte Ferdi-
nand nicht zugestehen, da er den schlechten Einfluß einzelner, besonders
der böhmischen Stände unter Lev von Rozmitäl befürchtete, gegen den er
nun vorgehen wollte; darin wurde er von der Schwester bestärkt^) und
hatte auch Erfolg.
Marias Schulden waren weiter angewachsen, weil durch die Eroberun-
gen Zapolyas und der Türken 1529 ihre Güter kaum einen oder überhaupt
keinen Ertrag abwarfen und da Ferdinands Kammer weiterhin nur einen
kleinen Teil der versprochenen Monatsrente bezahlte*®). Marias Höflinge
waren bei den Wirten in Linz so verschuldet, daß die Königin und ihr Ge-
folge nicht abreisen konnten, als dies im Februar 1530 wegen Seuchen-
gefahr nötig gewesen wäre*®). Die Schuldentilgung war auch Marias Haupt-

Denkschrift der Gesandten der 7 Bergstädte über den Schutz der Städte und
Bergwerke gegen die Türken, Kremnitz, 21. 12. 1540 ed. Eduard R i c h t e r , Die Hal-
tung der ungarischen Bergstädte nach der Doppelwahl von 1526. MIÖG 32 (1911)
502 ff.; daß ihre Beamten auch in diesen Jahren unbehindert waren, zeigen die Zahlun-
gen des Kremnitzer Unterkammergrafen: Aufstellung der Einnahmen Marias aus dem
Preßburger Dreißigst und aus den Bergstädten, s. d. (1540), HHSta, Ungarn 346, s. d.,
fol. 27 f.
" ) Vgl. Zäpolya an seinen Hauptmann Peter Kostka und dessen Bruder Nikolaus,
1529 zit. bei Neda R e l k o v i c , Königinnenbriefe im städtischen Archiv von Königs-
berg. Karpatenland 4 (Reichenberg 1931) 72.
" ) Vgl. Oläh an Johann Bocler, Passau, 8. 10. 1529 ed. Ipolyi a. a. O. 18.
" ) Oläh an Paul Gerebi, Linz, 4. 11. 1529 ed. ebd. 19 f.
Sie reiste mit Ferdinand ab nach Innsbruck: Gevay, Itinerar.
Ferdinand an Maria, Budweis, 10., 17. und 21. 1. 1530 ed. Bauer-Lacroix
547 f., 567 f. und 573 f.; Maria an Ferdinand, Linz, 14. und 23. 1. 1530 ed. ebd. 566 f.
und 575 f.
" ) Maria an Ferdinand, Linz, 18. und 21. 1. 1530 ed. ebd. 569 ff. und 572 f.
" ) Aufstellung der Einnahmen Marias aus dem Dreißigst, den Bergstädten und
dessen, was sie von Ferdinand als Ersatz für ihre Verluste in Ungarn bekam, s. d. (1540)
HHSta, Ungarn 346, s. d., fol. 27 f.
" ) Maria an Ferdinand, Linz, 8. und 13.2.1530 ed. Bauer-Lacroix 597 ff. und 600 ff.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 173

anliegen bei den Besprechungen in diesem Jahr mit Ferdinand und Karl in
Innsbruck und Augsburg*'): Im Mai war sie mit Ferdinand und Anna nach
Innsbruck gekommen, traf hier Karl und reiste Ende Juni mit Anna den
beiden Brüdern nach Augsburg nach^»).
Der erste Punkt der Augsburger Reichstagsproposition betraf den
Glauben, und hierin rechnete die evangelische Seite auf die Unterstützung
der Königin-Witwe Maria. Sie galt seit Jahren als geheime Anhängerin
der Lehren Luthers*'), hatte sie doch die Lutheraner Albrecht und Georg
von Brandenburg und die utraquistischen und „pikardischen" Gegner des
Lev von Rozmital gefördert und Anhänger der Reformation als Hofpredi-
ger zu sich berufen. Sie gab dadurch zu verschiedenen Gerüchten, Beschul-
digungen und Hoffnungen Anlaß; so widmete ihr Luther nach der Schlacht
bei Mohacs „Vier tröstliche Psalmen"®"), und sie selbst gilt als Verfasserin
zweier evangelischer Lieder®^). 1527 gestand sie Ferdinand auch, vor län-
gerer Zeit in den Schriften Luthers gelesen zu haben®^), bemühte sich aber,
die Brüder hinsichtlich ihrer „Rechtgläubigkeit" zu beruhigen. In Augs-
burg gelang ihr dies in einer persönlichen Aussprache mit Karl®®), nicht
aber gegenüber den beiden Parteien: Mehrere Reformatoren nahmen hier
Kontakt zu ihrem Hofprediger Johannes Henckel auf, um die Hilfe der
Königin für ihre Sache zu gewinnen®*); die kathohsche Seite beschuldigte
sie, den Kaiser ungünstig zu beeinflussen®®), und Bischof Fabri soll gegen
" ) Ferdinand an Maria, Augsburg, 17. 6. 1530 ed. ebd. 624f.; Oläh an Johann
Gf. Perentin, Augsburg, 22. 11. 1530 ed. Ipolyi a. a. O. 110.
G6vay, Itinerar; (Louis Prosper) G a c h a r d , Collection des voyages des sou-
verains des Pays-Bas 2: Itineraire de Charles-Quint, de 1514 ä 1551 par Jean de
Vandenesse (Bruxelles 1874) 47 und 95; Karl an Maria, Augsburg, 18. 6. 1530, Orig.
im HHSta, Belgien PA 24, fol. 30 f.; Olah an Erasmus, Augsburg, 1. 7. 1530 ed. Ipolyi
a. a. O. 69 f.
" ) Vgl. dazu ausführlich Stracke a. a. O. 40—56 und meine Bedenken dazu, da
Stracke die religiöse Motivation als bestimmend annimmt, ohne auf die politischen
Einflüsse Rücksicht zu nehmen, in meiner Dissertation 195—200.
" ) „Vier tröstliche Psalmen an die Königin von Ungarn", Wittenberg, 1. 11.
1526, ed. D. Martin Luthers Werke, kritische Gesamtausgabe 19 (1897) 542 ff.
Johannes B o l t e , Königin Maria von Ungarn und die ihr zugeeigneten Lie-
der. Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Litteratur 35 (1891) 435 ff.;
vgl. Mgf. Georg v. Brandenburg an seine Räte, 15. 1. 1529 ed. Th. K o l d e , Mgf.
Gteorg von Brandenburg und das Glaubenslied der Königin Maria von Ungarn. Bei-
träge zur bayrischen Krrchengeschichte 2 (1895) 85: Übersendet jenen ein Lied, von
dem er behauptet, Maria habe es gegen ihren Bruder gedichtet, nachdem ihr jener
einen evangelischen Prediger verjagte, imd sie sei jetzt nach Mähren (Znaim!) über-
siedelt, wo sie mehr Glaubensbrüder habe.
62) Maria an Ferdinand, Preßburg, 29. 4. 1527 ed. Bauer-Lacroix 63.
" ) Karl an Maria, Köln, 3. 1. 1531 ed. Lanz, Correspondenz 1, 416 ff.
Georg L o e s c h e , Die evangelischen Fürstinnen im Hause Habsburg. Jahr-
buch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 25 (1904)
17; Gustav B a u c h , Dr. Johann Henckel, der Hofprediger der Königin Maria in
Ungarn. Ungarische Revue 4 (Budapest 1884) 599 ff.
Johannes J a n s s e n , Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des
Mittelalters 3 ('»-2» 1917) 214 zit. „Wider die Verderblichkeit der OoUoquia etc."
(Colmar 1543).

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174 Gemot Heiß

sie gepredigt haben, auch Moses und Aron hätten eine aussätzige Schwester
mit dem Namen Maria gehabt®®).
Aufschlußreich für die Haltung der Königin sind die fünf Fragen, die
Henckel auf ihren Wunsch an Melanchton gab, der sie an Luther zur Stel-
lungnahme weiterleitete®'). Es ging darum, ob es für einen Gläubigen, der
zwar das Abendmahl in beiderlei Gestalt nehmen möchte, dem das Jedoch
verboten sei, genüge, das Sakrament nur in Gestalt des Brotes zu nehmen,
und ob er ohne öffentliches Bekenntnis das vollständige Abendmahl ins-
geheim in seiner Kammer nehmen dürfe®®). Demnach scheint Maria bereit
gewesen zu sein, im privaten Leben den Lehren der Reformation zu folgen,
nicht aber in der Öffentlichkeit. Ohne Rücksicht, auf diese Weise vielleicht
eine geheime Anhängerin in der Familie des Kaisers zu verlieren, lehnte
Martin Luther ab®'). Ebensowenig wie Luther bereit war, eine Trennung
von religiöser privater Sphäre und offizieller Haltung gutzuheißen, wollte
Maria ihre pohtischen Ziele — den imperialen Ansprüchen des Hauses
Habsburg zu dienen — ihren Neigungen opfern. In Augsburg 1530 könnte
sie sich im Verlauf der Diskussionen zum ersten Mal der Tragweite dieser
Frage im Antagonismus von ständischer und kaiserlicher Politik bewußt
geworden sein. In Zukunft folgte sie offiziell der Religionspolitik ihrer
Brüder.
Erst kurz vor Marias Abreise aus Augsburg fanden sich die beiden
Brüder bereit, die drückendsten Schulden und einen Teil der Kosten für
ihren Unterhalt zu übernehmen. Karl gab ihr eine Jahresrente von 1200
Dukaten aus neapolitanischen Steuereinkommen®®), Ferdinand übernahm
verschiedene, längst fällige Schulden der Schwester in der Höhe von ins-
gesamt 17.574 rh. fl®^). Damit war sie freilich nicht aller Geldsorgen ent-
hoben®^), und schon in Regensburg, wo Schiffe für die Reise donauabwärts
gesammelt wurden, fehlte es an Lebensmitteln®®).
Maria kam bis nach Krems, wollte hier den Ausgang der Belagerung
Ofens durch Ferdinands Truppen unter Wilhelm von Roggendorf abwar-
ten®^), um je nachdem nach Ungarisch-Altenburg oder nach Znaim weiter-
zureisen®®). Die Fortsetzung der Reise verzögerte sich aber zuerst wegen
Walter F r i e d e n s b u r g , Nuntiaturberichte aus Deutschland, 1. Abt. 1533 bis
1559, 4: Legation Aleanders 1538—39, 2 (1893) 396.
") Bauch, Henckel 619 f.
Fragen, Begleitschreiben Melanchtons und Antwort Luthers, ed. Friedrich
Wilhelm S c h i r r m a c h e r , Briefe und Acten zur Geschichte der Religionsgespräche
zu Marburg 1529 und des Reichstags zu Augsburg 1530 (1876) 368 ff.
") Ebd.
Urkunde Karls für Maria, Augsburg, 11. 11. 1530 zit. bei Pölnitz, Anton
Fugger 2, 293 f. Anm. 3.
") Urkunde Ferdinands, Augsburg, 22.11.1530, Kopie im HKA, Gedenkbuch 36.
«2) Oläh an Johann Gf. Ferentin, Augsburg, 22. 11. 1530 ed. Ipolyi a. a. 0 . 110.
") Oläh an denselben, Regensburg, 27. 11. 1530 ed. ebd. III.
") Oläh an Johann Roffer, Grein, 2. 12. 1530 ed. ebd. 112; Maria an Ferdinand,
Grein, 2. 12. 1530 ed. Bauer-Lacroix 632 f.
«5) Oläh an Szalahäzy, Krems, 5. 12. 1530 ed. Ipolyi a. a. O. 113.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 175

des Mißerfolges der habsburgischen Truppen vor Ofen®®) und unterblieb


schließlich, da der Tod der Erzherzogin Margarethe am 1. Dezember 1530®')
eine entscheidende — vielleicht nicht völhg unerwartete®®) — Wendung
im Leben Marias brachte.
Schon am 13. Dezember schrieb Ferdinand an die Schwester, daß
durch den Tod der Tante eine Änderung in ihrer Stellung eintreten könnte
und sie sich darauf vorbereiten möge®'). Sie scheint zwar nicht sehr glück-
lich über die neuen Aussichten gewesen zu sein, wollte aber Karls Ent-
scheidung in Krems abwarten'®). Die beiden Brüder besprachen in Köln,
wo sie sich zur Vorbereitung der Wahl und Krönung Ferdinands zum
römischen König getroffen hatten, die Ernennung Marias zur Statthalterin
des Kaisers in den Niederlanden'i), und Karl ersuchte sie in einem Schrei-
ben vom 3. Januar 1531, dieses Amt zu übernehmen und so bald wie mög-
lich aufzubrechen, damit er sie ohne Zeitdruck in die Geschäfte einführen
könne. Ihre Absicht, nicht mehr zu heiraten, sei ein Grund für ihre Ernen-
nung. Auch habe er hinsichtlich ihrer religiösen Gesinnung seit der Aus-
sprache in Augsburg keine Bedenken mehr, doch solle sie ihre Diener ent-
lassen, um Niederländer aufzunehmen und weil einige als Anhänger der
Reformation Luthers gelten'^); namentlich nannte er ihren Hofmeister
Wilhelm von Zelking, ihren Kammergrafen Bernhard Beheim, ihre Hof-
meisterin Margarethe von Ungnad, ihren Beichtvater Dr. Johannes Henckel
und ihren Prediger und Almosenier Johann von Neuburg'®). Die Königin-
Witwe verwies zwar auf ihre Unfähigkeit und ihre schwache Gesundheit —
viel lieber würde sie sich in ein Kloster zurückziehen, und sie behauptete
noch später, sie hätte eigentlich die Absicht gehabt, das zu tun und ihre
Mutter zu pflegen'^) —, nahm aber die Berufung an'®).
Ferdinand war bereits in Augsburg von Maria gebeten worden, soll-
ten jemals Pläne dieser Art mit Karl zur Sprache kommen, diese in ihrem
Namen abzulehnen und nicht zu befürworten, doch er empfahl ihr nun,
diese Aufgabe wegen der Ehren und Vorteile zu übernehmen'®). Er selbst
war daran interessiert, wieder um die Kosten ihrer Hofhaltung abzu-

Vgl. Ignaz Aurel F e s s l e r - Ernst K l e i n , Geschichte von Ungarn 3 (^1874)


444.
") Margarethe an Karl, Mecheln, 30. 11. 1530, Kopie im HHSta, Hs W 14,
fol. 7 f. (mit dem Zusatz, daß sie gegen 1 Uhr am 1. 12. 1530 starb).
««) Vgl. Ferdinand an Maria, Köln, 4. 1. 1530 ed. Wolfram-Thomas 1, 1 ff.
«») Ferdinand an Maria, Bacharach, 13. 12. 1530 ed. Bauer-Lacroix 633 ff.
'») Maria an Ferdinand, Krems, 26. 12. 1530 ed. ebd. 635 ff.
'!) Ferdinand an Maria, Köln, 29. 12. 1530 ed. ebd. 638 f.
Karl an Maria, Köln, 3. 1. 1531 ed. Lanz, Correspondenz 1, 416 ff.
Ebd.; siehe Anm. 68.
") Maria an Karl, s. d. (Ende August 1555) ed. Charles W e i ß , Papiers d'etat
du Cardinal de Granvelle, d'aprös les manuscrits de la Bibiliothfeque de Besangon 4.
Collection de documents in^dits sur l'histoire de France, Serie 1/31 (Paris 1841/52) 477.
Marias Denkschrift zur Antwort, die sie Boussu gab, s. d. (Januar 1531),
HHSta, Belgien PA 24, fol. 122.
'«) Siehe Anm. 68.

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176 Gemot Heiß

wälzen und weil er vermutlich erwartete, sich jetzt leichter mit der
Schwester über ihre Witwengüter und ihre Forderungen einigen zu
können.
Maria mußte vor ihrer Abreise ihre finanziellen Angelegenheiten ord-
nen"), und Ferdinand versprach, sich mit ihr hinsichtlich der ungarischen
Güter, ihrer sonstigen Forderungen und der Tilgung ihrer Schulden in Linz
zu vergleichen'®). Er erlaubte hier der Schwester, Znaim für 6000 rh. fl.
zu verpfänden'®), die Einnahmen aus dem Preßburger Dreißigst zusätzlich
mit 18.032 rh. fl. zur Tilgung von Schulden an ihr Hofgesinde zu belasten®®),
und er verwies sie mit 30.000 rh. fl. zur Abdeckung weiterer Schulden
Marias auf eine Forderung an die Republik Venedig Später behauptete
Ferdinand, diese Anweisungen nur gegeben zu haben, um Maria eine Ab-
reise ohne Schwierigkeiten von Seiten der Gläubiger zu ermöglichen, nicht
jedoch, weil er Schulden an sie gehabt hätte®^).Es war aber zu keinem Ver-
gleich zwischen den beiden Geschwistern gekommen®^), und Marias For-
derungen an Ferdinand sollen zu diesem Zeitpunkt bereits 165.000 rh. fl.
betragen haben®*).
Ferdinands Hoffnung auf eine finanzielle Entlastung erfüllte sich nicht.
„Nicht um Schätze zu sammeln"®®) bestand Maria hartnäckig auf ihren
Besitzansprüchen in Österreich und Ungarn — die böhmischen Herrschaf-
ten der Königin hatte sie in Linz 1531 der Schwägerin Anna abgetre-
ten®®) —, sondern weil sie ihre österreichischen und ungarischen Einkom-
men zur Deckung der Kosten der ihr von Karl errichteten Hofhaltung
brauchte: Diese Kosten sollten sich auf 67.000 fl. belaufen, Karl hatte
aber n u r für 47.000 fl. Anweisungen gegeben, denn er war der Meinung,
sie körmte den Rest leicht aus den ungarischen Gütern aufbringen®'). Ver-
geblich setzte sich Maria gegen diese Auffassung des Kaisers zur Wehr und

") Maria an Ferdinand, Krems, 24. 1. 1531 ed. Wolfram-Thomas 1, 11 ff.


") Ferdinand an Maria, Aachen, 15. 1. 1531 ed. ebd. 5 ff.
'») Einwilligung Ferdinands, Linz, 28. 2. 1531, Kopie im HHSta, Ungarn 343,
fol. 144 ff.
«») Urkunde Ferdinands, Linz, 1. 3. 1531, Orig. ebd. foL 119.
") Urkunde Ferdinands, Linz, 1. 3. 1531, Orig. ebd. fol. 116; Schuld der Repu-
blik Venedig aus dem Friedensvertrag von Bologna von 200.000 Dukaten insgesamt,
die Karl an Ferdinand abgetreten hatte, die aber nie bezahlt wurde; daraus ergab
sich ein weiterer Streitpunkt zwischen Ferdinand und Maria in den folgenden Jahren:
vgl. dazu ausführlich meine Dissertation 413 ff.
Ein Passus in der unter Anm. 81 genannten Urkunde scheint dies zu bestäti-
gen, aber siehe die unter Anm. 83 angeführten Briefe; Erwiderung Ferdinands auf
Marias Forderungen, s. d. (1540/41), Kopie im HHSta, Familienakten 9.
'») Vgl. Maria an Ferdinand, Brüssel, 30. 9. 1531 ed. Wolfram-Thomas 2. Liefe-
rung; Ferdinand an Maria, Vaihingen, 18. 10. 1531 ed. ebd.
,(Bericht in der Kunigin Maria etc. Sachen", s. d., unvollständige Denk-
schrift im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 789 ff.
«) Maria an Ferdinand, Brüssel, 22. 1. 1532 ed. Wolfram-Thomas 2. Lieferung.
Maria an Ferdinand, Linz, 13./14. 3. 1531 ed. ebd. 1, 61 ff.
") Karl an Ferdinand, Brüssel, 29. 7. 1531 ed. ebd. 2. Lieferung; Maria an
Ferdinand, Brüssel, 29. 7. 1531 ed. ebd.

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 177

brachte vor, daß ihre ungarischen Güter teils entfremdet, teils bedroht und
teils durch große Schulden belastet seien . Hierin wurde sie durch Ferdinand
gegen Karl unterstützt®®), während Karl wieder in der Auseinandersetzung
mit Ferdinand um ihre Rechte in Ungarn und Österreich auf ihrer Seite stand,
da sie ihre Einkommen und ihren Kredit in den Niederlanden für ihn ein-
setzen konnte®®).
In den Niederlanden wurde dem Wunsche des Kaisers entsprechend
der Hofstaat der Königin erneuert. Dies geschah aber auch, weil Maria
ihre bisherigen Beamten zur Verwaltung und Wahrnehmung ihrer Inter-
essen in Österreich zurücklassen wollte: Bernhard Beheim blieb als Krem-
nitzer Oberkammergraf und Gespan (das heißt Comes) von Altsohl und
nahm nun zentral die Erträge aUer Güter der Königin ein®^); ihr Ober-
staUmeister Sebastian Pempflinger diente ihr als Burghauptmann von
Diosgyor und Bruck a. d. Leitha®''); Wilhelm von Zelking, Hauptmann
von Hainburg, der seit 1530 als Nachfolger des Johann Pock von Labris®®)
ihr Hofmeister gewesen war®*), begleitete die Königin noch auf ihrer Reise
in die Niederlande®®) und stand nach seiner Rückkehr im Oktober 1531®®)
weiterhin als Bevollmächtigter und Rat in Wien im Dienste Marias®'). Ent-
lassen wurden die Hofmeisterin Margarethe von Ungnad, Freiin von Sonn-
eck, Witwe des Johann von Ungnad®®), die seit 1524 an Marias Hof

" ) Maria an Ferdinand, 29. 7. 1531 und 22. 1. 1532 ed. ebd.
" ) Ferdinand an Maria, Regensburg, 8., 12. 3. und 3./7. 4. 1532 ed. ebd. und
G6vay, Urkunden 1, 71 ff.
»») Zur Kreditwürdigkeit Marias vgl. Ramön C a r a n d e , Maria de Hungria en el
mercado de Amberes. Karl V. Der Kaiser und seine Zeit. Kölner Colloquium 26. bis
29. 11. 1958, herausg. v. Peter Rassow - Fritz Schalk (1960) 38—50.
Zur Verwaltung ihrer Besitzungen vgl. meinen Aufsatz über die Beamten und
Besitzungen Marias in Ungarn, Böhmen imd Österreich, in den Mitteilungen des
Österreichischen Staatsarchivs 27/29 (1974/76).
Sebastian Pempflinger verkauft einen ViertelanteU am Schemnitzer Scheid-
gaden an Bernhard Beheim, Schemnitz, 5. 4. 1533 ed. Schmidt a. a. O. 110 ff. und
Antal P 6 c h , Als6 Magyarorszdg bdnyamiveles6nek törtfeete 1 (Budapest 1884) 138 f.
" ) Vgl. Quittung des Hans Pock v. Labris für Peter Rasin, Znaim, 18. 2. 1529,
Orig. im HHSta, Familienakten 8.
") Maria an Ferdinand, Linz, 4. und 13. 2. 1530 ed. Bauer-Lacroix 595 f. imd
600 f. Er bekam dafür von Ferdinand Zusagen bezüglich Hainburgs: Ferdinand an
Maria, Prag, 6. und 22. 2. 1530 ed. ebd. 596 f. und 604 f.
" ) Mit seiner Gemahlin Margarethe: Marias Denkschritt über die Antwort, die
sie Boussu gab, s. d. (Januar 1531), HHSta, Belgien PA 24, fol. 122; Karl an Maria,
Brüssel, 12. 2. 1531, Reinschrift mit Korrekturen ebd. fol. 26 f.
»«) Instruktion Marias für Zelking an Ferdinand, s. d. (Ende September 1531),
Kopie im HHSta, Ungarn 346, s. d., fol. 38 f.; vgl. Maria an Ferdinand, Brüssel, 27. 9.
und 1. 10. 1531 ed. Wolfram-Thomas 2. Lieferung.
»') Vgl. Schuldloserklärung Marias für Bernhard Beheim, Brüssel, 30. 9. 1533,
Kopie im HHSta, Ungarn 346, Proces etc., fol. 9 f.; vgl. Instruktion Marias für Peter
Scharberger an Ferdinand, an ihre Räte in Wien (genannt!) und für die Bergstädte,
Lüttich, 2. 11. 1537, Orig. im HHSta, Ungarn 343, fol. 272 ff.
»«) Urkunde Ferdinands, Linz, 6. 3. 1531, Kopie im HKA, Gedenkbuch 37: Ver-
spricht ihr und ihrer Tochter Elisabeth, die Schulden Marias zu bezahlen.

12 MIÖG., Bd. 82 Brought to you by | Nanyang Technological University


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178 Gemot Heiß

war , ihr Hofprediger und Beichtvater Dr. Johannes Henckel, der dieses Amt
mit kurzen Unterbrechungen seit 1525 innehatte^®"), und ihr Kaplan und
Ahnosenier Johann von Neuburg, der zuerst 1527 genannt wird^"!).
Nikolaus Oläh, ihr Sekretär seit 1 5 2 6 d e r spätere Primas von
Ungarn, blieb bis 1539 bei Maria in den Niederlanden^"®) und mehrere
ihrer Kammerjungfrauen behielt sie ebenfalls zu persönlichen Diensten:
Von diesen ist Lucretia de CabaUis als besonders einflußreich zu nennen,
die vermutlich auf Empfehlung der Paula von Firmian, geborenen Caballis
(der Hofmeisterin Annas und Marias in Innsbruck) an den Hof der ungari-
schen Königin gekommen war, wo sie bereits 1523 viel zu reden hatte^®*);
Ferdinand beschenkte sie 1527 für die guten Dienste, die sie ihm bereits
zu Lebzeiten Ludwigs am ungarischen Hof geleistet hatte i"®). Sie blieb
nachweislich bis 1535 bei Maria i"®) und heiratete schließlich den Grafen
(Leonhard) von Nogarola"').
Karl besetzte im Sommer 1531 die wichtigsten Hofämter der Königin
mit Niederländern^"®) und berücksichtigte dabei die Wünsche Ferdinands,
der mehrere Niederländer unterbringen wollte, die bisher ihm gedient hat-
ten^"^). Schwer fiel nur, eine geeignete Hofmeisterin zu finden i^®) und hier
gab Karl schließlich dem Willen Marias nach, die Ehsabeth Gräfin Salm,
geborene Freiin von Roggendorf, für dieses Amt wünschte ^^i). Die Gräfin,
die bisher Anna gedient hatte i^^), konnte durch ihren Bruder Wilhelm von

" ) Anfang 1524 war Hans v. Ungnad in Ungarn bei Hof, um Verhandlungen in
Angelegenheiten seiner Mutter zu führen: Schneidpöck an Salamanoa, 17. 2., 3. 3.
und 18. 4.1524, Originale im H H S t a , Gr. Korr. 25b; Quittungen der Oberhofmeisterin
Marias, Margarethe v. Ungnad, Wien, 1. 8. 1527 und Wiener Neustadt, 8. 10. 1527,
Originale im H H S t a , Ungarn 354, fol. 233 f.
"») Stracke a. a. O. 56.
Expectanz für das Erzdiakonat in Neutra, Wien, 7. 7. 1527, Kopie im
H H S t a , Reichsregister Ferdinands I. 1.
Pögel a. a. 0 . 25.
108) Ygi Matthias B e i (Herausg.), Nicolai O l ä h i Compendiarium suae Aetatis
Chronioon. Adparatus ad Historiam Hungariae sive collectio miscella etc. 1 (Poso-
niae 1735) 38 ff.
1««) Burgo an Salamanca, Prag, 10. 3. 1523, Orig. im H H S t a , Gr. Korr. 25 b.
Schenkungsurkunde Ferdinands, Wien, 29. 7. 1527, Kopie im H H S t a , Reichs-
register Ferdinands I, 1; vgl. Rauber an Ferdinands Kanzler, (9. 7.) 1527, H H S t a ,
Ungarn 5.
Siehe Ipolyi a. a. O. Namensindex.
" ' ) Anweisung Ferdinands, Gent, 8. 5. 1540, Kopie im HKA, Gedenkbuch 383,
Marginalvermerk!
"») Karl an Ferdinand, Brüssel, 29. 7. 1531 ed. Wolfram-Thomas 2. Lieferung;
Maria an Ferdinand, Brüssel, 27. 7. 1531 ed. ebd.
"») Ferdinand an Maria, Köhl, 29. 12. 1530 ed. Bauer-Lacroix 638; Ferdinand
an Karl, Budweis, 14. 7. 1531 ed. Wolfram-Thomas 1, 193f.; vgl. Maria an Ferdi-
nand, (Hertogenbosch), 12. 11. 1532 ed. ebd. 2. Lieferung.
"») Maria an Ferdinand, Brüssel, 5./6. 7. 1531 ed. ebd. 1, 180 ff.; Karl an Fer-
dinand, Brüssel, 29. 7. 1531 ed. ebd. 2. Lieferung.
1") Vgl. Ferdinand an Maria, Budweis, 10. 3. 1531 ed. ebd. 1, 59 f.
"2) E b d .

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Politik und Ratgeber der Königin Maria von Ungarn 179

Roggendorf und ihren Sohn Niklas Graf Salm d. J . überredet werden ^i®)
und war von 1532 bis 1535 Hofmeisterin der Königin Maria i").
Die persönlichen Bindungen der Königin und ihrer Diener und be-
sonders Marias wirtschaftliche Interessen in Österreich und Ungarn, ge-
wahrt durch ihre Bevollmächtigten in Wien^i®), waren es, weshalb ihre Kon-
takte auch nach ihrer Abreise und obwohl sie nie mehr zurückkehren sollte,
nicht abbrachen; ihr reger Briefwechsel mit Ferdinand spiegelt deutlich
die Vordringlichkeit der finanziellen Belange. Durch Marias Fernbleiben
wurde jedoch die Verwaltung ihrer ungarischen Güter zusehends — beson-
ders seit 1539, nach der Entlassung des sehr erfahrenen Bernhard Be-
heim^i®) — schwieriger. Die ungarischen Stände forderten bereits am Preß-
burger Reichstag 15361") und wieder in Neusohl 1542^1®) und in Tyrnau
J545119) (jie Rückgabe der Witwengüter und der sonstigen Einkommen
der Königin Maria, die sie lieber zur Landesverteidigung als zur Regierung
eines fernen Landes verwendet sehen wollten. Ferdinands Räte bezogen
hierbei und bei Rechtsstreitigkeiten wiederholt gegen die Königin Stel-
lung so daß — wie Maria an Ferdinand schrieb — die Untertanen recht
deutlich fühlten, die Obrigkeit sei gegen die Königin-Witwe eingestellt, und
ihr deshalb immer häufiger den Gehorsam versagten Auch Marias Be-
amte handelten sehr eigenmächtig und zum eigenen Vorteil So wurde
Ferdinand an Maria, Linz, 17. 8. 1531 ed. ebd. 2. Lieferung.
1") Karl an Maria, Regensburg, 12. 3. 1532, Orig. im HHSta, Belgien PA 25:
Die Gräfin hatte hier auf ihrer Durchreise eine Unterredung mit ihm; Maria an Karl,
Brüssel, 15. 9. 1535, Kopie im HHSta, Hs W 14/2, fol. 55 f.
Als solche werden neben Wilhelm v. Zelküig, Ulrich v. Eytzing, Thomas
Beheim (Münzmeister von Wien und Bruder des Bernhard) und später noch Dr. Ul-
rich Gebhart genannt: Vgl. Anm. 97.
Gegen ihn hatten 1536 die Intrigen der Fugger Erfolg (gestützt auf ihren
einstigen Faktor und nvmmehrigen Schatzmeister Marias in den Niederlanden Wolf
Haller) und die Königin ließ 1537 bis 1539 gegen ihn Untersuchungen und einen
Prozeß führen: Ausführlich dazu mein Aufsatz in den Mitteilungen des Österreichi-
schen Staatsarchivs 27/29 (1974/76).
" ' ) Reichstagsbeschluß, Preßburg, 19.11. 1536, Art. 44 ed. Schmidt a. a. 0 . 1 1 6 f.
"«) Beschluß der ungarischen Stände, Neusohl, 29. 4. 1542, Kopie im HHSta,
Ungarn 431a, fol. 181 ff.
"») Reichstagsbeschluß, Tyrnau, 2. 2. 1545, Art. 42 ed. Schmidt a. a. O. 160.
So im Rechtsstreit mit Conrad Saurman, ihrem Verwalter der Breslauer
(1523—29) und der Schweidnitzer Münze (1525—28): Denkschrift des Dr. Johann
Spolin über den Streit Marias mit Saurman, an Ferdinand gerichtet, s. d. (Oktober
1541), Kopie im HKA, Verm. ung. Gegenstände 1, fol. 101 ff. und 384ff.; auch deck-
ten sie Bernhard Beheim nach dessen Flucht aus Brüssel 1539: vgl. meinen Anm. 116
zitierten Aufsatz; 1549 noch im Rechtsstreit gegen die Erben des Peter Hildebrand:
„Summarium processus etc.", Preßburg, 15. 11. 1549 ed. Kiss a. a. O. 182 ff.
"") Denkschrift Marias zu Verhandlungen mit Karl und Ferdinand, s. d. (Ver-
handlungen beim Reichstag in Worms 1545), Konzept im HHSta, Ungarn 344, fol.
139 f.; über mehrere Auseinandersetzungen mit der Stadt Schemnitz und ihren Bür-
gern vgl. meinen unter Anm. 116 zitierten Aufsatz.
Maria führte nicht nur gegen Bernhard Beheim, sondern auch gegen ihren Krem-
nitzer Unterkammergrafen Johann Dobraviczky und ihren Schemnitzer Unterkammer-
grafen Peter Hildebrand und deren Erben Prozesse wegen Unterschlagungen: vgl. ebd.

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180 Gemot Heiß

Maria bereit nachzugeben, und auf Vermittlung Kark kam 1548 in


Augsburg ein Vergleich zustande: Maria trat alle Besitzungen und Rechte
in Ungarn und Österreich an Ferdinand ab und verzichtete auf alle ihre
Forderungen ihm gegenüber; Ferdinand gab ihr dafür sogleich 15.000 rh. fl.
und eine Leibrente von jährlich 34.000 ung. fl. und das Recht, über 200.000
Ting. fl. testamentarisch zu verfügen^).
Mit der Übergabe der Güter, die noch im selben Jahr erfolgte en-
dete nicht nur der politische Einfluß der Königin-Witwe in Ungarn, der
sich schon seit ihrer Abreise 1531 weitgehend verringert hatte, sondern
auch ihr Interesse daran Durch die langen Auseinandersetzungen mit
Ferdinand über finanzielle Angelegenheiten hatte sich aber keinesfalls das
gute Einvernehmen zwischen den beiden Geschwistern getrübt; es waren
vielmehr die Voraussetzungen entstanden, die Maria zur erfolgreichen Ver-
mittlerin zwischen den Brüdern 1550/51 werden ließen.
In den ersten Jahren ihrer Statthalterschaft in den Niederlanden
dürfte die Königin noch mit einer baldigen Ablösung und einer Rückkehr
nach Österreich und Ungarn gerechnet haben, wo sie sich für diesen Fall
mit Ungarisch-Altenburg und Bruck a. d. Leitha ein günstig nahe von
Wien gelegenes, an Jagdgebieten^) und an Einkünften^') reiches Herr-
schaftsgebiet geschaffen hatte. Durch den Vergleich von 1548 war dieser
Plan hinfäUig geworden und, gelöst von jeder Bindimg zu einem jener
Länder, in denen sie bisher gelebt hatte, zog sie 1556 mit Karl und Eleonore
nach Spanien, wo sie 1558 starb.
12») Vertrag zwischen Ferdinand und Maria, ratifiziert durch Karl, Augsburg,
7. 3. 1648, Orig. im HHSta, Familienurkunde 1290 ed. Probszt, Königin Maria 678;
Erzherzog Maximilian ratifiziert als Erbe Ferdinands diesen Vertrag, Augsburg, 8. 3.
1548 ed. Hatvani 2, 153 ff. Maria vererbte die 200.000 ung. fl. an Erzherzog Ferdi-
nand; der Grund dafür ist nicht ersichtlich: Testament und Codicill Marias, Brüssel,
3. 12. 1555, Orig. im HHSta, FarnUienurkunde 1323 f. ed. Weiß 4, 510 f.; vgl. Probszt,
Königin Maria 686 ff.
12») Vollmacht Marias, Augsburg, 10. 3. 1548, Orig. im HHSta, Ungarn 344, fol.
177 ff.; weiter Akten dazu und Inventare ebd. 344 und 345 und im HKA, Verm. ung.
Gegenstände 1; ausführlich dazu meine Dissertation 238 ff.
Maria behielt nur einige Rechte in ihren einstigen Besitzungen; zu deren
Wahrnehmung und zur Einbringung alter Forderungen hatte sie weiterhin Beamte
in Österreich: Ernennungsurkunde Marias, Brüssel, 16. 6. 1549, Orig. im HKA, Verm.
ung. Gegenstände 1, fol. 839; ihre bisherigen Verwalter wurden in den meisten Fällen
von Ferdinand übernommen.
Maria war eine leidenschaftliche Jägerin und hatte hier in den Jahren 1527/28
häufig gejagt: Siehe Bauer-Lacroix 75 f., 172 f., 265 ff., 308.
12') Neben den Herrschaftsrechten in Ungarisch-Altenburg und Bruck a. d.
Leitha verwalteten ihre Beamten hier das Preßburger Dreißigstzollamt und seine
Filialen, bekam sie den Zehent des Raaber Bistums in Ödenburg und hatte sie An-
rechte auf Körmend: vgl. meine Dissertation 381 ff. 1528 hatte sich Maria bemüht,
auch Trautmannsdorf zu bekommen: Maria an Ferdinand, Ungarisch-Altenburg,
30. 11. 1528 ed. Bauer-Lacroix 347/3.

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