Sie sind auf Seite 1von 110

Peter Bühler

Patrick Schlaich
Dominik Sinner

AV-Medien
Filmgestaltung · Audiotechnik · Videotechnik
Bibliothek der Mediengestaltung
Konzeption, Gestaltung, Technik und Produktion von Digital- und Printmedien sind die zentralen Themen der Bibliothek
der Mediengestaltung, einer Weiterentwicklung des Standardwerks Kompendium der Mediengestaltung, das in seiner
6. Auflage auf mehr als 2.700 Seiten angewachsen ist. Um den Stoff, der die Rahmenpläne und Studienordnungen sowie
die Prüfungsanforderungen der Ausbildungs- und Studiengänge berücksichtigt, in handlichem Format vorzulegen,
haben die Autoren die Themen der Mediengestaltung in Anlehnung an das Kompendium der Mediengestaltung neu
aufgeteilt und thematisch gezielt aufbereitet. Die kompakten Bände der Reihe ermöglichen damit den schnellen Zugriff
auf die Teilgebiete der Mediengestaltung.

Weitere Bände in der Reihe: http://www.springer.com/series/15546


Peter Bühler
Patrick Schlaich
Dominik Sinner

AV-Medien
Filmgestaltung – Audiotechnik – Videotechnik
Peter Bühler Dominik Sinner
Affalterbach, Deutschland Konstanz-Dettingen, Deutschland

Patrick Schlaich
Kippenheim, Deutschland

ISSN 2520-1050 ISSN 2520-1069 (electronic)


Bibliothek der Mediengestaltung
ISBN 978-3-662-54604-8 ISBN 978-3-662-54605-5 (eBook)
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte
bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Springer Vieweg
© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich
vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für
Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung
in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch
ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Marken-
schutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Der Verlag, die Autoren und die Herausgeber gehen davon aus, dass die Angaben und Informationen in diesem Werk
zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag noch die Autoren oder die Heraus-
geber übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des Werkes, etwaige Fehler oder Äußerungen.
Der Verlag bleibt im Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten
und Institutionsadressen neutral.

Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier

Springer Vieweg ist Teil von Springer Nature


Die eingetragene Gesellschaft ist Springer-Verlag GmbH Deutschland
Die Anschrift der Gesellschaft ist: Heidelberger Platz 3, 14197 Berlin, Germany
Vorwort

The Next Level – aus dem Kompendium welchen Band Sie in der Hand halten.
der Mediengestaltung wird die Biblio- Die Bibliothek der Mediengestaltung
thek der Mediengestaltung. richtet sich an alle, die eine Ausbildung
Im Jahr 2000 ist das „Kompendium oder ein Studium im Bereich der Digi-
der Mediengestaltung“ in der ersten tal- und Printmedien absolvieren oder
Auflage erschienen. Im Laufe der Jahre die bereits in dieser Branche tätig sind
stieg die Seitenzahl von anfänglich 900 und sich fortbilden möchten. Weiterhin
auf 2700 Seiten an, so dass aus dem zu- richtet sich die Bibliothek der Medien-
nächst einbändigen Werk in der 6. Auf- gestaltung auch an alle, die sich in ihrer
lage vier Bände wurden. Diese Auftei- Freizeit mit der professionellen Gestal-
lung wurde von Ihnen, liebe Leserinnen tung und Produktion digitaler oder
und Leser, sehr begrüßt, denn schmale gedruckter Medien beschäftigen. Zur
Bände bieten eine Reihe von Vorteilen. Vertiefung oder Prüfungsvorbereitung
Sie sind erstens leicht und kompakt und enthält jeder Band zahlreiche Übungs-
können damit viel besser in der Schule aufgaben mit ausführlichen Lösungen.
oder Hochschule eingesetzt werden. Zur gezielten Suche finden Sie im An-
Zweitens wird durch die Aufteilung auf hang ein Stichwortverzeichnis.
mehrere Bände die Aktualisierung eines Ein herzliches Dankeschön geht an
Themas wesentlich einfacher, weil nicht Herrn Engesser und sein Team des
immer das Gesamtwerk überarbeitet Verlags Springer Vieweg für die Un-
werden muss. Auf Veränderungen in terstützung und Begleitung dieses
der Medienbranche können wir somit großen Projekts. Wir bedanken uns bei
schneller und flexibler reagieren. Und unserem Kollegen Joachim Böhringer,
drittens lassen sich die schmalen Bände der nun im wohlverdienten Ruhestand
günstiger produzieren, so dass alle, die ist, für die vielen Jahre der tollen Zu-
das Gesamtwerk nicht benötigen, auch sammenarbeit. Ein großes Dankeschön
einzelne Themenbände erwerben kön- gebührt aber auch Ihnen, unseren
nen. Deshalb haben wir das Kompendi- Leserinnen und Lesern, die uns in den
um modularisiert und in eine Bibliothek vergangenen fünfzehn Jahren immer
der Mediengestaltung mit 26 Bänden wieder auf Fehler hingewiesen und
aufgeteilt. So entstehen schlanke Tipps zur weiteren Verbesserung des
Bände, die direkt im Unterricht einge- Kompendiums gegeben haben.
setzt oder zum Selbststudium genutzt Wir sind uns sicher, dass die Biblio­
werden können. thek der Mediengestaltung eine zeit­
Bei der Auswahl und Aufteilung der gemäße Fortsetzung des Kompendiums
Themen haben wir uns – wie beim darstellt. Ihnen, unseren Leserinnen
Kompendium auch – an den Rahmen- und Lesern, wünschen wir ein gutes
plänen, Studienordnungen und Gelingen Ihrer Ausbildung, Ihrer Weiter­
Prüfungsanforderungen der Ausbil- bildung oder Ihres Studiums der Medi-
dungs- und Studiengänge der Medi- engestaltung und nicht zuletzt viel Spaß
engestaltung orientiert. Eine Übersicht bei der Lektüre.
über die 26 Bände der Bibliothek der
Mediengestaltung finden Sie auf der Heidelberg, im Frühjahr 2018
rechten Seite. Wie Sie sehen, ist jedem Peter Bühler
Band eine Leitfarbe zugeordnet, so dass Patrick Schlaich
Sie bereits am Umschlag erkennen, Dominik Sinner
Vorwort

Bibliothek der Medien-


gestaltung
Titel und
Erscheinungsjahr
Visuelle Digitale Farbe Typografie Digitales Bild Digitale Fotografie
Kommunikation

2017 2018 2017 2017 2017

Zeichen und Grafik AV-Medien Animation Printdesign Druckvorstufe

2017 2018 2017 2018 2018

Druck Crossmedia PDF Webdesign HTML5 und CSS3


Publishing

2018 2019 2018 2017 2017

Webtechnologien Digital Publishing Daten- Informations- Internet


management technik

2018 2019 2019 2018 2019

Medienrecht Medienmarketing Medienworkflow Präsentation Produktdesign

2017 2019 2018 2019 2019

Designgeschichte

2019

VII
Inhaltsverzeichnis

1 Audiotechnik 2
1.1 Hören................................................................................................................................................. 2
1.2 Physikalische Grundlagen............................................................................................................ 3
1.2.1 Ton...................................................................................................................................................... 3
1.2.2 Pegel.................................................................................................................................................. 4
1.2.3 Vom Ton zum Klang.......................................................................................................................... 5
1.3 Digitale Audiotechnik.................................................................................................................... 6
1.3.1 Analog- versus Digitaltechnik....................................................................................................... 6
1.3.2 Digitalisierung.................................................................................................................................. 6
1.3.3 Audiodaten........................................................................................................................................ 8
1.3.4 Audioformate.................................................................................................................................... 9
1.4 Aufgaben......................................................................................................................................... 12

2 Homerecording 16
2.1 Equipment....................................................................................................................................... 16
2.1.1 Homerecording-Studio................................................................................................................. 16
2.1.2 Audio-Interface.............................................................................................................................. 17
2.1.3 Studiomikrofone............................................................................................................................. 18
2.1.4 Studiomonitore............................................................................................................................... 19
2.1.5 Kabel und Stecker......................................................................................................................... 20
2.1.6 Sprecherkabine.............................................................................................................................. 20
2.1.7 Software (DAW)............................................................................................................................. 22
2.2 Audiobearbeitung mit Audition CC............................................................................................ 23
2.2.1 Im Homerecording-Studio aufnehmen....................................................................................... 23
2.2.2 Im Freien aufnehmen.................................................................................................................... 24
2.2.3 Rauschen entfernen...................................................................................................................... 26
2.2.4 S-Laute reduzieren........................................................................................................................ 27
2.2.5 Klang optimieren............................................................................................................................ 28
2.2.6 Normalisieren................................................................................................................................. 28
2.2.7 Multitrack-Session........................................................................................................................ 29
2.2.8 Mischen........................................................................................................................................... 30
2.2.9 Überblenden................................................................................................................................... 31
2.2.10 Exportieren...................................................................................................................................... 32
2.3 Aufgaben......................................................................................................................................... 33
Inhaltsverzeichnis

3 Videotechnik 36
3.1 Fernsehen....................................................................................................................................... 36
3.1.1 Analoges Fernsehen..................................................................................................................... 36
3.1.2 Digitales Fernsehen....................................................................................................................... 37
3.1.3 Seitenverhältnis (Aspect Ratio)................................................................................................... 38
3.1.4 Fernseher........................................................................................................................................ 39
3.2 Digitale Videotechnik................................................................................................................... 40
3.2.1 Sehen............................................................................................................................................... 40
3.2.2 Farbsysteme................................................................................................................................... 40
3.2.3 Digitalisierung................................................................................................................................ 42
3.2.4 Kennwerte....................................................................................................................................... 43
3.2.5 Videodaten...................................................................................................................................... 44
3.2.6 Videokompression......................................................................................................................... 45
3.2.7 Videoformate.................................................................................................................................. 48
3.2.8 AV-Streaming................................................................................................................................. 49
3.2.9 Tonsysteme..................................................................................................................................... 51
3.3 Aufgaben......................................................................................................................................... 52

4 Videofilmen 56
4.1 Kamera............................................................................................................................................ 56
4.1.1 Kennwerte....................................................................................................................................... 56
4.1.2 Camcorder...................................................................................................................................... 59
4.1.3 Digitalkamera................................................................................................................................. 59
4.1.4 Smartphone.................................................................................................................................... 59
4.1.5 Kameravergleich ........................................................................................................................... 60
4.2 Licht................................................................................................................................................. 61
4.2.1 Weißabgleich................................................................................................................................. 61
4.2.2 Licht in Räumen.............................................................................................................................. 62
4.2.3 Licht im Freien................................................................................................................................ 63
4.3 Ton.................................................................................................................................................... 64
4.4 Konzeption...................................................................................................................................... 65
4.4.1 Von der Idee zur Story................................................................................................................... 65
4.4.2 Schriftliche Planung...................................................................................................................... 65
4.5 Filmgestaltung............................................................................................................................... 67
4.5.1 Einstellung....................................................................................................................................... 67
4.5.2 Kameraschwenk............................................................................................................................ 69
4.5.3 Kamerafahrt.................................................................................................................................... 69
4.5.4 Zoomfahrt........................................................................................................................................ 70

IX
4.5.5 Schärfe............................................................................................................................................ 71
4.5.6 Perspektive..................................................................................................................................... 72
4.5.7 Handlungsachse............................................................................................................................ 72
4.5.8 Schuss und Gegenschuss............................................................................................................ 73
4.5.9 Anschlüsse..................................................................................................................................... 74
4.6 Schnittsoftware............................................................................................................................. 75
4.7 Videobearbeitung mit Premiere Pro CC.................................................................................... 76
4.7.1 Projekt anlegen.............................................................................................................................. 76
4.7.2 Clips importieren............................................................................................................................ 76
4.7.3 Rohschnitt....................................................................................................................................... 77
4.7.4 Feinschnitt....................................................................................................................................... 79
4.7.5 Timecode......................................................................................................................................... 82
4.7.6 Überblendungen............................................................................................................................ 82
4.7.7 Titel................................................................................................................................................... 83
4.7.8 Vertonung........................................................................................................................................ 85
4.7.9 Rendering........................................................................................................................................ 86
4.8 Aufgaben......................................................................................................................................... 87

5 Anhang 92
5.1 Lösungen......................................................................................................................................... 92
5.1.1 Audiotechnik................................................................................................................................... 92
5.1.2 Homerecording.............................................................................................................................. 93
5.1.3 Videotechnik................................................................................................................................... 94
5.1.4 Videofilmen..................................................................................................................................... 96
5.2 Links und Literatur........................................................................................................................ 98
5.3 Abbildungen................................................................................................................................... 99
5.4 Index.............................................................................................................................................. 100

X
1.1 Hören
1 Audiotechnik

Wenn Sie einen Stein in einen See wer- knöchel eine Hebelwirkung erzielen,
fen, dann werden Wassermoleküle in führt die Übertragung des Schalls vom
Schwingung versetzt und diese Schwin- Außen- zum Innenohr zur Verstärkung
gung breitet sich wellenförmig in alle des Schalldruckes um etwa Faktor 60.
Richtungen aus. Bei Schall handelt es Das eigentliche Organ der Höremp-
sich um einen vergleichbaren Vorgang: findung ist die Schnecke im Innenohr C.
Auch hier werden Materieteilchen, z. B. Sie enthält härchenförmige Sinneszel-
Luftmoleküle, in Schwingung versetzt len, die durch den Schalldruck verbogen
und die entstehende Bewegung breitet werden und diese Information über den
sich in Form von Schallwellen aus. Schneckennerv an das Gehirn weiterlei-
Das menschliche Ohr dient uns als ten. Dabei ermittelt das Gehirn:
Schallempfänger. Die ankommenden ƒƒ Lautstärke über die Anzahl an er-
Schallwellen gelangen über den äu- regten Sinneszellen: Je mehr Sinnes-
ßeren Gehörgang zum Trommelfell A. zellen bewegt werden, umso lauter
Dabei handelt es sich um eine dünne empfinden wir den Schall.
und sehr empfindliche Membran, die ƒƒ Tonhöhe über den Ort der Sinneszel-
durch den Schalldruck in Schwingung len: Tiefe Frequenzen werden im äu-
versetzt wird. Diese Schwingung wird ßeren, hohe Frequenzen im inneren
im Mittelohr über die drei Gehörknö- Teil der Schnecke registriert.
chel Hammer, Amboss und Steigbügel ƒƒ Schallrichtung aus der zeitlichen
an das Innenohr weitergeleitet B. Da Verzögerung zwischen dem linken
das Trommelfell etwa 16-mal größer und rechten Ohr (räumliches Hör­
ist als der Steigbügel und die Gehör- empfinden).

Aufbau des Ohres


Das menschliche
Ohr besteht aus
dem äußeren Ohr,
dem Mittelohr und
dem Innenohr.
B
C

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, AV-Medien, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5_1
1.2 Physikalische Grundlagen Audiotechnik

1.2.1 Ton

Spannung in mV
Amplitude û
Ob Sprache, Musik oder Geräusche:
Jegliche Art von Sound kann in (Grund- 1
Frequenz f =
und Ober-)Töne zerlegt werden. Sie bil- Periodendauer T
den also sozusagen die Grundbausteine
aller Sounds.
Zeit t in ms
Bei einem Ton handelt es sich um
0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0
eine rein sinusförmige Schwingung.
Töne kommen in der Natur nicht vor,
können aber elektronisch erzeugt wer-

Periodendauer T
den. Sie klingen demzufolge künstlich,
wie jeder am Beispiel des Freizeichens
beim Telefonieren bestätigen wird. Ein
Ton besitzt folgende Kennwerte:

Periodendauer
Unter der Periodendauer T versteht man
die Dauer eine vollständigen Schwin-
Spannung in mV

Amplitude û
gung. Einheit der Periodendauer ist die
Sekunde [s].
1
f= = 1000 Hz
1,0 ms
Frequenz
Wesentlich wichtiger in der Audiotech- Frequenz f in Hz
nik ist der als Frequenz f bezeichnete
10 100 1000 10 k 100 k
Kehrwert der Periodendauer. Die Fre-
quenz besitzt die Einheit Hertz [Hz], wo-
bei 1 Hz einer Schwingung pro Sekunde
Frequenz f

entspricht [1/s].
Die Frequenz ist das Maß für die Ton-
höhe. Je höher die Frequenz ist, umso
höher ist unsere Hörempfindung und
umgekehrt. Wir Menschen hören Fre- Zeit- und Frequenz-
quenzen von etwa 20 Hz bis maximal Amplitude verhalten eines Tones
20.000 Hz (20 kHz). Mit zunehmendem Die maximale Höhe einer Schwingung Ein Ton besteht aus
einer sinusförmigen
Alter sinkt die obere Hörgrenze ab, so wird als Amplitude û (sprich: u Dach)
Schwingung. Seine
dass ältere Menschen eventuell Töne bezeichnet. Sie repräsentiert die Ton- Frequenz bestimmt
über 10 kHz nicht mehr hören. stärke, das heißt, je größer die Amplitu- die Tonhöhe, seine
Unterhalb des Hörbereichs bei Fre- de eines Tones ist, desto lauter wird er Amplitude die Ton­
stärke.
quenzen unter 20 Hz liegt der Bereich gehört. Je geringer die Amplitude ist,
des Infraschalls, oberhalb von 20 kHz umso leiser hören wir den Ton.
der des Ultraschalls. Es ist bekannt, Wie im nächsten Abschnitt bespro-
dass Tierohren für andere Frequenz- chen, besteht zwischen Amplitude und
bereiche optimiert sind. Fledermäuse Hörempfinden kein linearer Zusammen-
beispielsweise navigieren mit Hilfe von hang. Doppelte Amplitude heißt also
Ultraschall. nicht doppelt so laut.

3
1.2.2 Pegel den als durch eine lineare Skala. Der
große Bereich von sehr leise bis sehr
Unser Ohr besitzt die geniale Eigen- laut kann deshalb nur mit einer loga-
schaft, Schallleistungen über einen sehr rithmischen Achsenteilung dargestellt
großen Amplitudenbereich wahrneh- werden, mit einer linearen Skala nicht.
men zu können. Das Weber-Fechner-Ge- Die logarithmische Achsenteilung wird
setz sagt aus, dass wir den Lautstärke­ in der Audiotechnik als Pegel a bezeich-
unterschied zwischen einer und zwei net. Pegel werden in der Einheit Dezibel
Mücken subjektiv ebenso stark emp- [dB] angegeben:
finden wie den Lautstärkeunterschied
zwischen ein und zwei Düsenjets. Logarithmischer Pegel
Mathematisch heißt dies, dass unser
Ohr nicht linear, sondern logarithmisch a = 20 log û [dB]
funktioniert. Betrachten Sie hierzu û0
die logarithmische Skala: Durch die
a: Pegel in dB (Dezibel)
logarithmische Teilung kann ein viel û: Amplitude
größerer Zahlenbereich dargestellt wer- û0: konstanter Bezugswert

Lineare und logarith-


mische Skala û/û0 20 log (û/û0) Die Verwendung eines Bezugswertes û0
Mit Hilfe der loga­ ist ein „Trick“, um nicht mit Spannungen
rithmischen Achsen­ 100000 100 dB rechnen zu müssen. Wir berechnen den
teilung (rechts)
können sehr große Pegel bei Halbierung der Amplitude:
Zahlenbereiche dar-
stellen. Sie wird für û  = 0,5 · û0
Pegelanzeigen (kleiner
û/û0  = 0,5
Screenshot rechts) 10000 80 dB
in der Audiotechnik a  = 20 · log (0,5)
genutzt. a  = – 6 dB
2000
Bei Halbierung der Am-
60 dB plitude sinkt der Pegel
also um 6 dB. Wird die
Amplitude auf ein Vier-
tel reduziert, nimmt der
Pegel um 12 dB ab. Auf
40 dB Pegelanzeigen an Verstär-
1000 kern, Mischpulten oder in
Audio­software sind aus
diesem Grund häufig ne-
gative Zahlen zu finden.
20 dB
Um physikalisch korrekt zu sein: Der Pe-
gel stimmt nicht exakt mit der Lautstär-
ke überein. Auch diese wird logarith-
100 misch angegeben, stellt aber ein Maß
1 0 dB für die subjektive Schallempfindung dar
und besitzt die Einheit [Phon].

4
Audiotechnik

1.2.3 Vom Ton zum Klang

Spannung in mV
Klang
Wie bereits erwähnt, kommen sinus-
Grundton (f)
förmige Töne in der Natur nicht vor und 1. Oberton (2 f)
klingen deshalb künstlich. Wie wird nun 2. Oberton (3 f)
ein Ton zum Klang, den wir von Musik- 3. Oberton (4 f)
instrumenten oder Stimmen kennen?
Zeit t in ms
Ein Klang entsteht dadurch, dass
einem Grundton mit fester Frequenz f 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0
weitere sinusförmige Schwingungen
– sogenannte Obertöne – überlagert
werden. Der Klang ergibt sich durch
Addition sämtlicher Frequenzen (siehe
rote Kurve im Diagramm).
Sind die Frequenzen der Obertöne
ganzzahlige Vielfache, z. B. 2 · f, 3 · f, 4 · f,
Spannung in mV

Klangspektrum
der Frequenz des Grundtones, spricht Grundton (1000 Hz)
man von einem harmonischen Klang. 1. Oberton (2000 Hz)
Die Amplituden der Obertöne nehmen 2. Oberton (3000 Hz)
hierbei mit zunehmender Frequenz 3. Oberton (4000 Hz)
immer weiter ab.
10 100 1k 10 k 100 k
Musikinstrumente und auch mensch- Frequenz f in Hz
liche Stimmen besitzen charakteris­
tische Obertonreihen. Man spricht in Zeit- und Frequenz-
diesem Zusammenhang auch von der Auch Geräusche wie beispielsweise verhalten eines (ein-
fachen) Klanges
Klangfarbe des Instruments oder der plätscherndes Wasser, Schritte oder das
Stimme. Der Screenshot zeigt die Ober- Knallen einer Tür entstehen durch die Die rote Kurve ergibt
sich durch Addition
tonreihe eines Klaviers: Überlagerung sinusförmiger Töne. Der der vier Töne zu jedem
Unterschied zum Klang besteht darin, Zeitpunkt. Natürliche
dass es sich dabei um Frequenzge- Klänge (Stimmen,
mische ohne Ordnung handelt. Instrumente) besitzen
komplexe Oberton-
Ein Geräusch, bei dem alle Frequen­ reihen und verleihen
zen dieselbe Amplitude haben, wird als dem Klang hierdurch
Weißes Rauschen bezeichnet. Es dient seine charakteris­ti­
sche Klangfarbe.
in der Audiotechnik zur Untersuchung
der Qualität von Audiokomponenten
Frequenzspektrum eines Klaviers wie Verstärker oder Mikrofone.

Wir Menschen können Klangfarben sehr


gut unterscheiden. So genügt selbst die
schlechte Klangqualität des Telefons,
um die Stimme des Gesprächspartners
zu erkennen. Menschen mit sehr gutem
Gehör können Obertöne bis zu 200 kHz
in Klängen identifizieren. Einzelne Töne
hören wir nur bis maximal 20 kHz. Frequenzspektrum des Weißen Rauschens

5
1.3 Digitale Audiotechnik

1.3.1 Analog- versus Digitaltechnik aufzuzeichnen. Hierdurch ergibt sich der


Vorteil, dass in der Audiosoftware im
Vor über dreißig Jahren hat die Digita- Anschluss jede Spur unabhängig von
Von der Schallplatte
zum iPod lisierung im Audiobereich ihren Sieges- der restlichen Aufnahme individuell
Mit Einführung des
zug angetreten. Bevor die CD-ROM im verändert und die Gesamtaufnahme auf
iPods 2001 war das Computer eingesetzt wurde, erschien diese Weise abgemischt werden kann
Ende der Musik auf Anfang der 80er Jahre die Audio-CD mit (siehe Seite 30).
sich drehenden Schei- zugehörigem CD-Player auf dem Markt. Digitale Aufnahmen sind der frü-
ben (Schallplatte, CD)
besiegelt. Innerhalb kurzer Zeit wurden Schall- heren Analogtechnik aus technischer
platten und Musikkassetten weitgehend Sicht haushoch überlegen. Dennoch
vom Markt verdrängt, der Verkauf gibt es immer noch viele Menschen,
von CDs hat der Musikindustrie einen die den warmen und brillanten Klang
Milliardenumsatz beschert. Heute sind einer Schallplatte jeder CD vorziehen,
es Streamingdienste wie Spotify, die selbst wenn jeder kleine Kratzer auf der
eine ernst zu nehmende Konkur- Platte hörbar ist. Dies liegt nicht nur
renz zur Audio-CD geworden an subjektiven nostalgischen Gefüh-
sind. Die Entwicklung geeig- len, sondern auch daran, dass durch
neter Verfahren zur Datenre- die ­Digitalisierung zwangsläufig alle
duktion – allen voran MP3 Obertöne ab einer gewissen Frequenz
– hat die Speicherung verloren gehen. Da Obertöne, wie im
und Übertragung von vorherigen Abschnitt beschrieben, weit
Musikaufnahmen in über die Hörgrenze hinaus in einem
hoher Qualität möglich Klang hörbar sind, verändern die
gemacht. fehlenden Frequenzen das Klangbild
Durch die Entwick- tatsächlich. Kommt also demnächst der
lung von hochwer- iPlattenspieler?
tigen Soundkarten
wurde die digitale 1.3.2 Digitalisierung
Aufzeichnung von
Sound am PC oder Wir wollen Sie an dieser Stelle nicht mit
Mac ermöglicht und technischen Details plagen. Um eine
die analogen Aufnah- Audiosoftware bedienen zu können,
men auf Tonbänder brauchen Sie jedoch ein Grundwissen
komplett abgelöst. Bei über die einzustellenden Kennwerte.
diesem HD- oder Hard- Ob Musikinstrument, Stimme oder
Disc-Recording wird der Geräusch – bei jedem Sound handelt
vom Mischpult gelieferte es sich um ein analoges Signal, das zur
Sound direkt auf einer Fest- Verarbeitung mit dem Computer digita-
platte (Hard Disc) oder Spei- lisiert werden muss. Diese sogenannte
cherkarte gespeichert. Analog-digital-Wandlung wird durch
Für die spätere Nachbe- den Soundchip im Computer erledigt
arbeitung ist es erforderlich, und erfolgt in zwei Schritten:
die einzelnen Bestandteile 1. Messen des Signals in regelmäßigen
einer Aufnahme, z. B. Stimme, Abständen (Abtastung)
Schlagzeug, Leadgitarre, Bass- 2. Umwandlung der Messwerte in
gitarre, auf separaten Spuren binäre Daten (Quantisierung)

6
Audiotechnik

Abtastfrequenz (Samplingrate) Qualität haben als das analoge Original.


Im ersten Schritt muss das analoge Als Gegenmaßnahme des Aliasing-Feh-
Signal in regelmäßigen Abständen lers kommen wie im Bildbereich Anti-
gemessen werden. Dieser Vorgang wird Aliasing-Filter zum Einsatz. Dennoch
als Abtastung (Sampling) bezeichnet. gibt es wie erwähnt auch heute noch
Die Frequenz, mit der das analoge Si- Puristen, die aus Gründen der besse-
gnal abgetastet wird, heißt demzufolge ren Klangqualität und des wärmeren
Abtastfrequenz. Wie hoch die Abtastfre- Klanges auf Schallplatten zurückgreifen.
quenz gewählt werden muss?
Eine Antwort darauf gibt der Ma- Abtasttiefe (Auflösung)
thematiker Shannon mit dem nach Nach der Abtastung muss das immer
ihm benannten Abtasttheorem: Die noch analoge Abtastsignal im zweiten
Abtastfrequenz fA muss mindestens Schritt digitalisiert und als Binärzahl
doppelt so hoch sein wie die maximal abgespeichert werden. Dieser Schritt ist
im Analogsignal vorkommende Signal- vergleichbar mit dem Abspeichern einer
frequenz fSmax. Farbe als binäre Zahl. Während dieser
Kennwert bei Farben als Farb- oder Da-
Shannon-Abtasttheorem tentiefe bezeichnet wird, sprechen wir Shannon oder
bei Sound (und Video) von Abtasttiefe. Nyquist?
(Leider wird oft auch der mehrdeutige In der Literatur wird
fA > = 2 · fSmax das für die digitale
Begriff Auflösung verwendet.)
Signalverarbeitung
fA: Abtastfrequenz [Hz] Da die binären Zahlen auf Festplatte sehr wichtige Abtast­
fSmax: Höchste Frequenz im Audiosignal oder Speicherkarte gespeichert werden, theorem auch oft in
gibt man die Abtasttiefe sinnvollerweise Verbindung mit dem
Physiker Nyquist
in der Speichereinheit Bit an. Dabei gilt genannt.
n
Der Hörbereich des Menschen endet bei der Zusammenhang, dass mit n Bit 2
etwa 20.000 Hz (20 kHz). Zur Abtastung unterschiedliche Werte gespeichert wer-
einer Frequenz von 20 kHz muss die den können. Bei einer Datenmenge von
8
Abtastfrequenz (Samplingrate) min- 8 Bit (= 1 Byte) sind demnach 2 = 256
destens doppelt so hoch, also 40 kHz, Werte möglich, bei 16 Bit sind es bereits
gewählt werden. Technische Abtastfre- 216 = 65.536 Werte.
quenzen sind: Je höher die Abtasttiefe gewählt
ƒƒ 192 kHz sehr hohe Qualität, wird, umso besser ist die Qualität des
Studioeinsatz digitalisierten Sounds. Allerdings sind
ƒƒ 96 kHz hohe Qualität, bereits zwischen 24 und 32 Bit keine
Studioeinsatz Unterschiede mehr hörbar, so dass
ƒƒ 48 kHz hohe Qualität, MP3 noch höhere Werte nicht erforderlich
ƒƒ 44,1 kHz Audio-CD sind. In der Audiotechnik spielen fol-
Eine Abtastung mit zu geringer Abtast­ gende Abtasttiefen eine Rolle:
frequenz führt zum sogenannten Alia­ ƒƒ 32 Bit sehr hohe Qualität,
sing-Fehler. Dieser macht sich beim Studioeinsatz
Abhören dadurch bemerkbar, dass der ƒƒ 24 Bit hohe Qualität,
Sound an Brillanz und Klarheit verliert Studioeinsatz
und dumpfer klingt. Sie verstehen nun, ƒƒ 16 Bit hohe Qualität, MP3,
dass Audio-CDs immer eine schlechtere Audio-CD

7
Kanäle Beispielrechnung
Der dritte Kennwert, den Sie bei der Eine einminütige Aufnahme in CD-Qua-
Erstellung digitalen Sounds wählen lität (16 Bit, 44.100 Hz, Stereo) ergibt
müssen, ist die gewünschte Anzahl an folgende Datenmenge:
Kanälen. Heutige Hardware ist so leis­
tungsfähig, dass Sie mehrere Kanäle DA  = 44.100 Hz·16 Bit · 2 · 60 s
parallel aufzeichnen können. Je mehr   = 84.672.000 Bit |: 8
Kanäle Sie verwenden, umso besser = 10.584.000 Byte |: 1.024 
lässt sich ein Raumklang erzeugen.  = 10.336 KB |: 1.024
Dieser spielt insbesondere eine Rolle,   = 10,1 MB
wenn Video nachvertont werden soll.
Typische Werte sind: Auf eine Audio-CD mit 700 MB passen
ƒƒ Mono kein Raumklang (1 Kanal) also etwa 70 Minuten Sound.
ƒƒ Stereo Raumklang durch linken und
rechten Kanal Berechnung der Datenrate (Bitrate)
ƒƒ 5.1 Raumklang durch 5 Kanäle Wenn Sie einen Sound via Internet
und einen (Subwoofer-) übertragen wollen, z. B. um ihn auf
Kanal für sehr tiefe Töne einer Website abzuspielen, dann ist die
absolute Datenmenge unwichtig. Für
1.3.3 Audiodaten diesen Zweck interessiert uns die soge-
nannte Daten- oder Bitrate.
Wie viel Sound passt auf eine Audio- Die Datenrate gibt die Datenmenge
CD? Wie groß darf der Datenstrom sein, an, die pro Sekunde anfällt. Sie besitzt
damit ein Sound via Internet übertrag- die Einheit [Bit/s] oder [bps] (bit per
bar ist? second).

Berechnung der Datenmenge Datenrate (unkomprimiert)


Drei der vier Parameter zur Berechnung
der Datenmenge haben Sie im letzten dA = fA · A · K [Bit]
Abschnitt bereits kennengelernt.
ƒƒ Abtastfrequenz fA f A: Abtastfrequenz [Hz] = [1/s]
ƒƒ Abtasttiefe A A: Abtasttiefe [Bit]
ƒƒ Kanalanzahl K K: Kanäle (Zahl ohne Einheit)
Als vierter Parameter kommt die Auf-
nahmezeit t hinzu und alle vier Werte
müssen multipliziert werden. Beispielrechnung
Wir berechnen die Datenrate einer
Datenmenge (unkomprimiert) Audio-CD:

DA = fA · A · K · t [Bit] dA  = 44.100 Hz·16 Bit · 2


  = 1.411.200 Bit/s |: 1.000
fA: Abtastfrequenz [Hz] = [1/s] = 1.411,2 kBit/s |: 1.000
A: Abtasttiefe [Bit]  = 1,4 MBit/s
K: Kanäle (Zahl ohne Einheit)
t: Zeit [s]
Als aufmerksame(r) Leser(in) ist Ihnen
aufgefallen, dass wir die Vielfachen „K“

8
Audiotechnik

(Kilo) und „M“ (Mega) bei der Berech- Wave (.wav)


nung von Datenmenge und Datenrate Das ursprünglich aus der Windows-
unterschiedlich verwendet haben. Welt stammende WAV-Format dient
Leider ist es tatsächlich so, dass bei mittler­weile als plattformübergreifen-
Datenmengen üblicherweise mit Faktor des Standardfor­mat für Windows und
1.024 und bei Datenraten mit Faktor Mac. WAV speichert die Audiodaten
1.000 gerechnet wird. unkomprimiert und damit ohne Qua-
Um eine Audio-CD via Internet ab- litätsverlust ab. Für WAV-Dateien in
spielen zu können, muss die Datenrate Audio-CD-Qualität ergibt sich damit –
der Internetverbindung (deutlich) höher wie im vorherigen Abschnitt berechnet
sein als die Datenrate des Sounds. Ist – eine Datenrate von etwa 1,4 MBit/s.
dies nicht der Fall, dann wird der Sound Dieser Wert stellt für das Abspielen mit
beim Abspielen immer wieder stoppen, einem CD-Player kein Problem dar. Für
bis die Daten nachgeladen wurden. die Übertragung via Internet ist diese
Da Internetzugänge mit 2 MBit/s oder Datenrate jedoch deutlich zu hoch.
höher auch in Deutschland noch nicht
flächendeckend vorhanden sind und Audio Interchange File Format (.aif)
insbesondere im Bereich des mobi- Das AIF(F)-Format war – wie der Name
len Internets via Smartphone oft nur sagt – von Anfang an für den Austausch
geringe Bitraten zur Verfügung stehen, von Sounddaten zwischen unterschied­
ist eine deutliche Reduktion der Daten- lichen Computerplattformen und Pro-
menge bzw. -rate erforderlich. ­­grammen gedacht. Es ist heute ein vor
allem auf Apple-Rechnern häufig ver-
1.3.4 Audioformate wendetes Format.
AIF(F) speichert die Sounddaten
Zur Bearbeitung von Sound gilt – wie ohne Kompression und damit verlust-
bei der Bildbearbeitung auch –, dass frei ab. Die Datenmenge bzw. -rate ent-
dieser unkomprimiert in einer mög- spricht daher bei gleichen Parametern
lichst hohen Qualität vorliegen sollte. der Datenmenge von WAV-Sounds.
Eine eventuell notwendige Kompres­
sion sollte immer erst beim Exportieren Free Lossless Audio Codec (.flac)
in das gewünschte Endformat erfolgen. Im Unterschied zu Bildern können im
Bei der Auswahl eines Dateiformats Bereich der verlustfreien Datenkom-
bzw. der Datenrate muss dabei ein pression nur eingeschränkt Daten
Kompromiss zwischen einer noch reduziert werden. Dies liegt daran, dass
akzeptablen Soundqualität und maxi- ein Audiosignal eine scheinbar zufällige
mal zulässiger Datenmenge bzw. -rate Struktur besitzt. Sich wiederholende
gefunden werden. Muster wie bei Bildern gibt es nicht.
Grundsätzlich gibt es drei Möglich- Wie der Name sagt, handelt es sich
keiten, Audiodaten abzuspeichern: bei FLAC um ein freies (Open-Source-)
ƒƒ unkomprimiert, ohne Qualitätsverlust Format, das sowohl am Mac als auch
(WAV, AIFF) unter Windows eingesetzt werden kann.
ƒƒ verlustfrei komprimiert, ohne Quali- FLAC komprimiert die Audiodaten
tätsverlust (FLAC, Apple Lossless) verlustfrei auf etwa 50 %. Für das For-
ƒƒ verlustbehaftet komprimiert, mit Qua- mat gibt es zwar nicht sonderlich viele
litätsverlust (MP3, AAC, WMA, OGG) Abspielmöglichkeiten, zur Archivierung

9
großer Datenmengen kann es aber Datenrate
durchaus herangezogen werden. Wenn Sie einen Sound als MP3 ex-
portieren, haben Sie die Möglichkeit,
Apple Lossless (.mp4) die Datenrate zu wählen. Je höher die
Das ebenfalls frei verfügbare, von Datenrate ist, umso besser wird die
Apple entwickelte Format komprimiert Qualität des Sounds. Zusätzlich können
verlustfrei auf ca. 60 % der Original- Sie wählen, ob die Datenrate konstant
größe und speichert die Dateien mit bleiben oder variabel sein soll:
der Dateiendung .mp4 ab. Die Sound- ƒƒ Bei CBR (Constant Bit Rate) A bleibt
dateien lassen sich mit Apple-Hardware der Datenstrom immer gleich, was
(iPod, iPhone, Mac) abspielen. für die Übertragung vorteilhaft ist.
Da sich das Musiksignal aber ständig
MP3 (.mp3) ändert, wirkt sich eine feste Daten-
Bei MP3 handelte es sich ursprünglich rate nachteilig auf die Qualität aus.
um den Audioanteil des MPEG-Kom- Wie unten zu sehen ist, können Sie
pressionsverfahrens für Videos, das von die Datenrate (bei Adobe Audition)
der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt zwischen 16 und 320 kBit/s wählen.
wurde. Der Algorithmus war derart Für Musik sollten es jedoch 192 kBit/s
erfolgreich, dass er sich zum Standard- sein, damit die Qualitätsverluste nicht
format der Musikbranche etablieren oder kaum hörbar sind.
konnte. Dies gilt bis heute, obwohl es
mittlerweile bessere Formate gibt.
A B
Maskierung
Die grundlegende Idee bei der verlust-
behafteten Kompression von Sound-
daten ist einfach: Das Ticken eines
Weckers wird so lange gehört, bis der
Wecker klingelt. Das lautere Geräusch
des Klingelns „maskiert“ die Fre-
quenzen des Tick-Geräusches. Daraus
folgt: Alle Anteile eines Sounds, die
wegen dieser Maskierung ohnehin nicht
wahrgenommen werden, können bei
der Kompression entfernt werden.
Was in der Theorie einfach klingt,
erweist sich in der Praxis als sehr
komplex: Nur durch umfangreiche Test­
reihen konnte ermittelt werden, welche
Frequenzen durch unser Gehirn beim
Hörvorgang maskiert werden. Aus den
Testergebnissen wurde ein sogenann-
tes psychoakustisches Modell gebildet.
Dieses Modell simuliert das mensch-
liche Gehör.
MP3-Setting

10
Audiotechnik

ƒƒ Bei VBR (Variable Bit Rate) B passt dass es mittelfristig zur Ablösung von
sich die Datenrate an das Audiosignal MP3 kommen könnte.
an. Hierdurch ergibt sich ein qualitativ
besseres Ergebnis als bei CBR. Bei Windows Media Audio (.wma)
schlechter Internetanbindung kann es WMA ist der Audioanteil der „Win-
zu Übertragungsproblemen kommen. dows Media Technology“, die auch
die Kompression von Videos (WMV)
MP3-Encoder ermöglicht und die zusammen mit dem
Die zum Erzeugen von MP3s notwen- Betriebssys­tem Windows geliefert wird.
dige Software, den sogenannten MP3- WMA liefert wie AAC eine ver-
Encoder, gibt es in mehreren Versionen, besserte Klangqualität bei niedrigen
die teilweise lizenzpflichtig sind. Datenraten, weshalb das Format für
Aus diesem Grund ist der MP3-Ex- Internetanwendungen interessant ist.
port mit der kostenlosen Audiosoftware
Audacity zunächst nicht möglich. Auf Ogg Vorbis (.ogg)
der Website http://lame.sourceforge.net Als Open-Source-Projekt ist Ogg Vorbis Datenraten im
Vergleich
finden Sie jedoch den ebenfalls kosten- frei von Einschränkungen und DRM.
Das Diagramm veran-
freien Encoder LAME, der sich nach- Qualitativ kommt es an AAC heran, schaulicht, dass mit
träglich in Audacity einbinden lässt. was das Format zu einer interessanten MP3 eine deutliche
(Die Anleitung hierzu finden Sie auf der Alternative werden lässt. Reduktion der Daten-
Website.) rate möglich ist.

ID3-Tags
Datenrate [kbit/s]

1500
In MP3-Dateien lassen sich Zusatzinfor- WAV
mationen, z. B. Interpret, Titel, Album,
als sogenannte ID3-Tags abspeichern WAV
und im MP3-Player anzeigen. 1200
Zur Wiedergabe von MP3-Dateien ist WAV

ein (kostenloser) Software-Player erfor-


WAV
derlich. Beispiele hierfür sind der VLC
Media Player, Windows Media Player 900
WAV
oder iTunes von Apple.
WAV
Advanced Audio Coding (.aac)
600
Bei AAC wurde versucht, die Schwä- WAV
chen des MP3-Verfahrens zu korrigie-
ren. Vor allem bei niedrigen Bitraten WAV
werden etwas bessere Ergebnisse 300
erzielt als bei MP3. Weitere Merkmale WAV MP3
sind die Möglichkeit des Kopierschutzes
mittels DRM (Digital Rights Manage- WAV MP3 MP3 MP3
ment) sowie die Unterstützung von 0
Audio-CD WAV, AIF MP3 MP3 MP3
Surround-Sound bis zu 48 Kanälen. (320 kbit/s) (192 kbit/s) (128 kbit/s)
Mittlerweile wird AAC von vielen MP3-
Playern und Webradios unterstützt, so

11
1.4 Aufgaben

1 Grundbegriffe der Audiotechnik c. Geräusch


kennen

Kreuzen Sie an: Wahr oder falsch?

Grundlagen der Audiotechnik w f


Die Frequenz ist ein Maß für die Höhe
eines Tones.
Der Hörbereich des Menschen liegt
zwischen 20 Hz und 20 kHz.
Der Frequenzbereich unterhalb von
20 Hz wird als Ultraschall bezeichnet. 3 Logarithmische Pegel verstehen
Ein hoher Ton besitzt eine niedere Fre- In der Audiotechnik wird mit logarith-
quenz, ein tiefer Ton eine hohe Frequenz.
mischen Pegeln a gearbeitet:
Die Amplitude einer Schwingung ist ein
Maß für die Stärke des Tones. û
a = 20 log [dB]
Unser Ohr bzw. Gehirn „arbeitet“
û0
logarithmisch.
a. Begründen Sie, weshalb in der
Klänge bestehen aus einem Grundton Audiotechnik logarithmische Pegel
plus Obertönen.
verwendet werden.
Obertöne über 20 kHz werden nicht
wahrgenommen.
Geräusche bestehen immer aus einem
Frequenzgemisch.
Die drei Gehörknöchel heißen Meisel,
Amboss und Steigbügel.

2 Ton, Klang, Geräusch unterscheiden


b. Berechnen Sie den Pegel für
Definieren Sie die Begriffe: û/û0 = 10
a. Ton

b. Klang c. Berechnen Sie den Pegel für


û/û0 = 0,01

12
Audiotechnik

Einheit:
4 Shannon-Theorem kennen
b. Wie hoch muss die Abtastfrequenz
a. Welche Aussage macht das Shan- nach dem Shannon-Theorem
non-Theorem? mindes­tens gewählt werden?

c. Wie ist die Abtasttiefe definiert und


welche Einheit besitzt sie?
Die Abtasttiefe ist
b. Wie hoch muss nach Shannon ein
Audiosignal abgetastet werden,
wenn der Hörbereich bei 20 kHz
endet?
Einheit:
c. Weshalb ergibt sich bei Beachtung d. Nennen Sie für beide Kennwerte
des Shannon-Theorems dennoch ein jeweils zwei typische Werte.
Qualitätsverlust?
Abtastfrequenz:

Abtasttiefe:

6 Datenmenge von Sound berechnen

Eine Musikaufnahme wird mit folgen­


den technischen Parametern digitali-
siert:
5 Kennwerte digitalen Sounds ver­ ƒƒ Abtastfrequenz: 44,1 kHz
stehen ƒƒ Abtasttiefe: 16 Bit
ƒƒ Kanalzahl: 2 (Stereo)
Bei der Digitalisierung von Sound a. Berechnen Sie die Datenmenge einer
spielen die Kennwerte Abtastfrequenz 30-minütigen Aufnahme in MB.
(Samplingrate) und Abtasttiefe (Auflö-
sung) eine zentrale Rolle.
a. Wie ist die Abtastfrequenz definiert
und welche Einheit besitzt sie?
Die Abtastfrequenz ist

13
b. Der Sound wird als MP3 exportiert, c. Die Internetanbindung beträgt
dabei reduziert sich die Datenmenge 1 MBit/s. In der Praxis werden
um 85 %. Berechnen Sie die verblei- durchschnittlich nur 65 % dieses (Ma-
bende Datenmenge in MB. ximal-)Wertes erreicht. Berechnen
Sie, ob der Sound über das Internet
abgespielt werden kann.

7 Datenrate von Sound berechnen

Ein dreiminütiger MP3-Song besitzt eine 8 Audioformate kennen


Datenmenge von 3,8 MB (Megabyte).
a. Rechnen Sie die Datenmenge in Kilo- Nennen Sie jeweils zwei Audioformate,
byte, Byte und Bit um. um
(Hinweis: Rechnen Sie mit K = 1.024) a. Sound unkomprimiert und ohne
Qualitätsverlust zu speichern.
1.

2.
b. Sound verlustfrei komprimiert und
ohne Qualitätsverlust zu speichern.
1.

2.
c. Sound komprimiert und mit Quali-
b. Berechnen Sie die Datenrate in tätsverlust zu speichern.
kBit/s. (Rechnen Sie k = 1.000)
1.

2.

9 MP3 kennen

a. Erklären Sie, wie die Datenkompres-


sion bei MP3 prinzipiell funktioniert.

14
Audiotechnik

ter denen von Audio-CDs entsprechen


sollen?
Abtastrate:

Kanäle:

Bittiefe (Abtasttiefe):

b. Eine Audio-CD besitzt eine Datenrate


von 1,4 MBit/s. Berechnen Sie die
Datenreduktion in Prozent, wenn die
Songs der CD als MP3s mit 192 kBit/s
exportiert werden.

10 Sounddatei erstellen

Der Screenshot zeigt die Eingabemaske


zur Erstellung einer neuen Audiodatei.

B
C

Welche Parameter müssen bei A, B und


C gewählt werden, wenn die Parame-

15
2.1 Equipment
2 Homerecording

Homerecording-
Studio
F F
Die Grafik zeigt
die minimale
Ausstattung, bei
größeren Anlagen
kommen zusätzlich
ein Mischpult und
Effektgeräte zum
Einsatz.
Audio
B
Studiomonitor Audio-Interface Studiomonitor

Wiedergabe
Aufnahme
Kopfhörer
Studiomikrofon A

E USB

Masterkeyboard Windows-PC oder Mac

Seit das Internet zum „Mitmach-Web“ Sie mit „kleinem Budget“ gute Ergeb-
(Web 2.0) geworden ist, kann sich jeder nisse erzielen. In diesem Kapitel geht es
nach Wunsch als Podcaster, Youtuber also nicht um professionelle Musikpro-
oder Hobby-Regisseur betätigen. Durch duktion, sondern um die Möglichkeiten,
schnellere Internetanbindungen wurde die sich beim Homerecording bieten.
das Web multimedial und YouTube be-
findet sich nach Google und Facebook 2.1.1 Homerecording-Studio
mittlerweile auf Platz 3 der meistbe-
1
suchten Webportale . Die Grafik oben zeigt die Grundausstat-
Auch wenn wir für professionelle tung eines einfachen Homerecording-
Audioproduk­tionen nach wie vor den Studios zur Aufnahme von Gesang,
Gang in ein Tonstudio empfehlen, da Sprache oder einzelner Instrumente.
nur dort das erforderliche Know-how ƒƒ Herzstück der Anlage ist der Com-
und Equipment vorhanden ist, können puter A, wobei es sich um einen
Windows-PC oder um einen Mac
1 Quelle: https://www.similarweb.com/top- handeln kann. Aufgrund der relativ
websites (Stand: 01|2018) hohen Datenmengen und des damit

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, AV-Medien, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5_2
Homerecording

verbundenen Rechenaufwands sollte ƒƒ Als Studiomonitore F kommen in der


er einen leistungsstarken Prozes- Regel sogenannte aktive Lautsprecher
sor (z. B. i5 oder i7) haben und mit zum Einsatz. Diese besitzen einen
ausreichend Arbeitsspeicher (z. B. 8 integrierten Verstärker und können
GB) ausgestattet sein. Der eingebaute deshalb direkt an das Audio-Interface
Soundchip spielt jedoch keine Rolle, angeschlossen werden. Auf diese
da zur Aufnahme auf jeden Fall ein Weise kann auf eine Endstufe (Power
separates Audio-­Interface eingesetzt Amplifier, PA) verzichtet werden.
werden sollte. Auf die DAW-Software
gehen wir ab Seite 22 ein. 2.1.2 Audio-Interface
ƒƒ Das Audio-Interface B besitzt ei-
nen oder mehrere Eingänge zum Ein wesentlicher Unterschied zwischen
Anschluss des Mikrofons und/oder einem professionellen Tonstudio und
Musikinstruments. Ausgangsseitig dem hier beschriebenen Homerecor-
werden am Audio-Interface Abhör­ ding-Studio besteht darin, dass sich in
monitore sowie ein Kopfhörer an­ jedem Tonstudio ein großes Mischpult
geschlossen. Die zentrale Aufgabe befindet, an das sich parallel etliche
des Audio-Interface ist die Umwand- Mikrofone und Musikinstrumente
lung des vom Mikrofon kommenden anschließen lassen. Hierdurch wird es
analogen Musiksignals (rote Linien) möglich, dass eine Band gleichzeitig
in ein binäres Signal (schwarze Linie) spielt und jedes einzelne Instrument
zur Weiterverarbeitung durch den separat aufgezeichnet werden kann.
Computer. Umgekehrt wandelt das In einem kleinen Homerecording-
Interface das vom Computer gelie- Studio werden Sie – auch aus Kosten-
ferte digitale Signal in ein analoges gründen – auf ein Mischpult verzichten
Audiosignal zurück, damit es durch und ein einfacheres Audio-Interface
die Lautsprecher wiedergegeben einsetzen, da Sie mit deutlich weniger
werden kann. Mikrofonen oder Musikinstrumenten
ƒƒ Ein Kopfhörer C ist erforderlich, falls arbeiten. Bei größeren Arrangements
die Aufnahme zu einem bereits vor- können Sie die Aufnahmen der einzel-
handenen Sound gemacht wird, der nen Stimmen oder Instrumente notfalls Audio-Interface
dann während der Aufnahme abge- nacheinander vornehmen. Modell: Steinberg
spielt wird (Playback). UR22 MK2
ƒƒ Mikrofone D sind eine Wissenschaft
für sich – wir gehen im nächsten
Abschnitt kurz auf die Auswahl eines
geeigneten Mikrofons ein. Sinnvoll ist
jedoch in jedem Fall, sich vom Musik-
händler beraten zu lassen.
ƒƒ Ein Masterkeyboard E ist erforderlich,
um eigene Tonspuren in den Compu-
ter einzuspielen. Die hierfür zustän-
dige Schnittstelle heißt MIDI (Musical
Instrument Digital Interface), auf die
wir allerdings im Rahmen dieser
kurzen Abhandlung nicht eingehen.

17
Richtcharakteristik
Die Richtcharakteristik
gibt die räumliche
Empfindlichkeit eines
Mikrofons an. Sie
stellt ein wichtiges
Kriterium für die Ein-
satzmöglichkeiten des
Mikrofons dar.
Links sehen Sie ein
Mikrofon mit Kugel-
Charakteristik, rechts
ein Mikrofon mit
Nieren-Charakteristik.

Audio-Interfaces gibt es bereits ab 2.1.3 Studiomikrofone


100 Euro. Im Unterschied zu einfachen
Soundchips, wie sie in jedem Compu- Mikrofone werden auch als elektroakus-
ter oder Smartphone stecken, besitzen tische Wandler bezeichnet. Funktionell
Audio-­Interfaces hochwertige und sind sie mit unserem Ohr vergleichbar,
schnelle Analog-digital-Wandler zur da sie ebenfalls zur Umsetzung von
Erzeugung des digitalen Datenstroms in mechanischen Luftschwingungen in
Echtzeit, ohne dass es zu einer zeit- elektrische Signale dienen. Qualität hat
lichen Verzögerung (Latenzzeit) kommt. dabei ihren Preis: Für ein High-End-
Die technischen Merkmale eines Mikrofon müssen Sie mehrere Tausend
Audio-Interface sind: Euro veranschlagen.
ƒƒ Anzahl analoger Eingänge für Dennoch gibt es auch
­Mikrofone mit Vorverstärker (Preamp) gute Mikrofone in
ƒƒ Anzahl analoger Eingänge für Musik- der Preislage um
instrumente 100 Euro.
ƒƒ Anzahl analoger Ausgänge für Abhör- Im Studio
monitore kommen
ƒƒ Regelbarer Kopfhöreranschluss vorwiegend
ƒƒ Phantomspannung für Kondensator- Kondensator-
Mikrofone (siehe nächster Abschnitt) Mikrofone zum
ƒƒ Schnittstelle zum Computer, in der Einsatz, wäh-
Regel USB 2.0 oder 3.0 rend auf der
ƒƒ Maximale Abtastfrequenz und Ab- Bühne robustere
tasttiefe: Für Homerecording ist eine und preisgünstigere
Abtastfrequenz von 44,1 kHz und eine dynamische Mikro-
Kondensator-Mikrofon Abtasttiefe von 24 Bit empfehlens- fone eingesetzt werden.
Modell: Rode NT1-A wert. Der Nachteil von Konden-
Complete Vocal Recor- ƒƒ Evtl. digitale Ein- und Ausgänge sator-Mikrofonen besteht
ding ƒƒ Evtl. MIDI-Eingang und -Ausgang darin, dass sie mit einer

18
Homerecording

Spannung versorgt werden müssen.


Diese sogenannte Phantomspannung
muss vom Audio-Interface bereitgestellt
werden.
Ein weiteres Merkmal eines Mikro­
fons ist seine Richtcharakteristik (siehe
Grafik): Sie definiert seine Empfindlich-
keit in Abhängigkeit vom Einfallswinkel
des Schalls. So nimmt beispielsweise
ein Mikrofon mit Kugel-Charakteristik
den Schall aus allen Richtungen gleich
gut auf, während bei Nieren-Charakte-
ristik eine deutliche Winkelabhängigkeit
besteht. Die Grafiken zeigen die hierfür
typischen Diagramme. Bei besseren
Mikrofonen können Sie die gewünschte
Richtcharakteristik wählen.
Weitere Qualitätskriterien eines
Mikrofons sind ein möglichst linearer
Frequenzgang und eine hohe Eingangs-
Studiomonitore
empfindlichkeit. Membran einen größeren Durchmesser
Modell: Swissonic
Mikrofone liefern grundsätzlich sehr besitzen als bei mittleren (Mitteltöner) ASM5
schwache Signale, die in jedem Fall und hohen Frequenzen (Hochtöner). Für
vorverstärkt werden müssen. Die klang- sehr tiefe Frequenzen bis etwa 100 Hz
lich besten Ergebnisse liefern spezielle werden sogenannte Subwoofer ver-
Mikrofon-Vorverstärker (Preamps). wendet.
Für das Studio kommen sogenannte
2.1.4 Studiomonitore Nahfeld-Monitore zum Einsatz. Diese
werden in unmittelbarer Nähe zum
Das letzte Kettenglied der Soundpro- Hörer platziert, damit dieser ausschließ-
duktion bilden die Lautsprecher, im lich den Schall hört, der direkt aus dem
Fachbegriff als Monitore bezeichnet. Für Monitor kommt. Schallreflexionen von
Studiomonitore gilt das eingangs über der Decke und den Wänden sollen auf
Mikrofone Gesagte: Qualität hat ihren diese Weise möglichst nicht wahrge-
Preis. Sehr gute Lautsprecher sind auch nommen werden.
sehr teuer! Für Studiomonitore sollte sinnvoller­
Lautsprecher dienen zur Umwand­ weise auf aktive Lautsprecher zurück-
lung des elektrischen Signals in mecha­ gegriffen werden, da die Verstärkung
nische Schallwellen, besitzen also in den Monitoren selbst erfolgt. Der
das umgekehrte Funktionsprinzip eines Vorteil ist, dass dann auf eine Endstufe
Mikrofons. Die Schallwellen (PA) verzichtet werden kann. Je weniger
werden durch eine Membran Kabel, Stecker und Geräte Sie in Ihrem
erzeugt, die in Schwingung Workflow haben, umso besser ist es.
versetzt wird. Für die Erzeu- Außerdem benötigen Endstufen Lüfter,
gung tiefer Frequenzen die eventuell zu Störgeräuschen führen
(Tieftöner) muss diese könnten.

19
Analoge Steckverbin-
dungen A B C D

Cinch Klinke XLR Speakon

2.1.5 Kabel und Stecker 2.1.6 Sprecherkabine


Um die einzelnen Komponenten Ihres Die sprichwörtliche Ruhe gibt es noch
Homerecording-Studios miteinander zu nicht einmal auf dem Friedhof! Wenn
verbinden, benötigen Sie Kabel. Hierbei Sie einmal die Augen schließen und
ist es empfehlenswert, ein paar Euro sich ausschließlich aufs Hören konzen-
mehr zu investieren und qualitativ gute trieren, werden Sie feststellen, dass es
Kabel zu erwerben. Andernfalls ärgern praktisch nirgends komplett leise ist.
Sie sich womöglich über Brumm- oder Diese Ruhe ist aber für eine gute Auf-
sonstige Störgeräusche, die mögli- nahme wichtig!
cherweise auf ein mangelhaftes Kabel Abhilfe schafft, falls Sie entspre-
zurückzuführen sind. Im Audiobereich chenden Platz zur Verfügung haben,
kommen vor allem vier unterschiedliche ein kleiner schalltoter Raum. Für eine
Steckverbindungen zum Einsatz: derartige Sprecherkabine genügt eine
ƒƒ Cinch-Stecker A werden unter an- Fläche von zwei bis vier Quadratme-
derem dazu verwendet, um kleinere tern, die z. B. durch Holz- oder Gips-
Lautsprecher anzuschließen. Dabei kartonplatten vom restlichen Raum
dient der rote Stecker für den rechten abgetrennt und mit einer Tür versehen
Kanal, der weiße Stecker für den lin- wird. Die Tür sollte doppelwandig
ken Kanal und ggf. schwarze Stecker sein und gut abgedichtet werden. Um
für einen Subwoofer. Sichtkontakt zwischen Sprecher und
ƒƒ Klinkenstecker B dienen vor allem Tontechniker zu ermöglichen, befindet
zum Anschluss elektrischer Instru- sich in der Vorderwand der Kabine ein
mente wie E-Gitarre oder -Bass mit aus zwei Glasscheiben bestehendes
dem Audio-Interface. Auch Kopfhörer Fenster. Durch Schrägstellung sowie
und Lautsprecher sind normalerwei- unterschiedlichem oberen und unteren
se mit Klinkenstecker bzw. -buchse Abstand der Scheiben voneinander
ausgestattet. verhindern Sie „stehende“ Schallwellen
ƒƒ Mit XLR-Steckern C werden Mikro- zwischen den Scheiben und störende
fone und Lautsprecher mit Mischpult Spiegelungen.
oder Audio-Interface verbunden. Auch wenn kein Laut von außen in
ƒƒ Auch Speakon-Stecker D dienen zum die Kabine dringt, so ist sie für Aufnah-
Anschluss von Lautsprechern mit men akustisch zu „hart“. Dies bedeutet,
dem Mischpult oder Audio-Interface. dass Schallreflexionen von den Wänden
Sie sind XLR und Klinke qualitativ die Aufnahme negativ beeinflussen
überlegen. würden. Eine Aufnahme soll möglichst

20
Homerecording

Homerecording-
Studio
Linker Monitor Für Sprach- oder
Gesangsaufnahmen
Masterkeyboard
sollte ein schalliso­lier­
Audio-Interface Sichtfenster ter Bereich (Sprecher-
kabine) zur Verfügung
Kopfhörer stehen.
Die Studiomonitore
sollten so platziert
werden, dass sich
zusammen mit dem
Tontechniker ein
gleichseitiges Dreieck
ergibt.

Mikrofon
mit Stativ

Computer
Tür

Rechter Monitor

„trocken“ erfolgen. Hall oder Echo Bei der Aufstellung der Monitore ist zu
können Sie bei der späteren Nachbear- beachten, dass sich diese in Ohrhöhe
beitung hinzufügen. befinden und in Richtung des Hörers
Um aus den harten Wänden akus­ gedreht werden, so dass sich zwischen
tisch weiche Wände zu machen, ist es Hörer und Monitoren ein gleichseitiges
erforderlich, diese mit einem schallab- Dreieck ergibt.
sorbierenden Material auszukleiden. Achten Sie – falls keine Sprecherka-
Hierfür gibt es für wenig Geld akusti- bine vorhanden ist – bei der Aufstel- Pyramidenschaum-
sches Dämmmaterial aus Polyurethan- lung des Mikrofons unbedingt darauf, platte
Weichschaum. Auf dem Boden sollte dass keine Rückkopplung zu den Moni- Weichschaummatten
aus Polyurethan ab-
ein Teppichboden verlegt werden, mit toren entstehen kann. Rückkopplungen sorbieren den Schall
dem die auch Tür beklebt werden kann. äußern sich in Form eines schrillen und verhindern stö-
Wenn Ihnen die Möglichkeit zur Ein- Pfeiftones, der die Lautsprecher- rende Reflexionen.
richtung einer separaten Kabine fehlt, membran oder, im schlimmsten Fall,
können Sie sich auch damit behelfen, das Trommelfell zerstören kann. Um
lediglich die Wände und eventuell Rückkopplung zu vermeiden, muss
Fenster mit akustischem Dämmma- das Mikrofon grundsätzlich
terial oder notfalls mit Vorhängen zu hinter den Moni-
verkleiden, um die Schallreflexionen zu toren platziert
vermeiden. Achten Sie darauf, dass sich werden.
keine Geräte im Raum befinden, die
störende Geräusche verursachen.

21
Auf große Programmpakete wie Cuba-
se von Steinberg oder Logic Pro von
Apple, für die Sie mehrere Hundert
Euro veranschlagen müssen, haben wir
verzichtet, weil sie weniger beim Home-
recording, sondern in professionellen
Tonstudios zum Einsatz kommen.
Wer seine Audioproduktionen nicht
am Laptop oder Desktop-PC, sondern
mit dem Tablet machen will, der findet
hierfür eine Reihe von Apps. Allerdings
ist die Bedienung per Finger durchaus
Geschmackssache.
Wenn Sie noch nicht sicher sind, ob
Sie sich für Homerecording erwärmen
können, empfiehlt sich die Verwendung
eines kostenlosen Tools. An erster Stelle
sei hier Audacity genannt, das sehr leis­
Audacity tungsfähig und dennoch kostenlos ist.
Audacity ist eine 2.1.7 Software (DAW) Wie bereits auf Seite 11 erwähnt, fehlt
kostenlose Audio- der Software ein MP3-Encoder zum
software, die über Zur Aufnahme, Abmischung, Nachbe- Exportieren fertiger Sounds als MP3.
einen beachtlichen
Leistungsumfang arbeitung und zum Export des finalen Der kostenlose Encoder LAME kann
verfügt. Sounds ins gewünschte Endformat jedoch nachträglich installiert werden
benötigen Sie eine Digital Audio Work- und integriert sich in Audacity.
station, kurz DAW. Apple-User kennen vermutlich die
Es gibt eine große Auswahl an bekannte DAW Garageband, die eben-
DAWs, die teilweise sogar als Freeware falls kostenlos und auf dem Mac bereits
verfügbar sind. In der Tabelle finden vorinstalliert ist. Garageband gibt es
Sie eine Zusammenstellung einiger auch als App, so dass auch das iPad zur
guter Programme, wobei wir uns hier Musikworkstation werden kann.
Software bewusst auf kostenlose oder kosten- Für das kurze Tutorial auf den nächs­
In der Tabelle finden günstige Programme bis 100 Euro ten Seiten haben wir uns für Adobe
Sie kostenlose und
kostengünstige Pro-
beschränkt haben und keinen Anspruch Audition CC entschieden. Der Grund
gramme zur Audio­ auf Vollständigkeit erheben. hierfür ist, dass dieses Buch Teil der
bearbeitung. Buchreihe „Bibliothek der Medienge-
Name Anbieter Mac Win Preis (ca.) staltung“ ist und Medienschaffende
Audacity Open Source • • – überwiegend mit den Adobe-Program-
Audition CC Adobe • • 20,– /Monat
1 men Photoshop CC, Illustrator CC,
Cakewalk Sonar Home Studio Cakewalk • • 50,– InDesign CC arbeiten. Wenn Sie also
Cakewalk Sonar Artists Cakewalk • • 100,– ohnehin über eine Creative-Cloud-­
Cubase Elements 9 Steinberg • • 90,– Lizenz (CC) verfügen, ist Adobe Audi-
Garageband Apple • – tion dabei. Die Lizenz für das gesamte
Ablaton Live 9 Ablaton • • 80,– Adobe-CC-Paket kostet für Studenten,
Reason Essentials 9 Propellerhead • • 60,– Schüler oder Lehrer derzeit rund 20
1) Der Preis bezieht sich auf eine Adobe-CC-Lizenz für Studenten, Schüler oder Lehrer.
Euro/Monat (Stand: 2018).

22
2.2 Audiobearbeitung mit Audition CC Homerecording

2.2.1 Im Homerecording-Studio 4 Steuern Sie nun das Eingangssignal


aus, indem Sie – falls vorhanden –
aufnehmen
am Regler des Vorverstärkers des
Wenn die Vorbereitungen abgeschlos- Audio-Interface drehen. Alternativ
sen sind und Ihr Homerecording-Studio variieren Sie den Abstand zum
eingerichtet ist, können Sie mit der Mikrofon oder die Sprechlautstärke.
ersten Aufnahme loslegen. Wir ver- Ziel der Aussteuerung ist, dass die
wenden in diesem Tutorial die Software Pegelanzeige so nahe wie möglich
Adobe Audition CC, die Vorgehenswei- an die Aussteuergrenze von 0-dB-
se ist jedoch bei jeder Software gleich. Grenze C herankommt, ohne diese
zu überschreiten (Informationen zu
Making of … Pegel siehe Seite 4). Das Übersteu-
ern der Aufnahme – das soge-
1 Starten Sie Adobe Audition CC. nannte Clipping – sollte auf jeden
Wählen Sie A die Benutzeroberflä- Fall vermieden werden, da es die
che Klassisch aus. Soundqualität verschlechtert.

2 Prüfen Sie im Menü Bearbeiten > 5 Klicken Sie auf den roten Aufnah-
Voreinstellungen > Audiogeräte…, mebuttons D. Geben Sie die rechts
ob der Eingang (Audio-­Interface dargestellten Aufnahmeparameter
oder Mikrofon) korrekt ist. ein (Information siehe Seite 6ff).
Nach Bestätigung mit OK startet die
3 Rechtsklicken Sie auf die Pegelan- Aufnahme, die Sie mittels Pause-
zeige B und wählen Sie Eingangs­ Button E unterbrechen und mit dem
signal messen. Stopp-Button F beenden können.

A Aufnahme
Der Pegel (farbiger
Balken) unten darf auf
keinen Fall den rech-
ten Rand erreichen, da
es sonst zur Übersteu-
erung der Aufnahme
(Clipping) kommt.

F E

D
C
B

23
6 Um den Teil einer Aufnahme zu wie-
derholen, platzieren Sie den Cursor
an der gewünschten Stelle und
klicken erneut auf den Aufnahme-
button D. Die alte Aufnahme wird
ab dieser Position durch die neue
Aufnahme überschrieben.

7 Speichern Sie die Aufnahme im


Menü Datei > Speichern ab. Wählen
Sie das unkomprimierte Dateifor-
mat Wave PCM (.wav), damit Sie
die Aufnahme in maximaler Quali-
tät erhalten.

2.2.2 Im Freien aufnehmen Ansteckmikrofon


Modell: Rode SmartLav
Für Aufnahmen im Freien bietet sich
die Verwendung eines oder mehrerer Richtmikrofon (mit Windschutz)
Smartphones an. Deren integrierte Eine noch bessere Qualität liefert ein
Mikrofone haben jedoch zwei große externes Richtmikrofon, das, wie der
Nachteile: Name sagt, nur den Schall vor dem
ƒƒ Damit die Aufnahme einigermaßen Mikrofon aufnimmt. Ein aufsetzbarer
gut wird, muss sich das Mikrofon Windschutz, eine sogenannte DeadCat,
relativ nahe am Mund befinden. Dies verhindert Störgeräusche durch Wind.
stört den Sprecher und ist v. a. bei Des Weiteren sollten Sie darauf achten,
Videoaufnahmen unerwünscht. dass ein Kopfhörer angeschlossen wer-
ƒƒ Das interne Mikrofon nimmt mit den kann A, damit Sie den Ton mithören
seiner kugelförmigen Charakteristik können.
alle möglichen Nebengeräusche (z. B.
Wind, Straßenverkehr, andere Stim-
men) mit auf.

Ansteckmikrofon
Ansteck- oder Lavaliermikrofone sind
bereits für wenige Euro erhältlich und
führen zu einer deutlichen Verbesse-
rung der Aufnahme. Bitte beachten
Sie, dass ein externes Mikrofon nicht
automatisch funktioniert, selbst wenn
es vom Stecker her in das Smartphone A
passt. Dies liegt an der unterschied-
lichen Steckerbelegung der Klinkenste- Richtmikrofon
cker. Abhilfe schaffen hier Kabeladapter, Modell: Rode VideoMic Me Ultra
die für wenige Euro erworben werden
können.

24
Homerecording

Tonangel Apps
Bei Filmaufnahmen soll das Mikrofon Sowohl für iOS- als
nicht sichtbar sein, es sei denn, es han- auch für Android-
Smartphones gibt es
delt sich um eine Reportage oder um
zahlreiche (teilweise
ein Interview. kostenlose) Apps für
Damit das Mikrofon für den Betrach- Tonaufnahmen.
ter unsichtbar und trotzdem nahe am
Sprecher ist, kommt hier eine soge-
nannte Tonangel zum Einsatz. Dabei
handelt es sich um einen teleskopartig
ausziehbaren Stab, an dessen Ende
A B
das Mikrofon befestigt ist. Anstelle
von Smartphones kommen im profes-
sionellen Bereich tragbare Tonaufnah-
megeräte zum Einsatz, die ein exaktes
Aussteuern der Aufnahme und das
Mithören über Kopfhörer ermöglichen.

Smartphone-Apps
Sowohl für Android als auch für iPho-
nes gibt es zahlreiche kostenfreie Apps
für Sprachaufnahmen.

Making of …

1 Beginnen Sie, nachdem das Mikro-


fon platziert oder, im Falle eines
Ansteckmikros, an der Kleidung be-
festigt wurde, mit der Aussteuerung
der Aufnahme. Wie im Studio auch
sollte der Pegel A zwar möglichst
hoch sein, die Aussteuergrenze B 3 Wenn Sie mit mehreren (Ansteck-­)
aber niemals erreichen. Variieren Mikrofonen und Smartphones auf-
Sie den Abstand zum Mund, um nehmen, z. B. bei einem Interview,
den Pegel zu ändern. Verwenden oder wenn Sie eine Filmaufnahme
Sie eine DeadCat, falls die Störge- mit externem Ton machen, dann
räusche zu hoch sind. klatschen Sie nach Start aller Geräte
in die Hände. Dieses Geräusch gibt
2 Falls Sie ohne Kopfhörer aufneh- einen steilen Peak in der Aufnahme,
men müssen, weil dieser nicht der später eine optische Hilfe zur
pa­rallel zum Mikrofon am Smart- Synchronisation der Ton- und Video­
phone anschließbar ist, beginnen spuren ist. Natürlich können Sie an
Sie mit Probeaufnahmen, die im dieser Stelle auch die klassische
Anschluss mit einem Kopfhörer Filmklappe verwenden: Uuuund
angehört werden. Action!

25
A

Es ist ähnlich wie bei der Bildbearbei- Lautstärke werden Sie Störungen
tung mit Photoshop: Die Möglichkeiten hören. Sie können an der Pegel-
zur Nachbearbeitung eines Sounds sind anzeige B und bei Vergrößerung
nahezu grenzenlos. Wir beschränken der Anzeige C auch sehen, dass
uns in diesem Tutorial auf wichtige Rauschen vorhanden ist.
Filter zur Verbesserung einer Sprachauf-
nahme. 3 Wählen Sie im Menü Effekte >
Rauschminderung/Wiederherstel-
2.2.3 Rauschen entfernen lung > Rauschminderung (Prozess).

Nahezu jede Aufnahme enthält Stö- 4 Klicken Sie auf Geräuschmuster


rungen, die als (Hintergrund-)Rauschen speichern, um den markierten
bezeichnet werden. Ziel ist es, dieses Bereich A als Rauschen zu kenn-
Rauschen zu entfernen. zeichnen.

Making of … 5 Schalten Sie den Filter ein (D


nächste Seite) und spielen Sie den
1 Machen Sie eine Sprachaufnahme, Sound ab E. Durch Anklicken von F
in der Sie auch einige Sekunden wird er ständig wiederholt.
still sind.
6 Verschieben Sie nun die Schiebe-
2 Markieren Sie mit dem Cursor den regler G und H, bis das Rauschen
„stillen“ Bereich A und spielen möglichst nicht mehr zu hören
Sie ihn ab. Zumindest bei hoher ist. Die grünen und gelben Punkte

26
Homerecording

liegen dann in etwa übereinander.


Verschieben Sie die Regler nicht
einfach nach rechts auf maximal,
da sich der Filter negativ auf die
Sprachaufnahme auswirken kann.

7 Schließen Sie den Vorgang ab,


indem Sie auf Gesamte Datei
auswählen I und auf Anwenden J
klicken.

8 Markieren Sie den Bereich ohne


Sprachaufnahme und löschen Sie
ihn mit der Entf-Taste. I

2.2.4 S-Laute reduzieren G


H
Fast jede Aufnahme enthält Zischlaute,
die überwiegend bei Wörtern mit „s“
oder „sch“ vorkommen. Zur Reduktion J
bietet Audition CC im Menü Effekte >
D E F
Amplitude und Komprimierung einen
Filter namens DeEsser …, den Sie
hierfür ausprobieren können. Alterna-
tiv, und mit möglicherweise besserem
Resultat, bietet sich die Multiband-Kom-
K
primierung … an.

Making of …

1 Wählen Sie im Menü Effekte >


Amplitude und Komprimierung >
Multiband-Komprimierung …

2 Wählen Sie unter den Vorgaben


DeEsser K.
M M M
3 Spielen Sie die Aufnahme wieder
M
als Endlosschleife L ab und schalten
Sie den Filter ein.

4 Optimieren Sie die Einstellungen an


den Schiebereglern M.

5 Klicken Sie abschließend auf An- N


wenden N.
L

27
4 Verändern Sie den Klang, indem Sie
die Schieberegler B nach oben oder
A
unten verschieben. Werte über 0 dB
verstärken, Werte darunter reduzie-
ren die angegebene Frequenz. Links
B
befinden sich die tiefen und rechts
die hohen Töne. Verändern Sie die
Schieberegler vorsichtig, es darf auf
keinen Fall zur Übersteuerung (zum
Clipping) C kommen.

5 Schließen Sie den Vorgang mit


Anwenden D ab.
D
2.2.6 Normalisieren

2.2.5 Klang optimieren Wenn im Vorfeld richtig ausgepegelt


wurde, kommt es bei der Aufnahme
Audition CC stellt mehrere Equalizer, nicht zur Übersteuerung (Clipping) C.
kurz EQ, zur Verfügung, mit denen sich Sie haben jedoch vielleicht bemerkt,
gezielt Frequenzveränderungen vorneh- dass durch die Anwendung von Filtern
men lassen. Das Frequenzspektrum der die Gesamtlautstärke oft reduziert wird.
Aufnahme wird hierzu in Frequenzbän- Durch Normalisieren verstärken Sie
der unterteilt, die individuell verstärkt die gesamte Aufnahme bis zu einem
oder abgeschwächt werden können. So Grenzwert. Diese Funktion ist insbeson-
lassen sich beispielsweise tiefe Fre- dere auch dann wichtig, wenn die Ge-
quenzen (Bässe) verstärken und hohe samtaufnahme aus mehreren Dateien
Frequenzen (Höhen) absenken. besteht und Sie erreichen möchten,
dass der Ton überall gleich laut ist.
Making of …
Making of …
1 Wählen Sie im Menü Effekte > Filter
und EQ beispielsweise Grafischer 1 Wählen Sie im Menü Effekte >
Equalizer (20 Bänder). Amplitude und Komprimierung >
Normalisieren (Prozess) …
2 Auch hier ist es einfacher, zunächst
eine Vorgabe zu wählen, z. B. Klar 2 Geben Sie den Grenzwert vor,
und kräftig A. z. B. 95%.

3 Spielen Sie die Aufnahme als End- 3 Schließen Sie den Vorgang mit
losschleife ab und schalten Sie den Anwenden ab.
Filter ein.
C

28
Homerecording

2.2.7 Multitrack-Session nischen Parameter (siehe Screen­


shot rechts) ein.
Bis jetzt haben wir aussschließlich mit
einer Audiospur (Track) gearbeitet. Oft 3 Wenn Sie keine Vorlage A aus-
werden Sie jedoch mehrere Spuren gewählt haben, legt Audition CC A
(Multitrack) benötigen, z. B. um ein standardmäßig eine Datei mit sechs
Musikstück mit mehreren Instrumenten Audio­spuren und einer Masterspur
oder eine Sprachaufnahme mit mehre- an. Im Menü Multitrack > Track kön-
ren Mikrofonen abzumischen. nen Sie jederzeit weitere Spuren
hinzufügen oder nicht benötigte
Making of … Spuren löschen.

1 Vorbereitung: Nehmen Sie mit zwei 4 Importieren Sie im Menü Datei >
Smartphones – wenn möglich mit Importieren > Datei … die beiden
Ansteckmikrofonen (siehe Seite 24)  Sprachdateien (hier: Mikro_1.wav
– ein kurzes Gespräch auf. und Mikro_2.wav).
Klatschen Sie zu Beginn der
Aufnahme in die Hände, um die 5 Markieren Sie mit gedrückter Shift-
Spuren später synchronisieren zu Taste die Sprachdateien B und
können. ziehen Sie sie mit gedrückter Maus-
taste nach rechts auf die Spuren.
2 Legen Sie im Menü Datei > Neu > Audi­tion CC fügt die Aufnahmen
Multitrack-Session… eine Mehr- in zwei Tracks ein. (Mit gedrückter
spur-Datei an. Geben Sie einen Alt-Taste werden die Dateien hinter­
Namen, Speicherort und die tech- einander in eine Spur eingefügt.)

29
A B C

E
H
D F

G
H

2.2.8 Mischen ­ inie die Lautstärke des Clips an.


L
(In jeder Spur können sich mehrere
Alle Audiospuren (mit Ausnahme der Clips befinden). Ziehen Sie die Linie
Masterspur) sind identisch aufgebaut. nach oben, wird der Clip lauter, nach
Die wichtigsten Bedienelemente sind: unten, wird er leiser.
A Mit M (Mute) schalten Sie die Spur F Hier stellen Sie bei Stereospuren
aus (nicht hörbar). ein, ob die Spur auf dem linken oder
B Mit S (Solo) schalten Sie alle anderen rechten Kanal abgespielt werden soll.
Spuren auf stumm. G Wie bei der Lautstärke können Sie
C Mit R (Record) nehmen Sie in der die Stereobalance auch bei jedem
Spur auf, sobald der rote Aufnahme- Clip individuell einstellen, indem Sie
knopf gedrückt wird. Die Pegelanzei- die blaue Linie nach unten oder oben
ge H ist aktiviert. verschieben.
D Hier stellen Sie die Lautstärke der H Verschieben Sie den Schieberegler
Spur ein. Ziehen Sie den Drehregler ganz nach unten, um zur Masterspur
mit gedrückter Maustaste nach links zu kommen. Diese ermöglicht die
(leiser) oder nach rechts (lauter). Einstellung der Gesamtlautstärke
E Im Unterschied zur (Gesamt-)Laut- aller Spuren.
stärke der Spur D zeigt die gelbe I Wenn Sie statt mit dem Editor lie-
I ber mit einem Mischpult arbeiten,
können Sie dieses im Menü Fenster
> Mischpult aufrufen. Die beschrie-
benen Funktionen stehen Ihnen auch
hier zur Verfügung. (Die Laustärkere-
gelung und Stereobalance einzelner
Clips ist hier nicht möglich.) Die Mas­
terspur J befindet sich rechts.

Making of …

1 Aktivieren Sie – falls nicht bereits


der Fall – das Verschieben-Werk-
zeug (A nächste Seite). Synchroni-
sieren Sie die beide Aufnahmen,
indem Sie die Spuren so verschie-
ben, dass das Klatschgeräusch
gleichzeitig hörbar ist (B nächste
J Seite).

30
Homerecording

F G A E C

2 Passen Sie die Lautstärke der 6 Um eine Spur individuell zu bear-


beiden Aufnahmen so an, dass sie beiten, klicken Sie auf Wellenform F
beim Abhören gleich laut klingen. oder machen Sie einen Doppelklick
auf die Spur. Wenden Sie die in
3 Legen Sie eine Spur auf den rech- Kapitel 2.2.3 bis 2.2.5 vorgestellten
ten Kanal und die andere auf den Filter an, um den Klang zu optimie-
linken Kanal. Beim Abhören ergibt ren. Zur Rückkehr in den Multitrack-
sich hierdurch ein Stereoeffekt. Editor klicken Sie auf G.

4 Wählen Sie das Zeitauswahl-Werk- 7 Speichern Sie den fertig abge-


zeug C. Um beispielsweise Pausen mischten Sound im Menü Datei >
oder das Klatschen in allen Spuren Speichern ab.
zu löschen, markieren Sie den zu
löschenden Bereich in einer Spur 2.2.9 Überblenden
D. Wählen Sie im Menü Bearbeiten
> Löschen und Lücke schließen > Manchmal ist es erwünscht, dass ein
Auswahl in allen Tracks. Song aus- und der nächste eingeblen-
det wird. Der Fachbegriff hierfür lautet
5 Um einen oder mehrere Clips zu Faden – die Lautstärkeregler am Misch-
teilen, wählen Sie das Rasierklin- pult werden als Fader bezeichnet.
gen-Werkzeug E. Klicken Sie etwas
länger auf das Symbol: Nun können Making of …
Sie wählen, ob die Rasierklinge nur
den markierten Clip oder die Clips 1 Erstellen Sie eine neue Multitrack-
aller Spuren schneiden soll. Datei.

31
C B A B

2 Importieren Sie zwei beliebige 5 Das Ein- oder Ausblenden eines


Sounddateien. Clips funktioniert auch ohne Über-
lappung am Anfang oder Ende
3 Markieren Sie die beiden Sounds eines Clips C.
mit gedrückter Shift-Taste. Ziehen
Sie sie mit gedrückter Alt-Taste 2.2.10 Exportieren
und mit gedrückter Maustaste nach
rechts auf die Spuren. Audition CC Wenn Ihr Sound nachbearbeitet und
fügt die Dateien nicht untereinan- abgemischt ist, muss er abschließend
der, sondern hintereinander in eine ins gewünschte Dateiformat exportiert
Spur ein. Die Reihenfolge der Clips werden.
entspricht der Reihenfolge, in der
Sie sie markiert haben. Making of …

4 Verschieben Sie den linken Clip ein 1 Wählen Sie im Menü Datei > Expor-
Stück nach rechts, so dass er sich tieren > Multitrack-Abmischung >
mit dem rechten Clip überlappt. Die Gesamte Session.
gelben Linien A deuten an, dass
der erste Song ausgeblendet und 2 Vergeben Sie einen Dateinamen
der zweite Song eingeblendet wird. und wählen Sie den Dateityp, bei-
Den Verlauf der Linien – und damit spielsweise MP3.
die Überblendung – können Sie
mit Hilfe der kleinen Quadrate B 3 Nehmen Sie die MP3-Einstellungen
verändern. vor (siehe Seite 10). Bestätigen Sie
mit OK.

32
2.3 Aufgaben Homerecording

1 Komponenten eines Homerecording- 2 Steckerbezeichnungen kennen


Studios anschließen
a. Notieren Sie die Bezeichnung der
Die Grafik zeigt mögliche Komponenten abgebildeten Steckverbindungen.
eines Homerecording-Studios.
Zeichnen Sie die notwendige Verkabe-
A:
lung ein. Verwenden Sie einen roten
Stift für analoge Kabel und einen
B:
schwarzen Stift für digitale Kabel.
C:

D:

A B C D

33
b. Nennen Sie je ein Anschlussbeispiel. 4 Rückkopplung vermeiden
A: a. Erklären Sie den Begriff „Rückkopp-
lung“ bei Aufnahmen mit einem
B: Mikrofon.
C:

D:

3 Sprecherkabine einrichten

Die Wände einer Sprecherkabine


müssen akustisch „trocken“ sein, d. h.,
dass sie den Schall möglichst komplett
„schlucken“. b. Welche Gefahr besteht?
a. Begründen Sie die obige Forderung.

c. Wie können Rückkopplungen vermie-


den werden?

b. Zählen Sie Maßnahmen auf, um das


obige Ziel zu erreichen.
Boden:

Wände/Decke:
5 Übersteuerung vermeiden

a. Erklären Sie, weshalb die Übersteu-


Tür: erung einer Aufnahme vermieden
werden muss.

Fenster:

34
Homerecording

b. Nennen Sie zwei Maßnahmen, um b. Abtasttiefe


die Übersteuerung einer Aufnahme
zu vermeiden.
c. Kanäle
1.

2. 8 Audiofilter anwenden

Erklären Sie in einem Satz die Funktion.


a. Normalisieren

6 Aufnahmen im Freien

a. Erklären Sie, weshalb die Sprachqua-


lität bei Aufnahmen mit dem Smart-
phone nicht optimal ist.

b. DeEsser

b. Durch welche zwei Maßnahmen lässt


sich die Qualität verbessern?
1. c. Equalizer

2.

7 Audiodatei erstellen

Notieren Sie empfehlenswerte Kenn-


werte für Audiodateien.
a. Abtastrate

35
3.1 Fernsehen
3 Videotechnik

Fernsehnostalgie gen. Diese hohe Bildwiederholfrequenz


aus dem Jahr 1958 war damals nicht möglich. Der Trick
besteht nun darin, statt 50 Vollbilder le-
diglich 50 Halbbilder zu übertragen. Das
erste Halbbild überträgt dabei nur die
ungeradzahligen Zeilen 1, 3, 5 …, das
zweite Halbbild überträgt die geradzah-
ligen Zeilen 2, 4, 6 … des Bildes.
Das analoge Fernsehbild besteht also
tatsächlich aus (nur) 25 Vollbildern pro
Sekunde. Durch die Trägheit des Auges
und das Nachleuchten des Bildes han-
delt es sich scheinbar um 50 Bilder pro
Sekunde. Die Abkürzung hierfür lautet
50i ­(i steht für interlaced).
3.1.1 Analoges Fernsehen Computermonitore arbeiten im
Unterschied dazu immer mit Vollbildern
Interlace-Verfahren – man spricht hierbei von progressive
Als sich das Fernsehen in den 50er Jah- (Abkürzung: p). Die Angabe 25p besagt
ren des letzten Jahrhunderts zum Mas- also, dass 25 Vollbilder pro Sekunde
senmedium entwickelt hat, stellte die gesendet werden.
Übertragung bewegter Bilder noch eine
technische Herausforderung dar. Damit Fernsehnormen
dies überhaupt möglich wurde, kamen Für das analoge Fernsehen gibt bzw.
die damaligen Ingenieure auf die Idee, gab es keinen weltweit gültigen Stan-
Interlace-Verfahren mit dem Interlace- oder Zeilensprung- dard, sondern drei konkurrierende
Der Fernseher verfahren unsere Augen zu überlisten: Systeme: NTSC, PAL (bzw. PALplus)
zeigt nur schein- Damit ein Fernsehbild flimmerfrei und SECAM.
bar ganze Bilder,
tatsächlich werden dargestellt wird, müssen 50 Bilder pro ƒƒ NTSC (525/60i)
in schneller Folge Sekunde gezeigt werden – die Bildwie- Die Fernsehübertragungsnorm wurde
Halbbilder wieder- derholfrequenz muss also 50 Hz betra- 1953 in den USA und Kanada vom
gegeben.

Vollbild 1 Vollbild 2 Vollbild 3


Kamera
25 Vollbilder/s

Halbbild 1a Halbbild 1b Halbbild 2a Halbbild 2b Halbbild 3a Halbbild 3b


Sender 1
3
2
4
1
3
2
4
1
3
2
4
50 Halbbilder/s 5
7
6
5
7
6
5
7
6
8 8 8
9 9 9
10 10 10
11 11 11
12 12 12

„Vollbild“ 1 „Vollbild“ 2 „Vollbild“ 3


Fernseher
25 Vollbilder/s aus
50 Halbbilder/s

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, AV-Medien, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5_3
Videotechnik

„National Television System Com- ƒƒ DVB-C(2)


mittee“ eingeführt. Die Bezeichnung Das „C“ steht für Cable, so dass mit
525/60i besagt, dass das Bild aus 525 DVB-C also das digitale Kabelfernse-
Bildzeilen besteht und 60 Halbbilder hen bezeichnet wird. Für diesen Fall
pro Sekunde übertragen werden, also benötigen Sie einen Fernseher mit
60i oder 30p. DVB-C-Empfangsteil oder einen exter-
ƒƒ PAL (625/50i) nen DVB-C-Receiver.
Das PAL-System (Phase Alternation ƒƒ DVB-S(2)
Line) wurde im Jahr 1962 in Westeu- Für den Empfang des digitalen
ropa – außer in Frankreich – einge- Satellitenfernsehens ist eine Parabol-
führt. PAL verwendet 625 Bildzeilen antenne mit digitalem Empfangsteil
und 50 Halbbilder pro Sekunde (50i erfoderlich.
bzw. 25p).
ƒƒ PALplus HDTV
PALplus kam 1995 und stellte eine Die Abkürzung steht für hochauflösen­
Weiterentwicklung der PAL-Fernseh- des Fernsehen (High Definition Televisi-
norm dar. Wesentliches Merkmal ist on). Dessen wichtigste Merkmale sind
die Umstellung auf das 16 : 9-Bildfor- einerseits die Erhöhung der Zeilenzahl
mat (siehe nächster Abschnitt). auf 720 (HD) bzw. 1.080 (Full HD) und
ƒƒ SECAM andererseits die Änderung des Bildfor-
In Frankreich wurde ab 1957 das mats von 4 : 3 auf 16 : 9.
SECAM-Verfahren (Séquentielle à In Deutschland werden die öffent-
mémoire) verwendet. Die technischen lich-rechtlichen Sender auch in HD
Parameter von SECAM entsprechen ausgestrahlt (ARD HD bzw. ZDF HD)
weitgehend der PAL-Norm. und Sie können diese ohne Zusatzko-
sten empfangen. Auch die wichtigsten
3.1.2 Digitales Fernsehen Privat­sender senden in HD, allerdings
ist die Nutzung nicht bei allen Anbietern
DVB (Digital Video Broadcasting) kostenlos.
Das analoge Fernsehen ist in Deutsch-
land einen langsamen Tod gestorben: UHDTV
Während das analoge Satellitenfern­ Die nächste Generation hochauflösen­
sehen bereits im Jahr 2012 abgeschaltet den Fernsehens heißt UHDTV (Ultra
wurde, folgte das Kabelfernsehen erst High Definition Televi­sion). Momentan
2017. Seither ist in Deutschland nur gibt es zwei Standards:
noch digitales Fernsehen (DVB) verfüg- ƒƒ UHD-1 (auch: 4K) verdoppelt Full-HD
bar. Zur Unterscheidung wird an die auf 2.160 Zeilen.
Abkürzung ein Buchstabe angehängt: ƒƒ UHD-2 (auch: 8K) vervierfacht Full-HD
ƒƒ DVB-T(2) auf 4.320 Zeilen.
Bei DVB-T steht das „T“ für Terrestrial, Während es bereits heute zahlreiche
was so viel wie Ausstrahlung über UHD-1- oder 4K-Fernseher gibt, lassen
die Erde bedeutet. Damit Sie DVB-T 8K-Geräte noch auf sich warten. Doch
empfangen können, benötigen Sie selbst bei 4K ist die zu übertragende
entweder einen Fernseher mit DVB-T-­ Datenmenge bereits riesig, so dass es
Empfangsteil oder einen separaten nur wenige Filme gibt, die in 4K verfüg-
DVB-T-Receiver. bar sind.

37
3.1.3 Seitenverhältnis (Aspect Ratio) Es ist also sinnvoll, ein Bild deutlich
breiter als hoch zu machen.
Das Seitenverhältnis beschreibt das
Verhältnis von Bildbreite zu Bildhöhe. Kinoformate C
Hierbei werden folgende Formate un- Das europäische Kinoformat besitzt ein
terschieden: Seitenverhältnis von 1,66 : 1, das ame-
rikanische ist mit 1,85 : 1 noch etwas
4 : 3 A breiter. Die bekannte Filmproduktions-
Sowohl bei PAL als auch bei NTSC be- gesellschaft Twentieth Century Fox geht
trug das Seitenverhältnis 4 : 3. Dividiert noch einen Schritt weiter und produziert
man 4 durch 3 ergibt sich 1,33. Dies be- im sogenannten CinemaScope-­Format
sagt, dass das Bild ein Seitenverhältnis mit einem Seitenverhältnis von 2,35 : 1.
von 1,33 : 1 (Breite : Höhe) besitzt. Umgerechnet entspricht dies etwa 21: 9
und ist damit im Vergleich zu 16 : 9 noch-
16 : 9 B mals deutlich breiter.
Bei PALplus, HDTV und UHDTV wurde
das Bild verbreitert: 16 : 9 ent-
spricht einem Seitenverhältnis A
von 1,78 : 1. Dies kommt den phy-
sikalischen Eigenschaften des
Auges näher, da unser horizonta-
ler Sichtbereich fast 180° beträgt,
vertikal hingegen ledig­lich 30°.

Aspect Ratio
Die Abbildungen
zeigen von oben nach
unten:
A 4 : 3
B 16 : 9
C 21 : 9 (Cinema-
Scope)

38
Videotechnik

3.1.4 Fernseher
Die meisten heutigen Fernseher besit- Letterbox
zen das 16 : 9-­Format. Was passiert aber,
wenn auf diesen Geräten ein Kinofilm
im CinemaScope-Format dargestellt
werden soll? Folgende Möglichkeiten
sind denkbar:

Letterbox
Das Verfahren hat seinen Namen daher,
dass der Betrachter einen Bildaus-
schnitt sieht, der dem Blick durch einen
Briefkastenschlitz ähnelt: Oben und
unten sind schwarze Balken sichtbar.
Auf diese Weise gelingt es, das Cine-
maScope-Format in voller Breite und
ohne Verzerrung auf einem 16 : 9-Fern- Pan & Scan
seher darzustellen. Nachteilig ist dabei
jedoch, dass das Fernsehbild nicht
vollständig genutzt wird.

Pan & Scan
Eine zweite Möglichkeit besteht darin,
das Bild zu vergrößern, bis es in der
Höhe passt. Links und rechts wird dabei
zwangsläufig ein Teil des Bildes abge-
schnitten, wie Sie am fehlenden rechten
Bein des Tennisspielers erkennen
können. Das kann sich insbesondere
bei Spielfilmen negativ auf das Filmer-
lebnis auswirken.

21:9-Fernseher 21:9-Fernseher
Die beste Lösung ist es also zweifellos,
einen Fernseher zu verwenden, der
CinemaScope auch darstellen kann. Mit
einem Fernseher im 21: 9-Format erfül-
len Sie diese Forderung. Der Nachteil
hierbei ist, dass der Fernseher für alle
Seitenverhältnisse unter 21: 9 zu breit
ist und das Bild durch schwarze Balken
links und rechts oder durch Abschnei-
den angepasst werden muss. Eine
optimale Lösung für alle Bildformate
gibt es somit leider nicht.

39
3.2 Digitale Videotechnik

Die Digitalisierung hat nicht nur beim dort entsteht das Bild, das wir sehen,
Fernsehen, sondern auch beim Video- oder besser, das wir wahrnehmen.
filmen die analoge Technik vollständig
abgelöst. Nahezu alle heutigen Spie- Zapfen und Stäbchen
gelreflexkameras, Systemkameras oder Auf der Netzhaut, Retina, des mensch-
Camcorder arbeiten digital. lichen Auges befinden sich lichtemp-
Dennoch leben wir in einer analogen findliche Zellen. Sie werden als Pig-
Welt – dies gilt sowohl für Schallwellen ment- oder Fotorezeptoren bezeichnet.
als auch für die Farben des Lichts. Die Es gibt zwei Arten von Rezeptoren, die
wesentliche Funktion einer Digitalka- nach Form und Funktion unterschieden
mera besteht darin, analoges Licht in werden, Stäbchen und Zapfen.
einen digitalen (binären) Datenstrom Die Netzhaut hat etwa 120 Millio-
umzuwandeln. Die Kenntnis der hierfür nen Stäbchen und nur ca. 7 Millionen
erforderlichen technischen Parameter Zapfen. Nur die Zapfen sind farbtüchtig,
ist für die Auswahl einer für Sie geeig- ihre überwiegende Mehrzahl befindet
neten Kamera wichtig (siehe Seite 56). sich in der Fovea, dem Sehzentrum
des Auges. Es gibt drei verschiedene
3.2.1 Sehen Zapfentypen, Rot-, Grün- und Blaure-
zeptoren, die bevorzugt rotes, grünes
Was passiert in unseren Augen, wenn bzw. blaues Licht absorbieren. Wir
wir etwas sehen? Die erste Antwort ist sehen also nur drei Farben: Rot, Grün
Digitale Fotografie
immer die, dass unser Auge wie eine und Blau. Alle anderen Farben sind das
Kamera funktioniere, d. h. ein optisches Ergebnis der Signalverarbeitung und
System, das statt eines elektronischen Bewertung im Sehzentrum des Gehirns.
Chips die Netzhaut als Empfänger hat. Die Stäbchen haben keine spektrale
Das Sehen beginnt aber erst, wenn die Empfindlichkeit, sie können ausschließ-
auf der Netzhaut befindlichen Rezep- lich Helligkeiten unterscheiden. Da
toren die visuellen Informationen in unser Auge wesentlich mehr Stäbchen
nervöse Signale umwandeln. Diese als Zapfen besitzt, erkennen wir Hellig-
Signale werden dann zur weiteren Ver- keitsunterschiede wesentlich besser als
arbeitung an das Gehirn geleitet. Erst Farbunterschiede. Dies macht man sich
bei der Digitalisierung zunutze.

Netzhaut
(Retina)

Iris Linse
Licht Sehgrube
Grundfarben des Sehens
Sehachse (Fovea centralis)

3.2.2 Farbsysteme
RGB-System
Sehnerv Jede Digitalkamera, egal ob für Fo-
tografie oder für Video, entspricht
Schematischer Aufbau des menschlichen Auges von ihrem Aufbau grundsätzlich dem

40
Videotechnik

menschlichen Auge. Sie besteht aus Originalbild


einer Optik (vergleichbar mit der Linse)
und aus einem CCD-Element (ver-
gleichbar mit den Zapfen), das Licht in
seine Grundfarben Rot, Grün und Blau
zerlegt, digitalisiert und speichert.
Umgekehrt wird jedes einzelne
Bildelement (Pixel) eines Fernsehers,
Computermonitors oder Smartphone-
displays durch drei Lichtquellen – Rot,
Grün und Blau – angesteuert. Die Farbe
entsteht additiv, also durch Überla- Y (Helligkeitsanteil)
gerung der drei Farbanteile. Dieses
Farbsystem wird deshalb, wie Ihnen
sicherlich bekannt ist, als RGB-System
bezeichnet.

YCbCr-System
Die Digitalisierung von Bewegtbildern
erzeugt riesige Datenmengen. Aus die-
sem Grund muss man sich Gedanken
darüber machen, wie die Datenmenge
reduziert werden kann, ohne dass sich Cb (blau-gelber Farb-
dies merklich auf die Bildqualität aus- anteil)
wirkt. Hier kommt die bereits erwähnte
Eigenschaft des Auges ins Spiel, Hellig­
keiten viel besser unterscheiden zu kön-
nen als Farben. Bei der Digitalisierung
kann der Helligkeitsanteil dann stärker
berücksichtigt werden als die Farban-
teile (siehe Farbunterabtastung).
Durch eine mathematische Transfor-
mation kann das RGB-System in das
YCbCr-System umgerechnet werden.
Cr (rot-grüner Farb-
Dies beschreibt Farben durch einen anteil)
Helligkeits- und einen Farbanteil:
ƒƒ Y: Helligkeit
ƒƒ Cb: blau-gelber Farbanteil
ƒƒ Cr: rot-grüner Farbanteil
Rechts sehen Sie das Ergebnis der
Transformation. Während der Hellig-
keitsanteil Y das Bild sehr detailliert dar-
stellt, ist es in den beiden Farbanteilen
Cb und Cr nur schemenhaft und ohne
Details erkennbar.

41
3.2.3 Digitalisierung ten Schritt müssen die Messwerte in
binäre Daten umgewandelt werden
Auf Seite 6 haben Sie die Digitali- (Quantisierung). Wird hierfür, wie bei
Farbunterabtastung sierung von (analogen) Schallwellen Einzelbildern üblich, eine Daten- oder
(Color-Subsampling) kennengelernt. Bei der Digitalisierung Farbtiefe von 8 Bit/Kanal verwendet,
Bei der Digitalisierung von Bildern ist die Vorgehensweise ergibt sich eine Datenmenge von 24 Bit
wird auf Farbinfor-
mationen (Cb, Cr)
grundsätzlich gleich: (= 3 Byte) pro Pixel. Wie wir auf Seite 44
verzichtet, um die Im ersten Schitt erfolgt die Abtastung nachrechnen, führt dies zu sehr großen
Datenmenge zu redu- (Sampling) des Bildsignals, im zwei- Datenmengen und -raten, die die Über-
zieren. tragung des ­Digitalsignals in Echtzeit
unmöglich machen. Es müssen deshalb
Analogsignal Maßnahmen getroffen werden, um die
Datenrate zu reduzieren. Hierzu gehört
die Farbunterabtastung.

Farbunterabtastung
Die Grundidee der Farbunterabtastung
(Color-Subsampling) besteht darin, den
Helligkeitsanteil bei der Abtastung stär-
4 : 4 : 4-Digitalsignal (ohne Datenkompression) ker zu berücksichtigen als die beiden
Y Cb Cr Farbanteile. Durch die oben beschrie-
bene Transformation von RGB in YCbCr
wurde hierfür der Helligkeits- von den
beiden Farbanteilen getrennt.
Bei der Digita­lisierung können nun
Farbpixel zusammengefasst und jeweils
nur ein Farbwert gespeichert werden.
Hierbei werden im Wesentlichen drei
4 : 2 : 2-Digitalsignal (Color-Subsampling)
Möglichkeiten unterschieden:
Y Cb Cr

4 : 4 : 4
Bei der Digitalisierung ohne Color-
Subsampling nach dem 4 : 4 : 4-Verfah-
ren werden die drei Signale Y, Cb und
Cr mit der gleichen Abtastfrequenz
digitalisiert. Es ergibt sich hierdurch die
4 : 1 : 1-Digitalsignal (Color-Subsampling) beste Bildqualität, allerdings auch die
Y Cb Cr höchste Farbtiefe 24 Bit/Pixel.

4 : 2 : 2
Zur Reduktion der Datenmenge werden
bei diesem Verfahren die beiden Farb-
anteile Cb und Cr lediglich mit der hal-
ben Abtastfrequenz abgetastet (Color-
Subsampling). Dabei werden für jeweils
vier Pixel zwar alle vier Helligkeitswerte,

42
Videotechnik

aber lediglich zwei Farbwerte gespei- rate ist – wie beim Fernsehen auch – 8K
chert. Die Datenmenge reduziert sich noch Zukunftsmusik (Stand: 2018).
hierdurch auf 8 + 4 + 4 = 16 Bit/Pixel,
verringert sich also um 33 %. Seitenverhältnis (Aspect Ratio)
Wie beim Fernsehen hat sich das
4 : 1 : 1 (auch 4 : 2 : 0) 16 : 9-Format auch im Videobereich
Eine noch stärkere Reduktion der Farb­ durchgesetzt. Sie können dies nachrech-
informationen ergibt sich, wenn für vier nen, indem Sie den größten gemein-
Pixel alle vier Helligkeitsinformationen, samen Teiler (ggT) der Bildbreite und
aber lediglich eine Farbinformation -höhe ermitteln, bei Full HD ist dieser
gespeichert werden. Die Datenmenge beispielsweise 120. Hieraus ergibt sich:
beträgt 8 + 2 + 2 = 12 Bit/Pixel, also die
Hälfte zur 4 : 4 : 4-Digitalisierung. 1.920 : 120 = 16
1.080 : 120 = 9
3.2.4 Kennwerte
Abweichungen von diesem Format
Auflösung finden Sie nur bei Kinofilmen (Digital
Die Pixelanzahl in der Bildbreite­und Cinema). Hier kommt ein Seitenverhält-
Bildhöhe wird als Auflösung bezeichnet. nis von 2 : 1 zum Einsatz.
Hierbei gilt, dass ein Bild umso detail-
reicher und schärfer wird, je höher die Bildrate
Anzahl an Pixeln ist. Beachten Sie aber, Die Anzahl an Bildern pro Sekunde
dass eine Verdopplung der Bildbreite wird als Bildwiederholfrequenz oder
und -höhe zu einer Vervierfachung der auch als Bildrate bezeichnet. Das in den
Datenmenge führt. Ursprüngen des Fernsehens eingesetz-
Digitales Video verwendet diesel- te Zeilensprungverfahren, bei dem mit
ben Auflösungen wie Digitalfernsehen Halbbildern gearbeitet wird, gibt es nur
­(siehe Seite 37). In der Tabelle finden­ noch bei HD bzw. Full HD (50i).
Sie eine Zusammenstellung der aktu- Vorzugsweise sollten Sie eine Bild­
ellen Standards. Die häufig verwen- rate mit 50 Vollbildern (50p) einstellen,
deten Angaben 2K, 4K, 8K bezeichnen für Zeitlupen ist eine noch höhere
mit K gleich 1.000 die (aufgerundete) Bildrate von beispielsweise 100p sinn-
Pixelanzahl in der Bildbreite. Aufgrund voll. Bedenken Sie aber, dass sich die
der noch nicht beherrschbaren Daten- Daterate hierbei verdoppelt.

Name HD Full HD (2K) UHD-1 (4K) UHD-2 (8K) Aktuelle Videostan-


dards
Auflösung (in Pixel) 1.280 · 720 px 1.920 · 1.080 px 3.840 · 2.160 px 7.680 · 4.320 px
Seitenverhältnis (Aspect Ratio) 16 : 9 16 : 9 16 : 9 16 : 9
Bildrate (in Bilder/s) 25p 25p 50p 50p
i: interlaced (Halbbilder) 50i 50i 60p 60p
p: progressive (Vollbilder) 50p 50p 100p 100p
60p 60p 120p 120p
100p 100p
120p 120p

Farb(unter)abtastung 4 :2: 2 4 :2: 2 4 :4 : 4 4 :4 : 4


4 :2: 0 4 :2: 0 4 :2: 2 4 :2: 2

43
3.2.5 Videodaten Auf eine Video-DVD mit 4,7 GB würden
also gerade einmal etwa 16 s Video
Wir haben bereits mehrfach erwähnt, passen, Sound ist dabei noch gar nicht
dass die Digitalisierung von Video zu berücksichtigt.
sehr großen Datenmengen bzw. Daten-
raten führt. Dies macht nicht nur eine Berechnung der Datenrate (Bitrate)
große Festplatte und entsprechende Wenn Sie ein Video direkt via Inter-
Rechenpower erforderlich, sondern net übertragen wollen, ohne dass im
verhindert möglicherweise, dass Ihr Voraus das Video als Datei herunter-
Video über eine (schlechte) Internet- geladen werden muss, dann spielt die
verbindung in Echtzeit wiedergegeben absolute Datenmenge keine Rolle. Für
werden kann. Spätestens beim Export diesen Zweck interessiert uns die soge-
des Videos in das gewünschte Endfor- nannte Daten- oder Bitrate.
mat müssen Sie die maximal zulässige Die Datenrate gibt die Datenmenge
Datenrate berücksichtigen. an, die pro Sekunde anfällt. Sie besitzt
die Einheit [Bit/s] oder [bps] (bit per
Berechnung der Datenmenge second).
Die Datenmenge eines unkompri-
mierten Videos ohne Farbunterab- Datenrate (unkomprimiert)
tastung errechnet sich nach folgender
Formel: dV = fV · B · H · F [Bit]

Datenmenge (unkomprimiert) fV: Bildrate [Hz] = [1/s]


B: Bildbreite [px]
H: Bildhöhe [px]
DV = fV · B · H · F · t [Bit]
F: Farbtiefe (Bit)

fV: Bildrate [Hz] = [1/s]


B: Bildbreite [px]
H: Bildhöhe [px] Beispielrechnung
F: Farbtiefe (Bit)
Wir berechnen den Datenstrom des
t: Zeit [s]
obigen Full-HD-Videos:

dV = 50 Hz·1.920 · 1.080 · 24 Bit
1
Beispielrechnung = 2.488.320.000 Bit/s |: 1.000
Ein einminütiges Video in Full-HD- = 2.488.320 kBit/s |: 1.000
Qualität (1.920 · 1.080 px, 24 Bit) ergibt = 2.488 MBit/s |: 1.000
bei einer Bildrate von 50p und einer = 2,49 GBit/s
Farbabtastung von 4 : 4 : 4 folgende
Datenmenge: Zum Vergleich: Die derzeit schnellste
­Internetanbindung für mobile Endge-
DV = 50 Hz·1.920 · 1.080 · 24 Bit·60 s räte heißt LTE Advanced und ermöglicht
= 149.299.200.000 Bit |: 8 theoretisch 1 GBit/s, praktisch deutlich
= 18.662.400.000 Byte |: 1.024 
= 18.225.000 KB |: 1.024
1 Bei Datenraten wird üblicherweise mit
= 17.798 MB |: 1.024 Faktor 1.000 gerechnet, bei Datenmengen mit
= 17,4 GB Faktor 1.024.

44
Videotechnik

weniger. Sie erkennen an unserem UHD-2 7.680 · 4.320


Rechenbeispiel, dass eine effiziente
Datenkompression bei Video unerläss-
lich ist, um dieses speichern und via
Internet übertragen zu können.

3.2.6 Videokompression UHD-1 3.840 · 2.160

Man muss wohl kein Prophet sein, um


vorherzusagen, dass Videos auf DVD
Full HD 1.920 · 1.080
oder Blu-ray-Disc vermutlich vom Markt
verschwinden werden. Die Zukunft von HD 1.280 · 720
Video gehört – wie von Audio auch
– den Online-Bibliotheken aus dem Datenmengen im
Inter­net. Neben kostenfreien Videopor- Codec Vergleich
talen wie YouTube oder Vimeo gibt es Das Kunstwort Codec setzt sich aus Die Grafik veran­
zahlreiche Anbieter wie Amazon Video, schaulicht die starke
Compression und Decompression
Zunahme der Daten-
Maxdome oder iTunes, die ein direktes zusammen. Gemeint ist ein Verfahren, menge bei Erhöhung
Abspielen von Videos gegen eine Nut- das die Datenmenge beim Speichern der Auflösung:
zungsgebühr ermöglichen. Der Gang in verringert, also komprimiert, und beim ƒƒ Full HD = 2,25·HD
ƒƒ UHD-1 = 9·HD
eine Videothek oder der Kauf einer DVD Abspielen wieder entpackt, also dekom-
ƒƒ UHD-2 = 36 ·HD
oder Blu-ray wird somit überflüssig. primiert. Die Soft- oder Hardware zum
Derzeit gibt es allerdings noch ein Kom­primieren wird entsprechend als
großes technisches Hindernis: Wie die Enco­der bezeichnet, während Soft- oder
Beispielrechnung im letzten Abschnitt Hardware zum Abspielen den entspre-
gezeigt hat, reichen die Datenraten im chenden Decoder enthält. Letzterem
Internet nicht annähernd aus, um hoch- muss es gelingen, das Video in Echtzeit
aufgelöstes Video abzuspielen. zu decodieren, also typischerweise mit
Eine möglichst effiziente Datenkom- 25 Bildern pro Sekunde.
pression von Video wurde aus diesem Das Angebot an Video-Codecs ist
Grund in den letzten Jahren zu einer groß und verwirrend. Die Entscheidung
zentralen Herausforderung. Dabei wer- für einen Codec hängt dabei von meh-
den nicht nur eine, sondern eine Reihe reren Faktoren ab:
von Maßnahmen getroffen: ƒƒ Welche Größe (Breite x Höhe) soll das
1. Durch Farbunterabtastung (siehe Video erhalten?
Seite 42) lässt sich die Datenmenge ƒƒ Welche Datenrate muss erzielt werden?
halbieren. ƒƒ Ist Video-Streaming, also das Abspie-
2. Durch Verkleinerung der Auflösung len von Video in Echtzeit, erforderlich?
z. B. von Full HD auf HD reduziert sich ƒƒ Welches Dateiformat wird benötigt?
die Datenmenge um Faktor 2,25, von ƒƒ Sind Lizenzgebühren erforderlich, um
UHD-1 auf HD sogar um Faktor 16 den Codec nutzen zu dürfen, oder ist
(siehe Grafik). der Codec frei verfügbar?
3. Durch Auswahl eines geeigneten ƒƒ Welche Software (Decoder) benötigt
­Video-Codecs lässt sich die Daten- der Nutzer, um das Video betrachten
menge deutlich reduzieren. zu können?

45
Zeitliche Kompression
Von Bild zu Bild Kompressionsverfahren ƒƒ Eine dritte Möglichkeit, die bei JPEG
ändert sich nur die Zur effizienten Kompression von Video zur Anwendung kommt, ist die Farb­
Bewegung des Flug-
werden unterschiedliche Maßnahmen reduktion. Hierzu wird das Bild in
zeugs. Es genügt also,
diese Information zu getroffen. Die Algorithmen sind ma- Blöcke von beispielsweise 8 x 8 Pixel
speichern. thematisch komplex – wir stellen Ihnen unterteilt und innerhalb dieser Blöcke
deshalb an dieser Stelle lediglich die auf Farben verzichtet, die kaum
Grundprinzipien vor: Betrachten Sie wahrgenommen werden. Wie Sie
zu diesem Zweck die Bildfolge eines wissen, kann bei diesem Verfahren
vorbeifliegenden Flugzeugs. Unkompri- die Stärke der Kompression gewählt
miert würde jedes einzelne Bild kom- werden, wobei die Bildqualität umso
plett gespeichert werden. Da sich von schlechter wird, je höher die Kom-
Bild zu Bild jedoch relativ wenig verän- pressionsrate gewählt wird. Diese
dert, würde sich hieraus eine unnötig Methode bewahrt die Originaldaten
hohe Datenmenge ergeben. nicht – Bildinformationen gehen ver-
loren und können auch nicht wieder
Räumliche Kompression hergestellt werden. Es handelt sich
Bei der räumlichen Kompression findet deshalb um eine verlustbehaftete
die Datenreduktion innerhalb der ein- Kompression.
zelnen Bilder des Videos statt und wird
deshalb auch als Intraframe-Kompres­ Zeitliche Kompression
sion bezeichnet. Möglichkeiten sind: Bei der zeitlichen Kompression werden
ƒƒ Bei der Lauflängencodierung (RLE) Daten durch Vergleich der einzelnen Bil-
wird nach Farben geschaut, die sich der entfernt. Man spricht deshalb auch
häufig wiederholen, im Beispiel die von Interframe-Kompression.
Blautöne des Himmels. Statt nun je- ƒƒ Das Prinzip hierbei ist, dass sich von
des Pixel einzeln zu speichern, genügt Bild zu Bild nur kleine Bereiche im
es, den Farbwert und die Anzahl an Bild verändern – im Beispiel oben
Wiederholungen zu speichern. Diese verändert sich lediglich die Posi­
Kompression ist verlustfrei, weil kei- tion des Flugzeugs. Da sich auch
nen Informationen verlorengehen. das Flugzeug selbst nicht verändert,
ƒƒ Bei der sogenannten Huffmann-Co- genügt es, die Länge und Richtung
dierung wird ermittelt, wie häufig die zu speichern, um die sich das Flug-
Farben vorkommen. Danach können zeug von Bild zu Bild verschiebt. (Für
häufig vorkommende Farben (hier: Mathematiker: gespeichert wird der
Blautöne) mit einem kurzen Code und Bewegungsvektor.)
selten vorkommende Farben (hier: ƒƒ Nun kann es auch sein, dass das Flug-
Rot, Weiß) mit einem längeren Code zeug auf uns zufliegt und damit grö-
versehen werden. Auch diese Kom- ßer wird. Auch in diesem Fall muss
pression ist verlustfrei. nicht das gesamte Bild gespeichert

46
Videotechnik

werden. Es genügt, die Unterschiede H.265 (MPEG-H HEVC)


zum vorherigen Bild zu speichern Der bereits 2013 veröffentlichte Codec
(Differenzcodierung). H.265 (HEVC, High Efficiency Video Co-
ding) ist immer noch State of the Art bei
Videokompression ist ein sehr rechen- der Videokompression. Er stellt eine im
intensiver Prozess. Insbesondere wenn Vergleich zu H.264 nochmals deutliche
Video „live“, also direkt nach dem Reduktion der Datenraten in Aussicht.
Filmen encodiert werden muss, emp- Die immer höheren Auflösungen (siehe
fiehlt es sich, einen Hardware-Encoder Seite 45) machen dies allerdings auch
einzusetzen, z. B. von Matrox, Avid oder erforderlich.
Enciris.
Grundprinzip der MPEG-Codierung
MPEG Eine bestimmte Anzahl an Bildern wird
MPEG ist die Abkürzung für Moving zu einer Gruppe (GoP, Group of Pic-
Picture Experts Group, also eine Exper- tures) zusammengefasst. In der Grafik
tengruppe für Bewegtbilder, die sich unten sind dies neun Bilder. Es werden
seit über zwanzig Jahren mit der Daten­ drei Arten von Bildern unterschieden:
kompression von Audio und Video ƒƒ I-Frame (Intraframe) A
beschäftigt und seither immer wieder Bei I-Frames werden alle Bildinforma-
verbesserte Verfahren veröffentlicht hat. tionen gespeichert, wobei räumliche
Die aktuell wichtigsten MPEG-Codecs Kompression zum Einsatz kommt.
sind: ƒƒ P-Frame (Predicted Frame) B
Bei diesen Bildern werden nur Bildin-
H.262 (MPEG-2) halte gespeichert, die sich im Ver-
Obwohl der Codec schon sehr alt ist gleich zum vorherigen P- oder I-Frame
und aus den Jahren 1994/95 stammt, geändert haben. Bei einer Bewegung
kommt MPEG-2 auch heute noch bei werden nicht die Bildinhalte selbst,
DVD-Videos und Digitalfernsehen zum sondern Bewegungsvektoren gespei-
Einsatz. chert, aus denen sich die Veränderung
des Bildes errechnen lassen.
H.264 (MPEG-4 AVC) ƒƒ B-Frame (Bidirectional Predicted
H.264 (AVC steht für Advanced Video Frame) C
Coding) ist eine erfolgreiche Weiterent- Bei B-Frames werden noch weni-
wicklung von MPEG-2, die 2002 veröf- ger Bildinformationen gespeichert.
fentlicht wurde. Der Codec wird u. a. bei Zur Darstellung des Bildes wird das
Videokonferenzen, HDTV, Blu-ray-Disc, vorherige und nachfolgende P- oder I-
Apple Quick Time und in Videoportalen Frame herangezogen. Es handelt sich
eingesetzt. also um eine rechnerische Interpola­
tion des Bildes.

A C B

I B B B P B B B P

Group of Pictures

47
Containerformat
Sie einsetzen. Die zurzeit wichtigsten
Containerformate stellen wir kurz vor
Videodaten Audiodaten Metadaten
(siehe auch Tabelle).
H.262 MP3 Streaming
H.264 AAC Kapitel/Menüs
H.265 AC-3 Untertitel
MPEG-2 (.mpg, .mpeg, .m2v)
... ... ... Bei MPEG-2 handelt es sich nicht nur,
wie im letzten Abschnitt beschrieben,
Containerformat um einen Video-Codec, sondern auch
Neben den eigent- 3.2.7 Videoformate um ein Containerformat. Obwohl etwas
lichen Videodaten in die Jahre gekommen, ist das Format
werden der Ton und Containerformate auch heute noch von Bedeutung, weil
weitere Informatio- Wie die Grafik unten zeigt, enthalten DVD-Videos nach diesem Standard
nen über das Video
gespeichert. Video­dateien nicht nur Videodaten, produziert werden. Auch HD-Fernsehen
sondern Audiodaten für den Ton, der sendet im MPEG-2-Format.
auch mehrsprachig sein kann, und
Metadaten wie z. B. Untertitel oder MPEG-4 (.mp4)
Streaming-­Informationen. Aus die- MPEG-4 ist das derzeit mit Abstand
sem Grund spricht man hierbei auch wichtigste Video-Containerformat.
von Containerformaten. Auch bei PDF Wie im Abschnitt über die Video-­Codecs
handelt es sich um ein Containerformat, erläutert, ist H.264 zumindest momen-
da es Texte, Bilder, Schriften und andere tan eines der bes­ten Verfahren zur
Daten integriert. Videokompres­sion, so dass MPEG-4 in
Verwirrend ist, dass die Container der nächsten Zeit weiterhin eine zentra-
verschiedene Audio- und Video-Codecs le Rolle spielen dürfte.
integrieren können. So kann es sein,
dass sich bei zwei Video­dateien mit Windows Media (.wmv)
identischer Dateiendung, z. B. .mpeg, Bei Windows Media handelt es sich um
eine nicht abspielen lässt. Ursache: Der ein komplettes Multimedia-Konzept,
benötigte Decoder fehlt dem Player. dessen Videoanteil WMV und Audio-
Bei der Videoproduktion kommt es also anteil WMA heißt. Zum Abspielen der
nicht nur darauf an, in welchem Datei­ Video- oder Audio­dateien stellt Micro-
format Sie Ihre Videos produzieren, soft den Windows Media Player zur
sondern immer auch, welche Codecs Verfügung.

Aktuelle Container- Name Dateiendung Video-Codec Audio-Codec Einsatzbeispiele


formate
MPEG-2 .mpeg MPEG-2 (H.262) MPEG Audio DVD-Video
.mpg Blu-ray-Disc
.m2v HD-Video

MPEG-4 .mp4 H.264 AAC Blu-ray-Disc


H.265 Dolby Digital Video für mobile Endgeräte
MPEG Audio YouTube-Videos
Full-HD-Video
UHD-Video (4K, 8K)

Windows Media .wmv Windows Media Windows Media HD-Video


Video Audio Full-HD-Video

48
Videotechnik

3.2.8 AV-Streaming
Der Kauf des Videoportals YouTube für
1,65 Milliarden Dollar durch Google
dürfte der beste Beweis dafür sein, wie
wichtig Video im Internet geworden
ist. Breitbandanschlüsse mit mehreren
Megabit/s machen dies möglich, und
so ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir
Video und Fernsehen in Full HD oder
sogar in UHD via Internet betrachten A
B
werden.

Möglichkeiten Progressive Down-


Für das Betrachten von Videos aus dem dungen verfügen, werden die Videos load
Internet stehen prinzipiell drei Möglich- in unterschiedlichen Qualitäten zur Das Video lässt sich
bereits während des
keiten zur Verfügung: Verfügung gestellt und die maximal
Downloads abspielen.
ƒƒ Download mögliche Auflösung wird automatisch Als Nutzer können Sie
Der Nutzer lädt die Video- oder Audio­ ausgewählt A. Ein weiterer Vorteil das Video jederzeit
datei herunter und spielt sie dann in des progressive Downloads ist, dass unterbrechen oder an
einer anderen Stelle
seinem Player ab. Dieses Verfahren ist der Nutzer per Schieberegler B an die fortsetzen.
aus rechtlicher Sicht problematisch: gewünschte Stelle springen kann.
Während das Abspielen von Video in ƒƒ (Live-)Streaming
der Regel urheberrechtlich in Ord- Der Begriff Streaming im engeren
nung ist, dürfen Audio- oder Vide- Sinne bezeichnet das Übertragen
odateien nicht gespeichert werden, und Abspielen des AV-Datenstroms
ohne dass hierfür eine Lizenz erwor- in Echtzeit, also live. Aufgrund des
ben wurde. Diese Lizenz erhält man hohen technischen Aufwands ergibt
beispielsweise durch den Kauf einer sich allerdings ein Zeitversatz von
Audio-CD oder DVD. wenigen Sekunden. Wer also Fußball
ƒƒ Progressive Download (On-Demand- über das Internet schaut und den
Streaming) Fernseher des Nachbarn hört, wird
Die meistgenutzte Variante der von einem Tor erfahren, bevor er es
Übertragung von Sound oder Video sieht … ;-)
über das Internet ist der sogenann-
te progressive Download. Die Idee Technisches Prinzip
besteht darin, mit dem Abspielen Im ersten Schritt fragt der Client einen
der Audio- oder Videodaten bereits Datenstrom an. Für die Kommunika-
während des Downloads zu begin- tion mit dem Server gibt es spezielle
nen. Videoanbieter wie YouTube oder Protokolle wie RTSP (Real-Time Strea-
Vimeo machen sich also zunutze, dass ming Protocol). Der Server reagiert und
die AV-Daten dabei nicht dauerhaft, tauscht die zur Übertragung benötigten
sondern nur zwischengespeichert Informationen aus.
werden. Dies ist aus urheberrecht- Die ersten Sekunden des eigent-
licher Sicht in Ordnung. Da die Nutzer lichen AV-Datenstroms werden als
über unterschiedliche Internetanbin- Puffer (Buffer) im Arbeitsspeicher des

49
(Live-)Streaming
Der Datenstrom wird
in Echtzeit aufge- Streaming- Streaming-
nommen, encodiert,
Server Client
übertragen und deco-
Streaming-
diert. Der Zeitversatz Protokoll
beträgt nur wenige
Kommunikation
Sekunden.
Videostream

Encoder Zwischenspeicher (Buffer)


Decoder

Clients gespeichert, damit es beim ƒƒ Internet TV


Abspielen zu keinen Unterbrechungen Mittlerweile werden alle öffentlich-
kommt. Im Unterschied zum Download rechtlichen Sender live über das
werden jedoch keine Daten auf der Internet gesendet. Darüber hinaus
Festplatte gespeichert. können Sie über Mediatheken auf
Durch fortlaufende Kommunikation ältere Sendungen zugreifen. Die
zwischen Server und Client lässt sich Nutzung ist mit der Rundfunkgebühr
die Bitrate optimieren. Auf diese Weise abgegolten. Eine gute Übersicht über
können Videostreams in verschiedenen die verfügbaren Senden bietet Zattoo
Auflösungen und Qualitätsstufen zur (zattoo.com).
Verfügung gestellt werden. ƒƒ Video-on-Demand (VoD)
Um Streaming auch noch zu be- Bei maxdome, Netflix, Amazon Video
wältigen, wenn Tausende von Nutzern u. a. können Sie gegen Gebühr Kino-
gleichzeitig zugreifen, können sich filme und TV-Produktionen über das
mehrere Server zu einer Cloud zusam- Internet betrachten oder downloaden.
menschließen und die Streams unter Umfassende Informationen finden
sich aufteilen. Sie unter www.video-on-demand.
Der entscheidende Parameter für info.
die Übertragungsrate der Verbindung ƒƒ Streaming im Intranet
zwischen Sender und Empfänger ist Über das Intranet von Firmen und
die Datenrate. Da die Verbindungen ins Hochschulen lassen sich Video­
Internet immer besser werden, ist (On- konferenzen, Schulungen, Vorle-
Demand- oder Live-)Strea­ming aktuell sungen oder Präsentationen durch-
bis zur Full-HD-Auflösung möglich. führen.
ƒƒ Bildtelefonie
Anwendungen Internetdienste wie Skype machen
Abschließend einige Anwendungsmög- den Computer zum (kostenlosen)
lichkeiten von Streaming bzw. progres- Bildtelefon.
sive Download:
ƒƒ Videoportale
Jeder kennt und nutzt heute Video­
portale wie YouTube, MyVideo oder
Netflix.

50
Videotechnik

3.2.9 Tonsysteme 5.1


Das bei DVD-Videos
Während Sie den Ton Ihres Videos in der und Blu-ray-Disc am
Regel mit nur einem Mikrofon (Mono) häufigsten verwendete
aufzeichnen, erfreuen sich Mehrkanal- Tonsystem ist 5.1 mit
systeme nicht nur im Kino, sondern fünf regulären Kanälen
auch im Wohnzimmer großer Beliebt- und einem Subwoofer-
heit, da sie einen realistisch klingenden Kanal für die Bässe.
Raumklang ermöglichen.
Heutige Tonstandards arbeiten mit Dolby Digital
bis zu acht Kanälen (7.1). Unterschieden Dolby-Digital (auch: AC-3) ist ein weit
werden hierbei: verbreitetes Mehrkanal-Tonsystem,
ƒƒ Front-Lautsprecher das auf DVDs, Blu-ray-Discs, im Kino
vorne links, vorne rechts und vorne und digitalen Fernsehen zum Einsatz
mittig (Center) kommt. Während Dolby Digital 5.1
ƒƒ Rear-Lautsprecher die größte Verbreitung besitzt, gibt es
hinten links, hinten rechts und hinten weitere Systeme wie Dolby ­Digital Plus
ein oder zwei mittig platzierte Laut- mit bis zu 8 Kanälen (7.1).
sprecher Die aktuelle Entwicklung von Dolby
ƒƒ Subwoofer heißt AC-4. Hiermit soll sich auch die
kann beliebig platziert werden, da Klangqualität von Kopfhörern und von
sich Bässe in alle Richtungen ausbrei- kleinen Lautsprechern auf mobilen End-
ten. geräten verbessern.
Durch Kombination der genannten
Lautsprecher ergeben sich diverse DTS
­Variationsmöglichkeiten: Das Digital Theater System wurde –
wie der Name sagt – als Kinostandard
1.0 (Mono) entwickelt. Erster DTS-vertonter Film
Ein Monosignal besitzt war Steven Spielbergs „Jurassic Park“
lediglich einen Kanal im Jahr 1993. Mittlerweile kommt DTS
und benötigt zur Wie- aber auch im Heimkino zum Einsatz.
dergabe deshalb auch DTS ist wie Dolby Digital ein Mehr-
nur einen Lautspre- kanalformat, das bis zu acht Kanäle
cher. Häufig werden enthalten kann. Meist kommt das
Monosig­nale jedoch über zwei Laut- 5.1-Format zum Einsatz.
sprecher wiedergegeben, wobei jeder
Lautsprecher das identische Signal THX
liefert. Die Abkürzung THX stammt von Tomlin-
son Holman (X vermutlich aus Experi­
2.0 (Stereo) ment), dem damaligen technischen
Das von der Audio-CD Leiter von Lucasfilm. THX ist kein eige-
vertraute Stereosignal ner Tonstandard, sondern ein Qualitäts-
arbeitet mit zwei Kanä- zertifikat für das Tonwiedergabesystem
len, so dass zur Wieder- im Kino. Regisseur George Lucas wollte
gabe zwei Lautsprecher damit erreichen, dass (seine) Filme in
verwendet werden. allen Kinos klanglich vergleichbar sind.

51
3.3 Aufgaben

1 Video-Kennwerte verstehen a. Erklären Sie die Bedeutung des


Logos.
In einem Videoschnittprogramm können
Sie zwischen 720 / 50i und 1.080 / 25p
wählen.
a. Erklären Sie die Bedeutung von
720 / 50i.
720: b. Begründen Sie kurz, weshalb ein
Ultra-HD-Fernseher aktuell wenig
Vorteile bringt.
50i:

b. Erklären Sie die Bedeutung von


1.080 / 25p.
1.080:

3 Mit Seitenverhältnissen rechnen


25p: Für ein 16 : 9-Video auf einer Webseite
ist eine Breite von 800 Pixel verfügbar.
a. Berechnen Sie die Höhe des Videos.
c. Für welches Format entscheiden Sie
sich, wenn Sie ein Full-HD-Video pro-
duzieren wollen (mit Begründung)?

b. Berechnen Sie die Höhe, wenn das


Video im CinemaScope-Format (21:9)
2 Fernsehstandards kennen gespeichert werden soll.

Auf Ihrem Fernseher befindet sich fol-


gender Aufkleber:

52
Videotechnik

4 Farbunterabtastung verstehen

a. Erklären Sie, weshalb bei der Video­


digitalisierung auf Farben verzich-
tet wird (Farbunterabtastung), auf
Hellig­keitsunterschiede jedoch nicht.

b. Erklären Sie die Angabe 4 : 1 : 1.

b. Für den Upload empfiehlt YouTube


bei 1.080/25p eine Datenrate von 8
MBit/s. Berechnen Sie den erforder-
c. Um wie viel Prozent reduziert sich lichen Kompressionsfaktor.
die Datenmenge bei b im Vergleich
zur Videodigitalisierung ohne Farb-
unterabtastung (4 : 4 : 4)?

6 Datenstrom berechnen

Ein Video soll im Internet abspielbar sein.


ƒƒ Format: Full HD (1.920 · 1.080 px)
ƒƒ Bildrate: 50p
a. Berechnen Sie den Datenstrom in
MBit/s.
5 Datenmenge berechnen

Eine Camcorder zeichnet mit einer kon-


stanten Datenrate von 25 MBit/s
(= 25.000.000 Bit/s) auf.
a. Berechnen Sie die unkomprimierte
Datenmenge in GB eines 30-minü-
tigen Videos.

53
b. Für die Wiedergabe wird eine Inter- b. Bildrate
netverbindung mit (erreichbaren)
8 MBit/s vorausgesetzt. Berechnen
Sie den Kompressions­faktor x : 1,
damit der Film abspielbar ist.

c. Daten- oder Bitrate

d. Containerformat
7 Videokompression verstehen

Erklären Sie den Unterschied:


a. Räumliche Kompression

9 Containerformate kennen

a. Nennen Sie zwei wichtige Container-


b. Zeitliche Kompression formate für Video.
1.

2.
b. Geben Sie die unter Windows not-
wendigen Dateiendungen an.
1.
8 Fachbegriffe der Videokompression
erklären 2.
Definieren Sie (kurz) folgende Fachbe-
griffe: 10 MPEG-Kompression erklären
a. Video-Codec
Erklären Sie in einem Satz, wie die Bil-
der bei MPEG gespeichert werden.
a. I-Frame

54
Videotechnik

b. P-Frame 12 Tonformate kennen

Eine Blu-ray-Disc liefert einen 5.1-Mehr-


kanalton. Zeichnen Sie in die Grafik ein,
wie die Lautsprecher platziert werden
c. B-Frame sollten.

11 Videoübertragung im Internet
­kennen

a. Erklären Sie den Unterschied zwi-


schen „Streaming“ und „Progressive
Download“.
Streaming:

Progressive Download:

b. Nennen Sie für beide Verfahren ein


Anwendungsbeispiel.
Streaming:

Progressive Download:

55
4.1 Kamera
4 Videofilmen

Die Entscheidung für eine Kamera reflexkameras und System­kameras


ist nicht einfach: Abgesehen von eingebaut, da diese vorwiegend
semiprofessio­nellen oder professio- für die Fotografie gedacht sind. Ein
nellen Videokameras, über die wir in großer Sensor verteuert die Kamera
diesem Buch nicht sprechen, gibt es deutlich. In Smartphones sind schon
für den Consumerbereich eine große aus Platzgründen kleinere Sensoren
Auswahl sogenannter Camcorder. verbaut.
Nicht nur (Hobby-)Fotografen, ƒƒ Pixelzahl
sondern zunehmend auch Videofilmer Sie errechnet sich durch Multiplika­
setzen ihre digitale Spiegelreflexkamera tion der Pixel in der Breite mal Pixel
oder Systemkamera zum Filmen ein. in der Höhe und wird in Megapixeln
Und schließlich hat jeder von uns ein angegeben. Beispiel: Für die Auflö-
Smartphone, dessen Topmodelle mit sung UHD-1 (siehe Seite 43) benö­tigt
beachtlichen technischen und optischen der Sensor mindestens:
Eigenschaften ausgestattet sind. 3.840 · 2.160 px
Bevor wir uns mit den Vor- und Nach- = 8.294.400 px
teilen der Geräte beschäftigen, werfen = 8,3 Megapixel
wir einen Blick auf die wichtigsten Aktuelle Kameras überschreiten die-
Kennwerte, die Sie bei einer Kaufent- sen Wert und bieten 12, 16 oder mehr
scheidung kennen und berücksichtigen Megapixel.
sollten.
Objektiv
4.1.1 Kennwerte Das Objektiv ist neben dem Bildsensor
das Bauteil, bei dem Sie richtig Geld
Bildsensor ausgeben können. Der Grund ist, dass
Das Herzstück jeder Kamera ist ihr das Herstellen hochwertiger Linsensys­
Digitale Fotografie
Bildsensor. Er dient zur Umwandlung teme ein aufwändiger Prozess ist. Die
des einfallenden Lichts in elektrische wichtigsten Kennwerte von Objektiven
Sig­nale, die im nächsten Schritt digi- sind:
talisiert und Pixel für Pixel gespeichert ƒƒ Brennweite
werden. Die Qualität eines Bildsensors Die Brennweite gibt den Abstand
bestimmt sich im Wesentlichen durch zwischen der Hauptebene einer op-
zwei Kennwerte: tischen Linse und dem Brennpunkt in
ƒƒ Sensorgröße Millimetern (mm) an. Mit der Brenn-
Je größer der Sensor ist, umso
besser ist seine Qualität im Bereich
der Schärfentiefe. Die Grafik stellt die Linse
Sensoren in Originalgröße dar. Klein-
bildsensoren werden v. a. bei Spiegel- Brennpunkt
Sensorgrößen
A Kleinbild
A
(36 x 24 mm)
B APS-C
(22,2 x 14,8 mm) B
C 2/3‘‘
(8,8 x 6,6 mm)
C Brennweite
D 1/2,5‘‘
D
(5,8 x 4,3 mm)

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, AV-Medien, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5_4
Videofilmen

weite legen Sie den Bildwinkel, also


den Bildausschnitt fest: Je kleiner Weitwinkel
die Brennweite ist, um größer ist der Normal
Bildwinkel und umgekehrt. Bei einer Tele
Brennweite von 50 mm spricht man
von einem Normalobjektiv, darüber
von einem Teleobjektiv und darun-
ter von einem Weitwinkelobjektiv

135mm/18°
85mm/29°
(siehe Grafik rechts). Es gibt bereits

50mm/47°
Smartphones, die mit zwei Objek-

35mm/63°
28mm/75°
tiven unterschiedlicher Brennweite

17mm/118°
ausgestattet sind. Bei Zoomobjek-
tiven kann die Brennweite am Objekt
manuell verändert werden – dies hat
seinen Preis. Beachten Sie aber, dass
ausschließlich optisches Zoomen Brennweite und Bild-
von Bedeutung ist, digitales Zoomen Brennweite von 50 mm ergibt sich winkel
rechnet das Bild einfach groß und eine Lichtstärke von 1 : 1,4. Verdop- Die Angaben beziehen
verschlechtert damit die Bildqualität. pelt sich die Brennweite auf 100 mm, sich auf eine Kamera
mit Kleinbildsen-
ƒƒ Blende halbiert sich die Lichtstärke auf 1 : 2,8. sor. Bei kleineren
Die Blende ist die verstellbare Öff- Je größer die Lichtstärke ist, umso Sensoren muss der
nung des Objektivs, durch die Licht besser ist es. Typische Werte liegen sogenannte Crop-
auf die Bildebene fällt. Ihre Größe zwischen 1 : 1,4 und 1 : 5,6. Faktor berücksichtigt
werden.
wird durch die Blendenzahl k angege-
ben. Die Blendenreihe ist internatio- Display
nal genormt: 1 – 1,4 – 2– 2,8 – 4 – 5,6 Während Fotografen gerne mit einem
– 8 – 11 – 16 – 22 optischen Sucher arbeiten, eignet
Je kleiner die Blendenzahl ist, umso sich dieser für Filmaufnahmen wenig.
größer ist die Blendenöffnung und Hierfür ist ein möglichst großes Display
umgekehrt (siehe Grafik). Bei einer mit einer Auflösung von mindestens
kleinen Blendenzahl (große Blen- HD (1.080 · 720 Pixel), besser Full HD
denöffnung) kommt viel Licht in das (1.920 · 1.080 Pixel), vorzuziehen.
Objektiv, allerdings nimmt dann der
Bereich ab, in dem die Objekte scharf Speicher Blende
abgebildet werden (Schärfentiefe). Die Zeit der Bänder ist vorbei, alle Je größer die Blen-
Um einen möglichst großen Bereich heutigen Kameras zeichnen auf Spei- denzahl k ist, umso
scharf abzubilden, muss die Blenden- cherkarten auf. Dass es hierbei unter- kleiner ist die Blen-
zahl als groß sein. denöffnung.

ƒƒ Lichtstärke
Die Lichtstärke ist ein drittes Quali-
tätskriterium eines Objektivs. Als Maß
für die Lichtstärke wird das Verhält-
nis des Durchmessers der Objek-
tivöffnung und der Brennweite des
Objektivs genommen. Beispiel: Bei k = 2,8 k = 5,6 k=8 k = 11
einer Öffnung von 35,7 mm und einer

57
schiedliche Formate gibt, macht für den eine Kamera. Hier punkten Smart-
Anwender keinen großen Unterschied. phone-Kameras, die Sie problemlos
Wichtiger ist, dass die Speicherkarte auch als Mountainbiker oder Free­
über eine möglichst große Speicherka- climber nutzen können. Durch die oben
pazität von 128 GB oder höher verfügt. erwähnten Bildstabilistoren können
Stativ
auch Aufnahmen trotz (unruhiger)
Ein gutes Stativ hat
seinen Preis, ist aber
Bildstabilisator Bewegung gelingen. Für Aufnahmen
für profes­sio­nelle Auf- Je kleiner ein Gerät ist, umso eher mit ruhender Kamera sollte ein gutes
nahmen unerlässlich. besteht die Gefahr, dass die Aufnahme Kamerastativ jedoch auf jeden Fall zu
durch unruhige Handbewegungen ver- Ihrer Ausstattung gehören. Alternativ
wackelt. Bildstabilisatoren schaffen hier gibt es auch für Camcorder und Smart-
Abhilfe und sind in heutigen Kameras phones Halterungen, die an der Hüfte
standardmäßig verbaut. Unter- befestigt oder in der Hand gehalten
schieden werden optische werden und die ein ruhiges Halten der
und elektronische Kamera ermöglichen. Man bezeichnet
Stabilisatoren. diese als Steadicam.

Autofokus
Auch das automatische Scharfstellen
ist bei heutigen Kameras Standard. Der
automatische Fokus ist zwar einerseits
eine Hilfe, andererseits geben Sie die
Kontrolle dabei ab. Zumindest im semi­
professionellen und professionellen
Bereich besteht daher der Wunsch, die
Schärfe manuell einstellen zu können.

Mikrofon
Zur Tonaufnahme besitzen alle Kameras
ein mehr oder weniger gutes einge-
bautes Mikro­fon. Eine bessere Tonqua-
lität kann nur erzielt werden, wenn Steadicam
Sie ein externes Mikrofon anschlie-
ßen können, das näher am Ort des Anschlüsse
Geschehens platziert wird. Die Verbindung der Kamera mit dem
Computer erfolgt heute meistens über
Akku USB. Bessere Kameras haben zusätzlich
Für den „Außendreh“ ist ein eine HDMI-Schnittstelle, über die sie
langlebiger Akku erforderlich, z. B. an einen HDMI-fähigen Recorder
außerdem sollten Sie immer oder Monitor angeschlossen werden
einen Ersatz-Akku in der können.
Tasche haben. Zum Anschluss eines externen
­Mikrofons sollte die Kamera über
Größe und Gewicht Audio-Klinke verfügen.
Je kleiner und leichter,
umso handlicher ist

58
Videofilmen

Anzahl an Kameras Strahlengang einer


Dachkant-
Mit nur einer Kamera werden Sie relativ Spiegelreflexkamera
pentaprisma
(DSLR)
schnell an Grenzen stoßen. Nehmen Sie
an, dass ein Interview gefilmt werden
Sucher
soll: Um den Moderator, die interview­
te Person und vielleicht noch beide
zusammen zu filmen, benötigen Sie be- Sensor
reits drei Kameras. Bevor Sie viel Geld Objektiv
in eine sehr gute Kamera investieren,
wäre also zu überlegen, ob für das glei-
che Budget nicht besser zwei oder drei Schwingspiegel
einfachere Modelle gekauft werden.

4.1.2 Camcorder Lens Reflex, DSLR) und Systemkameras


(Digital Single Lens Mirrorless, DSLM)
Klein, leicht, günstig – Camcorder, also unterschieden. Der Unterschied besteht
eine Kombination aus Camera und darin, dass Spiegelreflexkameras über
Recorder, haben den Markt erobert. einen optischen Sucher verfügen, der
Auch wenn die Produkte nicht an „Pro- einen direkten Blick auf das Motiv er-
figeräte“ herankommen, bieten heutige möglicht (siehe Grafik oben). Nach Be-
Geräte eine erstaunliche Qualität. Und tätigung des Auslösers wird der Spiegel
da es in diesem Buch nicht um die Film- für kurze Zeit nach oben geklappt, so
und Fernsehproduktion geht, dürfte dass das Licht auf den Bildsensor fällt.
diese Qualität in der Regel ausreichen. Der optische Sucher ist bei Fotografen
Camcorder bieten im Vergleich zu sehr beliebt, für Videoaufnahmen wird
Smartphones oder Digitalkameras den er nicht benötigt.
Vorteil, dass sie für das Videofilmen Bei Systemkameras (DSLM) wird
optimiert sind und nützliche Features auf einen optischen zugunsten eines
haben, die den anderen Geräten fehlen. elektronischen Suchers verzichtet. Dies
Ein Beispiel ist die Zoomwippe, ein macht sie preislich attraktiv, so dass sie
Taster, mit dem die Brennweite der Ka- eine gute Alternative zu Camcordern
mera stufenlos und erschütterungsfrei sind.
verändert werden kann. Digitalkameras (DSLR und DSLM)
Heute sind gute Camcorder in der überzeugen durch einen großen
Preisklasse um die 1000 Euro erhältlich. Bildsensor und durch eine große Aus-
Vor dem Kauf empfiehlt es sich, im wahl an (Wechsel-)Objektiven. Preislich
Internet die aktuellen Tests und Besten- liegen viele Modelle allerdings höher
listen anzusehen. als Camcorder.

4.1.3 Digitalkamera 4.1.4 Smartphone


Videofilmen ist beliebt – und davon Heute besitzt eigentlich jeder eine
möchten auch die Anbieter digitaler Video­kamera: Neuere Smartphones
Fotokameras profitieren. enthalten hochauflösende Displays
Bei Digitalkameras wird zwischen und teilweise zwei eingebaute Objek-
Spiegelreflexkameras (Digital Single tive. Darüber hinaus gibt es zahlreiche

59
Apps, die den Videofilmer unterstützen. jeweils ein Modell ausgesucht, das
Dennoch handelt es sich um Multifunk- ­ ideo in der 4K-Auflösung (UHD-1)
V
tionsgeräte, die nicht speziell für den aufzeichnen kann (siehe Seite 43). Preis-
­Videofilm konzipiert werden, denken lich ist das Smartphone die günstigste,
Sie beispielsweise an die Zoomfunk­ die Spiegelreflexkamera die teuerste
tion. Wer das Filmen zu seinem Hobby Kamera, was unter anderem am großen
oder Beruf machen will, wird deshalb Bildsensor der DSLR liegt. Vorsicht: Die
über kurz oder lang auf eine Alternative Preisangaben bei Digitalkameras bezie-
zurückgreifen. hen sich eventuell nur auf das Gehäuse,
also noch ohne Objektiv.
4.1.5 Kameravergleich Beachten Sie aber bitte, dass es sich
bei den in der Tabelle vorgestellten
In der Tabelle finden Sie eine Gegen­ Geräten um keine Kaufempfehlung
überstellung der oben beschriebenen handeln kann, denn bis dieses Buch er-
Technische Daten der Kameratypen. Damit Sie die Geräte scheint, gibt es möglicherweise wieder
unterschiedlichen besser vergleichen können, haben wir bessere Geräte.
Kameratypen

Kameras – Vergleich der technischen Daten


Kameratyp Camcorder Spiegelreflexkamera Systemkamera Smartphone
Modell Sony FDR-AX53 Nikon D500 Panasonic Lumix DMC-G81 Sony Xperia XZ Premium

Bildsensor 1/2,3” 23,5 · 15,7 mm 17,3 · 13 mm 1/2,3”


Pixelzahl 8,29 Megapixel 20,7 Megapixel 15,8 Megapixel 19,2 Megapixel
Sucher elektronisch optisch elektronisch –
Objektiv 26,8-mm-Weitwinkel Wechselobjektive Wechselobjektive 25-mm-Weitwinkel
20-facher optischer Zoom 8-fach Digitalzoom
Videoauflösung 3.840 · 2.160 px 3.840 · 2.160 px 3.840 · 2.160 px 3.840 · 2.160 px
Max. Auflösung 3.840 · 2.160 px 5568 · 3712 px 4592 · 3448 px 3.840 · 2.160 px
Display 2,95” 3,2” 3” 5,5”
– Touchscreen Touchscreen Touchscreen
schwenkbar schwenkbar schwenkbar –
921.600 px 2.359.000 Subpixel 1.040.000 Subpixel 8.294.400 px

Weißabgleich automatisch automatisch automatisch automatisch


manuell manuell manuell manuell
Akkulaufzeit (Video) k.A. 1:46 h 1:40 h 8:26 h
Mikrofonanschluss ja ja ja nein
Speicherkarte SDHC XQD SDXC MicroSDXC
SDXC

60
4.2 Licht Videofilmen

Ein gut gesetztes Licht ist daran er- ƒƒ 10.000 K: Blauer Himmel
kennbar, dass die Lichtsituation vom ƒƒ 8.000 K Bedeckter Himmel
Betrachter als logisch und natürlich ƒƒ 6.000 K: Mittagssonne
empfunden wird. Da die Bildsensoren ƒƒ 5.000 K: Morgen-/Abendsonne
der Kameras sehr lichtempfindlich sind ƒƒ 4.000 K: Leuchtstofflampe
(hohe ISO-Werte besitzen), geht es ƒƒ 2.800 K: Glühlampe
dabei weniger darum, das Bild aufzu- ƒƒ 1.500 K: Kerze
hellen, sondern eher darum, Überbe- Unser Auge kann sich an diese großen
lichtungen zu vermeiden. Unterschiede rasch anpassen – eine
Wenn Sie beispielsweise in einem Kamera kann dies nicht. Aus diesem
dunklen Raum filmen, dann könnte Grund ist es unerlässlich, vor einer
die Kamera das restliche Licht zwar Aufnahme einen sogenannten Weiß-
verstärken und die Szene aufhellen, abgleich (White Balance, WB) durchzu-
alle helleren Stellen wie Fenster oder führen. Dabei passt sich die Kamera­
vorhandene Beleuchtung im Raum wür- elektronik an das vorhandende Licht
den dann aber überbelichtet. Der Hell- an. Dies kann automatisch erfolgen
Dunkel-Kontrast ginge verloren und das (AWB A), was aber unter Umständen zu
Bild würde „flach“ wirken. einem unbefriedigenden Ergebnis füh-
Der Einsatz von Licht dient also vor ren kann, weil die Aufnahme zu bläulich
allem dazu, für eine insgesamt gute oder zu gelblich wirkt. In diesem Fall
Ausleuchtung zu sorgen, um einen hilft ein manueller Weißabgleich.
guten Hell-Dunkel-Kontrast zu erzielen.
Darüber hinaus wird Licht dazu einge- Manueller Weißabgleich – Making of …
setzt, um Stimmungen zu erzeugen und Für den manuellen Weißabgleich kön-
damit zur Dramaturgie beizutragen. nen Sie eine spezielle Graukarte kaufen.
Zur Not reicht aber auch ein weißes
4.2.1 Weißabgleich Blatt Papier.

Licht ist nicht gleich Licht. Die Farbigkeit 1 Begeben Sie sich an den Ort, an
von Licht wird durch die Farbtempera- dem Sie die Aufnahme machen
tur beschrieben. Sie wird in Kelvin [K] werden. Handelt es sich um einen
gemessen. Hohe Farbtemperaturen las- Innenraum, muss zunächst das
sen das Licht bläulich wirken, niedrige Lichtsetting gemacht werden (siehe
führen zu gelblichem Licht. nächster Abschnitt).

Manueller Weißab-
gleich
Der Screenshot zeigt
die Einstellung bei
einer Spiegelreflexka-
mera Canon EOS.
A B

61
2 Halten Sie die Graukarte oder das
weiße Papier an die Stelle, an der
sich später das Motiv befindet.

3 Machen Sie ein Foto, auf der nur


die Graukarte bzw. das Papier for-
matfüllend zu sehen ist.

4 Stellen Sie den Weißabgleich auf


Manuell B um.

5 Rufen Sie das Kameramenü auf und


suchen Sie die Einstellung für den
Weißabgleich (hier: Custom WB).
LED-Panel Modell: Yongnuo YN900 Pro
6 Wählen Sie nun das eben erstell-
te Foto als Referenzbild aus. Die 4.2.2 Licht in Räumen
Kamera passt nun die Aufnahme an
die vorhandene Farbtemperatur an. Zur Beleuchtung von Personen in
Innen­räumen werden typischerweise
7 Bei Aufnahmen im Freien ändert drei Leuchten (auf Stativen) eingesetzt.
Drei-Punkt-Ausleuch- sich das Licht im Tagesverlauf, so Als ideal hierfür erweisen sich LED-
tung dass Sie den Weißabgleich von Zeit Leuchten, da sie wenig Strom brauchen,
Damit die Leuchten zu Zeit wiederholen sollten. An- nicht warm werden und eine lange
nicht blenden, sollten
sie auf einem Stativ dernfalls würde die sich ändernde Lebensdauer haben. Für den Foto- und
befestigt werden und Lichtstimmung auf den Zuschauer Video­bereich gibt es LED-Panels mit
das Set von schräg irritierend wirken. vielen einzelnen LEDs. Die gewünsch-
oben beleuchten. te Lichtstimmung kann mit Hilfe von
Farbfiltern erzielt werden. Den Vorteilen
steht der höhere Preis im Vergleich zu
Gegenlicht
Halogenlampen gegenüber. Einsteiger
(Back)
können notfalls mit Bauleuchten aus
C dem Baumarkt beginnen.

Drei-Punkt-Ausleuchtung – Making of …

1 Platzieren Sie das Führungslicht


(Key Light) A als stärkste Lichtquel-
le seitlich neben der K
­ ame­ra. Die
A B Beleuchtung sollte von schräg oben
erfolgen, damit sich ein realistischer
Schattenwurf wie bei einer Decken-
Führungslicht Aufhellung
beleuchtung ergibt.
(Key) Kamera (Fill)

2 Um die Schatten im Gesicht zu


redu­zieren, setzen Sie zur Aufhel-

62
Videofilmen

lung ein zweites, schwächeres Licht Reflektoren


(Fill Light) B ein, das sich etwa in gibt es in unterschied-
90° zum Führungslicht befinden lichen Größen und mit
verschiedenen Folien.
sollte. Als Alternative zur zweiten
Sie reflektieren das
Leuchte können Sie auch einen vorhandene Licht und
Reflektor verwenden. kommen vor allem bei
Außenaufnahmen zum
Einsatz.
3 Platzieren Sie die dritte Leuchte hin-
ten oben als Gegenlicht (Back Light)
C. Es dient dazu, den Kontrast
zwischen Vorder- und Hintergrund
zu erhöhen und dem Bild dadurch
mehr Tiefe und Plastizität zu geben.

4 Zur Ausleuchtung des Hinter-


grundes kann der Einsatz weiterer filmen (müssen), sollte die Mit-
Leuchten erforderlich sein. tagssonne vermieden werden, da
sie senkrechte und harte Schatten
4.2.3 Licht im Freien verursacht. Filmen Sie bevorzugt in
den Morgen- oder Abendstunden,
Während die Profis auch bei Außenauf- vermeiden Sie aber Gegenlicht.
nahmen ein riesiges Lichtset auffahren,
müssen Sie mit dem vorhandenen Licht 3 Führen Sie immer einen Weißab-
auskommen. Dieses wird als Available gleich durch. Da sich die Farbtem-
Light bezeichnet. peratur im Tagesverlauf ändert,
Wichtigstes Hilfsmittel zur Ausleuch- wiederholen Sie den Weißabgleich
Gegenlicht
tung sind sogenannte Reflektoren, die von Zeit zu Zeit.
sorgt für romantische
für wenig Geld in unterschiedlichen Stimmung, lässt die
Größen und mit unterschiedlichen 4 Nutzen Sie zur Ausleuchtung einen Personen im Vorder-
Folien (z. B. Gold, Silber, Weiß) verfüg- oder mehrere Reflektoren. grund aber im Dunkeln
bar sind. Sie reflektieren einen Teil des stehen.
vorhandenen Lichts und sorgen für ein
diffuses, „weiches“ Licht, das keine
Schatten wirft.
Das Licht hängt von der Tages- und
Jahreszeit sowie vom Wetter ab und ist
deshalb schlecht planbar. Wir beschrän-
ken uns auf einige Grundregeln.

Available Light – Making of …

1 Warten Sie – wenn möglich – einen


leicht bewölkten Tag ab, die Licht-
verhältnisse sind dann ideal.

2 Falls Sie an einem sonnigen Tag

63
4.3 Ton

Neben dem Licht ist auch der Ton ein Atmo


wichtiges Gestaltungsmittel des Films. Der Atmo-Ton umfasst alle Geräusche,
Dies wird Ihnen bewusst, wenn Sie die zur gefilmten Szene gehören. Füh-
während eines Spielfilms den Ton ren Sie beispielsweise ein Interview in
abstellen. einer Fußgängerzone durch, so erwartet
Den Ton, der direkt am Filmset der Betrachter unbewusst die typischen
aufgenommen wird, bezeichnet man Geräusche einer Fußgängerzone: Schrit­
als Originalton, kurz O-Ton. Neben der te, Gespräche, Fahrradklingeln usw.
Aufnahme von Sprache kann es sich Natürlich darf der Atmo-Ton das In-
hierbei auch um die Umgebungsge- terview nicht stören. Aus diesem Grund
räusche handeln. In diesem Fall spricht ist es besser, den Atmo-Ton mit einem
man von Atmosphäre, kurz Atmo. separaten Mikrofon aufzunehmen. Bei
Neben O-Ton und Atmo spielt im der späteren Nachbearbeitung kann er
Film vor allem Musik eine große in einer eigenen Spur mit der Sprach-
Rolle. Schließlich können nachträglich aufnahme abgemischt werden (siehe
Effekt­sounds eingebaut werden, die Seite 30).
die dramaturgische Wirkung des Films
verstärken. Musik
Musik erzeugt Stimmungen: fröhlich –
O-Ton traurig, ruhig – hektisch, hell – düster.
Alle Kameras haben ein integriertes Sounddesigner, Komponisten und
­Mikrofon, so dass parallel zum Bild Musiker sind hierfür zuständig, und so
immer auch der Ton aufgezeichnet manche Filmmusik wurde erfolgreicher
wird. Was bei Nahaufnahmen eventuell als der Film selbst.
noch ganz gut gelingen mag, stellt für Im Videobereich kommt der Musik
Aufnahmen aus größerer Entfernung keine so große Bedeutung zu wie beim
ein Problem dar: Das Kameramikro- Spielfilm. Dennoch kann es sinnvoll
fon nimmt zu viele Geräusche aus der sein, Bilder mit einer passenden Musik
­direkten Umgebung auf, so dass der zu unterlegen, um dadurch die Bildwir-
Ton nicht zum Bild passt. kung zu steigern. Beachten Sie aber,
Abhilfe schafft ein externes (Richt-) dass zur Musikverwendung die Rechte
Mikrofon, das entweder auf der eingeholt bzw. eingekauft werden müs-
B ­Kamera montiert oder in unmittelbarer sen. Zuständig hierfür ist die GEMA
Nähe der Sprecher platziert wird. Dies (www.gema.de).
kann entweder mit Hilfe einer soge-
nannten Tonangel A erfolgen, die ein Making of …
Assistent über die Akteure hält, oder
die Akteure arbeiten mit ansteckbaren Die Durchführung von Tonaufnahmen
Mikrofonen, auch als Lavaliermikrofon im Freien mit Hilfe des Smartphones
bezeichnet B. finden Sie auf Seite 24.

64
4.4 Konzeption Videofilmen

Szenen und Einstel-


lungen
Szene 1 Szene 2 Szene 2
Eine Szene ist die
kleinste Erzählein-
heit eines Films. Sie
gliedert sich ihrerseits
in Einstellungen.

Vom Bau der Pyramiden Erlebnisse auf dem Nil Auf der Spur der
von Gizeh Pharaonen

Einstellung 1 Einstellung 2 Einstellung 3 Einstellung 4

Bootsfahrt Blick: Wer kommt da? Kinder nähern sich Kind singt „My Bonnie“
Halbtotale Nahaufnahme Halbtotale Amerikan. Einstellung

4.4.1 Von der Idee zur Story Die folgenden Fragen helfen Ihnen bei
der Planung:
Ein Film erzählt eine Geschichte. Begin- ƒƒ Was wird wann wo wie mit wem und
nen Sie Ihr Filmprojekt deshalb mit der warum gedreht?
Frage, welche Geschichte Sie erzählen ƒƒ Was brauche ich zum Dreh? (Ort,
wollen. Sammeln Sie zunächst, ohne Licht, Requisite, Akteure, Material,
an die filmische Umsetzung zu denken, Kameras, Ton …)
alles, was Ihnen zu Ihrem Thema ein- ƒƒ Was wird warum und wie geschnitten
fällt. Fixieren Sie Ihre Ideensammlung bzw. montiert?
schriftlich als Brainstorming oder als Die Konzeption und Planung wird in
Mindmap. Sie zwingen sich dadurch, der Abfolge in verschiedenen immer
die offenen, unklaren, fantastischen Ge- konkreter werdenden Dokumentationen
danken zu konkretisieren und für die festgehalten.
weitere Arbeit handhabbar zu machen.
Exposé
4.4.2 Schriftliche Planung Aus den schriftlichen Ergebnissen der
Kreativitätstechniken entwickeln Sie im
Ein Film braucht wie jede Medienpro- Exposé eine erste Ausarbeitung Ihrer
duktion eine gründliche und genaue Filmidee. Formulieren Sie die Grund-
Planung. Da jeder Film letztendlich erst idee bzw. den Aussagewunsch Ihres
beim Schneiden entsteht, müssen Sie Films in wenigen Sätzen auf maximal
schon jetzt bei der Planung und spä- einer DIN-A4-Seite. Notieren Sie in
ter beim Drehen den fertigen Film vor Ihrem Exposé:
Ihrem geistigen Auge ablaufen lassen. ƒƒ Anlass und Thema
Denn, was Sie nicht gedreht haben, ƒƒ Ziele, z. B. Information, Spannung,
können Sie später nicht reinschneiden. Unterhaltung, Emotionen

65
ƒƒ Geschichte (Story) des Films, der aufgelöst und bis ins Detail beschrie-
berühmte „rote Faden“ ben. Dies geht soweit, dass jeder Dialog
ƒƒ Hauptfigur(en) z. B. Person, Tier, im Wortlaut notiert wird.
Gegenstand Da die Erstellung eines Drehbuchs
ƒƒ Filmgenre, z. B. Dokumentation, Kurz- sehr zeitaufwändig ist, werden Sie sich
film, Lehrfilm, Reportage bei Ihren Projekten in der Regel auf das
ƒƒ … Treatment beschränken.
Zeigen Sie das Exposé einem Freund
und stellen Sie sich der Kritik. Hierdurch Storyboard
finden Sie heraus, ob Ihre Story trägt Unter einem Storyboard versteht man
und ob diese tatsächlich Ihre Ideen die zeichnerische Umsetzung eines
realisiert. Films. Hierdurch ergibt sich schon im
Vorfeld eine Vorstellung für den Bild-
Treatment aufbau, die Bildübergänge und den
Das Treatment beschreibt den zukünf- späteren Schnitt.
tigen Film schon wesentlich konkreter Auch die Erstellung eines Story-
als das Exposé. Sie konkretisieren darin boards ist mit einem enormen Aufwand
die filmischen Mittel der Umsetzung, verbunden und dürfte – wie das Dreh-
die handelnden Personen, Zeit, Orte buch – eher professionellen Filmpro-
und die filmische Handlung. Anhand duktionen vorbehalten sein.
des Treatments ist somit der zeitliche
und finanzielle Aufwand zur Umsetzung Drehplan
der Filmidee abschätzbar. Der Drehplan strukturiert den zeitlichen
Ablauf der Dreharbeiten. Die Abfolge
Drehbuch der Szenen und Einstellungen im Dreh-
Das Drehbuch beschreibt den Film in plan entsprechen dabei meist nicht der
Treatment
schriftlicher Form: Ideen und ihre ge- Abfolge im späteren Film. Aufnahmen
Es gibt keine festen
Vorgaben für ein plante Umsetzung, Einstellungsgrößen an einem Drehort, zu einer bestimm-
Treatment – erstel- und -dauer, technische Anweisungen, ten Drehzeit abgedreht, werden im
len Sie eine Version, Licht, Ton, Dialoge usw. Im Drehbuch fertigen Film z. B. mit verschiedenen
die zu Ihrem Projekt
werden die Szenen in Einstellungen Zwischenschnitten oder als Rückblen-
passt.
den montiert. Trotzdem müssen sie aus
Szene Dauer Bild Ton/Dialoge gestalterischen, organisatorischen und
1 90 s Vom Bau der Pyramiden von …
nicht zuletzt wirtschaftlichen Gründen in
Gizeh einer Abfolge gedreht werden. Die ver-
… schiedenen Faktoren wie Drehort, Licht
2 30 s Erlebnisse auf dem Nil Boot (Atmo)
und Ton, aber auch Darsteller, Kostüme
Touristen fahren auf dem Nil. Gesang der Kinder (O-Ton) oder Requisiten usw. können konsistent
Kinder nähern sich auf selbst- Erklärung zur Szene (Off- gehalten werden.
gebauten Booten. Sie singen Sprecher) Auch bei der Erstellung eines Dreh-
englische Seemannslieder, um
sich damit ein Taschengeld zu
plans müssen Sie schon ans Schneiden
verdienen. denken. Das produzierte Rohmaterial
… sollte ein Mehrfaches der Zeit des fertig
3 60 s Auf der Spur der Pharaonen …
geschnittenen Films haben.

66
4.5 Filmgestaltung Videofilmen

Motiv und Bildausschnitt sind wie in Ruhe oder auch Langeweile. Kurze
der Fotografie auch im Film von zen- Einstellungen erzeugen Spannung oder
Digitales Bild Digitale Fotografie
traler Bedeutung. Es gelten für die Bild- auch Hektik und Verwirrtheit. Nutzen Sie
gestaltung der Aufnahme grundsätzlich das Stilmittel der Einstellungslänge als
die gleichen Regeln. Hinzu kommt aber Gestaltungsmittel.
Bildgestaltung
natürlich, dass wir keine Standbilder,
Die Regeln zur foto-
sondern bewegte Bilder produzieren. Einstellungsgröße
grafischen Gestaltung
Es sind also außer dem Motiv und Die Einstellungsgröße beschreibt gelten auch für den
dem Bildausschnitt als Gestaltungs- verschiedene zueinander in Beziehung Video­film. Weitere
mittel auch die Kameraposition, die stehende Bildausschnitte. Ihre absolute Infos hierzu finden
Sie in den Bänden
Kameraeinstellungen wie Brennweite Größe hängt immer vom jeweiligen Digitales Bild und
und Blende sowie die Perspektive der Filmthema ab. So kann die Totale eine Digitale Fotografie
Aufnahmen in der Bilderabfolge zu Landschaft, in unserem Beispiel ein dieser Buchreihe.
berücksichtigen. Elefanten-Reservat, darstellen. Sie kann
aber auch den Blick auf einen geschlos-
4.5.1 Einstellung senen Raum lenken.
ƒƒ Totale (long shot)
Die Einstellung (shot) ist die kleinste Mit der Totalen bieten Sie dem Be-
Einheit eines Films. Sie ist eine nicht trachter Überblick und Orientierung,
unterbrochene Aufnahme. Der Name Sie führen ihn in die Thematik der
Einstellung stammt aus der Stummfilm- Szene ein.
zeit, als die Kameraeinstellung während ƒƒ Halbtotale (medium long shot)
einer Szene nicht verändert wurde. Die Halbtotale zeigt einen beschränk-
Heute ist die Kamerabewegung auch ten Ausschnitt der Totalen und lenkt
in einem ununterbrochen gefilmten dadurch den Blick des Betrachters auf
Vorgang üblich. das bildwichtige Motiv.
ƒƒ Amerikanische Einstellung (american
Einstellungslänge shot)
Mit der Einstellungslänge wird die Zeit- Die amerikanische Einstellung hat
spanne bezeichnet, in der ein Bild dem ihren Namen von einer in Western
Betrachter gezeigt wird. Es gibt keine häufig eingesetzten Einstellungsgrö-
feste Regel für die Einstellungslänge. ße. Beim Duell sehen wir einen Revol-
Wenn Sie möchten, dass der Be- verhelden mit seinem Colt vom Knie
trachter das Bild wahrnimmt, seine an aufwärts im Vordergrund, sein
Informationen aufnimmt und versteht, Gegner steht leicht seitlich versetzt im
dann sollte die Länge einer Einstellung Bildmittelgrund.
in etwa der Zeit entsprechen, die man ƒƒ Halbnah (medium close-up)
braucht, um das Bild verbal zu beschrei- Die Halbnahaufnahme zeigt erste
ben. Die Einstellungslänge hängt vom Details, z. B. die obere Körperhälfte
Informationsgehalt des Motivs ab. Die einer Person.
Einstellungslänge für eine Totale ist so- ƒƒ Nah (close-up)
mit in der Regel größer als die für eine In der Nahaufnahme zeigen Sie
Detailaufnahme. weitere Details des Motivs. Für den
Die Einstellungslänge hat großen Betrachter gehen der Überblick und
Einfluss auf die Atmosphäre eines die Möglichkeit zur Einordnung in die
Films. Längere Einstellungen bringen Umgebung verloren.

67
ƒƒ Groß (very close-up)
Sie sind mit der Kamera dicht am
Aufnahmeobjekt, ein Ausweichen ist
nicht mehr möglich.
ƒƒ Detail (extreme close-up)
Die Kamera ist so dicht wie möglich
am Objekt. Sie zeigt einen kleinen,
aber wichtigen Teil des Motivs.

Halbnah

Totale

Nah

Halbtotale

Groß

Amerikanische Einstellung

Detail

68
Videofilmen

Kameraschwenk
Ein langsamer Kame-
raschwenk erweitert
die Totale und gibt
dem Betrachter die
Zeit für einen Über-
blick über die Szene.

4.5.2 Kameraschwenk langsame panoramierende Schwenk


bietet dem Betrachter Orientierung
Beim Schwenk bewegt sich die Kamera und hinführende Wirkung.
und damit das Bild. Die Kamera bewegt ƒƒ Schneller Schwenk
sich um die horizontale oder vertikale Der schnelle Schwenk verbindet zwei
Achse und behält dabei ihre Position. Einstellungen räumlich miteinander,
Gleichmäßige und ruckfreie Kamera­ das stehende Anfangsbild und das
schwenks sind nur mit Stativ möglich. stehende Schlussbild sind die eigent-
Achten Sie darauf, dass die Dämpfung lichen Aussageträger.
richtig eingestellt ist. Als Richtlinie für ƒƒ Reißschwenk
die Geschwindigkeit gilt die Forderung, Die Kamera wird so schnell bewegt,
dass das Auge der Bewegung folgen dass keine Einzelheiten zu erkennen
kann. Schwenken Sie mit Überhang, sind. Der Reißschwenk schafft räum-
d. h., lassen Sie die Einstellung vor und liche und zeitliche Verbindungen. Er
nach dem Schwenk noch drei bis fünf hat häufig die Wirkung eines Über-
Sekunden stehen. Sie gewinnen damit blendeffekts.
mehr Spielraum für den Schnitt. ƒƒ Geführter Schwenk
Wir unterscheiden je nach Gestal- Die Kamera verfolgt die Bewegung ei-
tungs- und Aussagewunsch verschie- ner Person oder eines Gegenstandes.
dene Arten von Schwenks:
ƒƒ Langsamer Schwenk 4.5.3 Kamerafahrt
Diese Art Schwenk wirkt als erweiterte
Totale. Durch die Abfolge der Bilder Neben dem Schwenk ist die Kamera-
kann der Bildausschnitt des einzelnen fahrt die zweite Art der Bewegung
Bildes größer sein und somit mehr des Bildes durch die Bewegung der
zeigen als eine stehende Totale. Der Kamera. Die Kamera verändert bei der

69
Kamerafahrt, anders als beim Schwenk,
ihre Position und damit auch die Per-
spektive und den Bildausschnitt. Eine
Kamerafahrt kann grundsätzlich in alle
Raumrichtungen erfolgen. Aber auch
für Kamerafahrten gilt natürlich die
Forderung nach gleichmäßigen ruckel-
freien Bewegungen.
In professionellen Produktionen
kommt für eine Kamerafahrt ein spezi-
eller Kamerawagen, Dolly, zum Einsatz,
der auf Schienen bewegt wird. Alter-
nativ dazu kann aus einem fahrenden
Auto heraus gefilmt werden.
Bei langsamen Bewegungen können
Sie die „Fahrt“ durch einen „Gang“ er-
setzen. Ideal hierfür ist die Verwendung
einer sogenannten Steadicam (siehe
Seite 58), da hierdurch die bewegte
Kamera ruhig gehalten werden kann.
Da Sie sich während der Bewegung auf
die Aufnahme konzentrieren müssen,
brauchen Sie einen Assistenten, der Sie
notfalls vor Hindernissen warnt.

4.5.4 Zoomfahrt
Zoomobjektive sind heute bei allen Ka-
meras Standard. Sie können damit auf
einfache Weise durch die Veränderung
der Brennweite eine sogenannte Zoom-
fahrt machen. Im Gegensatz zur echten
Kamerafahrt ändert sich bei dieser Fahrt
die Brennweite. Der Kamerastandpunkt
und damit der Abstand zum Aufnahme-
objekt bleiben unverändert. Durch das
Zoomen verändert sich aber nicht nur
der Bildausschnitt, sondern es verän-
dern sich ebenfalls der Bildwinkel und
die Schärfentiefe.
Als gestalterisches filmisches Mittel
hat der Einsatz des Zooms vor allem
den Zweck, die Aufmerksamkeit des
Kamerafahrt Betrachter zu lenken. Die Zufahrt, d. h.
Die Kamera bewegt sich mit, der Bildausschnitt von der Totalen zur Nahaufnahme,
verändert sich (im Unterschied zur Zoomfahrt) nicht. bewirkt Zuwendung, die Rückfahrt, von

70
Videofilmen

Zoomfahrt
Bei einer Zoomfahrt
bleibt die Kamera in
Ruhe. Durch Verände-
rung der Brennweite
ändert sich der Bild-
ausschnitt. Dies ergibt
eine andere Wirkung
als bei einer „echten“
Kamerafahrt.

der Nahaufnahme zur Totalen, führt ist, kann zum Problem werden, wenn
vom Besonderen zum Allgemeinen. So sich das Motiv nicht in der Bildmitte
führen Sie beispielsweise eine Person befindet oder wenn die Kamera bewegt
durch eine Nahaufnahme ein und stel- wird. Im zweiten Fall misst der Autofo-
len sie dann durch das Zoom-out zur kus den Abstand ständig und regelt die
Totalen in den Gesamtzusammenhang Schärfe nach. Da diese Nachstellung
der Szene. nicht schnell genug erfolgt, wird dies in
der Aufnahme sichtbar.
4.5.5 Schärfe Für die genannten Fälle ist es
sinnvoll, dass Sie die Schärfe vor der
Jede Kamera besitzt einen sogenannten Aufnahme mittels Autofokus durch die
Autofokus. Dabei misst die Kamera mit Kamera einstellen und danach auf ma-
Hilfe von Sensoren den Abstand zum nuellen Fokus umstellen. Solange sich
Hauptmotiv in der Bildmitte und stellt der Abstand zum Motiv nicht ändert,
die Kamera auf dieses Motiv scharf. bleibt die Schärfe auch während einer
Was im Grunde eine nützliche Sache Bewegung erhalten.

Schärfeverlagerung
Durch eine (manuel-
le) Veränderung der
Schärfe lenken Sie
den Betrachter.

71
Die Veränderung der Schärfe, eine so- 4.5.6 Perspektive
genannte Schärfeverlagerung, können
Perspektive Sie aber auch als Gestaltungsmittel Ein wichtiges Gestaltungsmittel bei
Die Kameraperspek- einsetzen. Um diesen Effekt zu erzielen, Fotografie und Film ist die gewählte
tive beeinflusst die
Wahrnehmung des
stellen Sie die Kamera auf manuellen Kameraperspektive. Sie ergibt sich aus
Motivs: klein, hilflos, Fokus um und verändern die Schärfe der senkrechten Position der Kamera
neutral, erhaben, während der Aufnahme manuell. im Vergleich zum Motiv. Dies spielt v. a.
überlegen, mächtig … bei der Aufnahme von Menschen oder
Tieren eine Rolle. Um diese natürlich
und neutral wirken zu lassen, muss sich
die Kamera in Augenhöhe befinden
(Normalperspektive).
Befindet sich die Kamera deutlich
oberhalb des Motivs, spricht man von
einer Vogelperspektive. Das betrach-
tete Motiv wirkt klein und mickrig. Ein
typischer Anfängerfehler ist es, Kinder
oder kleine Tiere nicht aus der Hocke,
sondern aus der Vogelperspektive von
oben zu fotografieren oder zu filmen.
Das Gegenteil, also eine Kamera, die
von unten nach oben gerichtet ist, wird
als Froschperspektive bezeichnet. Diese
lässt das Motiv groß und (über)mächtig
erscheinen. Diese Wirkung kann durch-
aus erwünscht sein, wenn aber nicht,
dann müssen Sie die Froschperspektive
vermeiden.

4.5.7 Handlungsachse
Die Wahrnehmung und Interpreta­tion
einer Bewegung vor der Kamera orien-
tiert sich für den Betrachter immer an
der sogenannten Handlungsachse. Sie
ist eine gedachte Linie, an der sich die
Handlung oder auch nur die Blickrich-
tung entlang bewegt. Die Bewegung
des Objekts muss für den Zuschauer
immer logisch und nachvollziehbar
sein. Ein für den Betrachter unmoti-
viertes Überschreiten der Handlungs-
achse wird als Achsensprung bezeich-
net und kann vom Betrachter nicht oder
kaum nachvollzogen werden.

72
Videofilmen

Achsensprung
Beim Achsensprung
Achsensprung wird die Handlungs-
achse überquert. Ach-
sensprünge müssen
unbedingt vermieden
werden, weil sie
vom Zuschauer nicht
nachvollzogen werden
können.

Handlungsachse

kein Achsensprung

Der Achsensprung lässt sich am Bei- 4.5.8 Schuss und Gegenschuss


spiel eines bewegten Motivs, z. B. eines
Fahrzeugs, erklären. Im Beispiel bewegt Beim Einsatz des filmischen Gestal-
sich dieses von links nach rechts. Ein tungsmittels Schuss und Gegenschuss
Wechsel der Straßenseite führt zum wechseln Sie in jeder Einstellung
Achsensprung, weil die Handlungs- Standort und Blickrichtung der Kame-
achse überquert wird. Das Fahrzeug ra. Die Technik kommt typischerweise
bewegt sich jetzt scheinbar von rechts beim Filmen von Dialogen zum Einsatz.
nach links, und der Zuschauer hat das Dabei wird die erste Person von einer
Gefühl, dass das Fahrzeug zurückfährt. Kamera und die zweite Person von
Bei einem Dialog befindet sich die einer zweiten Kamera gefilmt. Damit es
Handlungsachse zwischen den Per- nicht zum Achsensprung kommt, müs-
sonen. Die Kamera muss sich immer sen sich beide Kameras auf derselben
auf einer Seite befinden. Seite befinden.

73
die Person dann einen Sprung machen
würde (Jump Cut). Planen Sie also
bereits während der Aufnahme einen
Zwischenschnitt ein, z. B. die Ansicht ei-
ner Kirchturmuhr oder eine Einstellung,
bei der die Kamera die Blickrichtung der
Person einnimmt.

Räumlicher Anschluss
Genau wie Zeitsprünge sind auch räum-
liche Sprünge unmöglich. Die Zuschau-
er werden nicht nachvollziehen, wenn
sich eine Person von einem Moment
zum anderen an einem unterschied-
lichen Ort befindet. Um diese Irritation
Schuss – Gegen- zu vermeiden, muss der Raumwechsel
schuss Falls Sie nur eine Kamera einsetzen, nachvollziehbar sein. So könnte eine
Bei Dialogen kommen können Sie die Szene auch zweimal Einstellung damit enden, dass die Per-
zwei Kameras zum
filmen, das erste Mal mit Blick auf die son einen Raum verlässt. Die nächste
Einsatz. Der Zuschau-
er hat das Gefühl, erste Person, das zweite Mal mit Blick Einstellung zeigt sie aus dem Auto
dass er als dritte Per- auf die zweite Person. Durch diesen aussteigend. Der Zuschauer geht nun
son daneben steht. „Trick“ gelingt es, dass beide Personen davon aus, dass die Person zwischen-
nicht einmal gleichzeitig anwesend sein zeitlich mit dem Auto gefahren ist.
müssen oder dass ein Schauspieler
beide Personen spielt. Logischer Anschluss
Bestimmt haben auch Sie sich schon
4.5.9 Anschlüsse einmal über unlogische Ereignisse in
Filmen gewundert: Der Protagonist
Die Aufgabe – und Kunst – des Film- altert nicht, obwohl die Handlung Jahre
schnitts ist eine durch den Betrachter später spielt. Verletzungen aus einem
nachvollziehbare Aneinandereihung Kampf sind urplötzlich wieder verheilt.
der Einstellungen. Die Verbindung Oder es wird bereits dunkel, obwohl
zweier Einstellungen bezeichnet man die Handlung am frühen Morgen spielt.
als Anschluss. Wir unterscheiden drei Derartige Fehler lassen sich nur durch
formale Anschlussarten in der Abfolge eine sorgfältige Planung samt Drehplan
der Einstellungen im Schnitt: vermeiden.

Zeitlicher Anschluss Anschlussfehler


Minutenlange Einstellungen will kein Für Hohn und Spott sorgen Anschluss-
Mensch sehen! Da Zeitabläufe mitunter fehler, die auch im professionellen
lange dauern können, beispielsweise Bereich immer wieder vorkommen.
wenn eine Person eine Straße entlang­ Dies können z. B. wechselnde Kleidung,
läuft, muss dieser (zu lange) Vorgang andere Frisuren, fehlende oder plötz-
beim Schneiden des Films gekürzt wer- lich auftauchende Requisiten sein. Auf
den. Natürlich können Sie nicht einfach YouTube finden Sie hierfür zahlreiche
einen Teil der Aufnahme weglassen, da (lustige) Beispiele.

74
4.6 Schnittsoftware Videofilmen

Wenn die Aufnahmen „im Kasten“ Postproduktion


sind, be­ginnt die als Postproduktion Das Diagramm zeigt
bezeichnete Nachbearbeitung der Clips: Aufnahme die typischen Auf-
gaben, die nach der
Schnitt, Vertonung, Titel, Rendering …
Aufnahme mit Hilfe
Nicht zuletzt wegen der großen einer Schnittsoftware
Anzahl an Hobbyfilmern und der immer erledigt werden.
besser werdenden Kameras steht Ihnen Roh-/Grobschnitt
auch bei den Videoschnittprogrammen
eine große Auswahl von leistungs-
fähiger Freeware bis zu ausgereiften
Feinschnitt
Profiprogrammen zur Verfügung.
Wie bei der Software zur Audiobear-
beitung (siehe Seite 22) haben wir Ih-
nen in der Tabelle Software zusammen- Überblendungen/Effekte
gestellt, die sich so im Bereich um die
100 Euro bewegt. Wenn Sie sich noch
nicht sicher sind, ob Ihnen das Video-
filmen Spaß macht, lohnt es sich nicht, Titel (Vor-/Abspann)
viel Geld für eine Software auszugeben,
die dann nicht benutzt wird. Starten Sie
zunächst mit einer Freeware.
Apple-Usern steht mit iMovie ein Vertonung
mächtiges und darüber hinaus kosten-
loses Tool zur Verfügung. iMovie ist
auch als App sehr beliebt und ermög­ Rendering
licht Videoschnitt mit dem Tablet. Auch
die kostenfreien Programme DaVinci
Resolve, Lightworks oder Shotcut bie-
ten einen großen Funktionsumfang und Videodatei
sind dennoch kostenfrei.
Für die Tutorials auf den nächsten
Software
Seiten haben wir uns für ­Adobe Premie-
In der Tabelle finden
re Pro CC entschieden, das sich hin- 20 Euro/Monat (Stand: 2018). Ohne Abo Sie kostenlose oder
sichtlich des Preises von den anderen bietet Adobe mit Premiere Elements kostengünstige Pro­
Programmen unterscheidet. Der Grund eine Alternative zu Pro CC. gramme zur Video­
hierfür ist, dass dieses Buch Teil der bearbeitung.
Buchreihe „Bibliothek der Medienge- Name Anbieter Mac Win Preis (ca.)
staltung“ ist und Medienschaffende DaVinci Resolve Blackmagicdesign • • –
überwiegend mit den Adobe-Program- iMovie Apple • –
men Photoshop CC, Illustrator CC, Lightworks EditShare • • –
InDesign CC arbeiten. Wenn Sie ohne­ Powerdirector Cyberlink • • 60,–
hin über eine Creative-Cloud-­Lizenz Premiere Elements Adobe • • 100,–
(CC) verfügen, ist Adobe Premiere Pro Premiere Pro CC Adobe • • 20,– / Monat
1

CC dabei. Die Lizenz für das gesamte Video Deluxe Magix • • 70,–
Adobe-CC-Paket kostet für Studenten, Shotcut Open Source • • –
Schüler oder Lehrer derzeit rund 1) Der Preis bezieht sich auf eine Adobe-CC-Lizenz für Studenten, Schüler oder Lehrer.

75
4.7 Videobearbeitung mit Premiere Pro CC

4.7.1 Projekt anlegen dies eine ganze Weile. Im nächs­ten


Schritt kopieren Sie die Videoclips vom
Für dieses Tutorial gehen wir davon aus, Cloudspeicher auf Ihren Computer. Nun
dass Sie die Aufnahmen für Ihr Video- kann es losgehen!
projekt bereits „im Kasten“ bzw. auf der
Speicherkarte Ihrer Kamera haben. Making of …
Entnehmen Sie die Speicherkarte der
Kamera und stecken Sie sie in das Kar- 1 Starten Sie Adobe Premiere Pro CC.
tenlesegerät Ihres Computers. Kopieren und wählen Sie Neues Projekt…
Sie die Videoclips in einen zuvor neu
angelegten Projektordner. (Sollte Ihr 2 Vergeben Sie dem Projekt einen Na-
Computer über keinen Slot für Spei- men A und legen Sie den Speicher-
cherkarten verfügen, können Sie für ort B fest.
wenige Euro ein externes Kartenlese­
gerät erwerben.) 3 Wählen Sie – falls verfügbar – einen
Falls Sie mit einem Smartphone Renderer mit GPU-Beschleunigung
gefilmt haben, dessen Karte nicht ent- C aus. Hierdurch wird die spätere
nommen werden kann, können Sie die Berechnung des Videos durch den
Dateien per WLAN in einen Cloudspei- Grafikprozessor (GPU) unterstützt
cher hochladen oder via USB auf den und der Vorgang damit schneller.
Rechner übertragen. Je nach Länge der
Clips und Internetanbindung dauert 4 Die anderen Einstellung können Sie
belassen. Schließen Sie mit OK ab.

4.7.2 Clips importieren


A
B Im ersten Schritt importieren Sie im
Projektfenster links unten alle Video-
und eventuell Audioclips, die Sie für Ihr
C Projekt benötigen.

Making of …

1 Klicken Sie links unten auf Media-


Browser D.

2 Öffnen Sie im linken Bereich den


Ordner E, in den Sie die Clips
­kopiert haben.

3 Um eine Vorschau zu erhalten,


können Sie von Listenansicht F
auf Miniaturansicht G umschalten.
Markieren Sie nun mit gedrückter
Shift-Taste alle Dateien, die Sie
importieren möchten.

76
Videofilmen

O P
J
K L M

H D

F G

4 Machen Sie einen Rechtsklick und 3 Bewegen Sie den blauen Abspiel-
wählen Sie Importieren. kopf J an die Stelle, an der die
Einstellung beginnen soll. Setzen
5 Kehren Sie zur Projektansicht H Sie durch Drücken der Taste I oder
zurück. durch Anklicken des Icons K einen
sogenannten In-Point.
6 Zwischenspeichern Sie Ihr Projekt.
4 Bewegen Sie den blauen Abspiel-
4.7.3 Rohschnitt kopf nun an die Stelle, an der die
Einstellung enden soll. Setzen Sie
Beim Roh- oder Grobschnitt werden durch Drücken der Taste O oder
die Clips auf ihre ungefähre Länge durch Anklicken des Icons L einen
geschnitten und in der gewünschten Out-Point.
Reihenfolge im Schnittfenster platziert.
5 Klicken Sie auf Icon M, um den
Making of … durch In- und Out-Point geschnit-
tenen Clip ins Schnittfenster N zu
1 Prüfen Sie, ob das Fenster links übertragen. Soll nur das Video ohne
oben auf Quelle I steht. Ton verwendet werden, ziehen Sie
Icon O mit gedrückter Maustaste ins
2 Ziehen Sie nun den ersten Clip mit Schnittfenster. Umgekehrt können
gedrückter Maustaste aus dem Pro- Sie Icon P ins Schnittfenster ziehen,
jektfenster auf den Quellmonitor. um nur den Ton zu verwenden.

77
B C D

E
H G F A
I

6 Wiederholen Sie die Schritte 2 bis Falls Ihr Clip auch eine Audiospur
5 für alle weiteren Clips. Beachten hat, sollte Werkzeug F aktiviert sein,
Sie dabei die Position des Abspiel- damit Bild und Ton verschoben
kopfes A, da neue Clips aus der werden. Das Ausrichten-Werkzeug
Quelle an dessen Position einge- G verhindert (ungewollte) Lücken
fügt werden. Um einen Clip an den zwischen den Clips.
bestehenden anzufügen, muss sich
der Abspielkopf am Ende befinden. 10 Wenn Sie alle Clips rechts des
Abspielskopfes markieren möch-
7 Befindet sich der Abspielkopf auf ten, klicken Sie auf Werkzeug H. Sie
einem Clip, dann gibt es zwei Mög- können die Clips dann verschieben,
lichkeiten: Icon B schneidet den Clip um in die Lücke einen anderen Clip
und fügt den neuen Clip ein. Icon C einzufügen. Analog können Sie mit
überschreibt den Clip. Werkzeug I alle Clips links des Ab-
spielkopfes markieren und danach
8 Den Rohschnitt Ihres Films können verschieben.
Sie jederzeit anschauen (Leertaste
oder Icon D). 11 Auch wenn Sie im Menü Bearbeiten
> Voreinstellungen > Automatisch
9 Um die Reihenfolge der Clips zu speichern … einstellen können, dass
ändern, wählen Sie das Auswahl- Premiere Pro CC alle paar Minuten
werkzeug E. Nun können Sie einen speichert, sollten Sie dennoch im-
Clip anklicken und verschieben. mer wieder selbst speichern.

78
Videofilmen

4.7.4 Feinschnitt monitor werden aktuell nicht benö-


tigt und können verkleinert werden.
Nach dem Grobschnitt befinden sich die
Clips in der gewünschten Reihenfolge 2 Eine zweite Möglichkeit besteht
und ungefähren Länge hintereinander darin, den Programmmonitor als
im Schnittfenster. sepa­rates Fenster anzuzeigen. Kli-
Für das „Feintuning“ stellt Premie- cken Sie hierzu auf die drei Striche
re Pro CC eine Reihe von Werkzeugen A und danach auf Fenster abdo-
zur Verfügung, die wir im Folgenden cken. Nun können Sie das Schnitt-
kurz beschreiben. Die Grafik auf der fenster noch größer darstellen.
nächsten Seite soll dabei helfen, die (Um dies rückgängig zu machen,
Unterschiede der Werkzeuge zu verste- ziehen Sie das Fenster mit gedrück-
hen. Bevor Sie diese in Ruhe auspro- ter Maustaste an den alten Platz
bieren, empfiehlt es sich, zunächst die zurück.)
Benutzer­oberfläche anzupassen.
3 Vergrößern Sie die Höhe der Video-
Making of … und Audiospur durch Ziehen der
Ringe B. Zoomen im Schnittfenster
1 Verschieben Sie die Linien zwischen erfolgt durch Ziehen der Ringe C.
den Fenstern so, dass das Schnitt-
fenster und der Programmmonitor 4 Probieren Sie nun die auf der
möglichst groß dargestellt werden. nächs­ten Seite beschriebenen
Das Projektfenster und der Quell- Schnittwerkzeuge aus.

79
Auswahlwerkzeug A Schnittkante verschieben (Ripple) E
A Das wichtige Auswahlwerkzeug hat drei Verschieben Sie mit gedrückter Maus-
Funktionen: taste die Schnittkante des rechten
ƒƒ Ein Mausklick auf einen Clip wählt Clips nach rechts, dann wird der Clip
diesen aus. Mit gedrückter Shift-Taste entsprechend gekürzt (In-Point wird
können Sie mehrere Clips auswählen. verschoben). Der Clip bleibt aber mit
E ƒƒ Mit gedrückter Maustaste kann der dem anderen verbunden, so dass nach
Clip nach links oder rechts verscho- Loslassen der Maustaste der Clip nach
B ben werden. Im Schnittfenster ent- links rutscht.
steht eine Lücke.
G
ƒƒ Um einen Clip zu verlängern oder zu Rasierklinge F
F kürzen, verschieben Sie die Clipkante Das Icon ist selbsterklärend: Mit der
mit gedrückter Maustaste nach links Rasierklinke können Sie an jeder
D oder rechts. Hierdurch verschieben beliebigen Stelle im Clip einen Schnitt
Sie den In- bzw. Out-Point. Im Schnitt- machen und den Clip hierdurch teilen.
C
fenster entsteht eine Lücke. Danach kann jeder Teil mit dem Aus-
wahlwerkzeug separat angeklickt und
Rollen B z. B. gelöscht werden.
Rollen bezeichnet das Verschieben der
Schnittkante zwischen zwei Clips, ohne Geschwindigkeit ändern G
dass eine Lücke entsteht. Bewegen Sie Wenn Sie einen Clip mit diesem
den rechten Clip mit gedrückter Maus- Werkzeug verlängern, dann läuft der
taste nach rechts, verlängert sich der Clip im Anschluss langsamer ab. Dies
linke Clip und der rechte wird gekürzt. erscheint zunächst widersprüchlich, hat
Die Gesamtdauer (beider Clips zusam- aber den Grund, dass durch die Verlän-
men) bleibt erhalten. gerung mehr Bilder erzeugt werden.
Umgekehrt bewirkt eine Verschie- Da die Abspielgeschwindigkeit immer
bung nach links die Verkürzung des gleich bleibt, dauert das Abspielen in
linken und Verlängerung des rechten diesem Fall länger (Slow Motion). Den
Clips. gegenteiligen Effekt erhalten Sie durch
Verkürzen des Clips (Zeitraffer).
Clip verschieben (Slide) C Ein Icon (fx) auf dem Clip zeigt an,
Verschieben Sie den rechten Clip mit dass die Geschwindigkeit geändert wur-
gedrückter Maustaste nach rechts, so de. Nach Rechtsklick auf den Clip und
verlängert sich der linke Clip. Im Unter- Auswahl von Geschwindigkeit/Dauer
schied zum Auswahlwerkzeug entsteht können Sie die Geschwindigkeit wieder
also keine Lücke. auf 100 % zurücksetzen.
Verschieben Sie den rechten Clip
nach links, verkürzt sich hierdurch der Lücke entfernen
linke Clip. Um im Schnittfenster eine Lücke zu ent-
fernen, müssten Sie alle nachfolgenden
Clipinhalt verschieben (Slip) D Clips nach links verschieben. Dies geht
Beim Slip verschieben Sie den In- und einfacher, indem Sie einen Rechtsklick
Out-Point im Clip, ohne dass sich hier- auf die Lücke machen und Löschen und
bei die Dauer des Clips verändert. Lücke schließen wählen.

80
Videofilmen

Schnitttechniken
Clip 1 In Out Die Grafik stellt die
unterschiedlichen
Schnitttechniken sche-
matisch dar.
Mit dem Buchsta-
ben in Klammer lässt
Clip 2 In Out
sich das Werkzeug
(ohne Mausklick)
auswählen.

Clip 1 und 2

Auswahlwerkzeug (V)

Rollen (N)

Clip verschieben - Slide (U)

Clipinhalt verschieben - Slip (Y)

Schnittkante verschieben - Ripple (B)

Rasierklinge (C)

Geschwindigkeit ändern (R)

81
4.7.5 Timecode 4.7.6 Überblendungen
Vielleicht ist Ihnen im Schnittfenster die Bisher haben wir die einzelnen Clips
Anzeige der Position des Abspielkopfes unseres Films übergangslos aneinan-
aufgefallen, die von einer normalen Uhr dergereiht. Dies bezeichnet man als
abweicht. Um die Synchronisation der harten Schnitt und dies ist in 99 % aller
verschiedenen Video- und Audiospuren Schnitte auch die richtige Wahl.
zu ermöglichen, ist eine exakte Steue- Manchmal jedoch kann es erwünscht
rung des zeitlichen Ablaufs eines Videos sein, dass ein Übergang „weich“ er-
notwendig. Zu diesem Zweck wurde ein folgt, also der erste Clip aus- und der
Zeitstandard namens SMPTE-Timecode nächste eingeblendet wird. Diese visu-
(Society of Motion Picture and Televi- elle Unterbrechung des Films ist immer
sion Engineers) geschaffen. Hierbei dann richtig, wenn auch die ­Story des
wird jedem einzelnen Bild des Videos Films (gedanklich) unterbrochen wer-
(Frame) eine exakte Zeit zugeordnet: den soll, z. B. um einen Zeitsprung oder
Die Angabe 00:01:08:17 besagt, einen Ortswechsel darzustellen. Ein
dass sich der Abspielkopf aktuell an der weiteres Beispiel ist das Abblenden auf
Position 0 Stunden, 1 Minute, 8 Sekun- Schwarz am Ende eines Films.
den auf Bild 17 befindet. Die kleinste
Zeiteinheit eines Videos ist das einzelne Making of …
Bild. Handelt es sich um ein Video mit
25 Vollbildern pro Sekunde, so besitzt 1 Klappen Sie die Effekte A auf. (Wäh-
das Einzelbild eine Dauer von 1/25 oder len Sie im Menü Fenster > Effekte,
0,04 Sekunden oder 40 Millisekunden. falls diese nicht sichtbar sind.)

C
A

D B
F

82
Videofilmen

2 Wählen Sie Videoüberblendung > 4.7.7 Titel


Blende > Weiche Blende B aus und
ziehen Sie den Effekt mit gedrück- Premiere Pro CC besitzt einen umfang-
ter Maustaste auf die Schnittkante reichen „Titel-Designer“, mit dem Sie in
zwischen zwei Clips. Ihrem Film an beliebigen Stellen Text
einblenden können, z. B. um einen Vor-
3 Beim Abspielen des Films sehen oder Abspann zu erstellen.
Sie nun bereits den weichen Über-
gang C. Titel – Making of …

4 Die Dauer des Übergangs können 1 Wählen Sie im Menü Titel > Neuer
Sie direkt im Schnittfenster ver- Titel > Standardtitel … und verge-
ändern, indem Sie den Rand des ben Sie dem Titel einen Namen.
Übergangs D nach links oder rechts
ziehen. 2 Öffnen Sie das Fenster Titelwerk-
zeuge. Wählen Sie das Textwerk-
5 Falls Sie noch genauere Einstel- zeug G und klicken Sie in das
lungen vornehmen möchten, öffnen Titelfenster. Geben Sie den ge-
Sie oben links die Effekteinstel- wünschten Text ein.
lungen E.
3 Zur Formatierung des Textes
6 Blenden Sie Ihren Film mit der (Schriftart, -größe, -farbe) haben
Blende Übergang zu Schwarz F am Sie drei Möglichkeiten: Direkt im
Filmende aus. Titel-Designer H, im Fenster Titel­

83
eigenschaften A oder im Fenster Der Filmabspann bewegt sich üblicher-
Titelstile B. weise von unten nach oben (Rolltitel).
Im Unterschied dazu spricht man vom
4 Um den Text mit einer farbigen Flä- Kriechtitel, wenn sich der Text von
che zu hinterlegen, klicken Sie auf rechts nach links bewegt.
das Rechteck-Werkzeug C. Ziehen
Sie den Rahmen in der gewünsch- Rolltitel – Making of …
ten Größe auf und platzieren Sie
ihn. Wählen Sie im Menü Titel > 1 Erstellen Sie den Titel Ihres Filmab-
Anordnen > In den Hintergrund, spanns wie eben beschrieben.
um den Rahmen hinter den Text zu
verschieben. 2 Platzieren Sie den Abspann nach
dem letzten Clip ans Ende des Films
5 Wenn der Titel erstellt ist, muss er in Videospur V1.
im Film platziert werden. Verschie-
ben Sie hierzu den Abspielkopf an 3 Wählen Sie im Menü Titel > Roll-
die gewünschte Stelle, z. B. an den titeloptionen … und setzen Sie die
Anfang des Films. Falls das Video Häkchen bei In Bildschirm hinein
nicht sichtbar ist, blenden Sie es mit und bei Aus Bildschirm heraus.
Icon D ein.
4 Passen Sie die Länge und damit die
6 Ziehen Sie den Titel aus dem Pro- Geschwindigkeit des Abspanns an.
jektfenster E in die Videospur V2 F. Je länger der Clip ist, umso lang-
Passen Sie die Länge des Titels an. samer bewegt sich der Text.

A
B

F
E

84
Videofilmen

4.7.8 Vertonung der Schieberegler (Fader) können


Sie die Lautstärke des O-Tons
Auf Seite 64 haben Sie Möglichkeiten (Audio1) C mit der Lautstärke der
der Vertonung eines Films kennenge- Musik (Audio 2) D abmischen. Mit
lernt: Es kann sich um O-Ton, Atmo, dem Master E pegeln Sie die Ge-
Musik oder Effektgeräusche handeln. In samtlautstärke ein.
diesem Tutorial mischen wir den O-Ton
mit einer hinzugefügten Musik ab. Bitte 4 Das „Feintuning“ innerhalb der Au-
achten Sie bei Musik darauf, dass Sie dioclips erfolgt mit Hilfe von Key-
lizenzfreie Werke nehmen. Im Internet frames. Um die Musik zu Beginn
werden Sie fündig, z. B. unter www. einzublenden, bewegen Sie den
medienpaedagogik-praxis.de. Abspielkopf an den Anfang. Klicken
Sie auf Icon F, um ein Keyframe
Making of … zu setzen. Positionieren Sie etwas
weiter rechts ein zweites Keyframe.
1 Importieren Sie im Menü Datei > Verschieben Sie nun das linke Key-
Importieren eine Musikdatei. frame nach unten (= leise) und das
rechts oben (= laut) G.
2 Ziehen Sie die Musikdatei aus dem
Projektfenster in die Audiospur A2 5 Falls Sie schon mit Adobe Audi­tion
A des Schnittfensters. CC gearbeitet haben (siehe Seite
23), können Sie die Clips dort nach-
3 Rufen Sie im Menü Fenster den bearbeiten (Menü Bearbeiten > In
Audiospur-Mischer B auf. Mit Hilfe Adobe Audition bearbeiten > Clip).

C D E

G
A F

85
A
B

4.7.9 Rendering besprochen. Premiere Pro CC macht


es Ihnen aber leicht, weil unter
Unter Rendering wird die Berechnung Vorgaben B eine große Liste an
der Videodatei verstanden. In Abhän- möglichen Zielorten für Ihr Video
gigkeit von der Länge des Films, der angegeben ist, z. B. YouTube, Twitter
Anzahl an Spuren, Effekten, Übergän- oder Facebook.
gen und Audioclips sowie der Rechen-
power Ihres Computers kann dieser 4 Vergeben Sie den gewünschten
Vorgang ziemlich lange dauern. Dateinamen C und achten Sie
darauf, dass die Häkchen bei Video
Making of … exportieren und Audio exportieren
gesetzt sind.
1 Wählen Sie im Menü Datei > Expor-
tieren > Medien… 5 Schließen Sie mit Exportieren D
ab – und freuen Sie sich auf Ihren
2 Wählen Sie das Ausgabeformat. Videofilm.
Für aktuelle Projekte ist H.264 A die
richtige Wahl sein. Als Nachfolger
steht H.265 bereit.

3 Die Kennwerte für das technische


Setting haben wir in Kapitel 3

86
4.8 Aufgaben Videofilmen

1 Kennwerte einer Kamera kennen b. Je größer die Blende (Blendenzahl)


ist, umso
Zählen Sie fünf Kennwerte einer Kame-
ra auf.
(kleiner/größer) ist die Schärfentiefe.
1. c. Je größer die Blende (Blendenzahl)
ist, umso
2.

3. (kleiner/größer) ist die Blendenöff-


nung.
4. d. Je größer die Brennweite ist, umso
5.
(kleiner/größer) ist die Schärfentiefe.
2 Objektive unterscheiden
4 Kamera auswählen
a. Ein Objektiv hat eine Brennweite von
80 mm. Um welchen Objektivtyp Videofilmen können Sie mit:
handelt es sich? a. Camcorder
b. Digitalkamera
c. Smartphone
b. Geben Sie die typische Brennweite Nennen Sie für jedes Gerät zwei
eines Normalobjektivs an. Vorteile.
a.
c. Erklären Sie den Unterschied
zwischen optischem und digitalem
Zoom.
b.

c.

5 Drei-Punkt-Ausleuchtung kennen
3 Kameraeinstellungen verstehen
a. Nennen Sie die Bezeichnung der
Vervollständigen Sie den Satz. drei Leuchten bei der Drei-Punkt-
a. Je größer die Brennweite ist, umso Ausleuchtung.
1.
(kleiner/größer) ist der Bildwinkel.

87
2. b. Nennen Sie zwei Maßnahmen, um
die Qualität des O-Tones zu verbes-
3. sern.
b. Zeichnen Sie die Position der Leuch-
ten in die Grafik ein.
1.

2.

8 Videofilm konzipieren

Definieren Sie:
a. Exposé

b. Treatment

Kamera

6 Weißabgleich verstehen
c. Drehplan
Erklären Sie die Funktion eines Weißab-
gleichs.

9 Einstellungen kennen

Nennen Sie die Funktion/Wirkung fol-


gender Einstellungen.
7 Ton aufnehmen a. Totale

a. Erklären Sie den Begriff O-Ton.

b. Halbnah

88
Videofilmen

c. Detail

10 Einstellungen kennen

Geben Sie jeweils die Einstellung an.


d.

a. e.

11 Kamerabewegung unterscheiden

a. Erklären Sie den Unterschied zwi-


schen einer Kamerafahrt und einer
Zoomfahrt.
Kamerafahrt:

b.

Zoomfahrt:

b. Nennen Sie jeweils einen Vorteil.


Vorteil Kamerafahrt:

c.

89
Vorteil Zoomfahrt:
14 Überblendung verstehen

a. Begründen Sie, weshalb bei Filmen


mit „harten“ Schnitten, also ohne
12 Anschlussfehler kennen Überblendung gearbeitet wird.

a. Erklären Sie den Begriff Anschluss-


fehler.

b. Zählen Sie drei Beispiele für An-


schlussfehler auf. b. Geben Sie ein Beispiel dafür, in
welchem Fall eine Überblendung
1. sinnvoll ist.
2.

3.

13 Timecode kennen

a. Wo befindet sich der Abspielkopf,


wenn der Timecode 01:25:13:12
beträgt? 15 Parameter für Rendering kennen
Stunde: Ein Film wird mit folgenden Parametern
gerendert:
Minute: ƒƒ H.264
ƒƒ HD 1080
Sekunde: ƒƒ 25p
Erklären Sie die Bedeutung:
Bild:
b. Begründen Sie, weshalb die Position
H.264:
nicht einfach durch Stunde, Minute
und Sekunde angegeben wird.
HD 1080:

25p:

90
5.1 Lösungen
5 Anhang

5.1.1 Audiotechnik 4 Shannon-Theorem kennen

1 Grundbegriffe der Audiotechnik a. Die Abtastfrequenz muss doppelt so


kennen hoch sein wie die höchste Signalfre-
quenz.
b. 20 kHz · 2 = 40 kHz
Grundlagen der Audiotechnik w f c. Obertöne besitzen deutlich höhere
Die Frequenz ist ein Maß für die Höhe x Frequenzen als 20 kHz.
eines Tones.
Der Hörbereich des Menschen liegt x
zwischen 20 Hz und 20 kHz. 5 Kennwerte digitalen Sounds ver­
stehen
Der Frequenzbereich unterhalb von x
20 Hz wird als Ultraschall bezeichnet.
a. Die Abtastfrequenz ist die Anzahl an
Ein hoher Ton besitzt eine niedere Fre- x Messwerten pro Sekunde.
quenz, ein tiefer Ton eine hohe Frequenz.
Einheit: Hertz (Hz bzw. kHz)
Die Amplitude einer Schwingung ist ein x b. Die Abtastfequenz muss doppelt so
Maß für die Stärke des Tones.
hoch sein wie die höchste Signalfre-
Unser Ohr bzw. Gehirn „arbeitet“ x quenz.
logarithmisch.
c. Die Abtasttiefe ist die Anzahl an
Klänge bestehen aus einem Grundton x Speicherplätzen, die zur Speicherung
plus Obertönen.
eines Abtastwerts genutzt werden.
Obertöne über 20 kHz werden nicht x Einheit: Bit
wahrgenommen.
d. Abtastfrequenz: 44,1 kHz, 96 kHz
Geräusche bestehen immer aus einem x Abtasttiefe: 16 Bit, 24 Bit
Frequenzgemisch.
Die drei Gehörknöchel heißen Meisel, x
Amboss und Steigbügel. 6 Datenmenge von Sound berechnen

a. D = 44.100 Hz·16 Bit · 2· 30· 60 s
2 Ton, Klang, Geräusch unterscheiden = 2.540.160.000  Bit |: 8
= 317.520.000  B |: 1.024 
a. Ein Ton ist immer eine sinusförmige = 310.078  KB |: 1.024 
Schwingung mit einer einzigen = 302,8  MB
Frequenz. b. 100 % - 85 % = 15 % = 0,15
b. Ein Klang setzt sich aus Grund- und 302,8  MB·0,15 = 45,4  MB
Obertönen zusammen, die sich addi-
tiv überlagern. 7 Datenrate von Sound berechnen
c. Bei Geräuschen handelt es sich um
Frequenzgemische ohne ganzzah- a. D = 3,8  MB |· 8
ligen Zusammenhang. = 30,4  MBit |· 1.024
= 31.130  kBit |· 1.024
3 Logarithmische Pegel verstehen = 31.876.710  Bit
b. D = 31.876.710  Bit
a. Unser Ohr hört ebenfalls logarith- t = 180  s
misch und nicht linear. d = 31.876.710  Bit/180  s
b. 20 log (10) = 20 dB = 177.093 Bit/s
c. 20 log (0,01) = – 40 dB = 177,1 kBit/s

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2018


P. Bühler, P. Schlaich, D. Sinner, AV-Medien, Bibliothek der Mediengestaltung,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54605-5
Anhang

c. d = 1  M Bit/s·0,65
= 0,65 MBit/s
= 650  kBit/s
> 177,1 kBit/s
Die Datenrate der Internetanbindung
ist deutlich höher als die des Sounds.
Eine Übertragung ist deshalb mög-
lich.

8 Audioformate kennen

a. WAV, AIF(F)
b. FLAC, Apple Lossless
c. MP3, AAC

9 MP3 kennen

a. Prinzip: Alle Frequenzen, die nicht


hörbar sind, werden entfernt (Mas-
kierung). 2 Steckerbezeichnungen kennen
b. 192  kBit/s = 0,192  MBit/s
0,192  MBit/s / 1,4  MBit/s a. A: Cinch
= 0,14 = 14 % B: Klinke
100 %  - 14 % = 86 % C: XLR
D: Speakon
10 Sounddatei erstellen b. A: Audiogeräte, Lautsprecher
B: Kopfhörer, Instrumente,
a. 44,1 kHz (44.100 Hz) Lautsprecher
b. 2 (Stereo) C: Mikrofone, Lautsprecher
c. 16 Bit D: Lautsprecher

5.1.2 Homerecording 3 Sprecherkabine einrichten

1 Komponenten eines Homerecording- a. Schallreflexionen verfälschen die


Studios anschließen Aufnahme und können in der Nach-
bearbeitung kaum mehr entfernt
Sämtliche analogen Geräte werden mit werden.
dem Audio-Interface verbunden. Zwi- b. Boden: Teppichboden
schen Audio-Interface und Computer Wände/Decke: Polyurethan-Weich-
wird (meistens über USB) eine digitale schaummatten
Verbindung hergestellt (siehe Grafik Tür: möglichst doppelwandig, mit
rechts oben). Weichschaummatte verkleidet
Fenster: zwei schrägstehende Schei-
ben, die oben und unten unter-
schiedlich weit auseinander sind.

93
4 Rückkopplung vermeiden 5.1.3 Videotechnik
a. Schriller Pfeiffton, der entstehen 1 Video-Kennwerte verstehen
kann, wenn Schall aus dem Lautspre-
cher auf das Mikrofon trifft. a. 720: Bildhöhe beträgt 720 Pixel
b. Lautsprechermembran kann platzen, 50i: 50 Halbbilder/s
Trommelfell kann platzen. (Interlaced Mode)
c. Mikrofone müssen hinter den Laut- b. 1.080: Bildhöhe beträgt 1.080 Pixel
sprechern platziert werden. 25p: 25 Vollbilder/s
(Progressive Mode)
5 Übersteuerung vermeiden c. Full HD erfordert eine Bildhöhe von
1.080 Pixel, also Auswahl b.
a. Übersteuerung führt zu hörbaren
Störungen in der Aufnahme. 2 Fernsehstandards kennen
b. 1. Abstand zum Mikrofon vergrößern.
2. Pegel am Mikrofoneingang redu- a. UHD = Ultra High Definition mit einer
zieren Auflösung von 3.840 · 2.160 px (4K)
oder sogar 7.680 · 4.320 px (8K)
6 Aufnahmen im Freien b. Derzeit wird noch nicht in UHD
gesendet. (Es gibt allerdings UHD-
a. Das Mikrofon hat keine hohe Quali- Filme auf Blu-ray-Disc.)
tät. Es nimmt aus allen Richtungen
und damit auch Störgeräusche auf. 3 Mit Seitenverhältnissen rechnen
b. 1. Ansteckmikrofon verwenden.
2. Windschutz (DeadCat) verwenden. a. 800 px · 9 /16 = 450 px
b. 800 px · 9 /21 = 342 px
7 Audiodatei erstellen
4 Farbunterabtastung verstehen
a. Abtastrate:
48 kHz (44,1 kHz) a. Unser Auge erkennt Helligkeitsunter-
b. Abtasttiefe: schiede besser als Farbunterschiede.
24 Bit (16 Bit) b. Von je 4 Pixeln werden alle Hellig-
c. Kanäle: keiten (Y), aber nur je eine Farbe (Cb,
Stereo Cr) gespeichert.
c. 4 : 4 : 4 = 4 + 4 + 4 = 12 Byte
8 Audiofilter anwenden 4 : 1 : 1 = 4 + 1 + 1 = 6 Byte
Reduktion um 50 %
a. Normalisieren erhöht die Lautstärke
ohne Übersteuerung. 5 Datenmenge berechnen
b. De-Esser entfernt S-Laute aus
Sprach- oder Gesangsaufnahmen. a. 25 MBit/s · 30 · 60 s 
c. Equalizer ermöglicht die Verstärkung =  45.000 MBit |· 1.000
oder Reduktion bestimmter Fre- = 45.000.000 kBit |· 1.000
quenzen. = 45.000.000.000 Bit |: 8
= 5.625.000.000 Byte |: 1.024
= 5.493.164 KB |: 1.024

94
Anhang

= 5.364,4 MB |: 1.024 c. B-Frames: Interpolation aus vorhe-


= 5,245 GB rigem und nachfolgendem Bild
b. 25 MBit/s : 8 MBit/s = 3,125
11 Videoübertragung im Internet
6 Datenstrom berechnen ­kennen

a. 50 · 1.920 ·1.080 ·24 Bit a. Streaming:


= 2.488.320.000 Bit/s Übertragung von Livesendungen
= 2.488.320 kBit/s Progressive Download:
= 2.488 MBit/s Abspielen des Videos während der
b. 2.488 MBit/s : 8 MBit/s Übertragung ist möglich.
311 : 1 b. Streaming:
Livesendungen, Videokonferenzen
7 Videokompression verstehen Progressive Download:
Video-on-Demand, Videoportale
a. Bei räumlicher Kompression wird
jedes Einzelbild für sich komprimiert. 12 Tonformate kennen
b. Bei zeitlicher Kompression werden
die Veränderungen bei Bildfolgen Hinweis: Der Subwoofer kann überall
komprimiert. platziert werden.

8 Fachbegriffe der Videokompression


erklären

a. Video-Codec:
Kompressionsalgorithmus zur Re-
duktion der Datenmenge
b. Bildrate:
Bildanzahl pro Sekunde [Bps]
c. Daten- oder Bitrate:
Datenmenge pro Sekunde, z.B. kBit/s
d. Containerformat:
Dateiformat zur Einbettung von Au-
dio, Video und Metainformationen

9 Containerformate kennen

a. MPEG-2, MPEG-4
b. .mpg (.mpeg, .m2v), .mp4

10 MPEG-Kompression erklären

a. I-Frames: Bildinformationen des


gesamten Bildes.
b. P-Frames: Änderungen zum vorhe-
rigen Bild

95
5.1.4 Videofilmen c. Smartphone
ƒƒ immer dabei
1 Kennwerte einer Kamera kennen ƒƒ „Action“-Aufnahmen z.B. beim
Sport möglich
1. Kameratyp (Camcorder, DSLR…)
2. Bildsensor (Art, Pixelanzahl) 5 Drei-Punkt-Ausleuchtung kennen
3. Objektiv (Art, Brennweite, Licht­
stärke) a. 1. Führungslicht (Key Light)
4. Speicherkarte 2. Aufheller (Fill Light)
5. Display (Auflösung, Größe) 3. Gegenlicht (Back Light)
6. Anschlüsse b. Grafik auf Seite 62
7. Mikrofon
6 Weißabgleich verstehen
2 Objektive unterscheiden
Kameraelektronik passt die Farbtempe-
a. Teleobjektiv ratur an das vorhandene Licht an.
b. 50 mm
c. Optisch: Zoomen erfolgt durch 7 Ton aufnehmen
­Linsensystem
Digital: Zoomen erfolgt durch Bildbe- a. Originalton während der Aufnahme
rechnung b. 1. Tonangel
2. Ansteckmikrofon
3 Kameraeinstellungen verstehen 3. Richtmikrofon
4. Windschutz (DeadCat)
a. Je größer die Brennweite ist, umso
kleiner ist der Bildwinkel. 8 Videofilm konzipieren
b. Je größer die Blende (Blendenzahl)
ist, umso größer ist die Schärfen­ a. Exposé: Kurzbeschreibung des ge-
tiefe. planten Filmprojekts
c. Je größer die Blende (Blendenzahl) b. Treatment: Beschreibung der Szenen
ist, umso kleiner ist die Blendenöff- eines Filmprojekts, z. B. Dauer, Ort,
nung. Handlung, Ton
d. Je größer die Brennweite ist, umso c. Drehplan: Zeitliche und örtliche
kleiner ist die Schärfentiefe. ­Planung der Aufnahmen

4 Kamera auswählen 9 Einstellungen kennen

Videofilmen können Sie mit: a. Totale:


a. Camcorder: Überblick verschaffen, Zuschauer an
ƒƒ Spezielle Videofunktionen z.B. Handlungsort führen
Zoomwippe b. Halbnah:
ƒƒ preisgünstiger als DSLR/DSLM Bezug zu Personen herstellen, Mi-
b. Digitalkamera: mik/Gestik erkennen
ƒƒ großer Bildsensor (hohe Bildqua- c. Detail:
lität) Fokus auf wichtige Einzelheit lenken
ƒƒ auch für Fotografie geeignet

96
Anhang

10 Einstellungen kennen 15 Parameter für Rendering kennen

a. Groß (oder Nah) ƒƒ H.264:


b. Totale Codec als Kompressions-/Dekom-
c. Nah (oder Halbnah) pressionsverfahren
d. Detail ƒƒ HD 1080:
e. Amerikanisch (oder Halbnah) Full-HD-Auflösung mit 1.920 x 1.080
Pixeln
11 Kamerabewegung unterscheiden ƒƒ 25p:
25 Vollbilder/s (p = progressive
a. Kamerafahrt: Kamera bewegt sich, Mode)
Motiv ruht oder bewegt sich auch.
Zoomfahrt: Kamera zoomt an Motiv
heran und vom Motiv weg.
b. Vorteil Kamerafahrt:
Bildauschnitt verändert sicht nicht,
wirkt realistisch
Vorteil: Zoomfahrt:
Besser umsetzbar als Kamerafahrt

12 Anschlussfehler kennen

a. Widersprüche beim Wechsel von


Einstellungen.
b. 1. Fehlende Requisite
2. Andere Frisur
3. Anderes Licht
4. Andere Kleidung
5. Andere Zeit
6. Anderer Ort

13 Timecode kennen

a. Stunde: 1
Minuten: 25
Sekunden: 13
Bild: 12
b. Damit der Zugriff auf jedes Einzelbild
(Frame) möglich ist.

14 Überblendung verstehen

a. Überblendungen lenken ab und wir-


ken störend.
b. Ortswechsel, Zeitwechsel, andere
Handlung.

97
5.2 Links und Literatur

Links

Autorengesellschaft für Musik


www.gema.de

Linksammlung für lizenzfreie Musik


www.medienpaedagogik-praxis.de

Literatur

Joachim Böhringer et al.


Kompendium der Mediengestaltung
IV. Medienproduktion Digital
Springer Vieweg 2014
ISBN 978-3642545825

Jörg Jovy
Digital filmen
Rheinwerk Computing 2017
ISBN 978-3836245135

Robert Klaßen
Grundkurs Digitales Video
Galileo Design 2014
ISBN 978-3836228350

98
5.3 Abbildungen Anhang

S2, 1: Der Körper des Menschen, dtv-Verlag watch?v=N1P-9vHwyEU (Zugriff: 10.08.2017)


S3, 1: Autoren S50, 1: Autoren (Foto: www.tagesschau.de)
S4, 1: Autoren S51, 1, 2, 3: Wikipedia (Logos)
S5, 1: Autoren S52, 1: Wikipedia
S6, 1: Matthieu Riegler (iPod), https://com- S55, 1: Autoren
mons.wikimedia.org/wiki/File:IPod_family.png S56, 1: Autoren
(Zugriff: 02.08.2017) S57, 1, 2: Autoren
S11, 1: Autoren S58, 1a: www.sachtler.com (Zugriff: 12.04.2011)
S16, 1: Autoren S58, 1b: James, CC BY 2.0, https://www.flickr.
S17, 1: https://www.thomann.de/de/steinberg_ com/photos/mblazeimages/7223622122 (Zugriff:
ur22_mk2.htm (Zugriff: 02.08.2017) 10.08.2017)
S18, 1: Autoren S59, 1: Autoren
S18, 2: https://www.thomann.de/de/rode_ S60, 1a: http://www.testberichte.de/foto-video-
nt1a_complete_vocal_recording.htm (Zugriff: und-optik/2586/camcorder/4k-camcorder.html
02.08.2017) (Zugriff: 10.08.2017)
S19, 1: https://www.thomann.de/de/swisso- S60, 1b: http://www.chip.de/artikel/Nikon-D500-
nic_asm5.htm (Zugriff: 02.08.2017) DSLR-Test_94774838.html (Zugriff: 10.08.2017)
S20, 1: www.thomann.de (Zugriff: 30.09.2013) S60, 1c: http://www.chip.de/artikel/Panasonic-
S21, 1: Autoren Lumix_DMC-GH3-DSLM-ueber-1.000-Euro-
S21, 2: https://www.thomann.de/de/the_ta- Test_59340134.html (Zugriff: 10.08.2017)
kustik_sap80_pyramidenschaum.htm (Zugriff: S60, 1d: http://www.chip.de/test/Sony-XperiaX-
02.08.2017) Zs_115009913.html (Zugriff: 10.08.2017)
S24, 1: https://www.amazon.de/Rode-Smart- S62, 1: https://www.foto-morgen.de/Stu-
Lav-Lavalier-Mikrofon-Smartphone-Fell-Wind- dioausstattung/Dauerlicht/LED-Leuchten/
schutz/dp/B01AURWKMI Yongnuo-YN900-Pro-LED-Videoleuchte-5500-K.
S24, 2: https://www.amazon.de/Rode-Video- html?pgNr=1 (Zugriff: 21.08.2017)
Mic-Ultra-kompaktes-Kondensator-Richtmikro- S62, 2: Autoren
fon-Smartphone/dp/B018KIJGU8 S63, 1: https://www.foto-morgen.de/Studioaus-
S25, 1: Autoren stattung/Faltreflektor-Reflektor/Phorex-2in1-
S33, 1: Autoren Faltreflektor-Rund-105cm-Gold-und-Silber.
S33, 2: www.thomann.de (Zugriff: 30.09.2013) html?pgNr=1 (Zugriff: 21.08.2017)
S36, 1: CC0, Wikipedia (Zugriff: 07.08.2017) S63, 2: CC0, https://pixabay.com/de/menschen-
S36, 2: Autoren silhoutte-gegenlicht-43351/ (Zugriff: 21.08.2017)
S37, 1, 2, 3: Wikipedia (Zugriff: 07.08.2017) S64, 1: www.thomann.de (Zugriff: 09.05.2011)
S38, 1, 2, 3: Screenshot aus „Ice Age“ (Zugriff: S65, 1: Autoren
07.08.2017) S68, 1 – 7: Autoren
S39, 1, 2, 3: Frank Leber, www.pixelio.de S69, 1: Autoren
(Zugriff: 04.10.2004) S70, 1: Autoren
S40, 1: Autoren S71, 1, 2: Autoren
S41, 1: CC0, Wikipedia (Zugriff: 07.08.2017) S72, 1: CC0, www.pexels.com (Zugriff:
S42, 1: Autoren 10.08.2017)
S46, 1: CC0, https://static.pexels.com/pho- S73, 1: Autoren
tos/105831/pexels-photo-105831.jpeg (Zugriff: S74, 1: https://www.youtube.com/
07.08.2017) watch?v=o5qXCzknxn8 (Zugriff: 15.08.2017)
S48, 1: Autoren S81, 1: Autoren
S49, 1: https://www.youtube.com/ S89, 1 – 5: Autoren

99
5.4 Index

Symbole Autofokus 58, 71 DeEsser 27


Available Light 63 Detail (Einstellung) 68
4:1:1 43 AVC 47 Dezibel 4
4:2:2 42 AWB 61 Differenzcodierung 47
4:3 38 Digital Audio Workstation 22
4:4:4 42 B Digitalisierung
4K 37, 43 –– Audio 6
5.1 8, 51 Back Light 63 –– Video 42
8K 37, 43 B-Frame 47 Digitalkamera 59
16:9 38 Bildrate 43 Display (Kamera) 57
21:9 38 Bildsensor 56 Dolby Digital 51
Bildstabilisator 58 Dolly 70
A Bildwiederholfrequenz 36 Drehbuch 66
Bitrate Drehplan 66
AAC 11 –– Audio 8 Drei-Punkt-Ausleuchtung 62
Abtastfrequenz 7 –– Video 44 DSLM 59
Abtastung Blende 57 DSLR 59
–– Audio 7 Brennweite 56 DTS 51
–– Video 42 DVB 37
AC-3 51 C Dynamisches Mikrofon 18
Achsensprung 72
Adobe Camcorder 59 E
–– Audition CC 23 CBR 10
–– Premiere Pro CC 76 CCD-Element 41 Einstellung (Video) 67
AIF(F) 9 Cinch-Stecker 20 Encoder 45
Aktive Lautsprecher 19 CinemaScope 38 Equalizer 28
Aliasing-Fehler 7 Clipping 23 Exposé 65
Amerikanische Einstellung 67 Codec 45
Amplitude 3 Color-Subsampling 42 F
Anschlussfehler 74 Containerformat 48
Anschluss (Videoschnitt) 74 Fader 31
Ansteckmikrofon 24, 64 D Farbsysteme 40
Apple Lossless 10 Farbtemperatur 61
APS-C 56 Datenkompression Farbunterabtastung 42
Aspect Ratio 38, 43 –– Audio 9 Feinschnitt (Video) 79
Atmo 64 –– Video 45 Fernsehen 36
Audacity 22 Datenmenge Fernseher 39
Audioformate 9 –– Audio 8 Fernsehnormen 36
Audio-Interface 17 –– Video 44 Fill Light 63
Audition CC 23 Datenrate Filmgestaltung 67
Aufhellung 62 –– Audio 8 FLAC 9
Auflösung –– MP3 10 Fovea 40
–– Audio 7 –– Video 44 Frequenz 3
–– Video 43 DAW 22 Front-Lautsprecher 51
Aufnahme DeadCat 24 Froschperspektive 72
–– Apps 25 Decoder 45 Führungslicht 62

100
Anhang

Full HD 37, 43 Kelvin 61 Nahfeld-Monitor 19


Keyframe (Videoschnitt) 85 Netzhaut 40
G Key Light 62 Normalobjektiv 57
Kinoformate 38 Normalperspektive 72
Gegenlicht 63 Klang 5 NTSC 36
Gegenschuss (und Schuss) Klangfarbe 5 Nyquist-Theorem 7
73 Kleinbild 56
Gehörknöchel 2 Klinkenstecker 20 O
GEMA 64 Kompressionsverfahren
Geräusche 5 –– Audio 9 Oberton 5
GoP 47 –– Video 46 Objektiv 56
Groß (Einstellung) 68 Kondensator-Mikrofon 18 OGG 11
Grundton 5 Kopfhörer 17 O-Ton 64
Kriechtitel 84 Out-Point 77
H
L P
H.264 47, 86
H.265 47, 86 LAME 11 PAL 37
Halbnah (Einstellung) 67 Lauflängencodierung 46 PALplus 37
Halbtotale (Einstellung) 67 Lautsprecher 17, 19 Pan & Scan 39
Halogen-Lampe 62 Lautstärke 2, 4 Pegel 4
Handlungsachse 72 Lavaliermikrofon 24, 64 Periodendauer 3
Hard-Disc-Recording 6 LED-Panel 62 Perspektive (Video) 72
HD 43 Letterbox 39 P-Frame 47
HDTV 37 Licht 61 Phantomspannung 18
Hertz, Heinrich 3 Lichtstärke 57 Phon 4
HEVC 47 Pixelzahl 56
Homerecording 16 M Polyurethan-Weichschaum
Hörvorgang 2 21
Huffmann-Codierung 46 Maskierung 10 Postproduktion 75
Masterkeyboard 17 Preamp 18
I Mikrofon 17, 18 Premiere Pro CC 76
–– Kamera 58 progressive Mode 36
ID3-Tags 11 Mono 8, 51 Progressive Download 49
I-Frame 47 MP3 10 Psychoakustisches Modell 10
Infraschall 3 MP3-Encoder 11 Pyramidenschaumplatte 21
In-Point 77 MPEG 47
Interlace-Verfahren 36 MPEG-2 48 R
Internet TV 50 MPEG-4 48
Multiband-Komprimierung 27 Rauschen 26
K Multitrack 29 Rear-Lautsprecher 51
Musik (Video) 64 Reflektor 63
Kamera 56 Reißschwenk 69
Kamerafahrt 69 N Rendering (Video) 86
Kameraschwenk 69 Retina 40
Kanäle 8 Nah (Einstellung) 67 RGB-System 40

101
Richtcharakteristik (Mikrofon) Stereo 8, 51 Weißes Rauschen 5
19 Storyboard 66 Weitwinkelobjektiv 57
Richtmikrofon 24, 64 Streaming 49 White Balance 61
Ripple (Videoschnitt) 80 Studiomikrofon 18 Windows Media 48
RLE 46 Studiomonitor 17, 19 Windschutz 24
Rohschnitt (Video) 77 Subwoofer 19, 51 WMA 11
Rollen (Videoschnitt) 80 Systemkamera 59 WMV 48
Rolltitel 84
Rückkopplung (Mikrofon) 21 T X

S Teleobjektiv 57 XLR-Stecker 20
THX 51
Sampling Timecode 82 Y
–– Audio 7 Titel (Video) 83
–– Video 42 Ton 3 YCbCr-System 41
Samplingrate 7 –– Video 64, 85
Schallrichtung 2 Tonangel 25, 64 Z
Schärfentiefe 57 Tonhöhe 3
Schärfeverlagerung (Video) Tonsysteme (Video) 51 Zapfen (Auge) 40
71 Totale (Einstellung) 67 Zoomfahrt 70
Schnecke (Innenohr) 2 Treatment 66 Zoomobjektiv 57
Schuss (und Gegenschuss) Trommelfell 2 Zoomwippe 59
73
SECAM 37 U
Sehen 40
Seitenverhältnis Überblendung (Video) 82
–– Fernseher 38 Übersteuerung 23
–– Video 43 UHD 37, 43
Sensor 56 Ultraschall 3
Shannon-Theorem 7
Slide (Videoschnitt) 80 V
Slip (Videoschnitt) 80
Smartphone 59 VBR 11
SMPTE-Timecode 82 Vertonung (Video) 85
Software Video-Codec 45
–– Audioeditor 22 Videoformate 48
–– Videoschnitt 75 Videokompression 45
Speakon-Stecker 20 Videotechnik 40
Speicherkarte 57 Vogelperspektive 72
Spiegelreflexkamera 59 Vorverstärker 18
Sprachaufnahme
–– Adobe Audition CC 23 W
–– Apps 25
Sprecherkabine 20 WAV 9
Stäbchen (Auge) 40 Weber-Fechner-Gesetz 4
Steadicam 58, 70 Weißabgleich 61

102