Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher

Die Neudorfer Schulhaus-Konferenz
Entwicklung eines zeitgemässen Lehr-Lernverständnisses und einer neuen Schulkultur unter dem Motto: „Förderung des eigenständigen Lernens und der sozialen Verantwortung“ A) Ziel Die Studierenden setzen sich mit dem Semesterthema „Eigenständiges Lernen und soziale Verantwortung fördern“ im Diskurs auseinander und erkennen die dem Thema inhärenten Ambivalenzen. Dazu vertiefen sich die Studierenden  in einem ersten Schritt in einen ausgewählten Vertreter/ eine ausgewählte Vertreterin der „pädagogischen Klassiker“, (vgl. Scheuerl 1979/ Tenorth 2003), kennen und würdigen sein/ ihr pädagogisches Konzept unabhängig von den aktuellen schulischen Bedingungen und in Abgleich mit den eigenen subjektiven Theorien. in einem zweiten Schritt in dessen/ deren potenziellen Beitrag für eine gegenwärtige LehrLernkultur, die Eigenständigkeit und soziale Verantwortung in ihr Zentrum stellt, und stellen diesen Beitrag in einer gegenwärtigen Schulhauskonferenz zur Diskussion.

B) Ausgangslage Das Neudorfer Lehrerinnen- und Lehrerteam der Sekundarstufe I möchte auf der Grundlage eines robusten und zugleich zeitgemässen Lehr-Lernverständnisses eine Unterrichts- und Schulkultur entwickeln, welche möglichst alle Kolleginnen und Kollegen im breiten Konsens unterstützen und gemeinsam tragen, um dieses Verständnis vermehrt unterrichtswirksam werden zu lassen. Die Frage ist nun: Lässt sich ein solch tragfähiger Konsens in Neudorf finden? Man beschliesst im Lehrerteam, dieses wichtige Thema in einem zweistufigen Prozess anzugehen. C) Konzept 1. Phase: Zunächst ist das Team auf der Suche Leitideen unter der Fragestellung: Was gibt es schon an pädagogischem Gedankengut zum eigenständigen Lernen und zur Förderung der sozialen Verantwortung, das sich aufnehmen und möglicherweise weiterentwickeln liesse? Ein Blick in die Geschichte der Pädagogik tut sich auf. Berge von Literatur stehen vor einem, doch bezüglich des Entwicklungsziels lässt sich eine Auswahl treffen. In Frage kommen Autorinnen und Autoren, denen am Lernen der Schülerinnen und Schüler gelegen ist. Jugendliche, die unterstützt werden, eigenständig und verantwortungsvoll zu werden, rücken in den Vordergrund (Bildungsziel). • Man beschliesst, arbeitsteilig vorzugehen und sich zu zweit an die Arbeit zu machen, um den ausgewählten pädagogischen Leitideen nachzugehen. Es wird gelesen und studiert. Im Tandem klärt sich die Frage: „Habe ich das/die Anliegen verstanden, um die es geht?“ „Kann ich den Kolleginnen und Kollegen dieses/diese Anliegen erklären?“ (Textverständnis). „Kann ich ein lebendiges Portrait meines „pädagogischen Klassikers“ erstellen, das die zentralen Ideen enthält und meinen Mitstudierenden verständlich wird?“ (Produktorientierung) Externe Hilfe darf und kann beansprucht werden (Beratung durch die Mentoren). Doch niemand kommt ohne eigene Unterrichts- und Schulerfahrungen hierher. Ein Abgleich und Austausch der pädagogischen Leitideen des gewählten „Klassikers der Pädagogik“ mit den eigenen Unterrichtserfahrungen und -prinzipien erweist sich als notwendig und unumgänglich, sonst lässt sich in die Diskussion kaum einbringen, was studiert wurde, sonst kommt es niemals zum gesuchten Konsens (Bedeutung der subjektiven Theorien, Klärung der Lernvoraussetzungen, Selbst- und Mitbestimmung). 1

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d) Klären Sie Ihr persönliches Lernverständnis gegenüber dem Ihres Vertreters/ Ihrer Vertreterin der „Klassiker“: Was integriere ich in mein Lernverständnis? – Wovon distanziere ich mich? – Notieren Sie diese Aspekte auf einen zweiten Flipchart-Bogen. Phase: Die Sekundarstufe in Neudorf ist eine auf den Grundsätzen der Demokratie geführte Schule. Jeder bringt sich ein (Mitbestimmung). Auftrag für 1. 2 . Ihr Ziel ist es. die gegenwärtige Jugend auf eine neue Zukunft vorbereiten. eine neue Schulkultur zu entwickeln? Will sich das Kollegium gemeinsam auf den Weg zu begeben. Welten tun sich in der zweiten Phase auf. c) Arbeiten Sie aus der Position Ihres Pädagogen/ Ihrer Pädagogin Aspekte heraus. Einige Lehrpersonen betrachten einen tendenziell geschlossenen Unterricht für ihre Schülerinnen und Schüler als lernwirksamer als einen geöffneten Unterricht. Welches sind die nächsten Schritte in der Umsetzung – konkret im eigenen Unterricht. Bereiten Sie dieses Portrait auf einem Flipchart vor und präsentieren Sie es Ihren Kolleginnen/ Kollegen. die für das eigenständige Lernen und die Förderung sozialer Verantwortung individuell und gesellschaftlich relevant sind. in dem Sie möglichst unverfälscht zentrale Aspekte von deren Anliegen thematisieren. die zu den Texten bestehen. b) Erstellen Sie ein „lebendiges“ Portrait des Vertreters/ der Vertreterin der „Klassiker der Pädagogik“. konstruktivem versus instruktivem Unterricht ist im Jahresmotto (und auch im Semesterthema des BSH 6) selbst begründet. Das Spannungsverhältnis von offenem versus geschlossenem bzw. diese Spannung aufzulösen? Gelingt es. in der sie (Teil-) Verantwortungen für die notwendigen individuellen wie sozialen (gesellschaftlichen) Entwicklungen zu übernehmen haben? Wie positioniert sich das Schulteam in Neudorf unter diesen Vorgaben? (Solidarität). Diese Methode ermöglicht es sämtlichen Teilnehmenden.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher 2. D) Methode Nach einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema aus der Perspektive eines „Klassikers der Pädagogik“ und der Erarbeitung eines Argumentariums zur Stützung der eigenen Position (in Phase 1) setzen sich die Studierenden mit unterschiedlichen Rollen in einem Kreis zusammen. sich gezielt in die Diskussion einzubringen./Lernverständnis zu kommen. an dieser Sitzung zu den oben stehenden Fragen einen Beschluss zu fassen. zukunftsfähige Leitgedanken aus dieser Position heraus. sich der Ambivalenzen des Semesterthemas bewusst zu werden und sich den Anforderungen für die Folgeveranstaltungen zu stellen. Arbeiten Sie wichtige. zu einem gemeinsamen Lehr. • • • Gelingt es. gelingt es gar. Phase Versetzen Sie sich in die Position eines Vertreters/ einer Vertreterin der „Klassiker der Pädagogik“. spannende. konsensual in der Schulhauskultur? • • Aufgrund des bestehenden Gesprächsbedarfs erachtet es die Schulleiterin als sinnvoll. da die unterschiedliche Positionen und Ratschläge zum Thema aufeinanderprallen. a) Klären Sie im Tandem Fragen. an der Teamsitzung der Sek-l-Lehrpersonen eine Aussprache zu diesem Thema zu traktandieren. um die virulenten Fragen unter der Leitung der Schulleiterin zu debattieren (in Phase 2).

Bildung muss Selbstbestimmungs-. Mitbestimmungs. Name: Franziska Führer Funktion: Schulleiterin Pädagogisches Vorbild: Wolfgang Klafki (*1927) Leitgedanke: „Bildung verbindet die Entwicklung des Individuums mit der Entwicklung von Kultur und Gesellschaft.“ Bevorzugte Unterrichtsform: Problemorientierter Unterricht Position in der Diskussion: Sie leiten die Teamsitzung und nehme eine vermittelnde Rolle ein.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. alle Beteiligten in die Diskussion einzubinden und am Ende einen definitiven Beschluss zu fassen. Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 3 . b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor. Ihr Ziel ist es.und Solidaritätsfähigkeit ermöglichen.

“ Bevorzugte Unterrichtsform: Projektunterricht Position in der Diskussion: Sie setzen sich für partizipatives Lernen ein. indem Sie diese mit Ihrem persönlichen.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. wird Erziehung auf einen äusseren Zwang reduziert. Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 4 . EN. Name: Hans Neumann Funktion: Sekundarlehrer Niveau A (BG. Sie versuchen den Schülern viel Verantwortung zu übertragen und deren Selbständigkeit zu fördern. b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor. der sich das Kind selber aus eigener Initiative widmet. auf Demokratie beruhenden Konzept weiterbringen wollen. TG. BS) Pädagogisches Vorbild: John Dewey (1859 – 1952) Leitgedanke: „Wo sich die Bemühungen des Erziehers nicht mit einer Tätigkeit verbinden.

b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor. wie Sie unterrichten.C (DE.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. FR. Sie fühlen sich von Ihren Schülerinnen und Schülern. Ehemaligen und Eltern bestärkt in der Art und Weise. „Naturgemäss lehren und lernen“ kann man auch in grossen Gruppen. Name: Peter Stamm Funktion: Sekundarlehrer Niveau A . Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 5 . Die Klassengrösse ist für Sie kein Hauptthema. GS) Pädagogisches Vorbild: Johann Amos Comenius (1592 – 1670) Leitgedanke: „Allen alles allhaft lehren“ Bevorzugte Unterrichtsform: Frontalunterricht Position: Ihr Unterrichtsstil entspricht einem vorwiegend lehrerzentrierten Unterricht. Sie sind glühender Verfechter der Volksbildung und der Chancengleichheit. EN.

MK. Name: Käthi Hilfiker Funktion: Sekundarlehrerin Niveau B (HW.“ Bevorzugte Unterrichtsform: Werkstattunterricht. b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor. die den inneren Bedürfnissen entsprechende Nahrung geben und die Freiheit der Entwicklung respektieren lernen. Position: Sie setzen sich für konstruktives.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. es selbst zu tun“. DE) Pädagogisches Vorbild: Maria Montessori (1870 – 1952) Leitgedanke: „Hilf mir. „Mit äusseren Gegenständen.“ Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 6 . Neben Lernen am Material benötigt das Kind „sinnliche Übungen des täglichen Lebens. Stationenarbeit. das sind die Fundamente einer neuen Pädagogik. eigenständiges und soziales Lernen ein.

Planarbeit Position: Die konstruktive Aneignung von Wissen führt zum Erfolg.“ Bevorzugte Unterrichtsform: Lernatelier. Kinder und Jugendliche brauchen eine anregende Lernumgebung mit authentischem Lernmaterial. genügt es nicht. BG) Pädagogisches Vorbild: Céléstin Freinet (1896-1966) Leitgedanke: „Um sich zu bilden. in der sie sich Lernstoff produktiv aneignen. selbst schöpferisch sein. GS. den man ihm mehr oder weniger spannend serviert: es muss selbst handeln.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. sicht. Name: Hansjürg Zäch Funktion: Sekundarlehrer Niveau A (DE. GG. dass das Kind jeden Stoff in sich hineinfrisst.und brauchbare und von ihnen selbst als sinnvoll empfundene Lernergebnisse herstellen. Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 7 . b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor.

Wer etwas richtig versteht. kann dieses Wissen in neuen Situationen gebrauchen. erst die Phänomene. Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 8 . GG. der gehe nicht zum Wassertopf“.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. Name: Horst Tappert Funktion: Sekundarlehrer Niveau C (GS. NW. denen vor neuen Situationen etwas Produktives einfällt“. dann die Erklärung. „Wir brauchen nichts mehr als findige Köpfe. Muttersprache vor Fachsprache. Bevorzugte Unterrichtsform: Exemplarisch-genetischer Lehrgang Position: Authentische Probleme haben Vorrang vor virtuellen. b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor. MA) Pädagogisches Vorbild: Martin Wagenschein (1896-1988) Leitgedanke: „Wer zu den Quellen gehen kann. Die Lehrpläne müssen entrümpelt werden.

NW. versuchen Sie sich im Unterricht entbehrlich zu machen und setzen insbesondere auch auf selbst gesteuertes Lernen ausserhalb des Schulzimmers. Mit folgenden Überlegungen begründe ich mein pädagogisches Denken: 9 . IN. TG) Pädagogisches Vorbild: Ivan Illich (1926-2002) Leitgedanke: „Seit der Schulbesuch Pflicht ist. Name: Otto Sorg Funktion: Sekundarlehrer Niveau AB (MA. dass sie nützlich ist?“ Bevorzugte Unterrichtsform: E-Learning Position: Als verkappter Vertreter der Entschulungsbewegung unterrichten Sie durchwegs in der Funktion eines Lernberaters.Ateliersemester FS 10 / Mentoratsgruppe: Christoph Egli / Markus Bucher Auftrag für Phase 2 Versetzen Sie sich in Ihre Rolle: a) Suchen Sie Argumente für Ihr pädagogisches Denken in Übereinstimmung mit Ihrem pädagogischen Vorbild. dass das heutige Schulsystem die bestehenden Hierarchien in der Gesellschaft reproduziert und die Lernenden nicht zu mündigen Bürgern formt. Da Sie der Ansicht sind. muss die Schule nicht immer wieder nachweisen. b) Bereiten Sie sich auf die Plenumsdiskussion des Lehrpersonenteams vor.